Vier Jahre AfD im Bundestag – eine Bilanz

Redaktionelle Vorbemerkung: Die AfD stolpert in die neue Legislaturperiode - ein Abgeordneter wurde nicht in die neue Fraktion aufgenommen.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Wie wer­den die kom­men­den vier Jah­re, was wird die Frak­ti­on leis­ten? Und: Was haben die ers­ten vier Jah­re AfD-Prä­senz im Deut­schen Bun­des­tag bewirkt? Haben sie über­haupt etwas bewirkt? Dr. Erik Leh­nert, Wis­sen­schaft­li­cher Lei­ter des Insti­tuts für Staats­po­li­tik, hat zu die­sem The­ma im Rah­men der dies­jäh­ri­gen Som­mer­aka­de­mie (17.–19. Sep­tem­ber) referiert. 

Das Video kann nach­fol­gend im »kanal schnell­ro­da« ange­se­hen wer­den; die gekürz­te Fas­sung erscheint in der kom­men­den Aus­ga­be der Sezes­si­on (hier abon­nie­ren). Online wird er bereits jetzt ver­füg­bar gemacht, als PDF kann man ihn zudem hier her­un­ter­la­den.

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Text­fas­sung aus Sezes­si­on 104

»Wir wer­den sie jagen. Wir wer­den Frau Mer­kel oder wen auch immer jagen, und wir wer­den uns unser Land und unser Volk zurück­ho­len«, sagt der Spit­zen­kan­di­dat Alex­an­der Gau­land am Wahl­abend im Sep­tem­ber 2017, als sich das Ergeb­nis von deut­lich über zwölf Pro­zent abzeich­net. Er spricht auch von einem »gro­ßen Tag in unse­rer Par­tei­en­geschich­te. Wir haben es geschafft. Wir wer­den die­ses Land verändern.«

Die­se eupho­ri­schen Sät­ze waren eine Kampf­an­sa­ge an den poli­ti­schen Geg­ner: Man wür­de die neu­ge­won­ne­ne Macht im Bun­des­tag zu nut­zen wis­sen. An die Anhän­ger signa­li­sier­te man, daß man deren Erwar­tun­gen nicht ent­täu­schen wür­de. Das schür­te beim Geg­ner Befürch­tun­gen und ent­fach­te bei den Anhän­gern Hoff­nun­gen auf einen Wan­del. Daß sich weder die einen noch die ande­ren erfül­len haben, liegt in der Natur der Sache.

Ein Wahl­kampf ist geprägt von Aus­sa­gen, die irra­tio­na­le Hoff­nun­gen wecken, dann aber im poli­ti­schen All­tag in den Hin­ter­grund tre­ten. Die dama­li­ge Wer­be­kam­pa­gne der AfD stand unter dem Mot­to »Trau Dich, Deutsch­land«. Sie appel­lier­te damit an den Mut der Wahl­bür­ger, der Alter­na­ti­ve ihre Stim­me zu geben und so einen gesell­schafts­po­li­ti­schen Wan­del her­bei­zu­füh­ren. Aus die­ser Kam­pa­gne resul­tier­te ein Wahl­er­geb­nis, das sich sehen las­sen konn­te, war die AfD vier Jah­re vor­her doch noch an der Fünf­pro­zent­hür­de gescheitert.

In den Jah­ren zwi­schen 2013 und 2017 ereig­ne­ten sich Din­ge, die nicht nur die poli­ti­sche Stim­mung in Deutsch­land, son­dern auch die AfD gründ­lich ver­än­der­te. Durch die vom polit­me­dia­len Kom­plex beklatsch­te Grenz­öff­nung im Som­mer 2015 und die dadurch initi­ier­te »Flücht­lings­kri­se« erhielt die Anti-Euro-Par­tei AfD die Mög­lich­keit, sich in die­ser Fra­ge ein Allein­stel­lungs­merk­mal zu geben, das bis dahin eher von Par­tei­en wie der NPD gepflegt wur­de. Die Mischung aus Staats­ver­sa­gen, mora­li­scher Bevor­mun­dung und den tat­säch­li­chen Kon­se­quen­zen aus die­ser ille­ga­len Mas­sen­ein­wan­de­rung ent­frem­de­te vie­le Wahl­bür­ger von ihren Parteien.

Die kon­ser­va­ti­ve Posi­ti­on, die der »Flü­gel« inner­halb der AfD seit März 2015 ver­trat, kam dem ent­ge­gen. In der Fol­ge ent­spann sich ein Macht­kampf, der im Juli schließ­lich zum Aus­tritt von Bernd Lucke, einem der Par­tei­grün­der, führ­te. Die Lager­kämp­fe waren auch in der Lis­ten­auf­stel­lung für die Bun­des­tags­wahl spür­bar, ins­be­son­de­re von den Medi­en wur­de ihnen star­ke Auf­merk­sam­keit geschenkt. Das Sor­tie­ren zwi­schen gemä­ßig­ten und radi­ka­len Kan­di­da­ten hat seit­her nicht aufgehört.

Das Geran­gel um die Plät­ze war vor allem des­halb so stark, weil alle das Momen­tum spür­ten, das zu einem guten Ergeb­nis füh­ren könn­te. Und allen war klar, daß die Bun­des­tags­frak­ti­on das neue Macht­zen­trum der Par­tei bil­den wür­de und die bis dahin um Fokus ste­hen­den Land­tags­frak­tio­nen kaum noch über­re­gio­nal wahr­ge­nom­men wer­den dürften.

Ihre stärks­ten Ergeb­nis­se erziel­te die AfD 2017 in den mit­tel­deut­schen Bun­des­län­dern, das bes­te mit 27 Pro­zent in Sach­sen, wo sie sogar drei Direkt­man­da­te errin­gen konn­te. Die west­deut­schen Bun­des­län­der lagen mit ihren Ergeb­nis­sen deut­lich hin­ter dem schlech­tes­ten mit­tel­deut­schen (18,6 in Meck­len­burg-Vor­pom­mern). Den­noch stell­ten Nord­rhein-West­fa­len (15), Bay­ern (14) und Baden-Würt­tem­berg (11) die größ­ten Lan­des­grup­pen in der Frak­ti­on, gefolgt von Sach­sen (11) und Nie­der­sach­sen (7). Ins­ge­samt zogen 94 Abge­ord­ne­te für die AfD in den Bun­des­tag ein.

Im Ver­lauf der Legis­la­tur­pe­ri­ode ver­lor die Frak­ti­on ins­ge­samt acht Man­da­te durch Aus­tritt oder Aus­schluß aus der Par­tei und damit aus der Frak­ti­on. Den Anfang mach­te die Par­tei­che­fin Frau­ke Petry, die noch vor der Kon­sti­tu­ie­rung der Frak­ti­on unter Hin­weis auf rech­te Ten­den­zen ihren Aus­tritt bekannt­gab. Der Frak­ti­ons­chef Alex­an­der Gau­land sprach daher von der Frak­ti­on als einem »gäri­gen Haufen«.

In der Sum­me klin­gen acht ver­lo­re­ne Man­da­te für eine so von inne­ren Rich­tungs­strei­tig­kei­ten gepräg­te AfD nicht beson­ders viel, in der Geschich­te des bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Par­la­men­ta­ris­mus ist die­se Zahl aller­dings mit Abstand die größ­te. Die Grün­de für die Abgän­ge folg­ten zumeist der von Frau­ke Petry vor­ge­ge­be­nen Argu­men­ta­ti­on, zumin­dest bei den bei­den zeit­lich nächs­ten (Mie­ruch und Kamann); bei den dann fol­gen­den Herr­mann und Hart­mann kam hin­zu, daß sie sich als Poli­zei­be­am­te aus der dro­hen­den Schlin­ge der Beob­ach­tung durch den Ver­fas­sungs­schutz ent­zie­hen wollten.

Die letz­te Aus­tritts­wel­le erfolg­te anläß­lich der Auf­stel­lung der Wahl­lis­ten für 2021, bei der die bei­den nicht reüs­sie­ren­den Hol­lna­gel und Hes­senk­em­per die Par­tei ver­lie­ßen. Eine Aus­nah­me bil­det der Abge­ord­ne­te Frank Pase­mann, der auf­grund von faden­schei­ni­gen Anschul­di­gun­gen aus der Par­tei aus­ge­schlos­sen wurde.

Für die poli­ti­sche Aus­rich­tung der Bun­des­tags­frak­ti­on sind die Vor­ge­schich­ten der ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten in ande­ren Par­tei­en von Inter­es­se. Da auf der Unver­ein­bar­keits­lis­te der AfD die Par­tei­en feh­len, die Deutsch­land in die Situa­ti­on gebracht haben, in der wir uns heu­te befin­den, liegt es nahe, daß vie­le Abge­ord­ne­te, so sie über­haupt par­tei­po­li­tisch aktiv waren, dort über län­ge­re oder kür­ze­re Pha­sen ihre poli­ti­sche Hei­mat hat­ten. Zur Bun­des­tags­frak­ti­on selbst lie­gen dazu lei­der kei­ne Unter­su­chun­gen vor, die Anga­ben aus dem Hand­buch des Bun­des­ta­ges sind unvollständig.

Was die Gesamt­par­tei betrifft, gab es 2019 eine Erhe­bung durch die Bun­des­ge­schäfts­stel­le, die ein über­schau­ba­res Ergeb­nis brach­te. Dem­nach waren ledig­lich 6,2 Pro­zent der Mit­glie­der vor­her in der CDU, 3,3 in der SPD und zwei Pro­zent in der FDP aktiv. Nur weni­ge tau­send Mit­glie­der haben also eine ent­spre­chen­de Vor­ge­schich­te, die meis­ten fan­den erst durch Euro- und Flücht­lings­kri­se zum Enga­ge­ment in einer Par­tei. Stich­pro­ben legen aller­dings nahe, daß der Anteil unter den Man­dats­trä­gern wesent­lich höher ist.

Aus­nah­men bil­den dar­un­ter Abge­ord­ne­te wie Gau­land und Hoh­mann, die es geschafft haben, in oder mit der CDU Kar­rie­re zu machen, bevor sie in die AfD ein­tra­ten. Die ande­ren haben sich bei ihren vori­gen Par­tei­en nicht beson­ders her­vor­ge­tan. Im Frak­ti­ons­vor­stand gibt es ehe­ma­li­ge FDP-Mit­glie­der (Storch, Kom­ning), aber auch Mit­glie­der von Par­tei­en, die man als Vor­läu­fer der AfD bezeich­nen könn­te: Repu­bli­ka­ner (Fel­ser), Die Frei­heit (Mün­zen­mei­er), Schill-Par­tei (Kom­ning) und Freie Wäh­ler (Fröm­ming). Die­sen Vor­läu­fern gelang es nie, in den Bun­des­tag ein­zu­zie­hen, was den Erfolg der AfD durch­aus zu einem his­to­ri­schen macht.

Auch wenn man­che den Erfolg der AfD mit dem der Grü­nen ver­glei­chen – auf­grund der Gemein­sam­keit, daß es sich jeweils um eine völ­lig neue Par­tei im Par­la­ment han­del­te, die auf Vor­be­hal­te der Alt­par­tei­en stieß –, gibt es in der ent­schei­den­den Fra­ge einen unüber­brück­ba­ren Unter­schied. Den Grü­nen gelang die Eta­blie­rung auf einer Wel­le des Zeit­geists, die sie bis in die Regie­rung trug, die AfD hat es deut­lich schwe­rer und muß gegen den Strom schwimmen.

Ähn­lich his­to­risch wie das Wahl­er­geb­nis waren die Ver­su­che der Alt­par­tei­en, die­sen Erfolg par­la­men­ta­risch nicht zur Gel­tung kom­men zu las­sen. Die­se ein­ma­li­gen Vor­gän­ge began­nen bereits im Vor­feld der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung des 19. Bun­des­ta­ges, die tra­di­tio­nell vom Alters­prä­si­den­ten eröff­net wird. Unter die­sem ver­stand man bis dahin den lebens­ältesten Abge­ord­ne­ten, was im Okto­ber 2017 der AfD-Abge­ord­ne­te ­Wil­helm von Gott­berg war.

Da die Alt­par­tei­en unbe­dingt ver­hin­dern woll­ten, daß die AfD gleich zu Beginn die­ses Podi­um nut­zen könn­te, änder­te man ein­fach die Geschäfts­ord­nung, so daß jetzt der­je­ni­ge Abge­ord­ne­te als der ältes­te galt, der am längs­ten dem Bun­des­tag ange­hört. Das konn­te kein AfD-Mit­glied sein, son­dern es war Wolf­gang Schäub­le, der als Bun­des­tags­prä­si­dent die­se Rol­le an den Nächst­dienst­äl­tes­ten, Otto Solms von der FDP, abtrat. Um den Vor­gang ein­ord­nen zu kön­nen, muß man wis­sen, daß die PDS zwei­mal den Alters­prä­si­den­ten stell­te, ohne daß jemand des­we­gen die Geschäfts­ord­nung geän­dert hätte.

Ähn­lich his­to­risch ist die Wei­ge­rung der ande­ren Abge­ord­ne­ten, der AfD den ihr zuste­hen­den Vize­prä­si­den­ten­pos­ten zu gewäh­ren. Sechs­mal schick­te die AfD einen Kan­di­da­ten ins Ren­nen, sechs­mal ver­wei­ger­te ihm der Bun­des­tag das Amt.

Die Geschäfts­ord­nung stößt im Fall der AfD an ihre Gren­zen. Bis­lang war sie näm­lich so ange­legt, daß bei der Beset­zung der Ämter von einem über­frak­tio­nel­len Kon­sens aus­ge­gan­gen wur­de: Die Frak­tio­nen konn­ten ihre Kan­di­da­ten für die ihnen nach dem Pro­porz zuste­hen­den Pos­ten selbst bestim­men, die ande­ren Frak­tio­nen ver­hin­der­ten die­se Ent­schei­dung nicht. Ledig­lich die Links­par­tei muß­te mit ihren Kan­di­da­ten gele­gent­lich durch zwei Wahlgänge.

Die AfD ent­schloß sich daher zu einem recht frü­hen Zeit­punkt, den Spieß umzu­dre­hen und den Kon­sens ihrer­seits dort auf­zu­kün­di­gen, wo es in ihrer Macht lag. Das ist auf­grund des Mehr­heits­prin­zips für die AfD nur an einer Stel­le mög­lich. Wenn zu spä­ter Stun­de die Ple­nar­sit­zung ihrem Ende ent­ge­gen­däm­mert, sind in der Regel nicht mehr genü­gend Abge­ord­ne­te anwe­send, um beschluß­fä­hig zu sein (min­des­tens die Hälfte).

Solan­ge nie­mand eine Fest­stel­lung der Beschluß­fä­hig­keit ver­langt, ist das egal, und bis­her war das Kon­sens. Die AfD bean­trag­te jedoch im Janu­ar 2018 eben­die­se Fest­stel­lung und, wie sich her­aus­stell­te, man war nicht mehr beschluß­fä­hig, was dazu führ­te, daß Abstim­mun­gen nach­ge­holt und ver­scho­ben wer­den muß­ten. Die Alt­par­tei­en tob­ten und führ­ten zu ihrer Ent­schul­di­gung an, daß die eigent­li­che Arbeit ja in den Aus­schüs­sen erfol­ge, was der AfD als popu­lis­ti­scher Par­tei aber egal sei.

Die Arbeit in den Aus­schüs­sen fin­det in der Tat weit­ge­hend im ver­bor­ge­nen statt, was sie für eine Oppo­si­ti­ons­par­tei als Büh­ne unge­eig­net macht. Immer­hin konn­te die AfD mit Peter Boehrin­ger den Vor­sitz im Haus­halts­aus­schuß ein­neh­men, der tra­di­tio­nell der stärks­ten Oppo­si­ti­ons­par­tei zusteht. Eines wei­te­ren Vor­sit­zes ging die AfD wie­der ver­lus­tig, als Ste­phan Brand­ner als Vor­sit­zen­der des Rechts­aus­schus­ses abge­wählt wur­de, weil man ihm unan­ge­mes­se­ne Äuße­run­gen in den sozia­len Medi­en vor­warf. Da der Vor­sitz der AfD zustand, blieb der Pos­ten unbesetzt.

Die Arbeit in den Aus­schüs­sen ist dar­über hin­aus kaum The­ma in den weni­gen der AfD wohl­ge­son­ne­nen Medi­en gewe­sen. Aller­dings scheint die Arbeit der AfD-Frak­ti­on hier, im Gegen­satz zum Ple­num, vom »par­la­men­ta­ri­schen Prag­ma­tis­mus« (MdB Mün­zen­mei­er) geprägt zu sein, wenn man einer unwi­der­spro­che­nen Stu­die der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung Glau­ben schen­ken darf. Danach wer­den die AfD-Initia­ti­ven dort zwar grund­sätz­lich abge­lehnt, die AfD stimm­te hin­ge­gen in einer Viel­zahl von Fäl­len mit der Regie­rung oder der FDP.

Daß das nicht wei­ter auf­fällt, hat nicht nur damit zu tun, daß die Aus­schüs­se nicht im Fokus der Öffent­lich­keit ste­hen, son­dern auch damit, daß die AfD den Ple­nar­de­bat­ten als Medi­um der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung zu einer neu­en Bedeu­tung ver­hol­fen hat, so daß sich sowohl Für- als auch Gegen­spre­cher vor allem dar­auf stürzen.

Das ent­spricht auch den Erwar­tun­gen, die man rea­lis­ti­scher­wei­se an eine Oppo­si­ti­ons­frak­ti­on haben soll­te, da deren Mög­lich­kei­ten beschränkt sind. Sie ver­fügt über kei­ner­lei eige­ne Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten, son­dern kann ledig­lich für eine wirk­sa­me Kon­trol­le der Regie­rung sor­gen, indem sie die­se mit Fra­gen löchert und die Öffent­lich­keit über die Ergeb­nis­se infor­miert. Die par­la­men­ta­ri­sche Kon­troll­tä­tig­keit beschränkt sich für die Frak­ti­on auf das Stel­len von Klei­nen und Gro­ßen Anfra­gen, hin­zu kommt die Mög­lich­keit für jeden Abge­ord­ne­ten, Ein­zel­fra­gen zu formulieren.

Zu Beginn der Legis­la­tur­pe­ri­ode gelang es der AfD hier, eini­ge Fak­ten zuta­ge zu för­dern, die für eine grö­ße­re Öffent­lich­keit von Inter­es­se waren und die ent­spre­chend ver­brei­tet wur­den. Mit zuneh­men­der Dau­er gin­gen die The­men aus, und die Bun­des­re­gie­rung ent­wi­ckel­te eine beträcht­li­che Meis­ter­schaft dar­in, die Fra­gen zu beant­wor­ten, ohne sie zu beantworten.

Neben der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung bleibt der Oppo­si­ti­on noch die Mög­lich­keit, durch eige­ne Initia­ti­ven wie Anträ­ge oder Gesetz­ent­wür­fe dem Wäh­ler zu zei­gen, daß man eige­ne Ideen hat und in der Lage ist, eine Alter­na­ti­ve zur gegen­wär­ti­gen Poli­tik zu for­mu­lie­ren. Da die­se Initia­ti­ven grund­sätz­lich abge­lehnt wer­den, steht hier neben der Schau­fens­ter­funk­ti­on vor allem das Vor­füh­ren des Geg­ners im Mittelpunkt.

Indem man eine Initia­ti­ve for­mu­liert, die der Geg­ner gewis­ser­ma­ßen kaum ableh­nen kann, weil der dort geäu­ßer­te Sach­ver­halt eigent­lich sei­ner Agen­da ent­spricht, zwingt man ihn, gegen sei­ne eige­ne Inten­ti­on abzu­stim­men. Da die AfD nur über einen beschränk­ten Zugang zu den eta­blier­ten Medi­en ver­fügt, ist es aller­dings schwie­rig, mit sol­chen Initia­ti­ven Bür­ger zu errei­chen, die sich noch nicht in der eige­nen Bla­se aufhalten.

Im Lau­fe der Legis­la­tur­pe­ri­ode stell­te sich aller­dings die Fra­ge, ob die AfD-Frak­ti­on sich nicht zu sehr dar­auf kon­zen­triert hat, Inhal­te zu ver­tre­ten, die sich an der Kern­wäh­ler­schaft vor­bei­be­we­gen und die in kei­ner Wei­se geeig­net sind, den Anfangs zitier­ten Anspruch Gau­lands zu erfül­len. Die Auf­ar­bei­tung des­sen, was seit 2015 über Deutsch­land gekom­men ist, stand in den vier Jah­ren im Mit­tel­punkt der Arbeit der AfD-Frak­ti­on. Immer wie­der wur­den dazu Anfra­gen gestellt und Anträ­ge eingebracht.

Die Auf­klä­rungs­ar­beit funk­tio­nier­te hier vor­bild­lich, stieß aber an sei­ne Gren­zen, sobald die poli­ti­schen Kon­se­quen­zen der mas­sen­haf­ten Ein­wan­de­rung beim Namen genannt wer­den soll­ten. Das lag nicht zuletzt dar­an, daß das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz die Par­tei stär­ker in den Fokus nahm und mit­tels der Kon­struk­ti­on »Ver­stoß gegen die Men­schen­wür­de« jede Pau­schal­aus­sa­ge über Ein­wan­de­rer unmög­lich mach­te. Eben­so stand das Behar­ren auf dem bis 2000 gel­ten­den Staats­bür­ger­schafts­recht in dem Ver­dacht, einen »eth­ni­schen Volks­be­griff« zu ver­tre­ten, den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 2017 für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt hatte.

Inwie­weit man sich die­sen Beschrän­kun­gen unter­wer­fen müs­se, ist die Streit­fra­ge, an der sich die Geis­ter in der AfD schei­den und die durch die Wühl­ar­beit des Ver­fas­sungs­schut­zes andau­ernd befeu­ert wird.

Der Vor­stand der AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on ent­schloß sich daher, eine aus fünf Mit­glie­dern bestehen­de »Arbeits­grup­pe Ver­fas­sungs­schutz« ein­zu­set­zen, die durch Roland Hart­wig gelei­tet wur­de. Drei Auf­ga­ben soll­ten im Mit­tel­punkt der Arbeit ste­hen: Sie soll­te Infor­ma­tio­nen über den Ver­fas­sungs­schutz bereit­stel­len, um den inter­nen Umgang mit der dro­hen­den Beob­ach­tung zu koor­di­nie­ren. Par­al­lel soll­te die juris­ti­sche Ver­tei­di­gung vor­be­rei­tet werden.

Und schließ­lich soll­te sie Trans­pa­renz gegen­über der Öffent­lich­keit her­stel­len und den Unter­stel­lun­gen durch Auf­klä­rung die Spit­ze abbre­chen. Als exter­ner Exper­te konn­te der Ver­fas­sungs­recht­ler Diet­rich Murs­wiek gewon­nen wer­den, der dem Gut­ach­ten des Ver­fas­sungs­schut­zes über die Fra­ge, ob man die AfD als Prüf­fall behan­deln dür­fe, jeg­li­che Aus­sa­ge­kraft absprach.

Von den ange­führ­ten 400 Beleg­stel­len sei­en für die Bewer­tung nur sechs rele­vant. Trotz die­ses ein­deu­ti­gen Ergeb­nis­ses konn­te der Druck des Ver­fas­sungs­schut­zes sei­ne Wir­kung ent­fal­ten, weil Tei­le von Par­tei und Frak­ti­on dar­in nicht zu Unrecht eine Unter­stüt­zung ihrer Hal­tung ver­mu­te­ten, die auf eine Anglei­chung der AfD an die Gepflo­gen­hei­ten der ande­ren Par­tei­en hin­aus­läuft. Die­se Situa­ti­on sorg­te nicht nur für per­so­nel­le Kon­se­quen­zen, son­dern lang­fris­tig tat­säch­lich für eine Anpas­sung der Posi­tio­nen und die Akzep­tanz von Sprachverboten.

Der Linie des VS wur­de auch dann ent­spro­chen, als die noch unter Hans-Georg Maaßen ins Visier genom­me­ne Iden­ti­tä­re Bewe­gung als Beob­ach­tungs­fall ein­ge­stuft wur­de und prompt auf der Unver­ein­bar­keits­lis­te landete.

Anpas­sungs­leis­tun­gen wur­den auch auf einem ande­ren, für die Kern­wäh­ler­schaft der AfD wich­ti­gen The­men­feld erbracht. Die Geschichts­po­li­tik, die ja nach der Ansa­ge von Gau­land ein zen­tra­les Anlie­gen war und durch die­sen im Wahl­kampf durch Stolz auf die Leis­tun­gen der Wehrmachts­soldaten noch befeu­ert wur­de, spiel­te in den Bun­des­tags­re­den vor allem bei Gedenk­stun­den eine Rol­le, aber auch dann, wenn es all­ge­mein um den Dau­er­bren­ner Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung ging.

Als die Regie­rungs­ko­ali­ti­on eine Dokumentations‑, Bil­dungs- und Erin­ne­rungs­stät­te errich­ten woll­te, die der Auf­ar­bei­tung des Zwei­ten Welt­kriegs und der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Besat­zungs­herr­schaft gewid­met sein soll­te, ent­hielt sich die AfD-Frak­ti­on. Mit »Nein« kön­ne man nicht stim­men, so MdB Jon­gen, da man aner­ken­ne, daß »in dem von den Natio­nal­so­zia­lis­ten ent­fes­sel­ten tota­len Krieg« schwers­te Ver­bre­chen began­gen wor­den sei­en, die wei­ter­hin erforscht wer­den müßten.

Aller­dings wand­te sich Jon­gen gegen den »Sühne­stolz«, den er in den Unter­tö­nen des Antrags ver­mu­te­te, und kon­sta­tier­te eine »heil­lo­se Schief­la­ge« der Erin­ne­rungs­po­li­tik. Bei der Gedenk­stun­de zum 80. Jah­res­tag des Beginns des Deutsch-Sowje­ti­schen Krie­ges 1941 sprach Gau­land vom »Über­fall auf die Sowjet­uni­on« und rela­ti­vier­te im Ver­lauf sei­ner Rede den Anteil der Sowjet­uni­on am Aus­bruch des Krieges.

Im Hin­ter­grund sol­cher Anpas­sungs­leis­tun­gen steht aber eine außen­po­li­ti­sche Fra­ge, die inner­halb der AfD umstrit­ten ist. Soll man sich zukünf­tig wei­ter­hin aus­schließ­lich auf die USA ver­las­sen, oder wäre nicht eine Annä­he­rung an Ruß­land geeig­net, für etwas Beweg­lich­keit in der deut­schen Außen­po­li­tik zu sor­gen? Einer star­ken Frak­ti­on der Atlan­ti­ker ste­hen mit Gau­land und Chru­pal­la zwei Leu­te gegen­über, von denen letz­te­rer sogar zu einem Besuch in Mos­kau weil­te, als der Jah­res­tag des 22. Juni 1941 anstand.

Wenn es aller­dings dar­um geht, aus die­ser Hal­tung eine poli­ti­sche For­de­rung abzu­lei­ten, ist man weit­aus vor­sich­ti­ger. Als die Links­par­tei in einem Antrag den Abzug aller US-Sol­da­ten aus Deutsch­land for­der­te, stimm­te die AfD dage­gen, obwohl das Grund­satz­pro­gramm der Par­tei besagt, daß sich die AfD für einen Abzug aller frem­den Trup­pen auf deut­schem Boden ein­set­zen wird.

Die Ableh­nung erfolg­te unter dem Hin­weis, daß man erst die Ver­tei­di­gungs­be­reit­schaft wie­der­her­stel­len müs­se, bevor man auf die frem­den Trup­pen ver­zich­ten kön­ne. Und die Fei­er­stun­de zum 70jährigen Bestehen des Staa­tes Isra­el wur­de von ­Gau­land für die Aus­sa­ge genutzt, daß man es für rich­tig hal­te, daß Isra­el ein Teil der deut­schen Staats­rä­son ist.

Mit dem Satz »Das heißt für uns aber auch, daß die Exis­tenz­si­che­rung am Bran­den­bur­ger Tor beginnt« wur­den die übli­chen Refle­xe bedient, die in jeder anti­is­la­mi­schen Posi­ti­on eine rich­ti­ge Posi­ti­on sehen. Was man in ande­ren Fäl­len, wie beim Kult um Homo­se­xu­el­le, Libe­ra­lis­mus­fal­le genannt hat, wirkt hier als Israel­fal­le, da man hofft, für sol­cher­lei Aus­sa­gen durch Akzep­tanz belohnt zu wer­den. Aber sol­che Hoff­nun­gen waren seit jeher vergeblich.

Unter dem Strich wird man kon­sta­tie­ren kön­nen, daß sich die AfD-Bun­des­tag­frak­ti­on dem in der gan­zen Par­tei zu spü­ren­den Zug in die Mit­te nicht ent­zie­hen konn­te. Sie ist als mäch­tigs­te Ein­heit der AfD oben­drein nicht nur von Anpas­sungs­leis­tun­gen, son­dern auch von Olig­ar­chi­sie­rungs­ten­den­zen geprägt, denen sich kei­ne Par­tei und schon gar kei­ne Frak­ti­on ent­zie­hen kann, die so sehr in den Genuß des­sen kommt, was die Par­tei­en als ihren Anteil dekla­rier­ten, als sie sich den Staat zur Beu­te machten.

Dadurch wer­den nicht nur die ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten kor­rum­piert, son­dern die gan­ze Frak­ti­on betä­tigt sich, unter­stützt von Über­läu­fern der Alt­par­tei­en an den Schalt­he­beln, lie­ber als Teil der Par­la­ments­ma­schi­ne­rie, als gegen oder über die­se hin­aus zu arbei­ten. Die par­la­men­ta­ri­sche Pflicht hat die AfD im Bun­des­tag sehr ordent­lich gemeis­tert und den Rah­men der Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft. Was sie nicht geleis­tet hat und ver­mut­lich auch nicht leis­ten woll­te: die Stär­kung des vor­po­li­ti­schen Rau­mes und die Auf­nah­me des meta­po­li­ti­schen Kampfes.

Für bei­des fehl­ten der Wil­le, den Rah­men des Par­la­men­ta­ris­mus durch intel­li­gen­te Schach­zü­ge aus­zu­wei­ten, und der Mut, sich dem Zeit­geist in den wich­ti­gen Lebens­fra­gen ent­ge­gen­zu­stel­len, egal ob das dem Ver­fas­sungs­schutz gefällt oder nicht. Beson­ders tra­gisch sind die­se ver­paß­ten Mög­lich­kei­ten, weil die Frak­ti­on jähr­lich ca. 17 Mil­lio­nen Euro vom Steu­er­zah­ler bekommt, ohne daß es hier zu einem nen­nens­wer­ten Abfluß ins Vor­feld gekom­men wäre.

Das haben die ande­ren Par­tei­en bes­ser hin­be­kom­men. Eine Anpas­sung an die­se Gepflo­gen­hei­ten ist für den Erfolg des Milieus, das die AfD reprä­sen­tiert, zwin­gend notwendig.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Kommentare (43)

RMH

30. September 2021 16:08

"... ohne daß es hier zu einem nennenswerten Abfluß ins Vorfeld gekommen wäre."

Durch den Wiedereinzug der AfD in den Bundestag bekommt ab 2022 die Desiderius-Erasmus-Stiftung Bundeszuschüsse. Evtl. geht darüber dann ja etwas und ich hoffe, dass ich mit diesem Hinweis jetzt nicht alte Wunden aufreiße oder ein Wespennest ansteche.

Niekisch

30. September 2021 16:17

"Was sie nicht geleistet hat und vermutlich auch nicht leisten wollte: die Stärkung des vorpolitischen Raumes und die Aufnahme des metapolitischen Kampfes."

Hat das seit 1949 auch nur eine einzige "rechte" Partei hinbekommen? Sind sie in Ermangelung dessen nicht alle letztlich gescheitert? Kann die AfD es quasi nachträglich noch schaffen angesichts ihrer weltanschaulichen Zerrissenheit und dem buchstäblichen Widerwillen gegen die Kärrnerarbeit vor Ort und ganz unten bei vielen Mitgliedern, besonders Funktionären?

Laurenz

30. September 2021 16:22

@EL

Sehr gut zusammengefaßt.

Da die AfD den Status als größte Oppositionspartei nun verloren hat & mutmaßlich nur noch 83 Plätze in einem noch größeren Bundestag besetzen kann, liegt die Schlußfolgerung doch nahe, daß die bisherige Vorgehensweise vom Wähler nicht honoriert wurde. Der Wähler wünscht, wenn, eine klare, geschlossene Opposition & keinen Haufen von dilettantischen Streithammeln, wobei man das der Fraktion nicht vorwerfen kann, aber der Partei selbst.

In einem Punkt mag ich Ihnen widersprechen. Ich persönlich vermute, Sie, EL, haben Sich bereits zu sehr an die Gegenwart der AfD-Bundestagsfraktion gewöhnt & haben den Unterschied zur medial äußerst langweiligen Legislaturperiode 2013-2017 irgendwie vergessen. Zumindest hat die AfD-Fraktion erreicht, daß die Reden aller nicht noch schlechter wurden & das weniger Abgeordnete im Reichstag einschlafen. 

Mitleser2

30. September 2021 16:57

" Was sie nicht geleistet hat und vermutlich auch nicht leisten wollte: die Stärkung des vorpolitischen Raumes und die Aufnahme des metapolitischen Kampfes."

Klar, die Grünen haben das in den letzten 20 Jahren geschafft. Das war aber auch dem Zeitgeist geschuldet, die AfD hat es da viel schwerer, noch ist der Zeitgeist gegen sie, und dazu der medial-politische Komplex als 100% Gegner.

Ich bleibe bei meiner These: die AfD kann leider nur bei einem wirtschaftlichen Niedergang reüssieren. Lasst Scholz oder Laschet Kanzler werden, und an der Deindustrialisierung und den Widersprüchen ihrer Koalitionen scheitern, dann werden die Karten neu gemischt. Wobei ein Scheitern von Laschet schlechter wäre für die AfD, denn dann würde die SPD groß heraus kommen, und die soziale Frage an sich ziehen.

Schwarzseher

30. September 2021 18:35

Welche Metapolitik wäre denn von der AfD zu erwarten? Keine Metapolitik? Kommt wohl auf die Warnehmung an. Ist die AfD ein Subjekt welches Metapolitik betreiben müsste, oder ist sie nicht eher eine politische Filiale des Hayek-Klubs, und selbst Teil von "Metapolitik" der Liberalen? Parallel mit den Broders und Tichys, den libertären Schwätzern auf You Tube?
Die gesammt "Migrationskritik" wird doch ausschließlich vom liberalen Diskurs her dominiert. Selbst hier auf Sezession wird einem dieser liberale Diskurs aufgedrückt, Tichy hier Broder da. Nicht etwa ein Broder auf seiner Achse hat mit dem rechten Diskusrs zu kämpfen. Rechts im Sinne von "völkisch", und nicht liberal rechts "Wirtschaft vor Politik u.Ä.".  Also die Leute hinter der AfD haben ihre "Metapolitik" voll im Griff würde ich sagen. Nur halt die "echten Rechten" mit ihrer Metapolitik bekommen da nicht so recht einen Fuß in die Tür.

Laurenz

30. September 2021 20:33

 

@Mitleser2

"die AfD kann leider nur bei einem wirtschaftlichen Niedergang reüssieren."

Das stimmt zwar, passiert aber auch. Nur auf Pump wird noch ein Status Quo aufrecht erhalten & immer mehr Gruppierungen/NGOs müssen gefüttert werden, was mit 3 Parteien in der Regierung nicht besser werden wird, sondern schlimmer. Und die richtige Schlußfolgerung daraus ist, dem Wähler konkret noch mehr zu versprechen, also die Einheitsfront quasi links zu überholen.

@Schwarzseher

"Tichy hier, Broder da"

Ja, und?

Wer ist schon immer einer Meinung mit der Broder - oder Tichys-Redaktion. In gewisser Weise wünschen sich beide die Bonner Republik zurück, natürlich nur ein frommer Wunsch & damit ein Fehler in der historischen Analyse.

Aber beide haben Autoren, die interessant & unterhaltsam schreiben können, was in einem hart umkämpften Markt Grundvoraussetzung ist.

Um Ihnen eine aktuelle Kostprobe zu geben, hier der Humor von Vera Lengsfeld. Frau Lengsfeld kann in meinen Augen tatsächlich schreiben.  https://www.achgut.com/artikel/die_selfies_nach_vergabe_der_aemter_den_passenden_kanzler_aussuchen

Für meinen Geschmack ist Lengsfeld mit der Nase etwas zu dicht dran, aber wer kann Ihr das nach Ihrer Lebensgeschichte vorwerfen?

Und es zeigt den Verstand des schlauen Überläufers Broder an, solche Autoren gewinnen zu können.

Dietrichs Bern

30. September 2021 21:07

Nun "mehr rechts" wird weder der Gesamtpartei gerecht, noch hat es deren Wahlchancen verbessert. Und den Abscheu von denen, denen die anderen nicht "rechts genug" sind und die ständig vom großen UA-UA-UA Moment träumen, kann man auch woanders haben.

Der Unwille, gerade von rechts, sich zu mäßigen, führt zurück in die Metapolitik als einziges Betätigungsfeld. Manch einem kann der Weg dahin wohl nicht schnell genug beschritten werden. 

Der_Juergen

30. September 2021 23:01

@Schwarzseher

"Die gesammt "Migrationskritik" wird doch ausschließlich vom liberalen Diskurs her dominiert. Selbst hier auf Sezession wird einem dieser liberale Diskurs aufgedrückt, Tichy hier Broder da."

Stimmt einfach nicht. Ja, liberal-konservative Migrationskritiker, die sich mit kosmetischen Massnahmen begnügen wollen, gibt es auf diesem Blog durchaus (ein Beispiel ist der @Schwäbische Waldgänger), aber die konsequenten Migrationskritiker überwiegen doch sichtlich. 

Ich bin weiss Gott kein Fan von Tichy, aber dass es ihn gibt, ist immer noch besser, als wenn es ihn nicht gäbe. Wessen Weltbild vom Spiegel, der Zeit oder der TAZ geprägt ist, der ist nach menschlichem Ermessen für die patriotische Sache verloren; ich weiss nicht, was geschehen müsste, bis diese gehirngewaschenen Trottel aufwachen. Wer Tichy liest, hat immerhin schon das eine oder andere begriffen und kann sich unter dem Druck der Entwicklung leicht radikalisieren. 

 

 

 

 

heinrichbrueck

30. September 2021 23:18

"Wer des Glaubens ist, daß Worte sich immer mit denselben Begriffen decken, oder daß die Begriffe stets in dieselben Worte gekleidet werden oder werden können, ist seiner logischen Unschuld wegen zu beneiden." E. G. Kolbenheyer
AfD-Politiker können Reden halten, Gespräche führen, sich mitteilen. Metapolitik gibt ein Ziel vor, aber keine konkrete Vorstellung der Verhältnisse. Die Moderne ist Revolution und Geldgeschäft in einem. Aufstiegsmöglichkeiten konterkarieren jede Metapolitik, dienen der Moderne und ihrer Knechte. 
Was denken deutsche Demokraten denn, wenn sie ihre historischen Gebiete abtreten? Sie machen Platz, weil die Moderne es so verlangt, und sie keine andere Wahl haben? 

Gotlandfahrer

30. September 2021 23:22

Die AfD hat, da sie eine junge Organisation ist, die ein freies, diverses Bürgertum abbilden muss, wobei sie auf die seltene Tugend des Mutes angewiesen ist, sowie angesichts der Aggression, Macht und Verschlagenheit, mit der auf sie eingedroschen wird, gute Arbeit geleistet.  Vorfeldarbeit ist bedeutsames Entwicklungsfeld, wie auch die Frage, ob der "Cucking"-Weg weiter- oder ein prononcierter Weg gemeinsam gegangen werden soll.  Unterm Strich ist der Knackpunkt aber das Bewusstsein der Menschen. Selbst wenn mehr Nichtwähler gewonnen werden, würde eine 30% AfD noch an der normativen Kraft des Faktischen scheitern.  Wenn also nicht 70% als Feind angesehen werden sollen, und das KANN niemals das Ziel sein, dann muss sich die Umwelt selbst verändern. Das heißt entweder müssen wir darauf warten, dass "was passiert". Nicht gut. Oder siegen lernen: Bündisches Agieren, um Zugang zu Geld, Renditeaussicht und Hauptkommunikation zu gewinnen.  Das ist nicht so aussichtslos, wie es scheint, denn das Spiel der letzten Jahrzehnte kommt durch Technologie, Demographie und Kultur an einen kritischen Kipp-Punkt.  Konspiratives Agieren in großem Stil ist jedoch kontraintuitiv für Individualisten wie den freien Krieger, den fleißigen Handwerker oder den ehrbaren Kaufmann.  Der Mittelweg wäre das Weitermachen: Stachel sein, nicht aufgeben, tapfer Schläge einstecken und dem Kern von 10% Zuhause bieten.  Das ist edel, hilfreich und gut, aber womöglich nicht genug.

tearjerker

1. Oktober 2021 07:22

Die AfD ist noch dabei, was aufgrund des, freundlich ausgedrückt, Gegenwinds nicht sicher war. Die AfD stagniert, weil sie nicht versteht, dass ihre Zielgruppe für Wachstum in den nächsten Jahren nicht in den Wählern liegt. die in die durch die Kartellparteien vertretenen Konzepte ohnehin schon investiert sind. Sie bezieht nicht eine kontroverse Position zu Asyl, Klima oder Corona. Sie verzichtet komplett darauf inhaltlich zu polarisieren und sie scheint auch kaum in Projekten zu denken, geschweige denn PR-fahig zu sein. Im Gegenteil, mit sowas wie den Flugblatt-Geschichten macht man diese für den Feind. Das wiegt schwerer als der Unterschied zwischen 12% und 22%.

Nemo Obligatur

1. Oktober 2021 08:18

"Besonders tragisch sind diese verpaßten Möglichkeiten, weil die Fraktion jährlich ca. 17 Millionen Euro vom Steuerzahler bekommt, ohne daß es hier zu einem nennenswerten Abfluß ins Vorfeld gekommen wäre."

Aha, der Ruf nach mehr Geld!

Ich hoffe sehr, dass die AfD jeden Euro rechtmäßig verwendet. So etwas wird nämlich auch geprüft. In dem Zusammenhang würde mich interessieren, was EL unter "Vorfeld" genau versteht. Will sagen, die Fraktionsmittel dürfen nach meiner Kenntnis auch nur für Fraktionsaufgaben verwendet werden. Es mag sein, dass es da einen gewissen Spielraum gibt, aber ich bin Steuerzahler und nicht bereit, eine Partei zu wählen, die im Umgang mit Steuermitteln grundsätzlich schludert.

Ebenso erwarte ich jetzt auch die Unterstützung der parteinahen Stiftung der AfD aus Steuermitteln und damit die Gleichbehandlung mit den anderen Parteien. Dort ist der Spielraum in Sachen Vorfeld vermutlich größer. Ich könnte mir vorstellen, dass die anderen Parteien versuchen werden, der AfD diese Mittel vorzuenthalten. Ich hoffe, die Partei hat für diesen Fall bereits eine Strategie in der Schublade - vom Rechtsweg bis zur Medienkampagne.

RMH

1. Oktober 2021 08:43

Zur ganzen Geschichte der AfD gehören auch die kleineren Abgänge bis Abspaltungen nach rechts, die ebenso wie die wohl größte bisherige Abspaltung in der Folge von Lucke, auch allesamt beredt erfolglos waren. Jedem Patrioten, der auch eine freiheitliche Ader hat, war und ist klar, dass die AfD nun einmal die einzige Spielkarte im parlamentarischen Spiel ist. Die Regeln für dieses Spiel geben andere vor und nur Menschen, die in völliger Verkennung dieser Tatsachen leben oder getoastete Linke sind, raunen vom Umsturz und dem Ändern der Spielregeln.

Dietrichs Bern hat daher mit seiner Kritik recht. Ich selber, der ich durchaus des Öfteren dazu neige, bei der Beurteilung, ob ein Glas nun halb voll oder halb leer ist, zur Feststellung leer zu kommen, möchte in Bezug auf die AfD im Bundestag sagen, das Glas ist nicht nur halb voll, es ist deutlich mehr als halb voll. Ich bin positiv überrascht und hoffe, dass die nächste Legislatur mich weiter überraschen wird.

Das nötige Abstraktionsvermögen zwischen parlamentarischen Spiel und allem außerhalb klar zu unterscheiden, sollten alle Rechten mittlerweile verinnerlicht haben. Polemischer Abschluss: Und wer etwas für Deutschland tun will, der sollte noch mindestens ein Kind zeugen. Zur Abwechslung evtl. einmal mit einer der deutschen "Kratzbürsten" und nicht mit den sugar daddy affinen Damen aus Osteuropa oder Fernost.

Allnichts

1. Oktober 2021 09:53

1/1

Hinsichtlich der Alten Rechten argumentiert und verhält sich die Neue Rechte ähnlich wie der Liberalkonservativismus hinsichtlich der Neuen Rechten. Und genauso, wie es die Liberalkonservativen gesagt bekommen, sollte den Neurechten und Identitären klargemacht werden: Das wird Euch nicht reinwaschen, Ihr werdet trotzdem als "Nazis" wahrgenommen, abgestempelt und ausgegrenzt. Betrachtet man das gesamte Spektrum des Konservativen, des Rechten und Nationalen, dann gibt es neben allerlei Gemeinsamkeiten mitunter natürlich auch deutliche Unterschiede. nur wenn man in Richtung Konservativismus offen ist und genügend Anknüpfpunkte sieht, sollte dies doch für den Nationalismus genauso gelten. Stattdessen wird er ignoriert oder in die Schmutzecke geschoben. Solange die Rechte in Deutschland auch stark dadurch auffällt, dass sich ihre einzelnen Gruppierungen dauerhaft voneinander distanzieren, kann es um dieses Land nicht allzu schlecht stehen.

Zum Artikel an sich: Ich finde es interessant, die vier Jahre so sachlich beschrieben und zusammengefasst zu sehen. Einerseits begrüsse ich, dass die AfD es nicht andauernd auf Spektakel und Sensation angelegt hat, andererseits frage ich mich aber auch, was aus dieser Zeit eigentlich im öffentlichen Bewusstsein und in Erinnerung bleiben wird. Es kommen einige Sprüche und das Geschehnis in Thüringen in den Sinn, wobei dieses mit dem Bundestag wenig zu tun hatte - das war's, der ganz grosse Wurf blieb aus.

Allnichts

1. Oktober 2021 09:53

2/2

Für eine Partei, welche eine ganz grundsätzliche Alternative darstellen will, ist das zu wenig. Es mag sein, dass die Debatten im Bundestag nicht mehr so dröge sind wie zuvor, doch bekanntlich ist das allgemeine Interesse dafür auch nur schwach ausgeprägt und von der ganzen Hinterzimmerarbeit erfährt ebenfalls kaum jemand etwas. Die eigene Vorzugsstellung, im Bundestag zu sitzen, mit mehr Einfallsreichtum und Pfeffer medial so nutzen, dass es auch ausserhalb von Sezession und Compact - bestenfalls positiv - wahrgenommen wird, gelingt jedenfalls kaum.

Niekisch

1. Oktober 2021 10:03

"....man hofft, für solcherlei Aussagen durch Akzeptanz belohnt zu werden. Aber solche Hoffnungen waren seit jeher vergeblich."

...wie schon der Staatsrechtler Carl Schmitt in seiner Schrift "Staatsethik und pluralistischer Staat ( in Kant-Studien 35 (1930), S. 28-42, schön beschrieben hat: "Wer sich auf den ideologischen Kampfplatz des Gegners begibt, dort dessen Begriffe übernimmt und diesem beschwichtigend entgegengeht, verliert zuletzt doch nur "jede Kraft des Widerstandes  gegen die Barbarei", denn "Bedingte Anerkennung richtet gegen den Fanatismus nichts aus, sie leitet ihm nur reines Wasser auf seine schmutzigen Mühlräder."

Laurenz

1. Oktober 2021 10:24

@Der_Jürgen @Schwarzseher

"bis diese gehirngewaschenen Trottel aufwachen"

Sie haben bis heute das linke Selbstverständnis nicht begriffen, obwohl Sie es doch hier schon über Jahre erklärt bekamen.

Die Linke, dazu gehören auch die linken Medien, begreifen sich als globale Elite. Und wer über den Globus herrscht, braucht sich um ein Land keine Gedanken zu machen.

Hier ein aktuelles Beispiel dessen aus der JF

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2021/wenn-die-gruenen-zu-weiss-sind/

Laurenz

1. Oktober 2021 10:29

"Allnichts"

"Der große Wurf blieb aus"

Sie sind auch einer, der typisch deutsch, vom Größenwahn befallen ist, ein volks-charakterliches Phänomen, welches von rechtsaußen über die Mitte bis linksaußen reicht.

Die AfD ist die kleinste im Reichstag vertretene Partei, 35k Mitglieder. Es ist ein großer Wurf dieser 35k seit der Gründung 2013 auch jetzt wieder im Reichstag vertreten zu sein.

Und was haben Sie denn dazu beigetragen?

Jan

1. Oktober 2021 10:56

"Die Grünen gelang die Etablierung auf einer Welle des Zeitgeists, die sie bis in die Regierung trug (...)"

Der Grundstein für die Etablierung der Grünen war die Rolle des Mehrheitsbeschaffers für die SPD ab 1983. Nach dem Auseinanderbrechen der sozial-liberalen Koalition im Herbst 1982 erklärte Willy Brandt im Interview, die SPD müsse sich nun nach neuen Mehrheiten jenseits von Schwarz/Gelb umsehen. Das war praktisch der Startschuss von Rotgrün und brachte die Grünen in diverse Kommunal- und Landesämter. Schon 1985 wurde Joseph Fischer Umweltminister in Hessen, wenige Jahre zuvor fuhr er noch Taxi. Durch die Koalitionen mit der SPD wurden die Grünen gesellschaftsfähig und konnten so erst ihren Marsch durch die Institutionen starten, in welche sie zehn oder 20 Jahre vorher niemals hineingekommen wären.

 

URN

1. Oktober 2021 11:20

Halten Sie, heinrichbrueck​​​, sich für oberklug? Sowohl mit Ihrem seltsamen Zitat als auch mit Ihrer ebenso seltsamen Frage ernten Sie hoffentlich nur Kopfschütteln. "Was denken deutsche Demokraten denn, wenn sie ihre historischen Gebiete abtreten?" Fragen Sie doch  d i e , wenn Sie solche kennen, die dies taten!

Salzburger

1. Oktober 2021 11:32

Eric Zemmour wird bei der frz. Präsidentschaftswahl antreten. Er ist für mich die schillerndste Figur der Rechten Europas und v.a. ein Identitärer wie er im Buche steht. 

Er wird mit seinem Leibthema, der kulturellen Grundsatz- bzw. nationalen Schicksalsfrage in die Wahl gehen. Er stellt dabei den Großen Austausch explizit ins Zentrum (und umschreibt ihn nicht nur wie Le Pen). So fordert er in seinen TV-Sendungen schon lange die Rückkehr zur frz. Leitkultur, ein Ende bzw. Rückabwicklung der islamischen Kolonisierung frz. Städte inkl. Verbot ihrer Symbole (zB arabisch/isl. Vornamen)

Zemmour ist hochgebildet, er leitet pointiert philosophiegeschichtlich her, wie es zum heutigen desolaten Zustand Frankreichs gekommen ist, greift in bester Tradition der Nouvelle Droite den globalen Markt und Islam gleichermaßen an bzw. bezeichnet die Allianz der Kosmopoliten mit dem Islam als modernen Hitler-Stalin-Pakt, der den weißen, französischen, katholischen Mann vernichten soll, um schließlich auf den Trümmern Frankreichs selbst den finalen Kampf gegeneinander zu führen.

Eric Zemmour analysiert -seit vielen Jahren-, was (West-)AfDler nicht einmal in ihr Tagebuch zu schreiben wagen. Damit schockiert er nicht nur die Eliten, er hat eine große Anhängerschaft und ist mit seiner Direktheit zur landesweit bekannten Persönlichkeit aufgestiegen, an der man nicht mehr vorbeikommt.

Es lohnt sich, den frz. Wahlkampf genau zu beobachten.

Nemo Obligatur

1. Oktober 2021 12:19

@ Salzburger

"So fordert er in seinen TV-Sendungen..."

Wissen Sie zufällig, wieso Zemmour eigene TV-Sendungen hat und in welchem Kanal? Hält da wer die Hand über ihn? Ich bin mit den Verhältnissen in Frankreich nicht vertraut.

In Deutschland ist es bislang völlig undenkbar, dass ein Journalist mit dieser Ausrichtung auch nur als Gast in eine Talkshow, privat oder öffentlich-rechtlich, eingeladen wird. Das war bislang ja nicht einmal dem nun wirklich gemäßigten Dieter Stein vergönnt. Für Politiker, die der identitären Rechten auch nur nahestehen, ist seit Höckes Auftritt bei Jauch Sendepause, soweit ich das verfolgt habe. Äußerstenfalls wird mal Alexander Gauland nach dem Schema "Alle gegen Einen" zum Verhör gebeten.

Laurenz

1. Oktober 2021 12:40

@Jan

"Die Grünen & Joschka Fischer"

In den 80ern waren die Fundis, also die kleinen Nazis mit Friedenstaube & Latzhose, noch kompromißlos & sehr stark bei Grünen. Joschka hatte sich dem angepaßt, sein Wahlkampf in Hessen, selbst als Umweltminister, sachbezogen & kompetent, kaum zu glauben, aber wahr, selbst erlebt. Fischer wartete bis Anfang der 90er so lange, bis die ganzen Kommunisten, wie Cohn-Bendit, Trittin etc., endgültig die Fundis entmachtet hatten. Die ganz große charakterliche Wende erfolgte bei seinem Antrittsbesuch als Außenminister in den USA, bei Albright, die ihn mochte & vor die Wahl stellte, sich in ihren Dienst zu stellen & weiterhin den roten Teppich ausgerollt zu bekommen, oder wie Oskar nachhause geschickt zu werden. Wir alle wissen, wie Josef Fischer sich entschied. Die Grünen hatten sich innerhalb einer Legislaturperiode kaufen lassen. Die Halbwertszeit der AfD im Vergleich zieht sich nun doch etwas länger hin.

Laurenz

1. Oktober 2021 12:52

@Nemo Obligatur @Salzburger

"TV-Einladungen"

Als ich vor ein paar Monaten auf der SiN forderte, zu überlegen, was wir bereit sind, den Kapitalisten anzubieten, wurde das von @Limes & anderen als schäbig & unlauter bewertet. Aber solange hier kein Eigentum verboten wird, kommt keiner am Kapital vorbei, ohne Käuflichkeit oder zumindest einem Austausch von Interessen kommt in einer Demokratie niemand weiter.

Die Frage, die sich also stellt, ist, was kann die Rechte für einen Investoren in Milliarden-Größe an Einschaltquoten/Reichweite generieren?

Und wenn Höcke in Seiner aktuellen Erklärung zur AfD im Verhältnis zur Analyse der Bundestagswahl dieses Thema explizit anspricht, muß Ihm doch exakt ein solches Angebot an Medien-Investoren durch den Kopf gegangen sein. Und dabei kann Höcke kaum die SiN plus irgendwelche Geldgeber gemeint haben. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, daß GK sowas, wie Bild-TV machen wollte. Ich muß grad lachen bei dem Gedanken.

Salzburger

1. Oktober 2021 14:47

@ Nemo Obligatur

CNEWS, ein großer konservativer Privatsender, der einem frz. Milliardär gehört (also damit in etwa mit dem österr. ServusTV vergleichbar) hat ihm jahrelang TV-Präsenz gegeben und seine politischen Kommentare hatten hohe Einschaltquoten.  Zuvor hat Zemmour lange für Le Figaro geschrieben, und daneben Bestseller verfasst (thematisch vergleichbar mit Thilo Sarrazin). 

Ich bin wahrlich kein Experte für Frankreich, aber selbst mit meinen bescheidenen Französisch-Kenntnissen konnte ich schon den Eindruck gewinnen, dass in Frankreich eine intellektuelle Lust für Polemiken und Provokationen besteht bzw. diese auch sehr ernsthaft diskutiert (und nicht wie bei uns nur moralisiert) werden. 

Zemmour in Aktion -mit englischen Untertiteln- kann man hier finden:

https://www.youtube.com/watch?v=8h1vE9Fd9EA

https://www.youtube.com/watch?v=R5pozMZdTdo

 

Ordo

1. Oktober 2021 16:46

@RMH

Wenn Sie mir später die Alimente zahlen, schwängere ich auch eine deutsche Kratzbürste. Fürs Vaterland. 

Wahrscheinlich sind sogar die Katalog-Frauen aus der Ukraine oder Thailand unterm Strich billiger, aber auch die könnte ich mir nicht leisten. Naja, kein Geld, keine Frau, keine Probleme.

Und an alle anderen: ich habe es zumindest nicht bereut, AFD gewählt zu haben. Schon allein für die Reden Gottfried Curios im Bundestag hat es sich gelohnt. Allzu viel mehr habe ich auch nicht erwartet. Wer immer noch an die Rettung durch eine Partei glaubt, dem ist eh kaum noch zu helfen. 

tearjerker

1. Oktober 2021 17:28

„Wer immer noch an die Rettung durch eine Partei glaubt, dem ist eh kaum noch zu helfen.“ Sehr richtig. Ein bischen mehr Action stünde den Blauen trotzdem ganz gut.

Der_Juergen

1. Oktober 2021 18:03

@Ordo

"...ich habe es zumindest nicht bereut, AFD gewählt zu haben. Schon allein für die Reden Gottfried Curios im Bundestag hat es sich gelohnt. Allzu viel mehr habe ich auch nicht erwartet. Wer immer noch an die Rettung durch eine Partei glaubt, dem ist eh kaum noch zu helfen."

Da stimmt jedes Wort. Vermutlich wäre ich als deutscher Bürger, entgegen einer früheren Aussage auf diesem Blog, doch zur Wahl gegangen und hätte mein Kreuzlein bei der AFD gemacht, Menschen wie Höcke, Curio und auch Alice Weidel (die offen gegen den Impfterror auftritt und sich als stolze Nichtgeimpfte vorstellt) zuliebe. Geschadet hätte es auf jeden Fall nicht. 

RMH

1. Oktober 2021 19:41

"Geschadet hätte es auf jeden Fall nicht."

Eben! Und das ist quasi die Quintessenz aus dem Ganzen.

Für den Erhalt Deutschlands bzw. der Möglichkeit einer Insel (siehe Sellner Diskussion im Folgenden) ist man zum überwiegenden Teil selber verantwortlich.

Und ich habe auch gerade wegen Curio und dem letzten Weidel- Statement zur Impfung AfD gewählt.

@Ordo,

geht auch ohne Geld - nur mal nicht das eigene Licht unter den Scheffel stellen.

GoetzGeorg

1. Oktober 2021 19:52

Von Linken lernen heisst siegen lernen. Das Handbuch des Marxisten und politischen Taktikers Saul Alinsky, Autor von “Rules for Radicals”, Mentor des Studenten Barack Hussein Obama, sollten sich die relativ phantasielosen und lernresistenten AfD Granden einmal zur Brust nehmen. "Veränderung wird durch Macht bewirkt. Macht bekommt man durch Organisation"

Dietrichs Bern

1. Oktober 2021 21:41

Mein Sohn hat letzte Woche bereits in der 5.Klasse so dermaßen das Gesicht verbeult bekommen, dass wir als Eltern fassungslos sind. Heute ein anderer Schüler. Gleiche Situation. Massive Schlagserien ins Gesicht, die einen nur fassungslos zurücklassen.

Ich komme aus NRW, womit zwanglos erklärt ist, wer Täter und wer Opfer ist.

Die AFD wird zwangsläufig wieder mehr Zustimmung erhalten, da gewissen Themen sich ja vielleicht medial unterdrücken lassen, für die Dauer der Scholz-Baerbock Feierlichkeiten - aber die kommen mit Wucht zurück. Mit Wucht.

Laurenz

2. Oktober 2021 00:47

 

@Dietrichs Bern

"wer Täter und wer Opfer ist"

Putin erzählte in mehreren Interviews sehr genau, warum er als junger kleiner Wicht (, der Er heute noch ist,) Kampfsport lernte.

Warum haben Sie Ihren Sohn nicht frühzeitig vorbereitet & beigebracht, wie man Gegner schnell außer Gefecht setzt? 

In den 50er waren schwere Prügeleien zwischen Dörfern (in Deutschland) beim Fußball noch ganz normal. Mein Vater erzählte mir, wie bei Auswärtssiegen desöfteren alte Frauen mit dem Messer auf Ihn zukamen.

Gracchus

2. Oktober 2021 00:53

Wie das Wahlergebnis stagniert auch die Diskussion hier im Forum. Der Bewegungsspielraum ist nicht sehr groß, kann offensichtlich nur in kleinen Schritten erweitert werden. 

Die Wahlen haben etwas Unwirkliches, als sollten sie Baudrillards Theorie vom Simulacrum illustrieren; Demokratie ohne demos; der politische Betrieb gleicht einem Augiasstall, kein Herkules in Sicht.

Zur AfD: Die innerparteilichen Zwistigkeiten sollten minimiert werden. 

Mir würde gefallen, wenn sich die AfD mehr als Partei der Mitte präsentierte - liberaler als die FDP, sozialer als SPD, ökologischer als die Grünen und konservativer als die CDU - und demokratischer als alle zusammen. Mit Höcke denkbar. 

 

 

Schwarzseher

2. Oktober 2021 08:53

@Der_Juergen

Wer Tichy ließt, weil im die Migrationskritik gefällt, bekommt nebenbei eine liberale Gehirnwäsche. Den Leuten wird SED- Merkel, Linke und GEZ Fernsehn als "Ursache des Übels" verkauft. Diese Leute sind für eine Erklärung der "Rechte" und erst Recht für Lösungen der Rechten dann nicht mehr zu gebrauchen. 
Liberale Metapolitik ist nicht Rechte Metapolitik. Man kann aus Linken "Klassenkollektiv" Rechte machen "Volkskollektiv", der realexistierende Sozialismus war im Grunde Nationaler- Sozialismus, theoretische Klasse war gleich Volk, Ostdeutsche wählen ohne Probleme eine angeblich Nazi- AfD oder NPD, aber liberale Ideologie heißt Antikollektiv. Der Liberalismus ist das Gift selbst, und kann nicht eine Lösung für die Folgen der eigenen "Verwirklichung" anbieten.
Und ich habe angemerkt, ohne Wertung, dass in Sachen Metapolitik die Rechte haushoch verliert, gegen die liberale Metapolitik, die sogar bis in die kleinsten rechten Nieschen hineinreicht. Und die wenigen potentiellen Sympathisanten, der Rechten abgreift. Leute denen Volk und Kultur noch irgendetwas bedeutet und vor Konsum und Wohlstand gesetzt werden könnte. Meine Frage war ob nicht die AfD selbst Teil liberaler Metapolitik ist??

Niekisch

2. Oktober 2021 10:41

@ GoetzGeorg 1.10. 19:52: Hierzu 10 Artikel mit Erläuterungen Saul Alinsky | Suchergebnisse | Metapolitika (wordpress.com)

RMH

2. Oktober 2021 12:29

"Ich komme aus NRW, womit zwanglos erklärt ist, wer Täter und wer Opfer ist."

@Dietrichs Bern,

kann ich auch für Bayern bestätigen. Da erzählen die MiHiGru Kumpels der eigenen Kinder (die in meinem Fall älter als Klasse 5 sind), dass sie im Heimaturlaub in der Türkei und/oder Tunesien das Schächten von Hammeln und Ziegen vom Onkel beigebracht bekommen haben und natürlich selber ein Tier schlachten mussten, um "Männer" zu werden. Die Kampfsportclubs werden von wem besucht? Richtig ... gut, die Deutschrussen sind der andere Teil der Kampfsportler.

Die Deutschen wollen das nicht mehr wahrhaben, so meine Erfahrung. Braucht man gar nicht erst mit anfangen - perfekte Verdrängung.

Laurenz

2. Oktober 2021 15:48

@RMH @Dietrichs Bern

"perfekte Verdrängung"

Wer nicht kämpft, wird hingerichtet.

Das kann sich jeder selbst überlegen.

Deswegen ist der Tod des Stiers in der spanischen Arena immer dem Tod im Schlachthof vorzuziehen, also humaner.

Der_Juergen

2. Oktober 2021 20:57

@Schwarzseher

Sie haben im Prinzip recht, aber es ist doch gut, dass es Leute wie Tichy gibt, die wenigstens einen Teil der Wahrheit sagen. In der Schweiz haben wir - neben der nur online erhältlichen "Ostschweizer Zeitung" und der auch in Druckausgabe verfügbaren "Expresszeitung", die allerdings hauptsächlich von Deutschen geschrieben wird - lediglich ein einziges Presseorgan, das, ähnlich wie Tichy in Deutschland, einen Teil der Wahrheit schreibt, über den Klimaschwindel ebenso wie über Corona und andere Themen. Ja, es wird immer nur von "Fehlern", "Irrtümern", "Naivität" und "Hysterie" geschrieben; nie wird in der WW auch nur andeutungsweise erwähnt, dass diese Lügen Teil eines gigantischen, teuflischen Zerstörungsplans sind. Doch was ist besser - eine Schweiz ohne Weltwoche oder eine mit ihr? Die von mir eben erwähnten oppositionellen Portale sind nämlich nur einem kleinen Teil der Bevölkerung bekannt. 

"Wenn der Mohr kommt, ist dir selbst der blonde Russe ein Bruder", lautet ein usbekisches Sprichwort. Es hat, mutatis mutandis, auch bei uns Gültigkeit.

Laurenz

3. Oktober 2021 09:44

@Schwarzseher @Der_Juergen

"liberale Metapolitik"

Sie argumentieren wie einer der JN aus den 80ern.

"Ohne Selbstopferung im Kampf gegen das Establishment existiert keine Daseinsberechtigung."

Wie sollte denn ein "mehr rechtes" Tichys (ohne von EK benannte Kopfschuß-Phrasen) aussehen? 

Desweiteren beleidigen Sie die dortige Leserschaft. Die Tichys-Leserschaft spiegelt beileibe nicht den politischen Hintergrund Roland Tichys, als Vertreter der alten Bonner Republik, wider. Die Leserschaft von Tichys ist einfacher, proletarischer als hier, Tichys erzielt wohl auch mehr Reichweite als die SiN. Roland Tichy wird auch vom Establishment anders eingeordnet als GK. Das versteht dort auch jeder Leser.

Deswegen glaube ich auch nicht, daß Sie Sich je Artikel & Forum auf Tichys jemals näher angeschaut haben.

Als ich neulich den inneren Widerspruch zwischen Israel & dem Diaspora-Judentum in einem entsprechenden Artikel hinwieß, ging das durch. Vor 2 Jahren wäre das noch undenkbar gewesen, da Tichys in diesen Fragen die Broder-Linie fährt.

Dietrichs Bern

3. Oktober 2021 15:29

@Laurenz: Ich denke, dass Ihre Einlassungen der Realitätskenntnis entbehren - anders etwa als die von RMH. Der Wille, bereits als 11-jähriger harte, schnelle Schläge zielgerichtet in das Gesicht anderer Kinder auszuführen und zwar aus nichtigem Anlass, ist nichts was man in Kursen lernt, sondern es entsteht in einer Umgebung, die das erfordert. Dieses Millieu kann die bundesdeutsche, zivilisierte Familie gar nicht bieten. Vor allem: Was glauben Sie passiert denn, wenn die deutsche Kartoffel hier eine Prügelei positiv für sich gestalten könnte? Ernsthaft? 

Ich habe im Moment keine Antwort auf die Situation - das ist aber ehrlicher als dieses Leonidas-Geschwurbel, dass die Nichtbetroffenheit atmet.

Laurenz

3. Oktober 2021 18:22

@Dietrichs Bern @L.

"Realitätssinn"

Mein Vater lernte als 8-Jähriger bereits mit dem Kleinkaliber schießen. In Rußland, den USA oder Polen ist wehrertüchtigende Erziehung ganz normal.

Mit Verlaub, das ist Realitätssinn. Und sind die Erlebnisse Ihres Sohnes keine Realität?

https://www.karate.de/

anatol broder

4. Oktober 2021 11:55

@ dietrichs bern

ssio erläutert im lied halb mensch, halb nase (video ab 2:12) den unterschied zwischen deutschen und afghanischen elf jahren:

«halb mensch, halb nase. schon mit elf diskothek nur wegen barthaare.»

die schläge sind wohl kulturell bedingt:

«klatsche vollbarthipster, weil sie riechen oft nach pilsner.»

ssio weiss um die fassungslosigkeit der opfer:

«ich gebe dir backpfeife mit meinem geld. darauf bist du wie meine anzeige nicht eingestellt.»

Remigio

16. Oktober 2021 17:07

Die Widersprüchlichkeit der AfD in Bezug auf die Souveränitätsfrage bereitet mir sehr großes Unbehagen.

Der Abzug aller ausländischen Truppen aus Deutschland ist unumgänglich für die Wiedererlangung der nationalen Eigenständigkeit Deutschland.

Die Revision der derzeitigen Geschichtsbildes Deutschlands sollte unter allen Umständen durchgeführt und nötigenfalls sogar erzwungen werden. Allerdings spielt es meines Erachtens keine Rolle, ob die UdSSR nun tatsächlich Deutschland angreifen wollte oder nicht, weil Nazi-Deutschland ohnehin seinerseits die UdSSR überfallen wollte und die Hauptverantwortung für den Zweiten Weltkrieg doch eindeutig beim Britischen Weltreich und den USA gelegen hatte.

Der russische Vertreter der Präventivkriegsthese Suworow darf zwar in Russland unter vollumfänglicher Ausnutzung der dort verfassungsrechtlich verbrieften Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit forschen, aber die Mehrheit des russischen Volkes lehnt seine Thesen, soweit es diese überhaupt zur Kenntnis nimmt, im Wesentlichen ab. Suworows Argumente wurden übrigens vom US-amerikanischen Militärhistoriker David Glantz entkräftet.

Meiner Auffassung nach sollten wir deutschen Neurechten die Präventivkriegsthese verwerfen. Stalin ist - v.a. aus russischer Sicht - ohnehin eher eine Art Oliver Cromwell oder Napoleon gewesen, während Hitler ein - von den Angelsachsen geschaffenes - Unglück für sein - unser - Volk gewesen war.