Alternative heißt: Es geht ganz anders.

Gastbeitrag von Hans-Christoph Berndt, René Springer, Jan Hornuf und Dennis Hohloch zur Rolle der AfD in Brandenburg.

 Gastbeitrag

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„Die Par­tei­en haben sich den Staat zur Beu­te gemacht“ – was der Ver­fas­sungs­recht­ler Hans-Her­bert von Arnim und Bun­des­prä­si­dent Richard von Weiz­sä­cker schon in den 1980er Jah­ren beklag­ten, ist in der Ära Mer­kel all­ge­gen­wär­tig. Eine infor­mel­le Koali­ti­on von CDU/CSU bis Links­par­tei beherrscht nicht nur die Par­la­men­te, son­dern das gesam­te öffent­li­che Leben: von den Spar­kas­sen über die Rund­funk­an­stal­ten bis hin zu den Ver­fas­sungs­ge­rich­ten und Ver­fas­sungs­schutz­äm­tern, über­all gibt das Kar­tell der Alt­par­tei­en den Ton an.

Das Schlüs­sel­wort die­ser Herr­schaft heißt „Alter­na­tiv­lo­sig­keit“. Euro und EU, Ener­gie­wen­de, Mas­sen­ein­wan­de­rung, Coro­na-Zwang: Alle grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen, die in den 2000er Jah­ren getrof­fen wur­den, waren vor­geb­lich „alter­na­tiv­los“, obwohl es alter­na­ti­ve Mög­lich­kei­ten des Han­delns gab.

„Alter­na­tiv­lo­sig­keit“ bedeu­tet Unfrei­heit. Wo Den­ken und Han­deln kei­ne Wahl haben, herrscht Zwang. Die Par­tei­en­herr­schaft in Deutsch­land befin­det sich auf dem Weg zur Zwangs­herr­schaft. Um aus die­ser Sack­gas­se einen Weg zu wei­sen, ist die AfD entstanden.

„Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ zu sein, bedeu­tet zuerst, die Frei­heit der Deut­schen zu ver­tei­di­gen. Schon damit ist die AfD im bes­ten Sin­ne Volks­par­tei, denn nicht Unter­ta­nen­geist, son­dern der Kampf um Frei­heit ist das Cha­rak­te­ris­ti­sche der deut­schen Geschich­te von Anfang an. In der Nach­kriegs­zeit drück­te sich die­ses Frei­heits­stre­ben etwa im Volks­auf­stand des 17. Juni 1953 und in den Mas­sen­pro­tes­ten des Jah­res 1989 in der DDR aus.

Zu die­sem Frei­heits­stre­ben gehört der Wunsch nach natio­na­ler Selbst­be­haup­tung und Sou­ve­rä­ni­tät. Dass dem Ruf des Herbs­tes 1989 „Wir sind das Volk“ gleich nach dem Mau­er­fall der Ruf „Wir sind ein Volk“ und bald dar­auf die staat­li­che Ein­heit folg­ten, war eine his­to­ri­sche Volks­ab­stim­mung sowohl gegen wei­te­re Gesell­schafts­ex­pe­ri­men­te als auch die Geschichts­ver­ges­sen­heit der alten Bun­des­re­pu­blik, die ihren Frie­den mit der Tei­lung gemacht hatte.

Der Auf­stieg der AfD seit 2013 hat ent­schei­dend damit zu tun, dass sie sich als ein­zi­ge ernst­zu­neh­men­de Par­tei in Deutsch­land zu unse­rer Iden­ti­tät als Deut­sche und Euro­pä­er bekennt, die Frei­heit des deut­schen Vol­kes ver­tei­digt und die Zukunft unse­res Vater­lands nicht den Ver­tre­tern der Alter­na­tiv­lo­sig­keit opfert.

Doch „das Außer­or­dent­li­che geschieht nicht auf glat­tem, gewöhn­li­chem Wege“, schrieb Goe­the in den Wahl­ver­wandt­schaf­ten. Und so ist denn auch inner­halb der selbst­ge­wähl­ten Ver­wandt­schafts­struk­tu­ren einer Par­tei jener glat­te, gewöhn­li­che Weg ein eher sel­te­ner. Dies zeigt gera­de der Blick auf den AfD-Lan­des­ver­band in Brandenburg.

Dort sind wir weit gekom­men: Der Ein­zug in den Land­tag 2014 ist kein Stroh­feu­er geblie­ben, wie unse­re Geg­ner inner­halb und außer­halb des Par­la­ments gehofft hat­ten. Ganz im Gegen­teil: Wir sind nicht nur an Mit­glie­dern gewach­sen, son­dern auch par­la­men­ta­risch in den Gemein­de­ver­tre­tun­gen, Kreis­ta­gen und im Land­tag ver­an­kert. Der vor­läu­fi­ge Höhe­punkt unse­rer Erfolgs­ge­schich­te war die Land­tags­wahl 2019, bei der wir die Zahl unse­rer Abge­ord­ne­ten mehr als ver­dop­peln konnten.

Unser Pro­gramm, unse­re par­la­men­ta­ri­sche Arbeit und unser auf den Markt­plät­zen zum Aus­druck gebrach­te Wider­stand gegen Tem­po, Aus­maß und Ziel der von den Alt­par­tei­en poli­tisch vor­an­ge­trie­be­nen Umfor­mun­gen in Bran­den­burg, Deutsch­land und Euro­pa fal­len in der Mark auf äußerst frucht­ba­ren Boden.

Immer mehr Men­schen füh­len sich vom Glo­ba­li­sie­rungs­druck getrie­ben, ihrer Hei­mat beraubt, von Medi­en mani­pu­liert und in ihren Grund­rech­ten ein­ge­schränkt. Sie seh­nen sich nach Ord­nung, Tra­di­ti­on und Hei­mat, nach Sicher­heit, Sub­stanz und Sta­bi­li­tät. Sie wol­len ihren Kin­dern ein Land hin­ter­las­sen, das nicht vom links­li­be­ra­len glo­ba­lis­ti­schen Cha­os geprägt ist, son­dern zu einer lebens­wer­ten Nor­ma­li­tät zurück­ge­fun­den hat. Sie wol­len ein­fach als Deut­sche in Deutsch­land leben.

Wir sind als AfD zur poli­ti­schen Stim­me all die­ser Wer­te und Wün­sche und damit zum Anker die­ser Hoff­nun­gen geworden.

Doch trotz aller äuße­ren Erfol­ge in den letz­ten Jah­ren voll­zo­gen sich auch in unse­rem Lan­des­ver­band nega­ti­ve Ent­wick­lun­gen, wie sie bun­des­weit in der AfD zu beob­ach­ten sind: Unter­schied­li­che Stand­punk­te ver­fes­tig­ten sich zu Lager­men­ta­li­tä­ten; über­stei­ger­te Reak­tio­nen auf man­che frei geäu­ßer­te Mei­nung führ­ten bei eini­gen Mit­glie­dern zu einer inne­ren Abkehr; Enthu­si­as­mus und Ent­schlos­sen­heit wur­den aus­ge­bremst und wichen Ernüch­te­rung und Inaktivität.

Der Grund für die Ruhe und Einig­keit, die dem Lan­des­ver­band Bran­den­burg von außen zuge­schrie­ben wur­de, war oft nicht etwa ein inter­ner Kon­sens, son­dern der Rück­zug zahl­rei­cher Mit­glie­der in die Pas­si­vi­tät, aus Angst zwi­schen dem “libe­ra­len Lager” und dem “Flü­gel” auf­ge­rie­ben zu wer­den. Das ist das bekla­gens­wer­te Ergeb­nis einer jah­re­lan­gen Lan­des­ver­bands­po­li­tik, die auf dem Prin­zip „wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ beruh­te – ein destruk­ti­ves Prin­zip, das auch bun­des­weit Scha­den ver­ur­sach­te, da es die Ener­gie für den Kampf um unser Land gegen die eige­nen Rei­hen rich­te­te und zahl­rei­che moti­vier­te Mit­strei­ter auf Neben­kriegs­schau­plät­zen verschliss.

Johann Gott­fried von Her­der wuss­te: „Hei­mat ist da, wo man sich nicht erklä­ren muss.“ Folg­lich kann eine Par­tei auf Dau­er kei­ne poli­ti­sche Hei­mat sein, in der Mit­glie­der sich zwei­mal über­le­gen müs­sen, wie sie sich wem gegen­über äußern oder sich manch­mal gar nicht mehr erklä­ren kön­nen, weil das Miss­ver­ste­hen schon vor­her fest­steht. Die Par­tei­aus­trit­te seit 2015 sind stil­le Zeu­gen die­ses poli­ti­schen Heimatverlustes.

Wie kann die AfD wie­der zur Hei­mat poli­tisch Hei­mat­lo­ser wer­den? Was müs­sen wir ändern und wozu müs­sen wir uns ver­pflich­ten, um mög­lichst vie­len unse­rer Mit­glie­der eine Hei­mat zu sein? Was ist zu tun, um Ver­trau­en wiederzuerlangen?

Zual­ler­erst brau­chen wir ein schnellst­mög­li­ches Ende des Lager­den­kens. Wir kön­nen es uns über­haupt nicht leis­ten, Par­tei­mit­glie­der aus­zu­gren­zen. Um unser vol­les Poten­ti­al gegen die Alt­par­tei­en in Stel­lung zu brin­gen, brau­chen wir jeden Ein­zel­nen. Die Par­tei muss ein Ort des leb­haf­ten und kon­tro­ver­sen Mei­nungs­aus­tau­sches sein, an dem Kri­tik an Inhal­ten und Maß­nah­men nicht als Angriff auf die Per­son ver­stan­den wird, son­dern als Bei­trag zur Wei­ter­ent­wick­lung der Partei.

Damit die Über­win­dung des Lager­den­kens und der Schaf­fung einer ehr­li­chen Ein­heit gelingt, benö­ti­gen wir eine mög­lichst gro­ße Offen­heit der inner­par­tei­li­chen Pro­zes­se. Zu all­dem gehört natür­lich auch die sport­li­che Leis­tung des groß­mü­ti­gen Sprungs über den eige­nen Schat­ten, die Fähig­keit der Ver­su­chung zu wider­ste­hen, stän­dig in den Rück­spie­gel zu bli­cken und uns dadurch Feh­ler und Kon­flik­te der Ver­gan­gen­heit wie­der in Erin­ne­rung zu rufen.

Wir alle in der Bran­den­bur­ger AfD kön­nen und müs­sen reflek­tier­ter mit den eige­nen Leis­tun­gen, aber auch Fehl­leis­tun­gen umge­hen und uns stets dazu anhal­ten, Per­sön­li­ches hin­ter den Dienst an der gemein­sa­men Sache zurück­zu­stel­len. Als Kon­se­quenz die­ser Selbst­ver­ge­wis­se­rung, dass wir doch letzt­lich alle das­sel­be wol­len, ist es aber vor allem unse­re Pflicht nach vor­ne zu bli­cken – und den Blick scharf zu stel­len auf das gemein­sa­me Ziel.

Die­ses Ziel kann nur sein, bei der nächs­ten Land­tags­wahl 2024 stärks­te Kraft in Bran­den­burg zu wer­den, um end­lich die Macht­fra­ge zu stellen.

Die wich­tigs­te Auf­ga­be eines jeden künf­ti­gen Lan­des­ver­bands ist daher, über die gemein­sa­me Arbeit an der Errei­chung die­ses Ziels den Lan­des­ver­band in der Basis wie­der zusam­men­zu­füh­ren. Der Lan­des­ver­band muss unver­züg­lich damit begin­nen, sei­nen poli­ti­schen Macht­an­spruch zu for­mu­lie­ren und die dafür not­wen­di­ge Pro­fes­sio­na­li­sie­rung auf allen Ebe­nen vor­an­trei­ben. Exter­ne poli­ti­sche Ein­fluss­nah­men auf unse­ren Lan­des­ver­band sind wei­ter­hin mit Ent­schie­den­heit zurückzuweisen.

Ent­schei­dend ist eine kon­se­quen­te­re inhalt­li­che Posi­tio­nie­rung und eine kla­re Absa­ge gegen­über einem Anpas­sungs­kurs an die Poli­tik und Arbeits­wei­se der Alt­par­tei­en. Denn die AfD ist eben nicht nur eine Par­la­ments­par­tei: Sie ver­steht sich als Teil einer über­grei­fen­den Bür­ger- und Volks­be­we­gung und damit all jener Deut­schen, die frei‑, laut- oder quer­den­ken und wel­che die Erkennt­nis ver­eint, dass es mit unse­rem Land so nicht wei­ter­ge­hen kann. Die AfD ist eine tat­säch­li­che Alter­na­ti­ve zu den Altparteien.

Wir als Bran­den­bur­ger haben eine rea­lis­ti­sche Mög­lich­keit, unse­re poli­ti­schen Ideen mit Leben zu fül­len. Ange­sichts unse­res hier bestehen­den Poten­ti­als kann gera­de von Bran­den­burg aus ein star­ker Impuls an die Gesamt­par­tei aus­ge­hen, indem wir mit muti­ge­ren und kon­se­quen­te­ren Posi­tio­nen neue Wege und Per­spek­ti­ven auf­zei­gen. Ste­hen wir in Bran­den­burg zusam­men und gelingt uns 2024 ein über­zeu­gen­der Wahl­sieg, kön­nen wir die Poli­tik erst in Bran­den­burg und von hier aus in ganz Deutsch­land ver­än­dern. Nicht weni­ger darf und wird unser Anspruch sein.

Dem künf­ti­gen Lan­des­vor­stand sei mit einem ande­ren Goe­the­wort die Alter­na­ti­ve zum Lager­den­ken ans Herz gelegt: „Ver­einˋ und leite!“

– – –

Hans-Chris­toph Berndt, MdL, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der AfD-Land­tags­frak­ti­on Brandenburg

René Sprin­ger, MdB, Sozi­al­po­li­ti­scher Spre­cher der AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Mit­glied der Lan­des­grup­pe Brandenburg

Jan Hor­nuf, Vor­sit­zen­der der Jun­gen Alter­na­ti­ve Brandenburg

Den­nis Hoh­loch, MdL, Kreis­vor­sit­zen­der AfD-Pots­dam und Par­la­men­ta­ri­scher Geschäfts­füh­rer der AfD-Land­tags­frak­ti­on Brandenburg

 Gastbeitrag

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Kommentare (26)

Ein gebuertiger Hesse

2. März 2021 09:59

Eindrucksvoll, die Herren! Sie sind auf einem guten Weg - mögen andere und gerade die verdrucksten Häschen aus dem Westen peu à peu folgen.

Franz Bettinger

2. März 2021 10:14

Hans-Christoph Berndt  (von Beruf Zahnarzt)  ist einer der besten Politiker, den die AfD hat. Sein Appell kann sich nur an Meuthen und Entourage richten. Dort wird er vermutlich nicht gehört. Schade, denn mit einer neuen Politik à la Berndt, die die Spannungen im Innern der Partei herausnähme, hätte die AfD eine große Chance im Wahljahr 2021.

t.gygax

2. März 2021 10:30

Oh Welt! Welch hehre Worte ! "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube..." ( J.W.v.Goethe)  Angesichts der Tatsache, dass in BW vor einer Landtagswahl (!) sowohl die Restfraktion wie auch der Landesverband hoffnungslos zerstritten sind ( was man am Beispiel Mannheim geradezu als negatives Lehrstück frei nach Brecht studieren kann), glaube ich nicht mehr, dass es anderswo in der AFD fundamental besser ist. Sicher gibt es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg ehrliche und aufrechte Idealisten ( in BW hält  Dr. Christina Baum diese Stellung vollkommen isoliert und vereinzelt in der AFD) , aber insgesamt zeigt sich, was diese "Parteiengesellschaft" mit den Menschen macht.   Wie in der Suppe: Fett schwimmt oben, und die guten Teile sind am Grunde zu finden. Ich kann inzwischen jedermann verstehen, der in BW sich an "Wir2020" oder "Die Basis" orientiert. Die AFD war eine Chance die inzwischen, so fürchte ich, vertan ist.

Solution

2. März 2021 10:38

Wäre das die typische Meinung in der AfD, könnte ich zumindest darüber nachdenken sie (wieder) zu wählen. Doch wo ist die AfD noch eine richtige "Alternative", wenn sie grundsätzlich für Einwanderung und gegen einen ethnischen Volksbegriff ist? Was ist eigentlich mit ihrer Einstellung zum Euro geworden? Was ist mit einem echten "Sozialpatriotismus"? Warum stößt Meuthen die Querdenker vor den Kopf und warum will die AfD "Israel am Brandenburger Tor" verteidigen? 

Die Stellungnahme kann nur etwas bewirken, wenn sie in der AfD allseits akzeptiert würde, wenn tatsächlich die Säuberungen in der Partei gestoppt und rückgängig gemacht und wenn das Programm in zentralen Punkten im Interesse des Deutschen Volkes geändert würde.

Das Argument, die AfD wäre "alternativlos", greift nicht. Es gibt Alternativen. Die Frage ist sowieso, ob seit Bestehen der AfD irgendetwas sich am fortgesetzten Niedergang unseres Volkes geändert hat. Wenn nicht, muß man insofern grundsätzlich über Alternativen zur "Alternative" nachdenken.

RMH

2. März 2021 11:54

Das die "alte Bundesrepublik" ihren Frieden mit der Teilung gemacht habe, kann man noch nicht einmal auf Basis des Grundlagenvertrages formal bejahen. Die DDR Bürger waren immer und ausnahmslos nach dem Staatsbürgerrecht der BRD unterschiedslos Deutsche. Als Teil der Erlebnisgeneration Wiedervereinigung möchte ich meinen, dass die Stimmung auch im Westen im Grunde pro Wiedervereinigung war. Es waren maßgeblich Konservative und Liberale der alten BRD, die hier, als sich die historische Chance geboten hat, entgegen aller Verträge und Kredite mit der DDR, Nägel mit Köpfen gemacht haben. 

Glast

2. März 2021 12:05

Also bei so einem Artikel werd ich nicht zum Jubelperser.

Die AfD in Brandenburg steht in Umfragen beim Ergebnis der AfD Baden-Württemberg bei der vergangenen Landtagswahl. Wo nimmt man da die Zuversicht her, stärkste Kraft zu werden? In Brandenburg wird die AfD m.M.n. niemals über maximal 40% kommen. Und das ist für meine Begriffe schon verdammt hoch gegriffen. Und selbst wenn doch? Was dann? Man schaue sich die Zuzüge in den Speckgürtel von Berlin an - von Falkensee bis Eberswalde - das sind keine auch nur potentiellen AfD-Wähler. Das hat nun nichts mit Defätismus zu tun; man kann die Dinge einfach mal so sehen wie sie sind.

Ein gebuertiger Hesse

2. März 2021 12:06

Und an alle, die meinen, die AfD demnächst nicht erneut oder statt ihrer gar eine Blockpartei wählen zu müssen/solllen/wollen/tralala: In den Elfenbeinturm der hauseigenen, wenn auch noch so gerechtfertigten Enttäuschungen und darob erfolgenden Abwendungsgesten kann NIEMAND hineinschauen, schon gar nicht (und sie wollen es auch nicht) die Profiteure des Schlechten, immer noch Schlechteren, wie sie unser Land aktuell unterjochen. Denkt ein paar Stufen höher, Leute: die AfD, wie sie heute etwa das Obenstehende ersonnen und gestemmt hat, ist bei Tag wie bei Nacht unsere Unterstützung wert bzw., um das geschändete Wort einmal zurecht zu gebrauchen, alternativlos.

Niedersachse

2. März 2021 12:16

@Solution

 

Aus Ihrem Beitrag geht ja nun hervor, dass Sie die AfD nicht wählen. Dann gebe ich Ihnen hiermit etwas auf den Weg: Auch wenn Ihnen einige Punkte nicht passen, so ist dieses Verhalten absolut unpassend. Denn jede Stimme, die die AfD nicht bekommt, sei es aus Wahlenthaltung oder dem ungültigmachen des Stimmzettels, geht auf das Konto der Altparteiensekte. Eine Partei ist letztenendes immer nur so gut, wie die Summe ihrer Mitglieder. Treten vermehrt Idealisten und Menschen mit einer grundsätzlichen Haltung in die Partei ein, wird sich das früher oder später immer auf den Werdegang der Partei auswirken. Das kann man doch wunderbar an den Aufstellungsparteitagen zur BTW 21 in Niedersachsen und Sachsen sehen: In Nds sind fast ausschließlich die Gefolgsleute von Meuthen auf die vorderen Listenplätze gewählt worden, in Sachsen nicht.

Franz Bettinger

2. März 2021 12:41

Der @Hesse hat recht. Wir können es uns in der bestehenden dramatischen Lage, in der unser Land gerade absäuft, nicht erlauben eine neue Mannschaft (aka Partei) aufzubauen und anzulernen; die ja wieder nur aus Menschen bestehen würde, ganz normalen, fehlbaren korrumpierbaren Menschen, Partei-Mitgliedern eben. Woher die Hoffnung nehmen, dass es mit einer der neuen kleinen Parteien besser laufen würde? Das ist Unsinn. - Es gibt nur eins: der AfD die Stange zu halten, und würde sie auch nur aus Bleistiften bestehen. Aber sie besteht ja aus vielen ehrbaren Streitern; das muss mal gesagt werden. Lasst uns die AfD erst mal groß machen! So eine Chance hat Deutschland niemals zuvor gehabt. Versemmelt sie nicht (aus Kleingeistigkeit).  

Solution

2. März 2021 12:44

@ Niedersachse

Zuerst dachte ich, die AfD würde sich in die richtige Richtung entwickeln. Nachdem sie nunmehr von Meuthen & Co Richtung Selbstzerstörung programmiert wurde, bin ich 2019 (nachdem ich vom ersten Tag an dabei war) ausgetreten. Ich hatte genau dies schon bei den Republikanern 1 : 1 durch und wollte es nicht noch einmal. Was will ich in einer Partei, in der ich meine Meinung nicht sagen kann, ja deren Programm fast schon ein Aufnahmeantrag für die Kartellparteien ist? Was will ich mit cuckservativen Abbremsern? Wir haben dies doch schon oft genug hier diskutiert. 

RMH

2. März 2021 14:14

@solution,

Nehmen Sie ihre eigenen Vorstellungen einmal für einen Moment komplett zurück und betrachten sie ihre objektiven Wahlmöglichkeiten beim Spiel des Parlamentarismus. Rein rational betrachtet sind Sie dann immer noch am ehesten ein AfD Wähler, es sei denn, Sie bevorzugen zum Trotz Parteien unter 0,5 %.

anatol broder

2. März 2021 15:17

@ rmh 14:14

(1) ich spiele nur mit, wenn ich immer gewinne;

(2) ich spiele nur mit, wenn ich nicht verliere;

(3) wer nicht mitspielt, hat schon verloren.

der weg von (1) nach (3) ist schmerzvoll, ganz egal, was die vernunft nebenbei flüstert. jeder vierte wahlberechtigte spielte im wahljahr 2017 nicht mit.

heinrichbrueck

2. März 2021 16:55

Es gibt zwei Möglichkeiten, die abgeschwächte Form lautet: Entweder man mag die gegenwärtige Demokratie, dann werden die Altparteien gewählt, oder das Gegenteil ist der Fall, also Nichtwähler beziehungsweise Protestwähler. Es gibt gute Gründe, die AfD im Parteienkarussell mitspielen zu lassen.

Ist die Demokratie alternativlos? Wenn ja, warum? Anders gefragt, damit es verständlicher wird: Kann die Demokratie so schön funktionieren, wie der AfD-Beitrag in meinem Kopf wünschte? Ist die Frage positiv beantwortbar, kann der Weg gegangen werden.

Eine Partei als politische Heimat? Heimat ist doch kein Werkzeug. In einer Partei geht es um Posten. Und die Politiker wissen schon, was sie sagen müssen, damit die Medien nicht böse reagieren.

Wie Völker zusammengesetzt sind, dürfte eine Rolle spielen, speziell im Bereich Mensch und Masse. Es reichen wenige Promilleangaben, schon sind die Merkels abrufbar. Der Rest ist steuerbar, und hier muß klar werden, woher kommt es, mit so einer Art der Herrschaftsform zu leben. Sind solche Dinge umsteuerbar? Parteipatriotismus funktioniert nicht. Welches Spiel wird hier gespielt? Naturgesetze haben keine Illusionsbedürfnisse.

Lotta Vorbeck

3. März 2021 04:15

"Zu wünschen wäre auch, dass nicht bloß eine Denkschule (i.e. die Mohler-Schule, Schnellroda) den Pol des intellektuellen Widerstands bildet, der die einen ganz anzieht und die andern ganz abstößt. Leider ist hier nichts in Sicht, weil man, wie Kuehnelt-Leddihn sagt, nur für ein Rufzeichen, nicht für ein Fragezeichen stirbt (oder den bürgerlichen Tod in Kauf nimmt)."

notiert Robert X. Stadler bei seidwalk

RMH

3. März 2021 09:33

SPON verkündet gerade die bundesweite Beobachtung der AfD durch den VS. Der "rechtsextreme" Think Tank Schnellroda wird auch erwähnt.

Jetzt herrscht endlich Klarheit und die AfD sollte die Reihen schließen. Denn rein inhaltlich ist die AfD doch auf einem guten und übergreifend auch akzeptablen Weg, zumindest wenn man den Entwurf für das Wahlprogramm für die BT Wahl gelesen hat. Ich sehe da keine neoliberale cuckservative Partei sonder eine seriöse Konservativ-Liberale Kraft. Damit drängt sich für mich der Verdacht auf, dass es beim AfD internen Streit in einem hohen Maß um rein persönliche Eitelkeiten gehen könnte.

Rudi

3. März 2021 10:37

Meine Herren, erstmal danke für den Beitrag, der versucht, den LV Brandenburg zu einen.

Nun galt ja für die CSU zu Strauß Zeiten „rechts von uns ist nur die Wand“. Bei der „Generation Hitler“, zu der Strauß ja gehörte, muss das nicht überraschen. Im Jahre 2020 bzw. 2021 schon.

Die AfD möchte ja nun (teilweise) keine „Ausgrenzeritis“. Weil sie selber ausgegrenzt wird und z.B. keinen Vizepräsidenten des Bundestags stellt. Man möchte „offen für alle“ sein. Der Gedanke, dass es zur Qualitätssicherung auch eine Abgrenzung nach rechts außen braucht, wird nicht ernsthaft vertreten. Das schafft ein Problem.

Solution

3. März 2021 18:45

Muß sich die AfD nach der Aufnahme als "Verdachtsfall" nun selbst auf ihre Unvereinbarkeitsliste setzen?

Nordlicht

3. März 2021 19:35

Dass die meisten Menschen in der West-Deutschland (inkl.West-Berlin, besonders da!!!) sich mit der offiziellen DDR arrangiert haben, kann man ihnen kaum vorwerfen - die meisten Bürger der DDR haben es ja auch getan. Auf beiden Seiten der Mauer schien es "alternativlos" zu sein.

Schlimmer finde ich es, dass auch nach 1989 so viele Westdeutsche ihren Geiz und ihren Neid herauskehren, die Kosten der Wiedervereinigung bejammern und gleichzeitig auf "die Jammerossis" herabsehen. Der typische Beamte in Aachen, Bremen und München ist noch nicht in dem wiedervereinigten Deutschland, das heisst in der "Berliner Republik" angekommen.

Ebenso wie der typische Westberliner Ostberlin aus seinem Denken gestrichen und sich ihrer Subventionsoase eingerichtet hatten, schauten die meisten Westdeutschen lieber nach West und Süden als nach Osten. 

Wir müssen erst lernen, EINE Nation zu sein. Das einzig Mal hat das mE nach 1871 geklappt.

 

PS „Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss.“

Meine Heimt ist dort, wo man auch am Abend "Moin" sagt. Aber sonst stimme ich zu.

Simplicius Teutsch

4. März 2021 00:02

@ „Was müssen wir [AfD] ändern und wozu müssen wir uns verpflichten, um möglichst vielen unserer Mitglieder eine Heimat zu sein?“

Die AfD braucht zusätzliche(!) Mitglieder. Ich würde daher weitergehend fragen: „Wie kann die AfD viele neue Mitglieder zu ihren bisherigen 30.000 hinzugewinnen?“ Sie muss Volkspartei werden.

Bei sechs Millionen AfD-Wählern 2017 würde ich meinen, die jetzige AfD sollte mit ihren materiellen und intellektuellen Möglichkeiten eine Großoffensive in Richtung Mitgliederwerbung starten: Hereinspaziert, alle Unzufriedenen und Alternativdenker, die auf dem Boden des Grundgesetzes Freiheit und Demokratie für Deutschland verteidigen wollen! Natürlich geraten dadurch die Posten derjenigen in der AfD, die jetzt bereits Mitglied und in Amt und Würden sind oder dort hinkommen wollen, unter Konkurrenzdruck.

Dem politisch-medialen Feind, der eine demokratische Opposition nicht zulassen will und daher die AfD zerstören will, müssen Klasse und (gärige) Masse entgegengesetzt werden!

 

Der stärkste Trumpf, die Verfassungsschutzbeobachtung, ist jetzt vom Brunzkarter des Innenministers ausgespielt worden und liegt auf dem Tisch. Endlich. Und gerade jetzt. Zwar eigentlich ein sicher geglaubter Stich für die Demokratiefeinde. Aber ich hoffe in der laufenden politischen Runde auf den letzten Mann, - dass er mit dem Corona-Joker den Beobachtungs-Trumpf übersticht und das Spiel für die AfD gewinnt.

tearjerker

4. März 2021 12:32

@ „Was müssen wir [AfD] ändern“

Die Parteienlandschaft ist an Ende, weil sie das Volk nicht mehr repräsentiert. Deswegen transformieren die Reste der Vertreter der alten Ordnung und deren Erben diese in eine neue Bevölkerungs-Republik ohne Souverän, in der Nomenklatur und Verwaltung das Sagen haben. Es ist fraglich, ob die Alternative in der ihr verbleibenden Zeit noch etwas bewegen kann, scheint sie doch nicht politisch zu denken und zu handeln und sich thematisch nur exakt entlang der Setzungen der Staatsparteien zu bewegen. Die letzen 12 Monate waren eine Jahrhundert-Chance, die Gesellschaft zu eigenen Gunsten zu polarisieren und eine Alternative zu bieten. Selbst der Aufgalopp zu den anstehenden Landtagswahlen wurde weitgehend emissionsfrei über die Bühne gebracht. So ist die Partei eine Alternative zu gar nichts und spätestens im August Geschichte.

Nordlicht

4. März 2021 13:05

Nochmals zur AfD, weil diese Partei nach wie vor die einzige Hoffnung ist, in überschaubarer Zeit etwas in Deutschland zu ändern. Die Institutionen sind fest in der Hand der Grünlinken, da kommt man nicht rein. Da werden sich in den nächsten Jahren die Migranten und die LGBTQ-Lobbyisten reindrängeln.

Und die Verbreiterung der rechtsintellektuellen Basis ist zwar schön, aber dürfte kaum konkrete politische Kraft entwickeln.

Also doch die AfD, egal ob á la Meuthen oder Höcke. Entscheidend ist es meiner Ansicht nach, dass es bei der Bundestagswahl über 20 Prozent geht. Auch dann wird es zwar keine Regierungsbeteiligung geben - diese Illusion werden Meuthen & Co. noch einsehen - aber ein Erfolg ist wichtig, um die Hoffnung aufrecht halten zu können. Ohne Hoffnung auf eine Re-Formierung unserer Gesellschaft haben SIE gewonnen.

Es ist traurig, dass in der AfD die Ausgrenzeritis grassiert, die Arbeit der Identitären nicht anerkennt und das Trainingspotential des IfS nicht nutzt. Es müsste viel mehr konzeptionell entwickelt, formuliert und kommuniziert werden, aussenpolitisch mit EU, Russland, USA; sozialpolitisch mit Renten und Arbeitsanreizen; praktisch-realistisch hinsichtlich der Ausreiseverpflichteten.

Nordlicht

4. März 2021 13:18

Nach Ansicht des Europa-Rates, speziell der - auch von Deutschland unterzeichneten - Erklärung "Europarat -Strasbourg, 10 January 2000 CDL-INF (2000) 1" darf eine Partei nur vebroten werden, wenn sie Gewalt verübt oder dazu aufruft. 

„Prohibition or enforced dissolution of political parties may only be justified in the case of parties which advocate the use of violence or use violence as a political means to overthrow the democratic constitutional order, thereby undermining the rights and freedoms guaranteed by the constitution.

The fact alone that a party advocates a peaceful change of the Constitution should not be sufficient for its prohibition or dissolution.“

Entscheidend ist "peaceful change": Nur wenn eine Partei das GG mit Gewalt abschaffen wolle, dürfe sie verboten werden. 

Art. 21 GG sagt dagegen:

"(1) ...

(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig."

Diese könnten dann verboten werden. Was diese FDGO ausmacht und ob sie deckungsgleich mit dem deutschen GG ist, wäre zu klären: In Strassburg. 

Die AfD sollte auch dort vorstellig werden, um gegen die Verfolgung durch Regierung per VS und die Finanzierung der politischen Gegner durch Steuergeld via NGO zu klagen.

RMH

4. März 2021 15:52

Irgendwelche ex NPD Kader oder ähnliches werden die AfD sicher nicht retten. Die Unvereinbarkeitslisten sind conditio sine qua non für die AfD. So hart das im Einzelfall auch sein mag. Das hat auch gleich gar nichts mit Abgrenzeritis zu tun. 

Solution

4. März 2021 19:56

@ RMH

Sie Sind für die Unvereinbarkeitsliste, die auf dem Verfassungsschutzbericht beruht. Somit auch für eine Ausgrenzung von Identitären, PEGIDA, Schnellroda, Compact, EinProzent, usw.? Wenn nicht, wo liegt dann die Grenze? Wer legt sie fest? Für mich ist die ganze Liste Unsinn. Es steht doch sowie bald jeder darauf, der links der CDU/CSU steht.

RMH

4. März 2021 21:20

@Solution,

sehen Sie doch mal selber nach

Unvereinbarkeitsliste - Alternative für Deutschland (afd.de)

Schnellroda und das Pegida Original aus DD kann ich da bspw. nicht finden. Das meiste unter RE hat im weitesten Sinne NPD-Bezug und darauf kommt es an. Mit diesen VS- gesteuerten Kadern bzw. Nazi-Darstellern holt man sich den VS doch erst recht ins Boot.

Wie auch immer: Diese Diskussion muss an diesem Ort nicht vertieft geführt werden.

Simplicius Teutsch

6. März 2021 10:52

Nachtrag zu meinem obigen Kommentar (4. März, 00:02), auch wenn es vermutlich niemand mehr liest (außer der antidemokratischen und verfassungswidrigen BRD-Stasi).

Habe erst heute Morgen die Junge Freiheit vom Donnerstag vollständig durchgeblättert und bin überraschend auf ein halbseitiges Inserat der AfD gestoßen, das jenseits aller ideologischen Fechtereien ganz in meinem Sinne die Situation der AfD auf einen grundlegenden Punkt bringt: „Es genügt leider nicht mehr, nur Zeitung zu lesen. Sie müssen jetzt mit uns Geschichte schreiben. - Werden Sie Mitglied [in der AfD] … Eintreten für Deutschland!“