Frau Lengsfeld ist jetzt die Vera

vera lengsfeldGestern wurde allenthalben hochaufgeregt über das Wahlkampfplakat von Vera Lengsfeld (CDU) berichtet. Frau Lengsfeld strebt ein Direktmandat für den Berliner Wahlbezirk Friedrichshain-Kreuzberg an. Die plakatierte Parole lautet: Wir haben mehr zu bieten. Lengsfeld ist tief dekolletiert zu sehen, daneben Angela Merkel mit einem ebenso freizügigen Kleid.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Ihr nicht eben prall, aber doch schwer zur Aus­sicht gestell­ter Busen (Busen meint die Ver­tie­fung zwi­schen den Brüs­ten, die hier frei­lich mit bedeck­ten War­zen zu sehen sind) hat­te 2008 in Oslo für ein teils pikier­tes, teils erfreu­tes ohla­la gesorgt. Die FAZ zitier­te ges­tern genüß­lich einen Kom­men­ta­tor auf Lengs­feld Wahl­kampf­sei­te, der „Vera“ (Lengs­feld tritt hier tat­säch­lich als Duz-Kum­peline auf) fragt: „Sind Sie völ­lig ver­rückt geworden?“

Mein ers­ter Impuls: hier mal ein Dut­zend Poli­ti­ker­bild­chen ein­zu­stel­len, deren Gesich­ter bereits po-backi­ge Asso­zia­tio­nen erwe­cken – ohne, daß denen jemand „Ver­rückt­heit“ unter­stel­len würde.

Ein tie­fe­rer Blick in „Veras“ Abgrün­de belehr­te mich eines Bes­se­ren. Tat­säch­lich war ich naiv davon aus­ge­gan­gen, daß das Ver­spre­chen „mehr zu bie­ten“ und das mode­rat las­zi­ve Bild kei­nen inhalt­li­chen Zusam­men­hang erge­ben soll­ten. Denn a) wo leben wir denn?, und b) sind die abge­bil­de­ten Dekol­le­tés ja auch nicht soo ver­rucht und als Wahl­ar­gu­ment nicht mit­rei­ßend genug..

Ich hab mich getäuscht. Die Vera nennt ihr 700fach auf­ge­häng­tes Busen-Pla­kat tat­säch­lich eine „bewuß­te Pro­vo­ka­ti­on“. Sie  möch­te damit das Image der „Alte Män­ner-Bier­bauch-Par­tei“ (sic!) auf­po­lie­ren und freut sich die­bisch, daß schon Kreis­ver­bän­de (JU?!) Inter­es­se am Pla­kat bekun­det hät­ten und dar­an, “wie prü­de lin­ke Män­ner immer noch sind”.

Du mei­ne Güte, welch ein Pro­fil schält sich hier her­aus! Ein Brust­bild als Selbst­bild! Man begu­cke sich mal Veras Sei­te und schaue der Volks­ver­tre­te­rin eben nicht auf den Busen, son­dern auf ihre Schrei­be. Etwa:

Hey, Jungs, ent­spannt euch! Wo ist eure sexu­el­le Befrei­ung geblieben!

Lengs­feld schreibt trot­zig-froh­ge­mut, daß sich die gehäs­si­gen Kom­men­ta­re auf ihrer Sei­te im „unters­ten Pro­mil­le“ bewe­gen. Gemes­sen an der Besu­cher­zahl, die sich aller­größ­ten­teils in befrem­de­tes Schwei­gen hül­len, stimmt das. De fac­to machen die bösen und mit­lei­di­gen Stel­lung­nah­men hin­ge­gen etwa 50% aus – Pro­zent, wohl­ge­merkt; nicht Pro­mil­le, auch wenn letz­te­res Raum für wei­te­re Aso­zia­tio­nen gäbe.

Vera, final­ly:

Zum Schluß möch­te ich den Respekt, den Hali­na Waw­zy­ni­ak, die Bun­des­tags­kan­di­da­tin der Lin­ken, mir gezollt hat, zurück­ge­ben. Frau Hali­na (sic!) hat nicht nur mit ihrem Pla­kat bewie­sen, daß sie mehr A… in der Hose hat als die meis­ten Genos­sen ihrer Par­tei, die steht auch für eine neue Dis­kus­si­ons­kul­tur, die argu­men­tiert und nicht niedermacht.

Argu­men­te, Respekt , lie­be Frau Vera, das ist in ihrem Fall wohl wirk­lich für’n A…

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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