Sammelstelle für Gedrucktes (38)

»Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.«

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Die­se Aus­sa­ge von Marx und Engels aus dem Mani­fest der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei von 1848 besitzt, unge­ach­tet, was man sonst von die­sem wirk­mäch­ti­gen Pam­phlet hal­ten mag, eine zeit­lo­se Gültigkeit.

Ideen wie­der­um bedür­fen selbst­be­wuß­ter Trä­ger, die sie in der Welt ver­brei­ten, ja die sie über­haupt hege­mo­ni­al wer­den las­sen kön­nen. Betrach­tet man die zeit­ge­nös­si­sche »west­li­che Wer­te­ge­mein­schaft« als soge­nann­te »freie Welt«, sind die herr­schen­den Ideen ein Sam­mel­su­ri­um von links­li­be­ra­len, pro­gres­si­ven, anti­fa­schis­ti­schen, indi­vi­dua­lis­ti­schen und post­na­tio­na­len Ansätzen.

Die herr­schen­de Klas­se, die die­se Ideen ver­ficht, setzt sich zusam­men aus »glo­ba­lis­tisch« ori­en­tier­ten Wirt­schafts­krei­sen, ent­spre­chend aus­ge­rich­te­ten poli­ti­schen Netz­werk­struk­tu­ren aller Art, schließ­lich auch: Intel­lek­tu­el­len als Mul­ti­pli­ka­to­ren für den theo­re­ti­schen »Über­bau«, der über Mas­sen­me­di­en, Schul­bü­cher, uni­ver­si­tä­re Aus­bil­dung, Sprach­nor­mie­rung etc. den »All­tags­ver­stand« (Anto­nio Gram­sci) der Men­schen im Wes­ten prägt.

Kon­sens­fä­hig soll­te, dar­auf auf­bau­end, sein, daß der der­zei­ti­ge real­po­li­ti­sche Haupt­wi­der­spruch des jun­gen 21. Jahr­hun­derts zwi­schen Glo­ba­lis­ten und Anti-Glo­ba­lis­ten ver­läuft, prä­zi­ser: zwi­schen »ent­grenz­tem Glo­ba­lis­mus und volks­be­zo­ge­nem Popu­lis­mus« (Armin Schäfer/Michael Zürn).

Doch »Glo­ba­lis­mus« ist nicht im luft­lee­ren Raum ent­stan­den, son­dern stellt die zeit­ge­mä­ße Ent­wick­lung der vor­herr­schen­den Pro­duk­ti­ons- und Lebens­wei­se im »Glo­ba­len Nor­den« dar, die, von welt­weit rezi­pier­ten Publi­zis­ten erklärt und ver­tei­digt, die letz­ten »Auf­hal­ter« wider Natio­nen­über­win­dung und Volks­ab­schaf­fung sturm­reif schie­ßen zu beab­sich­tigt. Dazu gehö­ren wider­spens­ti­ge Natio­nal­staa­ten wie Ruß­land, Ungarn und Polen.

Damit wären wir bei Anne App­le­baum. Die US-ame­ri­ka­ni­sche His­to­ri­ke­rin, die bereits an ver­schie­de­nen Orten in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, in Ber­lin, Lon­don oder auch War­schau leb­te, die mit dem ehe­ma­li­gen pol­ni­schen Außen­mi­nis­ter und Trans­at­lan­ti­ker Radosław Sikor­ski ver­hei­ra­tet ist, die für unzäh­li­ge mei­nungs­bil­den­de Peri­odi­ka aller Län­der schreibt, die irgend­wo im Span­nungs­feld zwi­schen anglo­ame­ri­ka­ni­schem Neo­kon­ser­va­tis­mus und kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­schem Links­li­be­ra­lis­mus zu ver­or­ten ist, die bereits beim Bil­der­ber­ger-Tref­fen reüs­sier­te, und die durch ihr Buch Die Ver­lo­ckung des Auto­ri­tä­ren zuletzt auch in Deutsch­lands Jus­te Milieu Beach­tung fand, steht werk­bio­gra­phisch exem­pla­risch für die herr­schen­den Ideen der herr­schen­den Klasse(n) des Westens.

Der NZZ (v. 1.11.2021) steht sie nun Rede und Ant­wort zur Fra­ge einer fol­gen­schwe­ren Waf­fe der mei­nungs­prä­gen­den Krei­se: der »Can­cel Cul­tu­re«. Die­sen Begriff, der auch in Deutsch­land seit gerau­mer Zeit kur­siert, lehnt sie ab; Applebaum

mag die­sen Aus­druck ganz und gar nicht. Er ist in Ame­ri­ka zu einer Flos­kel gewor­den, die die Rech­te gegen die Lin­ke verwendet,

was dar­an lie­gen könn­te, daß »die Lin­ke« die­ses Instru­ment gegen »die Rech­te« ein­setzt, was aber von Clau­dia Mäder wohl­weis­lich nicht als Zwi­schen­fra­ge nach­ge­scho­ben wird.

Im Gegen­teil: App­le­baum kann, unge­stört von kri­ti­schen Nach­fra­gen, eine bemer­kens­wer­te Umdeu­tung des Can­cel-Cul­tu­re-Kom­ple­xes vor­neh­men, an deren Ende die eigent­li­chen Opfer … Lin­ke sind.

Zunächst räumt App­le­baum ein:

Sehr kras­se Fäl­le sieht man oft ganz links.

Aber: Zie­le die­ser ganz lin­ken Can­cel Cul­tu­re sind natür­lich nicht Rech­te aller Cou­leur oder alt­li­be­ra­le Freun­de des offe­nen Gesprächs, son­dern eben: Linke.

Dort rich­tet sich der Puri­ta­nis­mus zuwei­len gegen ande­re, weni­ger lin­ke Lin­ke, die dann inner­halb ihrer eige­nen Com­mu­ni­ty unmög­lich gemacht werden.

Das stimmt par­ti­ell tat­säch­lich, man den­ke hier­zu­lan­de auf die anti­fa­schis­ti­sche Hatz auf Wagen­knecht und Umfeld. Bevor Mäder aber über­haupt poten­ti­ell nach­ha­ken könn­te, ob es nicht, vor allem quan­ti­ta­tiv betrach­tet, ganz ande­re Fäl­le exem­pla­risch zu beschrei­ben gäbe, fährt App­le­baum fort, ihre als per­fi­de zu beschrei­ben­de Akzent­ver­schie­bung zu finalisieren:

Ich glau­be nicht, dass «links» das rich­ti­ge Wort ist, um die­se Sphä­re zu charakterisieren,

womit die Ver­tei­di­gung »der Lin­ken« noch nicht abge­schlos­sen ist, denn wenn man den einen »Täter« ent­las­tet, muß man einen ande­ren belas­ten, und die­ser ande­re ist, man ahnt es viel­leicht: »der Rechte«.

App­le­baum:

Und davon abge­se­hen: Ich sel­ber mach­te mei­ne ers­te Can­cel-Erfah­rung mit Leu­ten aus dem rech­ten Bereich,

natür­lich, die sind bekann­ter­ma­ßen ja auch in den Macht­po­si­tio­nen, um zu »can­celn«?

Die­se Ver­la­ge­rung der Ver­ant­wort­li­chen funk­tio­niert also nur, wenn man ein Land fin­det, in dem Men­schen regie­ren, die man auch nur im ent­fern­ten Sin­ne als »rechts« mar­kie­ren kann, und so lan­det App­le­baum bei der Beschrei­bung ihrer Pein galant in Moskau:

Es war eine Art Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne aus Russ­land, im Zusam­men­hang mit dem Krieg in der Ukrai­ne, 2014. Ich schrieb über den Krieg, und dann tauch­ten «fake sto­ries» auf, die impli­zier­ten, dass ich bezahlt wür­de, um das The­ma zu behan­deln. Par­al­lel dazu wur­de auf Twit­ter eine Kam­pa­gne lan­ciert, die die­se Lügen verbreitete,

wobei jeder pro­mi­nen­te­re »Rech­te«, der über die eige­ne Bla­se hin­aus wahr­ge­nom­men wird, wir den­ken etwa an Mar­tin Sell­ner, ein­drucks­vol­le­re, ein­schnei­den­de­re und vor allem fol­gen­schwe­re­re Can­cel-Cul­tu­re-Erleb­nis­se zu berich­ten hät­te als die­sen sie­ben Jah­re alten, gänz­lich fol­gen­lo­sen Ruß­land-Stroh­mann. (Was heißt fol­gen­los: Im trans­at­lan­ti­schen Raum erhielt sie dafür ja sogar um so mehr Weihen.)

Es über­rascht kaum, daß App­le­baum mit der Täter-Opfer-Umkehr – wei­ter unbe­hel­ligt von nahe­lie­gen­den kri­ti­schen Inter­ven­tio­nen – fort­fährt. Nicht der woke Furor, nicht das anti-wei­ße Res­sen­ti­ment, das in der gesam­ten west­li­chen Welt immer häu­fi­ger in offe­ne Gewalt umschlägt, nicht die Aus­gren­zung von Anders­den­ken­den (also: Nicht-Lin­ken, Nicht-Links­li­be­ra­len) wird bean­stan­det, son­dern zag­haf­te Ver­su­che, der woken Hege­mo­nie etwas ent­ge­gen­zu­set­zen, ja wie­der­um »Auf­hal­ter« gegen sie zu installieren.

App­le­baum setzt an, und man spürt dabei die Empörung:

In eini­gen Glied­staa­ten der USA gibt es zum Bei­spiel Bestre­bun­gen, bestimm­te Geschichts­theo­rien aus dem Unter­richt zu ver­ban­nen. Die Sache ist sehr ver­wi­ckelt, ich habe sie nicht im Detail stu­diert, doch im Kern geht es um die «Cri­ti­cal Race Theo­ry», die an Schu­len ver­bo­ten wer­den soll. Wenn sich Regie­run­gen in sol­che Belan­ge ein­mi­schen, muss einem das Sor­ge bereiten,

wenn aber der woke Irr­sinn gan­zen Staa­ten­wel­ten oktroy­iert wird, wenn selbst in Schul­bü­chern der Pro­vinz woke Pro­pa­gan­da bis ins Extrem durch­schlägt, nicht?

Recht hat App­le­baum, wenn sie betont, daß Can­cel Culture

kein Mas­sen­phä­no­men (ist), das Mil­lio­nen von Leu­ten betrifft,

aber das muß es doch auch gar nicht: »Bestra­fe einen, erzie­he hun­der­te« ist ein urto­ta­li­tä­res Prin­zip, das im herr­schen­den Links­li­be­ra­lis­mus zur Per­fek­ti­on getrie­ben wird.

Natür­lich sieht App­le­baum just die­se Poin­te nicht, und wen­det sich lie­ber gegen jenes Land, das sie als Gast auf­ge­nom­men hat und in dem sie teil­wei­se lebt: Polen.

Plötz­lich ver­liert die glo­ba­lis­ti­sche Vor­zei­ge­au­torin App­le­baum kurz ihre Con­ten­an­ce, als sie danach gefragt wird, ob Polens »ten­den­zi­ell auto­ri­tä­re Regie­rung« dabei sei, »tra­di­tio­nel­le mora­li­sche Wer­te durchzubringen«.

App­le­baum luzide:

Das ist völ­li­ger Müll!

Voll­ends gro­tesk wird es dann abschlie­ßend, wenn App­le­baum über »Schmutz­kam­pa­gnen« klagt, die »lan­ciert« wür­den, »um Geg­ner auszuschalten«.

Bes­ser wird es nicht mehr:

In Medi­en, die mit Steu­er­gel­dern finan­ziert wer­den, wer­den Leu­te aus poli­ti­schen Grün­den in den Dreck gezo­gen. Eine Grup­pe von Leu­ten, die in der Poli­tik die Macht erlangt haben, unter­nimmt auf die­se Wei­se alles, um an der Macht zu blei­ben und ande­re von ihr fernzuhalten.

App­le­baum meint allen Erns­tes eine Can­cel Cul­tu­re von rechts vor­zu­fin­den. Aber beschreibt sie hier­mit nicht exakt das, was in der west­li­chen Welt, ins­be­son­de­re in Deutsch­land, durch jene macht­aus­üben­den links­li­be­ra­len Krei­se durch­ex­er­ziert wird, mit denen sich App­le­baum in so vie­len zen­tra­len Fra­gen einig weiß?

Die­se trau­ri­ge Iro­nie fällt App­le­baum frei­lich nicht auf; Selbst­kri­tik am Milieu, dem sie ent­stammt und das die hege­mo­nia­len Leh­ren des Glo­ba­lis­mus pro­te­giert und zemen­tiert, sucht man, wie schon in ihrem jüngs­ten Buch, ver­ge­bens. Zur Wie­der­vor­la­ge: »Die herr­schen­den Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herr­schen­den Klasse.«

– –

Wer indes tat­säch­lich etwas Fun­dier­tes über Can­cel Cul­tu­re zu berich­ten weiß, ist der fran­zö­sisch-jüdi­sche Phi­lo­soph Alain Fin­kiel­kraut. Ein Tag nach App­le­baum wird er an der­sel­ben Stel­le (NZZ v. 2.11.2021) befragt, erfreu­li­cher­wei­se aber nicht von Clau­dia Mäder, son­dern von Bene­dict Neff, der kein Gefäl­lig­keits­in­ter­view führt, son­dern für ein tief schür­fen­des Gespräch sorgt.

Anlaß ist Fin­kiel­krauts neue Publi­ka­ti­on, die im Sep­tem­ber des aktu­el­len Jah­res auf den deut­schen Bücher­markt als Ich schwei­ge nicht gebracht wur­de. Als Opfer der Ver­hält­nis­se sieht sich Fin­kiel­kraut indes nicht, einen ana­lo­gen Ruß­land-Fall von anno­da­zu­mal – sie­he App­le­baum – gräbt er nicht aus.

Statt des­sen teilt der in Frank­reich »umstrit­te­ne« und zum Teil hef­tig befeh­de­te Autor mit:

Ich kann mei­ne Bücher ver­öf­fent­li­chen, wann und wo ich will. Ich gebe Inter­views, wer­de ins Radio und ins Fern­se­hen ein­ge­la­den. Des­halb möch­te ich nicht das Opfer spie­len. Für die Pro­gres­si­ven bin ich aber ein leben­der Skan­dal, ein Toter, der nicht weiss, dass er tot ist.

Gleich­wohl sorgt sein Titel – erwar­tungs­ge­mäß, möch­te man mei­nen – für Kri­tik aus der woken Bub­ble. Fin­kiel­kraut dazu passend:

Über sieb­zig Jah­re alt zu sein, scheint eine Sün­de zu sein. Umso mehr, wenn man auch noch weiss ist. Und was die Pro­gres­si­ven beson­ders ärgert, ist, wenn sich die Alten auch noch Sor­gen machen, anstatt sich über die wach­sen­de Diver­si­tät zu freuen,

die bekann­ter­ma­ßen ursäch­lich zu jenen fran­zö­si­schen Ver­hält­nis­sen führt, die zur Belas­tung für die auto­chtho­ne Bevöl­ke­rung zu wer­den droht. Fin­kiel­kraut daher lapidar:

Ich sehe nicht wirk­lich, dass die Diver­si­tät Euro­pa Glück brin­gen wür­de. Als ob das Leben in den Ban­lieues so glück­lich wäre. Als ob es in Frank­reich nicht immer mehr Unsi­cher­hei­ten gäbe,

und als ob das nur für Frank­reich Gül­tig­keit besäße.

Fin­kiel­kraut ver­sinkt aber nicht in Lar­moy­anz, nein, er schreibt, und zwar mit einem kla­ren Ziel:

Es geht dar­um, ein Bewusst­sein dafür zu schaf­fen, dass wir noch umsteu­ern könnten.

Ohne über die regel­mä­ßi­gen Belei­di­gun­gen, denen er als fran­zö­sisch-jüdi­scher Kon­ser­va­ti­ver ohne Ämter, Wür­den und ander­wei­ti­ge Macht­po­si­tio­nen aus­ge­setzt ist, zu grei­nen, ord­net er sei­ne eige­ne Situa­ti­on deut­lich prä­zi­ser ein als App­le­baum, die Teil des herr­schen­den Kom­ple­xes ist:

Ich bin kein Geäch­te­ter. Es wäre prä­ten­ti­ös, wenn ich das sagen wür­de. Gleich­zei­tig ist es so: Kei­ne fran­zö­si­sche Uni­ver­si­tät wür­de es heu­te ris­kie­ren, mich zu einer Kon­fe­renz ein­zu­la­den. In den neun­zi­ger Jah­ren habe ich Vor­le­sun­gen an der Éco­le nor­ma­le supé­ri­eu­re gehal­ten. Das wäre heu­te unvorstellbar,

womit er die all­ge­mei­ne Links­ver­schie­bung des Kon­sens- und Dis­kurs­bo­gens anhand sei­nes beson­de­ren Fal­les auf den Punkt brin­gen dürfte.

Daß aus Jour­na­lis­ten­krei­sen der west­li­chen Hemi­sphä­re kein Wider­spruch ob der demons­tra­ti­ven Wokeness der Medi­en- und Bil­dungs­welt zu erwar­ten ist, begrün­det er wie folgt:

Vie­le jün­ge­re Jour­na­lis­ten sind selbst into­le­ran­te Wokes, die in den Debat­ten kei­ne Wider­sprü­che wün­schen. Für die der poli­ti­sche Ant­ago­nist kein Geg­ner ist, mit dem man dis­ku­tiert, son­dern eine Per­son, die eli­mi­niert wer­den muss.

Man kann sich vor­stel­len, wie App­le­baum hier geis­tig bereits die Täter-Opfer-Umkehr auf ein neu­es Level brin­gen wür­de, setz­te man sie die­ser rea­li­täts­ori­en­tier­ten Fin­kiel­kraut-Posi­ti­on aus.

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Vor­rei­ter­rol­le wird von ihm klar akzentuiert:

Es liegt am Ein­fluss der ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­täts­kul­tur. Dann liegt es aber auch an der Jugend selbst. Es ist eine Zeit, in der man all­er­gisch ist gegen Zwei­deu­tig­keit, gegen Kom­ple­xi­tät. Man neigt in der Jugend dazu, die Din­ge zu ver­ab­so­lu­tie­ren. Hier zeigt sich auch der Erfolg von Gre­ta Thun­berg. Der Erfolg der Öko­lo­gie ist eine per­fek­te Sache. Sie ist Gerech­tig­keit, Wis­sen­schaft und Wahr­heit zugleich. Der Manichäis­mus und das binä­re Den­ken waren Merk­ma­le des 20. Jahr­hun­derts. Sie wer­den mit der heu­ti­gen Lin­ken wiedergeboren,

einer Lin­ken wohl­ge­merkt, die längst ihre Ver­mäh­lung mit der libe­ra­len Mit­te und dem Woke Capi­tal gefei­ert hat.

Fin­kiel­kraut schil­dert das, was auch uns dro­hen könn­te, wenn die zeit­ge­nös­si­sche Vari­an­te des Ame­ri­ka­nis­mus wei­ter nach Euro­pa dringt:

In Ame­ri­ka wer­den die Stu­den­ten an allen Uni­ver­si­tä­ten auf­ge­for­dert, ihren Vor­na­men zu nen­nen. Man kann ent­schei­den, ob man männ­lich, weib­lich oder non­bi­när ist. Man kann mit einem lan­gen Bart zur Tür her­ein­kom­men und als Frau den Raum ver­las­sen. Ein Typ hat sich über den Fra­ge­bo­gen lus­tig gemacht und als Name «Majes­tät» ange­ge­ben. Und gewis­ser­mas­sen ist dies genau, was pas­siert: Der Mensch wird zur Majes­tät sei­ner Exis­tenz. Alles ist mög­lich. Alles ist wählbar,

die tota­le Eman­zi­pa­ti­on, die rest­lo­se Ver­göt­zung des bin­dungs­lo­sen Indi­vi­du­ums – die eini­gen­de Klam­mer post­mo­der­ner Lin­ker und der extre­men Mit­te des Libe­ra­lis­mus in sei­ner glo­ba­lis­ti­schen Variante.

Was könn­te man dage­gen stel­len? Fin­kiel­kraut sieht die »Aufhalter«-Rolle ähn­lich wie App­le­baum bei reni­ten­ten Natio­nal­staa­ten. Nur bewer­tet er das posi­tiv, sie als Zumutung.

Fin­kiel­kraut:

Eine sinn­vol­le Poli­tik ist nur in einer Nati­on mög­lich. Ich glau­be nicht wie Haber­mas an eine Art post­na­tio­na­le Demo­kra­tie. Ich glau­be auch nicht an den Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus. Das ist Unsinn, übri­gens auch für Deutsch­land. Ich glau­be an das Recht der Natio­nen, an his­to­ri­sche Kon­ti­nui­tät, die Wich­tig­keit einer gemein­sa­men Spra­che, Geschich­te und Kul­tur. Die Nati­on ist aber nicht nur in Frank­reich in Gefahr. Deutsch­land hat Bun­des­tags­wah­len abge­hal­ten und nicht ein­mal über Ein­wan­de­rung gespro­chen. Deutsch­land war der Abschaum Euro­pas, jetzt macht man auf «Wir schaf­fen das». In Köln darf der Muez­zin sogar zum Gebet rufen. Da fra­ge ich mich: Haben die Deut­schen den Ver­stand ver­lo­ren? Viel­leicht hat sie die Reue so hart getrof­fen, dass sie zu Idio­ten gewor­den sind,

was sich dann wohl als Pro­to­typ einer rhe­to­ri­schen Fra­ge ein­grup­pie­ren ließe.

Als Adden­dum sowohl zu App­le­baums post­na­tio­na­ler Ideo­lo­gie als auch zu Fin­kiel­krauts Kri­tik eben­sol­cher emp­fiehlt sich Bernd Ste­ge­manns kon­zi­se Ana­ly­se in sei­ner neu­en klei­nen Schrift Wut­kul­tur

Wie jede his­to­ri­sche Ent­wick­lung bleibt auch der post­na­tio­na­le Anspruch nicht selbst­ge­nüg­sam, son­dern fin­det zu einer neu­en Wesens­be­stim­mung. Das beschei­de­ne Ethos einer post­na­tio­na­len Nati­on wird inzwi­schen stolz ver­kün­det und zum strah­len­den Vor­bild für alle euro­päi­schen Nach­barn erklärt. Vor allem die post­so­zia­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten des ehe­ma­li­gen Ost­blocks sol­len sich an die­sem deut­schen Son­der­weg ein Bei­spiel neh­men. Der Hoch­mut, mit dem die deut­sche Öffent­lich­keit auf die ost­eu­ro­päi­schen Bemü­hun­gen um natio­na­le Selb­stän­dig­keit schaut, ist der eigent­li­che Aus­druck der deut­schen Leit­kul­tur. Man ist stolz dar­auf, dass man kei­ne natio­na­le Iden­ti­tät mehr hat, und man wacht arg­wöh­nisch dar­über, dass auch kei­ne ande­re Nati­on danach stre­ben soll,

und die­se herr­schen­de Idee unse­rer Zeit ist die Idee der herr­schen­den Klas­se, der Leser weiß das ja längst.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (55)

Allnichts

4. November 2021 15:48

Der hier vor kurzem so umschwärmte Norbert Bolz war vor einigen Tagen Teil einer Gesprächsrunde, in welcher er "rechts" so zu definieren versuchte, dass das Rechte alles Konservative und Vernünftige sei, und jene, die allgemein auch als rechts bezeichnet werden, diesem Bild vom vernünftigen Konservativen aber nicht entsprechen, eben nicht rechts seien, sondern Idioten. Die Neigung, sich über Aussonderung bestimmter Teile des eigenen Lagers präsentabel machen zu wollen, gibt es nicht nur links. Auch im Kreise der Sezession sprach man schon von jenen, die "wirklich rechtsextrem" seien.

Ebenfalls nicht nur links gibt es das Bestreben, "canceln" zu wollen, die Machtverhältnisse sind allerdings nicht so, dass wirklich von einer rechten Cancel Culture gesprochen werden kann. Es greift immer mehr um sich, dass nicht mehr als Teil des allgemeinen Geschehens akzeptiert werden will, was schlichtweg abgelehnt wird, eine Einstellung, welche ich gut nachvollziehen kann, da es für mich keinen Grund dafür gibt, freiwillig hinzunehmen, was ich nicht in der Welt verwirklicht sehen will. Absichten und Methoden ähnlichen sich, die Möglichkeiten nicht.

Insofern ist die Argumentation von Anne Applebaum weder unverständlich noch ungewöhnlich. Sie macht das, was jemand in ihrer Situation eben macht: Den eigenen Interessen zuarbeiten.

Der Gehenkte

4. November 2021 17:06

"Doch »Globalismus« ist nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern stellt die zeitgemäße Entwicklung der vorherrschenden Produktions- und Lebensweise im »Globalen Norden« dar..."

Nehmen Sie es mir nicht übel, BK, wenn ich diese Worte hier noch einmal herausziehe und hervorhebe und insofern "mißbrauche", als ich sei gegen den vorherigen Strang positionieren möchte.

Ich will es nicht leugnen - das führt bei mir zu einer gewissen kognitiven Dissonanz, insofern, als ich mich frage: Quo Vadis Sezession? Wer bist du? Was willst du sein? Wo willst du hin? Welcher Methodik willst du dich bedienen? Beides schließt sich m.E. aus, beides kann man nicht sein ... aber vielleicht kann man es auch unter dem Begriff  "Vielfalt" subsumieren, womit evtl. die beiden Ränder - aber nicht der linke und der rechte, weil ich mich weigere, den anderen Rand als "rechts" zu benennen - abgesteckt werden?

Im Übrigen gebe ich Ihnen natürlich vollkommen recht!

eike

4. November 2021 17:38

Finkielkraut, (Ex-?)Maoist, große Klappe der soixanthuitards - jetzt poster-boy der Nationalisten?
Da kommt der Abschaum aus dem Staunen nicht heraus.

 

Nordlicht

4. November 2021 19:38

Alain Finkielkraut erscheint in dem rezipierten NZZ-Interview als überaus sympathsiche und bescheidene Person, selbstironisch und altersweise. Wer seine Vita als Autor überfliegt, sieht einen Wanderer zwischen den Stühlen - und das ist mE für einen französischen Intellektuellen der richtige Platz.

Natürlich bleiben mir seine Gedanken über sein Judentum fremd, dagegen kann ich seine Kritik der Traumtenzerei seiner Zeitgenossen zu dem Terrorismus der 68-Plus-Genossen uf unsere Verhältnisse damals übertragen. Aus einem Spiegel-Artikel von 1982:

"Che Guevara gegen Mosche Dajan, schließlich der Palästinenser als der Jude der Juden. Finkielkraut berichtet ohne Häme von diesen traurigen Zwitterexistenzen jüdischer Linksradikaler, die in Arafat fast den Messias sahen und unentwegt S.231 den heroischen Kampf der Palästinenser priesen, während sie, bebend vor Angst, dieser Messias könnte wirklich kommen, am Radio den Verlauf des Oktoberkrieges verfolgten."

Die Salon-Linken von heute: Genauso befürchten sie, dass ihre hinaus posaunten Ideale Wirklichkeit werden, Das würde sie ihre lukrative Parasitenexistenz im Bürgertum kosten.

Monika

4. November 2021 20:10

@ gehenkte 

was meinen Sie genau, was sich jetzt ausschließt ? Diese Position-vorheriger Strang ?

Die kognitive Dissonanz empfinde ich auch. Ich würde den vorherigen Strang auch nicht als rechts bezeichnen. Aber als Katalysator. Ohne das kommt keine Reaktion in Gang.

Volksdeutscher

4. November 2021 20:13

2. @Allnichts - "Die Neigung, sich über Aussonderung bestimmter Teile des eigenen Lagers präsentabel machen zu wollen, gibt es nicht nur links."

Das System interessiert die Selbsteinschätzung der konservativen Rechten nicht. Es spielt nach seinen eigenen Spielregeln und schreckt nicht davor zurück, den Inlandsgeheimdienst auf sie zu hetzen. Wo es gilt, die Nation zu vernichten, muß unterschiedslos allem Rechten der Garaus gemacht werden. Und den "wahren, schönen und guten" Rechten noch mehr als den "unwahren, unschönen und bösen" Rechten. Nicht wegen seiner physischen Gefährlichkeit, sondern (systemimmanent gesprochen) wegen seiner intellektuellen Gefährlichkeit, da sie dadurch Einfluß auf die Menschen ausüben kann. Nichts befürchtet das System mehr, als entlarvt zu werden, d.i. die Wahrheit über es selbst.

Volksdeutscher

4. November 2021 20:15

3. @Allnichts - "Die Neigung, sich über Aussonderung bestimmter Teile des eigenen Lagers präsentabel machen zu wollen, gibt es nicht nur links."

(...) Wenn ich einen beliebten Spruch der ungarischen Nationalisten empfehlen dürfte: "Ein Rückgrat kann man nicht verbiegen, sondern nur brechen."

Kositza: Hallo Volksdeutscher. Veröffentlichen Sie Ihre Kommentare zu "den Juden" doch auf einem anderen/eigenen ordentlichen Blog. Sie sollten doch längst gemerkt haben, daß das hier einfach nicht freigeschaltet wird. Mein Rückgrat gilt übrigens als äußerst stabil.

Volksdeutscher

4. November 2021 20:49

- "...die, von weltweit rezipierten Publizisten erklärt und verteidigt, die letzten »Aufhalter« wider Nationenüberwindung und Volksabschaffung sturmreif schießen zu beabsichtigt."

Mit Sicherheit. Ich glaube aber nicht, daß es Orbán und den seinen auch nur entfernt bewußt ist, daß ihr Stemmen langfristig, aber vielleicht schon mittelfristig, nichts nutzen könnte. Mit dem possenhaften Freiheitskampf gegen Brüssel kann er in Ungarn seine Macht sichern und festigen. Aber das hilft nichts gegen das von innen erfolgte Aushöhlung und Unterminierung Europas. Deutschland, Frankreich und Italien fungieren bereits als Umschlagplätze für die Verteilung von Invasoren, die man gesetzwidrig aus aller Welt hereinströmen läßt. Nach der verkürzten Wartezeit für die ebenfalls gesetzeswidrige Vergabe der Staatsangehörigkeit werden die Invasoren in ganz Europa ausschwärmen und sich überall im Sinne der EU-Gesezte frei niederlassen können und so die widerborstigen Staaten wie Ungarn, Polen, die Slowakei und andere "ganz legal" in ihren Besitz nehmen. Dagegen hilft die Verteidigung der Außengrenzen der EU gar nichts. Der linke Ungeist setzt sich sowohl auf EU-Ebene wie auf nationaler Ebene über geltende Gesetze hinweg. In dieser Frage zeigt sich die AfD mit ihrem Beschluß, aus der EU auszutreten, der Fidesz gegenüber bei Weitem realistischer.

Kurativ

4. November 2021 20:58

Es wird so einiges in angelsächsischen Ländern ausgebrütet, was andere Länder und Kulturen dann ausbaden müssen. Das "Manifest" wurde in London verfasst, aber nie dort wirklich  wirkmächtig. Auch die sozialdarwinistischen Vorstellungen kamen, gefördert von prominenter Stelle, ursprünglich auch den USA und wurden erst in Deutschland umgesetzt. Jetzt also Appenbaum & Co. Statt Zigarettenschachteln mit Gesundheitshinweisen zu versehen, sollte man vielleicht kulturfremde und inkompatible Ideologien mit einen Warnhinweis versehen. Besonders wenn sie aus den USA oder GB kommen. Denn es waren sehr viele deutsche (preußische) Soldaten der "Grande Armée"(heute NATO), welche im Russlandfeldzug verhungert, erfroren oder von Tataren aufgespießt wurden.

Der heutige Globalismus ist eine Erweiterung des US-Kapitalismus. Mit der übermächtigen Beherrschung der international verknüpften IT-Systeme haben die US einen Trumpf in der Hand, welcher ihnen jederzeit weiterhelfen wird, wenn es klemmt.

Ausguck

4. November 2021 21:58

@ Benedikt Kaiser: "Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse....Diese Aussage besitzt...  eine zeitlose Gültigkeit."

Nein, ganz so ausschließlich kann man das nicht sehen. Sicher, es war oft so, daß die Mächtigen den Ton angaben, aber eben bei weitem nicht immer, Auch wenn man der christlichen Lehre nicht viel abzugewinnen vermag, muß man fairerweise zugestehen, daß ihre Ideen von einem kleinen Kreis fast einflußloser Gleichgesinnter ausging, Ganz ähnlich verhielt es sich schließlich auch mit der marxistischen Lehre selbst, und auch die Ideen der Aufklärung stellten sich zunächst eindeutig gegen die herrschende Klasse. 

Diese Tatsachen geben uns die begründete Hoffnung, daß auch der Globalismus und seine teilweise perversen Auswüchse eben nicht die beherrschenden Idee unserer Zeit bleiben.

Laurenz

4. November 2021 22:38

"die letzten »Aufhalter« wider Nationenüberwindung und Volksabschaffung sturmreif schießen zu beabsichtigt. Dazu gehören widerspenstige Nationalstaaten wie Rußland, Ungarn und Polen."

Hier wird bewußt oder unbewußt China weggelassen. Was schadet es China schon, wenn mal über Wochen 100 Mio. weggeschlossen werden? Exakt, nichts. Aber China ist extrem geschickt darin, den Westen weiter zu schwächen, indem es mit dessen links-liberalen Regimes zusammenarbeitet.

Finkielkraut hingegen ist dies, auch wenn er darüber nichts schreibt, vollkommen klar. Er formuliert dahingehend auch denn Sinn hinter nationalstaatlicher Politik. Desweiteren wird bei Finkielkraut deutlich, daß nur die militärische Dominanz der USA diese links-liberale Politik der Entstaatlichung möglich macht. Wird diese militärische-ökonomische Dominanz gebrochen, ist es vorbei mit der woken Welle der im Westen Herrschenden. Und damit sind dann auch die bisherigen Privilegien des Diaspora-Judentums im Westen belanglos. Dies ist klar herauszulesen. Sonst bräuchte Finkielkraut nichts über seine Vorstellungen vom Judentum schreiben, wie @Nordlicht gut recherchiert hat.

Gracchus

4. November 2021 22:45

@Gehenkter

Ich verstehe nicht, wieso sich das BK-Zitat und der vorherige Strang ausschließen. Ebenso wenig verstehe ich, wieso der vorherige Strang Anlass gibt, Grundsatzfragen zu stellen - nur weil Sie ein Artikel + Kommentare befremdet, müssen Sie doch nicht nervös werden. Ich wüsste auch nicht, weshalb SiN eine Methodik bräuchte, vor allem im Kommentarbereich. 

Laurenz

4. November 2021 22:51

 

@Ausguck @BK

"Christentum/Marxismus"

Darüber schreibe ich schon seit Jahren hier, auch wenn CS den Prometheus falsch zitiert, indem Sie diesen fälschlicherweise dem Christentum zuordnet. Es existiert natürlich nur der belanglose Gott, der die antiken Bolschewisten vom Marxismus unterscheidet.

Das weiß auch BK. Bei der Aussage

"Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse....Diese Aussage besitzt...  eine zeitlose Gültigkeit."

geht es nur um die theologisch-politische Wahrheit der Aussage an sich. Sie wendet sich an die Masse der Beherrschten um ein revolutionäres "Sentiment" zu erzeugen. Anders läßt sich die Macht der Herrschenden nicht brechen, (um die Herrschenden selbst zu beerben).

Diese Hinwendung zu den Beherrschten unterscheidet sich auch politisch faktisch von der Cancel Culture, die sich wider die Beherrschten wendet.

Die links-liberale Kaste der global Herrschenden gebietet den Beherrschten absolutistischen Gehorsam.

Diese formulierte Divergenz ist das Epizentrum des BK-Artikels.

Laurenz

4. November 2021 22:54

@Kurativ

"Mit der übermächtigen Beherrschung der international verknüpften IT-Systeme haben die US einen Trumpf in der Hand, welcher ihnen jederzeit weiterhelfen wird"

Das ist nur eine Schein-Dominanz. Sie sehen doch, wenn China keine Halbleiter liefert, stehen im Westen ganze Werke still. Falls China ernst macht, steigt in 2 Jahren kein westlicher Kampf-Jet mehr in die Luft auf.

 

Volksdeutscher

4. November 2021 23:01

@Frau Kositza

Ihre polemische Formulierung verstehe ich nicht wirklich.... Es gibt Tatsachen und Zusammenhänge, die ich nicht erfunden habe und die sowohl Ihnen als auch mir bekannt sind - und noch unzähligen anderen. Ob SiN meine Kommentare veröffentlichen kann, liegt in der Verantwortung von SiN. Aber das ändert nichts an den Tatsachen selbst, meinerseits ist nichts Böses damit verbunden. Die Frage ist deshalb nicht die, in welchem Blog ich auf bestimmte Zusammenhänge hinweisen soll und in welchem besser nicht, sondern die, ob der jeweilige Blog deren Erwähnung sich zutraut. Das kann ich nicht entscheiden. Warum soll ich mich da auch zurückhalten, wenn Sie als Moderator in der Sache eh am längeren Hebel sitzen? Sie haben zwei Möglichkeiten: Sie lassen sie aussprechen oder sie unterdrücken sie. Darum brauche ich mir nicht den Kopf zu zerbrechen. Aber es zeugt dennoch von einem gewissen Respekt Ihrerseits, meinen nicht veröffentlichten Kommentar nicht unkommentiert zu lassen. Danke.

Ordo

4. November 2021 23:33

Nennen sich die Globalisten eigentlich auch selbst Globalisten? Ich glaube nicht. Die Kommunisten haben sich ja immerhin selbst so getauft. Auch die dazugehörige Ideologie war da schon ausformuliert und konnte bei Interesse in den entsprechenden Büchern von Marx und Engels nachgelesen werden. Das hat es auch wesentlich einfacher gemacht ihn zu bekämpfen. Er hat sich offen zum Kampf gestellt. Immerhin sehr männlich irgendwie.

Beim Globalismus ist das schon schwieriger. Eben weil er nur schwer zu fassen ist. Wirklich ausformuliert hat ihn noch keiner. Das scheint mir mehr Stärke als Schwäche zu sein. Als Kritiker läuft man hier regelmäßig ins Leere. Er ist hochideologisch, ohne sich als Ideologie zu erkennen zu geben. Das verbindet ihn mit dem Neoliberalismus, mit dem er ja tatsächlich praktisch eng verbandelt ist. Wobei der Globalismus ja einen über das rein ökonomische hinausgehenden Anspruch hat.

Naja, ich brech hier ab und überlasse das ganze lieber den echten Intellektuellen hier. Vielleicht schreibt Herr Kaiser demnächst ja mal einen kaplaken zu dem Thema. Haha. 

Der Gehenkte

5. November 2021 00:43

@ Monika

"was meinen Sie genau, was sich jetzt ausschließt ?"

Nun, es scheint mir evident, daß in den beiden letzten Beiträgen und vor allem auch in den Diskussionen ganz gegenteilige Paradigmen zu Wort kommen. Ich hatte mich die letzten Tage immer wieder gefragt, wie jemand wie Kaiser einen solchen Strang lesen muß und wie er danach seine eigene Position bestimmt ... und siehe da, es kommt gleich die Antwort.

Diese Strenge, die sich die Mühe macht, historisch und ökonomisch zu durchdringen, die "vorherrschenden Produktions- und Lebensweise" als analytischen Ausgangspunkt zu nehmen, dort die treibenden und alles begründenden Mächte zu suchen und nicht in irgendwelchen Hinterzimmern - die es auch gibt, die aber weit weniger geschichtsträchtig sind, als ein Großteil des Kommentariats anzunehmen scheint -, das ist doch eine ganz andere Seriosität.

Man könnte das jetzt ausladend darlegen - Fakt ist: Geschichte funktioniert so nicht, hat es noch nie, wird es nie. Deswegen mein Aufruf, nicht hinter Marx - den Kaiser hier ja direkt und indirekt aufruft -, Weber, Danto, Spengler, Simmel, Koselleck, Blumenberg und und und zurückzugehen. Das alles ist da - aber es scheint vergessen, untergegangen im Aufdeckungsfuror. Mich macht das traurig, ratlos und zweifelnd.

Anders ausgedrückt: Meta-Politik oder Meta-Physik ... da wird man sich entscheiden müssen.

 

 

Franz Bettinger

5. November 2021 05:39

@Gehenkter: Ich möchte auf den Unterschied hinweisen zwischen Globalisierung (die @BK wohl meinte) und Globalismus. 

Globalisierung ist die Beschreibung einer geschichtlichen Periode, einer Tatsache. Sie begann Mitte der 90-er, hatte den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapitalströmen weltweit zum Gegenstand und kann als gelungen gelten. G. ist nichtsdestoweniger das Hassobjekt der Linken, da sie Lohn-Dumping, Umwelt-Dumping und unfair steigende Gewinne global tätiger Unternehmen fürchten, Kritikpunkte, die zum Teil berechtigt sind. Konservative bzw. Rechte meiner Couleur haben dennoch grundsätzlich kein Problem mit der Globalisierung, einer Effizienz-Steigerung der Marktwirtschaft. ff

Franz Bettinger

5. November 2021 05:46

ff

Globalismus ist etwas ganz anderes. Es ist eine Idee, besser gesagt; eine Ideologie. Im Gegensatz zur Globalisierung geht es dem Globalismus um weltweiten ökonomischen, kulturellen & vor allem um ethnischen Marxismus; anders gesagt: um Gleichmacherei. Die Auslöschung kultureller und ethnischer Verschiedenheit betreibt er militant & mit großem finanziellen Aufwand unter dem Deckmantel der bunten Vielfalt, deren Vernichtung aber in Wahrheit sein Haupt-anliegen ist. Massenmigration (in die Länder Europas) und der Islam sind die Brechstangen im globalistischen Werkzeugkasten. Einheits-währung, Plastikgeld, Abschaffung von Bargeld, die UN, unzählige NGOs und die WHO gehören ebenso dazu. Der radikale Umbau des Planeten - welcher der kleinsten ethnischen Minderheit (den Weißen) keinen Platz mehr lässt - wird als Ergänzung der Globalisierung verkauft, was sachlich falsch ist. Für Konservative / Rechte ist der Globalismus der natürliche Feind, vernichtet er doch alle Kulturen der Welt. Linke (in der Ecke fehlt es eklatant an Intelligenz) verstehen diese Zusammenhänge nicht. Globalismus ist eine unmenschlichen Privat-Religion des Tiefen Staates, die ein absolutistisch totalitäres, feudal-kommunistisches System errichtet. 

RMH

5. November 2021 07:02

"Die Neigung, sich über Aussonderung bestimmter Teile des eigenen Lagers präsentabel machen zu wollen, gibt es nicht nur links. Auch im Kreise der Sezession sprach man schon von jenen, die "wirklich rechtsextrem" seien."

Und umgekehrt gab es von den vermeintlichen Gralshütern der wahren Lehre bei nichtigen Anlässen dann auch regelmäßig Vorwürfe wie "Cuckservative" etc.

Ich denke, mit diesem Mimimi-Spiel kommt man nicht weiter: Kern jeder "Cancel Culture" ist die Durchsetzungsfähigkeit, um es einmal im "woken" Neusprech zu formulieren, der Grad der "Privilegierung" oder schlicht Macht. Rechte, egal ob Gralshüter oder "Cucks", können so viel "canceln" wie sie wollen, es juckt schlicht keinen mehr. Keine Dönerbude macht zu, nur weil ein paar wackere Recken dort nicht hingehen.

Genauso, wie "Ungeimpfte" mittlerweile eine Konsumentengröße vernachlässigbaren Ausmaßes darzustellen scheinen, denn alle Dienstleister, die dank der freiheitsbeschränkenden Covid-Maßnahmen auf Umsätze von Ungeimpften verzichten müssen, scheint das überhaupt nicht zu beeinträchtigen - insbesondere Gastronomen und Kulturindustrie setzen hemmungslos G2 etc. um ...

Mit anderen Worten: Ordentlich "canceln" können, setzt mehr als nur 2 Tweets voraus. 

Benedikt Kaiser

5. November 2021 08:25

@Der Gehenkte

Da bin ich ganz bei Ihnen. 

RMH

5. November 2021 08:49

"Anders ausgedrückt: Meta-Politik oder Meta-Physik ... da wird man sich entscheiden müssen."

@Der Gehenkte,

das kann man so nur als Anforderung an eine "Blatt Linie" bzw. Entscheidung einer Redaktion formulieren. Rein historisch gesehen, greift das mehr ineinander, als der aufgeklärte, durch Epochen des scheinbaren Materialismus gegangene Durchschnittseuropäer denken mag. Aber auch hier sollte man sich hüten, alles über einen Kamm zu scheren. Die Welt ist vielfältig und auch in den Oligopolen der Macht ist man sich, nur weil man Oligopole bis hin zu Kartellen gebildet hat, nicht deshalb zwingend einig. Aber man ist eben immer fähig, zu Zweckbündnissen und liebt die Intrige (das manche pauschal von der "Kabale" sprechen, macht durchaus Sinn).

Wer die Metaphysik nicht ehrt, ist in der Metapolitik nichts wert.

@F.B.,

Sie haben recht mit ihrer Unterscheidung zwischen Globalisierung und Globalismus, nur begann die Globalisierung doch deutlich früher bzw. war immer irgendwie mal mehr, mal weniger am arbeiten.

Laurenz

5. November 2021 09:53

 

@Franz Bettinger

"Globalisierung"

Möchte Dich hier gerne korrigieren. Globalisierung & Nationalisierung gab es schon immer, seit es Staaten oder Reiche gibt. Sie haben eine abwechselnde Forcierung ca. +/- alle 60 Jahre. Und man findet beide auf allen Kontinenten, wenn man dort der Seefahrt mächtig war.

Beim "Globalismus" kann man Deiner These auch nicht ganz folgen. Es betrifft im wesentlichen nur "weiße" Staaten. Auf alle anderen Staaten traf das mehr oder weniger in der Vergangenheit zu, durch die christliche oder islamische Zwangs-Mission. Auch China kann tun & lassen, was es möchte. Es existieren in China schätzungsweise 2 Mio. NGOs, chinesische, wie ausländische. Allerdings reduziert China aktuell schlicht den Einfluß ausländischer NGOs. Siehe hier  https://www.handelsblatt.com/politik/international/politische-kontrolle-china-will-auslaendische-ngos-genauer-regulieren/11153048.html

Und politische Kritik an China wagt niemand. Die geplante Änderung dieser Haltung durch Grüne & FDP ist nur heiße Luft. 

Und es siedelt auch keiner Chinesen oder Europäer in Mosambik an.

Laurenz

5. November 2021 10:18

@Der Gehenkte, Monika & Gracchus

Am ehesten kann ich mich der Position von

@RMH

anfreunden.

Natürlich schreiben hier unterschiedliche Autoren.

Auch in der redaktionellen Korrekturfunktion arbeitet man unterschiedlich, EK & BK sind freiheitlicher, kritikfähiger in der Korrektur als die eher linke Art & Weise des Löschens von Unliebsamen durch CS zB.

Ab & an schreiben hier im Forum auch Alt-Linke, wie @Imagine.

Und natürlich steht der letzte CS-Artikel in einem relativen Widerspruch zu diesem hier, na und? Beim CS-Artikel wird schlicht das christlich-linke, philosophische Element frappant deutlich.

BK verläßt sich, als Politologe, zu 98% auf Seine recherchierten Fakten, spekuliert deutlich weniger.

@Der Gehenkte

Auch wenn BK bei Ihnen ist & Sie die gesellschaftliche Abwesenheit von Weber, Danto, Spengler, Simmel, Koselleck, Blumenberg & Co. bedauern, so spielt das doch keine Rolle, weil eben diese Autoren keine Rolle mehr spielen. Es ist auch nicht wichtig, was diese zu sagen hatten. Marx wurde eben nicht vergessen. Viel wichtiger ist es jetzt, was Sie oder wir zu sagen haben. Auch bei der Idee einer Gegen-Uni von MS, sollte man mehr die Perspektiven & Optionen ausleuchten, als im ewig Gestrigen hängen zu bleiben.

Der Gehenkte

5. November 2021 10:43

@ Benedikt Kaiser

Das zählt!

@ RMH

Der Begriff "Meta-Physik" meinte selbstverständlich nur die Vulgärform seiner vielfältigen Bedeutungen. Insofern war er verkürzt und polemisch. Selbstverständlich ehre ich die ernstzunehmende philosophische Disziplin.

Vulgär ist sie dann, wenn ihr Meta-Bestandteil als Abkürzung genutzt wird, wenn man also a priori schon "weiß", was hinter und jenseits der Dinge liegt und sich dann nur noch auf die Suche nach "Beweisen" begibt. Hat man einmal diese Brille auf, dann fallen scheinbar plötzlich alles Puzzlesteine ineinander und man beugt sich umso mehr über das Puzzle, verliert den Blick nach außen, hat sich seine Blase gebildet. Bei der zuletzt besprochenen Autorin - als typisches Bsp. solchen Denkens - kann man das bereits an der Art und Weise erkennen, wie die, die die große Wahrheit noch immer nicht erkannt haben, behandelt und letztlich als Verblendete - um es freundlich auszudrücken - bezeichnet werden. Diese Form des Denkens tendiert überhaupt stark zur Aggressivität. Die Verblendeten sehen um sich herum nur noch Verblendete.

Wenn dann in der SiN öffentliche Kontaktaufnahme und Schulterschluß gesucht wird, noch dazu, wenn man von Luhmann - von Luhmann!!! - herkommt, dann sollte man stutzig werden.

Dies ist umso tragischer, als wir es mit ganz offenbar hoch intelligenten Leuten zu tun haben. Was könnte man mit dieser Kraft nicht wirklich Wesentliches erreichen!

 

 

 

Der Gehenkte

5. November 2021 10:54

@ Laurenz

"weil eben diese Autoren keine Rolle mehr spielen."

Zum letzten Mal:

Es geht nicht um den Realgehalt dieser Autoren, es geht um die methodische Anstrengung, um das Ernstnehmen der Phänomene und um die Akzeptanz gewisser Fortschritte des historischen Denkens. Oder, wie Hermann Lübbe sagte: Das kann man nur historisch erklären, oder wie Marx: ökonomisch und gesellschaftsanalytisch, oder wie Weber: soziologisch, oder wie Danto: logisch, oder wie Gehlen: anthropolgisch, oder wie Dilthey: hermeneutisch, oder wie Luhmann: systemtheoretisch ...

Deshalb geht es auch nicht - RMH - um ein Auf-Linie-Bringen. Es ist alles nur eine Niveau-Frage. Hat man die geklärt, dann kann man von mir aus alles diskutieren.

Ernsthaftigkeit, Strenge, Selbsthinterfragung, Denkdisziplin, Offenheit, Weitblick, Gegnerlektüre, Gesprächsangebote, Stil, Fallibiltätsapriori ...

Gustav Grambauer

5. November 2021 10:58

Was haben wir hier: Dionytiker und Appolliniker, oder in der Banalvariante: Fundis und Realos. Gut so, ein Vogel mit nur einem Flügel kann nicht fliegen bzw. wird sogar zum Omen für Unheil, wie an den Grünen zu sehen. Kluge, wohlwollende Rechte haben verstanden, welch unschätzbares historisches Novum die Mosaikrechte ist und welche synergetische Kraft in ihr liegt - wenn man nicht mit der trivialsten Schwarz-Weiß-Schablone in sie reintrampelt.

So wie der @Gehenkte, der, wie ein kleines Kind, das von der Buddelkastenburg eines anderen Kindes gekränkt ist und diese puttmachen will, Frau Jünger und Frau Sommerfeld abspricht, rechts zu sein. Geht`s noch?! Oder um es auf Erwachsenenniveau hochzudeklinieren: er hätte gern die Rechte gar nicht mal nur, skurril genug, als eine Art URANIA e. V. sondern gleich als Inquisitionssekte und empfiehlt sich gleich auch schon mal als Inquisitor. Der Clou dabei: er gibt dies als hier völlig und in jeder Hinsicht Außenstehender kund. (Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: ich sehe mich nicht minder als Außenstehenden, aus anderen Gründen zunehmend.)

Flügelschlachten, Grabenkämpfe, Politkommissarsgehabe, ideologische Linien, Hardlinerallüren und Abweichlerbekämpfung usw. sind elementar-links und damit - Pointe: - unterkomplex, schon weil sie auf einem infantilen (projektiven) Weltbild basieren (mit dem einfach ratzfatz psychisch abgespalten resp. im Außen vernichtet oder auch nur rausgeekelt wird, wer und was einem nicht paßt).

- G. G.

Gustav Grambauer

5. November 2021 10:58

Auch Szientismus, übersteigerter Rationalismus, ist ur-links, aber Hallo! Übrigens!:

"Was bedeutet, gerade bei den Griechen der besten, stärksten, tapfersten Zeit, der tragische Mythus? Und das ungeheure Phänomen des Dionysischen? Was, aus ihm geboren, die Tragödie? – Und wiederum: das, woran die Tragödie starb, der Sokratismus der Moral, die Dialektik, Genügsamkeit und Heiterkeit des theoretischen Menschen – wie? könnte nicht gerade dieser Sokratismus ein Zeichen des Niedergangs, der Ermüdung, Erkrankung, der anarchisch sich lösenden Instinkte sein? Und die 'griechische Heiterkeit' des späteren Griechentums nur eine Abendröte? Der epikurische Wille gegen den Pessimismus nur eine Vorsicht des Leidenden? Und die Wissenschaft selbst, unsere Wissenschaft – ja, was bedeutet überhaupt, als Symptom des Lebens angesehn, alle Wissenschaft? Wozu, schlimmer noch, woher – alle Wissenschaft? Wie? Ist Wissenschaftlichkeit vielleicht nur eine Furcht und Ausflucht vor dem Pessimismus? Eine feine Notwehr gegen – die Wahrheit? Und, moralisch geredet, etwas wie Feig- und Falschheit? Unmoralisch geredet, eine Schlauheit? O Sokrates, Sokrates, war das vielleicht dein Geheimnis? O geheimnisvoller Ironiker, war dies vielleicht deine – Ironie?" - aus: "Die Geburt der Tragödie", 1 / 9

- G. G.

Gustav Grambauer

5. November 2021 11:03

Der Gehenkte

Sehe gerade: jetzt sprechen Sie Frau Jünger und Frau Sommerfeld auch noch das "Niveau" ab. Das muß man nicht weiter kommentieren, das spricht für sich.

- G. G.

Uwe Lay

5. November 2021 11:08

Fragen zu: Die herrschenden Ideen waren und sind die der Herschenden

In Bayern regiert gefühlte Ewgkeiten nach die CSU, sie herrscht, aber warum ist dann der Bayrische Rundfunk Grün-Rot und warum wird die CSU grün-rot, statt daß der Rundfunk ein CSU-Sender wird?

Seit fast 2000 Jahren predigen christliche Kirchen die Nächstenliebe, einst herrschend. Ist Europa dadurch humaner geworden? Offensichtlich werden nicht alle Meinungen Herrschender populär. Welche werden dann so rezipiert, daß sie zum Denken der Beherrschten werden? Hat man sich die Beherrschten vorzustellen als Opportunisten,die wider besseres Wissen sagen, was die Herrschenden hören wollen oder als Überzeugte,daß sie glauben, daß die Ideen der Herrschenden die wahren sind? Wie gelingt es dann, die Beherrschten von der "Wahrheit" der Ideen der Herrschenden zu überzeugen?

Uwe Lay

Laurenz

5. November 2021 11:16

@Der Gehenkte @L.

Danke Ihnen für Ihre Zeit Ihr Anliegen mir hier Unkultivierten verständlich zu vermitteln. Das haben Sie recht gut hingekriegt.

Aber mal im Ernst, bis auf die Autoren in Ihren Fachgebieten, in der Debatte Philosophie oder Politologie, mit wie vielen Menschen in Deutschland kann man auf dieser Ebene debattieren? 20k? 200k?

Und wie groß ist der Einfluß dieser Autoren, auch im Stil, auf die von Ihnen benannte Realität in einer Debattenkultur?

Bitte nicht negativ verstehen. Ich bin immer froh um Mitmenschen, wie EK durch Ihre bündigen Buchvorstellungen, die mir ein Fenster in eine andere Welt aufmachen, oder EL & GK, die mir manchmal sogar historisch noch etwas Neues kundtun, ohne sich zu sehr ins Detail, wie Maiordomus, zu verlieren.

Der Gehenkte

5. November 2021 11:28

@ Gustav Grambauer

Hier schließt sich der Kreis. Bösartige Lektüre führt zur Spiegelfechterei.

Ich kenne CS persönlich, ich denke, wir schätzen uns gegenseitig, sie wird das verstehen udn nur das ist wichtig.

So, und jetzt hab ich Arbeit!

Gustav Grambauer

5. November 2021 11:30

Berichtigung: "Frau Jüngling" (muß es heißen). Bitte vielmals um Entschuldigung.

- G. G.

URN

5. November 2021 11:41

Man könnte auch fragen "Klassik oder Romantik" bzw. "rationales Denken oder Esoterik"! Wobei rationales Denken nicht mit "übersteigertem Rationalismus" (G.G.) zu verwechseln ist....

Monika

5. November 2021 11:43

@ der Gehenkte 

Wie passen die beiden Stränge zusammen ? Bekannterweise bin ich ein entschiedener Gegner der heidnischen ( besser: christenkritischen  Rechten ) und auch kein Freund einer rechten Liberalismuskritik ( etwa Benoist: Gegen den Liberalismus) . Trotzdem bin ich gegen den „Kult des freien Indiviuums“ . Aber meine Kritik erfolgt aus christlicher Sicht ( Personalität umfasst sowohl die individuellen als sozialen Aspekte von „Menschsein“. Bei Nikolai  Berdjajew gut ausgeführt). Die Verbindung von marxistisch-sozialistischen Ideen mit ethnischen-patriotischen Ideen halte ich für problematisch! Natürlich gibt es kein Zurück hinter Marx, aber ein Darüberhinaus sollte es langsam mal geben.Bis jetzt ist die Frage, ob die Millionen Toten, Gequälten, Erniedrigten des real-existierenden Sozialismus vielleicht etwas mit den Ideen von Karl Marx zu tun haben könnten, noch nicht einmal gestellt! Aber dem Christentum lastet man seine Vergehen permanent an. Wobei die nichts mit dessen Stifter zu tun haben. Warum also den verschonen, der das Paradies in der Theorie auf die Erde verlegte? Eine Vorstellung, die bis heute die Menschen antreibt, wobei  das Paradies des weißen Mannes ein konkretes Ziel der Armen und Ausgebeuteten aller Länder geworden ist...Die Folgen  bleiben abzusehen.

Gracchus

5. November 2021 11:44

Ich bin dafür, dass dem @Gehenkten - auch leicht zu lüften - auf SiN Platz für eine Replik auf CS und zeitschnur eingeräumt wird, damit er sein Unbehagen artikulieren kann. Hier ist es OT.

Das, was Sie @Der Gehenkte vorbringen, sind Schlagwörter und eine Parade von Namen. Anscheinend hängen Sie die Debatte an einem Buch-Zitat auf, das Sie selber in den Strang eingeworfen haben, aber nichts mit CS-Rezension zu tun hat.

Mir sind Aussagen verdächtig, man könne hinter den und den nicht mehr zurück. Damit postulieren Sie: Reflexionsverbote. 

 

zeitschnur

5. November 2021 12:41

Für mich stellt sich zuallererst schon einmal die Frage, von welchen "Ideen" hier die Rede ist und was überhaupt eine "Idee" ist, sein sollte, sein kann oder vielleicht auch nicht ist.

Der Satz aus dem Kommunistischen Manifest ist bereits ein bewusstseinsreduzierender Schocker, und man tappt in eine Falle, wenn man das schluckt und für "zeitlos gültig" hält und sich anschließend daran abarbeitet. Man geht gewieften Taktikern auf den Leim und wirft ihnen die eigene wertvolle Lebensenergie hinterher.

Die Herrschenden leben davon, dass sie anstelle von Ideen Phantome in die Welt setzen, über panem et circenses agieren, und zu den circenses gehören Attrappen von "Ideen", die keine Innenseite haben und nur bei entsprechender Bühnenbeleuchtung als solche wirken.

Eine Idee kann nur etwas Freies sein, und sie wird sich immer in herrschaftsfreien Räumen entfalten, nur dort. In spießbürgerliche Bildungskanones passt sie niemals einfach so hinein, wird dort eher erstickt und gezähmt als wirklich gehegt und zum Wachsen gebracht.

zeitschnur

5. November 2021 12:48

ff

Ideen entstehen da, wo Menschen frei und grundständig ohne Rücksicht auf Götter des Kanons zu denken wagen. und damit meine ich nicht irgendetwas meinen, sondern: denken. Solange man stets überlegen muss, ob man nun auch rechts oder links genug oder nicht ist, ob man auch ja vor den Halbgöttern irgendwelcher unhintergehbaren Wissensachaften seine Proskynesis gemacht hat, wird das nix.

E.M Forster beschreibt die unheilvolle Entwicklung in seiner Erzählung The Machine Stops:

Hütet euch vor Ideen aus erster Hand! (...) Bezieht eure Ideen aus zweiter Hand, wenn möglich aus zehnter Hand, erst dann ist das verstörende Moment direkten Erlebens ausreichend abgeschwächt. Erarbeitet euch (nichts) im Alleingang! Erarbeitet euch, was ich denke, was E. (es folgen weitere Namen) dachte. Diese zehn Geistesgrößen destillieren (...) eine Idee, die euch (...) von größtem Nutzen sein wird. Sorgt für möglichst viele (...) Mittelsdenker (...)

Und - stellt sich ein Wiedererkennungeffekt ein?

Caroline Sommerfeld

5. November 2021 12:49

@Gehenkter

Der Riß, um den es in meinem (noch sehnsüchtig in der Druckerei auf Klebstoff wartenden) nächsten kaplaken geht, zeigt sich auch hier.

Es scheiden sich ganze Welt- und Selbstwahrnehmungsmuster voneinander, von denen die Fragen nach "Wissenschaft" oder "Verschwörungstheorie", links oder rechts, christlich oder aufklärerisch, politische Linie oder freies Geistesleben, Statistik oder Spekulation usw. nur Oberflächenphänomene sind.

Es werden sich diese Welten noch weiter trennen, und das ist gut so. Dadurch zeigen sich nämlich insgeneime und offene Zugehörigkeiten, Traditionslinien und nochmal ganz andere "Lager" als die hier auf SiN so oft durchgenommenen politischen. Keiner wird den anderen noch begreifen, ernstnehmen, schätzen wollen ...

Dieser Entwicklung sehenden Auges entgegenzugehen, halte ich für nötig. Die daraus erwachsende Aufgabe hat zwei Teile, denke ich: die Spaltung nicht zu früh versöhnlerisch zuzukleistern  u n d  sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Sine ira et studio geht das meiner Erfahrung nach am besten. Nicht triggern lassen, nicht hetzen und polemisieren, keine Angst bekommen, wohin wir geraten können, wenn wir xy weiter denken lassen ...

@Laurenz: Lustig, ich bin in der Redaktion dafür berüchtigt, zu viel durchgehen zu lassen ...

 

kikl

5. November 2021 12:59

@Uwe Lay

"In Bayern regiert gefühlte Ewigkeiten nach die CSU, sie herrscht, aber warum ist dann der Bayrische Rundfunk Grün-Rot und warum wird die CSU grün-rot, statt daß der Rundfunk ein CSU-Sender wird?"

Ohne Popularität und das heißt vor allem Medienpräsenz ist man ruck zuck raus aus der Politik. Deswegen bestimmen die Medien die politische Agenda und treiben die Politiker vor sich her. Die politische Macht ist von den Parteien in die Medien gewandert, so dass die Parteien jetzt versuchen über die Rundfunkräte die Medien zu beherrschen. In Bayern ist das der CSU misslungen.

"Wie gelingt es dann, die Beherrschten von der "Wahrheit" der Ideen der Herrschenden zu überzeugen?"

Durch Wiederholung; die vermeintliche Wahrheit wird auf allen Kanälen ad nauseam wiederholt. Lauterbach seit 20 Monaten in der Dauerschleife.

Der Konformitätsdruck, Schweigespirale,... tun ihr Übriges. Das funktioniert natürlich nur, wenn es eine uniformes Medienkartell gibt. Deshalb die systematische Stigmatisierung und Zensur der alternativen Kanäle.

Erst wenn den Leuten mit dem Vorschlaghammer die Wahrheit ins Gesicht gedroschen wird, brechen sie aus dieser Matrix aus. Beispiel: TV-Philosoph Precht ist die Impfung sehr schlecht bekommen ist. Davor hat Precht gegen "Impfverweigerer" den Apartheidstaat ausgerufen. Jetzt fürchtet Precht sich vor der Boosterspritze. Aua! ;-)

Niekisch

5. November 2021 13:01

@Laurenz: Lustig, ich bin in der Redaktion dafür berüchtigt, zu viel durchgehen zu lassen ...

@ CS: Bei Nutzern, die statt des Christentums und den Kirchen nur Jesus als Vorbild nehmen und Vorchristliches bejahen, sieht es offenbar ganz anders aus. Da geht nicht mal ein Wortspiel durch...

Laurenz

5. November 2021 13:13

@CS @L.

Ja, das mag sein.

Persönlich mag ich vor allem diejenigen Artikel von Ihnen, die eine Wahrnehmung des aktuellen Zeitgeistes in Wien, oder wo auch immer, beschreiben.

Da sind Sie ja auch sehr konkret nachvollziehbar, zB bei der lokalen Beschreibung einer Prozession mit ihren einzelnen Stationen oder den vielschichtigen Teilnehmern einer Demo.

Sobald es aber um linke Glaubensmodelle, wie den Katholizismus, geht, ist der Rolladen bei Ihnen unten.

EK, die mutmaßlich nicht weniger intensiv einem ähnlichen Glauben anhängt, spricht dieses Modell zwar mal bei einer Buchvorstellung (zB ein Zitat in der "letzten" über Ungers "Vom Verlust der Freiheit") an, debattiert aber darüber weniger, was ich nachvollziehen kann. 

Denn, es gibt keine echten Debatten über einen Glauben. Denn die Debatte ist/wäre ein innerer Widerspruch an sich, wenn wir mal von 2k Jahren andauernden Schriftgelehrten-Disputen absehen.

Von daher könnten Sie Sich überlegen, ob Sie bei solchen Artikeln überhaupt ein Forum eröffnen.

"Es werden sich diese Welten noch weiter trennen"

Wer weiß das schon. Aber natürlich, umso existentiellere Lebensumstände die Bürger betreffen, umso weniger akzeptieren sie weitere Einbußen zu ihren Lasten. Aber schließlich geht es um unseren Machtzuwachs. Und da kann man sich schon überlegen, ob man spalterische Themen zum Besten gibt, oder vielleicht doch lieber welche, wo ein gemeinsamer Nenner vorhanden ist.

Frieda Helbig

5. November 2021 13:31

Covid19 erscheint mir zunehmend keine Erkältungskrankheit zu sein, offenbar werden weniger die Atemwege geschädigt, dafür umsomehr Hirn, Seele, Charakter!

Erledigen wir mit dieser z.T. unanständigen Debatte nicht die Arbeit des Gegners bzw. des VS?

Ich kann @G.G. zunehmende Entfremdung nachvollziehen. Doch es schmerzt.

Ich für meinen Teil kann die Heterogenität der Sichtweisen gut aushalten, z.T. geben sie auch neue Impulse und zwingen mich zumindest zum Nachdenken darüber.

Letztendlich fände ich es schade, wenn @CS recht behielte und der Riß auch hier aufbrechen würde. Aber das lernte ich z.B. von ihr: aus einer Sollensforderung folgt nicht immer auch das Sein, denn diese Sollensforderung muß auch machbar sein. Insofern: Ist es hier noch machbar? Ich weiß es nicht...

  

Caroline Sommerfeld

5. November 2021 14:26

Laurenz: "Aber schließlich geht es um unseren Machtzuwachs. Und da kann man sich schon überlegen, ob man spalterische Themen zum Besten gibt, oder vielleicht doch lieber welche, wo ein gemeinsamer Nenner vorhanden ist."

Um Gottes Willen! Wären Sie gern Mitglied einer Kaderorganisation?

Wir brauchen den offenen Disput, die strittigen ("spalterischen", "zersetzenden", "defaitistischen") Themen, die unlösbaren Probleme. 

Auch beim Marxismus ist keineswegs ein gemeinsamer Nenner vorhanden, genausowenig beim Heidentum, bei der Liberalenbeschimpfung, beim provokanten Aktivismus, bei der Islamkritik, beim Von-Linken-Lernen, beim Feminismus "von rechts", beim Biologismus, bei der "Vergangenheitsbewältigung" und so weiter, und so fort ...

 

Grobschlosser

5. November 2021 15:18

solange uns das rot grüne juste milieu folgenlos auf der Nase herumtanz wird sich wenig ändern . Der Preis für explizit deutschfeindliche Taten muss steigen . 

Laurenz

5. November 2021 16:07

@CS (& Frieda Helbig) @L.

Ich habe die Unterschiede zwischen Ihrem Artikel & hier dem aktuellen von BK auch nicht so eng gesehen. Nur, hier, daß kann ich nur für mich so feststellen, läuft die Debatte oder der Diskurs anders.

Die vergleichsweise relative Freiheit auf dem SiN-Forum, ähnlich der bei Telepolis als größerem alt-linken Pendant, (auch wenn die Freiheit sich von Artikel zu Artikel unterscheidet,) ist natürlich begrüßenswert. Das muß ich Ihnen, solange wir hier "unter uns" sind, mit allen, auch unlösbaren unlösbaren Disputen beipflichten. Aber im politischen Arm halte ich davon gar nichts & schließe mich GK an, die eigenen Inhalte auf möglichst wenig zu beschränken.

Und in Glaubensfragen findet kein echter Disput statt, weil, wie ich bereits bemerkte, da eine Debatte nicht vorgesehen ist. Eine Glaubensdebatte ist das Ende vom Glauben, denn Debatten erzeugen Wissen.

heinrichbrueck

5. November 2021 16:59

In diesem Strang werden Namen, Begriffe, Epochen und andere Bildungsszenarien durch die Gegend geworfen, als wäre man Zeitzeuge gewesen. Ich will überhaupt nicht wissen, was in zweihundert Jahren, wenn die Scheingefechte nicht aufhören, über unsere Gegenwart so alles gelogen werden kann. 
Der gemeinsame Nenner ist das weltweite Geldsystem. Dieses System führt in die Verarmung, zudem ist es unübersichtlich, nicht ursachenfrei und konkret. In diesem System kann sich jedermann bemühen, auch reich zu werden. Ist Reichtum gleich Einfluß? Wie funktioniert Geschichte denn wirklich? Wird die Frage beantwortet, wenn überhaupt möglich, ist auch klar, wie Geschichte nicht funktioniert. Überfordern die Antworten fünfundneunzig Prozent der Insassen, bleibt das Bemühen unverständlich, hat die Unternehmung einen geringen Zukunftsnutzen. 

Gustav

5. November 2021 17:30

Die gültigen Handlungsanweisungen und moralische Imperative entnehmen  Leute wie Applebaum unmittelbar den von ihnen erfundenen Scheinwelten. Wenn viele Menschen demselben Wahn verfallen und gleichförmig handeln, greift die Welt in ihren Köpfen auf die Realität über. Es spielte für Hexenverbrennungen keine Rolle, ob es „wirklich“ Hexen gab, aber auch für die Errichtung des Kölner Doms nicht, ob es den ihm zu Ehren errichteten Gott tatsächlich gibt. Wenn nur eine hinreichende Masse an ein Hirngespinst glaubt und nach diesem Glauben handelt, wird ihr Handeln zur gesellschaftlichen Realität.

Es ist eine Machtfrage, über die Instrumente zu verfügen, der Masse genau diejenige Matrix dauerhaft in den Kopf zu setzen, die den eigenen Interessen entspricht.

Und hier hat @heinrichbrueck vollkommen recht. Das herrschende Geldsystem und dessen Eigentümer ist DIE Machtquelle. Alle angebliche Komplexität findet hier ihr Ende. Keine Macht über das Geld, keine Macht über irgend etwas!

Kurativ

5. November 2021 17:35

@Laurenz

"... wenn China keine Halbleiter liefert, stehen im Westen ganze Werke still. Falls China ernst macht, steigt in 2 Jahren kein westlicher Kampf-Jet mehr in die Luft auf."

Fertigungsstätten mit billigen Arbeitskräften lassen sich überall hochziehen.

Zur Herstellung wichtiger Halbleiter sind Patente und bestimmte Fertigungsvorrichtungen notwenig. Die sind alle in der Hand des Westens. China versucht auch das aufzuholen, aber mit Xi wird es schwer der westlichen Dynamik zu folgen.

China kann liefern. Und zwar gute und lang haltbare Produlte. Die Probleme wurden in westlichen Ländern erzeugt.

anatol broder

5. November 2021 18:20

@ ordo 23:33

der globalismus ist leicht zu fassen, wenn man zwischen positiven und negativen begriffen unterscheidet. es gelte die klassische logik.

ich erlaube mir ein einleitendes beispiel. man verwendet den positiven begriff wärme für die anwesenheit von energie, während der negative begriff kälte deren abwesenheit bedeutet. man muss wärme kennen, um über kälte zu sprechen. man könnte anstatt kälte auch unwärme sagen.

der lokalismus ist eine art zu leben, die örtlich gebunden ist. sie folgt unmittelbar aus der erkenntnis, dass sich orte wesentlich unterscheiden. ohne diese erkenntnis wird die bindung an einen ort sinnlos, was der lokalist als globalismus bezeichnet. der globalist selbst muss natürlich nichts über das unerkannte sagen, er lebt eben wie er lebt. das gerede von somewheres und anywheres muss ihm geradezu lächerlich vorkommen.

Niekisch

5. November 2021 18:25

"Der gemeinsame Nenner ist das weltweite Geldsystem."

@ heinrichbrueck 16:59:  Sehr richtig, aber Zensur, Selbstzensur und Selbstnomadisierung verbieten eine nähere Debatte darüber. Deswegen kommen wir auch nicht zu einem gemeinsamen Impetus und einem längst erforderlichen, intellektuell untermauerten  furor gemanicus. 

Monika

5. November 2021 20:49

@ Laurenz 4.11.22:54

betrifft: Halbleiter aus China 🇨🇳? Das ist Quatsch! China ist umgekehrt von Halbleitern aus dem Westen  ( USA, Japan, Korea, Taiwan) abhängig.Die Chinesen brauchen noch 10 Jahre, um Halbleiter der neuesten Technologie herstellen zu können. Gruß von meinem Mann. Der ist aus der Branche. Sie sehen, einer in unserer Familie ist normal . 😀

zeitschnur

5. November 2021 21:14

@ Gustav

Wenn viele Menschen demselben Wahn verfallen und gleichförmig handeln, greift die Welt in ihren Köpfen auf die Realität über. Es spielte für Hexenverbrennungen keine Rolle, ob es „wirklich“ Hexen gab, aber auch für die Errichtung des Kölner Doms nicht, ob es den ihm zu Ehren errichteten Gott tatsächlich gibt. Wenn nur eine hinreichende Masse an ein Hirngespinst glaubt und nach diesem Glauben handelt, wird ihr Handeln zur gesellschaftlichen Realität.

Naja - das sind ja mal Vergleiche, dagegen ist ja selbst noch Applebaum intellektuell anspruchsvoll.

Gott, Hexe, Cancel culture von rechts ... die freien Postulate der religiös Unmusikalischen. Übrigens: woher wissen Sie, dass das Geld auf Ihrem Konto real ist? Außer Münzen, Zahlen auf Kontoauszügen und Preisschildern oder bedruckten Papier-Lappen haben Sie auch nichts weiter vor Augen. Und "Macht" - haben Sie die schon mal wo gesehen? Vielleicht baut eine Masse von Idioten ja nur Marmorpaläste über fiktiven Zahlenkolonnen.

 

Laurenz

6. November 2021 04:02

@Monika & Kurativ @L.

Tja, meine beiden Mitforisten. Ich hätte das expliziter formulieren müssen, da gebe ich Ihnen Recht. Aber im Klugscheißen haben Sie es einfach weniger drauf, als ich. Und die Recherche ist nicht wirklich kompliziert.

Natürlich werden Halbleiter weltweit hergestellt. Die Lieferengpässe basieren einerseits auf der generellen aufwendigen & teuren Produktion, wie kurzlebigen Haltbarkeit, den Hafenschließungen durch Corona-Maßnahmen, den Spannungen zwischen China & den (Trump-) USA. Grundlegend für die Halbleiter-Industrie ist die Silizium-Produktion. Von den weltweit 8 Mio. Tonnen, werden 5 Mio. Tonnen in China hergestellt.

Es gibt viele Fachartikel im Netz, auch für Einkäufer & Investoren, welche die jeweilige Situation aus wessen Sicht beschreiben, darunter auch der ZVEI. Aber unser linksextremer Deutschlandfunk hat den für uns Normalsterbliche besten überschaubaren Artikel gebracht.

https://www.deutschlandfunk.de/lieferengpaesse-bei-halbleitern-die-macht-der-mikrochips.724.de.html?dram:article_id=492930

Der Artikel zeigt auch deutlich, wie die Wirtschaftspolitik im Westen geo-strategisch komplett versagt hat.

Das passiert, wenn Politiker nur bis zur Schwanzspitze denken & mittlerweile gibt es viele Politiker(innen), die noch nicht mal über dieses kurze Entfernungsmaß verfügen.

Das passiert, wenn die Wirtschaft der Politik diktiert & nicht umgekehrt.

zeitschnur

6. November 2021 11:13

@ CS Kommentar an L

Soll ich mal was verraten? Ich diskutiere nur deshalb lieber mit "Rechten", weil dort mehr freie Debattenkultur herrscht und das intellektuelle Niveau erheblich höher ist als auf der abgewirtschafteten Linken.

Lieber Laurenz, Machtzuwachs muss unterhalten werden, so wie ein wachsendes Vermögen. Man wird zu nichts anderem mehr kommen als der Machtsicherung. Ideen hat man natürlich keine, auch nicht wenn man behauptet, sie seien herrschend. Gerade das hat man ja nicht, weil man die Debatten fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. (Sie sind doch nicht etwa ein getarnter Linker, Lau, denk ich mit Entsetzen hach!).

Sehen Sie in die Landschaft: Wehe jemand hat eigene Gedanken, womöglich Ideen, fragt nach den puren Phänomen ohne "unhintergehbare" Krücken, sofort kommt die Panzerfaust der Macht.

Genießen Sie doch eine "Rechte", die wenigstens hier keine Denkverbote kennt, die noch weiß, wie man Diskurse führt und auf die Autorität, nicht die Macht (!), ihrer geistigen Präsenz vertraut. Macht wird unweigerlich untergehen, Autorität niemals.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.