10. April 2021

Mein alter Kumpel Danger Dan

Götz Kubitschek / 40 Kommentare

Die Sache ist locker zehn Jahre her. Mein alter Kumpel Danger Dan hing damals in Aachen fest, alles Coole war aus seinem Gesicht verschwunden.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Grund dafür war, daß Papa Dan, also: der Pädagogikprofessor Ludwig Pongratz, mit seiner Emeritierung aus Darmstadt nach Aachen zurückgezogen war und den Proberaum seiner Söhne beschlagnahmt hatte, um seine Beratungspraxis für Bullshit-Jobs auf solidere Füße zu stellen. Also probte man wieder in Dangers Kinderzimmer, das sich wiederum in einer für straßennahe HipHopper zu schicken Villa befand.

Kann man zwischen Nußholzregalen und Bulthaup-Küche tanzen und sich als der Letzte inszenieren, der das Letzte für mehr Gerechtigkeit undsoweiter zu geben bereit wäre? Kann man nicht, eigentlich, aber was soll man machen, wenn man sonst nichts kann?

Danger, der, seit ich ihn kenne, den Charme eines öligen Dealers ausstrahlt, konnte so etwas, also: nur das. Er war angetrunken, als er mir die Tür aufmachte. Er roch wie immer nach Schwanz und Bier und hatte gerade eine Auseinandersetzung mit seinem Vater hinter sich: Irgendetwas würde der Herr Professor doch für ihn tun können, irgendwelche Beziehungen müßten es ihm, dem Sohn, doch ermöglichen, ein bißchen was abzugreifen.

"Nichts hat geklappt bisher", sagte Danger, und ich machte ein Späßchen: "Paßt gut zu Deinen verheulten Augen, Pfütze." Pfütze nannten wir ihn, weil bei ihm eine Pfütze Bier ausreichte, um ihn in eine melancholische Susi zu verwandeln.

Ein kleiner, angedeuteter Leberhaken war die Folge, mehr passierte nie, das war ihm wichtig: Danger vertrug rein gar nichts, weder am Tresen noch dann, wenn man sich aus Spaß ein paar klatschte. "Bloß andeuten", rief er immer gleich zu Anfang, und ich meine, daß er der erste war, von dem ich diesen Spruch höre, der wie für ihn getextet schien: "Ich bin raus!"

Also: angedeutete Rangelei, ein bißchen Schattenboxen, das bei Danger immer aussah wie Luftgitarre, dann verzogen wir uns ins Kinderzimmer, wo Danger eine Flasche Bier für uns versteckt hatte. An einer Pinwand: harte Sprüche und zwei Tittenbilder, mit Reißzwecken durchbohrt. "Ich fordre nicht weniger als alles", las ich, und: "Wer nicht tanzen kann, kann keinen Stern gebären", alles wohl aus dem Kopf notiert, also fast richtig, jedenfalls aber mit Buntstiften auf Post-It-Zettel gemalt, die "i" mit Punkten aus kleinen Kreisen, eine Mädchenschrift, ach Pfütze.

Meine Schuhe standen sorgfältig im Windfang, Danger hatte mich gleich darauf hingewiesen, kaum war ich in der Tür, und es kam, wie es kommen mußte: Ich trat mir eine Nadel ein.

Socken runter, Fußsohle gegen das Licht drehen, Blut. Neben mir ein kreidebleicher Danger, der mit Wunden nichts anfangen konnte, obwohl er ständig von ihnen singen wollte. "Muß ich nähen" (glatt gelogen), "ich bin raus" (Danger). Dann teilten wir uns das Bier, das bei Pfütze gleich anschlug, und ich wußte: Dies würden wieder ziemlich krasse Stunden mit leidlich hell aufflackernden Plänen werden. Danach: vielleicht noch ein halbes Bier, und Erdnüsse.

"Man müßte mal was richtig Krasses machen", (es begann wie immer), "mal so richtig von der Bühne runter, ganz ungeschützt, sozusagen ohne Kondom (hihihi), ohne an die Folgen zu denken" (krass). "Ich: "Sag doch mal mitten im Konzert, wenn alle vierzehn Fans so richtig kochen: Ich bin Faschist. Oder komplizierter: Faschismus ist aktiver Pessimismus, also was zum Nachdenken."

Pfütze hatte aufgehört, sich zum Rhythmus, der nur in seinem Kopf hämmerte, zu bewegen. "Krass", sagte er. "Ja", sagte ich, "konträr sozusagen, also exakt das, was weder deine Eltern noch die Gesellschaft von dir erwarten. Die denken ja alle, klar, bei dem Vater, da macht der Danger irgendwas mit Gratismut und mit Volxpädagogik, also, er singt gegen rechts und wird dafür gefeiert, wird herumgereicht wie ein Joint. Aber was machst du? Du fickst sie alle, zeigst ihnen deinen Kolben, ziehst mitten auf der Bühne ein halbes Bier weg und erklärst ihnen das mit dem aktiven Pessimismus. Und bevor sie es kapiert haben, schiebst du was Geniales hinterher, einen Trick, verrate ich dir, das ist wie eine Hausratversicherung: Du sagst das Wort Kunstfreiheit, dann können sie dich mal."

Danger hatte nur noch mit halbem Ohr zugehört. In ihm entstand längst ein Lied, und als dann die beiden begabteren Musiker seiner Band, seiner "Gang", einrückten, kam eine ziemlich drivige Melodie dazu, die einer bei einer russischen Band aufgeschnappt hatte. Ich kann mich bloß an die ersten paar Zeilen erinnern:

„Nein, ich wäre nicht wild wie ein Tier,
wenn ich nicht Lust hätte auf ein halbes Bier.
Mal die Grenzen auszuloten,
was erlaubt und was verboten -
meinem Dönermann, dem les ich die Leviten,
badadumbadaba Antisemiten.
Weil: Ich bin ganz klar der letzte Faschist
und ein Faschist ist ein aktiver Pessimist.

Der Refrain war irgendetwas mit "Scheiß drauf" und "Kunstfreiheit", aber das habe ich vergessen. Was ich nicht vergessen habe: jahrelang schob Danger Dan dieses Lied, diesen krassen Auftritt vor sich her, immer hatte er eine Ausrede: Mal war er fürs Goetheinstitut unterwegs, um das, was er für deutsche Kultur hielt, auch noch kaputtzumachen, und weil Papa und Mama nicht ständig neue Jobs von dieser Sorte anbahnen konnten, ließ Danger das Lied stecken, weil er wußte: Danach würde er das Taschengeld nicht mehr so fett einstreichen können.

Ich wandelte unseren Trinkspruch (halbe Flasche ...) von "Ex oder schwul" um in "Lied oder schwul" und schickte ihm diesen Wortlaut per SMS zuverlässig fünf Minuten vor jedem Auftritt auf sein Handy. Meist kam ein "paßt heute nicht, du" zurück.

Irgendwann gab ich auf. Wir saßen in einer Kneipe, Danger hatte seinem Alten zwanzig Euro aus dem Geldbeutel geklaut, das reichte immer für zwei, drei Runden "um die Häuser", wie er immer rief, sobald er es aus der Haustür geschafft hatte. An diesem Abend wettete ich mit Danger, daß er eines Tages im Öffentlich-Rechtlichen auftreten würde, und zwar mit einer Nummer, die so stromlinienförmig und so billig angefüllt mit Gratisapplaus wäre wie seine mittlerweile zurückgegelte Fresse. (Jaja, wir waren derb miteinander, Männer halt.)

Angedeuteter Leberhaken, dann: "Halbe Tantieme, halbes Bier?" - Er, voll in Fahrt, schielte kurz auf sein Glas: "Ex oder schwul!" Wir schlugen ein, er hobelte den letzten Schluck durch die Kehle, ohne abzusetzen, und war so in Fahrt, daß er mit einem weiteren, vollen Glas auftrumpfte. Ich kippte einen Klaren dazu, als er zum Pinkeln ging. Wie immer hatte er sich dazu hingesetzt, wie immer nicht ordentlich abgeschüttelt. Er kam zurück an den Tisch und zog eine Schwade aus Ammoniak hinter sich her. Dann setzte er an.

Nachdem ich seine Kotze halbwegs aufgewischt und dem Wirt einen Zehner dazugelegt hatte, schaffte ich ihn zurück in sein Kinderzimmer. Später verloren wir uns aus den Augen.

-- -- --

Anmerkung Kubitschek: Das hat mir der alte Kumpel von Danger gestern zugeschickt, nachdem er ihn bei Böhmermann hat singen hören. Dort fehlte die Kalaschnikow, hier ist sie. "Das Hygiene-Geigerinnen-Orchester in Böhmermanns Studie hat mir den Rest gegeben", schrieb der alte Kumpel. Und: "Paßt zu diesem armseligen Wichser. Bloß die Knarre hat er weggelassen, will ja jetzt die linken Spießer beeindrucken."

Das ist also die Entstehungsgeschichte vom Krassesten, was Danger Dan (so nennt er sich selbst!) in seinem Leben hingekriegt haben wird. Bloß: Der Liedtext hat sich doch stark verändert, ich komme jetzt darin vor. Mehrere Rechtsanwälte sollen ihn durchgecheckt und für Danger abgesichert haben, und nun bleibt nur die Frage, ob dem alten Kumpel die Hälfte der Tantiemen zusteht oder nicht. Das kann kaum juristisch geklärt werden, das kann nur Pfütze entscheiden. Mal sehen, was sie macht.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (40)

HartwigBenzler

11. April 2021 06:46

Ups. 😎

Glast

11. April 2021 07:31

Was will man zu so einem herz-, hirn- und hodenlosen Typen sagen... außer: so ist man nicht und so will man nicht sein. 

Franz Bettinger

11. April 2021 09:03

Großartige Anekdote. Sehr drall und plastisch. Habe oft laut losgelacht.

Der Gehenkte

11. April 2021 09:23

Abgefeiert! Und alles von der Kunstfreiheit gedeckt! Krass!

Maiordomus

11. April 2021 09:37

Ein Stück Feuilleton, zwar nicht gerade österlich, aber noch unterhaltsam. 

links ist wo der daumen rechts ist

11. April 2021 09:57

Tolle Reaktion, mit einem Wort: Souverän.
Erschreckend ist nur dieses Ausmaß an (Selbst-)Zerstörungswut.
Man fragt sich, was diese [Achtung, künstlerische Intervention] "Pisser" zu gewissen Zeiten an bestimmten Orten aufgeführt hätte, hätten sie keine Kalaschnikow, sondern eine Schmeisser in der Hand gehabt.

Laurenz

11. April 2021 10:01

Früher war man auf die stolz, die im Widerstand waren, ob gerechtfertigt oder nicht, oder gegen wen auch immer. 

Heute ist man Mitläufer oder Propagandist. Und heutige System-Künstler sind nicht besser oder mehr gerechtfertigt als die Künstler, die in der braunen Zeit Kreide gefressen hatten.

Fredy

11. April 2021 10:04

Ein literarisches Highlight

RMH

11. April 2021 10:47

Das Lied zeigt recht deutlich, auf welchem Winkeladvokaten-Niveau das allgemeine Rechtsempfinden gelandet ist. Fast jeder denkt, man brauche nur "gute Anwälte" oder irgendeine "Gesetzeslücke" oder eine Rechtsauslegung und man kann dann sich irgendwas erlauben. Die Rechtsnorm als Joker.

Die Linken, die sich regelmäßig über cum ex, Dividendenstriping etc. beschweren und was vom Raubtierkapitalismus faseln, operieren in ihre kleinen polly pocket Welt dann auch gerne mit der Rechtsgestaltung ... "alles gedeckt".

Der Herr H. Berger sieht seine Gestaltungsempfehlungen auch bis heute als legal an:

Warum sich Mr. Cum-Ex als Opfer eines Justizskandals sieht (capital.de)

Zusammengefasst: Das Lied taugt zum Einstieg in die Diskussion bei Schülern eines Wrtschaft- u. Recht LK und Leuten mit Rechtswissenschaft im Nebenfach oder in einem frühen Semester.

Ganz persönlicher Rat an G.K.:
Mit jeder Ausgabe der Sezession, mit jedem Abend, an dem live ein Autor besprochen wird, wird mehr gezeigt, wo deutsches Geistesleben noch stattfindet als in den hochsubventionierten Formaten alá B. Das ist mehr direkt in die Fresse als Texte wie dieser.

Waldgaenger aus Schwaben

11. April 2021 11:00

Ein vielschichtiger Text von beachtlicher literarischer Qualität. Hinter dem Offensichtlichen, Politischen auch die Erzählung zweier Klemmschwestern, die ihre homoerotischen Neigungen voreinander hinter Macho-Gehabe verbergen.

Sublimierte sexuelle Deviationen waren oft der Antrieb für herausragende Kunstwerke. Danger ist es nicht gegeben, solche zu schaffen. Es liegt vor allem am mangelnden Talent, das zum Leidensdruck der Sublimation stets hinzukommen muss.  Jedoch schafft auch unsere Epoche für Schwule und andere Deviationen nicht mehr den Leidensdruck früherer Jahrhunderte, was ja grundsätzlich zu begrüßen ist, andererseits leidet eben die Kunst darunter. Auch dies schwingt in der Erzählung mit.

links ist wo der daumen rechts ist

11. April 2021 11:32

@ RMH

Zitat:
Ganz persönlicher Rat an G.K.:
Mit jeder Ausgabe der Sezession, mit jedem Abend, an dem live ein Autor besprochen wird, wird mehr gezeigt, wo deutsches Geistesleben noch stattfindet als in den hochsubventionierten Formaten alá B. Das ist mehr direkt in die Fresse als Texte wie dieser.

Diesen Gedanken hatte ich auch, allerdings dringt alles nicht Krachlederne nicht zu diesen Typen durch. Und warum nicht auch (endlich) einmal - auf Augenhöhe (man muß sich also in Bodennähe bücken) - einen "angedeuteten Leberhaken" als Reflexhandlung?
Hätte DD einen Restanstand, müßte er zumindest lächeln - und würde sich ein bißchen schämen.
Nebenbei: die sanftere Variante von gestern fand ich fast besser (also ohne "Abschütteln" usw.), je mehr Andeutungen...
Aber: Tolles Teamwork, GK und EK.
 

Mboko Lumumbe

11. April 2021 11:48

Hahaha, was ´ne Wurst.

Sehr authentisch und glaubhaft vom "alten Kumpel" von Dangerwurst. Dazu muss man nur lesen, was die Wurst selbst sagt, wie es zu dem Song kam. Besser kann man den obigen Erfahrungsbericht aus erster Hand nicht bestätigen :) Auszüge:

"Die Entstehungsgeschichte von 'Das ist alles durch die Kunstfreiheit gedeckt' ist für Rechte und Neu-Rechte wahrscheinlich ein noch größerer Alptraum als das Lied selbst.
...
Zum Salon kamen spannende Gäste aus Kunst, Kultur und Medien und wir haben zusammen überlegt, was man machen kann. Wie geht’s uns mit unserer Resignation, was machen wir gerade so und wie geht’s weiter? Eine Erkenntnis des schönen Abends war, dass wir die Spielräume, die uns Kunstfreiheit bietet und auch die Erzählmöglichkeiten, die wir in der Kunst haben, viel besser und schlauer anwenden und nutzten könnten. Ansonsten kann ich mich nicht mehr an so viel erinnern: Es gab leckeren Käse und guten Wein, die Leute waren sehr nett. Am nächsten Morgen bin ich aufgewacht, hatte mich gefreut, war so inspiriert und hatte Bock, hab' angefangen zu schreiben und dieses Lied ist daraus geworden."

Hahaha, die resignierte Dangerwurst hält sich für ne Alptraumwurst - was ´ne Wurst.

Niekisch

11. April 2021 11:59

Eine männliche Antwort auf  unbeholfenes Gewäsch

Tokugawa

11. April 2021 12:50

Einfach mal probieren mit den Tantiemen: Urheberrechtsverletzung, geklauter Text, auch wenn die Stoßrichtung geändert ist - da findet sich ein guter Anwalt, der das durchzieht. Das ganze publizistisch begleiten, so dass es auch der Mainstream zur Kenntnis nimmt. Danger (den Wendehals und Opportunisten) und Böhmermann (den öffentlich-rechtlichen neuen Staats-Stürmer der Demokratie) schäumen lassen. Der angedrohte Griff in ihren Geldbeutel, der Vorwurf des Ideenklaus (ausgerechnet noch Ideen von Rechten) trifft diese Typen mehr als alles andere - und es dürfte schön werden, ihnen bei ihrer Selbstentlarvung zuzusehen. Und wenn es keine rechtliche Grundlage gäbe? Dann fiele auch das alles unter den weiten Begriff der Kunstfreiheit - und das alles, anders als im neuen Text der selbsternannten Demokraten, ohne Hass, Hetze, Entmenschlichung des Anderen und massiver Androhung von Gewalt...

Martin Heinrich

11. April 2021 13:15

Kulturschaffende fragen ihren Rechtsanwalt. Künstler nicht.

Niekisch

11. April 2021 13:48

zum Thema:

"Selten ist gesüßter Brei

Die idealste Arzenei.

Gar oft ist, was uns höllisch brennt

Das förderlichste Element.

Es zeigt der neueste Befund:

Brennesseln sind sogar gesund!

Drum mutig Euch hineingesetzt,

Gereizt ist längst noch nicht verletzt

Und wer betroffen reagiert,

Zeigt an, dass es ihm auch gebührt."

Pferdefuss

11. April 2021 15:40

Weiß man denn nicht, dass 'ein fahrender Sänger, von niemand gekannt, ein Rattenfänger', will sagen, ein fahriger, ein fahrlässiger, ein unzuverlässiger Geselle, ist?

Was gilt: Gebändigt im protestantischer Kirchenlied, in der Hausmusik, in der Salonmusik, in jahrhundertealten Knabenchören (ja, doch!), Laienchören, Kunstliedern, Konzertsälen, der Trink-,Wander-, Marschlieder der Bünde/Burschenschaften/Wandervögel, aber auch in der Tanzmusik, dem Musikunterricht, dem Trällern unter der Dusche? Sich nicht zu schade sein, für sich und vor sich zu singen. 

Danger Dan: Das ist Jahrmarkt pur! Na, und? Einer klaut dem anderen paar Worte, paar Töne. Seit Jahrhunderten, seit den Troubadouren, Minnesängern nennt man das Kontrafaktur. Und: Schaut sie Euch doch an! Die rebellischen Popsänger. Allesamt elendig zu Grunde gegangen.

Singt wieder unsere Lieder, was das Zeug hält! Gegen Lieder kommt man nicht mit Reflexion, Vorwürfen an. Ein Lied ist immer stärker. Es führt ein Eigenleben. Warum hat denn 'der Kumpel' nicht selber seine Ideen zu einem Lied gemacht?   

Pferdefuss

11. April 2021 15:42

@ Niekisch

Das ist es! Genau das! Gefällt mir! 

Mauerbluemchen

11. April 2021 15:44

Der erste Reflex beim Lesen war: armer Hund ... solche desolaten häuslichen Verhältnisse (Geld und Bonzeneltern sind eben nicht alles, im Gegenteil), manche Leute haben wirklich grauenvolles Pech im Leben, keine richtige Chance gehabt usw. blablabla

Aber die letzte Volte, der freiwillige Abstieg ohne jede Not ins letzte Loch der öffrecht Medien, hat dieses Altweibermitleid dann doch im Keim erstickt - nein, so drogensüchtig, haltlos und getrieben kann doch kein Mensch sein.

PS. Wieder ein gutes Beispiel, um für den pädagogischen Hausgebrauch ein eindrucksvolles Exempel zu drechseln: die sogen. guten Häuser der brd sind in Wirklichkeit Bruthöllen des Lasters und der Korruption; maßgebend sind die höchstens in der Verkommenheit.

Arkadier

11. April 2021 16:30

Ich habe von diesem Da... was auch immer, noch nie was gehört, zum ersten Mal gerade eben, habe mir das Video angesehen und bin schockiert, auf welchem Niveau die BRD-Kulturschaffenden inzwischen aufgeditscht sind. Die einzig spannende Frage lautet: Geht es noch tiefer?

zeitschnur

11. April 2021 16:51

Naja, wenigstens trifft er noch die Töne. Ist doch schon mal was. Auch wenn alles andere "spekulativ" ist ... Im Reiche der Plagiatoren und Titelfälscher wärs ja auch ein Wunder, wenn das Planschbecken der öffentlich-rechtlichen Kunst davon unbeleckt wäre. Zum Glück riecht man ja nichts, wenn man sich die YT-Aufnahmen anhört ... von wegen Schwanz und Ammonik und so.

Pit

11. April 2021 18:07

Das ist einer der lustigsten Texte, die ich seit recht langer Zeit gelesen habe (die Videos dazu erfordern dann... erwartungsgemäß... die Brechtüte).

anatol broder

11. April 2021 18:27

der rapfremde beobachter sei versichert, dass kultur­schaffende ständig von wirk­lich begabten (und deshalb beliebten) künstlern ver­arscht werden. bei­spiels­weise ur­teilt mein liebling ssio ähnlich wie kubitschek:

«rapper machen an­sagen und ab­sagen mit tracks, die klingen wie schwanz­blasende balladen.» (null­komma­neun, 2016)

ich kenne einen reimenden anti­fanten namens florian, der mal von reimenden kanaken ein paar aufs maul bekam und sie des­wegen an­zeigte. weitere narben ver­hinderte ich persön­lich, als florian bei einem lokalen auf­tritt wieder mal den mund zu voll nahm. ich be­schützte ihn aller­dings nur, weil die sonst an­gerückte polizei die ge­samte ver­an­staltung aufge­löst hätte.

Gustav Grambauer

11. April 2021 20:19

Arkadier

"... bin schockiert, auf welchem Niveau die BRD-Kulturschaffenden inzwischen aufgeditscht sind." 

Betrifft ebenso die Genossen an der sozialistischen Zeilenschinderfront. Hatte gerade hier

https://www.fr.de/kultur/tv-kino/zdf-magazin-royale-jan-boehmermann-sand-danger-dan-elsaesser-kubitschek-gauland-nsu-polizei-90404944.html

ein déjà-etendu mit dem Original-Sound der sich ganz besonders pfiffig-gewitzt glaubenden DDR-Hofberichterstattung in den damaligen "Presseorganen" wie Wochenpost, Sonntag, Weltbühne, NBI und (Ost-)Berliner-Zeitung-Feuilleton. Es ist erschreckend, sogar die verschrobene Eigenart der Gedankenführung, sogar der verschrobene Duktus, bis hin zum Satzbau, feiert wieder Urständ, und vor allem die damals im Roten Kloster ankonditionierte strotzende Selbstgewißheit der erzieherischen und lenkenden Funktion, die dann "mit psychologischem Geschick" (???) noch explizit eingestreut wird. Ebenso grottig sind die sich durchziehenden hilflosen Versuche, beim "Hochjubeln" mit Anballungen verkorkster Analogie und üppig-blumiger Ausschmückung (à la Idol Hermann Kant) sowie auf Ranschmeißerart mit Namedropping, "Jugendsprache" und "sozialistischer Witzigkeit" (à la Eulenspiegel-"Witz"???-Zeitschrift) den Mangel an trockenem Esprit, Seriosität und Humor zu kaschieren. Fehlt nur noch der peinliche Ausruf

"Nennen sie ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages Dan Danger!".

- G. G.

Lotta Vorbeck

11. April 2021 20:45

@Gustav Grambauer - 11. April 2021 - 08:19 PM

"... Fehlt nur noch der peinliche Ausruf

"Nennen sie ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages Dan Danger!"."

---

Dann lob' ich mir "Waldemar" oder "Heinz-Florian"!

links ist wo der daumen rechts ist

11. April 2021 21:24

@ GG @ LV

Als Ösi mußte ich mich zum Stichwort "Neuankömmlinge des Tages..." erst kundig machen:

https://www.youtube.com/watch?v=HJdskoajElU

Herrlich!

Und es sind diese Kontinuitäten und verschobenen Fronten, die den "Widerstands"-Bücklingen von heute nicht schmecken, deshalb auch nocheinmal Dank an @ GG für frühere Hinweise wie u.a. diese:

https://www.youtube.com/watch?v=8RnS7117FM8&t=14s

https://www.youtube.com/watch?v=vJMZBEpW5JM&t=373s

 

Nemo Obligatur

11. April 2021 21:27

Den Namen Danger Dan musste ich erst mal googeln. Von der Antilopengang hatte ich schon gehört, dachte aber, es sei etwas Zoologisches.

In einer gehypten Sendung im ÖR-Rundfunk, quasi staatlich finanziert und abgesegnet, dazu das Spiel mit den schon nicht mehr verholenen Aufrufen zu Gewalt. Das alles in der satten Gewissheit, Null Risiko zu haben, falls irgendwo ein treuer Gefolgsmann "der Kanzlerin  entgegenarbeitet" (gemeint ist natürlich vorausschauend Annalena B.), aber sich trotzdem zugleich den moralischen Mehrwert des Widerstandskämpfers anzueignen: Das wäre fast ein Geniestreich, wenn es nicht schon so viele von Grönemeyer bis Feine Sahne Fischfilet zuvor getan hätten.

Habe grad eine Vision: Peter Ustinov, dieses Mal nicht als Nero, sondern als Rundfunktintendant, leicht blödelnd, sich für konservativ haltend.

Waldgaenger aus Schwaben

11. April 2021 21:59

Ich vemute, Danger Dan wird morgen  seinen Anwalt prüfen (äh "checken") lassen, ob dieser Konter, der ihn als feigen, schmierigen, verklemmten Hosenpisser darstellt, von der Kunstfreiheit gedeckt ist.

 

Peter

11. April 2021 22:09

Eine sehr gelungene Darstellung, sehr amüsant. Als ich den Typen bei Böhmermann singen hörte, dachte ich erst, der sei eventuell originell. Aber bei dem subversiven, hinterpföttigen, linksradikalen und konspirativen Böhmermännchen, der sich allerdings mit dem informativen Teil seiner Sendung überraschend selbst übertroffen hatte, konnte das Lied nicht anders enden: mit einer AfD-Keule und Faschistengeheul.

Umso überraschender ist dieser Beitrag über einen Rapper, den ich noch nie gehört und vom den ich noch weniger gehört habe. Ich dachte erst, er sei ein Türke. Jetzt ist der Hintergrund klar, vor allem das mit der Kunstfreiheit.

limes

11. April 2021 22:16

@ RMH (»Das Lied zeigt recht deutlich, auf welchem Winkeladvokaten-Niveau das allgemeine Rechtsempfinden gelandet ist. Fast jeder denkt, man brauche nur "gute Anwälte" oder irgendeine "Gesetzeslücke" oder eine Rechtsauslegung und man kann dann sich irgendwas erlauben.«)

Schon vergessen? Dazu gibt es ein Lied, freilich ein pfiffigeres, »Tango Korrupti«:

https://youtu.be/RhZKGlDQXr8

Laurenz

11. April 2021 23:00

@Gustav Grambauer

Eine juristischen "Checker" braucht man ja weniger bei verbalen Angriffen gehen Bürgerliche, viel mehr bei Angriffen gegen die Höfischen, wie Polizei & Justiz. Das wäre in der DDR nicht durchgegangen, zumindest nicht gegen Volkspolizei & Volksjustiz.

Die Polizei-Schläger-Trupps machen sich ja erst seit Corona im vermehrten Maße selbst zum gesellschaftlichen Fremdkörper.

@Anatol Broder

"weitere Narben ver­hinderte ich persön­lich, als Florian bei einem lokalen Auf­tritt wieder mal den Mund zu voll nahm."

Ich mußte echt lachen. Ich finde es amüsant, wenn Rapper den Schutz von philosophisch orientierten Menschen brauchen.

zeitschnur

11. April 2021 23:35

O Leute, ich kannte den vorher auch nicht, den Danger Dingsda. Woher kennen Sie den eigentlich, GK? Diese Komination von schwarzen Tasten und Haargel kennt man sonst nur von Drosten (kennen die beiden sich eigentlich? derselbe Hairstiylist? oder gar mehr? derselbe Thinktank?). Von öffentlich-rechtlichem Widerstand mit Kinderzimmer habe ich mich vor Jahrzehnten verabschiedet, seitdem hauseigenes Kindergeschrei in meiner Wohnung ertönte. Ehrlich gesagt muss ich, seitdem ich den Text oben gelesen habe, immer an Troubadix denken. Ganz im Rahmen der Kunstfreiheit. Aber dass er nach Ratte und Kanal riechen würde ... Sicher, dass es nur Schwanz und Bierpfütze war?

Es wird wirklich Zeit für einen Reset. Aber einen anderen.

Gracchus

11. April 2021 23:42

Gut gekontert. Herzhaft gelacht. Damit: Thema erledigt.

Auf -  @G. G. - den FR- Text bin ich auch gestoßen und dachte ganz ohne DDR-Sozialisation: Was zum Teufel ist das? Mein Highlight: 

"Und diese Katze heißt Danger Dan. Der ist Rapper, einem erlesenen Kreis aus Kunstkennern bekannt als Teil der fantastischen Combo Antilopen Gang, und hat etwas zu sagen. Ich muss zugeben, dass ich kurz mit dem Gedanken gespielt habe, den gesamten Songtext seines Tracks (...) niederzuschreiben (...). Und der ab sofort in jedem Radiosender halbstündlich hoch und runter laufen sollte.

Denn: Jedes Wort davon wäre es wert. Allerdings könnte das eventuell in einigen wenigen Fällen dazu führen, dass Teile des Publikums denken, dem Meisterwerk Danger Dans nicht mehr lauschen zu müssen."

Simplicius Teutsch

12. April 2021 00:13

Dieser Däintscher Dän ist doch bloß ein dummer Hund.

ede

12. April 2021 00:30

Großartiger Text. Traurig, wehmütig & wahr. 

Carsten Lucke

12. April 2021 02:21

Wie belehrte mich ein guter Kumpel immer ?: Trau' keinem, der nicht weiß, wie 3 Bier "hinnernander" schmecken !

dreamingplanet7

12. April 2021 05:31

Ein hervorragender Verriss, dass darf Kunst nicht nur, dass muss sie auch! Grins...

Waere von selbst nie auf dieses Video gestossen aber muss anmerken (denn mit Linken leben kommt vor): Die glauben das wirklich, die denken in Schnellroda haengen Saebel an der Wand und kommen sich vor wie Stauffenberg wenn sie AfDRentner anpoebeln...
Es ist so irre...

Herr K aus O

12. April 2021 08:22

“Die Schönheit wird die Welt retten”. Ganz ehrlich: Statt sich auf das Jonglieren mit Inzidenzzahlen einzulassen, also einer Kriegslogik wie im Ersten Weltkrieg mit Linien, Frontverläufen usw., müssen “wir” die Coolen werden. Anders geht es nicht. Mehr Prosa, weniger Philosphie.

bb

12. April 2021 09:29

Wann kommt das Interview mit Rap.de?

Antwort Redaktion:
Wir vermitteln die Anfrage gerade an Pfützes "alten Kumpel" weiter.

Götz Kubitschek

12. April 2021 10:17

so, schluß mit der kunstfreiheit.

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