Karsten D. Hoffmann: Gegenmacht. Die militante Linke und der kommende Aufstand

Eine Rezension von Thilo Stein

 Gastbeitrag

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Den Pau­ken­schlag hebt sich der Poli­to­lo­ge Kars­ten Dus­tin Hoff­mann für die Schluß­sät­ze sei­nes neu­en Buches auf. Es wer­de sein letz­tes Buch über die »mili­tan­te Lin­ke« sein, ver­kün­det er. Er habe durch die wis­sen­schaft­li­che Bear­bei­tung des The­mas »aus­schließ­lich Nach­tei­le« erfah­ren und wol­le sich nicht gern »zum Dep­pen« machen. Und er ver­stün­de sei­nen Schritt als »Pro­test gegen die Ver­ant­wort­li­chen aus Poli­tik und Gesell­schaft«, die das Pro­blem nicht aner­ken­nen wür­den. Nun, denen wird es egal sein.
Hier hat also jemand eine Erfah­rung gemacht, die ande­re schon vor ihm gemacht haben. Der Lern­pro­zeß scheint aber auf der hal­ben Stre­cke ste­hen geblie­ben. Hoff­mann wur­de unter ande­rem im Inter­net lächer­lich zu machen ver­sucht, er wur­de als »Exper­te« mit Anfüh­rungs­stri­chen, der »Quatsch« ver­brei­te, bezeich­net, und sei­ne kur­ze Epi­so­de bei der AfD wur­de als Nega­tiv­punkt aus­ge­brei­tet, da er »rech­te Freun­de« hät­te. Das Ziel ist stets das glei­che: Per­so­nen, die als »gefähr­lich« für das lin­ke Milieu iden­ti­fi­ziert wer­den, durch Ruf­schä­di­gung von Lehr­an­stal­ten, For­schungs­stel­len und Medi­en fern­zu­hal­ten. Nutzt das nichts, bleibt immer noch die Dro­hung mit tät­li­cher Gewalt.
Den­noch wird es auch in Zukunft eine kri­ti­sche For­schung über lin­ken Radi­ka­lis­mus geben, die sich von den schön­fär­be­ri­schen Publi­ka­tio­nen diver­ser Sze­ne-Sym­pa­thi­san­ten abhebt. Das For­schungs­feld ist rie­sig und in sei­nen Ver­äs­te­lun­gen wenig unter­sucht. Von wel­chem hier­zu­lan­de rele­van­ten The­ma der gesell­schafts­wis­sen­schaft­li­chen For­schung könn­te man das noch sagen? Hoff­mann beschreibt selbst, wie er in der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Biblio­thek der Uni Ham­burg Mas­sen an Lite­ra­tur über »Rechts­ex­tre­mis­mus« fand, aber nichts zum »Links­ex­tre­mis­mus«. Als er im Rech­ner der Uni Bre­men nach »Links­ex­tre­mis­mus« recher­chier­te, wur­de kei­ne Lite­ra­tur­lis­te ange­zeigt, son­dern die Gegen­fra­ge: »Mei­nen Sie Rechts­ex­tre­mis­mus?« Die weni­ge Lite­ra­tur zum The­ma ist oft Selbst­li­te­ra­tur von Anhän­gern der lin­ken Szene.

Hoff­mann lie­fert zahl­rei­che Tips zur Feld­for­schung für zukünf­ti­ge wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten. Dabei erwähnt er, daß Ver­tre­ter der radi­ka­len Lin­ken stets miß­trau­isch und wort­karg gegen­über Fra­gen Unbe­kann­ter sind. Ganz im Gegen­satz zu »Rech­ten«, die meist frei­mü­tig und naiv mit jedem Medi­en­ver­tre­ter aus dem Näh­käst­chen plau­dern. Und er erteilt kon­ser­va­ti­ven Schnell­schüs­sen eine Absa­ge, nach denen nur die Poli­zei här­ter durch­grei­fen müs­se, um das Pro­blem des Links­ra­di­ka­lis­mus in den Griff zu bekom­men. Dies wür­de nur zur Eska­la­ti­on und Radi­ka­li­sie­rung füh­ren. Die mili­tan­te lin­ke Sze­ne habe nach 1968 und dem »roten Jahr­zehnt« der 70er Jah­re mit­tels Appease­ment-Poli­tik Jahr­zehn­te lang wach­sen kön­nen. So sei zum Bei­spiel die Mit­glied­schaft in links­ra­di­ka­len Zusam­men­hän­gen heu­te kein Hin­de­rungs­grund für eine spä­te­re beruf­li­che Kar­rie­re. Durch ein paar Haus­räu­mun­gen ver­schwän­den weder die Akti­vis­ten noch deren Ideen. Es bräuch­te min­des­tens so lan­ge, um die­se Sze­ne wie­der auf das Ursprungs­ni­veau zurück­zu­drän­gen, also 50 Jah­re. Hoff­mann gibt auch vie­le Anre­gun­gen, wie eine sol­che lang­sa­me Stra­te­gie aus Ein­he­gung und »Luft zum Atmen«-Lassen gelin­gen kön­ne. ­Unter ande­rem nennt er den Cyber-Krieg gegen lin­ke Webseiten. 

Dabei unter­lau­fen ihm aber zwei Denk­feh­ler. Ers­tens geht sein Appell ins Lee­re, weil kaum poli­ti­sches Inter­es­se an einer sol­chen Kon­fron­ta­ti­on mit der Sze­ne besteht. Ein­zig »Rech­te« und Kon­ser­va­ti­ve hät­ten ein Inter­es­se, sind dafür aber zu schwach, zu bequem und zu unent­schlos­sen. Zwei­tens wird es trotz­dem kei­ne 50 Jah­re mehr dau­ern. Wes­halb? Öko­no­mie und Demo­gra­phie wer­den die links­ra­di­ka­le Sze­ne schnel­ler zurecht­stut­zen. Steu­er­ein­brü­che durch die Wirt­schafts­kri­se wer­den die För­der­gel­der knap­per flie­ßen las­sen. Und das »Expe­ri­ment« der Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft führt schließ­lich dazu, daß die Bens und Sebas­ti­ans in den »auto­no­men« Zen­tren immer weni­ger wer­den, wäh­rend die nach­wach­sen­den Ahmeds und Moham­meds das dor­ti­ge Reper­toire allen­falls ver­ein­zelt und dann mit einer ganz ande­ren eth­ni­schen Agen­da auf­fül­len wer­den. Mit den Deut­schen ver­schwin­den eben nicht nur die »Nazis«, son­dern vor allem auch die »Anti­fas«.

Kars­ten D. Hoff­mann: Gegen­macht. Die mili­tan­te Lin­ke und der kom­men­de Auf­stand, Bad Schus­sen­ried: Ger­hard Hess Ver­lag 2020. 252 S., 16.99 € – hier bestel­len.

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