1. Dezember 2020

Karsten D. Hoffmann: Gegenmacht. Die militante Linke und der kommende Aufstand

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Eine Rezension von Thilo Stein

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Karsten D. Hoffmann: Gegenmacht. Die militante Linke und der kommende Aufstand, Bad Schussenried: Gerhard Hess Verlag 2020. 252 S., 16.99 €

Den Paukenschlag hebt sich der Politologe Karsten Dustin Hoffmann für die Schlußsätze seines neuen Buches auf. Es werde sein letztes Buch über die »militante Linke« sein, verkündet er. Er habe durch die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas »ausschließlich Nachteile« erfahren und wolle sich nicht gern »zum Deppen« machen. Und er verstünde seinen Schritt als »Protest gegen die Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft«, die das Problem nicht anerkennen würden. Nun, denen wird es egal sein.
Hier hat also jemand eine Erfahrung gemacht, die andere schon vor ihm gemacht haben. Der Lernprozeß scheint aber auf der halben Strecke stehen geblieben. Hoffmann wurde unter anderem im Internet lächerlich zu machen versucht, er wurde als »Experte« mit Anführungsstrichen, der »Quatsch« verbreite, bezeichnet, und seine kurze Episode bei der AfD wurde als Negativpunkt ausgebreitet, da er »rechte Freunde« hätte. Das Ziel ist stets das gleiche: Personen, die als »gefährlich« für das linke Milieu identifiziert werden, durch Rufschädigung von Lehranstalten, Forschungsstellen und Medien fernzuhalten. Nutzt das nichts, bleibt immer noch die Drohung mit tätlicher Gewalt.
Dennoch wird es auch in Zukunft eine kritische Forschung über linken Radikalismus geben, die sich von den schönfärberischen Publikationen diverser Szene-Sympathisanten abhebt. Das Forschungsfeld ist riesig und in seinen Verästelungen wenig untersucht. Von welchem hierzulande relevanten Thema der gesellschaftswissenschaftlichen Forschung könnte man das noch sagen? Hoffmann beschreibt selbst, wie er in der sozialwissenschaftlichen Bibliothek der Uni Hamburg Massen an Literatur über »Rechtsextremismus« fand, aber nichts zum »Linksextremismus«. Als er im Rechner der Uni Bremen nach »Linksextremismus« recherchierte, wurde keine Literaturliste angezeigt, sondern die Gegenfrage: »Meinen Sie Rechtsextremismus?« Die wenige Literatur zum Thema ist oft Selbstliteratur von Anhängern der linken Szene.

Hoffmann liefert zahlreiche Tips zur Feldforschung für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten. Dabei erwähnt er, daß Vertreter der radikalen Linken stets mißtrauisch und wortkarg gegenüber Fragen Unbekannter sind. Ganz im Gegensatz zu »Rechten«, die meist freimütig und naiv mit jedem Medienvertreter aus dem Nähkästchen plaudern. Und er erteilt konservativen Schnellschüssen eine Absage, nach denen nur die Polizei härter durchgreifen müsse, um das Problem des Linksradikalismus in den Griff zu bekommen. Dies würde nur zur Eskalation und Radikalisierung führen. Die militante linke Szene habe nach 1968 und dem »roten Jahrzehnt« der 70er Jahre mittels Appeasement-Politik Jahrzehnte lang wachsen können. So sei zum Beispiel die Mitgliedschaft in linksradikalen Zusammenhängen heute kein Hinderungsgrund für eine spätere berufliche Karriere. Durch ein paar Hausräumungen verschwänden weder die Aktivisten noch deren Ideen. Es bräuchte mindestens so lange, um diese Szene wieder auf das Ursprungsniveau zurückzudrängen, also 50 Jahre. Hoffmann gibt auch viele Anregungen, wie eine solche langsame Strategie aus Einhegung und »Luft zum Atmen«-Lassen gelingen könne. ­Unter anderem nennt er den Cyber-Krieg gegen linke Webseiten.

Dabei unterlaufen ihm aber zwei Denkfehler. Erstens geht sein Appell ins Leere, weil kaum politisches Interesse an einer solchen Konfrontation mit der Szene besteht. Einzig »Rechte« und Konservative hätten ein Interesse, sind dafür aber zu schwach, zu bequem und zu unentschlossen. Zweitens wird es trotzdem keine 50 Jahre mehr dauern. Weshalb? Ökonomie und Demographie werden die linksradikale Szene schneller zurechtstutzen. Steuereinbrüche durch die Wirtschaftskrise werden die Fördergelder knapper fließen lassen. Und das »Experiment« der Einwanderungsgesellschaft führt schließlich dazu, daß die Bens und Sebastians in den »autonomen« Zentren immer weniger werden, während die nachwachsenden Ahmeds und Mohammeds das dortige Repertoire allenfalls vereinzelt und dann mit einer ganz anderen ethnischen Agenda auffüllen werden. Mit den Deutschen verschwinden eben nicht nur die »Nazis«, sondern vor allem auch die »Antifas«.

Gegenmacht von Karsten D. Hoffmann kann man hier bestellen.


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