20. April 2021

Solidaritätsaktion nach Anschlag auf Buchhaus Loschwitz

Götz Kubitschek / 15 Kommentare

Ausverkauft!! -- Auf die Buchhandlung von Susanne Dagen in Dresden-Loschwitz ist in der Nacht von Sonntag auf Montag ein Anschlag verübt worden.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Linksextremistische Täter haben die Schaufensterscheibe eingeschlagen und mit Buttersäure und Böllern Verwüstung angerichtet. Wie groß der materielle Schaden ist, kann man noch nicht sagen: Bücher sind sensible Ware, in jeder Hinsicht.

Das Buchhaus Loschwitz war 2015 und 2016 eine der vom Börsenverein des deutschen Buchhandels ausgezeichnete Buchhandlung des Jahres. Das lag am hervorragenden Sortiment, das Dagen und ihr Ehemann auf kleiner Fläche vorhielten und am exzellenten Veranstaltungsprogramm, das das Buchhaus im Kulturhaus Loschwitz anbot - über den Hof im Haus nebenan.

Seit Dagen und eine Reihe anderer sächsischer Kulturgrößen sich nicht am schäbigen Verdammungswettbewerb gegen die Pegida-Spaziergänger beteiligten, findet das offizielle Buch-Deutschland Sortiment und Programm der Loschwitzer doch nicht mehr so vorbildlich. Die Veranstaltungen waren aber weiterhin (und erst recht) stets ausgebucht.

Dagen hat als Initiatorin der Charta 2017 gegen die Verunglimpfung und die Verdammung mißliebiger Verlage auf der Buchmesse in Frankfurt (Oktober 2017) protestiert und die Kritik an enger werdenden Meinungskorridoren immer wieder geäußert. Seit zwei Jahren tut sie dies auch als Stadträtin für die Freien Wähler in Dresden.

Unseren Lesern dürfte sie außerdem bekannt sein durch das literarische Trio "Aufgeblättert - Zugeschlagen", das sie zusammen mit Ellen Kositza initiiert hat und das in bisher neun Folgen mit jeweils einem Gast je drei neue Bücher behandelt.

Was nun? Der Angriff auf das Buchhaus Loschwitz ist kurios, weil Susanne Dagens Buchhandlung keine rechte Buchhandlung ist - auch keine linke, sondern eben eine Buchhandlung. Kurios ist also, daß mittlerweile schon sehr wenig ausreicht, um politische Reinemache-Trupps auf den Plan zu rufen. Diese Putztruppen sind derzeit in ganz Mitteldeutschland unterwegs, einen Artikel dazu veröffentlichen wir in den nächsten Tagen.

In Dresden haben sie beispielsweise Anfang April das Auto des AfD-Landtagsabgeordneten Zickler abgefackelt: "Die Schweine scheiterten in ihren ersten Löschversuchen, so dass das Auto an einem Totalschaden nicht vorbei kam", heißt es auf der Antifaplattform indymedia. Das alles ist den Medien nicht der Rede wert, das ist bundesdeutscher Alltag, also noch einmal: Was nun?

In Halle mußten wir unser Hausprojekt (nichts besetztes, sondern Eigentum) nach vierzig dokumentierten und zum Teil extrem gefährlichen Angriffen auf das Gebäude und seine Bewohner räumen und verkaufen. Vierzig Strafanzeigen liegen neben vierzig Bescheiden, daß man die Ermittlungen habe einstellen müssen, weil es keine Spuren gebe. nach dem damals schwersten Angriff konnten Martin Sellner und ich im Rahmen eines Pegida-Spaziergangs fünf von einhundert Pflastersteinen versteigern, die in Halle gegen Fassade und Fenster (Plexiglas!) flogen.

Aus Loschwitz haben uns nun neunundzwanzig Bücher erreicht, die so beschädigt sind, daß man sie nicht mehr verkaufen kann, jedoch noch nicht so getränkt mit Säure, daß ihr Besitz gänzlich unzumutbar wäre. Diese Bücher verkaufen wir hiermit, der gesamte Erlös geht an die Dagens, er hilft hoffentlich, Säuberung und Renovierung zu finanzieren. (Interessant ist, daß es sich bei den Büchern zum größten Teil um die Schaufensterauslage handelt. Schon bemerkenswert, wie wurscht es diesen Typen ist, was sie da besudeln.)

Wir machen das so:

+ Autor, Titel und Ladenpreis sind aufgeführt, wir haben nichts dagegen, wenn zum Wunschbuch zugleich ein aufgerundeter Kaufpreis mitnotiert wird, der als Spende gedacht ist. Wir verletzten damit die Buchpreisbindung nicht (Börsenverein aufgepaßt!): Bei den beschädigten Büchern handelt es sich nämlich nun um Performance-Kunst einer Gruppe, deren Militanz zwar von Danger Dan, Böhmermann und anderen beklatscht wird.

+ Versand mit Rechnung erfolgt über Antaios, den Dagens werden wir die Kunstobjekte dann zu einem Preis abkaufen, der den Gesamterlös noch einmal aufrundet.

+ Wir versuchen, den unten aufgeführten Bestand aktuell zu halten, bedauern aber jetzt schon diejenigen, die zu spät gekommen sein werden.

Aber: Dank an alle! Es gehört sich so, mindestens!

-- -- --

Alle Bücher sind verkauft, herzlichen Dank an alle Kunstsammler!

Die Morgendämmerung der Worte. Moderner Poesie-Atlas der Roma und Sinti, 42 € verkauft für 84 €

Olga Forsch: Russisches Narrenschiff. Ein Roman in neun Wellen, 44 € verkauft für 100 €

Stefan Laube: Der Mensch und seine Dinge, 32 € verkauft für 50 €

Darroch und Michael Putnam: Die Farbenlehre der Blumen, 29,95 € verkauft für 35 €

Stephen Fry: Mythos. Was uns die Götter heute sagen, 14 € verkauft für 30 €

Stefano Massini: Das Buch der fehlenden Wörter, 26 €, zwei Exemplaren verkauft für jeweils 52 €

Edward Brooke-Hitching: Der Atlas des Himmels, 35 € verkauft für 50 €

Karin Schneider: Tauben. Ein Portrait, 20 € verkauft für 30 €

Brigitte Schuster: Architektur für die Katz. Schweizer Katzenleitern, 39 € verkauft für 39 €

Zora del Buono: Das Leben der Mächtigen. Reisen zu alten Bäumen, 32 € verkauft für 50 €

Wilhelm Schmid: Heimat finden, 24 € verkauft für 50 €

Manfred Geier: Die Liebe der Philosophen. Von Sokrates bis Foucault, 24 € verkauft für 50 €

Jean Giono: Ein Mensch allein. Roman, 42 € verkauft für 80 €

Heiner Boehncke/Hans Sarkowicz: Grimmelshausen. Leben und Schreiben – Vom Musketier zum Weltautor, 24 € verkauft für 75 €

Tilman Spreckelsen: Gralswunder und Drachentraum. Ein Streifzug durch die Artuswelt, 24 € verkauft für 40 €

Marcel Proust: Das Flimmern des Herzens. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, 24 € verkauft für 40 €

Chaim Grade: Von Frauen und Rabbinern. Zwei Erzählungen, 44 € verkauft für 100 €

Bettine von Arnim: Letzte Liebe. Das unbekannte Briefbuch, 42 € verkauft für 80 €

Hazel Rosenstrauch: Wahlverwandt und ebenbürtig. Caroline und Wilhelm von Humboldt, 22 € verkauft für 50 €

Arnold Höllriegel: Die Derwischtrommel. Das Leben des erwarteten Mahdi, 42 € verkauft für 60 €

Jules Verne: Die Jangada. 800 Meilen auf dem Amazonas, 42 € verkauft für 100 €

Grete de Francesco: Die Macht des Charlatans, 44 € verkauft für 100 €

Der Königsspiegel. Fahrten und Leben der alten Norweger, aufgezeichnet im 13. Jahrhundert, 44 € verkauft für 50 €

Iso Camartin: Die Kunst des Lobens. Zur Rhetorik der Lobrede, 42 € verkauft für 50 €

Ilja Ilf/Jewgeni Petrow: Das goldene Kalb oder die Jagd nach der Million. Roman, 24 € verkauft für 30 €

Hans Peter Duerr: Diesseits von Eden. Über den Ursprung der Religion, 38 € verkauft für 38 €

Honoré de Balzac: Musikalische Gemälde. Fünf Novellen, 44 € verkauft für 60 €

Somyutei Encho: Die Pfingstrosenlaterne, 44 € verkauft für 60 €


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (15)

Vultus Animi

20. April 2021 19:44

Der Anschlag auf Buchhaus Loschwitz verschlägt mir die Sprache. - Meine Reaktion: dort ordentlich bestellen die Exil-Reihe abonnieren.

H. M. Richter

20. April 2021 20:24

Wage aus gegebenem Anlaß vorzuschlagen: Stiftung eines jährlich zu vergebenden Buchhändler-Preises aus privaten Mitteln.

Möglicher Name: Victor-Klemperer-Preis.

Oder: Loschwitzer Heinrich-Heine-Preis.

Mindesteinlage 5.000 €.

Erster Preisträger gesetzt: Buchhaus Loschwitz.

Die Sammlung könnte in den nächsten Tagen beginnen.

Bekenntnismöglichkeit (Kennwort „Freiheit“) für Schriftsteller u.a. jeglicher Couleur.

Erste Spende hiermit verbindlich zugesagt.

Laurenz

20. April 2021 20:35

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/anschlag-auf-buchhaus-loschwitz-in-dresden/

Hartwig aus LG8

20. April 2021 21:10

Buchhaus Loschwitz kann sich meiner (finanziellen) Solidarität sicher sein.

Für Frau Dagen und die Damen und Herren in Schnellroda und auch für die hier oft geschmähten AfD-Mitglieder (und -Granden) ist es keine Option mehr;  -  aber alle die es noch können, sollten das "Gesicht zeigen" einstweilen vergessen. Subversion ist das Gebot der Stunde. Der Feind schickt seine Partisanen. Lernen wir endlich .....

Solution

20. April 2021 21:19

Bin bei solchen Solidaritätsaktionen immer dabei. Habe jetzt auch die 3. Staffel der Buchreihe des Buchhauses Loschwitz bestellt.

Der Joseph

21. April 2021 08:23

trotz Corona verdiene ich immer noch gut und gebe gern etwas davon ab. Frei nach Ernst von Salomon, den ich hier bei SiN durch die Buchbesprechungen von GK und EL kennenlernen durfte "Die Gegenkomponente der Mächte unserer Zeit scheint mir der solidarische Akt"

Könnte man hier eine Kontoverbindung für Spenden veröffentichen?

links ist wo der daumen rechts ist

21. April 2021 09:15

Koinzidenzen? Was den einen eingeschlagene Fensterscheiben und "Corona-Maßnahmen" scheinen den anderen vorzeitige Badeschlüsse und Zeichenbeschränkung zu sein. Machtworte. Hoffentlich ändert sich das wieder. Ein bißchen mehr Weltoffenheit und Vertrauen/Gutmütigkeit (deutsche Tugenden) kann nie schaden.

Der Volk-Kommentarstrang hätte mindestens eine Woche geöffnet bleiben müssen.

Nachtrag: zu der Zeit, als wirklich über Volk, Nation, Staat der Deutschen debattiert wurde, also zu Zeiten Schillers, Fichtes, Steins usw. ging es dabei immer auch um den Anspruch der Vervollkommnung des Einzelnen (wofür die meisten der Genannten eine Vorbildfunktion der Deutschen ansahen); das war das "Weltbürgerliche" an der ganzen Sache.
Spätes Echo:
Beuys' Bezugnahmen auf Steiner und Schiller, wovon GK in seiner letzten "Sezessions"-Vorstellung eine leise Ahnung vermittelte.

https://d-nb.info/115112625X/34

Den Antifa-Horden wird dabei nicht mehr zu helfen sein, den anderen ein bißchen mehr Mut auf ihrem Weg zu "sittlicher Freiheit" (Fichte).

Suedburgunder

21. April 2021 09:43

Spende geht raus. Zusammen mit der Info an die "Partisanen des Feindes" (@Hartwig). Sie müssen nämlich begreifen, daß ihre Aktionen kontraproduktiv sind.

MARCEL

21. April 2021 09:43

Finanziell kann ich leider nicht groß mithalten (ich tue allerdings, was ich kann), da mein Verdienst nicht viel hergibt. Ich finde es allerdings ein sehr gutes Zeichen der konkreten Gruppenzusammengehörigkeit, dass man hier auffängt - nicht zu unterschätzen, in jeder Hinsicht! Jeder trägt mit dem bei, was er hat und was er kann.

(Zitat Michail Bulgakow: "Manuskripte brennen nicht")

Uns gibt es nach wie vor und das allein ist ermutigend, dennoch nur die halbe Miete.

@Hartwig aus LG8, sehe ich seit längerem genauso. Der Gegner ist schlau genug, (noch) keine Märtyrer in unserem Spektrum zu produzieren. Er begnügt sich damit, uns als wehrlose Opfer aussehen zu lassen, die man gleichwohl als hochgefährlich hinstellt.

Sichtbarkeit heißt Zielscheibe sein.

Untergrund ist nicht jedermans Sache und hat mit James Bond etc. nichts zu tun! (hierzu James C. Scott (eigentlich ein Anarchist) "Domination and the arts of Resistance. Hidden Transcripts", wer französisch liest, wird auch bei Pierre Chateau-Jobert fündig)

 

Laurenz

21. April 2021 11:40

Das geht ja schneller als die Preußen schießen konnten..... jetzt wollte ich mich für das Götter-Dingens-Buch entscheiden und weg isses....

Laurenz

21. April 2021 11:43

@MARCEL

Nichts anderes hat GK formuliert. Vor allem parteipolitisch kann man sich öffentlich auf weniges beschränken. Die Pseudo-Grünen sind mit mehr oder weniger 0 politischen -, viel mehr ein paar religiösen Inhalten äußerst erfolgreich.

Imagine

21. April 2021 11:48

@links ist wo der daumen rechts ist   21. April 2021 09:15
„Der Volk-Kommentarstrang hätte mindestens eine Woche geöffnet bleiben müssen.“

Zumal sich das Volk – wie auch dieser Anschlag zeigt – sich in einem Vor-Bürgerkriegsstadium befindet.

Der Bürgerkrieg , den es in Deutschland im letzten Jahrhundert in zwei unterschiedlichen Zeitphasen gab, ist ein Tabuthema und wird von der Politik, den Medien und der Wissenschaft totgeschwiegen.

Der Joseph

21. April 2021 14:41

Spende ist raus. Frau Dagen hat ein Spendenkonto auf der Webseite des Buchhaus Loschwitz angegeben.

https://www.kulturhaus-loschwitz.de/

Waldgaenger aus Schwaben

21. April 2021 14:44

chgut.com bewirbt doch tatsächlich Bucbestellung bei amazon. Das war mit gleich einen Kommentar wert:

"Bei Hinweise wo Bücher bestellt werden können bitte Amazon nicht berücksichtigen. Die Buchhandlung von Susanne Dagen in Dresden-Loschwitz, auf die ein Anschlag verübt wurde braucht das Geld drinngender. Der Antaios-Verlag von  Götz Kubitschek liefert auch jedes Buch."

 

Bitte auf alle rechten, konservativen, etc blogs wo amazon als Lieferant angegeben wird, dies umgehend richtig stellen.

 

Niekisch

21. April 2021 18:21

"Der Volk-Kommentarstrang hätte mindestens eine Woche geöffnet bleiben müssen."

@ linksistwoderdaumenrechtsist & imagine: Deswegen konnte ich leider Gracchus nicht mehr antworten. Wegen der Wichtigkeit des Volksbegriffs werde ich es auf Metapolitka nachholen und versuchen, die 20 Punkte nach und nach für die Mosaikler so zu formulieren, dass sie nach außen hin einsetzbar sind.

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