10. September 2021

Afghanistan – eine Zeitenwende

Gastbeitrag / 37 Kommentare

von Moreicka -- „FAZ goes Neue Rechte. Wurde auch Zeit.“

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Das schreibt der Twitterer Nigromontanus  und verlinkt den Artikel „Das Krebsgeschwür Taliban“ des russischen Schriftstellers Viktor Jerofejew aus der FAZ vom 21. August. Nach Jerofejew

ist der Sieg der Taliban ein  neuer, schrecklicher Schlag gegen den westlichen Glauben an die menschliche Vernunft, (...) insbesondere gegen das empfindsam-schöne Gebilde des europäischen Humanismus. In Wirklichkeit irre der Westen mit dem Glauben an sein universales philosophisches Modell des Menschen.

Der gleiche Gedanke findet sich zeitgleich in verschiedenen  Beiträgen zum Thema, und es sieht aus, als käme es mit dem Fall Afghanistans tatsächlich zu einer Art geistesgeschichtlicher Zeitenwende.  Der UN-Diplomat Michael von der Schulenburg schreibt in der Welt:

Diese Niederlage sollte das Ende einer Ära sein, in der der Westen sich auf einer gottgewollten Mission sah, die Welt als Macht des Guten zu regieren und anderen Ländern ihr westliches politisches System aufzuzwängen. Die Niederlage sollte uns dazu zwingen, fundamental umzudenken, wie der Westen seine Rolle in der Welt definiert, wie wir uns zu Ländern mit anderen politischen Systemen verhalten. Man müsse die Unterschiede zwischen dem christlich-abendländischen und dem islamischen Kulturraum anerkennen und könne ein vom islamischen Fundamentalismus geprägtes Land nicht in eine westliche Demokratie verwandeln.

Die gleiche Argumentation, vor allem in  Bezug auf die Rechte der Frauen, findet man bei der Ethnologin Susanne Schröter in der ZEIT vom 19. 8.: „Sie kämpfen für eine gottgewollte Ordnung“. Schröter:

Gern übersehen wird die Tatsache, dass die universellen Menschenrechte, die in den letzten Jahren in dem Land durchgesetzt wurden, vielen Afghanen noch immer als gotteslästerlich erscheinen. Das Recht der Frauen, sich dem Ehemann zu widersetzen, gilt zum Beispiel als unislamisch. Dagegen steht das Heilsversprechen der Taliban: Wir rücken die Verhältnisse wieder zurecht.

Wir sollten nicht nur Männern Schuld geben am Patriarchat. Ich denke, dass in Afghanistan auch die Frauen mehrheitlich für eine muslimische, also nichtwestliche Ordnung ist.

Schröter gibt selbstkritisch zu, daß sie der Illusion erlegen sei, wonach Frauenrechte und andere moderne Werte sich in der afghanischen Bevölkerung rasch verankern ließen. Sie möchte auch den Irrtum über die Taliban korrigieren: Diese seien keine wilden, gesetzlosen Krieger, sondern hielten sich an Gesetze, die vor ihnen schon viele Islamisten für richtig hielten.

Das hören westliche Frauenrechtlerinnen nicht gerne. Für Ronya Othmann („Millionen Frauen unter dem Terror der Taliban“, FAZ vom 22.8.) sind 19 Millionen Frauen mit der Machtübernahme der Taliban Gefangene geworden, ihrer Freiheit und Rechte beraubt. Othmann beklagt, daß nichts an der islamistischen Ideologie „feministisch, emanzipatorisch und  antikolonial sei.“ Dagegen seien „Frauenrechte Menschenrechte, die  nicht auf dem Scheiterhaufen des Kulturrelativismus und der Ignoranz geopfert werden sollten.“ Sätze wie “Wir können den Menschen nicht unsere Vorstellung von Menschenrechten aufzwingen“ sind, so Othmann, "zynische und rassistische Evergreens, mit denen man sich vor allem der eigenen Verantwortung zu entziehen versucht. Der Westen hat diese Frauen im Stich gelassen.“

Auch Alice Schwarzer sieht den Westen in der moralischen Pflicht, den afghanischen Frauen zu helfen. Sie stellt zwar keine moralisierenden Maximalforderungen ("einfach so unsere Vorstellungen von Demokratie überstülpen – das mußte ja schiefgehen“),  aber es sollen im Namen einer ausgleichenden Gerechtigkeit wenigstens Frauen und Kindern Vorrang bei der Ausreise gegeben werden ( siehe EMMA 22.8.: "Luftbrücke für Frauen & Mädchen"), auch deshalb, weil  in Deutschland inzwischen rund eine Viertelmillion geflüchtete Afghanen leben, von denen  zwei Drittel Männer sind, davon 80 Prozent junge Männer. Deren Integration sei besonders beschwerlich, da sie aus einem Land kommen, das keine Gleichberechtigung kennt und Gewalt gegen Frauen Gewohnheitsrecht sei.

Wie genau sich das Frau Schwarzer mit einer „ afghanischen Frauenquote“ vorstellt, bleibt offen. Wenn man „nur“ Feministinnen, Journalistinnen undsoweiter rettet, wer setzt sich dann vor Ort für die Frauen ein? Zarifa Ghafari, die erste Bürgermeisterin Afghanistans, hat am 23. 8. ihr Land Richtung Deutschland verlassen. Unter dem Eindruck ihrer dramatischen Flucht sagt sie:  „Alle Frauen dieser Welt müssen jetzt eine Botschaft nach Afghanistan schicken“. Das klingt so  idealistisch wie naiv.

Welchen Einfluss kann und will eine  westliche (Menschenrechts-) Politik überhaupt noch ausüben ? Und welche politische Alternative gibt es zu der massenhaften Ansiedlung kulturfremder Menschen in  Westeuropa ? Die bisherige europäische Asyl- und Migrationspolitik steht auf dem Prüfstand. Wenn es zur Beruhigung einer besorgten einheimischem Bevölkerung heißt, daß sich 2015 nicht wiederholen darf, dann impliziert das, daß der Einlaß von fast 2 Millionen Migranten ein Fehler war, für den die Verantwortliche noch nicht zur Rechenschaft gezogen wurde.

Das Volk ist vorsichtig geworden. Das zeigt sich in der aufgeregten Diskussion um die sogenannten „Ortskräfte“. Je nach politischer Gesinnung werden „Ortskräfte“ zu einer beliebig skalierbaren Zahl zwischen ungefähr 500 bis 50 000 Personen, denen wir aus moralischer Verpflichtung heraus zu Ausreise und Versorgung  zu verhelfen hätten. Worin unsere  moralische Verpflichtung gegenüber den Ortskräften besteht, wird geflissentlich ausgeblendet. Diese haben ja kaum uneigennützig gehandelt, sondern mehr verdient als andere Afghanen und wußten, daß irgendwann das Militär abziehen würde.

Kritik an der Massenansiedelung  kulturfremder Menschen wird aber auch aufgrund zunehmender Erfahrungen mit Migrantenkriminalität laut.

Auf  dem „Scheiterhaufen des Kulturrelativismus und der Ignoranz“ (Ronya Orthmann) werden inzwischen nicht nur fremde Frauen in fremden Ländern geopfert, sondern auch  deutsche und europäische Mädchen und Frauen und muslimische Frauen, die hier ein freies Leben entdecken und leben wollen.

  • Im Juli 2021  wurde in Wien die 15-jährige Leonie von vier afghanischen Asylbewerben  vergewaltigt und ermordet,
  • ein Mädchen in Leer (Ostfriesland) wurde von einer Gruppe Afghanen vergewaltigt.
  • In Berlin ermordeten zwei junge Afghanen ihre Schwester, weil deren Leben nicht ihren eigenen Moralvorstellungen entsprochen hatte. Danach packten sie die Leiche in einen Koffer, fuhren mit der Bahn nach Bayern, wo sie das Opfer verscharrten.

Wenn diese Verbrechen nichts mit der kulturellen Herkunft der Täter zu tun haben sollen, sondern ganz allgemein dem Patriarchat geschuldet sind, wie manche Feministen  behaupten (siehe Demo in Wien), warum sollte dann mit den "überlegenen westlichen Werten" und Ideen der Menschen- und Frauenrechte überhaupt noch argumentiert werden? Warum sollte in der Ferne gelten, was im eigenen Lande spätestens seit 2015 schwer in Frage gestellt ist?

Wie andere in ihrem Land,  sollten wir hier in unserem Lande mit Nachdruck unsere Verhältnisse wieder zurechtrücken und uns auf die Werte unserer Kultur und deren Herkunft besinnen. Die Minimalforderung muß sein, wenigstens diejenigen umgehend unseres Landes zu verweisen, die  sich nicht an die geltenden Regeln und Gesetze halten, etwa Vergewaltiger.

Es kann für Europäer kein zurück hinter die Menschen- und Frauenrechte geben, allerdings muss man Realitäten zur Kenntnis nehmen und kulturelle Unterschiede akzeptieren können. Aufgezwungene Freiheiten sind keine Freiheiten. Die Afghanen müssen selbst entscheiden, ob und wie sie ihr System ändern wollen.

Ist der amerikanische Rückzug vom Hindukusch nach zwanzig Jahren wirklich eine Katastrophe für den Westen? Wurde er durch die Taliban gedemütigt? Für Bruno Bandulet (Jungen Freiheit vom 27.8.21) markiert der

Zusammenbruch der amerikanischen Marionettenregierung in Kabul eine weltpolitische Zäsur: Der Westen hat sein Gesicht verloren, die Idee einer liberalen Weltordnung hat sich als Chimäre herausgestellt.

In der NZZ vom 28.8 heißt es zum westlichen Projekts des Staatsaufbaus:

Die State-Building-Missionen des Westens sind gut gemeint, aber sie scheitern regelmäßig an ihrem moralisch überhöhten Anspruch.

Und weiter:

Das Projekt des Staatsaufbaus ist von einem tiefgehenden Moralismus geprägt, nicht nur in Afghanistan. Es ist die Idee, dass der Westen in anderen Orten der Welt fragile Staaten in Ordnung zu bringen habe.“

Dabei schwingt oft ein arroganter und missionarischer Ton mit. Die betroffenen Länder weisen zunehmend diese Arroganz zurück und entwickeln ein neues Selbstbewußtsein. In seinem Kommentar in der Jungen Freiheit ("Die Illusionen sind widerlegt" vom 29.8.) schreibt Thorsten Hinz:

Der Westen ist mit seinem kulturellen Universalismus in Afghanistan krachend gescheitert und muß zur Kenntnis nehmen, daß in der Welt Räume existieren, in denen seine Maßstäbe und Werte nicht greifen. Doch anstatt zu reflektieren, steigert er sich weiter in eine suizidale Spirale hinein.

Exemplarisch für ein suizidales „mehrdesselben“ (Paul Watzlawick)  steht Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn, der Massenansiedlung kulturfremder Menschen in Europa forciert,  weil er befürchtet, die „Flamme der Humanität könne in der EU total erlöschen.“

Daß der Westen mit seinem kulturellen Universalismus in Afghanistan gescheitert ist, spricht nicht  gegen einen europäischen  kulturellen Universalismus, sondern zunächst  gegen Selbstüberschätzung und Missionierungsbestreben. Auch sollte zwischen Politik und Moral in der Sache unterschieden werden. Gegen eine pseudoreligiöse Politik erweist sich die mit dem universalistischen Christentum erfolgte Trennung von politischem und sakralen Bereich immer noch als grundlegend und begründet den Unterschied zum Islam, der diese Bereiche nicht trennt.

Insofern ist das „empfindsam-schöne Gebilde des Humanismus“ (Viktor Jerofejew) durchaus zu verteidigen, und zwar zunehmend im kulturellen Europa.


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Kommentare (37)

RMH

10. September 2021 09:28

"Worin unsere  moralische Verpflichtung gegenüber den Ortskräften besteht, wird geflissentlich ausgeblendet. Diese haben ja kaum uneigennützig gehandelt, sondern mehr verdient als andere Afghanen und wußten, daß irgendwann das Militär abziehen würde."

Ok, im Sold war also das anschließende abgeknallt und ggf. gefoltert werden oder andere Racheaktionen gegenüber dem Kollaborateur und dessen eigenen Angehörigen mit eingepreist. Wo und in welchem Teil des Kleingedruckten des Anstellungsvertrags ist dieser Disclaimer zu finden?

Wunderbar, so einfach sind die Probleme also aus der Nabelsicht westlicher Rechter gelöst.

In einem zweiten Teil werde ich den grundsätzlich falschen Ansatz dieses Artikels kurz anreißen (Fundamental kann es bei 1500 Zeichen nicht werden).

RMH

10. September 2021 10:01

Der falsche Ansatz in Artikeln wie diesem ist, dass man davon ausgeht, dass ein Westen angeblich universale Werte in der Welt verbreiten will. Bei Raumordnungen und Geopolitik geht es aber nie um univers. Menschenrechte. „Anderen Ländern ihr westliches politisches System aufzuzwängen." ist wieder so eine Betrachtungsweise. Westliche Demokratien sind aber auch nur einer von vielen möglichen Modi einer Besatzung. Irgendwer dachte, mit diesem vermeintlichen Zuckerln besser Einheimische zur Kollaboration zu bringen und mit deutlich geringerem Aufwand damit ein Land sehr effizient besetzen und kontrollieren zu können. Zudem kann man damit auch die eigene Bevölkerung täuschen und ruhig halten. In Europa hat das auch halbwegs gut geklappt. In Afghanistan konnte es schon deshalb nie klappen, weil die Landesgrenzen Afghanistans nicht mal alle Paschtunen umfassen und so immer Austausch war und Dritte mit herein regieren konnten. Die Folge des Scheiterns des bisherigen Ansatzes ist doch die, dass man zukünftig wieder auf das alte Modell früherer Jahrzehnte zurückgehen wird. Man arbeitet eben mit örtlichen Diktatoren und Warlords und nennt es dann "verhandeln" (zum Schutz von bspw. Frauen - Krokodilstränen sind klar erkennbar). Konkret lässt man potentielle Stachel im Fleisch der Taliban eben als Teil des deals verrecken, wie es aktuell im Pandschir-Tal zu geschehen scheint. Man hat trotz Abzug aber immer noch einen Fuß in der Tür (bspw. via Qatar), ebenso wie Russland und China.

Gustav Grambauer

10. September 2021 10:09

Ortskräfte = Orzkräfte ...

- G. G.

Daniel

10. September 2021 10:13

Ob aus dem Afghanistan-Debakel nun die Erkenntnis folgt, dass neben dem Export "westlicher Werte" auch der umgekehrte Weg, also der Import von Kulturfremden in den Westen zum Zwecke ihrer anschließenden Umerziehung zu gefügsamen Arbeitss... demokratischen Staatsbürgern, ein langfristig zum Scheitern verurteiltes Unterfangen ist bleibt abzuwarten.

Bislang scheint man ja eher bemüht, jenen humanistischen Idealen mit der Forderung nach Aufnahme von "Ortskräften" Geltung verschaffen zu wollen. Die Feststellung, dass es sich hierbei vorwiegend wieder um junge Männer statt um vor patriarchalen Verhältnissen flüchtende Frauen handelt, ist in diesem Sinne aber sicher nur zynischer, da rechter Sand im Getriebe der edelmütigen Verwertungsmaschinerie, in der sich Integration ja ohnehin an der Abschöpfung des Arbeitspotentials bemisst.

Der_Juergen

10. September 2021 10:14

Der Abzug der Besatzer aus Afghanistan war unvemeidlich; auch Trump hatte sich dafür ausgesprochen (den sich aufdrängenden geordneten, stufenweisen Abzug aber nicht verwirklicht). Aber glaubt jemand ernsthaft, die Amerikaner hätten den Taliban nur aus Dummheit oder infolge schlechter Planung immense Mengen an Waffen hinterlassen? Gewiss nicht; die Taliban-Regierung soll offensichtlich benutzt werden, um Instabilität in den Nachbarländern zu schaffen und riesige Scharen von Flüchtlingen aus dem Land zu treiben, von denen ein Grossteil natürlich in Deutschland landen und unter denen es viele Terroristen geben wird.

Ja, die ohnehin geringe Glaubwürdigkeit der USA als Bündnispartner sinkt damit praktisch auf Null ab, und Biden ist schwer kompromittiert. Aber diese Kollateralschäden werden offenbar in Kauf genommen - zumal Biden ohnehin nicht mehr lange bleiben wird.

Der_Juergen

10. September 2021 10:18

2. Teil

Als die Sowjets Afghanistan verliessen, geschah dies in geordneter Form, und sie hinterliessen eine funktionsfähige Administration unter dem Reformer Najibullah, sicher dem besten Staatsoberhaupt, welches das Land in den letzten Jahrzehnten hatte. Najibullah hielt sich drei Jahre und wurde nur gestürzt und nach dem Einzug der Barbaren in Kabul ermordet, weil der elende US-Lakai Jelzin seiner Armee die benötigten Waffen nicht mehr lieferte, während amerikanische und englische Waffen in Strömen an die Taliban gingen.  Die USA, sowie in zweiter Linie Grossbritannien, sind die eigentlichen Verantwortlichen für den Sieg der "Gotteskrieger". 

Gotlandfahrer

10. September 2021 10:53

das empfindsam-schöne Gebilde des europäischen Humanismus.

Ist ggf. altes Zwischenergebnis des sich immer im Wandel befindlichen Plausibilisierungsnarrativs.  Sich stets ändernde Bedingungen von Herrschaft wechselwirken mit diesem so, dass der nächste Zustand derjenige ist, der die größte Chance auf Verwirklichung hat.  In diesen Zuständen kommt es weder auf Wahrhaftigkeit noch Konsistenz an.   Zielkonflikte aus jeweiligen „Leitlinien guten Handelns“ erzeugen erst dann Irritationen, wenn die Herrschaft sie nicht mehr wegdefinieren kann.  Ein Zeichen ihres Endes.  Insofern gilt es weniger ein „Gebilde“ zu verteidigen, so schön es auch geklungen haben mag, wie alles immer gut klang, was SEIN SOLLTE, denn das ist immer ein ungewinnbares Rückzugsgefecht. 

Ferner wurde das Thema regionaler Stammtische aus vorherigem Strange nicht abschließend gewürdigt.  Nachdem die Idee weitere Befürworter fand, möchte ich mich dem erneut anschließen und die Potenziale mit der Skizzierung eines denkbaren Ablaufes solcher Zusammenkünfte andeuten.  So ließen sich in der Tradition sokratischer Dialogführung gestaltete Abende gesellig abrunden:

https://youtu.be/tovpbI2i-O0?t=4

Laurenz

10. September 2021 11:27

 

@Der_Jürgen

Gegen Ihre Beiträge ist historisch erstmal nichts einzuwenden. Was einzuwenden ist, finden wir bei der Betrachtung Ihrer Schlußfolgerung. Dem aktuellen Westen ermangelt es am Demokratieverständnis & Sie schließen Sich dem an. Es ist doch offensichtlich, daß die Mehrheit der Bevölkerung Afghanistans lieber unter den Taliban leben möchte als unter einer westlichen Marionetten-Regierung. Kann schon wieder nicht sein, was nicht sein darf?

@Gotlandfahrer

"Stammtisch"

Für sowas braucht man integrative Persönlichkeiten, recht selten unter Rechten. @Franz Bettinger ist solch eine integrative Persönlichkeit. Aber da Franz sich aktuell gegen den Weg von EK, hierzubleiben, ausgesprochen hat, fällt Franzen aus, ein herber Verlust.

Andreas Walter

10. September 2021 11:32

Ist ja noch die Frage, ob dem "Westen" die Emanzipation (der stetige Machtzuwachs) der Frau so gut tut. So, als wäre die Jahrtausende alte Konstruktion (Ordnung) der Natur ein Fehler, sie keine ernsten Ursachen hätte. Ich sehe darin daher auch eher eine Fehlentwicklung, die den meisten Menschen jedoch nicht bewusst ist. 

quarz

10. September 2021 11:39

"Daß der Westen mit seinem kulturellen Universalismus in Afghanistan gescheitert ist, spricht nicht  gegen einen europäischen  kulturellen Universalismus, sondern zunächst  gegen Selbstüberschätzung und Missionierungsbestreben."

Hier wird en passant eine wichtige Korrektur des verbreiteten Denkfehlers formuliert, wonach eine Position der Nichteinmischung notwendigerweise auf einem kulturellen Relativismus im Allgemeinen bzw. auf einem moralischen Relativismus im Besonderen beruhe (und auf dessen "Scheiterhaufen" dann dies und jenes geopfert werde).

Das ist nicht der Fall. Man kann ohne weiteres eigene Normen für objektiv gültig und in anderen Kulturen wirkmächtige Normen für objektiv falsch halten und dennoch der Meinung sein, dass wir nicht dafür verantwortlich sind, dass die objektiv gültigen Normen überall durchgesetzt werden.

Maiordomus

10. September 2021 12:25

@Andreas Walter. Was Sie sagen, kann missverstanden werden; um ein Sie nicht bestätigendes Beispiel zu machen: den Typus Thatcher könnte man fast beliebig zum Regieren brauchen, eher besser als Johnson oder Trump;  auch von Golda Meir hiess es: "der einzige Mann im Kabinett". Damit rechtfertige ich nicht die Politik dieser beiden fähigen Frauen im Detail, aber ihre durchaus wohltuende Distanz von Frauenidentitätsjammerpolitik und dergleichen. Sie machten schlicht Politik und haben nie irgendeinen Frauenbonus in Anspruch genommen. 

Laurenz

10. September 2021 12:57

@Quarz

"Man kann ohne weiteres eigene Normen für objektiv gültig und in anderen Kulturen wirkmächtige Normen für objektiv falsch halten"

Nein, Quarz, das kann man nicht. Man kann dies, wenn, nur für den eigenen Nationalstaat & maximal für den eigenen Kulturkreis tun. Und selbst das bleibt fragwürdig, in Anbetracht dessen, daß nur noch die Hälfte der Bevölkerung für diese eigenen Normen steht. Und desweiteren frage ich Sie, wie Sie dazu kommen, Menschen irgendeine Objektivität zu unterstellen?

Laurenz

10. September 2021 13:17

@Maiordomus @Andreas Walter

Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Sie haben Selbst in Ihrer Logik @Andreas Walter Recht gegeben. Auch Männer in der Politik können Frauen sein. Aber wer wählt(e) denn Habeck oder Hitler?

Nordlicht

10. September 2021 13:22

Dass ab jetzt nur noch Mädchen und Frauen aus islamischen Gegenden aufgenommen werden (- wie EMMA/Schwarzers Vorschlag weiter zu denken wäre), hat doch was.

Sie sind sicherlich besser in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren als die afghanischen Männer.

quarz

10. September 2021 13:31

@Laurenz

"Und desweiteren frage ich Sie, wie Sie dazu kommen, Menschen irgendeine Objektivität zu unterstellen?"

Das habe ich in obigem Kommentar gar nicht getan, sondern ich habe drauf verwiesen, dass eine objektive Wertposition keine Einmischungsposition impliziert. Das ist lediglich eine Aussage darüber, was woraus (nicht) folgt.

In der Tat unterstelle ich aber (nunmehr), dass Werturteile - und zwar immer - mit objektivem Geltungsanspruch erhoben werden. Das ergibt sich aus der Bedeutung der sprachlichen Mittel.

Laurenz

10. September 2021 14:20

@Quarz @L.

Lesen Sie nicht Ihre eigene Beiträge gegen?

"Objektive Wertposition oder objektivem Geltungsanspruch"

Wie stellt man denn Objektivität fest? Hat Gott sich zur aktuellen Lage in Afghanistan geäußert?

RMH

10. September 2021 14:54

@quarz,

Sie haben völlig Recht. Ein Wertmaßstab ohne Gültigkeitsanspruch ist eben gerade keiner. Relativismus ist Zersetzungsmittel der Linken, die im übrigen für sich selber aber sehr klare und feste Anschauungen hat. Werterelativismus ist Dekonstruktion. 

Das in unseren Kreisen aufgrund der inflationären und missbräuchlichen Verwendung durch die Gegenseite zu unrecht gemiedene Wort 'Toleranz" bringt es doch klar zum Ausdruck: Man kann etwas ertragen, ohne es richtig zu finden, und wird deswegen in den meisten Fällen noch keine Schäden an der Psyche nehmen.

Der_Juergen

10. September 2021 15:04

@Laurenz

"Dem aktuellen Westen mangelt es an Demokratieverständnis, und Sie schliessen sich dem an. Es ist offensichtlich, dass die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung lieber unter einer Talibanregierung leben möchte als unter westlichen Marionetten..:"

Da Sie, wie schon oft festgestellt wurde, nicht richtig lesen können, unterstellen Sie mir wieder einmal Dinge, die ich nicht geschrieben habe. Es ist durchaus möglich, dass die Mehrheit der Afghanen die Taliban den US-Okkupanten und ihren Lakaien vorzieht. Und wo habe ich das bestritten?

tearjerker

10. September 2021 15:28

In Afghanistan ist weitgehend Frieden eingekehrt. Der Startschuss für die Rückführungen von Aylanten kann also endlich gegeben werden. Zudem sollten wir nicht vergessen, dass eine afghanische Führung, die die teilweise Verhüllung von Personen, die Einschränkung von Sport und anderen öffentlichen Veranstaltungen, die Bilderstürmerei und Umbennung von Einrichtungen aller Art und die Verstümmelung der Genitalien junger Menschen fordert und fördert der hiesigen Führung doch näher steht als beide Seiten zugeben würden. Grünes Licht also für die Normalisierung der Beziehungen. Die hysterische Reaktion der deutschen Öffentlichkeit zeigt, dass in Presse und Politik die pathologisch weinerlichen Fälle versammelt wurden, die allein schon durch die Vorstellung, es könnte sich irgendwann auch bei ihnen zu Hause niemand mehr finden, der ihre Neurosen pflegt, die Nerven verlieren. Vielleicht wurden aber auch einfach Geldflüsse durch die Umgruppierung der US-Ressourcen gekappt.

Breckert

10. September 2021 15:40

1/2

 

Als deutsche Männer zu Silvester 2015 im Herzen Deutschlands nicht mehr in der Lage waren, die eigenen Frauen vor Vergewaltigungen durch eine zusammengerottete Horde Ausländer zu beschützen, da wußte ich ganz dunkel in mir drin, daß es das war mit unserer Nation und unseren Werten.

Ich habe zunächst noch nach Erklärungen und Entschuldigungen gesucht. Auch der "Einzelfall" ist mir durch den Kopf gegangen.

Aber das war nur die aufsteigende Panik vor dem heraufziehenden Grauen, dem man nicht in die Augen schauen wollte.

 

Jetzt, nur wenige Jahre später, laufen Menschen hier wie die Laborratten mit Masken verkleidet durch die Straßen und stellen sich in Schlangen an, um ihren Schuß zu bekommen, der jeweils immer der letzte sein soll. Sogar ihre Kinder schleppen sie dahin mit.

Körperliche Unversehrtheit? Verhältnismäßigkeit? Das Primat des Souveräns?

Weg damit!

 

Wer von denen interessiert sich für Menschenrechte?

Weshalb sollte sich so jemand um afghanische Frauen kümmern, wenn man es um die eigenen nicht tut?

Hier, in unserem Land, verteidigt niemand mehr irgendwas.

 

Breckert

10. September 2021 15:41

2/2

In gewisser Weise aber haben die Taliban meine Sympathie.

Sie haben ein Ziel, scheuen keine Opfer; auch nicht aus den eigenen Reihen; haben nichts zu verlieren und damit alles zu gewinnen.

Sie sind von einer Idee, einer Fiktion durchdrungen. Unaufhaltbar.

Und der Mehrzahl der RRG-Wähler wünsche ich einfach nur noch, daß ihnen mitten in der Nacht von Talibankämpfern die Türe eingetreten wird und die Realität zu ihnen kommt.

Eine Realität ohne vegane Gendersternchen und Mikro-Rassismusverdächtigungen, dafür aber mit viel Testosteron und Gewalt.

Direkt und brutal.

 

Dann wird man sich der einst hart erstrittenen Werte erinnern, die man völlig ohne Not einer rosa Blase geopfert hat.

Und wo Humanismus nicht nur ein Wort war, bei dem man schon beim Buchstabieren scheitert.

Aber dann wars das auch.

quarz

10. September 2021 16:02

@Laurenz

"Wie stellt man denn Objektivität fest?"

Aus Gründen der thematischen Disziplin möchte ich nicht länger auf dem Punkt herumreiten, Sie aber darauf hinweisen, dass Sie allzu launisch von einer Fragestellung zur anderen springen. Es ging in meinem Hinweis um eine logisch-semantische Bewandtnis: welche Position steht mit welcher in welchem logischen Zusammenhang? Damit ist zunächst noch gar nichts über die Wahrheitswerte dieser Positionen gesagt, sondern nur über ihre gegenseitige Verträglichkeit. Vergleichsbeispiel:

Ich: Wenn Theo glaubt, dass der Mond aus Käse ist, impliziert das nicht, dass er auch glaubt, dass auf dem Mond Mäuse leben.

Laurenz: Wie können Sie unterstellen, dass der Mond aus Käse ist?!

Ergänzend habe ich dann zum Geltungsanspruch Stellung genommen. Auch das ist noch eine semantische Frage. Wer eine Norm für gültig erklärt, der erhebt den Anpruch, dass sie vor einem objektiven Maßstab Bestand hat (und bringt nicht nur zum Ausdruck, dass sie ihm gefällt). Relativistische Deutungen scheitern an der Semantik von normativen Urteilen. Sie werfen nun (die Wahrheitsfrage und damit die Metaphysik überspringend) plötzlich die Erkenntnisfrage auf. Wieder eine andere Ebene. Das sind alles interessante Fragen, aber sie gehören ganz verschiedenen Ebenen an.

 

Flaneur

10. September 2021 16:06

Die proklamierte Universalität der sogenannten Westlichen Werte war  - und ist - de facto doch nur ein Mäntelchen, mit dem imperialistische Geopolitik als angeblicher Demokratiexport verkleidet und schöngeredet wurde.

Diese Bemäntelung funktionierte in Bezug auf die westliche Bevölkerung hervorragend, wurde ihr doch so die vermeintliche moralische Überlegenheit der eigenen Kultur bestätigt, in der sie sich selbstgefällig suhlt, seitdem Ende der 1990er das angebliche Ende der Geschichte verkündet worden war. 

 

Mitleser2

10. September 2021 16:59

@Flaneur: Sie schütten das Kind mit dem Bade aus. Natürlich sind die abendländischen Werte erhaltenswert. Dass sie missbraucht wurden, steht auf einem ganz anderen Blatt, und sie sollten auch gar nicht exportiert werden. Ich möchte jedoch hier in Europa diese eigene Kultur, und nicht eine islamische/hinduistische etc. Das hat mit vermeintlicher moralischer Überlegenheit nichts zu tun.

Mitleser2

10. September 2021 17:07

Gerade gelesen: "All of Afghanistan’s 2,500 hospitals and clinics that were previously funded by the World Bank with money coming from donors like the European Union and the U.S. have given notice to the Health Ministry that they can’t continue operations beyond Sept. 10"

Afghanistan als eigenständiges Land war eine völlige Fiktion. Und unsere Steuern haben die Fiktion am Leben erhalten. Und sicher wird Maas auch die Taliban weiter bezahlen.

heinrichbrueck

10. September 2021 17:21

Zumindest wurde die "amerikanische" Zielsetzung so erklärt. Und wer ist "der Westen"? Man muß nicht alles glauben; auch wenn es "halbwegs gut geklappt", was eine Verhöhnung unserer Geschichte ist. Die Nachkriegsdemokratie klappt überhaupt nicht. Sie ist eine Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln. 
Die Menschenrechte der Drogentoten: https://www.globalresearch.ca/the-spoils-of-war-afghanistan-s-multibillion-dollar-heroin-trade/91 - 11. September - usw. Es gibt immer irgendwelche Erklärungen. "Seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden", na klar. 
"Und der Mehrzahl der RRG-Wähler wünsche ich einfach nur noch, daß ihnen mitten in der Nacht von Talibankämpfern die Türe eingetreten wird und die Realität zu ihnen kommt." - Auch ein interessantes Wahlprogramm. 

Laurenz

10. September 2021 17:27

@Der_Jürgen @L.

"nach dem Einzug der Barbaren in Kabul ermordet, weil der elende US-Lakai Jelzin seiner Armee die benötigten Waffen nicht mehr lieferte, während amerikanische und englische Waffen in Strömen an die Taliban gingen.  Die USA, sowie in zweiter Linie Grossbritannien, sind die eigentlichen Verantwortlichen für den Sieg der "Gotteskrieger". "

Hier sehen Sie die Machtergreifung der Taliban im Tun der Westmächte begründet & nicht im mehrheitlichen Willen der Bevölkerung. Vielleicht lesen Sie mal Ihre eigenen Beiträge.

 

@Quarz & RMH

"Relativierung"

Sie argumentieren völlig absurd & ideologisch, wie die Linke. Es gibt in politischen Fragen keine Objektivität außer für den Sieger in einem gewonnenen  Krieg. Hier aber müssen wir feststellen, daß die Gegenseite den Krieg gewonnen hat, also wenn, ideologisch & in der Realität objektiv richtig liegt. Allerdings ist der Sieg noch nicht so vollständig & endgültig, daß die Objektivität bei uns durchgesetzt werden könnte. Daher bleibt es baw. bei der Objektivität von Anno'45.

Ordo

10. September 2021 19:50

Jeff Bezos und Silicon Valley forschen mal wieder am ewigen Leben und der Frauen-Flashmob macht Kabul unsicher. Trotz Rutenhieben. Nein, die NWO hat ihr Pulver noch lange nicht verschossen. Unsterblichen Amazon*innen werden auch die Taliban nichts mehr entgegensetzen können. Dann wird auch über Kabul endlich die Regenbogenflagge wehen. Don't stop believing.

Ziemt es sich eigentlich, als Rechter Sympathien für die Taliban zu haben? 

Der_Juergen

10. September 2021 20:10

@Laurenz

Ob damals die Mehrzahl der Afghanen hinter Najibullah oder hinter den Taliban stand, weiss ich nicht, aber dass sich er sich nach dem Abzug der Russen noch drei Jahre halten konnte, zeigt, dass zumindest ein erheblicher Teil der Bevölkerung ihn unterstüzte. Natürlich kann sich auch ein relativ populäres Regime nicht halten, wenn es keine Waffen hat und die Gegenseite einen nie versiegenden Strom davon erhält.

Ein durchschnittlich begabter 14-Jähriger würde das mühelos kapieren.

Flaneur

10. September 2021 20:11

@Mitleser2

Afghanistan als Staat war eine Fiktion. Es war eine Fiktion, westliche Nationalstaatskonzeptionen auf Afghanistan übertragen zu können. Es war eine Fiktion westliche Modelle des Nationbuilding, die auf den naiven strukturfunktionalistischen Modernisierungstheorien der 1950er und 1960er Jahre basieren, auf Afghanistan übertragen zu können. Die ganze westliche Politik in Bezug auf andere Kulturen war - und ist - naiv und hechelt Fiktionen hinterher - zumindest auf der Oberfläche. Dahinter verbirgt sich bei genauer Betrachtung jedoch banaler geopolitischer Imperialismus, der halt bemäntelt werden muss, um ihn der eigenen Bevölkerung gegenüber begründen zu können. Und bei dieser Bemäntelung spielt die westliche Bevölkerung nur zu gerne mit, weil sie dadurch in ihrer Selbstgefälligkeit, in ihrem Narzismus so schön gebauchpinselt wird.

Gracchus

10. September 2021 20:34

@Laurenz

Quarz und RMH können das sehr wohl behaupten - behaupten kann man alles -, Sie finden das nur nicht überzeugend, ich schon und finde Ihre Position absurd, die darin besteht, dass moralisch ist, was die Macht sich durchzusetzen. 

URN

10. September 2021 20:49

Lieber Gustav Grambauer, dank Ihres Beitrags von 10:09 ist mein Wochenende ein gutes Wochenende; selten so gelacht. Nun endlich weiß ich,  worum es bei der ganzen Kacke geht: weil "Ortskräfte" eigentlich nur falsch geschriebene Orzkräfte sind und orzen nach Mundart der Koblenzer Umgebung das Hinterlassen von Essensresten meint, sind "Ortskräfte" schlicht und einfach Kleckerfritzchen. Und die will, ähnlich der Suppenkasper und Pinkelliesen, nun wirklich keiner haben.

Dietrichs Bern

10. September 2021 20:51

Man muss auch das Positive sehen: Die Bevölkerungsentwicklung wird uns gründlich von dem Zeit-Faz-Grün-Non-Binär-Edathy-Komplex befreien.

Wenigstens das. Ein Treppenwitz der Geschichte.

Hajo Blaschke

10. September 2021 21:43

Ich glaube, hier findet eine platonische Diskussion statt. Warum? Wer hat denn die afghanischen Frauen gefragt, ob sie denn nach feministischen Vorgaben leben wollen. Alice Schwarzer? Wer hat denn erkundet, ob die afghanische Bevölkerung die Scharia ablehnt? Angela Merkel?

Alles, was in Afghanistan seit hunderten von Jahren abläuft, geht uns in Deutschland nichts an. Gar nichts. Wir in Deutschland sind so kriecherisch, dass wir immer allen gefallen wollen. In Afghanistan will die Bevölkerung Niemandem gefallen. Die wollen leben, ohne Einmischung von außen. Siehe Khayber-pass.

Hajo Blaschke

10. September 2021 21:59

@ Mitleser2

Afghanistan war bis Anfang der 70-iger ein Staat, der seine Strukturen hatte und so existierte, wie es seinen Mentalitäten und Strukturen entsprach. In größeren Städten trug Frau Minirock und Schminke und alle fühlten sich als Teil der fortschrittlichen Welt. In den Dörfern lebte man wie seit tausenden von Jahren und ob man damit glücklich war oder nicht, interessierte Niemanden. Dann putschte man 1973 den König weg. Wer weiß warum? Und dann begann ein 50-igjähriges Chaos. Und jetzt sind Taliban an der Macht und stellen die Uhr soweit zurück, wie es dem afghanischen Volk recht ist. China spricht wahrscheinlich seit fast 20 Jahren mit den Taliban, weil es von Anfang an wusste, dass sich die moralischen. Menstruationsschmerzen des Westens in Afghanistan niemals durchsetzen werden. Auch Russland hat längst Kontakte zu diesen Taliban. Der Westen hat sich einen Schuss ins Knie verpasst und wird hoffentlich seine schizophrenen Idiotien ein für alle Mal begraben. Wenn er nicht selber begraben werden will.

 

tearjerker

11. September 2021 07:19

Der Begriff der Zeitenwende ist Teil der üblichen aufgeblasenen Rethorik des medialen Komplexes, der, nachdem er die ach so bedrohliche Saisongrippe des vorletzten Winters zur allgemeinen Bedrohung hochgeschrieben hat, den nächsten Unsinn beschwört. Kann man alles auch gleich durch ein ‚Hört uns zu!‘ ersetzen. Immerhin zeigt in der Debatte der Verweis auf Ortskräfte (RMH) oder qualifizierte Einwanderung (Nordlicht) wie schnell die angeblichen Verteidiger des Eigenen ihre Position räumen.

Rheinlaender

11. September 2021 08:45

@RMH

Es ist nicht klug und auch nicht gerecht, alle Probleme der Welt zu den eigenen machen zu wollen. Die Vorstellung, dass der deutsche Staat die Verantwortung dafür trage, die Lebensrisiken afghanischer Staatsangehöriger abzusichern, könnte beinahe einem kolonialen Weltbild entspringen. Zu den wichtigsten Lehren aus dem Afghanistan-Einsatz gehört m.E., dass Deutschland sich als Problemen heraushalten sollte, die es weder versteht noch lösen kann. Eine verantwortungsvolle und gerechte Politik würde Probleme soweit es geht vom eigenen Land und seinen Bürgern fernhalten. Die Aufnahme größerer Zahlen von Afghanen hingegen importiert diese Probleme nach Deutschland. Die Probleme Afghanistans werden die Afghanen selbst lösen müssen; der Westen hat 20 Jahre lang vergeblich versucht, dies an deren Stelle zu tun ist ist dabei bekanntlich gescheitert.

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