Stanislaw Lem, der pessimistische Futurologe

Die DDR-Jugend meiner Generation wurde von den Büchern Stanislaw Lems (1921 – 2006) begleitet.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Er wäre jetzt hun­dert Jah­re und gilt als eigen­wil­li­ger Sci­ence-Fic­tion-Autor. Sei­ne phi­lo­so­phi­sche Dimen­si­on, zu erle­sen in „Sum­ma tech­no­lo­giae“, bereits 1964 erschie­nen, bleibt bis­lang völ­lig unter­schätzt. Es eröff­net sich dar­in ein gedank­li­cher Kos­mos. Schwerst­emp­feh­lung für gedul­di­ge Leser.

Gebo­ren im Lwów, dem eins­ti­gen Lem­berg, wächst Lem in einer jüdi­schen Arzt­fa­mi­lie auf. Er über­lebt mit einer fal­schen Iden­ti­tät den Holo­caust, der ihm jedoch nicht zum Lebens­the­ma wird, jeden­falls nicht so wie vie­len ande­ren aus der jüdi­schen Schick­sals­ge­mein­schaft, son­dern in einer viel umfas­sen­de­ren Weise.

In sei­ner Schrift Das krea­ti­ve Ver­nich­tungs­prin­zip. The World as Holo­caust von 1983 for­mu­liert er:

Ich glau­be, daß der Holo­caust noch nicht been­det ist. Also in gewis­ser Wei­se war er mit dem Zwei­ten Welt­krieg been­det, aber er taucht immer wie­der auf, in den ver­schie­dens­ten For­men und Mas­ken, an den unter­schied­lichs­ten Orten.

Der Holo­caust als ein durch­gän­gi­ges Prin­zip, gar als per­ver­ser Teil der Con­di­tio huma­na? Lems Satz ist weni­ger poli­tisch oder his­to­risch gemeint, son­dern will zei­gen, daß Ver­nich­tung und Leid, jäh her­ein­bre­chend, unvor­stell­bar vor­her und unge­ahnt, in der Geschich­te eine viel grö­ße­re Bedeu­tung zukommt als einer ver­meint­lich ver­nünf­ti­gen Ent­wick­lung, die line­ar ver­läuft – vom Unzu­rei­chen­den zum Bes­se­ren, von der Unge­rech­tig­keit der Welt zu glo­ba­ler Gerech­tig­keit, vom pri­mi­ti­ven oder bösen Men­schen zum moral­ge­lei­tet besseren.

Von die­ser Kon­ti­nui­tät und Ste­tig­keit ist Lem nicht über­zeugt, sie gilt ihm als Täu­schung, als gefähr­li­che Wunsch­vor­stel­lung; alles, was war und ist, wider­spricht dem, und so besteht eben kein Anlaß, einem „Prin­zip Hoff­nung“ (Ernst Bloch) zu fol­gen. Im Gegen­teil. Nur soll der Mensch dar­an gera­de nicht ver­zwei­feln, son­dern damit leben lernen.

Reli­gio­nen und meta­phy­si­sche Sys­te­me sind ihm zwar in sich schlüs­sig, ins­ge­samt aber suspekt. Er setzt prag­ma­tisch auf Empirie:

Es waren näm­lich nicht Zustän­de einer ‚höhe­ren Erkennt­nis‘, son­dern es war die Empi­rie, die im Lau­fe eini­ger hun­dert­tau­send Jah­re die Errich­tung der Zivi­li­sa­ti­on ermög­lich­te, die ihrer­seits den Men­schen zur herr­schen­den Spe­zi­es auf der Erde mach­te. (…) Der Glau­be ver­mag den Gläu­bi­gen zu hei­len, aber nicht, wie es an ande­rer Stel­le heißt, Ber­ge zu ver­set­zen.“ Reli­gi­on erscheint Lem als „intel­lek­tu­el­le Fahnenflucht.

Man kann in ihm einen intel­lek­tu­el­len, mathe­ma­tisch und natur­wis­sen­schaft­lich durch­ge­bil­de­ten Reak­tio­när, einen lächeln­den Pes­si­mis­ten sehen, des­il­lu­sio­niert ange­sichts des­sen, was in sei­ner Lebens­frist zu erle­ben und zu erken­nen war, ein eher unglück­li­cher Mensch, viel­leicht, aber nicht hoff­nungs­los – genau in der Scho­pen­hau­er­schen Wei­se, daß gera­de die Des­il­lu­sio­nie­rung gegen­über der Geschich­te und eine nega­ti­ve Anthro­po­lo­gie zu einer Klar­heit füh­ren, mit der man sich damit abfin­den kann, daß es den gro­ßen Sinn, das Ziel, das Heil, die Erlö­sung nicht gibt. Eine befrei­en­de Einsicht?

Geschich­te und Evo­lu­ti­on sind Spie­le von ein und dem­sel­ben Typus. In bei­den wech­seln die Spie­ler, die phy­si­schen Umwelt­be­din­gun­gen, unter denen das Spiel abläuft, ja sogar die Spiel­re­geln. Und wenn auch in der Geschich­te die Men­schen mit­ein­an­der kämp­fen und in der Evo­lu­ti­on die Arten mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren, so ist ihr Haupt­geg­ner doch die Natur. Evo­lu­ti­on und Geschich­te sind Spie­le, bei denen die Natur wegen ihrer Unbe­re­chen­bar­keit ein merk­wür­di­ger Part­ner ist. Mal scheint er feind­se­lig, mal wohl­wol­lend zu sein. Das aber nur, weil es sich um einen unper­sön­li­chen Part­ner han­delt, einen, dem ‚alles gleich‘ ist, einen Part­ner, dem die Sie­ge der leben­den Spie­ler eben­so gleich­gül­tig sind wie ihre Niederlagen.

Der Gedan­ke an die Kon­tin­genz mag uns noch eher zur Demut ver­an­las­sen als der Glau­be an irgend etwas, denn die geschicht­li­che Zukunft bleibt unvor­her­seh­bar, was immer an Sta­tis­tik – gera­de in Wahl­pro­gno­sen durch­ex­er­ziert – und in der ver­mes­se­nen Hoff­nung, alles wäre bere­chen­bar, betrie­ben wird. „Zah­len und Figu­ren“ (Nova­lis) mögen Wahr­ge­nom­me­nes abzu­bil­den ver­mö­gen, sagen aber letzt­lich über den Fort­gang der Geschich­te in all den mensch­li­chen Fähr­nis­sen wenig bis nichts aus.

Lem war geschult an Alfred N. Whit­ehead, Bert­rand Rus­sell und Lud­wig Witt­gen­stein, also an Den­kern, denen es u. a. dar­um ging, zu prü­fen, was sich über­haupt klar fas­sen, den­ken und sagen läßt – ein Pro­blem, das Poli­ti­ker nie inter­es­siert, inso­fern sie in der Wei­se des nai­ven Rea­lis­mus ihre Vor­stel­lun­gen für die Rea­li­tät hal­ten und ihre Sen­dung unab­ding­bar für die rich­tig. Sie spre­chen unkri­tisch oder in mani­pu­la­ti­ver Absicht aus, was ihnen gera­de Nut­zen ver­heißt. Skep­sis, die eigent­lich Mut­ter der Weis­heit, ist ihnen fremd.

Und Lem befaß­te sich, einer Mode der fünf­zi­ger und sech­zi­ger Jah­re fol­gend, mit Kyber­ne­tik, jener Wis­sen­schaft, die sich als „Kunst des Steu­erns“ begreift, also sys­te­misch und von der Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung her denkt und Selbst­re­gu­la­tio­nen, Selbst­or­ga­ni­sa­tio­nen, Rück­kopp­lun­gen und Homöosta­se zu beschrei­ben und zu gestal­ten versucht.

Mit ihrer Hil­fe woll­te der Sozia­lis­mus sei­ne all­zu unfle­xi­ble Plan­wirt­schaft koor­di­niert und syn­chro­ni­siert in den Griff bekom­men. Heu­te, com­pu­ter­ge­stützt und über IT rea­li­sier­ba­rer als wei­land mit Loch­kar­ten, erlebt die Kyber­ne­tik eine gewis­se Wiederbelebung.

Kurz: Lem folgt einem Den­ken, das sehr genau ver­fährt, mathe­ma­tisch und logisch, und gera­de des­we­gen zu dem Schluß kommt, daß mensch­li­che Lei­den­schaf­ten davon nicht ein­zu­he­gen sind, ein genau­es Ana­ly­sie­ren und Den­ken also mit­nich­ten eine eben­so genaue Pro­gno­se des mensch­lich Künf­ti­gen ermöglicht.

Wir sind uns gemein­hin unse­rer Sache den­kend und pro­gnos­ti­zie­rend zu sicher, nicht nur mit Blick auf die Bör­se. Zwar ver­fü­gen wir über immer mehr Daten, aber es läßt sich dar­aus nicht unbe­dingt die Zukunft lesen. Schon wie wir die­se Daten wer­ten und ord­nen, ist ein Pro­blem, wie wir von Wahl­pro­gno­sen wis­sen: Das meis­te ist Zuschrei­bung, oft an der Rea­li­tät vor­bei, zu stets neu­er­li­cher Über­ra­schung oder Enttäuschung.

Wer als jun­ger Mann den herr­li­chen Früh­som­mer 1914 am Wann­see genießt, kann nicht gera­de­aus abse­hen, ob er ein paar Wochen spä­ter noch Eng­lish Bre­ak­fast auf einer lich­ten Ter­ras­se einer Dah­le­mer Vil­la genießt oder bereits in Stahl­ge­wit­tern um sein Leben fürch­tet. Auch unse­re Aus­sich­ten blei­ben kon­tin­gen­ter, als wir anzu­neh­men bereit sind.

Die Unvor­her­seh­bar­keit der kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Ent­wick­lung des Men­schen liegt in einer Vag­heit, die sich noch unsi­che­rer dar­stellt als jene der Evo­lu­ti­on, die ihrer­seits schon nicht von gerad­li­nig ablau­fen­den Auto­ma­tis­men bestimmt und vor­an­ge­trie­ben ist, son­dern von jähen Muta­tio­nen und Kata­stro­phen. Kon­ti­nui­tät des Dis­kon­ti­nu­ier­li­chen, je wei­ter vor­an in der Geschich­te und Tech­no­lo­gie­ent­wick­lung, um so ris­kan­ter dürf­ten sie unse­re Geschi­cke bestimmen.

In der Geschich­te dage­gen wer­den die Stra­te­gien der Men­schen durch den kul­tu­rel­len Fak­tor und durch die tech­no­lo­gi­sche Varia­ble der Hand­lungs­mög­lich­kei­ten modi­fi­ziert. Die­se Varia­ble und die­sen Fak­tor hat man eine Zeit­lang als ‚Fort­schritt‘ bezeich­net. Das war immer eine Über­trei­bung (sie­he die Kre­ma­to­ri­en und Hiro­shi­ma). (…) Dar­über, wie die Zukunft aus­se­hen wird, kann man von den Men­schen weder in ihrer Ver­gan­gen­heit noch in ihren gegen­wär­ti­gen Ansich­ten, Hoff­nun­gen und Ängs­ten etwas erfah­ren. (…) Wir leben in einer Epo­che des Nie­der­gangs und ver­zwei­feln über ihren Nie­der­gang, weil vom Ende einer Epo­che her die nächs­te wegen ihrer Unge­wiß­heit stets als bedroh­li­ches Dun­kel erscheint. Man kann die­ses Dun­kel nicht erhel­len, doch man kann es zumin­dest mit Ver­mu­tun­gen so weit durch­drin­gen, wie der begriff­li­che Hori­zont reicht, der das Den­ken begrenzt.

Bei aller Unge­wiß­heit der Pro­gno­sen setz­te Lem, dar­in eher Sci­ence-Fic­tion-Autor, auf die Mög­lich­kei­ten künf­ti­ger Tech­nik, aber selbst in deren Ent­wick­lung (Er sieht das Inter­net und das Smart­pho­ne gewis­ser­ma­ßen vor­aus.) erkennt er den Zufall als Antrieb, nicht die Pla­nung. Alle gro­ßen Erfin­dun­gen, er nennt das Peni­cil­lin und die Rönt­gen­strah­lung, man könn­te aber eben­so an Men­de­le­jews Peri­oden­sys­tem der Ele­men­te oder min­des­tens an die spe­zi­el­le Rela­ti­vi­täts­theo­rie Ein­steins den­ken, erfolg­ten eher zufäl­lig, als daß sie geplant wor­den wären:

Man braucht sich nur in einem belie­bi­gen Uni­ver­si­täts­ar­chiv die ver­staub­ten Ber­ge von Arbei­ten und Dis­ser­ta­tio­nen anzu­se­hen, die zur Erlan­gung eines aka­de­mi­schen Gra­des geschrie­ben wur­den, um sich zu über­zeu­gen, daß manch­mal unter Hun­der­ten von ihnen nicht eine zu auch nur eini­ger­ma­ßen nen­nens­wer­ten Resul­ta­ten führ­te. (…) Bei der wis­sen­schaft­li­chen For­schung ver­hält es sich ein wenig wie bei den gene­ti­schen Muta­tio­nen: die wert­vol­len und bahn­bre­chen­den machen nur einen gerin­gen Anteil sämt­li­cher Muta­tio­nen und For­schun­gen aus.

Und wo bleibt da die Moral?

Ich ver­traue nicht auf Ver­spre­chun­gen und glau­be nicht an Ver­si­che­run­gen, die sich auf einen soge­nann­ten Huma­nis­mus beru­fen. Gegen eine Tech­no­lo­gie hilft nur eine ande­re Tech­no­lo­gie. Der Mensch weiß heu­te mehr über sei­ne gefähr­li­chen Nei­gun­gen als noch vor hun­dert Jah­ren, und nach wei­te­ren hun­dert Jah­ren wird sein Wis­sen noch voll­kom­me­ner sein. Möge er dann davon Gebrauch machen.

Aber genau das scheint eben nicht ein­zu­tre­ten. Der Mensch, min­des­tens der gute Mensch der mitt­ler­wei­le durch­i­deo­lo­gi­sier­ten Ber­li­ner Repu­blik, weiß im Gegen­teil immer weni­ger um sei­ne Abgrün­de, son­dern kon­stru­iert sich so wie noch nie als aus­schließ­lich „huma­nis­tisch“, und eben dar­in liegt die gegen­wär­tig aller­größ­te Gefahr – in der fal­schen Ein­ge­bild­etheit, so zu sein, wie der Mensch – zu sei­nem Glück oder Unglück – gar nicht sein kann. Lem:

Die Moral ist eben­so wie die Mathe­ma­tik will­kür­lich, da bei­de sich durch logi­sche Über­le­gun­gen aus (will­kür­lich) ange­nom­me­nen Axio­men ableiten.

Wir fol­gen gegen­wär­tig polit­mo­ra­lisch sehr frag­wür­di­gen Axio­men, und genau damit trei­ben uns heil­lo­se Illu­sio­nis­ten, ideo­lo­gisch auf­ge­rüs­tet, erneu­ter Dra­ma­tik entgegen.

Auf­klä­rung, die die­sen Namen ver­dient, zu Ende gedach­ter Auf­klä­rung, eig­net eine fins­te­re Sei­te, eben jene, die Scho­pen­hau­er, Stir­ner, Nietz­sche kann­ten. Und auf sei­ne Wei­se eben­so Sta­nis­law Lem. Sie gehö­ren in die gro­ße Biblio­thek der Reak­ti­on, die uns klü­ger zu beschüt­zen weiß als die uto­pis­ti­schen und qua­si­re­li­giö­sen Träu­me­rei­en links­grü­ner Welt­kon­struk­ti­on, mit der mal wie­der ein „neu­er Mensch“ ent­wor­fen wer­den soll, den es so nie geben wird. Hof­fent­lich nicht.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (29)

RMH

22. September 2021 11:43

Lem war auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs mehr oder weniger  Pflichtstoff für alle Knaben, die ein Gymnasium besuchten und eine gewisse Affinität zu Technik, Science-Fiction etc. hatten.  Lem Leser fand ich bspw. in der Schachgruppe meiner Schule. Überhaupt finde ich es gut, wenn an gewisse Science-Fiction Autoren auf SiN regelmäßig erinnert wird. P.K. Dick wurde hier ja auch schon vorgestellt.

In Punkto Smartphone Vorhersehen darf Ernst Jünger nicht fehlen, der mit dem "Phonophor" in "Heliopolis" aufwartet (erschienen 1949).

t.gygax

22. September 2021 12:38

Lem ist  eine kurzfristig aufbauende Lektüre, die aber dann ein schales Gefühl hinterläßt, im Sinne von " wozu das Ganze ?" Daß er philosophisch umfassend gebildet war, steht allerdings fest- und einen sehr eigenwilligen Humor hatte, der eine gewisse Bitterkeit verdeckte, ebenfalls. ( Er hatte auch gute Übersetzer!)

Aber Clive Staples Lewis mit seiner "phantastischen Trilogie" spielt da doch in einer ganz anderen Liga, erzählerisch wie auch von der Gedankenfülle her. Und in heutigen Zeiten transhumanistischer Erlösungskonzepte bedrückend aktuell...

Zu Lem: in einem Interview sagte er einmal ( sinngemäß) "die polnische Sprache sei ein Gefängnis, erst mit der deutschen Sprache habe er sich die Welt erschlossen". So etwas von einem Polen zu hören, baut richtig auf- unsere Sprache ist wunderschön, tief und vielschichtig, und das muss Lem einfach gespürt haben. Ich glaube nicht, daß er damit nur auf seine üppigen Einkünfte , die aus Deutschland kamen,  anspielte.

Franz Bettinger

22. September 2021 12:46

Danke für diesen großartigen Aufsatz zu Lem. Ich kannte den Mann nicht. Es besteht kein Anlaß, einem 'Prinzip Hoffnung' (Ernst Bloch) zu folgen. Ja. Leider. "Der Glaube vermag den Gläubigen zu heilen, ja, aber er kann nicht Berge versetzen. Religion ist eine intellektuelle Fahnenflucht.“ Tolle Sätze! Ganz persönlich: Früher glaubte ich nicht an den Teufel. Heute sehe ich, dass ohne Annahme eines Teufels der wiederkehrende Rückfall in die Barbarei kaum zu erklären ist. Ist das tröstlich? Irgendwie auf eine paradoxe Art schon.

PeWi

22. September 2021 14:52

Lem war mein Lieblingsautor. SciFi der etwas anderen Art, konnte man in seinen Büchern lesen. Ich vergesse nie, als er in seinen Sterntagebüchern über ein Parlament auf irgendeinem Planeten schrieb: ein Parlament der Waschmaschinen und wenn man keine war, hat man sich als Waschmaschine ausgegeben. Wie wahr, wie wahr - sehr heutig.

Ralph

22. September 2021 15:37

„ Religion ist eine intellektuelle Fahnenflucht.“

Darüber sollten einige Sezessionisten mal nachdenken.

Laurenz

22. September 2021 16:32

Diese interne Debatte von HB über die Entwicklung des Menschen basiert auf einer fatalen & maßlosen Überschätzung des technischen Fortschritts.

Was die Intelligenz betrifft, so muß man festhalten, daß der Mensch durch die Erfindung des Geldes vor nicht ganz 3.000 Jahren, also gut 100 Generationen eher degeneriert.

Wieso sollte ein Mensch vor 2.000 Jahren weniger intelligent gewesen sein, als heute? Zu dieser Schlußfolgerung besteht überhaupt kein Anlaß.

Wenn wir in die Antike schauen, so sind unsere Philosophen der Aufklärung eher wenig zweckdienlich, denn sie holen uns aus dem natürlichen Menschsein heraus. Dazu gehört auch unser Freund & Nichtsnutz Schopenhauer, wie die ganzen anderen Tintenkleckser auch.

Römer & Hebräer hatten zu ihrer Zeit überhaupt kein Problem damit, selbst getätigte Genozide zu publizieren. Caesar selbst berichtete quasi über 1 Mio. gemordete Gallier in 7 oder 8 Jahren Jahren, das heißt nicht ganz 400 Gemordete pro Tag über die gesamte Dauer des Krieges betrachtet, ohne Kugel & Pulver eine enorme, frühindustrielle Leistung.

Die Hebräer verkündeten stolz über ihre Völkermorde im AT. Helau!

An den historischen Fakten erkennt man, daß seinerzeit die Begriffe Barbarei & Zivilisation eine ganz andere Bedeutung hatten, als heute. Und welche, so darf man zurecht fragen, ist artgerechter?

Gotlandfahrer

22. September 2021 17:58

1/3

Danke für den gedanklich anregenden Beitrag.

Dass uns ALLES, selbst das Verspritzen von Hühnerblut über offenem Feuer oder ungehemmter Vodkakonsum, klüger zu beschützen weiß, als die utopistischen und quasireligiösen Träumereien linksgrüner Weltkonstruktion, ist eine hinter den Möglichkeiten Ihres Beitrags zurückbleibendes Fazit.

Lem, er wurde mir seinerzeit noch von linken Lehrern präsentiert, die heutigen kennen ihn vermutlich gar nicht, erkennt richtig – es klingt mittlerweile selbstverständlich, nicht einmal Baerbock würde es so lallen  - dass es keinen linearen Pfad der Vernunft von Unzureichend zu Besser gibt.  Also Geschichte nicht ex ante geplant werden kann (oder auch nur das „Klimasystem“, womit ich meine Bemerkung zu Baerbock zurückziehe).  Aber er irrt doch wohl, wenn er die Errichtung der Zivilisation als Ergebnis von Empirie versteht, also im Sinne einer Art zufallsgetriebenem Trial-and-Error-Verfahren, das sich nach kybernetischen Gesichtspunkten verbessern, aber im Prinzip weiter rein explorativ anwenden ließe. Jedenfalls da er mit „Empirie“ eben nicht den Niederschlag von genealogisch weitergereichter Erfahrung in „Religionen und metaphysischen Systemen“ meint, sondern ebenfalls nur die nackte Vernunft, bloß eine ex post auswertende.  Auch Lems Gestalter der Geschichte haben also einen Laborkittel an und weder Tracht noch Gewand. 

Gotlandfahrer

22. September 2021 17:59

2/3

Nach HB sieht Lem eingreifende Weltgutachter ihre Protokollordner beständig mit neuen Messwerten ergänzen, und hundert Jahre später weiß der Mensch halt mehr über sich und handelt besser, sofern ihn nicht seine suspekte Metaphysik immer mal wieder in den Wahnsinn treibt.

Danach wären römische Aquädukte zufällige Folge eines zuvor gescheiterten Versuches „Brunnen“, nach dessen Versiegen Massen verdursteten.  Ein Fortschritt, den Altchristen einem göttlich gestifteten Ideenfunken der Bauenden zugeschrieben hätten, während der Marxist ihn als Frucht eines antiken Fünfjahresplans zur Befriedigung real existierender Bedürfnisse verstanden wissen wollte.  Ich vertrete dazu ja die profane Ansicht, dass alles ein bißchen zusammenwirkte, vor allem aber das Ausbleiben der intellektuellen Fahnenflucht.  Das heißt, die Menschen pflegen sich ihren Problemen zu stellen, sofern sie ihnen nicht ausweichen können.  Und je mehr gemeinschaftliches Handeln die Problemlösung erfordert, desto mehr hilft es den Menschen, nach PRINZIPIEN zu handeln, und nicht nur nach Interessen, was wiederum ein Ergebnis höherer kultureller Fertigkeiten ist, die auf Erden allein dem Menschen innewohnen können (nicht überall und immer müssen).  Das kann man, denke ich, schon auch dem Bereich der metaphysischen, mithin spirituell-religiösen Kapazität des Menschen zuordnen, worin dem werten Lem folglich wohl widersprochen werden kann, denn der hält diese Dimension ja für suspekt.

Gotlandfahrer

22. September 2021 17:59

3/3

Ob HB mit der Feststellung, wir folgten heute politmoralisch fragwürdigen weil im Prinzip stets willkürlichen Axiomen, Lems Sichtweise dann nun widerspricht oder ihr doch zustimmt, habe ich nicht verstanden (mag an mir liegen).  Der Text scheint aber eben gerade in der Willkürlichkeit der erfahrungsbasierten Axiome den entscheidenden Mangel des heutigen Handelns zu sehen.  Den Autor verstehe ich mit anderen Worten so: Lems Idee von der Geschichte als kybernetisch verbessertem Trial-and-Error-Verfahren ist eigentlich nicht schlecht, jedenfalls besser als der linksgrüne Planungswahn, wir brauchen nur die richtigen Axiome (obwohl sich die ja aus dem Verfahren ergeben sollen).  Hier meine ich: Wie auch in der Mathematik sind Axiome nicht einfach willkürlich, denn sie dienen einer in der Wirklichkeit auf Erfolg überprüfbaren Anwendung, die also als „gut“ oder „schlecht“ erfahrbar ist und nicht nur rein abstrakt.  Also ja, die heutigen Axiome sind erfahrbar schlecht, das heißt aber nicht, dass wir im Lem’schen Sinne hier auf ein kybernetisch ansteuerbares oder doch noch rein zufällig eintretendes Innovieren setzen können, denn sie sind schlecht, gerade weil sie nicht willkürlich sind.  Sie sind schlecht, weil sie als schlecht gewollt sind! Weil sie nicht aus unserem metaphysischen Niederschlag stammen, sondern aus oktroyierten Schadanweisungen.

zeitschnur

22. September 2021 22:33

„Zahlen und Figuren“ (Novalis) mögen Wahrgenommenes abzubilden vermögen, sagen aber letztlich über den Fortgang der Geschichte in all den menschlichen Fährnissen wenig bis nichts aus.

Ich gehöre auch zu der Generation, der Lem im Westen als einer serviert wurde, den man zu lesen hatte. Überhaupt: links, Suhrkamp Taschenbuch, must read.

Es war so stinklangweilig, dass ich über zwei Seiten nie hinauskam. Kybernetik, Evolution, Fortschritt, Lem-Bände wurden grau unter meinen Augen und ab der berühmten Seite 3 zerfielen sie zu Staub. Alles so ein gewollter und gestelzter Kram, im Prinzip dasselbe wie manche serielle Musik. Aber was soll in diesem modernen Weltall auch Interessantes passieren, in diesem lächerlichen Vakuum mit seinen impotenten Sonnen und aalbernen Fehlschlüssen? Als Ort der Parabeln taugt es einfach nichts.

Las dann doch lieber Goethe. Oder Schiller. Oder Novalis. Oder Dostojewksi. Oder Peterchens Mondfahrt.

quarz

22. September 2021 22:56

@Gotlandfahrer

Axiome haben in erster Linie eine systematisierende Funktion. Sie bringen Ordnung in einen vorab anerkannten Haufen von Behauptungen, indem sie diesen logisch auf seinen Kernbestand reduzieren (aus dem die Behauptungen dann wiederum demonstrativ ableitbar sind).

Axiome entziehen sich also in dem Maß der Willkür, in dem sie den Behauptungen, die sie systematisieren, gerecht werden müssen. Spielraum für Willkür lässt allerdings der Umstand, dass ein und derselbe Haufen von Behauptungen durch unterschiedliche Gruppen von Axiomen systematisiert werden können. Die Entscheidung für eine von ihnen hat weitgehend ästhetischen Charakter.

Eo

23. September 2021 01:54

Dein letzter Satz, Gotlandfahrer,
trifft es voll und ganz. Und benennt das Problem und wodurch dieses bedingt ist, ohne die Pararas zu nennen.

Denn die Grundfrage lautet nun mal, sieht man die Welt und damit auch das Leben (nur) materialistisch oder verortet man darüber auch/noch eine geistige, bzw. feinstoffliche Ebene, die letztendlich der Materie Form und Richtung gibt ?

Und je nachdem, wie diese Frage beantwortet wird, gestaltet sich dann das Leben. Konkret gesprochen heißt das in etwa, mache ich mich auf die Suche nach der verlorenen Mitte, um echte Erfüllung anzustreben oder treffe ich eine materialistische Entscheidung, wie sie heute weit verbreitet ist, und reihe mich ein mit den vielen beim Tanz um das Goldene Kalb ?!  Genau darin unterscheiden sich dann ja auch die Menschen ...

Volksdeutscher

23. September 2021 11:06

Es ist nicht notwendig, Lem in der Sache grundsätzlich beizupflichten. Man kann Religion zwar als intellektuelle Fahnenflucht deuten und bezeichnen, aber für die Betrachtung dessen sollte gelten, wozu der einzelne seinen Glauben benötigt und weshalb er an ihm festhält. Ansonsten wird jeder nur seinen eigenen Umgang mit seinem Glauben beurteilen und bewerten können.

Nordlicht

23. September 2021 12:32

"Schwerstempfehlung für geduldige Leser."

Das möchte ich unterstreichen; von Gymasialzeiten an (ab Obertertia) über fast 60 Jahre lese ich Lem immer mal wieder, meist zufällig nach einem seiner Bücher greifend, und finde - lebenserfahrungsbedingt - immer wieder neues überlegenswertes. 

Die positive Bedeutung des technischen Fortschritts für die Menschheit zu leugnen ist mE borniert. Unsere Lebensbedingungen haben sich extrem verbessert, durch die Industrialisierung der letzten 200 Jahre hat die Masse der Menschen Zeit zum Denken und Lernen hinzu gewonnen, was nun einmal die Bestimmung des Menschen ist.

Gegen den technischen Fortschritt zu schimpfen, weil er "die Natur" schädige oder zerstöre, verkennt mE den Umstand, dass der Mensch in seiner Gegebenheit Teil der Natur ist. Schon immer hat der Mensch gegen die Natur in sich und ausserhalb seiner kämpfen müssen, auch das ist seine Natur. Ob mit oder ohne Religion.

Waldgaenger aus Schwaben

23. September 2021 13:51

Geschichte und Evolution sind Spiele von ein und demselben Typus.

 

Ich greife das mal als Quintessenz heraus. Die Unberechenbarkeit des Spielfelds und so weiter sind Ausarbeitungen. Anzumerken ist noch, dass der Mensch im Gegensatz zu anderen Arten die unbelebte Natur weitaus besser zu manipulieren versteht, was die Evolution als treibende Kraft mehr und mehr an Bedeutung verlieren lässt. Eigentlich lebensunfähige Menschen wie ich (starke, angeborene Kurzsichtigkeit usw) können sich fortpflanzen, und haben es.

Führt man den Gedanken zu Ende, wirklich zu Ende, landet man bei einer Spielart des Darwinismus: Die Geschichte als ewiger Kampf von Stämmen, Ethnien, Völkern oder Rassen.

Zugespitzt: Immerwährender Holocaust oder Christentum.

Alles andere nenne ich intellektuelle Fahnenflucht. Das meint nicht ein Christentum durch die Brille Franziskus' (des Heiligen, nicht des derzeitigen Papstes) betrachtet, sondern ein kämpferisches Christentum, das Politik und Religion um des Überlebens willen trennt und um die Notwendigkeit der Selbstbehauptung weiß, das aber im Kampf um das Dasein die Härten gegen die Unterlegenen auf ein Mindestmaß reduziert, weil es weiß, dass diese Welt endlich ist und am Ende die Parusie und das Gericht stehen.

Der_Juergen

23. September 2021 15:59

Ausnahmsweise off topic:

Ich gratuliere Bosselmann zu seinem ausgezeichneten Artikel "Virus, Verschleiss, Verwahrlosung" in der neuen Ausgabe von "Compact". Wer "Compact" noch nicht abonniert hat, möge dies übrigens nachholen;die Zeitschrift bietet Information auf sehr hohem Niveau und ist wie "Sezession" und "Zuerst" ein Leichttum der Hoffnung in dieser grauenvollen Zeit.

Der_Juergen

23. September 2021 16:25

@Waldgänger

Ich stimme Ihnen ja längst nicht immer zu, aber Ihre Wortmeldung von 13.51 Uhr unterschreibe ich sehr gerne.

Das klassische Argument der Christentumsgegner "Aber unter dem Christentum gab es doch zahllose Greuel" ist nur sehr bedingt stichhaltig. Abgesehen davon, dass man z. B. die spätmittelalerlichen Hexenverbrennungen oder die Versklavung unterworfener Völker unter keinen Umständen mit dem Neuen Testament rechtfertigen konnte, ging während der christlichen Epoche niemals ein Herrscher so weit, seinem eigenen Volk den Krieg zu erklären, wie es z. B. die "Elite" der BRD seit langem de facto tut. Auf die Idee, unter Berufung auf eine fiktive Pandemie ein ganzes Land in ein Gefängnis zu verwandeln, Kinder mit gesundheitsschädigenden Masken zu quälen und sein Volk mit Giftspritzen zu drangsalieren, wäre kein mittelalterlicher Herrscher verfallen, selbst wenn das damals technisch möglich gewesen wäre.

Es gibt Stufen der Bosheit und Verworfenheit, die erst in der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart erreicht worden sind. Wie heisst es doch: Wo die Tempel verwaist sind, ziehen die Dämonen ein. Man lese in diesem Zusammenhang z. B. den grossartigen Artikel "16 Jahre Merkel: Eine Höllenfahrt" von Werner Bräuninger in Ausgabe 10/21 von "Compact".

Waldgaenger aus Schwaben

23. September 2021 16:52

@Der_Juergen

Danke für die Rückmeldung.

Zum von rechter Seite immer wieder erhobenen Vorwurf der mangelnden Verteidigungsbereitschaft des Christentum muss man gar nicht auf den Bischof Ulrich, der die Ungarn-Einfälle abwehrte, verschiedene Päpste, die das christliche Abendland im Kampf gegen die Türkengefahr einten, zurückgreifen. Zu meiner Lebenszeit und der der meisten der Leser hier gab es noch christliche Bischöfe, die es ethisch für vertretbar hielten, zur Abschreckung Atomwaffen vorzuhalten und glaubhaft mit deren Einsatz zum Erstschlag zu drohen. Heute undenkbar.

der michel

23. September 2021 20:58

Schopenhauer, Stirner, Nietzsche - Lem.

Hinter Lems "science fiction" steckt tatsächlich viel mehr, als irgendeine Technik-Affinität...

Chapeu, Herr Bosselmann!

Cugel

24. September 2021 00:36

@Waldgänger
"Anzumerken ist noch, dass der Mensch im Gegensatz zu anderen Arten die unbelebte Natur weitaus besser zu manipulieren versteht, was die Evolution als treibende Kraft mehr und mehr an Bedeutung verlieren lässt."

Das ist ein nicht von der Hand zu weisendes Problem. Andererseits kann man wie z. B. Minsky der Ansicht sein, daß auch die Technik Teil der Evolution ist. Der Mensch als Evolutionsbeschleuniger, bis er mit der Maschine verschmilzt (oder die Maschine ihn aus derselben tilgt.). In "Der Unbesiegbare" läßt Lem den Menschen auf das Produkt einer kybernetischen Evolution treffen und dabei den Kürzeren ziehen.

Cugel

24. September 2021 00:54

@Nordlicht
"Unsere Lebensbedingungen haben sich extrem verbessert, durch die Industrialisierung der letzten 200 Jahre hat die Masse der Menschen Zeit zum Denken und Lernen hinzu gewonnen, was nun einmal die Bestimmung des Menschen ist."

Wenn es die Bestimmung ist, dann ist zu konstatieren, daß die Masse ihr nicht folgt. Die Masse konsumiert. Die durchschlagende Verbesserung unserer Lebensbedingungen durch die Technik ist unbestreitbar, aber die Kehrseite dieses Prozesses eskaliert. Das Mögliche wird verwirklicht, der Covid-Budenzauber gibt einen Vorgeschmack, denn wir stehen erst am Anfang. Das Maximum massenhafter individueller Freiheit haben wir hinter uns. Das Hausschwein ist nicht zur Freiheit und erst recht nicht zum Denken bestimmt.

Dazu beispielhaft:
https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/eigenrechte-natur-klimawandel-oekosystem-fluesse-wald-klagebefugnis-rechtspersoenlichkeit-klimaschutz-umweltschutz/

Waldgaenger aus Schwaben

24. September 2021 09:31

@Cugel

Technik gibt es auch bei Tieren (Ameisenbau, Vogelnester) . Dieser Technik ist gemeinam, dass es über Jahrtausende hinweg keinen Fortschritt gibt, oder nur sehr langsamen, ausgelöst durch Umwelt-Veränderungen. Ähnlich war es bei uns Menschen in vielen Gegenden der Erde, jahrtausendelang keinen Fortschritt in Ackerbau, der Viehzcht oder der Waffentechnik. Alles elementar für das Überleben.

Ab  ca. 1750 etwa hat ausgehend vom Abendland eine Explosion der technischen "Evolution" stattgefunden, die in der  menschlichen Geschichte und der natürlichen Evolution kein Vorbild hat. (Die Natur macht keine Sprünge) Ein Geschehen, das noch lange nicht verstanden wurde.

Wir wissen nicht mal, ob diese Explosion heute zu Ende ist, oder wir wie Lem und Minsky meinen, erst am Anfang stehen. Einem Vergleich der natürlichen Evolution mit der Technik-Entwicklung kann ich nicht zustimmen.

URN

24. September 2021 09:36

Und Sie, Cugel, konsumieren nicht? Und wenn doch, schämen Sie sich, Sie verhausschweintes Teil der Masse. Ab in die Ecke zum Schämen. 

Laurenz

24. September 2021 12:21

@Waldgänger aus Schwaben @Der_Sandkastenkrieger

"Verteidigungsbereitschaft des Christentums"

Der Aufruf Urbans II zum Kreuzzug war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für 200 Jahre holte man sich die ökonomisch eminenten, einstmals christlichen Häfen des östlichen Mittelmeers zurück. Auch die Übernahme des Stuhls Petri durch die Kaufleute (Medici) stellt zwar eine absolut gelungene Konter-Revolution von oben dar, bewirkte aber nur das Ausweichen über andere Seewege um die durch die Islamische Eroberung verlorenen Handelswege zu reaktivieren. Am besten wird dies kenntlich durch die statistische Arbeit von Dr. Bill Warner https://youtu.be/eKdZqtKrBAE

Wenn wir Ihr Christentum ideologisch beobachten, war seit Theodosius die Orientalisierung des Abendlandes längst vollzogen & es dauerte 1.000 Jahre um diesen orientalisch biblischen Totalitarismus durch unfreundliche Übernahme umzukehren.

Laurenz

24. September 2021 12:34

@Cugel @Nordlicht

"Lebensbedingungen haben sich extrem in den letzten 200 Jahren verbessert"

Mir unverständlich, warum auf der SiN immer noch diese extremen Wahrnehmungs-Probleme auftreten, die eigentlich der Masse des Mobs vorbehalten sein sollten.

Auch für SiN-Konsumenten scheinen die Mob-Analysen eines bekannten deutsch-österreichischen Politikers in seiner bekannten Publikation zuzutreffen.

Für über 5 Milliarden Menschen (fast 6, also die Mehrheit) hat sich in den letzten 200 Jahren gar nichts verändert.

Auch für jeden Blöden wird hier die Realität auf unserem Globus augenscheinlich 

https://youtu.be/l6tSqGCfoCI

Laurenz

24. September 2021 12:42

@URN @Cugel

Unseren Konsum, oder was wir dafür halten, oder beschrieben im technischen Fortschritt, haben auch die intelligenten Asiaten nur der Entstehung der weißen Rasse in der letzten Eiszeit (seit ca. 40.000 Jahren, also ca. 1.400 Generationen) zu verdanken.

Der Hang zum Tüfteln, mit dem man körperliche Arbeit oder überhaupt Arbeit vermeiden kann, ist ein weißer.

Von daher ist Konsum in seiner jeweiligen Dimension nur eine Frage von jeweiliger Plausibilität. Eine grundsätzliche Ablehnung des Konsums im totalen Aspekt ist daher anti-weißer Rassismus.

URN

24. September 2021 14:43

Warum richten Sie, Laurenz, Ihre Botschaft von 12:42 (auch) an mich? Schrieb ich irgendwann auch nur eine Silbe für teilweise oder gar grundsätzliche Ablehnung des Konsums? 

Laurenz

24. September 2021 15:53

@URN

Mein Beitrag richtete sich nicht gegen Sie persönlich, sondern gegen das Zitat unter Ihrem Beitrag, also eine reine Formalie, damit etwaige Leser den Strang finden.

URN

24. September 2021 18:02

Ach, Laurenz, welches Zitat haben Sie denn nur unter meinen 2 1/5-Zeiler drunter haluziniert?