1. April 2021

Jürgen Kloosterhuis: Friedrich Wilhelms I. Tabakskollegium

Gastbeitrag

von Wulf D. Wagner -- Jürgen Kloosterhuis: Liebe Kinder, gute Kameraden. Friedrich Wilhelms I. Tabakskollegium als Sehnsuchtsort, 74 S., 12 €

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Wer bisher nicht wußte, was eine »knopfologisch-biographische« Bildanalyse ist, der findet sie nun in der kleinen und feinen Studie von Jürgen Kloosterhuis zu jenem naiv anmutenden Ölgemälde »Das Tabakskollegium«. Um einen Tisch sitzen elf Männer und ein Knabe mit weißen Perücken und eigenartigen Uniformen; zwei Kinder betreten von links den Raum; an der rechten Wand sitzen zwei weitere Herren. Auf dem Tisch Bierflaschen und Biergläser, in den Händen langstielige Tabakspfeifen, und am Ende des Tisches hockt da noch aufrecht ein Hase.

Kloosterhuis, langjähriger Direktor des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz in Berlin und heute einer der besten Kenner der preußischen Militärgeschichte des 18. Jahrhunderts, legt immer wieder grundlegende Studien wie etwa zu den »Langen Kerls« vor, die aus der Fülle der Archivbestände und aus seiner spürbaren Freude am Suchen wie Auffinden noch winzigster Details entstehen. So wird aus dem eher steifen Bild, an dem die Besucher im Schloß Königs Wusterhausen, wo es nun hängt, vermutlich achtlos vorbeigehen, eine Szene voller Geschichten und Leben.

Kloosterhuis sucht den Schlüssel der Bildbotschaft. Auf dem Weg dahin beschreibt er die Geschichte des Bildes, lokalisiert die Szene und begibt sich vor allem auf Grundlage zweier divergierender und ungenauer Namenslisten zu jenem Bild an die Klärung, mit wem wir es hier außer selbstverständlich König Friedrich Wilhelm I. am Tisch seines Tabakskollegiums zu tun haben. Jede Person wird identifiziert, jeder widmet Kloosterhuis nach der Uniformbeschreibung – nebst Aufzählung der Knöpfe! – kurze Karrieredaten. Dabei erfahren wir, warum der König gerade diese Personen »seines besonderen gesellschaftlichen Umgangs« für würdig hielt. Auch die Gesten der Kinder werden entschlüsselt, etwa warum der Junge am Tisch – Prinz August Wilhelm – auf die Bierflasche des Nachbarn zeigt, oder welche Bedeutung und Herzlichkeit der König seinen ihm »Gute Nacht« wünschenden Söhnen Heinrich und Ferdinand entgegenbrachte.

Wer also dachte, das alles sei nur so von Georg Lisiewski 1736/37 dahingemalt worden, der wird am Ende – nach 74 Seiten und 116 mitlesenswerten Fußnoten – mit gewisser Rührung erkennen, wie sehr sich hier eines »komplizierten Königs« »Wunschträume von häuslicher Eintracht, Kindesliebe und Kameradentreue« widerspiegeln. Und warum dem König gegenüber ein Hase sitzt, erfährt der Leser natürlich auch. Für die Freunde Preußens ist diese detailreiche Untersuchung mit vielen weiterführenden Angaben ein auch vom Verlag hübsch gestaltetes Muß.

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