29. September 2021

Kritik der Woche (4): Knörzers „Farben der Macht“

Gastbeitrag / 1 Kommentar

von Felix Dirsch -- Es gab und gibt konservative, gar rechte Soziologen.

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Vor der großen Wende der 1960er und 1970er Jahre (vereinzelt noch danach) gelang es ihnen, ihrer Disziplin maßgebliche Impulse zu verleihen. Gelehrte wie Hans Freyer, Arnold Gehlen, Helmut Schelsky, Friedrich H. Tenbruck und Erwin K. Scheuch haben etliche Beträge verfaßt, die man ohne Zweifel als klassisch bezeichnen kann: also als lange her, aber nicht veraltet.

Gehlens Analysen der hypermoralistischen Grundierung der bundesrepublikanischen Kultur haben nicht zufällig vor dem Hintergrund willkommenskultureller Hysterie eine umfangreiche Neurezeption erfahren. Ebenso haben Schelskys Anmerkungen zur säkularpriesterlichen Intellektuellenherrschaft auch in Zeiten, in denen jugendliche Pseudopropheten die Politprominenz medial vor sich hertreiben, nichts von ihrer Bedeutung verloren.

An solche Vorarbeiten kann ein Autor wie der Publizist Winfried Knörzer in einer veränderten Situation anknüpfen, die er als „Hypermodernität“ umschreibt. Seine Sammlung unterschiedlicher Einzelstudien zur Gegenwartsgesellschaft ist unter dem Titel „Farben der Macht“ erschienen. Der Leser wird keine systematischen Betrachtungen erwarten, wie sie die Inhaber (auch personell) gut ausgestatteter Lehrstühle, etwa Armin Nassehi, von Zeit zu Zeit vorlegen.

Knörzers „rechter Blick“ auf die „Gesellschaft der Gleichen“ beginnt folgerichtig mit Erörterungen über das Kontrastprogramm: die Sozialität der Ungleichen. Die Erforschung von Elite-Mitgliedern, besonders deren Rekrutierung und Funktion, ist immer schon ein reizvolles Thema für diverse akademische Disziplinen – gerade unter demokratischen Bedingungen, die üblicherweise auf die Notwendigkeit gleicher formaler Ausgangschancen achten.

Doch die natürlichen Ungleichheiten, vom Alter über das Geschlecht bis zu den Fähigkeiten und Begabungen, zählen zur conditio humana. Ein allgemeines Auswahlkriterium der Gesellschaft kann es schon deshalb nicht geben, weil sie wiederum in verschiedene Subsysteme zerfällt, obwohl Eigenschaften wie Kompetenz, Bildung und besondere Befähigung bei allen wichtigen Aufgaben traditionell überall unabdingbar scheinen. In manchen gesellschaftlichen Bereichen im gesellschaftlichen Stadium der „Hypermodernität“ hat man den Eindruck, als verliere Leistung an Wert zugunsten anderer Kriterien, etwa der so genannten Geschlechtergerechtigkeit. Man kann hier jene „dysfunktionalen Effekte“ am Werk sehen, die der Autor äußerst kundig in verschiedenen Kontexten beschreibt.

Weitere Themen werden überaus kompetent behandelt und geben Einblick in distinkte Zusammenhänge. Stellvertretend sind zu nennen: Spezialisierung, Entdifferenzierung, Komplexität, rechtsfreie Räume, Luxusgeist, Korruption, Emotionen, Authentizität, Kapitulation der Kleriker, Multikulturalismus und Gewalttabu.

Bei allen Erörterungen fällt auf, daß Knörzer der üblichen linken Moralisierung keine rechte entgegensetzt, die mitunter durchaus zu vernehmen ist, beispielsweise die Klage über die Kinderarmut der Einheimischen. Stets leitet er verbreitete Verhaltensweisen aus den Bedingungen des sozialen Systems ab. Der Geburtenschwund ist in einer Gesellschaft, in der materielle Symbole hohes Prestige verleihen, kaum zu vermeiden, läßt sich doch der Ausfall an Einkommen, etwa durch Kindererziehungszeiten, wenn überhaupt nur unzureichend kompensieren.

Knörzers Fähigkeit, gesellschaftliche Zusammenhänge mit systemtheoretischen Instrumentarien zu deuten, sticht hervor. Er vergißt über solche Analysen nicht, nachhaltige aktuelle Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen, wie infolge von exzessiver Migration, angemessen und ehrlich zu berücksichtigen. Dieser Grundzug macht seine Darlegungen gegenüber den üblichen herrschaftskonformistischen, wie sie der soziologische Hauptstrom vertritt, überlegen.

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Winfried Knörzer: Farben der Macht. Der rechte Blick auf die Gesellschaft der Gleichen, Lindenbaum Verlag 2021. 352 S., 24.80 € -- hier bestellen.


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Kommentare (1)

Volksdeutscher

30. September 2021 19:36

Es gibt keine Chancengleichheit, weil die Menschen ungleich sind, es schon immer waren und es immer bleiben werden. Das ist eigentlich nichts Neues, was man nicht schon seit einer Ewigkeit wüßte und deshalb extra betonen müßte. Die Ungleichheit birgt die einem jeden zustehende Chance, sie ist die Herausforderung für einen jeden! Seine Chancen trägt ein jeder in sich in Form seiner Anlagen, Fähigkeiten, Begabungen. Er wird zu Leistungen nicht durch Rechte befähigt, er bekommt seine Chancen nicht von außen zugesteckt in Form eines Rechts. Das ist ein falsches, unrealistisches und nicht erfüllbares Versprechen sowie Verzeichnung der Verhältnisse und Zusammenhänge, kurz: die Blüte des perversen linken "Denkens". So etwas wie Chancengleichheit oder Recht auf gleiche Chancen gibt es nicht und darf es nicht geben. Dieses Pseuorecht muß man immer wieder entlarven als das, was es ist: Der Wille der Kurzgekommenen zur Macht durch Erschleichung von unverdienten Leistungen. Auch bekannt als das Ideal der Quotenidioten.