Sonntagsheld (174) – Frank The Tank

Ein Dresdner räumt auf

 Gastbeitrag

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Ein Dresd­ner räumt auf

20.02.2021, der Quer­den­ken-Auto­kor­so steht in Dres­den-Ost: Das links­ver­si­ff­te Stu­den­ten­pack hat sich wie­der auf sei­ne ros­ti­gen Draht­esel geschwun­gen, um den Ein­hei­mi­schen auf den Sack zu gehen. Vie­le Leu­te schau­en taten­los aus den Fens­tern; aber ein Mann geht run­ter, um das Gesetz der Step­pe zu ver­tei­di­gen. Sein Name ist Frank, er trägt ein gel­bes T‑Shirt und ja, er hat was getrun­ken.  

Dem rus­si­schen Fern­seh­sen­der Rus­sia Today ist es zu ver­dan­ken, dass die Auf­nah­men vom herz­haf­ten Ein­satz des ange­tüd­del­ten Sach­sen in der ver­gan­ge­nen Woche um die Welt gegan­gen sind. Die Geschich­te dazu geht in etwa so: Frank sitzt mit sei­nen Kum­pels in Dres­den-Ost im Wohn­zim­mer und zwit­schert sich gemüt­lich einen hin­ter die Binde.

Plötz­lich rumort es drau­ßen auf der Stra­ße: Ein hupen­der Auto­kor­so der Quer­den­ker nähert sich und bleibt kurz dar­auf unter laut­star­kem Pro­test vor dem Fens­ter des Dresd­ners ste­hen. Auf der Stra­ße ste­hen meh­re­re ver­mumm­te Rad­fah­rer und blo­ckie­ren die Wei­ter­fahrt, Unmut macht sich breit. Vor Allem bei Frank, der die Situa­ti­on auf­ge­bracht beob­ach­tet und sich der War­nun­gen sei­ner Freun­de zum Trotz ent­schei­det: Er geht jetzt run­ter. 

Was danach geschieht, das ist in die­sem Video unter­halt­sam zusam­men­ge­fasst: Frank (und sein Nach­bar) „räumn off“ und machen ange­feu­ert von den Spek­tan­ten am Fens­ter die Stra­ße frei. Als der Quer­den­ken-Kor­so wie­der rollt, ver­ab­schie­det sich der Sach­se mit einem läs­si­gen Dau­men nach oben, bevor er sich wohl­be­hal­ten in sei­ne Woh­nung zu – eine Mut­ma­ßung! – Flie­sen­tisch und Feld­schlöss­chen zurückzieht.

Bei einer ange­mel­de­ten Demons­tra­ti­on gehö­ren sol­che Typen zu den anstren­gends­ten Pati­en­ten. Sie sind schwer kon­trol­lier­bar und beschäf­ti­gen gern mal meh­re­re Ord­ner auf ein­mal, an denen sie ihre über­schüs­si­ge Ener­gie abre­agie­ren. Ich selbst habe mir oft genug in ihrem Ange­sicht den Mund fus­se­lig gere­det, wäh­rend ich ver­such­te, sie von der Sinn­haf­tig­keit des Alko­hol­ver­bots in unse­rem Demo­zug zu überzeugen.

Aber die Zeit, wo wir die­je­ni­gen sind, die für Ord­nung zu sor­gen haben, scheint mir genau­so vor­bei zu sein wie die Zeit ange­mel­de­ter Demons­tra­tio­nen. Inzwi­schen habe ich wirk­lich ein Herz für sol­che Leu­te. Es sind Män­ner wie Frank und sein Nach­bar – reso­lu­te Schwer­ge­wich­te in kurz­är­me­li­ger Kla­mot­te, mit hei­ßem Hop­fe­n­atem und gerech­ter Wut, die auf den Stra­ßen des Ostens zu den mensch­li­chen Räum­pan­zern wer­den, die die spä­te Bun­des­re­pu­blik ver­dient. 

Beson­ders aus Sach­sen gibt es immer wie­der Vide­os von sol­chen Ker­len, die „jetzt raus­ge­hen“, sich das Thea­ter nicht mehr gefal­len las­sen, und dann – obgleich unter vol­ler Thy­mos-Span­nung ste­hend – mit einer über­ra­schen­den See­len­ru­he und der fast schon chir­ur­gisch ange­pass­ten Anwen­dung kör­per­li­chen Zwan­ges die Stö­ren­frie­de an ihren Platz schie­ben. 

Nur so kann man‘s machen: Laut und bestimmt, mit genug kon­zen­trier­ter Kraft­an­stren­gung, um den distanz­ver­wöhn­ten Mas­ken­trä­ger-Zecken das Herz in die Hose rut­schen zu las­sen, ohne jedoch ernst­haft jus­ti­zia­ble Fol­ge­er­schei­nun­gen her­vor­zu­ru­fen. 

Nur um zum Schluss auch noch­mal die Ver­hält­nis­mä­ßig­kei­ten auf­zu­zei­gen: Die Dresd­ner Poli­zei ermit­telt gegen die Gegen­de­mons­tra­ten sowohl wegen meh­re­rer Stein­wür­fe auf Teil­neh­mer des Auto­kor­sos, als auch wegen Kör­per­ver­let­zung. Alles rich­tig gemacht, lie­ber Frank.

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Kommentare (21)

Lotta Vorbeck

28. Februar 2021 15:13

@Till-Lucas Wessels

Was danach geschieht, das ist in diesem Video unterhaltsam zusammengefasst ???

---

Sie meinten "Die Millionendiebe der Metro - Ein spektakulärer Coup | Heimatflimmern | WDR" ?

Oder meinten Sie "Frank, hör auf!" – Dresdner löst Fahrradblockade bei Querdenken-Autokorso auf ?

 

RMH

28. Februar 2021 16:58

Nett zu sehen, dass der gute Mann nicht alleine auf der Straße bleibt, sondern Hilfe bekommt.

Nemo Obligatur

28. Februar 2021 20:47

"RMH

Nett zu sehen, dass der gute Mann nicht alleine auf der Straße bleibt, sondern Hilfe bekommt."

Ja. Schnell und unbürokratisch.

 

Simplicius Teutsch

28. Februar 2021 22:41

@: „Alles richtig gemacht, lieber Frank.“

Ein wohltuendes Amateur-Filmchen zum Abschluss des Wochenendes. - Wenn ich mir nicht gerade einen Tee gemacht hätte, sollte ich mir eins einschenken.

 

Aber ich will noch ein bißchen Sieferle lesen; „Rückblick auf die Natur“; - echt stark, weil große Erkenntnisse über vergangene Prozesse einfach formuliert werden, überraschend klar verständlich, soweit ich nach einem Drittel für mich sagen kann.

Hubert

28. Februar 2021 23:53

Der gute Mann saß halt mit ein paar Freunden beim Fussball gucken (Dynamo Dresden=gelbes Trikot) und wollte einfach in Ruhe ein paar Bierchen trinken und dann so was...

Da liegen schnell Mal die Nerven blank.

Carsten Lucke

1. März 2021 09:30

Sehr schöner Text, Herr Wessels - ganz köstlich !

Gern jede Woche einen dieser Art; hierin liegt Ihre Stärke !

Loki

1. März 2021 10:00

"Aber die Zeit, wo wir diejenigen sind, die für Ordnung zu sorgen haben, scheint mir genauso vorbei zu sein wie die Zeit angemeldeter Demonstrationen. Inzwischen habe ich wirklich ein Herz für solche Leute."

Das Wort " INZWISCHEN" impliziert beim Autor eine gewisse Wandlung durch Erkenntnis! Meine Lebenserfahrung hat mich gelehrt das "solche Leute" meist im rechten Moment das Richtige tun. Wie übrigens auch in diesem Fall geschehen. Der Protagonist im Video hat das, was man EIER nennt. Diese sind leider heute den meisten Männern abhanden gekommen. Ja Frank betrat nicht gestylt die Szenerie, unter seinem gelben Shirt war auch kein Waschbrettbauch zu erkennen, aber er war Herr der Straße und sorgte für Ordnung. Ein kleiner Berserker aus Dresden!

Laurenz

1. März 2021 10:08

@TLW

Ihr Beitrag ist zwar schön, aber einerseits packen Sie die Vernunft ein & die Emotion aus, aber die eigentliche Grundlage unserer Sympathie für Frank the Tank ist Ihnen dann als Debatte zu gefährlich.

Das wäre ok, wenn Sie Frank nur vorgestellt hätten, ohne jegliche Bewertung Ihrer Eigenen Gefühlswelt.

Aber so verbleiben wir halbgar & neigen dazu in eine Debatte bei Anne Will zu geraten, die uns dort (in der Oberflächlichkeit) verweilen läßt, wovon wir eigentlich weg wollen.

Franz Bettinger

1. März 2021 10:42

Ah, tut das gut!

Brettenbacher

1. März 2021 10:48

Ein toller Text, ein toller Held !

@ Simplicius Teutsch

Der Sonntag ist nicht" Abschluß des Wochenendes", sondern Anfang der neuen Woche. Zumindest für jeden Rechtgläubigen.

(keine Kritik, nur eine Bemerkung)

 

Ein gebuertiger Hesse

1. März 2021 11:16

Widerständige Sachsen, die die Dinge selbst in die Hand nehmen - glorreich! Es ist ja letztlich wie ein Wunder, daß es hemdsärmelig-tatkräftige Typen wie Frank und seinen Nachbarn immer noch gibt. Wer vor dem Strahl Hoffnung, den sowas aussendet, seine Augen verschließt, ist selber schuld.  

RWDS

1. März 2021 11:23

 Naja lieber Till-Lucas, Alkohol auf Demonstrationen mag durchaus ein Unding sein, aber gerade auch bei Pegida gibt es genug Franks die seit Jahren wöchentlich "die Fahne hochhalten" wo sich der ein oder andere IBler schon wieder verkrümelt hat und die wilden Jahre Vergangenheit sind.

Kein Grund also für den etwas spöttischen Tonfall.

Ich jedenfalls bin stolz auf meine Dresdner Mitmenschen. Sone Aktion kann man doch nur noch in Ostdeutschland bestaunen, oder im Westen, dann aber von Furkan statt Frank.

Der westdeutsche Michel hätte vermutlich die Fahrradbande beklatscht.

Kleiner Tipp: Das Video gibt es auch in voller Länge auf YouTube. Man sieht, dass die Situation zu keiner Zeit allzu bedrohlich für alle Beteiligten ist. Falls in den nächsten Tagen versucht wird dahingehend zu framen.

Simplicius Teutsch

1. März 2021 14:05

@ Laurenz, - vielleicht ist unsere „Debatte“ oberflächlich, aber keinesfalls der Gegenstand der „Debatte“.

Denn die Aktion von FRANK ist innerhalb der spontanen Situation, die er vor seiner Haustür vorgefunden hat, sehr fundamental, durchgreifend und mutig. Man weiß ja nie, wie so etwas am Ende ausgehen kann.

Man sieht in dem Amateurfilmchen bestätigt und medial weithin dokumentiert, dass die vermummten „Gegen-Demonstranten“ und linken Straßenblockierer (bezeichnender ist die Wortwahl von @ TLW gleich im Anfang des Artikels) nur so stark sind, wie der linke Repressionsstaat, der sie stützt, ermuntert und betreut.

Denn hier, in dieser Nebenstraße, ist unvorhergesehen eine öffentliche Konfrontations-Situation zwischen links und rechts entstanden und dokumentiert worden, die mal nicht von den Priestern und Schergen der linken Überwachungs-“Demokratie“ betreut und beherrscht war, so dass ein FRANK für einen Moment die sonst im öffentlichen Raum üblichen Machtverhältnisse im wahrsten Sinne des Wortes beiseite schieben konnte (zusammen mit seinen Nachbarn).

Das ist, würde ich sagen, @ Laurenz, die Grundlage meiner Sympathie für Frank (und Nachbarn).

Laurenz

1. März 2021 15:53

@Simplicius Teutsch @Laurenz

Da erzählen Sie uns aber, weißgott, im Westen nichts Neues.

"die sonst im öffentlichen Raum üblichen Machtverhältnisse"

TLW weiß immer ganz genau, was irgendwo geht und nicht. Das steht nicht umsonst in Seinem Profil.

Nur, wenn wir unsere Sympathie tiefer debattieren wollten, geht es eben über einige Grenzen hinaus. 

 

H. M. Richter

1. März 2021 16:04

Für die jüngeren Freunde des Fußballs ist es vielleicht interessant, zu erfahren, daß bis zum Ende der DDR ein recht großer Teil der Zuschauer der dortigen Oberliga aussahen wie Frank und handelten wie dieser. Da wurde sich schon mal beim Gang ins Stadion mit den Zaunlatten einer nahe gelegenen Kleingartenanlage versehen oder mitten im Spiel, wie einst im Sportpark von Leipzig-Leutzsch, der über keine Aschenbahn verfügt, der Linienrichter wegen einer Fehlentscheidung mit einem Fahrradschloß an den Spielfeldzaun gefesselt.

Im übrigen bin ich der Meinung, daß Franks „Soo –  geh isch runnder“ [0:04] das Zeug zur künftigen Losung hat und gewissermaßen die sächsisch-knappe Antwort auf die umständlich-westdeutsche Forderung von einst „Bürger laßt das Glotzen sein, kommt herunter, reiht Euch ein!“ darstellt …

Glast

1. März 2021 18:35

@H.M.Richter

Die wilden achtziger und neunziger Jahre - ja, die gab es auch in Westdeutschland. Und wie wild die waren. Da gab es Zehntausende Franks in westdeutschen Stadien. Da haben die Northside Boyz und die Cologne Streetfighters noch vom Oberrang runter in den Gästeblock gepinkelt. Da flog IM STADION einfach alles durch die Gegend und man prügelte sich über Plexiglaswände hinweg mit Gürtelschnallen. Rechts waren ohnehin fast alle Fans, ob Hools, Kutten oder Normalos. Da sahen die Kurven zum Teil so aus wie heute Rechtsrockfestivals. Zumindest rechtsoffen. Und handfest. Und heute? Fast nix mehr.

Wird so auch in Mitteldeutschland kommen, nur eben zeitverzögert dann ein bis zwei Jahrzehnte später. 

Lotta Vorbeck

1. März 2021 22:00

@Glast - 1. März 2021 - 06:35 PM

an @H.M.Richter

Wird so auch in Mitteldeutschland kommen, nur eben zeitverzögert dann ein bis zwei Jahrzehnte später. 

---

Etliches spricht objektiv betrachtet dafür.

Ob's dann auch so kommt, ist in erster Linie davon abhängig, welcher der künftigen Verwaltungseinheiten das Konkursgericht jenes Mitteldeutschland in ein bis zwei Jahrzehnten oder womöglich doch schon etwas zeitiger, zugeschlagen haben wird. 

Maxx

1. März 2021 23:44

"Frank, hör auf", hört man Franks Frau aus dem Off ...
"Hase, du bleibst hier", hörte man damals das Mädel im Chemnitzer Zeckenbissvideo ...
Typisches Frauenverhalten, erst den Mann anstacheln und dann schnell zurückpfeifen wollen, wenn es ernst wird, und hinter der Gardine wimmern: "Das eskaliert, das eskaliert." 
Mehr Frank macht frei oder: Hase, geh deinen Weg allein.

Franz Bettinger

2. März 2021 01:19

@Widerstand und ziviler Ungehorsam

Viele alternative Artikelautoren und auch Politiker der AfD gehen immer noch davon aus, dass es sich bei Corona um das Management einer Virus-Pandemie handelt, und man den Machern bloß zu mehr Effizienz und auf die Sprünge helfen müsse. Völlig falsch! Die Macher machen (fast) alles richtig - aus ihrer Sicht betrachtet, der Sicht der zukünftigen Herrscher. Denn viele fallen auf das pseudo-humanistische Theater rein.

Solange ein Großteil der Denkenden glaubt, es gehe um einen Virus, wird sich nichts ändern. Verloren ist wer nicht erkennt, dass es sich bei der oktroyierten Eingewöhnung (in noch so schräge Verhaltens-Vorschriften und unerträgliche Zwänge, die auch Kleinkinder betreffen) um fest eingeplante Schritte handelt in den Totalitarismus, der bald alles und jeden erfasst und abhängig gemacht haben wird. Die Abhängigkeit wird in Zwängen bestehen, vor allem aber im implantierten Chip, der es unserer zukünftigen Beherrschern noch leichter machen wird als heute, unseren Standort und unsere Handlungen zu kontrollieren - und, wenn’s ihm passt, zu intervenieren (mit dem Entzug von gewährten Freiheiten bis hin zur Sperrung von Konten. Der Weg ist klar vorgezeichnet. Deep State lässt ja Bücher darüber schreiben (The Great Reset). Es soll keiner später sagen, er hätte es nicht wissen können. Es handelt sich eben nicht um die Auseinandersetzung mit einer Seuche. ff

 

Franz Bettinger

2. März 2021 01:19

Dabei wäre Widerstand so leicht. Nur reden über das "Wie" kann man nicht, weil man nicht darf. Alles wird (jetzt schon) abgehört. Davon müssen wir jedenfalls ausgehen. Wie in Düsseldorf ein Verbotsschild zu zerdeppern, ist schon mal ein Hinweis. Genau für die heutige Zeit schrieb man den Artikel 20 IV ins Grundgesetz (das Recht auf Widerstand). Nomaské!

Laurenz

2. März 2021 09:02

@Franz Bettinger

Manches läßt sich auch für die Corona-Macher schlecht verbergen. Und dann sucht & findet man Sündenböcke, wie manche, die zu schnell zu frech wurden & dabei Fehler begingen.

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/spahns-spitzwege/der-fall-spahns-ueber-die-nachfolge-wird-bereits-spekuliert/

 

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