Per Leo mimt den Aufklärer

Der Schriftsteller und Historiker Per Leo hat, wie weiland Martin Luther King, einen Traum.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Er träumt davon, daß wir aus der Ver­gan­gen­heit wie­der etwas wür­den ler­nen kön­nen, wenn sie end­lich „unauf­ge­räumt erscheint“. Und mehr: Leo träumt davon, daß die­se „unauf­ge­klär­te Unauf­ge­räumtheit“ in ein paar Jah­ren „im post-ari­schen Ein­wan­de­rungs­land Deutsch­land zum Leit­bild für den Geschichts­un­ter­richt gewor­den ist“.

Das klingt zum einen ganz schön wit­zig, zum ande­ren aber nach dem „höl­zer­nen Eisen“, das schon oft beschwo­ren, aber noch nie geschmie­det wur­de. Es klingt selbst dann und vor allem, wenn man Leos Wunsch­ge­sell­schaft an- und ernst­nimmt, nach Kin­der­la­den, anti­au­to­ri­tä­rer Erzie­hung und völ­li­ger Ver­ken­nung, sobald man sich vor­stellt, daß die Geschichts­leh­rer ein Feu­er­werk der Kom­ple­xi­tät abbren­nen sol­len und damit bei ihren Schü­lern maxi­mal Asso­zia­tio­nen und Gefüh­le aus­lö­sen werden.

Die­se Schü­ler ver­fü­gen näm­lich über kei­ner­lei Kate­go­rien, die es ihnen ermög­li­chen wür­den, im Cha­os geschicht­li­cher Moment­auf­nah­men Kau­sa­li­tä­ten zu ent­de­cken. Die Kunst der Geschichts­schrei­bung sieht Leo daher auch dar­in, ein Ange­bot zu unter­brei­ten. Jeder hat sei­ne eige­ne Geschich­te oder ver­fügt über Per­spek­ti­ven, die sich nicht „ver­söh­nen“ lassen.

Natür­lich geht es Per Leo nicht ledig­lich um den Geschichts­un­ter­richt. Damit gibt sich „einer der ener­gischs­ten Publi­zis­ten, wenn es um Anti­se­mi­tis­mus, den Holo­caust und die neu­en Rech­ten in Deutsch­land geht“ (Joa­chim Scholl), nicht zufrie­den. Es geht ihm in sei­nem aktu­el­len Buch (Trä­nen ohne Trau­er. Nach der Erin­ne­rungs­kul­tur, Stutt­gart: Klett-Cot­ta 2021) um eine neue Erin­ne­rungs­kul­tur in Deutsch­land, die nicht nur die Deut­schen mora­lisch bele­ben, son­dern auch den „Migran­ten“ die Mög­lich­keit geben soll, sich in ihr hei­misch zu fühlen.

An den Regal­me­tern gemes­sen, die es zum The­ma gibt: ein müh­sa­mes Unter­neh­men. Ande­rer­seits kann es, das weiß der Publi­zist Leo nur zu genau, ganz schön brenz­lig, wenn man an die Tabus rührt, die das The­men­feld umstellen.

Leo hat durch sein Buch Mit Rech­ten reden (2017), das er mit zwei Kol­le­gen ver­faß­te, zumin­dest gelernt, daß die Auf­merk­sam­keit dem­je­ni­gen sicher ist, der mit der rich­ti­gen links­li­be­ral-post­na­tio­na­len Grund­ein­stel­lung und der Hal­tung des abge­klär­ten Alles­wis­sers einem umstrit­te­nen Phä­no­men der Gegen­sei­te zu Lei­be rückt. Er erzeugt dadurch bei sei­ner Kli­en­tel ob sei­nes Gegen­stands einen woh­li­gen Schau­er nega­ti­ver Fas­zi­na­ti­on, den er gleich­zei­tig wie­der zer­stört, weil er die ideo­lo­gi­schen Auf­ge­regt­hei­ten längst hin­ter sich gelas­sen hat. So kann er sei­ner Kli­en­tel zuru­fen: Locker blei­ben, alles halb so wild!

In sei­nem neu­en Buch tut Leo daher so, als wür­de er einer hei­li­gen Kuh, der Erin­ne­rungs­kul­tur, auf die Pel­le rücken. Aber das tut er natür­lich nicht, son­dern er will die zur Sym­bo­lik erstarr­te Erin­ne­rungs­kul­tur nur neu bele­ben, um uns auf eine ganz neue, ganz leben­di­ge Art, an die zwölf Jah­re unse­rer Geschich­te zu ket­ten. Das tut er mit zwei Thesen:

Das NS-Erbe sei kei­ne Ein­heit, die natio­na­le Per­spek­ti­ve ver­bie­tet sich daher, und die nor­ma­ti­ve Kraft der Abgren­zung vom NS sei erschöpft. Also müs­sen neue For­men der Aneig­nung her. Fragt sich nur, war­um man sich aus­ge­rech­net das nega­tiv besetz­te NS-Erbe aneig­nen soll­te. Weil Leo uns alle in Mit­haf­tung für sein per­sön­li­ches Fami­li­en­schick­sal neh­men will.

Leos Opa war SS-Sturm­bann­füh­rer (also Major). Aus irgend­ei­nem Grund ist Leo der Mei­nung, daß jeder so einen Nazi-Opa hat­te und daher die Ver­gan­gen­heit als Suh­le begrei­fen muß. Leo hat aus die­ser Tat­sa­che Kapi­tal geschla­gen, da er als Schrift­stel­ler und His­to­ri­ker bis heu­te von die­sem Opa lebt. Sei­ne Dok­tor­ar­beit han­del­te vom geis­ti­gen Hin­ter­grund des­sen Genera­ti­on, er schrieb einen Roman dar­über, und schließ­lich scheint auch das vor­lie­gen­de Buch vor allem dar­aus sei­ne Moti­va­ti­on zu ziehen.

Klar ist: Die­ser Teil der Geschich­te gehört zu uns, egal wo die Vor­fah­ren stan­den. Jeder Deut­sche ist Teil der deut­schen Schick­sals­ge­mein­schaft, die es seit mehr als tau­send Jah­ren gibt. Aber es ist ganz gewiß patho­lo­gisch, wenn man zwölf Jah­re her­aus­greift, weil man der Mei­nung ist, daß die eige­ne Fami­li­en­ge­schich­te so etwas wie die gro­ße Geschich­te im Klei­nen wäre. Das ist eitel und pro­du­ziert Tugend­prot­ze wie Per Leo, die uns vor­schrei­ben wol­len, wie Erin­ne­rungs­kul­tur aus­zu­se­hen hat.

Für sei­ne jüdi­schen Freun­de, über die nach Leo jeder geschichts­be­wuß­te Deut­sche ver­fü­gen soll­te, gilt das natür­lich nur bedingt. Sie dür­fen sich, selbst wenn sie Deut­sche sind, aus­su­chen, was sie für wich­tig hal­ten, und sie dür­fen sich ihre Iden­ti­tät ent­spre­chend zurecht­bas­teln. Sie haben in der Welt von Per Leo vor allem die Funk­ti­on von Dämo­nen, die als wan­deln­de Kor­rek­ti­ve dafür sor­gen, daß Leo der inne­re Kompaß nicht abhan­den kommt. Mit nie­man­dem hat er je schö­ner gestrit­ten als mit den Juden! Daher darf er bei den Juden auch kon­se­quent beim Abstam­mungs­prin­zip blei­ben: Juden sind Juden, und sei­en sie auch als säku­la­re DDR-Bür­ger gebo­ren worden.

Die Ant­wort auf die Fra­ge, wie sich eine neue Form der Aneig­nung her­stel­len läßt, bleibt Leo uns schul­dig. Sein Buch lei­det unter dem alten Pro­blem, daß sich Din­ge, die man nicht zu Ende gedacht hat, nicht ver­ständ­lich aus­drü­cken las­sen. Des­we­gen schwur­belt Leo, wenn es mal kon­kret wer­den müß­te, und er springt, wo eine gründ­li­che Argu­men­ta­ti­on ange­bracht wäre. Oder er erzählt ein­fach von sich selbst, das muß dann als Argu­ment reichen.

Wenn Leo nicht mehr weiß, ob er noch auf erlaub­ten Wegen wan­delt, flüch­tet er sich in den Kitsch oder in eng­li­sche Kraft­aus­drü­cke (fuck­ing Berei­che­rung, what a Brain­fuck und­so­wei­ter), die einem Berufs­ju­gend­li­chen gut zu Gesicht stün­den. Und er kalau­ert, wenn er den „nahen Osten“ (die DDR, haha) und den „Nahen Osten“ in Bezug auf den Anti­se­mi­tis­mus gegen­über­stellt. Manch­mal weiß der Leser nicht, ob man es mit sprach­li­cher Schlam­pig­keit oder ideo­lo­gi­scher Ver­bohrt­heit zu hat, wenn es heißt, daß man deut­sche Opfer nicht ehren dür­fe, Kom­mu­nis­ten gute Grün­de für ihre Ideo­lo­gie hät­ten oder eine Bom­be „nur einen deut­schen Poli­zis­ten getö­tet“ habe.

Die „revi­sio­nis­ti­sche Absicht“ des Buches besteht im „prü­fen­den Blick auf eine Ges­te deut­scher Selbst­ge­fäl­lig­keit“. Das mag als Maxi­mum eines Schrift­stel­lers durch­ge­hen, der es sich mit nie­man­dem ernst­haft ver­scher­zen will. Wenn man aber liest, was er unter abzu­leh­nen­dem Revi­sio­nis­mus ver­steht („Infra­ge­stel­lung von Recht­staat, Demo­kra­tie und West­bin­dung“ und Schluß­strich unter die „ernst­haf­te Beschäf­ti­gung“ mit dem NS), dann ist klar, daß hier einer ein paar Papp­ka­me­ra­den braucht, die ihm Deckung geben sol­len, wenn es brenz­lig wird.

Neben Revi­sio­nis­ten kön­nen das die „Bad boys von der AfD und soge­nann­ten Rechts­in­tel­lek­tu­el­le“, der „weh­lei­di­ge, dumm­dreis­te Stolz“ von Höcke und Kubit­schek, ein „rechts­ex­tre­mer Klein­ver­lag“, der Sie­fer­le ver­leg­te oder ein „Lager­feu­er der neu­en Rech­ten“ sein. Haupt­sa­che, die Hei­mat­front weiß, wo Leo steht.

Gleich­zei­tig gefällt sich Leo in der Rol­le des Auf­klä­rers, wenn er Plat­ti­tü­den, wie die, daß die Deut­schen das Holo­caust­ge­den­ken vor allem für sich selbst betrie­ben, wie­der­holt. Leo hat nur noch nicht kapiert, daß es sich dabei um eine Reli­gi­on han­delt, der mit ratio­na­len Erwä­gun­gen nicht bei­zu­kom­men ist, was sei­nen Auf­klä­rungs­be­mü­hun­gen einen etwas trott­li­gen Anstrich gibt.

Selbst in Bezug auf die „neue“ Debat­te über die Ver­gleich­bar­keit des Holo­caust mit ande­ren Geno­zi­den fällt ihm nicht viel neu­es ein. Er sieht zwar, daß es hier ein Dog­ma gibt, das jeg­li­cher Logik wider­spricht und gefällt sich in dem Ver­gleich des Holo­caust mit einer Plas­tik­fla­sche, ver­gißt aber dabei zu erwäh­nen, daß Egon Flaig schon den Ver­gleich mit dem Rotz in einem Taschen­tuch bemühte.

Infam oder dumm ist sei­ne Behaup­tung, daß man hier­zu­lan­de völ­lig gefahr­los die Son­der­stel­lung des Holo­causts in Fra­ge stel­len könn­te. Bis­lang sei kei­ner sei­ner dies­be­züg­li­chen Gewährs­leu­te (Mat­thi­as Brod­korb und Jür­gen Zim­mer) einem „Scha­den­zau­ber“ zum Opfer gefal­len. „Und auch geäch­tet sind sie nicht.“ Ent­we­der hat er kei­ne Ahnung oder er ver­schweigt absichts­voll, daß ande­re durch­aus geäch­tet wur­den, wenn sie – wie etwa Ernst Nol­te – nur dar­auf hin­wie­sen, daß es eine kom­mu­nis­ti­sche Vor­ge­schich­te des Holo­caust gab. Aber die­se Hal­tung ist nur kon­se­quent, wenn Leos Mei­nung nach aus­ge­rech­net Brum­lik, Wolff­s­ohn und Fried­man zum unbe­fan­ge­nen Reden über die Ver­gan­gen­heit bei­getra­gen hät­ten, weil sie ihre „jüdi­sche Iden­ti­tät“ nicht in den „Mit­tel­punkt ihrer öffent­li­chen Prä­senz“ stellten.

Leo lebt offen­sicht­lich in einer Par­al­lel­welt: in einer Welt, die alle Spiel­ver­der­ber für nicht exis­tent erklärt und in der Gra­tis­mut belohnt wird – in einer Welt also, an die sich Leo per­fekt angepaßt hat. Er zeigt gern, was für muti­ger Kerl er ist, indem er rich­tig los­wet­tert. Er zieht dann aber schnell den Schwanz ein, wenn ihm klar wird, daß Gedan­ken Kon­se­quen­zen haben könnten.

Die Sicher­heit die­ser Par­al­lel­welt ist nicht zuletzt Leu­ten wie Per Leo zu ver­dan­ken. Sein Auf­klä­rungs­schau­spiel erzeugt bei den Bewoh­nern das gute Gefühl, in einer voll­stän­di­gen Welt zu leben, die eine hel­le und eine dunk­le Sei­te hat. Und es ver­zö­gert den Moment, an dem die Bewoh­ner die­ser Welt zu ahnen begin­nen, daß sie in einer Höh­le leben.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (23)

t.gygax

8. September 2021 10:00

Warum muss man auf sezession eigentlich diesen abgedrehten Blödsinn dieses "Leo" besprechen? Wer druckt das Zeug, wer liest das Zeug? Da gibt es doch wahrlich bessere Bücher aus dem Untergrund, (Samisdat nannte man das in einem anderen Staat in gewissen Zeiten) die einer Besprechung wert wären.

Und nebenbei: die Kiste ist uralt- es wimmelt von Leuten, die aus ihrer NS-Familiengeschichte Geld gemacht haben. Im Grunde genommen muss man da gar nichts mehr schreiben, man kann aus 60 Jahren derartigen Geschreibsels Textbausteine zusammensetzen, die Namen verändern, und dann hat man wieder ein "mutiges " Bewältigungsbuch. Mit Verlaub, es ödet mich an.

 

RMH

8. September 2021 10:01

Ja, es ist schon eine schlimme Zukunft für unser Land, wenn nur noch kleine Minderheiten einen SS Mann in der Ahnenlinie vorweisen können. Aber evtl. haben unsere neuen Fach- und Ortskräfte wenigstens nen Onkel, der Taliban ist oder beim IS dabei war. Evtl können deren Enkel dann ja auch darüber einmal als Historiker promovieren, so dass es auch zukünftig noch Historiker oder Autoren gibt, die Bücher schreiben, die dann ungelesen als Bestandsexemplare in irgendwelchen Universitätsbibliotheken vor sich hindümpeln dürfen oder deren Titel evtl. mal zum Pimpen von Literaturverzeichnissen für Bachelor Arbeiten herhalten dürfen.

Als Sekundär- und Tertiärliterat hat man es wahrlich nicht leicht. Bücher, die keiner braucht, Bücher, die keiner liest und zu  ner Talkshow wird man auch nicht eingeladen. Nicht mal 15 Minutes of Fame hält die moderne Welt mehr bereit ....

Dietrichs Bern

8. September 2021 11:01

Nun ja, der Versuch sich der Geldflut zur Bekämpfung Rechten Lebens in irgendeiner Form als lohnendes Eimerchen anzudienen, kann niemanden verwundern.

Allerdings - hier hat RMH recht - fehlen doch einige Punkte, um in der Masse der Nutznießer und Abschäumer aufzufallen, also scheint der liebe Leo nicht besonders clever zu sein.

Also: Neuer Versuch mit zeitgemäßem Narrativ, der irgendwie mit einer "Non-binären-Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat, dann wird das schon.

Der Gehenkte

8. September 2021 11:03

Ganz hervorragende und wichtige Rezension, die perfekt wäre, wenn sie sich noch des einen oder anderen kleinen rhetorischen Seitenhiebes entledigt hätte.

Im Gegensatz zu anderen Foristen bin ich von der Notwendigkeit überzeugt, sich immer wieder akribisch mit den Gedanken des politischen Opponenten auseinanderzusetzen, seine Gedankenwelt zu analysieren, zu kritisieren und auch davon affirmativ zu lernen! Man muß nicht alles lesen, aber die bedeutenderen Sachen sollten Lektürekanon werden und ich würde es begrüßen, wenn man hier öfters derartiges vorgestellt bekommt.

Lehnert zeigt ja überzeugend, daß Leos Buch offensichtlich neue Aspekte der Argumentation einführt - das muß man doch zur Kenntnis nehmen. Das könnte ein erster Hinweis auf einen Paradigmenwechsel in der offiziellen Erinnerungspolitik sein - unter anderem durch die Tatsache der Migration bedingt. Das ist bedeutsam.

Außerdem sind solche Auseinandersetzungen immer auch Gesprächsangebote. Ähnliches gibt es auch auf linker Seite: Gegneranalyse. Das Niveau dort ist sehr unterschiedlich, aber es gibt auch sehr lesenswerte Beiträge. Das entsprechende Buch wurde hier aus rechter Sicht rezensiert: Das neue Denken der alten Linken

 

 

Nemo Obligatur

8. September 2021 11:51

@ Der Gehenkte

 

"Im Gegensatz zu anderen Foristen bin ich von der Notwendigkeit überzeugt, sich immer wieder akribisch mit den Gedanken des politischen Opponenten auseinanderzusetzen,..."

Stimme Ihnen zu. Und vielen Dank, dass Sie nicht "Feinde" geschrieben haben.

Die Seite Gegneranalyse kannte ich noch nicht, sieht interessant aus. In der Diskussion lernt man noch allemal am meisten, wenn man sie nicht unter das Motto "gewinnen oder verlieren" stellt.

Der interessante Aspekt an dem Leo-Buch ist ja, wie die Linke den Spagat zwischen der Bewirtschaftung der deutschen Vergangenheit und dem Austausch der Bevölkerung meistern will. Finde aber die Rezension von Lehnert etwas konfus. ("Die 'revisionistische Absicht' des Buches besteht im 'prüfenden Blick auf eine Geste deutscher Selbstgefälligkeit'".)

Aussenseiter

8. September 2021 12:11

Das Paradoxon der linksliberalen (oder besser: linksautoritären) Geschichtspolitik der Buntenrepublik: mit dem Dauerhinweis auf das "Nie Wieder" und die Reduktion der deutschen Geschichte auf die NS-Herrschaft wird ein negativer "Gründungsmythos" von Deutschland erschaffen, und damit die Masseneinwanderung wie auch der Geisterkampf gegen "Rechts" (mit)begründet. Allerdings sitzen in immer mehr Klassen immer mehr Migranten, denen selbst der "Negativmythos" des "Tätervolks" völlig fremd ist.   

URN

8. September 2021 12:24

Mit dem Kommentar von t.gygax gleich zum Beginn ist das Wesentliche geschrieben; Zeit also, daß der Schwimmeister den Schluß der Planscherei verkündet....

Gotlandfahrer

8. September 2021 12:41

@ Der Gehenkte:

„…Gedanken des politischen Opponenten…  davon affirmativ zu lernen…. die bedeutenderen Sachen sollten Lektürekanon werden…“

Zu viel der Ehre, geschätzter Mitforist.  Die Zeiten, in denen man von „politischen Opponenten“ sprechen konnte sind längst vorbei.  Selbst wenn der Besprochene beim Herantänzeln an unsere geschlossene Schildreihe neuartige Bewegungen ausgeführt haben sollte wie ein tollkühnes Junghuhn vor dem geduldigen Löwen, galt dies allein seinem Sozialpunkteguthaben im warmen Unterschlupf seiner Soldstelle.  Die halbwegs „klugen“ Gedanken, die sich Stäbe dort einst machten, sind längst in praktischer Umsetzung und „Lektüreschaffende“ haben dort die gleiche Funktion wie eine Monroe in Korea, nur in ungleich schäbigerer Ausführung.  Sie glauben doch nicht im Ernst, dass das „Gesprächsangebote“ sind? „Gespräche“ werden von Gleich zu Gleich geführt, wenn Einigungen den Entscheidern zweier Seiten vorteilhaft erscheinen.  Aber doch nicht von solchen Gartenzwergen.

Im Übrigen war mein Onkel Funkoffizier bei einer SS-Panzerdivision an der Ostfront.  Auf die Idee, deswegen die Vergangenheit als Suhle zu betrachten, käme ich als allerletztes, sowas sagt über solch Suhlende doch bereits alles aus. 

Waldgaenger aus Schwaben

8. September 2021 13:33

Für seine jüdischen Freunde, über die nach Leo jeder geschichtsbewußte Deutsche verfügen sollte, gilt das natürlich nur bedingt.

Broder brachte mal den genialen Vorschlag, ein rent-a-jew Unternehmen zu gründen. Ein echter Jude bei der Party im Juste Milieu das hätte was, je dunkler die Hautfabe um so teuerer (das ist von mir)

Nordlicht

8. September 2021 13:40

Puh, bin ich froh, dass der eine Opa nach Dänemark neigte (- Stichwort Eiderdänen) und der andere schon 1925 so weit entfernt auswanderte, dass er - unter Hinterlassung seiner Kinder in D - weder mit NSDAP noch SS noch überhaupt Wehrmachtsdienst kontaminiert wurde.

Mit anderen Worten, Herr Leo: Ihre Lebensthema geht mich nichts an. 

Gibt es auch wichtige Themen? Ich meine, den Kaplaken 73 "Die Allianz" von Leon Wilhelm Plöcks. 

PS Und ist die BT-Wahl nicht wichtig? THEORETISCH schon, aber unsere Demokratie und unser GG sind geschreddert. Siehe dazu - in internationaler Perpektive - Kaplaken 73.

Interessant auch:

https://americanaffairsjournal.org/2017/11/progressive-neoliberalism-trump-beyond/

Der_Juergen

8. September 2021 13:48

Sehr guter Artikel von Lehnert und anregende Kommentare.

"Warum muss man auf sezession eigentlich diesen abgedrehten Blödsinn dieses "Leo" besprechen? Wer druckt das Zeug, wer liest das Zeug", fragt @gygax. Ich habe mir diese Frage immer gestellt, wenn Lichtmesz oder Kubitschek irgendeinen linken Geistesliliputaner zur Schnecke machten. Ja, man liest Artikel wie den vorliegenden schon wegen ihres eleganten Stils mit Genuss, aber irgendwelche "Gedanken", auf die man da noch gross eingehen sollte, finden sich bei Schreiberlingen a la Leo nicht. In einer Gesellschaft, welche die Lüge zu ihrem Leitmotiv erhoben hat, mögen die Leos von den Medien propagiert werden, aber man fragt sich mit @gygax, wer - ausser Rezensenten - dieses schwachsinnige Geschreibsel eigentlich noch liest. Frank Lisson, von dem hier unlängst die Rede war, ist bei all seinen Schwächen bestimmt ein Autor, der etwas zu sagen hat und den man nicht, wie es leider einige Foristen taten, mit Invektiven abkanzeln sollte. Aber Leo?

Adler und Drache

8. September 2021 14:27

"Die normative Kraft der Abgrenzung vom NS sei erschöpft ..." Guck an! Wieso das denn auf einmal? Wenn das einer von uns gesagt hätte, da wär aber wieder was los gewesen! 

Im Vergleich mit Pascal Zorn scheint mir Per Leo noch relativ vernünftig. Apropos, weiß einer, was aus dem Herrn Zorn geworden ist? 

Laurenz

8. September 2021 14:28

@Waldgaenger aus Schwaben

Sammy Davis jr., wenn auch nur konvertiert, würde heute wohl Höchst-Preise in woken deutschen Anywhere-Haushalten erzielen.

Dieter Rose

8. September 2021 15:10

Immer von Schande reden, sich damit konfrontieren lassen, birgt die Aura der Schande um das ganze Volk. Da soll man wohl nicht davon wegkommen. Seit über 70 Jahren werden wir damit konfrontiert und das soll keinen Einfluss auf unser gesamtes Sein und Denken haben!

Aus Gründen der Selbsterhaltung müssen wir uns freimachen. 

Ich werde jetzt nichts relativieren, aber ein Gedenken im Jahr reicht - und die dauernden Bezugnahmen im tagespolitischen Bereich sind zerstörerisch.

(Ist wohl so gewollt!)

Der Gehenkte

8. September 2021 15:17

"was aus dem Herrn Zorn geworden ist? "

Dazu braucht man nur seinem Twitter folgen: Zorn ist "wahrer Philosoph" geworden, der einzige auf der Welt, der stringent logisch denken kann ... und das läßt er permanent alle wissen, die anderer Meinung sind als er, auch im allerfeinsten Detail.

 

RMH

8. September 2021 17:59

" aber ein Gedenken im Jahr reicht - und die dauernden Bezugnahmen im tagespolitischen Bereich sind zerstörerisch."

@Dieter Rose,

ist nimmt aber doch seit ein paar Jahren merklich ab. Dafür hat die neue, die Wacht ablösende Ersatzreligion Klimawandel die Dämmerung schon überschritten und läuft auf den Zenit zu. Kein Wetterbericht (die wohl am meisten abgefragte Tagesinformation überhaupt) mehr, ohne dass irgendwas zum Klimawandel kommt. Der Sündenbock sind jetzt keine alten Nazis mehr (die sind zu 99,9% verstorben), es sind deren Kinder und frühen Kindeskinder, die sog. "Boomer", der Ausbund des Bösen, mit C02 Fußabdrücken von Dinosaurier-Größe, die - schuldig zu sein gewöhnt - auch diese Rolle annehmen und entsprechend wählen.

Ich denke, was das Thema NS-Schuld angeht, sind wir älteren Patrioten etwas sensibler (bis fast schon betriebsblind), da wir mit dieser Leier groß geworden sind. Die wirklich Jungen nehmen sowas allenfalls als Argument um zu sagen, wir engagieren uns  (im Gegensatz zu Euch "Hedonisten") gegen das "Unrecht", welches dem "Klima", den Eisbären, den Schwarzen etc. angetan wird. Aber im Grunde genommen ist es ihnen komplett egal.

Dieter Rose

8. September 2021 20:45

@RMH

Mag so sein - aber der neue Schuldkomplex macht auch was mit den Leuten.

Ich meine das auch in vielen Gesichtern, gerade jungen zu sehen: verbiestert, unfroh und so stellt sich die Gesellschaft dar. Da kann nichts Gutes draus entstehen!

Gracchus

8. September 2021 22:53

Schön sarkastisch geschrieben.

Bei der linken Debatte - zum neuen Historikerstreit stilisiert - geht es ja darum, den Holocaust irgendwie in die Kolonialschuld einzureihen, was irgendwie mit dessen Relativierung einhergeht - ich komme da ehrlich gesagt nicht mehr mit.

Die Ergänzung zu Per Leos Nazi-Opa ist Max "Desintegriert euch" Czolleks jüdischer Opa. 

 

Laurenz

8. September 2021 23:39

@Gracchus

Die Kolonialschuld geht nicht ins Detail, das ist problematisch, genauso wie die Sklaverei. Alles ist vielmehr von Ignoranz oder Nicht-Wissen geprägt. Die eigentliche Schwierigkeit ist, daß hier die Geschichte schon geschrieben ist & man keine passende konstruieren kann, so, wie in unserem Fall. Und falls da die Asiaten da wirklich einsteigen würden, würde es noch viel teurer werden. Und dann stellt sich mir, als historisch Interessierten, die Frage, ob die Ägypter heute noch für die Versklavung der Sudanesen vor 5.000 Jahren zahlen wollen. Fragen über Fragen....

Valjean72

9. September 2021 08:05

@RMH  @Dieter Rose,

nimmt aber doch seit ein paar Jahren merklich ab. Dafür hat die neue, die Wacht ablösende Ersatzreligion Klimawandel die Dämmerung schon überschritten

Mein Eindruck ist ein gänzlich anderer. Man führe sich nur einmal die Fülle von Antisemitismus-Beauftragten hierzulande an: in der Bundesregierung, in den verschiedenen Bundesländern, in Generalstaatsanwaltschaften, bei der Polizei, bei der EKD etc. pp.

Oder die Fülle der Artikel allein auf WELT.de mit dem Thema Antisemitismus oder "deutscher Schuld".

Das Masseneinwanderungsphänomen von 2015/2016 wäre mE niemals möglich gewesen ohne den im deutschen Volk implementierten Schuldkomplex und ich bin da ganz bei Sieferle: 

Die Deutschen, die ihre gnadenlose Schuld anerkennen, müssen dagegen von der Bildfläche verschwinden, müssen zum immerwährenden Mythos werden, um ihre Schuld zu sühnen.

(Quelle: Rolf Peter Sieferle: „FINIS GERMANIA"; Verlag Antaios; S. 69)

[...]

Valjean72

9. September 2021 08:19

Fortsetzung:

Mit den Prinzipien Schuld und Angst werden die Menschen seit Jahrhunderten gefügig gehalten und gelenkt. Die mythische Erzählung der deutschen Schuld zielt naturgemäß nur auf Deutsche.

Mit dem Klima-Mythos aber auch in der Art und Weise wie das Thema der Geschichte der Sklaverei kolportiert wird, hat man die gesamte westlich-europäische Welt im Visier.

ein Kind in Deutschland ist wegen seines großen Konsums natürlich viel klimaschädlicher als ein Kind, das jetzt in Kenia oder in Tansania aufwächst.

(Zitat der Journalistin Anne Preger im Interview mit WDR5, 12.07.2017)

RMH

9. September 2021 09:06

@Valjean72,

Ich behaupte nicht, dass das NS- Schuld- Narrativ als politisches Instrument verschwinden wird. Es verliert aber das, was immer am erbittertsten seitens der "Keulenschwinger" verteidigt wurde, seine Einzigartigkeit als politisches Instrument und zugleich die geschlossene Zielgruppe. Gleichzeitig macht sich mit Macht die neue Angst vor dem Klimawandel breit, mit der man nicht nur Deutsche mit Naziopas in Sippenhaft nehmen kann. Aktuell wird das Spiel so gespielt, dass man sagt, "damals" sei niemand dagegen "aufgestanden", heute hingegen ... (Anmerkung: dieses Narrativ ist natürlich falsch. Die ersten Insassen in den KL ab 33 waren bekanntermaßen die politischen Gegner). 

Andreas Walter

9. September 2021 21:07

Wow! Archäologische Sensation! 79 Jahre alte "Nazi"-Nusstorte in Lübeck entdeckt!

https://www.spiegel.de/panorama/luebeck-79-jahre-alte-nusstorte-entdeckt-a-88a94758-209e-4da3-8802-cccba4557072

Wer (mehr über) die Wahrheit wissen will sollte sich daher lieber mit den Schriften und Büchern der angesehenen ("berüchtigten“) Revisionisten beschäftigen, die genau deshalb in der gesamten EU verboten sind. Eins der Guten davon genügt nämlich, und man glaubt auch über die Zeit immer weniger, was von offizieller Seite behauptet wird. Hilfreich sind dabei auch Kenntnisse aus den MINT-Fächern, also die Gleichen die darum auch helfen, die Grünen als Propagandisten zu entlarven. Mathe, Physik, Chemie, Technik allgemein, und einen guten Taschenrechner um alles selbst nachzurechnen. Anfangs habe ich denen nämlich auch nicht getraut. Logisches Denkvermögen und Resistenz/Resilienz gegen emotionale Angriffe sind auch hilfreich. Es gibt unter den Revisionisten wahrscheinlich deswegen auch keine einzige Frau, soweit ich mich erinnere. Bei mir fing alles ganz harmlos an, 2008/2009, mit einem Buch von zwei Franzosen, die über den Lebensborn berichten. Doch auch die 1.000 Seiten von Hilberg habe ich gelesen, mich durchgekämpft. Die hätte ich mir allerdings sparen können, wie mir später in einem anderen Buch bestätigt wurde. Nur wird man sich eben dadurch auch immer bewusster, in was für einer Monstrosität man lebt. Mit dieser Last des Wissens muss man nämlich erstmal leben lernen. Nix für Gutgläubige.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.