2. Juni 2021

Israel und Demographie (1)

Martin Lichtmesz / 8 Kommentare

Neues hat die aktuelle Eskalation zwischen Israel und der Hamas bis jetzt nicht gebracht. Wir kennen den Ablauf:

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Die Hamas feuert Raketen aus dem Gaza-Streifen nach Israel, worauf Israel überproportionale Vergeltung übt, bis wieder für einige Zeit halbwegs Ruhe im Karton herrscht und das Spiel von vorne beginnen kann.

Seit Israel 2005 seine Truppen an die Ränder des Gaza-Streifens verlegt hat, ist die Situation praktisch in einem permanenten latenten Kriegszustand festgefroren, der alle paar Jahre zu größeren Eruptionen führt.  Es handelt sich hier um einen äußerst asymmetrischen Krieg: Im Vergleich mit den Israeli Defense Forces ist die Hamas eine Straßengang aus Detroit, die es mit der amerikanischen Armee aufnehmen möchte.

Diese ungleichen Verhältnisse schlagen sich auch in der der krassen Diskrepanz der Opferzahlen beider Seiten nieder. Der aktuelle Stand (1. 6. 2021) ist 16 : 285 Todesopfer zugunsten Israels, Kombattanten und Zivilisten zusammengerechnet. Bisher sind also etwa achtzehnmal so viele Araber getötet worden wie Israelis. Laut Angaben der UNO sind 72,000 Palästinenser in Gaza im Zuge der israelischen Bombardements obdachlos geworden.

Das kann sich theoretisch noch verschlimmern: Bei der berüchtigten "Operation Gegossenes Blei" im Jahr 2008/9 war das Verhältnis 13 (Israel): 1,417 (Gaza), also mehr als 1:100. Die Mehrzahl der Toten waren Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder. Die Infrastruktur Gazas wurde damals über weite Strecken in Trümmer gelegt. Generell kann die Okkupation Gazas kaum für beendet erklärt werden, da Israel seine Grenzen militärisch kontrolliert, und dem Landstrich jederzeit die Versorgung mit Wasser, Strom, Lebensmitteln oder Medikamenten abdrehen kann.

Die Raketen der Hamas auf Israel können nur vergleichsweise geringen Schaden anrichten. Ihr Ziel ist vor allem, Israel in Zugzwang zu bringen, damit es sich durch exzessive Gegenschläge vor der Weltöffentlichkeit moralisch diskreditiert. Gleichzeitig zielt die Hamas auf eine Polarisierung der Araber im gesamten israelischen Einflußraum ab, sowohl in den besetzten Gebieten als auch innerhalb des Staates Israels selbst, was diesmal ziemlich gut gelungen zu sein scheint.

So gesehen kann man sagen, daß die Palästinenser zumindest eine erkennbare militärische Strategie verfolgen, und sie sind bereit, dafür zu sterben oder den Tod von Zivilisten auf der eigenen Seite in Kauf zu nehmen. Israel jedoch scheint, wie Gilad Atzmon anmerkte, keine solche Strategie zu haben. Das Militär beharrt auf einer jahrzehntealten Doktrin der Demoralisierung durch Abschreckung. Die palästinensische Radikalisierung und Militanz intensiviert sich jedoch mit jedem erneuten Bombardement von Gaza, wo ganze Generationen mit einem Alltag aus Gewalt, Tod, Krieg und Zerstörung aufgewachsen sind.

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum die palästinensischen Opferzahlen so hoch sind, und warum der jetzige Status quo keinen Bestand haben kann: Gaza ist einer der am dichtesten besiedelten Orte der Welt.

Ich entnehme diese Zahlen Wikipedia (hier, hier und hier, wobei man abweichende und veraltete Angaben in Rechnung stellen muß): In Gaza leben zur Zeit rund 2,048 Millionen Menschen. Das Durchschnittsalter ist 18 Jahre, die Bevölkerungsdichte beträgt sagenhafte 5046 Einwohner pro km² (!). Im Westjordanland (Westbank) inklusive Ost-Jerusalem leben rund 2,75 Millionen Araber und rund 592,200 Juden, die dort unter dem Schutz des Militärs eine völkerrechtswidrige Siedlungspolitik vorantreiben. Das wären rund 3,34 Millionen Menschen auf einer Landfläche von 5,640 km2, was eine Bevölkerungsdichte von 592 Einwohnern pro km² ergäbe.

Israel selbst hat eine Gesamtbevölkerung von rund 8,775 Millionen, das Durchschnittsalter beträgt 30 Jahre, die Bevölkerungsdichte 400 Einwohner pro km². Der Anteil der arabischen Staatsbürger beträgt etwa 21% (1,89 Millionen), ihre Geburtenrate ist etwa doppelt so hoch wie die der Juden, und dem Vernehmen nach erwarten etliche sehnsüchtig den Tag, an dem sie in der Mehrheit sind und das Land übernehmen können. Laut diesem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch vom 27. April 2021 leben im Gesamtraum Israel + besetzte Gebiete zwischen Mittelmeer und Jordan nun exakt 6,8 Millionen Juden und 6,8 Millionen Araber.

Die arabische Bevölkerung Israels und der besetzten Gebiete wird also immer zahlreicher, immer jünger und hat immer weniger (nennen wir's beim verschwefelten, aber griffigen Namen) Lebensraum zu Verfügung, über den sie außerdem keine souveräne Verfügungsgewalt hat. Wer Gunnar Heinsohns Söhne und Weltmacht gelesen hat, weiß, daß dies eine explosive und gewaltträchtige Mischung ist.

Zu diesen demographischen Spannungen kommen weitere Verschärfungen hinzu: Erstens die religiöse Aufladung des Konflikts über den Zankapfel Jerusalem mit seinen für beide Religionen (und das Christentum) hochheiligen Stätten. Und zweitens die Tatsache, daß die Mehrheit der 4,5 Millionen Araber in Gaza (von Israel militärisch kontrolliert) und im Westjordanland (von Israel militärisch besetzt) von den rund 750,000 arabischen Flüchtlingen des jüdisch-arabischen Krieges von 1947-49 abstammt (eine zweite Welle folgte 1967).

Hinzu kommen geschätzte 2,8 Millionen palästinensische Flüchtlinge bzw. deren Nachkommen, die in Jordanien, im Libanon, in Saudi-Arabien oder im Irak leben, oder die im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 nach Europa gelangt sind. Diese beanspruchen seit 1948 ein Rückkehrrecht in das ehemalige Mandatsgebiet Palästina, das von Israel aus nachvollziehbaren Gründen kategorisch verweigert wird.

Nach meiner Rechnung (auf der Grundlage der verlinkten Wikipedia-Artikel) ergäbe das rund 9,6 Millionen Araber (in Israel, in den besetzten Gebieten und in diversen arabischen Nachbarstaaten) die sich als Palästinenser identifizieren, und die Ansprüche auf das Gebiet stellen, in dem nun der israelische Staat liegt. Das Problem Israels ist also vorrangig demographischer Natur. Es ist zwar militärisch überlegen, aber von einem wachsenden Meer feindseliger Araber umgeben. Das hat tatsächlich gewisse Parallelen zu Südafrika vor 1990 (was ich nun nicht "moralisch" meine).

Tatsache ist, daß der israelische Staat in seiner jetzigen Form demographisch auf verlorenem Posten steht. Bei einem Verhältnis von 50:50 zwischen Juden und Arabern bleibt wenig Spielraum für "demographic engineering" (eine der Grundlagen der israelischen Politik), und auch eine massenhafte "Aliya" aus Europa (etwa aus Frankreich), könnte das nicht mehr ändern. Ebenso können die israelischen Streitkräfte Gaza so viel und so oft bombardieren, wie sie wollen. Die zwei Millionen, die dort leben, gehen nicht mehr weg, werden nicht mehr weniger, werden nicht mehr israelfreundlicher.

2011 erschien ein Buch in deutscher Übersetzung, dem der Verlag den sarrazinesken Titel Israel schafft sich ab gab (orig. The Unmaking of Israel). Der Autor Gershom Gorenberg, ein orthodoxer israelischer Jude amerikanischer Herkunft, hielt den israelisch-palästinensischen Status quo, der zehn Jahre später immer noch andauert, für untragbar und skizzierte drei Zukunftsmöglichkeiten für sein Land:

  • Israel räumt die besetzen Gebiete, zieht die Siedler ab und gründet eine "zweite israelische Republik innerhalb engerer Grenzen" (seine favorisierte Lösung).
  • Israel wird ein internationaler "Pariastaat" à la Südafrika, "wo eine ethnische Gruppe über eine andere herrscht".
  • Israel bricht als Staat zusammen, und wird "durch zwei sich bekriegende Volksgruppen" im Territorium zwischen Jordan und Mittelmeer ersetzt.

Gorenbergs Buch ist ein Plädoyer, die erste Möglichkeit umzusetzen. Um aus der gegenwärtigen Sackgasse herauszukommen, müsse Israel drei Dinge tun:

  • "den Siedlungsbau einstellen, die Besatzung beenden", wenn nötig, auch mittels Militäreinsatz gegen militante orthodox-zionistische Siedler, und "das Land zwischen dem Fluß und dem Meer" gerechter aufteilen,
  • Staat und Synagoge stärker voneinander trennen, "den Staat vom Klerikalismus und die Religion vom Staat befreien",
  • und drittens "von einer ethnischen Bewegung zu einem Staat heranreifen, in dem alle Bürger Gleichheit genießen".

Der dritte Punkt ist aus identitärer Sicht sicher am Interessantesten: Nach Gorenberg müsse ein jüdischer Staat nicht "rein", sondern nur mehrheitlich jüdisch sein (wie de facto der Fall), weshalb eine "demokratische" Liberalisierung des zionistischen Impulses möglich sei, ohne den Nationalcharakter Israels aufzulösen. Voraussetzung ist, daß es gelingt, die Leitkultur der jüdischen Bevölkerungsmehrheit mit den Rechten der nicht-jüdischen Minderheiten auszubalancieren. Das wäre ein Modell für einen jeglichen modernen Nationalstaat nach identitären Prinzipien (Ungarn ist verfassungsmäßig danach aufgebaut).

Nicht gangbar hält Gorenberg indes eine Ein-Staaten-Lösung, etwa wenn sich Israel, Westbank/Westjordanland (das sich Israel gern einverleiben würde) und Gaza (das Israel lästig geworden ist) zu einer "Ostmittelmeerrepublik" zusammenschließen würden. Dies würde vor allem wegen des Siedlungsproblems, der Flüchtlingsfrage und des ökonomischen Gefälles eine ethnisch gespaltene Nation schaffen, die in Gefahr läuft, ähnlich wie der Libanon in einen Bürgerkrieg zu schlittern:

Es wäre ein Albtraum: ein weiterer Ort auf dem Globus, wo zwei oder mehr Volksgruppen gegeneinander kämpfen, während die Leute mit der besten Bildung und den besten Beziehungen anderswo Zuflucht suchen.

Man kann es noch schärfer formulieren: Eine Ein-Staaten-Lösung käme für den jüdischen Staat einem Selbstmord gleich. Sein jüdischer Nationalcharakter wäre trotz allen guten Willens zur "Leitkultur", wie ihn Gorenberg fordert, rein demographisch nicht mehr aufrechtzuerhalten, und es wäre realistischerweise nicht zu erwarten, daß sich die Konfliktparteien nach Jahrzehnten des Blutvergießens mit einem Schlag in den Armen liegen und auf einen gemeinsamen binationalen Staat einigen.

Hinzu kommen drei weitere Probleme, die Gorenberg ausblendet: Ein palästinensischer Staat bestehend aus Ost-Jerusalem und Westbank einerseits und Gaza andererseits wäre erstens durch einen großen israelischen Korridor getrennt, was kaum ein optimaler oder auf die Dauer tragbarer Zustand wäre. Allenfalls müßten zwei verschiedene Palästinenserstaaten geschaffen werden, was keine sehr befriedigende Lösung für alle Seiten wäre.

Zweitens platzen diese Gebiete wie beschrieben aus allen Nähten, was die Bevölkerungsdichte betrifft, während ihre arabischen Bewohner eine Menge an Ressentiment und Rachsucht angesammelt haben und  die tief eingefleischte Überzeugung hegen, daß sie um ihre angestammte Heimat betrogen worden sind. Hier ist also eine Quelle enormer Unruhe und Unzufriedenheit gegeben.

Daraus ergibt sich drittens, daß sich die Palästinenser mit einer staatlichen Souveränität in den besetzten Gebieten wahrscheinlich kaum zufriedengeben werden. Vielmehr werden sie (oder zumindest radikale Gruppierungen unter ihnen) versuchen, diese als Ausgangspunkt für eine Reconquista ganz "Palästinas" zu benutzen. Dazu fehlen ihnen momentan noch die militärischen Mittel, die ihnen aber vielleicht zuwachsen werden, wenn andere Staaten (wie Libanon, Syrien, Iran) den Rückzug Israels als Schwäche interpretieren und ihren Druck intensivieren. Allerdings verfügt Israel über Nuklearwaffen und den Beistand der Weltmacht USA, was immer noch ein erhebliches Abschreckungspotenzial bietet.

Gorenbergs Modell ist freilich nicht besonders originell, sondern entspricht dem Mainstream und Konsens der liberalen Israelkritiker: Ende der Okkupation, Abzug der Siedler, Rückzug zu den Grenzen von 1967. Das bedeutet, daß "1948", die Legitimität und das "Existenzrecht Israels" nicht in Frage gestellt werden; man hätte die Vertreibung der Araber international ebenso akzeptiert wie etwa die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten und die entsprechenden Grenzziehungen.

Dieser Konsens wurde dieses Jahr jedoch durch die Berichte zweier Menschenrechtsorganisationen erschüttert. Das Interessante ist, daß es sich hier um einen fast rein innerjüdischen Vorgang handelt.

-- -- --

Mehr dazu im 2. Teil dieses Beitrags, und dann wird auch eine Diskussion möglich sein. Bis dahin bleibt der Kommentarbereich geschlossen.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (8)

Der_Juergen

2. Juni 2021 08:24

Wie immer sorgfältige Analyse. Warten wir den zweiten Teil ab, ehe wir lange kommentieren.

Maiordomus

2. Juni 2021 09:50

Der Buchtitel von Gershom Gorenberg erinnert gestalterisch an das im Ansatz israelkritische Buch von William S. Schlamm "Wer ist Jude?" aus dem vor 50 und mehr Jahren konservativen Stuttgarter Seewald-Verlag. Würde mich sonst nicht wundern, wenn die differenzierte Beschreibung der Situation durch den publizistisch zuverlässigen Lichtmesz von der Gegenseite als "antisemitisch" ausgelegt würde. Nicht zu übersehen ist, dass unter dem Einfluss der Prinzipien der Springer-Presse das vergleichsweise rechtsliberale und rechtskonservative deutsche Rest-Bürgertum traditionell prozionistisch bzw. pro-israelisch orientiert bleibt, so wie dies in der Schweiz spätestens nach dem noch umstrittenen Abschluss des Handelsvertrages mit Frankreich (1866) der Fall war. Galt auch für den amerikanischen Buckley-Konservatismus. Selber war ich jung geprägter Sympathisant des kulturkonservativen Judentums um Autoren wie Rudolf Borchardt, Stefan Zweig und den jüdischen Flügel um Stefan George wie Karl Wolfskehl, zuletzt Edwin Maria Landau, den katholisch konvertierten Claudel-Übersetzer. Eigentlich gehörte auch Karl Kraus in das genannte Lager, unter den Literaturkritikern der Thomas-Bernhard-Antipode Herbert Eisenreich. Bei Elias Canetti ist mir eine wohltuende Distanz zum Zionismus aufgefallen. Broder, in dieser Frage Parteijounalist, hat leider nie ein Buch im Format des oben genannten von Schlamm verfasst.  

EvansPritchard

2. Juni 2021 12:10

Der Artikel referiert einen veralteten Stand. Das war tatsächlich der Rahmen für die Rückzugspolitik von Scharon. Der Grund, warum in Israel das Interesse einer Verhandlungslösung geschwunden ist, liegt daran, dass sich in den letzten zehn Jahren ein radikaler demographischer Wandel vollzogen hat.

In den letzten zehn Jahren ist die Geburtenrate der Araber in Israel und dem Westjordanland deutlich gesunken. Auch weil Netanjahu die Sozialleistungen für Familien gekürzt hat. Auf der anderen Seite ist die Geburtenrate unter Juden geradezu explodiert und zwar nicht nur unter religiösen und nationalreligiösen, sondern auch unter säkularen Juden. Die Siedler liegen mit fünf Kindern pro Frau sogar international an der Spitze und weit über den drei Kindern pro Frau der Palästinenser. 

Das ist im Übrigen auch augenfällig, wenn man Israel besucht. Schon im Flugzeug turnen die Kinder über die Sitze und wo auch immer man sich mit Juden trifft, sieht man Kinder, Kinder, Kinder. Der soziale Druck unter Juden Kinder zu bekommen ist immens. Wer in Israel kinderlos ist, ist praktisch ein sozialer Außenseiter. Ohne Kinder nimmt man nicht am sozialen Leben teil.

Ich würde mir also um Israel keine Sorgen machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in hundert Jahren noch einen jüdischen Staat Israel gibt, ist derzeit auf jeden Fall viel größer als dass es in hundert Jahren noch einen deutschen Staat Bundesrepublik gibt. 

 

Heinrich Loewe

2. Juni 2021 14:21

JUST IN: https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/feuer-an-bord-groesstes-versorgungsschiff-der-mullah-marine-gesunken-76596388.bild.html

Da sage ich nur: Shalom! :-)

Rheinlaender

2. Juni 2021 15:53

Das Interessante an diesem Konflikt ist, dass die Folgen politischer Sentimentalität dort sofort sichtbare Folgen haben, weshalb man sie bei den Akteuren auf israelischer Seite eher selten antrifft. Von diesen kann man knallharten Realismus lernen, der zwar nicht schön aussieht, aber den eigenen Staat auch unter ungünstigen Bedingungen am Leben erhält. Ein F.W. de Klerk hat umgekehrt zwar den Friedensnobelpreis bekommen, aber dafür gibt wegen seiner Entscheidungen heute den Staat nicht mehr, für dessen Bestand er die Verantwortung trug.

Glast

2. Juni 2021 18:18

@EvansPritchard

Ja, das sehe ich genauso wie Sie. 

Und selbst wenn es nicht so wäre, Israel wird sich da nicht einnässen. Götz Kubitschek sprach vor mehr als 10 Jahren mal davon, dass ein Staat prinzipiell fast alles durchsetzen kann bzw. dass fast alles möglich ist. So ist das m.M.n. auch hier - da lege ich mich fest. Wenn es zuviele Araber werden auf israelischem Staatsgebiet und die ethnische Balance kippen sollte, wird Israel Mittel und Wege finden ebendiese auszuweisen. Wie auch immer und wohin auch immer. Vielleicht kommt es dann auch zu einer Zweistaatenlösung. 

Die Hunderttausenden aus arabischen Ländern vertriebenen Juden haben schließlich auch kein vererbtes 'Rückkehrrecht'. 

Langer Rede kurzer Sinn: ein jüdisches Israel wäre das letzte, worum ich mir Sorgen machen würde. 

Andreas Walter

2. Juni 2021 18:37

5.000 Einwohner pro km2 ist nichts besonderes, die hat München fast auch, und in Macao sind es sogar fast 21.000.

ML: 5.000 Einwohner pro km2 sind für einen Landstrich (keine Großstadt) eine signfikant hohe Zahl, das ist mehr als das Zehnfache der Einwohnerdichte von Israel.

Ginge es jedoch nach der Irgun gehört sogar ganz Jordanien und das Westjordanland sowieso zu Israel, während für orthodoxe Anhänger der Tora (das sind die Bücher Mose in der Bibel) neben auch dem Westjordanland auch noch ein großer Teil Syriens zum, in den Fall sogar durch "יהוה", versprochenen Land gehört.

Möglicherweise besitzen manche Juden aber auch noch rechtliche Ansprüche im Iran, die sie vielleicht auch dort gerne gegen etwas Land tauschen wollen. Ich selbst habe darum gestern nicht schlecht gestaunt, als ich folgendes gelesen habe:

“In 1872, Nasir al-Din Shah, the Shah of Iran, signed an agreement with Reuter, a concession selling him all railroads, canals, most of the mines, all the government's forests, and all future industries of Iran. George Curzon called it "The most complete and extraordinary surrender of the entire industrial resources of a kingdom into foreign hands that has ever been dreamed of".[7]“ Englische Wikipedia betreffend Paul Reuter

Die zitierte Quelle:

[7] Persia and the Persian question, Vol. I, London, Frank Cass and Co., 1966, p. 480.

Uwe Lay

2. Juni 2021 18:52

EvansPritchard

Danke für diese informative Ergänzung. Netanjahu, der viel Geschmähte ist eben ein wirklich patriotisch gesonnener Staatsmann, der ein Volk zu regieren weiß, das von Feinden umgeben ist. Während in Europa der Geburtenrückgang als unüberwindliches Schicksal angesehen wird, zeigt die israelische Familienpolitik, daß dies Problem in den Griff zu bekommen ist.

Uwe Lay

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.