1. April 2021

Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten. Hitlers Liste unersetzbarer Künstler

Gastbeitrag

von Hagen Eichberger -- Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten. Hitlers Liste unersetzbarer Künstler, 544 S., 29,80 €

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Das Dritte Reich ist auch im 21. Jahrhundert ein Zugpferd für den Buchmarkt. Kaum eine noch so marginale Nische, die nicht in all ihren Facetten erforscht werden will. Dazu ein reißerischer Titel, schon ist der Erfolg programmiert, der Inhalt dabei zweitrangig. Anders liegt der Fall bei dem hier anzuzeigenden Werk, Die Gottbegnadeten.

Der Anspruch des lexikalisch aufbereiteten Buches ist es, dem Vorurteil entgegenzutreten, wonach wegen der Emigration einiger Künstler nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten 1933 Deutschland zu einer kulturellen Wüste verkommen sei. In der ausführlichen Einleitung beleuchtet der Autor den Themenkomplex »Kunst und Künstler im Dritten Reich«. Wer war dieser Personenkreis der »Gottbegnadeten«? Im wesentlichen wurden die Künstler durch Hitler und Propagandaminister Goebbels in einer 1944 endgültig zusammengestellten, 38 Seiten langen Liste schriftlich fixiert. Von rund 140.000 Mitgliedern der Reichskulturkammer wurden in einer »Gottbegnadeten-Liste« genannten Erklärung knapp über 1000 Künstler als unersetzlich eingestuft.

Um diesen als »Elite der deutschen Kulturschaffenden« bezeichneten Personenkreis zu schützen, verfügten die amtlichen Stellen des Dritten Reiches, sie vom Kriegsdienst freizustellen. Als »gottbegnadet« im engeren Sinne empfanden die Listenersteller nur 375 Personen. Der lexikalische Teil des Buches geht auf Grundlage dieser Liste den Biographien der genannten Künstler nach. Über 1000 Kurzbiographien von Musikern, Dirigenten, Sängern, Schriftstellern, Schauspielern, Architekten, Bildhauern und Malern eröffnen einen enzyklopädischen Fundus, der viele in Vergessenheit geratene Künstler zeigt. Neben dieser Fleißarbeit gelingt es dem Verfasser, in der Einleitung fundiert und kritisch den aktuellen Forschungsstand zu beleuchten und mit dem Vorurteil aufzuräumen, »NS-Kunst« sei ein monolithischer Block gewesen. Im Gegenteil zeigen sowohl Einführung als auch Einzelbiographien auf, daß »1933« im Kunstbereich keine Zäsur bedeutete.

 

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