26. Januar 2021

Joe Biden und der Triumph der virtuellen Demokratie (1)

Martin Lichtmesz / 14 Kommentare

Die Vereidigung Joe Bidens zum 46. Präsidenten der USA war eine bizarre Potemkin'sche Inszenierung.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Biden sprach von einem "Triumph der Demokratie", aber mit irgendeiner Art von Volksherrschaft hatte die Zeremonie nicht das Geringste zu tun. Das politische Establishment der USA feierte seine Reconquista des Weißen Hauses ohne störendes Volk, hinter Stacheldrahtzäunen, umgeben von tausenden Soldaten.

Noch nie gab es eine Vereidigung, die mit einer derart enormen Zurschaustellung militärischer Macht verbunden war.  Rund 25,000 Nationalgardisten besetzten die Innenstadt von Washington, das sind fünfmal so viele Soldaten, wie momentan in Irak und Afghanistan zusammengerechnet stationiert sind. Die Truppen wurden vom FBI auf politische Zuverlässigkeit geprüft und gesiebt. Etliche standen mit leeren Magazinen herum - aus welchem Grund auch immer.

Dieser Aufwand wurde als "Sicherheitsmaßnahme" ausgegeben, da nach dem "Kapitolsturm" vom 6. Januar weitere "Insurrektionen" militanter Trump-Anhänger zu befürchten seien. Das militärische Abschreckungssignal war also nicht nach außen, sondern nach "innen" gerichtet, gegen die eigenen Bürger, die diesen Präsidenten ablehnen und seinen Wahlsieg für illegitim halten.

Es wurde suggeriert, daß eine Armee aus "weißen Suprematisten" bereitstünde, die jederzeit auf Kommando ihres Führers Donald Trump losschlagen könnte. Aus diesem Grund ließ man sogar einige Truppenteile im Inneren des Kapitols auf dem Fußboden kampieren und übernachten. Wozu? Weil jeden Moment ein Angriff durch gefährliche "Q-Schamanen" mit gehörnten Pelzmützen bevorstand?

Das ist natürlich eine absurde Annahme. Die Militärpräsenz war ein reines Theater. In Wahrheit ging es darum, eine gigantische, suggestive Drohkulisse aufzubauen, unterstützt von den Massenmedien, die die Tartarenstimmung stetig am Köcheln hielten.

 

2016 kursierten Luftbilder von der Nationalpromenade zwischen Kapitol und Lincoln Memorial, die als Beleg für die geringe Popularität von Donald Trump ausgegeben wurden: Bei seiner Amtseinführung waren angeblich nicht einmal halb so viele Menschen zu sehen wie bei Obamas im Jahr 2009 (über eine halbe Million).

Nun, dieses Jahr waren überhaupt keine echten Menschen mehr zu sehen, sondern nur ein Heer von amerikanischen Flaggen. Genausogut hätte man auch Pappfiguren aufstellen zu können.

Newsweek erklärte:

Die etwa 191, 500 US-Flaggen stehen für diejenigen, die die Amtseinführung nicht persönlich miterleben können. Die Flaggen dienen auch als Erinnerung an die fast 400.000 amerikanischen Leben, die aufgrund von Komplikationen im Zusammenhang mit COVID-19 verloren gingen.

Der "Triumph" von Bidens "Demokratie" wurde von einem symbolischen Phantomvolk akklamiert. Für "ihren" Präsidenten Trump hingegen waren am 6. Januar mehrere zehntausend reale Menschen auf die Straße gegangen waren, und wurden dafür von den Medien als "Demokratiefeinde" und protofaschistische Putschisten und Terroristen hingestellt.

Wesentliche Triebfeder des zornigen Engagements der Trump-Unterstützer war die Überzeugung, daß Biden durch einen massiven Wahlbetrug ins Amt gehievt wurde; und die Wahrscheinlichkeit, daß sie recht haben, ist sehr hoch, wenn man nicht gerade an Zauberei glaubt.

 

 

Die Abwesenheit eines realen Volkes wurde mit "Schutz" und "Sicherheit" begründet: Nicht nur vor etwaigen Terroranschlägen müssen die Bürger geschützt werden, sondern auch vor Coronavirusinfektionen, und so empfahl die neue Regierung nachdrücklich, zu Hause zu bleiben - ansonsten wäre die National Mall zweifellos randvoll mit jubelnden und fahnenschwingenden Menschenmassen gewesen. Es stellt sich die Frage, ob die massive Militärpräsenz und die "Coronamaßnahmen" keinen anderen Grund hatten, als die Biden-Regierung vor peinlichen, entlarvenden Bildern zu bewahren.

Auch im virtuellen Raum scheint Bidens Vereidigungsfeier nicht sehr populär zu sein. Der offizielle Stream des "neuen" Weißen Hauses hat bis dato (24. 1.) rund 509,000 Aufrufe. Davon haben 4,359 "Gefällt mir" und 45,046 "Gefällt mir nicht" angeklickt. Das ist ein Like:Dislike-Verhältnis von 1:10. Kommentare sind natürlich deaktiviert. Trumps Abschiedsrede hingegen hat z. B. auf dem Kanal von Fox News 766,960 Aufrufe, davon 16,945 Likes und 4550 Dislikes. Ähnlich sind die Raten auf den Streams seiner eigenen Amtseinführung vor vier Jahren.

Die Groteske setzte sich auch optisch fort: Sämtliche Gäste erschienen mit dem Signalattribut der globalen Gleichschaltung, den "Coronamasken", farblich geschmackvoll abgestimmt zu stylischen Designerklamotten.

Die "schönsten Looks des Mega-Events" kann man auf der Netzseite der  Brigitte bewundern: Die First Lady Jill Biden glänzte in einem "Look von Markarian, ein noch aufstrebendes amerikanisches Label. Sie unterstützt damit zum einen die amerikanische Wirtschaft und gibt gleichzeitig unbekannteren Designern eine Plattform". Hillary Clinton zeigte sich im "lilafarbenen Ensemble", Michelle Obama als eine der "stilsichersten Frauen der Welt" trug "eine atemberaubende weinrote Kombination aus Rollkragenshirt, weiter Palazzohose, Maxi-Mantel und auffälligem Gürtel des US-amerikanischen Designers Sergio Hudson."

Biden selbst gab sich klassisch und trug einen Mantel von Ralph Lauren, was Dr. Dr. Stefan Groß-Lobkowicz (Cicero, Weimer Media Group) zu einer tiefsinnigen Exegese und Eloge inspiriert hat:

Ralph Lauren, der Aufsteiger, der den amerikanischen Traum vom Underdog zum Milliardär schaffte, verkörpert wie kaum ein anderer Designer die Idee des amerikanischen Erfolgs. Sein Imperium setzt auf Amerika, auf dieses Made in Amerika, seine gesamte Markenbotschaft will auf nichts anderes, als die gesamte Welt auf das großartige Land hinweisen, Menschen aufzufordern, seine Polos und Anzüge zu tragen.

Und darum ging es auch Jo Biden bei seiner Amtseinführung. Sein Mantel, sein Habitus deutet darauf hin, dass es der neue US-Präsident bescheidener, aber trotzdem elegant mag, dass er harmonischer und weniger aggressiv als sein Vorgänger Trump auftritt. Und nach vier Jahren von Outfits, die offensiv die geballte Macht eines rohen Gewaltmenschen demonstrierten, präsentiert sich Biden in schlichter Eleganz, die in ihrer Leichtigkeit etwas ganz Wunderbares hat.

Bei der Show durften natürlich auch "Stars" nicht fehlen, allesamt aus der ersten Liga und auch sie in exquisiten Kostümen. Einen Tag vor der Amtseinführung postete Lady Gaga auf Instagram ein Foto, auf dem sie unter der dom-artigen Kuppel des Kapitols posiert, wie eine Heilige oder eine Madonna, "ganz in weiß, in einem schwungvollem maßgeschneiderten Cape-Kleid von Givenchy, entworfen von Matthew Williams, das sie mit einer passenden Gesichtsmaske kombinierte. Ihre platinfarbenen Locken stylte sie zu einer geflochtenen Hochsteckfrisur" (Harper's Bazaar).

Die Augenlider andächtig gesenkt, hat sie ihre mit roten Krallen besetzten Maulwurfsschaufeln zum stillen Gebet gefaltet:

Ich bete, daß morgen ein Tag des Friedens für alle Amerikaner sein wird. Ein Tag der Liebe, nicht des Hasses. Ein Tag der Akzeptanz, nicht der Angst. Ein Tag, um von unserem zukünftigen glückseligen Land zu träumen ( A day for dreaming of our future joy as a country). Ein Traum, der nicht gewalttätig ist, ein Traum, der Sicherheit für unsere Seelen bietet. In Liebe, aus dem Kapitol.

 

 

Vor diesem imaginären "Volk" aus tausenden Fähnchen las nun Biden vom Teleprompter seine Rede ab, die mit Lügen und Heucheleien gepflastert war. Es gehört für einen Demokraten schon eine gewaltige Chuzpe dazu, eine Predigt wie diese anzustimmen:

Aber es ist nicht die Lösung, sich zurückzuziehen in Parteien, die miteinander streiten, oder jenen zu misstrauen, die nicht aussehen wie Sie, nicht beten wie Sie oder ihre Nachrichten nicht aus der selben Quelle bekommen wie Sie. Wir müssen diesen Krieg beenden, in  dem Republikaner gegen Demokraten kämpfen, das Land gegen die Stadt, die Konservativen gegen die Liberalen. Wir schaffen das, wenn wir unsere Herzen öffnen, wenn wir ein bisschen Toleranz und Milde walten lassen, und wenn wir willens sind, uns in den anderen hineinzuversetzen.

Während Biden und seine propagandistischen Aushängefiguren Zuckersirup dieser Art absondern, bereitet das neue Regime einen flächendeckenden "war against domestic terror" (Krieg gegen inländischen Terrorismus) vor, der schon dort ansetzen soll, wo die Wachhunde der korrekten öffentlichen Meinung "Haßrede" und "Aufstachelung zur Gewalt" wittern. Das bedeutet, daß der politischen Opposition beispiellose totalitäre Repressionen und Verfolgungen drohen.

Davor warnen nicht nur Mainstream-Konservative wie Tulsi Gabbard oder Köpfe der dissidenten Rechten wie Jared Taylor, die nun vermehrt ins Visier geraten werden, sondern kein Geringerer als Glenn Greenwald. Der Anwalt Edward Snowdens ist einer der wenigen verbliebenen Linksliberalen, der sich kompromißlos für Meinungsfreiheit und Bürgerrechte einsetzt und die Herrschaft der globalistischen Eliten scharf kritisiert.

Greenwald geht nicht dem Trick nicht auf den Leim, daß es hier nur darum ginge, "Extremisten", "Rechtsextreme" oder "weiße Suprematisten" zu bekämpfen. Die Verschmelzung von Staat und Big Tech unter dem Dach einer gemeinsamen Ideologie, die mit der Biden-Vereidigung vollzogen wurde, zielt darauf ab, jegliche Form von echter Dissidenz zu kontrollieren und zu ersticken.

Greenwald schreibt:

Der erste "Krieg gegen den Terror" wurde zwar in erster Linie auf ausländischem Boden geführt, aber er wurde zunehmend ins Inland importiert und gegen amerikanische Bürger in Stellung gebracht. Dieser neue Krieg gegen den Terror - der den Begriff "inländisch" schon im Namen trägt und das explizite Ziel verfolgt, "Extremisten" und "inländische Terroristen" unter den amerikanischen Bürgern auf amerikanischem Boden zu bekämpfen - bringt eine ganze Reihe historisch bekannter Gefahren mit sich, die aufkommen, wenn sich Regierungen unter Ausnutzung medial erzeugter Ängste und Bedrohungen dazu ermächtigen, Informationen, Debatten, Meinungen, Aktivismus und Proteste zu kontrollieren.

Daß ein neuer Krieg gegen den Terror kommt, ist unzweifelhaft und keine Frage der Spekulation. Die jetzigen Machthaber haben ihn ausdrücklich erklärt. Zweifelhaft ist einzig und allein, auf wie viel Widerstand sie seitens derer treffen werden, die ihre grundlegenden Bürgerrechte mehr schätzen, als die Angst, die man uns voreinander vorsätzlich einjagt.

Auf Twitter bemerkte Greenwald unter anderem (22. 1. 2021):

The media incuriosity over why Washington continues to be utterly militarized, why none of the supposedly planned January 20 day violent protests at state capitols happened, and whether this threat is being exaggerated to justify the Draconian security proposals, is stunning.

Das Desinteresse der Medien, warum Washington weiterhin völlig militarisiert ist, warum keiner der angeblich geplanten gewalttätigen Proteste am 20. Januar vor den Staatskapitolen stattgefunden hat und ob diese Bedrohung übertrieben wird, um drakonische Sicherheitsmaßnahmen zu rechtfertigen, ist atemberaubend.

 

Man muß nur ein bißchen am Zuckerguß kratzen, um die unterschwellige Bürgerkriegsrhetorik in der Antrittsrede Bidens zu entdecken:

Wir feiern heute nicht den Triumph eines einzelnen Kandidaten, sondern den Triumph der Demokratie. Das Volk, der Wille des Volkes, wurde gehört, und dem Willen des Volkes wurde entsprochen. Erneut haben wir gelernt, dass Demokratie etwas Kostbares ist. Demokratie ist zerbrechlich. Und in dieser Stunde, meine Freunde, hat sich die Demokratie durchgesetzt.

Das ist eine völllig unsinnige Aussage, denn auch am 20. Januar 2017, bei der Amtseinführung Trumps, hatte sich "die Demokratie durchgesetzt", wurde "der Wille des Volkes gehört" und "dem Willen des Volkes wurde entsprochen".

Dem "Willen des Volkes entsprechen" bedeutet, die Regierung gemäß der Mehrheit der Stimmen zu bilden, auch wenn es nur der Wille der einen Hälfte des Volkes ist, und die andere Hälfte des Volkes ihren Willen nicht erfüllt bekommt.

Bidens Formulierung impliziert, daß es eine "Niederlage der Demokratie" gewesen wäre, hätten 75 Millionen Trump-Wähler ihren Willen durchgesetzt.

Wie paßt das mit diesen Worten zusammen?

Meine ganze Seele steckt darin, Amerika zusammenzubringen, unser Volk zu vereinen, unsere Nation zu vereinigen. Und ich bitte jeden Amerikaner und jede Amerikanerin, mich darin zu begleiten. Finden wir zueinander, um gegen unsere Widersacher zu bestehen: Gegen Wut, Groll und Hass. Extremismus, Gesetzlosigkeit, Gewalt, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit.

Wie will man mit einer solchen Behauptung "Einheit" und "Versöhnung" stiften?

Und was sind denn die Ursachen von "Wut, Groll und Hass"? Wessen "Wut, Groll und Hass", gegen wen und aus welchen Gründen?

Biden folgt einer Sprachregelung, die sich unter den westlichen Eliten schon lange durchgesetzt hat: "Demokratie" meint kein politisches System, in dem durch Mehrheitsbeschlüsse in freien Wahlen der "Wille des Volkes" ermittelt und umgesetzt wird, sondern ein bestimmtes politisches Programm. Wer diesem nicht zustimmt, wird als "Demokratiefeind", bis hin zum Vorwurf des "Extremismus", geächtet.

Die Eliten sagen: Wir, und nur wir, sind "die Demokratie", weshalb sich ihnen niemand legitimerweise entgegenstellen darf.

Fortsetzung folgt.

 


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (14)

Maiordomus

26. Januar 2021 12:24

Sog. "Faschismus-Experten" vergleichen den sogenannten Sturm auf das Kapitol bereits mit Mussolinis "Marsch auf Rom". Bedingung für diese Art "Experten" scheint mir das grundlegende Fehlen elementarer Kenntnisse. Fängt in der Regel schon an mit der Übernahme des marxistisch-kommunistischen Faschismus-Begriffs an, welcher nicht analytische Sinngebung hat, sondern rein nur als Feindbild-Deklaration herhalten muss, so mit der bekannten Formulierung "keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Also der Ausschluss von der Debatte zugunsten von reiner Kriminalisierung. Insofern keine Kleinigkeit, weil auch ein Kriterium für Ausschluss aus den für Zensur anfälligen Internet-Communities. 

Laurenz

26. Januar 2021 12:33

Ob die US-Bürger gemerkt haben, daß sie, wie die blöden Deutschen zu Berlin, jetzt auch einen Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretär im Weißen Haus sitzen haben?

Ein gebuertiger Hesse

26. Januar 2021 14:32

Ignorieren, was einen krank macht: DAS Gebot der Stunde und womöglich der nächsten Jahre, so es denn vier werden. Biden? Ohne mich und meine Aufmerksamkeit. (Der Eskapismus-Vorwurf kommt immer nur Kleingeistern und Strebern, denen man schon vor Beginn des neuen Schuljahres einen Beinbruch gewünscht hat.)

Heinrich Loewe

26. Januar 2021 14:43

Das Gedöns mit „Inlandsterrorismus“ wird ein Rohrkrepierer; die freiheitsliebenden Amerikaner werden sich das nicht gefallen lassen. Überall laufen die Graswurzel-Aktionen an. Liz Cheney hat schon vier (!) Herausforderer zu den Primaries 2022. Sarah Sanders tritt zur Gouverneurswahl in Arkansas an. In Arizona ist der McCain—Clan auf den Platz verwiesen. Kelli Ward wurde dort zur Vorsitzenden gewählt; der RINO Gouverneur wurde abgemahnt. Republikanische Landesparlamente (state legislatures) tun sich zusammen um die künftige Integrität der Wahlen sicherzustellen.

Das ist großartig zu sehen, wie die Leute sich engagieren. Einer wie Scott Presler bündelt die Informationen, wie man als Bürger Einfluß nehmen kann, damit die Wahlen betrugssicher werden. Texas und Florida haben starke, beliebte GOP-Gouverneure, die gegen Biden Grenzöffnungspolitik vorgehen werden. Eine Demokratin im Senat kam jetzt sogar vor, den Filibuster zu erhalten.

Der Populismus ist als Gegenbewegung zur Globalisierung eine metaphysische geschichtliche Kraft und als solche nicht aufzuhalten.

Lieber Martin Lichtmesz, wann ziehen Sie von Twitter auf Gab oder Telegram um? Es ist wichtig, daß bekannte Leute wie Sie und Kositza da mitmachen.

Wahrheitssucher

26. Januar 2021 15:11

@ Martin Lichtmesz

Ihre Ausführungen vermitteln trübe Aussichten. Was kein Vorwurf sein soll. Wo bleibt die Hoffnung? Können bzw. wollen Trump oder, wie auch schon zu lesen war, dass Militär noch etwas bewirken?

Gotlandfahrer

26. Januar 2021 15:25

Wenn ich mich umschaue, entdecke ich niemanden, der über das Bestätigte und Gelernte hinaus Informationen aufnimmt oder prüft.  Die Vorstellung, der Bürger sei auch ohne mediale Anleitung "kritisch" gegenüber Regierung und fröhne im Sinne der Popper'schen Logik der Forschung dem Mehrwert des Widerspruchs, ist anschaulich falsch.  Damit aber ist die Idee vom mündigen Bürger falsch, sie ist tatsächlich "AfD-Sprech". Nun haben die "Eliten" die Bevölkerung schon immer "bewirtschaftet".  Nur in Ausnahmefällen so, dass das System instabil wurde und neue Gleichgewichte einnahm. Warum sollten sie heute sagen "hey, wir bewirtschaften Euch zu unseren Gunsten, haltet die Fresse", wenn dies - wie schon immer - viel leichter dadurch geht, dass man dem "Bürger" sagt, was er hören will?  Die Moral ist dabei Ausdruck der Produktionsverhältnisse und die werden immer von irgendjemanden beherrscht. Heute weltweit zunehmend von der KPC. Wir sind kultische Wesen, die ihren Frieden mit ihren Anführern durch Zustimmungsriten suchen.  Wenn "moralisch" erforderlich, lassen sich die "Bürger" auch 666 ins Gesicht tätowieren. 

Die Frage ist also nicht, ob die US-Wahl gestohlen wurde, denn wenn sie es nicht ist: Umso wahrer das oben Gesagte.  Sondern wie lange es gelingt, aus den Unterdrückten genügend Mittel zu erwirtschaften, um die für die Unterdrückung notwendigen Helfer zu belohnen. 

Flaneur

26. Januar 2021 19:15

@ Gotlandfahrer

"Die Frage ist, (...) wie lange es gelingt, aus den Unterdrückten genügend Mittel zu erwirtschaften, um die für die Unterdrückung notwendigen Helfer zu bezahlen."

Solange die herrschende Oligarchie in den USA in der Lage ist, die Notenpresse anzuwerfen, solange wird sie auch den Mob zur Bekämpfung ihrer Gegner im Inneren unterhalten können. Dazu muss sie jedoch die Stärke haben, andere Nationen zu nötigen, ihre Schuldverschreibungen zu erwerben, wozu es wiederum militärischer Stärke bedarf. So gesehen, sollte man aus meiner Sichtweise weniger auf die innere Verfasstheit der US-amerikanischen Gesellschaft gucken (so spannend das auch sein mag), als auf geopolitische Konstellationen. Innere Fäulnis ist das Eine, äussere Schwäche das Andere, woran sich historisch der Untergang von Imperien festmachen lässt. Und beides hängt miteinander zusammen.

anatol broder

26. Januar 2021 19:24

ich frage mich nun ernsthaft, ob die modeknechte bald das weisse haus in einer anderen farbe streichen und dann umbenennen. ein vorbild hätten sie: den moskauer kreml. seine ziegelrote aussenmauer und die türme wurden nämlich seit dem 18ten jahrhundert mit weisser farbe gestrichen. auf den gemälden von delabart (1797), lerebur (1842) und wereschagin (1879) kann man die alte aussicht bewundern. erst als die bolschewiken dort einzogen, brach man mit der tradition und liess den nackten stein, um eben das rote zu verdeutlichen.

Republikfluechtling

26. Januar 2021 20:05

@Gotlandfahrer: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral". 

Die Tatsache, dass die Bürger sich unmündig wie eine Schafherde benehmen und die mittlerweile doch recht dreist und offen dargebotenen Neusprech-Lügen gepaart mit stets weiteren Gängelungen brav schlucken, lässt Orwellsche Dystopien verblassen und  jeden braven Christenmenschen auf das Jüngste Gericht hoffen.

Bleibt die Option, dass die selbsternannten "Eliten" es mit der Ausplünderung und Bevormundung der Wenigen, die den Karren noch ziehen, so übertreiben, dass Nick Hanauers "Mistgabelszenario" Gestalt annimmt.

Laurenz

27. Januar 2021 01:39

@Wahrheitssucher @ Martin Lichtmesz

Was Ihre politischen Wünsche für die USA angeht, so werden diese kurzfristig nicht eintreten. Das Leben war noch nie ein Wunschkonzert.

In den USA pfeift der Druck im gesellschaftlichen Kessel zwar lauter als bei uns, aber nicht laut genug, der Kessel explodiert eben (noch) nicht.

Und das haben doch unsere Debatten der letzten Wochen klar gemacht, und was mir Frau Sommerfeld unwillentlich bestätigt hat, ist, nur existenzielle Not von Mehrheiten bringt Veränderung. Aber dieser Siedepunkt ist im Westen noch nicht erreicht. Und wenn irgendwelche Trumps die nächsten 20 Jahre regieren würden, passierte erst recht nichts. Trumps sind konter-revolutionär. Ich kann auch Ihnen nur empfehlen, schalten Sie in der Politik Ihr Herz ab und fangen Sie stattdessen an, zu kalkulieren.

Phil

28. Januar 2021 11:46

Der linke Professor Rainer Mausfeld, Kognitionswissenschaftler und Experte für Meinungsmanagement, sagt ebenfalls, wenn der polit-mediale Komplex von "Demokratie" spreche (die bedroht sei, die geschützt werden müsse usw.), dann sei in Wirklichkeit nicht Demokratie gemeint, sondern: die Herrschaft der Eliten – der Status quo.

Obama 2016: "Inequality is the greatest threat to democracy"

Obama 2020: The internet is “the single biggest threat to our democracy”

Laurenz

28. Januar 2021 12:18

@Phil

Mausfelds Problem ist sein Auftreten als graue Maus im Felde. Der Mann ist im Grunde einer der vielen unbewußten Rechten. 

Das beispielgebende Demokratie-Verständnis der Staatsratsvorsitzenden wurde eben in der "Deutschen Demokratischen Republik" geprägt.

Phil

29. Januar 2021 12:40

@Laurenz

Wie kann er rechts sein, wenn sein Menschenbild links ist? Aber damit kommen wir vom Thema weg.

Wenn man die Obama-Zitate vergleicht: Im Internet war eigentlich jeder gleich. Spätestens seit den – von Obama sicherlich befürworteten – Löschorgien 2020 ist dies aber nicht mehr so.

Laurenz

30. Januar 2021 11:29

@Phil

KenFM, Telepolis, Nachdenkseiten & Co. erachten sich auch als links oder alt-links. (Bei Ken Jebsen gehört das Multi-Kulti dazu, weil er mutmaßlich einen persischen Vater hat. Bei diesen Mitbürgern gibt es meist mit der Identitätsfindung Probleme.) Aber da diese Blogs intelligenter schreiben, als die antifantile Linke und sich oppositionell geben, bläst auch ihnen ein eisig merkelianischer Wind in Gesicht. Und wenn Sie, Phil, sich die inhaltlichen Schnittmengen & Divergenzen zu uns anschauen, so haben wir mit einer tatsächlichen politischen Nähe weniger Probleme als die. Ken Jebsen, wohl der härteste, spricht auch mit Gerhard Wisnewski. An GK hat er sich wohl noch nicht ran getraut. 

Wenn Sie Bock haben, lesen Sie Sich diesen Vortrag Mausfelds (Uni-Kiel) durch. Danach schreiben Sie uns, was Mausfelds Sicht der Dinge von unserer unterscheidet.

https://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf

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