Deutschland. Aber normal

Für das seit Jahren kräftig austreibende alternative, bürgerliche und widerständige Milieu muß eine Ausrichtungsfrage beantwortet werden:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Was ist poli­tisch noch mög­lich, wie lau­tet “unser” poli­ti­sches Mini­mum? Man kann zur Beant­wor­tung die­ser sehr wich­ti­gen und drin­gen­den Fra­ge auf dut­zen­de Stel­lung­nah­men aus den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zurück­grei­fen, aber bevor man dies tut, muß eines fest­ge­hal­ten werden:

Das Poli­ti­sche folgt ande­ren Bewe­gungs­ge­set­zen als das Meta­po­li­ti­sche. Was für den einen Bereich zwin­gend gilt, darf im ande­ren ver­nach­läs­sigt wer­den oder kann sogar außer acht blei­ben. Die­se bei­den Berei­che erneut deut­li­cher von­ein­an­der zu schei­den, mag also eine Neben­wir­kung der fol­gen­den Über­le­gun­gen sein, und das bedeu­tet: Neben einem poli­ti­schen Mini­mum wird ein meta­po­li­ti­sches Maxi­mum her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den müs­sen – spä­ter einmal.

+++

1994 ver­öf­fent­lich­te der damals 35jährige His­to­ri­ker und Gym­na­si­al­leh­rer Karl­heinz Weiß­mann unter dem Titel “Her­aus­for­de­rung und Ent­schei­dung” einen Text “Über einen poli­ti­schen Veris­mus für Deutsch­land” (so der Unter­ti­tel). Die­ser Auf­satz erschien in dem von Hei­mo Schwilk und Ulrich Schacht her­aus­ge­ge­be­nen Sam­mel­band Die selbst­be­wuß­te Nati­on – einem der wich­tigs­ten und wirk­mäch­tigs­ten Pro­jek­te der soge­nann­ten “Neu­en demo­kra­ti­schen Rech­ten”, die den nicht-lin­ken Schwung der Revo­lu­ti­on von 1989 auf­neh­men und Kräf­te für eine poli­ti­sche Wen­de zu sam­meln versuchte.

Neben Weiß­mann, Schwilk und Schacht ist der orga­ni­sa­ti­ons­star­ke Rai­ner Zitel­mann als trei­ben­de Kraft die­ses Ver­suchs zu nen­nen. 1994 war die­ses Gegen­la­ger auf dem Höhe­punkt sei­nes Ein­flus­ses ange­langt, aber bereits Ende 1995 exis­tier­te die “Neue demo­kra­ti­sche Rech­te” nicht mehr, und es folg­ten die für den rechts­kon­ser­va­ti­ven Ansatz schreck­li­chen zehn blei­er­nen Jah­re – eine uner­träg­li­che Zeit des Nie­der­gangs der Pro­jek­te der Vor­gän­ger­ge­nera­ti­on und des selbst­aus­beu­te­ri­schen, unglaub­lich zähen Aus­baus weni­ger ver­lo­re­ner Pos­ten: Die Jun­ge Frei­heit wäre an ers­ter Stel­le zu nen­nen, aber auch das Insti­tut für Staats­po­li­tik, der Ver­lag Antai­os und die Sezes­si­on gehö­ren dazu.

Zurück zu Weiß­manns Text von 1994. Weiß­mann stell­te dar­in zehn The­sen auf, in denen er die poli­ti­sche Lage zu beschrei­ben und Hand­lungs­op­tio­nen für eine real­po­li­ti­sche Rech­te auf­zu­zei­gen ver­such­te. Inter­es­sant sind sei­ne Über­le­gun­gen auch nach fünf­und­zwan­zig Jah­ren noch.

Er beton­te das sich abzeich­nen­de glo­ba­le Plu­ri­ver­sum, the­ma­ti­sier­te den schlech­ten Ein­fluß der Post­mo­der­ne auf die not­wen­di­ge Ver­bind­lich­keit der Insti­tu­tio­nen , for­der­te mehr Staat und ein neu­es Den­ken und skiz­zier­te die Umris­se eines “neu­en Mei­nungs­la­gers”, das “im innen­po­li­ti­schen Streit eine exzen­tri­sche Posi­ti­on bezieht, die jen­seits der alten Abgren­zun­gen liegt”.

Das für die Fra­ge nach dem poli­ti­schen Mini­mum Inter­es­san­tes­te an Weiß­manns Text ist aber, daß er einen poli­ti­schen Begriff zu set­zen ver­such­te, hin­ter dem sich die “Neue demo­kra­ti­sche Rech­te” nicht nur sam­meln, son­dern mit dem sie zugleich Beschei­den­heit nach außen signa­li­sie­ren und eine Wahr­neh­mungs- und Sprech­wei­se nach Innen fest­le­gen soll­te. Im Vor­spann zu sei­nen The­sen schreibt Weißmann:

Als ‘Veris­mus’ bezeich­net man in der Kunst­ge­schich­te eine Ten­denz, die die Din­ge ihrer ‘wah­ren’ Natur gemäß zeigt, d.h. auch vor der ‘häß­li­chen Wahr­heit’ nicht zurück­scheut, son­dern dem Betrach­ter alles, wie es ist, vor Augen führt. Unter poli­ti­schem ‘Veris­mus’ sei des­halb eine Posi­ti­on ver­stan­den, die sich der Rea­li­tät ver­pflich­tet weiß, die ‘Tabui­sie­rung der Wirk­lich­keit’ (Armin Moh­ler) ablehnt, den tröst­li­chen Unsinn mei­det und dem infla­tio­när gewor­de­nen Scho­nungs­be­dürf­nis mißtraut.

Soweit, und der einem poli­ti­schen Veris­mus inne­woh­nen­de Ver­zicht auf jedes Pathos, die­ses Beschei­den­heits­si­gnal nach außen, dik­tier­te Weiß­mann sozu­sa­gen die zehn­te The­se in die Feder – sie wirkt wie eine nach außen gekehr­te Hand­flä­che, wie ein “seht her, wir kom­men unbe­waff­net”. Sie lautet:

Alle gro­ßen poli­ti­schen Ver­schie­bun­gen haben vor allem einen Wan­del der Men­ta­li­tät zur Fol­ge. Das gesell­schaft­li­che Kli­ma schwankt erst unmerk­lich, dann deut­li­cher, was Aus­wir­kun­gen auf die kol­lek­ti­ven Wert­vor­stel­lun­gen und Dis­po­si­tio­nen hat. In die­sen Zusam­men­hang gehö­ren zum Bei­spiel die Pha­sen der Gro­ßen Ernüch­te­rung in der Geschich­te, etwa der Über­gang zur “Real­po­li­tik” nach den Blü­ten­träu­men der 48er Revo­lu­ti­on im 19. Jahr­hun­dert. Dem ver­gleich­bar ist der ‘Veris­mus’ bis jetzt nur ein Nie­der­schlag der ver­än­der­ten poli­ti­schen Atmo­sphä­re, es han­delt sich noch nicht um eine ‘Welt­an­schau­ung’, noch nicht um eine ‘Leh­re’. Es ent­steht viel­mehr eine Platt­form für Denk­ver­su­che, man beläßt es bis auf wei­te­res bei der Mög­lich­keit zur Revi­si­on und bewahrt sich davor, all­zu schnell die not­wen­di­ger­wei­se schwie­ri­gen Über­le­gun­gen abzuschließen.

In die Gefahr, schwie­ri­ge Über­le­gun­gen all­zu­schnell abzu­schlie­ßen, geriet die “Neue demo­kra­ti­sche Rech­te” gar nicht mehr – sie zer­flat­ter­te, nach­dem ein ers­ter gro­ßer, bis in die CDU hin­ein rei­chen­der Schul­ter­schluß an der berühm­ten Feig­heit der Mit­te schei­ter­te. Was seit die­sem Ver­such immer und immer wie­der im neu­rech­ten Lager dis­ku­tiert wird (nicht bezo­gen auf das inne­re geis­ti­ge Reich, son­dern aus­schließ­lich auf Umset­zungs­fra­gen!), hat in Weiß­manns Text über den poli­ti­schen Veris­mus eine Grund­le­gung erfahren.

Weiß­manns nur andeu­ten­der, weil eben öffent­li­cher Hin­weis auf ein klu­ges, mit einer sei­ner Lieb­lings­vo­ka­beln aus­ge­drückt: real­po­li­ti­sches Ver­hal­ten im vor­po­li­ti­schen Raum, hat das schwie­ri­ge und lang­wie­ri­ge Her­über­zie­hen der für Mehr­hei­ten unab­ding­ba­ren Mit­te bereits zum Haupt­ziel erklärt, dem alles ande­re unter­zu­ord­nen sei. Denn wer poli­tisch gestal­ten will, braucht Macht, und Macht ist in einer Demo­kra­tie nur über demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Mehr­hei­ten zu errei­chen – par­la­men­ta­risch, direkt oder appellativ.

Auf dem müh­sa­men Weg dort­hin muß die mög­li­che Mehr­heit an Voka­beln, Argu­men­te, Grund­la­gen, Wer­tun­gen und Tabus gewöhnt wer­den, deren sie jahr­zehn­te­lang ent­wöhnt wur­de. Die Neu­deu­tung und Rekon­struk­ti­on der kaput­ten Begrif­fe und fal­schen Schluß­fol­ge­run­gen muß dabei wie ein lang­sa­mes Unter­schie­ben orga­ni­siert werden.

Die Gefahr der Unge­duld und der Macht­phan­ta­sie bewog Weiß­mann dazu, der kon­ser­va­ti­ven Intel­li­genz eine sehr beschei­de­ne, aber gera­de dadurch viel­ver­spre­chen­de Grund­la­gen­ar­beit zu emp­feh­len: Ihr “poli­ti­scher Veris­mus” müs­se als ein Sam­meln, Hin­wei­sen, Auf­de­cken, Sor­tie­ren auf­tre­ten, kei­nes­falls als rei­ne Leh­re oder eine irgend­wie gear­te­te Kom­pro­miß­lo­sig­keit, kurz: nicht als welt­an­schau­li­ches Maxi­mum, son­dern als poli­ti­sches Mini­mum, als anschluß­fä­hi­ger Mini­mal­kon­sens, abge­si­chert durch eine gera­de­zu bru­ta­le Abtren­nung jener Tei­le von rechts, die in die Mit­te hin­ein nicht ver­mit­tel­bar wären.

Wer Weiß­mann je über das Schei­tern der “Neu­en demo­kra­ti­schen Rech­ten” spre­chen hör­te, weiß, daß dies sein poli­ti­sches Trau­ma war und ist und daß er ange­sichts einer zwei­ten Chan­ce (also jetzt, heu­te, gera­de eben!) deren mög­li­chen Ver­an­ke­rung in der mehr­heits­be­schaf­fen­den Mit­te alles ande­re unter­ord­nen würde.

+++

Sprung, drei­zehn Jah­re spä­ter, 2007, wie­der­um Weiß­mann. Er schrieb, das war selbst­ver­ständ­lich, den Eröff­nungs­band für die neue “rei­he kapla­ken” im Ver­lag Antai­os. Das kon­ser­va­ti­ve Mini­mum erschien im Herbst und hat sich über die Jah­re zu einem der best­ver­kauf­ten Bän­de der Rei­he entwickelt.

Weiß­manns Ton ist in die­sem Buch ein ande­rer als der von 1994. Das hat sei­nen Grund in der poli­ti­schen Flau­te, in der damals agiert wer­den muß­te, in den von außen auf­er­leg­ten Beschrän­kun­gen auf die Aus­ge­stal­tung und Kon­so­li­die­rung der eige­nen Struk­tu­ren. Noch 2011 bezeich­ne­te Weiß­mann etwa die Jun­ge Frei­heit und das Insti­tut für Staats­po­li­tik als Pro­jek­te, die “zu einer Zita­del­len­po­li­tik gezwun­gen” seien.

In die­ser Lage schrieb Weiß­mann här­ter, direk­ter, unver­söhn­li­cher als 1994. Sein kon­ser­va­ti­ves Mini­mum ist in sei­nen eige­nen Wor­ten “eine Kampf-Ansa­ge”. Er hat­te längst die Gefahr erkannt, daß der Begriff “kon­ser­va­tiv” zu einer Ver­söh­nungs- und Beschwich­ti­gungs­flos­kel ver­kom­men wür­de, zu einem Seda­ti­vum, einem poli­ti­schen Beru­hi­gungs­mit­tel. “Das”, so Weißmann,

bedeu­tet aller­dings einen Miß­brauch, dem hier begeg­net wer­den soll. Des­halb ist das fol­gen­de als Inhalts- und Posi­ti­ons­be­stim­mung zu ver­ste­hen, als ein Ver­such, dem Begriff ‘kon­ser­va­tiv’ wie­der einen guten Sinn zu geben, und das heißt: ihn als Kampf­be­griff zu eta­blie­ren.” Der Kampf müs­se auf­ge­nom­men wer­den: “Das, was Rein­hard Mau­rer tref­fend als ’nach­fa­schis­ti­schen Defai­tis­mus’ bezeich­net hat, müs­sen wir hin­ter uns las­sen, den Klein­mut abstrei­fen, die läh­men­de Emp­fin­dung der vor­weg­ge­nom­me­nen Niederlage.

Das kon­ser­va­ti­ve Mini­mum ist die strin­gen­te und dich­te Auf­la­dung eines Kampf­be­griffs. Um die har­te Ent­ge­gen­set­zung zu illus­trie­ren, zitier­te Weiß­mann den dama­li­gen Papst Bene­dikt XVI. und Tho­mas Mann: “Leben”, so Mann, sei der “im höchs­ten, reli­giö­sen Sinn kon­ser­va­ti­ve Begriff”; und der Papst sprach mit Blick auf unse­re Zeit von einer “Kul­tur des Todes”, die sich als Vita­li­tät mas­kie­re und alles abräu­me, was an gedeih­li­cher Sub­stanz, an Hegung, Dank­bar­keit, Wohl­ver­hal­ten, an Respekt vor der Viel­ge­stal­tig­keit, dem Schick­sal und der Geschich­te vor­han­den sei.

Dage­gen habe man anzu­tre­ten, so Weiß­mann, denn:

Uns­re Exis­tenz ist bin­dungs­los, hei­mat­los, halt­los, glau­bens­los gewor­den, und damit sind dem Leben feind­li­che Kräf­te auf­ge­stie­gen.” Dar­aus sei Legi­ti­mi­tät zum Wider­stand abzu­lei­ten, und wenn die­ser Kampf, die­ser Wider­stand heu­te mög­lich schei­ne, “jeden­falls aus­sichts­rei­cher als in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit, dann vor allem, weil die Kon­ser­va­ti­ven weni­ger Rück­sicht zu neh­men haben. Die Par­tei­rai­son kann ihnen gleich­gül­tig sein, denn von denen, die sie ver­tre­ten, haben sie nichts zu erwarten.

Weiß­mann wähnt – zurecht – die Wirk­lich­keit auf sei­ner Sei­te und schreibt in einem ver­hal­te­nen Zorn gegen den “Kon­sens der Beschwich­ti­ger” an,

deren Ent­schlos­sen­heit, die Fak­ten zu ver­schwei­gen oder ruch­lo­sen Opti­mis­mus zu pfle­gen umso grö­ßer wird, je ein­deu­ti­ger die Tat­sa­chen gegen sie sprechen.

Und wei­ter:

Es geht aber um Tat­sa­chen, ganz gleich, ob es sich dabei um die Kri­mi­na­li­täts­ra­te han­delt oder um den Analpha­be­tis­mus, um die Kos­ten der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on oder die Fäl­schung der deut­schen Geschich­te. Die Tat­sa­chen bil­den – nach einem Wort Hei­mi­to von Dode­rers – ‘unter den Erschei­nun­gen des Lebens gewis­ser­ma­ßen das gemei­ne Volk … aller­dings ein Volk mit der­ben Fäusten.

Es steckt in die­ser opti­mis­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on des kon­ser­va­ti­ven Wider­stands die Über­zeu­gung, daß die bizar­ren Gesell­schafts­ex­pe­ri­men­te und Iden­ti­täts­kon­struk­te, der hybri­de Indi­vi­dua­lis­mus und die Ver­bie­gung des gesun­den Men­schen­ver­stands, mit­hin die Ver­nut­zung der Bestän­de tat­säch­lich von den der­ben Fäus­ten der Tat­sa­chen und den kal­ten Duschen der Rea­li­tät ver­trie­ben und weg­ge­spült wür­den, wenn sie denn end­lich mit vol­ler Wucht direkt auf den Lebens­voll­zug durchschlügen.

So ähn­lich hat­te Weiß­mann das 1994 auch schon aus­ge­drückt, und das War­ten auf den Kai­ros, den Ein­bruch der Tat­sa­chen ist ja nach­ge­ra­de eine kon­ser­va­ti­ve, rech­te Hoff­nungs­phra­se. Spä­tes­tens der Blick auf das Jahr 2015 soll­te jedoch klar­ma­chen: Die Hoff­nung auf die Beleh­rung durch die Rea­li­tät ist eben doch nur eine Phrase.

Bleibt eines zu erwäh­nen: Den Begriff “poli­ti­scher Veris­mus” ver­such­te Weiß­mann in sei­nem “kon­ser­va­ti­ven Mini­mum” nicht erneut zu setzen.

+++

Es ist ein müßig, immer wie­der auf die Bilanz der Poli­tik der letz­ten Jahr­zehn­te hin­zu­wei­sen. Die­ser schlei­chen­den Kata­stro­phe, die­ser Auf­lö­sung aller Din­ge fehlt das Alar­mie­ren­de. Unse­re Zivi­li­sa­ti­on? Für Arnold Geh­len ist das nichts ande­res als die “Kata­stro­phe im Zustand ihrer Lebbarkeit”.

Das von Max Weber beschrie­be­ne “stäh­ler­ne Gehäu­se” aus Insti­tu­tio­nen, Bedürf­nis­be­frie­di­gung und Ver­wal­tungs­not­wen­dig­keit, in das sich der ein­zel­ne Mensch inner­halb der Mas­sen­ge­sell­schaft gezwängt sieht, garan­tiert die­se Leb­bar­keit und schnürt natür­lich auch den Poli­ti­ker in ein Korsett:

Er wird zum anti-erha­be­nen Typ – wenn er es nicht schon immer war – und kann kei­ne Alter­na­ti­ve mehr for­mu­lie­ren. Die ein­zig rea­lis­ti­sche poli­ti­sche Alter­na­ti­ve besteht in der Erkennt­nis, daß, wenn über­haupt, dann in der Stär­kung des Mehr­heits­prin­zips noch Wider­stands­re­ser­ven gegen die mas­si­ven staat­li­chen Selbst­zer­stö­rungs­ten­den­zen zu fin­den sind.

Dazu aber ist nicht nur eine ein­deu­ti­ge Par­tei­nah­me für die Demo­kra­tie erfor­der­lich, son­dern auch die Bereit­schaft, “anknüp­fend” zu agie­ren. Denn wo außer in einer Mobi­li­sie­rung der “Mit­te”, im Namen des gesun­den Men­schen­ver­stan­des, wäre es heu­te noch mög­lich, Mehr­hei­ten für eine ande­re Poli­tik zu finden?

+++

Der wort­ge­wal­ti­ge, SPD-kon­ser­va­ti­ve Publi­zist Peter Glotz präg­te 1994 für die zu Anfang erwähn­te Grup­pe der “Neu­en demo­kra­ti­schen Rech­ten” einen zwei­ten Begriff. Er nann­te sie die “Nor­ma­li­sie­rungs­na­tio­na­lis­ten”, und er tat dies nicht in zustim­men­der, son­dern in beschrei­bend-ent­lar­ven­der Absicht.

Denn in dem durch­aus tref­fen­den Wort steck­te zugleich die recht beschei­de­ne Absicht des Pro­jekts (näm­lich: der Nor­ma­li­tät wie­der zu ihrem Recht zu ver­hel­fen) und eine War­nung (näm­lich: vor einem neu­en Natio­na­lis­mus in einem grö­ßer gewor­de­nen, viel­leicht doch nicht ganz wider­leg­ten Deutschland).

Ich plä­die­re dafür, die­sen Begriff nun zu set­zen, ihn affir­ma­tiv zu ver­wen­den, denn er ist ein­gän­gi­ger als der vom “poli­ti­schen Veris­mus” und dyna­mi­scher als der immer wie­der kur­sie­ren­de “neue poli­ti­sche Realismus”.

Aber: Geeig­ne­ter und tref­fen­der als die von Peter Glotz ver­wen­de­te Vari­an­te ist eine um sei­nen denun­zia­to­ri­schen Aspekt berei­nig­te Fas­sung: Nichts dürf­te das AfD-Pro­jekt und sein “poli­ti­sches Mini­mum” so genau tref­fen wie der Begriff “Nor­ma­li­sie­rungs­pa­trio­tis­mus”. Dar­in ste­cken Mini­mal­ziel, Anknüp­fungs­fä­hig­keit, Unge­fähr­lich­keit, Bezugs­punkt, kurz: der kleins­te gemein­sa­me Nen­ner in einem Wort.

Die Nor­ma­li­sie­rung der Ver­hält­nis­se, die Her­stel­lung von Nor­ma­li­tät in allen Lebens­be­rei­chen, Ver­fah­rens­fra­gen und Poli­tik­be­rei­chen ist zugleich eine poli­ti­sche Mini­mal­for­de­rung und bei­na­he schon eine Über­span­nung der Kraft, und dies, obwohl in dem Auf­ruf zur Nor­ma­li­sie­rung das Defen­si­ve, das In-ein-Gleich­ge­wicht-Brin­gen steckt – und kei­nes­falls eine Über­deh­nung in die ande­re, die nicht-lin­ke Richtung.

Nor­ma­li­sie­rungs­pa­trio­tis­mus: Das ist die Wie­der­her­stel­lung des Selbst­ver­ständ­li­chen und Trag­fä­hi­gen, die Rekon­struk­ti­on des Ange­mes­se­nen und Zuträg­li­chen, und bereits das ist, so beschei­den es klingt, eine Her­ku­les­auf­ga­be. Sie anzu­ge­hen und zu meis­tern, bedarf eines Bekennt­nis- und Wider­stands­mu­tes, der weit jen­seits des­sen liegt, was dem durch­schnitt­li­chen Bür­ger unse­rer Tage zuzu­mu­ten wäre. Gleich­zei­tig aber muß die­ser über­schie­ßen­de Mut zur Nor­ma­li­sie­rung getra­gen wer­den von einer “Ein­sicht in das, was geht”. Dies ist im übri­gen noch kei­ne Annä­he­rung an das Estab­lish­ment, son­dern eine an den gro­ßen, täg­lich grö­ßer wer­den­den ver­un­si­cher­ten Teil der Bevölkerung.

Der Nor­ma­li­sie­rungs­pa­trio­tis­mus ist der kleins­te gemein­sa­me Nen­ner und das maxi­mal erreich­ba­re poli­ti­sche Ziel. Man muß es beschrei­ben, for­mu­lie­ren, sei­ne Sprö­dig­keit beto­nen, und man muß eine Art zurück­hal­ten­der Begeis­te­rung für die­se Sprö­dig­keit, die­sen Rück­bau, die­sen nüch­ter­nen Dienst an und in einer Mas­sen­de­mo­kra­tie wecken.

Wer auf Sei­ten der Alter­na­ti­ve (und das heißt: auf Sei­ten der Nor­ma­li­sie­rung) mit­tun möch­te, muß wis­sen: Dort geht es um Poli­tik, und das ist: das Anti-Erha­be­ne und sei­ne zähen Ver­tre­ter. Mehr gibt es nicht.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (60)

Laurenz

5. Mai 2021 23:26

Diesmal war der Artikel nicht so einfach zu verstehen.

Soweit ich ihn verstanden habe, teile ich ihn nicht ganz. Der Terminus "Normalisierungspatriotismus" paßt schon recht gut. Erachte ihn in der faktischen Konsequenz der "Mosaikrechten" in der politischen Theorie als Sinn stiftend. 

Allerdings sehe ich die Notwendigkeit des Einsatzes in der politischen Praxis aktuell als nicht dienlich an. In der aktuellen Situation werden wir nur nach und nach Mehrheiten erreichen, vor allem im aktuellen Osten, wo die seit Jahrzehnten fortschreitende "Entnormalsierung" früher beendet sein wird, als im alten Westen. Die politische Rechte oder gerne auch die Konservativen ist/sind nicht in der Lage, die Entnormalisierung zu ihrer Eskalation zu beschleunigen. Hier muß sich die Rechte voll auf den politischen Gegner verlassen. Nur die Neo-Weimarisierung wird in Deutschland einen neo-demokratischen Paradigmenwechsel erzeugen. Und hier müssen wir jetzt dafür sorgen, daß die Fehler des alten Weimar nicht wiederholt werden, und Bürgerlichkeit den Karren aus dem Dreck ziehen wird.

Fredy

5. Mai 2021 23:33

Der Begriff "normal" ist ja wohl einer der relativsten Begriffe überhaupt. Damit unterliegt er vor allem dem was die Mehrheit empfindet. Damit ist die AfD, die ungefähren Wählerwerte sind bekannt, sind wir, eben nicht normal, sondern unnormal, anders. Anders kann dabei alles sein: wohl traditioneller, patriotischer, familiärer, geistig gesünder ... jedenfalls nicht normal, wenn  dieser Staat und seine Anhänger sich als normal ansehen, und sie tun es zurecht, weil sie in der Mehrheit sind.

Nein, normal, ist gewiss nicht der geeignete Begriff. Die richtige Intention dahinter sehe ich schon: das früher gewöhnliche wieder normal, d.h. modern und akzeptiert zu machen. Aber das passt hier nicht. Weißmann wurde sowieso als Vordenker überschätzt. Der sich vermeintlich als Schüler haltende war stets seinem, als den Mentor gehaltenen, überlegen. Die Entwicklung gab dieser Einschätzung dann recht. Nicht, dass ich einen richtig guten Begriff hätte, aber selbst Gewohnheitspatrotismus oder Instinktnationalismus wäre besser, normal ist jedenfalls dermaßen relativ-schwammig und auch anbiedernd, da geh ich nicht mit.

ede

6. Mai 2021 00:07

Großartig.

Franz Bettinger

6. Mai 2021 02:39

"Das Politische folgt anderen Gesetzen als das Metapolitische.“ Damit kann mMn nur die Matrix gemeint sein, in der man agiert. Auf der einen Ebene handelt man, auf der anderen denkt man. Die eine ist zu Kompromissen genötigt, die andere nicht. Christen z.B. beziehen ihre Stärke aus dem Glauben an einen gerechten Gott; Buddhisten denken an ihr Karma und ein richtendes Jenseits. Hinduisten sind noch extremer. Für solche Gläubige gibt es also Wichtigeres als die schnöden ephemeren Vorteile des Jetzt. Sie werden die Krise besser durchstehen als Ungläubige, deren Lebensplan nur im Ausnutzen der Gegenwart besteht. Qanon-Gläubige hoffen auf einen Ausgang im Kaninchenbau, in den sie immer tiefer hinabsteigen. Und ich? Mache einfach weiter, was mir der Charakter zur Pflicht vorlegt. Und suche Gleichgesinnte. Und finde sie auch. Mühsam ernährt sich das Eich-Hörnchen.

anatol broder

6. Mai 2021 04:48

der «normalisierungspatriotismus» soll offensichtlich «unsere» (?) verluste ausgleichen. der begriff ist auf die politische ebene zugeschnitten, aber wegen der länge wenig alltagstauglich. schon bald nach seiner einführung werden viele leute normal-patriotismus sagen.

ist eine beständigere, «in die mitte hinein vermittelbare» umschreibung möglich? was kennt die mitte «jetzt, heute, gerade eben» mit sicherheit, das sie gemeinsam verlor? um welches symbol lässt sich dort eine überzeugende bewegung aufbauen?

kubitscheks vorschlag über weissmanns zehn thesen gestülpt brachte mich auf gausszehner. ich beziehe mich dabei auf den 10-mark-schein, der 1994 in der brd im umlauf war. er zeigte den kopf von carl friedrich gauss; daneben die als gaussglocke bekannte normalverteilung. freilich merkte kaum jemand die würdigung von gauss. doch in der mitte lebt noch sicherlich die errinerung an den verlust dieses geldscheins. nicht umsonst begann die afd als anti-euro-partei.

auch für konservative ohne eigene erinnerung an die d-mark klingt gauss als vorzeigedeutscher im besten sinne patriotisch, während der zehner die normalisierung andeutet. die erklärungsnot gegenüber dem politischen gegner wird der «zähe vertreter» übrigens nicht mit einem begriff los.

ich hoffe, dass der gausszehner «anti-erhaben» genug ist, und freue mich über jede «zurückhaltende begeisterung» für meine metapher. «mehr gibt es nicht», bis santa gauss kommt.

Gustav

6. Mai 2021 08:37

„Kirchhorst, 25 März 1946

Unruhig geschlafen, da eine Typhus-Impfung in mir ihr Wesen trieb. Die Zwangsmaßnahmen werden jetzt mit der Ausgabe der Lebensmittelkarten gekoppelt; der Brotkorb wird dem entzogen, der sich ihnen nicht unterwirft. Der Staat hat aus der Hungerknute ein so ideales Mittel herausgebildet, daß er, wie ich fürchte, schwer wieder darauf verzichten wird, auch wenn es Nahrung in Fülle gibt.

Die Impfung fasse ich als besonders brutalen Eingriff in die Gesundheit auf. Sie trifft Verfügung über das Kapital an unmittelbarer Heilkraft, und zwar eine Verfügung, die, wie alles heute, von Spezialisten getroffen wird, also von Intelligenzen, die sich aus ihrer Beschränktheit einen Titel gemacht haben und alle fünf Jahre eine neue Theorie vortragen.

Ich sehe den Vorgang etwa so, als ob ich im Keller eine Wassermenge zur Bekämpfung von Feuersbrünsten bereit hielte. Nun drängt sich eine Kommisssion ein und zapft für spezielle Möglichkeiten ein oder zwei Tonnen ab, auf solche Weise ein Potential angreifend, von dessen Bedeutung sie keine Ahnung hat. Da diese Leute die Macht der Providenz nicht kennen, geht alles in der Versicherung auf. Am Ende kommen die Großbrände. Inzwischen läuft ein Geschlecht herum, das nie recht krank ist und nie gesund.”

(Ernst Jünger, „Strahlungen III”)

Volksdeutscher

6. Mai 2021 08:48

@Laurenz - "In der aktuellen Situation werden wir nur nach und nach Mehrheiten erreichen, vor allem im aktuellen Osten, wo die seit Jahrzehnten fortschreitende "Entnormalsierung" früher beendet sein wird, als im alten Westen."

Ich befürchte nur, daß die liberalbolschewistischen Grünen Deutschland zugrunderichten werden, wenn nicht ein Wunder geschieht. Ich sehe auch nicht, wer dieses Wunder zustandebringen könnte: im Westen sind die Leute Schlafmützen, im Osten DDR-Romantiker. Unser Volk droht vor die Hunde zugehen. Zwar kann ich keine negativen, lethargischen oder pessimistischen Töne ertragen, und sie machen mich seit einiger Zeit auch wütend und hilflos. Aber ich kann nirgends eine positive Wendung zur Normalität hin erkennen. Vielleicht geht es auch anderen damit so oder ähnlich. Unser Volk befindet sich in einer so großen existenziellen Gefahr, daß, wenn nichts geschieht, es ultimativ vernichtet wird. Was ihm und uns droht, sind Afrikanisierung (andere nennen es Vernegerung) und Islamisierung.

Ihrem obigen Gedanken kann ich aus dem Grunde nur schwer folgen. Woher nehmen Sie es denn, daß das, was Sie da aussprechen, auch eintreten wird? Und was geschieht in der Zwischenzeit?

RMH

6. Mai 2021 09:02

Nach bald 242 Jahren der Dauerdekonstruktion, der Umwertung der Werte, des dazu gezielt eingesetzten Werterelativismus errichten sich - seit einigen Jahren auch für jeden sichtbar - die neuen Normen für die globale Weltgesellschaft. Das Vehikel des Werterelativismus wird leise in die Halle geschoben, abgestellt und mit einer Plane zugedeckt. Vor diesem Hintergrund wirkt der Begriff der Normalisierung spröde, ein Beitrag, wie der von @Fredy zeigt das Problem.

Ein gebuertiger Hesse

6. Mai 2021 09:24

Wenn der Begriff, der sich für unsere Ohren zunächst flach anhören mag, einmal die Runde macht, wird man sehen, wie sehr ihm ein Provokationselement innewohnt. Denn in Zeiten, in denen die Entgrenzung und Auflösung alles Bewährten zur Norm geworden ist (mal offen, mal zwischen den Zeilen), ist der "Normalisierer" ein Störenfried erster Rangordnung. So er sich zudem noch als Patriot erklärt, wird er für den Gegner eine einzige revisionstische Brüskierung sein. Wofür das (dieses vermeintliche Minimum) bereits ausreichend ist, werden wir sehen.

MARCEL

6. Mai 2021 09:40

Schließe mich den Vorrednern an.

Zielsetzung ist erkannt, aber der Gegner ist längst auch soweit. Die Repression zielt darauf ab, solcherart Normalität schon im Ansatz zu verhindern und damit abzuschrecken. Klar, das auszuhalten und trotzdem hartnäckig zu bleiben ist Auftrag/Pflicht alternativer Politik, auch der Metapolitik, also all derjenigen, die in der Sichtbarkeit agieren müssen.

Daneben würde ich den (hoffentlich großen) Bereich einer "Infra-Politik" setzen, gleichsam eine Art Infrarot-Strahlung, Teil des Spektrums, aber unerkannt, unsichtbar, nicht zu detektieren. Das mag nach fixer Idee klingen, aber anders lässt sich m. E. Initiative nicht wirklich wiedergewinnen.

Ein Schlusszitat aus Gerd Koenens lesenswertem Buch "Das rote Jahrzeht":

"Erst mit der Auflösung von APO und SDS 1969/70 wurde aus der antiautoritären Jugendrevolte eine echte, generationell geprägte Massenbewegung" (S.18)

Wie wahr!

RMH

6. Mai 2021 09:52

@geb. Hesse,

Genau da liegt der Punkt:

Die anderen setzen die Normen und zwar absoluter als zuvor. Das echte, wahre Normale wird zur Provokation, zu etwas, was man öffentlich cancelt und was dann Nachts, wenn es keiner sieht, als fast noch kleinstes Übel das Auto angezündet bekommt.

Mitleser2

6. Mai 2021 10:01

Ein paar Anmerkungen zu den Einflussmöglichkeiten in 2021:

Weiter oben wurde kommentiert: "Nur die Neo-Weimarisierung wird in Deutschland einen neo-demokratischen Paradigmenwechsel erzeugen."

Das sehe ich ähnlich. Mein Beispiel, Gemeinde in Oberbyern, 30% Grüne bei der letzten Kommunalwahl. Hier gibt es kein Problembewußtsein, Migraten halten sich in Grenzen, wenig Mieter, viele EFH. Es kann sich hier nur was ändern, wenn ein massiver Wohlstandsverlust breiter Kreise eintritt. Natürlich ist das hier nicht repräsentativ, aber im Westen, mit der Bevölkerungsmehrheit, gibt es viele solche Plätze. Wahrscheinlich braucht es tatsächlich erst mal eine Grün-dominierte Regierung bevor eine Veränderung eintritt.

Sekundant

6. Mai 2021 10:06

Nur zum besseren Verständnis eine Frage an RMH: welches bewegende Ereignis, das Europa erschütterte und die "Dauerdekonstruktion" einleitete, soll sich 1779, also vor 242 Jahren, Ihrer Meinung nach ereignet haben?

Noch ein Hesse

6. Mai 2021 10:07

Etwas "unterhalb" von Kubitscheks Ansatz würde ich die ganze Sache übrigens folgendermaßen zusammenfassen: Nach 75 Jahren Umerziehung ist es in D gerade den "normalen" Menschen psychologisch nicht mehr möglich, sich zur Wahrung ihrer eigenen politischen Interessen zusammenzuschließen. Wir können uns (per Demonstration, Verein oder NGO) für das Weltklima, für Flüchtlinge, für sexuell desorientierte Minderheiten etc. einsetzen, soviel wir wollen, aber sobald drei Deutsche zusammenkommen und sich für ihr wohlverstandenes Eigeninteresse organisieren wollen, schreit irgendjemand "Nazi". Sieht man ja derzeit sehr schön an den Coronamaßnahmen-Gegnern. Die kommen durchaus zusammen, immerhin, aber eine schlagkräftige Einheit wird nicht draus, im Gegensatz zu den schwarz vermummten Gegendemonstranten. Und Tatsache ist ja, dass trotz einiger Reichsflaggen 95% der "Querdenker" et al. sich geradezu verzweifelt von allem abgrenzen, was irgendwelche "rechten" Assoziationen hervorrufen könnte - außer dass sie eben für sich selbst, für ihre eigenen Interessen auftreten, aber das reicht, um diffamiert zu werden, und das weiß auch Otto Normalverbraucher nur zu gut. M. E. haben wir weniger ein metapolitisches als ein psychologisches Problem.

Noch ein Hesse

6. Mai 2021 10:11

Und zum vorgeschlagenen Begriff: Ja, es geht um den Patriotismus, natürlich. Ein völlig normaler Begriff auf der ganzen Welt, eine Selbstverständlichkeit, und mir fällt aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis NIEMAND ein, bei dem nicht die Nazisirene losheulen würde, wenn ich mich als Patriot bezeichnen würde. (Interessanterweise vielleicht die Schwiegereltern.)

Der_Juergen

6. Mai 2021 10:41

Die von Kubitschek angeführten Weissmann-Zitate haben mich beeindruckt; sie allein deuten schon darauf hin, dass Weissmann  ein Denker von erheblichem Format ist.

Allerdings zeichnete es sich bereits 1994 ab, dass eine nationale Rechte, die diesen Namen verdient, auf demokratischem Wege nichts mehr bewirken können würde. Schon damals hatte die Umerziehung so tiefe Wurzeln zu schlagen und waren die Medien so fest in Feindeshand, dass genuin rechte Positionen im allerbesten Fall noch einem Viertel des deutschen Volkes zu vermitteln waren. 2007 war das noch deutlicher geworden, und heute sind wohl bei den allermeisten von uns auch die letzten Illusionen geplatzt. Es wäre übrigens interessant, wie Weissmann die jetzige Lage, in der es um die nackte Existenz des deutschen Volkes und darüber der weissen Menschheit geht, beurteilt. Meines Erachtens ist er einfach zu intelligent, um zu glauben, mit einer Stimmabgabe für die AFD liesse sich der Great Reset noch stoppen.

Dieter Rose

6. Mai 2021 10:52

Meiner bescheidenen Meinung nach ist das Hauptproblem, dass das Grundgesetz nicht mehr beachtet wird und zur Verfügungsmasse für willfährige Juristen und Pseudo-"Volksverteter" degradiert worden ist. Philosophische Betrachtungen lösen das Problem nicht.

tearjerker

6. Mai 2021 10:53

Der Begriff der Normalität sagt vielen Leuten einfach nichts. Was für meine Grosseltern als normal galt, war schon in meiner Generation Schnee von gestern und die nächste Generation prüft auch wieder für sich selbst, wozu der ganze alte Plunder noch taugt. Ich sehe auch nicht wie das als Politslogan differenzieren kann, wenn der Gegner parallel dazu bereits mit der ‚neuen Normalität‘ hausieren geht und rund um die Uhr dafür Propaganda betreibt. In diesem Sinne ist es auch ein grosser Fehler, in der jetzigen Situation auf die Mitte zu hoffen. Die Dynamik wird aus der Ecke derjenigen kommen, die nicht in den Zirkus investiert sind. Und das sind nicht die Rentner, Lehrer, Beamten oder Eltern.

RMH

6. Mai 2021 10:53

@Sekundant,

Ich habe mich verrechnet. Gemeint war die franz. Revolution 1789. Gut, nach Tocqueville hatte die ja einen längeren Vorlauf, aber das war nicht gemeint. Schlichter Rechenfehler, Sorry.

Franz Bettinger

6. Mai 2021 11:01

Was nutzen Worte, noch dazu solche mit zehn Silben, in einer Zeit reinsten Orwellismus'?! Das Wort Normalität ist längst vom Gegner besetzt. Die Begriffe Nation und Patriot sind Tabus, deren Brecher man bestenfalls lächerlich macht, schlimmstenfalls lyncht. Welche Begriffe wird das Volk hinausschreien, wenn es die Schuldigen aus ihren Löchern ziehen wird? (Der Tag kommt gewiss.) Ganz andere Worte werden es sein, und in erster Linie negative! Wir sollten uns nicht mit Worten aufhalten. Ansonsten: viele gute Kommentare.

Nemo Obligatur

6. Mai 2021 11:05

@ Noch ein Hesse 6. Mai 2021 10:07

Einer der besten Beiträge hier überhaupt. Da stimmt jedes Wort.

Ich bin nur noch rein metapolitisch orientiert. Es geht allein darum, möglichst viele kulturelle Bestände irgendwie zu retten, zu konservieren. Die neue Zeit hält niemand auf. Aber irgendwann schwingt das Pendel zurück, dann muß man etwas anzubieten haben. Bis dahin spielen ein paar mehr oder weniger Wählerstimmen, der Einzug in ein Parlament hier oder das Ausscheiden dort überhaupt keine Rolle.

Simplicius Teutsch

6. Mai 2021 11:13

@ Götz Kubitschek: > Nichts dürfte das AfD-Projekt und sein "politisches Minimum" so genau treffen wie der Begriff "Normalisierungspatriotismus". Darin stecken Minimalziel, Anknüpfungsfähigkeit, Ungefährlichkeit, Bezugspunkt, kurz: der kleinste gemeinsame Nenner in einem Wort. <

Der „kleinste gemeinsame Nenner“ ist ein ziemlich großes Wortungetüm, aber mir fällt - gerade jetzt im aktuellen politischen, hysterisierten Corona-Kontext - auch nichts besseres ein: „Normalisierungspatriotismus“.

Jedenfalls wird damit eine Absicht geäußert, die das Tun einfordert: "Normalisierungspatriotismus".

„Normalpatriotismus“ wäre der statische, undynamische, nur beschreibende, falsche Begriff, auf den @ anatol broder oben schon hingewiesen hat.

Laurenz

6. Mai 2021 11:13

@alle Teilnehmer

Der Unterschied zur Religion ist, daß Marx das Paradies vom jenseits ins diesseits verlegte & auch alle anderen Ersatzreligionen, wie Klima oder Pandemie, beziehen sich nie auf ein jenseits. Würden alte Religionen tatsächlich an das jenseits glauben, müßten sie im diesseits keine Kriege führen.

Auch ein Fehler des Artikels, wie die mancher Beiträge hier, ist die historische "Mitte". Die Mitte, bis auf ein paar propagandistische Wahlkampagnen der FDP oder AfD, existiert gar nicht mehr. Alle diejenigen, die sich heute noch auf eine Mitte beziehen, haben sich soweit aus ihr wegbewegt, daß die Mitte in der Realität leer, ohne Hosen dasteht. Insofern sind die gekoppelten Termini "Normalität & Patriotismus" durchaus Sinn erheischend. Auch ein Ernst Thälmann war noch ein Patriot.

Und hier noch irgendetwas retten zu wollen, ist nachwievor ein eklatanter politischer Denkfehler, den auch Größen, wie Robert Lambrou, begehen.

Es wird, wenn, nur ein Phönix aus der Asche geben. Und dann stellt sich die Frage, wer wird den Phönix steuern.

links ist wo der daumen rechts ist

6. Mai 2021 11:22

@ Gustav

Aufrichtig wäre es, auch die Quelle des Jünger-Zitats anzuführen:

https://www.klonovsky.de/acta-diurna/

Apropos Klonovsky:

Offenbart sich in dieser Person nicht das ganze Dilemma einer neurechten Positionierung?

Dieser DM-Flüchtling und Zeitgeist-Schreiber, der DEM Sozialismus nie verziehen hat, daß er einem bohemienhaft-goscherten Lagerarbeiter keinen Aufstieg in „bessere Kreise“ (die gab es nicht) ermöglichen konnte, ist doch für ein konservatives Lager so typisch wie eine sich der Reproduktion verweigernde, in atypischen Verhältnissen lebende ehemalige Investmentbankerin oder ein ehemaliger Lehrer, der wie eine aus dem 19.Jahrhundert übriggebliebene „Lehrer Lämpel“-Karikatur wirkt. Eigentlich ein Gruselkabinett schmallippiger Lehrmeister. Die unmögliche Synthese aus Askese und Hedonismus.

Schade, daß dagegen Ruhe und Sicherheit ausstrahlende Väter- und Großvätergesichter wie die Meuthens und Gaulands durch Appeasement oder Überalterung nichts mehr bewirken werden können.

Aber zurück zum „Gaußzehner“ (@ anatol broder).

Man vergleiche diese blassen Geldscheine mit den Banknoten davor. Herrliche Gesichter aus der Dürer- und Cranach-Zeit. Melancholisch, aber vor Selbstbewußtsein strotzend. Was schien da nicht alles möglich 100 Jahre vor dem 30jährigen Krieg...

Ein gebuertiger Hesse

6. Mai 2021 11:24

@ Jürgen

"Meines Erachtens ist er [Weißmann] einfach zu intelligent, um zu glauben, mit einer Stimmabgabe für die AFD liesse sich der Great Reset noch stoppen."

Es mag ein Segen sein, daß wir die Träume der anderen nicht einsehen können, denn nur so können wir die Hoffnung hegen, daß sie weniger finster sind als unsere eigenen.

Gustav

6. Mai 2021 12:34

@ links ist wo der daumen rechts ist

Was für ein widerliches Zeug.

Deshalb erst recht mehr von dem " bohemienhaft-goscherten Lagerarbeiter":  

"Dieses Melden, dieses Anschwärzen (sic!), dieses Schießen aus dem sicheren Biwak des Zeitgeistes, platzend vor grundgutem Gewissen. Grundgütiger! 

Wenn ich sage, die DDR sei ein Drecksstaat gewesen, meine ich nicht „die Menschen”, sondern tatsächlich den Staat, die Parteibonzen, die bösen Greise des Politbüros, die Spitzel, die Mitmacher, die Beflissenen…

Liebe Kinder, die Demokratie ist nichts Heiliges. Die Demokratie ist kein Religionsersatz. Die Demokratie ist kein Geschichtsziel. Die Demokratie ist ein Mittel zum Zweck, sie ist das Mittel, um zu einer guten Regierung zu kommen bzw. eine schlechte Regierung wieder loszuwerden. Erfüllt ein Mittel seinen Zweck nicht, muss darüber nachgedacht werden, ob es am Mittel oder an der Art seiner Anwendung liegt. Ich fürchte freilich, dass in den Köpfen vieler gewählter Regierender sogar der Zweck fraglich ist."

Vultus Animi

6. Mai 2021 13:37

„Dazu aber ist nicht nur eine eindeutige Parteinahme für die Demokratie erforderlich, sondern auch die Bereitschaft, "anknüpfend" zu agieren. Denn wo außer in einer Mobilisierung der "Mitte", im Namen des gesunden Menschenverstandes, wäre es heute noch möglich, Mehrheiten für eine andere Politik zu finden?“

Daran anknüpfend: Am Ende verspricht nur ein „konservativer Marsch durch die Institutionen Erfolg“.

So verstehe ich auch die Lehre vom von @Marcel zitierten Gerd Koenen.

Uodal

6. Mai 2021 13:43

Die meisten Kommentatoren können nicht so Recht etwas mit dem Begriff "Normal" anfangen. Aber ist das denn die Frage, was ein Dutzend Kommentatore hier davon halten? Entscheidend ist doch nicht, ob der Wurm dem Angler schmeckt, sondern dem Fisch, d.h. spricht er ein Gefühl, ein Bedürfnis der Wähler - nicht irgendwelcher, sondern der potentiellen AfD Wähler - an? Ich meine, Ja. Er schließt an, und nicht erst seit der Pandemie, an eine verbreitete Sehnsucht nach einer «Normalität», die weit über die bisherige AfD-Wählerscbichten hinausreicht.

Während die Alt-Parteien anscheinend keinen Zugang mehr zu dieser Sehnsucht haben, sich statt dessen in der Beschäftigung mit Gendersternchen und Partikularinteressen überbieten, ihr "Augenmerk auf immer kleinere und skurrilere Minderheiten richten" (Wagenknecht) und sich immer weiter in politischer Korrektheit verirren, hat die AfD hier eine kluge Ansprache an die immer noch "normale" Mehrheit gefunden.

Silent Reader

6. Mai 2021 14:02

Dies ist die echte Alternative für die BRD — die Urbanen, eine Hip-Hop Partei geführt von Raphael Moussa Hillebrand.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Urbane._Eine_HipHop_Partei

 

limes

6. Mai 2021 14:21

Normalisierungspatriotismus ist in »Corona-Zeiten« kein Minimum mehr, sondern bereits ein recht sportliches Ziel.

Den Kampf gegen das Vaterland glaubt die Gegenseite bereits gewonnen und hat sich mit der klaren Ansage, dass es »ein Zurück zur alten Normalität« nicht geben werde, bereits zum Sieger einer Entscheidungsschlacht erklärt.

Neben Institutionen, Verbänden und »Zivilgesellschaft« wirken vor allem die Medien, die Perspektive der »Bevölkerung« bestimmend, als normative Kraft. Durch den kritischen Vorstoß des beliebten Mimen Jan Josef Liefers und dessen drohende berufliche Hinrichtung aber droht nun der Triumphzug der Dekonstruktion ins Stocken zu geraten. Ausgerechnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels schlägt nun eine »Charta der Meinungsfreiheit« vor, und ein illustres Bündnis von »Organisationen und Unternehmen, darunter … der Fußballclub Eintracht Frankfurt, Amnesty International, … die Bundeszentrale für politische Bildung, … das Goethe-Institut… und Reporter ohne Grenzen« (Epoch Times) wollen nun eine Woche lang auf allen Kanälen für ihre Auslegung von Meinungsfreiheit trommeln.

Volksdeutscher

6. Mai 2021 14:28

Mitleser 2 - "Wahrscheinlich braucht es tatsächlich erst mal eine Grün-dominierte Regierung bevor eine Veränderung eintritt."

Malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand. Mit dem Wirklichkeit gewordenen Albtraum einer grün-bolschewistischen Regierung würde in der Tat eine Veränderung eintreten, aber nicht so, wie Sie das suggerieren. Kein Widerstand, keine Veränderung könnten ab dem Zeitpunkt mehr möglich sein und werden, wenn die anfangen, in die Gesetzgebung hineinzupfuschen. Die Grün-Bolschewiken würden Gesetze erlassen, Gesetze abschaffen und Gesetze ignorieren gegen Volk, Nation, Rechtsstaat, Tradition zugunsten von Fremden, Familienauflösung, Willkür, Rechtlosigleit, Multikulturalismus, Denunziantentum. Die würden alle Parteien, Vereine, Stiftungen von rechts verbieten, rechte Personen drangsalieren, schleifen und verfolgen. Noch nie ist die Gefahr einer neuen Räterepublik greifbar näher gerückt als in unserer Zeit.

brueckenbauer

6. Mai 2021 14:45

Nun ja. Ich lese das als Antwort auf diejenigen, die sich letztens positiv und bereitwillig für die Teilnahme am Nazi-Zoo ausgesprochen hatten (vielleicht stand ich da ja nicht alleine). Die also bereit sind, sich in eine Minderheit einflechten zu lassen, die keinerlei Chance auf eine Mehrheit hat (außer wenn die politische Gesellschaft einmal total zersplittert und nur noch Regierungskoalitionen von zufällig zusammengerafften Minderheiten möglich sind, was jeder beteiligten Minderheit wenigstens ein negatives Veto gewähren würde).

Mein Problem mit Kubitscheks Lösung: Mit "Normalisierungspatriotismus" sind wir von den realen Leuten noch einen Schritt weiter weg als mit "Normalisierungsnationalismus". Denn was ist schon ein "Vaterland" - eine Karte, eine Gruppe von Institutionen, ein "deep state" jenseits der Parteien?

Wie wäre es denn mit "Normalisierungsethnizismus"? Das "Volk" müsste dringender normalisiert werden als das "Vaterland", und da sind wir wieder an den realen Menschen dran (allerdings, wenn es nun also um Mehrheiten gehen soll, auch an der Frage: Hat denn die deutsche Volksgruppe - wohl verstanden - noch eine Mehrheit in der Bundesrepublik?).

Kriemhild

6. Mai 2021 14:49

Den Kommentar des Kollegen aus Hessen (10:07) finde ich ganz hervorragend, er trifft den Nagel auf den Kopf. Aus genau diesem Grunde sind die Querdenker und sämtliche anderen Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen auch strukturell rechts zu verorten, selbst wenn sie sich teilweise vehement gegen diese Etikettierung wehren. Allein der Umstand, dass Bürger politisch agieren und sich untereinander verständigen, um ihre eigenen Belange wahrzunehmen statt aktiv gegen die eigenen Interessen zu mobilisieren, stellt einen gegen den linken Konsens gerichteten Akt dar, den das "verfassungspatriotische" Establishment nicht tolerieren kann.   

micfra

6. Mai 2021 14:57

Dieser Artikel erschien das erste Mal am 30. September 2019. Offensichtlich hat sich seit Herbst 2019 nichts wesentliches geändert und so kann man diesen Text unverändert nochmals publizieren und niemand merkt es. Die Kommentare wirken diesmal noch etwas depressiver.

links ist wo der daumen rechts ist

6. Mai 2021 14:58

@ Gustav

Wissen Sie, was einen wirklich anwidern kann? Es ist diese typisch deutsche Jammerlappen-Mentalität:

Ach, die Umerziehung (die begann nicht am 8. Mai 1945, sondern 1917: Rudolf Steiner gegen Wilson vs. Lenin), wo bleibt nur die erinnerungspolitische Wende (die fand Ende der 90er statt), huch, der drohende Volkstod (das Gejammere begann in einschlägigen Kreisen Ende der 70er, als die BRD trotz allem ein ökonomisch mächtiger und politisch selbstbewußter Staat war). Usw.

Der Anfang vom Ende war dann die „Wiedervereinigung“, erkauft um den Preis der Abschaffung der DM. Und die, die damals die Befürworter eines eigenständigen Mitteldeutschlands als Vaterlandsverräter gebrandmarkt haben, trauern heute dieser Variante nach.

Der Kohl-Patriotismus als kollektive Umnachtung ließ!

anatol broder

6. Mai 2021 15:00

wie kann normal ge­setzt werden? aus der pessi­misti­schen sicht ist die ant­wort klar: normal ist, wer im zwei­fel ver­zichtet. da liegt das kon­serva­tive mini­mum, das gegen­teil vom «ruch­losen opti­mis­mus».

um synonyme für normal zu finden, spalten wir den be­griff in seine innere und äussere be­deutung:

der innere ver­zicht ist edel (götz kubitschek: «er­haben»). hier treffen wir auf liebe und kunst. das edel­ste sub­jekt hier ist jesus. aus grossem stein wird edel­stein: «kubitschek glaubt nicht an die wirk­sam­keit vieler worte.»

der äussere ver­zicht ist rein (@ fredy: «gewöhnlich»). dort treffen wir auf recht und wissen­schaft. das rein­ste ob­jekt dort ist der tod. aus grosser lehre wird reine lehre: «mittler­weile weiss kubitschek, wo­mit er gar nicht erst an­kommen muss.»

somit können wir normal durch edel oder rein er­setzen.

ferdinand kürn­berger stimmt zu: «und alles, was man weiss, nicht bloss rauschen und brausen ge­hört hat, lässt sich in drei worten sagen.»

Der_Juergen

6. Mai 2021 15:31

@links wo...

"Schade, daß dagegen Ruhe und Sicherheit ausstrahlende Väter- und Großvätergesichter wie die Meuthens und Gaulands durch Appeasement oder Überalterung nichts mehr bewirken werden können." Ist das Satire? Wenn ja, sollten Sie sie mit "Achtung, Satire" kennzeichnen. Dass der zwiespätige Gauland oder gar der Erzschelm Meuthen "Ruhe und Sicherheit" ausstrahlen sollen, schlägt dem Fass wirklich den Boden aus.

Auch Ihre Angriffe auf Klonovsky, der bei all seinen Minuspunkten (worunter ich vor allem seine eiserne Weigerung verstehe, die Gründungslüge der BRD in Frage zu stellen) ein hervorragender Stilist ist und in manchen zentralen Punkten die Wahrheit und nichts als die Wahrheit schreibt, sind völlig überzogen. Wir haben in Deutschland heute nicht so viele brillante Federn, dass wir es uns leisten könnten, sie als "Lehrer Lämple-Karikaturen" abzutun.

Der_Juergen

6. Mai 2021 15:43

Teil 1

Im folgenden wird keine Behauptung aufgestellt, sondern eine Frage aufgeworfen, die an alle Interessierten geht:

Wenn ein Rechter von "Metapolitik" spricht, meint er damit, dass die Rechte bestrebt sein soll, der herrschenden linken und liberalen Ideologie die Deutungshoheit über die Begriffe streitig zu machen; sie muss versuchen, das geistige Klima in ihrem Sinne zu ändern, indem sie, da sie die breiten Massen nicht erreichen kann, nach und nach eine eigene Elite herausbildet, die am Tag X bereit ist, politische Verantwortung zu übernehmen. Dies kann man als "Gramscismus von rechts" bezeichnen (Irrtum vorbehalten, stammt der Ausdruck von A. de Benoist).

Schon vor Jahren habe ich auf diesem Forum die Meinung vertreten, der Rechten gehe langsam die Zeit aus, weil die Umvolkung so rapid voranschreite, dass bis in spätestens zwei Jahrzehnten irreversible Zustände geschaffen sein würden; das einzige, was eine nationale deutsche Bewegung dann noch anstreben könne, sei die Errichtung eines deutschen Staates auf einem Teil des heutigen deutschen Gebiets.

Der_Juergen

6. Mai 2021 15:46

Teil 2

Durch den monströsesten Schwindel aller Zeiten hat sich die Lage natürlich drastisch verschärft. Um die Katastrophe zu stoppen und somit wenigstens das Schlimmste zu verhindern, bleibt sehr wenig Zeit. Wie kann man unter diesen Umständen noch "Metapolitik" betreiben, in der Hoffnung, in zehn oder zwanzig oder fünfzig Jahren das herrschende geistige Klima so verändert zu haben, dass ein politischer Paradigmenwechsel und Machtwechsel möglich sein wird? Braucht es den Menschen der Tat, der direkt politisch handelt und dabei auch grösste Risiken in Kauf nimmt, heute nicht ungleich mehr als den Schreibtisch-Intellektuellen, der ja noch so viel über George und Jünger wissen mag, aber jeder physischen Konfrontation angstvoll aus dem Wege geht, da diese nichts für feine Geister wie ihn ist?

Carsten Lucke

6. Mai 2021 17:02

@ Linksdäumling

Ihr erbärmliches Gegeifere gegen Klonovsky ist doch niedrigstes Ressentiment und fällt ja bloß auf Sie selbst zurück - widerlich !

> Hervorragender Text von Götz Kubitschek - Dank dafür !

Laurenz

6. Mai 2021 17:05

@limes

Das glauben Sie doch Selbst nicht, was Sie da schreiben.

https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2021/totalitarismus-woche-der-meinungsfreiheit/

Die Grünen waren bereits 7 Jahre dran. Aber außer einer Spritsteuer gegen Arme & einem mißglückten Dosenpfand ist alles Symbolpolitik geblieben. Arbeitnehmerrechte wurden beschnitten, die Sozialversicherten beraubt & man zog in einen nicht erklärten Krieg. Daran knüpft Frau Koboldbock an. https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/511705/Baerbocks-geopolitisches-Konzept-Gemeinsam-mit-den-USA-gegen-autoritaere-Systeme?src=XNASLSPREGG

Die ganze linke Mischpoke von CDU über Grün bis Die Linke, wissen haargenau, daß sie den Karren an die Wand fahren. Man wird mit immer härteren Maßnahmen versuchen, sich weitere Zeit der Macht zu kaufen, das geht doch schon seit 2 Jahrzehnten so. Aber sonst wird sich unter Koboldbock nichts ändern, es wird bei Symbol-Politik bleiben, & man wird den Bürgern immer mehr abnehmen, um den eigenen Status aufrecht zu erhalten.

tearjerker

6. Mai 2021 17:06

„Durch den monströsesten Schwindel aller Zeiten hat sich die Lage natürlich drastisch verschärft.“ (Jürgen).

Man kann die Ereignisse der letzten 2 Jahrzehnte auch als Auflösungserscheinung des globalistischen Lagers lesen, soweit es Europa betrifft: von der Ablehnung einer europäischen Verfassung durch Franzosen und Niederländer, über Gewalt als Antwort auf deren Expansion in Georgien/Ukraine, die „Rettungen“ um notdürftig die nationalen Interessenkonflikte mit Geld zuwerfen zu können, die Migrationskrise, in der abermals Regeln und Freizügigkeit von den Rändern her in Frage gestellt wurden bis zum Märchen von der ach so gefährlichen Krankheit, die jetzt als Vorwand gilt, die Grenzen entlang der Völker neu zu errichten und die Ökonomie als Basis des gesamten Konstruktes substantiell und unwiederbringlich zu beschädigen. Es tun sich überall Risse und Brüche auf, die zur Zeit von Weissmanns Überlegungen noch undenkbar waren. Hier gilt es anzusetzen.

Ein gebuertiger Hesse

6. Mai 2021 17:10

@ Jürgen

"Braucht es den Menschen der Tat, der direkt politisch handelt und dabei auch grösste Risiken in Kauf nimmt, heute nicht ungleich mehr als den Schreibtisch-Intellektuellen, der ja noch so viel über George und Jünger wissen mag, aber jeder physischen Konfrontation angstvoll aus dem Wege geht, da diese nichts für feine Geister wie ihn ist?"

Sie stellen eine geradezu schmerzhaft wesentliche Frage, die sich nur mit Ja beantworten läßt. Eigentlich. Nur: wie könnte, sollte, dürfte, müßte eine solche Tat aussehen und wie besser nicht? Bedenkt man dies, was notwendig ist, bewegt man bereits wieder unter den Geistern, die Sie - und ich verstehe es - sozusagen als bloße Sofa-Rechts-Revoluzzer kritisieren. Schwierig. Als Lektüre zu der Frage empfehle ich in GKs "Provokation"-Büchlein das Kapitel "Das Zögern". 

Laurenz

6. Mai 2021 17:20

@RMH

"Sorry" = Ihr könnt mich mal.

Wenn Sie Sich entschuldigen wollen, dann tun Sie das.

@Anatol Broder

Könnten Sie bitte Ihre Meinungsäußerung etwas weniger geschwollen, sprich weniger edel, aber vielleicht auch nicht ganz so gewöhnlich formulieren, damit es auch ganz normale "Normalisierungspatrioten" verstehen können?

@Silent Reader

"Die Urbanen"

Wenn Sie Sich Relotius-Umfragen anschauen, will eine Mehrheit der Stadtbewohner gar nicht in der Stadt leben. Diese Mehrheit macht es nur aus existentiellen Gründen. Die meisten träumen eher von dem Model "Schnellroda". Ist ja auch logisch, lieber in der Hütte eines verarmten Ritters, als in der Legebatterie eines Hühner-KZs. Die Grüne NomenKlatura aus Neu-Wandlitz will, daß alle in der Stadt leben, weil dort die Kontrolle aller einfacher ist.

heinrichbrueck

6. Mai 2021 18:05

"Die Demokratie ist ein Mittel zum Zweck, sie ist das Mittel, um zu einer guten Regierung zu kommen bzw. eine schlechte Regierung wieder loszuwerden."
Wer glaubt diesen vorgegebenen Fettdruck? Keine Panik, das Mittel erfüllt seinen Zweck, nur anders, als von den Demokraten gedacht. Was die Demokratie sein sollte, nicht was sie ist. Synthetisches Denken, langfristig orientiert, demokratisch gewissenhaft, dem Volksgewissen dienend, und nicht einer abstrakten Theokratie unterworfen. Die Demokraten müssen die Demokratie verstehen lernen. 
"Erfüllt ein Mittel seinen Zweck nicht, muss darüber nachgedacht werden, ob es am Mittel oder an der Art seiner Anwendung liegt."
Mit dem Fahrrad einen Porsche überholen wollen, die Demokratie erlaubt es. 
Es gibt ein Muster, in der Anwendung wiederkehrend. 

Gotlandfahrer

6. Mai 2021 18:17

Mit „Normalisierungspatriotismus“ wüssten selbst in der AfD nur wenige etwas anzufangen, geschweige denn, dass mit diesem sich Beschränken in der Praxis irgendein Blumentopf gewinnbar wäre.  Frau Weidel hat dies bei Lanz gezeigt: Alles richtig, und doch nur Defensive.  Wenn Weißmann schon 1994 sich nur eines „andeutenden“ Hinweises bedienen konnte, sagt das alles:  Wir sind nicht nur nicht frei im Sinne einer gegen uns gerichteten Gesinnungsherrschaft – was stabile Refugien, akzeptierte Linien zuließe, so, wie es Kirche im Sozialismus gab.  Sondern wir – der alarmierte Teil des Staatsvolkes – sind steigernder Einschnürung ausgesetzt, die nicht auf einen „Deal“ abzielt.  Was haben wir anzubieten, damit uns „Normalität“ gelassen wird?  Wenn Miteinandersprechen verweigert wird, bleibt nur Übereinandersprechen.  Konsequent nur auf eigenen Kanälen, konsequent deren Rechtsbruch, deren Morallosigkeit, deren die gegen die Menschlichkeit gerichtete Praxis benennend.  Wer Lanz guckt, ist unwichtig.  Masse folgt, wenn sich eine selbstbewusste Avantgarde zeigt.  Um eine solche muss es gehen, eine sehr kleine Gruppe von gefeierten Köpfen, die sich nicht um Umfragen schert, aber die glasklar „die“ benennen, die „uns“ ohne Aussicht auf Erträglichkeit angreifen.  Es hat sich, trotz vieler guter Köpfe, noch nicht herausgebildet: Das von "uns" unangefochtene Sieger-Gesicht der Alternative.

Imagine

6. Mai 2021 19:15

Da ich ungefähr so alt bin, wie @Maiordomus, bin ich Zeitzeuge einer Entwicklung, welche fast 70 Jahre umfasst.

Ich kann mich noch an das ärmliche Leben in der Nachkriegszeit erinnern, habe die Besatzungszeit und deren Ende erlebt, habe dann die Fress-, Auto- und Reiswelle mitbekommen, das konservative CDU-CSU-Deutschland, die APO und die Studentenbewegung, die Modernisierung durch die SPD im Interesse des Großkapitals, die bleierne Zeit in den 70-er Jahren, den geistig-moralischen Verfall Deutschlands während der Kohl-Ära, die zweite Modernisierung durch SPD und Grüne im Interesse des Groß- und Globalkapitals, die zweite große Dekadenzperiode Deutschlands in der Merkel-Ära, in der alles zertrümmert wurde, was die positiven Seiten des westlichen Nachkriegsdeutschlands ausmacht, nämlich Demokratie, Rechts- und Sozialstaat.

Heute sehe ich ein Deutschland, das immer mehr auf einen „failed state“ hinsteuert.

Eine grün-schwarze Regierung mit Kanzlerin Baerbock wird vermutlich eine dritte Welle der Modernisierung im Interesse der globalen Kapitale durchführen, in der die westlichen Gesellschaften durch eine Trennung zwischen Herrenmenschen und der sklavenartigen Massen der Arbeits- und Nutzmenschen gekennzeichnet sein werden, die jeweils in anderen Alltagswelten leben, so wie früher die „Idiotes“ in Griechenland, die Plebs im Römischen Reich und die Negersklaven (cf. „Uncle Tom“) in den USA.

 

Apostat

6. Mai 2021 19:16

Norm- im Sinne von Selbstverständlichkeit, nicht Erklärungsbedürftig, kann nach der Säkularisierung nur noch Gültigkeit für das individuelle Leben haben.

Gesellschaftliche Normen sind, wie alles in der Politik, Interessenbestimmt und somit wandelbar.

In Zeiten linker Identitätspolitik, drohendem Quotensozialismus und Ersetzungsmigration würde mein konservatives Minimum "Gemeinwohlpatriotismus" heißen. 

 

brueckenbauer

6. Mai 2021 19:52

Beim zweiten Durchdenken kann ich Kubitschek seinen Normalisierungspatriotismus nicht verübeln. Wer einmal darauf vereidigt worden ist, "sein Vaterland" zu verteidigen, wird kaum umhin können zu glauben, dass es so etwas wie ein "Vaterland" wirklich gibt.  Ich respektiere also seine Glaubensüberzeugung, kann mich ihr aber beim besten Willen nicht anschließen.

Mitleser2

6. Mai 2021 20:30

@Imagine: " die Modernisierung durch die SPD im Interesse des Großkapitals"

Das kann ich als Arbeiterkind mit Abitur 1974 überhaupt nicht so sehen. Für mich war das die Möglichkeit der Entfaltung. Unabhängig davon: die Förderung der Naturwissenschaften ab 1969 (z.B. Max-Planck-Gesellschaft) hat Deutschland massiv vorangebracht. Wo sie da das "böse" Großkapital sehen, ist mir rätselhaft.

 

Lotta Vorbeck

6. Mai 2021 20:37

@Imagine - 6. Mai 2021 - 07:15 PM

"Ich kann mich noch an das ärmliche Leben in der Nachkriegszeit erinnern, habe die Besatzungszeit und deren Ende erlebt ..."

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"Ach was?"

Wann soll sie denn zu Ende gewesen sein, die Besatzungszeit?

Die Besatzungstruppen nebst ihrem in die Hundertausende gehenden, zivilen und paramilitärischem Gefolge sind jedenfalls nach wie vor sehr präsent im Lande und aktuell hyperaktiv am Boden, in der Luft und zur See unterwegs.

limes

6. Mai 2021 20:57

@ Laurenz (6. Mai 2021 17:05) @limes

Sie, Laurenz, schreiben mir: »Das glauben Sie doch Selbst nicht, was Sie da schreiben.«

Pardon, lieber Laurenz: Wie verstehen Sie meine Zeilen? Ich sehe in meinem Kommentar keinen Widerspruch zu Ihren an mich gerichteten Ausführungen.

Laurenz

6. Mai 2021 21:30

@Gotlandfahrer

"Mit „Normalisierungspatriotismus“ wüssten selbst in der AfD nur wenige etwas anzufangen, geschweige denn, dass mit diesem sich Beschränken in der Praxis irgendein Blumentopf gewinnbar wäre."

Also, abgesehen davon, daß ich den Artikel nicht als einfach ansehe, hatte ich sofort ein Verständnis von "Normalisierungspatriotismus". Ich gehe nicht davon aus, daß GK von Seiner Empfehlung an den politischen Arm der konservativen Rechten abweichen will, politische Agitation in der Öffentlichkeit inhaltlich auf ein Minimum zu beschränken. Innerhalb der immer noch existenten Mosaik-Rechten & gar anderer, meist außerparlamentarischer oppositioneller Gruppen, bietet der Begriff allen den Patrioten Identität, die "normal" ohne Umerziehung leben wollen. Was ist, wenn man, wie zB die Polen, nicht auf dem Fußballplatz den Knie-Idioten zugunsten einer ethnischen Minderheit in den USA machen will, der es in den USA besser geht, als nur unter ihresgleichen in Afrika?

Markus Lanz ist für die Blöden dieses Landes & unerträglich. Auch Weidel macht die Sendung nicht besser. Denke, die Südtiroler werden sich ob dieses Exports schämen. Das sollten sie auch.

Gotlandfahrer

6. Mai 2021 22:01

@ Laurenz: "... bietet der Begriff allen den Patrioten Identität, die "normal" ohne Umerziehung leben wollen"

Das mag ja das sein, was uns reichte.  Aber so erreichen wir es nicht.  Um ein überstrapaziertes und wohl überwiegend falsch verwendetes historisches Phänomen zu bemühen:  Hätte Stalin die Wehrmacht nur bis zur polnischen Grenze zurückschlagen wollen können?  Etwas tiefer gehängt lautet die Botschaft an die Top-down Putschisten: Diese Stadt ist zu klein für uns alle, jedenfalls wenn Ihr hier so ein Theater macht.

Waldgaenger aus Schwaben

6. Mai 2021 22:28

Dem Wortungetüm Normalisierungspatriotismus  haftet der Ruch des Elitären an. Kann sich jemand vorstellen im Straßenwahlkampf zu verkünden: "Wir sind Normalisierungspatrioten!"

Und, wesentlicher, der Begriff setzt ein vergangenes goldenes Zeitalter voraus, das heutzutage nicht im Mystischen verordet werden kann, sondern konkret als die Adenauerzeit, die Jahren nach der Wiedervereinigung, die Gründerzeit ab 1870 benannt werden muss mit all den daraus folgenden Diskussionen.

Mit Normal ist IMHO vernünftig gemeint und damit wäre der bessere Begriff:

Vernunftspatriotismus oder "vernünftiger Patriotismus"

 

Imagine

6. Mai 2021 23:03

@Mitleser2  6. Mai 2021 20:30
„Das kann ich als Arbeiterkind mit Abitur 1974 überhaupt nicht so sehen. Für mich war das die Möglichkeit der Entfaltung.“

Die SPD hat durch die Überproduktion akademisch qualifizierter Arbeitskräfte deren Arbeitskraft immer billiger gemacht. Genau dies war im Interesse des Großkapital. Immer mehr bekamen ein Abitur und durften studieren, aber danach verdienten sie zum Teil weniger als ein Facharbeiter. Zunehmend landen sie heute als Arbeitslose im HartzIV-System.

Zweites Beispiel:
Die Mitbestimmungsgesetze. Da hat man Gewerkschafter als „Arbeitsdirektoren“ zu Co-Managern gemacht, deren Stellung und Einkommen vom Unternehmensprofit abhängig war. Die haben dann alles mitgemacht: Lohnsenkungen, Betriebsverlagerungen, Beschäftigung von Leiharbeitern, Import ausländischer Arbeitskräfte usf.
Typisch: Peter Hartz war früher ein sozialdemokratischer Gewerkschafter.

Imagine

6. Mai 2021 23:04

@Lotta Vorbeck  6. Mai 2021 20:37
„Wann soll sie denn zu Ende gewesen sein, die Besatzungszeit?“

Die militärische Besatzung endete mit dem Abzug der Besatzungstruppen.
Damit war die alliierte Herrschaft nicht zu Ende.

Aber soziologisch sollte man schon zwischen Besatzung und Herrschaftsausübung unterscheiden können.

Mitleser2

7. Mai 2021 08:28

@Imagine

Warum werfen Sie Dinge in einen Topf, die 50 Jahre auseinanderliegen. Die Bildungsexpansion der 70er Jahre war vollkommen richtig und nötig, genauso wie die SPD von damals und heute fast nichts mehr miteinander zu tun haben. Und natürlich ist die Entwertung des Abiturs seit ca. 2000 auch eine Tatsache, die Prekarisierung betrifft aber hauptsächlich die Geschwätzwissenschaften. Ich bestreite nur, dass es 1970 schon falsch war.

Gelddrucker

7. Mai 2021 11:50

@Volksdeutscher:

Meinen Sie nicht, Sie übertreiben etwas mit den grünen Horrovorstellungen? Genau wie es die AfD nicht schaffen würde, in 4 Jahren das Land zu retten, werden es die Grünen nicht in 4 Jahren zerstören? Es könnte tatsächlich nötig sein, um einigen klarzumachen, was sie da gewählt haben. Sagt Ihnen ein ehemaliger Grünwähler, der der festen Überzeung war, er würde was für die Umwelt tun.

Götz Kubitschek

7. Mai 2021 12:02

badeschluß. und eines der vollständigkeit halber, etliche habens ja bemerkt: dieser text stammt aus dem herbst 2019, er ist unter "normalisierungspatriotismus" schon einmal veröffentlicht worden. ich zog ihn noch einmal hoch, weil er aktuell ist. sehr interessant: die diskussion ist tatsächlich ernüchternd im vergleich zur antriebskräftigeren von vor anderthalb jahren. nichts für ungut also!

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