Worüber schreibt Bernd Stegemann? (II)

Der Berliner Dramaturg Bernd Stegemann wird derzeit partiell »gecancelt«.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Aggres­si­ve Femi­nis­ten, wüten­de »BPoC« und Anti­fa-nahe Akteu­re rücken ihn in die Nähe von Sahra Wagen­knecht (mit Recht) und der »Neu­en Rech­ten« (mit Recht?). Grün­de hier­für sind aktu­el­le publi­zis­ti­sche Ver­laut­ba­run­gen Ste­ge­manns in sozia­len Medi­en, Zei­tun­gen und sei­nem neu­en Buch.

Die Öffent­lich­keit und ihre Fein­de umfaßt knapp 300 Sei­ten, und die ers­ten 60 von ihnen sind die schlech­te­ren inso­fern, als daß die Wie­der­ga­be von Sys­tem­theo­rie, Öffent­lich­keits­de­fi­ni­tio­nen und Gesell­schafts­auf­fas­sun­gen red­un­dant erscheint; nichts, für das man aus­ge­grenzt wer­den müßte.

Danach wird deut­lich, wes­halb sich der Zorn der »woken« Frak­ti­on des libe­ra­len und lin­ken Blocks auf Ste­ge­mann rich­tet: Er beweist ganz gegen­ständ­lich, nicht nur sub­ku­tan, daß er genu­in »neu­rech­te« Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter beherrscht. Man kann das an sei­ner Kri­tik des GEZ-eige­nen »Framings« nach­emp­fin­den oder an sei­ner dif­fe­ren­zier­ten Ana­ly­se libe­ra­ler und lin­ker Eman­zi­pa­ti­ons­ideo­lo­gie able­sen, wonach »von jedem Ein­zel­nen ver­langt (wird), sich selbst frei zu ver­wirk­li­chen«, womit gemeint ist, daß man »sich per­ma­nent selbst revo­lu­tio­niert« und damit Bin­dun­gen ver­schie­de­ner Kate­go­rie aufgibt.

Man soll­te auch die Fun­da­men­tal­kri­tik der Bemü­hun­gen jener von ihm befeh­de­ten post­mo­der­nen Lin­ken anfüh­ren, die ihren Frie­den mit den poli­tisch hyper­kor­rekt umman­tel­ten Kapi­tal­frak­tio­nen der Gegen­wart schlos­sen. Trägt man die­se Aspek­te zusam­men und schiebt den öden Sys­tem­theo­rie-Anlauf bei­sei­te, wird evi­dent, daß man es mit Annä­he­run­gen zu tun hat, die sich kaum über­ge­hen lassen.

Nicht zuletzt Ste­ge­manns Ant­ago­nis­ten sind die uns­ri­gen: Eman­zi­pa­ti­on um der Eman­zi­pa­ti­on wil­len, Los­lö­sung (»Ent­bet­tung«) der Men­schen aus tra­dier­ten Struk­tu­ren für die Kre­ierung eines neu­es Men­schen, tota­le Nutz­bar­ma­chung (»Opti­mie­rung«) des Ein­zel­nen für Markt- und Gesellschaftsexperimente.

Wirkt eine sol­che Ver­knüp­fung grund­le­gen­der Kri­tik nicht gleich­be­deu­tend mit dem Abschied aus einem lebens­welt­li­chem und poli­tisch-ideo­lo­gi­schem Kos­mos der Lin­ken, mit­hin: als Keh­re nach rechts? Denn hin­zu tritt ja die Nega­ti­on der Migra­ti­ons­ver­klä­rung. »Wer die Fra­ge stellt, wie ein Sozi­al­staat mit einer gren­zen­lo­sen Migra­ti­on zu ver­ein­ba­ren ist«, bemerkt Ste­ge­mann, »wird von den Mit­glie­dern des neu­en Libe­ra­lis­mus als gefähr­li­ches Sub­jekt beschimpft.«

Dort weiß man sich einig: »Alle sol­len kom­men dür­fen, um den Rest küm­mert sich ›die‹ Gesell­schaft. Und da es sehr unwahr­schein­lich ist, dass die Migran­ten sich ein Leben in den teu­ren Stadt­vier­teln leis­ten kön­nen, ist die Gesell­schaft dann über­all, nur nicht vor der eige­nen Haus­tür.« Gegen der­ar­ti­ge Kri­tik immu­ni­sie­re man sich durch das Schutz­schild der Can­cel Cul­tu­re: Der Geg­ner wird ent­menscht, min­des­tens aber niedergebrüllt.

Sicher­lich: Vie­les von dem, was Ste­ge­mann 2021 ana­ly­siert, wird bereits seit Jah­ren in unse­ren Zusam­men­hän­gen dar­ge­bo­ten. Er holt, auf kon­zi­se Art und Wei­se, Theo­rie- und Denk­ar­beit nach, deren Bestand­tei­le als Sezes­si­on-imma­nent vor­aus­ge­setzt wer­den kön­nen. Aber als Beob­ach­ter des »geg­ne­ri­schen« Kom­ple­xes kann man es nicht außer acht las­sen, wenn einer sei­ner klügs­ten Köp­fe Lini­en zieht, die in das uns­ri­ge Feld weisen.

Frei­lich bleibt auch bei Ste­ge­mann (min­des­tens) ein blin­der Fleck frap­pie­rend: Trotz sei­ner empha­ti­schen Kri­tik der Can­cel Cul­tu­re und ihrer Grund­ele­men­te über­sieht – über­geht? – er, daß es der bewähr­te (und immer häu­fi­ger: bewaff­ne­te) Kampf gegen Rechts ist, in dem die Kei­me für das Monier­te lie­gen. »Wozu braucht es Argu­men­te, wenn es doch viel wir­kungs­vol­ler ist, unlieb­sa­me Mei­nun­gen durch Äch­tung aus­zu­schlie­ßen?«, bemän­gelt Ste­ge­mann. Die­se Fra­ge erscheint just als eine sol­che, mit der sich das Milieu rechts der Mit­te seit jeher kon­fron­tiert sieht.

Ein­ge­denk die­ser not­wen­di­gen Kri­tik: Ste­ge­mann begibt sich in die­sem Buch auf die (ergeb­nis­lo­se) Suche nach einer dezi­diert kapi­ta­lis­mus- und libe­ra­lis­mus­kri­ti­schen Theo­rie, die ohne »woke« Iden­ti­täts­po­li­tik, post­mo­der­ne Ver­stie­gen­heit und anti­fa­schis­ti­schen Dog­ma­tis­mus aus­kommt und die Inter­es­sen der Mehr­heits­be­völ­ke­rung ins Zen­trum stellt.

Eine sol­che Theo­rie gibt es aber zumin­dest in Grund­ris­sen bereits: Sie nennt sich Soli­da­ri­scher Patrio­tis­mus.

– –

Bernd Ste­ge­mann Die Öffent­lich­keit und ihre Fein­de. Klett-Cot­ta-Ver­lag Stutt­gart 2021, 384 Sei­ten, 22 €, hier bestel­len. 

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (38)

anatol broder

10. Mai 2021 17:31

ich war zwar nicht heiss darauf, doch nun ahne ich dank kaiser, worüber stegemann in seinem buch schreibt. aus sommerfelds darstellung stieg ich nämlich mittendrin aus:

Ähnlich wie Armin Nassehi kann Stegemann unter „unterkomplex“ rubrizieren, was Populismus, Identitätspolitik, Corona- und Klimakampf, Gender- und cancel culture alles falschmachen, und was hinter der im „Anthropozän“ erforderlichen Komplexitäts­bewältigungs­kompetenz leider zurückbleibt.

Herr K aus O

10. Mai 2021 18:49

Tja. Nur die Linke kann diesen Wahnsinn beenden. Ich überlege mir, nochmal Marx zu lesen. Nicht, um als Marxist die Welt zu verändern, sondern um den, diesen Kapitalismus zu verstehen. Denn das, was die Linke links nennt, sind doch nur unterstützende Massnahmen, um Reiche noch reicher zu machen. Die Masseneinwanderung z.B. war und ist ein Turbo, um den Wohnungsmarkt komplett aus den Angeln zu heben, natürlich zu Gunsten großer Konzerne. Wenn jetzt die Mieten explodieren: Das ist also „links“? Also: Um so besser, wenn sich um Wagenknecht ein paar Leute formieren, um diesen Wahnsinn zu entlarven. 

Imagine

10. Mai 2021 22:16

Überall der gleiche Frauentyp, der in Führungspositionen kommt. Karrieregeile Streberinnen mit mittelmäßiger Intelligenz, großem Raffinesse und schmaler Allgemeinbildung.

Rede im Bundestag:
Baerbock schreibt soziale Marktwirtschaft SPD zu – Grüne sprechen von „Versehen“
(Welt .8.5.21)

Das ist in allen Parteien so, auch in der AfD.

So funktioniert das System der marktkonformen Demokratie.

Nordlicht

10. Mai 2021 22:19

Stegemann ist Professor für Theatergeschichte und Dramaturgie.

Schuster bleib bei deinen Leisten.

 

Imagine

10. Mai 2021 23:26

1/2
„Stegemann begibt sich in diesem Buch auf die (ergebnislose) Suche nach einer dezidiert kapitalismus- und liberalismuskritischen Theorie, die ohne »woke« Identitätspolitik, postmoderne Verstiegenheit und antifaschistischen Dogmatismus auskommt und die Interessen der Mehrheitsbevölkerung ins Zentrum stellt.“

Die Systemlinken wollen und wollten niemals eine wirkungsmächtige Theorie, die das System grundlegend verändert. Wenn sie es wollten, könnten sie auf Marx, Sohn-Rethel, Richta etc. zurückgreifen.

Aber sie wollen nur die Illusion einer Systemüberwindung, wie es die Systemlinken es schon seit über 100 Jahren praktizieren. Ändern ohne zu verändern.

Sie wollen eine „Theorie“ als Schnuller, wo die Massen dran nuckeln können und von einer anderen Zukunft träumen können. Einen Tranquilizer fürs Volk.

Sozialistische oder pseudo-sozialistische Theorien ohne transformatorische Wirksamkeit gab es schon zur Genüge. Den "nationalen Sozialismus" von Naumann, die reformistischen sozialdemokratichen Konzepte von Bernstein et al.

Bei den Nazis gab es den Nationalsozialismus mit dem Traum der Arierherrschaft im „Tausendjährigen Reich“, wo jeder dumme Deutsche „Herrenmensch“ sein konnte.

Nach dem Krieg gab es im Westen den Schnuller namens „Soziale Marktwirtschaft“, später von der SPD „Demokratischer Sozialismus“ genannt.

Imagine

10. Mai 2021 23:27

2/2
Im Osten gab es den „Realen Sozialismus“, von dem Dutschke sagte, dass an dem alles real sei, nur nicht der Sozialismus.

Seit der neoliberalen Ära gibt es die marktkonforme Demokratie mit „Neuer Sozialer Marktwirtschaft“ und nun kommt der Übergang in die „neue Normalität“.

Der „Solidarische Patriotismus“ muss erst beweisen, dass er mehr ist als ein erneuter Schnuller, nämlich eine ernstzunehmende Transformationstheorie, die zu einem neuen gesellschaftlichen System führt.

Die konkreten Ziele, die ein Höcke, mit dem „Solidarischen Patriotismus“ verbindet, nämlich dass Menschen, die ein ganzes Leben gearbeitet haben keine Altersarmut befürchten müssen, klingt doch mehr nach einem erneuten Aufguss der „Sozialen Marktwirtschaft“ mit Beibehaltung des alten Systems und der alten Eigentumsordnung und nicht nach Transformation der kapitalistischen Gesellschaft.

Zumal die AfD eine klar anti-sozialistische Partei ist.

RMH

11. Mai 2021 07:13

" ... auf die (ergebnislose) Suche nach einer dezidiert kapitalismus- und liberalismuskritischen Theorie, die ohne »woke« Identitätspolitik, postmoderne Verstiegenheit und antifaschistischen Dogmatismus auskommt und die Interessen der Mehrheitsbevölkerung ins Zentrum stellt."

Grundsätzlich schließt das eine (»woke«) das andere ( Interessen der Mehrheitsbevölkerung) nicht zwingend aus, zumindest wenn die, die besonders »woke« sind, einmal begreifen würden, dass ihr Diskriminierungsgejammere in Ländern wie unserem zum einen auf höchsten Niveau stattfindet und teilweise den Charakter einer Lebenslüge hat und sie zum anderen lediglich eine Karte im Spiel der globalistischen Oligo- und Monopolisten sind (OMG, er hat "Globalisten" gesagt ...). Das ist aber eine Sache, welche die Linken unter einander ausmachen müssen. Der Clou ist doch seit Jahrzehnten, dass all die, die sich als Kämpfer gegen rechts sehen und sich links, links-liberal und grün sehen, nützliche Idioten des Kapitals sind. Da mögen eine Frau Wagenknecht oder eben der Herr Stegemann mahnend den Finger heben und eine elaborierte Analyse nach der anderen veröffentlichen, wie sie wollen, aber die Flötentöne der Pöstchen, des Geldes und der persönlichen Vorteile spielen eben andere vor.

RMH

11. Mai 2021 09:03

@imagine,

Dass, was Sie als Schnuller bezeichnen, hat zumindest den Vorteil, dass es den Realitätstest absolviert hat. Ein echtes, transformatorisches, das Kapital überwindendes System ist was? Gab es wo? In Kambodscha? Oder heute in Nordkorea?

Das Parteien wie die AfD antisozialistisch sind, hat gute Gründe und die beginnen im wesentlichen bei der Akzeptanz des Menschen so wie er ist und da ist er zum einen ein Mängelwesen und zum anderen eines, welches nach persönlichem Besitz und Eigentum für sich und seine Sippe strebt und welches er an seine Kinder weiter geben will. Mit Bejahung des privaten Eigentums erfüllt man eine Menschheitsbedingung und ist damit immer auch ein Stück weit im Kapitalismus. Ihre Transformation des Kapitalismus benötigt zu Erfüllung zwingend den Transhumanismus. Ihre gern gezeigte Verachtung den blöden Menschen gegenüber, die nichts checken und sich mit Schnullern abspeisen lassen, spricht Bände.

Gustav

11. Mai 2021 09:14

@ Imagine

"..mit mittelmäßiger Intelligenz, großem Raffinesse und schmaler Allgemeinbildung."

Ich ergänze um mangelhaftes Geschichtswissen und erhalte als Ergebnis: Imagine

Sekundant

11. Mai 2021 10:29

Auch mit An- und Ausführungszeichen bleibt das Verwenden von Scheinbegriffen wie "woke" das, was Orwell und Onfray NEUSPRECH zum Zweck der Einführung des ENGSOZ nennen. Gleiches gilt für den um sich greifenden Aküfi (Abkürzungsfimmel).

Phil

11. Mai 2021 10:38

Nichts Neues, kompliziert ausgedrückt. Bringt überhaupt nichts, außer dass sich Linke mal wieder gegenseitig zerfleischen.

Imagine

11. Mai 2021 11:55

C.S. behauptet zwar, sie „komme selber wie Bernd Stegemann von Niklas Luhmanns Systemtheorie her“.

Das mag sie glauben, aber sie hat noch nicht einmal verstanden, dass ihr rechtkonservatives Denken in völligem Widerspruch zum Luhmanschen systemischen Denken steht.

Dies zeigt sich auch in ihren vormodernen Vorstellungen von Erziehung und Entwicklung.

Die Rechtskonservativen personalisieren in typisch vormoderner Weise den Gesellschaftsprozess, sie denken in Verschwörungskonstrukten, moralisieren und setzen bei ihren Veränderungshoffnungen auf Führer, die  an die Spitze des Volkes stehend dieses in bessere Zeiten führen.

Für Systemtheoretiker luhmannistischer Provenienz ist dies alles naiv und lächerlich und wird als hoffnungslos antiquiert angesehen, weil nicht begriffen wird, dass in der modernen Gesellschaft Systeme die Menschen beherrschen.

Kommentar Sommerfeld: Ganz schön viele Unterstellungen für einen einzigen Kommentar. Daß ich von Luhmann herkomme, bedeutet nicht, daß ich nach zwanzig Jahren nach wie vor ausschließlich in systemtheoretischen Begriffen denke, und nicht auch einiges von Luhmann verworfen hätte zugunsten "alteuropäischer" (NL) Gedanken. An einen "Führer" glaube ich übrigens nicht, nur mal um die gröbste Unterstellung wegzuräumen, sondern an den "Führer in mir", nämlich Christus.

Imagine

11. Mai 2021 13:35

@C.S.:
An einen "Führer" glaube ich übrigens nicht, nur mal um die gröbste Unterstellung wegzuräumen, sondern an den "Führer in mir", nämlich Christus.

Diesen Glauben will ich Ihnen keineswegs nehmen, es widerspräche meiner freiheitlichen Einstellung. Zudem wäre es aussichtslos, denn gläubige Menschen kann man nicht mit rationalen Argumenten überzeugen.

Man muss es akzeptieren, dass fast 200 Jahre nach Feuerbachs „Das Wesen des Christentums“ und über ein Jahrhundert nach Freuds Erkenntnis, dass das Verhalten der meisten Menschen durch unbewusste Motive gesteuert wird und Religiosität von ihm als eine Form der Neurose diagnostiziert wurde, nach wie vor viele Menschen an religiöse Narrative glauben.

Als „Mängelwesen“, die das psychostrukturelle Entwicklungsstadium von Autonomie nicht erreicht haben, brauchen die Religiösen ihren Glauben als inneren Halt.

Der aufgeklärte Mensch ist aus der heutigen Gesellschaft weitgehend verschwunden, da Sozialisation und Erziehung in entgegengesetzter Richtung verlaufen, aber er existiert weiterhin als Ideal und realitätsfernes Selbstbild.

Denn auf die Illusion, ein freier und selbstbestimmter Mensch zu sein, wollen die meisten Menschen nicht verzichten, zumal ihnen dies ständig von den Medien suggeriert wird.

Waldgaenger aus Schwaben

11. Mai 2021 15:38

Zur Komplexitätsreduktion wende ich gerne  Lackmus-Tests auf (Quer)denker entwickelt.

Beispiel: Katholische Kirche: Reformen können in der ecclesia semper reformanda stets und gerne diskutiert werden. Lackmus-Test: Wie hältst du es mit der Abtreibung? Wer hier wankt und weicht, den reihe ich unbesehen und ungelesen in das Lager der zeitgeistlichen Kirchenkritiker ein.

Linke Querdenker: Wie hältst du es mit der Einwanderung?

Was sagt der Stegemann dazu?

 

BTW: Ich kenne einige an Covid-19 Erkrankte persönlich nun kommt ein an Covid-19 Verstorbener aus dem Bekanntenkreis dazu. Nicht-Raucher, Wenig-Trinker, altersgemäßer guter Allgemeinzustand, ohne gravierende Vorerkrankungen, Anfang sechzig. Meine erste Impfung habe ich erhalten.

Gracchus

11. Mai 2021 17:00

@Imagine

Nervig. So tun, als würde man die wissenschaftliche Speerspitze bilden - und dann mit Freud und Feuerbach kommen. Als Autoritätsargument? Womit sie sich in einen Widerspruch bugsieren. Alle Religiösen über einen Kamm scheren - d. h. Sie ventilieren bloß Vorurteile. 

Fides et ratio: Nicht nur - wie Sie sagen - sind die aufgeklärten verschwunden, sondern auch die Gläubigen. Vielleicht besteht da ein Zusammenhang? Feuerbach/Freud revisited: Vielleicht projiziert das Kind das Bild des himmlischen Vaters auf seinen biologischen Erzeuger. 

Neulich heulten Sie sich hier noch über gewisse Modernisierungen aus - und jetzt werfen Sie Rechten (die alle gleich sind - s. o.) vormoderne Denkweisen vor. Dazu Ihre irrationale China-Verherrlichung. Mein Tipp: Gehen Sie mal in sich und schaffen gedankliche Klarheit.

Alter Lehrling

13. Mai 2021 00:31

@ imagine

»Zudem wäre es aussichtslos, denn gläubige Menschen kann man nicht mit rationalen Argumenten überzeugen.«

Sind Argumente nur dann rational, falls sie von Nicht-Gläubigen ausgesprochen werden?

Wie kommt es, dass z.B. die Marxsche Geschichtseschatologie schließlich in die Immanentisierung der Transzendenzerfahrung mündet? Ist eine solche Immanentisierung denn rational? Ist das nicht ein Eingeständnis, ohne Transzendenz nicht auszukommt?

Ist es rational, diese Transzendenzerfahrung von oben herab zwar zu erlauben, aber sich einer Diskussion zu entziehen, obwohl Geschichte nicht erst mit der Aufklärung beginnt?

Ist nicht ein Gutteil der Probleme, vor denen Europa heute politisch, ökonomisch und geistig steht, mit jener Mode gewordenen Leugnung der Transzendenzerfahrung verbunden?

 

OttoS

13. Mai 2021 20:28

Die Postmoderne kommt. Ein Halten, ein Zurück zur Moderne wird es nicht geben. Ein zurück zur Tradition? Mit den heutigen Deutschen kaum. Wir brauchen eine andere "Postmoderne". Eine Archäomoderne. Etwas aus den beiden Paradigmen der Moderne und der Tradition.

Laurenz

14. Mai 2021 11:03

Also mir gehen die Artikel, ob nun in philosophischer - oder politikwissenschaftlicher Rezension etwas auf den Senkel.

Die arg stilisierte Form der Kritik dient in erster Linie der eigenen Rechtfertigung der Rechten, um zu beweisen, daß hier, also unsere Agents Provocateurs ganz gewiß keine Idioten sind. Das kann man aus unserer Sicht für das eigene Selbstverständnis auch  nachvollziehen.

Die ideologische Frage ist doch nur ein Theaterstück, behaupte ich. Daher ist ihre Beleuchtung im Grunde sinnentleert. Ich habe keine Ahnung, was dieser Stegemann mit seinem Buch bezweckt. Braucht er Geld, oder hat er tatsächlich ein Anliegen? Ich weiß es nicht. Aber das Buch, wie auch die Kritik daran, ist natürlich sinnlos.

Laurenz

14. Mai 2021 11:05

Wie der Pianist Cem in seinem Danger-Depp-Cover schreibt, verlagern wir heute den Bürgerkrieg in das Netz (geistiges Gebiet), aber auch nur solange, wie genug zu essen da ist. @Lotta Vorbecks Mangel an Dachlatten in den Baumärkten ist noch nicht Kriegs-entscheidend für unser persönliches Leben. Unsere politische Existenz, wie auch die Stegemanns, sind nur ein Indikator dafür, wie weit die noch nicht ganz totalitäre Macht auf ihrem Weg zum Totalitarismus fortgeschritten ist. Noch kann man sich uns leisten. Denn ohne uns wäre wären auch alle politischen Theaterhäuser längst abgebrannt. Aber das wird natürlich nicht so bleiben, wenn die Gürtel im materiellen - & politischen Sinne enger geschnallt werden müssen, weil die dämlichen Scheißhaus-Nummern unserer Junta, wie Fakedemie, Migration oder Klima (die Liste ist quasi endlos), sich von einem auf das andere Mal in ihrer Dämlichkeit + exorbitanten Geldbedarf potenzieren. Immer breitere Bevölkerungsschichten werden aus der Käuflichkeit mit den Mitteln der deutschen Konkursmasse herausfallen, weil sich die Konkursmasse in spätestens 30 Jahren verflüchtigt haben wird.

Wenn "Laut gedacht" von Jutjub runter fliegt, kommt das quasi der historischen Lagerhaft oder zumindest Berufsverbot mit Hausarrest gleich. Natürlich steckt die Junta in einer Zwickmühle. Im Falle von "Laut gedacht" verliert sie auch ein Feindbild, was sie dringend zur eigenen Rechtfertigung braucht.

Laurenz

14. Mai 2021 11:05

Wenn also nur marginaler Widerstand gegenwärtig ist, entstehen auch keine Argumente für die Junta. Ohne hellsehen zu können, wird das alles zwangsläufig zu einer Brutalisierung der Staatsgewalt führen. Von daher ist es auch völlig egal, ob Stegemann oder wir gegen die Junta schreiben.

Es wird nie! mehr eine echte Debatte mit der Junta stattfinden, solange die Junta dran ist. Stegemann ist damit automatisch ein Rechter & gehört zu uns, auch wenn das keinem paßt. Denn nur unter uns finden noch sachliche Debatten statt. Der einzige politische Zweck der Junta ist absolute Macht & deren Aufrechterhaltung, koste es, was es wolle. Wie man das ganze ideologisch nennt, ob Kapitalismus oder Klima, spielt doch keine Rolle. Solange man damit genug Individuen, auch hier bei uns im Forum, blenden kann, braucht man nicht auf die Bürger schießen.

Von daher ist es vollkommen in Ordnung, wenn Antaios kritische Bücher verkauft, denn im Grunde ist es egal, wer sie schreibt. Kritiker sind immer rrrrrechts.

(Um Ihnen allen die Luftnummer des politischen Theaters deutlich zu machen gebe, ich Ihnen ein Beispiel. In Deutschland haben sich 394 Menschen als divers oder ohne Angabe eingestuft. Das geht gegen 0. Es gibt also gar keine Diversen. Und für 0 Diverse halten wir uns über 200 hoch bezahlte Professuren. Hier handelt es sich also um eine weitere Form der Theologie, also Rhetorik für Gläubige, die selbst gar nicht divers sind, ein grundsätzliches Symptom aller Religionen.)

Laurenz

14. Mai 2021 14:01

(1)

Und was die Selbst-Darstellung der Junta angeht, so hat sich auch HB erschütternd blind gezeigt. Luhmann ist doch auch nur so ein intellektueller Verlierer gewesen, der den Wald nicht vor lauter Bäumen sah.

Merkel ist, zumindest für unsere staatstragenden Medien, längst weg vom Fenster & Kobold schon amtierende Staatsratsvorsitzende. Ob sich Merkel ihre schnelle Austauschbarkeit so gedacht hatte, wage ich zu bezweifeln. Wir werden sehen. 

War jetzt 6 Tage in Ungarn, alles privat & über grüne Grenzen geregelt. 6 Tage keine Nachrichten & meist das Telefon aus, an irgendeinem der vielen ungarischen Marien-Kults-Wallfahrtsorte, Budapester Kaffeehäusern & einen schönen Tag am Platten-See. Von daher erschafft auch kurzfristige Abschaltung der Kommunikation eine ungeheure Klarsicht im Bewußtsein, etwas, was auch Ken Jebsen empfiehlt. Von daher: "Vergeßt Luhmann". Aber manche Bücher haben dann auch einen guten Zweck, wenn es kein Toiletten-Papier mehr zu kaufen gibt.

Laurenz

14. Mai 2021 14:02

(2)

Und wie durch Magie lernte ich am Balaton (ein Sektkorken flog vom stark besetzten Nachbartisch in ein Glas meines 3-fach-besetzten Tisches, woraufhin wir zu ungarischem Sekt eingeladen wurden) einen Wein-Baron kennen, historisch hoch gebildet. 2 verwandte Seelen erkannten & fanden sich quasi innerhalb einer Minute in der Masse geschichtsloser Zombies & debattierten zu kurze Zeit. Diesem ungarischen Weinbaron, der eher der westlichen Geschichtsschreibung anheim gefallen ist (ein Unikat in Seinem Land), werde ich schriftlich antworten. Er gab mir deswegen seine Karte. Meine Antwort wird mein Beitrag zum Sezessions-Aufruf an Kurzgeschichten sein.

Imagine

14. Mai 2021 14:03

1/3
@RMH   11. Mai 2021 09:03
„Das Parteien wie die AfD antisozialistisch sind, hat gute Gründe und die beginnen im wesentlichen bei der Akzeptanz des Menschen so wie er ist und da ist er zum einen ein Mängelwesen und zum anderen eines, welches nach persönlichem Besitz und Eigentum für sich und seine Sippe strebt und welches er an seine Kinder weiter geben will. Mit Bejahung des privaten Eigentums erfüllt man eine Menschheitsbedingung und ist damit immer auch ein Stück weit im Kapitalismus.“

Ungebildete Rechte können nicht zwischen Privateigentum und persönlichem Eigentum unterscheiden. Das Privateigentum ist das der Gemeinschaft geraubte Eigentum (privare = berauben).

Selbstverständlich gibt es im Sozialismus persönliches Eigentum.

Wie das Anfangsstadium des Kapitalismus aussah, kann bei Marx nachgelesen werden. Die freien Bauern wurden enteignet und verloren damit ihre Existenzgrundlage und ihre Freiheit. Um zu überleben, mussten sie sich einer Lohnsklaven-Existenz in der Industrie unterwerfen. So konnte man sie ausbeuten durch Mehrwert-Abschöpfung.

In Nordamerika stahl und raubte man den Indigenen deren Land, indem man sich ein Gebiet als Privateigentum eintragen ließ, einen Zaun darum machte und es dann mit Feuerwaffengewalt verteidigte.

Imagine

14. Mai 2021 14:05

2/3
Rechte haben ein Menschenbild und echtsverständnis, welches das Unrecht von Stärkeren rechtfertigt, die sich mit Gewalt oder Betrug etwas angeeignet haben.

Im Zentrum der Politik der Nazi-Deutschen standen kriegerische Gewalt, Raub und Mord gegenüber anderen Menschen und Nachbarn (Juden und Ostvölkern), welche sie als nicht-arische Untermenschen ansahen.

Das war eine barbarische Epoche, aus der uns die Alliierten befreit haben.

Nach dem verlorenen Krieg wurde Deutschland kolonialisiert, aber für die Arbeitsbevölkerung war es ein Gewinn von Freiheit und Wohlstand. Nie in der gesamten Geschichte zuvor, ging es der deutschen Arbeitsbevölkerung so gut wie in den Nachkriegsjahrzehnten – auch dank der liberalen „reeducation“.

Imagine

14. Mai 2021 14:07

3/3
Im Nebenthread „Blinder Fleck“ schreibt Franz Bettinger (14. Mai 2021 08:19):
„@Imagine: Ich komme ihrem blinden Fleck näher. Sie schreiben "Der Kapitalismus ist eine Konkurrenz-Gesellschaft, und deshalb...“. Wahr hingegen ist: Alles in der Natur ist eine Konkurrenz-Gesellschaft. Der Kapitalismus ist aber ein Abbild der Natur.“

Eben nicht. In der Natur gibt es keine kriegerische Konkurrenz in einer Gattung wie beim Kapitalismus, nicht jenen „bellum omnium contra omnes“ (Marx). Es gibt in der Natur Führungskämpfe, Kämpfe um Weibchen, Kämpfe um Territorien, aber das Grundprinzip eines animalischen Reproduktionszusammenhanges ist die Symbiose und nicht der Kannibalismus.

Hingegen ist das Grundprinzip des Kapitalismus der Kannibalismus: die Starken fressen die Schwachen, die Großen fressen die Kleinen.

Zur Zeit der Stammes- und Volksgemeinschaften bildeten diese einen symbiotischen Reproduktionszusammenhang. Aber diese Zeit ist vorbei., denn der ökonomische Reproduktionsprozess hat längst die Grenzen von Stämmen und Völkern überschritten.

Es hat sich ein Reproduktionsprozess entwickelt, der in der Tendenz die gesamte Menschheit umfasst. In unseren Supermärkten sind die Produkte aus allen Kontinenten dieser Welt, es ist eine Symbiose der gesamten Menschheit entstanden.

Das haben die Rassisten und Völkischen aber noch nicht begriffen.

Der große Kampf findet heute zwischen Humanisten und Anti-Humanisten statt.
 

OttoS

14. Mai 2021 15:36

@ Imagine

Die Nazis wollten halt wie ihre großen Vorbilder die Angelsachsen sein, und auch einige unterentwickelte Völker und Kontinente kolonisieren bzw. bereichern. Wie die Indianer von den Liberalen Humanisten in den USA erledigt wurden, hat Hitler besonders gefallen. Das hemmungslose Recht des Stärkeren, Raub und Rassismus sind urliberale Werte. Aber Hitler war halt nur ein Amateur im Vergleich mit den westlichen Profis. Die haben Deutschland und Westeuropa kolonisiert. Und gut gefüttert schließlich sollte Deutschland das Schlachtfeld für den Atomkrieg sein. Da sollte niemand fragen stellen. Das war sehr human.

Weihnachsgänse werden vor Heiligabend auch gut gemästet. Das ist doch kein Kriterium. Die Deutschen konnten sich in den Nachriegsjahren vollfressen, und es sich so gut gehen lassen, dass sie heute mit Migranten ersetz werden. In wiefern ist das etwas Gutes für die deutsche Arbeitsbevölkerung?

Laurenz

14. Mai 2021 15:36

@Imagine

Sie lassen Sich immer noch zu sehr von Ideologien blenden. Damit werden Sie zum Gläubigen, der einen Religionskrieg führt. Man kann, braucht auch aber keinen Kack-Marx lesen, der selbst nie als Bauer oder Arbeiter lebte. Marx hatte eben eine erstklassige PR, was aber sein Werk noch lange nicht zu etwas Wertvollem macht.

Und Ihre Recherche ist wieder mal zu schlecht. Als die Masse der Leibeigenen, Land für Land, aus der Leibeigenschaft entlassen wurde, besaßen sie vorab nichts, wurden aber ohne große Bildung geschäftsfähig, was zu extremen gesellschaftlichen Verwerfungen führte.

Wenn Sie den wirklichen Super-Stern am sozialen und systemischen Himmel entdecken wollen, recherchieren Sie das Leben und die Taten von  https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Raiffeisen

Er ist der größte Revolutionär & Reformer der Neuzeit weltweit, wahrscheinlich sogar aller Zeiten. Er verbindet arm & reich, soziales Bewußtsein mit "nachhaltigem" Kapitalismus. Die Beschäftigung mit Seinem Werk ist eben politisch ökonomisch & daher trocken, schlecht als Kassenschlager zu verkaufen. Aber Er ist der größte konstruktive Feind aller Globalisten, Kommunisten, Groß-Kapitalisten, was auch immer Sie auf dem Herzen tragen & hier zum Besten geben. Gegen Raiffeisen war Marx ein Total-Versager, nicht mal wert, Raiffeisens Schuhe zu putzen.

Imagine

14. Mai 2021 15:38

@RMH   11. Mai 2021 09:03
„Ihre Transformation des Kapitalismus benötigt zu Erfüllung zwingend den Transhumanismus. Ihre gern gezeigte Verachtung den blöden Menschen gegenüber, die nichts checken und sich mit Schnullern abspeisen lassen, spricht Bände.“

Wissen Sie eigentlich, was man unter „Transhumanismus“ versteht?

Sicherlich nicht.

Denn die humanistische Transformation des Kapitalismus hat zum Ziel – und dies ist der Kern der Marxschen Theorie – die Befreiung zum menschlichen Menschen von der Entfremdung des Menschen.

Ist der blöde Mensch der natürliche Mensch? Das Ideal der Rechten?

Ist es nicht gerade die Entwicklung des menschlichen Geistes, was den Menschen vom Tier unterscheidet?

Im Übrigen verachte ich nicht die blöden Menschen, genauso wenig wie ich Geistigbehinderte verachte. Ich will mich nur nicht von denen beherrschen lassen.
 

jenenser

15. Mai 2021 08:47

"Eben nicht. In der Natur gibt es keine kriegerische Konkurrenz in einer Gattung wie beim Kapitalismus, nicht jenen „bellum omnium contra omnes“ (Marx). Es gibt in der Natur Führungskämpfe, Kämpfe um Weibchen, Kämpfe um Territorien, aber das Grundprinzip eines animalischen Reproduktionszusammenhanges ist die Symbiose und nicht der Kannibalismus."

 

Davon waren bzw. sind auch die hier sonst hochgeehrten K. Lorenz und Michael Beleites überzeugt. Die Darwin' sche Theorie diente seinerzeit als wissenschaftliche Rechtfertigung für die Transformation der traditionellen Lebensweise auf das, was wir heute als die kapitalistische Moderne bezeichnen. 

Imagine

15. Mai 2021 13:24

1/2
Gelingende Kommunikation setzt Verstehen voraus. Man muss wissen, wovon der Gesprächspartner redet. Das setzt ein gemeinsames Verständnis in der sachlichen Dimension voraus.

Der Soziologe Ralf Dahrendorf vertrat liberale Positionen, aber er war zugleich ein Kenner der Marxschen Theorie. Wie Marx sah er die kapitalistische Gesellschaft als Klassengesellschaft, für seine soziologische Theoriebildung war die Klassentheorie unverzichtbar. Es gab im Diskurs einen Konsens in der Theorie, aber eine Differenz hinsichtlich politischen Konsequenzen daraus.

Genau dies ist der entscheidende Unterschied zu heute. Die meisten Rechten negieren die Marxsche Theorie, ohne sie zu kennen.

Benedikt Kaiser hat dieses Defizit erkannt und seine Empfehlung an das „rechte Lager“ war, Marx zu studieren.

Dies ist jedoch nicht geschehen.

Das rechte Lager ist mangels realitätsgerechter Theorien weitgehend blind für evolutionstheoretische, soziologische und politikökonomische Zusammenhänge. Wie Religiöse leben sie in eigenen, selbstreferentiellen Bewusstseinswelt.

Imagine

15. Mai 2021 13:25

2/2
Allerdings betrifft dieses Phänomen nicht nur das rechte Milieu, sondern diese Verinselung in selbstreferentiellen Kontexten ist kennzeichnend für die heutige gesamte westlich-kapitalistische Welt. Kein neuer Befund, aber der Zustand wird immer extremer.

Folglich macht es auch keinen Sinn mehr, hier weiter zu kommentieren und zu diskutieren, weil die Diskussion hamsterradartig verläuft, keinen Fortschritt bringt und daher sterbenslangweilig ist. Und dies im Gegensatz zum Zustand dieser Welt, der äußerst spannend ist, weil sich die Welt durch die Dynamik insbesondere in China verändert, während hier ein ständiger und auswegloser Niedergang zu beobachten ist.

Die Gesellschaft ist hier im Zustand eines Totentanzes. Es ist eine sterbende Kultur.

 

Laurenz

15. Mai 2021 16:59

@Imagine

"Wie Marx sah er die kapitalistische Gesellschaft als Klassengesellschaft, für seine soziologische Theoriebildung war die Klassentheorie unverzichtbar."

Wieder haben Sie schlecht recherchiert. Bei unseren verwandten Primaten, den Affen, die in Freiheit so leben, wie wir bis vor gar nicht allzu langer Zeit, herrscht grundsätzlich eine Klassengesellschaft. Am friedlichsten regeln & gleichen die Bonobo-Weibchen die gesellschaftlichen Differenzen aus, nämlich durch Sex, am brutalsten agieren Schimpansen. Schimpansen sind zwar keine direkten Kannibalen, jagen & verzehren aber vor allem kleinere Affenarten.

Alle bisherigen menschlichen Gesellschaftssysteme waren Klassengesellschaften. Die Kunstfigur Jesus & ihre echten irdischen Vertreter bezeichne ich nicht umsonst als Antik-Bolschewisten. Man sprach vor allem die Armen an, die nichts zu verlieren hatten, & nicht nur arme Hebräer, sondern aus der Besatzungsnot heraus auch die Armen der umliegenden Völker. Was den Kapitalismus unterscheidet, ist, daß der Kapitalismus seine Eliten nur bedingt aus der Herkunft begründet, sondern jeder zumindest theoretisch die Chance auf den Aufstieg in die Eliten wahrnehmen kann. Das ist historisch sogar weniger gefährlich, als ein Aufstieg in die marxistische Elite.

Imagine

16. Mai 2021 01:24

@Laurenz   15. Mai 2021 16:59
Bei unseren verwandten Primaten, den Affen, die in Freiheit so leben, wie wir bis vor gar nicht allzu langer Zeit, herrscht grundsätzlich eine Klassengesellschaft. ….
Alle bisherigen menschlichen Gesellschaftssysteme waren Klassengesellschaften.“

Es zeigt sich wieder einmal, dass Sie nicht über die elementaren sozialwissenschaftlichen und ethnologischen Grundbegriffe wie Macht, Herrschaft, Klasse, Schicht, Hierarchie … verfügen.

Kaufen Sie sich ein gutes Buch „Einführung in die Soziologie“ und lernen Sie die Begriffe. Am besten ein älteres Buch bis 1970, als die Soziologie noch das war, was diese vom Namen nach sein sollte, nämlich Theorie der Gesellschaft, welche deren Gesetzmäßigkeiten erfasst, und nicht ein heruntergekommener Bereich, der hauptsächlich affirmative Ideologie produziert.

Tiere kennen keine Klassengesellschaften die mit menschlichen Klassengesellschaften identisch sind. Tiere kennen kein Rechtssystem, sie strukturieren ihre Hierarchien auf Basis von Macht und Gewalt, aber nicht von Rechts- und Eigentumstiteln.

Waren die Stämme der Germanen Klassengesellschaften? Wer bildete die herrschende, wer die ausgebeutete Klasse?

Wie sieht es mit den Indianerstämmen in den USA aus?

Ethnologisch Gebildete sehen Ihre Behauptung, aller menschlichen Gesellschaften seien Klassengesellschaften gewesen, als Unsinn an, basierend auf Unkenntnis und Unbildung.

Laurenz

16. Mai 2021 10:08

@Imagine @L.

Wieso sollte ich auch nur eine Sekunde in eine völlig nutzlose Pseudo-Wissenschaft, wie Theologie oder Soziologie investieren? 

"Tiere kennen kein Rechtssystem, sie strukturieren ihre Hierarchien auf Basis von Macht und Gewalt, aber nicht von Rechts- und Eigentumstiteln."

Sie schreiben einfach Unfug. Beute ist Eigentum. Und diese wichtigste Art von Eigentum wird bei Tieren brutal von oben nach unten verteilt, wenn überhaupt. Als wir noch keine Schrift benutzten, hätte es also kein Eigentum gegeben? Ihre Aussagen sind hanebüchen. Unser ganzer Planet strukturiert bis zur jetzigen Sekunde seine Gesellschaften auf Basis von Macht & Gewalt. Sie schreiben das selbst hier doch fast täglich. Lesen Sie Ihre eigenen Beiträge nicht? Sie, Imagine, bleiben einfach einfach ein Religionskrieger, der wie alle Religionskrieger andere für sich denken läßt.

Imagine

16. Mai 2021 12:15

1/2
Ohne Klassentheorie – so die These - kann man das Funktionieren einer modernen Gesellschaft nicht verstehen.

Die Klassenanalyse erfasst die objektiven Interessen, die sich aus der objektiven Stellung in der Gesellschaft ergeben. Das objektive Interesse muss jedoch nicht mit subjektiven Bedürfnissen und dem Bewusstsein übereinstimmen.

Die psychische Dimension ist eine große Schwachstelle in der Marxschen Theorie. Denn die Massen handeln irrational gegen ihr objektives Interesse.

Deshalb hatte sich der Freudomarxismus entwickelt. Weil die Massen in falschem Bewusstsein gefangen sind und bleiben.

Inzwischen befinden wir uns im Postmarxismus, weil sich die Marxsche Transformationstheorie mit der Arbeiterklasse als „revolutionärem Subjekt“ als obsolet herausgestellt hat. Die Massen wollen keine Revolution, sie wollen den paternalistischen Staat. der für sie denkt, der sie versorgt und ihnen Sicherheit gibt. Sie sind wie Kinder, die nie erwachsen werden und auf eigenen Beinen stehen wollen, sondern möglichst lange im „Hotel Mama“ bleiben wollen.

Zur Klassenanalyse gehört auch die Analyse der Powerstructure, also eine Analyse der empirischen und potentiellen Machtverhältnisse.

 

Imagine

16. Mai 2021 12:16

2/2
Dass hocharbeitsteilige Gesellschaften Sach- und Kompetenzhierarchien benötigen, ist jedem intelligenten Menschen klar.

Die Frage ist, ob eine klassenlose Gesellschaft überhaupt möglich ist oder ob diese Vorstellung eine Utopie und damit ein Irrweg ist?

Kann überhaupt eine moderne Gesellschaft ohne die Klassenherrschaft der „geistigen Arbeit“ gut funktionieren? Braucht es nicht die Herrschaft der Intelligenten, der Gemeinwohlorientierten und Fortschrittlichen?

Imagine

16. Mai 2021 12:30

@Laurenz  16. Mai 2021 10:08
„Beute ist Eigentum. Und diese wichtigste Art von Eigentum wird bei Tieren brutal von oben nach unten verteilt, wenn überhaupt.“

Bei den Tieren gibt es kein Eigentum.

Eigentum ist bei zivilisierten Menschen ein Rechtsverhältnis und kein Gewaltverhältnis.

Der Kriminelle, der geraubt oder gestohlen hat, wird nicht Eigentümer der Sachen.

Ihre Argumentation ist durch und durch sozialdarwinistisch und findet nicht auf dem kulturellen Entwicklungsniveau einer bürgerlichen Gesellschaft statt.

Laurenz

16. Mai 2021 18:28

@Imagine @L.

"Bei den Tieren gibt es kein Eigentum"

Das sehen Löwen anders. Löwen-Weibchen gehen auf die Jagd, aber die Männchen fressen, aufgrund ihrer Körperkraft, zuerst. Neue Löwenmännchen töten die jungen Nachkommen ihrer Vorgänger, obwohl sie das Eigentum der Mütter sind. Oder wollen Sie einer Mutter das Eigentum an ihren minderjährigen Kindern absprechen?

"Eigentum ist bei zivilisierten Menschen ein Rechtsverhältnis und kein Gewaltverhältnis."

Das Rechtsverhältnis basiert rein auf der Staatsgewalt, und nicht auf einem Vertrag. Was Verträge wert sind, erkennen sie an der EU, unserem GG oder der Handhabung der Bolschewisten/Marxisten. Natürlich kann man Ihre Argumentation dazu benutzen, festzustellen, daß Marxisten nicht zivilisiert sind. Da würde ich Ihnen sogar beipflichten. Wie gesagt, Imagine, Sie lesen ihr eigenen Beiträge nicht. Die bestätigen alle meine Position.