Die algorithmisierte Nation

Wo überhaupt lebt die Nation?

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Exis­tiert sie min­des­tens irgend­wo und irgend­wie grund­sätz­lich noch so, wie sie Genera­tio­nen von Deut­schen über Jahr­hun­der­te Hei­mat war? Und wenn das bereits zu ver­nei­nen wäre: Könn­te sie als Kul­tur­raum der Deut­schen geret­tet oder wie­der­ge­won­nen werden?

Inwie­fern die Zuwan­de­rung, die Über­frem­dung unse­rer Kul­tur die Nati­on ver­schwin­den las­sen, das wird – weil augen­fäl­lig – zu recht so inten­siv pro­ble­ma­ti­siert wie ihr Schwund im Voll­zug von „euro­päi­scher Inte­gra­ti­on“ und Glo­ba­li­sie­rung. Wesent­li­che hoheits­recht­li­che Befug­nis­se hat die Ber­li­ner Repu­blik längst so umfas­send ver­lo­ren, wie das eins­ti­ge Reich Län­der sei­nes Ter­ri­to­ri­ums ein­büß­te. Gar nicht zu reden vom kul­tu­rel­len Abbruch und dem Aus­schla­gen eines rei­chen geis­ti­gen und künst­le­ri­schen Erbes durch die Kultusbürokratie.

Weni­ger Beach­tung fin­det jedoch, wie der Inter­net- und Platt­form­ka­pi­ta­lis­mus mit der Beschleu­ni­gung des Über­gangs vom regie­rungs- zum markt­ge­stütz­ten Finanz­we­sen die Ent­na­tio­na­li­sie­rung vorantrieb.

In Joseph Vogls Buch Kapi­tal und Res­sen­ti­ment. Eine kur­ze Theo­rie der Gegen­wart fin­det sich auf knapp zwei­hun­dert Sei­ten bün­dig beschrie­ben, inwie­weit über die Ver­qui­ckung von Finanz­ka­pi­tal und Infor­ma­ti­ons­tech­nik mit­tels des Net­zes eine „kapi­ta­lis­ti­sche Land­nah­me“ erfolgt, die der „ursprüng­li­chen Akku­mu­la­ti­on von Kapi­tal“, wie sie Karl Marx für die frü­he Neu­zeit beschrieb, nicht nach­steht. Gera­de die­se Land­nah­me nivel­liert Kul­tu­ren, Natio­nen und Spra­chen sowie über­haupt Diversität.

Die Inter­net-Kom­mu­ni­ka­ti­on und ‑Kon­nek­ti­vi­tät schafft eine ver­öde­te Welt in Gestalt eines Ver­wer­tungs­raums, indem die „Alli­anz von Finanz- und Infor­ma­ti­ons­öko­no­mie“ supra­na­tio­na­le gou­ver­ne­men­ta­le Struk­tu­ren ent­ste­hen läßt, die mit­tels eige­ner Kon­troll­prak­ti­ken herr­schen und einen „Über­wa­chungs­ka­pi­ta­lis­mus“ eta­blie­ren, der sich über die frei­wil­li­ge Mit­ar­beit all der im Netz ver­da­te­ten User und Kon­su­men­ten repro­du­ziert. Von Staats- sind sie längst zu Netz­bür­ger gewor­den und von der Ver­hal­tens­steue­rung durch die mit­ein­an­der ver­quick­te Infor­ma­ti­ons- und Finanz­in­dus­trie bestimmt.

Das gilt für die Wer­be­ge­schäf­te von Such­ma­schi­nen und sozia­len Netz­wer­ken eben­so wie für die Zen­tra­li­sie­rung von Daten­ex­trak­ti­on in Cloud-Platt­for­men oder für die Auf­zeich­nung von Zah­lungs­flüs­sen durch Bezahl­sys­te­me, wobei sol­che Über­wa­chungs­gü­ter nicht über Zwangs­maß­nah­men, son­dern durch ‚Kon­troll­ver­trä­ge‘ im Tausch gegen Vor­tei­le, Gra­ti­fi­ka­tio­nen und Beloh­nun­gen, mit kos­ten­lo­sen Dienst­leis­tun­gen und Appli­ka­tio­nen aller Art – von Navi­ga­ti­on bis zu Infek­ti­ons­war­nung – ver­trie­ben wer­den. Frei­wil­lig­keit ist die Paro­le der Kontrolle.

Mit der soge­nann­ten Pan­de­mie for­cier­te sich die­se Ten­denz. Vogl zitiert Fer­nand Brau­del: Der Kapi­ta­lis­mus tri­um­phiert stets, wenn er Staat wird. – Über den Solu­tio­nis­mus wächst er sich zum Welt­staat aus.

Die Infor­ma­ti­ons­in­dus­trie ist der trä­gen rechts­staat­li­chen und demo­kra­ti­schen Kon­trol­le längst ent­eilt. In der Herr­schaft der Codes und Algo­rith­men bil­det sich die „Polis der Solu­ti­on“ her­aus, zu deren Bewoh­nern die meis­ten von uns zwangs­läu­fig zäh­len. Vogl:

Die Pfle­ge kapi­ta­lis­ti­scher Eigen­tums­rech­te im Sin­ne des domi­ni­um hat sich mit Herr­schafts­ru­di­men­ten des impe­ri­um ver­bün­det, und was immer wie­der als Ero­si­on einer neu­zeit­li­chen ter­ri­to­ri­al- bzw. natio­nal­staat­li­chen Ord­nung samt damit ver­knüpf­ter Geset­zes­kraft auf­ge­ru­fen wur­de, hat Platz für den kon­se­quen­ten Auf­bau pri­va­ter para-staat­li­cher Auto­ri­tä­ten geschaf­fen. Deren aktu­ells­te Gestalt moch­te man in einer Art Staats­wer­dung von Infor­ma­ti­ons­ma­schi­nen und in ‚Platt­form-Sou­ve­rä­ni­tä­ten‘ erkennen …

Spä­tes­tens mit digi­ta­lem Geld wür­den auch Wäh­rungs­ge­bie­te ent­ste­hen, in denen sich Natio­nen von Online-Staa­ten abge­löst fän­den. Die geld­po­li­ti­sche Sou­ve­rä­ni­tät droht von den Zen­tral­ban­ken auf die Finanz­märk­te über­zu­ge­hen, was als die Erfül­lung neo­li­be­ra­ler Träu­me ange­se­hen wer­den könn­te, bis­he­ri­ge natio­na­le Kul­tu­ren und Staa­ten aber auf­löst oder über­flüs­sig wer­den läßt.

Nament­lich der Finanz­markt, weit­ge­hend der Real­wirt­schaft ent­kop­pelt, bedarf der klas­si­schen Natio­nen nicht; sie ste­hen sei­nen Expan­si­ons­mög­lich­kei­ten eher im Weg. Sei­ne Maschi­ne­rie erzeugt alle Trends und Refe­ren­z­il­lu­sio­nen selbst. Dabei kommt es weni­ger auf seman­ti­sche Inhal­te als auf mathe­ma­ti­sier­te Erwar­tun­gen und deren Unter­schie­de an. Ent­schei­dun­gen fin­den sich ohne­hin an Algo­rith­men dele­giert. Es geht allein um Infor­ma­tio­nen, die Vogl als „Wis­sen minus Nach­weis und Recht­fer­ti­gung“ definiert.

Digi­ta­li­sie­rung wur­de gera­de vorm Hin­ter­grund der „Pan­de­mie“ als Segen auf­ge­faßt. Sie war und ist aber nicht allein Werk­zeug, son­dern dank immer schnel­le­rer Rechen­leis­tun­gen die Grund­la­ge jener algo­rith­mi­schen Markt­ope­ra­tio­nen, die Platt­form- und Inter­net­un­ter­neh­men die Pro­fit­ab­schöp­fun­gen ermög­li­chen und neben­her steu­er­po­li­ti­sche Ein­grif­fe blo­ckie­ren. Algo­rith­mi­sie­run­gen ermög­li­chen es,

die durch Online-Ver­hal­ten hin­ter­las­se­nen Infor­ma­ti­ons­spu­ren zu quan­ti­fi­zie­ren, zu aggre­gie­ren, zu fil­tern, zu ana­ly­sie­ren und zu trans­for­mie­ren, so daß aus Vor­lie­ben, Such­an­fra­gen, Lüs­ten, Selbst­dar­stel­lun­gen, Que­re­len, Inti­mi­tä­ten oder Sozi­al­kon­tak­ten über­haupt Mus­ter und aus die­sen Mus­tern Pro­duk­te oder Waren zum Ver­kauf an Kun­den aus der Wer­be­bran­che gewon­nen wer­den, die sich ins­be­son­de­re für indi­vi­du­ell und mikro­lo­gisch adres­sier­ba­re Kam­pa­gnen inter­es­sie­ren. (…) Man könn­te hier von der Abschöp­fung eines Ver­hal­tens­mehr­werts, eines Vital­quan­tums oder von der Wirk­sam­keit eines ‚labo­rie­ren­den Unbe­wuß­ten‘ unter Netz­werk­be­din­gun­gen sprechen.

Wäh­rend der klas­si­sche Kapi­ta­lis­mus der Natio­nen als Rechts­rah­men bedurf­te und ihnen kul­tu­rell über das rea­le Wirt­schaf­ten, For­schen und Pro­du­zie­ren zu ihrem moder­nen Selbst­ver­ständ­nis ver­half, braucht die inter­net­ba­sier­te Finanz­wirt­schaft die eins­ti­gen Kul­tur­na­tio­nen in deren Ver­schie­den­heit nicht mehr, im Gegen­teil. So, wie der Inge­nieur gegen­über dem Bör­sen­fuz­zi ver­lor, büßt die Nati­on ihr kul­tu­rel­les Ter­rain im Zuge des modern­ka­pi­ta­lis­ti­schen land-grab­bing ein.

Die Inter­es­sen­über­ein­stim­mung und der dar­aus resul­tie­ren­de Kom­pro­miß zwi­schen der links­grü­nen Hege­mo­nie in der Poli­tik auf der einen und dem glo­ba­len Finanz­ka­pi­ta­lis­mus auf der ande­ren Sei­te sorgt für ein fata­les Zusam­men­wir­ken, bei dem die einen der Illu­si­on eines Welt­bür­ger­tums im Sinn ihres Uni­ver­sal­hu­ma­nis­mus fol­gen, die ande­ren aber total auf die Res­sour­ce Mensch zugrei­fen wol­len – in des­sen quan­ti­fi­zier­ba­rer Potenz als Arbeits­kraft, Kon­su­ment und Informationslieferant.

Der Finanz­ka­pi­ta­lis­mus ist nicht das Welt­bö­se, das irgend­wo hin­ter Groß­bild­schir­men dräut und über elek­tro­nisch beschleu­nig­te Bör­sen­rech­ne­rei All­machts­vi­sio­nen ent­wi­ckelt. Wir sind es selbst, indem wir die­ses Sys­tem ein­rich­ten – mit unse­ren Bedürf­nis­sen und mit einer Hybris, die längst alles Maß ver­lor. Wir bekla­gen das roman­tisch, aber ver­mut­lich fol­gen wir einer unse­rer Ent­wick­lung ein­ge­schrie­be­nen Gene­tik, die zuguns­ten der Finanz- und Infor­ma­ti­ons­öko­no­mie ganz pas­sig algo­rith­mi­sier­bar ist.

Auch grü­ne Welt­ver­bes­se­rer wer­den den umfas­sen­den Sieg des Solu­tio­nis­mus nicht auf­hal­ten; sie wol­len sich sei­ner viel­mehr bedie­nen. Nur wer­den auch grü­ne Inno­va­tio­nen, gera­de wenn sie erst markt­gän­gig sind und Gewin­ne erzie­len, den Ver­brauch anre­gen, also den Welt­ver­schleiß beschleunigen.

Grund­ten­denz: Qua­li­ta­ti­ve Erwä­gun­gen und Ent­schei­dun­gen wei­chen den prak­ti­schen Mög­lich­kei­ten blo­ßen Quan­ti­fi­zie­rens. Wis­sen ver­schwin­det zuguns­ten von rei­nen Infor­ma­tio­nen, die der Begrün­dun­gen und Recht­fer­ti­gung im Sin­ne blo­ßer Mach­bar­keits­kri­te­ri­en nicht bedür­fen, was wie­der­um Nor­men, Insti­tu­tio­nen und das mora­li­sche Beur­tei­len über­flüs­sig erschei­nen läßt.

Es geht künf­tig über­haupt weni­ger um Seman­ti­ken, son­dern um infor­ma­ti­ons­tech­nisch vor­ge­nom­me­ne Bewer­tun­gen, ganz so, wie Goog­le eben nicht lexi­ka­lisch ope­riert, wie das bei älte­ren Such­ma­schi­nen noch erfolg­te, son­dern einem Ver­fah­ren folgt,

das bestehen­de Bewer­tun­gen mit Bewer­tun­gen, Erre­gun­gen mit Erre­gun­gen ver­stärkt. (…) Agnos­tisch gegen­über Inhal­ten wird der Ver­lin­kungs­ko­ef­fi­zi­ent zum Wertmaßstab.

Die Bil­dungs­po­li­tik hat sich dem bereits ange­schlos­sen, indem sie Inhal­te als anti­quiert ansieht und auf die Metho­de setzt, Infor­ma­tio­nen in „Clus­ter“ zu fas­sen, zwi­schen denen dann Bezie­hun­gen her­ge­stellt wer­den. Mit einer Bil­dung, die sich an Quel­len anzu­schlie­ßen such­te oder der es min­des­tens noch um ein „Wis­sen über“ ging, hat die Kul­tus­bü­ro­kra­tie längst gebrochen.

Die Nati­on droht in jeder Hin­sicht auf ein Ver­wer­tungs­ge­län­de redu­ziert zu wer­den. Und so sieht sie auch aus – land­schaft­lich, poli­tisch, kulturell.

Inwie­fern mag eine Wie­der­ver­wur­ze­lung mög­lich sein? Hei­mat gilt Grü­nen und Lin­ken als ein aus­ge­macht reak­tio­nä­rer Begriff. Ande­rer­seits haben ins­be­son­de­re Finanz­kri­sen und ‑crashs stets rech­ten Bewe­gun­gen Zulauf ver­schafft, so als ver­stärk­ten sie das Bedürf­nis der Men­schen nach der Gebor­gen­heit in Nati­on und Hei­mat. Grup­pen­bil­dun­gen und Gefolg­schaf­ten dafür dürf­ten wie­der­um in “sozia­len Netz­wer­ken” ent­ste­hen, weil dort die popu­lis­ti­sche Unmit­tel­bar­keit am ehes­ten mög­lich ist.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (36)

Nordlicht

26. April 2021 22:10

Die deutsche Nation ist die Kulturnation ist die Gemeinschaft der Menschen, deren Muttersprache "deutsch" ist.

Dass sich Deutsche erst spät in einem großen Staat verbanden, 1871, dabei leider Österreich ausschlossen (- die Gründe liegen nicht zuletzt in dem militanten Katholizismus der Habsburger), bestimmt unsere Probleme ab 1914. Auch wenn in der EU die Staatlichkeit Deutschlands zur Unkenntlichkeit zerlegt werden sollte, bleibt die Deutsche Nation.

Die deutsche Sprache ist nicht im Bestand gefährdet, also sind es auch nicht die Deutschen. Man kann über Anglizismen klagen und sich über die Gender-Vorschriften der Herrschenden empören, das ist berechtigt, aber das wird unsere Sprache nicht zerstören. Bürokratisch auferlegtes Deutsch setzt sich nicht durch, es perlt ab. Das Volk gestaltet und verändert die Sprache so, wie sie im Alltag praktisch ist. Das war immer so.

Nordlicht

26. April 2021 22:10

(2)

Nationalismus entwickelt sich unter den Deutschen zunächst als Reaktion auf den französisierten Stil und das Getue des Adels in den ungezählten Kleinstaaten Süddeutschlands, der sich dem Volk entfremdete, und dann massiv als Reaktion auf die französischen Annexionen und Unterdrückung unter Napoleon. Da wurde klar, dass man das Deutsch-Sein nur in einem grösseren Staat würde bewahren können.

In Deutschland kann ein Migrant nur etwas werden, wenn er vernünftig deutsch spricht, und seine Kinder ebenfalls. (In Österreich und der deutschen Schweiz ebenfalls.) Das wird - so bin ich überzeugt - dafür sorgen, dass es auch in 50 Jahren eine Deutsche Kulturnation mit 100 Mio. Menschen geben wird.

limes

27. April 2021 00:30

Die Bezeichnung »Grüne Weltverbesserer« ist grottenfalsch.

Die Grünen tragen PR-wirksam Kröten über die Straße, aber sie opfern jedes Habitat von Lurchen, Vögeln, Vierbeinern und Menschen sowie jeden CO2-absorbierenden Wald für Windmühlen. Schon gar Wälder, die zum mythischen Erbe Deutschlands zählen, wie den #Rettet den Reinhardswald, »Grimms Märchenwald«.

»Nur werden auch grüne Innovationen, gerade wenn sie erst marktgängig sind und Gewinne erzielen, den Verbrauch anregen, also den Weltverschleiß beschleunigen«, schreibt Heino Bosselmann. Das ist längst geschehen, und die Gewinne werden nicht der Nützlichkeit »grüner« Produkte wegen erzielt, sondern auf Grund politisch diktierter Monopole.

Professor Otte erwähnt in seinem Buch »Die Krise hält sich nicht an Regeln« den Ökonomen Werner Sombart, der zwischen Leistungskonkurrenz, Suggestionskonkurrenz und Gewaltkonkurrenz unterschieden habe. Mit dem Zertifikat »grün« werden Gewinne nur durch die beiden letzteren Konkurrenzen erzielt.

Gewinne sind Otte zufolge gar nicht zentrale Antriebskraft der traditionellen deutschen Wirtschaft: »Wir haben uns um Produkte gekümmert und um Dienstleistungen. Die Menschen haben ihre Arbeit gemacht, haben diese gut gemacht, und es ging dabei eben nicht um die maximale Rendite.« Auch diese Arbeitsmoral gehört zum deutschen Kulturraum, der zu retten oder wiederzugewinnen ist.

MARCEL

27. April 2021 08:58

Der Vordenker und Guru der Situationisten Guy Debord schreibt in La société du spectacle sinngemäß, das Spektakel (Digitalisierung ist sein Katalysator) sei das Herz des Irrealen der realen Welt. Und sei überdies die neue, die postmoderne Antwort auf die dauernde Frage der Moderne seit dem 19. Jhr.: Wie kriegt man die Armen zum Arbeiten?

Eines steht für mich fest: Staat, im modernen Sinne, ist tatsächlich ein obsoleter Begriff, Nation vielleicht auch, Ethnie und Kultur allerdings nicht. Darauf wird sich in Zukunft alles zusammenziehen. Auf je eigene Weise geht jeder in seinen Verband.

Ein zweites: Tausend Likes im Internet heißt mitnichten tausend Gefolgsleute! Charisma, Gefolgschaft und Verbindlichkeit lassen sich über Youtube, Instagram etc. etc. nicht wirklich herstellen, das geht immer noch über die persönliche, reale Begegnung, alles andere ist Illusions-Theater und Einfallstor für Manipilation oder Bespitzelung.

Gustav Grambauer

27. April 2021 09:11

Bringe es gar nicht übers Herz, das zu kürzen:

I

"Der die deutschen Gauen mit Schnee und Eis bedeckende Winter mag noch lange dauern, bis der wahre Frühling kommt, allein er wird kommen, der Samen der Freiheit ist gesät, und er wird aufgehen, das Naturgesetz wird weder List noch Heeresmacht aufheben. Wie einst dem rohen Stamm der germanischen Nation die Idee des Christentums eingepflanzt und in seinem Leben aufgenommen wurde, so wird dieser lebenskräftige Stamm erst noch die grünen Zweige aus sich zu frischen Blüten entfalten; wie der Leib der Kirche im deutschen Baustile bereits in seinen Umrissen vollendet ist, worin das fertige Glaubensdogma gepredigt wird, so werden auch die noch fast überall fehlenden Türme mit dem Weihrauch der wahren Andacht gen Himmel steigen, und es wird das immer geistige Leben und die Organisation der persönlichen Beziehungen zum Göttlichen erst noch zum selbstbewußten Verständnisse ausreifen, das symbolische Gebälke muß erst noch in die lebendige Bewegung der Zweckbestimmungen aufgehen, die Schwere der Kirche muß gelichtet, die Stabilität des Dogma von der Sonderheit in die Strömung des allgemein Menschlichen geleitet werden; wie die Freiheit sich innerhalb der Gesetze der Gerechtigkeit bewegen soll, so muß die Religion mit dem Lichte der Wissenschaft eine erleuchtete Wahrheit, und die Kunst eine Pflegerin der geistigen Schönheit am natürlichen Stoffe werden!

Gustav Grambauer

27. April 2021 09:12

II

Ist es nicht ein utopischer Traum und wird Deutschland auch nur entfernt ein solches Erfordernis zu erfüllen imstande sein? Deutschland wird seinen Beruf erfüllen, oder auf das allerschmählichste untergehen und mit ihm die europäische Kultur. Die Entscheidung naht, die Zeit drängt, es weht der Wind von Osten und Westen, es kann ein Sturm losbrechen! Der Stamm der alten Politik steht auf faulen Wurzeln, der Kalkül der Diplomaten möchte wohl zuschanden werden, ihre Kunst ist zur verzerrten, von niemand verstandenen Künstelei geworden. Kann man von den Disteln Feigen, von den Dornen Trauben lösen? Das wahre Leben der Freiheit sproßt nur auf den grünen Zweigen des Rechts und aus der warmen Quelle der Nächstenliebe! Oder kann die Unnatur bestehen und die in alle Glieder ausgeschlagene Disharmonie wieder zur alten Ordnung der abgewelkten Leiber umkehren?

Gustav Grambauer

27. April 2021 09:12

III

Es will Abend werden, die erste Zeit ist vergangen, aber Deutschlands Ende ist noch nicht gekommen; bisher hatte es kindische Anschlage, es kommt eine zweite Zeit, darin wird es das 'Kindische' ablegen und 'männliche' Anschläge haben. Die Zeit eines Volkes ist erst dann zu Ende, wenn es keine Fragen mehr hat und sich um des Lebens höhere Güter nicht kümmert, oder wenn es unfähig ist, sich auf die Lösung der Zeitfragen einzulassen! Der Deutsche hat nichts weniger als seine Spannkraft verloren, der Sinn ist klar, der Mut fest, und wer zweifelt an der Kraft des Armes? Überall wirken lebendige Geister, nicht als Nachbildner, - Originale stellen sie auf. Der wahre Hunger der Deutschen ist die Sehnsucht nach einer höheren Freiheit des Geistes; der Durst und das Verlangen nach dem Lichte der Wahrheit und des Rechtes sind die Haupttriebfedern, die rüstigen Hände an Werke zu legen, die alle noch unvollendet sind, ein Ziel zu erstreben, das der Menschheit noch ferne liegt. Oder soll der Strom wieder zurückfließen an die Quellen seines Ursprungs? Sollen die Völker wieder zu Familien-Fideikommissen der Fürsten werden oder handelt es sich um Staats- und Völkerrechte?

Gustav Grambauer

27. April 2021 09:13

IV

Es waltet ein höheres Gesetz in der Natur und Geschichte, dem sich kein Volk zu entziehen vermag, keines kann über sein Ziel hinaus, keines aber auch die Ordnung des Ganzen stören und dahinter zurückbleiben, als wohin seine Fähigkeit und der Geist der Sprache es treibt! Und die Reaktion, wird sie nicht das Rad wieder in das alte Geleise lenken? Eitle Toren, die sich nur an ihren Jugendträumen ergötzen! Das vielseitig hervorbrechende Feuer kannst du dämpfen, die innere einmal entzündete Glut aber nicht mehr löschen; die Reaktion wird selbst das Mittel zur Freiheit, der Druck bringt die beschleunigte Bewegung, der Haß der Parteien wirkt stärker als die Liebe auf die Begebenheiten der Zukunft; es bedarf vielleicht nur irgendeines zündenden Funkens, und die unterdrückte Geisteskraft der ganzen Nation bricht in hellen Flammen der Begeisterung aus. 'Nescit vox missa reverti', die Geister des Lebens schlummern unter dünner Decke, keine freie Handlung kann der Geist wieder zurücknehmen, fremde Geister, Stimmungen und irdische Mächte wirken allein oder zusammen auf den menschlichen Willen, und treiben ihn mit unwiderstehlicher Macht zu Taten, die nach göttlicher Anordnung zur Vereinigung der Gegensätze, zur Versöhnung der Parteien und zur endlichen Erfüllung des Berufes führen!" - wurde im Nachlaß des Naturmystikers Joseph Ennemosers, 1787 - 1954, gefunden

- G. G.

RMH

27. April 2021 09:40

Das Thema der Nation wurde vor allem deshalb im 18. und 19. Jhdt. nach vorne getrieben, weil man merkte, dass die Idee der Nation die Soldaten besser und effektiver kämpfen ließ als die zuvor verwendeten bunten Söldnerhaufen, die man zudem auch noch aufwendig werben musste. Auch ließen sich Produktions- und Marktbedingungen lange Zeit in Nationalstaaten besser organisieren, als in kleinen Fürstentümer. Der Nationalstaat war also auch immer eine Täuschung des Volkes durch die Herrschenden. Was heute passiert, wenn national hoch motivierte Soldaten auf High-Tec Drohnenschwärme internationaler Herkunft treffen, hat man aktuell im Konflikt um Bergkarabach erleben dürfen.

Die Nationen und ihre Staaten lösen sich im Westen auf, China erhebt sich.  Was uns Deutschen bleibt, ist unsere historische Erfahrung, auch ohne Nationalstaat eine bis heute nicht mehr erreichte Kultur entfalten zu können. Ich spreche vom Zeitraum des 18. bis 19. Jhdts.

RMH

27. April 2021 10:02

Im Übrigen ist der Bosselmanns Text sehr wichtig. Er zeigt auf das, was hinter den Corona Kulissen abläuft.

Maiordomus

27. April 2021 11:26

@RMH. Man versteht nun mit Ihren Ausführungen besser, wieso Bismarck im Gedanken der "Nationalität" zumindest in seiner früheren Zeit, da er sich "Republikaner" nannte, siehe Memoiren, den "Ludergeruch der Revolution" witterte, was dann in seinen Nachkriegs-Memoiren Werner Bergengruen, der Deutschbalte, zustimmend zitierte, in "Dichtergehäuse".. Nationalismus steht geistesgeschichtlich links des Meridians der Mitte. Stimme überdies Ihrer Beurteilung von Bosselmanns neuem Aufsatz zu. Er muss wohl nicht mehr eigens auf das Lob seiner regelmässigen Leser warten. 

Laurenz

27. April 2021 11:31

(1)

Möchte hier eine kleine Kritik an den Schlußfolgerungen aus dem Werk des Joseph Vogl anbringen. Bargeld hat nichts mit der Geldschöpfung zu tun. Bei uns schöpfen private Banken schon lange Geld, die Schweizer waren unter den wenigen, die darüber abstimmen durften, ob nur die Zentralbank Geld schöpfen darf oder auch private Banken. Die südlichen Alemannen stimmten nicht sehr besonnen ab. Die Interessen an Bargeld oder rein virtuellem Geld liegen ganz unterschiedlich. Die Banken, die Minus-Zinsen zahlen müssen, horten natürlich Bargeld. Auch, wenn jetzt Negativzinsen an Kunden weiter gegeben werden, werden viele Kunden anfangen, ihr Geld abzuheben. Aber so werden natürlich keine Negativzinsen wirksam, was nicht im Interesse der Zentralbank liegen kann. Wegen der Bargeld-Lagerung wurde auch der 500 Euro-Schein abgeschafft, was mit dem 200 Euro-Schein die Lagerkosten mehr als verdoppelt.

Natürlich haben auch korrupte Politiker & Parteien ein Interesse am Bargeld. ZB die meisten deutschen Autobahn-Raststätten sind Geldwaschanlagen, sprich um Schwarzgeld legal werden zu lassen. Wenn der Staat ein Interesse hätte, diesen Mißstand der illegalen Drogen- und Waffen-Erlöse aufzuheben, wäre dies kein Problem. Gäbe es diese Interessenlagen nicht, hätten wir längst kein Bargeld mehr. Wen interessiert schon der Willen des Volkes?

Uwe Lay

27. April 2021 11:57

"Fernand Braudel: Der Kapitalismus triumphiert stets, wenn er Staat wird" ist natürlich ein grobes Fehlurteil. Die Marktwirtschaft erstrebt stets die Subordination des Staates unter die Wirtschaft, den Primat der Ökonomie. Daß die Marktwirtschaft dann auch die Ordnung der Nationalstaaten als Hindernis der Entwickelung zum freien Weltmarkt sieht, resultiert daraus.Nicht ein Mehr an Staat sondern weniger wird dabei erstrebt. Da es dann nur noch Produtenzen und Konsumenten geben soll um des Funktionierens der Massenproduktion der Wirtschaft willen, ist es einsichtig, daß nationale Kulturen aufgelöst werden sollen, um einen einheitlichen Absatzmarkt zu schaffen und Arbeitskräfte, die überall eingesetzbar sind.

Maiordomus

27. April 2021 13:05

@Uwe Lay. Natürlich hat sich, zumal im Zusammenhang mit Keynes, wovor Wilhelm Röpke mit Nachdruck warnte, als Variante eine Art Staatskapitalismus auf fast der ganzen Welt breit gemacht, siehe die Staatsquote auch nur in Deutschland, zu schweigen vom chinesischen Staatskapitalismus. Einen einheitlichen Kapitalismus gibt es so wenig wie einen einheitlichen Sozialismus; auch der nationale Egoismus wird jeweils auf sehr unterschiedliche Weise ausgelebt, nur wird er nun mal ausgelebt, besonders von den wirklich starken Nationen. 

Gracchus

27. April 2021 13:12

@Uwe Lay

Falsch. Bzw. widersprechen ihre Ausführungen nicht Bosselmanns Text. Was Sie beschreiben, meint gerade das Braudel-Zitat.

Gerade gelesen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen jenen Richter vom AG Weimar ("Maskenurteil"). Mit allen Mitteln (Durchsuchung etc.). Ungeheuerlich. 

Einstweilen benötigt die globalistische Mafia den Nationalstaat noch als Erfüllungsgehilfen. 

@RMH: "Was uns Deutschen bleibt, ist unsere historische Erfahrung, auch ohne Nationalstaat eine bis heute nicht mehr erreichte Kultur entfalten zu können. Ich spreche vom Zeitraum des 18. bis 19. Jhdts." Meine Rede. 

Utz

27. April 2021 13:32

Rodrik sagte in seinem Trilemma der Weltwirtschaft, daß von den drei Teilen Globalisierung, Nationalstaat und Demokratie nur zwei gleichzeitig bestehen bleiben können. Die, die etwas entscheiden und bewegen können, haben sich hierbei längst entschieden: Globalisierung muß vollendet werden, Nationalstaat kann weg, Demokratie kann weg. Oder vielmehr: muß. Das ist es, was wir gerade sehen. Was können wir, wissend, daß wir verlieren werden, tun? Wir können wie bei dem verlorenen Häufchen im "Heerlager der Heiligen" kämpfen bis zum Schluß, Sand im Getriebe sein: nichts machen, was "praktisch ist, immer Bargeld verwenden, kein Online-Banking, weder das Auto, noch die Waschmaschine, noch den Fernseher mit dem Internet verbinden, das Handy in die Ecke werfen und mit den eigenen Daten geiziger als Donald Duck sein.

Imagine

27. April 2021 13:35

1/3

Thor v. Waldstein vertritt die Position, dass die politische Rechte nur eine Zukunft hat, wenn sie an den nicht-marxistischen deutschen Sozialismus vor 1933 anknüpft.
Jedoch sei die deutsche Rechte von einer sozialen, gar sozialistischen Orientierung jedoch weit entfernt. Vgl. Interview mit Thor v. Waldstein: »Sozialismus und Nation«

Nation und Sozialismus gehören zusammen.

Sozialismus bedeutet Gemeinwohlorientierung der Politik, nationale Solidarität auf Basis eines Wir-Gefühls und einer Wir-Identität, die selbstverständlich praktizierte soziale Gerechtigkeit erfordert.

Denn in einer Gesellschaft mit zunehmender Klassenspaltung im Spektrum von superreich auf der einen Seite und am anderen Ende prekarisiert bis verelendet, kann sich keine nationale Wir-Identität entwickeln bzw. erhalten.

Im Nachkriegsdeutschland gab es diese nationale Wir-Identität. Die wurde nicht von den Sozialisten zerstört, sondern von deren Feinden, den schwarzen Rechtsliberalisten.

Imagine

27. April 2021 13:36

2/3

Die große „Amerikanisierung“ (West)Deutschlands kam mit Kohl.

Kennzeichnend ist die Einführung des Privatfernsehens, das völlig im Dienste der Kapitals und seinen Vermarktungsinteressen stand. Es ging nur noch „Quote“, also darum, ein Maximum an TV-Konsumenten mit Werbung zu erreichen. Erstmalig wurden Spielfilme mit Werbeeinspielungen unterbrochen. Der TV-Zuschauer sollte zum totalen Objekt von Wirtschaft werden und wurde damit total verblödet.

In der Politik und dem TV drehte sich alles um „Wirtschaftswachstum“ und „Gewinnoptimierung“.

Das etablierte rechte Milieu in CDU/CSU und der FDP - nach der Abspaltung der sozialliberalen Flügels im Jahr 1982 - war pro-atlantisch, pro-kapitalistisch und anti-sozialdemokratisch ausgerichtet.

Realität ist nach wie vor, dass das rechte Milieu bis auf ganz wenige Ausnahmen - wie z.B. Thor v. Waldstein - in Feindschaft zu einer sozialistischen Neu-Orientierung steht.

So kann daher keine nationale und soziale Sammlungsbewegung entstehen, welche als Volksbewegung logischerweise auch das das linksliberale Milieu, das heute die Mehrheit im deutschen Volk darstellt, integrieren müsste.

Die nationalen Rechten machen jedoch genau das Gegenteil, sie vertiefen die Spaltungen und Feindschaften im deutschen Volk, für die sind die „Linken“ der Hauptfeind, und viele tendieren zu einem Jüngerschen-Mitläufertum aka „innere Emigration“.

Imagine

27. April 2021 13:37

3/3

In der Migrationsfrage haben die nationalen Rechten total versagt. Die AfD ist keine wirkliche Opposition.

Bezüglich China unterscheidet sich die Position der neuen Rechten – mit Ausnahme vereinzelter Personen - nicht vom Mainstream.

Überhaupt ist der Begriff „neue Rechte“ irreführend, denn deren Positionen unterscheiden sich nicht grundlegend von jenen der herrschafts- und marktkonformen Rechten, wie sie für den traditionellen rechten Flügel von CDU/CSU kennzeichnend waren und auch in der AfD die überwiegende Mehrheit bilden.

In kritischer Retrospektive lässt sich festhalten, dass das neu-rechte Milieu, wie es sich um die „Junge Freiheit“ bildete, systemkonformistisch, pro-atlantisch und anti-sozialistisch war - und auch nach wie vor ist.

Das ist nicht überraschend, wenn betrachtet wird, von wem die JF gefördert wurde. Insbesondere von Gerhard Löwenthal. Löwenthal leitete und moderierte das „ZFD-Magazin“, dessen Funktion anti-kommunistische und anti-sozialistische Hetze war. L. war das westdeutsche Pendant zu Karl-Eduard von Schnitzler im DDR-Fernsehen, auch bekannt als „Sudel-Ede“.
 

Laurenz

27. April 2021 15:02

@Maiordomus & Uwe Lay

Hier bleibt einem gar nichts anderes übrig, als Maiordomus zuzustimmen. An die Marktwirtschaft oder den Markt glauben doch nur Deppen.

Ein berühmtes Beispiel aus der Bonner Republik ist die Firma Mars (Schokoriegeldreckhersteller, früher Effem, dann Masterfood), welche früher 90% des Tiernahrungs-"Marktes" unter Kontrolle hatte & immer noch Marktführer ist. Natürlich konnte nur derjenige Effem-Produkte vertreiben, der sonst keine Mitbewerber im Regal hatte. Globalisierung führt zur Konzentration von Produktion & Anbietern, mündet also im Sozialismus, nur, daß die Eigentümer nicht Volk heißen, sondern Hanswurst. Nur politische Marktregulierung schafft Abhilfe.

anatol broder

27. April 2021 15:07

@ gustav grambauer, joseph ennemosers

«es bedarf viel­leicht nur irgend­eines zündenden funkens, und die unter­drückte geistes­kraft der ganzen nation bricht in hellen flammen der be­geisterung aus.»

kann dieser funke etwas anderes als ein versprechen sein?

Lotta Vorbeck

27. April 2021 15:47

@Utz - 27. April 2021 - 01:32 PM

" ... das Cellphone in die Ecke werfen und mit den eigenen Daten geiziger als Donald Duck sein."

---

Kleine Beckmesserei:

Der Geizige, mit dem Dukatenspeicher ist der Onkel Dagobert.

 

Herr K aus O

27. April 2021 18:15

Alles fein. Als Kunde bin ich begeistert von Amazon und als ITler kann ich nur staunen, was Amazon an Produktionsmitteln bereitstellt. Mit AWS hat Amazon die IT in die Massenfertigung gebracht, so wie seinerzeit Ford die Automobilproduktion. Daher ist es übrigens auch absolut unnötig, hier solche Förderbänder erstellen zu wollen, die USA ist dort meilenweit voraus. Und im Gegensatz zu einer physikalischen Autofabrik, kann ich sie einfach leasen.

Als Beobachter sehe ich natürlich, dass sich dort - speziell im Handel - ein Oligopol entwickelt. 

Im Sinne der Marktwirtschaft müssen die aufgelöst werden.

Ich denke mir schon seit längerem, na dann werde ich halt Bürger von Amazon.

Aber: Wer sagt denn, dass es zwischen diesen Firmen nicht auf Kriege geben wird? Amazon marschiert gegen Tesla... das Weltall erobern beide schon.

anatol broder

27. April 2021 19:41

@ herr k aus o 18:15

ich bitte um eine einschätzung: was hindert die an­wesenden kon­serva­tiven, sich mit dem daten­schutz zu be­schäftigen? immerhin sieht bossel­mann «die ressource mensch» als «informa­tions­lieferant» in gefahr. wie soll aber «das bedürf­nis der menschen nach der ge­borgen­heit in nation und heimat» ohne brief­geheimnis be­friedigt werden?

Laurenz

27. April 2021 19:53

@Herr K aus O

"Ich denke mir schon seit längerem, na dann werde ich halt Bürger von Amazon."

Das ist ein historischer Trugschluß. Ohne die Träger-Flotte der USA gäbe es weder Amazon noch Tesla. Historische Wirtschaftsnationen, die rein auf merkantiler Führung basierten, wie Karthago, die Hanse oder Venedig scheiterten alle ausnahmslos am Mangel territorialer Grundlagen. Als die Venezianer das verstanden & versuchten, sich auszudehnen, war es zu spät. Bonaparte sah die Markusrepublik nicht als Faktor an & gemeindete sie einfach ein. Venedig verfiel, wie ihre Vorgänger, von jetzt auf gleich in die Bedeutungslosigkeit.

"Daher ist es übrigens auch absolut unnötig, hier solche Förderbänder erstellen zu wollen, die USA ist dort meilenweit voraus."

Wenn die Briten so gedacht hätten, würden wir heute noch unterm spanischen Joch leben. Wenn die Amis so gedacht hätten, würden wir heute noch unterm britischen Joch leben. Und wenn die Chinesen so denken würden, lebten unsere Nachkommen nicht unterm chinesischen Joch. Ihre Logik ist genozidal, Herr K aus O.

Nordlicht

27. April 2021 20:52

Ich möchte das Stichwort Klimaschutz hier in die Algorithmierung der Politik einbringen. Die Ähnlichkeit der Corona- mit der Klima-Politik besteht mE darin, dass für das Durchpeitschen der restriktiven Gesetze eine Dringlichkeit durch Rechenkunststücke unterstellt wird, die de facto nicht besteht. 

Für das letzte Ermächtigungsgesetz wird mit der 7-Tage-Inzidenz ein Kriterium gesetzt, mit dem jegliche politische Abwägung ausgeschaltet wird. Über das Rechenschema und die Grenzsetzung müsste jeder Mensch mit Grundschulniveau den Kopf schütteln. Die PCR-Inzidenz sagt nichts über die Gesundheitsrisiken, die automatisch greifenden Grundgesetzeinschränkungen wie die Ausgangssperren sind zur Infektionseindämmung sinnlos.

Nordlicht

27. April 2021 20:53

(2)

Einen "Klimanotstand", wie ihn zahlreiche Kommunen und Länder deklariert haben, gibt es nicht. Die CO2-Konzentration und die Emissionen sagen nichts (Zuverlässiges) über die Klimaentwicklung. Dennoch werden Gesetze erlassen, die CO2-Emssionen um jeden Preis zu senken. Die GRÜNEN werden einen Gesetzesmechanismus "Klimanotstand" bundesweit durchsetzen, in dem Grundgesetzeinschränkungen automatisch greifen, wenn bestimmte CO2-Emissionswerte von Deutschland überschritten werden.

Der Umstand, dass die Kriterien und Maßnahmen ähnlich beliebig und nutzlos sind wie bei Corona, werden die Herrschenden nicht gelten lassen. Der Probelauf "Corona-Notbremse" hat gezeigt, dass weder der Bundestag noch der Bundesrat den Wahnsinn stoppen wollen oder können. Wir werden von Psychopathen regiert.

Fredy

27. April 2021 22:06

Herr K aus O hat Recht. Nutze selbst die Werkzeuge/Werkstatt des Feindes, Amazon und Microsoft, und ja, das ist verlockend und sinnvoll, muss man mittreiben, wenn man mithalten will, aber auch mit Gefahren, sieht jedenfalls uneinholbar aus. Langfristig wäre es das nicht. Also nicht uneinholbar. Technologien sind nicht fix, entwickeln sich. Man müsste jetzt mit der zukünftigen einsteigen, einfach eine überspringen. Hört sich einfach an, geht aber nur, wenn die Milliarden die dieses Schland unsinnig an jeden, alles und nichts verschleudert, entsprechend investiert werden. Man könnte wenn man wirklich wollte. Aber ich weiß, es wird nie was werden. Was ich sagen will: Nich die anderen sind so uneinholbar gut. Wir sind das Problem. Der Zug ist durch. Derzeit werden die Bahnhöfe abgebaut. Wenn die erstmal weg sind, wird es unmöglich

Imagine

27. April 2021 23:36

1/2

@Maiordomus   27. April 2021 13:05
„Natürlich hat sich, zumal im Zusammenhang mit Keynes, wovor Wilhelm Röpke mit Nachdruck warnte, als Variante eine Art Staatskapitalismus auf fast der ganzen Welt breit gemacht, siehe die Staatsquote auch nur in Deutschland, zu schweigen vom chinesischen Staatskapitalismus.“

Da ich Ihnen nicht unterstelle, willentlich die Realität zu verdrehen, gehe ich davon aus, dass Sie keinen Begriff davon besitzen, was in der Wissenschaft als „Staatkapitalismus“ bezeichnet, nämlich das „Verschmelzen“ von Kapital und Staat.

Die Kapitalisten beherrschen mit ihrer Macht (Geld- und Bankenmacht, Medienmacht, Korruptionsmacht, neuerdings auch: IT-Macht etc.) den Staatsapparat und instrumentalisieren diesen für ihre Zwecke.

Dies kann man jetzt - ohne Bücher lesen zu müssen - beim staatlichen Corona-Szenario beobachten, denn es ist kein Geheimnis, sondern offensichtlich, welche Supereichen und ihre Konzerne dabei die Gewinner sind.

Die Beherrschung des Staates durch die Kapitalisten und dessen Instrumentalisierung zu ihrer Vermögensvermehrung nennt man: Staatskapitalismus.

Der Staat wird zur Beute gemacht und die Beute erhalten? Die Kapitalisten.

Imagine

27. April 2021 23:40

2/2

@ Maiordomus, Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, dass in China die Klasse der Kapitalisten herrscht. Und dass die Investitionen des Staates im Interesse der Kapitalisten so erfolgen, dass damit das Privatvermögen der Kapitalisten vermehrt wird. Oder dass die chinesische Regierung mit der Corona-Pandemie so verfährt, das damit private Pharma-Unternehmen zu den großen Gewinnern gemacht werden.

Es ist unbestritten, dass es in China Bereiche gibt, in denen mit kapitalistischen Methoden und Zielen gearbeitet wird, insbesondere bei ausländischen Unternehmen. China hat diese ins Land geholt, um vom Technologie-Transfer zu profitieren. Das Kapital ist gekommen, weil es dort höhere Profite erzielen kann als in den Heimatländern.

Das chinesische Konzept wird als „Mixed Economy“ bezeichnet.

Das bedeutet für China eine staatlich gesteuerte Nationalökonomie mit marktwirtschaftlichen Bereichen.

Gesamtwirtschaftlich betreibt der chinesische Staat eine Wirtschaftspolitik im Gemeinwohlinteresse der Nation. Es herrschen dort nicht die Kapitalisten, sondern die KPCh mit sozialistischer Zielsetzung.

Das bestätigt sogar die NZZ, nur formuliert sie es anders. Siehe Artikel „Chinas Wirtschaft im Würgegriff der Partei“.

 

Laurenz

28. April 2021 00:05

@Fredy

"Herr K aus O hat Recht."

Also ich lebe ganz wunderbar ohne Amazon. Es liegt also nur an Ihnen. Ich ziehe nur Dienstleistungen lokaler Anbieter in Betracht. Der Online-Handel, zum dem auch Antaios & Co. gehören, hat unseren Verpackungsmüll verdoppelt.

Ihre Argumentation basiert alleine auf der Rechtfertigung, nichts unternehmen zu wollen & nichts unternehmen zu müssen. Warum schreiben Sie hier überhaupt? Ist doch eh sinnlos, oder?

Laurenz

28. April 2021 00:08

@Nordlicht

"Die Pseudo-Grünen"

Wäre vorsichtig mit Prognosen bei der wiederholten Machtergreifung der Pseudo-Grünen. Man kann davon ausgehen, daß militärisches Eingreifen der Bundeswehr im Interesse anderer Staaten zunehmen wird.

Aber was unsere Umwelt angeht, so waren die Pseudo-Grünen sogar zu korrupt, eine gescheites Dosenpfand zu implementieren.

Albatros

28. April 2021 02:19

@ Nordlicht: Auch auf die Gefahr, hier einen alten Disput, der nie wirklich nötig war, erneut aufleben zu lassen: Eine Deutsche Nation gibt es spätestens seit der Gründung des Reiches durch Otto den Großen im Jahre 941. Man erinnere sich:

"An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn. Ihre Mauern sind zerfallen, und der Wind streicht durch die Hallen, Wolken ziehen drüber hin,,," Im Jahre 941 sind diese Mauern noch frisch und sie schützen das Deutsche Volk gegen Osten. Das "kleine Reich" - im Gegensatz zum damals möglichen Erbe Karls des Großen - überstand so im Laufe der nächsten Jahrhunderte Slawen, Ungarn, Normannen, Türken und alle Wirren aus dem Inneren. Um mit Joachim Fernau zu sprechen: "Nur in dieser kleineren Zelle war es Otto möglich, die Menschen zu verwandeln und sie zu einem neuen Begriff, zu einem vollständig neuen Gefühl hinzuführen..." Im Herzen des Abendlandes ist auf deutschem Boden damals ein deutscher Staat entstanden, der erste seit langen Jahren und hat damit wesentlich dazu beigetragen, einer Nation ihr Gesicht zu geben. 

anatol broder

28. April 2021 03:02

bei den werbe­giganten arbeiten viele forscher, die natur­gemäss mit anderen forschern vernetzt sind. das be­deutet meistens, dass sie ihre er­geb­nisse zeit­nah und kosten­los ver­öffent­lichen. zwei bei­spiele (pdf): facebook von 2021, google von 2009. das­selbe gilt für die quell­texte (soft­ware) oder bau­pläne (hard­ware). ein geheim­nis um ihre arbeits­weise machen diese unter­nehmen wahr­lich nicht.

Uwe Lay

28. April 2021 09:50

Fragen

Es gibt Zeiten, in denen es wichtiger ist, Fragen zu stellen, als gleich Antworten zu proklamieren. Zum Thema Volk/Nation:
A) Es wäre zu unterscheiden, was ein Volk objektiv zu einem Volke macht im ethnischen Sinne in der Differenz zum Staatsvolk, und
B) wäre zu fragen, wie aus einem Volk an sich, (seiner Objektivität) ein sich selbst bewußtes Volk wird und
C) welche Rolle für diese Selbstbewußtseinswerdung der politische Diskurs und patriotische Parteien spielen.

Und eine verwegene Anmerkung für Querdenker: Könnten da Patrioten von Lenin lernen? Es sei an seine Konzeption der Unterscheidung vom spontanen Bewußtsein und dem politischen Selbstbewußtsein der Arbeiterklassenpartei erinnert und wie die Partei dies zu vermitteln habe.

Maiordomus

28. April 2021 10:23

@Imagine. Ihre marxistisch-historistischen Vorstellungen von Klassenkampf, worüber Marx und Engels sich rein mythische Modell-Vorstellungen machten, im relativen  Gegensatz etwa zu Baader und Peuckert ("Volkskunde des Proletariates,", 1931, in Deutschland dann unterdrückt),  haben nichts mit professioneller Geschichtswissenschaft zu tun, der ich mein Leben zu widmen versuche. Der Rest Ihrer Ausführungen scheint mir aber durchaus in Richtung vertretbarer Analyse zu verlaufen. 

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