Platte

Seit Wochen lebe ich in einem Plattenbaugebiet, das in den DDR-Achtzigern entstand.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Ihr Woh­nungs­bau­pro­gramm sah die ande­re Repu­blik damals als Kern­stück ihrer Sozi­al­po­li­tik und daher als „Haupt­auf­ga­be der ent­wi­ckel­ten sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft” an. Lan­ge her. Fragt mich jemand, wo ich woh­ne, ver­blüfft mei­ne Ant­wort. Wie­so? War­um das denn? Wie hältst du es da bloß aus? Dort gibt es doch nur noch Loser, Assis und Ausländer!

Aber es gibt nichts aus­zu­hal­ten; es lebt sich – ganz ordent­lich. Und es war “anti­zy­klisch” genau die rich­ti­ge Idee, mal wie­der das Abseits zu wäh­len. Wer hier zu Hau­se ist, der erlebt augen­fäl­lig die Dif­fe­renz zwi­schen den Eta­blier­ten und dem Rest, jenen Riß, den die Ber­li­ner Repu­blik mit Gerech­tig­keits- und Teil­ha­be-Rhe­to­rik ver­schmie­ren möchte.

Man ent­geht in der Plat­te der Gut-drauf-Dik­ta­tur der Posi­ti­vi­tät, wie sie sich sowohl offi­zi­ell und poli­tisch-pro­pa­gan­dis­tisch als auch kon­kret all­tags­kul­tu­rell bei den bes­ser­ver­die­nen­den Erfolgs­ty­pen, mul­ti­fit­ten Selbst­aus­beu­tern und coo­len Hedo­nis­ten eta­bliert hat. Außer­halb der ange­sag­ten Stadt­tei­le und Sze­ne­vier­tel darf man Ver­sa­ger sein, kann man offe­ner depres­siv erschei­nen oder sich gehen­las­sen. Nichts ver­pflich­tet einen auf zur Schau getra­ge­ne Glück­se­lig­keit. Ist man hier ange­kom­men, muß man äußer­lich kei­nem irgend­was beweisen.

Damals, in der bereits wel­ken Schein­blü­te der Sieb­zi­ger-DDR, war froh, wer es aus den zer­fal­len­den Innen­städ­ten in die „Neu­bau­ge­bie­te“ schaff­te. Heu­te hat sich das umge­kehrt. Die es seit den Neun­zi­gern geschafft haben, leben nie und nim­mer „in der Plat­te“, son­dern ent­we­der in sanier­ten und pit­to­resk her­ge­rich­te­ten Häu­sern der Alt­stadt oder in Edel­im­mo­bi­li­en, die gera­de in bes­ter Lage und mit „zeit­lo­ser Archi­tek­tur“ ent­ste­hen, zum Vor­zugs­preis von zwei­hun­dert- bis drei­hun­dert­tau­send Euro für eine tech­nisch per­fek­te Zwei­raum-Eigen­tums­woh­nung ste­ri­len Charmes, mit Ter­ras­se und Blick in die Wei­te aus boden­tie­fen Fens­tern, gern dort­hin, wo noch Natur und His­to­ri­sches vor­erst unp­la­niert blieben.

Inner­städ­tisch regiert eine knall­har­te Grund­stücks­ver­wer­tung und ‑ver­mark­tung, die für die SUV-Bour­geoi­sie wie für die neue links­grü­ne Büro­kra­ten-Eli­te einer Lan­des­haupt­stadt genau das Rich­ti­ge bereithält.

Als vor fünf­zig Jah­ren die „Plat­te“ ent­stand, wur­de sie sogleich leben­dig: jun­ge Fami­li­en, vie­le Kin­der, neue Schu­len. Eini­ge der damals Jun­gen leben immer noch hier – meist genau jene Wen­de­ver­lie­rer, die es eben nicht geschafft haben und jetzt, älter als sech­zig, blei­ben müs­sen. Als sie als jun­ge Fach­ar­bei­ter dank Ehe-Kre­dit und Kin­der­geld in die neu­en Blocks zogen, drang das böse Wort von den „Arbei­ter-Schließ­fä­chern“ oder – mit Hei­ner Mül­ler – den „Fick­ze­l­len mit Fern­hei­zung“ noch nicht bis hier­her durch.

Man war zunächst zufrie­den: Innen­toi­let­te, war­mes Was­ser aus der Wand, zwei oder drei Zim­mer, für grö­ße­re Fami­li­en sogar vier, Spiel­plät­ze, Kauf­hal­le, Sport­an­la­gen und Schwimm­hal­le. Die DDR muß­te wegen ihrer fata­len sozia­lis­ti­schen Plan­wirt­schaft, der weit­ge­hen­den Abschot­tung vom Welt­markt und der Zwangs­ex­por­te Rich­tung Sowjet­uni­on auf eine pseu­do-preu­ßi­sche Wei­se beschei­den sein, ihre Leu­te muß­ten es eben­falls, woll­ten es frei­lich nicht; das Land ging, von der UdSSR plötz­lich zum Anschluß frei­ge­ge­ben, eher aus dem Man­gel an Kom­fort und Kon­sum unter als wegen der spä­ter beschwo­re­nen Sehn­sucht nach Demo­kra­tie und Frei­heit. Golf statt Tra­bant, klar.

Die Wer­bung im West­fern­se­hen bewirk­te weit mehr als die voll­bär­ti­gen intel­lek­tu­el­len Bür­ger­be­weg­ten mit ihren Träu­men vom drit­ten Weg. Was fin­di­ge Inge­nieu­re vor dem Ende der ande­re Repu­blik den­noch „inno­va­tiv“ ver­such­ten, das fin­det sich span­nend und sym­pto­ma­tisch in die­sem Pod­cast dar­ge­stellt. Letzt­lich blieb ihr enor­mes Bemü­hen vergeblich.

Demo­kra­tie und Frei­heit? Kann­te man nicht. Und als man sie ken­nen­lern­te, wirk­ten sie ähn­lich grau und durch­bü­ro­kra­ti­siert wie das einst unge­liebt Ver­trau­te. Meinungs‑, Pres­se- und all die ande­ren bür­ger­li­chen Frei­hei­ten inter­es­sier­ten jene, die sich dar­in gedank­lich bewe­gen woll­ten. Das war wie stets eine Min­der­heit. Alle ande­ren beflei­ßig­ten sich so wie einst der “Norm­er­fül­lung” nun des Kon­sums, der die soge­nann­te Demo­kra­tie bis heu­te zusammenhält.

Ein wesent­li­cher Unter­schied, der erst spä­ter klar wur­de: Die DDR, so ver­wach­sen sie als Kind des Kal­ten Krie­ges erschien, ver­stand sich dezi­diert als Nati­on; die Bun­des­re­pu­blik woll­te genau das ihrem prin­zi­pi­ell ver­än­der­ten Selbst­ver­ständ­nis nach gera­de nicht mehr sein.

Gegen­wart: Die Plat­te steht noch, sta­bil und gera­de, hier und da bunt getüncht; Beton hält ein paar Jahr­zehn­te. Tri­via­li­sier­te, pri­mi­ti­vi­sier­te Bau­haus­kul­tur, neue Sach­lich­keit nach sozia­lis­ti­scher Art. Ich reno­vier­te mir klas­sisch mit Rau­hfa­ser und fes­ter Far­be eine Zwei­raum­woh­nung mit Bal­kon und ver­spür­te sogleich den sprö­den, aber lich­ten Charme der DDR-Sieb­zi­ger. Eines haben sie näm­lich hin­ge­kriegt: gro­ße Fens­ter für viel hohen Him­mel. Die Woh­nung ist licht und freund­lich. Ich füh­le mich im Aus­blick frei­er als in einer Spitz­gie­bel-Man­sar­den­woh­nung der Innen­stadt. Ganz bewußt put­ze ich die Fens­ter sehr auf­merk­sam und ver­zich­te zuguns­ten von Klar­sicht auf Gardinen.

Da ich über­haupt gern redu­ziert und mit wenig Anhaf­tung lebe, habe ich Platz für Sport auf dem prak­ti­schen Kunst­stoff-Fuß­bo­den. Nein, kein Par­kett, kein Lami­nat, zum Glück auch kein ekli­ger Tep­pich­bo­den, son­dern abwisch­ba­rer, aus­neh­mend pfle­ge­leich­ter und hygie­ni­scher Kunst­stoff, eine Art fes­ter Gum­mi, wie Turn­hal­len­be­lag, ide­al für Gym­nas­tik und Kraftübungen.

Mit dem Rad bin ich in ein paar Minu­ten in der Natur. Das Fahr­rad ist für mich über­haupt ein Medi­um der Frei­heit. An den Ver­kehrs­staus und an den Mas­ken-Gesich­tern in der Stra­ßen­bahn sur­re ich vor­bei. Der Arbeits­weg in die Innen­stadt ist recht lang, führt aber durchs Grü­ne. Man ist bei­na­he allein, da die ande­ren den Streß des Ver­kehrs die mehr­spu­ri­gen Zufahrts­stra­ßen ent­lang bevorzugen.

Mei­ne Nach­barn gehö­ren zum unte­ren Drit­tel der sozia­len Staf­fe­lung, aber das paßt mir, denn gewis­ser­ma­ßen bin ich eben­falls einer, der es nicht geschafft hat, jeden­falls lan­ge nicht bis in die Innen­stadt-Quar­tie­re, wo die Leis­tungs- und Ent­schei­dungs­trä­ger und die selbst­er­klärt Erfolg­rei­chen leben. Wo ich zu Hau­se bin, da woh­nen die „sozi­al Benach­tei­lig­ten”, die Migran­ten und die zuge­reis­ten „per­sons of color“. Aus­län­di­sche Stim­men, aus denen ich nur das Rus­si­sche sicher her­aus­hö­re, vie­le erns­te bär­ti­ge Män­ner, weib­li­cher Kopf­tuch­chic, ori­en­ta­li­sche Klei­dung, die Gesich­ter Afri­kas und Vorderasiens.

Man erlebt also eine Art Zuwan­de­rungs­so­zia­lis­mus. Wer es hier­her geschafft hat, aber “nicht in Arbeit gebracht” ist, es mut­maß­lich gar nicht anstrebt, bekommt zur Grund­si­che­rung die Mie­te und die Hei­zung bezahlt. Und geht ein­kau­fen. Es bil­den sich sicht­bar Son­der­struk­tu­ren in man­chen Stra­ßen und Plat­ten­bau­kom­ple­xen. Die Situa­ti­on als sol­che ist ein Pro­blem, vor allem eines der Gerech­tig­keit; ein grö­ße­res ist jedoch, daß die Block­par­tei­en-Regie­rungs­ko­ali­tio­nen es gar nicht als Pro­blem anse­hen, son­dern sich noch mehr Zuwan­de­rung wün­schen, die mit dem Begriff “Ein­wan­de­rung in die Sozi­al­sys­te­me” schon rich­tig beschrie­ben ist.

Die Ali­men­tie­rung der Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten kos­tet Unsum­men. Inte­grier­bar schei­nen die aller­meis­ten Migran­ten nicht zu sein. “Arbei­te­te” der jun­ge Afri­ka­ner dort, woher er kam? Wol­len die Frem­den dazu­ge­hö­ren? Wozu genau? Zu Deutsch­land, das nach Maß­ga­be sei­ner Regie­ren­den sich kaum mehr als Nati­on oder Natio­nal­staat ver­ste­hen soll? Was ist denn Deutsch­land? Jetzt noch? -

Abge­se­hen davon: Eini­ge, ver­mut­lich weni­ge, neh­men die Chan­ce wie­der­um sehr enga­giert an. Mein Tele­fon­an­la­ge und das Inter­net wur­den von einem Tele­kom-Mit­ar­bei­ter geschal­tet, des­sen Vater Rus­se und des­sen Mut­ter Syre­rin ist, wie er mir auf inter­es­sier­te Nach­fra­ge erzähl­te. Er sprach sehr gut Deutsch und wur­de von einem Paläs­ti­nen­ser beglei­tet, den er so bestimmt und genau anlern­te, wie man es sich von einem deut­schen Hand­werks­meis­ter der Fünf­zi­ger vorstellt.

2015 ging es der Regie­rung um die Ret­tung von Men­schen aus “huma­ni­tä­rer Not­la­ge”. Die­se dau­ert hier nicht an; viel­mehr bleibt der Kom­fort. Wird es “Deutsch­land” gedankt?

Das stört vie­le der Rest­deut­schen mit ihren Bil­lig-Jobs oder “Maß­nah­me-Kar­rie­ren”, oft vom Kik ein­ge­klei­det, ja, durch­aus noch in Stone-Was­hed-Look oder Jog­ging­ho­se, hier und da mit Arsch­ge­weih. Der Ziga­ret­ten­rauch ist deut­li­cher wahr­zu­neh­men als anders­wo, Frust­qual­me­rei auf dem Bal­kon, der All­tags­al­ko­ho­lis­mus erscheint gegen­wär­ti­ger. Mit dem Rad muß ich schon dar­auf ach­ten, nicht durch Scher­ben zu fahren.

Ver­lie­rer wer­den hier sicht­bar. Es gibt genug Men­schen, die aus aller­lei Grün­den ihre Kri­sen nicht bewäl­tig­ten, die also nicht wie­der auf­ste­hen und ihr Krön­chen rich­ten konn­ten. Sie hat­ten nie eins auf. Viel­fach waren ihre Start­be­din­gun­gen schwie­rig. Das ent­schul­digt nicht alles, erklärt aber man­ches. Men­schen sind ver­schie­den. In der Plat­te sam­melt sich mehr rela­ti­ves Unglück als anders­wo. Was nicht heißt, daß man dort dann zwangs­läu­fig unglück­lich ist. Äußer­lich viel­leicht, sozu­sa­gen objek­tiv. Sub­jek­tiv läßt sich das aber anders spie­geln. Und für die Plat­te mag gel­ten: Wo alle weni­ger haben, lebt sich’s ent­spann­ter als dort, wo die Kon­tras­te auf­fal­len­der sind.

Ich bin alles ande­re als ein Sozi­al­ro­man­ti­ker, aber ich habe noch nir­gend­wo eine so dezen­te und unauf­dring­li­che Freund­lich­keit, ja Höf­lich­keit erlebt wie hier zwi­schen den „ein­fa­chen Men­schen“. Und das schließt die Aus­län­der mei­nes Erfah­rungs­be­rei­ches durch­aus ein. Die kur­zen Bli­cke schei­nen zu sagen:

Nun ja, wir ver­su­chen doch alle, hier irgend­wie klar­zu­kom­men. Du genau­so wie wir. Irgend­ei­nen Grund wird es ja haben, daß du dich nun gera­de hier unter­ge­bracht hast, wei­ßer Mann. Machen wir’s uns nicht gegen­sei­tig schwe­rer, son­dern bes­ser leich­ter, weil das ohne­hin ein­fa­cher ist. Dazu gehört auch: Kaum irgend­wo sieht es ver­müllt aus. Die meis­ten küm­mern sich schon um ihren eige­nen Dreck. Damit beginnt ja die Kul­tur, und sie hält sich hier noch.

Es gibt kei­ne Ver­pflich­tung zum geist­rei­chen Small-Talk mit net­ten Bon­mots, schon gar kei­ne auf­dring­lich fal­sche Freund­lich­keit; ein Kopf­ni­cken, ein kur­zes Lächeln rei­chen aus. Wird’s mal eng, übt man sich in Geduld. Alle exis­tie­ren, aber nie­mand reprä­sen­tiert. Mal einer Ori­en­talin die Tür auf­hal­ten belohnt einen mit ihrer stil­len, sehr stil­len Sympathie.

Den vie­len Geduck­ten und scheu Ver­husch­ten, gegen­über den depres­si­ven Pegel­trin­kern mit Coro­na-Haar­schnitt und den ein­sa­men Hun­de­aus­füh­rern reicht ein kur­zes „Guten Tag!“, und sie regis­trie­ren ver­blüfft, daß sie von jeman­dem wahr­ge­nom­men wer­den, in der Wei­se ruhi­ger Zuge­wandt­heit, die ihnen nicht gleich ins Leben tram­pelt und nach Recht­fer­ti­gun­gen für ein frag­wür­dig ver­brach­tes Dasein verlangt.

Wel­ches Leben ist denn nicht frag­wür­dig? Bei der nächs­ten Begeg­nung lächeln sie unsi­cher, und man­cher fängt sogar an, ers­te Sät­ze zu bil­den und sich ein wenig mit­zu­tei­len. Nicht zu viel, denn Distanz und Höf­lich­keit schei­nen in der Plat­te wich­tig, wo man Wand an Wand lebt. Gera­de kei­ne DDR-Haus­ge­mein­schafts­kul­tur mehr. Zum Glück nicht! Eher doch Sin­gu­la­ri­tä­ten, auf­ge­teilt in Wohn­ein­hei­ten, drau­ßen aber spür­bar ver­ständ­nis­vol­les Mit­ein­an­der. Die klei­ne Kunst des Umgangs grün­det ohne­hin im Weni­ger als im Mehr.

Als im mil­den Früh­de­zem­ber die rus­sisch­spra­chi­gen Ker­le drau­ßen immer noch beim Vol­ley­ball waren, gesell­te ich mich dazu, weil ich sah, daß da fünf gegen sechs spiel­ten. Nach­dem mir drei gute Anga­ben gelun­gen waren, lief es. Mолодец! Mehr Aner­ken­nung geht nicht. Ich kann wei­ter mitmachen.

Über­haupt: Beim Sport sieht man nahe­zu aus­schließ­lich Aus­län­der und Migran­ten, Deut­sche nicht. Klar, in der Innen­stadt jog­gen die Intel­lek­tu­el­len, deren Frau­en auf der Ter­ras­se Asa­nas ein­üben. Ihr iPho­ne doku­men­tiert die Fit­neß­wer­te. Hier aber pum­pen und ren­nen eher die osma­nisch anmu­ten­den Män­ner, so wie auch deren Kin­der drau­ßen spie­len, wäh­rend die deut­schen von Fort­ni­te absor­biert werden.

Eines ist so geblie­ben: Das Leben hat Maß. Für die, die hier anka­men, mit­un­ter stran­de­ten, ist der Plat­ten­bau-Stan­dard immer noch Luxus: Innen­toi­let­te, Was­ser aus der Wand, Fern­hei­zung, Bal­kon. Die Küche hat man sich selbst ein­zu­bau­en oder holt sie beim Möbel-Spar­ein­kauf, der Alter­na­ti­ve zu den schi­cken Küchen­stu­di­os der Innen­stadt. Als ich bemerk­te, daß beim “Sparkauf” zu erträg­li­chen Prei­sen durch­aus Qua­li­tät gebo­ten wird, sag­te der Ver­käu­fer im Blau­mann: Wir ver­trei­ben hier das Glei­che wie die ande­ren, nur finan­zie­ren wir nicht noch zwei Chefs und zwei Por­sches mit.

Über­haupt sind wir Plat­ten­bau­be­woh­ner gern im Bau­markt und suchen nach „prak­ti­schen Lösun­gen“. Das ist offen­bar die Alter­na­ti­ve dazu, sich für das Innen­stadt­quar­tier oder das eige­ne Heim in den Eigen­heim­ghet­tos der umlie­gen­den Dör­fer in die Gefan­gen­schaft der engen Kre­dit­li­ni­en zu bege­ben. Wir hier im Plat­ten­bau­be­zirk blei­ben mobil. Wir könn­ten flott weg. Müs­sen wir aber nicht.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (103)

RMH

4. Januar 2021 09:08

"Trivialisierte, primitivisierte Bauhauskultur, neue Sachlichkeit nach sozialistischer Art."

Wo ist der große Unterschied zu aktuellen Mehrparteien-Wohnneubauten, welche die überall gleichen CAD- Programme unseren Architekten und Bauingenieuren (ob FH oder Uni spielt bei dem aktuellen Gestaltungspauperismus keine Rolle mehr) bequem anbieten?

Gut, man sieht keine offenen Fugen mehr, alles ist schon "gedämmt" hinter "gebrochenem" weißen Putz, die Fenster haben dunkle Rahmen und die Häuser haben jetzt Aufzüge ---- aber sonst?

In der DDR war der Wohnraum tatsächlich für die Bewohner bezahlbar (ob der staatliche Bauträger drauf gezahlt hat, lässt sich sicher heute sicher nicht mehr 100%ig klären) und hierzulande wird für solch einen ästhetischen Neubau-Einheitsschrott, diese stilistischen Bankrotterklärungen vom Fließband, mittlerweile gerne 4tsd Euro (eher Provinz) und deutlich mehr (Ballungsräume) pro qm verlangt - finanziert ja die Bank für nur 1,x % Zins ...

Was meinen denn die stolzen Neubaubewohner, wer ihnen diesen Schrott in 20 oder 30 Jahren abkaufen soll und zu welchem Preis?

Die Nachkommen der Bewohner aus der "Platte" oder den entsprechenden, zahlreich vorhandenen Pendants in den ehem. "Westgebieten"?

Selbiges gilt für die "Häuslebauer" in der "Speckgürteln", bei denen die architektonische Einfallslosigkeit, diese stilistische Verwüstung, nahtlos ihre Fortsetzung findet.

Waldgaenger aus Schwaben

4. Januar 2021 10:23

Der Autor scheint allein, jedenfalls ohne Kinder, in dieser Umgebung zu wohnen. Die Gretchen-Frage stellt sich deshalb nicht: "Willst Du Deine Kinder hier aufwachsen sehen?"

Zwar würden sie vieles "fürs Leben" lernen, aber wie sähe es für die schulische und berufliche Zukunft aus, wenn man auf Arabisch und Russisch fluchen kann aber die Großschreibung  substantivierter Adjektive nie begriffen hat, weil Vater und Mutter sich damit auch nicht auskennen und die Lehrer froh schon sind, wenn die Schüler im Unterricht nur auf Handy surfen? Klar, ein paar schaffen es immer von ganz unten nach oben. Auf solche Einwände passt immer das Brecht-Zitat: "Man sieht die im Licht, die im Dunklen sieht man nicht." 

Die meisten Angehörigen  des Juste-Milieus beantworten die Frage mit einer kaum zu überbietenden Heuchelei, die zum Beispiel dazu führt, dass in guten Gegenden mit Zwei-Drittel Rot-Grün-Wählern Klagen gegen Planungen für Asylantenheime von breiten Mehrheiten der Anwohner unterstützt werden.

 

MARCEL

4. Januar 2021 10:31

Sehr schöner, erhellender Beitrag! Danke für diese Perspektive.

MARCEL

4. Januar 2021 10:36

p. s. Ich las vor einiger Zeit von jemandem, der als Deutscher seit Jahrzehnten in einem Migrantenviertel im Ruhrpott lebt. Er sprach von sich selbst stolz-ironisch als "Frontschwein".

Maiordomus

4. Januar 2021 10:48

@Bosselmann. Ihr Begriff "Gut-drauf-Diktatur", ob mit oder ohne "Positivität", würde es verdienen, in den Duden aufgenommen zu werden, ist für mich bereits die bedeutendste mir bekannt gewordene Wortschöpfung des Jahres 2021, falls es eine ist, am besten gleich von Ihnen. Wären wohl doch nicht Wohnverhältnisse für mich. Habe mich zwar selber mal für ein paar Jahre in eine sog. Fabrikstrasse zurückgezogen, in eine für Besuch und Gäste und Familienleben nicht zugelassene Mansarde, wo ich zur Schreibmaschinenzeit noch gut für mich arbeiten konnte. Einen Stock tiefer ist prompt ein ehemaliger Militär aus der ehemaligen DDR eingezogen, der vom Militär etwa so berichtete, wie die Generation zuvor von Kriegserlebnissen. Die Denkrichtung war übrigens von "antifaschistischer" Umerziehung völlig unbeeinflusst. So wie ein noch jüngerer Berufssoldat, derzeit in Afghanistan, mit Beziehungen in die Schweiz, völlig unbefangen erklärte, er hätte selbstverständlich auch unter Hitler so gedient. Er scheint mir aber zu klug, um solche Aussagen per Twitter oder so weiterzuverbreiten. Aber natürlich ein "Ossi". 

Sugus

4. Januar 2021 10:52

"Mal einer Orientalin die Tür aufhalten belohnt einen mit ihrer stillen, sehr stillen Sympathie."

Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass bei einem sehr großen Teil der Bekopftuchten Hilfe z.B. beim Kinderwagen an der Treppe nicht sichtbar gedankt wird, verzichte ich seit längerem darauf, diese zu leisten. Ich möchte ja als "Ungläubiger" nicht zu aufdringlich sein und sie in Verlegenheit bringen. Und ich fühle mich richtig gut dabei. 

Leider hat in meiner Platte (im Block ca. 90% Ausländer, größtenteils Osteuropäer) die Sauberkeit arg nachgelassen. Hat nach meiner Beobachtung mit südosteuropäischer Zuwanderung zu tun. 

Laurenz

4. Januar 2021 11:31

"... eher aus dem Mangel an Komfort und Konsum unter als wegen der später beschworenen Sehnsucht nach Demokratie und Freiheit."

Ja, das ist in ganz Ost-Europa so. Aber nur die DDR hatte einen Sponsor, der die guten Reste gleich vernichtete. Daß Westwerbung mit der Realität nur bedingt etwas zu tun hat, wurde nicht erfragt. Auch der politischen Preis, den die USA diktierte, interessierte niemanden. "Zuerst kommt immer das Fressen" oder feiner "das Materielle bestimmt das Sein".

Den Zustand eines Milieus, den Sie, HB, beschreiben, ist nicht von Dauer. Die ethnische Amerikanisierung Deutschlands bleibt nicht ohne Folgen. Der Sozialstaat ist multi-ethnisch nicht aufrechtzuerhalten.

Berlins Mietpreisdeckel ist nur der symbolische Beginn in den Untergang der neuen DDR. 

@Sugus

Sie sind, wie die meisten hier, viel zu rücksichtsvoll und gut erzogen. Das hat heute im politischen Sein nichts mehr verloren. Wenn ich orientalische Paare sehe, die Frau hinter dem Manne laufend, winke ich der Frau immer lächelnd zu, wohl wissend, daß es zuhause erst einmal eine Tracht Prügel setzt. Jedem das (die) seine (Kultur).

Lotta Vorbeck

4. Januar 2021 11:37

@Heino Bosselmann

"Irgendeinen Grund wird es ja haben, daß du dich nun gerade hier untergebracht hast, weißer Mann."

---

Lieber Heino Bosselmann,

Ihre Schilderungen von den entlang jener Chaussee, wo Sie mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sind, aus dem Autofenster geworfenen Schnapsflaschen, die Geschichte "von Vaters Uhr", dem reaktivierten Füllfederhalter, dem Besuch bei Ihrer alten, sterbenden Lehrerin, den vom neuen Besitzer hastig gefällten, alten Bäumen im Park des mecklenburgischen Gutshauses, vom Rohrlegen in Nachbars Garten, vom Benno, dem Jungen Ihrer Lebensgefährtin und dem alten Ofen im eigenen Haus sind noch immer präsent. Zuletzt schrieben Sie an anderer Stelle von der "Einzimmerwohnung mit Fernheizung in Neubrandenburg."

Nun leben Sie im Plattenbau. In Neubrandenburg gibt's keine Straßenbahn.

Mолодец!

frdnkndr

4. Januar 2021 11:53

Von mir ebenfalls vielen Dank für diesen Text; geschmeidig zu lesen und in gewisser Weise irgendwie auch tröstlich.

Mauerbluemchen

4. Januar 2021 11:57

@Sugus

Über diese Stelle bin ich auch gestolpert.

Nun, als kultivierter Mensch gönnt man einem alternden Single seine angeschwülten Traumbilder aus 1001 Nacht, der berlingestählte Praktiker (der zB Krankenpfleger an einem Krankenhaus in der Innenstadt ist) weiß, wie es in Wirklichkeit, live und in Farbe, um diese "stille, sehr stille Sympathie" der Suleikas aus aller Herren Länder bestellt ist.

 

 

 

Maiordomus

4. Januar 2021 11:57

@RMH. Die "Häuslebauer" sind vielleicht die nahtlos vergleichbaren z.B. badischen Geschwister der DDR-Plattenbauprivilegierten von einst, die indes einst CDU wählten, ihre Kinder unterdessen Grüne. Aus diesen Verhältnissen heraus gilt es auch Herrn Meuthen zu begreifen, dessen schwarzwaldtannenverschneite Neujahrsbotschaft bei mir nicht mal unsympathisch rübergekommen ist.  

Flaneur

4. Januar 2021 11:59

Teilnehmende Beobachtung in fremden sozialen Lebenswelten. Das kennt man sonst eher von sich links verortenden Autoren, die ihre gentrifizierten urbanen Gründerzeitviertel verlassen, um auf der Suche nach dem Edlen Wilden Rousseaus in migrantisch dominierte Stadttteile einzutauchen. Voller Empathie und Euphorie wird dann stereotyp von bereichernden Erlebnissen berichtet, um sich anschließend in hypermoralischer Selbstbeweihräucherung  mit den Beschriebenen zu solidarisieren, diese dann aber in einem zweten Schritt rhetorisch zu entmündigen, indem an sich zu ihrem Vormund erklärt. Schließlich sei der Edle Wilde ja mit dem Leben in komplexen modernen Gesellschaften erstmal üerfordert und könne deshalb seine waren Interessen gar nicht selbst erkennen. Nun also ein ähnicher Ansatz von rechts? Statt Migrantenviertel die Platte, statt edlem Wilden das  Prekariat? Bei mir bleibt bei derartigen Artikeln, so nett sie auch zu lesen sind, ein unschöner Nachgeschmack, auch wenn Bosselmann - zum Glück! - die moralische Selbstbeweihräucherung unterläßt und sich nicht zum Vormund der Plattebewohner aufzuschwingen versucht.

Maiordomus

4. Januar 2021 12:18

@Flaneur. Ach, der "edle Wilde" Rousseaus; wichtiger waren die Genfer Vorstädter zu einer Zeit, als es dort bei 26 000 Einwohnern immerhin 40 Buchhandlungen gab. Seine Demokratievision galt 1769, dem Geburtsjahr Napoleons, dem Bergland Korsika, dem er eine Verfassung in der Art von Appenzell als Entwurf wenigstens verpasste. 

Ein gebuertiger Hesse

4. Januar 2021 12:38

@ Flaneur

Beachtlich, Ihre Lesart des Artikels. An Kommentaren wie dem Ihren erkennt man, was man in den Feuilletons landauf landab seit langem nicht mehr findet - Feinsinnigkeit im Verbund mit entschiedener Wertung.

Imagine

4. Januar 2021 13:11

1/2

Eine Milieubeschreibung aus subjektiver Perspektive.

Wie fast immer bei Bosselmann fehlen Mehrperspektivität, Analyse, gesellschaftliche Gesamtbetrachtung sowie wissenschaftliche Reflexion.

In der „Platte“ – wie auch vergleichbaren Wohnvierteln – mischen sich Unterschicht und Prekariat. Hinzu kommen die Absteiger aus der Mittelschicht, die sich keinen gehobenen Wohnstandard (mehr) leisten können.

Immerhin ist der Wohnstandard höher als jener der Neubauten von Wohnbaugesellschaften im Westen in der Mitte der 50-er Jahre. Da gab es nur Kaltwasser, Kohleeinzelöfen, einen kohlebefeuerten Wasserboiler im Bad und einen
kohlebefeuerten Kessel in der Waschküche.

In den nichtsanierten Altbauten in Großstädten wie in Frankfurt und Berlin waren in den 70-er und 80-er Jahren noch Kaltwasser, Etagentoilette außerhalb der Wohnung sowie kohle- oder ölbeheizbare Einzelöfen normal. Vermutlich ist dies in Stadtteilen wie z.B. Berlin-Neukölln zum Teil noch immer so.

Zur Studentenzeit waren solche Wohnungen sehr beliebt, weil sie billig waren: Man baute Durchlauferhitzer und Duschkabinen selbst ein.

Ein Abstieg aus der Mittelschicht in die Unterschicht und das Prekariat gehört heute zur Normalität, z.B.  bei Arbeitsplatzverlust oder zu geringen Renteneinkommen.

Imagine

4. Januar 2021 13:12

2/2

Wie sieht die soziale Lage in der BRD aus?

Geschätzt macht die Unterschicht inzwischen 50% aus, davon lebt die Hälfte im Prekariat als Sozialhilfempfänger, Working Poor oder Armutsrentner.

Bei welchem Einkommen beginnt die Unterschicht in der BRD?

„Neuer Mindestlohn: Schweizer Aldi-Kassierer verdienen oft mehr als deutsche Lehrer“ war gestern zu lesen. In der Schweiz sind allerdings die Lebenshaltungskosten ca. ein Drittel höher.

Die Lehrerlöhne betragen gemäß Lohnreport 2020 bei „watson“ in der Schweiz im Vergleich zur BRD mehr als Doppelte, das heißt: auch kaufkraftbereinigt liegen sie wesentlich höher.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:
Im Vergleich zu anderen Ländern lebt es sich in der BRD in der Unterschicht nicht schlecht. Anders sieht es bei dem in Armut lebenden und in HartzIV-Zwangsarbeit befindenden Prekariat aus.
Die Mittelschichten driften immer mehr in Richtung Unterschicht ab.
Daher der „Brain-Drain“.

 

Utz

4. Januar 2021 13:21

Danke für diese Darstellung. Ich beneide Sie um Ihre Gelassenheit und Ihren Optimismus, so heiter in dieser Umgebung zu leben. Als Pessimist würde ich, während ich einer Orientalin die Tür aufhalte, nicht an stille Sympathie denken, sondern mich fragen, "Was machst du, wenn die Lage eskaliert, wenn die Ressourcen knapper werden, wenn es Ansätze von Bürgerkrieg gibt, beim dem die Frontlinien entlang der Ethnien verlaufen?"

Gustav Grambauer

4. Januar 2021 13:50

Habe neulich mal in den Fratzenbuch-Profilen ehemaliger Klassenkameraden gestöbert. Zwei klare Tendenzen erkennbar.

1. Die EFH-Fraktion. Lauwarme Langweiler mit grosser Fassade und viel bunter Knete im Kopf, Merkelklatscher und F.D.P.-Leimrutengänger, meist prima zufrieden, vieles wirkt ein bißchen "aufgesetzt", kaum jemand hat etwas für ihn Substantielles mitzuteilen.

2. Diejenigen, die heute im Plattenbau wohnen. Es geht derb und hmorvoll zu. Viel elementar-verletzter Gerechtigkeitssinn (der - sinnbildlich - immer wieder herausgeschrien wird), viel Zukunftsangst, viel Desillusionierung, viel Bewußtsein für die Zumutungen auf allen Ebenen, viele AfD-Bundstags-Clips, viel Haß auf Roth, Künast, Göring-Eckert und Nissen, viel Herz für die Eltern- und Großelterngeneration, viele Bilder von liebevoll gepflegten Gräbern, viel Kompromißlosigkeit in der Lebenseinstellung, viele Fragen, viel Entsetzen, viel Ratlosigkeit.

Wo ist das größere Potential? Meine Antwort ist klar.

- G. G.

Ein gebuertiger Hesse

4. Januar 2021 13:51

@ Imagine

"Wie fast immer bei Bosselmann fehlen Mehrperspektivität, Analyse, gesellschaftliche Gesamtbetrachtung sowie wissenschaftliche Reflexion."

Das alles wollen Sie am ersten Arbeitsvormittags des neuen Jahres in einem ersten hiesigen Beitrag zusammengeballt finden? Wenn die Kneipen auf hätten, würde ich Ihnen raten, Flipper spielen zu gehen und sich ein Herrengedeck zu bestellen. Haben sie leider nicht. Es bleibt mir daher nur die generelle Empfehlung: GET A LIFE!

Laurenz

4. Januar 2021 14:16

@Imagine

Lebte seit 1971 für gut 6 oder 7 Jahre in Frankfurt/Ost, nähe Zoo. Das war keine feine Gegend, Großmarkthalle im Betrieb, Osthafen und viele Gastarbeiter lebten dort ohne Familie. Es gab zwar noch kriegsbeschädigte Bauten, aber sie bildeten die Ausnahme und waren für uns Kinder eher Abenteuer-Spielplätze, der Ostpark, zum Kicken, nicht fern. Ganz anders die DDR.... 2 Parallel- oder Quer-Straßen von der Stalin-Allee/Unter den Linden saßen Anfang der 80er irgendwelche Ministerien in völlig fertigen Gebäuden des III. Reichs, der Putz noch vom Pulver geschwärzt und zerlöchert von Maschinengewehr-Garben.

Für den Niedergang des Mittelstands in Deutschland ist politisch der Zusammenbruch des Warschauer Pakts verantwortlich. Es gab keinen Grund mehr, ein Wohlstandgefälle aufrechtzuerhalten. Ihr Beitrag läßt wieder nur Klischees durchscheinen und, wie so oft, zu wünschen übrig.

@Flaneur

Ihr Beitrag schlägt total fehl, weil er Vergleiche anstellt, die so nicht haltbar sind. In "La Bohème" lebten seinerzeit Menschen des eigenen Volkes, oder wenn es Fremde gab, waren diese eher unter dem Begriff "Linke" zu finden. Die meisten linken Schreiberlinge waren doch eher mal Salon-Linke. Und wenn nicht, sollten Sie explizite Ausnahmen auch benennen.

Gotlandfahrer

4. Januar 2021 15:37

(1) von (2)

Zunächst allen Werktätigen und -zehrenden hier ein frohes neues Jahr.

Werter HB, danke für die eindrucksvolle Schilderung vom antizyklischen Plattemachen.  Ihr Reduktionismus ist ja schon ziemlich Great Reset. „Leichtes Gepäck“ sozusagen, um modernes, ach, was sag ich, postmodernes Bundeskulturgut zu zitieren.

Verdammt, und ich fahre noch SUV, gehe zweimal die Woche joggen und meine Frau macht, wenn’s das Wetter erlaubt, auf der Terrasse vor den bodentiefen Fenstern irgend sowas wie Asanas glaube ich. Aber stimmt, die ist tatsächlich linksgrüne Bürokratin und wird in ihrer geistigen Verfasstheit von allen Seiten – außer von mir zu unserem Leidwesen – gestützt und bestätigt.  Sie würde dies auch, hier gehe ich zur Kritik an Ihrem Text über, sogar von Ihrem Artikel (den sie natürlich niemals läse). Denn aus meiner Sicht bietet Ihr (trotzdem sehr lesenswerter) Text wenig Orientierung für die aktuelle Lage (und dies ist system- sprich: bürokratInnenstützend).  Was soll ich mit der Information anfangen, dass den „Geduckten“ dort seitens der, die dort „ankamen“, nicht an den Hals gegangen wird? Und jeder dort bar enger Kreditlinien flott wieder wegkönnte?

Alle Menschen streben, und gemäß Wollen, Können, Dürfen erzielen alle unterschiedliche Ergebnisse und alle, die mehr haben als andere, werden sich dafür rechtfertigen, und viele, die weniger haben, werden sich darüber beklagen können. 

...

Maiordomus

4. Januar 2021 16:11

@Grambauer. Der Schweizer Theologe und Schriftsteller Kurt Marti (1921 - 2017) ging davon aus, dass Hausbesitzer eher an Gott glauben. Im Vordergrund standen wohl aber eher solche, wie sie etwa Stifter im bedeutendsten Hausroman der deutschen Literatur beschreibt, "Der Nachsommer" oder dann Bauernhäuser in der Art wie bei Jeremias Gotthelf geschildert. Irgendwie lädt ein hässliches Reiheneinfamilienhaus nicht gerade zur Gläubigkeit ein. 

limes

4. Januar 2021 17:11

Stadt

»Wir hier im Plattenbaubezirk bleiben mobil. Wir könnten flott weg«, schreibt Heino Bosselmann, und es erstaunt mich, dies aus konservativer Feder zu lesen. Die Sicht eines sesshaften, in der Heimat fest verwurzelten Menschen lässt dies nicht unbedingt erkennen.

Spontan kam mir der Hobo in den Sinn, der US-amerikanische Wanderarbeiter. Gewiss geht HB nicht so weit, dennoch meine ich, er kommt den ausbeuterischen Globalisten mit dieser Bemerkung weit entgegen. Flott weg können, keine Heimat, an die man sein Herz hängen möchte? Doch ein Anywhere und kein Somewhere?

Oder klingt hier die Frage an, ob es Eigentum ist, das frei macht, oder eher Bedürfnislosigkeit?

Was die »stille, sehr stille Sympathie« angeht, die der Autor bei Orientalinnen wahrzunehmen meint, denen er ritterlich die Tür aufhält (und damit den Vortritt lässt), so gebe ich zu bedenken, ob nicht Missverständnisse auftreten könnten bei einem Gegenüber, das nicht mit einer jahrhundertealten Tradition männlicher Höflichkeit gegenüber dem »schwachen Geschlecht« großgeworden ist und mit einem Ideal, demzufolge »dienen« in bestimmten Zusammenhängen einem Mann zur Ehre gereicht. Und verfügt der Autor Erfahrungen darüber, inwieweit er ob seiner Anders- oder Ungläubigkeit respektiert wird?

Glast

4. Januar 2021 17:14

Bosselmanns Texte sind ein großer Gewinn für mein Leben und haben bereits so oft meinen Blick auf die Dinge der Welt nuanciert. Dafür ein großes Dank. 

Aber die Wertung des alltäglichen Verhaltens unserer Gäste aus dem Morgenland scheint mir empirisch nicht haltbar. Ganz gleich ob Junge oder Alte, ob Männer, Frauen oder Kinder - für mich sind sie ausschließlich RAUMFORDERND.  Mal mehr und mal weniger skrupellos. 

limes

4. Januar 2021 17:29

Land

@ RMH (4. Januar 2021 09:08):

»Die architektonische Einfallslosigkeit, diese stilistische Verwüstung«, die Sie beklagen, geht oft auf das Konto machthungriger kommunaler Entscheider, bis hin zum Provinzgemeinderat, die Bauherren gerne Vorschriften machen und bis hin zur Gartenbepflanzung oft keinerlei gestalterischen Spielraum lassen.

Oftmals handelt es sich bei Bauherren darüber hinaus um einfallslose Bauträger, die zufrieden sind, wenn sie modische Mätzchen verwirklichen können, die der überlieferten, von der Lebensweise vorangegangener Generationen kündenden regionalen Formensprache zuwiderlaufen.

Ganz anderen Geist verrät Ellen Kositzas Empfehlung des Büchleins „Bauen und Bewahren auf dem Lande“ von Dieter Wieland, einer ihrer Beiträge in »Das Buch im Haus nebenan«. Ich freue mich, eines der wenigen antiquarisch angebotenen Exemplare des Wieland-Büchleins erworben zu haben.

Wie sehr man sich über Architektur, über die Art zu leben, ausdrücken kann, zeigt der seltsame Umweg, der mich hier zu SiN geführt hat: Damals verfolgte ich David Bergers Blog und wurde anlässlich gewisser Unstimmigkeiten Bergers mit Schnellroda aufmerksam auf einen Beitrag, in dem von Kositza und Kubitschek beschrieben wird, wie sie sich von der kalten, modernen Berliner Herrschaftsarchitektur abgestoßen fühlten und auf dem Heimweg von einer politischen Veranstaltung darüber reflektierten, wenn ich mich recht erinnere. Das hat mich angesprochen.

limes

4. Januar 2021 17:45

Fluss

Im vierten Absatz verlinkt HB die Ansicht eines Wohnquartiers von »Edelimmobilien« namens Elb Carré. Ist das von genormten Kieseln gesäumte, messerscharf begradigte Gewässer die stolze Elbe? Der Anblick erscheint mir sinnbildlich für diejenige Schicht, die von Manfred Kleine-Hartlage in der aktuellen Ausgabe des Compact-Magazins als »Funktionselite« bezeichnet wird.

RMH

4. Januar 2021 18:02

1.

@Limes,

danke - Sie haben es bemerkt. Ich dachte beim Schreiben meiner obigen Zeilen an D. Wieland und seine unvergessene Sendereihe "Topographie" (gibt es alles online - bitte einmal rein sehen, wer es noch nicht getan hat).

RMH

4. Januar 2021 18:09

2.

Und damit zu einem Teil der anderen Kommentare:

Bosselmanns Text ist ein wichtiger Text. Ich selber komme aus so einem "Viertel" - wenn auch eben aus einem Pendant der BR. Da haben früher ganz normale Leute, die regelmäßig (meistens Schicht) gearbeitet haben, gewohnt. Die haben sich aber dennoch nie zu denen aus der "Oberstadt" zählen lassen ("Bleistiftspitzer"). B.t.w. @H.B.: Sie können noch so viele gute Angaben beim Volleyball oder sonst was machen - Sie werden nie dazu gehören. Als ich als einer von 2 von 38 in meiner Grundschulklasse aufs Gymnasium gehen durfte, war ich für alle meine ehemaligen Kumpels faktisch tot. Da war man draußen - fertig.

RMH

4. Januar 2021 18:10

3.

Alternative Medien - dazu zähle ich auch SiN - habe gerade die Aufgabe, einmal dort nachzusehen, wo die anderen allenfalls zum Sammeln für Gelder für irgendwelche Projekte gegen rechts kurz mal sehr, sehr einseitig reinblinken.

So ist der Wandel doch sicher bemerkbar. In Halle Neustadt bspw., wo ich in den 90ern einige gute, private Kontakte (@Gotlandfahrer: Danke für den Link zum Mädchen aus der Platte) hatte, wohnten auch damals doch noch eher deutsche Bürger aller möglichen Berufe, als irgendwelche Zuwanderer - ganz anderes Milieu als in den Platten im Westen. Keine Ahnung, wie das heute aussieht, vermutlich wohnen sehr viele alte Menschen dort und die jüngeren sind weg gezogen (evtl. kann mich ja einer der Kommentatoren darüber aufklären) und es kommt in etwa in die Richtung, die H.B. beschreibt (wobei Halle Neustadt eben ein ganz anderes Kaliber war und ist als eine der üblichen Plattenbausiedlungen am Rande einer Stadt. Vermute dort nach wie vor viel deutsches Basisbürgertum).

Imagine

4. Januar 2021 18:27

1/3

@Laurenz   4. Januar 2021 14:16
„Für den Niedergang des Mittelstands in Deutschland ist politisch der Zusammenbruch des Warschauer Pakts verantwortlich. Es gab keinen Grund mehr, ein Wohlstandgefälle aufrechtzuerhalten.“

Oberflächlich betrachtet, mag dies so erscheinen. Es ist auch zum Teil zutreffend.

Aber hier muss man zwischen systemimmanenten Verteilungskampf, der politisch entschieden wird, und der kapitalistischen Systemgesetzlichkeit unterscheiden.

Das große Sterben der Kleinunternehmen war bereits in den 70-er Jahren, als die großen Discounter, Handelsketten, Dienstleistungsunternehmen etc. sich entwickelt hatten. Da gingen die kleinen Geschäfte und Betriebe kaputt.

Ein natürlicher Vorgang im Kapitalismus, nämlich Konzentration und Zentralisation.

Die kapitalistische Strukturkrise seit Mitte/Ende der 60-er Jahre, bedingt durch gesättigte Märkte und fehlende zahlungsfähige Nachfrage, führte zu Massenarbeitslosigkeit und zu Reallohnsenkungen sowie in dessen Folge zu sinkender Massenkaufkraft.

Dieser Prozess findet sich in allen großen kapitalistischen Staaten. In den USA gibt es kaum noch eine Mittelschicht, sondern nur die Reichen und eine kleine wohlhabende Mittelschicht, die große Masse ist Unterschicht und Prekariat.

Das ist allen bekannt, die sich ernsthaft mit Ökonomie befassen.

 

Imagine

4. Januar 2021 18:27

2/3

Eine Besonderheit Deutschlands ist der Exportimperialismus. Niedrige Löhne ermöglichen den Export von billigeren Produkten. Dies macht Deutschland zum „Exportweltmeister“. Niedrige Löhne führen zu sinkender Massenkaufkraft. Deshalb sind Quelle, Schlecker, Opel und zum Teil Kaufland/Karstadt und viele KMUs kaputtgegangen.

HartzIV sowie Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer führen zu abnehmenden Wohlstand bei der Arbeitsbevölkerung sowie zunehmender Massenverarmung.

Genau diese systemische Dimension wird nicht verstanden. Auch von den Rechten nicht. Denn die bestehen mehrheitlich aus Kapitalismus- und Marktwirtschaftsgläubigen.

Mit Deutschland geht es kontinuierlich abwärts in Richtung Dritte Welt Land. Genau dies wird von Bosselmann et al. nicht begriffen. Statt dessen versuchen sie, sich in der Armut einzurichten. So wie nach dem Krieg es die Menschen in der BRD und für die Dauer ihrer Existenz in der DDR taten.

Die BRD hat ein sozialistisches Krankenversorgungssystem, Bildungssystem etc. mit Zugang für alle, auch Sozialhilfeempfänger. Neben der Normalökonomie hat sich parallel eine Armutsökonomie etabliert mit Sozialkaufhäusern, Sozialtickets, Tafeln etc. Überall gibt es Hilfe von Sozialarbeitern, Hilfevereinen etc.
 

Imagine

4. Januar 2021 18:27

3/3

Für die meisten der Millionen Immigranten, die vom Sozialstaat alimentiert werden,  ist dieses Deutschland ein Schlaraffenland. Und die treudoofen Deutschen merken nicht, dass sie immer ärmer werden, sich arm arbeiten und in Richtung einer Dritte-Welt-Struktur gehen.

Im Milieu der Neuen Rechten hat zwar Benedikt Kaiser versucht, eine „Marx von rechts“-Debatte zu initiieren, aber daraus ist nichts geworden. Im rechten Milieu ist man nach wie vor systemblind und von marxistischer politischer Ökonomie und Soziologie sowie Kapitalismustheorie verstehen die meisten genauso wenig wie zuvor.
 

Volksdeutscher

4. Januar 2021 18:53

Plattenbauten - die sozialistische Wärme im Kaninchenstall. Oder die vergreiste Moderne. Fünf Jahre meines Lebens habe ich in einem solchen ästhetischen Monstrum verbracht. Alles Beton, alles häßlich. Im Sommer zu heiß, die Luft staut sich in den Räumen. Im Winter zu kalt, darum muß man heizen wie ein Blöder. Reduktion der Privatheit auf das Minimum. Terror durch Heimbastler, Ehestreit und Sexgeräusche. Gestank organischen Abfalls aus dem wochenlang nicht geleerten Abfallcontainer. Nachts auf der Staße lärmender Pöbel, das Bersten von Bierflaschen, vorbeifahrende Autobusse. Und, und, und....

Lotta Vorbeck

4. Januar 2021 18:54

@RMH - 4. Januar 2021 - 06:10 PM

"... In Halle Neustadt bspw., wo ich in den 90ern einige gute, private Kontakte (@Gotlandfahrer: Danke für den Link zum Mädchen aus der Platte) hatte, wohnten auch damals doch noch eher deutsche Bürger aller möglichen Berufe, als irgendwelche Zuwanderer - ganz anderes Milieu als in den Platten im Westen. Keine Ahnung, wie das heute aussieht, vermutlich wohnen sehr viele alte Menschen dort und die jüngeren sind weg gezogen (evtl. kann mich ja einer der Kommentatoren darüber aufklären) ..."

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Bitte gern:

--->   Ha-Neu - Wo die Reise hingeht

Frühsommer 2017

Laurenz

4. Januar 2021 19:37

@Imagine

Wieder hat Ihr Beitrag 0 mit Wissenschaft, sondern nur mit Ihren abgehalfterten Klischees zu tun. Niemals ging es Deutschland besser als in den 60ern und 70ern, und das bei einem wesentlich höheren Rüstungsetat als heute. In den 70ern wurde natürlich von den Sozis der Grundstein für die heutige Schuldenlage gelegt, ein Feld, in dem Helmut Schmidt, wie sein Vorgänger, total versagten (erinnern Sie Sich an meinen Beitrag über Karl Schiller). Es handelt sich hier bis heute um den ewigen Verrat an der eigenen sozialdemokratischen Wählerklientel. Einen größeren Verrat hat es nie gegeben.

Und natürlich sind die ökonomischen Rahmenbedingungen, auch in Ihren USA, eine Folge politischer Entscheidungen und damit eines politischen Willens. Ihr Beitrag klingt so nach alternativlosem Zufall. Das ist natürlich grober Unfug. Sie, Imagine, wollen einfach nicht dazulernen.

@limes

Auch K& K wurden wohl nicht in Schnellroda geboren. Heimat ist also in erster Linie ein Gefühl und kann auch, u.U., auf einen Ort projiziert werden. Und hier kommen wir zu 

@Gotlandfahrer

Die Welt Ihrer Frau ist einfach lebensfern. Das ist Inhalt des Artikels, wie ich ihn verstanden habe. Frau Gotlandfahrer kauft sich Ablaßbriefe an der Wahlurne, ohne sich einen einzigen Gedanken darüber zu machen, wer sie ist, und wer ihr Leben existieren läßt.

RMH

4. Januar 2021 20:20

@Lotta Vorbeck,

danke für den Link. Das ist es also, was mit der Politikerparole von der "Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West" gemeint war ... dieses Politikerversprechen scheint zur Abwechslung immerhin mal gehalten zu werden ;)

tearjerker

4. Januar 2021 21:13

@Md: „(...) "Gut-drauf-Diktatur", ob mit oder ohne "Positivität", würde es verdienen, in den Duden aufgenommen zu werden, ist für mich bereits die bedeutendste mir bekannt gewordene Wortschöpfung des Jahres 2021 (...).“

Mir gefiel heute auf der Achse das Beschwören der ‚Impfkraftzersetzung“.

limes

4. Januar 2021 21:49

@ Laurenz: »Auch K& K wurden wohl nicht in Schnellroda geboren. Heimat ist also in erster Linie ein Gefühl und kann auch, u.U., auf einen Ort projiziert werden.«

Heimat ist für viele Deutsche nicht der Ort, an dem sie aktuell leben. Der Weltkrieg hat alles durcheinandergewirbelt. Mein Vater stammt aus Österreich, meine Mutter aus Norddeutschland, und ich habe einen Ort in Deutschland angestrebt und erreicht, der dem Voralpenland nahe kommt. Deutsche Heimat hat viele Seiten.

Was den Aspekt des Wohnkomforts angeht, der in einigen Kommentaren angesprochen wurde, so ist der meines Erachtens nicht entscheidend. Meine österreichische Großmutter lebte im einfachen Einfamilienhaus mit schönem Grundstück und Gartenlaube, und ich erinnere mich an wunderbare Sommertage mit hausgemachtem Ribislsaft in der Laube des Hausgartens. Dass das »Häusl« (Toilette) kein fließend Wasser hatte und die Wohnverhältnisse auch sonst bescheiden waren, störte nicht, sondern war einfach »liab«.

Nordlicht

4. Januar 2021 21:50

Dass jeder dort leben kann, wo er möchte, ist ja eine erfreuliche Folge des freien Wohnungsmarktes. In der DDR hätte man nehmen müssen, was zugeteilt wurde (- oder was man durch Kontakte erschlich).

Jeder, wie er mag. Meine Lebenswelt ist das Dorf geworden, nach vielen Arbeitsjahren in Berlin und in NRW-Großstädten. Eine "dezente und unaufdringliche Freundlichkeit" erlebe ich in meinem 300-Einwohner-Dorf, den Nachbarn neben dem erschwingliches Haus (-50.000€ vor 15 J.), nun ausgebaut und renoviert, Garten, Felder und Wald im Blick.

Mit dem Fahrrad sind Lebensmittelläden, Arzt und Apotheker erreichbar, aber wer ein Haus renoviert, braucht ein Auto und einen Anhänger. Und wissen Sie was? Ich habe Null Schuldbewusstsein wegen Klima oder auch "nur" Umwelt. Wer mit dem Gesang der Vögel aufwacht und sorgfältig links und rechts des Weges schaut, weiss um die Veränderungen der Natur; sie waren nicht alle schlecht.

Es gibt nicht nur Sozialromantiker, sondern auch Ökoromantiker, die meinen, früher seien die Menschen schonender mit der Natur umgegangen. Das ist FALSCH.

Nemo Obligatur

4. Januar 2021 21:52

Keine Ahnung, wie es heute so in den Plattenbauten Ostdeutschlands aussieht. Ein, zwei Körnchen Wahrheit könnten natürlich drin sein. Aber insgesamt scheint mir der Text idealisierend. Was ich sicher weiß: Es gibt im Westen in praktisch in jeder Stadt ab 100.000 Einwohnern Plattenbauten so aus den 60er/70er Jahren, da würde selbst ein Heino Bosselmann (vermutlich alleinstehend, kinderlos) nicht wohnen wollen. Gar nicht zu reden von einer Familie mit Kindern. Wer konnte, ist schon lange weg. Das gilt dann selbstredend auch für Migranten, die die ersten Sprossen der Leiter nach oben - Schulabschluss, Ausbildung, feste Stelle - erklommen haben und für sich und ihre Kinder eine bessere Perspektive suchen. Ich habe in den ersten Jahren meines Lebens in so einer Gegend gewohnt. Das war nicht schön. Vandalismus, Diebstähle, herumlungernde Jugendliche, das war Alltag. Damals fast alles Deutsche, Migranten ("Gastarbeiter") gab es dort natürlich auch schon. Heute läuft dort die Sozialindustrie mit ihren Nachbarschaftsprojekten, Integrationslotsen und Quartiermanagern auf Hochtouren. Das ist alles nur noch trostlos, wie mir gelegentliche Zeitungsberichte zeigen.

Aber vielleicht macht HB ja eine kleine Fortsetzungsgeschichte aus seinem Alltag in der Platte und belehrt mich eines Besseren.

Fredy

4. Januar 2021 21:55

Schön geschrieben. Und ich lebe auch so, wie ich nicht leben müsste, es aber gern tue. Aber: 99% derer, deren Leben hier dargestellt wird, würden gern woanders, im EFH in bessergestellten Gegenden leben. Und wären die dort anders? Und wenn ich jemanden der bessergestellten Umstände beraube, ist der eben gezwungen sich zu arrangieren, mit der Situation und seinen Mitmenschen. Die Menschen sind überall gleich. Insofern ist die dem Artikel innewohnende Botschaft eine Falsche. Wie sagte man nach der Wende: Die Kunst ist es, die Leute so schnell über den Tisch zu ziehen, dass sie die Reibung als Nestwärme empfinden.

Leo

4. Januar 2021 22:35

Lieber Heino Bosselmann,

wie lange ich Ihre Artikel lese, kann ich mittlerweile nur noch schätzen: 10 Jahre, 15 Jahre? Am Anfang standen Ihre Berichte über Bildung am Privat-Gymnasium; dann irgendwann kam Ihr "lost weekend" (WB); dann hatten Sie sich beruflich und/oder privat verändert.

Nun also wieder. ("Denn wir haben hier keine bleibende Stadt...?")

Danke für Ihre beständigen Zeitzeichen bei SiN. Die Amplituden Ihrer Existenz decken ein bemerkenswert weitfächriges Spektrum ab. Gutes Einleben in der Platte, HB - und gutes Einspielen mit den molodzeu... ;_)

micfra

4. Januar 2021 22:54

Sehr gut geschrieben. Als Ossi ist mir richtig warm ums Herz geworden.  Ich habe auch schon daran gedacht, ob ich nicht eher in die Platte als den Prenzlauer Berg passe. 

Monika

4. Januar 2021 23:36

1.Das ist sehr schön geschrieben und natürlich subjektiv und geeignet, verfilmt zu werden , so wie der französische Film Paulette https://www.moviepilot.de/movies/paulette, eine politisch-unkorrekte ältere Dame in der Banlieue,die ihr Herz für die abgehängten Plattenbewohner entdeckt.2. Es gibt vielleicht von außen betrachtet die „Gut-drauf-Diktatur“, aber der Schein trügt.  Ein Brainstorming über 30 Jahre sog. „bessere“ Wohnviertel: Der Professor, dessen Frau mit 45 an Leukämie stirbt, die Boutiquebesitzerin mit 55 Jahren an Brustkrebs, die Frau des Rechtsanwalts verlässt ihren Mann, als der in Rente geht, der erfolgreiche Architekt hat eine behinderte Tochter, der Außendienstler verlässt seine Frau mit zwei Kindern für die Sekretärin, der Unternehmer ist ungewollt kinderlos, die Frau Alkoholikerin. Usw, . Das Schicksal unterscheidet nicht nach Wohnvierteln. Fredy hat recht. Natürlich wollen die meisten in sog. besseren Vierteln leben. Und der Familienstand und das Alter spielen auch eine Rolle. Allgemeine Aussagen lassen sich so  nicht treffen. Aber zum Nachdenken ist der Text allemal.

 

Imagine

5. Januar 2021 01:38

1/3

@Laurenz   4. Januar 2021 19:37
„In den 70ern wurde natürlich von den Sozis der Grundstein für die heutige Schuldenlage gelegt, ein Feld, in dem Helmut Schmidt, wie sein Vorgänger, total versagten. …Es handelt sich hier bis heute um den ewigen Verrat an der eigenen sozialdemokratischen Wählerklientel. Einen größeren Verrat hat es nie gegeben.“

Eben nicht. Schmidt hat keynesianische Politik betrieben. Das war im Interesse der sozialdemokratischen Klientel, nämlich Massenarbeitslosigkeit niedrig zu halten und Löhne hoch zu halten.

Lauenz, Sie haben nichts von den tatsächlichen weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Zusammenhängen begriffen.

Das kapitalistische System, also der US-Imperialismus, war bereits in den 60-er Jahren längst in der Krise. Der Dollar war inflationiert. Der Vietnamkrieg war keynesianische Politik, mit dem der Kapitalverwertungsprozess am Laufen gehalten wurde. Stichwort: „militärisch-industrieller Komplex“. Das Bretton-Woods-System ist ums Jahr 1970 zusammengebrochen.

Deutschland war ein besiegtes Land, die BRD ein Vasallenstaat des US-Imperiums, die DDR des Sowjet-Imperiums. Deutschland hat nach dem WKII nie eine souveräne Politik im nationalstaatlichen Interesse betreiben können. Aber beide Deutschlands profitierten von der Systemkonkurrenz und dem Kalten Krieg, weil die BRD das Schaufenster nach Osten war und der Lebensstandard in der DDR im gesamten Ostblock am höchsten war.

 

Imagine

5. Januar 2021 01:38

2/3

Seit den 70-er Jahren geht es mit dem Wohlstand der arbeitenden Klassen im gesamten Westen abwärts und in Deutschland beschleunigt seit den 90-er Jahren.

Die systemkonformen Linken führen den sinkenden Wohlstand der arbeitenden Massen auf die „ungerechte“ Verteilung zurück. Sie meinen, eine andere Politik könne dies ändern. Das ist jedoch Blödsinn. Weil Politik im Kapitalismus nie etwas anderes sein kann als systemerhaltende Politik. Keine einzige linke Regierung – sei es die von François Hollande, von Alexis Tsipras etc. – hat trotz aller Wahlversprechen eine gerechte („sozialistische“) Umverteilung zu Gunsten der Arbeitsbevölkerung jemals konkret in Angriff genommen.
Auch unter linken Regierungen wurden die Reichen reicher und die Arbeitenden ärmer.

 Schröder hat sogar die CDU/CSU rechts überholt. Schröder musste den Wirtschaftsprozess „modernisieren“, um Deutschlands Wirtschaftsprozess wieder flott zu machen. Das bedeutete Niedriglohnpolitik, Hartz IV, Agenda 2010 etc. Blair hat das Gleiche gemacht. Die Sozis nannten dies „New Labour“.

Imagine

5. Januar 2021 01:39

3/3

Das Konzept des „solidarischen Patriotismus“ beinhaltet die gleichen Umverteilungsillusionen wie bei den Systemlinken. Beide ignorieren die Systemfrage bzw. schieben sie auf eine ferne Zukunft, wenn sie irgendwann einmal die alleinige Regierungsmacht besitzen. Das wird jedoch für die nationalen Rechten nie der Fall sein. Sie schaffen es nicht einmal, in der AfD hegemonial zu sein. Gesamtgesellschaftlich sind die nationalen Rechten eine marginalisierte und politisch impotente Minderheit.

Wie die solidarische Umverteilung bei den Linken wird auch jene der Rechten am Sankt-Nimmerleins-Tag stattfinden.

Imagine

5. Januar 2021 01:54

@Fredy. Leo, micfra u.a.

Die „Platte“ stellt ein multikulturelles Soziotop dar, in dem man durchaus mit den Menschen aus anderen Kulturen auskommen kann und in dem es sich leben lässt.

Die „Platte“ ist gewissermaßen ein Modell für das zukünftige multikulturelle Zusammenleben in Deutschland, so wie es in Städten wie Offenbach, Heilbronn etc. normal geworden ist, dass im öffentlichen Raum (staatliche Schulen, Innenstadt, Kaufhäuser, Supermärkte, normale Wohnviertel etc.) Menschen mit Migrationshintergrund die Mehrheit bilden.

links ist wo der daumen rechts ist

5. Januar 2021 05:10

Zugehörig 1

 

Als ich den Bosselmann-Text gelesen hatte, wußte ich nicht recht: Michael Rutschky der 80er oder Gabriele Goettle der 90er?

Es stellt sich also die Frage nach der Zugehörigkeit unseres Feldforschers.
Ganz witzig übrigens die ungewollt klassenkämpferischen Töne (Baumarkt-Szene).

Natürlich geht es auch darum, daß die Autochthonen - dank Alkohol - eher den Abschaum bilden (der gute alte rechte Rand), während es unter Migranten durchaus Aufsteiger gibt. Daß Einheimische eine aufdringliche (dank Alkohol) Kumpelhaftigkeit pflegen, während Zugewanderte ihre Ruhe haben wollen usw. Verhaltenslehren des Plattenbaus halt.           Manches verkehrt sich, viele Vorurteile bestätigen sich gegenseitig.                                     Das merkwürdige  Kräfteparallelogramm lautet: keine inter-ethnische Solidarität gegen "die da oben".
Es bleibt aber die Frage der Zugehörigkeit des einzelnen.
 

 

links ist wo der daumen rechts ist

5. Januar 2021 05:19

Zugehörigkeit 2

 

Und hier mußte ich in letzter Zeit, obwohl ich diese Wohnverhältnisse leider nur zu gut kennengelernt habe, sozusagen am andere Ende unserer Siedlungsformen, dem flachen Land unter bäuerlicher Bevölkerung, eine bestimmte Erfahrung machen. Ich spreche den hiesigen Dialekt (zwar ungern), bin dort aufgewachsen, kann als Selbstversorger bestehen - und dennoch: ich gehöre nicht mehr zu denen. 
Grund: jede Zeile, die ich lese, jede wohlformulierte Überlegung entfernt mich von meiner Herkunft.
Und genau aus diesem Grund ist jedes rechte intellektuelle Projekt einer Breitenwirksamkeit zum Scheitern verurteilt. Rechts bedeutet - auf dem Lande - Bodenständigkeit, Tradition, Wertebewußtsein usw.  aber eben nicht Reflexion. Das sind die Städter, die Linken, die Unruhestifter.
Das merkt man in einer Gegend, in der seit Jahrhunderten die selbe Grund- und Heiratspolitik betrieben wird und Lesen der bloßen Information dient.

Im Plattenbau erfährt man das andere Ende der Skala.

Der sich Bildende bleibt - auch mit seinen Solidarisierungsgelüsten - allein.
 

brueckenbauer

5. Januar 2021 05:37

Wir stoßen hier auch auf ein Dilemma, mit dem jede philanthropische Bewegung zu tun hat, gleichgültig ob sie es mit der Menschheit insgesamt gut meint oder "nur" mit den Deutschen oder mit der Arbeiterklasse.

Denn einerseits gehen wir davon aus, dass die Leute ihr Leben zu Recht unerträglich finden und ihre Lebensbedingungen erträglicher gemacht werden müssen.

Andererseits müssen wir - gerade um diesem Ziel näherzukommen - für uns selbst eine Lebensweise entwickeln, in der wir möglichst viel vertragen und uns mit möglichst vielen vertragen können. Dazu kann auch ein gewisses biedermeierliches Behagen an den kleinen Freuden - Innentoilette und warmes Wasser - gehören. Aber würden wir diesen Weg bis zum Ende gehen, verlören wir dann nicht jede Empathie dafür, warum andere Leute andere Dinge nicht ertragen können? 

brueckenbauer

5. Januar 2021 06:01

Bosselmann meint, die DDR-Bürger hätten den Wohlstand gewollt und nicht die Demokratie.

Demokratie und Wohlstand so gegeneinander auszuspielen halte ich für falsch. Der Hintergrund ist natürlich die Mythisierung und Idealisiserung der Demokratie durch ihre vermeintlichen Anhänger..

In Wirklichkeit hat die athenische Demokratie ein ganz profanes Ziel. Jeder einzelne Bürger soll sein Urteil darüber abgeben, ob die Regierungspolitik sein Wohlergehen fördert; und dadurch soll die Regierung gezwungen werden, auf Wohlergehen und Wohlstand der Massen Rücksicht zu nehmen. Gerade weil die DDR-Bürger den Wohlstand erstrebten, mussten sie die Demokratie wollen.

Laurenz

5. Januar 2021 06:55

@Imagine

Schon wieder Unfug. Sie bezichtigen mich, keine Ahnung zu haben, bestätigen mich aber in demselben Satz "Schmidt hat keynesianische Politik betrieben". Wer hat Ihn dazu gezwungen? Genau, niemand. Nicht einmal die Amis. Karl Schiller prägte den Begriff der anti-zyklischen Wirtschaftspolitik und nahm in der Krise, als Super-Minister, Schulden auf, um der Wirtschaft entsprechende Impulse für den Aufschwung zu geben. Um natürlich die Schulden nachher, wenn die Wirtschaft wieder brummt, zurückzuzahlen. Aber nicht so Schmidt. Schmidt nahm extrem viel Geld auf in einer überhitzenden Wirtschaft, Bundesanleihen, die bei über 9% rentierten, sind das Synonym dafür. Völlig irre. Sie, Imagine, sind auch so ein kleiner Schmidt und ein Kind der Versager, die Sie auch noch rechtfertigen, anstatt sich bei unserer Jugend zu entschuldigen. Mit Verlaub, Ihre Beiträge werden immer lächerlicher.

@limes, Monika (& Platten-Debattierende)

So oder so ähnlich kennen das viele, ich auch. Das macht auch nichts, da wir kulturell zwischen deutschen Stämmen nur sehr bedingte Unterschiede wahrnehmen.

Daß HB sich dieser aktuellen Platten-Welt aussetzt, ist nicht zu kritisieren, sondern konkludentes Handeln. Wie soll jemand über etwas schreiben, was er selbst nicht erlebt hat? Aus dem Salon schreiben viele nutzloses Zeugs.

Gettoisierung ist keine Lösung, sondern das Abtauchen in Ignoranz, Staaten im Staate.

Laurenz

5. Januar 2021 07:15

@Volksdeutscher

Sie mißachten, wo die Unterschicht historisch herkommt. Hinterhöfe, 10-Kopf-Arbeiter-Familien auf 2 Zimmern, zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. 

Sehe gerne David Suchet in Agatha Christies "Poirot". Die Serie spielt im wesentlichen in den 30ern und findet in der britischen Oberschicht statt. Erst gestern beschrieb mir meine Mutter, Jahrgang 1938, daß in Ihrer Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenleben ein eigenes Auto unvorstellbar mit der eigenen Lebenswelt einher ging.

@links ist wo der daumen rechts ist

Die einzige Feststellung, in der @Imagine Recht hat, ist der Niedergang des Mittelstands im Westen. Er versteht aber nicht, wieso. Die Rückkehr in den real existierenden Sozialismus ist der Hintergrund dieser Entwicklung. Und die von Ihnen, liwddri, beschriebenen Bürger werden davon alle (weil ignorant) eingeholt werden, eben weil sie keine HB-Artikel lesen. Ihr Klassenkampf, im Grunde ein ethnischer Kampf, ist auch nicht witzig.

@brueckenbauer

Sie begehen eine Fehleinschätzung. Demokratie und Wohlstand haben nichts miteinander gemein. Das oder die Wirtschaftswunder basiert(en) auf den Erhard'schen (ökonomischen) Relikten des Nationalsozialismus, siehe China. Als Synonym der DDR-Sehnsucht mag das ehemaligen Bundesbank-Gesetz und die Deutschmark gelten, beides explizite Erkenntnisse des Nationalsozialismus. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

quarz

5. Januar 2021 09:40

@brueckenbauer&Laurenz

Bei der Meditation über das Verhältnis von Demokratie und Wohlstand sollte man die Rolle der Durchschnittsintelligenz einer Gesellschaft nicht außer Acht lassen, die erstens der wesentliche Faktor für Produktivität (und damit von Glücksfällen wie Bodenschatzreichtum unabhängigen Wohlstand) als auch dafür ist, sich eine Demokratie leisten zu können ohne dass das gesellschaftlche Leben im Chaos versinkt (siehe die Forschung von T. Vanhanan).

Intelligenz ist neben einem hohen Grad an ethnischer Homogenität die Hauptzutat im Rezept für ein gelingendes politisches Zusammenleben. Selbst gegebenenfalls haben wir keine Garantie. Aber ohne diese beiden Ingredienzien bleiben sowohl Demokratie als auch Wohlstand instabile Größen und die von ihnen geprägte Gesellschaft stets akut vom Scheitern bedroht.

Sugus

5. Januar 2021 10:16

@ Laurenz

"Demokratie und Wohlstand haben nichts miteinander gemein."

Natürlich haben Sie das. Die meisten Demokratien verteilten von oben nach unten um, z.B. vom Adel/Kirche an die Bauern/Bürger (Großbritannien, Schweiz, Württemberg, Frankreich), im Falle der USA Indianerland. Demokratie ist auch Wohlstandsversprechen. Deswegen gieren so viele Menschen in Drittweltländern nach der Demokratie, weil sie sie mit Wohlstand gleichsetzen, aber ohne zu verstehen, dass das heutzutage kein Automatismus sein muss. Dass gewählt wird und dass alle an der Wahlurne gleich sind, schafft noch keinen gutbezahlten Arbeitsplatz oder eine funktionierende Infrastruktur. 

Laurenz

5. Januar 2021 11:00

@Sugus

"Demokratie und Wohlstand haben nichts miteinander gemein"

Auch hier liegen @Imagine richtig und Sie falsch. Zinsen und Dividenden (welche bei uns nur zu 25% besteuert werden), müssen erwirtschaftet werden, Volkswirtschaften brauchen aber/also Wertschöpfung. Die Staatsquote von über 50% an Währungseinheiten, in unserem Falle Euro, bedeutet keinen Wohlstand, sondern sozialistische Mißwirtschaft. Aktuell werden natürlich keine Zinsen erwirtschaftet, dafür erhebt der Staat (oder besser die Staaten des Eurolandes) indirekte Steuern durch gewollte Inflation, was nicht nur die Geldeinkünfte besteuert, sondern sogar direkt Erspartes, also Geldvermögen. Hier wird also von unten nach oben verteilt. Denn wie ich schön desöfteren Tietmeyer zitierte, ist eine stabile Währung vor allem für diejenigen entscheidend, die über kein Eigentum (Immobilien, Aktien etc.) verfügen, sondern nur über ihr Einkommen. Daß hier ein Hartz4-Prekariat existiert, ist ideologisch gewollt, sonst gäbe es keines.

Desweiteren nehmen Sie Mittel- und Ostasien. Dort herrschen fast nur autoritäre Regierungen. Die Staaten dieser Region dürften, laut Ihrer Aussage, alle keinen Wohlstand generieren. Wie Sie sehen, sind auch Ihre Schlußfolgerungen falsch. Wohlstand und politisches System stehen in keinerlei Zusammenhang. Wohlstand fördert nur die Akzeptanz des herrschenden politischen Systems. Das ist aber etwas ganz anderes.

Laurenz

5. Januar 2021 11:07

@quarz

Ich zweifle an Ihrer These. Deutschland erlebte in gut 100 Jahren Jahren Kaiserreich, Weimar, das III. Reich, die DDR, die Bonner Republik, Polen, und die Berliner Ex-Republik. Hinzu kommen 2 Weltkriege und 4 bzw. 5 Währungsreformen. Und das alles erlebte das Deutsche Volk mit mehr oder weniger derselben Schwarm-Intelligenz. Wir selbst sind also das beste Beispiel, daß Intelligenz wenig mit Demokratie, vielleicht etwas mit Wohlstand zu tun hat. Ich erachte allerdings kulturelle Eigenheit und Volkscharakter als entscheidender. Würden wir Intelligenz als Maßstab anlegen, läßt sich eher eine Intelligenz feststellen, die durch Wahn oder Manie geprägt ist. Denn wer wählt schon intelligent seine eigenen Peiniger?

Eo

5. Januar 2021 11:58

Irgendwie läuft mir das
zu sehr auf den klischeehaften Gegensatz von 'hart aber herzlich' hier und 'blasiert und heuchlerisch' da hinaus ...

PS.
Lebe seit etlichen Jahren
so ziemlich halb und halb, zum einen in eim mukumäßig stetig herabsinkenden Berliner Bezirk (so sind des öfteren beim Heraustreten aus der Tür unter den ersten zehn Personen, die mir begegnen, (mein täglicher Indikator) grad einmal einzwei Deutsche dafür viele Kopftücher, Neger und Leute mit fremden Idiomen) und zum anderen in eim noch weitgehend intakten Viertel mit jungen Familien und erstaunlich vielen deutschen Kindern. Aber das sind natürlich Multikultiflüchtlinge (auch wenn sie das nicht zugeben würden) -- den Kindern zuliebe.

 

RMH

5. Januar 2021 12:24

Im Rahmen der ewigen Diskussion Marktwirtschaft, die von Imagine natürlich nur als "Kapitalismus" gesehen wird, und staatlicher Verteilungswirtschaft, aka Sozialismus, ist doch ein praktischer Aspekt an Bosselmanns Zustandsbeschreibung wichtig:

Was haben denn die Vormieter der Bosselmanschen Zweiraumwohnung an Miete und Nebenkosten bezahlt und was zahlt Herr Bosselmann, als Neueingezogener, jetzt?

In Zeiten der Null-Zins-Politik, die ja angeblich die Nachfrage steigern soll (FCK Keynes), wird man feststellen, dass dem Hartzer diese Frage egal sein kann, demjenigen, der früh noch aufsteht und tatsächlich arbeitet, aber nicht, denn auch die Platte wurde dadurch zum Anlageobjekt, welches entsprechende Mieterträge zu generieren hat. Und da teilen sich dann wieder die Bevölkerungskreise in die, die es anhand statistischer Durchschnittswerte einfach vom Amt bezahlt bekommen, und die, die es selber erarbeiten müssen und via Steuern den anderen mit bezahlen.

Baldur Jahn

5. Januar 2021 12:33

HB. 1

Zum exemplarischen Sonderfall der realsozialistischen Mangelwirtschaft im Ostblock gehörte die Wohnungsnot.

Von Leningrad, der Name ist Programm, bis Ostberlin glichen sich die Klagen von frisch Geschiedenen, die auf Jahre keine neue Bleibe fanden.

In der SBZ/DDR wurde die gesamtdt. Wohnungsnot seit 1945 an sich nie überwunden … Ein Beispiel aus Ostberlin Ende der siebziger Jahre, Abteilung Inneres, zuständig für Ausreiseanträge: Frau X, sie stellten einen Ausreiseantrang…Ja, ich würde ihn zurückziehen, wenn ich eine Wohnung bekäme. Sie bekam – an der realsozialistischen Warteschlange  vorbei - eine Wohnung und blieb.

Honecker ging das Wohnungsproblem massiv an. Ließ die Reste der historischen Innenstädte weiter verfallen und setzte auf die Platte, damit der „Antifaschistische Schutzwall“ – solange man die „Geraer Forderungen“ im Westen nicht durchsetzen konnte – nicht per Ausreiseantrag und Freikauf zunehmend relativiert wurde.

Realkapitalistischer Witz am Rande: Selbst die realsozialistische Leistung „Platte“ bezahlte der Westen, indem er die Schulden der DDR übernahm. Später renovierte er die „Platte“, baute da und dort Balkone an. Oder baute –nicht nur wie in Leipzig – „Platten“ statt per billiger Sprengung mit dem teuren Apothekerspatel durch skrupulöses Abtragen zurück.

 

Maiordomus

5. Januar 2021 12:53

@links - Daumen. "Dass Lesen der blossen Information dient". Gute Formulierung, auch wenn das noch nie exakt so war, weil die Alphabetisierung der Bevölkerung im Geiste etwa der deutschen Reformation der Fähigkeit dienen sollte, die Bibel zu lesen. Aber Sie haben insofern recht, dass Zeitungsinformationen, siehe Völkischer Beobachter "Der Führer ist gefallen", letztlich einer Netto-Information dienen, wobei ja schon "gefallen" schlicht die Todesmeldung war, welche zwar noch 10 Jahre später bei uns zu Hause eine deutsche Hausangestellte nicht wahrhaben wollte: "Glaube es erst, wenn man mir die Leiche zeigen könnte."  Immerhin eine echte, auch umerziehungsresistente Skeptikerin. Es stimmt aber, dass die Medien in erster Linie den Netto-Informationen zu dienen haben, nicht zuletzt bei einer noch autochthonen, volkskundlich als original zu bezeichnenden Landbevölkerung. Selber stelle ich fest, dass solche Leute oft sehr ähnlich stimmen wie ich, wiewohl selber täglicher Bücherleser und über den Medienbetrieb im Bild.

Laurenz

5. Januar 2021 13:04

@RMH

Hartzer leiden genauso unter Inflation, wie diejenigen, die für ihr Geld arbeiten.

@Baldur Jahn

Ihre Zustandsbeschreibung ist historisch logisch. Wenn Mieter (so gut wie) keine Miete bezahlen, existieren auch keine Investoren. Und als Politbüro-Mitglied in Wandlitz oder auf der Krim, bzw. Sotchi mit Villen-Datscha ist das Wohnungsproblem der Werktätigen nicht ganz so dringlich spürbar.

Daß wir ein Miet-Rendite-Land sind, ist ein spezielles Deutsches Problem. Nur wir haben im Westen ein solch geringe Eigenheim-Quote von ca. 40%. 

Die einzigen, die tatsächlich etwas dagegen taten, waren, das muß ich leider so feststellen, wieder mal die Nationalsozialisten. Das können sich alle Sozialisten-Penner und pseudo-bürgerlichen Tiefflieger mal hinter die Ohren schreiben. Letztere hatten mal eine große Menge an sozialem Wohnraum geschaffen, aber kein flächendeckendes Eigentum.

@Eo

Nur durch Diskrepanz entstehen Debatten.

Baldur Jahn

5. Januar 2021 13:17

@HB 2

Aber @HB. Nix gegen ihre Sezession und innere Emigration in die Platte und alles für Ihre Beiträge: Man kann die „Alexanders“  nur aus der Sonne treten lassen, wenn man – von Diogenes, Seneca bis Oblomow – die Wilhelm-Busch`e-Freiheitsperspektive der Tonne würdigen und sich damit selbstressentimentfrei kleiden kann. Das will gelernt sein, selbst wenn es der Weisheit letzter Schluß nicht sein muß.

Den Verweis auf die – mit dem an sich interessanten Link  zu dem DLF-Podcast über DDR-Leistungen – weise ich als verspätete System-Vergleich-Fake-News  zurück. Es steht wohl bei Michael Voslensky in Nomenklatura als der Sowjetbonze in einem belgischen Kinderzimmer vor der herumstehenden  Computertechnik – und der fehlenden in der Sowjetunion  - vor dem Wettbewerbsnachteil erschrickt und selber aufwacht.

Noch härter und emphatieloser - wenn auch im antitotalitären Konsens verbleibend -formuliert: Die DDR konnte nicht einmal Autobahnen bauen (das Stückchen nach Rostock schnippelte sie unterm Tisch von der Berlin-Hamburger ab).

Baldur Jahn

5. Januar 2021 13:20

@HB 3

Die SED als separatistische Partei

Wolfgang Seiffert, https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Seiffert, machte den Separatismus der SED nicht mit und ging. Im Januar 1990 trug er in Hamburg an der Universität für die Gruppe 146 auch vielen Deutschen aus der DDR den Artikel 23 GG als Weg zur Wiedervereinigung vor. 

Den Separatismus der SED nach dem 3. Oktober ebenso zu evaluieren wie Stasi und M/L, dazu reichte die Kraft der CDU/CSU (Dr. Schuhmacher, SPD, war schon lange tot) nicht mehr aus. Die geistig-moralische Wende blieb schon vorher auf der Strecke.

Grundgesetzgerecht und rententechnisch  - selbst wenn sie @HB kategorial mit "Nation" recht hätten - gibt  es den "DDR-Bürger" nicht, so wie die Wende eine Revolution war, meinetwegen eine Konterrevolution - aber keine Wende.

Baldur Jahn

5. Januar 2021 13:25

@HB 4

Viele derer, die nach Leipzig zu den am Ende Wir-sind-ein-Volk-Montagsdemos strömten, stimmten bei der sogenannten Volksabstimmung über die sozialistische Verfassung  in den siebziger Jahren wenigstens genauso mutig mit NEIN, wie die "Bürgerrechtler" zu den Kommunalwahlen.

Freilich, dieser gesamtdeutsche Sinn scheint heute zwischen einer 68iger- "Eribon-Deutung" der Deutschen in der DDR und einer neuen Großraumideologie "Europa" verweht; so schafft es Annalena B. in einer Minute 3x "ich-als-Europäerin" zu sagen und Ursula von der Leyen wird ganz übertragungsnationalistisch trunken, wenn sie von ihrer Geburtsstadt Brüssel und ihrer EU schwärmt.

- Gegen den 3. Weltmachtwahn D hilft der Rückzug auf den "DDR-Bürger" nicht, sondern nur das Aufzeigen der Gefahren von denjenigen, die zur Zeit und ihr Leben lang zwar mit der Blechtrommel um das Hamburger Bismarckdenkmal ziehen und es wie immer zersetzen oder gar  abreißen wollen. "Gegen den Platz an der Sonne" ihr Leben lebten - heute aber überall genauso wie früher - "mitreden" wollen, sogar mit Atomwaffen.

Und denken, sie werden von den anderen als Deutsche nicht wahrgenommen. Von der größenwahnsinnigen Lagebeurteilung zwischen den europäischen Nationalstaaten, der Lage in der Welt und der Lage in D ganz abgesehen.

RMH

5. Januar 2021 13:40

"Hartzer leiden genauso unter Inflation, wie diejenigen, die für ihr Geld arbeiten."

@Laurenz

Das trifft in dieser pauschalen Form überhaupt nicht zu. Es wird aufgrund der "Vermögensinflation", also u.a. den aktuell immer teurer werden Immobilien, nur keinerlei Anreiz mehr gegeben, einem Erwerbsleben zu niedrigen bis mittleren Einkommen nachzukommen. Insbesondere, wenn man noch jünger ist und nicht bereits mittendrin im Rad von Arbeit, Kredite tilgen etc. Warum sich unter diesen Bedingungen noch der Tretmühle Arbeit aussetzen? Warum sich - bspw. als Immigrant - noch integrieren etc.?

Der "Hartzer" hat lediglich das Problem, wie er mit seinen 446 Eur "Taschengeld" (Regelsatz Alleinstehende 2021) bis zum Monatsende durchkommt. Aber auch dafür gibt es genug kreative Ideen, denn auch hier gelten die normalen ökonomischen Prinzipien.

PS: Bitte nicht falsch verstehen: Ich will hier nicht eine Sozialneidsdebatte mit Treten nach "unten" anfangen, sondern lediglich auf gegebene Fakten hinweisen.

PPS: Ihr rekurrieren auf die "Nazis" bei der Eigenheimsquote sollte auch erwähnen, dass die Grundstücke damals in aller Regel nur auf Erbpachtbasis vergeben wurden und dass die Kommunen daraus bereits heute (Erbfall, Ablösung etc.) "Kasse machen" bzw, in den nächsten Jahren einen Reibach daraus machen werden (99 Jahre). Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - es waren eben Sozialisten durch und durch.

Lotta Vorbeck

5. Januar 2021 14:05

@Baldur Jahn - 5. Januar 2021 - 12:33 PM

HB. 1

"... Realkapitalistischer Witz am Rande: Selbst die realsozialistische Leistung „Platte“ bezahlte der Westen, indem er die Schulden der DDR übernahm. Später renovierte er die „Platte“, baute da und dort Balkone an. Oder baute –nicht nur wie in Leipzig – „Platten“ statt per billiger Sprengung mit dem teuren Apothekerspatel durch skrupulöses Abtragen zurück."

 

---

 

--->   Rückbau von DDR-Plattenbauten

Stadtvillen in Leinefelde

 

---> Plattenbauten: Ich war mal eine Platte

In der DDR gefeiert, nach der Wende verschmäht: Architekten entdecken die Plattenbauten neu. Kommt jetzt das Comeback?

Die Parade-Platte "Haus 07" steht in Leinefelde im Norden Thüringens. Der Umbau war aufwendig, aber günstiger als ein Neubau. 

 

 

Imagine

5. Januar 2021 14:07

1/3

@Laurenz   5. Januar 2021 06:55
„Sie bezichtigen mich, keine Ahnung zu haben, bestätigen mich aber in demselben Satz "Schmidt hat keynesianische Politik betrieben". Wer hat Ihn dazu gezwungen? Genau, niemand. Nicht einmal die Amis.“

Was ist „keynesianische Wirtschaftspolitik“?
 

Im Mittelpunkt steht „deficit spending“.

Der Staat generiert in einer Kapitalverwertungskrise Wirtschaftsprozesse durch Investitionen oder Nachfrage, die der Markt von sich allein nicht mehr hervorbringt. Die finanziellen Mittel dazu holt sich der Staat durch Verschuldung oder durch Inflation, d.h. durch „Gelddrucken“, also Geldschöpfung aus dem Nichts. Beides kommt aufs Gleiche hinaus.

Der Staat lässt mit keynesianischer Politik im Prinzip Löcher buddeln und wieder zuschütten.

Realwirtschaftlich ist dies Ressourcenverschwendung und Geldentwertung.

Jedoch werden damit für die Kapitalisten gewinnträchtige Wirtschaftsprozesse geschaffen und für die Arbeiterklasse gibt es Beschäftigung.

Entsprechend gibt es einen Rechtskeynesianismus und einen Linkskeynesianismus. Beim ersten ist das primäre Ziel, profitable Kapitalverwertung für die Kapitalisten zu schaffen, beim zweiten, Beschäftigungsprogramme zu initiieren, um Arbeitsplätze zu erhalten bzw. neu zu schaffen.
 

Imagine

5. Januar 2021 14:07

2/3

Der Rechtskeynesianismus führt Kriege, um gewinnträchtige Möglichkeiten für den militärisch-industrieller Komplex zu schaffen. Hierbei geht es um Kriege um des Kriegs willen, nicht um zu gewinnen oder Bodenschätze zu rauben oder die Bevölkerung zu versklaven, sondern primär ist das Geschäftsmodell, Rüstungsgüter zu verbrauchen, um mit der Produktion von neuen Rüstungsgütern Profite machen zu können. Es geht daher darum, den Krieg möglichst n die Länge zu ziehen.

Ein typisches Beispiel für diese Art von keynesianischer Politik ist der Vietnamkrieg war, mit dem der Kapitalverwertungsprozess im militärisch-industriellen Komplex am Laufen gehalten wurde.

Beim Linkskeynesianismus der Systemlinken geht es vor allem um Beschäftigungsprogramme, um Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden bzw. niedrig zu halten und die Löhne hoch zu halten. Aber auch diese Beschäftigungsprogramme schaffen profitable Kapitalverwertungsmöglichkeiten (z.B. durch Förderung erneuerbarer Energien, Energiesanierung, Entwertung und Elimination von Autos durch Abgasnormen, durch Aufbau einer Sozial- und Asylindustrie usw. usf.).

Links- und Rechtskeynesianismus unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre Ideologische Verpackung, aber nicht durch ihre Zielsetzung, nämlich Wirtschaftsprozesse durch staatliches Handeln aufrechtzuerhalten, wenn die Marktwirtschaft in der Krise ist.
 

Imagine

5. Januar 2021 14:07

3/3

Kurzfristig führt keynesianische Politik zur Erhaltung des kapitalistischen Systems, aber langfristig ist eine Zusammenbruchskrise nicht aufzuhalten. Denn wirtschaftlich schafft keynesianische Politik nur riesige Hamsterräder und die Folgen sind steigende Staatsverschuldung, Inflation und Massenverarmung. Das Resultat sind dann failed States. Die kapitalistischen Staaten sind auf dem Wege dorthin.

Laurenz, sie schreiben: „Schmidt hat keynesianische Politik betrieben". Wer hat Ihn dazu gezwungen? Genau, niemand. Nicht einmal die Amis.“

Es war der „Sachzwang“, das System am Laufen zu halten, was ihn dazu gezwungen hat. So wie auch Schröder, Blair, Merkel et al. Daher setzte Merkel Schröders Politik fort, so wie Kohl diejenige von Schmidt.

It`s the system, stupid.

Laurenz, Sie hängen vormodernen Gesellschaftsvorstellungen an, in denen politische Führer Geschichte machen. Paradigmatisch hinken Sie jemandem wie Florian Sander ein Jahrhundert hinterher.

Denn die moderne Gesellschaftstheorie hat längst das „System als Subjekt“ und die Selbstorganisationstendenz von Gesellschaftssystemen erkannt.
 

Lotta Vorbeck

5. Januar 2021 14:13

@Baldur Jahn - 5. Januar 2021 - 01:17 PM

@HB 2

"... Noch härter und emphatieloser - wenn auch im antitotalitären Konsens verbleibend -formuliert: Die DDR konnte nicht einmal Autobahnen bauen (das Stückchen nach Rostock schnippelte sie unterm Tisch von der Berlin-Hamburger ab)."

 

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Der Volkseigene Betrieb Autobahnbaukombinat war in erster Linie damit befaßt, Militärflugplätze für die GSSD und NVA neu zu bauen, auszubauen und zu unterhalten, und zwar mit teils eigener, auf ostzonalem Mist gewachsener sowie teils aus dem NSW importierter Technik. Wieviel davon aus der BRD-Steuergeldkasse als "Projekt Transitautobahn nach Westberlin" finanziert worden ist, wäre eine interessante Frage.

Nebenbei baute man die Transitautobahn von Wittstock nach Zarrenthin (Hamburg).

Die Reichsautobahn nach Bautzen (eigentlich Breslau) befand sich bis Anfang der 1990er Jahre in dem Zustand, wie sie der WK2 hinterlassen hatte, zweispurig und teils mit Geschwindigkeitsbeschränkung "60 km/h" beschildert.

Andernorts wie auf der südlichen Querverbindung Eisenach - Dresden rollte der Verkehr bis weit in die 1990er Jahre hinein vierspurig über die noch immer intakten Betonplatten der einstigen Reichsautobahn.

Baldur Jahn

5. Januar 2021 14:13

@ Laurenz

In einer sozialistischen Volkswirtschaft gab es außer der Partei und ihrer Beschlüsse keine Investoren ...

Der Kinderglauben war, dass die Befreiung der Produktivkräfte aus ihren privaten Fesseln ein Sesam öffne Dich hieniden erzeugen würde. Das verschob man später ins "Jenseits" und nannte es Kommunismus.

Wolf Biermann, in seiner Anarcho-Kinder-Garten-DDR-Zeit, träumte ebenso von Zuckererbsen für alle. Alle anderen hatten - mittels sozialistischen Bewußtseins - einzusehen, dass die Investitionsentscheidungen der SED weise und relevanter waren und sie deshalb Konsumwünsche aufzuschieben hatten.

Baldur Jahn

5. Januar 2021 14:29

@ Lotta Vorbeck

So richtig kann ich ihren Beitrag nicht werten ... Im Zweifel stimme ich Ihnen zu, dass man auch aus der Platte Vernünftiges gestalten kann. Auch bin ich keinesfalls der Meinung, dass die Architektur der Großsiedlungen Kriminalität gebiert (Mittelstandstopos im Westen), sondern es von der sozialen Zusammensetzung der Bewohner abhängt.

Es geht darum, wovon man sein historisches Bewußtsein abhängig macht, von "es-war-nicht-alles-schlecht" oder der strukturellen, überindividuellen Gesamtlage. Anders: Wenn ein System 100 zu 1 verloren hat, sollte man vor aller "Ehrenrettung" mit dem einen Tor doch nicht die Niederlage oder den Bullshit des System relativieren, selbst wenn es einem eine Schein-Genugtuung verspräche.

Lotta Vorbeck

5. Januar 2021 14:47

@Baldur Jahn - 5. Januar 2021 - 02:29 PM

@ Lotta Vorbeck

So richtig kann ich ihren Beitrag nicht werten ... 

---

Leinefelde stellt einen Sonderfall dar.

Um das renitent katholische Eichsfeld im DDR-Sinne zu domestizieren, ließ die SED im an der Bahnstrecke Halle-Kassel gelegenen Dorf Leinefelde einen "Sozialistischen Großbetrieb" errichten. Die benötigten Arbeitskräfte rekrutierte man überwiegend aus dem damals linientreuen Sachsen. Leinefelde bekam ein Hallenbad, verfügte zum Schluß über zwei Postämter und eine Stadtbuslinie.

Nach 1990 standen die Plattenbauten zum großen Teil leer. Dem alten Motto, aus "Schxxxe Bonbons machen" schien nichts zu teuer, um die einstigen Arbeiterschließfächer nun in eine BRD-Mustersiedlung umzubauen.

2015 befeuerte es das wiederum steuergeldfinanzierte Geschäft der Modularunterkunftsproduzenten, daß die aus Ostzeiten stammenden, ferngeheizten Plattenbauten nicht mehr in ihrer ursprünglichen Menge verfügbar waren ...

Ordo

5. Januar 2021 15:27

Ich habe nie in der Platte gelebt, aber durchaus in ähnlichen Verlierervierteln im Südwesten. 

Wenn man Anonymität mag und aufgesetzte Freundlichkeit eher gering schätzt, dann kann man sich da schon ganz gut einrichten. Wenn man allein lebt, wirds auf Dauer aber etwas bedrückend. Dann braucht man eine Freundin oder zumindest einen Saufkumpan. Ich hatte leider weder das eine noch das andere. Letztlich bleibt es eine defizitäre Existenzform. 

heinrichbrueck

5. Januar 2021 16:01

@ RMH u. s. w.

Ohne Kredite kein Geld. Kreditzinsen zahlen alle. So läuft das Spiel. Einer sitzt in der Platte, der andere in der Villa, und beide spielen mit. Worüber streiten? Schuld- oder Moralbespiegelungen sind sekundär. Und so lange der Bauer reflexionsresistent bleibt, besteht noch Hoffnung. Denn Herrschaftssysteme sind Mittel zum Zweck. Die Zinsgewinne gehen nicht an Staaten, nur weil diese demokratischer oder weniger sozialistisch sind. 

links ist wo der daumen rechts ist

5. Januar 2021 16:30

Fragen wir an dieser Stelle nicht, inwieweit multiethnische Solidarität (in der "Platte" oder sonstwo) überhaupt in Ansätzen eine ernsthafte Alternative zu ethnischer Homogenität als anscheinend einzigem Garanten sozialer Sicherheit darstellen könnte.
Letzteres behauptet ja ein Mitkommentator mit zähem Willen.

Ich stelle nur umgekehrt die Frage, warum denn dann in ethnisch homogenen Gesellschaften Bürgerkriege überhaupt ausbrechen konnten oder warum multiethnische Gesellschaften Jahrhunderte bestehen konnten, ehe Konflikte von außen geschürt wurden - und polemisch zugespitzt: also haben Polen und Tschechen unter der Schirmherrschaft der Potsdamer Galgenvögel richtig gehandelt, als sie die Deutschen vertrieben.
Benes als Gewährsmann?

Anders herum:
In Anlehnung an meinen vorherigen Kommentar stelle ich fest, daß in Gegenden mit 100% autochthoner Bevölkerung es die eigenen Leute sind, die die Traditionen aushöhlen.
Konkret: es ist der Bio-Jungbauer, dessen Eltern und Großeltern Land und Besitz zusammengetragen, i.e. -geheiratet haben, und der nun seinen Stadl als Chill-Out-Tenne im Internet anpreist und zudem so ungebildet, also stumpfsinnig intellektuellenfeindlich agiert,  als hätte Thomas Bernhard nie eine Zeile geschrieben. Dutzende Fälle als weitere Beispiele eines Kniefalls vor dem Globalismus könnte man anführen.

Und das soll soziale Sicherheit gewähren?

 

Baldur Jahn

5. Januar 2021 16:56

@Lotta Vorbeck Autobahn 1

Vielen Dank für Ihren Nachtrag zur Plattenhistorie in Leinefelde. Dort wo die DDR wichtige Betriebe aufbaute, baute sie auch zur Gewinnung von Arbeitskräften, die plötzlich Wohnraum erhalten konnten, Wohnungen (nicht immer nur "Platte", vgl. in Greifswald für AKW Lubmin, in Stendal für das KKW...).

Mein Nachtrag zur "Autobahn". Im Westen konnten die "68iger", das es-war-doch-nicht-alles-schlecht beim Führer ...siehe Autobahn, nicht mehr hören. Gelegentlich flippten sie schon bei dem Wort Autobahn hysterisch aus. Mein rhetorischer T 34 gegen H. Bosselmann mit der Autobahn und den gemeinten Fake News, die er auf den DLF verlinkte und zu den sechs historischen Leistungen der Deutschen in der DDR, führte ich zur Spaßbremse die Autobahn an - selbst das bekam die totalitäre DDR auch nicht hin (auch den Chip zu spät).

Baldur Jahn

5. Januar 2021 16:57

Lotta Vorbeck Autobahn 2

Wie sehr die DDR-Bevölkerung trotz schlechter Bedingungen eine ganze Menge auf die Reihe bekam, das weiß man doch. Für was soll das - außer für Klassentreffen - gut sein?

Anfang der neunziger gab es Seminare und Bildungsurlaube zur "inneren Einheit". Meine Lieblingssächsin in Meißen (Porzellan) vergaß einmal alle Contenance und fuhr die Westdeutschen Besucher an: Wenn 45 nicht der Russe mit dem Kommunismus gekommen wäre, würden wir Sachsen Euch jetzt hochpampern. Ihr paßte es wohl schon nicht als neues Bundesland bezeichnet zu werden, von der Technologieführerschaft Sachsen vor dem Krieg ganz abgesehen. 

Die innere Einheit war über solche Gespräche, bei meist Null historischen Kenntnisse aus dem Westen, kaum herzustellen und eher ein Management, um die gekränkten Eitelkeiten, Vorurteile, Einbildungen, Schmollereien nicht explodieren zu lassen.

Lotta Vorbeck

5. Januar 2021 17:35

@heinrichbrueck - 5. Januar 2021 - 04:01 PM

"Ohne Kredite kein Geld. Kreditzinsen zahlen alle. So läuft das Spiel. Einer sitzt in der Platte, der andere in der Villa, und beide spielen mit. ..."

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Planung des IWF:

--->   Niedrigere Kreditwürdigkeit bei Besuch von bestimmten Internetseiten

Nach dem Internationalen Währungsfonds soll zukünftig statt Einkommen und Beschäftigungsverhältnis das Online-Verhalten entscheidend sein für die Kreditvergabe: Welche Webseiten werden besucht? Welche Social-Media-Kontakte hat eine Person? Was wurde online gekauft?

Weiterlesen ...

 

Quelle: RTdeutsch - 3 Jan. 2021 09:35 Uhr

 

nom de guerre

5. Januar 2021 17:58

@ links mit dem daumen

„Konkret: es ist der Bio-Jungbauer, dessen Eltern und Großeltern Land und Besitz zusammengetragen, i.e. -geheiratet haben, und der nun seinen Stadl als Chill-Out-Tenne im Internet anpreist und zudem so ungebildet, also stumpfsinnig intellektuellenfeindlich agiert,  als hätte Thomas Bernhard nie eine Zeile geschrieben. Dutzende Fälle als weitere Beispiele eines Kniefalls vor dem Globalismus könnte man anführen.“ Ihren Gedankengang kann ich nicht nachvollziehen. In dem Dorf, in dem ich lebe, gibt es gerade noch zwei Bauern, die den Beruf nicht als Hobby betreiben. Der eine arbeitet im Winter nebenbei als Hiwi in einem Logistikzentrum, die andere Familie verdient sich ein Zubrot durch verschiedene Formen der Touristenbespaßung, die sie in der Tat im Internet anpreist. Ich vermute, das ist jeweils nicht als Kniefall vor dem Globalismus intendiert, sondern stellt eine Notwendigkeit dar. Ein Jungbauer aus der Gegend, der es ohne Zweiteinkommen versuchte, hat sich vor ein paar Jahren aufgehängt. Ob diese Leute intellektuell tiefer stehen oder stumpfsinniger sind als die zugezogenen Grünenwähler aus der Stadt, die so unglaublich reflektiert für Windanlagen, höhere Energiepreise und vor allem für das eigene Motorrad in der Garage eintreten, entzieht sich meiner Kenntnis. Welche der beiden Gruppen mehr liest (bzw. ob überhaupt und wenn ja, was), ebenfalls.

Lotta Vorbeck

5. Januar 2021 18:08

@Baldur Jahn - 5. Januar 2021 - 04:57 PM

Lotta Vorbeck Autobahn 2

"... Die innere Einheit war über solche Gespräche, bei meist Null historischen Kenntnisse aus dem Westen, kaum herzustellen und eher ein Management, um die gekränkten Eitelkeiten, Vorurteile, Einbildungen, Schmollereien nicht explodieren zu lassen. ..."

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Habe hier einen personifizierten Gut-drauf-Diktatur-der-Positivität-Protagonisten in der Nachbarschaft. Einst vor dem drohenden Wehrdienst aus dem Hessischen nach Westberlin geflohen, setzte er sich während der späten 1990er Jahre, seine ÖD-Karriere neigte sich ihrem Ende zu, aus dem schon lange nicht mehr Goldenen Westen der einstigen "Frontstadt" nach Mitteldeutschland ab. Klotziges, neugebautes Haus, grünlich-linksliberal-klimaneutral-angehauchtes, kohelndioxidvermeidendes, im Wortsinne ergrautes Ehegespons. Anfallende Bau- und Gartenarbeiten werden grundsätzlich von Firmen aus dem Nachbarland erledigt. Kurz vor Weihnachten bekam ich, während der Aktion überkorrekt auf Abstand und Vermummung bedacht, eine Flasche Glühwein auf den Zaunpfosten gestellt, redet im ausklingenden Dezember des Jahres 2020 von "Wir & Ihr" ...

Baldur Jahn

5. Januar 2021 18:52

Lotto Vorbeck  zu  5. Januar 2021 18:08

Nehme Ihnen diese Darstellung sofort ab und gebe noch einen ganzen Sack Personal dazu. ...

Vor X-Jahren erlebte ich von Schrenck-Notzing im Vortrag, der die Perspektive auf den Generationenwandel von ca. 15 Jahren anwendete. So zähle ich noch zur gesamtdt. Erziehungsgeneration der DDR. Die reichte in ihren Geburtsjahrgängen und in der Schulzeit  bis ca. Mitte der 50iger Jahre. Selbstverständlich, um einmal eine "neudeutsche Sprachmarotte" zu bedienen, kann man das nicht verallgemeinern (vgl. Familie Kasner und ihre, den SED-Separatismus in der ev. Kirche unterstützenden, DDR-Karrieren).

Die Achterbahnfahrt etlicher westdt. Nachkriegs-Biographien ist viel bunter - und oberflächlicher - als das man das mit der Ernsthaftigkeit, zu dem einen der DDR-Stil vor der Wand der Stasi zwang, erfaßt.

Kann man da und dort Verständnis dafür entwickeln und den Hintergrund des "Westens" jeweils mitdenken plus der gewachsenen sozialer Milieus (die wurden, wenn sie nicht abhauten, in der DDR planiert), gelingt langfristig vielleicht ein Punsch-Plauch am Zaun. Aber, ohne viel Meta geht das nicht.

Einige Verblendungszusammenhänge, Sozialisationsruinen werden - gegenseitig - wohl immer unüberwindbar bleiben. Freilich, man muß nicht gemeinsam in die Badewanne steigen, Nation als regulative Idee wäre bereits eine ganze Menge - meinetwegen a la  M. Thatcher.

heinrichbrueck

5. Januar 2021 19:33

 

@ Lotta Vorbeck

Alter Hut, so langsam sichtbarer: https://www.youtube.com/watch?t=3003&v=1K3HEDWoExM&feature=youtu.be Unternehmensgründer, Arbeitsplätze etc. Die Konnotationen sind schockierend unbekannt. Alle leben und gehen arbeiten, "alternativlos" programmiert, in einem schuldenbasierten Geldsystem. 

Das Finanzamt: "Sehr geehrte Steuerzahler" ... Vorauszahlung im Anmarsch. Der fremde Staat: Fernsehen und Fusel gibt es immer. Zahlt bis in die Platte! Es geht. Sogar eure Tankfüllung zahlt Steuern. Dreißig Prozent für die Reflexionsjunkies, den Rest für den Sklavenhalter. Und ich wette, die finden einen Grund, sich zu freuen. 

Sugus

5. Januar 2021 21:23

@ Laurenz

Also das BIP/Kopf in Japan, Südkorea und Taiwan ist immer noch weit höher als das in der VR China. Und auf welche angeblich wohlhabenden mittelasiatischen Länder spielen Sie an? 

tearjerker

5. Januar 2021 21:30

Wenn ich mich recht entsinne, waren Familien ab dem 3. Kind für den Bezug einer neuem Wohnung, die dann oft Platte war, bevorzugt. Das hatte das Ziel Bevölkerungszuwachs zu erzielen. War erfolgreich: 3 Millionen Wohnungen bis 1988 und eine Verjüngung des Personalbestandes waren die Folge. Die zahlreiche Jugend strebte dann ab Ende der 80ger zum Ausgang. Die Platte hat die Ostzone gekillt.

Marc_Aurel

5. Januar 2021 21:54

Sehr liebevoll, detailreich und unterhaltsam geschrieben. Für mich wäre die Platte nicht die erste Wahl, auch nicht in der hübsch hergerichteten Variante - ist mir zu eng, vor allem mit Kindern, aber wenn man es spartanisch mag, ist es okay. Für viele die dort leben ist es vermutlich schlicht und ergreifend auch die einzige Form von Wohnraum, die sie sich leisten können, in so fern hat sie ihre Nische, so lange der alte Beton noch mitspielt. In der Beschreibung der heutigen Wohnkultur im Osten sollte man der Vollständigkeit halber noch erwähnen, das es zwischen den Wohlstandvierteln und den Plattensiedlungen noch eine Zwischenebene gibt: die in den neunziger Jahren (Wendebauboom) erbauten Mehrfamilienhaussiedlungen, mit geräumigem Grundriss, viel Glas, einem großen Balkon, viel Grün im Außenbereich, aber zu wenigen, zu schmalen Parkplätzen für heutige Verhältnisse – das Wohnquartier für den unteren Mittelstand. Im Gegensatz zu der von Bosselmann beschriebenen „man muss sich nichts beweisen“-Kultur der Platte, hier dann aber schon mit einsetzendem, gegenseitigem Sozialneid, dafür aber dann weniger „kulturell bereichert“.

links ist wo der daumen rechts ist

5. Januar 2021 22:29

Heimat 1

 

@ nom de guerre

Natürlich können wir jetzt mit beklagenswerten Einzelschicksalen weiterkaspern.
Aber es ging doch um ganz etwas anderes.

Wenn in diesem Kommentarstrang vereinzelt sogar verhaltene Sympathien für eine Art interethnischer Solidarität auftauchten, wollte ich gerade das nicht vertiefen, sondern die Gegenseite betrachten: das bäuerlich geprägte, strukturkonservative, auf seine Traditionen stolze Land - nicht als Widerspruch, sondern als Kontrast zur Großstadt. Und das als Synthese überhaupt denken zu können, bedarf es eines Mehr an Reflexion.

Der gute Hermann Broch ist über diese Frage mit seinem unvollendet gebliebenen Heimatroman-Projekt zerbrochen (wie andererseits gerade viele Emigranten die schönsten Seiten über Heimat geschrieben haben); und das in der österr. Literatur unglückselig "Antiheimatroman" genannte Genre hat versucht, hier ex negativo fortzusetzen.
Aber diese Art von einem zur kalten Großstadt entworfenen Gegenmythos von Land, Landschaft und Heimat wird doch gerade von den Erben des Beschworenen nachhaltig und unwiederbringlich zerstört.
 

links ist wo der daumen rechts ist

5. Januar 2021 22:43

Heimat 2

 

Was soll ich denn inmitten ethnischer Homogenität, wenn diese Zombies tausendjährige Dorflinden fällen und dafür einen Dorfbrunnen hinstellen wie aus einem "Faller"-Katalog?

Wenn es um Erbe und Tradition geht, könnte man ja fast schon die sogenannte Erbe-Diskussion aus den Anfangszeiten der DDR zum Vorbild nehmen...

Zurück aufs Land:
Den Heideggerschen Bauern, der "kaum merklich den Kopf schüttelt", als es um den Ruf nach Berlin ging, gibt es doch schon lange nicht mehr.

Für mich bleibt Heidegger nicht nur der bedeutendste deutschsprachige Philosoph des 20. Jahrhunderts, sondern einer der wichtigsten Philosophen schlechthin.
Aber ich versuche auch die gebrochene Heimat-Sehnsucht eines Adorno oder Jean Amery dazuzudenken.

Vielleicht hatte Edgar Reitz mit seiner "Heimat"-Trilogie als letzter eine Ahnung davon vermitteln können; die endet aber bekanntlich mit der deutschen "Wiedervereinigung".

quarz

5. Januar 2021 22:56

@Laurenz

"Und das alles erlebte das Deutsche Volk mit mehr oder weniger derselben Schwarm-Intelligenz"

Intelligenz hat vermutlich weniger damit zu tun, ob ein Volk sich prinzipiell für die Demokratie als Regierungsform entscheidet, als damit, ob es effektiv mit dieser Regierungsform leben kann. Den Deutschen wurden die politischen Umstände in den von Ihnen aufgezählten Zeitabschnitten ja meist von wenigen einflußreichen Akteuren auferlegt und sie mussten dann jeweils damit zurecht kommen.

Ich sehe die Bedeutung der Intelligenz eher analog zu ihrer Rolle im Umgang mit Technik. Sie spielt weniger eine Rolle bei der Entscheidung zum Kauf eines technischen Gerätes als bei dessen Handhabung und Beherrschung.

Tatu Vanhanen hat im weltweiten Vergleich von 172 Nationen einen deutlichen Zusammenhang zwischen nationaler Durchschnittsintelligenz und effektiver Demokratie belegt.

Was freilich auch plausibel erscheint: je intelligenter ein Volk ist, umso effektiver weiß es auch seine Fehler auf die Spitze zu treiben, die bei einer wenig intelligenten Nation eher in der fehlerhaften Intention stecken bleiben würde: diese würde beim Fehlermachen eher scheitern.

Lotta Vorbeck

5. Januar 2021 23:45

@heinrichbrueck - 5. Januar 2021 - 07:33 PM

Alter Hut, so langsam sichtbarer:  

Gruppentherapie 61 | Anruf bei der GLS Bank - 27.03.2020

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Ja, so wird sie tagtäglich exekutiert, die jedermann staatlich garantierte Bierbüchsenfreiheit in der "spätrömisch-dekadenten" [Guido W.] BRD.

 

nom de guerre

6. Januar 2021 00:13

@ links mit dem daumen

„Natürlich können wir jetzt mit beklagenswerten Einzelschicksalen weiterkaspern. […]  Gegenmythos von Land, Landschaft und Heimat wird doch gerade von den Erben des Beschworenen nachhaltig und unwiederbringlich zerstört.“

Sehen Sie diese Erben tatsächlich als Akteure? Die ländlichen Strukturen werden m.E. durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen zerstört, die es unmöglich machen, innerhalb derselben zu leben. Die industriell betriebene Landwirtschaft ist in der Tat landschaftszerstörend. Nur kann von 15 Kühen und entsprechend kleinen Ackerflächen mit Feldrainen, Hecken usw. schon seit Jahrzehnten niemand mehr leben. Kann der einzelne Landbewohner daran etwas ändern? Kann er sein Pendlerdasein vermeiden, es sei denn, er zieht in die Stadt? Ganz abgesehen davon hat niemand, der auf dem Land lebt, Einfluss auf die große Landschaftszerstörung, die im Zuge der Energiewende stattfindet, oder die Zersiedelung der Landschaft, die ja nicht nur von den Neubaugebieten ausgeht. Andererseits sind positive Entwicklungen zur Kenntnis zu nehmen: in den 70ern waren die hiesigen Flüsse laut meinen Eltern biologisch tot, heute gibt es bspw. wieder Biber.

Vielleicht ist die Idee vom Land als Gegenmythos jedoch verfehlt. Zwar stellt das Land auch heute noch eine andere Lebensform dar als die Stadt. Aber warum sollte der allgemeine Wandel, auch der Mentalität, an den Landbewohnern spurlos vorübergehen?

nom de guerre

6. Januar 2021 00:14

Noch etwas: Sie beklagen mangelnde Reflexion bei genuinen Landbewohnern. Nun, das könnte stimmen. Aber für Reflexion benötigt man Abstand, und zu sich selbst und der eigenen, als selbstverständlich wahrgenommenen Daseinsform fehlt dieser meist. Das ist allerdings bei Städtern nicht anders.

Cugel

6. Januar 2021 00:55

@links ist, wo der daumen rechts ist

"Ich stelle nur umgekehrt die Frage, warum denn dann in ethnisch homogenen Gesellschaften Bürgerkriege überhaupt ausbrechen konnten oder warum multiethnische Gesellschaften Jahrhunderte bestehen konnten, ehe Konflikte von außen geschürt wurden - und polemisch zugespitzt: also haben Polen und Tschechen unter der Schirmherrschaft der Potsdamer Galgenvögel richtig gehandelt, als sie die Deutschen vertrieben.
Benes als Gewährsmann?"

Für die Polen und Tschechen sicher.

Selbstverständlich sind auch ethnisch homogene politische Einheiten vor Bürgerkriegen nicht gefeit, weil eben die ethnische Homogenität nur einer von vielen für die Stabilität relevanten Faktoren ist (nicht zuletzt die von Ihnen genannte Einwirkung von außen). Bei gleichen Randbedingungen weist der homogene Staat infolge geringerer Innenreibung eine höhere Stabilität und höhere Dynamik gegen den Vielvölkerstaat auf. Ein interessanter Fall ist allerdings die russische Föderation.

Daß die Ideen von 1914 auch auf dem platten Land kein Gassenhauer sind, ist traurig und wahr. Ihre Frustration ist verständlich.
Wer hat's aber nun endgültig versaut? Die Flakhelfer?

Laurenz

6. Januar 2021 00:56

@Sugus

Kennen Sie Japaner oder (Süd-)Koreaner? Die Japaner leben, wie die Koreaner auch, eine Art natürlichen Kommunismus. Keiner entscheidet irgendwas alleine. Entscheidet das Kollektiv falsch, lächeln sich alle an und gut ist. Auch Thailand und andere Staaten Indochinas legen mächtig zu. Und dort herrscht trotz Wahlrecht eben meist ein recht autoritäres System, was mit uns in keiner Weise vergleichbar ist. Leider finde ich ein beispielhaftes Interview mit dem ehemaligen Staatspräsidenten von Singapur nicht mehr, der dem kritisierenden Reporter aus dem Westen nach Jahrhunderten andauernder Bevormundung durch den Westen verbietet, weiter dämlich Fragen aus dem westlichen Werte-Kontext zu stellen. Der politische Unterschied zwischen Taiwan, Japan, Süd-Korea und China ist lapidar. Und wenn Sie bei uns hinschauen, ist doch seit Merkel auch alles gleichgeschaltet. Von daher ist die Demokratie-Wohlstands-Debatte schlicht verfehlt.

Cugel

6. Januar 2021 01:19

@Sugus

"Dass gewählt wird und dass alle an der Wahlurne gleich sind, schafft noch keinen gutbezahlten Arbeitsplatz oder eine funktionierende Infrastruktur."

Es schafft vor allem keine Volksherrschaft.

Ich kenne einen in Singapur lebenden Deutschen, dessen Tochter einmal Besuch aus der Heimat hatte. Es bereitete ihm Vergnügen, den BRD-sozialisierten jungen Leuten den Zusammenhang des singaporeanischen Wohlstands mit der dortigen Demokratie zu erklären. Man war irritiert.

Imagine

6. Januar 2021 02:10

1/4

@links ist wo der daumen rechts ist   5. Januar 2021 16:30
Fragen wir an dieser Stelle nicht, inwieweit multiethnische Solidarität (in der "Platte" oder sonstwo) überhaupt in Ansätzen eine ernsthafte Alternative zu ethnischer Homogenität als anscheinend einzigem Garanten sozialer Sicherheit darstellen könnte. …
Ich stelle nur umgekehrt die Frage, warum denn dann in ethnisch homogenen Gesellschaften Bürgerkriege überhaupt ausbrechen konnten“

Die deutschtümelnden völkischen Sozialromantiker phantasier(t)en von einer ethnisch homogenen deutschen Volksgemeinschaft. Selbst heute gibt es – gegen jegliche historische Erfahrung - noch Individuen, die diesem Mythos anhängen.

Als in den ersten Nachkriegsjahren Geborener habe ich erlebt, wie schlecht die Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten von ihren „Volksgenossen“ behandelt wurden.
Als Jugendliche wurden wir in den Dörfern nicht selten angepöbelt, man suchte Streit und wollte uns „Fremde aus der Stadt“ verprügeln.

Volksgemeinschaft als sentimentaler Zustand fand sich besonders unter besoffenen Verbindungsstudenten, aber nirgendwo in der Realität dieser Gesellschaft.

Imagine

6. Januar 2021 02:11

2/4

In der gesellschaftlichen Wirklichkeit gab es Konkurrenzkampf und die typischen Konflikte in einer antagonistischen Klassengesellschaft mit sozialer Spaltung in reich und arm sowie gebildet und ungebildet.

So erfasste die sozialistische Sozialromantik zur 68-er Zeit nur einen kleinen Teil der Gesellschaft, insbesondere in der Studentenschaft.

Im vertrauten Kreisen des Establishments sprach man hingegen nach wie vor gern davon, dass nur ein toter Kommunist ein guter Kommunist sei, die Sympathie für den Pinochet-Faschismus wurde unverhohlen ausgedrückt und die Linken wurden als „rote Ratten“ bezeichnet.

Natürlich sind die deutschtümelnden Volksromantiker aufgrund ihrer volksgemeinschaftlichen Projektionen wahrnehmungsblockiert und unfähig, den realen Klassenkampf von oben wahrzunehmen, zumal sie sich in der Regel mit der Oberschicht identifizieren. Diese projektive Identifikation der kleinen Leute mit ihren Herrscherfiguren und Ausbeutern gibt es zwar überall auf der Welt, aber in Deutschland scheint die „Knechtsseligkeit“  besonders ausgeprägt zu sein. Anders könnte man gar nicht erklären, warum „Mutti Merkel“ die beliebteste Politfigur ist.

Imagine

6. Januar 2021 02:11

3/4

Je mehr im Soziotop der „Platte“ Verarmung und Verelendung voranschreiten, umso mehr und schneller wird sich ein typisches Slum-Milieu herausbilden, mit Alkoholismus und Drogenkonsum, Gewalt, Kriminalität und Bandenbildungen.

Eine „multiethnische Solidarität“ könnte sich allerhöchstens auf Basis eines Klassenbewusstseins mit sozialrevolutionärer Zielsetzung entwickeln. Aber dafür gibt es keinerlei Hinweise aus der Empirie. Die Arbeiterbewegung ist tot und ein emanzipatorisches Klassenbewusstsein gibt es „unten“ schon lange nicht mehr und in der kleinbürgerlichen „Mitte“ schon gar nicht.

Es gibt heute keine Bezüge zur 68er-Bewegung mehr. Die früheren 68-er sind systemkonform konvertiert, verkleinbürgerlicht und/oder zu einem großen Teil bereits verstorben.

Heute wird nicht verstanden, dass die damalige APO von ihrer Haupttendenz strukturkonservativ war. Denn sie wollte die freiheitliche Verfassung gegen die Notstandgesetzgebung bewahren.

Auch die Frankfurter Schule und die mit ihr sympathisierende Studentenbewegung mit Führungspersonen wie Dutschke, Krahl et al. war in gewisser Hinsicht konservativ, denn sie wollte die bürgerlichen Freiheiten bewahren, insbesondere für die Intelligenz. Krahl, der Cheftheoretiker des SDS, charakterisierte die Studentenbewegung als „Trauer um den Tod des bürgerlichen Individuums“.

Imagine

6. Januar 2021 02:12

4/4

Hans-Jürgen Krahl kam übrigens biographisch von ganz rechts (vgl. „Angaben zur Person“):
„In Niedersachsen, jedenfalls in den Teilen, aus denen ich komme, herrscht noch zum starken Teil das, was man als Ideologie der Erde bezeichnen kann, und so habe auch ich mich, als ich meinen politischen Bildungsprozess durchmachte, zunächst nicht anders als im Bezugsrahmen der Deutschen Partei bis zur Welfenpartei bewegen können. Ich konnte mir nicht einmal die Ideologien erarbeiten, die Liberalität und Parlamentarismus bedeuten, – wenn man bedenkt, dass die Dörfer, in denen ich aufgewachsen bin, jene Nicht-Öffentlichkeit noch pflegen in ihren Zusammenkünften, die an die Rituale mittelalterlicher Hexenprozesse erinnern. Wenn man davon ausgeht, dass heute noch in vielen Teilen der Bundesrepublik, vom bayerischen Wald bis zur niedersächsischen Heide, finsterste Ideologien der Mystik stattfinden, so war es sehr verständlich, dass mich mein Bildungsprozess zunächst einmal in den Ludendorffbund trieb, sodass ich begriffliches Denken nicht anders als aus der Mystik Meister Eckharts und Roswithas von Gandersheim erfahren habe, d.h. Ideologien, die, wenn man sie marxistisch interpretieren will, sicherlich ausgelegt werden können im Sinne eines utopischen Denkens, wie es Ernst Bloch getan hat, die aber, wenn man sie aus dem Erfahrungszusammenhang der herrschenden Klasse rezipiert, finsterste Unmündigkeit reproduzieren.“

Laurenz

6. Januar 2021 07:45

 

@Imagine

Sie ignorieren in Ihrem letzten Beitrag die historischen Verhältnisse. Kalte Hungerwinter '45/'46 verursachten Millionen an unnatürlich gestorbenen Toten. Auch wenn die Welt James Baque als Schurken bezeichnet,  https://www.welt.de/kultur/history/article13718678/Schurkenstueck-um-tote-deutsche-Kriegsgefangene.html

stehen dagegen die Erfahrungen meines Großvaters, der nur mit großem Glück die Rheinwiesen-Lager überlebte und jeden Tag dort hunderte junger Soldaten begrub. Im umgekehrten Falle, also was ehemalige deutsche Lager betrifft, zählen die dürftigen Argumente aus dem Welt-Artikel plötzlich nicht mehr.

Daß die Verordnungen zur privaten Einweisung von ca. 12 Mio. Flüchtlingen (ca. 2 Mio. starben auf der Flucht) aus dem Osten im zerbombten Westen nicht auf große Gegenliebe stießen, hat einfach etwas mit den damaligen Lebensumständen zu tun. Da ging es für jeden einzelnen um alles oder nichts. Heute lehnt es ja das Weltmoral-Hauptamt zu Berlin ab, solche Verordnungen für illegal eingereiste "Goldstücke" zu "verordnen". Ohne abstrakte Versorgung dieser "Gäste" hätte sich das Thema Migration sofort erledigt.

Es sind doch nicht Ihre deutschtümelnden Rechten, wie wir, welche die Welt am deutschen Wesen genesen lassen wollen, sondern die Linke, die Evangelische Kirche und Sie sind es, die in kaiserlichem Rassismus dem "Neger" das koloniale Glück bringen wollen.

KlausD.

6. Januar 2021 10:22

Doch zurück zur Platte bzw. deren Vorgänger. Die Wohnungssituation in der DDR der 70-er Jahre wird recht plastisch von Reinhard Lakomy in seinem Lied „Das Haus wo ich wohne“ besungen, natürlich aus seiner Sicht des Musikers, zum Schluss sogar mit "positivem" Ausblick (auf die Platte) ...

https://www.youtube.com/watch?v=zJZViHtl0vw

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