14. Mai 2021

Verteidigung des deutschen Kolonialismus

Erik Lehnert / 50 Kommentare

Der US-Politologe Bruce Gilley referierte im Dezember 2019 vor der AfD-Bundestagsfraktion über die „Verteidigung des deutschen Kolonialismus“.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Das sorgte für einige Aufregung im bundesrepublikanischen Blätterwald. Denn vor dem Hintergrund postkolonialen Schuldkults der Weißen, verbunden mit entsprechenden Rückgabe- und Entschädigungsforderungen, mußte dieser Vortrag wie eine vorhersehbare Provokation wirken.

Zumal Gilley (Jg. 1966), der in Portland Politikwissenschaft lehrt, zwei Jahre zuvor in einem wissenschaftlichen Aufsatz schon einmal eine Lanze für den Kolonialismus gebrochen hatte, und dafür die reflexartigen Ausgrenzungsmechanismen gegenüber unliebsamen Meinungen kennengelernt hatte. Gilley hat seinen Vortrag zu einem umfangreichen Essay ausgebaut, der jetzt als Buch (Lüdinghausen: Manuscriptum 2021, 198 Seiten, 25 Euro) erschienen ist, so daß die Überprüfung seiner Argumente nicht mehr durch die tendenziöse Berichterstattung verstellt ist.

Gilleys Interesse an dem Thema wurde durch den Widerspruch geweckt, der zwischen der gegenwärtigen Darstellung des Kolonialismus als globaler Folterkammer und den oftmals sehr positiven Erinnerungen der einstmals Betroffenen besteht.

Die Ausgangsfrage ist daher, woran man den Kolonialismus mißt. Daß er den heutigen Vorstellungen der westlichen Welt von individueller Selbstverwirklichung und universaler Gleichheit nicht genügt, liegt nahe, führt aber nur zu der banalen Einsicht, daß diesem Maßstab kein Moment der Vergangenheit genügt. Gilley hat sich daher dafür entschieden, die Zustände in den Kolonien, mit den Zuständen zu vergleichen, wie sie vor der Ankunft der Weißen und nach ihrem Abzug herrschten.

Ein weiterer sinnvoller Vergleich im Fall des deutschen Kolonialismus der mit den Zuständen in den Kolonien der anderen europäischen Mächte, den Gilley ebenfalls stellenweise anführt. Die Erkenntnisse, die Gilley auf diesem Wege gewinnt, sind nicht überraschend, sondern waren bis in die 1930er Jahre Konsens unter denjenigen, die sich wissenschaftlich mit den deutschen Kolonien beschäftigten und damit keine politischen Forderungen gleich welcher Art verbanden. Ein Beispiel, das Gilley lediglich erwähnt, ist das Buch „Macht und Ende des deutschen Kolonialreiches“ (1930) der amerikanischen Historikerin Mary E. Townsend, das bereits 1932 in deutscher Übersetzung erschien (1988 als Nachdruck).

Gilley widmet jeder deutschen Kolonie ein Kapitel, in dem er jeweils schlaglichtartig die Lücke zwischen Wirklichkeit und heutiger Interpretation beleuchtet. An vorderster Stelle der postkolonialen Anklagen gegen Deutschland wird immer die Niederschlagung des Herero-Aufstandes in Deutsch-Südwest genannt.

Gilley schildert die kriegerische Tradition der beteiligten Stämme, der Herero und der Nama, die sich vor der deutschen Landnahme gegenseitig mit Raub- und Mordzügen dezimierten. Die deutsche Herrschaft sorgte zunächst für eine Befriedung. Nach einem Ausbruch der Rinderpest kam es zu einer Hungerkatastrophe, in der die gegenseitigen Raubzüge wieder aufflammten.

Die verstärkte Ansiedlung Deutscher entgegen der Empfehlung der Kolonialverwaltung vor Ort führte dann zum Konflikt, der schließlich durch die Berufung General von Trotha unter massiver Gewaltanwendung erstickt wurde. Da Trothas Vorgehen unangemessen und selbstherrlich war, fiel er beim Kaiser in Ungnade und wurde er nach seiner Abberufung nicht weiterverwendet.

Für Gilley steht fest, daß Trothas Handeln nicht seinen Befehlen entsprach, und man aus diesen Geschehnissen nicht auf den deutschen Kolonialismus überhaupt schließen kann. Vielmehr habe es sich um eine Ausnahme von der Regel gehandelt, die spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Entwicklung der Kolonien zu rechtsstaatlich verfaßten Territorien vorsah, in denen die einheimische Bevölkerung eine zunehmend gleichberechtigte, partnerschaftliche Rolle übernehmen sollte.

Als größte Erfolgsgeschichte in dieser Hinsicht bezeichnet Gilley Deutsch-Ostafrika, wo die Deutschen für eine gute Verwaltung und eine wirtschaftliche Blüte sorgten. Der wichtigste Erfolg gelang im Kampf gegen die Sklaverei, selbst deren mildere Form, die übliche Haussklaverei, verschwand weitgehend. Hinzu kamen Bemühungen in den Bereichen der Bildung und Gesundheitsweisen, die bei den meisten Einheimischen zu dem Schluß führten, daß die Herrschaft der Deutschen für sie ausschließlich positive Folgen habe.

Die Bedrohung durch Krankheiten (Bekämpfung der Schlafkrankheit durch Robert Koch!) und Gewalt ging zurück, das Bildungsniveau und die Einkommensmöglichkeiten stiegen, und Formen der Selbstverwaltung wurden nach und nach in die Verwaltungspraxis aufgenommen. Dieser Prozeß läßt sich, mit lokal bedingten Unterschieden, in allen deutschen Kolonien beobachten.

Die Wegnahme der deutschen Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg löste daher bei den Einheimischen keine Jubelstürme aus, zumal sich an ihre Stelle die Alliierten setzten, die in ihrer Herrschaftspraxis weitaus weniger Rücksicht auf die Interessen der Einheimischen nahmen.

Der Niedergang der ehemaligen deutschen Kolonien setzte sich mit der Erringung der Unabhängigkeit fort, so daß vielen Einheimischen die deutsche Herrschaft wie eine mythische Zeit vorkommt. Diese Empfindungen und die Tatsache des Niedergangs hat nicht dazu geführt, daß diese Zeit in einem angemessenen Licht erscheint.

Die Schuld dafür sieht Gilley bei den linken und rechten Extremisten, für die der Kolonialismus ein liberales Feindbild gewesen sei. Beide, Nationalsozialisten wie Kommunisten, hätten die Kolonialvölker für ihre mörderische Ideologie eingespannt. Dagegen sei der Kolonialismus ein liberales Projekt gewesen, das für alle das Beste gewollt habe. Diese vielleicht etwas gewaltsame Gegenüberstellung hat für Gilley den Vorteil, daß er die heutigen Ankläger des Kolonialismus auf der Seite der Extremisten verorten kann, ohne die Frage des Fortschritts überhaupt zu problematisieren.

Nimmt man hingegen dessen ideologischen Konsequenzen in den Blick, dann sind die heutigen Ankläger eher auf der Seite der liberalen Menschheitsbeglücker zu finden, nur daß deren Fortschritt mittlerweile jeden Bezug zur Lebenswirklichkeit verloren hat.

Eine interessante, wenn auch etwas abseitige Ergänzung finden Gilleys Ausführungen in einem Buch (Mittenwalde: factum coloniae 2020, 252 Seiten, 23,80 Euro), das sich in Liebhabermanier dem Weltenbummler Stefan von Kotze (1869-1909) widmet. Dieser stammte aus einem alten altmärkischen Geschlecht, Bismarck war sein Großonkel, und galt schon in jungen Jahren als schwarzes Schaf der Familie, ein Ruf, dem er treu bleiben sollte.

Während seine Brüder der Familientradition gemäß entweder beim Militär oder in der Verwaltung ihr Auskommen suchten, brach Stefan die Schule ab und zog in die weite Welt, in der er bald sein schriftstellerisches Talent entdeckte. Nach kurzem Dienst auf einem Segelschulschiff der Kaiserlichen Marine ging er ca. 1887 als Angestellter der Neuguinea-Compagnie für ca. drei Jahre in die pazifischen Kolonien des Reiches.

Von 1892 bis 1900/01 hält er sich in Australien auf, wo er zunächst nach Gold schürfte und Rinder züchtete, bevor er für mehrere Zeitungen als Reporter tätig war, was ihn u.a. zu einem Abstecher zu den Südsee-Inseln führte. Der Kontakt zu den australischen Zeitungen hielt er auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland aufrecht, wo er vor allem für Berliner Zeitungen tätig ist. Ein Auftrag der Berliner Morgenpost führte ihn 1902 zu einer Rundreise um Afrika. Ein letztes Mal brach Kotze 1907 zu einer Reise auf, die ihn auf den Balkan führte. 1909 nahm er sich das Leben.

All das hätte sicher nicht dazu geführt, daß man sich an ihn erinnern müßte, wenn er nicht zahlreiche Bücher über seine Reisen verfaßt hätte. Seine Bücher über die Südsee, Australien und Afrika erlebten mehrere Auflagen, seine Berichte wurden in verschiedenen Zeitungen nachgedruckt und mit seinem Essay „Die gelbe Gefahr“ (1904) gab er einer allgemeinen Furcht der Jahre einen Namen, der sich bis heute als Schlagwort erhalten hat.

Für die Rezeption australischer Literatur in Deutschland spielt er die Rolle eines Wegbereiters und der Feminismus fand ihn ihm einen frühen Gegner, als er 1904 seinen „Altjungfernkoller“ veröffentlichte. Die Wertschätzung, die Kotze auch nach seinem Tod genoß, bringt nicht zuletzt ein Aufsatz von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1918 zum Ausdruck, in dem er Kotze als ein seltenes Beispiel für deutsche Humoristen würdigt. Diese und andere Informationen über Kotze haben die Autoren Küttelwesch und Knapstein in einem Band zusammengetragen, der sich vor allem als Dokumentation versteht, so daß man bei der Lesbarkeit einige Abstriche machen muß.

In Bezug auf das Thema Kolonialismus sind Kotzes Texte ebenfalls interessant, da er sich an den teilweise erregten Debatten, die in der deutschen Öffentlichkeit über die Zustände in den Kolonien geführt wurden, gerne beteiligte. Er legte dabei eine kritische Haltung an den Tag, die aber eher einen zivilisationskritischen bzw. romantischen Zug hatte, wenn er über die Südsee schreibt: „Dafür hielt der preußische Paragraphen- und Polizeigeist Einzug, und vor ihm floh oder verbarg sich alles, was schlecht war in der Südsee, und leider auch alles, was schön und poetisch gewesen.“

Ein anderes Beispiel bietet einen interessanten Bezug zu Bruce Gilleys Verteidigung des deutschen Kolonialismus. Wenn dieser heute den Kameruner Martin Dibobe, der 1896 nach Deutschland kam, Schaffner bei der Berliner U-Bahn wurde und die Tochter seines Vermieters heiratete, anführt, will er damit zeigen, daß die postkolonialen Ankläger in Dibobe keiner Fürsprecher haben. Denn dessen Brief aus dem Jahr 1919 wird heute in einer völlig verstümmelten Form verwendet, die den eigentlichen Sinn des Schreibens verfälscht. Dibobe klagt die Deutschen nicht an, sondern fordert sie auf ihre segensreiche Herrschaft fortzusetzen.

Dieser Dibobe taucht nun auch in Kotzes Essas „Die gelbe Gefahr“ auf, allerdings unter gänzlich anderen Vorzeichen. Kotze schildert eine Begebenheit, in der ein betrunkener Fahrgast mit dem schwarzen Schaffner aneinander gerät und seinen Anordnungen nicht Folge leisten will. Vor Gericht zieht der Fahrgast den kürzeren, was Kotze zu folgendem Resümee veranlaßt:

Ich will den Frevler nicht verteidigen. Aber man muß auf das energischste protestieren gegen die Einsetzung eines hergelaufenden Angehörigen einer Jahrtausende tief stehenden Rasse zum Vorgesetzten eines Weißen.

Trotz dieser Auffassung und dieses Erlebnisses, das nicht das einzige dieser Art gewesen sein dürfte, war Dibobe von der Vorbildlichkeit der deutschen Kultur so überzeugt, daß die französischen Herrscher ihn 1922 nicht nach Kamerun einreisen ließen, weil sie befürchteten, er würde einen prodeutschen Aufstand anzetteln.

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Bruce Gilley: Verteidigung des deutschen Kolonialismus, hier bestellen. 


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.


Kommentare (50)

RMH

14. Mai 2021 10:44

Im letzten Jahr wurde an den Maji- Maji Aufstand in deutsch Ostafrika erinnert. Ganz reibungslos ging es im Kolonialismus offenbar nie zu. Ich würde das Buch von Gilley, ohne es gelesen zu haben, noch überbewerten. Es scheint der redliche Versuch zu sein, zu historisieren, was grundsätzlich zu begrüßen ist, aber im Rahmen einer historischen Debatte gibt es weder etwas für das Heute zu instrumentalisieren noch zu verteidigen. Zu Kolonisieren und Imperien zu bilden, war Teil der europäischen Kultur, evtl. ist es sogar Teil der Menschheitskultur. Den Afrikanern auch Vorteile gebracht zu haben, stellt sich im Nachhinein wie eine aufgedrängte Bereicherung dar und kann nicht pathetisch zu einer "Verteidigung" herangezogen werden. Man gründete Kolonien nie als reine Projekte der Menschenliebe. Auf der anderen Seite sollten die Poc sich auch klar machen, dass Menschenrechte und Antidiskriminierung auf weißer Kulturgeschichte gründen, sie also beim Einfordern dieser Rechte eine kulturelle Aneignung vornehmen. Sklaverei hingegen scheint es in Afrika auch unabhängig von weißen Einflüssen gegeben zu haben.

Solution

14. Mai 2021 11:43

Wie wäre es denn in Ergänzung und Fortführung mit einer literarischen Runde zum Schriftsteller Hans Grimm, der ein umfangreiches Werk zur Kolonialpolitik hinterlassen hat?

 

Nemo Obligatur

14. Mai 2021 12:44

Da gibt es nichts zu verteidigen. Kolonialismus ist purer Raub. Es ging immer nur um Besitz von Rohstoffen, Absatzmärkten, Seehäfen zur Versorgung der Kohleschiffe und natürlich imperiales Prestige. Es mag sein, dass die Afrikaner untereinander rabiater verfahren sind als die deutschen Kolonisten mit ihnen, oder dass es im Kongo schlimmer war als in Deutsch-Ostafrika. Aber das große Verbrechen des Nachbarn rechtfertigt nicht das kleinere eigene. Aus doppeltem Unrecht wird nicht Recht.

Bismarck hat übrigens gleich erkannt, das Deutschland keine Kolonien braucht. "Wer soll all den Kaffee trinken?" hat er an den Rand eines Aktenstücks notiert, in dem es um die Errichtung einer Kolonie in Kamerun oder Togo ging. Finanziell waren die Kolonien übrigens auch ein Verlustgeschäft.

Niekisch

14. Mai 2021 13:05

Wer nicht kolonisiert werden und kolonisiert bleiben will, der sollte schon gar nicht andere Menschengruppen kolonisieren. Wie schön wäre es, lebten wir in einer Welt der 1000 Völker, die sich als Internationale der Souveränität, Identität und der Sozialität begreifen.

OttoS

14. Mai 2021 13:18

Hier gehts doch um "Westlicher Universalismus vs Ethnische Identität".

Gut das ist ein Bücherladen, und den Rechten kann man alles verkaufen was sich nach "Verteidigung der Deutschen" anhört. Aber hier wird der westliche Universalismus verteidigt. Die universalen liberale Werte. Der Progress. Denen im übrigen heute genauso auch das Deutsche Volk und die Deutsche Kultur als Kolonie zum Opfer gefallen ist. 

Ist das die Metapolitik für die Sezession steht? Bedeutet Identität etwas? Oder ist es auch nur ein Verkaufsslogan. Verkaufen ist keine Metapolitik. Wo soll man mit dieser ständige flachen Apologetik bei den Rechten hinkommen. Bei Typen wie Gilley und den Afd- Liberalen  müsste man den Kampf um die Metapolitik beginnen. Ganz gleichgültig ob sie die "Deutschen" irgendwie verteidigen.

Franz Bettinger

14. Mai 2021 13:27

Schauen wir uns doch die Länder an, in denen der Kolonialismus obsiegte, fortbestand und bis heute existiert (ohne dass er noch so genannt würde): Neuseeland, Australien, Kanada, die USA, Chile usw. Würde irgendein Einwohner dieser Länder und sei es ein Maori, Aborigine, Hurone, Sioux oder Inka, mit Afrika tauschen wollen oder mit Haiti, wo der Kolonialismus erfolglos war und zwar, wie Joachim Fernau schrieb, nicht wegen mangelnden Bemühens der Briten oder Franzosen (Deutsche spielten keine Rolle), sondern allein wegen der Anopheles- und der Tsetse-Fliege? Damit ist das Wesentliche gesagt. 

Niekisch

14. Mai 2021 14:24

"Bei Typen wie Gilley und den Afd- Liberalen  müsste man den Kampf um die Metapolitik beginnen."

@ OttoS: Besser vielleicht doch bei uns selber, indem wir uns von "flacher Apologetik" ganz bewusst abwenden, die geistigen Muskeln anspannen, mutig sagen, was wir wirklich wollen und dann den Kampf aufnehmen. Reichen die Kräfte nicht, dann beschränken wir uns auf die Marketenderei und die Nachhuten des Feindes.

"Schauen wir uns doch die Länder an, in denen der Kolonialismus obsiegte, fortbestand und bis heute existiert"

@ Franz Bettinger: Bitte Deutschland in seinen Teilen und Resten der Liste hinzufügen. Danke!

Sekundant

14. Mai 2021 15:53

Allein schon die Frage, wer mit wem und ob überhaupt "getauscht" werden soll oder kann! Was soll das?! Überflüssiger geht's wohl nicht?!

Laurenz

14. Mai 2021 16:02

@EL (1)

Ihr Artikel ist sicherlich redlich gemeint, aber er steht in meinen Augen auf verlorenem Posten. In den System-Medien werden auch manchmal gute Artikel gebracht, aber meist ideologisch gefärbt & durch Weglassen verfälscht. Aber mal Hand auf's Herz, wir Geschichtsinteressierten sind eine einsame Minderheit, die allgemein eher als verwunderlich angesehen wird. Es interessiert sich kein Schwein für Geschichte & schon gar nicht für Deutsche Kolonialgeschichte, die, zumindest im Vergleich, absolut vorbildlich war, vor allem in Anbetracht dessen, daß es sich um die globalen Schrott-Länder handelte, an denen keiner Interesse hatte.

Bismarck war gegen die Kolonien, weil sie mehr Geld kosteten, als sie einbrachten. Insofern müßten wir heute Reparationen von unseren ehemaligen Kolonien fordern, anstatt welche zu zahlen. Geo-strategische Kohle-Stationen hätte man auch anders erwerben können. Bismarck haderte auch mit dem belgischen Genozid im Groß-Kongo, fand aber keine Gleichgesinnten zur Intervention. 

Laurenz

14. Mai 2021 16:12

@EL (2)

Die Altstadt von Tsing-Tau/Xindao ist heute noch Heirats-Lokalität Nummer 1 in China. Die Chinesen kaufen ihr Tsing-Tau-Bier offen ausgeschenkt in Plastik-Tüten. Das deutsche Bier hat den Chinesen wohl mindestens soviel Leben geschenkt, als Britisches Opium ihnen an Leben genommen hat.

Die Frage, die sich generell zum Kolonial-Zeitalter stellt ist, hätte man lieber weltweit die meisten Kulturen in der Steinzeit belassen sollen? Aber alleine die Kirchen machen bis heute diese Fragestellung im Grunde unmöglich.

Desweiteren frage ich mich, was die Nationalsozialisten, bzw. Rechtsextremen mit der Kolonialgeschichte in Ihrem Artikel zu tun haben? Mir fiele da nur das Versagen Mussolinis ein.

Und sonst haben wir die Rede Hitlers 02/38 im Reichstag, in der er Kolonien fordert. Aber diese Rede zeigt eher das Visionäre der Person Hitlers. In seinem damaligen Sinne von Anbauflächen, ist der Neo-Kolonialismus, vor allem durch China vorangetragen, in vollem Gange.

Beowulf

14. Mai 2021 16:27

Ob der Kolonialismus nun eine Erfolgsgeschichte für die kolonialisierten Länder ist oder war ist schwerlich objektiv zu beantworten. Natürlich kann man Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitswesen anführen, aber hätten die Menschen in Afrika diese Verbesserungen überhaupt vermisst, wenn die Europäer nicht afrikanischen Boden betreten hätten.

Mit dem Beginn der Kolonialisierung hat sich also auch der Bezugsrahmen verändert, vor dem der Kolonialismus bewertet werden kann.

Am Ende bleibt halt die Weisheit, dass nicht alles schwarz oder weiß ist, sondern grau.

RMH

14. Mai 2021 16:53

@niekisch,

sie verwechseln den Status eines Dominion mit dem einer Kolonie.

PS:

Ich habe oben in meinem Beitrag einen Tippfehler, es sollte heißen:

"nicht überbewerten."

tearjerker

14. Mai 2021 17:25

Der gute, alte postkkoloniale Schuldkult. Ich hab noch nie jemanden getroffen, der wegen des bischen deutschen Kolonialismus vor 1918 Schuld empfand. Hier sollte doch gelten, was der Psycho Murros einst anführte: „The age of guilt is over. We will not apologize for our achievements. Our history cannot be used as a weapon against us. We are in debt to no-one. Our glorious past is a matter of pride and joy to us. Whatever we have done in the past only inspires us today for even greater deeds tomorrow. Those who feel that we have wronged them should be happy they are still alive.“

quarz

14. Mai 2021 19:16

@Nemo obligatur"

"Kolonialismus ist purer Raub. Es ging immer nur um Besitz von Rohstoffen, Absatzmärkten ... "

In beiden Hinsichten spielten die Kolonien der europäischen Kolonialmächte eine gegen null tendierende Rolle.

Ad "Absatzmärkte": Im Zeitraum von 1800 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges gingen weniger als 10% des Sozialproduktes in den Export, davon wiederum weniger als 10% in die Kolonien, die also Absatzmärkte für weniger als 1% waren. Im Fall von England lag der Anteil etwas höher, aber selbst dort machte der Export in die Kolonien lediglich ca. 5% vom Sozialprodukt aus. Vom deutschen Außenhandel wiederum fielen vor dem 1. Weltkrieg ganze 0,6% auf die Kolonien. Fast schon homöopathische Dosen.

Ad "Rohstoffe": zu keinem Zeitpunkt waren westliche Kolonialmächte auf Rohstoffe aus den Kolonien angewiesen. Ihre Autarkierate betrug bei den meisten Stoffen bei fast 100%. Einzig Baumwolle spielte für die englische Textilindustrie zeitweilig eine gewisse Rolle, aber da waren nicht die stereotypen afrikanischen oder asiatischen Kolonien die Hauptlieferanten, sondern Nordamerika.

 

Niekisch

14. Mai 2021 19:38

"@niekisch,

sie verwechseln den Status eines Dominion mit dem einer Kolonie."

@ RMH 16:43: wieso genau bitte?

Eo

14. Mai 2021 19:42

Huch, was passiert da gerade ?!
Die ehemaligen Kolonialländer werden nun von den kolonialisierten Ländern selbst einer Kolonialisation unterzogen, jedenfalls die klassischen wie GB, Frankreich, Holland usw. und dazu der Rest der westlichen Länder gleich mit.

Bleibt die Frage,
wie ist das zu bewerten wie auch wieso ist das so gelaufen ?  Ist das nun politische Physik, eben daß das Pendel nun zurückschlägt oder ausgleichende Gerechtigkeit nun wirksam wird oder wurde da nicht mit allerlei Tricks, Störmanövern und viel moralischer Anklage und Inpflichtnahme nachgeholfen ?

Aber damit geschieht
eigentlich nur, daß das bisherige Alleinstellungsmerkmal der Deutschen, eben die Schuld für ziemlich alle schlimmen Verbrechen in der jüngeren Geschichte zugewiesen zu bekommen, nun auf breiter Front auf praktisch alle maßgeblichen weißen Völker ausgedehnt wird.

Und das natürlich nur,
weil man ihnen wie bislang nur den Deutschen eine Art Rassisismus-Gen damit unterjubeln will. In dem vorherrschenden Rassisismus-Modell lautet die Prämisse ja wohl, daß Rassisismus immer nur von Weißen ausgehen kann, da sie auf alle anderen herabsehen würden.

Aber ist das auch wirklich so ?
In Sachen 'auf andere herabsehen', fallen mir da noch ganz andere ein ...

 

 

RMH

14. Mai 2021 20:05

@Niekisch,

Deutschland hat ziemlich große Eigenverwaltungsrechte. Da sehe ich - wenn man die These der Fremdbeherrschtheit vertreten will - eher ein Dominion. Aber auch das passt nicht genau.

Aber im Grunde sind das schon wieder solche Detaildiskussionen, die zu wenig führen.

Man sollte beim Thema Kolonialisierung auch beachten, dass einer solchen oft eine "inoffizielle," manchmal wilde Phase durch Handelsstationen, Siedler etc. vorausging. Evtl. haben wir auch schon seit einiger Zeit so eine "inoffizielle" Phase in Deutschland und wir werden eine arabisch-afrikanische Kolonie.

Laurenz

14. Mai 2021 20:23

@tearjerker

"Our glorious past is a matter of pride and joy to us. Whatever we have done in the past only inspires us today for even greater deeds tomorrow."

Naja, im tomorrow sieht es aber eher exkremental aus. Es macht überhaupt keinen Sinn, die Feten von gestern zu feiern.

Niekisch

14. Mai 2021 20:31

@ RMH 20:05: Ja, lassen wir das. Auf einen staats- und völkerrechtlichen Exkurs möchte ich gerne verzichten. Dominium, Halbdominium, Protektorat usw.. Wer hat darauf Lust? 

Lesen Sie doch bitte das soeben erschienene Buch von Parag Khanna, "Move-Das Zeitalter der Migration", rowohlt 4/2021, 350 Seiten, 24 Euro. In Person dieses globalistischen "Vordenkers" wird uns unsere geplante Zukunft grausam vor Augen geführt. Und zwar in allen Einzelheiten. Hier finden wir zugleich die Ansatzpunkte für unsere Gegenwehr.

Carsten Lucke

14. Mai 2021 22:03

Ach, Leute, ich bin einfach nur traurig, daß es das gute alte Kolonialwarengeschäft nicht mehr gibt.

Franz Bettinger

15. Mai 2021 00:15

Joachim Fernau in Halleluja, die Geschichte der USA (1977): "Dass es die USA gibt, verdanken wir (abgesehen vom 3. Schöpfungstag) vor allem den Briten. Hätten sie nicht die Idee gehabt, die Indianer auszurotten, würde Nordamerika ein ganz anderes Schicksal gehabt haben. Es hätte das Schicksal Afrikas gehabt. Das heißt, es wäre jetzt so weit, dass die Weißen das Land räumten und 30 Indianerstaaten ihre Befreiung vom Joch der Kolonialherren feierten. Die neuen Staatspräsidenten würden statt Lumumba und Mobutu Wiehernder Mustang und Listige Schlange heißen und ihre First Ladys Heller Morgen und Fleißige Finger, und in Bonn wäre für sie, wenn sie ihr Entwicklungsgeld abholten, eine Ehrenkompanie angetreten. Haben wir uns das schon mal klar gemacht? Daran ist nichts komisch."

Sekundant

15. Mai 2021 09:37

Das Szenario, das Fernau in seiner Geschichte der USA schildert, ist sicherlich nicht allzu weit hergeholt. Nur, was soll dieser Verweis?! Gibt es einen Bezug zur Realität - Großbritannien als (ehemalige) Kolonie der USA beispielsweise? Oder gar umgekehrt?!

Nitschewo

15. Mai 2021 10:00

Ein Thema, das zu besprechen wir gerade so dringend brauchen wie die Krätze, Hauptsache, es ist gemütlich im rechten Elfenbeinturm. Lieb' Vaterland magst ruhig sein, mag draußen auch die Welt untergehen. Woanders nennt man so was Fachidioten.

tearjerker

15. Mai 2021 10:11

@Bettinger: Erinnert Nordamerikas Besiedlung mit Europäern nicht eher an die deutsche Ostsiedlung oder die Einnahme Australiens? Ich finde die Vorstellung, in der der neue Botschafter Arsch auf dünnem Eis Bundeskanzler Schmidt zu seinem Antrittsbesuch zum Ehrenhäuptling der Mandanen ernennt und ihm einen Kopfschmuck überreicht, durchaus komisch.

RMH

15. Mai 2021 10:12

@Bettinger,

so flott die Schreibe von Fernau auch war, er hat auch ziemlich viel Stuss zusammengeschrieben.

"die Idee gehabt, die Indianer auszurotten,"

Das zum Beispiel, ist so eine typische Falschdarstellung, wie sie eben gerade in Deutschland in gewissen Kreisen zur Ablenkung gerne kolportiert wurde.

Es gibt keinerlei Anzeichen und Beweis, dass man Indianer "ausrotten" wollte, ganz im Gegenteil, die Indianer waren in der Anfangszeit gerne benutze und geschätzte Auxiliare bei den Kämpfen der Europäer untereinander. Erst als die Gebiete der neuen USA gerade keine Kolonien mehr waren, änderte sich was (man vergleiche nur die Kolonie und das späteres Dominion Kanada - Im Krieg USA gegen Kanada waren die Indianer, die auf kanadischer Seite kämpften, einer der Gründe für einen Abwehrerfolg Kanadas). Am Ende war es die schlichte Masse an europäischen Einwanderern (und afrikanischen Sklaven), die der unabhängige Staat USA zur Machterweiterung einwandern lies, welche die Fakten schufen - daran können wir uns ein Beispiel nehmen, wenn wir wollen.

 

Laurenz

15. Mai 2021 12:58

@Franz Bettinger (1)

Werter Franz, was Fernau da so schreibt, ist natürlich kompletter Unfug, einfach nicht haltbar. Die gesamten Amerikas wurden im wesentlichen durch europäische Krankheiten entvölkert, dafür schenkten uns die indigenen Amerikaner mutmaßlich die Syphilis, aber das wissen Deine Fach-Kollegen nicht so genau.

In großen Teilen Afrikas ist klimatisch einfach nichts zu holen, einerseits aus natürlichen Gegebenheiten, siehe südliches Afrika & im Norden durch die islamische Eroberung eine von Menschen gemachte Wüstenei. Da, wo etwas in Afrika zu holen war, holte man es auch. Meist afrikanische & arabische Sklavenjäger, jüdische Sklavenhändler & europäische Seefahrer als Sklaventransporteure. Oder Diamanten in Südafrika, was auch immer. Die Belgier brachten schätzungsweise 14 Mio. Kongolesen um, das ist schon eine richtige Hausnummer.

Laurenz

15. Mai 2021 12:58

@Franz Bettinger (2)

Speziell in den USA war das ganz anders. Der Holzeinschlag befriedigte den irren Holzbedarf des bereits abgeholzten Europas für Flotten-/Schiffsbau & der Herstellung von Holzkohle für die Schmieden/Gießereien. Für den Raub an seltener weißer Eiche riskierten Britische Kapitäne Leib & Leben. Desweiteren war der Pelzexport extrem wichtig, da von 1500-1850 in Europa eine kleine Eiszeit herrschte. Die Ausrottung des Büffels war eine militärische Entscheidung, um widerständigen Indianern die Lebensgrundlage zu nehmen. In den USA wurden 10 oder 20 Mio. Büffel durch 80 Mio. Rinder ersetzt, was die Bodenkrume der Fly-over-Staaten im mittleren Westen bis zum heutigen Tage ruiniert(e). Aber für hundert Jahre waren die US-Amerikaner die am besten ernährte Nation auf dem Planeten, etwas, was Veganer nie begreifen werden. & da in den USA auch viele andere Rohstoffe vorhanden sind, die bekanntesten sind Gold & Erdöl, gab es kein Halten mehr. Um Dir selbst einen plausiblen Überblick zu verschaffen, lohnt es die Weltkarte aufzumachen. NY liegt auf der Höhe Südspaniens & Florida auf der Höhe des Senegals. Das klimatische Hauptproblem der USA liegt in der klimatischen Schutzlosigkeit, die Rockys & die Apalachen gehen von Norden nach Süden. Weder ein Golfstrom noch Alpen schützen das Land vor extremen Wetterlagen. Aber, mit der miserablen klimatischen Lage Afrikas sind die USA nur selten vergleichbar.

Laurenz

15. Mai 2021 12:59

@Franz Bettinger (3)

Und was Fernaus Sicht völlig hanebüchen macht, ist, daß die USA bereits 1774 ihre Unabhängigkeit erklärten. Da gab es gerade mal 13 Staaten. Der I. Weltkrieg zeigt die Degeneration der Europäischen Herrscherhäuser am deutlichsten. Statt hier gegeneinander Krieg zu führen, war der I. Weltkrieg die letzte Gelegenheit für die Europäer gemeinsam die USA militärisch zu vernichten & die absehbare Dominanz der USA zu verhindern. Afrika hat oder hätte solch einen Staat, wie die USA, nie hergegeben.

KlausD.

15. Mai 2021 13:34

@Laurenz  14. Mai 2021 16:02

"... Es interessiert sich kein Schwein für Geschichte ..."

Th. Fontanes bereiste im Frühjahr 1871 das okkupierte Frankreich, um sich in Vorbereitung seines Kriegsbuches Eindrücke vor Ort zu verschaffen. Zu o.g. Thema "Interesse für Geschichte" vermerkt er dazu folgendes:

"...  jedem Frankreich-Reisenden aufgedrängt ..., gibt es nichts, was sich so bemerkbar machte, wie die Gleichgültigkeit gegen die eigene Geschichte. Vielfach verkehrt sich diese Gleichgültigkeit geradezu in Haß. ... Diese Gleichgültigkeit, dieser Haß, sie sind zu erheblichem Teile ein Resultat der total verwerflichen Art, wie man sich in Frankreich seit achtzig Jahren gewöhnt hat, Geschichte zu lehren. Zurückliegende wird vernachlässigt, vergessen, und so wächst denn ein Geschlecht heran, das von der alten Ruhmesgeschichte des Landes nichts mehr weiß ... Undank und Pietätlosigkeit schreiten in häßlicher Nacktheit durch die Straßen. Kein Wunder; sie stellen sich immer ein, wo, wie eben in Frankreich, der historische Sinn verlorengegangen ist." ("Aus den Tagen der Okkupation" Verlag der Nation Berlin 1984 Seite 132/133)

... analog Deutschland 2021 ...

 

Laurenz

15. Mai 2021 15:57

@KlausD. @L.

Danke Ihnen, es ist gut beschrieben. Es ist ein allgemeines Phänomen. Meine früheren Japanischen Vorgesetzten in Frankfurt nahmen mich gerne mit zu Geschäftsessen insoweit man Farange oder Deutsu-Jin gerne mitnimmt, weil ich über die Geschäftsgespräche hinaus unterhaltsam war. Wußte ich doch über den Konflikt mit den seinerzeitigen Christen Japans mehr als sie selbst zu erzählen. Mit Amis ist es noch schlimmer, wie kann man als Ami nicht wissen, wer Peter Stuyvesant war? In NY ist sogar eine Straße nach ihm benannt.

Geschichte ist eine schwierige Wissenschaft oder ein matschiges Feld. 

Manchmal bin ich sogar @Maiordomus dankbar, auch wenn Er Sich gerne in Details verliert. Habe auch einen guten Freund, der quasi als Lexikon durchs Leben wandelt, wie beneidenswert. Bin Ihm zutiefst zu Dank verpflichtet. Man muß Geschichte nicht exzessiv betreiben oder gar Wissenschaftler sein, aber Geschichte ist spannend, wie ein Krimi & könnte sogar wahr sein. Geschichtswissen fühlt sich für mich an, wie Lesen & Schreiben zu können. Als wir noch nicht lasen & schrieben, lernten wir Geschichte zwangsläufig auswendig, ähnlich den Aborigines Australiens.

Eo

15. Mai 2021 17:54

@Laurenz

"Man muß Geschichte nicht exzessiv betreiben oder gar Wissenschaftler sein, aber Geschichte ist spannend, wie ein Krimi & könnte sogar wahr sein."

Geschichte ist der Megakrimi überhaupt,
denn da gibt's Morde und andere Verbrechen, Massenmörder und große und kleine Gauner, Intrigen und krumme Geschäfte, ungeklärte Fälle und was sonst noch in Krimis für Spannung sorgt, bis zur ... äh, also en masse und dies hoch 3; gleichwohl die meisten Historiker nicht unbedingt gute Kriminalkommissare abgeben.

Franz Bettinger

16. Mai 2021 02:01

@RMH: Erkennen Sie doch das großen Ganze (die Kolonisierung Nordamerikas durch Europäer, in vorderster Linie durch Briten und Franzosen; die Russen waren aber auch bis Oregon gekommen, das nur nebenbei) und übersehen Sie doch bitte das bewusst Flapsige an Fernaus Formulierungen. (Der Wille zur Ausrottung mag so explizit nicht existiert haben, doch wissen wir’s?) Dann erkennen Sie auch den Wald und übersehen ihn wegen der Bäume nicht. Was Fernau sagen wollte: Keiner (außer vielleicht Sitting Bull, aber auch das ist ungewiss) wünscht sich, dass es 1620 und 1774 anders gekommen wäre. 

@Laurenz: Wenn wir selbst heute kaum wissen, was es mit den sog. Infektionskrankheiten auf sich hat (siehe den C-Schwindel, aber nicht nur den), wie sicher kann man sich dann sein, an was die Indianer verstorben sind? Könnte es nicht doch die Geisel Nummer Eins der Weltgeschichte gewesen sein: Hunger! (Du erwähnst immerhin die Ausrottung des Büffels als politische Entscheidung, um die Indianer Hunger leiden und dadurch krepieren zu lassen.) - Tatsache ist, dass Besiegte schneller sterben als Sieger. Dabei ist's erstmal egal an was genau sie zugrunde gehen. Psychosomatiker meinen: an seelischem Leid, das die Bioabwehr schwächt. Ist der verhungernde und in der Silbermine versklavte Indio mit dem Hautausschlag nun an Masern (oder an C) verstorben oder doch nur mit Masern (oder C)? Ich bleib dabei: Fernau hat etwas sehr Wesentliches angesprochen. Aber das wird gerade von Intelligenzlern gerne übersehen. 

Sekundant

16. Mai 2021 09:36

Es war eben nicht so, daß es den Eroberern Nordamerikas beim industriellen Abschlachten der Büffel (bequem aus den Salonwagen der neu gebauten Eisenbahnzüge heraus) darum ging, die Indianer Hunger leiden zu lassen. Es ging um deren Ausrottung, weil sie als Sklaven ungeeignet waren, um nichts sonst. Und das Abschlachten von Büffeln war billiger als das Abschlachten der Einheimischen - von einem Büffel leben mehr als ein Indianer. Und das Ganze geschah, als die USA längst nicht mehr Kolonie waren. Deshalb hat der Vorgang n i c h t s mit Kolonisation zu tun!

Laurenz

16. Mai 2021 09:54

@Franz Bettinger

"Hunger"

Muß Dir da vehement widersprechen. Schau Dir die wichtigste Krankheit an, welche die Indianer dahinraffte, die Blattern/Pocken.

August der Starke überlebte diese Krankheit, sein älterer Bruder nicht, der infizierte sich wohl am Sterbebett seiner Mätresse, was dazu führte, daß August Kurfürst wurde. In Europa waren die Pocken verbreitet, die Indianer traf diese Krankheit mit einem völlig unvorbereiteten Immunsystem. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Guenter_Lewy behauptet, daß 90% der Indianer an den Pocken eingingen.

Als die Büffel ausgerottet wurden, war der us amerikanische Bürgerkrieg, welcher den Indianern in den "Plains" eine Atempause verschaffte, schon längst vorbei. 

Die Eroberung des nordamerikanischen Kontinents basierte, wie auch in Britannien, Gallien & Germanien (gegen die Römer), auf dem Föderalismus der Einheimischen. Es gab immer Stämme, deren Führung sich von einem Bündnis mit den Invasoren Vorteile versprachen. Heute würden wir sagen, diese Stammesführer waren Grüne oder Sozialdemokraten, eben Vaterlandsverräter. Es gab auch selten Unterstützung für die angegriffenen Stämme aus dem Hinterland, man war ja selbst nicht betroffen. Diese Mentalität hat sich zB in Deutschland bis heute erhalten.

Franz Bettinger

17. Mai 2021 00:47

@Sekundant meint, die Indianerkriege, das Büffel-Ausrotten etc., das alles "geschah, als die USA nicht mehr Kolonie waren. Deshalb hat der Vorgang nichts mit Kolonisation zu tun!“ Über den Satz sollten Sie nochmals lang nachdenken - oder sich als Kanzler-Kandidat der Grünen bewerben. Klingt wie Stegners „Von Linken geht prinzipiell nie Gefahr aus.“ 

@Lau: Könnte nicht ein wegen Hunger geschwächtes Immunsystem Krankheiten wie Pocken und Masern erst möglich gemacht haben? Nimm auch den Thyphus: Daran starben wie die Fliegen nicht nur die meisten Insassen in KZs, sondern auch die geschlagenen Armeen von Napoleon und Hitler, allesamt hungerleidend und deprimiert. Ähnlich bei der 'Spanischen Grippe'. Fakt ist: Wir spekulieren; wir wissen zu wenig darüber. Und da wir heute erkennen (manche früher, manche später) dass wir schon sehr lange von Großlügen umstellt sind, sollte man grundsätzlich alle Dogmen und Tabus hinterfragen. Alle! - Die Hygiene (sich nicht zu waschen, sondern nur zu pudern) mag an den Fürstenhöfen auch eine Rolle gespielt haben. Flöhe und Wanzen sind nicht nur Soldaten- und Gefangenen-Leiden, und die Tierchen sollen ja bekanntlich allerlei übertragen. 

Laurenz

17. Mai 2021 12:08

@Franz Bettinger @L. (1)

"Könnte nicht ein wegen Hunger geschwächtes Immunsystem Krankheiten wie Pocken und Masern erst möglich gemacht haben?"

Ja, natürlich, das ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Wenn wir von Wikingern & Phöniziern absehen, war Kolumbus der erste, der seinen Fuß nachhaltig auf amerikanischen Boden setzte, und zwar 1492, also vor 529 Jahren. Die weiße Landnahme, zog sich bis in die 1880er (die letzte bewaffnete Auseinandersetzung mit Indianern war um 1903). Als die Büffel in den 1870ern (Bill Cody & sein WildWest-Theater), wie @Sekundant korrekt schreibt, para-militärisch ausgerottet wurden, waren die Indianer längst ausgerottet, 384 Jahre nach Kolumbus. Schau Dir einfach die berühmteste Indianer-Schlacht an, die am Little Big Horn. 1000 Sioux & Cheyenne besiegten Custers 600 Mann vernichtend. Die Indianer lagerten dort mit 6.000 Zivilisten. Was sollen denn das für Hanswurst-Zahlen sein? Schau Dir den preußisch-französischen Krieg 5 Jahre - oder den amerikanischen Sezessions-Krieg 11-15 Jahre vorher an. Das sind Zahlen.

Laurenz

17. Mai 2021 12:23

@Franz Bettinger @L. (2)

Man muß da immer ins Detail gehen. Als Cortez, 28 Jahre nach Kolumbus, die Azteken besiegte, geschah dies hauptsächlich mit Hilfe anderer Völker, die von den Azteken vorher geknechtet wurden, diese Brutalität ist in Mexiko bis heute, trotz oder wegen der Christianisierung, erhalten geblieben. Und die weitere Unterstützung bekam Cortez durch seine eigenen Krankheiten, wie Du hier kurz nachlesen kannst. https://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Eroberung_Mexikos

Zu diesem frühen Zeitpunkt wurden Indios/Indianer bereits ausgerottet, wenn sie mit Europäern oder mit Indianern mit weißen Kontakten in Kontakt kamen. Die Indianer starben wie die Fliegen.

Laurenz

17. Mai 2021 12:36

@Franz Bettinger @Sekundant

Hier liegt Sekundant eindeutig richtig, Franz, & Du mußt Dich nach einem Job bei den Grünen umschauen. Kolonisierung fand in den USA bis zur Unabhängigkeit statt. Danach wurden die Kolonisierten ausgerottet. In den USA leben heute etwa gut 2 Mio. Indigene & Mestizen, also Köln und das Saarland. Der Genozid über die Jahrhunderte in den Amerikas beträgt schätzungsweise 60-80 Mio. Aber die Weißen in Amerika waren keine Nazis, daher ist es nicht so schlimm.

Kanada wurde erst 1931 unabhängig. Da sieht die Sache leicht anders aus. Interessant sind aber die Nebenkriegsschauplätze. Die Amis meinten schon kurz nach ihrer Unabhängigkeit, wie die Franzmänner, die kanadischen Briten mit ihrer Form der Demokratie beglücken zu müssen. Aber die seinerzeitigen Anglo- und Franco-Kanadier belehrten die Amis eines besseren.

RMH

17. Mai 2021 15:12

@Laurenz,

den legendären Tecumseh sollte man bei der US-Kanadischen Auseinandersetzung nicht vergessen.

Laurenz

17. Mai 2021 20:15

@RMH @L.

"Tecumseh"

Sie haben natürlich Recht.

(Die Shawnees waren als Seßhafte den Prärie-Indianern kulturell natürlich haushoch überlegen.)

Ich danke Ihnen für Ihre Bemerkung, da Tecumseh, eine Art indianischer Hermann, @Franz Bettinger am besten den Föderalismus der Indianer, der unserem historischen - ähnelt, deutlich macht. Trotz Tecumsehs außerordentlicher Redebegabung, war Er nicht in der Lage, vielen Seiner Häuptlings-Kollegen die Eminenz einer indianischen Identität gegenüber den Weißen deutlich zu machen. Mit seinem Tod in der Schlacht gegen die Kuhtreiber in 1813 war die letzte Chance auf ein indianisches Nordamerika vertan.

Franz Bettinger

18. Mai 2021 02:19

@Lau: Joachim Fernaus bemerkenswerte Grundaussage war: ‚Die Kolonisation, die anderswo in der Welt (von allen Seiten betrachtet) als gelungen angesehen werden kann, ist in Afrika missglückt. Nun kommst du und sagst mehr oder weniger, Nordamerika sei gar nicht kolonisiert worden. Da sei irgendwas ganz anderes geschehen, etwa eine Landnahme, als wäre man in der Antarktis oder auf dem Mond gelandet. - Also Butter bei die Fisch! Gab es irgendwo auf der Erde eine geglückte Kolonisation? Haben die Skandinavier "die russische Erde" kolonisiert, und wenn ja, wieso nennt das keiner beim Namen K? Es scheint mir fast, dass das K-Wort nur negativ gesehen werden darf und dager bald dem N-Wort folgen wird.

Valjean72

18. Mai 2021 08:40

Franz Bettinger:

Joachim Fernau in Halleluja, die Geschichte der USA (1977): "Dass es die USA gibt, verdanken wir (abgesehen vom 3. Schöpfungstag) vor allem den Briten.

Das Schicksal der nordamerikanischen Indianer ist eine Tragödie aber mich interressiert in diesem Zusammenhang mehr, wen Herr Fernau mit "wir" zu umfassen meinte.

Als deutscher Patriot möchte ich mich da ganz gewiss nicht einschliessen lassen, denn ohne die USA hätte das Deutsche Reich den 1. WK nicht verloren und dieser Krieg hätte wohl auch nicht so lange gedauert, bedenkt man neben den umfangreichen Waffen- und Munitionslieferungen die immensen Kredite der Wall Street (Federal Reserve Act, seit Weihnachten 1913 in Kraft) an England und Frankreich.

Die Misere, der wir uns heute in "Westeuropa" gegenübersehen ist mE Resultat der Deutschen Niederlage im 1. WK.

 

 

 

Valjean72

18. Mai 2021 09:30

In den Jahren von 2007 bis 2014 war ich beruflich des öfteren in Kamerun und da kam ich auch einmal an der "Brücke von Edea" vorbei.

Aus Wikipedia:

Die eingleisige Brücke wurde 1911 während der deutschen Kolonialzeit Kameruns als Teil der kamerunischen Mittellandbahn gebaut, die von Douala über Edéa bis nach Éséka führte. [...] Ihre Stützweite von 159,6 m ist größer als die der Victoria Falls Bridge mit 156,5 m und war bei ihrer Eröffnung die größte Afrikas.

Die Globalisten haben ein Interesse daran unsere Geschichte, die der Deutschen, in den schwärzesten Farben zu zeichnen und so auch hinsichtlich der deutschen Schutzgebiete.

 

 

 

Valjean72

18. Mai 2021 12:53

In Zusammenhang mit europäischen Krankheitserregern in Nordamerika ist auf Wikipedia ein aufschlussreiches Detail zum Pontiac-Aufstand (1763 - 1766) zu entnehmen:

Wie ernst die Lage für die Briten war, zeigt sich auch darin, dass mit Pockenerregern verseuchte Decken verwendet wurden, um die Indianer durch eine Seuche zu dezimieren. Dieses Vorgehen wurde auch von Oberbefehlshaber Jeffrey Amherst gut geheißen. Es handelt sich hier um einen der ersten dokumentierten Versuche „biologischer Kriegführung

(Quelle: de.wikipedia.org, Pontiac-Aufstand)

Laurenz

18. Mai 2021 18:19

@Valjean72

Danke für Ihre Beiträge, empfinde diese als 100%ig zutreffend.

@Franz Bettinger (1)

Es gibt heute noch ein paar Inseln & Gebiete, wo der Zugang zu dort lebenden Völkern verboten ist, um deren Kultur nicht zu gefährden. Aber das ist die Ausnahme.

Wie ich bereits schrieb, ist die Frage nach Kolonien oder nicht-Kolonien müßig. Da die Kirchen & die Großmächte bis zum heutigen Tage diese Frage bereits entschieden haben. Auch die Aussage mancher Foristen, daß ärztliche Versorgung, etc., durch die Kolonisatoren besser geworden sei, ist müßig. Denn diese Bewertung entspringt aus unseren Werten, die aber für andere in keiner Weise maßgeblich sind. Im Grunde wird damit schon wieder anderen Kulturen unsere Sicht der Dinge auf's Auge gedrückt. Ich persönlich finde das exkremental. Man hätte Afrika einfach 1.000 Jahre in Ruhe lassen müssen. Aber ich kann da auch falsch liegen, da Afrikaner keinen identitären oder existentiellen Grund für Forschung & Entwicklung haben. Ich behaupte mal dreist, Afrikaner sind bei den weltweiten Erfindungen nicht mal mit einem % dabei, bauen weder Autos noch Flugzeuge.

Laurenz

18. Mai 2021 18:28

@Franz Bettinger (2)

Intelligenz ist auch nicht alles, wir sehen das als eminent an. Afrikaner haben genau aus diesem Aspekt heraus einen leichteren spirituellen Zugang als wir. Nur das zählt nicht bei Geschäften oder Rohstoffen. Fakt ist, die Deutschen betrieben im Vergleich die beste Kolonialpolitik, wir schenkten den Schwarz-Afrikanern die einzige schwarze Schriftsprache. Andere europäische Mächte verordneten den Kolonisierten einfach ihre Muttersprache. Lies einfach Albert Schweitzer oder Konrad Lorenz, die waren sicherlich am ehrlichsten in Ihren Schriften. Aber wenn Du so willst, war es schon ein Albert Schweitzer zuviel. Um Dir Stoff zum Nachdenken zu geben, schau Dir China an, eine 3.000 Jahre alte Hochkultur. Waren die nun Kolonie oder besetzt? Zu welchem Schluß Du aber auch kommen wirst, es verändert nichts an den Realitäten. Und die Chinesen haben ein gutes Gedächtnis.

Laurenz

18. Mai 2021 20:03

@Franz Bettinger

PS: Auch wenn auf der SiN unterschiedliche Meinungen über die Ausrottung oder Nicht-Ausrottung der Hottentotten veröffentlicht wurden, so ist festzustellen, daß in Südafrika kaum noch welche leben, bis zu 100k leben in Nachbarstaaten als Nomaden. Auch hier fand quasi eine Ausrottung, wohl meist durch Krankheiten statt. Alle anderen schwarzen Stämme wanderten zur gleichen Zeit der Landnahme durch die Buren aus dem Norden nach Südafrika ein & die Buren gewannen gegen die schwarzen Landnehmer die militärischen Konflikte, verloren später selbige gegen die Briten, gewannen danach politisch gegen die Briten & verloren am Ende politisch gegen oben benannte schwarze Landnehmer. Von daher kann man im Falle Südafrikas auf keinen Fall von Kolonisierung sprechen. Das machen nur linke Deppen.

qvc1753

19. Mai 2021 16:24

 Die Siedlerkolonien in den USA, Neuseeland oder Australien waren etwas anderes als die Kolonien in Afrika. Da spielen klimatische Faktoren eine Rolle. Gemäßigte Breiten bekommen den Europäern meistens besser als Tropen. 
Eines hält sich aber hartnäckig: der den Kolonisatoren eigene Anspruch etwas Besseres zu sein, weil man technologisch deutlich überlegen war. Inwieweit dies ein Verdienst oder ein historischer Zufall war, das man man am Beispiel Chinas diskutieren. 
In jedem Falle ist ein gerütteltes Maß an Rassismus und westlichem Überlegenheitsgefühl geblieben. Und das beruht - in meinen Augen - auf schlicht der Tatsache das wir die anderen unterjocht haben und nicht umgekehrt. Daher sind irgendwelchen rückwärtsgewandten Verklärungen irgendwelcher Kolonialvergangenheit reichlich unsinnig. Natürlich haben die Europäer auch Medizin, vernünftige Kataster oder überhaupt eine Verwaltung gebracht. Das dies aber reichlich ungefragt war und eben auch Exzesse wie in Belgisch-Kongo oder während diverser militärischer Strafexpeditionen mit sich brachte, das sollte nicht verklärt werden. 
Sich dessen unvoreingenommen zu erinnern ist weder falsch noch unredlich und es ist sicherlich nachvollziehbar das sich in den Nachfolgestaaten die Dankbarkeit meist in sehr engen Grenzen hält (wenn man nicht sowieso immer noch irgendwie von den ehemaligen Kolonialherren abhängig ist). 
 

Laurenz

19. Mai 2021 23:28

@qvc1753

Stimme Ihrem Beitrag absolut zu. Allerdings gibt es immer unterschiedliche Ebenen der Betrachtung. Hier ist es grundsätzlich hilfreich ins Detail zu gehen. Thailand zB stand auch lange Zeit unter massiver Britischer Einflußnahme, aber Thailand konnte sich, zumindest formal, immer seine Unabhängigkeit bewahren, eine grandiose Leistung.

Man kann zwar sicher feststellen, daß die Perser, auch eine alte Hochkultur, durch die Islamisierung der Seldschuken in der Entwicklung blockiert oder zumindest verlangsamt wurde, aber Persien stand immer unter russischem/sowjetischen Druck, welcher durch die Sehnsucht der Russen nach einem Südmeerzugang geprägt war. Und seit in Persien relativ früh Erdöl entdeckt wurde, konnte die Briten nie mehr ihre Finger von Persien lassen. Und so bitter das ist, erst seit 1979 ist der Iran die direkte anglo-amerikanische Einflußnahme los.

Über Australien sollte sich niemand falsche Vorstellungen machen. Australien ist bis heute weitestgehend Afrika. Mit einer Bevölkerungsdichte von 7 Einwohnern pro Quadrat-KM ist doch alles gesagt. Und Aborigines spielten in Australien nie eine Rolle. Kolonisiert wurde mit Sträflingen, die ein Brot oder ähnliches gestohlen hatten, aber auch erst nachdem die USA für die Briten verloren war.

In Afrika flogen die Weißen einfach raus. Hier liegt der Hund Afrikas begraben. Das kann man zwar gut finden, aber die Konsequenzen sind einfach offensichtlich.

Phil

31. Mai 2021 21:21

Wem dieser Artikel nicht in den Kram passt, sollte bedenken: Wenn sich zum alten deutschen Schuldkult (der natürlich abzulehnen ist) ein neues Phänomen, nämlich die – natürlich ebenfalls abzulehnende – Front gegen alles Weiße gesellt, und obendrein nun noch eine Regierung, die jeder Nationale verachten muss, eine "Anerkennung des Völkermords…" vornimmt, dann gibt es schon drei Gründe für Widerspruch.

Dieser Widerspruch im Sinne einer "Verteidigung des deutschen Kolonialismus" bzw. "Verteidigung der Deutschen" bedeutet nicht zwangsläufig eine Befürwortung des Kolonialismus. Aber er hat nun mal stattgefunden. Und eine einseitig-antideutsche Interpretation ist nicht zu akzeptieren.