22. September 2021

Über Hans-Georg Maaßen und seine Fans

Benedikt Kaiser / 27 Kommentare

In Teilen des Bundesvorstandes der AfD samt Wochenzeitung Junge Freiheit macht sich Hoffnung breit:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Wenn der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen (CDU) seinen Wahlkreis in Südthüringen gewinnen kann, indem die AfD auf die Wahl ihres eigenen Kandidaten verzichtete und Maaßen gegen den SPD-Lokalmatadoren stärkte (der wiederum von den Grünen, nicht aber den Linken unterstützt wird), bräche womöglich etwas auf in Deutschland – das konservative Element der Union!

Man geht in diesen Kreisen davon aus, daß

  1. es konservative Restvernunft in der Union gebe, nach 16 Jahren Merkel, nach 52 von 72 Jahren Regierungsbeteiligung von CDU und CSU in der bundesdeutschen Geschichte mit allen bekannten Folgen;
  2. ein einzelner Bundestagsabgeordneter wie Maaßen, der sich selbst in der WerteUnion (WU) sogar vom neuen WU-Chef Max Otte zu distanzieren müssen glaubte, die Dämme Richtung AfD und Umfeld brechen lassen würde, wo er dies noch nicht einmal intern übers Herz bringt;
  3. ein bürgerliches Signal des Aufbruchs diese Republik erfassen könnte.
  4. Maaßens Erscheinen im Bundestag heilsame Wirkung auf die Union hätte. Man könnte sich dann, ohne Merkel, in Richtung auf einen Kern der »wahren Union« zubewegen, also vermeintlich positive Politik für Land und Leute betreiben.

Aber gab es diesen Kern jemals so, wie ihn AfD-Lautsprecher wider jede Empirie und Vernunft behaupten? Und selbst wenn es ihn jemals gegeben hätte: Ist diesen Akteuren nicht bewußt, daß die AfD für Zehntausende Mitglieder und mehrere Millionen Wähler kein Korrektiv für die (auf falsche Bahnen geratene) Christdemokratie, sondern eine Alternative für Deutschland ist?

Wissen diese Leute, direkt daran anschließend, nicht, daß stärkere Akzentuierungen von »konservativen« Positionen im Rahmen des CDU-CSU-Reglements zuallererst auf Kosten der AfD gehen würden, weil man dann seitens »bürgerlicher« Wähler – wieder – das einstige Original wählen kann? Daß es dann objektiv nicht länger notwendig wäre, jene Formation zu unterstützen, von der sich so mancher Kopf als Hilfstruppe für die Union anzudienen bereit ist – also ernsthaft eine Koalition anstrebt als Juniorpartner von CDU/CSU? Und zwar just zu den Bedingungen ausgerechnet jener Verantwortungsträger am deutschen Niedergang, die von der Herrschaft abzulösen oberstes Ziel einer authentischen Alternative darstellen sollte?

Man weiß nicht, was man zu einer solchen Fehlwahrnehmung und Fehleinschätzung von Teilen des Bundesvorstandes und der JF noch zu sagen hat. Vielleicht reicht ja auch schon die soeben skizzierte Erkenntnis, wonach Maaßen vor allem eines signalisiert: Man kann – mit einem Hans-Georg Maaßen als MdB – auch die seriöse Union wählen, wenn man Zuwanderungskritik und nichtlinke Haltungen favorisiert. Man muß sein Kreuzchen nicht bei der "angebräunten" AfD machen.

Begönne man damit, dann sähe man schnell, daß eine erfolgreiche Kandidatur Hans-Georg Maaßens einzig und allein dem Machterhalt von CDU und CSU dienlich ist, auch wenn Maaßen an der einen oder anderen Stelle für Unmut und Unfrieden in der Bundestagsfraktion sorgen würde – aber das macht er schon seit Monaten; irgendwann flaut es ab.

Denn: Die CDU mußte bereits über Monate hinweg erklären, wie sie mit einem MdB namens Maaßen umgehen würde. Maaßen selbst mußte sich auch schon dazu äußern. Wer also glaubt, man zwinge der CDU durch eine Wahlempfehlung eine neue, gar konstruktive »AfD-Debatte« auf, irrt.

Die CDU würde gelassen darauf reagieren: Man habe ja »schon immer« gesagt, daß die AfD zwar eine »rechtsradikale« Partei sei, ihre Wähler aber nicht zwingend alle für die freiheitliche demokratische Grundordnung verloren sind. Daher freue man sich nun, daß einige Wähler »den Weg zurück zu den demokratischen Parteien« finden und daß daraus eine Stärkung der CDU folge etc. pp. – ohne daß der Kurs des Mutterschiffs damit auch nur minimal geändert worden wäre.

Denn selbst wenn Maaßen drei, vier, fünf weitere »konservative« CDU-CSU-Bundestagsabgeordnete zusammenbrächte, die mit ihm gemeinsamen einen vermeintlichen Aufbruch ins verklärte Gestern zu einer vermeintlich guten Alt-Union finden würde: Was wäre das schon angesichts von vielleicht 250, vielleicht 300 andersdenkenden Unionspolitikern, die der größte Bundestag aller Zeiten (800 bis 1000 Abgeordnete wird er zählen) bereit halten wird?

Ausschließlich die Union profitiert davon, in ihren Reihen über Personen zu verfügen, die als (im besten Sinne des Begriffes) Nonkonformisten gelabelt sind, da sie eine bestimmte Wählerschaft an die Partei binden (siehe auch Wolfgang Bosbach, Friedrich Merz, über lange Strecken dazu Erika Steinbach, Martin Hohmann und Konsorten).

Es ist banal: Die etablierte Politik und ihre Parteien verfügen über zahlreiche Möglichkeiten, Funktionäre und/oder Mandatsträger kaltzustellen, die die Generallinie der jeweiligen Partei verlassen. Maaßen erging es nicht anders, und es wird ihm wieder so ergehen. Auch er wird sich jenen ungeschriebenen Gesetzen beugen, die bei der Loyalität zur Parteiführung beginnen, wenn er »Gestaltungsmöglichkeiten« bewahren möchte. Man hört doch jetzt schon die Phrasen reproduziert, wonach man ja »strikt anderer Meinung« als die Regierung sei, aber sich doch um die Harmonie der Unions-Familie bemühe, weshalb man »schweren Herzens« dies und jenes doch mittrage usf.

Die bedauerlicherweise auch aus AfD-Bundestagskreisen zu vernehmende Vorstellung, Maaßen sei ein aufrichtiger, integrer, aber von seiner Parteiführung enttäuschter Mann, der sich gewissermaßen in einer Art konstruktiver Rachefeldzug befinde, ist und bleibt nicht nur politikunfähig, sondern erscheint darüber hinaus als lebensfremd. Ein jahrzehntelang trotz aller BRD-Prozesse loyal gebliebener Akteur wie Maaßen sucht(e) die Nähe und den Zugang zur Macht. Er wird nicht zuletzt deswegen kaum seine Mitgliedschaft in der CDU bzw. in der Unionsfraktion des Deutschen Bundestages ernsthaft aufs Spiel setzen, sondern allenfalls damit kokettieren.

Wo wäre der AfD also mit einem Direktmandat Maaßens geholfen? Sie verlöre a) Stimmen und gewönne b) keine neuen Bewegungsfelder hinzu, weil Maaßen zu allem Übel die Brandmauer gegen rechts auch noch eher festigen als schleifen will.

Dazu alleine dieser kurze aktuelle Schnipsel, und zwar bei Minute 7:21 bis 7:38, voreingestellt im folgenden Video:

(Wer das Video nicht sehen kann/möchte, hier Maaßens zentrale Sentenz: »Ich bemühe mich, sehr viele Stimmen der AfD wegzunehmen, weil ich es für wichtig finde, dass die AfD deutlich kleiner wird, wenn nicht sogar ganz verschwindet.«)

Man braucht freilich keine Spiegel-TV-Journaille, um zu wissen, mit wem man es bei Hans-Georg Maaßen zu tun hat. In der aktuellen Sezession (Nr. 103; letzte Exemplare hier) habe ich mich bereits mit dem Phänomen des ehemaligen VS-Chefs auseinandergesetzt.

Das Streiflicht »Worauf setzt eigentlich … Hans-Georg Maaßen?« wird nun im folgenden wiedergegeben.

-- --

Es gibt in jeder Partei Ausreißer, um die sich Angehörige der Konkurrenzparteien bemühen. Ob Thilo Sarrazin, Sahra Wagenknecht oder Boris Palmer – wer aus dem eigenen Trott ausschert, zieht neugierige Blicke der Mitbewerber auf sich. Unangenehm wird es für Beobachter, wenn aus ehrlichem Interesse Stalking wird.

Dieses Gefühl drängt sich auf, wenn man betrachtet, wie insbesondere westdeutsch sozialisierte AfD-Mandatsträger dem CDU-Fossil Hans-Georg Maaßen durch stetige PR-Arbeit in sozialen Medien mehr und mehr Reichweite verschaffen. Steht das einer Alternative zum falschen Ganzen, das wesentlich durch die Christdemokratie verursacht, verwaltet und verteidigt wird, gut zu Gesicht?

Wohl kaum. Maaßen, der seine Mitgliedschaft in der CDU  /CSU-nahen WerteUnion ruhen läßt, weil ihm der Sozialkonservative Max Otte (siehe Sezession 101) als neuer Bundes­vorsitzender nicht geheuer ist, läßt ja keine Gelegenheit aus, sich als Vorkämpfer gegen rechts zu stilisieren. Das ändert nichts daran, daß Unbelehrbare vor, während und nach den Auftritten Maaßens eine Cheerleader-Brigade inszenieren, auf die das Wort »Fremdscham« zu verwenden höfliche Untertreibung darstellte.

Was bejubelt man bei Maaßen? Daß einer, der jahrzehntelang als Verantwortungsträger der bundesdeutschen Malaise fungierte und von ihr profitierte, nach 2015 punktuell aufbegehrte? Oder ist es seine Aussage, daß es in Chemnitz anno dazumal keine »Hetzjagden« durch Deutsche auf Migranten gab? Das wäre verständlich, weil Maaßen mit dem Insistieren auf dieses Faktum etwas riskierte und der polit­medialen Meute widerständig gegenübertrat.

Das war es aber fast schon auf der Habenseite. Es ist demgegenüber bemitleidenswert, wie Maaßen um Anerkennung durch jene »Mitte« bettelt, aus der man ihn für moderates Abweichen verstoßen hat. Er betont, daß »kaum ein Präsident des Verfassungsschutzes mehr gegen den Rechtsextremismus getan« habe und daß er »gegen den Willen des damaligen Innenministers beim Haushaltsausschuß neue Stellen für den Kampf gegen Rechtsextremismus« durchsetzen konnte.

Der gemeine Liberalkonservative bleibt hier gefaßt, da es sich wohl um wahren »Rechtsextremismus« gehandelt habe, während es erst heute unbescholtene Bürger treffe. Doch in einem solchen Verblendungszusammenhang gefangen, bleibt man blind für den Umstand, daß es Maaßens Amtszeit war, in der die jungen Patrioten der »Identitären Bewegung« sukzessive kriminalisiert wurden, in der man den losen Verbund einer Neuen Rechten etappenweise in den Fokus nahm, in der man das Prüfverfahren gegen die AfD eröffnete, woran Maaßen stolz erinnert.

Auch war es Maaßen, der bereits im Verfassungsschutzbericht 2016 (!), just ein Jahr nach dem Sommer der Massenmigration, davor warnte, daß sich die »extreme Rechte« bürgerlicher Camouflage bedienen könnte, um »rechtsextremistische« (im Klartext: migrationsgegnerische) Argumentationslinien in breitere Gesellschaftsschichten einsickern zu lassen.

Maaßen ist also keine sogenannte Kippfigur, die Trennlinien überwindet und Brücken baut, nein: Er ist jenes systemstabilisierende Oppositions-Simulacrum, das eine unüberwindbare Barrikade vor der Brücke errichtet, um von denen, die nicht auf jene hinaufgelassen werden, dafür frenetisch gefeiert zu werden, weil er sich mitunter imstande zeigt, alt-christdemokratische Restvernunft zu konservieren.

Ohnehin: Maaßen ist Christdemokrat, war dies auch als VS-Behördenchef, tritt im September als Bundestagsdirektkandidat in Thüringen an und betont die Wichtigkeit des Erfolges Armin Laschets – immerhin hier zeigt er sich mit Max Otte einig.

Das ist unter Christdemokraten in Ordnung, aber unter ihren Herausforderern? Wie wäre es also mit PR für Jürgen Treutler im Maaßen-Wahlkreis 196? Diplomingenieur Treutler, so darf man gewissen AfD-Funktionären erklären, ist der Direktkandidat der Alternative für Deutschland rund um Suhl, Schmalkalden-Meiningen, ­Hildburghausen und Sonneberg.

Die permanente Unterstützung, die Maaßen erfährt, stünde ihm zu, doch sie bleibt aus. Man ergeht sich lieber in der Mystifizierung Hans-Georg Maaßens und beweist damit nur die Ideen- und Perspektivlosigkeit des parlamentspolitischen »Konservatismus«.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (27)

RMH

22. September 2021 16:09

Ich wohne nicht weit vom betroffenen Wahlkreis entfernt und bin gerne in der dortigen Region unterwegs. Die Thüringer interessiert bestimmt kein Artikel in der JF und auch nicht, was irgendwer, irgendwann vom AfD Bundesvorstand twitterte. Die interessiert, wer einer "von ihnen" ist. Und da haben diesesmal AfD und SPD passende Kandidaten aufgestellt. Ob Maaßen als fremder "Promi" einen Bonus hat, kann ich nicht beurteilen. Ich sehe keinen Grund, den AfD Kandidaten quasi "abzuziehen". Die Thüringer AfD macht einen guten Wahlkampf und wenn, dann hätte die Thüringer AfD die Frage zu entscheiden, da sie näher an den Leuten dran ist. Maaßen hilft mit seinem bundesweiten Rummel meiner Meinung nach eher dem SPD Kandidaten, als dass er dem AfD Kandidaten schadet. Ich hoffe, dass die Thüringer zumindest bei der Zweitstimme stark AfD wählen. Evtl. gibt's in dem Wahlkreis sogar Wahlzettel mit SPD Erststimme und AfD Zweitstimme. Auf jeden Fall spannend, was dabei heraus kommen wird.

Laurenz

22. September 2021 16:43

Es tut mir fast weh, daß Sie, BK, wieder viel Zeit in die Exaktheit eines Artikels gesteckt haben, obwohl doch klar ist, was läuft. Wer an das "christdemokratische" Theaterstück um die parteiinternen Konflikte der Union mit & um Maaßen glaubt, der glaubt auch, wie die JF, an den Klapperstorch.

Mitleser2

22. September 2021 17:12

Unabhängig von der Causa Maaßen:

BK schreibt: "Wo wäre der AfD also mit einem Direktmandat Maaßens geholfen? Sie verlöre a) Stimmen ..."

Das würde doch nur zutreffen, wenn damit die AfD das Direktmandat verlöre, ansonsten ist die Erststimme nicht relevant. Ist es aber nicht so, dass der SPD-Kandidat Frank Ullrich eher Chancen auf das Direktmandat hat als die AfD?

Wenn dem so wäre, warum sollte die AfD den Sieg eines SPD-Kanditaten eher begrüßen? Dass z.B. SolPat auch Kompatibiliät mit sozialen Positionen der SPD hat, kann doch über weit fundamentalere Unterschiede zur Esken-Antifa-SPD nicht hinwegtäuschen.

Simplicius Teutsch

22. September 2021 19:34

@ Mitleser2, - stimme Ihnen bei der Überlegung zu: Warum in diesem thüringischen Wahlkreis nicht die Erststimme für Hans-Georg Maaßen (CDU), aber die Zweitstimme für die AfD? – Wenn man davon ausgehen kann, dass der AfD-Direktkandidat Jürgen Treutler mit Sicherheit keine Chance auf den Gewinn des Mandats hat.

Andererseits teile ich die zwiespältige, im Wesentlichen negative Sicht Benedikt Kaisers auf die politische Gestalt Maaßens. Sein Verhalten im Fall „Chemnitz“ fand ich zwar erstaunlich und überraschend charakterstark. Aber trotzdem: Welches Spiel spielt der Typ? „NACH WAHL VON MAX OTTE: Maaßen geht auf Distanz zur Werte-Union.“ – Sogar zur Werte-Union geht er demonstrativ auf Distanz und beteiligt sich an der Ausgrenzung und Vernichtung dieser Gruppe von brav-deutschen Männern und Frauen. – Was kann man von so einem halten?

polHansEmikWurst

22. September 2021 20:10

Als ich am Sonntag durch Suhl fuhr und die Wahlplakate des Herrn Maaßen und die der AfD sah, stellte ich mir vor, wie ich argumentieren würde, um das Direktmandat für die AfD zu erringen.

Man wählt immer die Partei, was im Falle der AfD sehr effektvoll ist. Die entwerfen nämlich die ganzen Anträge, die leicht modifiziert von den Altparteien nach einigen Monaten eisigen Schweigens übernommen werden.

Herr Maaßen ist in der CDU isoliert und die Werteunion löst sich langsam und sicher auf. So dumm wie einige andere wird er nicht sein, ganz hinten einen fraktionslosen Platz einzunehmen, aber geistig gesehen befindet er sich genau dort.

Schlussfolgerung: Nur mit einem Direktmandat zugunsten der AfD bewegt sich etwas zugunsten von Suhl und drum herum. Dabei ist völlig wurscht, wie der AfD-Mann heißt. Im Vorbeifahren nahm ich nur seinen Oberlippenbart wahr aber keinen Namen. Ist das beabsichtigt?

RMH

22. September 2021 20:11

"Welches Spiel spielt der Typ?"

Der bisherige CDU-Abgeordnete ist bekanntermaßen wegen massiven Skandals abgetreten. Die Tür zum Gewinn des Direktmandates durch die AfD stand recht weit offen. Die SPD konterte dies mit einem einheimischen, ehemaligen Olympiasieger. Die Union mit einem bundesweit bekannten, vermeintlichen Rechtsaußen, der von ihrem Ortsfilz gut ablenkt.

Mit der Kandidatur Maaßens soll der AfD Direktkandidat verhindert werden. Scheitert er selber, dann wirds eben der SPDler und er kann sagen, dank mir hat ein Demokrat den Stimmkreis gewonnen.

Gewinnt er, kann er behaupten, dank mir hat ein Demokrat den Stimmkreis gewonnen.

Maaßen ist nach wie vor ein treuer Diener dieses Staates und erfüllt seine Pflicht. Jetzt eben als "Ausputzer".

Putzig würde es daher werden, wenn die AfD die Wahl des SPD Kandidaten empfehlen würde :)

(Passiert so kurz vor der Wahl aber nicht mehr).

 

Simplicius Teutsch

22. September 2021 20:16

Noch ein Satz zur kommenden Bundestagwahl:

Die CDU/CSU muss versenkt werden, ganz tief auf den Grund. Alles andere ist zweitrangig. Das ist meine große, strategische Hoffnung für den Wahlabend.

Jan

22. September 2021 20:19

Die Union hat jahrzehntelang erfolgreich ihre Leimspuren für das rechtskonservative Milieu ausgelegt. Millionen Wähler blieben darauf kleben und wunderten sich, dass die Migranten immer zahlreicher wurden, obwohl im Wahlprogramm gegenteilige Absichten verkündet wurden. Maaßens Vorgänger hießen Lummer, Kanther, Dregger, Mayer-Vorfelder und zuletzt Bosbach. Womöglich meinten einige von denen es mit ihrer konservativen Haltung sogar ernst, aber die Parteiführung hatte stets andere Sachen im Sinn. Wahlprogramme werden mit allerhand Punkten vollgestopft, um möglichst breite Wählerschaften anzusprechen. Das rechtskonservative Milieu hatte die Union bis Merkel fest eingeplant und beackert, bevor man es abstieß und sich der linken Mitte zuwandte. Alles in allem ist Maaßen keine Alternative und BK hat die Problematik treffend analysiert. 

Das blaue Quadrat

22. September 2021 20:47

Zustimmung. 

Immerhin kann man die schon vor längerer Zeit abbestellte JF, der man aus Anlaß ihres Jubiläums noch einmal eine Chance in Form eines Probe-Abos gab, guten Gewissens erneut links liegen lassen. 

 

Ordo

22. September 2021 21:22

Sie interpretieren da zuviel rein. Der AFD-Kandidat ist wohl leider chancenlos, es wird einzig um die Frage gehen, ob der Sozi oder eben Maaßen das Direktmandat erhält. Linke Fanatiker machen gerade massiv mobil gegen Maaßen und die CDU-Cucks winseln und treten ebenfalls auf ihn ein. Ich fände es einfach witzig, die linke Twitteria im Falle einer Wahl Maaßens heulen und schäumen zu sehen. Die Union würde dann wahrscheinlich virtue signaling betreiben und den eigenen Kandidaten, der dann auch noch mit AFD-Stimmen gewählt worden wäre, endgültig zum Paria erklären. Das könnte sogar noch ein paar CDU-Wähler von ihren letzten Illusionen befreien. Darauf spekulieren wohl auch die JF und die Unterstützer in der AFD. Ich glaube jedenfalls nicht, dass die ernsthaft glauben, die CDU wäre noch zu retten,wie Sie es hier unterstellen. 

brueckenbauer

23. September 2021 00:24

Ich habe sicher nichts dagegen, dass die CDU ähnlich in sich zusammenfällt wie die Democrazia Cristiana. Auf der anderen Seite ist es längerfristig auch möglich, dass sich die CDU zu einer Koalition mit der AfD bereit findet, ähnlich wie das bei Adenauer und der DP war. Natürlich nur dann, wenn der CDU andere Machtoptionen verbaut sind.

Und die Ethnodeutschen als strukturelle Minderheit können von einer Partei überhaupt nur profitieren, wenn diese Partei in einer Regierungskoalition mitarbeitet und dort ihre Interessen einbringt. Man kann natürlich "revolutionärer Attentist" sein und auf den Zusammenbruch des Systems warten, aber zwischenzeitlich muss eine Partei ja auch irgendwas Sinnvolles tun! Hat die SPD auch so gemacht!

RMH

23. September 2021 07:19

AfD Stadträte in Suhl sollen sich jetzt schon für die Wahl Maaßens mit der Erststimme ausgesprochen haben (der Rest der thüringischen AfD ausdrücklich nicht). Schade, dachte in Thüringen ist die AfD etwas "konzertierter" und macht so einen Schritt wenn, dann einheitlich oder überhaupt nicht.

Laurenz

23. September 2021 09:29

@RMH

"AfD Stadträte in Suhl für die Wahl Maaßens"

Das ist einer wichtigsten Gründe für ein Parteiausschlußverfahren.

Benedikt Kaiser

23. September 2021 09:30

@RHM:

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Torben Braga, kann da Entwarnung geben:

Entscheidung über eine solche Empfehlung muss AfD-Kandidat Treutler mit der Basis vor Ort treffen. Dies ist nicht geschehen. Bisher keine diesbezügliche Diskussion oder gar Entscheidung des Kreisverbands. Diese Stellungnahme ist daher nichts als eine unabgestimmte Einzelmeinung.

Quelle

tearjerker

23. September 2021 09:51

Die Alternative muss erstmal das eigene Lager aufräumen. Der Linksruck wird in den nächsten 4 Jahren eine Verbotswelle mit Hilfe der Union lostreten und Teile der Partei wollen sich das Türchen zum Lagerwechsel Richtung CDU offenhalten? Absurd.

Ralph

23. September 2021 11:57

Laurenz

Ja, mir tut es auch weh, dass Kaiser seine kostbare Lebenszeit in Beschreibungen steckt, die offenkundiger nicht sein könnten.

Nordlicht

23. September 2021 12:08

Eine Empfehlung für einen CDU-Kandidaten, auch wenn er Maaßen ist, halte ich für naiv und überdies demotivierend für die eigenen Leute.

Wenn Einzelne taktisch wählen, ist ihnen das unbenommen. Die AfD als Partei hat keine Stimmen zu verschenken. (Ich bin kein Parteimitglied, aber Wähler.)

Dieter Rose

23. September 2021 12:28

Alle Daumen hoch

für Simplicissimus Teutschisimus!!!

RMH

23. September 2021 13:02

Das, was im Artikel auf der "Habenseite" für Maaßen genannt wird, darf man im aktuellen Wahlkampf nicht unterschätzen. Als einmal mehr und wieder die gesamte westdeutsche Journaillie nebst ÖR-Medien das Lied vom unbelehrbaren, Ausländer hassenden und hetzenden, ewig braunen dunkeldeutschen Ossi sangen, hat er sich mit der Autorität seines Amtes dagegen gestellt. Das kam im Osten sicher gut an und ist ein Pfund, welches auch seinen Nachteil, nicht einer aus der Region zu sein, ein Stück weit ausgleichen kann. Ob dieses Pfund schwer genug ist, die meisten Stimmen zu bekommen, werden wir nächste Woche wissen. Die AfD sollte ihren Wahlkampf einfach durchziehen. Gründe für Wahlempfehlungen gibt's keine. Die Wähler werden sich davon ohnehin nicht mehr groß beeinflussen lassen. 

Gotlandfahrer

23. September 2021 15:40

CDU kommt nicht in Frage, ob mit oder ohne Maaßen.  Nicht im Traum.  Das ist endgültig vorbei.  Selbst wenn man dort wieder zu sich käme, müsste man sich als erste Handlung vor Scham selbst auflösen.

Als CDU "Neuanfangen" geht genauso wenig, wie als Stricherin Re-Deflorieren.  

Niekisch

23. September 2021 16:40

"Die CDU/CSU muss versenkt werden"

@ Simplicius Teutsch22.9. 20:16: Deswegen haben ich ebenso wie beim Irak.- Abenteuer beide Stimmen der SPD gegeben in der Hoffnung, dass die CDU in der Niederlage zerbricht und auf die Größe des Zentrum in der Weimarer Republik reduziert wird. Das wäre mnehr als verdient. 

RMH

23. September 2021 20:02

Ja, ja, immer schön Teufel mit Belzebub austreiben ... 

Niekisch

24. September 2021 13:06

"Ja, ja, immer schön Teufel mit Belzebub austreiben ..."

@ RMH: Ja, manchmal geht es nicht anders. Auf Ihre Frage nach der Unvereinbarkeitsliste der AfD: ich lehne sie rundum ab. Wer für Meinungsfreiheit eintritt, der kann kann mehr als 100 Unvereinbarkeiten kodifizieren.

Niekisch

24. September 2021 17:25

Korrektur zu 13:06: Es muss heißen: ...der kann nicht mehr als 100 Unvereinbarkeiten kodifizieren.

wolfdieter

25. September 2021 12:06

Meine Sicht in Kürze: Maaßen ist ein außerordentlich fähiger Staatsbeamter – und damit allein schon eine Seltenheit. Aber er war nie Gestalter, sondern stets Ausführender. Seine Sperre gegen die Hetzer-Lüge in Chemnitz war nichts anderes als aufgabengerecht.

Mit dem Mandat wechselt er in das Lager derer, die <b>entscheiden.</b> Wir müssen ihn – falls er es schafft, und ganz unwahrscheinlich ist es nicht – als einen Joker im Spiel sehen.

In der unvermeidlich kommenden CDU-Fraktion sehe ich ihn durchaus als einen Lichtblick. Aber ich würde mein Wahlverhalten nicht darauf abstimmen.

RMH

26. September 2021 20:54

So wies aussieht, wird Maaßen kein BT-Abgeordneter und die SPD freut sich.

Laurenz

27. September 2021 09:48

Hier zeigt sich ganz deutlich, wo im rechten Lager die Idioten sitzen....

https://www.faz.net/aktuell/politik/bundestagswahl/hans-georg-maassen-verpasst-direktmandat-bei-der-bundestagswahl-17556581.html