Ohnmacht und Phantasie

von Dirk Alt

PDF der Druckfassung aus Sezession 100/ Februar 2021

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Folgt man einer im oppo­si­tio­nel­len Milieu gän­gi­gen Argu­men­ta­ti­on, so gilt die Abgren­zung vom Eli­mi­na­to­ri­schen als eines der Haupt­kri­te­ri­en zur Unter­schei­dung der Neu­en Rech­ten vom Natio­nal­so­zia­lis­mus. Daß die gleich­ge­schal­te­te Öffent­lich­keit die­ser Unter­schei­dung nicht folgt, son­dern das Eli­mi­na­to­ri­sche viel­mehr zum Wesens­kern der gesam­ten Rech­ten erklärt, bedarf an die­ser Stel­le eben­so­we­nig nähe­rer Aus­füh­run­gen wie die Tat­sa­che, daß sich Ver­tre­ter der Sys­temm­edi­en die Hän­de rei­ben, wenn es ihnen gelingt, Aus­sa­gen zu erbeu­ten, mit denen sich das gewünsch­te Bild zemen­tie­ren läßt. Im Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res lie­fer­te ihnen Chris­ti­an Lüth, weni­ge Mona­te zuvor noch Lei­ter der Pres­se­stel­le der AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on, unfrei­wil­lig Mate­ri­al, als er gegen­über einer mit dem Fern­se­hen kon­spi­rie­ren­den Ex-IB-Sym­pa­thi­san­tin aus­führ­te, wie für­der­hin mit den in Deutsch­land befind­li­chen Migran­ten ver­fah­ren wer­den kön­ne, nach­dem – dies impli­zit – eine poli­ti­sche Wen­de voll­zo­gen sei. »Wir kön­nen die nach­her immer noch alle erschie­ßen. Das ist über­haupt kein The­ma. Oder ver­ga­sen, oder wie du willst. Mir egal!« (Zitiert nach der Pro­Sie­ben-Pro­duk­ti­on Rechts. Deutsch. Radi­kal, aus­ge­strahlt am 28. Sep­tem­ber 2020, in der Lüths Iden­ti­tät noch im dun­keln blieb.)

Die Aus­sa­ge ist exem­pla­risch für eli­mi­na­to­ri­sche rech­te Rhe­to­rik im Sin­ne des »Man soll­te«, des »Man müß­te« oder des »Wenn es soweit ist, wer­den wir«. Nun ist die eli­mi­na­to­ri­sche Rhe­to­rik bekannt­lich kein rech­tes Phä­no­men, son­dern wuchert dank guter Dün­gung um so üppi­ger auf der Gegen­sei­te. Den­noch wäre es unred­lich, vor­zu­ge­ben, man kenn­te kei­ne Per­so­nen, die sich im nicht­öf­fent­li­chen Raum der Lüth­schen For­mu­lie­run­gen bedie­nen. Natür­lich kennt man sie; nen­nen wir sie der Ein­fach­heit hal­ber »die Eli­mi­na­to­ri­schen«, auch wenn Leu­te unter ihnen sind, die kei­ner Flie­ge etwas zulei­de tun. In jedem Fall wäre es ein Irr­tum, anzu­neh­men, es sei­en die beson­ders Dog­ma­ti­schen, die welt­an­schau­lich Mili­tan­ten oder die der NS-Affi­ni­tät Ver­däch­ti­gen, die sich auf die­sem Gebiet hervortun.

Statt des­sen kann man erle­ben, wie Per­so­nen, die der­lei Aus­sa­gen täti­gen, bereits im nächs­ten Atem­zug die Hoff­nung äußern, »der Merz« wer­de bald »die Mer­kel« ablö­sen, damit die CDU wie­der wähl­bar wer­de, sei doch die AfD »wegen dem Höcke« indis­ku­ta­bel. Die­se Beob­ach­tung bestä­tigt und wider­legt das media­le Ste­reo­typ glei­cher­ma­ßen: Einer­seits ist die Lüth­sche Ver­nich­tungs­phan­ta­sie tat­säch­lich sehr viel wei­ter ver­brei­tet, als die Wort­füh­rer sowohl der par­la­men­ta­ri­schen als auch der akti­vis­ti­schen Rech­ten ger­ne ein­ge­ste­hen; ande­rer­seits geht dies aber offen­bar kei­nes­wegs zwin­gend mit prak­ti­schen Hand­lungs­ab­sich­ten oder einer ent­spre­chen­den ideo­lo­gi­schen Auf­rüs­tung ein­her. »Ver­bal­ra­di­ka­lis­mus« ist, um einem Dik­tum von Hei­ko Maas vom Febru­ar 2016 zu wider­spre­chen, eben nicht »immer auch die Vor­stu­fe zu kör­per­li­cher Gewalt«. Des­halb soll an die­ser Stel­le auch nur von eli­mi­na­to­ri­scher Rhe­to­rik die Rede sein, und höchs­tens am Ran­de von den Taten, die mit ihr in einen kau­sa­len Zusam­men­hang gestellt werden.

Tat­säch­lich schei­nen die Eli­mi­na­to­ri­schen im Regel­fall nicht davon aus­zu­ge­hen, daß ihre Aus­sa­gen prak­ti­sche Fol­gen haben wer­den, wenigs­tens kei­ne in dem von ihnen ange­reg­ten Sin­ne. Was aber bewegt sie dann dazu, die­se Aus­sa­gen zu täti­gen? Vier mög­li­che Grün­de kom­men in Betracht, von denen der ers­te und der drit­te sowie der zwei­te und der drit­te oft­mals mit­ein­an­der zu tun haben dürften:

 

1. Maul­hel­den­tum. Dies setzt ein Milieu vor­aus, das bereits eine gewalt­af­fi­ne Rhe­to­rik kul­ti­viert hat, so daß der­je­ni­ge, der sich ihrer bedient, auf Zustim­mung rech­nen kann. Die Gefähr­lich­keit von Maul­hel­den hängt grund­sätz­lich von der Dyna­mik eben­je­nes Milieus ab, das sich im heu­ti­gen Deutsch­land jedoch auf Kleinst­grup­pen und abge­schot­te­te Zir­kel beschränkt. Daß sol­che Zir­kel auch Psy­cho­pa­then anzie­hen, ist zumin­dest wahr­schein­lich; eben­so wahr­schein­lich ist jedoch, daß die­se sich in kur­zer Frist von dem nur kaschier­ten Man­gel an Tat­be­reit­schaft abge­sto­ßen fühlen.

2. Pro­vo­ka­ti­on. Die kol­lek­ti­ve Ver­nich­tung einer Volks­grup­pe zu wün­schen ist bekannt­lich das größ­te dem auto­chtho­nen Deut­schen auf­er­leg­te Tabu und das maxi­ma­le Mei­nungs­ver­bre­chen, ins­be­son­de­re dann, wenn es mit einer Adap­ti­on jener Tötungs­me­tho­de ein­her­geht, die mit der NS-Ver­nich­tungs­pra­xis syn­onym gewor­den ist. Daß hier­von seit jeher ein Reiz aus­geht, dem sich unru­hi­ge, ver­ächt­li­che, meist jugend­li­che Geis­ter nicht ent­zie­hen kön­nen, ist leicht nach­zu­voll­zie­hen. Sie benö­ti­gen ein Umfeld, das sich dar­über noch ent­set­zen kann, mit­hin dem des Maul­hel­den kon­trär sein muß.

3. Ohn­macht. Unter dem Ein­druck die­ses Gefühls, das beträcht­li­che Tei­le der sys­tem­kri­ti­schen Bevöl­ke­rung erfaßt hat, ist man leicht ver­lei­tet, zu rhe­to­ri­schen Mit­teln zu grei­fen, die kom­pen­sa­to­ri­schen Zwe­cken die­nen und einem wenigs­tens kurz­zei­ti­ge Erleich­te­rung ver­spre­chen. Das bezeich­net man gemein­hin als Schimp­fen; die eli­mi­na­to­ri­sche Rhe­to­rik ist in die­sem Fal­le eine Son­der­form des Schimp­fens mit aus­ge­präg­tem Droh­cha­rak­ter. Die­je­ni­gen, die die­sem Drang nach­ge­ben, sind in der Situa­ti­on eines Schul­jun­gen, der von meh­re­ren älte­ren in den Staub des Pau­sen­ho­fes gedrückt wird und, dadurch aufs äußers­te gede­mü­tigt, sei­ne Pei­ni­ger mit den schreck­lichs­ten Dro­hun­gen für den Fall bedenkt, daß er wie­der auf die Bei­ne kommt.

4. Plan­mä­ßi­ge Dis­kre­di­tie­rung. Je öffent­lich­keits­wirk­sa­mer eli­mi­na­to­ri­sche Rhe­to­rik gebraucht wird, ins­be­son­de­re von anony­men Gestal­ten, die sich am Ran­de oppo­si­tio­nel­ler Kund­ge­bun­gen und vor den Kame­ras der Sys­temm­edi­en äußern, des­to näher liegt natür­lich der Ver­dacht, daß es sich bei ihnen um ein­ge­schleus­te Stö­rer und Agen­ten handelt.

 

Unter den genann­ten Moti­ven ist die Ohn­macht ein­deu­tig das haupt­säch­li­che; dies soll­te begrif­fen wer­den, damit ein ange­mes­se­ner Umgang mit eli­mi­na­to­ri­schen Äuße­run­gen gefun­den wer­den kann. Für ihre Beur­tei­lung dürf­te wesent­lich sein, daß in ihnen nicht eine Gewalt‑, son­dern eine Macht­phan­ta­sie zum Aus­druck kommt: die Vor­stel­lung, mit gro­ßer Wir­kung einen Schal­ter umzu­le­gen, der die Bedro­hung in Luft auf­löst. Daher steht auch nicht der Voll­zug der Tat, son­dern deren ange­streb­te Wir­kung im Vor­der­grund. Plas­tisch for­mu­liert: Wer vom Eli­mi­nie­ren spricht, der phan­ta­siert nicht vom Genick­schuß am Gru­ben­rand oder vom Ver­rie­geln der Gas­kam­mer. An sol­chen Hand­grif­fen delek­tie­ren sich die Psy­cho­pa­then; die Eli­mi­na­to­ri­schen jedoch sind weder sadis­ti­sche noch über­mä­ßig mor­bi­de Natu­ren. Für den abso­lu­ten Groß­teil von ihnen ist »das Ver­ga­sen« eben­so wie »das Erschie­ßen« eine qua­si­ma­gi­sche Chif­fre; sie beruht auf dem Wunsch­den­ken, man kön­ne jedes Pro­blem in den Griff bekom­men, wenn die Schrit­te, die man ergrei­fe, nur dras­tisch genug seien.

Auf die Umset­zung die­ser Schrit­te, die Fra­ge der Mach­bar­keit, ver­wen­den die Eli­mi­na­to­ri­schen zumeist kei­ne Gedan­ken. Wer schimpft, äußert vie­le Din­ge, die er bereits in dem Moment, in dem er sie aus­spricht, nicht in die Tat umzu­set­zen gedenkt. Ste­hen­de Wen­dun­gen wie »Ich könn­te ihn / sie erschla­gen / erwür­gen« legen davon Zeug­nis ab. So ­erklärt sich auch, daß das Phan­tas­ma der Ohn­mäch­ti­gen meist nicht ein­mal von den­je­ni­gen ernst genom­men wird, die es beschwö­ren. Tat­säch­lich sind die Eli­mi­na­to­ri­schen in der Regel ein­ver­stan­den damit, daß ihr Umfeld über ihre Äuße­run­gen mit den glei­chen Reak­tio­nen hin­weg­geht, die auch einem beson­ders def­ti­gen Fluch gel­ten, näm­lich mit pikier­tem, nach­sich­ti­gem oder zustim­men­dem Schwei­gen; dann kann das Gespräch fort­ge­setzt wer­den, als wäre das eli­mi­na­to­ri­sche Wort nie gefal­len, an das man auch spä­ter ungern erin­nert wird. Es ist durch­aus glaub­wür­dig, daß Chris­ti­an Lüth die eige­ne Wort­wahl im Rück­blick als »auf­ge­heizt, iro­nisch und über­stei­gert« emp­fin­det, wie er in einer medi­al ver­brei­te­ten Stel­lung­nah­me beteu­er­te. Auch fällt es nicht schwer, sich in ihn hin­ein­zu­ver­set­zen, nach­zu­emp­fin­den, wie er gegen­über sei­ner attrak­ti­ven Gesprächs­part­ne­rin eine brei­te Brust zur Schau stel­len und über die eige­ne Ohn­macht hin­weg­täu­schen woll­te – dar­über, daß er in Wahr­heit nicht die lei­ses­te Ahnung hat, wie die immer bedroh­li­che­re Umris­se anneh­men­den Kon­flik­te gelöst oder ent­schärft wer­den kön­nen. Bei umge­kehr­ter Rol­len­ver­tei­lung tritt übri­gens ein Son­der­fall ein, der hier nur gestreift wer­den soll, jedoch der nähe­ren Beschäf­ti­gung wert wäre. Auch wenn die Funk­ti­on im wesent­li­chen die glei­che bleibt, unter­liegt der eli­mi­na­to­ri­schen Rhe­to­rik dann ein Vor­wurf an den männ­li­chen Zuhö­rer, dem wenig mehr übrig­blei­ben wird, als beschämt zu schweigen.

Daß sich eigent­lich kul­ti­vier­te, eigent­lich fried­fer­ti­ge Men­schen eli­mi­na­to­risch äußern, ist, wenn­gleich erklär­lich, ein Warn­si­gnal, das nicht baga­tel­li­siert wer­den darf: Es ist sym­pto­ma­tisch für jenes Sta­di­um des Vor-Bür­ger­kriegs, in dem sich die Lager unwi­der­ruf­lich von­ein­an­der abgren­zen. Dabei haben die­je­ni­gen, denen die Dro­hung gilt, das glei­che Recht, dar­über alar­miert und ent­rüs­tet zu sein, wie wir, wenn, was oft genug der Fall ist, unse­re Ver­nich­tung gefor­dert wird. Man kann zu den Aus­sa­gen der Eli­mi­na­to­ri­schen daher sitt­lich-mora­lisch ste­hen, wie man will, man kann sie als cha­rak­ter­schwach, als anstands- oder dis­zi­plin­los gei­ßeln – aber man schafft sie damit nicht aus der Welt; man ver­lang­samt nicht ein­mal ihre der eska­lie­ren­den gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung fol­gen­de Ver­brei­tung. Auf­rech­ter und vor­aus­schau­en­der wäre daher ein ent­krampf­ter Umgang mit ihnen, der den Skan­da­li­sie­rungs­stra­te­gien des poli­tisch-media­len Kom­ple­xes den Boden ent­zieht. Die Feind­schaft liegt ja offen zuta­ge; von ihr zu spre­chen heißt nicht, sie zu meh­ren, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn man ihre Ursa­chen ver­or­tet und sich dabei einer sach­li­chen Spra­che bedient.

Rich­tig gekon­tert, fällt die von Sys­tem­ver­tre­tern oft gestell­te, beson­ders schein­hei­li­ge Fra­ge, woher der Haß oder die Wut bloß kämen, auf die­se zurück. Denn es ist ja ihr Sys­tem, das eben­je­ne ursäch­li­che Ohn­macht erzeugt; ihr Sys­tem, das durch stän­dig erhöh­ten eth­no­kul­tu­rel­len Ver­drän­gungs­druck, durch Repres­sio­nen und Mei­nungs­ge­setz­ge­bung, durch Aus­he­be­lung des Rechts­staa­tes, durch Gleich­schal­tung und ideo­lo­gi­sche Durch­drin­gung sämt­li­cher Lebens­be­rei­che die poten­ti­el­len und tat­säch­li­chen Wider­sa­cher – das heißt: Non­kon­for­mis­ten und Oppo­si­tio­nel­le, Skep­ti­ker und Zweif­ler – in die Rol­le eines unfrei­wil­li­gen Zuschau­ers drängt, der der Zer­stö­rung sei­ner Zukunft und sei­ner Kul­tur bei­woh­nen muß, wäh­rend das Sys­tem gleich­zei­tig die Kohor­ten und Voll­stre­cker des gesell­schaft­li­chen Umbaus unter sei­nen Schutz stellt, ja ihnen beson­de­re Pfle­ge ange­dei­hen läßt. Wenn aber das Sys­tem für die Ent­ste­hung und die Ver­brei­tung der Ohn­macht ver­ant­wort­lich ist, so muß es auch ver­ant­wort­lich sein für die Fol­gen, die dar­aus erwachsen.

Die Geschich­te der orga­ni­sier­ten Gegen­wehr wird zwin­gend aus der Opfer­per­spek­ti­ve erzählt. Die Lin­ken haben dies stets meis­ter­lich ver­stan­den – und ihre Ver­bre­chen im Namen der Geknech­te­ten und Unter­drück­ten aller Her­ren Län­der, als deren selbst­er­nann­te Wohl­tä­ter und Erlö­ser began­gen. Wäh­rend die Zig­mil­lio­nen von ihnen Hin­ge­mor­de­ten in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung effek­tiv unsicht­bar gemacht wur­den, sind die Toten, die man der Rech­ten zur Last legt, omni­prä­sent – mit der Fol­ge, daß, wie Kon­stan­tin Fech­ter aus­führ­te, die bun­des­re­pu­bli­ka­ni­sche Öffent­lich­keit Gewalt ohne Bezug zum Natio­nal­so­zia­lis­mus nicht mehr the­ma­ti­sie­ren kön­ne, geschwei­ge denn über­haupt als Gewalt erkenne.

Die­se Fest­stel­lung unter­streicht die ent­schei­den­de Bedeu­tung, die der Popu­la­ri­sie­rung gegen­läu­fi­ger Nar­ra­ti­ve zukommt. Unnö­tig zu sagen, daß die­se gesetz­mä­ßig, unzwei­deu­tig und jedem ver­ständ­lich sein müs­sen. Eines könn­te fol­gen­der­ma­ßen lau­ten: Wenn die von den Eli­ten plan­mä­ßig betrie­be­ne Erset­zungs­mi­gra­ti­on unse­re Lebens­grund­la­gen zer­stört, so muß jede gegen die­sen Pro­zeß und die dafür Ver­ant­wort­li­chen gerich­te­te Äuße­rung oder Akti­on, wenn schon nicht ihrer Metho­de, so doch ihrer Inten­ti­on nach berech­tigt sein; auch eli­mi­na­to­ri­sche Äuße­run­gen müs­sen daher als Akte der Gegen­wehr, die Eli­mi­na­to­ri­schen selbst als Opfer des Sys­tems gelten.

Man­chen dürf­te die­se Argu­men­ta­ti­on unan­ge­nehm an jene min­des­tens still­schwei­gen­de Soli­da­ri­tät erin­nern, die der lin­ke Extre­mis­mus in sei­nem Milieu genießt; sie mögen sich aber auch dar­an erin­nern, daß die Robust­heit und die Aus­deh­nung die­ses Milieus eben dar­auf basie­ren, daß hier, bei pro­gram­ma­ti­schen Zwis­tig­kei­ten und aus­ein­an­der­stre­ben­der Wahl der Mit­tel, über wesent­li­che Zie­le und ins­be­son­de­re über Feind­bil­der eine sehr weit gehen­de Einig­keit herrscht. Man hal­te es daher eben­so und distan­zie­re sich bei Bedarf höchs­tens von den Mit­teln oder vom Ton­fall, nie­mals jedoch unter Ver­wen­dung jener Begriffs­scha­blo­nen wie Extre­mis­mus, Ras­sis­mus, Men­schen­feind­lich­keit, Ver­schwö­rungs­theo­rien usw., die die Deu­tungs­macht des poli­tisch-media­len Kom­ple­xes bekräf­ti­gen. Man übe Kri­tik an der Metho­de, wo die­se – wie das Ver­ga­sen, Erschie­ßen – unzweck­dien­lich ist, schäd­li­che Illu­sio­nen schürt oder auf fal­schen Vor­aus­set­zun­gen beruht, belas­te sich aber ansons­ten kei­nes­falls wei­ter mit den Aus­wüch­sen jenes Has­ses / jener Wut, die das Sys­tem erzeu­gen und die allein dem Kon­to des­sen ver­hee­ren­der Poli­tik zuge­schla­gen wer­den müs­sen. Nicht nur im Umgang mit eli­mi­na­to­ri­scher Rhe­to­rik, son­dern auch mit Ver­zweif­lungs­ta­ten wie der des Ste­phan Ernst, von deren Art wei­te­re zu erwar­ten sind, wird die­se Stra­te­gie gute Diens­te leisten.

Soweit der Umgang mit den Eli­mi­na­to­ri­schen nach außen; nach innen soll­te eine Dis­zi­pli­nie­rung über die Ein­sicht erreicht wer­den, daß Dro­hun­gen, hin­ter denen kei­nen Macht steht, wert­los sind und auf den­je­ni­gen, der sie aus­spricht, zurück­fal­len. Auch soll­te unmiß­ver­ständ­lich klar­ge­macht wer­den, daß, wer für die Mas­sen­ver­nich­tung die Trom­mel rührt, nicht nur die eige­ne See­le ver­gif­tet, son­dern auch mit unse­rer Volks­see­le bricht, die zwar bereit war (und ist?), für eine Sache bis zum Letz­ten zu strei­ten – aber nicht gegen Frau­en und Kin­der, nicht gegen Alte und Schutz­wür­di­ge. Wich­tig bleibt indes, die Ohn­mäch­ti­gen nicht zu patho­lo­gi­sie­ren, son­dern die Berech­ti­gung ihrer Gefüh­le anzu­er­ken­nen, gleich­zei­tig aber dar­auf hin­zu­wir­ken, daß sie für ihren Groll ande­re, sinn­vol­le Ven­ti­le suchen. Ohn­macht ist nichts Ehren­rüh­ri­ges, zumin­dest dann nicht, wenn man nach ihrer Über­win­dung strebt. Der Schul­jun­ge, der in den Staub gedrückt wur­de, muß Metho­den erler­nen, sich sei­ner Pei­ni­ger zu erweh­ren. Er muß Alli­an­zen mit sei­nes­glei­chen schmie­den, sich für die nächs­te gro­ße Pau­se, die ent­schei­den­de Aus­ein­an­der­set­zung rüs­ten – und vor allem muß er Dis­zi­plin, muß er zu schwei­gen lernen.

 

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