Weihnachtsempfehlungen (3): Trotz alledem

Ellen Kositza und Benedikt Kaiser waren schon dran, nun also ich: Lesen, Denken, Schauen - und wieder der Verweis auf unsere Telegram-Kanäle:

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Der Sezes­si­on fol­gen Sie hier, dem Ver­lag Antai­os fol­gen Sie dort.

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Lesen

Dino Buz­za­ti: Die Tata­ren­wüs­te, Ber­lin: Die Ande­re Biblio­thek 2021. 252 Sei­ten, 22 €

Mit Mar­tin Sell­ner – wir spra­chen vor Jah­ren dar­über –  bin ich mir über die Bedeu­tung die­ses 1940 erschie­ne­nen Buches einig: Dino Buz­at­ti hat mit der Tata­ren­wüs­te das erschüt­tern­de Bild lebens­lan­ger Dienst­be­reit­schaft auf sinn­lo­sem Pos­ten gezeich­net. “Sinn­los” ist etwas ande­res als “ver­lo­ren” – das ist klar, oder?

Wor­um geht es? Der jun­ge Offi­zier Gio­van­ni Dro­go wird aus der Stadt hin­aus ver­setzt in die Gebirgs­fes­tung, die einen der Päs­se gegen die Tata­ren sper­ren und ver­tei­di­gen soll. Denn die Tata­ren könn­ten eines Tages anstür­men, und obwohl die­se Dro­hung noch nie Gestalt annahm, hängt sie als Span­nung in der Luft und ver­pflich­tet die Besat­zung der Fes­tung zu wachem Dienst und kom­pro­miß­lo­ser Strenge.

Die­nen wol­len, sich bewäh­ren wol­len, in Bereit­schaft ste­hen, auch im über­tra­ge­nen Sin­ne am Ran­de einer Wüs­te ste­hen und in sie hin­ein­star­ren … Die Tata­ren­wüs­te vor den Mau­ern ist so leer und eben, daß man anrei­ten­de Fein­de hal­be Tage im Vor­aus aus­ma­chen wür­de; die Nacht­wa­che ist wie elek­tri­siert, als sich ein Licht­punkt zeigt, ein Pferd, ein ein­zel­ner Rei­ter; uner­bitt­li­che Sze­ne, als einer der eige­nen Leu­te die Paro­le nicht mehr weiß, obwohl ihn jeder von der Mau­er­zin­ne her­ab erkennt.

Könn­te ich als Ver­le­ger, wie ich woll­te, hät­te ich mich um eine gut aus­ge­stat­te­te Aus­ga­be der Tata­ren­wüs­te bemüht. Aber: kei­ne Chan­ce. Nur gut also, daß sie nun in der “Ande­ren Biblio­thek” wie­der ver­füg­bar ist.

Buz­at­ti: Die Tata­ren­wüs­tehier bestel­len.

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Den­ken

Lorenz Jäger: Hei­deg­ger. Ein deut­sches Leben, Ber­lin: Rowohlt 2021. 600 Sei­ten, 28 €

Es hat Grün­de, war­um nie­mand an Ernst Jün­ger und Carl Schmitt, Gott­fried Benn und Mar­tin Hei­deg­ger vor­bei­kom­men kann. Alle vier waren Stars ihrer Zeit, und zwar vor 1933, dann ein wenig hin­ein in die­se Zeit, vor allem aber danach, als man sich an ihnen abar­bei­te­te, sie auf­zu­rei­ben und aus­zu­blen­den ver­such­te, aber eines begriff: daß es einen Grund gab, war­um die­se Män­ner mit der gigan­ti­schen Gewalt- und Ener­gie­ent­fes­se­lung des Drit­ten Rei­ches etwas zu tun hatten.

Lorenz Jäger hat über den einen von ihnen, über Mar­tin Hei­deg­ger, ein klä­ren­des und ehr­li­ches Buch geschrie­ben. Er beschreibt Hei­deg­ger in des­sen Selbst­er­re­gung als Phi­lo­soph, als Zeit­deu­ter, als Bedeu­tungs­su­cher, als Irren­der und begna­de­ten Phi­lo­so­phen. Man muß kein Hei­deg­ger-Ken­ner sein, um die­se Bio­gra­phie zu lesen – man kann bei Null begin­nen. Danach aber weiß man sehr viel mehr: über Hei­deg­gers Art zu den­ken, über sein Leben, sei­ne Schü­ler, sei­ne Wir­kung, über sei­ne poli­ti­sche Ver­stri­ckung und die Ent­wir­rung die­ser Fäden.

600 Sei­ten sind kein Pap­pen­stiel, aber der Win­ter kommt und die Aben­de sind lang.

Lorenz Jägers Hei­deg­ger hier bestel­len.

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Schau­en

Antai­os-Monat­ska­len­der 2022: Trotz alle­dem! Zwölf Monats­blät­ter und ein Titel­blatt, A3, 15 €.

Wir dru­cken seit sechs Jah­ren die­se Monat­ska­len­der und wis­sen, daß er das Jahr über in rund 1000 Zim­mern hän­gen wird. Doch im kom­men­den Jahr wer­den es dop­pelt so vie­le Räu­me sein. Wir haben jetzt schon 1650 Exem­pla­re ver­kauft und erhal­ten in den kom­men­den Tagen 2000 Kalen­der geliefert.

Wor­an liegt das?

1. am “Trotz alle­dem!”: Die­se Paro­le ist die Quint­essenz des­sen, was wir tun. Wir sind Ver­le­ger und Publi­zis­ten, Akti­vis­ten und Poli­ti­ker, obwohl uns der Geg­ner, der Feind unse­rer Arbeit an Macht­mit­teln und Res­sour­cen haus­hoch über­le­gen ist und uns mit denun­zia­to­ri­schen und kri­mi­na­li­sie­ren­den Metho­den zusetzt. “Trotz alle­dem!” lesen auch unse­re Leser, also Sie, das, was wir mit unse­ren Mit­teln dage­gen­zu­set­zen haben.

2. am Anspruch: Die­ses­mal haben wir kei­ne Fotos aus­ge­wählt, um Deut­sche Orte zu zei­gen oder das Wider­stands­mi­lieu zu por­trä­tie­ren, son­dern einen Künst­ler um Mit­ar­beit gebe­ten. Ich habe in Zusam­men­ar­beit mit dem Schrift- und Graf­fi­ti-Künst­ler Wolf PMS zwölf kur­ze Zita­te, Paro­len, Ver­se aus­ge­wählt, er hat sie gezeich­net, ich habe ein paar Erklä­run­gen bei­gesteu­ert – das Ergeb­nis ist schon eine sehr beson­de­re, augen­fäl­li­ge Sache.

3. am soli­da­ri­schen Plus: Von jedem ver­kauf­ten Kalen­der gehen 2 € an den neu­en Soli­da­ri­täts­fonds, den Ein­Pro­zent initi­iert hat. Aus ihm her­aus wer­den bereits jetzt, also acht Wochen nach Grün­dung, Opfer lin­ker Gewalt unter­stützt. 2000 Kalen­der – 4000 € für solifonds.me: Auch dies ist ein Argument.

Also: Holen Sie sich einen der ver­blie­be­nen 350 Kalen­der, bestel­len Sie bit­te hier.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (34)

Koek Boeri

22. November 2021 13:25

Der junge Offizier Giovanni Drago wird aus der Stadt hinaus versetzt in die Gebirgsfestung, die einen der Pässe gegen die Tataren sperren und verteidigen soll. Denn die Tataren könnten eines Tages anstürmen, und obwohl diese Drohung noch nie Gestalt annahm, hängt sie als Spannung in der Luft und verpflichtet die Besatzung der Festung zu wachem Dienst und kompromißloser Strenge.

***

Ich habe nie geahnt, dass unsere Grosse Steppe oder Uly Dala oder auch Deşt-i Kıpçak genannt irgendwo an Gebirgen grenzt, wo Italiener jemals gewohnt und sogar die Festungen gehalten haben. Ich kann das wahrscheinlich nur dadurch erklären, dass es sich nicht um reale; "historische" Tataren handelt. Schliesslich ist die Steppe keine "Wüste".

Laurenz

22. November 2021 13:48

Als ich die Buchbeschreibung "Die Tartarenwüste" las, wußte ich sofort, daß es eine alte Verfilmung gibt. Damals konnte ich den Film, auch die Wiederholungen, nicht zu Ende sehen, weil er zu spät lief & ich ins Bett mußte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Tatarenw%C3%BCste_(Film)

https://youtu.be/cpDBERUBGhg (00:01:57)

Und es erinnert mich an das "Wolgalied", hier gesungen vom größten Tenor aller Zeiten...

https://youtu.be/1SeSknE52ak

RMH

22. November 2021 13:53

Zu Lorenz Jäger findet man einiges bei der Sezession, u.a. diesen älteren Artikel hier, den ich für Wiedervorlagewürdig halte, wenn man sich bspw. nur die heutigen Gegebenheiten zum Vergleich betrachtet:

https://sezession.de/28225/waren-wir-mal-kameraden-lorenz-jager?

Wer zu Heidegger einen Seiteneinstieg haben will, kann auch zu dem Buch von Safranski greifen, welches es kostengünstig als Paperback gibt (ich fand es gut - man merkt, wie Safranski manches schreibt, weil man es eben heute schreiben muss ;) ...):

https://antaios.de/antaios-liefert-jedes-buch/41916/ein-meister-aus-deutschland

Dennoch reizt der "neue" Jäger sehr ... vermutlich wird sein Heidegger Buch die Lektüre über den anstehenden Jahreswechsel werden (habs auf die Wunschliste gesetzt).

Gracchus

22. November 2021 14:01

Lindbergh - und jetzt Tartarenwüste stehen ganz oben auf meiner Liste.

@Laurenz: Fritz Wunderlich: herrlich.

Maiordomus

22. November 2021 14:23

Ja, den Heidegger können Sie mir zusammen mit den "Benn"-Briefen gleich schicken. Ich besuchte in Ihrem Geburtsjahr ein Seminar über "Wissenschaftliche Prosa" am Beispiel von Hegel, Freud und Heidegger und wurde ehrlich gesagt erst damals, nachdem ich vorher nur die Parodie von Grass im Gedächtnis hatte und auch von meinem Logiklehrer vor Heidegger gewarnt worden war, ein geduldiger, lebenslanger Heidegger-Leser. Von den von Ihnen genannten vier Vordenkern hat mir aber letztlich Junger am meisten gebracht, und zwar wegen seiner unvergleichlichen Fähigkeit konkreter Beobachtung, und sei es nur das Verhalten eines Rotschwänzchens an seinem Nest, nachlesbar in der 2. Fassung von das "Abenteuerliche Herz". Ein exemplarischer Text über nicht nur aus biologischer Sicht beobachtetes "Verhältnis zur Sterblichkeit in der Natur", von Jünger als "Lebensblindheit" bezeichnet. Im Gegensatz zu Heidegger beobachtet Jünger fast immer, und zwar wie kein zweiter, den konkreten Einzelfall, ein echter Nominalist! Bei Heidegger bleibt jedoch, wie mir scheint, fast stets ein Rest Geschwurbel übrig. 

links ist wo der daumen rechts ist

22. November 2021 14:25

Geschätzter Herr Kubitschek!

Zitat:

Es hat Gründe, warum niemand an Ernst Jünger und Carl Schmitt, Gottfried Benn und Martin Heidegger vorbeikommen kann. Usw. usf. (fast hätte ich geschrieben: blabla...).

Verzeihung, es macht in Zeiten wie diesen, in denen eine Demokratur wie Österreich mit ihren Politkasperln sich mit der geplanten Impfpflicht einer illustren Reihe von Ländern wie Tadschikistan, Turkmenistan, Indonesien, Mikronesien und dem Vatikan anschließt, keinen Sinn, auch nur ein Wort über Carl Schmitt und die anderen „bad boys“ der KR zu verlieren, solange all jene, die über die Jahre hinweg – links wie rechts - ihren Carl Schmitt wie eine Monstranz vor sich hergetragen haben, so laut schweigen, daß es einem die Ohren verschlägt.

Wir HABEN jetzt den Ausnahmezustand, der auf einer basalen Freund-Feind-Bestimmung beruht. Verdammt nochmal!

Einer der ganz wenigen, der als Carl-Schmitt-Kenner seiner Linie treu geblieben ist, ist der Linke Giorgio Agamben; das sei ihm nie vergessen.

Wer jetzt mit irgendwelchen Weihnachtstipps weitermacht als sei nichts geschehen, macht sich mitschuldig.

Nebenbei: Schade, daß in vergleichsweise ruhigen Zeiten unsere kurze Korrespondenz abseits des Kommentariats zu Erhart Kästner und dem Komplex Krieg und Literatur (nach der Lektüre von Kopetzkys „Propaganda“) keine Fortsetzung fand.

Maiordomus

22. November 2021 14:41

@Laurenz. Weil Sie sich trotz Ihrer politischen Einstellung früher mal als Fichte-Muffel geoutet haben, wird wohl auch Heideggers Sprache nicht gerade Ihre Nummer sein. Dies würde ich ehrlich gesagt keineswegs mit einem Intelligenztest verwechseln. Zumal naturwissenschaftlich Denkende konnten selten mit Heidegger was anfangen. Dies trifft indes für Jünger nicht zu, dessen Sprache zwar, etwa "Marmorklippen", nach meiner Erfahrung von Gymnasiasten, selbst intelligenten, wenig goutiert wird. Nicht hingegen seine Capriccios und zumal kürzeren sowie beschreibenden Texte, so zum Beispiel im Bereich von "Drogen und Rausch"- Der von mir oben genannte Kurz-Essay "Das Rotschwänzchen" bleibt für mich hingegen nach 60 Jahren Erfahrung mit Beobachtung der Vögel Europas der für mich eindrucksvollste ornithologische Beobachtungstext der deutschen Literatur und zugleich ein Stück "Lebensphilosophie", wie es in dieser Konkretheit selbst ein Nietzsche nie geschafft hat. Auch jenseits von Stifters zwar nur mehr vordergründiger, bei genauem Lesen immerhin nicht zutreffender Neigung zur "Natur"-Idylle. Ich vermute, zumal Darwin, mit dem Jünger zwar nicht zu verwechseln ist, hätte an dessen Rotschwänzchenbeobachtung seine helle Freude gehabt. Auch Carl Schmitt lag es nicht, so genau auf tote Lebewesen hinzuschauen wie Jünger, was doch im Sommer 34 dringend nötig gewesen wäre.  

Nemo Obligatur

22. November 2021 14:56

Laurenz

22. November 2021 13:48

Als ich die Buchbeschreibung "Die Tartarenwüste" las, wußte ich sofort, daß es eine alte Verfilmung gibt.

Vielen Dank für den Hinweis. Seltsam, genau so ging es mir auch. Der Film lief wohl vor rund 40 Jahren im TV. Ich glaube der Titel des Films war damals "Die Zitadelle". Ich erinnere mich deutlich an die Szene mit dem fernen Licht, das ein Posten entdeckt. Die Besatzung mutmaßt, dass "der Feind" von dort zur Zitadelle eine Straße baut, um für die Belagerung schweres Gerät, Kanonen oder dergleichen, heranzuschaffen. Von da ab sind ihre Tage gezählt. Den Rest der Films habe ich vergessen, konnte ihn damals wohl auch nicht zu Ende sehen. Das Buch kommt auf meinen Wunschzettel.

Hajo Blaschke

22. November 2021 15:22

@ Köln Boeri 

Nein, Ihr Unverständnis ist wohl nur durch mangelnde oder fehlende Abstraktionsfähigkeit zu erklären. Sie sollten deshalb lieber keine literarischen Werke konsumieren.

Maiordomus

22. November 2021 15:44

@links. Natürlich war Schmitt der Theoretiker des Ausnahmezustandes. Ob er sich jedoch bei einer Pandemie mit Nettosterblichkeit  von weit unter 1% bei einem Durchschnittsaltr von 89 Jahren bei den Verstorbenen (so in der Schweiz) einen solchen hätte als gerechtfertigt vorstellen können, bleibt dahingestellt. Ohnehin grenzt es, das sage ich selten so konkret, an Dummheit, in einer politisch schwierigen Lage, bei welcher der Ausnahmezustand gewissermassen "künstlich" erstellt wird, den Hinweis auf die geistigen Grundlagen als Luxus zu bezeichnen. Fast im Gegenteil: Nie war grundsätzliches Nachdenken so wichtig wie heute. Es war übrigens auch zur Zeit des 2. Weltkrieges kein Luxus, als übrigens im Einzelfall noch erstaunlich gute Bücher erscheinen konnten, so eine Neuauflage von "Las Casas vor Karl V." von Reinhold Schneider mit der historischen Debatte über das angebliche Recht "höherer Völker" gegenüber angeblich niedrigeren "Untermenschen"-Völker, was Jochen Klepper in seinem konkreten Bezug "zu den Rassentragödien dieser unserer Zeit" immerhin im Briefwechsel mit dem Autor aufgefallen ist. Einer der besten deutschsprachigen Texte über den Tyrannenmord erschien übrigens, im Buch v. W.E. Peuckert über den reformatorischen Ketzer Sebastian Franck, 1943, freilich ziemlich gutversteckt. Es ist nie falsch, über Grundsätzliches sich Gedanken zu ,machen. 

H. M. Richter

22. November 2021 15:50

I.

Im geteilten Deutschland war es Ende der sechziger Jahre der Leipziger St. Benno Verlag, genauer gesagt Elisabeth Antkowiak, denen die Leser im Ostteil die Bekanntschaft mit dem Kafka Italiens Dino Buzzati verdankten. Später als im Westteil des Landes, aber immerhin bereits 1982, erschien dann dort die Tatarenwüste 1982 bei Reclam in Leipzig. Wenige konnten sich damals noch daran erinnern, daß Richard Hoffmann bereits 1942 für den Zsolnay Verlag in Berlin eine Übersetzung („Im vergessenen Fort“) dieses großartigen Romans vorgelegt hatte.

 

H. M. Richter

22. November 2021 15:51

II.

Auch wenn Antaios es 2019 der Anderen Bibliothek überlassen mußte, eine Neuausgabe zu veranstalten, könnte ich mir gut vorstellen, daß dort durchaus eine Sammlung von Buzzatis besten Erzählungen - neu übersetzt - erscheinen könnte.

„Das Haus mit den 7 Stockwerken“ – die Geschichte einer rätselhaften Krankheit – wäre gewiß darin enthalten. Parabelhaft würde sie als Corona-Erzählung gelesen und begriffen werden.

Hartwig aus LG8

22. November 2021 16:10

@ links ist, wo der Daumen ...

""Wer jetzt mit irgendwelchen Weihnachtstipps weitermacht als sei nichts geschehen, macht sich mitschuldig.""

Aber nicht doch! Sie sind doch schon eine ganze Weile hier (bei SiN). Und doch schreiben Sie so, wie die zahlreichen Leute, bei denen seit einigen Monaten eine Art erstes Erwachen festzustellen ist. Die vielen erstmals direkt betroffenen, denen der Laden zu gemacht wird, die ihre Kunst nicht mehr darbieten dürfen, die um ihr Geschäft bangen ... und deren Kinder gegen Corona geimpft werden sollen.

Der Ausnahmezustand ist nicht neu. Er begann auch nicht erst 09/2015 ... aber auf dieses Datum könnte man sich noch am ehesten einigen.     Wer 2014/15/16 an PEGIDA-Demonstrationen teilnahm, wusste schon damals, dass er sich einem Regime gegenüber sah. Und wer 2021 erstmals gegen die Regierung demonstriert: Besser spät als nie.

Nun kann man alles stehen und liegen lassen und in den Kampf ziehen - ich deute Ihre Worte so.   Aber seien Sie gnädig mit denen, die als Oppositionelle tun was sie können, ohne ihre Existenz aufzugeben ... und ggf. weiterhin Kalender verkaufen ...

Laurenz

22. November 2021 16:44

@Maiordomus @L.

"Fichte & Heidegger"

Sie haben vollkommen Recht. Irgendwann leistete ich mir den Luxus einen dicken Taschenbuchwälzer über alle nennenswerte Philosophen zu lesen, im Beginn mit Thales von Milet, Platon, etc.pp. bis heute, auch zu Heidegger & Fichte. Der mir emotional sympathischste Philosoph war Francis Bacon. Als ich das alles gelesen hatte, kam mir sofort der Gedanke, der Inhalt reicht für ein Leben vollkommen aus. Zugegeben, in manchen Lebenslagen ist die Philosophie dazu geeignet, Trost zu spenden. Wenn ich noch mal ein philosophisches Buch zur Hand nehmen werde, wird es Nietzsche sein, da Er wohl am meisten die diametrale Erhabenheit der magischen Schönheit & Gegenwärtigkeit erkannt hat. Wenn Sie Sich erinnern, Maiordomus, äußere ich mich selten zu philosophischen Inhalten, eher zu den historischen Persönlichkeiten als solche. Jünger war, wie Sie schreiben, kein reiner Philosoph, Er war eben ein großer Autor. Je nach Standpunkt ist die Philosophie natürlich ein Intelligenztest. Entweder ist sie was für Hyperintelligente oder was für Strunzhohle. Selten hatte die Philosophie einen tatsächlichen Einfluß, wie zB auf Sparta. Das ist aber lange her. Francis Bacon konnte seine Ideale nie verwirklichen.

Kriemhild

22. November 2021 17:05

@Maiordomus

"Ja, den Heidegger können Sie mir zusammen mit den "Benn"-Briefen gleich schicken."

Den Status, meine Bücher auf diese Art und Weise zu beziehen, muss ich mir wohl erst noch erarbeiten. 

 

Maiordomus

22. November 2021 17:31

@Kriemhild. Es geht hier nicht um den "Status", sondern den Hinweis auf zwei wirklich lesenswerte Werke; es wäre falsch, uns allzu sehr in Binnendiskussionen zu verlieren, auch im Zusammenhang mit dem Hinweis, angesichts des "Ernstes" der Lage, siehe Adenauer, sollten wir uns nicht in Debatten über schöne Weihnachtsbücher verlieren. Sogar zur Zeit der 2. Weltkrieges gab es, wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe, hochbedeutende nur scheinbar bloss belletristische Buchhinweise, und das sogar innerhalb des Deutschland des 3. Reiches. 

Niekisch

22. November 2021 17:53

"Der mir emotional sympathischste Philosoph war Francis Bacon."

@ Laurenz 16:44: Darf ich fragen, worauf diese Sympathie beruht? 

links ist wo der daumen rechts ist

22. November 2021 19:43

@ Hartwig aus LG8

Es geht doch nicht darum, ab wann das große Erwachen eingesetzt hätte. Und die alten Hasen sprechen dann ehrfurchtgebietend von ihrer Pegida- oder was-auch-immer-„Kampfzeit“.

Nein, meinen persönlichen Kampf gegen das Establishment führe ich schon länger, wahrscheinlich seit Studienzeiten. Warum? Weil es mir immer schon gegen den Strich ging, wenn für jemanden, der am längeren Ast saß, 2+2=5 war. Und einen leicht Kohlhaas-lastigen Gerechtigkeitssinn habe ich leider auch.

Daß man aber Lebensweisen des Überwinterns mit ausreichender Lektüre ausbildet, ist legitim. Mich stört nur dieses Weihnachtstipp-Getue.

 

@ Maiordomus

Obige Antwort gilt auch im Wesentlichen für Sie.

Allerdings verstehe ich nicht, wie Sie um den Begriff „Ausnahmezustand“ herumlavieren. „Künstlich“ erstellt? Nonaned. Es geht nicht um den Anlaß, sondern um die Auswirkungen: Wegen einer relativen Lappalie (natürlich nicht für die Betroffenen, aber wir haben in etwa eine mittelschwere Grippewelle) nimmt man in Ö ca. eine Million Menschen in Geiselhaft und droht mit Zwangseingriffen in ihre Gesundheit. Und im nächsten Absatz vergleichen Sie unsere Lage, die Sie eben verharmlost haben, mit der im Dritten Reich und dem durch Lektüre gestärkten Durchhaltewillen. Ja, Gopferdammi. Das schlägt ja die Löcher aus dem Emmentaler.

Gracchus

22. November 2021 21:27

@Maiordomus

Schön, was Sie über Jünger und die konkrete Anschauung gesagt haben. Ich schätze Philosophie nicht gering, aber je älter ich werde, umso mehr schätze ich das Konkrete, Einzelne, Partikulare. 

@Laurenz

Mir ist der Maler Francis Bacon näher. 

tearjerker

22. November 2021 22:19

„Aus dem Spiegel-Spiel des Gerings des Ringes ereignet sich das Dingen des Dinges.“

“Das Wesen der Sprache ist die Sage in der Zeige.“

Ich war mir bei Heidegger nie sicher, ob er präzise, verschlossen oder auf ganz banale Art verkopft und besonders clever rüberkommen wollte. Ich war mir allerdings immer sicher, dass kaum jemand die Anstrengungen unternommen haben dürfte, seine Bücher vollständig zu lesen. Das dürfte er mit Autoren wie Bloch oder Marx gemein gehabt haben. Bringt Jägers Werk hier Licht ins Dunkel?

Laurenz

23. November 2021 00:15

@Gracchus & Niekisch (1)

"Francis Bacon"

Also ich die Zusammenfassung des Gesamtwerks Bacons las (was über 30 Jahre her ist), waren die Aussagen klar verständlich, menschenfreundlich, quasi der Politiker in Rente, der froh ist, die politische Welt hinter sich lassen zu können. Bacon war ein früher Aufklärer, wider die Theologie, für die rein sinnliche Erfahrung. Hegel kritisierte Ihn wohl wegen mangelnder spekulativer Fähigkeiten. Aber in der Zeit Bacons, gut 100 Jahre nach den ersten großen Medici, ist es für mich nachvollziehbar, daß die durch das Christentum/Theologie vernichtete oder verschüttete Antike erst einmal aufgearbeitet werden sollte/mußte. Bacon setzte sich (erfolgslos) für eine Reform & Erweiterung des Bildungswesens ein, was in meinen Augen, auch über die privilegierten Schichten hinausgehen sollte. Etwas, woran die Briten, durch ihre Mißachtung Bacons bis heute leiden. Eine endgültige allgemeine Schulpflicht wurde in Britannien erst 1914 durchgezogen.

Laurenz

23. November 2021 00:28

@Gracchus & Niekisch (2)

Daß die Bacon-Gesellschaft Bacon für den insgeheimen Shakespeare - & die Shakespeare-Gesellschaft dagegen hält, ist doch eher amüsant als Zuschauer der Szenerie.

Im Nachlaß des originalen Shakespeare, ein einfacher Kaufmann, findet sich alles mögliche, aber nicht ein einziges schriftstellerisches Werk im Original. Der von den Anglophilen gern zitierte Wortschatz Shakespeares von 26k Worten verteilt sich in Wirklichkeit auf 6 fließend gesprochene Sprachen, was den Kreis der Shakespeare- Autoren massiv einschränkt.

Daß Francis Bacon einer dieser Autoren war, ist durchaus plausibel.

Die Vorwürfe gegen seinen unterwürfigen Charakter zu Lebzeiten, sind wohl eher dem Überleben geschuldet, in einer Zeit, wo noch keine Guillotine den Körper desöfteren vom Kopf trennte.

Zwangsläufig mußte Bacon auch Folterungen unterschreiben. Aber Er mißtraute diesen, weil Menschen unter Schmerzandrohung lügen würden. Das beweist durchaus seine philosophische Größe.

Franz Bettinger

23. November 2021 11:06

Werter @Niekisch: Ich meinte nicht Sie (im vorigen Strang).  

Maiordomus

23. November 2021 11:07

3. Reich, Sowjetunion usw: Der Vergleich betrifft gute und wichtige Bücher, das gab es nach dem Motto "Zensur verfeinert den Stil" in Diktaturen immer wieder; das ist alles andere als eine sog. "Verharmlosung". Die bedeutendsten religiösen Texte und Filme des 20. Jahrhunderts, mithin einige der bedeutendsten, stammen aus der Sowjetunion von Tarkowski und Solschenizyn, und ein so gutes, tiefgründiges Buch wie "Macht und Gnade", Reinhold Schneider, Frankfurt 1940, habe ich unter Neuerscheinungen kaum je gelesen, habe1977 den Text bei Suhrkamp neu herausgegeben. Auch in der DDR gab es einige sensationell gute Texte, bei den Chinesen von heute sehe ich leider nicht genügend durch gegenwärtig, wobei aber klar gesagt werden muss, dass es im 3. Reich verhältnismässig mehr diesbezüglichen Spielraum gab als in China, z.B. beim Alsatia Verlag in Colmar. Ich staune über die praktisch systembekenntnisfreien Jahrgänge des Insel-Taschenbuches von 1933 bis 1944, oder die dann allerdings ab 1943 unterdrückten weissen Blätter von Karl Ludwig von und zu Guttenberg., wo z.B. Ida Friederike Görres, Schwester von Coudenhove Kalergi sowie einer der Bonhoeffer-Brüder regelmässig nonkonform publizierten. 

Niekisch

23. November 2021 11:17

"menschenfreundlich"

@ Laurenz 23.11. 00:15: Vielleicht trügt Sie Ihre Erinnerung nach 30 Jahren, deshalb: aus einem unvollendeten Dialog lugt eine eisige Gefühlskälte hervor, die Protagonisten lechzen nach Völkermord und nach Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ausgerechnet den Juristen Bacon halten Sie für menschenfreundlich, wo Sie doch sonst Juristenfresser sind? Justus von Liebig nannte ihn einen Schematiker, der Naturprozesse wie eine Zivil- oder Kriminalsache behandele, was Weisheit und Lebensklugheit ausschließe. Er sei kein wahrer Wissenschaftler, da Induktionist, der vom Einzelfall zum Allgemeinen vordringe, nicht umgekehrt. Vom linearen Weltbild über totalen Anthropozentrismus, das Primat von Technik, einen brutalen Sinn für das einträgliche Geschäft, natürlich des privilegierten männlichen Engländers, schmückt Bacon fast jedes Merkmal eines entfesselten heutigen globalen Finanzparasitismus, wobei der Staat für ihn nur ein großes technisches Gebilde, eine Maschine, geschmiert mit dem Öl der Unterworfenen, darstellt. In "Nova Atlantis" herrschen nur noch scientia, nicht sapientia, alle großen gesellschaftlichen Fragen sind ausgesperrt. 

Für mich liegt die Bedeutung Francis Bacons darin, dass er uns aufzeigt: Die Moderne hatte ihre Pubertät bereits im 16/17. Jahrhundert, ihre Kindheit schon viel früher.

Maiordomus

23. November 2021 11:24

@Gracchus. Es ist der Einzelfall, der in der Lage ist, den "allgemeinen Fall" entweder zu falsifizieren oder zumindest zu relativieren. Richtig ist überdies, siehe die kürzlichen Einwände von "Allesodernichts" oder wie er sich nannte betr. tendenziöse Wissenschaft, wovon keine Gruppe, auch die hier Argumentierenden, sich schlichtweg als gefeit bezeichnen kann. Mit dieser Feststellung ist man noch längst kein Troll. 

Niekisch

23. November 2021 12:08

"Werter @Niekisch: Ich meinte nicht Sie (im vorigen Strang)."

@ Franz Bettinger 11:06: Da bin ich jetzt aber beruhigt, werter Ruhestandskollege.

  

Laurenz

23. November 2021 12:08

@Niekisch L.

"Bacon & der Früh-Liberalismus"

Ja, Niekisch, das gestehe ich Ihnen alles zu. Vielleicht war auch der Übersetzer schuld. Es ging mir da nicht um Sachlichkeit, mir waren der Schreibstil & die Schlußfolgerungen sympathisch. Vielleicht ließ der Autobiograph & Interpret auch die unangenehmen Dinge weg. Allerdings ist die Wahrnehmung über Brutalität eine allgemein schwierige Tätigkeit. Die Briten nehmen die Brutalitäten ihrer eigenen Geschichte bis heute als Belanglosigkeit wahr.

Maiordomus

23. November 2021 12:32

@Bacon. Es gab nicht nur Francis Bacon, Earl of Verulam, noch viel früher den Dominikanermönch Roger Bacon, dem wir zum Beispiel die erste Beschreibung des Regenbogens als Lichtbrechung im Wasser verdanken, hochempirisch orientierter  Zeitgenosse der Epoche der Araber und des Albertus Magnus, welche mit dem Begriff "Kindheit der Moderne" eher unangemessen charakterisiert wäre. Die sensationellste neuere Bacon-Rezeption findet sich im berühmten Brief des Lord Chandos an Francis Bacon, einen freilich fiktiven, aber unvergleichlich phrasenkritischen Text von Hugo von Hofmannsthal, eines der bedeutendsten Werke der Sprachkritik zur Zeit der Wittgenstein und Heidegger, vielleicht eher näher beim Tractatus Logico-Philosophicus, der noch zu Lebzeiten Hofmannsthals in den frühen Zwanzigerjahren erschien. Im Prinzip ist aber auch "Sein und Zeit" ein Stück Sprachkritik. Der für die Gegenwart indes wohl bedeutendste Satz von Heidegger stammt aus einem kleineren Essay, ich glaube "Was heisst Denken?" oder ähnlich, er lautet: "Die Wissenschaft denkt nicht." Gemeint: Sie arbeitet nur, am letzten Grund bleibt sie uninteressiert.  

Niekisch

23. November 2021 15:33

"..Roger Bacon, dem wir zum Beispiel die erste Beschreibung des Regenbogens als Lichtbrechung im Wasser verdanken"

@ Maiordomus 12:32: Er hatte gefragt "Was ist der Regenbogen- Schein oder Sein?" War nicht fast die komplette Theologie des Mittelalters mit Lichtmetaphern beschäftigt, vom Auge Gottes, später wesentlich in der Maurerei, das alles erblickt, bis zur Erleuchtung von Geist und Seele?

Maiordomus

23. November 2021 16:42

@Niekisch. Kein Geringerer als Paracelsus ist hinter Roger Bacon zurückgefallen, als er  als Alchemist beim Regenbogen noch Farbmaterie eines "Schulmeisters im Firmament" annahm, wohingegen Bacon in dieser Sache bereits wissenschaftlicher Beobachter von Phänomenen war. Sie haben recht, dass es im Mittelalter und seit der Gnosis auch um ein philosophisches Verständnis des Lichtes ging.

Zu Ihrem Zusammenstoss mit M-L.  War beidseitig überflüssig wie ein Kropf. Selber stritt ich mich auf dieser Seite ebenfalls unnötig mal über eine berüchtigte Rede zu diesem Thema von 1943. Bringt alles nichts, wiewohl ich da natürlich glaube recht zu haben. Empfehle, siehe oben, nur über Einzelepisoden, die man genau kennt, wenn überhaupt, zu referieren, nach dem nominalistischen Motto "Wirklich ist der Einzelfall". Wenn dieser belegt ist, darf er nicht geleugnet werden. Nichts behaupten, was man nicht selber geprüft hat. Gehört nicht in einen Blog.

Maiordomus

23. November 2021 17:23

PS. Als überzeugter Nominalist war Roger Bacon (1214 - 1294), der ähnlich wie der deutsche Dominikaner Albert von Lauingen (1200 - 1280) für die damalige Zeit ein biblisches Alter erreichte, natürlich analog etwa zum heiligen Bonaventura, der Schlüssel zum Verständnis von Joseph Ratzinger, ein Franziskaner, welche später auch als Kapuziner mehr einzelfallorientiert waren, zum Beispiel der grossartige Schweizer Physikbuchverfasser Mauritius a Berona, der seine gewagten Werke naturwissenschaftlicher Aufklärung um 1779/80 bei Thurneyssen in Basel, einem protestantischen Verlag, veröffentlichte. Roger Bacon, wie Meister Eckhart stets unter Ketzereiverdacht, darf durchaus als mittelalterlicher Frühaufklärer verstanden werden, wiewohl man sich damals über den Unterschied zwischen Naturwissenschaft und Magie noch nicht so klar war. Sehr zu respektieren bleibt das enorme Niveau des muslimischen Aristotelismus z.B. des 11. Jahrhunderts mit Averroes, Avicenna, Rhazes und anderen, worauf in der neuen, stärker katholizismuskritischen Forschung jeweils Kurt Flasch aufmerksam zu machen pflegt, letzterer auch ein bedeutender Dante-Übersetzer und Eckhart-Kenner, desgleichen von Dietrich von Freiberg, der ähnlich wie Bacon auch über den Regenbogen geforscht hat. 

Niekisch

24. November 2021 11:12

"Nichts behaupten, was man nicht selber geprüft hat. Gehört nicht in einen Blog."

@ Maiordomus: Bei mir ist das genaue Prüfen und Abwägen  auch durch den Beruf bedingt. Zu dem bestimmten Thema sind mir im Laufe der Jahrzehnte einfach zu viele Ungereimtheiten aufgefallen. Ich stimme aber zu:  auf dieser Plattform kein Thema!

"Roger Bacon, wie Meister Eckhart stets unter Ketzereiverdacht"

Er erhielt auch Lehrverbot und war seinen Franziskanermitbrüdern deswegen verdächtig, weil er angeblich die christliche Heilsgeschichte argumentativ anrührte. Wissen Sie darüber etwas? So oder so gefällt mir an Roger Bacon, dass er Griechisch lernte, um Texte wirklich verstehen zu können. Für mich vorbildlich, weil die Authentizität von Text oft durch die Subjektivität von Übersetzungen gefährdet oder sogar beseitigt wird. In die Frühaufklärung kann er verortet werden, obwohl seine Ansicht, die Mathematik als Ausgangspunkt und causa aller Logik gelte auch für alle Natürlichkeiten, dem widersprechen könnte. 

Einmal eine Frage an Sie als Fachmann: Wie beurteilen Sie den für mich faszinierenden Pietro Pomponazzi ( 1462 - 1525 ), der sich intensiv mit der "Freiheit des Willens" auseinandersetzte, einer Problematik, die besonders in meinemFachgebiet im Bereich der Schuldprüfung eine große Rolle spielt?

Franz Bettinger

24. November 2021 22:08

Prof. Günter Scholdt heute zu mir: "Angesichts dessen, was die dominierende politische Welt an sog. Rationalität produziert, schneiden die archaischen Mythen innerhalb der tägl. Macht- und Gesellschaftsspiele nicht einmal so schlecht ab.“ 

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