Die gewendete Republik

Daß die Bundesrepublik in politischer Gestalt der ihr zugewonnenen DDR immer ähnlicher wird, ist einerseits – im Wesen – reiner Unfug.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Ande­rer­seits – in der Erschei­nung – ist es tat­säch­lich bedrü­ckend gespens­tisch. Für Zwei­te­res feh­len eigent­lich nur noch die einst all­ge­gen­wär­ti­gen Trans­pa­ren­te oder Lautsprecherbeschallung.

Zwar ste­hen basa­le Grund­la­gen, Eigen­tums­ver­hält­nis­se etwa, noch nicht in Fra­ge, aber im über­bau­li­chen, kul­tu­rel­len und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reich regiert ein Pseu­do­so­zia­lis­mus, der sich noch bizar­rer aus­nimmt als der einst „real exis­tie­ren­de“. Die Coro­na-Hys­te­rie for­cier­te die­se Ten­denz entscheidend.

Kenn­zeich­nend dafür sind lee­re poli­ti­sche Übun­gen, tote Ritua­le, das Her­sa­gen von Losun­gen und das Auf­bla­sen ideo­lo­gi­scher Sprech­bla­sen. Wesent­lich für den Über­bau- und Kul­tur­so­zia­lis­mus der Ber­li­ner Repu­blik ist das Erset­zen des Nach­den­kens und qua­li­fi­zier­ten Urtei­lens durch das abver­lang­te Bekennt­nis, das von der Schu­le bis zur beruf­li­chen Kar­rie­re ins­be­son­de­re im öffent­li­chen Dienst belohnt wird. Artig­keit und Angepaßt­heit erschei­nen wie­der in einer Wei­se gefragt, wie man es noch in den (neo)liberalen Neun­zi­gern und den Nuller­jah­ren nicht für mög­lich gehal­ten hätte.

Wie in der abster­ben­den Pha­se des Ost­block-Sozia­lis­mus ver­langt die poli­tisch-ideo­lo­gi­sche Fir­mung Glau­bens­be­kennt­nis­se, für die aus obli­ga­to­risch zu benut­zen­den Begrif­fen eine gegen­der­te Syn­tax zu for­men ist, die vari­ie­ren kann, wenn nur die Nomen stim­men: Welt­of­fen­heit, Diver­si­tät, Tole­ranz, Inklu­si­on, Gerech­tig­keit, Anti-Dis­kri­mi­nie­rung – und vor allem feind­bild­ge­recht: Gegen Rechts!

Sym­pto­ma­tisch übri­gens, daß die erha­be­nen For­de­run­gen nach Diver­si­tät und Tole­ranz nur für das eige­ne Spek­trum Gel­tung haben, kei­nes­falls aber für jene, die des­sen bedürf­ten, um über­haupt am Dis­kurs teil­neh­men zu kön­nen. Tole­ranz, min­des­tens ja in der Debat­te, wäre allein gegen­über dem poli­ti­schen Oppo­nen­ten inter­es­sant, dem sie aber gera­de nicht gewährt wird: „Kei­ne Tole­ranz gegen­über Rechts!“ Nicht nur, daß den Ver­tre­tern der soge­nann­ten Mit­te die Grö­ße fehlt, Anders­den­ken­de zu akzep­tie­ren und als Dis­ku­tan­ten zuzu­las­sen; es packt sie eine wür­de­lo­se Angst davor, des­halb ruft sie nach der Hil­fe des Staa­tes und fei­ert allein sich selbst.

Ver­gleich­bar dem DDR-Sozia­lis­mus deu­ten die Leit- und Glau­bens­be­grif­fe ein neu­ro­ti­sches Mus­ter an. Gera­de weil sie weder gesell­schaft­lich prak­ti­ka­bel noch tat­sa­chen­ge­recht sind und weil das selbst den Prot­ago­nis­ten klar ist, wer­den die Phra­sen und Flos­keln bestän­dig auf­ge­ru­fen und beschwo­ren. Im Sin­ne eines mora­lis­tisch phan­ta­sier­ten Als-Ob, von dem jeder kri­ti­sche Nach­den­ker weiß: Das ver­meint­lich Wün­schens­wer­te ist so nie und nim­mer mög­lich und nicht mal wün­schens­wert, so daß es bes­ser wäre, den ver­kün­de­ten Anspruch nicht mal als Ver­such zu star­ten. Nötig wäre die Klä­rung der Begrif­fe in deren Seman­tik. Ins­be­son­de­re also sprach­kri­tisch gilt es den Geg­ner zu stellen.

Ande­res mag durch eine Ana­mne­se zu klä­ren sein: Wäh­rend in der Alt-Bun­des­re­pu­blik über Jahr­zehn­te nun mal Alt-Nazis zu den Leis­tungs- und Ent­schei­dungs­trä­gern gehör­ten, haben die umer­zo­gen nach­rü­cken­den Genera­tio­nen offen­bar das Bedürf­nis nach einer Über­kom­pen­sa­ti­on die­ser im nach­hin­ein als miß­lich emp­fun­de­nen Tat­sa­che, anstatt Ver­gan­ge­nes dif­fe­ren­ziert zu erör­tern, aus­ge­hend von der Ein­sicht, daß die frü­he­ren Eli­ten nun mal ihren Platz und ihre Funk­ti­on hat­ten, durch­aus zum Guten des Gemein­we­sens, wenn­gleich bio­gra­phisch belas­tet von einer Ver­gan­gen­heit, die wie­der­um ihre eige­nen Ursa­chen hatte.

Ana­mne­tisch fest­zu­stel­len ist fer­ner, daß die Ber­li­ner Repu­blik öko­no­misch zwar wesent­lich kapi­ta­lis­tisch bzw. sozi­al-markt­wirt­schaft­lich ver­faßt ist, jeden­falls noch, genau dies aber die links­grü­ne Neo-Auf­klä­rung in ihrer Gerech­tig­keits­ro­man­tik stört, obwohl – oder weil – der Kapi­ta­lis­mus bes­tens mit anthro­po­lo­gi­schen Grund­la­gen des Mensch­li­chen kor­re­spon­diert. Links­grün will den Men­schen anders, näm­lich anti­ka­pi­ta­lis­tisch, also urgleich, nach Talent und Ver­mö­gen ein­ni­vel­liert, frei von „Pro­fit­stre­ben“, die Leis­tungs­fä­hi­gen ein­ge­ord­net unter die Schwach­ma­ten, über allem ein voll­stän­di­ge Inklu­si­on sichern­der Ver­sor­gungs­staat, der – Woher eigent­lich? – noch mehr Mit­tel verteilt.

Kapi­ta­lis­mus jeden­falls kann nach links­grü­ner Pro­pa­gan­da nicht zu einem mora­lisch wohl­tem­pe­rier­ten Men­schen und zum ver­klärt soli­da­ri­schen Gemein­schafts­bild pas­sen. Daß es ihn, den bösen Kapi­ta­lis­mus, über Jahr­hun­der­te gab und er kolo­nia­lis­tisch, ras­sis­tisch, impe­ria­lis­tisch bzw. natio­na­lis­tisch genau die Grund­la­gen schuf, die noch heu­te ihren Lebens­kom­fort sichern, erlebt die links­grü­ne Gemein­schaft als Krän­kung ihres Selbst­ver­ständ­nis­ses. Ent­we­der es wird ver­drängt oder sug­ge­riert, der Mensch wäre seit neus­tem end­lich, end­lich über die­se Vor­ge­schich­te hin­aus­ge­reift, so daß sich nun alles zum final Guten wen­den ließe.

Die neue gefühls­lin­ke Mit­tel­klas­se erlebt sich selbst als hedo­nis­tisch, sie kon­su­miert XXXL und for­dert genau des­we­gen um so mehr den kor­rek­ten, umwelt­be­wuß­ten und soli­da­ri­schen Men­schen als gesell­schaft­li­ches Leit­bild – außer­halb der eige­nen kon­kre­ten Per­son, also als Abstraktum.

Die Öko-Lin­ke ver­mag weni­ger denn je zu erken­nen, daß der Kapi­ta­lis­mus nicht irgend­wo aus einem Hort des Bösen wirkt, son­dern daß sie selbst des­sen Teil ist, genau so, wie sie sich gleich allen ande­ren in die Kund­schaft des von ihr stets geschmäh­ten Ama­zon-Kon­zerns ein­ge­klickt hat.

Die „neu­en urba­nen Schich­ten“, die sich angeb­lich einer neu­en Mensch­lich­keit, einem moder­nen Huma­nis­mus ver­pflich­tet sehen, betrei­ben die „Umwer­tung aller Wer­te“ in ihrem Sin­ne so vehe­ment, weil sie das pro­ble­ma­tisch Mensch­li­che – also die Grund­schuld allen Daseins, gewis­ser­ma­ßen das Kains­mal – durch­aus schmerz­lich an sich selbst bemer­ken, eben­so wie alle ande­ren Eigen­schaf­ten, die sie aus­schlie­ßen wol­len, obwohl genau die für Antrieb und Leis­tung sorgen:

Sor­ge, Ego­is­mus, Gewinn­stre­ben, Neid, Miß­gunst und was an dunk­len Sei­ten nun mal an uns ist, not­wen­di­ger­wei­se. Die­se pro­ble­ma­ti­schen Züge kon­sti­tu­ie­ren uns ent­schei­dend und bedin­gen Chan­cen und Hoff­nun­gen eben­so wie Tra­gik. Faust allein ist unvoll­stän­dig – ohne Mephis­to­phe­les. Und Adam Smith‘ „unsicht­ba­re Hand“ hät­te nichts zu ver­tei­len, wären wir nicht, wie wir sind.

Was die selbst­er­klärt Anstän­di­gen in lich­ten Momen­ten an sich selbst nicht lei­den mögen, spal­ten sie ab und wei­sen es jenen Geg­nern zu, die sie nolens volens selbst gene­rie­ren. Kras­ser und ins Extrem for­mu­liert: Sie trei­ben sich den inne­ren Nazi aus, um ihn im Gegen­über um so deut­li­cher per­so­ni­fi­ziert zu sehen und so zum Feind erklä­ren zu können.

Dies ist ein Akt freu­dia­ni­scher Pro­jek­ti­on, eine Exter­na­li­sie­rung: Am ande­ren stört äußer­lich ins­be­son­de­re das, was man an sich selbst inner­lich bearg­wöhnt. Daher all die Ritua­le moder­ner Teu­fels­aus­trei­bung in insze­nier­ten Kam­pa­gnen staats­tra­gen­der Medi­en und Ver­ei­ne, vor allem aber in der Schu­le, die sich dann zer­ti­fi­ziert als „Schu­le ohne Ras­sis­mus – Schu­le mit Cou­ra­ge“, so als gäbe es neben­an Bil­dungs­ein­rich­tun­gen mit gegen­tei­li­gem Ziel.

So wie dem Mar­xis­mus über die Auf­nah­me Hegel­schen Erbes eine idea­lis­ti­sche Gene­tik ein­ge­schrie­ben war, obwohl Marx, selbst als Mensch und Den­ker ambi­va­lent, für den dia­lek­ti­schen und his­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus ste­hen woll­te, ist die Lin­ke nach wie vor von einem idea­lis­ti­schen „Prin­zip Hoff­nung“ beseelt, das säku­la­ri­siert den christ­li­chen Wunsch nach Heil und Erlö­sung auf­nahm. Marx war sich sei­ner Fehl­stel­len selbst­iro­nisch bewußt; gegen­wär­ti­ge Lin­ke hal­ten sich jedoch ohne Zwei­fel für die bes­se­ren Men­schen. Gera­de ihnen fehlt gera­de des­we­gen jeder Humor.

Je luxu­riö­ser die mate­ri­el­len Lebens­um­stän­de, etwa jene auf dem Prenz­lau­er Berg, um so ver­lo­cken­der die idea­len Vor­stel­lun­gen vom guten Men­schen, der doch über­all so sein möge, wie man ihn sich als bes­ser­ver­die­nen­der Bio-Bour­geois zum Nach­barn im sanier­ten und gen­tri­fi­zier­ten Edel-Alt­bau-Kiez wünscht.

Die Illu­sio­nen wei­chen erst, wenn die Lebens­um­stän­de pre­kä­rer wer­den und Ent­wür­fe von exis­ten­tia­lis­ti­schem For­mat erfor­dert sind. Dann kommt wie­der erst das Fres­sen und dann die Moral. Dies ist zwar immer so, wird aber ver­drängt, weil man in sat­ten Zei­ten von sol­cher Des­il­lu­sio­nie­rung gekränkt würde.

Mit den lin­ken und grü­nen Grund­ver­ein­ba­run­gen zum wie­der mal „neu­en Men­schen“ iden­ti­fi­ziert sich zwar kein Prak­ti­ker, der pes­si­mis­ti­schem Lebens­ernst folgt, den­noch steht hin­ter den Ver­ord­nun­gen die­ses Men­schen­bil­des im Luh­mann­schen Sin­ne ein poli­ti­sches Sys­tem ganz eige­ner Auto­poie­sis, das sich weit über die Lin­ke hin­aus im Ein­ver­neh­men von CSU bis ganz nach links Auto­ri­tä­ten schuf, die neu­er­dings die Coro­na-Ära zum Aus­bau ihrer Macht nut­zen konn­ten. Mitt­ler­wei­le for­dern sie qua­si­to­ta­li­ta­ris­tisch Gelöb­nis­se ein.

Die Ber­li­ner Repu­blik wächst coro­na­ver­stärkt in einen eigen­ar­ti­gen Sozia­lis­mus hin­über, der zwar noch Kapi­tal, Lohn­ar­beit und die gro­ße Zocke­rei der Hoch­fi­nanz kennt, dabei aber von einem immens ver­brei­ter­ten staat­li­chen Politik‑, Sozial‑, Ver­wal­tungs- und Bil­dungs­sek­tor bestimmt wird, des­sen deka­den­te Lebens­ge­wohn­hei­ten und Ori­en­tie­run­gen auf Luxus das tra­di­tio­nell Bewähr­te, u. a. Tugen­den wie Leis­tungs­be­reit­schaft, Beschei­den­heit und Selbst­über­win­dung, nicht mehr ken­nen. Auf­ge­rüs­tet mit der übli­chen Selbst­le­gi­ti­ma­ti­on, für das ver­meint­lich unwi­der­leg­bar bewie­se­ne Urgu­te ein­zu­tre­ten, ent­wi­ckelt die gewen­de­te Repu­blik mit ihrem rie­si­gen Appa­rat eines Big Government mitt­ler­wei­le auto­ri­tä­re Züge.

Peter Slo­ter­di­jk dazu: “Auch bei uns herr­schen zur Stun­de sem­idik­ta­to­ria­le Ver­hält­nis­se, die offen­le­gen, was die Sozio­lo­gen nicht und die Poli­ti­ker schon gar nicht hören möch­ten: Unser Sys­tem ent­spricht seit län­ge­rem einem okkul­tier­ten Sem­iso­zia­lis­mus.” Eine Fis­kal­quo­te um die fünf­zig Pro­zent ermög­licht der neu­en höfi­schen Gesell­schaft von “demo­kra­ti­schen” Poli­ti­kern, Abge­ord­ne­ten, Bera­tern und Büro­kra­tie ein unver­dient kom­for­ta­bles Aus­kom­men auf Kos­ten derer, die als Unter­neh­mer, Arbei­ter und Dienst­leis­ten­de die­sen Reich­tum noch erwirt­schaf­ten, deren Ver­hält­nis­se sich aber in dem Maße enger gestal­ten, in dem die Staats­quo­te wei­ter wächst.

Aller­dings ver­füg­ten eins­ti­ge For­men auto­ri­tä­rer oder sogar tota­li­tä­rer Herr­schaft über zwei­er­lei, was der Mer­kel-Repu­blik fehlt, zum einen cha­ris­ma­ti­sche Per­sön­lich­kei­ten und zum ande­ren star­ke, Iden­ti­fi­ka­ti­on ermög­li­chen­de Sym­bo­le. Bei­des ist nicht prä­sent, weil die fade demo­kra­tisch-büro­kra­tisch ver­faß­te Herr­schafts­form cha­ris­ma­ti­sche Typen und ins Meta­phy­si­sche wei­sen­de Sym­bo­lik von selbst aus­schließt; es bleibt bei den brä­si­gen Büro­kra­ten, die wie­der­um phy­sio­gno­misch jenen Par­tei­ar­bei­tern ähneln, die den eben­falls uncha­ris­ma­ti­schen DDR-Sozia­lis­mus ver­wal­te­ten, der sich aber immer­hin des Feu­er­schut­zes des post­sta­li­nis­ti­schen Sowjet­im­pe­ri­ums sicher sein konnte.

Daß es sich dabei um einen Rie­sen auf töner­nen Füßen han­del­te, wur­de zunächst nicht deut­lich, weil Hun­dert­tau­sen­de Sowjet­sol­da­ten im Lan­de ein Argu­ment für sich dar­stell­ten. Über­haupt bezo­gen alle Dik­ta­tu­ren des vori­gen Jahr­hun­derts ihren ideo­lo­gi­schen Stark­strom aus den Span­nun­gen einer bipo­la­ren Welt.

Hin­ter der zuneh­mend qua­si­au­to­ri­tär agie­ren­den Bun­des­re­gie­rung steht nichts. Aber sie wird getra­gen von einer zunächst immer brei­te­ren Koali­ti­on an Über­ein­stim­mern, die sich im Sin­ne einer Block­par­tei­en­gemein­schaft zur Herr­schaft ver­ei­nen. Dies jedoch mit dem uner­wünsch­ten Effekt, daß die Unter­schei­dung der ver­ein­bart Wohl­ge­sinn­ten gegen­über der von ihnen als unver­schämt geschmäh­ten Oppo­si­ti­on immer deut­li­cher wird.

Oder anders: Die Oppo­si­ti­on gewinnt Kon­tur gera­de durch ihre Aus­gren­zung. Sie fin­det sich in Gestalt der AfD nicht nur an den Kat­zen­tisch des Par­la­ments gesetzt, son­dern ganz außer­halb des Sys­tems gestellt, dis­kri­mi­niert als patho­lo­gi­scher Fall, weil es eine rech­te Oppo­si­ti­on nach ver­ein­bar­ter Wahr­neh­mung der Block­par­tei­en „ver­nünf­ti­ger­wei­se“ gar nicht geben dürf­te, soll­te sie doch kraft poli­ti­scher Heil­päd­ago­gik längst umer­zo­gen sein.

Da zudem die Lin­ke gut bezahlt zur Ein­heits­front gehört, ja sogar als deren ideo­lo­gi­sche Stich­wort­ge­be­rin fun­giert, büß­te sie – teil­wei­se zur eige­nen Per­ple­xi­tät – ihre frü­her gleich­falls expo­nier­te Stel­lung ein. Jede Oppo­si­ti­on ist der­zeit rechts und muß rechts sein, weil aus­nahms­los alle, etwa Coro­na-Kri­ti­ker, vom links­grun­dier­ten Hege­mon nach rechts gestellt werden.

Dies sichert der Rech­ten einen wich­ti­gen Vor­teil. Weil sie weit­ge­hend unkor­rum­piert außer­halb ste­hen muß, im Wort­sin­ne „drau­ßen vor der Tür“, kann sie auf­merk­sam beob­ach­ten, ohne bis­lang in Ent­schei­dungs­pro­zes­se invol­viert zu sein. Sie kann sich ohne Last unmit­tel­ba­rer Ver­ant­wor­tung abklä­ren, bil­den, gedank­lich wach­sen und auf­merk­sam in der Kri­tik von Lebens­lü­gen der Mer­kel-Ein­heits­front­ler üben.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (60)

Uwe Lay

22. Februar 2021 18:09

Sehr irritierend!

Selbst die schärfsten Kritiker der DDR konnten in ihr keine Millionen von Arbeitslosen entdecken, Menschen, die von der Sozialhilfe leben und auf Armenspeisungen angewiesen waren.  Aber die politische Freiheit! Ja, sie wird in Deutschland durch den Kampf gegen Rechts dramatisch eingeschränkt, aber ein substantieller Unterschied bleibt bestehen: Während in der DDR der Staat politische Freiheiten unterdrückte, wird jetzt die Repression zivilgesellschaftlich organisiert, von dem Restaurant, das keine "Rechten" mehr bedient, über den Fußballverein, der Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen Rechts erläßt bis hin zu den Universitäten, wo die Antifa bestimmt, was gelehrt werden darf, unendlich ergänzbar.

Sucht man nun aber nach Multikultivierungstendenzen in der DDR: Fehlanzeige. Das Zentralorgan der SED hieß: "Neues Deutschland", heute heißt die Parole: "Nie wieder Deutschland" Wo findet da eine Angleichung an die DDR statt? Kulturell gesehen war die DDR nämlich preußisch-deutscher als die verwestliche und somit entdeutschte BRD. (Vgl Thomas Mann, Unpolitische Betrachtungen)

Uwe C. Lay

Caroline Sommerfeld

22. Februar 2021 18:29

"Für Zweiteres fehlen eigentlich nur noch die einst allgegenwärtigen Transparente oder Lautsprecherbeschallung."

Och, so ein ganz paar auffällig angebrachte "Sichtagitations"-Elemente gibt es im Straßenbild aber sehr wohl, gern auch an Geschäften (kommt wohl von der modischen public private partnership her). Und die Beschallung mit "Bedecken Sie Mund und Nase ..." bzw. auf Englisch "Wearing an FFP2 mask is a legal requirement ..." (mein Sohn verstand "is illegal requirement") läßt sich mit der alten Lautsprecherbeschallung durchaus vergleichen.

RMH

22. Februar 2021 19:25

"Kulturell gesehen war die DDR nämlich preußisch-deutscher als die verwestliche und somit entdeutschte BRD."

@Uwe Lay,

das ist so ein Märchen, welches sich in den letzten 20 -30 Jahren unter den Rechten breit macht und vor allem von Leuten vertreten wird, die nicht älter als 40 sind und daher das beiderseitige "Davor" nicht wirklich aus eigener Anschauung kennen.

Das bspw. ein Bayern oder Baden-Württemberg wenig "preußisch" waren und sind, liegt nun wahrlich nicht an der "BähErDäh" oder der DDR. Und das ausgerechnet die Sachsen und Thüringer vermutlich die widerständigsten Regionen in Gesamtdeutschland sind, hat auch recht wenig mit "preußisch-deutsch" zu tun.

Im Kern hat der Sozialismus der DDR mit seinem Atheismus (der sich großflächig auch durchsetzen konnte, aber auch hier waren wiederum Thüringen und Sachsen resistenter als der Rest) und seinem proletarischen Ideal in der Breite erheblichen kulturellen Flurschaden angerichtet, worüber die vorhandenen "Türme" (Gruß an Tellkamp) nicht hinweg täuschen können.

Das, was heute so bemerkt und bedauert wird, hat sich erst seit der Wiedervereinigung in den letzten 31 Jahren maßgeblich eingestellt. Dass die Saat dafür bereits auch (zum Teil deutlich) vorher angelegt wurde (in beiden Teilen Deutschlands), ist wiederum unbestreitbar.

Heinrich Loewe

22. Februar 2021 19:29

Recht so! Mal kein verschämtes "Ich will ja keine DDR-Vergleiche bemühen, aber..." sondern: Der Hammer.

Es ist nichts weniger als der (Kultur-)Marxismus, der hier momentan auf der Siegerstraße ist.

Raheem Kassam hat im Podcast angesichts der ersten Tage des Biden-Regimes mehrmals den "Archipel Gulag" zur Illustration der strukturellen Ähnlichkeit herangezogen.

Das mit dem Eigentum kommt auch noch, so sicher wie das Amen. "Du besitzt nichts - und wirst glücklich sein." Die verbergen es noch nicht einmal. Da gibt es dann ratzfatz eine Zwangshypothek ins Grundbuch eingetragen. Die Verschuldung der Staaten ist längst hinter der Klippe, das geht gar nicht mehr anders.

Lotta Vorbeck

22. Februar 2021 19:31

@Caroline Sommerfeld - 22. Februar 2021 - 06:29 PM

"Ich behaupte nicht, daß die DDR genauso schlimm war wie die BRD." - postuliert Uwe Steimle in einem unlängst aufgezeichneten Gespräch mit Dirk Pohlmann.

Der an Bösartigkeit und Perfidie kaum zu übertreffende, präzise auf die Zerstörung von Volk, Nation, Familie, Tradition, Land und Zukunft ausgerichtete Vernichtungsfeldzug der Kulturmarxisten zerfällt im selben Moment zu Staub, wo die Leute aufhören, an den faulen Zauber zu glauben.

RMH

22. Februar 2021 19:48

Nachtrag:

Starker Text von Bosselmann!

@H. Loewe,

" ..gibt es dann ratzfatz eine Zwangshypothek ins Grundbuch eingetragen."

Davon darf man meiner Meinung nach stark ausgehen. Nach der BT-Wahl werden die Messer zur Schur offen ausgepackt werden. Genießen wir noch ein bisschen die Ruhe ... 

Lotta Vorbeck

22. Februar 2021 20:22

@RMH - 22. Februar 2021 - 07:48 PM

"... ausgepackt werden."

---

Zum Scheren oder zum Schächten?

Lotta Vorbeck

22. Februar 2021 21:43

@Heino Bosselmann

"Wenden ist zweimaliges Linksabbiegen" hieß es zu Zeiten der StVO 77.

Den Faden mal weitergesponnen, könnte "gewendete Republik" wohl auch dahingehend interpretiert werden, daß diese res publica* sich nunmehr anschickt, dahin zurückzukehren, woher sie einst gekommen ist.

* res publica [lat.] = öffentliche Angelegenheit

Eo

22. Februar 2021 23:21

 

"Jede Opposition ist derzeit rechts und muß rechts sein, weil ausnahmslos alle, etwa Corona-Kritiker, vom linksgrundierten Hegemon nach rechts gestellt werden."

.
Sehe ich auch so. Denn:
Der Revolutionär von heute
ist notgedrungen
reaktionär.

https://neue-spryche.blogspot.com/2017/04/notizen-auf-notsitzen.html

 

Imagine

23. Februar 2021 00:48

1/2

Waren die (post)stalinistischen Regimes sozialistische Gesellschaften oder nicht?

Diese Systeme bezeichneten sich selbst als „realer Sozialismus“.

Im Grunde gibt es 4 Kategorien von Menschen, die diese Systeme als „Sozialismus“ bezeichnen.

1. (Post)stalinistische Systemapologeten. In der DDR waren dies die SED, ihre Kollaborateure und die systemkonformen Opportunisten. In der BRD waren dies prostalinistische Kommunisten sowie deren Organisationen, insbesondere die DKP. Bis auf kleine Sekten, gewissermaßen Restbestände der kommunistischen Bewegung, existieren diese nicht mehr.

2. Prokapitalistische Systemapologeten und Anti-Sozialisten. Deren Ziel war und ist es, ein möglichst negatives Bild vom Sozialismus zu propagieren und die (post)stalinistischen Regimes als Prototypen eines jeden Sozialismus darzustellen. Heute verbreiten sie Lügen und Horrorgeschichten über China.
Vor allem sie sind es, die heute von der BRD als „DDR 2.0“ sprechen. Sie zeichnen ein völlig realitätsfernes und idealisiertes  Bild von „Marktwirtschaft“ zeichnen. Sie verleugnen Realität, dass der angebliche Sozialismus in der BRD nichts anders ist als eine zunehmend autoritärer und repressiver werdende Ausübung kapitalistischer Herrschaft und Systemsteuerung vermittels des Staats.

Imagine

23. Februar 2021 01:00

2/2

3. Hirngewaschene Ossis, die wirklich glaub(t)en, dass sie in einem sozialistischen System leb(t)en.

4. Ungebildete, propagandagläubige und begriffslose Menschen im Westen, die papageienhaft nachquatschen, was ihnen Medien, Lehrpersonen etc. vorgeben.

Da kann jeder, welcher diese (post)stalinistischen Staaten als Prototyp von „Sozialismus“ ansieht, sich selbst zuordnen.

Für jeden wissenschaftlich Gebildeten ist hingegen völlig klar, dass diese Systeme im völligen Widerspruch stehen zu dem, was Marx, Engels, Luxemburg et al. als ein Hauptziel des Sozialismus formulierten, nämlich eine weitgehende Befreiung vom Zwang zur Arbeit, insbesondere von fremdbestimmter Lohnarbeit.

Für die kritischen Linken in der 68-er Zeit waren diese Staaten keine sozialistischen Gesellschaften. Für die emanzipatorischen und nicht-konformistischen Sozialisten sowieso nicht, Dutschke sprach vom „Scheißsozialismus“. Auch nicht für die Anhänger der damals sehr staken „Marxistischen Gruppe“. Die Maoisten in den K-Gruppen sprachen vom „Sowjetimperialismus“, die Trotzkisten sahen darin „degenerierte und bürokratisch entartete Arbeiter-Staaten“.

 

RMH

23. Februar 2021 07:28

@Imagine, 

„Scheißsozialismus“ ist trotzdem noch Sozialismus - oder gab es keine Vergesellschaftung der Produktionsmittel in der ehemaligen DDR? (Gut, das Prinzip "tausche personifizierbaren Kapitalisten oder anonymen Kapitalisten (AG) gegen Staatsbonzen als Kapitalisten" mag wenig echt partiarisch sein, dennoch ist es quasi die Rohmasse des Sozialismus).

Es ist das Wesen idealer Systeme, dass sie in der Realität doch so ihre Umsetzungsprobleme haben. Konservative meinen, dass ideale System nicht nur Umsetzungsprobleme haben, sondern schlicht nicht umsetzbar sind. Das merken wir doch hier seit etlichen Jahren in Bezug auf die neuen "Ideale". Die schöne neue Welt der "Anywheres", des Multikulturalismus "ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch“ (Cohn-Bendit).

 

Herr K aus O

23. Februar 2021 08:03

Schöner Text. Ich empfinde diesen Sozialismus allerdings nur als ...hm, sagen wir mal Übergangszustand. Der wahre Treiber hinter diesem Sozialismus scheint mir der Wallstreet-Kapitalismus zu sein. Wird gerade nicht der komplette Handel den Amis zu Füßen gelegt? Wenn es stimmt, dass Benz seine Verbrenner in China bauen lassen möchte, dann geht Benz den konsequenten Weg von Apple. So immens reich konnte Apple nur werden, weil jene ihre Produkte in China herstellen lassen. Made in China, Geld bleibt in US. Benz, Made in China, aber wo geht das Geld hin? Ich vermute zu den Aktionären. Und wo sitzen die? Also: Meine kühne, verrückte These: Dieser ganze Quatsch mit der DUH oder Greta ist zwar nicht direkt von der Autoindustrie erfunden worden, aber  man nutzt diese Personen, um seinen Profit zu maximieren. Und das finde ich sogar verständlich: Ja, okay! So läuft’s Business. Nur: Wer kann es sich leisten, in einem deindustralisierten Land zu leben? Auch die grün-linken werden mit der Realität konfrontiert. Schönes Beispiel ist doch der Wohnungsmarkt. Grenzenloses Gelddrucken und grenzenlose Grenzen sorgen für steigende Nachfrage usw. Trotz Mietendeckel: Der Markt ist stärker!

Laurenz

23. Februar 2021 09:33

@HB

Sie wissen nicht ganz, was Sie wollen. Wenn man von einer DDRisierung schreibt, oder von einer DDR 2.0, ist natürlich der totalitäre Ansatz gemeint, der voraussetzt, daß Autoren und Leser die Zeit von damals bis heute bewußt miterlebt - & sich mit entwickelt haben. DDR 2.0 bedeutet im eigentlichen Sinne ein "Update", also eine "neuere" Version. Das Neue ist natürlich die fehlende Mauer. Es gibt keine Mauer mehr, über die man springen - & und in irgendeine Freiheit abhauen könnte. Wenn sich Privilegierte unter unseren Füßen in Neu-Seeland für viel Geld ein Refugium schaffen, und sich selbst in Neu-Wandlitz einsperren, ist die Mauer das Meer. Und der Feind, in dem Fall der globalistische Mob, ließ sich noch nie vom Meer aufhalten, vor allem eingedenk dessen, daß dort ja "was zu holen" sein muß.

Daher ist es auch zwangsläufig so, daß der Klassenfeind, die AfD, nicht mehr hinter einer Mauer, sondern mitten unter uns lebt. Da bekommt der Spruch "Stell' Dir vor, es ist Krieg & keiner kann weg" eine ganz neue Bedeutung. Und daher kann man sich auch fast den Aufmarsch der Volkspolizei und der Volksbefreiungsarmee sparen, indem man die KZ-& Gulag-Insassen zu ihren eigenen Lagerwächtern befördert. Anhand von Frau Merkel kann man sehr wohl sehen, daß es auch Bürger der DDR gibt, die aus der Vergangenheit gelernt haben. Die DDR 2.0 ist perfekter als die historische Version.

Der_Juergen

23. Februar 2021 09:36

Natürlich war die BRD jahrzehntelang ein sehr viel attraktiveres Staatsmodell als die DDR. Die Mauer, der Todesstreifen, die politischen Prozesse – all das waren greifbare Argumente gegen den östlichen Sozialismus. Doch wurde den Westdeutschen nach dem Krieg von den Angelsachsen ein Nessushemd angelegt, die «Demokratie» in Gestalt der Herrschaft eines prowestlichen Parteienkartells. Dieses Hemd brennt sie nun je länger je mehr.

Vergleichen wir die heutige BRD einmal mit dem Russland der dreissiger Jahre. Selbst in finsteren Perioden wie der Zeit der grossen Säuberung hatten die Sowjetmenschen trotz ihrer Furcht vor dem allgegenwärtigen Terror Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Immerhin schossen überall neue Betriebe aus dem Boden, die Wirtschaft wuchs, das Bildungs- und das Gesundheitswesen funktionierten, es wurden kulturelle Werte von Rang geschaffen. Der Terror, dachte man, werde irgendwann zu Ende gehen. In der heutigen BRD wird nichts mehr geschaffen ausser Ruinen. Was noch positiv ist, sei es in der Wirtschaft oder in der Kultur, wird zerstört. Und als Zukunftsperspektive winkt der ewige Lockdown, mit dem Maulkorb als Zeichen der Entmündigung, der Versklavung der Bürger. Dieser Sozialismus, wenn es denn einer ist, lässt einen bis ins Mark erschaudern.

Laurenz

23. Februar 2021 10:29

 

@Der_Juergen

Der Unterschied zwischen historischer BRD & DDR liegt rein im Materiellen & der Reisefreiheit. Und wie Volker Pispers formuliert, war die DDR der Billiglohn-Sektor der BRD. Nur mit dem Zusammenbruch der Warschauer Pakts, war die Notwendigkeit, ein Wohlstandsgefälle aufrecht zu erhalten, weggefallen. Etwas, was man vor allem in Ost-Europa nie begriffen hat. Die Konsequenz der Verarmung der Mittelschicht, kommt in Osteuropa erst gar nicht zum tragen.

Deswegen ist es auch den Chinesen völlig egal, wer sie regiert, der Wohlstand steigt und es gibt Reisefreiheit, etwas, was es vorher nicht gab.

Ihr Beispiel der Sowjetunion aus den 30ern ist absurd. Zu dieser Zeit lebte jeder 10te Sowjetbürger im Gulag und Mio. verreckten am Hunger und der Zwangsarbeit, nicht zu vergessen, die Große Säuberung. Finnland, das Baltikum, Polen & die Mandschurei wurden angegriffen, in Spanien interveniert, Rumänien mit Gebietsforderungen bedroht.

Imagine

23. Februar 2021 10:31

@RMH

Der Unterschied zwischen einer AG und einem VEB ist, dass die AG tatsächlich und rechtlich gesichert den Anteilseignern gehört und diese am Erfolg des Unternehmens teilhaben.

Wem gehörte der VEB in der DDR? Dem Staat. Bestimmen taten die Parteifunktionäre, welche als „Neue Klasse“ (Djilas) den Staat als ihren Apparat in ihrer Hand hatten.

Aber dies ist nicht „Vergesellschaftung“, sondern „Verstaatlichung“.

Zur Vergesellschaftung gehört die Demokratie, also Mitbestimmung und Mitgestaltung und echtes Gemeineigentum, also reales und nicht nur fiktives Anteilseigentum.

Man hätte der DDR-Bevölkerung niemals – wie bei der „Vereinigung“ geschehen – deren angebliches „Volkseigentum“ an Grund und Boden sowie an Produktionsmitteln wegnehmen können, wenn es denn tatsächlich und rechtlich Gemeineigentum gewesen wäre und die DDR-Bürger tatsächlich Anteilseigner. Denn dann hätten die DDR-Bürger ihr Eigentum gegen die große Enteignung beim Anschluss an die BRD verteidigt.

Zum Sozialismus gehört echtes Gemeineigentum mit demokratischer Mitbestimmung. Nur dies ist wirkliche Vergesellschaftung.

Der „Reale Sozialismus“ war Betrug.

Laurenz

23. Februar 2021 10:47

@Imagine @RMH

"Man hätte der DDR-Bevölkerung niemals – wie bei der „Vereinigung“ geschehen – deren angebliches „Volkseigentum“ an Grund und Boden sowie an Produktionsmitteln wegnehmen können."

Es wurde den DDR-Bürgern nicht weggenommen, es wurde durch die Vertretung der Bürger verkauft. Immer wieder Ihre Märchenerzählungen....sie sollten das zu einem Gewerbe ausbauen. Und bei der Linken kommen Märchen am besten an.

 

@Herr K aus O

Auch für mächtige Investoren an der Wall-Street bleibt der real existierende Totalitarismus das höchste Ziel, denn letzteres ist der erstrebenswerte Superlativ eines Mächtigen. An der Börse kann man auch fallen, im Totalitarismus so erstmal nicht.

Imagine

23. Februar 2021 11:01

@RMH   23. Februar 2021 07:28
„Es ist das Wesen idealer Systeme, dass sie in der Realität doch so ihre Umsetzungsprobleme haben. Konservative meinen, dass ideale System nicht nur Umsetzungsprobleme haben, sondern schlicht nicht umsetzbar sind.“

Nicht nur Konservative.

Marx und Engels wandten sich genau aus diesem Grund bereits im „Kommunistischen Manifest“ von 1848 mit ihrem „wissenschaftlichen Sozialismus“ gegen die „utopischen Sozialisten“, die in ihren Köpfen ideale Gesellschaften konstruierten.

Ihren wissenschaftlich fundierten Realismus nannten sie „materialistisch“ gegen die idealistischen Gesellschaftskonstrukteure.

Mao war noch Idealist gewesen, daher dessen Politik mit dem „Großen Sprung nach vorn“ und der „Kulturrevolution“.

Der Realist und „Materialist“ Deng Xiaoping machte das Gegenteil.

Da der Kapitalismus als Motor und Entwicklungsbeschleuniger extrem effektiv ist, machte er – gegen die herrschende Ideologie – wirtschaftliche Teilbereiche zu kapitalistischen Zonen.

Selbstverständlich ist das heutige China noch keine sozialistische Gesellschaft. Diese ist das Ziel und eine weitgehende Realisierung ist geplant auf 2049. China versteht sich als chinesischer Weg zum Sozialismus.

Man wird sehen, wie sich die chinesische Gesellschaft weiter entwickelt und was daran Modellfunktion für unsere Gesellschaft besitzen kann.

Benedikt Kaiser

23. Februar 2021 11:10

@Laurenz: Zur Frage danach, was 1990 ff. verkauft wurde, und welche Folgen das für die materiellen Verhältnisse in der ehemaligen DDR hatte, habe ich im Solidarischen Patriotismus einiges angeführt. Auch in »Die Besiegten von 1990« (Sezession 95) ist eine Passage enthalten, die zum diskutierten Thema gehört:

Neben diesen immateriellen Prozessen – Ostdeutsche als fremdbestimmte, objektivierte Verfügungsmasse – waren es materielle Entwicklungen, die den Einheitsjubel verstummen ließen und bis heute in den Köpfen vieler Ostdeutscher als Entwertung von Millionen Biographien präsent bleiben. Die Transformation der realsozialistischen Wirtschaft in die moderne Dienstleistungsgesellschaft der BRD verlangte u. a. die Privatisierung der Staats- und staatsnahen Betriebe der DDR. Ilko-Sascha Kowalczuk wies darauf hin, daß 85 Prozent der mittleren und großen Unternehmen an westdeutsche Investoren, zehn Prozent an ausländische und nur fünf Prozent an ostdeutsche Personen übertragen wurden. Woher hätten die Ostdeutschen (außerhalb des höchsten Parteiapparats) auch Gelder nehmen sollen, um Industrie- und Anlagenkapital in Ostdeutschland zu behalten? So war es konsequent, daß nur Kleinprivatisierungen an ehemalige DDR-Bürger funktionieren konnten, während alles, was bestimmte Summen übertraf, in West- oder ausländischen Besitz überging. Der Ausverkauf des Ostens und seiner 12 000 Unternehmen war ein Sieg des Westens [...].

Valjean72

23. Februar 2021 11:10

Uwe Lay

Sucht man nun aber nach Multikultivierungstendenzen in der DDR: Fehlanzeige.

Auch für mich ist dieser Vergleich zur DDR, vielleicht in manchen Tendenzen zutreffend aber in Gänze doch nicht überzeugend.

Der grösste Widerstand gegen die zunehmend mehr irren Massnahmen der BRD-Staatsführung kommt aus den Neuen Bundesländern. Und das rührt mE daher, weil dort das Deutschtum eben nicht so umfassend bekämpft wurde wie in der BRD, geschweige denn, wie in der späten BRD.

Als Heranwachsemder sah ich Ende der 80er Jahre in der ARD die DEFA-TV-Produktion: "Sachsens Glanz und Preussens Gloria" und war fasziniert von diesem fremden und starkem Bild deutscher Geschichte ... 

1985 wurde die Semperoper wieder eröffnet ...

Nein, was wir heute erleben hat eine ganz andere, negative, unverholen gegen das eigene Volk gerichtete Qualität als es die DDR hatte und ist viel perfider ...

 

Imagine

23. Februar 2021 11:13

@Laurenz  23. Februar 2021 10:47

„Es wurde den DDR-Bürgern nicht weggenommen, es wurde durch die Vertretung der Bürger verkauft.“

Welch ein Unsinn! Man kann keinen Eigentumstransfer vollziehen mit fremden Eigentum. Was einem nicht gehört, das kann man nicht rechtsgültig verkaufen.

Große Klappe - nichts dahinter!

Die damaligen Verkäufer waren nicht die Eigentumer.

Der damalige Deal war legalisierte Kriminalität.

Laurenz

23. Februar 2021 11:18

@Imagine @RMH

"Mao war noch Idealist gewesen, daher dessen Politik mit dem „Großen Sprung nach vorn“ und der „Kulturrevolution“.

Der Realist und „Materialist“ Deng Xiaoping machte das Gegenteil."

oder 

"Den chinesischen Weg zum Sozialismus als „Nationalsozialismus“ zu bezeichnen, ist an Unverstand nicht zu toppen.

China geht es nicht um eine kommunistische Weltrevolution, sondern verfolgt einen nationalen Weg zum Sozialismus."

Ich habe weder was gegen mich gerichtete "ad hominem"-Formulierungen noch gegen mich gerichtete Beleidigungen, aber ich warte immer noch auf Ihre fundamentalen Argumente, daß der Realist & Materialist Deng in China keinen Nationalsozialismus eingeführt hat.

Und dagegen habe ich was.

Der Fakt ist immer noch, wir finden in China ein autoritäres Regime vor, welches, staatlich kontrolliert", Privateigentum zuläßt. In der Moderne finden wir das nur im Nationalsozialismus.

Ich will von Ihnen keine weiteren Faseleien und Phantastereien hören, nur weil nicht sein kann, was nicht sein darf, sondern Tatsächliches. Hauen Sie in die Tasten.

Laurenz

23. Februar 2021 11:27

@Benedikt Kaiser @Laurenz

Ich stimme Ihnen absolut zu. Sie brauchen mich in keiner Weise zu überzeugen.

Wir hatten einfach die falschen Volksvertreter. Auch die Währungsunion wurde bewußt, auch zugunsten von SED-Vermögen, stümperhaft mit der Gießkanne umgesetzt. Ich habe die Überweisungen von SED-Vermögen leibhaftig in einer deutschen Großbank erlebt.

Ich habe natürlich auch Imagine "verstanden". Aber es nutzt nichts.

Man hätte eben nicht Kohl, den ersten Gesamtdeutschen Kanzler, wählen dürfen. Daß Kriminelle, wie Birgit Breuel, hier heute noch frei rumlaufen, ist ein Skandal. Das kapitale Staats-Verbrechen geht weit über Mord hinaus.

Laurenz

23. Februar 2021 11:33

@Imagine @Laurenz

"Der damalige Deal war legalisierte Kriminalität."

Sie haben vollkommen Recht.

Aber dann hätten Sie das Volk nicht Kohl wählen lassen dürfen. Oskar Lafontaine hatte keine blühenden Landschaften versprochen.

RMH

23. Februar 2021 13:34

@Bendikt Kaiser,

Ganz so glorreiche war der "Sieg" des Westens aber nicht. Beispiel:

Der Wälzlagerhersteller FAG, zur Wende noch klassisch paternalistisch familiengeführter Konzern, wollte die mitteldeutsche Kugellagerindustrie retten und kaufte 1990 die DKF in Chemnitz. Ergebnis: Die Firma ging an dem attraktiven Osthappen fast pleite, die Familie müsste aus der Unternehmerführung knapp 3 Jahre später ausscheiden, der Konzern reduzierte von ca. 40tsd Arbeitsplätzen auf 15 Tsd und 2001 wurde er dann von Schaeffler geschluckt.

Die mitteldeutsche Industrie ging im Wesentlichen an der Währungsunion zur DM im Verbund mit dem Wegbruch des Comecon- Marktes zu Bruch und nicht an vermeintlichen  westdeutschen Heuschrecken. Ich war damals auch als "Sanierer" unterwegs und kann bestätigen, dass nur das weggebrochen ist, was chancenlos war. Alles andere hat sich nach z.T. massiven Einschnitten gut  erholen können.

RMH

23. Februar 2021 13:36

Zudem:

Dass die Ostlöhne nach 1990 niedriger waren, hatte auch seinen objektiv belegbaren Grund darin, dass die Produktivität, eine ermittelbare Kennzahl, niedriger war als im Westen.

Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

 

Monika

23. Februar 2021 13:49

Ich empfinde zunehmend ,  dass die Bundesrepublik in politischer Gestalt und auch  im Wesen der zugewonnenen DDR immer ähnlicher  wird. Dieser Gedanke erscheint bereits in den 80-er Jahren in dissidenter Literatur des Ostblocks. Václav Havel spricht vom „Leben im posttotalitären System“ , das ein zugespitztes Bild modernen Lebens überhaupt ist. Der Osten, so Havel, habe dem Westen lediglich seine latenten Richtungstendenzen enthüllt. Diese Richtungstendenz wird im sog. Freien Westen offenbar. Masseneinwanderung und Pandemie tun ihr übriges. Die meisten Menschen sind anfällig für totalitäre Systeme. Auch die Ideologisierung schreitet voran. Bunte Fahnen wehen und werben auf Deutschlands Prachtstraßen für Vielfalt und Toleranz ( gesehen auf der Wilhelmsstrasse in Wiesbaden 2018) . In Kandel hingen in jedem Geschäft Spruchbänder. (Toleranz, Vielfalt, Offenheit) , um vom Versagen der Politik (angesichts der Ermordung  von Mia Valentin)  abzulenken. Über die Funktion der Ideologie kann man auch wunderbar bei Václav Havel nachlesen. ( Versuch, in der Wahrheit zu leben). Zu empfehlen sind auch  die Bücher von Alexander Sinowjew ( homo sovieticus, Gähnende Höhen) und von Czeslav Milosz ( verführtes Denken. Nicht zuletzt:

Kapitalismus  und Kommunismus gehen wunderbar zusammen.

Gustav

23. Februar 2021 13:55

@ Imagine

1.) Marx wurde von einer mysteriösen Gruppe angeheuert, die sich „Liga der Menschen" nannte, um das ,Kommunistische Manifest' als demagogischen Köder für die Massen zu schreiben. Tatsächlich war das ,K. M.' schon viele Jahre zuvor im Umlauf, bevor der Name Marx soweit anerkannt war, um ihn für die Autorenschaft dieses revolutionären Handbuches gebrauchen zu können. Alles, was Marx wirklich tat, war, daß er dieselben revolutionären Pläne und Prinzipien modernisierte und kodifizierte, die siebzig Jahre zuvor von Adam Weishaupt, dem Gründer der Illuminaten in Bayern niedergeschrieben wurden. Sachverständige bestätigen, daß die „Liga der Menschen" nur eine Ausweitung der Illuminaten war, die in den Untergrund gingen, als sie im Jahre 1786 durch die bayerischen Behörden verboten wurden. (Siehe auch Payne, Robert, Marx, Simon & Schuster, New York, 1968 und Robison, John, Proofs of a Conspiracy, 1. Aufl. 1798; Neudruck: Western Islands, Boston und Los Angeles, 1968).

Gustav

23. Februar 2021 13:58

@ Imagine

2.) Möchte man ein nationales Monopol, so muß man eine nationale sozialistische Regierung kontrollieren. Und will man schließlich ein weltweites Monopol erringen, so muß eben eine sozialistische Weltregierung kontrolliert werden. Das ist die wesentliche Regel bei diesem Spiel um die Macht. Es wird klar, daß Kommunismus keine Bewegung der unterdrückten Massen ist, sondern eine Bewegung, erschaffen von macht- und geldgierigen Insidern, um die Kontrolle über die ganze Welt zu erlangen. Zuerst werden sozialistische Regierungen in den einzelnen Nationen etabliert, die dann durch Konsolidierung zu einer Großfusion ein allmächtiger, sozialistischer Welt-Superstaat werden sollen.

Gustav

23. Februar 2021 14:02

@ Imagine

3.) Es gibt keine proletarische Bewegung, auch keine kommunistische, die nicht im Dienste des Geldes, in der vom Geld vorgegebenen Richtung und während des ihr vom Gelde zugebilligten Zeitraums tätig wäre, und all dies, ohne dass die Idealisten in ihren Reihen auch nur die leiseste Ahnung davon hätten.

Oswald Spengler

Der Untergang des Abendlandes

Laurenz

23. Februar 2021 14:13

@RMH

Die Frage ist doch, wie man diesen ökonomischen "Prozeß der Einheit" umsetzt. Wenn Sie die Währung verändern, wie geschehen, brechen alle COMECON-Lieferverträge weg. Man hätte, neben der gesamt-deutschen Einführung der Deutschmark, die Alu-Ost-Mark einfach, ähnlich dem Kolonial-Franc ... heute Kolonial-Euro, weiter laufen lassen können, einfach erstmal um die Geschäfts-Verbindungen aufrecht zu erhalten. Nach und nach, innerhalb von 10 Jahren, hätte man bilateral die Verträge umstellen können.

Und man hatte auch nicht wirklich alle die überführten Treuhand-Betrüger verfolgt, die in die Schweiz abgehauen sind.

Wenn man politisch will, daß die Schweiz hier abgeurteilte Verbrecher ausliefert, hat die Schweiz keine Chance, sich dagegen zu wehren. Aber man wollte das politisch gar nicht. 2 Wochen die Schweizer Grenzen sperren, den Schweizer Luftraum abschließen und die Schweiz bettelt auf Knien.

RMH

23. Februar 2021 14:23

@Laurenz,

Sie haben Recht. Der sofortige Einzug der DM in den neuen Ländern war falsch und wurde im Nachgang durch Kohl und Waigel mit der tatsächlich vorhandenen Parole "Kommt die DM nicht zu uns, kommen wir zu ihr" erklärt und der Befürchtung einer Entvölkerung Mitteldeutschlands.

Richtig wäre eine Sonderwirtschaftszone gewesen. Der Wähler in den neuen Ländern wollte aber die DM. Ein Zielkonflikt, der von Kohl bekanntermaßen zu Gunsten eines schnellen Wahlerfolges gelöst wurde.

heinrichbrueck

23. Februar 2021 14:55

Aber dann hätten Sie das Volk nicht Kohl wählen lassen dürfen. Oskar Lafontaine hatte keine blühenden Landschaften versprochen.

Laurenz, verraten Sie auch, wie man die Position erklimmen kann, den nützlichen Bundeskanzlerkandidaten aufstellen zu können, der auch gewählt wird und die geplante Politik repräsentieren darf? Parteien als politische Konzepte der strukturellen Steuerung, nicht als Volksherrschaft. 

Laurenz

23. Februar 2021 15:22

@RMH @Laurenz

Natürlich hätte man die Deutschmark einführen können, für aktuelle Einkommen und Sparguthaben bis zu einer bestimmten Höhe. Das hätte man von 1:2 bis 1:10 (etwa dem tatsächlichen Wert) staffeln können.

@heinrichbrueck

Sie wissen doch, daß ich kein Freund der repräsentativen Demokratie -, sondern ein Anhänger direkter Demokratie bin.

Wir müssen aber mit dem vorlieb nehmen, was ist.

Kohl war nie ein Ehrenmann. Oskar vielleicht auch nicht, aber er hatte als Saar-Napoleon das Saarland ziemlich straff geführt, viel straffer als Kohl Rheinland-Pfalz.

Als Oskar, als Bundesfinanzminister, das Bundeskabinett nicht dazu bewegen konnte, den Amis in ihren Devisen-Kriegen Widerstand zu leisten, hatte er das Handtuch geschmissen, etwas, was heute so gut wie niemand mehr macht. 

Und Sie glauben doch nicht allen Ernstes, daß ein Bundeskanzler Lafontaine die Treuhand-Betrügereien mitgemacht hätte.

Lafontaine wäre jedenfalls der bessere Kanzler der Einheit gewesen.

Gracchus

23. Februar 2021 15:23

Da ich die DDR nicht selbst erlebt habe, vermag ich die Ähnlichkeiten, die Bosselmann zu erkennen glaubt, nicht zu erkennen. Gegenwärtige Phänomene unter Sozialismus zu subsumieren, erscheint mir zweifelhaft und birgt die Gefahr, den Blick auf das Neue daran zu versperren. Die heutige Massendemokratie lässt sich ja auch  kaum mit der attischen Demokratie vergleichen. Wenn von Sozialismus die Rede wäre, dann von einem der Großkonzerne; was dann aber den Fokus verschiebt. Wichtig wäre, die Begriffe zu klären - was meint Kapitalismus, was Sozialismus? 

Zu erinnern wäre an Max Weber, der den Kapitalismus aus der protestantischen Leistungsethik und der innerweltlichen Askese abgeleitet hat, also gerade nicht aus Gier und dunklen Trieben. Dann wäre zu fragen, ob es nicht einen Unterschied macht, die dunklen Triebe, wie Neid, Missgunst und dergleichen, als conditione humaine zu akzeptieren, dazu wie im Kapitalismus, diese Triebe zu fördern und anzustacheln, weil das System diese als Sprit für seinen Motor braucht. Der sozialistische Wunsch nach Vollversorgung entspricht auch anthropologischen Grundlagen, vor allem - Achtung: Sexismusalarm - dem weiblichen Teil der Spezies. 

 

Valjean72

23. Februar 2021 15:42

Herr K aus O

Der wahre Treiber hinter diesem Sozialismus scheint mir der Wallstreet-Kapitalismus zu sein.

Wer sich mit den Anfängen und Verbindungen der sogenannten "Russischen Revolution" beschäftigt, stösst zwangsläufig auf die Verbindung zur Ostküste der USA.

Jene Strukturen, die im Verborgenen oberhalb der politischen Bühne (beider Systeme) die Fäden sponnen, entschlossen sich in den 80er Jahren das sozialistische Experiment offiziell zu beenden und das westlich-kapitalistische, freiheitlich-multikulturelle System als einzig verbliebenes Siegersystem übrig zu lassen.

Seither ging es zunächst mit dem Wohlstand des unteren Mittelstandes (der alten BRD)bergab, dann wurde weitere Masseneinwanderung propagiert, das Bildungsniveau geschliffen, an der Sprache herumggedoktort und nun werden die Freiheitsrechte sukzessive eingeschränkt.

Wir bewegen uns hin auf eine Dystopie à la "1984" oder "Brave new world". Das ist zumindest mE der lang angelegte Plan jener "Eliten" ...

 

Lotta Vorbeck

23. Februar 2021 16:10

@Valjean72

Sie beschreiben den Weg.

Dieser Weg führt über das Vorstadium einer Dystopie à la "1984" oder "Brave new world" vorhersehbar in einen 5G-totalüberwachten Zwangsimpfungs-Gulag, wie ihn sich der Saloth Sar aka Bruder №1 in seinen kühnsten Träumen nicht auszumalen vermochte.

 

Gustav

23. Februar 2021 16:31

@ Gracchus

Es ist nicht möglich, Besitz und Kontrolle über Eigentum und Ressourcen immer mehr zu konzentrieren, ohne gleichzeitig die Zahl derjenigen, welche das Eigentum und die Ressourcen besitzen und kontrollieren, zu verringern. Dementsprechend kann es keine riesige Konzentration von Besitz und keine in den Händen einiger weniger liegende Kontrolle der Ressourcen geben, ohne dass der freie Wettbewerb behindert oder ganz abgewürgt wird. Was wir im Westen seit langer Zeit erleben, ist die fortschreitende Degenerierung des Kapitalismus zu einer Form des Superkapitalismus - oder, konsequent formuliert, Antikapitalismus -, die, je weniger sie dem ursprünglichen Kapitalismus gleicht, desto auffallendere Ähnlichkeit mit dem Sozialismus oder Kommunismus aufzuweisen beginnt. In den meisten Ländern der westlichen Welt, und insbesondere in den USA, ist vom Kapitalismus gerade noch genug übriggeblieben, um das Bild zu verwirren und den meisten Menschen die Einsicht zu erschweren, dass der Kapitalismus zusehends dem Superkapitalismus weicht. Anders gesagt, die Überreste des schwachen und dahinserbelnden Kapitalismus dienen einem allgewaltigen Antikapitalismus, der sowohl die Wirtschaft als auch die Politik beherrscht, als Tarnmäntelchen.

Old Linkerhand

23. Februar 2021 17:06

Vielleicht verhält es sich so: Alle Diktaturen gleichen sich in ihrer Erscheinung und ähneln sich dem Wesen nach, so wie alle unglücklichen Familien auf die gleiche Art unglücklich sind. Dass die BRD immer repressiver und autoritärer und damit immer unglücklicher wird, ist allenthalben sicht- und spürbar. Die Corona-Zwangsmaßnahmen haben diese Entwicklung nach der Asylkrise 2015 nochmals rabiat beschleunigt. Dieses Unbehagen treibt die Menschen auf die Straße.

Zu den verhökerten staatseigenen Betrieben, auch VEB genannt: Diese waren genausowenig Eigentum des Volkes, wie die DDR demokratisch war.

Die Begriffe real existierender Sozialismus, später realer Sozialismus sind in den Nachwendejähren als semantischer Trick der Linken entstanden. Im gesamten Sowjetimperium nebst Satellitenstaaten wären solche Begrifflichkeiten als Abwertung der „sozialistischen Errungenschaften“ mit erheblichen Strafen belegt worden.

Bei meiner Abschlussprüfung Staatsbürgerkunde war das Thema: Begründen Sie, warum der Sozialismus siegen wird. Die Note 2 war: Der Sozialismus wird siegen, weil er siegen wird - mit 8 Seiten blablabla. Die Note 1: Der Sozialismus wird siegen, weil das wissenschaftlich bewiesen wurde. -  Soviel zu den imaginierten geistreichen Lehrern.

Laurenz

23. Februar 2021 17:22

@Gustav @Gracchus

Korrekt.

@Gracchus

Was sind denn Sie für ein Salon-Patriot? Wieso haben Sie zu DDR-Zeiten nicht unsere Brüder & Schwestern besucht? War möglich & ich habe das häufig getan. 

Wir haben jetzt schon seit Jahrzehnten eine Staatsquote von über 50%, die mit der Invasions-Krise und der Fakedemie weiter rapide ansteigt. Im Waffen- oder Flugzeug-Geschäft wie in sonstigen wichtigen militärischen Bereichen gab es noch nie freie Märkte. Die EZB macht eine sozialistische Geldpolitik zugunsten der Euro-Staaten wie zu Lasten der Euroland-Bürger. Desweiteren die politische Verfolgung Andersdenkender. Was wollen Sie noch an Indikatoren für Sozialismus? Wenn Ihnen das nicht reicht, gehen Sie in die Emotion. Die CDU hat als Wahlwerbung eine bekannte SED-Werbung adaptiert. "Deutschland, ein Land, in dem wir gut & gerne leben."

Lotta Vorbeck

23. Februar 2021 17:32

@Old Linkerhand - 23. Februar 2021 - 05:06 PM

... hing als Farbdruck, gerahmt an der Wand im Klassenraum.

Gracchus

23. Februar 2021 17:36

Bezeichnenderweise läuft das derzeitige Programm unter "woke capitalism". Mit "woke" wird dabei Etikettenschwindel betrieben, aber nicht mit Kapitalismus. Der Kapitalismus ist der grosse kulturelle Nivellierer und Zerstörer, weil er, kurz gesagt, nur Quantität, keinerlei Qualität kennt. Beethoven und Bohlen sind ihm gleichviel. Die Popkultur ist sein ästhetisches Pendant. Das zugrunde liegende Menschenbild ist das eines Drogensüchtigen: "Immer mehr und mehr und mehr!", auch jetzt in der Pandemie kann nur neuer Stoff helfen. Ohne Drogen und Pharmaka würde im Kapitalismus nichts zu laufen. 

Es besteht auch kein notwendiger Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Demokratie/Freiheitsrechten. Im Gegenteil, das zeigt schon die neoliberale Agenda, die bekanntlich darauf abzielte, den Einfluss von Demokratie und Nationalstaaten durch Schaffung supranationaler Organisation zurückzudrängen. Wenn dem Kapitalismus nunmehr "Moral" eingepflanzt werden soll, dann natürlich, um sich lästiger Dinge wie Demokratie und Freiheitsrechte und kultureller Differenzen zu entledigen. 

Die Losung heute muss also lauten: Freiheit oder Kapitalismus. 

 

tearjerker

23. Februar 2021 19:34

Die von Bosselmann geschilderte Hinwendung der BR zu Vorstellungen und Ideen, die schon in der DR beliebt waren, ist vollkommen zutreffend. Im Westen grossgewordene Bürger begreifen bis heute nicht, dass das Machtzentrum im 1990 entstandenen Staat dorthin zurückkehrte, wo es sich im neuen Reich und Preussen zuvor 150+  Jahre  befand. Dessen Erbe überwinterte vor allem in Berlin, und es tritt langsam zutage, dass die alte BR nur eine Episode war, die nicht in der Kontinuität des von Berlin kontrollierten Staates agierte und jetzt abstirbt. Die auch damit zusammenhängenden Verteilungs-, Ressourcen- und Machtkämpfe im Hintergrund bringen die allgemeine Unruhe hervor, die sich wohl in den nächsten Jahrzehnten weiter steigern wird.

@Sommerfeld: Zustimmung. Die Propaganda läuft unaufhörlich, sie wird aber nicht wie im Sozialismus durch den Staat direkt geschaltet, sondern durch NGOs, „Initiativen“, Unternehmen und von PR-und Werbeagenturen durch die Medien geprügelt und einem ausserhalb der eigenen 4 Wände in der Drogerie oder an der Bushaltestelle aufgezwungen. Sie wird durch die Schliessungen des Präsenzhandels noch penetranter werden, wenn in den leeren Schaufenstern zunehmend Transparente mit der behinderten Forderung nach mehr Zusammenhalt auftauchen werden.

AndreasausE

23. Februar 2021 19:42

@Valjean72  23. Februar 2021 15:42

 

"Wir bewegen uns hin auf eine Dystopie à la "1984" oder "Brave new world"."

 

Darf ich ergänzen? "Animal farm", dazu "Fahrenheit 541". Wir sind nicht auf dem Weg dorthin, wir sind mittendrin.

Interessant dazu des Informatikers Ansichten: danisch.de/blog/2021/02/23/die-zensur-durch-microsoft/#more-41310

Wer meint, diese Dystopien seien irgendwie ferne Zukunft, Science Fiction, unterschätzt die rezenten technischen Möglichkeiten.

Gracchus

23. Februar 2021 21:05

@ Laurenz, Gustav

Ich hätte gar nicht gewusst, wen besuchen; beim Mauerfall war ich noch minderjährig.. 

Ab welcher Staatsquote wäre denn Kapitalismus? Ich wäre dabei, statt der Inzidenz ab sofort die Staatsquote zu senken. 

Wir haben keine Planwirtschaft. Der Staat hat gemerkt, dass die kapitalistische Kuh mehr Milch gibt. Die Umverteilung kommt auch überhaupt nicht den Bürgern oder dem Volk zugute. Das ist wohl kein Sozialismus. 

Ich habe schon betont, dass es wichtig wäre, die Begriffe "Kapitalismus" und "Sozialismus" zu definieren, jeder versteht etwas anderes darunter, je nachdem, ob er die Begriffe auf die Praxis oder Theorie, auf die Mittel oder die Ziele bezieht. 

Wenn Sie, @Gustav, da eine Konvergenz sehen, kann ich dem zustimmen, ich habe diesen Gedanken auf diesem Forum auch schon geäußert. Es handelt sich womöglich um ko-evolutive Prozesse. Fraglich ist aber, ob die Begriffe noch dafür taugen, gegenwärtige Entwicklungen zu beschreiben. Zumal wenn es sich vermischt. 

Ich bleibe dabei: Der Globalismus ist kapitalistisch, ist die Fortsetzung des Kolonialismus, nur dass jetzt auch die ehemaligen Kolonialmächte sich selber kolonialisieren. Ausnahmsweise zutreffend hat Habermas das mit "Kolonialisierung der Lebenswelt" auf den Begriff gebracht. 

 

 

herbstlicht

23. Februar 2021 21:31

OT, Zufallsfund:

Swedish rape offenders — a latent class analysis

Fast 60% der verurteilten Täter in den Jahren 2005--2015 haben Einwanderungshintergrund.  Die Autoren sind Forscher der Universität Lund:

Ardavan Khoshnood
Research project participant at Emergency medicine

Henrik Ohlsson
Statistician, Centre for Economic Demography

Jan Sundquist
Post retirement professor at Family Medicine and Clinical Epidemiology

Kristina Sundquist
Professor at Family Medicine and Clinical Epidemiology

Imagine

23. Februar 2021 21:41

Fassen wir zusammen:

Konsens besteht in der völligen Ablehnung der DDR – und der CCCP – als Gesellschaftsmodell.

Dissens besteht in der Frage, ob die Bezeichnung als „Sozialismus“ zutreffend ist, oder die gesellschaftliche Realität dort im Widerspruch zu dem stand, was die großen sozialistischen Theoretiker wie Marx, Engels, Luxemburg unter Sozialismus verstanden haben.

Unbestritten dürfte sein, dass die DDR eine Diktatur und Sklavenhaltergesellschaft war, die ihre Arbeitssklaven in Stacheldraht und Todestreifen einsperrte.

Unbestritten dürfte sein, dass die DDR eine Mangelökonomie war und eine Parallelökonomie in Form einer Schwarzmarktwirtschaft aufwies. Die ökonomische Effizienz lag weit unter jener der kapitalistischen Ökonomien.

Unbestritten dürfte auch sein, dass es sich nicht um einen demokratischen Arbeiter- und Bauernstaat handelt, sondern um eine Klassengesellschaft mit der Parteibürokratie als herrschender Klasse.

Weitgehender Konsens besteht darin, dass die Bezeichnung der Entwicklung der BRD als „sozialistisch“ oder „DDR 2.0" begrifflicher Nonsens ist.

Gracchus

23. Februar 2021 21:51

Was auffällt - und damit knüpfe ich an den letzten Artikel von Bosselmann an  welcher mir besser gefallen hat - bei der Online-Zeitungslektüre: Jeder dritte oder zweite Artikel hat einen moralischen Aufhänger oder bringt eine Sorge zum Ausdruck (vor zu wenig Impfstoff, vor der dritten Welle, vor Kita-Öffnungen).

Diese Gesellschaft braucht keine Impfung, sondern einen Vitalisierubgsschub. Mit Blick darauf würde ich das Thema hier auch als Freiheit vs. Sicherheit umbesetzen. Eine solche Diskussion erschiene mir fruchtbarer, weil die Begriffe weniger ideologiebelastet sind und sich konkreter auf die eigene Lebenswelt beziehen lassen. Ausserdem ist ein striktes Entweder-oder ausgeschlossen. Niemand wird ganz auf Freiheit oder Sicherheit verzichten können. Es gilt da eher das richtige Maß zu finden. Man kann auch über Synergien nachdenken. 

Augustinus

24. Februar 2021 05:01

OK

Komisch, dass alle Kommentare nach Sommerfeld fett gedruckt werden.

Meines Erachtens gibt es hier einen kleiner Programmierfehler.

Zum Artikel selbst:

Ich gehörte früher zu den Hygiene-Fanatikern und ich muß zugeben, dass ich meine Meinung, nicht zuletzt wegen der guten Artikel von Herrn Bosselmann, verändert habe.

Arkadier

24. Februar 2021 05:56

@  AndreasausE   23. Februar 2021 19:42

Dazu der hervorragende  Beitrag von Hauke Ritz auf Multipolar:

https://multipolar-magazin.de/artikel/chance-fur-humanismus

in dem er sich mit den Megatrends - geopolitische Machtverschiebung, technologische Entwicklung und ungeheure Konzentration von Vermögen - beschäftigt und dem freien Individuum keine Zukunft voraussagt. 

Laurenz

24. Februar 2021 08:32

@Gracchus @Laurenz, Gustav

 "Der Globalismus ist kapitalistisch, ist die Fortsetzung des Kolonialismus"

Muß Ihnen widersprechen. Als sich die Sowjetunion nach der Revolution, dem russischen Bürgerkrieg & dem polnisch-sowjetischen Krieg stabilisierte, wurde sie im Rahmen des möglichen genauso "Kolonialmacht", griff in den 30ern Finnland, das Baltikum, Polen, die Mandschurei & den Iran (1941) an, intervenierte in Spanien & bedrohte Rumänien, okkupierte in der Folge Osteuropa.

Der in den 90ern gängige Begriff der Marktgerechtigkeit hat sich längst wieder aus dem Wortschatz verflüchtigt. Wie andere Foristen bereits schrieben, konzentrieren sich die Marktkräfte immer weiter auf wenige, ein Oligopol, die Fakedemie beschleunigt diesen Prozeß. Kleine, Mittlere gehen pleite, Große profitieren, Zufall? Was Sie mit dem Sozialismus verbinden, ist ein Formalismus, wie staatliche Gewalt, Staatsmonopol. Heute sind dieselben Mechanismen mehr privatisiert, wie Interventions-Truppen der Amis oder die Zensur-Zentren von Frau Kahane zu Essen & Berlin. Das verändert aber nichts an der Wirkung dieser Instrumente, außer daß sie feudaler werden, selbst Jobcenter vergeben nur noch Zeitverträge, fast wie Tagelöhnern oder gar nichts, wie Gulaginsassen.

Hatte nicht damit gerechnet, daß Sie so ein Jungspund sind.

Laurenz

24. Februar 2021 08:44

@Gracchus @HB

In meinen Augen mißverstehen Sie den HB-Artikel. HB beschreibt grundsätzlich plastisch & exakt Ist-Zustände, fast unabhängig von dem, was Er Selbst meint. In der Folge zieht Er zwar oft süffisante Schlußfolgerungen, überläßt es aber meist dem Forum, eine Bewertung vorzunehmen. Wenn man über längere Zeit HB-Artikel liest, kann man auch eine gewisse "Mehrgleisigkeit" feststellen. Einerseits ist HB wohl durch die DDR geprägt, andererseits kommt auch immer wieder ein ökonomisches Liebäugeln mit dem Liberalismus durch, welches in der Argumentation selten Bestand haben kann. HB ist ein Wanderer zwischen den politischen Welten und bereichert uns.

Gustav

24. Februar 2021 08:55

@ Imagine

"..was die großen sozialistischen Theoretiker wie Marx, Engels, Luxemburg unter Sozialismus verstanden haben."

 

Demokratie und Sozialismus sind keine Tautologie , sondern radikale, sich gegenseitig vollständig ausschließende Gegensätze. Demokratie ist ein Verfahren zur Machtbegrenzung und Machtkontrolle. Sozialismus dagegen verneint immer die individuelle Entscheidungsfreiheit der Individuen über ihre ökonomischen Präferenzen und Lebensziele (angeblich zugunsten der Allgemeinheit, des Kollektivs); somit weist Sozialismus stets die Hoheit über die entscheidenden Existenzkräfte und Lebensmotivationen dem Staat oder einer Partei oder politischen Cliquen zu, und somit ist Sozialismus niemals System oder Methode zur Machtbegrenzung, sondern immer und überall pseudomoralische Rechtfertigung zur Bevormundung des Lebens, Freibrief zur zynisch moralisierenden schrankenlosen Macht. Wer den Menschen verspricht: „Ihr sollt frei sein, aber Ihr sollt sozialistisch frei sein”, der möge nachschlagen beim längst vergessenen Joseph Freiherr von Eichendorff: „Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: Ihr sollt nicht frei sein, oder: Ihr sollt und müßt gerade auf diese und keine andere Weise frei sein.”

Laurenz

24. Februar 2021 09:15

@Imagine (1)

So, wie Sie meine Beiträge ignorieren, ignorieren Sie auch die Ihnen unangenehmen Beiträge von @Gustav & @Lotta Vorbeck. Sie unterscheiden zwischen den kommunistischen Theoretikern, Marx & Co., und dem real-existierenden Sozialismus des Warschauer Paktes. Das ist historisch so nicht haltbar, um nicht zu sagen, völlig religiöser Unfug. Marx wurde beauftragt, ein Gesellschaftsmodell zu entwerfen, in welchem der wesentliche Kernpunkt seines Werkes, der Verzicht auf Privat-Eigentum!!!, quasi in seiner Vordergründigkeit untergeht und in den publizistischen Hintergrund tritt. Nur das Verbot von Privateigentum läßt totalitäre Macht entstehen. Hier liegt auch der eklatante Unterschied zum Nationalsozialismus, den (Unterschied) Sie auch permanent ignorieren. Daß heute, in unserem aktuellen Zeitgeist, wie der Disput mit Gracchus zeigt, die Nachfolger der Auftraggeber Marx' einen privatisierten Weg mit denselben politischen Zielen, wie ehedem, gehen, zeigt doch nur, daß man aus verunfallten Versuch des real-existierenden Sozialismus, welcher 70-80 Jahre und 2 Weltkriege (+) kostete, gelernt hat. Wenn die Begrifflichkeit "DDR 2.0" benutzt wird, dann drückt dieser Begriff doch exakt die Neuerung eines "Updates" aus, was aber nicht heißt, daß sich die politischen Ziele von Merkel, oder das, wofür oder für wen sie steht, sich verändert hätten.

Laurenz

24. Februar 2021 09:15

@Imagine (2)

Wie Sie doch selbst feststellen, geschieht der Entzug von privatem Eigentum jetzt schleichend, nicht mehr offensichtlich (Verarmung der Mittelschicht). Die sozialste Errungenschaft überhaupt wären 100% Wohneigentum. Das hatten historisch nur die Nationalsozialisten im Plan. Es wurde dann von Staaten, wie den Niederlanden, zum Teil in Britannien, kopiert. Und wer sorgte historisch für den Aufstieg der Mittelschicht? Doch nicht die Staaten der Weimarer Ära, sondern die Nationalsozialisten & ihre Nachfolger im Verhältnis zum Warschauer Pakt.

Gustav

24. Februar 2021 09:17

@ Gracchus

Bei näherer Betrachtung ist Sozialismus nur Schaumschlägerei von Hochstaplern, die sich mit fremden Federn schmücken; bestenfalls Einbildung, schlimmstenfalls methodisches Täuschungsmanöver der neuen Sozialpriesterschaft. In Wirklichkeit hat fast alles, was die Welt und das Leben der Menschen in ihr menschlicher gemacht hat, und alles, was die neuen Sozialisten zu verteilen vorgeben – oder tatsächlich umverteilen –, der Kapitalismus geschaffen. (Ja, sogar das, was der alte Sozialismus umverteilt hatte – siehe DDR –, nämlich das „Volksvermögen” in Form von Wohnhäusern, Fabriken und Bauernhöfen, welche er den Menschen geraubt und aufs „Volk” übertragen hat, und mit dessen Verzehr er vierzig Jahre lang vegetierend überleben konnte, war in den hundert kapitalistischen Jahren zuvor und mit kapitalistischem Schweiß erarbeitet worden.)

Gustav

24. Februar 2021 09:29

„Daß eine Gesellschaft auf diese Weise die eigenen Existenzgrundlagen untergräbt”, schreibt der Philosoph Ernst Topitsch zum Thema Wohlfahrtsstaat, „bleibt [...] hinter einem dichten Schleier ideologischer Phrasen verborgen. Wenn aber dieser Schleier zerreißt, dann steht man wieder Aug in Aug mit der großen Lehrmeisterin [...]: Der Not. Dann wird man das Steuer jäh herumreißen wollen, aber es könnte zu spät sein [...] Es lebt gefährlich, der zwischen Vollkommenheit und Verkommenheit nicht mehr zu unterscheiden vermag.” Und weil die ideologisch verblendete Welt wohl nur von ihr, der „großen Lehrmeisterin”, belehrt werden kann, konstatiert Topitsch lapidar: „Wenn keine Speise mehr auf dem Teller, kein Treibstoff mehr im Tank ist, wenn der Patient tot auf dem Operationstisch liegt [...] dann ist eben Feierabend.”

Valjean72

24. Februar 2021 09:38

tearjerker:

Im Westen grossgewordene Bürger begreifen bis heute nicht, dass das Machtzentrum im 1990 entstandenen Staat dorthin zurückkehrte, wo es sich im neuen Reich und Preussen zuvor 150+  Jahre  befand. Dessen Erbe überwinterte vor allem in Berlin

Welch ein ausgemachter Unsinn, diesen anti-deutschen Staat, die BRD unserer Zeit, in einer Traditionslinie mit dem deutschen Kaiserreich zu sehen. «Machtzentrum Berlin», wahrscheinlich glauben Sie auch die Mär von A. Merkel als der mächtigsten Frau der Welt?

In der Zeit von 1871 bis 1914 nahm Deutschland einen ungeheuren Aufschwung in Bildung, Wissenschaft, Technik, Industrie und Handel und es wurden enorme Aufbauleistungen in Städtebau, Bau von Strassen, Brücken, Schienenwegen und Bahnhöfen erbracht. Dies alles mit einem Bruchteil der prozentualen Besteuerung der Bürger und Unternehmen im Verhältnis zur BRD!

Die BRD heute steht für Niedergang, Vernachlässigung und Verfall …

Götz Kubitschek

24. Februar 2021 09:57

badeschluß.

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