Netzfundstücke (82) – Wende, Löschung, Antilopen

Die meisten Interviews, die Björn Höcke bisher gab, liefen letztlich auf den Punkt hinaus, ihn in eine direkte Linie mit dem NS zu stellen.

Im neu­en Inter­view-For­mat des Bür­ger­netz­werks Ein Pro­zent e.V. »Wen­de­zei­ten« gab man ihm nun den Raum, sich aus­gie­big selbst zu erklä­ren und sei­ne poli­ti­schen Zie­le, ohne Ver­kür­zun­gen und des stän­di­gen Ver­suchs, ihn zu »stel­len« und zu »ent­tar­nen«, darzulegen.

»Wen­de­zei­ten« will die Unsit­te des links­li­be­ra­len »Jour­na­lis­mus«, fort­wäh­rend ins Wort zu fal­len und den Gast auf die Ankla­ge­bank vor den eige­nen, als hehr ver­stan­de­nen Prin­zi­pen zu zer­ren, behe­ben und damit dem Zuschau­er Infor­ma­tio­nen bie­ten, die er im abge­nutz­ten Talk­show- und Inter­view-Zir­kus der Bun­des­re­pu­blik nicht bekommt.

In der Auf­takt­fol­ge ist das bereits geglückt: Höcke gibt im Gespräch mit dem »Ein Prozent«-Vorsitzenden , Phil­ip Stein, tie­fe Ein­bli­cke in den Maschi­nen­raum der Thü­rin­ger AfD-Frak­ti­on und erklärt, was ihre Her­an­ge­hens­wei­se an die Poli­tik im Ver­gleich zu ande­ren AfD-Frak­tio­nen so beson­ders macht. Dar­über hin­aus erfährt man Details zu sei­nem Eltern­haus, des­sen Ver­trie­be­nen­his­to­rie auch noch bei ihm Spu­ren hin­ter­las­sen hat.

Wer hören will, was Björn Höcke zu sagen hat, wenn man ihn aus­re­den läßt, der soll­te hier unbe­dingt reinschauen:


Wäh­rend das eine »Ein Prozent«-Format kommt, wer­den zwei ande­re ver­bannt. Am Don­ners­tag den 25. März lösch­te You­Tube bzw. Goog­le zuerst die neue Erklär­sen­dung »Wir klä­ren das!« mit AfD-Jung­po­li­ti­ke­rin Marie-Thé­rè­se Kai­ser, bereits einen Tag dar­auf sperr­te der Groß­kon­zern dann das alt­ge­dien­te Sen­dungs­flagg­schiff »Laut Gedacht«.

Iro­ni­scher­wei­se voll­zog Goog­le just dann die Löschung, als die neus­te Fol­ge »Wir klä­ren das!« zum Phä­no­men der Can­cel Cul­tu­re erschien. Der Kon­zern demons­trier­te damit die pro­ble­ma­ti­schen Aus­wüch­se der um sich grei­fen­den Zen­sur-Men­ta­li­tät nach­drück­lich selbst.

In Zei­ten der Digi­ta­li­sie­rung stellt das inso­fern einen erheb­li­chen Ein­griff in die Mei­nungs­frei­heit dar, als die Sozia­len Medi­en wie auch das Video­por­tal You­Tube zu essen­ti­el­len Platt­for­men der Mei­nungs­äu­ße­rung gewor­den sind. Face­book, Goog­le und Twit­ter genie­ßen auf die­sem Feld eine unan­ge­foch­te­ne Monopolstellung.

Dadurch sind ihre Ange­bo­te qua­si digi­ta­le Markt­plät­ze – wer von ihnen ver­bannt wird und in den Main­stream-Medi­en zusätz­lich kon­se­quent aus­ge­blen­det wird, der fin­det qua­si in der Öffent­lich­keit nicht mehr statt. Man hat ihn in eine Echo­kam­mer verbannt.

Gegen Kri­tik an die­sem Vor­ge­hen führt das polit-media­le Estab­lish­ment ger­ne das »Argu­ment« ins Feld, daß man sei­ne Mei­nung ja frei äußern kön­ne, man müs­se dann eben nur mit den Kon­se­quen­zen leben – die­sen Ein­wand »zynisch« zu nen­nen, ist fast noch untertrieben.

Fer­ner wird in die­sem Kon­text auf die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit der Kon­zer­ne abge­stellt: Das greift viel zu kurz und offen­bart viel­mehr eine kind­lich-nai­ve Vor­stel­lung bezüg­lich der rea­len Macht­ver­hält­nis­se auf dem Markt und wie die­se Macht für die eige­nen poli­ti­schen Inter­es­sen scham­los ein­ge­setzt wird.

Die Pro­ble­me, mit denen alter­na­ti­ve Platt­for­men wie Par­ler oder Gab.ai zu kämp­fen haben, stel­len dies nach­drück­lich unter Beweis. Wie dem auch sei, Ein Pro­zent hat vor­ge­sorgt und auf den paar exis­tie­ren­den Echokammer-»Alternativen« bereits die »Wir klä­ren das!«-Folgen als auch die »Laut Gedacht«-Sendungen hochgeladen.

Hier geht es zum Frei3-Kanal von »Wir Klä­ren Das!«:

Frei3-»Wir Klä­ren das«

Hier zum Ody­see- und Frei3-Kanal von »Laut Gedacht«:

»Laut Gedacht« auf Odysee

»Laut Gedacht« auf Frei3


Bei­spie­le, die ver­an­schau­li­chen, wie die poli­ti­schen Macht­ver­hält­nis­se in der BRD real aus­ge­stal­tet sind und was sich Per­so­nen erlau­ben kön­nen, die auf der »rich­ti­gen« Sei­te ste­hen, gibt es zuhauf. Am Frei­tag kam nun ein wei­te­res dazu: Das neue Musik­vi­deo des Rap­pers Dan­ger Dan (bür­ger­lich Dani­el Pongratz), Teil der lin­ken Rap­grup­pe Anti­lo­pen Gang, die ähn­lich wie die Ber­li­ner KIZ aus ihrer anti­fa­schis­ti­schen Gesin­nung kei­nen Hehl machen und mit ihr – im BRD-Kul­tur­be­trieb gibt es für sol­che Posi­tio­nie­run­gen neben leicht ver­dien­tem Applaus ger­ne auch die ein oder ande­re kul­tur­po­li­ti­sche Zuwen­dung – mun­ter hau­sie­ren gehen.

»Das ist alles von der Kunst­frei­heit gedeckt« so der Titel des Lie­des, das die zwei­te Sin­gle-Aus­kopp­lung aus sei­nem gleich­na­mi­gen Solo-Album dar­stellt. Dar­in pro­pa­giert er ganz unver­blümt Gewalt gegen »Faschis­ten« und wür­de auf Sezes­si­on-Chef­re­dak­teur Götz Kubit­schek nur zu ger­ne mit einem Bogen schie­ßen. Natür­lich süf­fi­sant im Kon­junk­tiv und alles im Sti­le des Zen­trums für poli­ti­sche Schön­heit als »Kunst« dekla­riert, was er auch pseu­do­wit­zig mit dem Titel herauskehrt.

Über­haupt gefällt sich Dani­el Pongratz selbst sehr gut, spe­zi­ell dann, wenn er sich für beson­ders mutig und poli­tisch »edgy« hält:

Nein, ich wär nicht wirk­lich Dan­ger Dan
Wenn ich nicht Lust hät­te auf ein Experiment
Mal die Gren­zen aus­zu­lo­ten, was erlaubt und was ver­bo­ten ist
Und will euch mei­ne Mei­nung hier erzähl’n
Jür­gen Elsäs­ser ist Antisemit
Kubit­schek hat Glück, daß ich nicht Bogen schieß’
An Rep­ti­li­en­men­schen glaubt nur der, der wahn­sin­nig ist
Gau­land wirkt auch eher wie ein Nationalsozialist
Faschis­ten hören nie­mals auf, Faschis­ten zu sein
Man dis­ku­tiert mit ihnen nicht, hat die Geschich­te gezeigt
Und man ver­traut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat
Weil der Ver­fas­sungs­schutz den NSU mit­auf­ge­baut hat
Weil die Poli­zei doch selbst immer durch­setzt von Nazis war
Weil sie Oury Jal­loh gefes­selt und ange­zün­det hab’n
Und wenn du fried­lich gegen die Gewalt nicht ankom­men kannst
Ist das letz­te Mit­tel, das uns allen bleibt, Militanz.

Der Kon­junk­tiv ist zum Ende des Lie­des ver­schwun­den und gip­felt in einem Auf­ruf zur Mili­tanz. Im Gegen­satz zu den harm­lo­sen »Laut Gedacht«-Folgen und dem voll­kom­men unver­däch­ti­gen »Wir klä­ren das!« wird die­ses Video mit hoher Wahr­schein­lich­keit nicht gelöscht und das Lied auch nicht wie das patrio­ti­sche Com­pu­ter­spiel, des­sen Namen nicht genannt wer­den darf, indi­ziert werden.

Weil »Das ist alles von der Kunst­frei­heit gedeckt« zeit­geis­tig ist; weil es ledig­lich den poli­ti­schen Buh­mann der Repu­blik atta­ckiert, den das  Estab­lish­ment uni­so­no im Visier hat; weil Dan­ger Dan von NEUSTART KULTUR aus staat­li­chen För­der­töp­fen beal­most wird.

Mutig ist das für­wahr alles nicht, gera­de ein­mal für das Prä­di­kat »bil­lig« reicht es noch.

Der »Genuß« des Vide­os warf bei mir Fra­gen auf: Was, wenn genau das ein­tritt, was sich der aus einem Aka­de­mi­ker­haus­halt stam­men­de Dani­el Pongratz in sei­ner war­men Stu­be ima­gi­niert, die voll­stän­di­ge Eska­la­ti­on? Wür­de er da ordent­lich mit­mi­schen, an vor­ders­ter Front oder redet er nur hei­ße Luft?

Und was wäre, wenn der vor lau­ter Gra­tis­mut plat­zen­de Dani­el Pongratz für sein »enga­gier­tes« Lied nach­hal­ti­ge Kon­se­quen­zen und zwar rich­ti­ge – Auf­tritts­ver­bot, Ver­triebs­ver­bot sei­ner Musik, Deplat­forming, gekün­dig­te Kon­ten etc. – befürch­ten müß­te? Wür­de er dann auch noch mit der AK-47 in Vide­os auf dicke Hose machen?

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Kommentare (15)

Laurenz

27. März 2021 16:38

"Weil der Verfassungsschutz den NSU mitaufgebaut hat"

Interessant.

Der Hanswurst liest wohl zu oft SiN.

H. M. Richter

27. März 2021 17:12

"Darin propagiert er ganz unverblümt Gewalt [...]und würde auf Sezession-Chefredakteur Götz Kubitschek nur zu gerne mit einem Bogen schießen. Natürlich süffisant im Konjunktiv".

Kann ich im Text so nicht erkennen, wenn es dort heißt:

"Nein, ich wär nicht wirklich Danger Dan
Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment
Mal die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist".

Heißt nichts anderes als: Ich wäre nicht x, wenn ich nicht y tät. 

Wäre also interessant, was geschehen würde, wenn GK - vielleicht im Duett mit EK - ein identisches Lied bei lediglich ausgetauschten Personennamen singen würde. Ich wage einen Wetteinsatz, daß dies bei bestimmten Zielpersonen dann nicht mehr unter Kunstfreiheit subsumiert werden würde.

 

Glast

27. März 2021 17:14

Von derartigen Artikeln kriegt man ja eine seelische Verstimmung. Jesses ist der Ton wehleidig, viel zu wehleidig. "Kalte Rechte" - da war doch mal was. 

Der politische Feind - wir sind ihr Feind und er ist unsrer - will uns halt mit allen Mitteln plattklopfen. Recht hat er. Würde ich an seiner Stelle auch so machen. Das diese Kreaturen halt zutiefst widersprüchlich und dreckig in ihrem Tun und Streben sind weiß ich doch. Da kommt noch viel mehr. 

Glast

27. März 2021 17:26

Höckes ganz persönlichen Einwürfe im vorliegenden Interview finde ich wirklich über die Maßen interessant und auch sympathisch. Bin sehr froh, dass ich mir die Zeit genommen habe, es zu hören. Kenne ihn ja überhaupt nicht privat und persönlich und so rückt er ein Stück näher an mich heran. Danke dafür. 

Laurenz

27. März 2021 19:48

@Glast

Ja, auch die Bildqualität & die Atmosphäre sind top. Richtig anständig gemacht das Interview.

heinrichbrueck

27. März 2021 20:59

Amüsante Kunstfreiheit. Der Kerl lebt in einer fiktiven Welt. Die reale Welt wird gewinnen. Kommunikation zwischen diesen Welten, da dürfte auch die Kunstfreiheit überfordert sein. Eine Verwechslung dieser Welten, zukunftstauglich oder nicht, hängt von der Entscheidungsunfreiheit der Masse ab. Sind die Kommunikationsmöglichkeiten erschöpft, macht jede Seite ihr Ding. Die reale Welt bleibt. Einzige Möglichkeit, der Entscheidungsunfreiheit auf die Sprünge zu helfen, aber ohne Kompromisse oder falsche Zugeständnisse.

Herold

27. März 2021 21:38

@Glast: Ja, ich würde mich auch freuen, wenn das szenenweite, beständige Erstaunen darüber, dass der Schiedsrichter wegschaut und der Gegner Tore schießen möchte (nur um die Metapher aus einem der letzten Podcasts aufzunehmen) endlich aufhören und sich in brennenden Antrieb wandeln würde. 

Und das Gesimpe für den Lisa-Licentia-Ersatz. Man lernt es auch nie, offensichtlich. Erst Schreiber, dann Licentia und jetzt geht's nahtlos weiter mit Kaiser.

 

RMH

27. März 2021 21:54

Die "Löschungen" überraschen leider nicht mehr. Hofsänger wie diese sog. "Rapper", sollte man nicht durch Erwähnung aufwerten.

Für den Haushalt G.K. gilt im Übrigen immer mehr, was Jünger im Waldgang niedergeschrieben hat:

"Lange Zeiten der Ruhe begünstigen gewisse optische Täuschungen. Zu ihnen gehört die Annahme, dass sich die Unverletzlichkeit der Wohnung auf die Verfassung gründe, durch sie gesichert sei. In Wirklichkeit gründet sie sich auf den Familienvater, der, von seinen Söhnen begleitet, mit der Axt in der Tür erscheint."

Volksdeutscher

27. März 2021 23:05

Endlich mal eine faire Unterhaltung mit Björn Höcke! Ich finde, es ist besser, wenn er sich klugerweise weiterhin zurückhält und sich nicht in den Vordergrund drängt. Wer weiß, vielleicht hätten wir ihn heute nicht mehr, wenn er dies in der Vergangenheit getan hätte. Aber er muß verstehen, daß das deutsche Volk in der entscheidenden politischen Situation gerade einen solchen Politiker wie ihn bräuchte und daß Bescheidenheit und Zurückhaltung in solchen Situationen die schicksalhafte Wendung zu einer deutschen Zukunft hin vertun könnten. Eine solche Situation träte ein, wenn die Stunde des Nationalkonservatismus gekommen wäre und die Aufbauarbeit des Landes unter seiner Ägide begonnen werden könnte.

Zu solchen wichtigtuerischen Sekundenmännchen wie "Danger Dan" fällt mir nichts wirklich ein, außer vielleicht, daß das, was er macht, keine Kunst, sondern primitivste liberalbolschewistische Agitationspropaganda ist.

Laurenz

27. März 2021 23:16

@heinrichbrueck & RMH

Mit Musik Geld zu verdienen, vor allem jetzt, ist extrem schwierig.

Von daher geht es bei dem Hanswurst wohl eher um Geld aus Staats-Knete-Pötten, als um Überzeugung.

Als ob Leute, wie Hanswurst, von Politik einen tatsächlichen Plan hätten ..... wohl eher nicht.

Andreas Walter

28. März 2021 11:08

Ist das der gleiche Danger Dan?

https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/coming-out-2/

 

Hey, Dan, was ist denn bloss aus dir geworden,

früher, da hattest du es doch noch gar nicht so,

mit all dem ganzen Morden.

Gegen Gewalt, da warst du doch auch schon immer ganz strikt dagegen,

oder was hat dich jetzt davon abgebracht, von deinen christlichen Wegen?

anatol broder

28. März 2021 16:16

@ jonas schick, philip stein

weder leerzeichen noch anführungszeichen haben innerhalb eines wortes etwas zu suchen.

(1)

falsch. ein prozent-computerspiel

richtig. ein-prozent-computerspiel

(2)

falsch. »ein prozent«-vorsitzender

richtig. ein-prozent-vorsitzender

Laurenz

28. März 2021 17:01

 

@Anatol Broder

"Weder Leerzeichen noch Anführungszeichen haben innerhalb eines Wortes etwas zu suchen."

Wer sagt das? Sie, der Anti-Römer? (Wofür man durchaus Verständnis haben kann.)

anatol broder

28. März 2021 18:10

@ philip stein

der optische kontrast im interview ist verkehrt. ich kann höckes gesicht kaum erkennen, dafür aber sein weisses hemd, besser noch die kalkweissen wände und am besten das fenster mit tageslicht hinter ihm.

sei bitte deshab nicht traurig. fünfzig prozent der menschen wissen, wie man ein gesicht richtig ausleuchtet. meistens erkennt man diese experten akustisch an hohen stimmen oder haptisch an langen haaren. fragt man sie nett, leihen sie einem gern ihre augen.

Volksdeutscher

28. März 2021 19:47

@Andreas Walter - Wieso? Ist das etwa ein Wunder? Das ist genau der Fall, wie man wird was man ist.....