Jürgen Kloosterhuis: Friedrich Wilhelms I. Tabakskollegium

von Wulf D. Wagner -- Wer bisher nicht wußte, was eine »knopfologisch-biographische« Bildanalyse ist, der findet sie nun in der kleinen und feinen Studie...

 Gastbeitrag

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von Jür­gen Kloo­s­ter­huis zu jenem naiv anmu­ten­den Ölge­mäl­de »Das Tabaks­kol­le­gi­um«. Um einen Tisch sit­zen elf Män­ner und ein Kna­be mit wei­ßen Perü­cken und eigen­ar­ti­gen Uni­for­men; zwei Kin­der betre­ten von links den Raum; an der rech­ten Wand sit­zen zwei wei­te­re Her­ren. Auf dem Tisch Bier­fla­schen und Bier­glä­ser, in den Hän­den lang­stie­li­ge Tabaks­pfei­fen, und am Ende des Tisches hockt da noch auf­recht ein Hase.

Kloo­s­ter­huis, lang­jäh­ri­ger Direk­tor des Gehei­men Staats­ar­chivs Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz in Ber­lin und heu­te einer der bes­ten Ken­ner der preu­ßi­schen Mili­tär­ge­schich­te des 18. Jahr­hun­derts, legt immer wie­der grund­le­gen­de Stu­di­en wie etwa zu den »Lan­gen Kerls« vor, die aus der Fül­le der Archiv­be­stän­de und aus sei­ner spür­ba­ren Freu­de am Suchen wie Auf­fin­den noch win­zigs­ter Details ent­ste­hen. So wird aus dem eher stei­fen Bild, an dem die Besu­cher im Schloß Königs Wus­ter­hau­sen, wo es nun hängt, ver­mut­lich acht­los vor­bei­ge­hen, eine Sze­ne vol­ler Geschich­ten und Leben.

Kloo­s­ter­huis sucht den Schlüs­sel der Bild­bot­schaft. Auf dem Weg dahin beschreibt er die Geschich­te des Bil­des, loka­li­siert die Sze­ne und begibt sich vor allem auf Grund­la­ge zwei­er diver­gie­ren­der und unge­nau­er Namens­lis­ten zu jenem Bild an die Klä­rung, mit wem wir es hier außer selbst­ver­ständ­lich König Fried­rich Wil­helm I. am Tisch sei­nes Tabaks­kol­le­gi­ums zu tun haben. Jede Per­son wird iden­ti­fi­ziert, jeder wid­met Kloo­s­ter­huis nach der Uni­form­be­schrei­bung – nebst Auf­zäh­lung der Knöp­fe! – kur­ze Kar­rie­re­da­ten. Dabei erfah­ren wir, war­um der König gera­de die­se Per­so­nen »sei­nes beson­de­ren gesell­schaft­li­chen Umgangs« für wür­dig hielt. Auch die Ges­ten der Kin­der wer­den ent­schlüs­selt, etwa war­um der Jun­ge am Tisch – Prinz August Wil­helm – auf die Bier­fla­sche des Nach­barn zeigt, oder wel­che Bedeu­tung und Herz­lich­keit der König sei­nen ihm »Gute Nacht« wün­schen­den Söh­nen Hein­rich und Fer­di­nand entgegenbrachte.

Wer also dach­te, das alles sei nur so von Georg Lisiew­ski 1736/37 dahin­ge­malt wor­den, der wird am Ende – nach 74 Sei­ten und 116 mit­le­sens­wer­ten Fuß­no­ten – mit gewis­ser Rüh­rung erken­nen, wie sehr sich hier eines »kom­pli­zier­ten Königs« »Wunsch­träu­me von häus­li­cher Ein­tracht, Kin­des­lie­be und Kame­ra­den­treue« wider­spie­geln. Und war­um dem König gegen­über ein Hase sitzt, erfährt der Leser natür­lich auch. Für die Freun­de Preu­ßens ist die­se detail­rei­che Unter­su­chung mit vie­len wei­ter­füh­ren­den Anga­ben ein auch vom Ver­lag hübsch gestal­te­tes Muß.

– – –

Jür­gen Kloo­s­ter­huis: Lie­be Kin­der, gute Kame­ra­den. Fried­rich Wil­helms I. Tabaks­kol­le­gi­um als Sehn­suchts­ort, 74 S., 12 €

 

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