Sammelstelle für Gedrucktes (36)

Über das »Jungeuropa-Lehrstück« hat Götz Kubitschek alles Wissenswerte formuliert. Auffällig ist, daß es kaum Kritik an Jasmina Kuhnke selbst gibt.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Das wäre ja ein leich­tes: Es gibt unzäh­li­ge Aus­sa­gen, die min­des­tens frag­wür­dig sind, und zwar auch von einer bür­ger­lich-libe­ra­len Per­spek­ti­ve aus. Aber selbst die popu­lis­ti­sche Bild, deren Stamm­le­ser­schaft männ­lich, »alt« und weiß sein dürf­te, ver­tei­digt ihre pau­schal geschol­te­nen Leser nicht, son­dern fragt effekt­ha­schend und ganz im Ein­klang mit Antifa-Multiplikatoren:

War­um darf der Nazi-Ver­lag jedes Jahr auf die Buchmesse?

Außer Judith Sevinc Basad, die selbst übri­gens auch für die Bild-Zei­tung arbei­tet, traut sich bis dato kein Jour­na­list aus dem Estab­lish­ment, den Furor der Kuhnke-Jünger*innen auf sich zu ziehen:

Die FAZ (v. 20.10.2021) bleibt immer­hin eini­ger­ma­ßen neu­tral; sie gibt Aus­sa­gen des Buch­mes­sen­di­rek­tors Juer­gen Boos auf der Titel­sei­te wieder.

Die­ser

ver­tei­dig­te die Prä­senz des neu­rech­ten Ver­lags Jun­g­eu­ro­pa auf der Mes­se, indem er auf das hohe Gut der Mei­nungs­frei­heit verwies.

Die »Bil­dungs­stät­te Anne Frank«, die ihrer­seits offen mit dem Anti­fa-nahen Ver­bre­cher-Ver­lag aus der Haupt­stadt koope­riert, kri­ti­sier­te, wie die FAZ im wei­te­ren berichtet,

die Mes­se dafür, dem Ver­lag ein Podi­um zu bie­ten und damit »zur wei­te­ren Nor­ma­li­sie­rung und Ver­brei­tung von Men­schen­hass« beizutragen.

Selbst­ver­ständ­lich defi­niert man sei­tens die­ser Akteu­re nicht expli­zit, was den »Men­schen­haß« bei Jun­g­eu­ro­pa aus­ma­che. Viel ein­fa­cher ist es, die­se Behaup­tung schlicht zu »set­zen« – irgend­was wird schon hän­gen bleiben.

Das paßt her­vor­ra­gend zur gän­gi­gen Stra­te­gie all der anti­fa­schis­ti­schen und sons­ti­gen lin­ken Lob­by­grup­pen, die das Recht auf Mei­nungs­frei­heit bei Buch­mes­sen et al. inso­fern argu­men­ta­tiv aus­he­beln wol­len, als daß »Ras­sis­mus« oder »Faschis­mus« kei­ne »Mei­nung« sei und somit nicht der Mei­nungs­frei­heit unterliege.

Das Beque­me: Wer »Ras­sist« oder »Faschist« ist, defi­nie­ren sie bzw. ihre alt­be­kann­ten »Exper­ten« gleich selbst, Beweis­füh­rung überflüssig.

– –

Eini­ge Aus­nah­men gibt es natür­lich, das ist immer so. Im Fall der lin­ken Sze­ne­rie mit einer ihrer Wahl­par­tei­en, der Par­tei Die Lin­ke, ist das Sah­ra Wagen­knecht. Wie­so sie immer wie­der schei­tern muß und wo die Trenn­li­ni­en zu einer soli­da­ri­schen Rech­ten lie­gen, habe ich hier aus­führ­lich aus­ge­brei­tet.

Den­noch ist die Min­der­heits­lin­ke um Wagen­knecht als Sta­chel im Fleisch der Mehr­heits­lin­ken ste­ti­ger Betrach­tun­gen wert; die offe­nen Flan­ken der gesam­ten Lin­ken tre­ten dabei offen zu Tage. Gleich­wohl schei­ter­te Anfang Sep­tem­ber das Aus­schluß­ver­fah­ren, das gegen Wagen­knecht ange­strebt wur­de, an der Lan­des­schieds­kom­mis­si­on der Links­par­tei in Nordrhein-Westfalen.

Die FAZ (v. 20.10.2021) wer­tet nun die öffent­lich gewor­de­ne Begrün­dung aus. Inter­es­sant ist, daß die Beweg­grün­de der Antrag­stel­ler – Par­tei­mit­glie­der des unver­hoh­le­nen Anti­fa-Flü­gels – von der Kom­mis­si­on durch­aus als kor­rekt bewer­tet werden:

Dass Wagen­knecht trotz­dem bei den Lin­ken blei­ben darf, wird in dem Doku­ment mit einer Mit­ver­ant­wor­tung der Par­tei begrün­det. Die Füh­rung las­se sich Wagen­knechts Ver­hal­ten gefal­len, wei­se sie nicht zurecht. Damit sto­ße die Par­tei Wäh­ler ab, nicht nur die­je­ni­gen, die sich eine Distan­zie­rung von Wagen­knechts The­sen wünschten,

womit min­des­tens en pas­sant sug­ge­riert wird, die Ver­lus­te der Links­par­tei bei der Bun­des­tags­wahl sei­en auf Wagen­knechts Kon­to zu ver­bu­chen (als ob es nicht anders­her­um wäre: Wagen­knecht sicher­te ja über­haupt noch media­le PR für die­se 4,9‑Prozent-Kraft), auch wenn die Links­par­tei-Füh­rung das The­ma wei­ter umgehe.

Ein Auschluß Wagen­knechts, so die Landesschiedskommission,

wür­de das Pro­blem des­halb nicht grund­sätz­lich lösen.

Ent­zün­det hat­te sich das Wagen­knecht-Ver­fah­ren vor allem an ihrer jüngs­ten Buch­ver­öf­fent­li­chung. Im Best­sel­ler Die Selbst­ge­rech­ten mokiert sie sich über volks­fer­ne Iden­ti­täts­po­li­tik post­mo­der­ner »Life­style-Lin­ker«. Sze­ne­gän­ger der woken Bla­se – wir erin­nern uns an Quat­tro­milf und Kon­sor­ten – bezeich­ne­te sie als

skur­ri­le Min­der­hei­ten mit Marotten,

was für Wagen­knechts Rea­li­täts­sinn spricht, aber wir­kungs­los an der Brand­mau­er des woken Blocks ihrer Par­tei abpral­len wird.

– –

An Wagen­knechts Wan­de­rung ins Nichts ändern auch ein­zel­ne Stim­men zuguns­ten ihrer Per­son wenig bis nichts.

So ist von Sabi­ne Zim­mer­mann, die 2021 nach 16 Jah­ren aus dem Bun­des­tag aus­schied, in der Chem­nit­zer Frei­en Pres­se (v. 21.10.2021) zu lesen, daß ihrer Par­tei schwe­re Ver­säum­nis­se unter­lie­fen, womit das desas­trö­se Abschnei­den bei der Bun­des­tags­wahl begründ­bar wird:

Statt sich wie frü­her als Ver­tre­ter ost­deut­scher Inter­es­sen zu prä­sen­tie­ren und sozia­le The­men ins Zen­trum zu rücken, habe man Schwer­punk­te etwa in der Kli­ma­po­li­tik gesetzt. Die­ses Feld sei aber bereits von den Grü­nen besetzt, argu­men­tier­te Zim­mer­mann: «Eine Wäh­ler­wan­de­rung ist hier nur in gerin­gem Aus­maß vor­stell­bar, und sie erfolg­te dann tat­säch­lich in die ande­re Rich­tung, denn im Zwei­fels­fall wählt man dann doch das Ori­gi­nal.» Dass jetzt gera­de von der frü­he­ren Füh­rungs­spit­ze mit Kat­ja Kip­ping und Bernd Riex­in­ger gefor­dert wer­de, die­ses The­ma künf­tig noch stär­ker in den Vor­der­grund zu stel­len, sei eine «kaum nach­voll­zieh­ba­re Igno­ranz gegen­über dem Schei­tern die­ser Strategie».

Man erin­ne­re sich bei die­ser Gele­gen­heit an ein­zel­ne Ver­tre­ter der Ber­li­ner AfD, die das kolos­sa­le Schei­tern ihres Haupt­stadt­we­ges nun damit beant­wor­ten, das die gesam­te AfD die­sen Weg der bitt­stel­le­ri­schen Selbst­ein­fü­gung in ein »Mitte-Rechts«-Gefüge beschrei­ten sollte.

Ein »libe­ra­ler« mög­lichst ver­söhn­li­cher Wahl­kampf, der dem Wäh­ler vor allem ver­mit­teln soll, man sei nicht das Gespenst, als das man sei­tens des polit­me­dia­len Ein­heits­blocks gezeich­net wer­de, son­dern eine CDU der 1980er oder 1990er Jah­re (als ob die­ser Sta­tus erstre­bens­wert wäre und nicht zu den Pro­ble­men von heu­te geführt hät­te) läßt die eige­ne Wäh­ler­schaft offen­kun­dig kalt, demo­bi­li­siert Wech­sel­wäh­ler aus dem Pro­test­seg­ment – und schickt ande­re Wäh­ler­tei­le direkt zu den legi­ti­mier­ten Alt­par­tei­en wie CDU und FDP, die ent­spre­chen­de betont »(gut)bürgerliche« (meist heißt das kon­kret: wirt­schafts­li­be­ra­le) Kor­rek­tiv­po­si­tio­nen authen­ti­scher und eben »seriö­ser« zu ver­mit­teln verstehen.

Über­dies hat man als Wäh­ler in die­sem Seg­ment die rea­lis­ti­sche­re Aus­sicht auf eine poten­ti­el­le künf­ti­ge Regie­rungs­be­tei­li­gung der jewei­li­gen Wahl­par­tei. Wie­so soll ein Wäh­ler für die AfD votie­ren, wenn selbst deren Akteu­re (zu oft) die Gemein­sam­kei­ten mit dem CDU-FDP-Lager beton­ten? Wenn die Unter­schie­de angeb­lich so klein sind – wie­so dann nicht gleich eine real­po­li­tisch wirk­sa­me Alt­par­tei wäh­len? So den­ken vie­le Wähler.

Man wählt also dann das als poli­tik­fä­hig und regie­rungs­fä­hig akzep­tier­te »Ori­gi­nal«, womit man wie­der bei Zimmermann/Wagenknecht wäre und bei deren Pro­blem, wonach eine angepaß­te Links­par­tei mit Kli­ma­schwer­punkt gar nicht an den »seriö­sen« und mas­sen­me­di­al omni­prä­sen­ten Grü­nen vor­bei­kom­men kann.

Doch damit nicht genug:

«Gescha­det hat der Lin­ken auch ihr all­zu offen­sicht­li­ches Schie­len nach Rot-Rot-Grün, das von Unter­wür­fig­keit und Mit­re­gie­ren um jeden Preis geprägt war», sag­te Zim­mer­mann, die zuletzt im Bun­des­tag den Aus­schuss für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend lei­te­te, dem neu­en Bun­des­tag aber nicht mehr ange­hört. Bei den Wäh­lern sei ein der­art offen­sicht­li­ches Anbie­dern nicht gut angekommen,

weil Anbie­dern nie gut ankommt, egal auf wel­cher Sei­te der poli­ti­schen Gesäßgeographie.

Eige­ne Per­so­nen, eige­ne Pro­gramm­in­hal­te, eige­ne Pro­fes­sio­na­li­sie­rung – die drei Pflicht-»P« einer jeden sub­stan­ti­el­len Oppositionskraft.

Zim­mer­mann bläst her­nach erneut in das Wagen­knecht-Horn. Der Zwickauerin

zufol­ge muss die Lin­ke wie­der ein star­kes eige­nes Pro­fil gewin­nen. «Dazu darf nicht gehö­ren, grü­ner als die Grü­nen sein zu wol­len oder sich stets als Juni­or­part­ner der SPD anzudienen»,

womit erneut eine Ana­lo­gie zur AfD her­ge­stellt wird: Libe­ra­ler als die FDP sein zu wol­len und christ­de­mo­kra­ti­scher als die CDU – das führt zu Ber­li­ner Ergeb­nis­sen von 3 bis 8 Pro­zent. Das kann inner­halb der AfD und ihres Umfel­des nie­mand ernst­lich wollen.

Der Fisch stinkt, wie so oft, vom Kop­fe her, ob links oder rechts der omi­nö­sen Mitte.

Die Par­tei­chefs

Kip­ping und Riex­in­ger hät­ten Kon­flik­te nicht mode­riert, «son­dern selbst wesent­lich die Spal­tung der Par­tei betrieben»,

womit vor­erst die letz­te Par­al­le­le zur AfD offen­kun­dig gewor­den sein dürfte.

Das Posi­ti­ve ist: Die Links­par­tei hat sich bereits für die Bei­be­hal­tung ihres sui­zi­da­len Weges einer anti­fa­schis­ti­schen Grü­nen-Kopie ent­schie­den. Für Wagen­knecht bleibt die Rol­le als Talk­show-Wer­be-Fei­gen­blatt einer Par­tei, die zu fei­ge ist, ihr das Mit­glieds­buch zu entziehen.

Die AfD hin­ge­gen kann auf dem Bun­des­par­tei­tag im Dezem­ber umkeh­ren und ihren Kurs ent­lang der Ideen der lan­des­spe­zi­fi­schen Wahl­sie­ger kor­ri­gie­ren, die Wei­chen also in eine bes­se­re Zukunft selbst stellen.

– –

Mög­lichst geschlos­sen und ein­heit­lich, pro­fes­sio­na­li­siert und ver­jüngt ins Kri­sen­jahr 2022 zu star­ten, soll­te die obers­te Maxi­me der AfD als Volks­par­tei-im-Wer­den sein. Ohne eine medi­al ver­mit­tel­ba­re Einig­keit ist alles nichts. Die­se The­se stützt ein Kopf des Insti­tuts für Demo­sko­pie Allens­bach in der FAZ (v. 20.10.2021).

Tho­mas Peter­sen ver­merkt eine Erkennt­nis der letz­ten sie­ben Jah­re Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, wonach

die Chan­cen einer Volks­par­tei, eine Wahl zu gewin­nen, eng mit dem Aus­maß ver­bun­den sind, in dem die­se Par­tei von der Bevöl­ke­rung als geschlos­sen wahr­ge­nom­men wird.

Er ver­weist dabei auf eine Fra­ge Allens­bachs, die seit Kon­rad Ade­nau­er regel­mä­ßig an die Wäh­ler gestellt wird:

Glau­ben Sie, dass die CDU/CSU im Gro­ßen und Gan­zen einig oder zer­strit­ten ist?

Die­se Fra­ge wer­de im übri­gen auch bezüg­lich der SPD gestellt.

Die Zah­len spre­chen Bände:

Im Sep­tem­ber 2021 lag der Anteil der­je­ni­gen, die die CDU/CSU als geschlos­sen bezeich­ne­ten, bei 18 Pro­zent. 57 Pro­zent hiel­ten die Uni­ons­par­tei­en dage­gen für zer­strit­ten. Ganz anders sahen die Ergeb­nis­se bei der SPD aus, die zum glei­chen Zeit­punkt 39 Pro­zent als einig und nur 20 Pro­zent als zer­strit­ten ansahen.

Natür­lich kann man jetzt dar­auf hin­wei­sen, daß die Sozi­al­de­mo­kra­tie ers­tens cle­ver war, indem sie Par­tei­lin­ke wie Küh­nert, Esken, Wal­ter-Bor­jans und Co. oft­mals in den Hin­ter­grund tre­ten ließ, um den Bür­ger­ma­gne­ten Olaf Scholz nicht zu gefähr­den. Und zwei­tens ist gewiß zu berück­sich­ti­gen, daß die SPD nicht im media­len Kreuz­feu­er steht, daß also par­tei­im­ma­nen­te Wider­sprü­che nicht ad nau­seam von der Medi­en­welt breit­ge­wälzt wer­den. Also anders, als es bei der AfD tag­täg­lich der Fall ist.

Den­noch: Man hat immer auch einen eige­nen Anteil an der Zer­ris­sen­heit und wie sich die­se nach außen dar­stellt. Nur auf »die ande­ren« und Macht­ver­hält­nis­se zu ver­wei­sen ist eine unstatt­haf­te Abwehr­hal­tung; die Ver­än­de­rung muß daher inner­halb der Alter­na­ti­ve erfolgen.

Ein der­ar­ti­ger Ansatz erhält um so mehr Rele­vanz, als Tho­mas Peter­sen eine ent­schei­den­de Regel aufstellt:

Steigt der Anteil der­je­ni­gen, die eine Par­tei für geschlos­sen hal­ten, steigt auch in glei­chem Maße die Zahl derer, die die Par­tei wäh­len wol­len. Sinkt der Anteil derer, die die Par­tei als geschlos­sen bezeich­nen, sinkt auch deren Wählerpotenzial.

Peter­sens Fazit soll­te jedem AfD-Dele­gier­ten für den nahen­den Bun­des­par­tei­tag in Wies­ba­den ins Gewis­sen gemei­ßelt werden:

Eine Par­tei, bei der die Bür­ger den Ein­druck haben, dass sie zer­strit­ten ist, hat kei­ne Chan­ce, die Mehr­heit hin­ter sich zu versammeln.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (17)

Grobschlosser

22. Oktober 2021 05:49

Kuhnke ist das Gesicht des bolschewistischen Terrors - jeder der von ihr gehört hat begreift sofort was die Herrschaft einer grün-liberalen Soziregierung bedeutet - zwar wird K. aus unerfindlichen Gründen für ihre Hassbotschaften kaum kritisiert - aber immerhin immunisiert sie Teile der schweigenden Mehrheit. Kuhnke spricht das aus was EKD-Pfaffen im Herrenclubtempel flüsternd besprechen .

RMH

22. Oktober 2021 09:22

Wer Wagenknecht sagt, darf Lafontaine nicht vergessen, der zum Thema Corona Bemerkenswertes sagte. Ich stellte die These auf, dass die einstmalige kommunistische Theoretikern Wagenknecht ihren populistic turn von Lafo bekam. Man darf sich daher auch mit ihm beschäftigen, zumal er sich jetzt aufs Altenteil zurückziehen will. Bei den Wahlanalysen zur vergangenen Bundestagswahl sollte man eines berücksichtigten:

Die meisten Wähler (in den neuen Ländern kommen auch noch ehem. Block-Anhänger dazu) und auch Parteimitglieder der AfD sind ehemalige Unions- und FDP Anhänger, die den Linksschwenk der Merkel-Union nicht mitgemacht haben. Zudem haben - und das würde ich jetzt in der Tat einmal eher Westspezifisch sehen - einige Wähler tatsächlich noch die Meinung, ihre Stimme kann etwas ernsthaft entscheiden und man müsse "kleinere Übel" wählen. Und so kam es, als R2G am Horizont auftauchte, dass etliche "lieber doch Union" und andere "lieber die FDP, die kann auch bei einer Ampel bremsend wirken" wählten, als eine von vorneherein auf die Oppositionsbank verdammte AfD. Worauf ich hinaus will: Das Wahlergebnis liefert sowohl denen, die behaupten, die AfD müsse Koalitionsfähig werden, damit sie bei Wahlen, wo es um etwas geht, gewählt wird als auch denen, die den sozial-populistische Solitärweg bevorzugen, im gleichen Maß Argumente. Ausgemacht oder gar bewiesen, was der bessere Weg ist, ist rein gar nichts. Aber der Punkt, dass die Partei geschlossener auftreten muss, ist richtig.

Niekisch

22. Oktober 2021 10:33

"Anbiedern nie gut ankommt, egal auf welcher Seite der politischen Gesäßgeographie."

Kann dazu nicht auch ein Anbiedern an die überholte politische Gesäßgeographie selber zählen? Gilt dieses Phänomen nicht auch für die "Neurechte", die sich an Begriffe wie "rechts", "konservativ", "christlich" klammert?

kikl

22. Oktober 2021 10:36

" Eine Partei, bei der die Bürger den Eindruck haben, dass sie zerstritten ist, hat keine Chance, die Mehrheit hinter sich zu versammeln."

Das stimmt natürlich. Aber ein offener Meinungsstreit kann ja auch produktiv sein. Jetzt nach der Wahl finde ich, soll man auf einem Parteitag offen streiten. Wenn man sich ausgesprochen hat, dann soll man danach die Reihen schließen.

Es gibt halt immer noch Anhänger des Meuthen-Lagers, die glauben, dass man Erfolg hat, indem man sich anbiedert. Die Argumente für diese Strategie werden immer weniger. Das muss alles auf dem Parteitag auf den Tisch kommen. Erst dann kann das erfolgen:

"Die AfD hingegen kann auf dem Bundesparteitag im Dezember umkehren und ihren Kurs entlang der Ideen der landesspezifischen Wahlsieger korrigieren, die Weichen also in eine bessere Zukunft selbst stellen."

Hajo Blaschke

22. Oktober 2021 11:25

Für mich ist der Artikel sehr treffend und mutig.

Deshalb nur kurze Bemerkungen: Jude ist nach mosaischem Verständnis nur derjenige, der eine jüdische Mutter hat. Nach allem, was man erfahren kann, hat Gil Reichstadt keine jüdische Mutter.

Zu Reitschuster: ich kann den nicht als seriösen Journalisten mit Substanz ansehen, auch wenn er als solcher immer mal wieder herumgereicht wird. Er ist einfach ein Aufmerksamerzeuger, der sich als Journalist in Moskau auf dem gleichen Niveau wie Putin wähnte und deshalb nach Hause geschickt werden musste.

Weisband, ehemalige Chefin der Piraten hat vergessen, warum sie als Jüdin in Deutschland lebt und nicht in ihrem Geburtsland Ukraine. Wenn sie in der Zwischenzeit vergessen hat, was Antisemitismus mit sich bringt, sollte sie doch einfach wieder zurückgehen in die Ukraine.

Volksdeutscher

22. Oktober 2021 11:40

@Grobschlosser - "schweigende Mehrheit"

Schweigend.... als wäre diese Position selbstgewählt. Das ist in Wirklichkeit die von einer Minderheit mundtot gemachte und entmündigte Mehrheit - das demokratische Mehrheitsprinzip mal andersherum. Aber typisch für quasi-liberalbolschewistische politische Verhältnisse.

Grobschlosser

22. Oktober 2021 12:45

re Volksdeutscher : dann müssen wir hinterfragen wie die Mehrheit von der roten Minderheit mundtot gemacht wurde / gemacht wird : es beginnt fast immer in der Schule - abweichende Ansichten werden bestraft - der "Bildungsbürger" ist ein Opportunist und widerspricht dieser Politik nicht ( überangepasste Mitläufereltern , sie legen sich ungerne mit den "mächtigen" Lehrern an ) Wirkung : der rote Lehrer wird größenwahnsinnig und wähnt sich in der Rolle des "demokratischen" Sozialingenieurs der die "richtigen Ansichten" fördert und "falsche Meinungen" bekämpft . Woher kommen also unsere Neurotiker ? Sie werden an staatlichen Schulen produziert . Ali wird jeden Tag übergriffig - der Lehrer schweigt . Das schwarze Kind stört den Unterricht - zerstört Tische und Stühle - kein Thema für den Elternabend . Die staatlichen Schulen gehören abgeschafft . re Freitagskinder : Gruppendruck - wer nicht mitmacht kann sich "sein Abi" in die Haare schmieren ( O-Ton roter Lehrer ) hier , in der großen grauen Regenstadt 

Aussenseiter

22. Oktober 2021 13:17

ad "Die Linke": da hatte Riexinger kürzlich wieder mal einen "die AfD sind üble Rassisten"-Tourette-Anfall, worauf ich ihm ganz sachlich geantwortet habe, es gäbe im Bundestag nur eine Partei, die 2021 einen tatsächlichen Nazi, also ein NSDAP-Parteimitglied in ihren Reihen hat, und das sei eben die Linke (besagte Person ist Hermann Klenner im Ältestenrat), worauf mich diese Mimose sofort geblockt hat. Die BRD macht anscheinend auch Alt-Stalinisten wie Riexinger zu verweichlichten Waschlappen. 

Allnichts

22. Oktober 2021 13:24

Eine schweigende Mehrheit gibt es nicht, das ist ein Mythos. Wir als Rechte, Nationale usw. vertreten alles in allem absolute Minderheitenmeinungen, welche vereinzelt vielleicht noch auf eine recht starke Zustimmung stossen mögen, als Weltanschauung oder politisches Gesamtkonzept aber weitgehend abgelehnt werden. Es gibt einige Situationen, in welchen Menschen komplett oder wenigstens nahezu anonym ihrem Willen und ihren Interessen Ausdruck verleihen können, und auch dort zeichnet sich keine schweigende Mehrheit ab, sondern höchstens eine Menge von Menschen mit alternativen politischen An- und Absichten ist, welche grösser ist als normalerweise allgemein suggeriert wird.

Niekisch

22. Oktober 2021 14:19

"Eine schweigende Mehrheit gibt es nicht, das ist ein Mythos."

@ Allnichts13:24: die "schweigende Mehrheit" ist im "Kessel Buntes" eingeschlossen und klopft hin und wieder gegen den Deckel... 

Maiordomus

22. Oktober 2021 14:28

@Allnichts. Ich bin überzeugt, dass Sie es richtig sehen. Für mich als Altkonservativen aus Traditionen der letzten 300 Jahre, mit hoffentlich reflektiertem staatsphilosophischem Geschichtsbewusstsein, würde es genügen, man könnte, da man schon längst keine Macht mehr darstellt, wenigstens ein Element sein oder dies wenigstens wollen. Ein solches vermag  immerhin dann und wann auch politisch etwas zu bewirken, was natürlich nicht mit einer Umkehr des Gesamttrends zu verwechseln wäre. Eine Illusion wäre es indes ebenfalls, die Linken mit ihren Illusionen zu den "Siegern der Geschichte" zu erklären.  Das sind Halluzinationen einer live-Style-Generation. Ihre Irrtümer werden sie einholen. Von Bedeutung für eine Zeitgeist-Opposition bleibt, sich nicht der politischen Verzweiflung anheimzugeben.

Michelle

22. Oktober 2021 14:52

Bahners hat gestern in der FAZ die Ausschlussforderungen ebenfalls kritisiert: 

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/frankfurter-buchmesse-verdachtsfall-beweist-keine-gefahr-17595981.html

 

 

Laurenz

22. Oktober 2021 17:50

"Wagenknecht versus Mehrheitslinke"

Das kann man so nur für die Apparatschiks stehen lassen, wohl nicht für die linke Basis. Die Linke steht damit ja auch nicht alleine da, alle Altparteien haben längst mit ihrer Basis nicht mehr viel zu tun, sind dieser quasi enthoben. Und damit haben sich alle Altparteien längst vom demokratischen Diskurs verabschiedet. (Siehe JU vs. Parteipräsidium wegen Vorstandswahlen)

Ein Volkstribun, wie Wagenknecht, ist für das Selbstverständnis einer kollektiven staatlichen Erziehungslager-Politik natürlich brandgefährlich.

Die Frage stellt sich, ob es nicht ein Fehler Wagenknechts war, bei dieser Wahl anzutreten. Ähnlich, wie bei der AfD, wäre das Ausscheiden der Linke aus dem Bundestag ohne Wagenknecht, der Beweis für bürgerorientierte Politik gewesen. Die jetzigen linken Mandatsträger schulden Wagenknecht alles.

Allnichts

23. Oktober 2021 09:41

Maiordomus:

Ich würde nicht sagen, dass Konservative, Rechte, Nationale überhaupt keinen Einfluss haben. Sie haben sicherlich keine Macht, aber es wäre auch nicht angemessen, beispielsweise davon auszugehen, mit dem Aufkommen der AfD hätte sich nichts verändert. Die Möglichkeiten zur Beeinflussung sind nur begrenzt, auf einzelne Themen, auf bestimmte Zeiträume, auf regionale Schwerpunkte, auf den persönlichen und allgemein den Nahbereich - es ist ein Nischendasein mit einigen Achtungserfolgen und viel selbstbezogenem Leerlauf. Und wie Sie schon schrieben: Das ist nichts Nachhaltiges, es verändert die Ausrichtung des Ganzen nicht. Nach den Linken und Liberalen werden andere kommen, aber sie werden kaum aus unserem Lager stammen.

URN

23. Oktober 2021 11:12

"Die jetzigen linken Mandatsträger schulden Wagenknecht alles."

Würden Sie, Laurenz​​​​​, sich mehr im realen Leben bewegen und weniger im Wahnhaften, wüßten Sie, wem die Mandatsträger mit Ausnahme der zwei in Berlin und einem in Leipzig direkt Gewählten ihr Mandat verdanken: der - ich nenne sie mal "Regionalparteienschutzklausel" - Regelung des Paragraphen 6 Absatz 3 Satz 1, 2. Alternative Bundeswahlgesetz. Und damit hat Frau Wagenknecht rein gar nichts zu schaffen. Träumen Sie weiter....

Laurenz

23. Oktober 2021 18:17

 

@URN/Der_Jürgen/Roter Märchenerzähler

"Regionalparteienschutzklausel"

Ihre Wort-Erfindungen in allen Ehren.

Aber Sie sollten sich da einfach besser kundig machen. Die Wähler der Abgeordneten der Linken, die über Liste in den Bundestag gekommen sind, mit 4,9% der 2t-Stimmen, sind die letzten Mohikaner der Ex-SED.

Und Sie glauben allen Ernstes, daß sich diese Restposten-Wählergruppierung wegen Kipping, Hennig-Wellsow & Wissler mit ihrer Klima- & Migrations-Religion gewählt haben? 

Ganz sicher nicht, es sind diejenigen, die aus Nostalgie noch den real existierenden Sozialismus wählen, im Prinzip jeder 20ste. Und deren Prototyp ist Wagenknecht.

Lesen Sie hier, damit Sie wenigstens ab & an von Ihrer Ahnungslosigkeit kuriert werden.

https://www.merkur.de/politik/bundestagswahl-2021-linke-wissler-zdf-sommerinterview-wagenknecht-gendersprache-umfragen-90855633.html

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_86851234/umfrage-sahra-wagenknecht-ist-beliebteste-politikerin-vor-merkel-und-habeck.html

Laurenz

23. Oktober 2021 19:20

@URN/Der_Juergen

PS:

Wagenknecht an der Spitze der AfD könnte wohl sogar Kanzler werden.

Aber leider wird das reine Illusion bleiben. Dafür sind die Egos der entscheidenden Protagonisten einfach zu groß. 

Aber ich denke, auch BK würde dieser Gedanke gefallen.