Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten. Hitlers Liste unersetzbarer Künstler

von Hagen Eichberger -- Das Dritte Reich ist auch im 21. Jahrhundert ein Zugpferd für den Buchmarkt.

 Gastbeitrag

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Kaum eine noch so mar­gi­na­le Nische, die nicht in all ihren Facet­ten erforscht wer­den will. Dazu ein rei­ße­ri­scher Titel, schon ist der Erfolg pro­gram­miert, der Inhalt dabei zweit­ran­gig. Anders liegt der Fall bei dem hier anzu­zei­gen­den Werk, Die Gott­be­gna­de­ten.

Der Anspruch des lexi­ka­lisch auf­be­rei­te­ten Buches ist es, dem Vor­ur­teil ent­ge­gen­zu­tre­ten, wonach wegen der Emi­gra­ti­on eini­ger Künst­ler nach der Regie­rungs­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 Deutsch­land zu einer kul­tu­rel­len Wüs­te ver­kom­men sei. In der aus­führ­li­chen Ein­lei­tung beleuch­tet der Autor den The­men­kom­plex »Kunst und Künst­ler im Drit­ten Reich«. Wer war die­ser Per­so­nen­kreis der »Gott­be­gna­de­ten«? Im wesent­li­chen wur­den die Künst­ler durch Hit­ler und Pro­pa­gan­da­mi­nis­ter Goe­b­bels in einer 1944 end­gül­tig zusam­men­ge­stell­ten, 38 Sei­ten lan­gen Lis­te schrift­lich fixiert. Von rund 140.000 Mit­glie­dern der Reichs­kul­tur­kam­mer wur­den in einer »Gott­be­gna­de­ten-Lis­te« genann­ten Erklä­rung knapp über 1000 Künst­ler als uner­setz­lich eingestuft.

Um die­sen als »Eli­te der deut­schen Kul­tur­schaf­fen­den« bezeich­ne­ten Per­so­nen­kreis zu schüt­zen, ver­füg­ten die amt­li­chen Stel­len des Drit­ten Rei­ches, sie vom Kriegs­dienst frei­zu­stel­len. Als »gott­be­gna­det« im enge­ren Sin­ne emp­fan­den die Lis­ten­er­stel­ler nur 375 Per­so­nen. Der lexi­ka­li­sche Teil des Buches geht auf Grund­la­ge die­ser Lis­te den Bio­gra­phien der genann­ten Künst­ler nach. Über 1000 Kurz­bio­gra­phien von Musi­kern, Diri­gen­ten, Sän­gern, Schrift­stel­lern, Schau­spie­lern, Archi­tek­ten, Bild­hau­ern und Malern eröff­nen einen enzy­klo­pä­di­schen Fun­dus, der vie­le in Ver­ges­sen­heit gera­te­ne Künst­ler zeigt. Neben die­ser Fleiß­ar­beit gelingt es dem Ver­fas­ser, in der Ein­lei­tung fun­diert und kri­tisch den aktu­el­len For­schungs­stand zu beleuch­ten und mit dem Vor­ur­teil auf­zu­räu­men, »NS-Kunst« sei ein mono­li­thi­scher Block gewe­sen. Im Gegen­teil zei­gen sowohl Ein­füh­rung als auch Ein­zel­bio­gra­phien auf, daß »1933« im Kunst­be­reich kei­ne Zäsur bedeutete.

Theo­dor Kel­len­ter: Die Gott­be­gna­de­ten. Hit­lers Lis­te uner­setz­ba­rer Künst­ler, 544 S., 29,80 €

 

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