1. Dezember 2020

Manfred Paulus: Menschenhandel und Sexsklaverei

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Eine Rezension von Franziska Kunc

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Kriminalhauptkommisar a. D. Manfred Paulus schöpft aus seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Ermittlungsbereich Menschenhandel und Rotlichtkriminalität. Sein Buch liest sich über Strecken wie ein Krimi, erzeugt aber aufgrund seiner Authentizität echte Betroffenheit.
Es ist eine unorthodoxe Arbeit: Paulus ist deutlich ein Mann der Praxis. Zitate (und es gibt seitenlange Reportageeinschübe aus fremden Federn) werden nicht kenntlich gemacht, es gibt nur einen groben »Quellenverweis« am Ende. Paulus gendert seine Protagonisten nur gelegentlich, was ähnlich sympathisch ist wie seine Rede von »NRO« statt »NGO« (für Nichtregierungsorganisationen).
Paulus ist ausgewiesener Experte für weißrussischen (sic) Menschenhandel (Weißrussinnen gelten nicht nur als besonders »attraktiv«, sie seien auch geschichtlich bedingt »genügsam, leidensfähig und opferbereit« und naiv gegenüber der westlichen Welt), aber er beschreibt ebenso eindrücklich die jeweiligen Gegebenheiten in Moldau, Bulgarien, Rumänien, Albanien und Serbien. In der Ukraine, wo Prostitution wie fast überall »eigentlich« verboten ist, schießen seit einiger Zeit in Kiew, Donezk und Odessa Bordelle »wie Pilze aus dem Boden«. 90 Prozent der in Deutschland tätigen Huren sind Ausländerinnen.

Einen kurzen Schwenk unternimmt Paulus nach Afrika: Er schildert, wie Frauen dort mittel »Juja«, einem Voodoo-Zauber, gefügig für die Arbeit in Europa gemacht warden. Die »Juja«-Hexen sind paradoxerweise meist ehemalige Prostituierte. Von der Geschichte der Prostitution und Zuhälterei über die konkreten Abläufe des Menschenhandels (es geht hier nicht ausschließlich um »sexuelle Dienstleistungen«, sondern auch um andere Zwangsarbeit) bis zu wirksamer Präventionsarbeit und Interviews mit selbsternannt freiwilligen Prostituierten enthält dieses Buch alles, was man zur Frage sogenannter freiwilliger Prostitution wissen muß – mehr realistisch denn dezidiert brandmarkend.

Manfred Paulus: Menschenhandel und Sexsklaverei. Organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu, Wien: Promedia 2002. 200 S., 19.90 € - hier bestellen.


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