21. Mai 2021

100 Jahre „Sturm auf den Annaberg“ – ein Gespräch

Götz Kubitschek / 18 Kommentare

"Um 12 Uhr mittags war der Annaberg in deutscher Hand und über ein Viertel der Oberländer lebte nicht mehr."

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

KUBITSCHEK: Wir haben über den Winter acht Folgen eines aus der Not geborenen Literaturformats live gesendet. Wir begannen mit Ernst Jünger, weil wir aufgrund des zweiten Lockdowns einen Jüngerabend in Dresden absagen mußten. Also verlagerten wir den Abend ins Internet und konnten neben 600 Live-Gästen bis heute knapp 20 000 Zuschauer gewinnen. Zu sehen ist dieser Jünger-Abend, dieser trinkfreudige Durchgang durch sein Leben und sein Werk hier auf unserem youtube-Kanal Schnellroda.

Es folgten Abende zum Werk Ernst v. Salomons, Joachim Fernaus und Armin Mohlers, und dann, nach einer Lesepause, zu Jochen Klepper, Hans Fallada, Gottfried Benn und Horst Lange. Welches Resümee ziehst Du, Erik, welche Reaktionen hast Du eingesammelt?

LEHNERT: Zunächst einmal hat mir dieses Format große Freude gemacht. Wann hat man schon die Möglichkeit, vor Publikum über seine Lieblingsautoren zu plaudern? Der Funke der Begeisterung ist, wenn ich mir die Reaktionen anschaue, offensichtlich übergesprungen. Ich habe von vielen Leuten, die sich niemals einen Akademie-Vortrag anschauen, geschweige denn zu einer IfS-Veranstaltung gehen würden, äußerst positive Rückmeldungen erhalten.

Wenn es Kritik gab, dann bezog sich die eher auf die auf die Schwerpunktsetzung bei dem ein oder anderen Autor, zum Beispiel kamen bei Benn die Gedichte zu kurz. So etwas läßt sich kaum vermeiden, wenn man eine wirkliche Livesendung macht, die von der Spontanität der Mitwirkenden lebt. Daß mancher seine Helden nicht feucht-fröhlich besprochen haben möchte, kam auch vor. Ich finde aber, daß es sich bei Bier und Wein immer noch am besten diskutieren läßt. Aber Du hast vermutlich viel mehr Rückmeldungen bekommen...

KUBITSCHEK: Neben persönlichen die beruflichen. Leser und Zuschauer, die sich auf politische Berichterstattung hin niemals gemeldet hätten, schrieben ausführliche, sachlich ergänzende, aber auch kritische, Details korrigierende, Lektüre empfehlende Briefe. Ich erhielt Bücher, Kopien, sogar Sammlerstücke.

Kritik war selten, sie bezog sich auf unsere Trinkfreude und darauf, wesentliche Autoren bisher nicht berücksichtigt und despektierlich über das Romanwerk Joachim Fernaus geurteilt zu haben. Insgesamt aber: sogar Verblüffung darüber, daß wir doch in der Lage waren, diese wohl unvermutete Seite unserer Arbeit auf unerwartete Weise aufzudecken.

Meta- und parteipolitisch interessierte Leser schrieben, man hoffe, daß wir nun nicht in einer kulturkonservativen Ausrichtung unseren ganz persönlichen Schlupfwinkel gefunden und damit unseren Hut genommen hätten.

Diese Sorge läßt mich nun überleiten zu einem Zwischenstück, das wir soeben veröffentlicht haben: einem nicht live gesendeten Literaturgespräch über Bücher, die den berühmten Sturm der Freikorps auf den heiligen Berg Oberschlesiens, den Annaberg, verarbeitet haben. Diese Rückeroberung gegen die polnische Insurgenz fand heute exakt vor 100 Jahren statt, und wenn ich auf die Uhr schaue, dann hat das Freikorps Oberland soeben vom Nordhang her stürmend den Gipfel zurückerobert. Das Zitat am Eingang unseres Gesprächs stammt aus v. Salomons Die Geächteten und beschreibt diese teuer bezahlte Heldentat.

LEHNERT: Abgesehen vom Jubiläum ist der Sturm auf den Annaberg ein dankbares Thema, weil hier klar wird, daß Literatur und Metapolitik keine Gegensätze bilden. Der literarische Niederschlag, den dieses Ereignis gefunden hat, war ja der Grund, warum wir den Sturm im Rahmen unserer Reihe behandelt haben.

Neben dem O.S.-Kapitel im von Dir bereits erwähnten Die Geächteten ist da vor allem Arnolt Bronnens großartiger Roman O.S. zu nennen, der 1929 erschien und dem Ereignis seinen Stempel aufgedrückt hat. Er hat die unmittelbar nach dem Sturm beginnende Mythisierung des Sturms in eine angemessene Form gegossen. Es gibt zwar noch andere literarische Verarbeitungen, auf die wir ja in der Sendung auch kurz eingehen, die aber kaum der Rede wert sind.

Die metapolitische Botschaft des Sturms, wie die Geschichte der Freikorps überhaupt, hätte sich ohne die literarische Verarbeitung kaum entfalten können. Sie besteht in der Weisheit des alten Fontane: "Es gibt eine höchste Lebensform, und die heißt, in Freiheit zu dienen." Das hat die Freikorps ausgezeichnet. Im Falle Oberschlesiens kommt noch hinzu, daß auch realpolitisch etwas erreicht werden konnte.

KUBITSCHEK: Unsere Literatursendung "100 Jahre Annaberg" kann man sich unten, am Ende unseres Gesprächs, anschauen. Wir gehen im Film auch auf die politische Ausgangslage ein - die Wiedererrichtung des polnischen Staates 1917 durch die deutsche Regierung, seine Undankbarkeit bereits anderthalb Jahre später, als er sich die Provinz Posen unter den Nagel riß, weil das zur Republik gewordene Deutsche Reich gelähmt war, und seine Versuche, mittels dreier oberschlesischer Konflikte auch diese Provinz zu erbeuten.

Daß den Polen letztlich nur ein Drittel zugeschlagen wurde, war eben auch den Freikorps zu verdanken, deren Rückeroberung mit dem Sturm auf den Annaberg begann.

Bevor wir im Herbst mit den nächsten vier Literaturgesprächen fortfahren, könnten wir noch ein oder zwei Zwischenstücke einschieben - wir sprachen neulich kurz darüber. Was kommt Dir da in den Sinn?

LEHNERT: Das schönste Ereignis haben wir leider verpaßt. Am 9. März 1721 mußte die Garnison der kurbrandenburgischen Kolonie Arguin, einer Insel vor der mauretanischen Küste, ihr Fort aufgeben und sich auf das Festland zurückziehen. Ich weiß aber auch nicht, ob dieses Ereignis einen literarischen Niederschlag fand.

Was uns in diesem Jahr aber noch bevorsteht, sind der 80. Jahrestag des Beginns des Deutsch-Sowjetischen Krieges und der 60. Jahrestag des Mauerbaus - beides Dinge, denen man sich widmen könnte, zumal sie ja in einem gewissen Zusammenhang stehen. Aber ich würde dazu heute noch keine Sendung versprechen wollen. Was wir uns aber ganz fest vorgenommen haben, ist die Fortsetzung der Livesendungen zu Dichtern und Denkern, die uns am Herzen liegen.

KUBITSCHEK: Und hier können wir zum Abschluß unseres kurzen Resümees zwei, drei Namen bereits nennen, oder? Wir schwankten lange zwischen Edwin Erich Dwinger und Ernst Wiechert, entschieden uns nun aber für Wiechert, weil der gute Dwinger zwar eine extreme Lebensphase durchlitt und darüber schrieb (seine Gefangenschaft in Rußland und seine Beteiligung am russischen Bürgerkrieg nämlich), aber dann doch zu einem Fließband für Konjunkturbücher verkam. Wiechert ist da ein ganz anderes Kaliber.

Der zweite Name, ich habe ihn durchgedrückt: Hans Bergel, Siebenbürger, den ich persönlich kenne, der sogar noch lebt und dessen gefährdetes Leben in Rumänien unseren Zuhörern neue Räume erschließen sollte. Nennst Du zum Abschluß noch einen dritten oder lassen wir die Hälfte in der Wundertüte?

LEHNERT: Man soll aus seinem Herzen keine Mördergrube machen. Daher  kann ich verraten, daß wir uns auf zwei weitere, denkbar unterschiedliche Autoren geeinigt haben. Mit Ernst Nolte werden wir jemanden behandeln, der als Historiker viel dazu beigetraten hat, die ideologischen Grundlagen des 20. Jahrhundert offenzulegen und darüber die chronologische Reihefolge ihres Auftretens nicht zu vergessen. Wir werden sehen, wie uns das gelingt, ein doch eher trockenes Werk zu besprechen.

Neuland betreten wir auch bei Erhart Kästner, dessen Werk, vor allem Essays, Tagebücher und Reiseberichte, recht esoterischen Charakter hat und deshalb auch wenig bekannt sein dürfte. Aber wir wollen ja auch Schneisen in das Feld der Erwartungen schlagen. Was Dwinger betrifft, bin ich dafür, ihm zu einem späteren Zeitpunkt nochmal eine Chance zu geben. Es wird noch genügend Gelegenheiten geben.

Nun aber hier unser Annaberg-Gespräch:


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (18)

Der_Juergen

21. Mai 2021 17:12

Nur kurz ein Dank an die Sezession und namentlich Götz Kubitschek dafür, dass sie mir die Gelegenheit geboten haben, die beiden grossartigen Romane von Hans Bergel kennenzulernen. Sie waren neben Lichtmesz' "Gott" für mich die stärksten unter den sehr vielen guten Büchern, auf die ich, läse ich die Sezession nicht, kaum je gestossen wäre. Dass ich ein Freund Rumäniens bin, das ich, allerdings vor langer Zeit, mehrmals besucht habe und dessen Geschichte und Sprache ich ziemlich gut kenne, hat die Romane Bergels für mich natürlich doppelt faszinierend gemacht. 

Heinrich Loewe

21. Mai 2021 19:04

Danke für die Reihe; wirklich ein gelungenes Format. Es ist ungeheuer, was der Lehnert alles weiß im Detail...

Ich freue mich besonders auf E. Wiechert. Als ich Anfang der 90er durch den Schauplatz der Jeromin-Kinder durchgepaddelt bin wußte ich noch nichts von diesem großartigen Schriftsteller. Zu Bergel würde mich sehr interessieren, ob und wann man mit dem dritten und abschließenden Teil seiner "Trilogie", zu den Jahren nach '45, rechnen kann.

Laurenz

21. Mai 2021 21:00

Interessant ist die Vielschichtigkeit der Interessenlagen bei der Zuhörer- & Leserschaft der SiN, alternativ des IfS. 

Bezüglich der Schlacht am Anaberg, auch wenn es literarischer gehalten ist, gehöre ich endlich auch mal zur Zielgruppe. Habe einiges erfahren dürfen, was ich noch nicht wußte, was ein historisches Thema immer spannend macht. Man kann dadurch die eigene Position korrigieren.

Die ganze Misere, die im Video in der Schlacht am Anaberg mündet, war von unseren ewigen Gegnern schon nach der II. Reichsgründung geplant. Das Berliner Abkommen von 1878 war direkt darauf ausgelegt, Österreich-Ungarn zu schwächen & um dann 1914 das Abkommen zu brechen. Die Schwächung der Doppelmonarchie wurde schon dadurch deutlich, daß sie den Schweinekrieg gegen Serbien von 1907-11 verlor. Um das alles ertragen zu können, muß man sehr gezielt innere Distanz einnehmen.

Roman

21. Mai 2021 21:51

Das Gespräch zum Sturm auf den Annaberg vor 100 Jahren war sehr informativ!

"S.O.S. am Annaberg, 1921 - 2021". (U. a. mit Aufnahmen einer Annaberg-Gedenkfeier in Schliersee/Obb. (1994) sowie Teilen eines Interviews mit dem letzten noch lebenden deutschen Annaberg-Kämpfer Fridolin v. Spaun (1901-2004).

https://wir-selbst.com/2021/05/21/vor-100-jahren-deutsche-freiwillige-ersturmen-den-annaberg/

Valjean72

21. Mai 2021 22:05

Ich bin heute Mittag auf die YouTube-Sendung gestoßen und habe sie mit heißem Interesse verfolgt. Sämtliche Buchempfehlungen waren mir unbekannt - nicht die Autoren. Demnach doppelten Dank, dass Sie diesem geschichtsträchtigem Jubiläum Zeit widmeten und dass Sie mir diese Werke, insbesondere zwei, näher gebracht haben.

Für mich verdeutlicht dieses Kapitel aber eben auch, dass wir deutsche Patrioten uns nicht so ohne weiteres mit polnischen Patrioten, bzw. national gesinnten Polen verbrüdern können. Dafür ist noch zu viel an Historischem unzureichend aufgearbeitet oder komplett zu unseren Ungunsten verzerrt dargestellt.

Der_Juergen

21. Mai 2021 22:41

@Valjean

Sie haben leider Recht. Natürlich gibt es zwischen deutschen und polnischen Patrioten viele Gemeinsamkeiten, aber die gigantischen Geschichtsfälschungen, die von der polnischen Rechten ebenso enthusiastisch mitgetragen werden wie von der polnischen Linken, sind eine schwere Hypothek. Hoffen wir, dass sie eines nicht allzu fernen Tages überwunden werden kann.

Laurenz

21. Mai 2021 22:46

@Valjean72

"Dafür ist noch zu viel an Historischem unzureichend aufgearbeitet oder komplett zu unseren Ungunsten verzerrt dargestellt."

Sie drücken es exakt aus. Das Gegenargument einer Aufarbeitung ist aber immer das als Schimpfwort gebrauchte Wort "Geschichtsrevisionismus", welches jegliche auch wissenschaftliche Arbeit + Debatte verhindert. Jeder ost-europäische Staat, auch Polen, bastelt sich individuell seine eigene Geschichte zurecht. Es ist extrem schwierig mit Ost-Europäern über ihre jeweilige Geschichte zu debattieren. Heutige deutsche Historiker würden mir zwar sicherlich widersprechen, aber faktisch können, oder besser dürfen sie gar nichts anderes schreiben, wenn sie nicht ihren Job los sein wollen. Guido Knopp ist also die Grenze des Sagbaren. Damit sich dies ändert, müssen erst die Staaten in Bedeutungslosigkeit sinken, deren Geschichtsschreibung wir veröffentlichen. Den Chinesen ist es zB völlig egal, wer in Europa den II. Weltkrieg gewann.

Phil

22. Mai 2021 08:57

Bin Fan und freu mich aufs Comeback einer immer auch humorvollen Sendung.

Franz Bettinger

22. Mai 2021 11:00

Alles gut und schön. Aber ich vermisse die Weiblichkeit. Vermisse das Literarische Terzett Kositza, Dagen, Sommerfeld oder auch mit anderen Gesprächsteilnehmer.

RMH

22. Mai 2021 11:07

Freue mich schon auf die Beiträge über Nolte und Kästner, 2 Autoren mit denen auch einmal in die zweite Hälfte des 20 Jhdts. eingetreten wird (gut, war bei Jünger auch der Fall - der Schwerpunkt war auch hier in der ersten Hälfte).

Vultus Animi

22. Mai 2021 12:13

Tolles Format, tolles Thema. Gerne mehr historische Daten/Jubiläen zum Anlass nehmen, das literarische Umfeld abzubilden. Kleine Ergänzung zu Bronnen. Jedenfalls über den Monopolisten bekommt man O.S. (Ritter/Klagenfurt) u Roßbach (Arnshaugk). vielleicht mag Antaios die auch vertreiben?

KlausD.

22. Mai 2021 14:15

Im Verhältnis der Deutschen zu den Polen gab es schon einmal bessere Zeiten. Die Erhebung der Polen gegen die russische Unterdrückung im Novemberaufstand 1830/31 wurde von einer Welle der Sympathie in Deutschland begleitet. Es entstanden Polenklubs und Polenlieder, die den Freiheitskampf der Polen verherrlichten. 1834 wurde das Denkmal für den polnischen Helden Fürst Jozef Poniatowski in Leipzig erneuert und umgesetzt. https://www.leipzig-lese.de/index.php?article_id=435 Errichtet wurde es von polnischen Soldaten noch im Jahr seines Todes 1813, wo er verwundet in den angeschwollenen Fluten der Elster ertrank.

1841 erschien ein Gedicht Theodor Fontanes „An der Elster“, in dem er die Hoffnung der Polen auf nationale Freiheit würdigt. Darin beklagt er den Tod Poniatowskis, der an den Gräbern der gefallenen Helden seines Volkes Totenwache hält und von einem wiedererstehenden großen und freien Polen träumt. Hier die erste und letzte Strophe:

An der Elster schaut verstohlen

Um sich her ein schlichter Stein;

In ihn schnitten tapfre Polen

Weinend ihre Namen ein.

Traurig steigt er abwärts wieder

In der Elster wilde Flut;

Mit mir weint der Himmel nieder,

Wo der Polen Hoffnung ruht.

Die Begeisterung für den Freiheits- und Unabhängigkeitskampf der Polen hatte unmittelbaren Bezug zu den deutschen politischen Verhältnissen, sie war der Spiegel der Stimmung im eigenen Land.

Nordlicht

22. Mai 2021 15:19

Zum Pfingswochenende und zu den Kommentaren hier ein humoristischer Versuch:

„Ich wäre gern Reaktionär – aber mir fehlt die intellektuelle Grundlage.“ (Harald Schmidt)

 

Pferdefuss

22. Mai 2021 18:14

Obwohl ich naturgemäß rein militärischen Ereignissen kaum was abzugewinnen vermag, fand ich es ersprießlich, statt einer historischen Person ein Geschichtsereignis in den Mittelpunkt zu rücken und rundherum (Sekundär-)Literatur von damals bis heute zu gruppieren, sehr ansprechend.

Große deutsche Jahreszahl: 1871: Kommt da 2021 zum 250. Jahrestag was? Evtl. eine Reihe? 

Niekisch

22. Mai 2021 18:38

Eine etwas nüchternere Betrachtung der Ereignisse: "Die Kämpfe des Selbstschutzes, der seit Mitte Mai in die beiden durch die Bahn Namslau-Kreuzburg-Zembowitz zerlegten Abschnitte "Nord" und "Süd" eingeteilt war, haben sich an keiner Stelle frei entwickeln können. Im für die Polen kritischen Augenblick verstand es die interalliierte Kommission stets zu verhüten, daß die Erfolge deutschen Angriffsgeistes sich praktisch in einer den französischen Bestrebungen entgegengesetzten Weise hätten auswirken können. Trotzdem bleiben alle diese Kämpfe, besonders die Mai-Kämpfe im Abschnitt Nord, wo nach fünftägigem Ringen eine Anzahl Dörfer den Insurgenten entrissen wurden, im Abschnitt Süd der Sturm des Generals von Hülsen auf den Annaberg mit dem anschließenden schweren Ringen in die deutsche Geschichte eingetragen als Heldenkämpfe, deren hoher Sinn nicht zuletzt aus der Einengung erwächst, in der sie durchgeführt werden mußten. Die Entscheidung über den Ausgang der oberschlesischen Frage lag aber schon lange nicht mehr im Lande selber, sondern auf den politischen Konferenzen, in denen das unglückliche Land nicht zuletzt durch die Schuld der deutschen Regierung zu einem Handelsobjekte geworden war." ( Soldan, George, Archivrat i.R., Zeitgeschichte in Wort und Bild, National-Archiv, 1932, S. 133, 134 )

Andreas Walter

22. Mai 2021 20:55

Annaberg sagte mir bisher gar nichts. Doch als ich Schlesien und vor exakt 100 Jahren las ahnte ich bereits, womit es zu tun haben könnte. Ostoberschlesien. Blut, Erz, Kohle. Der gleiche Konflikt wie derzeit im Donbass. Sogar fast wieder mit den gleichen Protagonisten. Vor Putin ziehe ich daher den Hut und wünsche ihm, neben einem langen Leben und immer währender Gesundheit, dass er auch dort mit aller Härte und Konsequenz weiter gegen jeden vorgeht, der auch seinen Leuten Schaden zuzufügen versucht. Der weiß wenigstens, wovon er redet und kennt seine Feinde ganz genau:

https://www.nordkurier.de/aus-aller-welt/putin-droht-gegnern-russlands-werden-ihnen-die-zaehne-ausschlagen-2043600205.html

Weshalb er die Deutschen nicht nachhaltiger unterstützen kann verstehe ich mittlerweile aber auch. Deutschland ist politisch leider ein viel zu instabiles Land, um es auch mit Atombomben zu versorgen. Es gibt hier einfach nicht mehr genug gute Könige von Format, die mit so einer Macht gewissenhaft und auch ebenso konsequent umgehen könnten. Was wir sowohl der Sowjetunion wie auch den VSA nach 1945 zu verdanken haben, denn die DDR hat ja seltsamerweise auch keine bekommen. Im Gegensatz zu den Chinesen. Was ich schon recht erstaunlich finde. War doch auch schon damals China ein ganz anderes Kaliber als die kleine Deutsche Demokratische Republik, mit ihren gerade mal 17 Millionen Einwohnern.

Solution

23. Mai 2021 18:12

Ehrenmal und Thingstätte am Annaberg wurden seinerzeit vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gebaut. 

Es gibt zum Thema "Freikorps" immer wieder Buchneuveröffentlichungen. So z.B. das Buch "Oberländer" mit zahlreichen Biographien und Materialien auf mehr als 800 Seiten von Peter Schuster. 

 

Laurenz

25. Mai 2021 09:18

Dieser Artikel gewinnt an Eminenz durch den neuen schlechteren - von MS. In der Anaberg-Erinnerung wird viel besser deutlich, was den gesunden Überlebenswillen eines Volkes ausmacht.

Dadurch werden auch alle Schwachsinns-Debatten über den Sozial-Darwinismus oder den Nicht-Sozial-Darwinismus zu recht eliminiert. Theoretisches Gequatsche ist nur für diejenigen gut, die nichts empfinden & aus Neid denjenigen, die gesund empfinden, die Empfindungen austreiben zu wollen.

Es lebe hoch das Deutsche Volk & seine ewig zu erkämpfende Freiheit!