Streß?

Deutschland wird immer gerechter, vielfältiger, toleranter sowieso und natürlich kunterbunter und diverser. Heißt es.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Mit­hin wer­den alle end­lich zufrie­de­ner sein. Hof­fen die Bestim­mer polit­mo­ra­li­scher Leitlinien.

Auf dem Weg in die­ses ver­ord­ne­te gesamt­ge­sell­schaft­li­che Glück wird es jedoch, so hat es den Anschein, immer, immer enger. Zeit­lich und räum­lich, also von der Fre­quenz der All­tags­tak­tung und vom Platz her. Das mag tech­no­lo­gisch bedingt sein. Ist es das, hat’s mit den Bedürf­nis­sen zu tun bzw. mit dem Ver­mö­gen oder Unver­mö­gen, die­se zu steuern.

Dazu hier ein­fa­che Beobachtungen:

Streß ist seit Jahr­zehn­ten ein sym­pto­ma­ti­sches Mode­wort. Und der Streß nimmt in der immer gerech­te­ren, immer viel­fäl­ti­ge­ren, immer tole­ran­te­ren und natür­lich kun­ter­bun­te­ren, diver­se­ren, von Mil­li­ar­den Men­schen geflu­te­ten Welt extrem zu. „Burn-out“ gehört zum Alltagswortschatz.

Wir sol­len uns begrei­fen als ein Deutsch­land, „in dem wir hier gut und gern leben“, aber: Alle so ausgebrannt!

Mut­maß­lich als Fol­ge eines Geset­zes gesell­schaft­li­cher Ent­wick­lung in Rich­tung höhe­rer, mensch­li­ches Maß über­stei­gen­der Dreh­zah­len, zunächst über Jahr­hun­der­te line­ar anwach­send, jetzt ins Expo­nen­ti­el­le über­ge­hend, wie offen­bar alles – die Tem­pe­ra­tur­er­hö­hung, das Arten­ster­ben, die bösen Viren.

Nicht nur das Wet­ter, nein, alle Sys­te­me lau­fen heiß. Die Digi­ta­li­sie­rung, von der man sich Heil und Segen ver­spricht, ver­hin­dert das nicht; im Gegen­teil, sie ver­stärkt es.

Inter­es­san­tes Phä­no­men: Gera­de die neu­en Medi­en und infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­ten­den Maschi­nen, die das Leben immer gefäl­li­ger und, ja, leich­ter machen sol­len, stei­gern die Ner­vo­si­tät und ver­stär­ken das Reiz­feld rund­um. Die tech­ni­sche Peri­phe­rie über­reizt das Ich, in Per­ma­nenz, so daß Rück­zug unmög­lich scheint und Besin­nung fehlt.

Dar­in liegt das Dilem­ma noch jeder Maschi­ne­rie. Sie wird ent­wi­ckelt, um das Leben ange­neh­mer zu gestal­ten, aber sie scheint sich nicht dar­auf zu beschrän­ken, nur ein Vehi­kel zu sein. Im Gegen­teil, sie schwingt sich zur Herr­schaft auf und regiert das Leben, indem sie ihm ihren Takt aufzwingt.

Alles rennt und drän­gelt. Die Leis­tungs­trä­ger machen Druck, sich selbst opti­mie­rend und dabei ihre Erfül­lungs­ge­hil­fen antrei­bend. Neu­er­dings immer so freund­lich im Sti­le von good gover­nan­ce der Unter­neh­mens­füh­rung – nicht mehr dis­kri­mi­nie­rend also, dafür aber psy­cho­lo­gisch, also mani­pu­la­tiv effi­zi­ent. Indem man als „abhän­gig Beschäf­tig­ter“ etwa das, was man leis­ten soll, „wahn­sin­nig inter­es­sant“ und „unge­heu­er span­nend“ fin­den muß.

Zwar wird nach wie vor befoh­len und aus­ge­beu­tet wie eh und je, aber man kön­ne sich ja wohl, so wird erwar­tet, glück­li­cher­wei­se damit iden­ti­fi­zie­ren, weil alles, die pri­va­te Wirt­schaft eben­so wie der sozia­lis­ti­sche öffent­li­che Dienst, einem bes­se­ren Deutsch­land die­ne, das „über alles in der Welt“ mit sei­nen Moral­vor­stel­lun­gen triumphiert.

Mag ja sogar sein, RWE zahlt bald Mil­lio­nen für ein aus Kli­ma­grün­den vom Glet­scher­was­ser bedroh­tes Dorf in den perua­ni­schen Anden. Schuld an irgend­was zu sein ver­steht sich gegen­wär­tig als poli­ti­sches Exis­ten­ti­al. Wenn RWE in Deutsch­land die Lich­ter bren­nen läßt, ist es gleich­zei­tig schuld am Schmel­zen der Anden­glet­scher und hat dafür zu zah­len und sich zu schämen.

Die also fit sind, die Bos­se wie die Ange­stell­ten, slim fit, ren­nen immer schnel­ler und beflei­ßi­gen sich leis­tungs­sport­lich der Bewäl­ti­gung stres­si­ger Abläu­fe. Alles ver­sucht dar­wi­nis­tisch mög­lichst top pla­ziert und gegen­über Frust resi­li­ent zu sein.

Selbst­be­herr­schung, um bes­ser durch­zu­kom­men, Renn­rad und Dau­er­jog­ging, Fit­neß­arm­band, Fit­neß-Apps, Schritt­zäh­ler, Kalo­rien­rech­ner, aller­lei Doping, Trai­ning des Leis­tungs­ver­mö­gens bis zur Mager­sucht. Wer fett ist, so gilt es als ver­ein­bart, hat die Gewalt über sein Leben ver­lo­ren. Auch dies ist – wie alles ande­re – Moral, Moral, Moral. Wei­ter ver­brau­chen, wei­ter die Bio­sphä­re ver­schlei­ßen, weil das in unse­rer eige­nen Natur liegt, aber gefäl­ligst alles mora­lisch. Auch Moral ver­ur­sacht Streß. Sie wächst sich offen­bar neu­er­lich in eine Dik­ta­tur des ver­meint­lich Tugend­haf­ten aus.

Ande­rer­seits scheint jedoch eine Art gesell­schaft­li­che Adi­po­si­tas immer mehr um sich zu grei­fen, als Kon­trast, als Gegen­sei­te zu den strom­li­ni­en­för­mi­gen und mul­ti­fit­ten, zu den gegel­ten und gelack­ten Typen in der Welt der Macher.

Wer nicht mehr mit­kommt und im Über­maß sei­ner Super­markt-Bela­den­heit kaum mehr die Trep­pen bis zur eige­nen Woh­nung hin­au­fäch­zen kann, der bedarf, so der hoch­ge­hal­te­ne Anspruch, der Hil­fe und För­de­rung, der Ali­men­tie­rung und der Nach­teils­aus­glei­che. Unse­re migran­ti­schen Freun­de, der Höl­le von Nah­ost oder Schwarz­afri­ka ent­ron­nen, ja sowieso.

Man unter­neh­me den Ver­such und tei­le die Pas­san­ten, die einem begeg­nen, in die­se zwei Grup­pen ein: A) Leis­tungs­trä­ger und deren angepaß­te Knapp­schaft, B) Leis­tungs­ver­brau­cher und deren Träg­heits­mo­men­te. Man kommt mit die­ser gro­ben Zuord­nung erst mal durch. Phy­sisch und psy­chisch Dege­ne­rier­te sor­gen immer­hin noch für Wachs­tum im medi­zi­nisch-phar­ma­ko­lo­gi­schen Kom­plex, der für sei­nen pri­va­ten Pro­fit die gesamt­ge­sell­schaft­lich auf­ge­brach­ten Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge ein­zieht. Die Logik eines Kli­nik- oder Kran­ken­haus-Unter­neh­mens erfüllt der Kran­ke, nicht der Gesunde.

Es scheint bald so, als wür­den die­se bei­de gro­ßen Grup­pen, die fit­ten Gewin­ner und die fet­ten Loser, inner­halb der Gesell­schafts­dy­na­mik kor­re­spon­die­ren: Dreh- und Träg­heits­mo­ment, Schwung und Schwung­mas­se, Beschleu­ni­gung und Dämpfung.

Herrscht in der Real­wirt­schaft bis hin­ab in den pre­kä­ren Dienst­leis­tungs­sek­tor der Aktio­nis­mus, so ruht, bezahlt vom Steu­er­auf­kom­men der Abar­bei­ten­den, der Büro­mensch im öffent­li­chen Sek­tor aus, noch behä­bi­ger der Abge­ord­ne­te oder der Ent­schei­dun­gen ver­ant­wor­ten­de Minis­ter, der – eben­so wie ande­rer­seits der Hartz-IV- oder Bür­ger­geld­an­wär­ter – an Trans­fer­zah­lun­gen emp­fängt, was dem „working poor“ am eini­ger­ma­ßen gesi­cher­ten Aus­kom­men fehlt.

Der herr­schen­den Enge ent­geht man allein durch bewuß­te Nicht­teil­ha­be, für die es Akte cou­ra­gier­ter Selbst­be­frei­ung bedarf. Anti­zy­klisch leben. Wenn ich etwa kein Auto benut­ze, ent­kom­me ich der Enge der Zufahrt­stra­ßen Rich­tung Stadt. Ich sur­re, weit­ge­hend allein und beschirmt von hohen Buchen, das See­ufer ent­lang. Atmen kön­nen! Gera­de in die­sen Coro­na-Zei­ten! Wenn Frei­heit über­haupt eine Bedeu­tung hat, dann viel­leicht hier.

Noch im Plat­ten­bau­be­zirk unter­wegs, muß ich mit dem Velo eine Stra­ßen­bahn­hal­te­stel­le schnei­den. Dort ste­hen Schü­ler, Migran­ten, zudem vie­le schwer beweg­li­che Men­schen, die, ihre Mas­ke artig auf­ge­schnallt, auf das Ein­tref­fen der Bahn war­ten, um sich in die Mas­ken­ge­mein­schafts­en­ge des Nah­ver­kehrs zu drängen.

Uner­träg­lich, die­se Enge, das Über­maß der Lei­ber, den­ke ich mir. Bedau­er­li­che Men­schen: geimpft, gene­sen, getes­tet, erkrankt, ver­mut­lich im Wech­sel. Bloß nicht mit­ma­chen, nur schnell weg. Aber wie lan­ge hält man eine so befrei­en­de Ver­ein­ze­lung durch?

Wider­stand – welch heh­res Wort! Wider­stän­dig ist man viel­leicht weni­ger in der Gegen­wehr als in der offen­si­ven Abkehr. Nicht mal Umkehr, wie sie Jesus ver­lang­te und wie sie im Als-ob von den gleich­falls zu Fir­men avan­cier­ten Kir­chen wohl noch ver­kün­det, aber doch kaum irgend­wo ver­stan­den wird. Wer kehrt denn wirk­lich sein Leben um?

Nein, sich ein­fach nur lei­se abzu­wen­den, das reicht schon. Mel­vil­les Bart­le­by: „I would pre­fer not to.“ So einer bricht das Sys­tem, wenn er sich nur selbst irgend­wie durch­zu­brin­gen versteht.

Die Initia­ti­on zum reak­tio­nä­ren Den­ken liegt in der ruhi­gen, also ver­zweif­lungs­frei­en Ein­sicht, daß alles Mensch­li­che letzt­lich ver­geb­lich und der Mensch selbst ver­wor­fen und ver­lo­ren ist. Sei­ne Schad­schöp­fung ist stets grö­ßer als die Wert­schöp­fung.  Schein­bar geht es immer um alles, eigent­lich jedoch um nichts.

Nur darf man die­se Tra­gik nicht bejam­mern, son­dern hat sie mit der Lie­be zum Men­schen zu tra­gen, gehört man doch selbst zur Gat­tung der Para­dies­ver­trie­be­nen, die mit ihrer Natur in der Natur kei­ne Hei­mat fin­den, und kann einer­seits das Wah­re, Gute und Schö­ne nur erfas­sen, wenn man ande­rer­seits gelas­sen in die Abgrün­de zu bli­cken vermag.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (43)

Gracchus

3. Dezember 2021 09:38

Wow. Spiegelt fast eins zu eins meine Wahrnehmung und mein Lebensgefühl wider. 

Es wird sich keiner erinnern, aber zum ersten Lockdown habe ich geschrieben, dass der nach meinem Gefühl herbeigesehnt wurde, um sich eine Ruhepause zu gönnen. Das Virus diente als Projektionsfläche. Dient es mmer noch. Man lese nur, welche Symptome Long Covid angedichtet werden. Angst und Enge hängen etymologisch zusammen. Die Massnahmen - die Impfpflicht voran - entspringen verengten Denken. Blockieren Erkenntnisse. 

An den Melville/Bartleby-Spruch habe ich neulich gedacht: Man sollte ihm dem impffreudigen Feuilleton, das Bartleby in den letzten Jahren rauf- und runterdekliniert hat (an Deleuze und Agamben anknüpfend) um die Ohren hauen.

Gotlandfahrer

3. Dezember 2021 09:43

1/5

Wenn sie in Dich hineinspritzen können

  • was sie wollen
  • wann sie wollen
  • und so oft sie wollen

können sie ALLES mit Dir machen.  Denn wenn Du Dich nicht einmal mehr dagegen wehrst, bist Du ohnmächtig. 

Wenn sie sagen, Deine Ohnmacht macht Dich glücklich, ist das teuflisch.

„Die Chefetagen sind voller Psychopathen. Vorgesetzte, die ihren Mitarbeitern das Leben zur Hölle machen. Führungskräfte, die alle anderen für Underperformer halten. Narzisstische Persönlichkeiten nennen Psychologen diese Art von Menschen. Narzissten sind selbstgefällig, arrogant und dominant. Außerdem sind sie häufig eloquent und witzig und ziehen sich gern gut an. Und es gibt von ihnen ganz besonders viele in Führungspositionen. Das ist keine Küchentisch-Psychologie, sondern in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen.“

Gotlandfahrer

3. Dezember 2021 09:44

2/5

Nur „ziehen sich gern gut an“ stimmt nicht bei jeder.

Sie sagen es uns seit Jahren:

https://www.spiegel.de/karriere/narzissten-machen-schneller-karriere-a-945254.html

Fast a.a.O.:

„Sie sind charmant und überzeugend, angstfrei und manipulativ: Oft kommen Psychopathen weit in der Karriere - und doch nie ans Ziel. Ihre innere Leere bleibt, ihre Unternehmen ruinieren sie.“

https://www.spiegel.de/karriere/fuehrungskraefte-heiner-thorborg-ueber-psychopathen-chefs-a-1001377.html

Gotlandfahrer

3. Dezember 2021 09:45

3/5

Nach Jahrzehnten des „Friedens“ hat sich eine Psychopathendichte in den Führungskreisen herausselektiert, die – ob nun der Freimaurer Moloch dahinter steckt oder nicht –ins infernalische gekippt ist. 

Warum sagt die Masse nicht einfach Stopp, wo obiges doch jedem aus der Lebenserfahrung klar ist?

„Wir“, mit unseren Gärten oder Balkonen, die vom allgemeinen Geschehen Empörten und zunehmend entweder Verzweifelten oder auf das Wendewunder Hoffenden, gehen von der falschen Voraussetzung aus, dass der Wille des Einzelnen zwar manipulierbar und in die Gruppe eingebettet, also nicht vollständig frei sondern machtbestimmt, aber am Ende doch irgendwie – als Ausdruck des Menschseins – in unterschiedlichen Ausprägungen minimalvernünftig sei.  Das man also zum Beispiel in Fragen der Impfpflicht mittels rechtlicher oder sonstiger Argumente „verhandeln“ könnte, gerade auch mit Klugen oder Gebildeten. Tatsächlich ist unser Wesen aber ausschließlich von Angstbewältigung getrieben, da wir in einer Umwelt leben, die wir nicht beherrschen.   Angst entsteht immer, wenn unsere Ahnung, was als nächstes geschieht, unsicher wird.

RMH

3. Dezember 2021 09:46

Bisher hat es vermutlich fast jede Gesellschaft in der Geschichte Europas geschafft, dass der Tod auch und vor allem als Erlösung angesehen und damit letztlich akzeptiert werden konnte. Niedertracht und hartnäckige Boshaftigkeit sind am Ende doch die Hauptmerkmale der meisten Menschen.

Warum sollte es heute anders sein?

Warum wollen fast alle mehr als das berühmte "Butterbrot vom Leben" (F. Biberkopf, Döblin, Berlin Alexanderplatz)?

Über allem liegt der Mehltau der Depression - und Burn Out ist in den meisten Fällen eigentlich ein Boreout.

Gotlandfahrer

3. Dezember 2021 09:46

4/5

So ein Moment stellt uns vor ein unlösbares Problem: Wir wissen nur, dass wir nicht das wissen, was wir wissen wollen, nämlich: Was soll ich tun, um keinen Schaden zu erleiden?  Da es jetzt keine Erfahrung gibt, auf die wir mit sicherem Gefühl zurückgreifen können, greifen wir auf die bestmögliche Erfahrung zurück, und das ist die, die uns am vertrautesten erscheint.  Da wir Gruppenwesen sind, ist die beste Erfahrung, die wir haben, die, zu schauen, was die anderen tun und es auch zu tun.  Denn zusammen einen Fehler zu begehen ist immer noch besser, als es als Außenseiter anders zu versuchen, selbst wenn es richtig wäre, was wir ja aber noch nicht wissen.  Was tut nun eine Gruppe, in der die höheren (psychopathischen) Hierarchien sagen, dass die Gruppe jetzt Angst hat und sie deswegen auch tatsächlich Angst hat? Sie konvergiert innerlich zu größtmöglicher Homogenität, da dies das größte Sicherheitsgefühl produziert.  Die Gruppe intensiviert dabei eine gemeinsame Idee, die immer auch eine Idee der Gruppe von sich selbst ist, sonst fügte sie sich dadurch nicht zusammen.  Ideen von sich selbst drücken sich selbst als Idee aus, sie sind notwendigerweise also selbstbezüglich, auch und obwohl damit eine Abgrenzung zum „Nicht“ der Idee, also zum anderen, zur Nicht-Gruppe, zur Nicht-Sicherheit einhergeht.  Die Gruppe gehorcht nur noch dieser Idee, ein offener Diskurs ist nicht mehr möglich. 

Gotlandfahrer

3. Dezember 2021 09:48

5/5

Die entscheidende Frage ist also eher, warum es Menschen wie uns gibt, die nicht Teil dessen werden.  Zum einen, weil mit zunehmender innerer Konvergenz der Gruppe immer wieder ein abzuscheidendes „Nicht“ erzeugt wird, zunehmender Extremismus, Entledigung der Trotzkisten.  Dieses „Nicht“ sind wir, die im Anfangsstadium der anlaufenden Homöostase bereits auf andere Erfahrungen zur Angstbewältigung zurückgreifen konnten, z.B. die, dass man denen „da oben“ nicht glauben muss, wenn sie sagen, wir hätten jetzt Angst.  Wir fühlen irgendwann, ob uns ein Psychopath gegenübersteht.

An dieser initialen Andersartigkeit entwickelte sich, wie die Raumstruktur anhand minimaler Dichteschwankungen zu Beginn der Zeit, die ideelle Dichotomie. Hoffnung macht, dass die galoppierend extremistische Selbstzuspitzung zunehmend „ausgeschwitzte“ Gruppenmitglieder von Gegenüber an unseren Strand spült.  So einen Precht zum Beispiel.  Im Gegenzug geraten durch den Zirkus, dem wir räumlich bedingt leider mitausgesetzt sind, hiesige Mitstreiter, die ihr Heil in Struktur fühlen, wie ein Weißmann, in den Sog der sich anbahnenden Singularität, denn Extremismus lässt immer auch den psychopathischen Sirenenklang von Ordnung anschwellen.  Den Prozess innerhalb der Gegenübergruppe werden wir selbst nicht beeinflussen können. 

Gotlandfahrer

3. Dezember 2021 09:49

6/5 (als Überhang, da die Zeichentrunkierung im Webformular nicht funktioniert, selbst 1.200 Zeichen werden oft als mit über 1.500 zu groß abgelehnt)

Dort wird jetzt das Kool-Aid angerührt (ich verweise immer gern zur Anschauung auf das Jonestown-Massaker, wir finden dort die gesamte Programmanlage einer Führung, die keinen anderen Sinn als sich selbst kennt). Was wir nur können, ist, aus gesicherter Deckung, den Mitgerissenen den Ausgang zum Strand sichtbar halten.  Die Jim Jones der westlichen Welt können nicht anders, als ihr Ding jetzt durchziehen.   

Schobbepetzer

3. Dezember 2021 09:56

Viele Texte von Autoren hier bei Sezession finde ich sehr interessant, lehrreich und erhellend, alleine dafür lohnt sich die Lektüre hier.

Aber Ihre Texte, Herr Bosselmann, treffen mich wirklich ins Herz, sie spiegeln mein Innerstes und meine Gedanken. Respekt und Danke!

Gotlandfahrer

3. Dezember 2021 10:09

Der noch:

Bei Menschen mit einer REM-Schlafstörung ist dieser Schutzmechanismus gegen Verletzungen gestört. Die Muskelerschlaffung ist im Schlaf aufgehoben. Gleichzeitig kommt es zu aggressiven, oft gewalttätigen Trauminhalten. Die Patienten treten und schlagen um sich, um sich gegen Personen und Kreaturen im Traum zu verteidigen. Oft attackieren sie aus dem Schlaf heraus den Bettpartner, verletzen sich selbst durch einen Sturz aus dem Bett oder schlagen gegen die Bettkante.

So in etwa zu finden hier:

https://www.bild.de/news/inland/news-inland/impf-skepsis-warum-viele-migranten-auf-intensivstationen-liegen-78353076.bild.html

Nordlicht

3. Dezember 2021 10:11

Ja nun: Streß. Eine nette Betrachtung. Was mich zur Verzweifelung gebracht hat, war folgende Meldung:

"Keine Privat-Feiern mehr mit Ungeimpften

Ministerpräsidentenkonferenz beschloss neue Kontakt- und andere Verbote.

Trotz ernster Lage foppten sich die Kanzlerin und ihr Vize bei der Frage, ob Kontaktverbote für Ungeimpfte auch bei Trauer- und Abschiedsfeiern gelten sollen."

 

Dazu die Verbote für Nicht-Gengeimpfte ("2G"),  nicht mehr einkaufen zu dürfen, das Kind nicht zum Einlaufen begleiten zu dürfen - und die zukünftige Entwicklung ohnmächtig hinnehmen zu müssen. Der Rechtsstaat wurde in die Tonne gekloppt und die Mehrheit findet das auch richtig. Wer gedacht hat, die FDP sei eine letzte Barriere, hat seine Quittung. (Ich habe es nicht gedacht.)

Verzeihung, aber über Streß kann ich im Moment keine feinsinnigen Texte lesen.

 

Maiordomus

3. Dezember 2021 10:48

Mit dem Auto kommt man zwar oft schwerlich in die Innenstadt, kann aber der Stadt entfliehen und sich ohne grosse Fussmärsche einsamen Orten  nähern, zum Beispiel Feldkapellen. Ausserdem jede Menge Literatur mit sich führen, für volkskundliche, historische Recherchen hilfreich, zu schweigen für Religiöse, welche offizielle Gottesdienste meiden; abgelegene Übernachtungsstätten sind näher zu erreichen; und man kann sich an weniger kontrollierten Orten mit Gleichgesinnten oder interessanten nicht Gleichgesinnten treffen. Ohne Auto hätte ich für historische und volkskundliche Landschaftserkundungen und das Aufsuchen spezieller Persönlichkeiten eine gesunde Lebenszeit von über 100 Jahren benötigt. Und wenn man in einer Fachbibliothek gegen 100 Bücher ausleiht, spezielle Antiquariate leerkauft, zeigt sich das Gefährt sogar für die Stadt nützlich, obwohl abgelegenere Gebiete für solche Kauftouren oft noch mehr bringen. Dazu sind Autofahrer von den Corona-Massnahmen-Schikanen zum Teil weniger betroffen, erst noch vor Gefahren des OeV gesichert.

Maiordomus

3. Dezember 2021 12:21

PS. Heilige Orte, Stätten und Plätze, ehemalige Einsiedeleien, Gehöfte, wohin Menschen sich zurückgezogen haben, allerlei Naturwunder sind nicht dazu da, um mit dem Auto gleich "dranzufahren". Es gebührt sich, Abstände einzuhalten und mindestens ein Stück weit zu Fuss zu gehen. Oftmals ist Spezialkarte notwendig, ferner Waldbefahrungsbewilligung oder Sonderbewilligung bei Hinweis auf geplante Publikation oder Exkursionserkundung für z.B. Gruppe von Alten.. . 

Eine altledige Bekannte von mir, Buchautorin, welche vierstellige Zahl einschlägiger Plätze und Orte im Juragebirge aufsuchte und über tausend Volkserzählungen und Sagen von "native speakers" persönlich abgehört hat und aufgeschrieben wie seinerzeit die Brüder Grimm musste zu ihrem Leidwesen unfallfrei mit 97 Jahren ihren Ausweis abgeben und starb mit 99 in dieser Hinsicht fast etwas erbittert. Sie machte ihre unvergleichliche Erkundungsarbeit nebenberuflich, echt unbezahlbar. 

ernstjaeger

3. Dezember 2021 12:31

Ich war bis 30 Atheist, blickte in den Abgrund u. erhängte mich mit Anfang 20. Nietzsche u. Spengler waren psychisch kaputte Menschen, dies Leben haßten. Das muß man klar ins Auge faßen.

Das ist der Atheisten Problem, daß sie Moral ja gar nicht setzen können. Dann wäre auch der Klimafimmel vom Tisch, denn Gott läßt die Sonne aufgehen über die Gerechten wie Ungerechten.

Es sind eher Dekadenzerscheinungen einer geld-, sex- und selbstsüchtigen Gesellschaft, die den Tod verdient hat.

Wie der Reaktionär Gómez Dávila schrieb:

„Der Grund der modernen Krankheit ist die Überzeugung, daß der Mensch sich selbst heilen kann.“
„Der Atheist ist respektabel solange er nicht lehrt, daß die Menschenwürde das Fundament der Ethik und die Menschenliebe die wahre Religion ist.“
„Der Mensch ist Geschöpf oder Gott.
Die Alternative ist abrupt und die Wahl unumgänglich. Alles was wir denken fällt unter eine der zwei Kategorien.“
„Die Wichtigkeit, die es dem Menschen beimißt, ist das Rätsel des Christentums.“
„Gott verlangt nicht unsere ‚Mitarbeit‘, sondern unsere Demut.“
„Wenn man nicht an Gott glaubt, ist die einzig ehrliche Alternative der vulgäre Utilitarismus.
Der Rest ist Rhetorik.“

PPS: Meine Großeltern waren alle fett (mit Ausnahme des Großvaters väterlicherseits). Meine Eltern wurden später dick, ich war der Dickwanst der Klasse, auf einer Multikulti-Schule, der besonders von Fremden ordentlich aufs Maul bekam. Genetics is destiny.

Allnichts

3. Dezember 2021 12:41

1/2

Subjekte haben allgemeine Anlagen in bestimmten, individuellen Ausprägungen und leben damit in Umgebungen mit bestimmten Gegebenheiten und Standards. Man könnte sagen, dass Menschen eigentlich an eine andere Umgebung angepasst sind, und dennoch schaffen sie es insgesamt sehr gut, sich auf die von ihnen selbst erschaffene hohe und immer weiter erhöhende Taktung und Informationsdichte einzustellen. Es stimmt, dass Tempo und Reizflut zugenommen haben, nur eine breite Hektik und Überflutung sehe ich nicht. Die Toleranzgrenze erhöht sich beständig, der Wunsch nach mehr, was zum Teil der eigenen Erlebniswelt gemacht werden kann, ist weitverbreitet. Stress ist eben nur für den Stress, der diesen Stress empfindet, er ist nicht an eine bestimmte Dynamik an sich gekoppelt, sondern ans Spannungsverhältnis zwischen Subjekt und Situation.

Auf absehbare Zeit werden diejenigen Vorteile und eher wenig Stress haben, welche immer stärker anwachsende Informationensmengen effizienter verarbeiten und als nützlich erkannte Informationen schneller umsetzen können oder über jene Mittel verfügen, welche dies für sie bewerkstelligen, und welche ganz allgemein den anziehenden Rhythmus mitgehen können und auch wollen. Den Impuls, sich davon abkehren zu wollen, kann ich durchaus nachvollziehen, ihm im grösseren Rahmen nachzugehen führt mittelfristig allerdings mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit zur Verabschiedung aus dem Genpool und aus der Geschichte. Die Leute adaptieren und "optimieren" sich nicht ohne Grund.

Allnichts

3. Dezember 2021 13:12

2/2

In ein paar Milliarden Jahren wird die Sonne vermutlich die Erde verschlingen, doch selbst wenn nicht: In ein paar Jahrzehnten werden wir alle tot sein. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Existenz der Menschheit irgendwann an absolut nichts noch erkennbar sein wird. Es ist spekulativ, davon auszugehen, dass irgendetwas von dem, was wir hier machen, einen längerfristigen Sinn und Nutzen, überhaupt eine längerfristige Wirkung hat. Im Grunde ist es sogar unwahrscheinlich, dass wir sicherstellen können, was wir hier eigentlich genau tun, warum und wo wir dies tun, da unsere Informationslage offensichtlich derart schlecht ist, dass jede Erklärung und jede Beurteilung wahrscheinlich unzutreffend und von einer höheren Informationsebene aus betrachtet unzureichend ist. Eigentlich genug Gründe, nicht mitzumachen, wenn alles dagegenspricht, mitzumachen.

Und doch sind wir am Ende nun einmal Menschen in der bestimmten Situation, in der wir jeweils eben sind, in der wir sind, wie wir sind, und in der wir mit dem umgehen müssen, was sich uns eben zeigt. Jeder hat zumindest eine grobe Vorstellung davon, wie die Welt oder wenigstens die nähere Umgebung aussehen soll, jeder hat Interessen, oftmals auch weitergehende, politische Vorstellungen, und dabei ist es erst einmal gleich, ob alles ohnehin nur vorläufig und dem Untergang geweiht ist. Sie sollen verwirklicht sein und da ist Abkehr selten dienlich.

RMH

3. Dezember 2021 13:15

"Nietzsche u. Spengler waren psychisch kaputte Menschen, dies Leben haßten. Das muß man klar ins Auge faßen."

@ej,

Nietzsche doch nicht!

"Also will es die Art edler Seelen: sie wollen
Nichts umsonst haben, am wenigsten das Leben.

Wer vom Pöbel ist, der will umsonst leben; wir
Anderen aber, denen das Leben sich gab, — wir
sinnen immer darüber, was wir am besten dagegen
geben!"
(Nietzsche, also sprach Zarathustra)

Allnichts

3. Dezember 2021 13:33

2+/2+

Ich bin also eher dafür, sich umfassend betrachtet nicht von der Welt abzuwenden, sondern sich ihr zuzuwenden, sich an ihre Bedingungen anzupassen und sich ihrer Mittel zu bedienen, um sie im eigenen Sinne zu gestalten und zu übernehmen. Die zunehmende Umtriebigkeit und Komplexität des menschlichen Geschehens müssen genutzt, nicht vermieden werden.

Gustav Grambauer

3. Dezember 2021 13:41

I

Der Salatblattabwieger ist in Deutschland doch kaum anzutreffen, er macht doch höchstens 0,1 % aus. Den trifft man grassierend in London, wo es im Interesse der Sekundenschinder bei Strafe verboten ist, die Überholgasse rechts auf der Rolltreppe zu blockieren. In Deutschland macht mir größere Sorge derjenige Mänätschertypus, den ich für mich den "KdF-Typus" nenne; er ist die Mischform aus Herrn Bosselmanns beiden Typen.

Halte es wie Klonovsky, der mal gesagt hat, daß er bei Bahnfahrten die anderen Fahrgäste für sich in drei Gruppen einteilt: 1.) Störende (die allermeisten ...) sowie 2.) Interessante mit den beiden Untergruppen a.) schöne Frauen und b.) Studienexemplare.

Wir pendeln ja viel mit der Bahn zwischen Zürich und Berlin hin und her, und ab Wolfsburg erleben wir immer Sternstunden der Kabinettstudie. Da steigt der Typus KdF in der Meute zu: die letzte Betriebsfete in der Teppichetage der Hermann-Göring-Werke noch in den Gesichtszügen eingeschrieben, billiger schlechtsitzender Anzug und billige ungepflegte Schuhe, Rollköfferchen vom Schnäppchenmarkt breitet er sogleich die mittlere Armlehne blockierend den sehr ins Persönliche gehenden Abteilungstratsch (der XY hat doch gestern, habt ihr schon gehört: der YZ ...) laut vor dem ganzen Abteil aus, wobei das sprachliche Ausdrucksvermögen von Trivialanglismen und von Floskeln wie "Wahnsinn", "wie geilo is dat denn" oder "hammermäßig" gestützt werden muß.

Gustav Grambauer

3. Dezember 2021 13:42

II

Weiß schon, warum ich - bei aller Liebe zu Autos - nie ein deutsches und erst recht nie einen Volkswagen fahren werde!

Es gibt eine ganze Vielzahl von Mänätscher-Typen, zum Beispiel hier in Zürcher Gefilden (Banken ...) haben wir das Vergnügen mit dem Fashionspießer, der in der Schweizerdeutschen Variante ausgreifend Denglisch spricht und möglichst oft einstreut, daß er ein USA-Kenner ist, wobei er einen immer möglichst scharf mit "U-ESSSSSSA" (also mit Betonung auf dem E!) anzischt.

Die Hasenkinder ...

Hasenkinder sind auch diejenigen am hintersten Ende der Futtertröge der Globalisierungsverlierer. Habe es nicht gern, Entschuldigung bitte, daß ich das sagen muß, daß auf denen herumgetrampelt wird, auch wenn sie sofern sie degerneriert sind, dafür selbstverständlich großteils selbst verantwortlich sind. Habe neulich instinktiv, war davon selbst etwas überrascht, mit besonderer Höflichkeit einem ungepflegten 200-Pfünder mit vollen Freßtüten die Tür aufgehalten, mit dem Gedanken: der hat`s im Leben nicht so gut angetroffen wie ich ...

- G. G.

Gracchus

3. Dezember 2021 14:19

@Allnichts

Sind Sie Student?

zu 1/2: Natürlich erhöht sich die Toleranzschwelle. Was ich beobachte: Die Qualität leidet unter der Beschleunigung. Die öffentlichen Diskussionen sind auf einem erbarmungswürdigen Niveau. Es zählt Masse statt Klasse. Selbstoptimierung - wer definiert das Optimum? Das, was als Optimum definiert wird, entspringt kontingenten sozialen Vorstellungen. Es ist eher so, dass westliche Industrienationen sich aus dem  "Genpool" verabschieden. M. a. W.: Unsere sehr einseitige Lebens- und Optimierungsweise könnte sich als evolutionäre Sackgasse entpuppen. 

Waldgaenger aus Schwaben

3. Dezember 2021 15:36

Weltschmerz, Weltflucht, Leiden in der und an der Zeit. Immer hat es das gegeben, selten ist Großes oder auch nur Beständiges daraus geboren. Der Autor hat sie für unsere gegenwärtige Lage formuliert und findet hier im Kommentariat Zustimmung.

Rätselhaft sind mir die letzten beiden Absätze, die sich um die schwermütige Botschaft

"der Mensch selbst [ist]verworfen und verloren" ranken.

Verworfen und verloren sind aus dem Christentum kommende Zuschreibungen der menschlichen Natur. Doch immer tönt dort die Hoffnung auf Erlösung noch aus dem tiefsten Leiden. Jesus der am Kreuz zu Gott rief "Warum hast du mich verlassen?" rahmt diesen Schrei noch in die Hoffnung auf Auferstehung ein.

Ich weiß nicht, ob der Autor mit der Anlehnung an christliche Begriffe diese Hoffnung auf einen Ostermorgen mitschwingen lassen will, oder beim heroischen Nihilismus stehen bleiben will. Vielleicht weiß er es selbst auch nicht.

 

Laurenz

3. Dezember 2021 16:20

"Leistungsverbraucher und deren Trägheitsmomente."

Nur, wenn die absolute Mehrheit dieser Spezies angehört, bekommen wir Veränderung. Solange zu viele bei den

"Leistungsträgern & derer angepaßter Knappschaft" 

mitmachen, ändert sich nichts. Es ist nichts gegen das Unternehmertum, wie Antaios zu sagen. Aber solange man Steuern zahlt, trägt man dieses System.

@ErnstJäger

Nietzsche hatte Syphilis. Davor rettete einen auch Gott nicht.

Sie verengen, typisch für das SiN-Forum & andere, theologisch die Auswahl an Optionen, nur Gott & die Atheisten, ein.

Als ob es keine anderen Optionen gäbe. Das ist eine systemische Lüge.

Auf Politik übertragen, wird man damit zu einem links-liberalen System-Büttel der Einheitsfront. Die machen das mit Debatten & den jeweiligen Optionen nämlich genau oder besser nur so.

Gustav

3. Dezember 2021 16:27

@ Allnichts

"....und da ist Abkehr selten dienlich."

Willkommen an Bord!

....und gemeinsam fahren alle, mit aufrührerischem Geschrei, auf dem geräumigen Schiff ohne Kapitän die schmutzigen Stromschnellen des großen Flußes hinab, mit schrecklichem und jähzornigem Jauchzen wie eine meuternde Besatzung. Und sie wissen nicht, wohin sie fahren, noch woher sie kommen, noch wie das Schiff heißt, das sie trägt, noch welcher Wind sie voranstößt. Wenn sich von Zeit zu Zeit eine düstere, prophetische Stimme erhebt und ruft: "Wehe den Schiffern! Wehe dem Schiff", so hält das Schiff doch nicht an, noch hören die Schiffer zu; und die Wirbelstürme rasen heftiger und das Schiff beginnt, in den Spanten zu ächzen, und weiter gehen die unzüchtigen Tänze und die üppigen Gelage, die Salven irren Gelächters und das wahnsinnige Lärmen, bis, in einem feierlichsten Augenblick, dies alles plötzlich endet: die üppigen Gelage, die Salven irren Gelächters, das Ächzen des Schiffes und das Heulen der Wirbelstürme. Über all das breiten sich die Wasser, und die Stille ist über den Wassern, und Gottes Zorn ist über den stillen Wassern. (Juan Donoso Cortes)

Gotlandfahrer

3. Dezember 2021 17:08

Zum Feierabendbier noch etwas Erhellendes, gerade weil es dunkel ist:

https://www.youtube.com/watch?v=sFKYA8EdZyI

Hätte es mir bis vor kurzem nicht vorstellen können, aber wenn das nicht eine satanische Messe ist weiß ich auch nicht mehr. 

Lacht sie aus, sie zerfallen dann einfach zu Staub.

Laurenz

3. Dezember 2021 17:12

(Normalerweise interessiert mich Fußball nicht, wegen panem et circenses..... aber)

Der letzte & jüngste Deutsche Weltmeister von 1954, Herr Horst Eckel, ist abgetreten zur Großen Armee.

https://www.spiegel.de/sport/fussball/nachruf-auf-horst-eckel-der-letzte-weltmeister-der-54er-elf-a-2ac92451-15db-4e90-a94b-666d90f7545c

Zur Erinnerung in lautem Gedenken:

Das Wunder von Bern

https://youtu.be/pB9t9DQyEZo

Maiordomus

3. Dezember 2021 18:13

@Laurenz u. Jäger. Nicht gerade eine Philologendebatte, für mich aber wegen einer bestimmten Jugenderinnerung anregend. Mit 11 oder 12 Jahren hörte ich noch, es wimmelte damals von Geistlichen, von einem sprachgewaltigen Barockprediger eine Predigt gegen die Gottlosigkeit. Unbeschadet von Heideggers und auch Rahners Deutung musste Nietzsche als das "böse Beispiel" hinhalten, ich höre dank dieser Predigt den Namen zum ersten Mal sozusagen staunend und mit offenem Munde. Unvergesslich bleibt für mich das Einfahren der Predigt in die Zielgerade. Daran, lieber Laurenz, erinnern Sie mit Ihrem Einwurf an die Adresse von Jäger. Der für mich unvergesslichste Predigtsatz meiner Kindheit lautete: "Und am Ende starb der arme Teufel an der Syphilis!" Sie sehen nun, warum ich ab 14 Jahren Nietzsche-Leser wurde, später sogar meine erfolgreiche Diplomlekion zum Thema hielt; "Wie deutet Heidegger Nietzsches Wort 'Gott ist tot'?" Und natürlich publizierte ich dann auch noch über das Syphilisverständnis eines berühmten deutschen Arztes. Beim Besuch des Nietzsche Grabes in Röcken b. Lutzen fielen mir vor ein paar Jahren, Ersatz für Barockprediger, "antifaschistische" Warnungen auf-

Nordlicht

3. Dezember 2021 18:56

"Überall ein Rennen, Jagen nur nach Mammon, schnödem Geld;
jeder möcht die erste Geige spielen in der Welt.
Hastges Treiben, hastge Miene, wildes Wogen und Getöse.
Und der Mensch wird zur Maschine, und der zweite wird nervös.

Aus einem Kommesrsbuch von 1895, Ernst Jüngers Geburtsjahr.

Zitiert in der Ernst-Jünger-Biographie von Helmuth Kiesel.

Ausguck

3. Dezember 2021 22:10

@ Gracchus:

Ja, "Wow!" So sehe ich Herrn Bosselmanns Artikel auch. Großartig! "Antizyklisch leben," sagt er, und wie recht er hat! In meinem Umfeld gelingt dies ebenfalls noch einigermaßen, aber die Einschläge kommen hier ebenfalls näher. Mal sehen, wie lange wir die Stellung noch halten können.

Mir fallen in diesem Zusammenhang immer öfter Joachim Fernaus Worte ein:

"Was halten wir in den Händen? Scherben. Es ist alles kaputt, was uns die Ewigkeit fühlen ließ, alles, was das Rasen der Uhr aufhielt und uns ahnen ließ, nicht verloren in der Vergänglichkeit zu sein. Die Stille in uns ist vernichtet; wir flüchten vor ihr, wir werden krank in ihr, wir laufen und fahren und lärmen und fliehen. Unser Leben ist eine einzige große Angst und Besorgnis geworden..."

Dennoch, zur Not pflanzen wir halt noch ein Apfelbäumchen. 

 

Eo

4. Dezember 2021 00:23

Jaja, Streß und dazu
das hohe Tempo, mit dem der Fortschritt vorangetrieben wird, trifft gut die Befindlichkeit der Zeit, die aus jeder natürlichen Ordnung gefallen ist und im permanenten Wandel ihr Heil oder auch eigentliches Ziel sieht, aber nur Verwirrung schafft, so ziemlich alles durcheinander wirbelt und nun so langsam an den eigenen Widersprüchen zerbricht und an den großen, stetig angehäuften Problemen  erstickt bzw. von diesen zusehends erdrückt wird.

Aber Hauptsache, man hält sich fit. So jedenfalls die Losung all jener, die die Erlösung in der exzessiven Bewegung, also im Laufen bis zur Erschöpfung suchen und zu finden hoffen ...  Zur Sinnleere der Zeit hier der Verweis auf Ersatzreligion Marathon.

Laurenz

4. Dezember 2021 00:56

@Maiordomus @L. & ErnstJäger

"Nietzsche"

Wenn Sie mal keine Lust haben, zu lesen, aber unterhalten werden wollen, schauen Sie Sich doch die ARTE-Doku zu/über Nietzsche an. Die ist zwar sicherlich nicht für Intellektuelle wie Sie gemacht, sondern eher für Leute wie mich, bietet aber vielleicht doch dieses oder jenes an, was für Sie interessant, überdenkens- oder wissenswert sein könnte.

https://youtu.be/izMsClefo-I

Franz Bettinger

4. Dezember 2021 01:45

Mit einer gewissen perversen Befriedigung sehe ich die rasant fortschreitende Verschlechterung aller Lebensumstände und den Verlust unserer Freiheiten; sehe ich deep state auf dem Vormarsch im Bewusstsein, dass mich der ganze Scheiß erst am Ende treffen und erlegen wird, lang nach den System-Mitläufern, deren Leiden und dummes Erstaunen mich amüsieren und etwas trösten wird. Die Gnade der späten Geburt & eines reichen Lebens. Verzeiht. 

Adler und Drache

4. Dezember 2021 08:51

Gotlandfahrer:

 

Mit Ihrem Link komme ich zu einem Tanzvideo, nicht zu einer satanischen Messe. 

Monika

4. Dezember 2021 09:58

Wie immer ein besinnlicher Text. Eine gelungene Sonntagspredigt. Jetzt stehen die Menschen vor dem Kirchenportal und plaudern noch etwas. „Nietzsche starb an Syphilis“. Na sowas aber. Ein Beitrag zur Medizingeschichte: Das neue Ehrlich‘sche Syphilisheilmittel wurde erst 1910 unter der geschützten Marke Salvarsan in den Handel gebracht.Heilend war es , aber hochgiftig. Es wurde in Magdeburg getestet. Seine Einführung liest sich wie eine Blaupause des heutigen Kampfes um einen Corona-Impfstoff. Hochspannend. Und zum Stress und zur Selbstoptimierung ein Zitat von Cicero: „Suche nicht andere, sondern dich selbst zu übertreffen“. Das steht im „Header“ über Björn Höckes Twitteracount und zeigt ihn, wie er die Wanderschuhe schnürt. Maiordomus’ Autotouren zu abgelegenen magischen Orten spricht mich da mehr an. Auch mir macht es riesige Freude, solche Orte zu suchen und zu finden. @ Franz Bettinger 1:45 ich verzeihe eine solche Einstellung des „Schwanengesanges“. Nur sollte sie nicht Resultat einer „gewissen perversen Befriedigung“ sein, sondern leichter und dankbarer , demütiger gegründet sein. Verzeihen Sie.

Einen besinnlichen 2. Advent. Danke an Herrn Bosselmann für die schönen Worte. Das erspart den Kirchgang bei 2G.

Maiordomus

4. Dezember 2021 12:30

@Monika. Betrifft nicht nur Sie, die Sie gewiss vielfach ähnliche Erkundungen vorgenommen haben betr. solche "Orte und Plätze". Für mich in Thüringen noch beeindruckend die Gegend um Tambach-Dietharz, Urheimat von Meister Eckhart, wobei von vermuteter Stammburg nur wenige Reste übrig sind, nur lohnend, mit Lektürebegleitung das Unsichtbare zu geniessen; ferner gibt's in Hochheim unweit Gotha eine ältere ev. Kirche mit genialem Eckhart-Glasfenster, war für mich eine Reise wert. selbst auch der Friedhof gleich daneben. Ausserdem gäbe es in Schlesien rund um die Spuren nicht nur der heiligen Hedwig im Vergleich zu Deutschland und erst recht im Vergleich zu der längst zu stark überbauten Schweiz für unsereinen viel zu entdecken. Darüber orientiere man sich bei Will Erich Peuckert, der über das Proletariat mehr Konkretes wusste als Marx u. Engels eine vor Jahresfrist verstorbene Freundin, Lehrerin in der Schweiz, 1945 mit ihrem Vater, ehem. Zentrumsabgeordneten, als Gymnasiastin aus Schlesien vertrieben, für mich noch als begnadete Erzählerin erlebbar. (Der Vater, Arzt, wurde 1933 aus der Politik ausgebootet.)

Laurenz

4. Dezember 2021 15:55

@Maiordomus & Monika

"Berühmte Syphilis-Tote"

Das schreibt die Welt darüber.

https://www.welt.de/gesundheit/gallery108391146/Prominente-Syphilis-Opfer.html#:~:text=Von%20den%20Literaten%20wurde%20der,Wilde%20als%20Syphilis%2DOpfer%20bekannt.&text=Auch%20der%20franz%C3%B6sische%20Dichter%20Charles,%2D1867)%20erkrankte%20an%20Syphilis.&text=Die%20beiden%20vermutlich%20bekanntesten%20Syphilis,waren%20jedoch%20Adolf%20Hitler...&text=...und%20der%20italienische%20F%C3%BChrer%20Benito%20Mussolini.

Während das Ärzteblatt eine Stange für @Franz Bettinger bricht.

https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Beruehmte-Kranke-umstrittene-Aerzte-340065.html

anatol broder

4. Dezember 2021 18:35

legen wir die gegensätze so fest:

(1) anspannung ist verzweiflung (zwei) ist gedanke;

(2) entspannung ist vereinfachung (eins) ist gefühl;

dann wird deutlich, dass die «verzweiflungsfreie einsicht» (bosselmann) kein gedanke, sondern ein gefühl ist. seine allgemeinste form kennen wir als jenes gefühl, dass alles stimmt. dabei ist es einerlei, ob uns unmittelbar das schöne erfreut oder das erhabene erschreckt.

verloren sind, die sich nicht zu entspannen vermögen. «selig sind, die da geistlich arm sind» (matthaeus 5:3).

Gotlandfahrer

4. Dezember 2021 19:54

@ Adler und Drache:

...Link zum Tanzvideo.

In gewisser Weise handelt es sich ja auch um einen Tanz, einen gemeinschaftlichen Veittanz.  Aber komisch ist das schon, bei mir funktioniert der Link.

Dann bei youtube eingeben:

"Olaf Scholz appelliert: Lassen Sie sich impfen! | Joko & Klaas 15 Min | Joko & Klaas gegen ProSieben"

Dazu passend auch der Abschiedsgruß der Kanzlerin an die, die schon länger hier leben:

https://twitter.com/elhadji_kleckso/status/1466479675249676291?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1466479675249676291%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es1_c10&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.merkur.de%2Fpolitik%2Fangela-merkel-zapfenstreich-finger-bundeskanzlerin-twitter-zdf-berlin-tn-91156795.html

 

 

Grobschlosser

5. Dezember 2021 09:50

rotgrüne Pfarrerskinder werden privat beschult - leben im sanierten Altbau - meiden den persönlichen Kontakt zu Migranten . Sie leben weitgehend stressfrei .

sie holen noch mehr Asylforderer ins Land - scheinbar ist genau DAS ihr Auftrag . 

das EKD - Personal hat sich längst verkunkert - private Schulen und Hochschulen , shuttlerservices , Wachschutz , ganz viel frische Luft , Kuren , Urlaub , keine körperlich anstrengende Arbeit . Diese Leute verschlimmern jeden Tag die Lebensbedingungen in unserem Land . 

 

AmazonBesteller

5. Dezember 2021 16:18

@ Grobschlosser

Sie bringen es mal wieder auf den Punkt.

Die Kinder von Partei- und Gewerkschaftsfunktionären erhalten ebenfalls dieses stressfreie Leben. Da ich ja quasi an der Quelle sitze (zumindest an meinem Wohnort), kann ich immer wieder konstatieren, dass es eine traurige Tradition der gesellschaftlich akzeptierten Korruption in Bayern gibt. Nur, dumm sind die leider nicht. 

Da wurde in Eigenregie ein Haus gebaut mit allem drum und dran. Man hat sich gegenseitig geholfen, man kennt ja die notwendigen Elektriker. Einer in der Clique ist auch noch Architekt. Da fragt man sich schon woher die Leute die Zeit, Geld und das Material nehmen. Die Antwort ist einfach: alle sind im öffentlichen Dienst beschäftigt oder erhalten konstant Aufträge von diesem. Da packt man doch gerne mal mit an. Der Schlosser von den Wasserwerken baut das Garagentor ein. Der Elektriker macht die Hausinstallation... selber hat man nur Schlitze geklopft und fühlt sich wie ein König.

Im Gegenzug darf sich Schlosser X auf eine hervorragende Beurteilung freuen, die selbstverständlich auch mit einem Bonus verbunden ist. Im Prinzip wurde das Haus mit Steuergeldern gebaut. Das geht schon seit Jahren so. Das Schlimme ist: selbst wenn es ans Licht kommt, es interessiert niemanden. Die haben uns ordentlich verarscht.

 

Laurenz

6. Dezember 2021 00:47

@AmazonBesteller @Grobschlosser

Langstrecken-Luisa (Neubauer) hatte bis ins Alter von 20 Jahren bereits mehr Flugmeilen abgespult, als 30 durchschnittliche Umweltsau-Omas nach einem bereits zum größten Teil verbrachten Lebens.

Was Sie Beide beschreiben, ist der Mangel an persönlicher Betroffenheit. Die selbsternannten Eliten sehen aber kein Problem, hinter Mauern zu leben. Machen die Anywhere-Kumpels weltweit so. Immer wieder gut, das Beispiel Rio. 

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/favelas-mauern-gegen-die-armen-in-rio/1538718.html

Wer das vor 10 Jahren schon genau analysierte war der Mörder/Terrorist Anders Behring Breivik. Wie viele Migranten waren denn unter den Opfern der Sozialistischen Jugend auf der Insel Utøya?

https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeidernes_Ungdomsfylking

Grobschlosser

7. Dezember 2021 15:31

re Laurenz : beteiligen wir also die vergeistigte jet-set Jugend an den Segnungen des Multikulturalismus - gestern hat sich ein ambitionierter ndr Mensch zum Thema "Hass im Netz" geäußert .

man sollte da sehr aufmerksam zuhören - wer sagt was in welchen Zusammenhängen und vielleicht berichtet das Sezession - Autorenkollektiv über diese roten Netzwerke .

Laurenz

7. Dezember 2021 20:23

@Grobschlosser

Pädagogisch am wertvollsten sind Gruppenvergewaltigungen durch Migranten, die traumatisiert sind & bei denen & deren Integration wir als Gesellschaft versagt haben. Leider fehlt den meisten Migranten die Kompetenz festzustellen, wo die Wohlhabenden & Reichen dieser Ex-Republik wohnen.

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