17. März 2021

Vital gegenhalten!

Heino Bosselmann / 39 Kommentare

Schwierigkeiten mit genauer Positionierung und widerständiger Haltung haben zwei Ursachen – inkonsequentes Denken und Angst.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession
Während die Angst ein psychologisches, gleichsam aber das existentielle Problem überhaupt ist, sind Irrtümer kraft genauer Wahrnehmungen, mit gesundem Menschenverstand und einem darauf aufbauendem, einem kritisch genauen Denken zu klären, was wiederum Verzagtheiten überwinden hilft. Konkret im aktuellen Bezug:

Gegenüber der sogenannten Pandemie sollte bewußt werden, daß es eben keine Pandemie ist. So einfach. Jedenfalls nicht im Sinne dessen, was gemeinhin an Schrecknissen mit dieser Bezeichnung verbunden wird. Ein Vergleich mit historisch dramatischen Pandemien relativiert das gegenwärtige Krankheitsgeschehen qualitativ wie quantitativ.

Mit dieser radikalen Vereinfachung, einer glatten Verneinung der Expertokratie-Richtlinien, wiche die Angst und man käme auf handlungsfähigen Abstand zur staatlichen Hysterie.

Ebenso verhält es sich mit einem zweiten großkalibrigen Begriff:

Von einer „Naturkatastrophe“ kann im Sinne dessen, was wir bisher dafür hielten, keine Rede sein, und es erscheint völlig unangemessen, wenn Regierungen fortlaufend meinen, wir befänden uns in einer Katastrophenlage. Die maximierende Summenzählung von „mit und am Corina-Virus Verstorbenen“ und die fehlende Unterscheidung zwischen infiziert und infektiös führt zu jener statistischen Verzerrung, die fortlaufende Einschränkungserlasse rechtfertigen soll.

Mathematisch sind klare Aussagen nur in Relation möglich; erst dann verdeutlichen sie ein realistisches Bild. Erzgebirgische Kommunen positionieren sich in einem Protestbrief als erste gegen die Herrschaft des undifferenziert gebrauchten Inzidenzwertes, der eben stets in Beziehung zu setzen ist: "Wir haben im Erzgebirgskreis aktuell Kommunen, die eine Größe aufweisen, bei denen ein positiv getesteter Fall in sieben Tagen sofort zu einer Inzidenz von mehr als 100 führt." - "Auf der einen Seite sagt man, das Testaufkommen muss erhöht werden", bemerkt der Schneeberger Bürgermeister Ingo Seifert. Das führt zu mehr positive Testergebnisse. "Auf der anderen Seite hält man an diesen festen Zahlen 100, 50 und 35 fest. Das passt nicht mehr aufeinander." - Von der vor einem Jahr in Dauergebrauch stehenden Basisreproduktionszahl R, dem R-Wert, ist hingegen kaum mehr die Rede. Offenbar erwies er sich nicht als medienwirksam genug.

Klar, weltweit verzeichnet man einen viralen Infekt, eine Erkrankung der oberen Atemwege – eine Erkältung, wie man früher gesagt hätte, die leider Komplikationen verursacht, insbesondere bei älteren und kranken Menschen. Ausgelöst von einem zwar zunächst unbekannten, aber keineswegs „neuartigen“ Virus, insofern SARS-CoV-2 zu einer bekannten trivialen Virenfamilie gehört.

Dieses Virus löst aus, was verwandte Viren auslösen, Atemwegserkrankungen eben – mitunter komplizierter Art und dann mit tragischem Ausgang. Man stirbt an Krankheiten, unter anderem an Infekten; es wird dabei bleiben. Die Gewißheit, an einem Infekt erkranken und sterben zu können, und die Gelassenheit gegenüber diesem täglichen Risiko hat man erwachsen einzuüben.

Wir hörten von Bergamo, von gestapelten Särgen, wir sahen weiße Zelte in New York. Es wurde alarmiert, die Intensivstationen liefen voll, man müsse Triagen erwägen. Zuletzt warnte unsere Regierung, die ansonsten Nationalismen ablehnt, die „britische“ Mutante der „Wildform“ des „neuartigen Corona-Virus“ würde Tschechien und Portugal ins Chaos stürzen, es wäre katastrophal, die dritte Welle begänne. Und wieder: Die Intensivstationen liefen voll, und man müsse Triagen durchführen. Gerade macht Italien dicht, das sich stets sicher sein darf, als Pleite-Staat ohnehin von der EZB-Politik durchalimentiert zu werden. Wir hören, in Peru gäbe es Schwarzhandel mit Sauerstoffflaschen. Wir hören dies und das – und bleiben in der Regel gesund, auch wenn wir uns dort, wo sie irgend zu umgehen waren, nicht an die Lockdown-Regeln hielten.

Die Totalabschaltung von Wirtschaft und Kultur war nie gerechtfertigt. Von all den politisch inszenierten Aktionen kann nur eine als sinnvoll und nützlich gelten, aber genau sie scheitert in der EU gegenwärtig an Bürokratie und Dilettantismus – eine forcierte Impfkampagne, die das Erreichen der Immunität beschleunigen würde.

Überempfindliche Gesellschaften regierten auf die Infektionswelle mit Überempfindlichkeit, insbesondere die Industriestaaten, deren hoher medizinsicher Standard die Illusion entstehen ließ, Menschen wären kaum mehr von Krankheiten zu treffen. Der Tod selbst wird dort ohnehin verdrängt.

Die sogenannte Corona-Pandemie und die mit ihr legitimierte Staatsübergriffigkeit offenbarte eine erschreckend umfassende Staatgläubigkeit, namentlich im linken und grünen Bereich des politischen Spektrums, also genau dort, wo vermeintlich eine „alternative Lebenskultur“ gepflegt wird, die sich endlich als das erweist, was sie ist: Anpassung an die Macht, eher noch deren willfährige Mit- und Ausgestaltung – logisch und folgerichtig, weil linksgrünes Denken die Berliner Republik dominiert und die neubürgerlich-scheinalternative Philisterkultur ein neues Biedermeier prägt.

Die Grundgestimmtheit der Angst ist das Existenzial der linksgrünen Bewegung: Angst vor der Atomkraft, Sensibilität gegenüber Ernährungsproblemen, Angst vorm Waldsterben, vor der Klimakatastrophe, Angst vor mangelnder Teilhabe, nicht zuletzt Angst vor Feinstaub, Schadstoffen, Allergien und Krankheiten, Angst vorm Passivrauchen und vorm Radfahren ohne Helm, offenbar tatsächlich Angst vor „Nazis“ und einem Sturz der Republik. – Jetzt bezieht sich die würdelose Angst auf eine Impfung mit statistisch kaum zu verzeichnenden Risiken.

Die Neulinke jammert beständig und sieht im versehentlichen Verzehr eines Plantagenapfels, der nicht von einer naturbelassenen Streuobstwiese stammt, ein echtes Risiko. Permanente Furcht, von einem Übel getroffen zu werden!  Zwar propagiert die Ökolinke Moralvorstellungen, die sie als universalistisch herausstellt, und geriert sich dabei als weltoffen, aber sie lebt kleinlich individualistisch und egoistisch ihren Privathedonismus und fürchtet jeden Komfortverlust. Das „neuartige Virus“ stachelte die linke Grundangst schmerzhaft an. Also forderte sie noch mehr Schutz, noch mehr Mittel, noch mehr Gerechtigkeit.

Und die Rechte, von pessimistischem Realismus bestimmt und bereit zu Annahme von Herausforderungen und Gefahren, stand in den Augen der verängstigt „Anständigen“ noch böser und verantwortungsloser da. Ihre Skeptiker galten sogleich als zynische Corona-Leugner, Kritiker der Lockdown-Politik als perfide Verschwörungstheoretiker oder verblödete Covidioten. Während die Linke ihr Geplärr steigerte, ging die Rechte auf die Straße und forderte ein Ende der Blockaden. Die Rechte war so teils zur eigenen Verblüffung als liberale Kraft unterwegs, während die selbsterklärt Liberalen sich in die innere Emigration des Homeoffice verkrochen.

Wer erkennt, daß der Begriff der Pandemie nicht mehr ist als eine rein politisch dekretierte Feststellung, die abstrakten WHO-Klassifizierungen folgt und ein im Jahr 2000 für echte Seuchenlagen erlassenes Gesetz, das Infektionsschutzgesetz, aufruft, der gelangt mit dieser Einsicht ins Freie, vermag seine Angst zu relativieren und Kraft zu entwickeln für eine feste Position und Haltung. Verweigerung ist möglich und derzeit der einfachste, sowieso der notwendigste Widerstand. Wie genau?

Solange das herrschende System willkürliche Einschränkungen vornimmt, um sich als entschluß- und handlungsfähig im Sinne seiner Fixation auf die „Pandemie“ zu erweisen, sehe man seinen Weg darin, sich Maßregelungen zu entziehen, wo es nur geht.

Gastronomie geschlossen: Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl, Eintöpfe, Nudelvarianten, Ofengemüse einüben.

Die Fitneßstudios, Turnhallen und Schwimmbäder bleiben geschlossen? – Übergang zu kraftvollen Yoga-, Lu-Jong- und Gymnastikübungen in der eigenen Wohnung, und zwar forciert und bei offener Balkontür. Liegestütze im Büro, in hohen Dosen, steigerbar von Woche zu Woche. Alle Wege mit dem Fahrrad zurücklegen, zumal das vom gespenstischen Maskenzwang im Nahverkehr befreit. Waldlauf („Jogging“) ist noch nicht verboten; man laufe sich also frei. Kraft und Kondition bleiben die notwendigen Voraussetzungen für jede Art Widerständigkeit. Wer sich nicht abzuhärten versteht, kann immer noch Sozialdemokrat werden.

Die Friseure regulieren den Zugang und veranstalten nervige Hygiene-Sperenzien, weil sie das müssen? – Sehr ungünstig und diskriminierend für Damen, die nicht das Glück haben, eine couragiert schwarzarbeitende Friseurin zu kennen. Für die Männer: Schluß mit Föhnfrisuren, stattdessen eine Haarschneidemaschine besorgen, von denen der Online-Versand endlich wieder genug am Lager hat, weil er auf das gesteigerte Bedürfnis reagierte. Besser noch den ganzen Schritt: Schädelrasierer, vorzugsweise britische Modelle.

Baumärkte und andere Verkaufsstellen verlangen „Click & Meet“? Grundsätzlich dieses dirigierende Verfahren meiden und das Notwendige über den Online-Handel besorgen, vom Dübel bis zum Wasserkocher. Das Argument, man müsse doch den Handel unterstützen und dessen Arbeitsplätze bewahren, verfängt nicht: Vermögen der Handel und dessen Belegschaften keinen Widerstand zu leisten, indem sie sich der Willkür entziehen, ist es deren Problem. Die Alternative wäre vitaler Protest.

Sollte die illiberale Erlaßpolitik je enden, wird der Markt umgehend alles neu einregeln. Wer sich auf „Click & Meet“ und ähnliche Gängelungen einläßt, verstetigt die vormundschaftliche Corona-Politik. Widerstand beginnt unten, in diesem Fall beim Verbraucher. Es ist an der Zeit, prinzipienfest zu entscheiden und klarzumachen: Mit mir nicht! Nur das eröffnet Chancen zur Befreiung.

Weiteres Homeschooling, Online-, Hybrid- und Wechselunterricht? – Wenn Kinder nicht in der Lage sind, ihre Aufgaben selbständig zu erledigen, helfe man ihnen dabei, soweit man kann, aber nicht mehr. Ansonsten raus an die Luft, dorthin, wo es noch Abenteuer gibt. Keine Angst vorm schulischen Scheitern – aus einem einfachen Grund: Die Schule selbst ist längst gescheitert. Sie konnte schon lange keine substantiellen Bildungsbestände mehr sichern und kaum mehr praxisrelevante Befähigungen ausbilden. Das, worauf sie sich eingeschränkt noch verstand, brach mit der Corona-Politik weg. Irgendwann startet sie wieder als eher sozial- und inklusionspädagogische Veranstaltung.

Weshalb die für die Erlaßpolitik stehenden Parteien noch immer Zustimmung finden, läßt sich nur mit der Angst erklären, die sie zu verbreiten verstanden. Mittlerweile geschieht das in einem eigendynamischen Verlauf, für den die Exekutiven nur noch die Stichworte geben, auf die hin die Gesellschaft sich folgsam auszurichten bereit ist.

Milliarden an staatlich verteilten Almosen- und Schweigegeldern sollen die Frustration der Bürger abfedern, bis sie sich an durchgehende Bevormundung gewöhnt haben. Man hält still, denn von irgendwoher fließt ja Geld. Die immensen Mittel gingen zu Lasten öffentlicher Haushalte und waren nur um den Preis jahrzehntelanger Verschuldung zu haben. Sie wurden mit einem Gestus verteilt, als kämen sie von der „politischen Klasse“ selbst. Aber die Regierungen finanzierten ihre Maßnahmen wie stets mit dem Geld, das sie vorher bei den Bürgern eingetrieben hatten. Mit der Folge, daß diese Bürger künftig auch die Verschuldungen tragen, sie also abzuzahlen haben, während sich der Hofstaat und seine Bürokratie weiter mit fetten Diäten einrichten werden.

Politisch wirksam gegen die bürokratischen Versteifungen und Überreglementierungen ist man nur, wenn man sich ihnen weitestgehend entzieht und im Sinne des einfachen Lebens zu autonomer Selbstbestimmung und autarker Selbstversorgung übergeht.


Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Kommentare (39)

Nemo Obligatur

17. März 2021 07:24

Heute wieder ein echter, ein guter "Bosselmann". Hier wird nicht gejammert, hier wird angepackt und voll dagegen gehalten. Danke. Mehr davon. Ich ergänze es mal: Es wird nie so viel gelogen wie nach der Jagd, vor der Ehe und in der Pandemie.

Laurenz

17. März 2021 07:42

@HB

Es gibt auch rechte Hedonisten. Der Unterschied zu den linken - ist, daß sich rechte Hedonisten nichts über sich selbst vormachen. Nicht jeder wappnet sich, um 7 Antifantastische mit einem Streich in den Boden zu stampfen. Und Haare schneiden wofür? Man sieht dann halt als Mann nicht aus wie GK, eben aber wie Beethoven. Bis zu Bonaparte & der Franzmann-Revolution sahen alle Männer so aus. Diese Gulag-Frisuren, die sie & GK tragen, sind in Ordnung, man(n) muß aber dann dauernd mit der Maschine ran, damit das ordentlich aussieht. Das wäre mir dann doch zu viel der Eitelkeit.

Laurenz

17. März 2021 08:48

@Nemo Obligatur

Kurz, bündig & schön geschrieben haben Sie das. Wenn ich als Quasi-Eremit mit meiner Umwelt in Berührung komme, wundere ich mich tatsächlich erschreckt darüber, daß der Artikel in der Beschreibung meiner Mitbürger einerseits zu höflich & andererseits nur zu wahr ist.

RMH

17. März 2021 09:30

Wie so oft, guter Artikel von H.B.!

Aber Achtung!

"Die Grundgestimmtheit der Angst ist das Existenzial der linksgrünen Bewegung:"

Das kann man ziemlich exakt spiegeln zu rechtspopulistischen Bewegungen. Angst vor Überfremdung, Angst vor kleinen Kopftuchmädchen, Angst vor dem Islam, Angst vor der unsolidarischen (D. C.-Bendit), multikulturellen Gesellschaft, Angst vor dem Euro-Crash etc.

Von daher sollte rechts in Absetzung oder "Sezession" zum linken Mainstream grundsätzlich angstfrei sein, da man immer einen Plan B hat. H.B. gibt im letzten Absatz ja schon einen entsprechenden Wink.

Monika

17. März 2021 11:04

 Lieber Herr Bosselmann, nehmen Sie es mir nicht krumm. Aber dieser Beitrag kommt ein Jahr zu spät. Vital entgegenhalten! Das könnte so in der Apothekenzeitung stehen oder in der „Landlust“. Motto: Was Großmutter noch wusste. Dieses Programm habe ich seit März 2020 durchgezogen. Pellkartoffeln mit Leinöl gab es auch schon vor Corona. Dieses Jahr habe ich keine Lust zum Bärlauchsammeln . Ich weiß jetzt auch, dass ich mit meinem relativ kleinen Garten mit dem Anbau von Obst, Gemüse, Salat den Sommer und Herbst ohne Zukauf überstehen kann. Hühner u. Ziegen werde ich nicht mehr halten. Auch habe ich das Haus kräftig entrümpelt. Das „Einfache Leben“ von Ernst Wiechert ist mir dabei näher als das entrümpelte Leben einer Marie Kondo. Ich habe Fotos, Tagebücher usw. sortiert.Ein paar Kilos abgenommen.  Aber wozu das Ganze ?Um eine Kreuzfahrt zu machen? Nein !

 „Wir bringen unsere Tage zu wie ein Geschwätz“. Diesen Psalm zitiert Wiechert immer wieder. Er wollte sich alles „von der Seele spülen, was sie beschmutzt, befleckt, erniedrigt“. Das ist doch ein Ziel !!! Und jetzt habe ich eine große Lust auf eine Clanhochzeit, eine Clantaufe oder einen Clangeburtstag. Mit der eigenen Sippe. Mit Freunden. Unter dem Motto von Psalm 90. Ohne Coronaangst.

Eine Feier des Lebens.

Valjean72

17. März 2021 12:15

Gut geschrieben aber folgende Passage:

Von all den politisch inszenierten Aktionen kann nur eine als sinnvoll und nützlich gelten, aber genau sie scheitert in der EU gegenwärtig an Bürokratie und Dilettantismus – eine forcierte Impfkampagne, die das Erreichen der Immunität beschleunigen würde.

sehe ich doch anders. Die Forcierung eines Impfstoffes, zudem eines neuartigen, die Reduzierung seiner Test- und Zulassungszeit bei gleichzeitig medial in Aussicht gestellten freiheitlichen Privilegien für diejenigen, die sich diesen Impfstoff in die Venen spritzen lassen, erachte ich für höchst problematisch und daher alles andere als sinnvoll.

Valjean72

17. März 2021 12:30

Nachtrag:

Liest man folgende Passagen, deren Grundaussage ich teile

Gegenüber der sogenannten Pandemie sollte bewußt werden, daß es eben keine Pandemie ist. So einfach. [...]

Dieses Virus löst aus, was verwandte Viren auslösen, Atemwegserkrankungen eben – mitunter komplizierter Art und dann mit tragischem Ausgang. Man stirbt an Krankheiten, unter anderem an Infekten; es wird dabei bleiben.

dann erschliesst sich mir erst recht nicht, weshalb eine "forcierte Impfkampagne" sinnvoll und nützlich sein sollte.

Hier gilt es mE für jeden abzuwägen zwischen dem Risiko von Schäden, die durch den Impfstoff ausgelöst werden können und dem Risiko der Folgen einer COVID-19-Infektion.

Ich bin für mich zum Ergebnis gekommen, dass ich die Gefahr möglicher Impfschäden höher bewerte als das Risiko der Infektion/Erkrankung. 

bb

Niekisch

17. März 2021 12:32

"Überfremdung, Angst vor kleinen Kopftuchmädchen, Angst vor dem Islam, Angst vor der...... multikulturellen Gesellschaft"

@ RMH 9:30:Darf ich auf das neue Buch des Journalisten und Autors Michael Kraske mit dem Titel: "Tatworte" (bei Ullstein) hinweisen und um Mäßigung bitten? Diese Art von "Hasssprache" , so der Autor, habe auch zur Folge, dass Angehörige von Minderheiten "einem zunehmend offen ausgelebten Antisemitismus und Alltagsrassismus ausgesetzt" seien. Kraske ist der Auffassung, dass nur am demokratischen Diskurs teilnehmen dürfe, wer sich auch an dessen Spielregeln halte. Wieder ein Schritt weiter in die absolute Sprachdiktatur...

So, nachdem ich gerade mit FFP2-Maske beim Friseur war, werde ich gleich Selbergekochtes verspeisen, meinen Waldmarsch absolvieren und später eine mir gut bekannte Intensivpflegerin auf einer Corona- Station anrufen und mir ausführlich berichten lassen, wie sehr sich Covid-19 von einer normalen Grippe unterscheidet.

Laurenz

17. März 2021 12:41

 

@RMH

Sie reden etwas um den heißen Brei, RMH. Die Pseudo- & Angst-Grünen, und das ist interessant, hier zu lesen, erschaffen einfach neue Religionen, wie Weltuntergangs-Szenarien. Die frühere Angst vor der ewigen Verdammnis wird hier einfach mit der Angst vor Ersatz-Wehwehchen ersetzt, und natürlich gibt es auch die Ketzer, uns. Und um den theologisch rechten Glauben zu streiten, kann man im Grunde nicht, weil es keinen rechten Glauben gibt.

Da fallen mir, als Querulanten, nur Ulrich von Hutten & Florian Geyer ein.

Gotlandfahrer

17. März 2021 12:57

1/5 (Lockdown…)

Herr Bosselmann, für das häufige Lüften hier im Dōjō gilt auch Ihnen mein Dank. So darf ich nun wieder mein Schattenboxen verrichten, was wäre ein Tag ohne Übung?

„Irrtümer [sind] kraft genauer Wahrnehmungen, mit gesundem Menschenverstand und einem darauf aufbauendem, einem kritisch genauen Denken zu klären.“

Genau das ist fruchtlos soweit es um Irrtümer geht, die sich auf den eigenen Status (= Sicherheit = Angstbewältigung) in einer für den Einzelnen lebenswichtigen Gruppe auswirken. Mit dem „Endsieg-Irrtum“ sollte dieses Phänomen gut beschrieben sein, alternativ bietet sich auch die Idee vom „wissenschaftlichen Marxismus“ an.  „Klären“ kann man den Irrtum schon, aber es ist nicht hilfreich, um „inkonsequentes denken“ zu heilen. Die meisten Menschen WOLLEN nicht konsequent denken.  Dies ist die evolutorische Konsequenz des Menschen als Gruppenwesen, das IMMER hierarchisch eingebettet ist.  Nur Menschen, die entweder eine Unabhängigkeit von dieser Einbettung empfinden (Eremiten, Waldspaziergänger, seelische Selbstversorger), oder solche, die in die Machtstrukturen eingreifen wollen (sich also des Risikos bewusst sind), u.a. womöglich, weil sie sich ohnehin als Teil einer anderen, für sie heilsbringenderen Untergruppe empfinden (z.B. der Résistance oder der Frühchristen, sind bereit, ihre knappe Energie für konsequentes Denken und dann sogar Sprechen und Handeln einzusetzen. 

Gotlandfahrer

17. März 2021 12:57

2/5

Alle anderen fuhren „schon immer“ besser damit, eine kognitive Dissonanz gar nicht erst wahrzunehmen.  Je ausgebildeter in Abstraktismus, desto geschickter gelingt die Fortschreibung funktionalistischer Traumwelten.  Denn für den Einzelnen existenzvernichtende Gruppenirrtümer, die nicht vor ihrer finalen Auswirkung ohnehin von ambitionierten Konkurrenten der irrtumspflegenden Machtinhaber abgewendet wurden, waren stets die Ausnahme im zumeist von Alltag geprägten Dasein.  Es ist noch immer jut gejangen, sagt sich der, der es noch sagen kann.  Und der, der es nun besser wüsste, konnte diese Erfahrung nicht weiterreichen.  In Summe verblieb es in einem beliebigen Paket „Schicksalsgemeinschaft xy“ bei der stets gleichen Verteilung von ererbten Neigungen zu „konsequentem Denken“.

Insofern gilt auch für Sie, hochgeschätzter Herr Bosselmann, dass Sie sich wund argumentieren können. Selbst die empörtesten, aufgrund himmelschreienden Wahnsinns auch emotional von jedermann nachvollziehbaren und angesichts glasklar benannter „Fehler“ und „Lügen“ „gerechtfertigsten“ Rücktrittsforderungen an „die da oben“, stabilisieren die Strukturen.  „Fehler“ und „Lügen“ werden bei Mächtigen akzeptiert, man meckert, ja, weiß doch aber, dass man selbst nicht perfekt ist.  Und ist es nicht gerade Ausdruck der bestmöglichen aller Gesellschaften, dass die Politiker alle „wie wir sind“, also fehlerhaft und egoistisch?

Gotlandfahrer

17. März 2021 12:58

3/5

Können Sie es besser machen? Wo es doch dem Schutze der Gesundheit dient? DAS kann ja niemand bestreiten!  Und wenn doch: Um was für eine Bedrohung soll es sich bitte handeln? Wer sind Sie, alles GRUNDSÄTZLICH als falsch und gefährlich zu beschreiben? Das hieße ja, nein, das wäre nicht auszudenken… konsequent zu denken.

Wer noch kritisiert, kommuniziert und anerkennt damit dem Grundsatz nach. DAS muss aufhören.  Wem immer noch nicht klar ist, mit wem wir es zu tun haben, dem ist nicht zu helfen. Wer erst AfD, dann Grün wählt: Was soll ich mit dem anfangen?

Um einen Bogen zu BKs Wahlanalyse zu schlagen, also zu einer Art „konsequentem Denken“ in Bezug auf Parteienpositionierung: Das kann man schlichtweg alles vergessen, so beeindruckend richtig das alles ist.  Was hier in verzweifeltem Zorn von uns allen jeden Tag vergeblich versucht oder zumindest „angedacht“ wird, ist die unmögliche Beantwortung der Frage: Wie können wir die nichtkonsequent Denkenden, also die selbst machtunambitionierten Mitläufer, dazu bewegen, als Masse den Job zu machen, den schon immer nur machtambitionierte Konkurrenten der Herrschenden – unter Inkaufnahme der entsprechenden Risiken – gemacht haben?  Demokratie ist eine bezaubernd edle Sache, der mein ganzes staatsbürgerliches Streben gebührt, nur strukturell völlig ungeeignet, einmal gekaperte Institutionen wieder in ihren ordnungsgemäßen Zustand zurückzuversetzen. Es bräuchte einen Even Greater Reset. 

Gotlandfahrer

17. März 2021 12:59

4/5

Viele setzten Hoffnungen wohl auf den Schwarmeffekt, dem Vorbild- und Impulsgeben.  Ich erinnere noch den Vortrag von Herrn von Waldstein, der das Bild bemühte, wie erst ein, zwei Vögel eine Startbewegung vollziehen und dann plötzlich alles in Bewegung kommt und zusammen davonfliegt.  Mittlerweile glaube ich, das trifft es in unserer Situation nicht, da es beim aufbrechenden Schwarm gerade nicht um einen Impuls geht, der im Konflikt zu den Instinkten der Masse steht, sondern eben nur das „Dabeibleibenwollen“ triggert, ohne dass es dabei gegenläufige Signale aus etablierter Herrschaft gibt (es schreit ja kein Leitvogel „bleibt gefälligst alle hier“).  Hingegen glaube ich zwar weiterhin, dass es die Instinkte sein werden, die im immer größer werdenden Konflikt zwischen Herrschaftserzählung und Erleben zu „Aufbruchstimmung“ führen werden, dann aber nicht in einem „Dabeibleiben-“ oder „Hinwechselnwollen“ sondern eher einem „Rette sich wer kann“ münden.

Es macht also keinen Sinn, an der Umkehr der Mitläufer zu arbeiten, erst recht nicht, solange ihnen noch aus dem Nachlass genug Brot und Tand gereicht wird (= grünliberales „Gewinnerbürgertum“).  Auf Entsatz braucht ebenfalls nicht gehofft zu werden, sowenig wie irgendein Skywalker durch heldenhaftes Navigieren den Todesstern ausschalten wird (dabei muss ich gerade an Prien und Scapa Flow denken, hat ja auch nix gebracht).

Gotlandfahrer

17. März 2021 12:59

5/5

Was also tun? Aus dem Ostpreußischen Tagebuch von Hans Graf von Lehndorf erinnere ich eine Szene in der seit Monaten belagerten, fast rund um die Uhr beschossenen „Festung“ Königsberg, wie dieser gottestreue Arzt einen höheren Offizier zu einem Durchhalteplakat fragt, warum man das alles noch tue?  „Haben Sie eine bessere Idee?“ fragt dieser sinngemäß zurück. „Beten?“ antwortete dieser.  Nun immerhin war es von diesen beider der Arzt, der es später noch niederschreiben konnte.

Ansonsten schwelge ich weiterhin in der Idee der Heimatvereine, Gleichstellungsinstitute für den deutschen Großclan auf dem BRD-Weltboden, die ich gestern kurz darreichen durfte, die das Leben nach eigenen Satzungen regeln.  Dies käme immerhin dem Zurückziehen der Germanen vor den brandschatzenden Römern gleich.  Lasst sie ihre Hurenstädte bauen, das Robuste schlägt langfristig immer das Morbide.  „Sich entziehen“, damit, Herr Bosselmann, habe ich am Ende ja wieder zu Ihnen gefunden.

Caroline Sommerfeld

17. März 2021 13:06

Ein lehrreiches Stückchen über den "Das-ist-doch-nur-was-sie-wollen"-Fehlschluß. Wenn ich seit einem Jahr "so gut wie nie" (Zitat mein Mann) koche, nach Schnellrodaer Rezept Sauerteigbrot backe, Fußmärsche durch Wien absolviere zur körperlichen und vor allem seelischen Ertüchtigung, wenn ich lese was das Zeug hält, die Knaben und den langflorigen Gatten selber schere und der Mittlere sich am Dachboden ein Boxstudio einrichtet, dann tun wir doch "nur was sie wollen". Siehe Schwab/Malleret: "Während der Lockdowns waren viele Verbraucher gezwungen zu lernen, Dinge selber zu machen  (Brot backen, selbst kochen, Haare schneiden usw.) und hatten das Bedürfnis, sparsam mit dem Geld umzugehen. Wie fest werden sich diese neuen Gewohnheiten und Formen des „Do it yourself“ und des Eigenverbrauchs in der Zeit nach der Pandemie etablieren?" (S. 181)

Caroline Sommerfeld

17. März 2021 13:06

Teil 2:

Der Fehlschluß besteht im Wörtchen "nur". Man zwingt uns zum "Do-it-Yourself". Wenn ich alles mögliche selbermache, willfahre ich den Zwingherren. Wenn ich auch noch gern koche, gern Zeit mit den Kindern verbringe und "kreativ" (Schudderwort!) werde, dann lachen sie sich ins Fäustchen. Oder?

Der Unterschied liegt in der freien Annahme des Zwangs. Bosselmanns "Dagegenhalten" ("Vital" gehört auf die Müslipackung und die Keimsprossenbox) besteht genau darin, sich innerlich freizumachen vom Zwang. Geistige und körperliche Übungen, Frühlingserwachen, Tätigsein der Hände sind, faßt man sie in einem widerständigen Geist auf, hervorragende Mittel zur innerlichen Kräftigung. Es gibt indes nahezu unendlich viele Möglichkeiten, diese Mittel falschen Zwecken unterzuordnen. Zum Beispiel denen von Herrn Schwab.

Niekisch

17. März 2021 13:08

"weil es keinen rechten Glauben gibt"

@ Laurenz 12:41: Es reicht, dass er deutsch ist und wir ihn endlich in Angriff nehmen. "Ein feste Burg sei unser Glaube"...Wir können hier zurückschauen: Hätte sich eine frühere politische Bewegung als Glaubensbewegung ohne politische Ambitionen etabliert, dann existierte sie vielleicht noch heute und in Zukunft. Einen Messias hatte sie ja...

Loki

17. März 2021 14:35

"Mit dieser radikalen Vereinfachung, einer glatten Verneinung der Expertokratie-Richtlinien, wiche die Angst und man käme auf handlungsfähigen Abstand zur staatlichen Hysterie."

Fraglich, ob dies so gewünscht ist. Wenn nicht, und danach sieht es aus, so läuft es doch geradewegs nach Plan. Wirtschaftliche Überlegungen spielen in dieser Phase der Umstellung gar keine Rolle. Mit dieser Überlegung tun sich viele schwer, aber man kann kein System umstellen, ohne Verwerfungen vorzunehmen. Wenn es so ist, wie sie sagen, dass wir gar keine Pandemie haben, und da stimme ich ihnen vollumfänglich zu, denn die Sterberate gibt dies nicht her, dann bleibt zu fragen, was das Ganze soll?! Man muss ein Tohuwabohu erzeugen, um etwas abzuschaffen, woran die Menschen festhalten, dann rückt man mit dem Neuen heraus und stellt es als "Alternativlos " dem Volk dar. 

Uwe Lay

17. März 2021 17:00

Ein Aufklärungsmärchen:

Ein Schaf erklärte seinen Mitschafen, daß nur die sie Beherrschenden das Märchen von dem fleischfressenden Wolf erfunden hätten, um so die Verängstigten in der Herde zu halten als immer Gehorsame. Ein schönes Narrativ-nur wehe dem Schaf, das darauf vertrauend dem Wolf entgegentritt! Jedes soziale Gemeinwesen muß so repressiv sein a)wegen der Bedrohung des Menschen durch die externe Natur (man muß Deiche gegen Sturmfluten bauen) und b)gegen seine internen des Menschen eigenen Destruktionsneigungen. Hier ist Angstabbau gemeingefährlich! Das Schüren von Ängsten wäre nur dann immer etwas rein Ideologisches, gäbe es keine Gefahren für den Menschen, keine Wölfe, um im Bild zu bleiben .

Zusatz: Der Staat, sein Gewaltmonopol ist eine kulturelle Höchstleistung zur Bannung solcher Gefahren.

Uwe C. Lay

Laurenz

17. März 2021 18:24

@Uwe Lay

"Angst"

Wie schön öfters bemerkt, wir stammen von Feiglingen ab. Nur wer weglief, pflanzte sich fort.

Andererseits endet das Leben immer tödlich, von daher braucht man sich hier nicht allzu große Sorgen machen, weil man gar vergessen würde.

Und irgendwann sind Ihre Schafe aufgefressen, und der Bär frißt auch Wölfe.

Niedersachse

17. März 2021 22:00

Um sich das Ausmaß der gesellschaftlichen Verwerfungen einmal vor Augen zu führen, genügt häufig ein Blick in das eigene Umfeld. Zuweilen unversöhnliche Gegensätze prallen aufeinander, Freundschaften zerbrechen, Belegschaften sind gespalten, es herrscht Streit innerhalb der Familie. Die einen fühlen sich von den Maßnahmen geschützt, wieder andere bevormundet. Dabei muss einfach klar gesagt werden, dass - auch wenn das natürlich jede Seite von sich behauptet - die Faktenlage ganz klar auf Seiten der Kritiker ist. Wenn eine Regierung mit einer solchen Intensität Propaganda betreibt, wenn Kritiker wie Friedrich Pürner (ehemaliger Chef des bayerischen Gesundheitsamts) oder Christoph Lütge (ehemaliges Mitglied des bayerischen Ethikrates) zwangsversetzt oder von ihren Aufgaben entbunden werden, dann ist die gesamte Vorgehensweise der Regierung von Anfang an ein abgekartetes Spiel. Ein faktenbasierter Diskurs mit Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen war von Beginn an nicht geplant. Vielmehr hatte die Regierung eine Agenda und dementsprechend wurden die Experten zusammengekauft. Diese Propaganda geht nun ein ganzes Jahr und trifft dabei auf eine in weiten Teilen infantile, obrigkeitshörige Gesellschaft, die es verlernt hat, ihrem  Verstand zu vertrauen. Mehr noch, der politisch/ mediale Komplex  ist wie "Rockzipfel" für diese Menschen, die versuchen, sämtlich unverschämte wie belustigende Maßnahmen peinlich genau umzusetzen. Momentan bleibt uns nicht viel mehr, als "Inseln der Vernunft" zu bilden und Gleichgesinnte um uns zu scharen.

links ist wo der daumen rechts ist

18. März 2021 00:44

Die Kunst der Nuance 1 / Nur ein Wörtchen noch...

 

@ CS
Zitat:
Wenn ich seit einem Jahr "so gut wie nie" (Zitat mein Mann) koche...

Eigenartig, für meine, ein schlampiges Hochdeutsch gewöhnten österr. Ohren klang das wie: "Ich koche kaum."
Und wer in den Genuß der Lethen jr.-Sommerfeldschen Kochkünste kam, weiß, was einem da entginge.
Fehlt da etwa ein Wörtchen, ein Quentchen, eine Prise?
Müßte es korrekterweise nicht ungefähr so heißen: "Ich koche so gut wie nie zuvor" oder "ich koche so gut wie noch nie".

Es soll also im Folgenden um die (Kunst der) Nuance gehen.
Oder um den Gehörsinn von Eidechsenohren, wie das etwa Manfred Frank auf geniale Weise in seinen Frühromantik-Vorlesungen anhand der Interpretation der Tieckschen Magelonenlieder durch Brahms aufgezeigt hat.
Oder um den Unterschied, den der ebenfalls geniale Theweleit in einem seiner Bände der "Buch der Könige"-Trilogie als Unterschied zwischen einem schroffen, preußisch-wilhelminischen "Was fällt Ihnen ein!" und einem sanften, wienerisch-freudianischen "Was fällt Ihnen dazu ein?" formuliert hat.

ff
 

links ist wo der daumen rechts ist

18. März 2021 00:48

Die Kunst der Nuance 2 / Nietzsche

 

Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse. Zweites Hauptstück. Der Freie Geist 31-40
Werke in drei Bänden, Band 2, S. 596

Man verehrt und verachtet in jungen Jahren noch ohne jene Kunst der Nuance, welche den besten Gewinn des Lebens ausmacht, und muß es billigerweise hart büßen, solchergestalt Menschen und Dinge mit Ja und Nein überfallen zu haben. Es ist alles darauf eingerichtet, daß der schlechteste aller Geschmäcker, der Geschmack für das Unbedingte, grausam genarrt und gemißbraucht werde, bis der Mensch lernt, etwas Kunst in seine Gefühle zu legen und lieber noch mit dem Künstlichen den Versuch zu wagen: wie es die rechten Artisten des Lebens tun. Das Zornige und Ehrfürchtige, das der Jugend eignet, scheint sich keine Ruhe zu geben, bevor es nicht Menschen und Dinge so zurechtgefälscht hat, daß es sich an ihnen auslassen kann – Jugend ist an sich schon etwas Fälschendes und Betrügerisches. Später, wenn die junge Seele, durch lauter Enttäuschungen gemartert, sich endlich argwöhnisch gegen sich selbst zurückwendet, immer noch heiß und wild, auch in ihrem Argwohne und Gewissensbisse: wie zürnt sie sich nunmehr, wie zerreißt sie sich ungeduldig, wie nimmt sie Rache für ihre lange Selbst-Verblendung, wie als ob sie eine willkürliche Blindheit gewesen sei! 

[Hervorhebungen @ links ist...]
 

Monika

18. März 2021 09:58

@ Sommerfeld 

Beim „einfachen Leben“ sollte es selbstverständlich um die freie Annahme gehen. Zur Not  kann man aus der Not eine Tugend machen. Wir sollten aber  nicht tun, was s i e wollen ! Auf dem Weltwirtschaftsforum  soll ja der Satz von Schwab gefallen sein: „Sie werden nichts besitzen und glücklich sein“. Die Linke will gar ein „einfaches Leben für alle“ durch Verteilung des Reichtums. Also sollte man genau unterscheiden, wer da von den Vorzügen des einfachen Lebens redet. Es kommt halt auf die Nuancen an. @ links Ich habe tatsächlich gedacht, dass Frau Sommerfeld kaum noch kocht 😀🤔und mich gewundert. Ich koche fast täglich und ebenfalls „so gut wie nie“. Auch beim einfachen Leben gibt es diese Nuancen.

Im Moment will ich einfach nur leben, auch wenn ich einfach leben muss.

Kommentar Sommerfeld: Genau das war der Schmäh! Mein Mann telefonierte mit dem Ältesten und sprach: "Die Mama kocht so gut wie nie." Drauf er: "Und wer kocht dann?" Mit dem Ältesten diskutierte ich auch einmal über einen (sauteuren) Verpackungsfrei-Einkaufen-Laden in unserer Straße. Ich kaufe natürlich gern verpackungsfrei, aber aus anderen Gründen, nicht, weil die Klimalobby es uns reindrückt.

Franz Bettinger

18. März 2021 11:25

@Valjean: Zu Ihrer völlig richtigen Risikoabwägung: Das Risiko, an der Impfung zu sterben, ist 250 mal höher als das Risiko, an Corona zu sterben. Dies gilt für Menschen unter 70. Für Menschen über 70 ist die Zahl 45. (Die Quelle dazu finde ich momentan nicht. Sie stammt aus und bezog sich auf eine Studie im Viel-Impfland Israel.)

Imagine

18. März 2021 12:06

1/2

Die Gesellschaft hat sich gewandelt und damit die Vorstellungen über Beziehungen, Familie, Kinder, Beruf, Religiosität, Sexualität, künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft, Social Freezing, Schwangerschaftsabbruch usw.

Die rechte Milieu gerät mit seinen Vorstellungen von Lebensplanung, normalen Leben und Moral immer mehr in eine Minderheitenposition.

Insofern ist ein „Aussteigerprojekt“, das reservatähnliche Kontexte bilden möchte, durchaus eine Möglichkeit, das Leben zu leben, was man führen möchte.

Es gab auf der Welt unzählige Projekte dieser Art. Bekannt sind beispielsweise die Amish People oder die sozialistischen Kibbuzim.

Für mich wäre das, was Bosselmann thematisiert, nichts. Das einfache Leben habe ich als Kind in der Nachkriegszeit erlebt. Damals gab es noch teilweise Subsistenzwirtschaft. Viele der Neubauwohnungen in den 50-er Jahren hatten noch Gärten, zudem entstanden große Schrebergärten. Diese familiäre Mikro-Landwirtschaft war eine große Plagerei. Als Kinder hassten wir das.

Die Armutsverhältnisse durch die viel zu niedrigen Löhne zwangen uns lange Zeit zu ständiger Sparerei.

Imagine

18. März 2021 12:07

2/2

Ich bin froh, dass ich diesen Verhältnissen entkommen bin. Eigentlich würde ich gern bürgerlich leben. Mit schöner Villa und Dienstpersonal. So wie Heinz Rühmann als Arzt in den Filmen der 50-er Jahre. So wie auch die Akademikerkinder in meiner Klasse lebten.

Aber dorthin kommt man trotz erstklassiger Qualifikation in dieser Gesellschaft schon lange nicht mehr, jedenfalls nicht mit ehrlicher und sozial nützlicher Arbeit. Aber gerade das war mir immer wichtig, ein anständiger und prosozialer Mensch zu sein und nicht Teil jenes anti-sozialen, verlogenen, parasitären und gierigen Establishments.

Aber ich würde nicht wie Bosselmann in die „Platte“ oder in den „sozialen Wohnungsbau“ ziehen wollen, im Schrebergarten wühlen und mich über Selbstangebautes freuen, auf mein schönes Auto und mein Motorrad verzichten und Fahrrad benutzen.

Ich würde auch keinen Sinn darin sehen, im Lebensstandard unter die derzeit 500.000.000 Mittelschicht-Chinesen zu fallen, die alle ein Auto und eine Eigentumswohnung besitzen.

Niekisch

18. März 2021 18:02

" Eigentlich würde ich gern bürgerlich leben. Mit schöner Villa und Dienstpersonal. "

@ Imagine: Aha, jetzt ist die Katze aus dem Sack!

Mirko

18. März 2021 18:43

A propos Denkfehler: wenn die Pandemie nicht echt ist, dann gibt es auch keinen Grund für Massenimpfungen. Warum nimmt derAutor kritiklos hin, dass wir zu Laborratten gemacht werden sollen?

Laurenz

18. März 2021 18:55

@Imagine

Imagine, der Wein liebende Bourgeois, der Wasser predigt, Wasser saufen muß, aber gerne feudaler Gulag-Chef wäre & in Wein baden will.

Imagine

18. März 2021 19:36

1/2

@Niekisch

Selbstverständlich will ich als ein humanistisch-emanzipatorischer Mensch gut leben.

Jeder Fisch schwimmt dorthin, wo er sich wohlfühlt.

Aber als christlich-sozialistisch orientierter Mensch will ich dazu nicht andere Menschen oder Völker niederkonkurrieren, verknechten oder versklaven, was rechte Sozialdarwinisten und Liebhaber des Kapitalismus wollen.

Selbstverständlich bin ich für das Leistungsprinzip, ich will, dass prosoziales Handeln, wovon die Gesellschaft profitiert, belohnt wird,.

Die Fähigkeit, aus Geld mehr Geld zu machen durch Übervorteilung, Ausbeutung und Betrug anderer Menschen, was das Grundprinzip des Kapitalismus ist, will ich nicht belohnen.

Deshalb will ich ein anderes System und eine andere Eigentumsordnung.

Großer Reichtum wird in der kapitalistischen Gesellschaft hauptsächlich nicht durch Leistung, sondern durch leistungsloses Erben - wie im Feudalismus - erworben.

Was haben denn Friede Springer, Liz Mohn, Johanna Quandt und ihre Kinder Susanne Kladden und Stefan Quandt geleistet? Für welche Leistung kassieren sie jedes Jahr Einkünfte in Milliardenhöhe aus BMW-Aktienvermögen?

Auf welcher Leistung beruht das Vermögen der Burda-Kinder Jacob und Elisabeth in Höhe von jeweils 1,2 Milliarden USD?

Imagine

18. März 2021 19:36

2/2

Was ich bei den Rechten – zumal wo die meisten selbst zur Klasse der arbeitenden Menschen gehören - nicht verstehe, ist, dass sie Parteigänger eines Systems sind, welches vom Prinzip her extrem leistungsfeindlich und anti-sozial ist.

Ein System, welches für die Vermögensbesitzer – wie im Feudalismus – ein leistungsfreies Einkommen ermöglicht, aber nicht diejenigen belohnt, die mit ihrer Arbeit das Funktionieren der Ökonomie aufrechterhalten und den gesamtgesellschaftlichen Reichtum schaffen.

Was geht in deren Köpfen der Rechten vor?

Imagine

18. März 2021 19:48

@Laurenz   18. März 2021 18:55

Vermutlich merken Sie gar nicht, was Sie für hirnloses Zeug von sich geben.

Ich habe nie Wasser gepredigt, sondern bin für ein System, das mehr Wohlstand und Freiheit für alle ermöglicht - mit Ausnahme der Sozialparasiten und Verbrecher.

Ich bin nicht Tebartz-van Elst, der Ex-Bischof von Limburg.

Ich gehöre nicht zu jenen „Volksvertretern“, die Leistung und Maßhalten predigen, selbst aber korrupt sind und sich maßlos die Taschen vollstopfen.  

links ist wo der daumen rechts ist

19. März 2021 01:07

Die Kunst der Nuance 3 / Phasenverschiebungen

 

@ CS
Kochkünste.
Okay, alles klar, Schmäh reimt sich auf Dreh (Letzteres wienerisch für Dialektik).

Aber zurück zur Kunst der Nuance.
Mein Nietzsche-Zitat sollte gezeigt haben, daß eine nuancenhafte Verschiebung wesentlich wirksamer ist als der "Geschmack für das Unbedingte" (woran ein Gutteil des neurechten Diskurses krankt - Spielarten des letzten Gefechts inkl. Geschichtsklitterungs-Mummenschanz).
So war auch der von einem "engen Freund" (?) in der DLF-Sendung über HL beschriebene polternde Auftritt von CS bei einer Veranstaltung mit Theweleit vermutlich weniger "wirkmächtig" als, formulieren wir es keck, Theweleits Widmung - mir zuliebe - in Degrelles Memoirenband...
Literarisch-philosophisch hat dieses Wenige, in dem alles entschieden wird, am schönsten der geniale Werner Hamacher in seinem Aufsatz über Schlegels Satz "Nichts ist noch gesagt" formuliert.
Ins Polit-Philosophische übertragen entspricht dem die Tatsache, daß die beinah unmerklichen Phasenverschiebungen im politischen Spektrum Richtung rechts von (ehemaligen) Linken stammen, die man heute durchwegs als nicht-renegatenhafte Konservative bezeichnen kann: Sloterdijk, Enzensberger, Walser, Kluge, Glotz, Sarrazin.

Wer das "Wirkmächtigwerden" dieser Ideen verhindert, sind die Unbedingten auf beiden Seiten des Spektrums.

Niekisch

19. März 2021 11:40

"Jeder Fisch schwimmt dorthin, wo er sich wohlfühlt."

@ Imagine: Dieser fischige Hedonismus gilt für mich nicht in Zeiten wie den jetzigen. Ansonsten stimme ich Ihnen zu, gehe sogar noch weiter, dass Land nur zu Lehen vergeben wird und nach dem Tode an die Gemeinschaft zurückfällt. Größere Erbschaften müssen hoch besteuert werden, damit nicht neue Generationen von Nichtsnutzen heranwachsen. 

Laurenz

19. März 2021 13:43

@Imagine @Laurenz

"Ich bin nicht Tebartz-van Elst, der Ex-Bischof von Limburg."

Da haben wir aber Glück gehabt, nicht? Oder hatten Sie vielleicht Glück?

Tebartz-van Elst ist übrigens immer noch Bischof, zuzüglich der anderen "tausend" Ämter, die er innehält, u.a. eine Professur für Rhetorik & Volksbespaßung, seine halbe Familie ist übrigens in vergleichbaren Metiers tätig.

"Was haben denn Friede Springer, Liz Mohn, Johanna Quandt und ihre Kinder Susanne Kladden und Stefan Quandt geleistet?"

Jeder kann seinen Besitz demjenigen vermachen, den er wählt. Und nur wenige sind zum Unternehmer geschaffen. Und ohne Unternehmer sind wir nichts.

" Mit schöner Villa und Dienstpersonal."

Das haben Sie geschrieben. Und wenn Sie jedem auf dem Planeten dieses Vergnügen gönnen wollen, wer stellt dann das Dienstpersonal?

Imagine

19. März 2021 16:12

@Laurenz   19. März 2021 13:43
" Mit schöner Villa und Dienstpersonal."
Das haben Sie geschrieben. Und wenn Sie jedem auf dem Planeten dieses Vergnügen gönnen wollen, wer stellt dann das Dienstpersonal?“

(...)

Denn ich schrieb, dass ich eine Gesellschaft möchte, in der das Leistungsprinzip gilt, und zwar orientiert an prosozialen Leistungen. Wer Positives für die Gesellschaft leistet, soll entsprechend belohnt werden.

Da steht nichts davon, dass jeder eine schöne Villa und Dienstpersonal bekommen soll.

Eine echte sozialistische Leistungsgesellschaft ist für Sozialschmarotzer und Betrüger, die mit cleverem Geschäftsmodellen schnelles Geld machen wollen, ein Gräuel.

Weil die Marxisten den Sozialschmarotzern und Betrügern ihre Geschäftsmodelle verunmöglichen wollen, hassen sie diese. Und behaupten realitätswidrig, den Marxisten ginge es um Gleichmacherei, obwohl Marx ein entschiedener Gegner davon war.

Laurenz

20. März 2021 06:13

@Imagine @Laurenz (1)

Bin zwar Hedonist & kein Spartaner, wie HB, aber wie fast alle Kinder von Kriegs-Kindern, mit dem Trauma der optionalen Besitzlosigkeit geschlagen. Trotz dieses Syndroms, nichts wegschmeißen zu können oder zu wollen, habe ich es geschafft, meinen weltlichen Besitz radikal zu minimieren. Am schwersten fällt die Trennung von Büchern. Der Boden meiner Wohnung ist zwar gefließt oder mit echtem Parkett gestaltet, im Gegensatz zu HBs Platten-PVC, aber ich lebe auf 42qm & würde mit keiner Villa tauschen, auch wenn meine kleine Wohnung zu einer Villa gehört & und ich einen wunderbaren Blick auf Garten & Friedhofsgrün genießen kann. Besitz belastet nur.

Sie hingegen, Imagine, sind vom Neid auf die Quants & Co., die quasi in meiner Nachbarschaft leben (Gruß @ limes), zerfressen. Das lese ich, wie @Niekisch auch, in Ihren Zeilen.

Laurenz

20. März 2021 06:26

@Imagine @Laurenz (2)

Die Problematik der Besteuerung von Erbschaften ist mir wohl bewußt, aber diese sozialistische Besteuerung von Erbschaften, wie in den USA, die von Ihnen, Imagine, & Niekisch präferiert wird, lehne ich ab. Unternehmer-Nachkömmlinge haben in der Regel jetzt schon eine entsprechende Erbschaftssteuer aufzubringen, die ohne Zerschlagung des Unternehmens kaum aufzubringen ist.

Solange das Unternehmen im Familienbesitz bleibt, sollte der Erbe dafür keine! Erbschaftssteuer zahlen müssen, natürlich für vererbte private Mittel schon. Nur, wenn der Erbe des Unternehmens das Unternehmen veräußert & er sich der unternehmerischen Verantwortung entzieht, muß hart besteuert werden.

Würden die Quants ihren Aktien-Anteil an BMW verkaufen, passierte gar nichts, weil SPD & Pseudo-Grüne die Veräußerungsgewinne beim Verkauf von Kapital-Gesellschaften steuerfrei gestellt haben. Damit haben die Sozis wieder mal einen weiteren Verrat an ihrer Wähler-Klientel begangen.

Und Sie, Imagine, sollten mal von Ihrem links-feudalen Neu-Wandlitz-Trip runterkommen.