18. August 2021

Reihe Mäander – Buchkunst für 600 Leser

Götz Kubitschek / 8 Kommentare

Schöne Bücher legt unser Verlag gerade vor: Von Antaios Mäander sind die Bände I und II erschienen. Die Vorzugsausgabe ist bereits vergriffen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Man ist ja Verleger, weil man guten Büchern ans Tageslicht helfen und mit ihnen etwas bewirken will. Man ist es aber auch, weil die Freude an diesem Beruf sich im geglückten Zusammenspiel von Inhalt und Form ausdrückt. Dieses Zusammenspiel ist uns mit der Reihe Mäander gelungen:

Sie ist auf zehn Bände angelegt, die ersten beiden sind gerade erschienen, die Bände 3 und 4 folgen in wenigen Wochen. Wer abonniert, nimmt alle zehn Bände, sie sind numeriert, es gibt nur 600 Stück pro Band. Die Inhalte: mal erwartbar, mal überraschend, jedenfalls besonders. Die Form (für alle, die mit Buchkunst etwas anfangen können): leinengebunden, Vor- und Nachsatz auf Naturpapier, aus dem selben Material ist die Banderole, außerdem: Lesebändchen und ein perfekter Satz.

Den Eindruck, daß es sich um etwas Besonderes handle, scheinen auch die Sezession-Abonnenten gewonnen zu haben, die mittels einer Beilage zuerst von der neuen Reihe erfuhren: Die Vorzugsausgabe war nach vier Tagen vergriffen. Wir rechneten damit, daß sie rasch vergriffen sein würde, bloß nicht so schnell. (Aber bitte: Wer hat Leser wie wir?) Und so erscheint der erste Hinweis auf die neue Reihe in diesem Netztagebuch zu spät für diejenigen, die bisher nichts von der Reihe Mäander wußten: Wir haben vorgestern das Angebot für die Vorzugsausgabe aus dem Netz nehmen müssen.

Diese Vorzugsausgabe unterscheidet sich nur in einem Detail von der Normalausgabe: Jedem ihrer Bände liegt eine Beigabe bei, ein Sonderdruck, eine Ergänzung zum Buch selbst. Bei Jochen Kleppers Kriegstagebuch 1941 ist es beispielsweise seine literarische Skizze Die Wolke, die er im Rahmen einer Arbeit an der Chronik seiner Nachschubdivision während des Balkanfeldzugs verfaßte - ein völlig unbekanntes Kleinod.

Aber das ist ja nun Schnee von gestern, die Abonnenten der Vorzugsausgabe werden sich darüber freuen können, mehr gibt es nicht. Der Versand der ersten beiden Bände hat begonnen. Kleppers Kriegstagebuch 1941 ist Band I, über dieses Dokument ersten Ranges haben Erik Lehnert und ich im Rahmen unserer Klepper-Sendung ausführlich gesprochen (hier ansehen). Wir legen dieses Tagebuch ungekürzt vor, mit Anmerkungen von Lehnert und einem Nachwort aus meiner Feder.

Band II stammt aus der Feder des Ethnologen Christopher Webster van Tonder, der in Archiven nach Porträts forschte, die während des Dritten Reiches von Fotografen gemacht worden waren und - welchem Zweck eigentlich dienten? Oder dienten sie zunächst keinem Zweck, wurden aber irgendwann eingespannt für einen Zweck, der sozusagen hinzutrat und nach der Arbeit dieser völkischen Fotografen griff?

Ein Essay jedenfalls, und über 60 Abbildungen, die meisten davon erstmals entwickelt und gedruckt. (Der Vorzugsausgabe liegen außerdem fünf Bilder auf hochwertigem Fotopapier bei, aber die kann man ja nun nicht mehr bestellen.)

Im Druck die Bände III und IV: Jean Raspails mitreißender Traum von einem König jenseits des Meeres, übersetzt und eingeleitet von Konrad Markwart Weiß, und - Band IV - Gerhart Hauptmanns seltsame und völlig unbekannte Nacherzählung der Gralsmythen um Parsival und Lohengrin, bebildert mit den Illustrationen der Erstausgaben von 1914.

Die Bände V und VI sind in Arbeit, vermutlich werden wir sie noch in diesem Jahr ausliefern, spätestens aber Anfang kommenden Jahres.

Zu haben ist die Reihe Mäander also noch in der Normalausgabe, auch sie schon beinahe nur noch im Abonnement: Von den Einzelbände können wir immer nur ein paar Dutzend abgeben, das Kontingent ist rasch erschöpft. Zum Abonnement folgendes: Wir vergeben in der Normalausgabe die Nummern 1 bis 450. Wer möchte, kann ein paar Wunschnummern im Kommentarfeld zu seiner online-Bestellung nennen oder gleich telefonisch alles bestellen und besprechen: 034632-904396.

Vergeben sind die Nummern 1 bis 150 (bis auf ein paar Lücken) sowie viele von den Zehner- und Fünfer-Schritten, als 300, 310 undsoweiter. Insgesamt können wir noch 200 Abonnenten aufnehmen, dann ist diese Reihe vergriffen.

Hätten wir 1000 drucken sollen? Nein: Wir wollten etwas Besonderes, und es scheint, als sei uns dies gelungen...

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Abonnement der Reihe Mäander hier zeichnen.

 


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (8)

Maiordomus

19. August 2021 11:59

Schön mit schönen Büchern zu überraschen, da "mäandriert" der Verlag im positiven Sinne. Mit Bewegung las ich im gedruckten Heft die beiden differierenden und in Einzelheiten doch wieder überschneidenen Aufsätze von Sommerfeld und Wawerka über die Philosophie und Theologie des Leibes, die freilich Skizze geblieben sind, immerhin zeitkritisch. Wawerka, vor etwa 10 Jahren hier auf SiN als einer der besseren, in dieser Eigenschaft wie andere verschwundenen Beiträger der "Leserdebatte unten" zu entdecken, wie etwa Winston Smith, der unterdessen resignierte. Wawerka müsste wohl noch etwas tiefer bei den Wechselbeziehungen Christentum - Gnosis bohren; er betont aber mit Recht, wie stark "Leiblichkeit" das biblische Weltbild sowohl des Neuen wie des Alten Testamentes bestimmt. "Leiblichkeit ist das Ende (gemeint Ziel MD) aller Wege Gottes", formulierte mal der Pietist Oetinger; noch tiefer wäre es in "Blicke in das Wesen des Menschen" nachzulesen beim romantischen Philosophien I.P.V. Troxler aus der Generation von Schelling, Hegel und Baader. Ja, es gibt viel zu "mäandrieren"! Der Verlag ist jederzeit für eine Überraschung gut. 

Gustav Grambauer

19. August 2021 15:26

Die NDPD war die zweitreichste Partei gleich nach der SED - obwohl nach Mitgliederzahlen die allerkleinste. Sie hat sich unter dem Radar der KoKo inkognito auf den westlichen Märkten finanziert. Spezialität waren Druckereierzeugnissse und Luxuslederwaren aller Art, die über Verkaufsagenten in Westdeutschland bis in die USA, nach Südamerika und bis nach sonstwohin verkauft wurden. Hierbei wiederum waren die Spezialität bibliophile Ausgaben: handgesteppte Kalbsledereinbände mit Goldprägung, Goldschnitt, handgeschöpftes Büttenpapier mit Wasserzeichen, Prägedruck in Naturfarben, Seidenpapiereinlagen, Lesezeichen mit edelsteingefaßten kleinen Quasten aus Leinenzwirn oder aus Lederstreifen, viel Lederflechtwerk, viel Golddoublé und üppige Präsentverpackungen - alles mit dem Vermerk "Made in Germany" versehen und noch um Klassen edler als die bereits sehr edlen Ausgaben von Offizin Nexö Leipzig.

Gustav Grambauer

19. August 2021 15:27

II

Es war ja die "Handwerkerpartei", d. h. das Netzwerk in die Kunsthandwerkerszene hinein war gegeben. Ein vergleichsweise einfacher Notizblock aus dem Nicht-Export-Sortiment ist heute in Wolles DDR-Museum zu besichtigen.

Homann hat dazu zum Entsetzen der uneingeweihten Teile des Apparats keine Parteifreundin sondern eine SED-Genossin geheiratet, Elisabeth gehörte zum Direktorium des KoKo-Imperiums, somit war die Partei vor der zudringlichen Gier von Schalck-Golodkowski geschützt, es war eine Heirat sozusagen in den hohlen Zahn des Löwen hinein. Habe Mitte der 80er mal im "Druckhaus National" resp. bei der "VOB National" in der Prenzlauer Allee in Ostberlin die Druckerei besichtigen dürfen, mir gingen die Augen über, durchweg allerneueste westliche Ausstattung und Technik.

Ich komme zum Punkt: sie haben das Geld aber nur phantasielos gehortet (so daß sich 1990 die F.D.P. alle Finger lecken konnte) - jedoch d-i-e-s-e-n Fehler müßte man ja bei der Vorbereitung auf die Illegalität, deren Planung sich insbesondere auch intelligenter, - weiser -, als bei den finanziellen Amokläufen der PDS erweisen sollte, nicht wiederholen. Nur so als Tipp.

- G. G.

Carsten Lucke

19. August 2021 18:03

@ Gustav Grambauer

Ihr Beitrag verblüfft mich etwas - aus zweierlei Gründen : Ohne mich jetzt vorher gugelschlau zu machen - kann denn die FDP "Erbe" der NDPD gewesen sein ?! Nicht vielmehr der LDPD ?

Und als gelernten Handbuchbinder kommen mir Ihre Beschreibungen der bibliophilen    "Luxuswaren" recht abenteuerlich vor : "handgesteppte Kalbsledereinbände" - was soll das sein ? "Lesezeichen mit edelsteingefaßten kleinen Quasten aus Leinenzwirn" ? Klingt wie aus dem Gruselkabinett des Kunstgewerbes - ich bin nicht dafür !

Spätestens seit den Vierzigerjahren wird nichts Bibliophiles in Deutschland mehr hergestellt (von Einzelanfertigungen mal abgesehen) - schon gar nicht in der DDR. "hangeschöpftes Büttenpapier" erst recht nicht.

Ich wünsche Ihnen, daß Sie mal einen wirklichen Meistereinband in der Hand halten werden - Sie verachteten alles als bibliophil Daherkommende heutiger Verlage auf der Stelle ! Und werden selig sein.

@ G.K. Kleiner Hinweis, mit Verlaub : Der Begriff "Nachsatz" existiert in der Buchbinderei nicht. "Vorsätze machen" heißt es. Schön, wie ich finde.

Gustav Grambauer

19. August 2021 21:09

II

Komme aus einer NDPD-Familie und war auch selbst in der NDPD. Einer der Chefs der oben erwähnten VOB National gehörte zu unserer sog. Zehnergruppe; er war es, der uns mal durch den (einen) Betrieb geführt hat und er war es, der uns Kataloge und Warenproben aus seiner Vitrine gezeigt hat, beides mit der Inbrunst des Stolzes - und für uns sehr eindrucksvoll, auch weil tief in die Machttektonik der Partei hinein blicken lassend. Das Kunsthandwerk machte sicher nur Peanuts am Umsatz aus, die VOB National hat sicher das größte Geld mit dem Druck von Massenware (Büchern, Zeitschriften, Formblätter u. a.) für die westlichen Märkte gemacht.

Ja, Sie haben einen viel höheren Begriff von Bibliophilität als den, mit dem ich hier eingestiegen bin. Meistereinbände kenne ich aus Museen - hinter dickem Glas. Habe mir schon oft gewünscht, mal einen in die Hand zu nehmen, klar ist das eine noch ganz andere Liga.

- G. G.

Carsten Lucke

19. August 2021 22:26

@ Gustav Grambauer

Dank für die Information (FDP) - unfaßbar für mich !

Ansonsten : Gehen Sie doch mal in ein gutes, gediegenes, vor allem alteingesessenes Antiquariat, in dem ein wunderbarer, alter Zausel noch Chef ist und fragen Sie nach solch einem herrlich gebundenen Buch ! Er zeigt es Ihnen.

Er wird sich freuen, daß jemand dafür noch Interesse hat. Glauben Sie mir.

H. M. Richter

20. August 2021 09:40

@Gustav Grambauer

I.

Schreibe noch heute manchen Brief auf besagtem Briefpapier, das inzwischen antiquarisch recht teuer gehandelt wird. Preiswert war es allerdings auch nicht in der Zeit, in welcher Sie Einblicke in jene Partei bekamen, deren Geschichte, so darf zumindest gehofft werden, eines Tages von Ihnen geschrieben werden wird. Derartiges bedarf keines Meistereinbandes, anderes schon.

Die inzwischen dafür erzielten Preise sprechen für sich. Was die Buchkunst in der DDR betrifft, so sind wohl eher die sog. Künstlerbücher hervorzuheben. Seinerzeit verfügte die Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel noch über ausreichend Mittel, so manche von ihnen anzukaufen. Wer einmal dort in der Gegend ist, sollte den Gang in Handschriftensaal der HAB auch deshalb unbedingt mit einplanen.

H. M. Richter

20. August 2021 09:44

@Gustav Grambauer

II.

Die Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 hat der deutschen Buchkunst jedoch eine Wunde geschlagen, von der sie sich nie wieder hat erholen können. Das Zentrum des deutschen Buchgewerbes wurde in nur zwei Stunden für immer zerstört.

***

Ansonsten: Glückwunsch zur neuen Reihe! 

Stromaufwärts zur Quelle, stromabwärts in Mäandern zur Mündung ...