Merkel, hagiographisch

von Milan Wurst --PDF der Druckfassung aus Sezession 97/ August 2020

 Gastbeitrag

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Die Ent­schleie­rung oder Ent­zau­be­rung der Welt war ein Ziel der Auf­klä­rung. Die Ver­schleie­rung hin­ge­gen ist eine Pra­xis, die nach dem schwin­den­den Sieg der Auf­klä­rung wie­der an Bedeu­tung gewinnt und die auch unter der Bezeich­nung Poli­ti­cal Cor­rect­ness bekannt ist. Das dabei betrie­be­ne Ver­wirr­spiel und sei­ne Mecha­nis­men sind uralt, und es beginnt mit der Prä­sen­ta­ti­on der Akteu­re – ins­be­son­de­re mit geschön­ten Bio­gra­phien füh­ren­der Poli­ti­ker. Die Vor­ge­hens­wei­sen hin­ter die­sen Lebens­be­schrei­bun­gen glei­chen sich und kön­nen lan­ge zurück­ver­folgt wer­den. Ein Anfangs­punkt für ein bes­se­res Ver­ständ­nis ist in den Hei­li­gen­le­gen­den zu fin­den. Der poli­ti­sche Bezug der Hagio­gra­phien erschließt sich unmit­tel­bar: Der Begrün­der der moder­nen PR, Edward Ber­nays (1891 – 1995), wies dar­auf hin, daß sich unser Wort Pro­pa­gan­da von der katho­li­schen Con­gre­ga­tio de pro­pa­gan­da fide her­lei­tet, deren Auf­ga­be im 17. Jahr­hun­dert die Ver­brei­tung des katho­li­schen Glau­bens gewe­sen war.

Das Leben der kirch­li­chen Hei­li­gen wird tra­di­tio­nell in pro­pa­gan­dis­tisch auf­be­rei­te­ten Bio­gra­phien beschrie­ben, den soge­nann­ten Hagio­gra­phien. So wird, um nur ein Bei­spiel zu nen­nen, aus dem Grün­der des Jesui­ten­or­dens, dem unge­bil­de­ten und fana­ti­schen Kriegs­krüp­pel Igna­ti­us von Loyo­la, ein kör­per­lich unver­sehr­ter, vom Hei­li­gen­schein umge­be­ner Ordens­füh­rer von über­ra­gen­der Weis­heit. Die­ses Kon­zept hat­te bereits in der Anti­ke ein Vor­bild. Sar­gon von Akkad (um 2300 v. Chr.), der mut­maß­li­che Sproß einer Tem­pel­hu­re, sti­li­sier­te sich zum Sohn einer Jung­frau. Er lös­te damit eine wah­re Flut von fik­tio­na­len Bio­gra­phien anti­ker Göt­ter und gott­glei­cher Men­schen aus, die von Jung­frau­en gebo­ren wor­den sein sol­len. Die Lis­te umfaßt bekann­te Namen wie Hera­kles, Mithras, Dio­ny­sos oder Ado­nis. Die­ses so vor­ge­führ­te Kon­zept der Hagio­gra­phie fand stets sein Abbild im poli­ti­schen Bereich: Die Vor­stel­lung von der Gott­gleich­heit oder wenigs­tens Got­tes­gna­de der herr­schen­den Klas­se wur­de mög­lichst wider­spruchs­los erzählt, um den gemei­nen Sterb­li­chen die psy­chi­schen und phy­si­schen Defek­te des Adels zu ver­schlei­ern und die­se mit Legen­den zu umge­ben, die denen der Hei­li­gen nicht unähn­lich waren.

Das Motiv der Ver­schleie­rung der Her­kunft war mit der Pro­pa­gie­rung der Jung­frau­en­geburt in die Welt gesetzt und fand in der Neu­zeit ein­drück­lich Anwen­dung in der offi­zi­el­len Dar­stel­lung der Abstam­mung Napo­le­ons. Dank mäch­ti­ger Hel­fer aus dem Kreis des Salons der Kur­ti­sa­ne Madame Tal­li­en konn­te er sei­ne Her­kunft aus den Tie­fen der kor­si­schen Unter­schicht ver­schlei­ern. Das Poten­ti­al für legen­den­haf­te Über­hö­hun­gen war gege­ben, denn wie Apol­lon, der von einer Insel kam, hat­te auch Napo­le­on drei Schwes­tern. Mit der magi­schen Anzahl von zwölf Mar­schäl­len war Napo­le­on Herr über eine wie­der­erstan­de­ne Tafel­run­de des wei­sen Herr­schers Artus. Der Pro­to­typ der moder­nen poli­ti­schen Hagio­gra­phie war geboren.

In Deutsch­land war es Adolf Hit­ler, des­sen offi­zi­el­le Bio­gra­phie unter den Aspek­ten der poli­ti­schen Hagio­gra­phie publi­ziert wur­de. Die ver­wor­re­ne Fami­li­en- und Her­kunfts­ge­schich­te Hit­lers wur­de ver­schlei­ert. Bis heu­te ist unklar, ob Adolfs Mut­ter Kla­ra auch Adolfs Cou­si­ne war. Ganz typisch für die­sen Typus der Hagio­gra­phie ist das Schwei­gen der frü­hen sozia­len Kon­tak­te des zen­tra­len Akteurs. Aus­sa­gen, die zu einer Ver­mensch­li­chung füh­ren wür­den, müs­sen unter­drückt wer­den, um die Legen­de nicht zu beschädigen.

Der bür­ger­li­che Name und sei­ne Abwand­lun­gen gewan­nen als Sym­bol oder Mar­ken­zei­chen im medi­al gepräg­ten 20. Jahr­hun­dert mit der Abschaf­fung der Adels­ti­tel zuneh­mend an Bedeu­tung. Die Macht von Spra­che und Wort – das alte her­me­neu­ti­sche Prin­zip des alt­ägyp­ti­schen Thot wur­de wich­ti­ger denn je. Wor­te bedeu­te­ten im alten Ägyp­ten Leben, und die Strei­chung eines Namens auf Monu­men­ten kam ewi­ger Ver­damm­nis gleich. Basie­rend auf die­sem Prin­zip, wur­den im 20. Jahr­hun­dert Namen von Poli­ti­kern nun zu Pro­gram­men. Namens­wech­sel gaben einer Per­son neu­es Leben.

Der unter sei­nem Kampf­na­men Lenin bekannt gewor­de­ne Wla­di­mir Iljitsch Ulja­now, des­sen Bru­der als Revo­lu­tio­när in einem Hof der schau­ri­gen Schlüs­sel­burg im Lado­ga­see hin­ge­rich­tet wor­den war, wo noch heu­te ein Apfel­baum an das Gesche­hen erin­nert, unter­nahm viel, um sei­ne Her­kunft aus dem nie­de­ren Adel eben­so zu ver­schlei­ern wie die Iden­ti­tä­ten sei­ner kapi­ta­lis­ti­schen Geld­ge­ber. Wäh­rend Lenin als Pro­to­typ des ewi­gen Revo­lu­tio­närs sämt­li­che Kli­schees in die­sem Gen­re bedien­te, streb­te sein Nach­fol­ger Ios­seb Bes­sa­rio­nis dse Dschug­ha­schwi­li nach mehr. Als Josef Wis­sa­ri­o­no­witsch Sta­lin ließ sich der klein­kri­mi­nel­le Sohn eines Schus­ters als »Väter­chen Sta­lin« fei­ern und ver­eh­ren. Sein Per­so­nen­kult ersetz­te die Anbe­tung der Hei­li­gen in den unter sei­ner Schre­ckens­herr­schaft geschlos­se­nen ortho­do­xen Kir­chen und Klöstern.

Ein über­ra­schen­der Per­so­nen­kult exis­tiert im Zusam­men­hang mit Win­s­ton Chur­chill, einem dem Alko­hol zuge­neig­ten Spie­ler, des­sen poli­ti­sche Hagio­gra­phen sei­ne Ver­ant­wor­tung für die Hun­ger­ka­ta­stro­phe von 1943 in der bri­ti­schen Ben­gal Pre­si­den­cy Nord­in­di­ens bis heu­te vehe­ment bestrei­ten. An sei­nem Geburts­ort, dem Schloß Blen­heim, exis­tiert eine Aus­stel­lung über sei­ne Kind­heit, die den Staats­mann in die Nähe des heils­brin­gen­den Kin­des rückt, was auf man­che Besu­cher befremd­lich wirkt. Chur­chill hat­te sich mit der Über­nah­me des sym­bo­li­schen Hand­zei­chens der eng­li­schen Lang­bo­gen­schüt­zen des ewi­gen Hel­den­my­thos von Agin­court bemäch­tigt. Er war kein mit hei­li­gem Öl gesalb­ter König, son­dern, wie einst der legen­den­um­wo­be­ne Robin Hood, ein ein­fa­cher Adli­ger, der das Volk vor der siche­ren Knecht­schaft durch frem­de Mäch­te erret­te­te. Mit der Ein­ver­lei­bung die­ser wirk­mäch­ti­gen Mythen war der Weg zur Hel­den­ver­eh­rung geebnet.

Her­bert Ernst Karl Frahm, in zer­rüt­te­ten Fami­li­en­ver­hält­nis­sen bei sei­ner unge­lieb­ten Mut­ter auf­ge­wach­sen, nahm mit dem Namen Wil­ly Brandt auch eine neue Iden­ti­tät als sozia­lis­ti­scher Frei­heits­kämp­fer an, die es sei­nen Bio­gra­phen ermög­lich­te, eini­ge weni­ger schö­ne Pas­sa­gen und Nei­gun­gen aus sei­nem Leben zu über­tün­chen. Brandts Wir­ken als Frei­heits­kämp­fer war weder von Hel­den­tum oder Auf­op­fe­rung noch von beson­de­ren Erfol­gen gekenn­zeich­net. Eine Spur von zer­rüt­te­ten Bezie­hun­gen kenn­zeich­ne­te die­se Pha­se. Als Regie­ren­der Bür­ger­meis­ter in West-Ber­lin bot sich ihm end­lich die Chan­ce, medi­al wirk­sam in Erschei­nung zu tre­ten. Poli­ti­sche Bot­schaft und Name ver­schmol­zen bei Brandt schließ­lich zu einer neu­en Sym­bio­se. Inhal­te tra­ten hin­ter der mes­sia­ni­schen Figur als zweit­ran­gig zurück.

Joseph Mar­tin Fischer, der sich Josch­ka nennt, ver­such­te, sei­ne links­ra­di­ka­le und mili­tan­te Ver­gan­gen­heit mit dem Nim­bus des ver­kann­ten Intel­lek­tu­el­len zu über­hö­hen, der sich heim­lich in Vor­le­sun­gen der Frank­fur­ter Schu­le schlich. Mit dem Bruch der bis­he­ri­gen Klei­der­ord­nung im Bun­des­tag signa­li­sier­te Fischer den Anbruch einer neu­en Pha­se. Fischers Turn­schu­he soll­ten auf den jugend­li­chen Elan hin­wei­sen und wur­den zu einem Sym­bol für den Angriff auf die alte Ord­nung. Der ehe­ma­li­ge Taxi­fah­rer, der sich in sei­ner Jugend an den Geschich­ten über den Hen­ker von Paris ergötzt hat­te, voll­ende­te sei­ne Meta­mor­pho­se end­gül­tig mit der Muta­ti­on hin zum Zerr­bild eines pro­fes­so­ra­len Welt­erklä­rers mit den pas­sen­den Attri­bu­ten (drei­tei­li­ger Anzug und Hornbrille).

Das Ende des Kal­ten Krie­ges mit dem Zusam­men­bruch der bis dato gül­ti­gen Welt­ord­nung, schuf auch in West­eu­ro­pa einen neu­en Typus an Poli­ti­kern, die ihre eige­nen Hagio­gra­phien pfle­gen. Ein Bei­spiel gibt der ewi­ge Mus­ter­schü­ler Emma­nu­el Macron mit der müt­ter­li­chen Leh­re­rin an sei­ner Sei­te. Zusam­men erge­ben sie das Bild der Jung­frau mit dem Kin­de, was Macron eben­falls in die Posi­ti­on des Heils­brin­gers rücken soll. Ein ande­res Bei­spiel ist die Dar­stel­lung der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel. Ihr Vater, Horst Kas­ner, der eigent­lich Horst Kazmier­c­zak hieß und der die Eng­lisch- und Latein­leh­re­rin Her­lind Jent­zsch gehei­ra­tet hat­te, ging mit sei­ner jun­gen Fami­lie als Mär­ty­rer frei­wil­lig in die Knecht­schaft der SBZ. Hier wuchs die in Ham­burg gebo­re­ne Toch­ter Ange­la, also die Engels­glei­che, im Wald­hof bei Tem­plin auf. In der Abge­schie­den­heit des Wal­des, in dem hei­li­gen Ort der Ger­ma­nen, dem Wald der Wun­der, der Mär­chen und dem Rück­zugs­ort der wei­sen Frau­en, wuchs sie auf. Danach begann die Ver­schleie­rung durch Namens­wech­sel, von Kazmier­c­zak über Kas­ner zu Mer­kel. Ein Leben im Elfen­bein­turm der phy­si­ka­li­schen Che­mie folg­te, wel­ches zwar wenig wis­sen­schaft­li­chen Out­put erbrach­te, aber als bio­gra­phi­sches Ele­ment von unschätz­ba­rem Wert ist. Ihre Dis­ser­ta­ti­on, die sie als Phy­si­ke­rin im Fach Che­mie vor­leg­te und deren über­wie­gen­de Quel­len ame­ri­ka­ni­schen Ursprungs sind, die damals in die­sem Umfang in der DDR eigent­lich nicht vor­han­den waren, unter­streicht ihre geis­ti­ge Über­le­gen­heit. Die Ehe mit Joa­chim Sau­er, einem der weni­gen DDR-For­scher, der in die USA rei­sen durf­te und der Mer­kels Dis­ser­ta­ti­on kri­tisch durch­sah, eröff­ne­te die Mög­lich­keit für einen wei­te­ren Namens­wech­sel, der jedoch aus­blieb. 2017 stell­te sie sich dem NSA-Unter­su­chungs­aus­schuß sogar als Ange­la Doro­thea Kas­ner vor.

Trotz des lan­gen Auf­ent­halts in aka­de­mi­schen Krei­sen fin­den sich in Mer­kels Wort­schatz bemer­kens­wer­ter­wei­se kei­ne Rede­wen­dun­gen, Aus­drü­cke oder ande­ren ver­ba­len Bezü­ge, die eine beson­de­re Nähe zu den Natur­wis­sen­schaf­ten nahe­le­gen. Die­se Los­lö­sung von jedem wis­sen­schaft­li­chen Gedan­ken­gut erlaubt ein volks­na­hes Auf­tre­ten und in poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen die voll­stän­di­ge Nega­ti­on wis­sen­schaft­li­cher Realitäten.

Es war am Abend des Mau­er­falls 1989, den Ange­la in der Sau­na ver­brach­te. Dies war die Geburts­höh­le der Poli­ti­ke­rin. Hier voll­zieht jene Ange­la das Ritu­al der Ent­hül­lung und erscheint dann jen­seits der alten Gren­zen als etwas Neu­es. Was folg­te, war die Ver­trei­bung aus dem sozia­lis­ti­schen Para­dies, in dem ihr Vater Zuflucht gesucht hat­te. Ihren Auf­stieg auf der Büh­ne der Poli­tik ver­dank­te sie ihrem Leh­rer der poli­ti­schen Magie, dem Über­va­ter Hel­mut Kohl. Nun konn­ten die Stu­fen der Wand­lung ein­set­zen. Zu die­sen Wand­lun­gen gehör­te die Rol­le Mer­kels als Erlö­se­rin, indem sie Deutsch­land vom Atom­strom befrei­te. Man könn­te dies so inter­pre­tie­ren, daß der Ent­scheid im Sin­ne der poli­ti­schen Hagio­gra­phie und gegen natur­wis­sen­schaft­li­che Logik fiel. In einer wei­te­ren Wand­lungs­stu­fe stieg Mer­kel hagio­gra­phisch zur Heils­brin­ge­rin auf, indem sie 2015 die Gren­zen Deutsch­lands öff­ne­te und gleich meh­re­re Rol­len ein­nahm. Eine war die para­do­xe Rol­le der kin­der­lo­sen Mut­ter oder »Mut­ti«, als die sie bereits zuvor beti­telt wor­den war. Im Zuge der Grenz­öff­nung 2015 stieg sie jedoch end­gül­tig zur Magna mater auf, die in der Anti­ke auch als Kybe­le ver­ehrt wor­den war. Der Höhe­punkt des his­to­ri­schen eksta­ti­schen Kybe­le-Kul­tes war übri­gens die öffent­li­che Selbstent­man­nung der Kybe­le-Anbe­ter. Ein Phä­no­men, das zumin­dest im über­tra­ge­nen Sinn beob­ach­tet wer­den kann.

Der Tri­umph Mer­kels war damit nicht abge­schlos­sen. Denn so, wie es ihr gelang die öst­li­che und west­li­che Hemi­sphä­re in der Flücht­lings­kri­se schein­bar zu eini­gen, wur­de sie zur moder­nen Kleo­pa­tra. Das hagio­gra­phi­sche Stei­ge­rungs­po­ten­ti­al ist auf die­ser Stu­fe nur noch gering – doch gelang Mer­kel eine wei­te­re Wand­lung, näm­lich hin zur Ari­ad­ne, die dem Volk den Weg aus dem Laby­rinth der Coro­na-Pan­de­mie weist. In der womög­lich seit Jah­ren durch­ge­plan­ten Covid-19-Insze­nie­rung erreicht Mer­kel sogar den Sta­tus der Erleuch­tung. Wie ein Bud­dha in sich ruhend, ent­schei­det sie, wem sie ihre Weis­heit zukom­men läßt. Nicht immer sind die Minis­ter­prä­si­den­ten erlaucht genug, die­ser Weis­heit teil­haf­tig zu wer­den. Eine wun­der­ba­re Krö­nung die­ser Hagiographie.

Ein wesent­li­ches Ele­ment jeder Hagio­gra­phie sind die Attri­bu­te und die Ges­ten des Akteurs. Auch hier gibt es bei Mer­kel einen unver­wech­sel­ba­ren Ges­tus. Es ist die mit den Hän­den geform­te Rau­te, die als alchi­mis­ti­sches Sym­bol für die Erde nach unten weist und die star­ke Erd­ver­bun­den­heit Mer­kels unter­streicht. Wer einen Hei­lig­keits­sta­tus wie Ange­la Mer­kel erreicht hat, darf sich nicht allein mit natio­na­len Sym­bo­len begnü­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund dürf­te es nie­man­den ver­wun­dert haben, wie zor­nig Mer­kel ihrem dama­li­gen Gene­ral­se­kre­tär Her­mann Grö­he im Sep­tem­ber 2013 auf einer Wahl­par­ty vor lau­fen­den Kame­ras eine Deutsch­land­fah­ne ent­riß, um sie am Büh­nen­rand zu ent­sor­gen. Das war ein Akt von hoher sym­bo­li­scher Tragweite.

Als Gegen­spie­ler im Sin­ne des ahri­ma­ni­schen Prin­zips erhielt die Licht­ge­stalt Mer­kel den US-Prä­si­den­ten Donald Trump – bei­de wer­den dar­ge­stellt wie mithräi­sche Fackel­trä­ger. Mer­kel wird dank Trump zu einer noch hel­le­ren Erschei­nung. Umkreist wer­den die bei­den vom dämo­ni­sier­ten rus­si­schen Staats­prä­si­den­ten Putin, der hier die Tri­ni­tät kom­plet­tiert. Künf­ti­ge Poli­ti­ker wer­den es schwer haben, eine ver­gleich­ba­re Hagio­gra­phie zu konstruieren.

In der Zusam­men­schau stellt sich die Fra­ge, was das Kon­zept der poli­ti­schen Hagio­gra­phie ermög­licht, außer der Ver­schleie­rung ver­meint­li­cher oder tat­säch­lich­erDe­fi­zi­te des über­höht prä­sen­tier­ten Poli­ti­kers, und war­um es ver­wen­det wird. Die Erklä­rung liegt dar­in, daß die­ses Ablen­kungs- und Erhö­hungs­ma­nö­ver Mög­lich­kei­ten in der Poli­tik eröff­net, die den Akteu­ren sonst ver­wehrt wären. Wil­ly Brandt wirk­te auf­grund sei­ner ver­brei­te­ten Bio­gra­phie authen­tisch bei sei­nem Knie­fall in War­schau, der es unter ande­rem erlaub­te, Augen­zeu­gen­be­rich­te von Greu­el­ta­ten an Deut­schen unauf­fäl­lig in den Archi­ven ver­schwin­den zu las­sen. Brandts Tra­gik ist es, daß der Legen­den­um­wo­be­ne selbst von einem Mann mit Legen­de zu Fall gebracht wur­de: Gün­ter Guil­laume. Barack Oba­ma erhielt mit dem Attri­but des Frie­dens­no­bel­preis­trä­gers freie Hand für den nahe­zu unein­ge­schränk­ten Droh­nen­krieg. Mer­kel blieb selbst in der Ent­schei­dungs­lo­sig­keit unantastbar.

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