27. März 2021

Netzfundstücke (82) – Wende, Löschung, Antilopen

Jonas Schick / 15 Kommentare

Die meisten Interviews, die Björn Höcke bisher gab, liefen letztlich auf den Punkt hinaus, ihn in eine direkte Linie mit dem NS zu stellen.

Im neuen Interview-Format des Bürgernetzwerks Ein Prozent e.V. »Wendezeiten« gab man ihm nun den Raum, sich ausgiebig selbst zu erklären und seine politischen Ziele, ohne Verkürzungen und des ständigen Versuchs, ihn zu »stellen« und zu »enttarnen«, darzulegen.

»Wendezeiten« will die Unsitte des linksliberalen »Journalismus«, fortwährend ins Wort zu fallen und den Gast auf die Anklagebank vor den eigenen, als hehr verstandenen Prinzipen zu zerren, beheben und damit dem Zuschauer Informationen bieten, die er im abgenutzten Talkshow- und Interview-Zirkus der Bundesrepublik nicht bekommt.

In der Auftaktfolge ist das bereits geglückt: Höcke gibt im Gespräch mit dem »Ein Prozent«-Vorsitzenden , Philip Stein, tiefe Einblicke in den Maschinenraum der Thüringer AfD-Fraktion und erklärt, was ihre Herangehensweise an die Politik im Vergleich zu anderen AfD-Fraktionen so besonders macht. Darüber hinaus erfährt man Details zu seinem Elternhaus, dessen Vertriebenenhistorie auch noch bei ihm Spuren hinterlassen hat.

Wer hören will, was Björn Höcke zu sagen hat, wenn man ihn ausreden läßt, der sollte hier unbedingt reinschauen:


Während das eine »Ein Prozent«-Format kommt, werden zwei andere verbannt. Am Donnerstag den 25. März löschte YouTube bzw. Google zuerst die neue Erklärsendung »Wir klären das!« mit AfD-Jungpolitikerin Marie-Thérèse Kaiser, bereits einen Tag darauf sperrte der Großkonzern dann das altgediente Sendungsflaggschiff »Laut Gedacht«.

Ironischerweise vollzog Google just dann die Löschung, als die neuste Folge »Wir klären das!« zum Phänomen der Cancel Culture erschien. Der Konzern demonstrierte damit die problematischen Auswüchse der um sich greifenden Zensur-Mentalität nachdrücklich selbst.

In Zeiten der Digitalisierung stellt das insofern einen erheblichen Eingriff in die Meinungsfreiheit dar, als die Sozialen Medien wie auch das Videoportal YouTube zu essentiellen Plattformen der Meinungsäußerung geworden sind. Facebook, Google und Twitter genießen auf diesem Feld eine unangefochtene Monopolstellung.

Dadurch sind ihre Angebote quasi digitale Marktplätze – wer von ihnen verbannt wird und in den Mainstream-Medien zusätzlich konsequent ausgeblendet wird, der findet quasi in der Öffentlichkeit nicht mehr statt. Man hat ihn in eine Echokammer verbannt.

Gegen Kritik an diesem Vorgehen führt das polit-mediale Establishment gerne das »Argument« ins Feld, daß man seine Meinung ja frei äußern könne, man müsse dann eben nur mit den Konsequenzen leben – diesen Einwand »zynisch« zu nennen, ist fast noch untertrieben.

Ferner wird in diesem Kontext auf die unternehmerische Freiheit der Konzerne abgestellt: Das greift viel zu kurz und offenbart vielmehr eine kindlich-naive Vorstellung bezüglich der realen Machtverhältnisse auf dem Markt und wie diese Macht für die eigenen politischen Interessen schamlos eingesetzt wird.

Die Probleme, mit denen alternative Plattformen wie Parler oder Gab.ai zu kämpfen haben, stellen dies nachdrücklich unter Beweis. Wie dem auch sei, Ein Prozent hat vorgesorgt und auf den paar existierenden Echokammer-»Alternativen« bereits die »Wir klären das!«-Folgen als auch die »Laut Gedacht«-Sendungen hochgeladen.

Hier geht es zum Frei3-Kanal von »Wir Klären Das!«:

Frei3-»Wir Klären das«

Hier zum Odysee- und Frei3-Kanal von »Laut Gedacht«:

»Laut Gedacht« auf Odysee

»Laut Gedacht« auf Frei3


Beispiele, die veranschaulichen, wie die politischen Machtverhältnisse in der BRD real ausgestaltet sind und was sich Personen erlauben können, die auf der »richtigen« Seite stehen, gibt es zuhauf. Am Freitag kam nun ein weiteres dazu: Das neue Musikvideo des Rappers Danger Dan (bürgerlich Daniel Pongratz), Teil der linken Rapgruppe Antilopen Gang, die ähnlich wie die Berliner KIZ aus ihrer antifaschistischen Gesinnung keinen Hehl machen und mit ihr – im BRD-Kulturbetrieb gibt es für solche Positionierungen neben leicht verdientem Applaus gerne auch die ein oder andere kulturpolitische Zuwendung – munter hausieren gehen.

»Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt« so der Titel des Liedes, das die zweite Single-Auskopplung aus seinem gleichnamigen Solo-Album darstellt. Darin propagiert er ganz unverblümt Gewalt gegen »Faschisten« und würde auf Sezession-Chefredakteur Götz Kubitschek nur zu gerne mit einem Bogen schießen. Natürlich süffisant im Konjunktiv und alles im Stile des Zentrums für politische Schönheit als »Kunst« deklariert, was er auch pseudowitzig mit dem Titel herauskehrt.

Überhaupt gefällt sich Daniel Pongratz selbst sehr gut, speziell dann, wenn er sich für besonders mutig und politisch »edgy« hält:

Nein, ich wär nicht wirklich Danger Dan
Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment
Mal die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist
Und will euch meine Meinung hier erzähl'n
Jürgen Elsässer ist Antisemit
Kubitschek hat Glück, daß ich nicht Bogen schieß'
An Reptilienmenschen glaubt nur der, der wahnsinnig ist
Gauland wirkt auch eher wie ein Nationalsozialist
Faschisten hören niemals auf, Faschisten zu sein
Man diskutiert mit ihnen nicht, hat die Geschichte gezeigt
Und man vertraut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat
Weil der Verfassungsschutz den NSU mitaufgebaut hat
Weil die Polizei doch selbst immer durchsetzt von Nazis war
Weil sie Oury Jalloh gefesselt und angezündet hab'n
Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst
Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz.

Der Konjunktiv ist zum Ende des Liedes verschwunden und gipfelt in einem Aufruf zur Militanz. Im Gegensatz zu den harmlosen »Laut Gedacht«-Folgen und dem vollkommen unverdächtigen »Wir klären das!« wird dieses Video mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gelöscht und das Lied auch nicht wie das patriotische Computerspiel, dessen Namen nicht genannt werden darf, indiziert werden.

Weil »Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt« zeitgeistig ist; weil es lediglich den politischen Buhmann der Republik attackiert, den das  Establishment unisono im Visier hat; weil Danger Dan von NEUSTART KULTUR aus staatlichen Fördertöpfen bealmost wird.

Mutig ist das fürwahr alles nicht, gerade einmal für das Prädikat »billig« reicht es noch.

Der »Genuß« des Videos warf bei mir Fragen auf: Was, wenn genau das eintritt, was sich der aus einem Akademikerhaushalt stammende Daniel Pongratz in seiner warmen Stube imaginiert, die vollständige Eskalation? Würde er da ordentlich mitmischen, an vorderster Front oder redet er nur heiße Luft?

Und was wäre, wenn der vor lauter Gratismut platzende Daniel Pongratz für sein »engagiertes« Lied nachhaltige Konsequenzen und zwar richtige – Auftrittsverbot, Vertriebsverbot seiner Musik, Deplatforming, gekündigte Konten etc. – befürchten müßte? Würde er dann auch noch mit der AK-47 in Videos auf dicke Hose machen?



Kommentare (15)

Laurenz

27. März 2021 16:38

"Weil der Verfassungsschutz den NSU mitaufgebaut hat"

Interessant.

Der Hanswurst liest wohl zu oft SiN.

H. M. Richter

27. März 2021 17:12

"Darin propagiert er ganz unverblümt Gewalt [...]und würde auf Sezession-Chefredakteur Götz Kubitschek nur zu gerne mit einem Bogen schießen. Natürlich süffisant im Konjunktiv".

Kann ich im Text so nicht erkennen, wenn es dort heißt:

"Nein, ich wär nicht wirklich Danger Dan
Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment
Mal die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist".

Heißt nichts anderes als: Ich wäre nicht x, wenn ich nicht y tät. 

Wäre also interessant, was geschehen würde, wenn GK - vielleicht im Duett mit EK - ein identisches Lied bei lediglich ausgetauschten Personennamen singen würde. Ich wage einen Wetteinsatz, daß dies bei bestimmten Zielpersonen dann nicht mehr unter Kunstfreiheit subsumiert werden würde.

 

Glast

27. März 2021 17:14

Von derartigen Artikeln kriegt man ja eine seelische Verstimmung. Jesses ist der Ton wehleidig, viel zu wehleidig. "Kalte Rechte" - da war doch mal was. 

Der politische Feind - wir sind ihr Feind und er ist unsrer - will uns halt mit allen Mitteln plattklopfen. Recht hat er. Würde ich an seiner Stelle auch so machen. Das diese Kreaturen halt zutiefst widersprüchlich und dreckig in ihrem Tun und Streben sind weiß ich doch. Da kommt noch viel mehr. 

Glast

27. März 2021 17:26

Höckes ganz persönlichen Einwürfe im vorliegenden Interview finde ich wirklich über die Maßen interessant und auch sympathisch. Bin sehr froh, dass ich mir die Zeit genommen habe, es zu hören. Kenne ihn ja überhaupt nicht privat und persönlich und so rückt er ein Stück näher an mich heran. Danke dafür. 

Laurenz

27. März 2021 19:48

@Glast

Ja, auch die Bildqualität & die Atmosphäre sind top. Richtig anständig gemacht das Interview.

heinrichbrueck

27. März 2021 20:59

Amüsante Kunstfreiheit. Der Kerl lebt in einer fiktiven Welt. Die reale Welt wird gewinnen. Kommunikation zwischen diesen Welten, da dürfte auch die Kunstfreiheit überfordert sein. Eine Verwechslung dieser Welten, zukunftstauglich oder nicht, hängt von der Entscheidungsunfreiheit der Masse ab. Sind die Kommunikationsmöglichkeiten erschöpft, macht jede Seite ihr Ding. Die reale Welt bleibt. Einzige Möglichkeit, der Entscheidungsunfreiheit auf die Sprünge zu helfen, aber ohne Kompromisse oder falsche Zugeständnisse.

Herold

27. März 2021 21:38

@Glast: Ja, ich würde mich auch freuen, wenn das szenenweite, beständige Erstaunen darüber, dass der Schiedsrichter wegschaut und der Gegner Tore schießen möchte (nur um die Metapher aus einem der letzten Podcasts aufzunehmen) endlich aufhören und sich in brennenden Antrieb wandeln würde. 

Und das Gesimpe für den Lisa-Licentia-Ersatz. Man lernt es auch nie, offensichtlich. Erst Schreiber, dann Licentia und jetzt geht's nahtlos weiter mit Kaiser.

 

RMH

27. März 2021 21:54

Die "Löschungen" überraschen leider nicht mehr. Hofsänger wie diese sog. "Rapper", sollte man nicht durch Erwähnung aufwerten.

Für den Haushalt G.K. gilt im Übrigen immer mehr, was Jünger im Waldgang niedergeschrieben hat:

"Lange Zeiten der Ruhe begünstigen gewisse optische Täuschungen. Zu ihnen gehört die Annahme, dass sich die Unverletzlichkeit der Wohnung auf die Verfassung gründe, durch sie gesichert sei. In Wirklichkeit gründet sie sich auf den Familienvater, der, von seinen Söhnen begleitet, mit der Axt in der Tür erscheint."

Volksdeutscher

27. März 2021 23:05

Endlich mal eine faire Unterhaltung mit Björn Höcke! Ich finde, es ist besser, wenn er sich klugerweise weiterhin zurückhält und sich nicht in den Vordergrund drängt. Wer weiß, vielleicht hätten wir ihn heute nicht mehr, wenn er dies in der Vergangenheit getan hätte. Aber er muß verstehen, daß das deutsche Volk in der entscheidenden politischen Situation gerade einen solchen Politiker wie ihn bräuchte und daß Bescheidenheit und Zurückhaltung in solchen Situationen die schicksalhafte Wendung zu einer deutschen Zukunft hin vertun könnten. Eine solche Situation träte ein, wenn die Stunde des Nationalkonservatismus gekommen wäre und die Aufbauarbeit des Landes unter seiner Ägide begonnen werden könnte.

Zu solchen wichtigtuerischen Sekundenmännchen wie "Danger Dan" fällt mir nichts wirklich ein, außer vielleicht, daß das, was er macht, keine Kunst, sondern primitivste liberalbolschewistische Agitationspropaganda ist.

Laurenz

27. März 2021 23:16

@heinrichbrueck & RMH

Mit Musik Geld zu verdienen, vor allem jetzt, ist extrem schwierig.

Von daher geht es bei dem Hanswurst wohl eher um Geld aus Staats-Knete-Pötten, als um Überzeugung.

Als ob Leute, wie Hanswurst, von Politik einen tatsächlichen Plan hätten ..... wohl eher nicht.

Andreas Walter

28. März 2021 11:08

Ist das der gleiche Danger Dan?

https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/coming-out-2/

 

Hey, Dan, was ist denn bloss aus dir geworden,

früher, da hattest du es doch noch gar nicht so,

mit all dem ganzen Morden.

Gegen Gewalt, da warst du doch auch schon immer ganz strikt dagegen,

oder was hat dich jetzt davon abgebracht, von deinen christlichen Wegen?

anatol broder

28. März 2021 16:16

@ jonas schick, philip stein

weder leerzeichen noch anführungszeichen haben innerhalb eines wortes etwas zu suchen.

(1)

falsch. ein prozent-computerspiel

richtig. ein-prozent-computerspiel

(2)

falsch. »ein prozent«-vorsitzender

richtig. ein-prozent-vorsitzender

Laurenz

28. März 2021 17:01

 

@Anatol Broder

"Weder Leerzeichen noch Anführungszeichen haben innerhalb eines Wortes etwas zu suchen."

Wer sagt das? Sie, der Anti-Römer? (Wofür man durchaus Verständnis haben kann.)

anatol broder

28. März 2021 18:10

@ philip stein

der optische kontrast im interview ist verkehrt. ich kann höckes gesicht kaum erkennen, dafür aber sein weisses hemd, besser noch die kalkweissen wände und am besten das fenster mit tageslicht hinter ihm.

sei bitte deshab nicht traurig. fünfzig prozent der menschen wissen, wie man ein gesicht richtig ausleuchtet. meistens erkennt man diese experten akustisch an hohen stimmen oder haptisch an langen haaren. fragt man sie nett, leihen sie einem gern ihre augen.

Volksdeutscher

28. März 2021 19:47

@Andreas Walter - Wieso? Ist das etwa ein Wunder? Das ist genau der Fall, wie man wird was man ist.....