10 Thesen zum Grundgesetz

von Thor v. Waldstein -- Unter dem Titel "Die Würde des Deutschen ist antastbar" erschien dieser Beitrag in der 105. Sezession. Wir stellen ihn zur Debatte.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

1. Das Grund­ge­setz (GG) ent­stand 1948 / 49 nicht als frei gewähl­te Ver­fas­sung eines sou­ve­rä­nen (west-) deut­schen Staa­tes, son­dern als »Orga­ni­sa­ti­ons­form einer Moda­li­tät der Fremd­herr­schaft« (Car­lo Schmid). Den deut­schen Abge­sand­ten, die an den Bera­tun­gen im Kon­vent von Her­ren­chiem­see und im Par­la­men­ta­ri­schen Rat teil­nah­men, kam ganz über­wie­gend nur eine Sta­tis­ten­rol­le zu; feder­füh­rend waren tat­säch­lich die ­alli­ier­ten Besat­zungs­mäch­te, die die deut­sche Ver­fas­sungs­ge­bung nach ihren eige­nen Vor­stel­lun­gen ins Werk setz­ten: »We will be wri­ting – and not the Ger­mans – their con­sti­tu­ti­on« (­Luci­us D. Clay).

2. Als Besat­zungs­da­na­er­ge­schenk dar­ge­bo­ten, ent­behr­te das Grund­ge­setz – eben­so wie die wenig spä­ter von rus­si­schen Mario­net­ten in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne (SBZ) instal­lier­te DDR-Ver­fas­sung vom 7. Okto­ber 1949 – von Anfang an einer demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on. Das wur­de auch mit einem – heu­te kaum mehr denk­ba­ren – Rest an poli­ti­scher Ehr­lich­keit durch den futu­ris­ti­schen Rie­gel des Art. 146 GG aus­drück­lich bestä­tigt: »Die­ses Grund­ge­setz ver­liert sei­ne Gül­tig­keit an dem Tage, an dem eine Ver­fas­sung in Kraft tritt, die von dem deut­schen Vol­ke in frei­er Ent­schei­dung beschlos­sen wor­den ist.« Zu einer sol­chen pro­ak­ti­ven Ver­fas­sungs­de­zisi­on der Deut­schen ist es indes zu kei­nem Zeit­punkt nach 1949, auch nicht im Zuge oder nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung 1990, gekom­men. Man­gels einer ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung oder hilfs­wei­se eines Volks­ent­scheids über die Fra­ge, ob sich Deutsch­land eine selbst­be­stimm­te Ver­fas­sung geben oder ob zumin­dest das juris­ti­sche Dau­er­be­helfs­werk Grund­ge­setz for­ma­li­ter als Ver­fas­sung des deut­schen Vol­kes aner­kannt wer­den soll, hat sich an der feh­len­den Legi­ti­ma­ti­on des Grund­ge­set­zes bis zum heu­ti­gen Tage nichts geändert.

3. Kenn­zeich­nend für das Grund­ge­setz ist sei­ne Volks­fremd­heit. Trotz sei­ner demo­kra­tisch anmu­ten­den Wort­wahl (z. B. Art. 20 Abs. 2 Satz 1: »Alle Staats­ge­walt geht vom Vol­ke aus«) und trotz der Tat­sa­che, daß das Volk auch sonst de iure häu­fig genannt wird, wirkt das Volk im Grund­ge­setz de fac­to »nur blaß und wie in einer Vitri­ne gezeich­net« (Wer­ner Weber). In der Ver­fas­sungs­rea­li­tät haben die poli­ti­schen Par­tei­en, die angeb­lich nur »bei der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes mit[wirken]« (Art. 21 Abs. 1 GG), die­ses längst voll­stän­dig media­ti­siert. Dazu paßt, daß das Grund­ge­setz von einem tie­fen Miß­trau­en gegen das Volk geprägt ist: Weder bei der Bestim­mung des höchs­ten Reprä­sen­tan­ten (Wahl des Bun­des­prä­si­den­ten) noch in poli­ti­schen Sach­fra­gen (Volks­ab­stim­mun­gen auf Bun­des­ebe­ne ana­log des Schwei­zer Modells) ist der direk­te, durch par­la­men­ta­ri­sche Ver­frem­dun­gen unge­bro­che­ne Wil­le des Vol­kes gefragt.

4. Neben einer aus­ge­präg­ten Aver­si­on vie­ler Deut­scher gegen alles Poli­ti­sche hat nicht zuletzt die­se ple­bis­zi­tä­re Macht­lo­sig­keit des Vol­kes maß­geb­lich zu der Her­an­bil­dung einer Zuschau­er­de­mo­kra­tie geführt. In die­ser pil­gert der Bür­ger, so er sich denn über­haupt an Wah­len betei­ligt, alle paar Jah­re zum Wahl­lo­kal, danach streift er aber sofort wie­der den Man­tel des Sou­ve­räns ab, um in sei­ne flau­schig aus­staf­fier­te Rol­le als kon­su­mis­ti­scher Pri­vat­mensch zurück­zu­fal­len. Auf die­se Wei­se wur­de der zukunfts­ori­en­tiert im Inter­es­se des Gemein­wohls han­deln­de citoy­en mehr und mehr ver­drängt von dem Typus eines hedo­nis­tisch in den Tag leben­den bour­geois. Die­se Umwand­lung des Sou­ve­räns hat zu einem all­ge­mei­nen Ver­fall der res publi­ca geführt. An ihre Stel­le getre­ten ist eine »durch Uto­pien und Anar­chis­men ver­bies­ter­te Öffent­lich­keit« (Ernst Forst­hoff). Wer in einem sol­chen Kli­ma der Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit bekennt, sein (Wahl-)Verhalten nicht an den medi­al frisch auf­ge­tisch­ten Glüh­würm­chen-The­ma­ta der Gegen­wart, son­dern an dem Wohl­erge­hen der kom­men­den Genera­tio­nen aus­zu­rich­ten, gerät schnell in Gefahr, sich ver­däch­tig oder lächer­lich zu machen.

5. Da das Volk in unse­ren Tagen – im Gegen­satz etwa zu den Gescheh­nis­sen in der DDR im Herbst 1989 – als Macht­fak­tor weit­ge­hend mar­gi­na­li­siert ist, läuft das im Grund­ge­setz ver­brief­te Wider­stands­recht (Art. 20 Abs. 4) weit­ge­hend ins Lee­re. Denn Wider­stands­recht ist – so ist auch der im Plu­ral gehal­te­ne Text des Grund­ge­set­zes zu ver­ste­hen: »[…] haben alle Deut­schen das Recht zum Wider­stand […]« – vor allem ande­ren ori­gi­nä­res Volks­recht. Und das Dog­ma der Volks­sou­ve­rä­ni­tät soll­te nicht dar­über hin­weg­täu­schen, daß der Par­la­men­ta­ris­mus aus dem Wider­stands­recht kommt, daß das Par­la­ment ursprüng­lich das Wort des Vol­kes gegen­über dem Staat sprach und ihn in sei­ne Gren­zen ver­wies, wenn er die­se über­schritt. Heu­te ver­kör­pert das Par­la­ment in rous­se­auis­ti­scher Eng­füh­rung das sou­ve­rä­ne Volk und damit den Staat in nuce. In die­ser Deckungs­gleich­heit Volk = Staat liegt nicht zuletzt die Wehr­lo­sig­keit des Vol­kes gegen­über staat­li­chen Will­kür­maß­nah­men begrün­det: »Das Volk als Volk ist gegen­über dem Volk als Staat ohne Stim­me und Waf­fe« (Max Hil­d­e­bert Boehm).

6. Wor­an es die­ser Repu­blik vor allem gebricht, ist eine rai­son d’être, die in die Zukunft weist. Weder innen- noch außen­po­li­tisch sind Zie­le erkenn­bar, die den Fort­be­stand des ers­ten Ein­zel­men­schen­ag­glo­me­rats auf deut­schem Boden sicher­stel­len könn­ten. Die­se »staats­ideo­lo­gi­sche Unter­bi­lanz« (Ernst Forst­hoff), die sich seit Ende des Kal­ten Krie­ges noch erheb­lich ver­schärft hat, geht zurück auf die uni­ver­sa­lis­ti­sche DNS des Grund­ge­set­zes, in der der Post-1945-Deut­sche von den Wur­zeln des Vol­kes ab- und auf welt­bür­ger­li­che Maß­stä­be zuge­schnit­ten wur­de. Mitt­ler­wei­le wird die in Art. 1 – im Lich­te der NS-Exzes­se – durch­aus zu Recht auf­ge­nom­me­ne Men­schen­wür­de­ga­ran­tie des Grund­ge­set­zes dazu miß­braucht, migra­ti­ons­ag­gres­so­ri­sche Hum­an­ex­pe­ri­men­te zu recht­fer­ti­gen, in denen das ver­blie­be­ne poli­ti­sche Tafel­sil­ber der Deut­schen (z. T. noch vor­han­de­ner Zusam­men­halt des Vol­kes, vor allem auf dem Land, Leis­tungs­fä­hig­keit des Bür­gers, Res­te einer funk­tio­nie­ren­den Staats­or­ga­ni­sa­ti­on in Ver­wal­tung, Finan­zen, Jus­tiz- und Poli­zei­we­sen etc.) rück­sichts­los ver­schleu­dert wird. Die­ser Menschheits­beglückungswahn ver­sinn­bild­licht eine fak­ti­sche BRD-Staats­rä­son, die sich ver­fas­sungs­recht­lich in der For­mel bün­deln läßt: »Die Wür­de des Deut­schen ist antast­bar«. Oder umge­kehrt und umständ­li­cher, aber viel­leicht prä­zi­ser for­mu­liert: »Die Wür­de des deut­schen Men­schen wird nur unter der Vor­aus­set­zung nicht ange­tas­tet, daß er auf­ge­hört hat, sich als Glied des deut­schen Vol­kes zu emp­fin­den und als sol­ches zusam­men mit ande­ren Deut­schen poli­tisch zu handeln.«

7. Um die durch die Flucht aus der Nati­on ent­stan­de­ne, emo­tio­na­le Lee­re der Bun­des­re­pu­blik zu fül­len, wur­de schon Ende der 1970er Jah­re das poli­tik­wis­sen­schaft­li­che Kon­strukt des soge­nann­ten Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus aus der Tau­fe geho­ben. Als eine Art Natio­na­lis­muser­satz geschaf­fen, hat der Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus bereits die Wie­der­ver­ei­ni­gung mit den Nicht­grund­ge­setz­deut­schen in der DDR über­schat­tet. Wenn 1990 nicht zur Chif­fre für einen natio­na­len Neu­an­fang, son­dern eher für eine Fort­füh­rung klein­west­deut­scher Hori­zon­te auf nun groß­west­deut­scher Land­kar­te wur­de, dann des­we­gen, weil sich die BRD schon lan­ge vor dem Mau­er­fall von Wider­la­gern im deut­schen eth­nos frei­ge­macht hat­te. Heu­te kommt dem Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus die Funk­ti­on zu, die Deut­schen mit Hil­fe der per­ma­nent beschwo­re­nen (west­li­chen) Wer­te, aber auch durch die stän­dig in Gang gehal­te­nen Gebets­müh­len des unheils­ge­schicht­li­chen Grau­ens von der Siche­rung der eige­nen Exis­tenz als Volk abzu­hal­ten. Aus­ge­löst durch immer absur­der wer­den­de, mora­lin­saure Schein­de­bat­ten ist dadurch in der gelenk­ten Öffent­lich­keit der Bun­des­re­pu­blik ein regel­rech­ter Ver­fas­sungs­fe­ti­schis­mus ent­stan­den, der die Sub­stanz des Poli­ti­schen nach und nach auf­ge­löst hat: »Ein Staat, der sich einer Ver­fas­sung aus­lie­fert, ist so ver­lo­ren, als wenn er sich einer pri­va­ten Moral unter­wür­fe« (Hans-Diet­rich Sander).

8. Der der­zei­ti­ge exis­tenz­be­dro­hen­de Sta­tus quo der Deut­schen ist das Ergeb­nis einer mehr oder min­der bruch­lo­sen Nie­der­gangs­ent­wick­lung seit 1945. Das anders­lau­ten­de, von vie­len Kon­ser­va­ti­ven noch heu­te gepfleg­te Nar­ra­tiv, die 1950er und 1960er Jah­re sei­en die gute alte Zeit der Bun­des­re­pu­blik gewe­sen, in die dann 1968 qua­si über Nacht die bösen Lin­ken ein­ge­bro­chen sei­en, um das hei­le Kie­sin­ger­deutsch­land kaputt­zu­ma­chen, hat mit der his­to­ri­schen Rea­li­tät wenig bis nichts zu tun. 1968 kam tat­säch­lich das zum Durch­bruch, was 1945 / 49 poli­tisch und ver­fas­sungs­recht­lich in Tri­zo­ne­si­en ange­rührt wor­den war: näm­lich ein Staat ohne Volks­be­zug, ein Staat ohne geschicht­li­che Ver­or­tung, ein Staat ohne Sou­ve­rä­ni­tät, ein Staat ohne außen­po­li­ti­sche Hand­lungs­fä­hig­keit. Anstatt 1968 die­se ohn­mäch­ti­ge west­deut­sche Exis­tenz von natio­na­len Posi­tio­nen her auf Sub­stanz abzu­klop­fen, gefie­len sich die 68er als nütz­li­che ­Idio­ten der Wes­ter­ni­sie­rung in der gro­tes­ken Manie, die weni­gen ver­blie­be­nen deut­schen Tra­di­tio­nen und Insti­tu­tio­nen mit der mar­xis­tisch-­an­ti­fa­schis­ti­schen Abriß­bir­ne end­gül­tig zu schlei­fen. Nur weni­ge erkann­ten, wor­auf es wirk­lich ankam: Das poli­tisch Wesent­li­che der 23 Jah­re von 1945 bis 1968 war näm­lich nicht die west­deut­sche Schön­wet­ter­pe­ri­ode mit Ita­li­en­rei­se, Heinz-Erhardt-Fil­men und Dr.-Oetker-Backpulver, son­dern die von den Alli­ier­ten und ihren will­fäh­ri­gen west­deut­schen bam­bi­ni ame­ri­ca­ni gesteu­er­te Inku­ba­ti­ons­pha­se, in der die mili­tä­ri­sche Nie­der­la­ge in die geis­tig-ethi­sche Nie­der­la­ge der Deut­schen umge­münzt wur­de (»Frank­fur­ter Schu­le«). Und die­se links­ideo­lo­gi­sche Umpo­lung der Bun­des­re­pu­blik wäre ohne das geis­ti­ge Man­na aus god’s own coun­try nicht denk­bar gewe­sen. Wesent­lich bleibt: Dem lin­ken Marsch durch die Insti­tu­tio­nen 1968 ff. war die alli­ier­te Kape­rung deut­scher Ein­rich­tun­gen 1945 ff. vor­aus­ge­gan­gen. Es gibt somit ein gehei­mes Ein­ver­ständ­nis zwi­schen »1945« und »1968«, oder wie es Clau­se­witz aus­drü­cken wür­de: 1968 war nie etwas ande­res als die Fort­set­zung von 1945 mit ande­ren Mitteln.

9. Eines der wich­tigs­ten Macht­zen­tren der Ber­li­ner Repu­blik befin­det sich in Karls­ru­he. Dort resi­diert das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, geo­gra­phisch weit ent­fernt von Ber­lin gele­gen, um Unab­hän­gig­keit gegen­über dem Haupt­stadt­ge­trie­be zu simu­lie­ren; men­tal und poli­tisch steht das Gericht indes in Tuch­füh­lung zu der ton­an­ge­ben­den Klas­se im Par­tei­en- und Medi­en­ap­pa­rat. Es gibt in dem als archi­tek­to­ni­scher Ver­frem­dungs­ef­fekt im Schloß­gar­ten der badi­schen Groß­her­zö­ge posi­tio­nier­ten Gerichts­ge­bäu­de nichts, was nicht aus Ber­li­ner Holz geschnitzt wäre. Die nach dem jewei­li­gen Par­tei­en­pro­porz und häu­fig unter Ver­let­zung des Gewal­ten­tei­lungs­grund­sat­zes instal­lier­ten Rich­ter des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ste­cken seit lan­gem den meta­ju­ris­ti­schen Rah­men ab, in den die Ent­schei­dun­gen der Exe­ku­ti­ve ein­ge­bun­den sind. Abge­ho­ben vom Wort­laut des Grund­ge­set­zes, neh­men all­ge­mei­ne geis­tes­wis­sen­schaft­li­che oder zeit­ge­schicht­li­che, seit neu­es­tem auch lai­en­me­teo­ro­lo­gi­sche Erwä­gun­gen in den Urtei­len des Gerichts einen immer brei­te­ren Raum ein. Der Rechts­staat ist dadurch zu einer »organisierte(n) Gesin­nungs- und Erleb­nis­ein­heit« (Ernst Forst­hoff) ver­kom­men, in der poli­ti­sche Ziel­vor­ga­ben mit ver­fas­sungs­recht­li­chem Flit­ter­gold kaschiert wer­den. Durch die­se Juri­di­fi­zie­rung des Poli­ti­schen wer­den die lega­li­täts­hung­ri­gen und gerichts­hö­ri­gen Deut­schen seit Jahr­zehn­ten ein­gen­or­det. Eine sol­che, hin­ter der Fas­sa­de des Rechts aus­ge­üb­te, indi­rek­te poli­ti­sche Herr­schaft ist des­we­gen so fatal, weil sie – das wis­sen wir seit Machia­vel­li – zur Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit erzieht und am Ende nie­mand mehr für die Fol­gen getrof­fe­ner (Fehl-)Entscheidungen gera­de­ste­hen will. Mit sei­nem ahis­to­ri­schen und grund­ge­setz­wid­ri­gen Urteil zur angeb­li­chen Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des eth­ni­schen Volks­be­griffs (Urteil v. 17. Janu­ar 2017, Az.: 2 BvB 1/13) hat Karls­ru­he – getreu den meta­po­li­ti­schen Ein­flüs­te­run­gen des herr­schen­den Medi­en- und Polit­kar­tells – dem deut­schen eth­nos den Krieg erklärt. Und mit sei­nem nach­ge­ra­de aben­teu­er­li­chen soge­nann­ten Kli­ma­be­schluß (Beschluß v. 24. März 2021, Az.: 1 BvR 2656/18 u. a.) kre­iert das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ex ­nihi­lo eine dem Grund­ge­setz unbe­kann­te Ver­fas­sungs­norm, auf deren Grund­la­ge die die deut­sche Volks­wirt­schaft exis­ten­ti­ell bedro­hen­de grü­ne Kli­ma­agen­da durch­de­kli­niert wer­den soll. Das ist mehr als ein »Skan­dal« (Diet­rich Murs­wiek), das ist der kaum mehr ver­hüll­te Macht­an­spruch einer neu­en, aus dem pseu­do­ju­ris­ti­schen Off her­aus inthro­ni­sier­ten Karls­ru­her Republik.

10. Dem auf Geheiß der Alli­ier­ten 1951 errich­te­ten Inlands­ge­heim­dienst (soge­nann­ter Ver­fas­sungs­schutz) kommt in die­sem Karls­ru­her Macht­ge­fü­ge die Rol­le zu, die von den Roten Roben ex cathe­dra ver­kün­de­te volks­feind­li­che Grund­ge­setz-Les­art nach unten durch­zu­exe­ku­tie­ren. Dazu wer­den Orga­ni­sa­tio­nen und / oder Ein­zel­per­so­nen, die das Wohl­erge­hen des deut­schen Vol­kes in den Mit­tel­punkt ihrer poli­ti­schen Anstren­gun­gen stel­len, plan­mä­ßig als faschis­to­id stig­ma­ti­siert und ihrer gesell­schaft­li­chen Ach­tungs­an­sprü­che weit­ge­hend beraubt. Damit ent­fällt gleich­zei­tig eine ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung für die effek­ti­ve Wahr­neh­mung von Grund­rech­ten durch Oppo­si­tio­nel­le. Denn nie­mand hört einem als »Nazi« gebrand­mark­ten Paria zu. Mit dem Kampf­in­stru­ment des soge­nann­ten Ver­fas­sungs­schutz­be­richts, »einer Art Demo­kra­tie-TÜV« (Jochen Lober), aber auch mit der will­kür­li­chen media­len Ver­brei­tung angeb­li­cher Prüf- oder Beob­ach­tungs­fäl­le wer­den Par­tei­en oder Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen einer geziel­ten poli­ti­schen Ver­däch­ti­gung aus­ge­setzt. Außer­dem wer­den demo­kra­tisch nicht nur zuläs­si­ge, son­dern für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie essen­ti­el­le Ver­su­che Anders­den­ken­der, den »Raum des Sag­ba­ren« zu erwei­tern, von vor­ne­her­ein in ein semi­kri­mi­nel­les Zwie­licht gestellt. Durch die­se Feind­mar­kie­run­gen einer immer skru­pel­lo­ser in Sze­ne gesetz­ten »Par­tei­ver­bots­de­mo­kra­tie« (Josef Schüßlbur­ner) ist in Deutsch­land ein alles ver­gif­ten­des Kli­ma der Distan­ze­ri­tis und des Denun­zi­an­ten­tums ent­stan­den, »in dem jeder zum Ver­fas­sungs­feind des ande­ren wer­den kann« (Gün­ter Masch­ke). Die immer schnel­ler mah­len­den Mühl­rä­der des Miß­trau­ens haben eine Lei­se­tre­ter­re­pu­blik her­an­rei­fen las­sen, in der schweigt, wer sozi­al nicht ster­ben will. Die­ses gespens­ti­sche Angst­schwei­gen über wesent­li­che Zukunfts­fra­gen hat die frei­heit­li­che Grund­ord­nung schon lan­ge in ein skur­ri­les Neo­bie­der­mei­er ver­wan­delt, in dem u. a. die Frei­heit der Mei­nungs­äu­ße­rung, aber auch mehr und mehr die Frei­heit der Wis­sen­schaft zu Grund­rech­ten her­ab­ge­stuft wur­den und wer­den, die nur noch auf dem Papier ste­hen. Offi­zi­el­le, zur Bene­be­lung der Ahnungs­lo­sen aus­ge­ge­be­ne Ver­laut­ba­run­gen, »man lebe schließ­lich in einem frei­en Land«, lösen bei vie­len Bür­gern ange­sichts der orwel­l­arti­gen Real­lage in einer tief gespal­te­nen Nati­on nur noch schal­len­des Geläch­ter aus.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (92)

Ein Fremder aus Elea

10. Januar 2022 16:44

Ich kann zu diesen Thesen nicht wirklich was sagen. Die BRD ist wesentlich korporalistisch, quasi in Zünften organisiert. Die Nationalromantik des 19. Jahrhunderts weicht weltweit dem akropolitischen Modell des alten Griechenlands, welches Platon in den Nomoi schildert, durchaus im Spannungsverhältnis mit dem deutschen korporalistischen System. Ein ideologisch aufgeladenes Staatsbürgertum wie in Frankreich oder der Schweiz kann es in einem korporalistischen System nicht geben, die Entscheidungen werden im Stillen zwischen den Körperschaften vereinbart. Allerdings ist Deutschland aufgrund seiner Exportausrichtung an internationale Richtlinien gebunden, welche mit seinem Korporalismus nichts am Hut haben. Und also kommt es zu fortwährend bizarreren Blüten.

Ich denke, das gibt einen ganz guten Überblick. Noch bündiger ließe sich sagen, daß, nachdem Deutschland 1918 geköpft wurde, die politische Bestrebung darin bestand, seinen Körper gesund zu erhalten, und dies aufgrund der weltweiten Dynamik zunehmend schwieriger wird. Eine Dynamik freilich, zu welcher ein Rumpf nicht wirklich etwas zu sagen oder beizutragen hat, wiewohl das genaue Gegenteil gerne als Parole propagiert wird, aber noch nicht einmal paradoxerweise, da es durchaus verständlich ist, Kälber Kälbern als Vorbild vorzustellen, auch wenn nicht beabsichtigt ist, ihnen einen auch nur im Ansatz vergleichbaren Kälberstall zu bauen.

kikl

10. Januar 2022 17:41

Der Text reißt sehr viele Probleme an. Ich konzentriere mich mal auf ein einziges.

Die universalistische DNS des GG = Menschenwürdegarantie => Auflösung des Nationalstaates bzw. Menschheitsbeglückungswahn

Ich glaube, dass diese Kausalität nicht existiert.

Das Grundgesetz konzipiert Deutschland als Nationalstaat der Deutschen. Der Souverän ist das deutsche Volk. Insofern ist das Grundgesetzt sehr konservativ und atmet noch den Geist des 19. Jahrhunderts.

Die Menschenwürdegarantie reicht laut GG nur bis zur Staatsgrenze. Weltbeglückung stammt aus dem linken Takatukaland.

Die umerzogenen Eliten stehen dem Nationalstaat allerdings feindlich gegenüber. In Feindschaft zum Grundgesetz vereint schaffen sie den Nationalstaat de facto ab, indem sie das Staatsvolk mittels illegaler Massenimmigration versuchen auszutauschen. Damit wird der Souverän entmachtet.

Wer gegen diese verfassungsfeindliche Bestrebung die Stimme erhebt, wird vom "Verfassungsschutz" beobachtet und zum Verfassungsfeind erklärt.

Das ist die Ironie der Geschichte.

 

Gustav

10. Januar 2022 17:42

Vielen, vielen Dank, Herr von Waldstein, für diese Thesen!

„[…] teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen zwingt, in ihm zu leben. […] Der Teufel ist nicht der Töter, er ist Diabolos, der Verleumder, ist der Gott, in dem die Lüge nicht Feigheit ist, wie im Menschen, sondern Herrschaft. Er verschüttet den letzten Ausweg der Verzweiflung, die Erkenntnis, er stiftet das Reich der Verrücktheit, denn es ist Wahnsinn, sich in der Lüge einzurichten.“

– Arnold Gehlen: Moral und Hypermoral[

Laurenz

10. Januar 2022 17:48

@TvW (1)

1. Warum wollen Sie Ihre 10 Thesen überhaupt debattieren? Ich verstehe das nicht. Sie haben doch Selbst das GG zitiert: 

"Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist"

Wir können erst mal davon ausgehen, also nie. Wenn wir Obamas letzter Rede in Ramstein glauben wollen, dann ab 2099. Das sind noch 77 Jahre bis dahin.

2. Es gibt also 3 Optionen einer vorzeitigen Beendigung des us-amerikanischen Diktats. a) Die Amis denken um (, aber dazu sind wir zu belanglos). b) unser Staat richtet sich selbst zugrunde, die wahrscheinlichste Variante & c) Das Deutsche Volk revolutioniert gegen die alliiert bestimmte Parteienlandschaft. Das passiert aber frühestens & erfahrungsgemäß erst nach 2 Hungerwintern. Da können noch einige Jährchen ins Land gehen.

3. Wenn Sie ab & an hier Debatten über rechtliche Fragen mit Gracchus, RMH & Niekisch verfolgt haben, wissen Sie doch, wie schwer es ist, mit Juristen das Recht zu diskutieren. In den Augen des Soldatenkönigs sind Sie & diese 3 respektablen Herren Spitzbuben. Der normale Bürger ist zwar noch einem Zivil- & Strafrecht ausgesetzt, welches aber von deutschen Gerichten zunehmend rassistisch ausgeübt wird, quasi eine Art neo-feudale Kasten-Gesellschaft. Staatsrechtlich sind Gerichte, Verordnungen, Abkommen oder Gesetze völlig irrelevant. Es spielt also keine Rolle, was im GG steht.

Lotta Vorbeck

10. Januar 2022 17:55

@Ein Fremder aus Elea - 10. Januar 2022 - 04:44 PM

"Die BRD ist wesentlich korporalistisch, quasi in Zünften organisiert."

 

→ kor·po·ra·tis·tisch

Maiordomus

10. Januar 2022 18:05

Für mehr historische Fairness müsste das Grundgesetz im Rahmen der deutschen Verfassungsgeschichte wohl differenzierter analysiert werden als hier bei Waldstein praktiziert. Siehe z.B. das Buch v. Peter Unruh, Der Verfassungsbegriff des Grundgesetzes (2003), n.b. war Unruhs Vater ein Forsthoff-Schüler, Forsthoff wiederum in den vierziger Jahren eng verbunden mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Steltzer (aus dem einstigen Kreisauer Kreis), der wie noch andere Gründerväter der Union konservativ-föderalistisch dachte. Es ist nun mal so, dass die Mitglieder des Parlamentarischen Rates nicht als Marionetten einer fremden Macht einzuschätzen sind, wobei klar ist, dass z.B. der Ordo-Liberalismus, aber zumal Verfechter des Subsidiaritätsprinzips einiges zum Grundgesetz beigetragen haben. Dabei neigte man zum System des Partei-Parlamentarismus, was Steltzer aber nicht behagte. Ein echter Patriot der frühen CDU war der christlichsozial eingestellte Parlamentarische Rat Kaiser, welcher als Opponent der Oder-Neisse-Grenze noch deutschnational dachte. Waldstein wirkt hier insofern etwas tendenziös, als Carlo Schmids Diktum "Modalität der Fremdherrschaft" gerade nicht das war, was er selber, Adenauer, Heuss, Schumacher, Kaiser u. Co. mit der Bundesrepublik vorhatten. 

Laurenz

10. Januar 2022 18:08

@TvW (2)

4. Der wichtigste Artikel des GGs ist, wenn wir mal so tun, als wollten wir es ernst nehmen, nicht "Die Würde des Hanswursts ist unantastbar", sondern, wie es sich auch aus Ihrem Artikel ergibt, 20 (2) "in Wahlen & Abstimmungen".

Es gibt aber keine Abstimmungen, weil, wie mir mein ältester Herzensfeund (Jurist) erklärt hat, die maßgeblichen Verfassungsrechtler Abstimmungen als optional ansehen. Ich, als Nicht-Jurist, antworte dann: Wenn wir in mehr als 70 Jahren keine Abstimmung zu vergegenwärtigen hatten, braucht man es auch nicht ins GG zu schreiben. Und man könnte ja auch auf die Idee kommen, wenn Abstimmungen optional sind, dann Wahlen vielleicht auch.

5. Nochmals der Bezug zur Bedeutungslosigkeit von GG, Staatsrecht & internationalem Recht. Sie, TvW, sehen doch aktuell, daß unsere bildungsfernen Restposten, die jetzt als Minister fungieren, wie Lindner & Bärbock, die ersten Tage vollmundig auf die Bühne sprangen & mit einem Schlage, ob der Realitäten verstummt sind. Wenn die auf ihre Kollegen (mit Bildung) treffen, dreht sich das Gespräch vordergründig nur um Waffen. "Ich habe 2k Hyperschall-Marschflugkörper. Wie viele hast Du?"

Maiordomus

10. Januar 2022 18:16

PS. Forsthoff mit seinem berühmten Kommentar und nicht wenige weitere Carl-Schmitt-Schüler haben sich Mühe gegeben, das Grundgesetz, wenn man es etwas salopp so sagen darf, in der Folge  "deutschfreundlich" zu interpretieren. Noch interessant für den Beobachter von aussen das vielzitierte 650-Seiten-Opus "Parlament - Ort der politischen Entscheidung. Legitimationsprobleme des modernen Parlamentarismus - dargestellt am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland.", vor zehn Jahren im Basler Verlag Helbing Lichtenhahn erschienen.  Das Oeuvre eines Schweizer Verfassungsrechtlers (Q. Weber) enthält zumindest im Kleingedruckten nicht wenige verwendbare kritische Anmerkungen und scheint zumal für eine Aussensicht hochkompetent verfasst. Auf jeden Fall handelt es sich nicht um eine herkömmlich konventionelle sozusagen pflichtgemässe  allzu brave Verteidigung der FDGO. 

Laurenz

10. Januar 2022 18:18

@TvW (3)

6. Die "Alt68ger" sind nicht schuld an der gesellschaftlichen Umsetzung von '45. 45 ist auch auch der falsche Zeitpunkt. Die NS-Führung wußte schon Januar '42, das es vorbei war. 

Schuld sind die konservativen Juristen, wie Sie, TvW.

Ob nun mit Stipendium der Konrad-Adenauer- oder sonst einer Stiftung, ob selbstfinanziert, konservative Juristen gehen schon seit 50 oder 60 Jahren lieber in die Wirtschaft, um Geld zu verdienen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung, hingegen, hat vorbildhaft über Jahrzehnte großzügig Stipendien vor allem an linientreue Frauen (Frauen sind fleißiger & schreiben die besseren Noten) verteilt & diese selbst gezogenen Juristen in der Judikative installiert. Da sitzen sie nun mehrheitlich.

Fassen Sie Sich & Ihresgleichen an die eigene Nase.

Maiordomus

10. Januar 2022 18:47

Die Pointe des oben genannten Buches des Schweizer Verfassungsjuristen über das deutsche Parlament trägt einen Titel mit Fragezeichen: "Parlament - Ort der politischen Entscheidung?" Das Fragezeichen habe ich vergessen, wobei die unterschwellige Kritik nicht bei den Verhältnissen 1945 - 1949 ansetzt, sondern bemerkenswerterweise bei der "Europäisierung" des deutschen Verfassungsrechts in den letzten Jahrzehnten. Hier zeigt sich ein nicht kleiner Teil des wahren Dilemmas. Bei Waldsteins von mir zum Teil kritisierten Artikel ist indes nicht beanstandet, dass ein ethnischer Volksbegriff, sofern man den selben nicht gerade absolut setzt, zur Zeit der Entstehung des Grundgesetzes sogar noch eine unbestrittene und unbestreitbare Selbstverständlichkeit war. Bekanntlich hängt dieser Volksbegriff sogar noch mit den damaligen Vorstellungen von "deutscher Schuld" und "deutschem Schicksal" zusammen, gehörte zentral auch zu Adenauers Denken, den man übrigens längst als Antisemiten einzuschätzen begonnen hat, genau so wie Widerstandsleute wie den Pastor Niemöller und andere. Gerade aber im Zusammenhang mit dem Grundgesetz erwies sich Adenauer im besten machiavellistischen Sinne den Alliierten gegenüber als ein Schlitzohr. Auch für den alten Guttenberg und Strauss, wohl selbst für Augstein, gab es noch ein "deutsches Volk".

Der_Juergen

10. Januar 2022 19:21

Erfreulich, dass sich Thor von Waldstein wieder einmal zu Worte meldet. Ich finde seinen Beitrag sehr gut.

Solange Deutschland nicht souverän ist, wird es keine neue, ihm auf den Leib geschnittene Verfassung erhalten; die Deutschen müssen mit dem vorlieb nehmen, was sie zurzeit haben, dem GG eben, und dieses optimal ausnutzen. Es muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass das GG Meinungsfreiheit, Forschungsfreiheit, Glaubensfreiheit und was der schönen Dinge mehr sind verspricht, dass diese Freiheiten den Deutschen jedoch in der Praxis verweigert werden, und zwar nicht erst seit dem Auftakt des Covid-Wahnsinns. Schon ab Ende der siebziger Jahre wurden regelmässig politische Prozesse geführt (die gab es bereits vorher, aber nicht im selben Ausmass). Unabhängige Geschichtsforscher wurden, oft für lange Jahre, hinter Gitter gesteckt, missliebige Bücher massenhaft verboten. Hätte man das GG ernstgenommen, so wären diese Dinge nicht geschehen. 

Ausserdem bietet das GG dem Bürger die Möglichkeit, sich auf das in ihm verbriefte Widerstandsrecht zu berufen. Gegen ein Regime, das alle vem Volk versprochenen Rechte mit den Füssen tritt, ist jede sinnvolle Form von Widerstand legitim, bis hin zu Massenstreiks und Sabotage. Demonstrationen sind nützlich und notwendig, bewirken aber allein keine Wende.

Rautenklause

10. Januar 2022 19:22

Seit mir mein Kardiologe in der Reha geraten hat, mich weniger aufzuregen, kommentiere ich hier (eigentlich) nicht mehr. Aber auf diese ad personam Schafshice (Nagold dixit) von Vielschreiber Laurenz hinsichtlich TvWs ausgeschlagener Karriere im Staats- oder Parteidienst möchte ich nur die Frage stellen: die Vita des Verfassers ist Ihnen schon bekannt oder? Sollte dem so sein, so erübrigt sich aber auch die Frage, welche Behörde oder maßgebliche Partei einen ehemaligen NHB-Vorsitzenden eingestellt hätte. Es bleibt dann aber die Ungereimtheit, warum Sie so etwas schreiben?
(...)

Pferdefuss

10. Januar 2022 19:50

Zu bedenken: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar.' So? Die Würde, früher hätte sie  'Ehre' geheißen ist    e i n   Attribut 'des Menschen'. unter vielen Sie ist entweder von vorn herein, neben anderen (welchen?) des Menschseins zu 'würdigen' oder der Mensch hat sich ihrer würdig zu erweisen, er hat sie zu erwerben ('Würdigung'). 'Unantastbar' ist - der Mensch.   

Monika

10. Januar 2022 20:09

Aus dem Text spricht ein Bedauern ob des Untergangs des deutschen Volkes als Ethnie, bedingt durch eine nicht souveräne staatliche Organisationsform. Ob das alles so stimmt, vermag ich nicht zu beurteilen. ( Allerdings steht Frankreich ja auch nicht besser da.) Eine Anmerkung möchte ich zu Punkt 5 machen.Wenn das Volk in unseren Tagen im Gegensatz zu den Geschehnissen in der DDR im Herbst 89 marginalisiert ist, dann stellt sich doch zuerst die Frage, warum das in der DDR seinerzeit anders war. Ich war damals beruflich mit der Menschenrechtssituation in der DDR beschäftigt und habe den Zerfall der DDR als Ausreisebewegung beschrieben. D.h. Fast zehn Prozent der damaligen DDR-Bürger  waren entschlossen, dieses System zu verlassen, was über das Stellen von Ausreiseanträgen betrieben wurde. Die Gründe für die Systemunzufriedenheit kann man nachlesen ( mangelnde Reisefreiheit, getrennte Familien, Versorgungsmängel, marode Häuser, Straßen usw. ) Mit der BRD gab es zudem eine attraktive Alternative. Noch ist die Situation in der heutigen BRD mit den Zuständen in der DDR nicht vergleichbar, weshalb aber nicht das „Widerstandsrecht ins Leere“ läuft, sondern der Innendruck noch nicht so groß ist, dass es zum Widerstand kommt. Außerdem gibt es keine deutsche Systemalternative. Der Druck könnte sich die nächsten Jahre erhöhen. Zarte Ansätze sind bemerkbar. Dann könnte es zu Unruhen kommen, allerdings unter anderen Rahmenbedingungen wie damals . 

Imagine

10. Januar 2022 20:28

1/2

„Das Grundgesetz (GG) entstand 1948 / 49 nicht als frei gewählte Verfassung eines souveränen (west-) deutschen Staates, sondern als »Organisationsform einer Modalität der Fremdherrschaft« (Carlo Schmid).“

Das ändert jedoch nichts daran, dass es die beste und freiheitlichste Verfassung der deutschen Geschichte war, so freiheitlich, dass das rechte Establishment mit den Notstandsgesetzen 1968 die Grund- und Freiheitsrechte einschränkte und als Vorratsgesetz eine Notstandsdiktatur legalisierte.

Deshalb wurde das Grundgesetz von den freiheitlichen Kräften in Form der damaligen APO so entschieden verteidigt.

Aus meiner Sicht können Sie, Herr v. Waldstein,  als Jahrgang 1959 nicht nachvollziehen, was das Grundgesetz für uns freiheitlich gesinnte junge Menschen der ersten Nachkriegsgenerationen bedeutete.

Deutschland war zwar sowohl im Westen wie im Osten von faschistischer Herrschaft befreit worden, aber dadurch waren die Deutschen im postfaschistischen Nachkriegsdeutschland nicht zu freiheitlichen Menschen geworden. Überall gab es noch Nazi-Methoden, mit denen unterdrückt wurde und konformistisches Verhalten hergestellt wurde.

Das betraf Haarschnitt und Kleidung, die Erzwingung von Meinungs- und Verhaltenskonformität und vor allem auch das Sexualverhalten.

Als Sie in die Pubertät kamen, hatte sich die BRD schon entscheidend liberalisiert.

Imagine

10. Januar 2022 20:28

2/2

Die repräsentative Demokratie ist als Scheindemokratie konzipiert, welche die reale Klassenherrschaft einer Minorität verschleiert. Dies kritisierte schon John Stuart Mill vor fast 200 Jahren.

Formen direkter Demokratie können, wie das Beispiel Schweiz zeigt, die Abschaffung liberaler gesellschaftlicher Verhältnisse und den Übergang zu einer neoliberalen Finanzdiktatur nicht verhindern, wenn es keine ausgeglichenen Vermögens- und Machtverhältnisse gibt.

Ein Fremder aus Elea

10. Januar 2022 20:41

Lotta Vorbeck,

hmm, ja, war mir schon klar, aber ich sehe nicht recht, warum das Wort nicht genauso gut von korporal wie von Korporation abgeleitet werden kann, und ich habe nunmal eine ausgeprägte Aversion gegen übermäßige Silbenwiederholungen wie in: Es ist besser für Sie, sie zuzusenden.

mart hart

10. Januar 2022 20:55

ich stimme den Thesen zu.

Eo

10. Januar 2022 21:19

Nun, ein Aspekt
scheint mir nicht unwesentlich und sei hiermit nachgetragen  —   nämlich der Tag, an dem dies GG beschlossen und inkraft gesetzt wurde. Und als dieser gilt der 23. Mai 1949.

Fürwahr, ein nicht sonderlich
gut aspektierter Tag, denn ein 23. 5. ist auch der Tag des Prager Fenstersturz' und wird in den Geschichtsbüchern als der Tag, an dem der 30jährige Krieg ausbrach, geführt.

Warum ausgerechnet dieser Tag
gewählt wurde, ist mir nicht bekannt. Ob da historische Ignoranz vorliegt oder womöglich sogar so etwas wie Absicht dahinter steckt  —  wer wejß ?   Interessant außerdem, an welchem Ort ein Teil der Verhandlungen und Beratungen dazu stattfanden ...

 

 

Laurenz

10. Januar 2022 21:52

@Imagine

Das, was Sie über das Kriegs- & Nachkriegsdeutschland schreiben, unterscheidet sich wie von anderen Staaten des Westens oder Ostens? In der SS konnte jeder jedweder Herkunft, außer Juden vielleicht, Offizier werden, in den USA, unserem GG-Spender nicht. Sexuelle Liberalisierung geschah nur in Deutschland? Wenn Sie Sich das Kalkutta an der Spree, also Berlin, in den 20ern anschauen, waren die Armut & der Hunger vordergründig für die "goldenen" 20er für Leute mit Geld verantwortlich. Sie sollten nicht vergessen, wem Sie Ihr Leben zu verdanken haben & glücklich darüber sein, wenn Sie mit Liebe gezeugt wurden.

Laurenz

10. Januar 2022 22:21

@Eo

"Nur ein Aspekt, der 23.05."

Ich habe nichts gegen Horoskope, aber wenn wir hier vielleicht von der Nutzung dieser absehen könnten? 

Es gibt eben nur 365 (366) Tage im Jahr & an jedem einzelnen Tag finden wir irgendwas Historisches mit dem man das Unglück herbeibeschwören kann. Um das zu vermeiden, müßten wir das Jahr um einen guten Monat verlängern, um wieder Luft mit frischen, unbelasteten Tagen zu gewinnen.

Übrigens, an jedem Tag, der uns geschenkt wird, feiern sicher ein paar SiN-Leser Ihr Wiegenfest, auch am 23.05.

Feiern wir doch jeden Tag mit. Laßt die Korken knallen für alle diejenigen unter, welche im Sternzeichen des Steinbocks am 10.01. das Licht der großen weiten Welt erblickten.

Ich bin übrigens für die Jahreswende am Frühlingsanfang. Vielleicht hat ja wer ein paar Ideen dazu, wie man das umsetzen könnte.

Gracchus

10. Januar 2022 22:43

Meine mal-sehen-wie viel-Thesen zum Text:

1. Die ersten Thesen stimmen. Man dachte wohl, dass deutsche Volk ist nicht ganz demokratietauglich und muss zum Demos erst noch erzogen werden. Plakativ gesagt: Die Schuld an den NS-Verbrechen wurden auf das einfache Volk abgewälzt. Das wirkt noch bis heute nach. Etwa wenn Demokratie als Wertekanon verstanden wird.

2. Heinz Ehrhardt finde ich ganz lustig. 

3. Eine sozialtechnologische Brise: Luhmann nennt die Verfassung einen autopoeitischen Text. Parodox gesagt: Nicht das Volk bringt die Verfassung hervor, sondern die Verfassung des Volk. Die Verfassung ist strukturelle Kopplung zwischen Recht und Politik. An anderer Stelle spricht er von einem parasitären Mechanismus, von dem beide profitieren. Das Recht verschafft der Politik Legitimität, die Macht dem Recht - nun ja: Macht, Zwangsmittel. Die Kopplung ist fragiler als es aussieht: Die Politik könnte auch einfach in den Wind schlagen, was die Verfassung sagt, wer will sie denn zwingen, wenn sie über Zwangsmittel verfügt.     

Gracchus

10. Januar 2022 22:59

4. Verfassungen ähneln einander. Der Grundrechtsteil besteht aus Generalklauseln, die nicht unbedingt beliebig auslegbar sind, aber doch offen und somit zeitgeistoffen. Kein Verfassungstext hätte das m. E. verhindern können, was von Waldstein an der Rechtsprechung des BVerfG bemängelt - allenfalls ein Volk in anderer Verfassung, um die Schmitt'sche Unterscheudung zwischen Verfassungstext und eigentlicher Verfassung anzubringen.

5. Ich bedaure, dass man 1990 keine Verfassungsgebung versucht hat. Möglich, dass man nichts riskieren wollte. Aber wie hätte die ausgesehen? Wie sähe die aus, wenn man morgen eine verfassungsgebende Versammlung einberufen würde? 

6. Von Waldstein schießt auf die Verfassung, trifft aber oft genug das Volk, das so gar nicht seinen Idealvorstellungen entspricht. Das finde ich das Paradoxeste. Ist es mit der Liebe zum Volk bei den Rechten vielleicht gar nicht so weit her? Gilt sie dem Volk, wie es ist, oder wie es sein sollte?

 

Gracchus

10. Januar 2022 23:13

7. Womöglich naht das Ende des Verfassungsstaats. Die EU kommt ohne aus.

Es deutet sich an, dass die Politik nicht mehr so arg auf rechtliche Legitimität angewiesen ist. Wissenschaft verspricht mehr. Was wäre gewesen, wenn das BVerfG gesagt hätte: Anthropogener Klimawandel - Quatsch! Bundesnotbremse -Quatsch. 

Vielleicht wird es Verfassungsrechtlern bald so gehen wie dem Klerus: Ihre Zustimmung ist nur pro forma gefragt.

 

Imagine

10. Januar 2022 23:43

1/2

„Neben einer ausgeprägten Aversion vieler Deutscher gegen alles Politische hat nicht zuletzt diese plebiszitäre Machtlosigkeit des Volkes maßgeblich zu der Heranbildung einer Zuschauerdemokratie geführt. In dieser pilgert der Bürger, so er sich denn überhaupt an Wahlen beteiligt, alle paar Jahre zum Wahllokal, danach streift er aber sofort wieder den Mantel des Souveräns ab, um in seine flauschig ausstaffierte Rolle als konsumistischer Privatmensch zurückzufallen. Auf diese Weise wurde der zukunftsorientiert im Interesse des Gemeinwohls handelnde citoyen mehr und mehr verdrängt von dem Typus eines hedonistisch in den Tag lebenden bourgeois.“

Der zukunftsorientiert im Interesse des Gemeinwohls handelnde Citoyen war ein bürgerliches Idealbild, das zu seiner Realisierung jedoch zweier Voraussetzungen bedarf:

1. Institutionen der Elitenbildung, welche Citoyens heranbilden. Das ist das Humboldtsche Erziehungsideal.
2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche Gemeinwohlverhalten belohnen.

Dies ist in der kapitalistischen Marktökonomie nicht der Fall. Da sind die egoistischen, rücksichtslosen, raffgierigen, betrügerischen oder räuberischen Typen wirtschaftlich erfolgreich.

Waldgaenger aus Schwaben

10. Januar 2022 23:57

Diese Betrachtung der toten Buchstaben unseres Grundgesetzes ist sinnlos. Keine nun so gute Verfassung hätte die Grenzöffnung 2015, die Hingabe unserer Währung, die anstehende Impfpflicht verhindert, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wahrscheinlich widersprach dies alles sogar dem Wortlaut des Grundgesetzes. Geschehen ist es trotzdem. Geschehen wäre es auch bei jeder anderen Verfassung. 

In unserem Volke ist Geist der Freiheit tot oder schläft tief. Ihn zu aufzu(er)wecken ist die Aufgabe.

 

heinrichbrueck

11. Januar 2022 00:21

Erlaubte Politik(er): Wer gegen das Grundgesetz verstößt, wird nicht bestraft. 

Verstoß gegen die Menschenrechte = verfassungswidrig = Nazis + linksextremistische Antidemokraten (Alibi). Das GG einer "abstrakten" Gefahr auszusetzen, es gilt die Gleichheit vor dem Gesetz, handelt strafbar.

Ergebnis: Ausländer in Deutschland = Deutscher in Deutschland. Deutschland ist nicht mehr das Land der Deutschen. 

Und wer schützt dieses Gesetz? 

Luisman

11. Januar 2022 01:38

Leider gibt es zum Widerstandsrecht keine Durchfuehrungsverordnung (z.B., dass man das 'Rasen betreten' Schild Schlag 8 Uhr morgens abraeumen darf, aber nach 6:30 abends wieder aufstellen muss). Mit einer derart wild wuchernden Freiheit kann der buerokratisch orientierte Deutsche doch nichts anfangen. Und den Satz "Ihr duerft revoluzzern, wenn ihr glaubt ihr koennt gewinnen." muss man nun nicht unbedingt in eine Verfassung schreiben.

Ohne ein Gruendungsmythos, der beim Grossteil der Buerger einen gewissen Stolz auf das Erreichte hervorruft, ist ein GG oder eine Verfassung reine Makulatur. Wenn der Mythos verblasst und unterminiert wird, wie z.B. in den USA, verbleibt ein Stueck Papier, welches man interpretieren kann. Ich schrieb schon mal in meinem Blog: Angesichts der Inflation der Vorschriften, von den 10 Geboten, ueber die US Verfassung (27 minus 2 Artikel), zum Grundgesetz mit 146 Artikeln, kommt es mir nur so vor, oder wird die Gesetzesgrundlage umso schlechter, je mehr Artikel sie enthaelt?

Franz Bettinger

11. Januar 2022 04:51

In einer 'Republik', die so verkommen und pervers ist wie seit Merkel die deutsche (die ich gern weiter die Merkel’sche nennen würde), bleibt mir das Wort Würde im Halse stecken. Nicht mit der Zange ist dieses verlogene und missbrauchte Wort anzufassen. Solange nicht die selbstverständlichsten unter den Grundrechten wiederhergestellt sind, verbietet sich der Tanz um ein so goldenes Kalb / ein so hehres Prinzip wie die Würde (Wert) des Menschen. Das wäre Orwellesk.

Maiordomus

11. Januar 2022 05:13

@Imagine/Monika/Rautenklause: Es scheint so, dass es in Sachen Grundgesetz, welches wie jede Verfassung (was das GG nicht mal sein wollte) kritisierbar und revidierbar sein muss, bei ernst zu nehmenden Debattern eine realistische und vernünftige Perspektive gibt. Dabei sind die Ausführungen von @Gracchus von machiavellistischer Schärfe, d.h., er sieht die Dinge lieber wie sie sich in der Realität leider zeigen als wie man sie gern sehen würde. Die Auseinandersetzung erfordert  intellektuelles Format und genaue Kenntnisse, nicht nur der politischen Entwicklung, zumal noch seriöses Studium vorhandener, zum Teil doch ausgezeichneter verfassungsrechtlicher Literatur. Selber war ich acht Jahre lang in Milizfunktion für die Verbesserung des Verfassungsrechts in meinem eigenen Land tätig, bei gründlichem Literatur- und Geschichtsstudium sowie permanenter politologischer Analyse. Dafür konnte man von den historischen deutschen Verfassungsdebatten profitieren. Nicht schlecht war für 1949, dass es sich langsam herumgesprochen hatte, dass die Macht missbraucht werden kann und der Rechtsstaat wirklich seine Vorteile hat!

Maiordomus

11. Januar 2022 07:09

@Waldgänger aus Schwaben. Sie sehen richtig, dass auch eine durchaus zustimmungsfähige Verfassung eine katastrophale Politik nicht verhindern kann, siehe die von Ihnen angeführten Beispiele. In der Schweiz wurde sogar noch die in die Bundesverfassung geschriebene Bestimmung, von Volk und Ständen 2014 plebiszitär eingeführt, mit Vorwänden, es gäbe noch andere Verfassungsbestimmungen und die Verträge mit der europäischen Union gingen vor, nun mal nicht umgesetzt und wir hatten in Prozenten selbstverständlich auch seither in Prozenten zur Bevölkerung  die viel grössere Masseneinwanderung als Deutschland. In Afghanistan und in afrikanischen Ländern gab und gibt es fortschrittliche Bestimmung betr. Frauenemanzipation, angeblich liegt da Botswana usw. vor diversen mitteleuropäischen Ländern. Aber Verfassungen können schlechte Politik und schlechte Regierungen nicht verhindern, immerhin z.B. Abwahlmöglichkeiten gewähren, die je nachdem wahrgenommen werden oder nicht, auch als "Chance" zur Verschlimmbesserung wie gegenwärtig in der BRD. Also Verfassungen nicht überschätzen, wenngleich doch auch nicht unterschätzen.

Laurenz

11. Januar 2022 07:11

@Maiordomus @Imagine/Monika/Rautenklause

"Die Auseinandersetzung erfordert intellektuelles Format und genaue Kenntnisse, nicht nur der politischen Entwicklung, zumal noch seriöses Studium vorhandener, zum Teil doch ausgezeichneter verfassungsrechtlicher Literatur."

Mitnichten, Maiordomus, mitnichten!

Das, was Sie zu diesem Thema schreiben, ist & bleibt politisch belanglos.

Nicht mit einem Federstrich, aber mit einem Kreuz haben die Schweizer in mehreren Volksabstimmungen ihre bisherige Freiheit selbst & bewußt verspielt, so ganz ohne intellektuelles Format & seriöses Studium. Diejenigen, die an der Macht sind, interpretieren eine Verfassung nach Gutdünken, auch mittlerweile in der Schweiz.

Die Abhängigkeit der deutschen Justiz von der Politik haben wir natürlich den US-Amerikanern zu verdanken. Und dazu natürlich noch die ganzen arbeitslosen  Komödianten, denen die Politik die Jobs wegnimmt, wie zB hier 

https://www.european-news-agency.de/politik/bundesregierung_ruegt_kasachstan-82931/

RMH

11. Januar 2022 07:40

1990 geschah etwas typisch Politisches:

Man sah das "Zeitfenster" für eine Widervereinigung als sehr knapp an (so zumindest wurde das damals transportiert - ich war, wie wohl die Meisten oder viele hier, Zeitzeuge). In diesem Zusammenhang wollte man sehr schnell fest eingeschlagene "Nägel mit Köpfen" via Beitritt von "neuen" Ländern zum GG machen und bildete als Trostpflaster getreu dem Motto, und wenn ich mal nicht weiter weiß, dann mach ich einen Arbeitskreis, die sog. gemeinsame Verfassungskommission, die sich u.a. auch mit der Frage des Art. 146 GG beschäftigen sollte (Ergebnis: Fehlende Volksabstimmung ist keine Legitimationsdefizit, also lassen wir es lieber ...)

Was dabei insgesamt heraus gekommen ist, wissen wir alle ... Eigentlich ist das GG nach 1990 noch einmal verschlechtert worden.

Grundsätzlich ist der Blick von @W.a.S. aber auch @Grachus der Richtige:

Die Geburt des GG aus einer Niederlage und dem Status der Besetzung ist lediglich ein Anfangsfaktum. Die Deutschen waren und sind willige Umsetzer aller Vorgaben und Streber eigener Art. Die Tendenz, all dass, was in Deutschland antipatriotisch, volksauflösend etc. erscheint, den Siegermächten oder Dritten in die Schuhe zu schieben, ist abzulehnen. Den deutschen Demonstranten tritt der deutsche Polizist mit Tonfa und Pfefferspray entgegen, den deutschen Patrioten treten deutsche Propagandisten in den MSM entgegen etc. - die Liste lässt sich beliebig verlängern.

 

Franz Bettinger

11. Januar 2022 08:23

@TvW: großartige richtige Thesen, brillant formuliert! 

tearjerker

11. Januar 2022 09:26

Ok, Verfassung kommt und dann passiert nochmal was genau?

Gotlandfahrer

11. Januar 2022 09:44

1/2

Der obige Beitrag ist, als komprimiertes Briefing zum Werdegang der Lage, nicht nur von jedem Neueinsteiger in die Materie zu verinnerlichen, sondern auch für Fortgeschrittene als Besinnungsfaltblatt stets am Mann zu tragen.  

Und dennoch ein Versuch, Hoffnung zu spenden.  Wenn man das mit den Voraussetzungen des freiheitlichen, säkularisierten Staates, der von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann, ins anthropologisch Evidente verlängert, so ergibt sich die Feststellung, dass doch wohl jedes Recht den Machtverhältnissen folgt, nicht umgekehrt.  Egal ob mir der Clanchef die Hand auf die Schulter legt, um festzustellen, dass er mir nun nicht mehr vertrauen könne, in einer goldenen Bulle Ernennungsmodalitäten festgelegt werden oder ich mich an das Verwaltungsgericht wenden darf, wenn mich der Maschendrahtzaun des Nachbarn nervt:  Stets drückt sich im „Recht“ die Bewirtschaftungsformel der Zeit aus, d.h. wie Herren den gegenseitigen Zugriff auf Vermögensgegenstände, also auch Sklaven, regeln und wie Sklaven untereinander ihre Angelegenheiten ausfechten dürfen, ohne hierdurch die Interessen ihrer Herren zu gefährden.  Zugestandene Sklavenansprüche gegen Halter dienen dabei der Kostenminimierung durch Abmoderation etwaiger Unzufriedenheiten („Gegen diesen Bescheid können Sie Einspruch erheben bis zum…“).

Gotlandfahrer

11. Januar 2022 09:45

2/2

Das ist auf den ersten Blick deprimierend, auf den zweiten so ernüchternd Klarheit über die Ursachen des heutigen Verfalls herstellend, dass es andererseits auch wieder von der Verzweiflung befreit.  Denn natürlich ist das Heute ein Ergebnis von 1945 – einer bedingungslosen Kapitulation der Wehrkraft eines Reiches.  Dies entspricht dem vollständigen Wegfall seiner externen Verhandlungsfähigkeit zur Wahrung der Interessen des durch dieses Reich sich selbst organisierenden Volkes.  Und in logischer Konsequenz auch seiner internen Verhandlungsfähigkeit.   Deswegen gibt es am Grundgesetz selbst gar nichts herumzumäkeln, es ist völlig unerheblich, ob man es nun als „gut“ oder „schlecht“ empfindet.  Niemand hat vor, das Grundgesetz zu missachten.  Denn es kommt ja ohnehin nur darauf an, wer was kann.  Denn jedes Gesetz wird beliebig interpretiert oder ignoriert, wenn „man“ es „kann“ – dies ist im besten Deutschland, das wir je hatten, zu besichtigen.  Zur Beruhigung Mitlesender, die für die arbeiten, die das können: Ich kann es nicht, ich bin klein, mein Herz ist rein.

Ach so, das mit der Hoffnung: Die ist ebenfalls zu besichtigen. Einfach mal rausgehen.

Maiordomus

11. Januar 2022 09:58

@Luisman, imagine u. andere. Wer die Geschichte der Verfassungen und ihre Hintergründe auch nur halbwegs kennt, weiss, dass es keinen "Verfassungspatriotismus" gibt. Verfassungen funktionieren nur dann, wenn das dahinter stehende Ungeschriebene, in den angelsächsischen Ländern besonders gewichtig, funktioniert. Ein Volltreffer der Ausdruck von @imagine "Zuschauerdemokratie", was angesichts vom Formaten wie Maybrit Illner u. Co. leider immer wörtlicher zu nehmen. Das absolute Gegenteil von Zuschauerdemokratie ist die seit 1387 belegte Landsgemeinde von Glarus, die je nachdem, zum Beispiel 1836 und 2009 revolutionäre Entscheide fällte, sogar gegen den Willen der Resteidgenossenschaft und der eigenen Regierung bei Volksversammlungspräsenz vor Ort. Funktionierte aber trotzdem nur dank eingespielter Tradition, so wie in Obwalden mal ein in Bern bereits designierter Parlamentspräsident noch kurz vor Amtsantritt abgewählt wurde, weil er eine Leserbriefschreiberin überheblich abgeputzt hatte. Solche Dinge sind ehrlich gesagt leider nur in kleinräumigen Strukturen möglich, vgl. die einstige athenische Demokratie, Dabei gab es mit dem "offenen Handmehr" wegen Druck etwa von Arbeitgebern und anderen "Relevanten" auch schon Probleme. 

Sugus

11. Januar 2022 10:09

-Der papierfixierte Deutsche glaubt, ein paar Seiten Papier hätten Auswirkungen auf das (Staats-)Leben.

-Das GG wurde nach einer Niederlage installiert. Jedes auf seine Verfassung stolze Land hat die Verfassung in Verbindung mit einem Sieg installiert (USA) oder in Verbindung mit einem Systemwechsel, der nicht von außen aufgezwungen war (Frankreich). Allein deshalb kann es keinen deutschen "Verfassungspatriotismus" geben.

-Papier ist geduldig. Eine rechte Renaissance, eine AfD als faktische Staatspartei könnte im Rahmen des GG stattfinden. Entscheidend ist, was im politischen Leben passiert und was das Volk bewegt.

Valjean72

11. Januar 2022 10:13

Eo:

Nun, ein Aspekt scheint mir nicht unwesentlich und sei hiermit nachgetragen  —   nämlich der Tag, an dem dies GG beschlossen und inkraft gesetzt wurde. Und als dieser gilt der 23. Mai 1949.

 

Bemerkenswerter in diesem Zusammenhang erscheint mir folgender Sachverhalt:

Villa Rothschild – die Wiege der Bundesrepublik

Heute ist die "Villa Rothschild" in Königstein im Taunus ein Luxushotel. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte – als Sommerpalais des jüdischen Bankiers Wilhelm Carl von Rothschild und als Tagungsort des Parlamentarischen Rates vor 60 Jahren, an dem das Fundament der Bundesrepublik gelegt wurde.

(Quelle: WELT.de; 20.05.2009)

 

Carlo Schmid:

Was heißt denn: „Parlamentarischer Rat“ ? Was heißt denn: „Grundgesetz“? Wenn in einem souveränen Staat das Volk eine verfassunggebende Nationalversammlung einberuft, ist deren Aufgabe klar und braucht nicht weiter diskutiert zu werden: Sie hat eine Verfassung zu schaffen.

Maiordomus

11. Januar 2022 10:17

@Gotlandfahrer. Für den Fall, dass Sie sich für deutsche Verfassungsgeschichte interessieren: Es würde sich lohnen, sich mit den kleinräumigen Demokratieversuchen im süddeutschen Raum, etwa der Hauensteiner Einung im Hotzenwald und der Salpeterer-Bewegung zu befassen, vielleicht auch mit der Geschichte Ostfrieslands, deren Meister Wilhelm Schapp geworden ist. Und generell mit der süddeutschen föderalistisch-demokratischen Freiheitstradition. So katastrophal im Prinzip die Vernichtung des Deutschen Reichs war, womit nicht das 3. Reich gemeint sein kann, das diese Niederlage verursacht hat; verfassungsgeschichtlich sind Grossreiche für die Freiheitsgeschichte unglückliche Beispiele, was Rousseau gewusst hat, dessen Anwendung der Staatsvertragstheorie, geeignet für den Stadtstaat Genf, auf den ganzen französischen Raum eher unglücklich war. Das Grundgesetzt 1949 war auch deshalb nur als Verlegenheitslösung möglich, weil  Deutschland 1945 auch verfassungspolitisch auf einem Nullpunkt stand. Der Einfluss von angelsächsischem Verfassungsdenken war nach dem Krieg nicht per se schlecht, so wie unter Napoleon unter seinen eroberten Ländern z.T. durchaus Verfassungsfortschritte erzielt worden sind.

Laurenz

11. Januar 2022 10:21

@Alle

Auch wenn 

@Rautenklause

& meine Antwort für Ihn gelöscht wurden, möchte ich mich nochmals an @RMH & @Gracchus angelehnt, vom desorientierten Volk ablenken. Die Situation hat sehr wohl etwas mit dem Verhalten der politisch denkenden Konservativen generell zu tun. Es geht nicht um das explizite Schicksal TvWs, auch wenn Seine Karriere im Binnenschiffartsrecht symptomatisch ist. So viele Sozis wird es da als Fachanwälte nicht geben, weiß ich aber nicht.

Ich ließ die Juristen hier dran glauben, weil das Thema des Artikels im wesentlichen das GG berührt.

Die Übernahme der Institutionen steckt in den Genen der Linken, Konservative haben dazu keine Lust, weil unternehmerische Freiheit & die Option des Geldverdienens nach oben begrenzt ist.

Solange hier kein Umdenken stattfindet, wird es auch in 30 Jahren schwierig werden. Setzt doch eine Übernahme der Institutionen voraus, daß nur wenige den Helden spielen & ihre Haltung offenbaren.

Maiordomus

11. Januar 2022 10:21

PS. Die unglücklich Konstellation freiheitlicher Verfassungen in Verbindung mit Grossreichen: Die Vereinigten Staaten waren zur Zeit ihrer Gründung und der Geburt ihrer Verfassung noch kein Grossreich, sondern bestenfalls, nach dem Sezessionskrieg, eine Art Mittelmacht. Und das klassische Werk von Alexis de Tocqueville von 1836, De la démocratie en Amérique, ist zugleich liberal und demokratiekritisch, was zu denken geben sollte. Die Demokratie ist und bleibt eine stets zu kritisierende Regierungsform, ist übrigens im Gegensatz zur Republik keine Staatsform. 

Noch ein Hesse

11. Januar 2022 10:28

Ohne inhaltlich Bereicherndes beitragen zu können, möchte ich doch sagen: Was für ein fantastischer Text, inhaltlich umfassend und fundiert, sprachlich glänzend. Und m. E. auch notwendig, um mit genau dem beschriebenen antivölkischen Verfassungspatriotismus endlich aufzuräumen, der vielen intelligenten und wohlmeinenden Deutschen immer noch den Blick vernebelt.

 

Valjean72

11. Januar 2022 10:34

Zitat:

Das anderslautende, von vielen Konservativen noch heute gepflegte Narrativ, die 1950er und 1960er Jahre seien die gute alte Zeit der Bundesrepublik gewesen, in die dann 1968 quasi über Nacht die bösen Linken eingebrochen seien, um das heile Kiesingerdeutschland kaputtzumachen, hat mit der historischen Realität wenig bis nichts zu tun.

Treffend formuliert, wie der gesamte Beitrag. Solche Konservative gibt es nach wie vor zuhauf.

Sandstein

11. Januar 2022 10:42

„6. Von Waldstein schießt auf die Verfassung, trifft aber oft genug das Volk, das so gar nicht seinen Idealvorstellungen entspricht. Das finde ich das Paradoxeste. Ist es mit der Liebe zum Volk bei den Rechten vielleicht gar nicht so weit her? Gilt sie dem Volk, wie es ist, oder wie es sein sollte?“

Also ich kann da nur für mich sprechen, aber zunehmend fühl ich mich entfremdet von meinen Landsleuten. Denke wer sich des Öfteren im Ausland bewegt bekommt sehr schnell eine Ahnung davon, was mit diesem Volk nicht stimmt. Der Hang zur ständigen Bevormundung, Gängelung, Missgunst, Verleumdung - das ist schon etwas sehr deutsches. Schon unsere holländischen Nachbarn sind deutlich anders, also entspannter drauf. 
Steile These aber ich werfe sie mal in die Runde: durch die Traumata der finalen Niederlage und die Bevormundung durch die Alliierten (die bis heute anhält) wurde der Deutsche seiner Identität beraubt und dies lässt er dann an der einzigen Gruppe aus, die ihm noch als akzeptabler Feind geblieben ist: die eigene Sippe.  
So erkläre ich mir jedenfalls die Giftigkeit mit der Deutschen gegen Deutsche vorgehen, während jedem noch so zwielichtigen Fremden gehuldigt wird. 

Schwarzseher

11. Januar 2022 11:00

„Das Grundgesetz (GG) entstand 1948 / 49 nicht als frei gewählte Verfassung eines souveränen (west-) deutschen Staates, sondern als »Organisationsform einer Modalität der Fremdherrschaft« (Carlo Schmid).“

Gab es denn je eine souveränen deutschen Staat? Nur etwa 40 Jahre nach der Reichsgründung 1871, genauer eines deutschen Nationalstaates, wurde seine Souveränität auf die Probe gestellt. Was diese tatsächlich wert war. Das Diktat von Versailles hat es dann gezeigt. 1938 bis 41 gab es einen letzten Versuch die Deutsche Souveränität zu behaupten. Das Ergebnis war das Grundgesetz, welches die Souveränitäts-Situation der Deutschen widerspiegelte. In diesen Thesen angeschnitten.

Nach 1945 trat die Welt mit der Entwicklung der Atombombe in die Ära des „Dritten Nomos“ (Schmitt) ein, in der es so etwas wie nationalstaatliche Souveränität überhaupt nicht mehr gab. Nur die zwei Pole, USA und Russland mit ihren Atomwaffen waren Souverän. Und die haben ihre ökonomische und politische Ordnung durchgesetzt, nicht nur im besiegten Deutschland sondern überall in ihren Machtbereichen. Ganz gleich wie die einzelnen Verfassungen der Nationalstaaten formuliert waren. Heute in der Postmoderne hat die Sache eine noch ganz andere Qualität angenommen.

Sind „Nationalstaat“ und „nationale Souveränität“ heutzutage eigentlich nichts weiter als bloßer Populismus, mit dem man noch zwar einige Leute ansprechen kann, aber hinter dem doch nur das Nichts kommt?

Monika

11. Januar 2022 11:02

Es ist müßig, sowohl im individuellen wie im kollektiven Leben,  verpassten Chancen nachzutrauern. Was wäre gewesen, wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte ? Darüber will ich gar nicht nachdenken. Was wäre, wenn 1989 zur staatlichen Souveränität geführt hätte und Angela Merkel nie Kanzler geworden wäre ?  Da kann man sich in der Tat bessere Alternativen vorstellen. Natürlich gibt es Personen und Eckdaten, an denen man Entwicklungen festmachen kann, die die Geschichte in die eine oder andere Richtung treiben. Wolfgang Schäuble hat als Intiator der Deutschen Islamkonferenz 2006 m.E. die Islamisierung Deutschlands wesentlich betrieben. Trotzdem bleibt der Ausgang vieler Politischer Vorhaben ungewiss. Der Faktor „unzufriedenes Volk“  ist unberechenbar . 

Dietrichs Bern

11. Januar 2022 11:20

Ich bitte um Verzeihung, dass ich den Elfenbeinturm langweilig finden muss.

Recht, dass um ein Abendessen bei den Regierenden zu haben ist, ist ein Verbrechen. Ob es formal auf einem Grundgesetz oder einer Verfassung aufgebaut ist, ist uninteressant. 

Monika

11. Januar 2022 11:23

Im Moment gehen tausende ( vorwiegend)  Deutsche jeden Montag spazieren und die Herrschenden und die Mainstream -Medien sind irritiert, weil sie nicht einordnen und somit kontrollieren können, was da passiert. Schubladendenken ( böse „Querdenker“, Impfverweigerer, Rechtsextreme, Esoteriker etc. ) führt zu dysfunktionalen Maßnahmen und seltsamer Berichterstattung,  da es sich wohl in der überwiegenden Zahl um ganz normale Menschen aus allen Schichten handelt. Bemerkenswert ist, dass Tausende auch im Westen auf die die Straße gehen, wo man es nicht vermutet ( Hamburg, Freiburg, Köln ) EINIGKEIT . Die Menschen gehen gegen die Willkür der Coranamassnahmen auf die Straße und weil es keinen sachlichen Dialog darüber gibt. RECHT. Sie wollen FREIHEIT und wenn es nur die Freiheit ist, eine Tasse Kaffee ohne Einlasskontrolle im Café zu trinken. Bewegungen beginnen im Unpolitischen. Was daraus wird oder gemacht wird ? Das werden wir sehen. 

Laurenz

11. Januar 2022 11:24

@Sandstein

Der deutsche Traum vom "Weltbürgertum" ist schon alt. Vielleicht kann 

@Maiordomus

mehr dazu sagen. Jedenfalls ist das im Westen nichts Neues.

Der von Ihnen angesprochene föderale Charakter der Deutschen, welcher sich bis heute erhalten hat, teilt Vor- und Nachteile.

Die anglophilen Neigungen Wilhelms II & Hitlers haben einerseits etwas mit Neid zu tun und andererseits mit der Ignoranz zur Deutschen-Liebe anderer, die unter den Briten litten. 

Die Entspanntheit der Niederländer basiert darauf, daß dort über viele Jahrhunderte keiner wirklich arbeiten mußte, im Gegensatz zu den "Hochländern", die mehrheitlich in Deutschland lebten. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Kolonien ertragreich, danach gewannen sie eher strategische Bedeutung.

In Deutschland waren trotz viel Arbeit die Lebensgrundlagen oft knapp. Das spannt extrem an, wenn man sich Sorgen um das Durchkommen der Kinder machen muß.

Im Grunde muß man Bonaparte dafür fast dankbar sein, daß er den deutschen Föderalismus zu einem kleinen Maß einschränkte. Sonst würden wir wohl heute noch auf dem Weg zur Arbeit 2 Grenzzäune überqueren.

Laurenz

11. Januar 2022 11:32

@Schwarzseher

https://www.heise.de/tp/features/Am-Vorabend-einer-neuen-Jalta-Konferenz-6321266.html

@Monika

"Was wäre gewesen, wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte ? Darüber will ich gar nicht nachdenken."

Dieser Krieg war von Beginn an aussichtslos aus Sicht der Deutschen & wenn Sie so wollen, auch aus Sicht der Briten. Denn alle Europäer haben in diesem Krieg und in dem davor verloren.

Hätte die Aussicht bestanden, daß Deutschland den Krieg gewinnen könnte, hätte es keinen Krieg gegeben. Von daher ist Ihre obige Aussage völlig sinnlos. Wie Sie schon Selbst schrieben, Sie haben darüber nicht nachgedacht.

tearjerker

11. Januar 2022 11:48

Wer ist in der Bundesrepublik der Souverän? In den USA liegt die Souveränität soweit ich das verstehe bei den Gouverneuren. Wer füllt diese Position in Deutschland?

Maiordomus

11. Januar 2022 12:27

@Sandstein. Je grösser die Masse, desto kleiner ist die Chance, dass als Massanzug für eine betroffene Bürgerschaft eine den Verhältnissen angemessene Verfassung derselben zugeschneidert werden kann, erst noch mit der Möglichkeit, ganz persönlich an der Urne Ja oder Nein dazu zu sagen, wobei in Sachen "Europäische Verfassung" ein Nein wie in Frankreich oder zunächst Irland noch das Konstruktivste war. Das "Volk" weiss nämlich am ehesten, da ist es durchaus primär kompetent, was es nicht will. Den Schrei der Masse "Ja" für den "totalen Krieg" zum Beispiel kann man nur einer vorsortierten und vormanipulierten Masse vorlegen. Das wäre in einem Kleinstaat nur als Faschingsnummer möglich geworden. Aber das Wichtigste: In einem europäischen Bundesstaat können diejenigen Staaten, die irgendeinen Anteil ernsthafter Bürgermitbestimmung über die formale "Zuschauerdemokratie"  (imagine) hinaus sich historisch erarbeitet haben, zur Hauptsache nur mit Freiheitseinbussen rechnen, allenfalls mit dem Dostojewskij-Lockvogel: "Knechte mich, aber mach mich satt!". was am Ende dann erst noch im 2. Teil ein blosses Versprechen bleibt. 

Umlautkombinat

11. Januar 2022 12:38

@Sandstein

Es gibt ja diese typischen Diskussionsauftakte speziell in anklagender Form zu entsprechenden Themen: "In keinem anderen Land ist xyz... wie in Deutschland...". Das ist objektiv selten umfassend zu halten. Natuerlich gibt es auch ganz spezifische Gruende fuer ebensolche Verhaeltnisse wie meinetwegen die Entmuendigung der Deutschen (West: Amerikaner, Ost: Russen) nach dem Krieg z.B. im Aussenpolitischen und seiner Spiegelseite des deutschen Wohnzimmers, in dem man dann als Ersatz herumgespielt hat, weil man das nur dort zuliess. Obiger Diskussionsbeginn ist in seiner absoluten Art der Formulierung genaugenommen auch nur eine spezielle Inkarnation davon.

Die allgemeinen Bedingungen des "der Mensch ist des Menschen Wolf" sind aber universell. Nehmen Sie als Beispiel die Russen und als Aussenstehender nur die Literatur: Solschenizyn, Dostojewski, Gorki (in seiner autobiographischen Trilogie, nicht die spaeter unter Lenins Einfluss verzerrten Buecher die er schrieb). Da tut ueber verschiedene Epochen hinweg auch jeder jedem alles an. Unter ganz verschiedenen Randbedingungen. Fuers Ausland generell gilt: Man muss eine ganze Weile dort leben, dann kommen die dortigen Abgruende automatisch :)

 

Gotlandfahrer

11. Januar 2022 12:42

@Sandstein & die Liebe Rechter zum Volk (gilt sie Sein oder Sollen?)

Ihre von Gracchus aufgegriffene Frage ist hochinteressant und von Ihnen dadurch beantwortet, dass Sie die Traumata benennen, die das Verhalten verursachen, das Sie von unseren Landsleuten entfremdet.  Die Störung ihrer Liebe ist also einer Einwirkung auf das deutsche Volk geschuldet.  Es ist doch anzunehmen, dass, da Deutsche zumindest bis 1914 nicht im Besonderen als „charakterlos“ in der Geschichte auftraten, diese Verhaltensauffälligkeit auch in jedem anderen Volk zu Tage gefördert worden wäre, hätte sich ein solches vergleichbaren Einflüssen ausgesetzt gesehen. Der Blick gen Westen bestätigt dies, denn dort ist man ebenfalls im Eimer. Angesichts dessen wundere ich mich sogar, was für stahlharte Nehmerqualitäten selbst die deutsche Schneeflockenjugend aufweist.  Denn diese schafft es trotz allem, auf gleichem Niveau zu zetern.  Womöglich ist es also eher ein GEMEINSAMES Trauma, das alle westlichen Völker entwürdigt.

Wie auch immer, wenn aber Ihr Liebesmangel in der traumabedingten Störung des Volkes gründet, und nicht in seinem Wesen, das es ohne diese Störung an den Tag legte, zeigt das, dass Sie Ihr Volk dafür lieb(t)en, wie es eigentlich ist, nicht dafür, wie es über einen Normalzustand hinaus idealerweise sein sollte.  Natürlich bin auch ich entsetzt über den Zustand meines Volkes.  Aber deswegen kann ich doch nicht aufhören, es zu lieben.  Ich habe doch kein anderes, und es ist ein wundervolles Volk.

Sandstein

11. Januar 2022 13:17

@Gotlandfahrer 

"[...]dass Sie Ihr Volk dafür lieb(t)en, wie es eigentlich ist, nicht dafür, wie es über einen Normalzustand hinaus idealerweise sein sollte.  Natürlich bin auch ich entsetzt über den Zustand meines Volkes.  Aber deswegen kann ich doch nicht aufhören, es zu lieben.  Ich habe doch kein anderes, und es ist ein wundervolles Volk." 

Ja, so ist es. Gut gesagt.

@Umlaufkombinat 

"Man muss eine ganze Weile dort leben, dann kommen die dortigen Abgruende automatisch"

Sicher ist dem so, aber gefühlt ist Deutschland mittlerweile ein einziger seelisch-moralischer Abgrund. 

@Maiordomus 

..bin mir nicht ganz sicher, wie ich Sie zu verstehen habe. Meine Aussage zielte ja darauf ab, dass die deutsche Volksseele krank ist. Und zum Gesunden (ein Zeichen dieser Gesundung wäre die Einforderung einer eigenen Verfassung) bedarf es einer Therapie. Also Schluss mit dem NS-Fetischismus, dem falschen Gedenken. Das geht jetzt aber weg von der juristischen Verfassungsdebatte.

@Laurenz 

Stimme Ihnen zu und weiß auch um die Handels- und Kolonialgeschichte der Holländer. Bin dennoch überzeugt dass Bombenkrieg, Enteignung, Vertreibung, Entfremdung vom Deutschtum Ursachen der heutigen Situation sind.

zeitschnur

11. Januar 2022 13:39

Es ist für mich einenn Gedanken wert, sich zu fragen, ob das deutsche Volk in dem Moment verrottete, in dem es einen Verfassungsstaat, einen Nationalstaat erhielt. Der schleichende, über Jahrzehnte weg schmerzhaft zelebrierte Untergang des "Kranken Löwen" im 19. Jh suggerierte den Deutschen, das Heil käme aus Verfassung und Zentralisierung (denn zu nicht anderem führt jeder Verfassungsstaat). Nichts ist undeutscher als Zentralisierung und Vereinheitlichung, ja, wir stehen dafür, dass das Heil aus der natürlichen Streuung (Dezentralisierung) und der freien Vielfalt kommt. Die Deutschen gibt es entweder als eine freie Vielfalt an Stämmen und frei hinzuströmenden Einzelmenschen, oder es gibt sie gar nicht.

Bisher ist jeder Verfassungsstaat auf deutschem Boden gescheitert. Sowohl das Kaiserreich von 70/71 schaffte es nicht, durch eine Verfassung auch nur irgendetwas zu sichern noch Hugo Preuß' Weimarer Verfassung, noch die österreichische Bundesverfassung von 1920 und erst recht nicht die Nachkriegsverfassungen, eine davon ist ja schon untergegangen.

Es konnte nicht anders kommen. "Verfassungspatriotismus" ist der Gipfel undeutscher Idiotie. Dass derzeit gerade D und Ö so krachend scheitern und das an ihren Verfassungen, spircht mE für meine These.

Laurenz

11. Januar 2022 13:47

@Sandstein @L.

"Bin dennoch überzeugt dass Bombenkrieg, Enteignung, Vertreibung, Entfremdung vom Deutschtum Ursachen der heutigen Situation sind."

Ja, natürlich, insoweit ich Sie richtig verstehe, Alleine die Analyse reicht doch nicht. Mittlerweile bewegt sich mehr, auch wenn die Russen dagegen halten.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-03/kolonialzeit-mexiko-spanien-vatikan-entschuldigung

@Tearjerker

"In den USA liegt die Souveränität soweit ich das verstehe bei den Gouverneuren."

Falls Sie Recht haben, gilt das nur formal. Jeder Gouverneur weiß haargenau, was passiert, wenn er aus dem Ruder läuft. DC schickt sofort Truppen. Auch wenn die US-Amerikaner nicht wissen, daß Europa hinter dem Atlantischen Ozean liegt, so sind sie doch über den Bürgerkrieg recht genau informiert. Im Amerikanischen Bürgerkrieg ging es genau um die Frage der Souveränität, als sich mehrere Bundesstaaten separierten. Die föderierten Sezessionisten, propagandistisch genannt Rebellen, verloren den Kampf um ihre Souveränität, wie Sie sicher wissen werden.

Maiordomus

11. Januar 2022 13:52

@Sandstein. Ich glaube Sie sehr gut zu verstehen. Anstelle des popanzartigen NS-Fetischismus das Bewusstsein, dass die Macht unter allen Bedingungen, leider auch demokratischen, erst recht sozialistischen, permanent missbraucht werden könnte, wogegen Verfassungen zwar nicht das einzige und zumal auch nicht das allein wirksame Instrument sind, aber bei passender Installation zur richtigen Zeit beim angemessenen Volk eines der wichtigen Instrumente sein könnte, sofern man es mit dem Justizstaat nicht übertreibt. Schon wegen der Nähe zu den Parteien und zu den Regierungen funktioniert das ja vielfach nicht. Aber natürlich braucht es eine funktionierende Rechtsordnung mit Akzeptanz sowohl in der Tradition wie auch gemäss Sachgerechtigkeit und konsensfähiger Prinzipien. 

Laurenz

11. Januar 2022 13:56

@Zeitschnur

"ob das deutsche Volk in dem Moment verrottete, in dem es einen Verfassungsstaat, einen Nationalstaat erhielt."

So sehr man den Föderalismus mögen kann, so muß man historisch festhalten, daß bis Bonaparte, der römisch-zentralistisch herrschende König von Frankreich grundsätzlich häufiger über den Rhein schipperte, den Knüppel auspackte, um diesen oder jenem deutschen Kleinfürsten auf die Fresse zu hauen. Und bei der germanischen Zwietracht fand er dabei desöfteren auch noch gleichartige deutsche Verbündete. Daß diese Praxis mit dem preußisch-französischen Krieg ein Ende hatte & in Ihrem Sinne keine Glück brachte, kann man dem entgegenhalten, daß es seit es deutsche Könige in Frankreich gab, dies den deutschen Stämmen kein Glück brachte. Daß die französischen Könige im Grunde alles Deutsche waren, haben uns die Gallo-Römer bis heute nicht verziehen.

Imagine

11. Januar 2022 14:09

1/2

Es ist nicht die Verfassung, welche die Entwicklung einer Gesellschaft bestimmt, sondern es sind die realen Machtverhältnisse in der Gesellschaft, mit denen Teile der Gesellschaft ihre Interessen umsetzen.

Alle wesentlichen Veränderungen („Reformen“), die in Deutschland seit 1968 stattfanden, waren gegen das Grundgesetz und seinen freiheitlich-demokratischen Geist gerichtet.

- Die Notstandgesetze von 1968
- Die Bildungs- und Hochschulreformen mit dem Ziel der Zerstörung des klassischen Gymnasiums und der klassischen Universität
- Berufsverbote (Radikalenerlass 1972)
- die Zulassung des Privatfernsehens durch Kohl 1982
- Wiedervereinigung 1990 ohne legitimierte Verfassung durch Kohl
- Teilnahme an völkerrechtswidrigen Angriffskrieg 1999

- neoliberale Deregulierung, „Agenda 2010“ durch rotgrüne Regierung

- Unterwerfung unter „EU-Verfassung“ durch Merkel (Vertrag von Lissabon 1997)
- Merkelsche Immigrationspolitik
- Corona-Notstandsdiktatur – auf Basis einer in Wirklichkeit nicht existierenden „epidemischen Notlage“. Übergang zu totalitärer Herrschaft.

Imagine

11. Januar 2022 14:11

2/2

Die Deutschen haben den Krieg verloren. Und die beste und freiheitlichste deutsche Verfassung aller Zeiten – das Grundgesetz -basierte auf US-amerikanischen Gesellschaftsvorstellungen und Zielsetzungen. Das ist richtig.

Aber was dann ab Ende der 60-er Jahre aus Deutschland gemacht wurde, wurde vom „schwarzen“ deutschen Establishment (= dominierender rechter Flügel der CDU/CSU) - zeitweilig in Koalition mit der SPD - umgesetzt.

Die Mehrheit des deutschen Volks hat diese Veränderungen ohne Widerstand hingenommen, die – meist außerparlamentarischen – Oppositionsbewegungen dagegen wurden von der Volksmehrheit nicht unterstützt.

zeitschnur

11. Januar 2022 14:31

@ Maiordomus

Ist eine Rechtsordnung identisch mit einer Verfassung?

Eine Verfassung ist immer ansatzweise ideologisch fundiert und darum extrem gefährlich in dem Moment, wo sie monströs erweitert wird um alles mögliche, das dann die Rechtsordnung regelrecht aushöhlt. Wir haben im Moment doch eher den Eindruck, dass Recht und Verfassung sich gegenseitig regelrecht aushebeln und die Bälle zuspielen in der Entrechtungstaktik, mit der man dem Bürger förmlich den Stuhl unterm Hintern wegzieht. Vergessen wir nicht, dass der NS, ohne weitere Probleme bei Juristen zu wecken, mitten auf der Weimarer Verfassung sein Unrechts- und "Maßnahmen"-Regime aufpflanzen konnte und perfiderweise für dieses Unrechtsregime die Verfassung als stützenden Sockel benötigte. Genau das erleben wir gerade ja wieder (vgl. Ernst Fraenkl, Der Doppelstaat 1940). Vermutlich kann sich wohl doch nur der bewaffnete Bürger im Zweifelsfall vor dem übergriffigen Gebilde namens Staat schützen - so wie in den USA. Auf die schützende Verfassung können wir offenkundig getrost pfeifen.

Und der Deutsche, nun mal nicht für Verfassungen geschaffen, kapiert das gar nicht. Er lässt sich im scheinbar sicheren Systemkorsett einfach emotional treiben. Er hat seine Identität gewissermaßen abgegeben an ein Konstrukt, dem er vertraut. Er findet es nicht mal seltsam, wenn der Präsident des VerfG mit der Exekutive vor wichtigen Entscheidungen Kaffee trinkt.

zeitschnur

11. Januar 2022 14:53

@ Laurenz

Ihre Antwort an mich verfehlt mein Thema. Aber schön, spielen wir es durch: Angegriffen wird Deutschland als Verfassungsstaat erst so richtig derb nach dem dt./frz. Krieg. Sie selbst betreiben doch mir gegenüber immer schulmeisterlich einen Geschichtsrevisionismus, den gerade ich überhaupt nicht nötig habe: Heute weiß jeder, dass der WKI nicht von D und Ö ausging, sondern von den guten alten Feinden und nun in geballter multinationaler Ladung inklusive Täterumkehr. Dagegen war Napoleon immer noch ein Spaziergang. Und seitdem immer mehr klar wird, wer den NS aufgebaut und finanziert hat, waren die Weimarer Republik samt Österreich als gerupftem Bundesstaat leichte Beute. Auch diesmal wieder mit gekonnter Täterumkehr. Während des HRR wäre so etwas niemals gelungen. Und dann - lesen Sie den Artikel oben genau: Seit 1945 wird der Rest in hybrider Kriegsführung abgewickelt, so, dass der inzwischen weitgehend verdummte Deutsche das einfach nicht glauben kann und auch noch traumatisiert-destruktiv-autoaggressiv das vollendet, was Einflüsterer von außen ihm einblasen. Noch mal: Welche Mängel das HRR immer hatte, aber das wäre so niemals unter seinen Bedingungen gelungen.

Dass die nützlichen Idioten in Gestalt dieser anderen Nationen auch nur Liebediener globaler Konzern- und Logeneliten samt der RKK sind - geschenkt. Frieden wird erst dann einkehren, wenn es keine größeren Machtkonzentrationen gibt.

Maiordomus

11. Januar 2022 14:58

@Zeitschnur. In einem der freiheitlichsten Verfassungsstaaten des 19. Jahrhunderts, dem Stadtstaat Zürich, formulierte der immerhin erzliberalradikale Handwerkermeister Hediger bei Gottfried Keller um 1855 den folgenden Satz: "Keine Bataillone und keine Regierung vermögen Recht und Freiheit zu schützen, wenn der Bürger nicht selbst imstande ist, vor die Haustüre zu treten und zu schauen, was es gibt." Dies gilt insbesondere auch für die Illusion, der Buchstabe der Verfassung, selbst noch je nach dem geschützt durch Gerichte, vielleicht auch nicht, genüge für die Sicherung von "Einigkeit und Recht und Freiheit", wie Kellers Zeitgenosse Hoffmann von Fallersleben für die deutsche Hymne formulierte. Insofern ist natürlich dort, wo der Bürger keine Chance des Direkteinflusses hat, also in der Bundesrepublik Deutschland und in den meisten EU-Staaten, das auf die Strasse-Gehen, siehe dieser Tage in Paderborn und Hannover, gewiss nicht das letzte, unbeschadet der z.B. v. Bosselmann letzte Woche geäusserten Bedenken. Nur sollte man das wohlige Massengefühl wiederum nicht automatisch mit Im-Recht-Sein verwechseln. Die Verfassungen sollten diese Lage indes gewährleisten. 

 

Waldgaenger aus Schwaben

11. Januar 2022 15:28

@Maiordomus

Ich hatte es 2015 überlegt und wiederhole das Gedankenspiel nun aktuell bei der Impfpflicht:

Was wäre wenn Deutschland wie die Schweiz wäre? Schweizerische Verfassung, nicht in der EU und der Nato?

Ich befürchte es wäre noch schlimmer gelaufen bzw. liefe noch schlimmer. 2015 hätte eine Volksabstimmung nach dem Schließen der Grenzen durch Ungarn, wohl entschieden weitere Millionen aus Afrika und dem Nahen Osten einzufliegen, so aufgeheizt war die Stimmung. Diskrete, diplomatische Warnungen aus Frankreich und EU-Kanäle in Ungarn haben, befürchtend die Melkkuh könnte verenden, vielleicht Schlimmeres verhindert. 

Jetzt wäre eine Impfpflicht, wahrscheinlich mit Impfungen durch unmittelbaren polizeilichen Zwang, schon längst per Volksabstimmung beschlossene Sache. Jedenfalls vernehme ich Unerhörtes von Volkes Stimme. Die Nicht-Behandlung Ungeimpfter auf der Intensivstation ist noch human, gegen Vorschläge diese in Lagern zu sammeln. Ein Stammtischbruder, bekennender Wähler der Linken, wies sogar nach einigen Bieren  auf seit fast achtzig Jahren leer stehende Baracken nahe bei München hin. 

Laurenz

11. Januar 2022 16:28

@Zeitschnur @L. (1)

"Deutsche Geschichte nach der II. Reichsgründung."

Die deutsche politische Erfahrung der herrschenden feudalen Klasse ist im wesentlichen auf 1.000 Jahre (oder mehr) Gleichgewicht im I. Reich fokussiert. International fehlte die politische Erfahrung von Kolonialreichen oder Seemächten, auch militärisch. Solange Deutschland ein Flickenteppich war, blieb es nach dem Mittelalter Spielball der Großmächte. Solange bis Bismarck in die Rente geschickt wurde, war dann alles im Lot, ein reiner Glücksfall. Aber zeigen Sie mir irgendein Dokument, ein Note oder ähnliches, daß es einen deutschen Versuch gegeben hätte, zwischen anderen europäischen Staaten Krieg zu säen. Sie werden nichts finden. Man hätte dies zB mit der Aufgabe der Berliner Abkommens von 1878 gegen der Willen der Habsburger erreichen können, welches sowieso von den Entente-Mächten gebrochen wurde, womit die Schuldfrage eindeutig geklärt ist. Aber mit einem Adria-Zugang für Rußland (über Serbien) wäre man außen vor geblieben.

Laurenz

11. Januar 2022 16:34

@Zeitschnur @L. (2)

Die Weimarer Zeit war doch im Grunde noch schlimmer als Krieg & nur die Nationalsozialisten waren politisch willens, diese Zersetzung zu beenden. Aber nach 1929 wäre auch jeder anderen Reichsregierung nicht viel anderes übrig geblieben, als den politischen Kurs radikal zu ändern. Um das ein für allemal zu beenden führten die Alliierten wieder Krieg, ganz egal, wer in Berlin an der Macht war. Jetzt sind wir quasi wieder in Weimar, Weimar 2.0. 

Luisman

11. Januar 2022 16:44

@maiordomus

Man kann den Begriff "Verfassungspatriotismus" im Sinne der amerikanischen Rechten verwenden und dann wird er dem nicht gerecht, was ich meine. Wie ich schon sagte, muss dem ein Gruendungsmythos vorausgehen, ansonsten ist es eben nur ein Stueck Papier, wie das GG.

Analog zu dem, was Curt Doolittle (propertarianism bzw. natural law institute) beschreibt, denke ich, dass es eine spezifisch europaeische Evolutionsstrategie gab/gibt, welche Recht (Wahrheit) priorisiert, Staat (Militaer/Polizei) an zweite Stelle setzt, und Religion an dritte Stelle. Dennoch spielen alle drei Faktoren eine gewichtige Rolle, nicht nur im Evolutionsprozess, sondern in der Aufrechterhaltung dieser Prioritaeten.

Ich habe das Thema in einem Blogartikel zusammengefasst, viel von Curt uebernommen, ergaenzt und 'eingedeutscht':

https://luismanblog.wordpress.com/2021/06/10/europaische-evolutionsstrategie/

(Wenn ihr den Link nicht moegt koennt ihr ihn natuerlich loeschen, oder den Artikel hier kostenlos uebernehmen.)

Luisman

11. Januar 2022 16:44

(2)

Auszug: Viele meinen, dass wir mit der Aufklärung in Europa nun alle zu Rationalisten wurden. Allerdings, wenn wir diesen Rationalismus zielgerichtet, wissenschaftlich auf die Frage anwenden, wie rational wir uns verhalten, stehen wir vor einem Dilemma. Wir entscheiden vor allem triebgesteuert und anhand des eingeprägten Wertesystems aus dem Bauch heraus, rein gefühlsmäßig. Das ist nun mal eine wissenschaftliche Tatsache, ein Naturgesetz, welches wir nicht ändern können. Das rein rationale Nachdenken, das wissenschaftliche Arbeiten, ohne Dogmen und Gefühle, ist uns nur schwer möglich. Genau deshalb ist Mythologie, sind religiöse/moralische Geschichten für uns alle wichtig. Nicht weil wir großteils zu dumm zur Rationalität wären, sondern weil wir eben überwiegend gefühlsgesteuert im täglichen Leben operieren. Und gerade weil das für uns so dominant ist, muss man sehr sorgfältig auswählen, welche Religion(en) man zulässt, und diese Gefühle von Staat und Recht trennen.

RMH

11. Januar 2022 16:52

@MD,

zur Ihrem G. Keller Zitat passt das berühmte Zitat Ernst Jüngers aus dem Waldgang (evtl. hat er sich von Keller inspirieren lassen?):

„Lange Zeiten der Ruhe begünstigen gewisse optische Täuschungen. Zu ihnen gehört die Annahme, daß sich die Unverletzbarkeit der Wohnung auf die Verfassung gründe, durch sie gesichert sei. In Wirklichkeit gründet sie sich auf den Familienvater, der, von seinen Söhnen begleitet, mit der Axt in der Tür erscheint. Nur wird diese Wahrheit nicht immer sichtbar und soll auch keinen Einwand gegen Verfassungen abgeben. Es gilt das alte Wort: »Der Mann steht für den Eid, nicht aber der Eid für den Mann.« Hier liegt einer der Gründe, aus denen die neue Legislatur im Volke auf so geringe Anteilnahme stößt. Das mit der Wohnung liest sich nicht übel, nur leben wir in Zeiten, in denen ein Beamter dem anderen die Klinke in die Hand drückt.“

@zeitschnur,

auch wenn es Eulen nach Athen tragen ist ergänzend: Zum Ende der Völker durch den Staat, siehe Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Abschnitt "Vom neuen Götzen"

 

Imagine

11. Januar 2022 16:54

@Maiordomus  11. Januar 2022 14:58
„In einem der freiheitlichsten Verfassungsstaaten des 19. Jahrhunderts, dem Stadtstaat Zürich, …
Insofern ist natürlich dort, wo der Bürger keine Chance des Direkteinflusses hat, also in der Bundesrepublik Deutschland und in den meisten EU-Staaten, das auf die Strasse-Gehen …“

Formal könnten die Schweizer ihre Interessen noch in Volksabstimmungen durchsetzen.

Aber sie stimmen regelmäßig gegen ihre – rational betrachtet – eigenen Interessen.

Weil sie einer übermächtigen Bewusstseinsmanipulation ausgesetzt sind.

Deswegen gehen auch in der Schweiz -  so wie in der BRD und der EU – Bürger auf die Straße, weil sie gegen die herrschende Medienmacht ihre Interessen und ihren Willen öffentlich machen wollen.

Jedoch ohne wirklichen Einfluss, denn das Schweizer Volk stimmt regelmäßig im Interesse der herrschenden Klasse ab.

Vor 30 Jahren war die Schweiz noch sozialliberal, seit der Jahrtausendwende wurde sie zunehmend neoliberal umgewandelt, inzwischen ist sie post-liberal und entwickelt sich immer totalitärer. Da gibt es keine großen Unterschiede zur BRD oder zu westlichen EU-Staaten.

Gustav

11. Januar 2022 16:58

@ imagine

Ihr blinder Fleck ist - wie immer - die Frankfurter Schule....

Dieter Rose

11. Januar 2022 17:39

Vielleicht wäre mal ein Repetitorium gut, wann man "das" und wann man "dass" verwendet.

Sandstein

11. Januar 2022 18:29

@maiordomus

"Schon wegen der Nähe zu den Parteien und zu den Regierungen funktioniert das ja vielfach nicht." 

ich verknüpfe das mal mit der Aussage von @zeitschnur

"Nichts ist undeutscher als Zentralisierung und Vereinheitlichung, ja, wir stehen dafür, dass das Heil aus der natürlichen Streuung (Dezentralisierung) und der freien Vielfalt kommt. Die Deutschen gibt es entweder als eine freie Vielfalt an Stämmen und frei hinzuströmenden Einzelmenschen, oder es gibt sie gar nicht."

..und ohne das jetzt belegen zu können beschleicht mich der Gedanke, dass wir Deutschen tatsächlich Individualisten sind, die in Freiheit alleine vor Gott Rechenschaft schuldig sind. Umso betrübter festzustellen, dass wir, sobald in Kollektive gepresst (NS, DDR, Parteienstaat BRD) total den Sinn für uns und unser Gemeinwesen verlieren. Und derart entartet dann zu den verrücktesten Dingen "Ja und Amen" sagen. 

Wiegesagt, das ist ne steile These und lässt sich nicht belegen. Ich glaube aber mittlerweile ohnehin nicht mehr dem reinen Zahlengewäsch, Wahrheit spielt in einer anderen Liga. Jedenfalls: die BRD ist in ihrer derzeitigen Verfasstheit eine einzige Lüge.

Nordlicht

11. Januar 2022 18:31

@Gracchus These 3.  

"Die Politik könnte auch einfach in den Wind schlagen, was die Verfassung sagt, wer will sie denn zwingen, wenn sie über Zwangsmittel verfügt."

Könnte? Nun sie tut es, und kann sich des Abnickens durch das BVerfG sicher sein, weil sie (- die Politik) dort willfährige Personen hingesetzt hat. Die Gewaltenteilung besteht bei wichtigen Themen nicht mehr.

Dass dies so möglich war, spricht für die hier vielfach gegebene Einschätzung, dass das Volk politisch desinteressiert ist. Vielleicht ändert sich das, wenn es verarmt.

Ulrike

11. Januar 2022 19:38

@ Waldgaenger aus Schwaben "Was wäre wenn Deutschland wie die Schweiz wäre? Schweizerische Verfassung, nicht in der EU und der Nato? Ich befürchte es wäre noch schlimmer gelaufen bzw. liefe noch schlimmer."

 

Georg Nachtmann hatte in Sezession 102 zum "Versuch über die Illusionslosigkeit" die folgenden schönen Sätze geschrieben:

"Die wahrhafte Konstitution eines Volkes, das für es grundlegende und verbindliche Gesetz, wird nicht durch irgendein Schriftstück - ein Dokument namens Verfassung - bestimmt, sondern durch eine konkrete geistige Verfaßtheit, die jeder Art von Positivität vorgängig ist. ... Was aber durch einen Willkürakt aufgehoben werden kann, ist per definitionem nicht grundlegend. Die basalen Gesetze einer Nation entspringen ihrer ame generale, der überindividuellen Volksseele. ... Die Deutschen sind ein Volk, das zu großen Teilen kein Volk, sondern nur noch Bevölkerung sein möchte. ... So paradox es klingen mag: Gerade Rechte können in der BRD nicht auf das Volk zählen."

zeitschnur

11. Januar 2022 19:44

@ Maiordomus

Die Lage zur Zeit Hoffmanns war kompliziert, denn der "kranke Löwe" schaffte es in einer Art prä-staatlicher Allianz, ganz ähnlich wie heute, mit Zensur, Gewalt, Nutzung der innerdeutschen Grenzen als Terror-Tore, eine Situation zu erschaffen, in der das Volk glaubte, es werde erst dann frei, wenn es sein eigener Souverän würde, was natürlich eine Illusion war. Man wollte Souverän sein, aber bitteschön unter gemütlicher Führung wie im Märchen, nur diesmal zentral. Immerhin scheiterten die Paulskirchengespräche an diesen Fragen: Irgendwie begriffen die intelligenteren Landsleute, dass Deutschtum und Staat nicht kommensurabel sind. Es ist unsere Tragik, dass dann andere zugriffen und diesen Staat herstellten, dem man eben doch mit innerem Zaudern gegenübergestanden war. Das Habsburger Reich drehte noch einmal mit allem möglichen trügerischem Zauber auf, tröstete sich über den Verlust der "Sendung Last" der alten Tage, was sich für mein Gefühl in den seltsam öden, aber mit Stuck verzierten Stadthäusern Wiens ausdrückt und erlosch dann mit dem Fremdkaiserreich daneben wie ein Stern, der abgestürzt war.

Die Deutschen wurden zu Hörigkeit und Autorität erzogen, mE erst konsequent im 19. Jh, und das so nachhaltig und immer mehr, dass wir wirklich am Boden sind.

Imagine

11. Januar 2022 21:34

1/2

@Gustav 11. Januar 2022 16:58
„Ihr blinder Fleck ist - wie immer - die Frankfurter Schule....“

Als Adorno starb, war Th. v. Waldstein 10 Jahre alt, als er nach dem „Deutschen Herbst“ zu studieren anfing, wurde Kritische Theorie an Universitäten nicht mehr gelehrt. Das erklärt den Unsinn, den er über die „Frankfurter Schule“ schreibt.

An Gymnasien wurden die drei großen Theorie- und Denkbewegungen, Marxsche Theorie, Psychoanalyse und der Freudomarxismus nie vermittelt. Auch wir hatten auf dem Gymnasium davon nichts gehört, da wirkte die Kulturzerstörung der Nazis noch nach.

Das waren Leerstellen in der wissenschaftlichen Theorieentwicklung. Diese Lücken und Defizite musste die Studentenbewegung mühsam rekonstruieren, zu größten Teil im Selbststudium und in der Basisgruppenarbeit.

In der DDR wurde ein stalinistisch verhunzter Marxismus-Leninismus gelehrt, von Psychoanalyse und Kritischer Theorie hatten die kein Wissen. Nicht einmal die Schriften von Rosa Luxemburg waren frei zugänglich. Völlige Wüste hinsichtlich kritischer Sozialwissenschaft und Psychologie.

Imagine

11. Januar 2022 21:35

2/2

Ab Mitte der 70-er Jahre war das kritische Geistesleben auch an westdeutschen Universitäten tot.

Wer nach 1955 geboren wurde, kennt die Werke der deutschen Großdenker und Denkriesen nicht, auch wenn diese weltweite Rezeption erhalten haben.

Die Generationen der ab 1955 Geborenen haben nie Anschluss an die großen deutschen Denktraditionen seit Marx und Freud erhalten, da wissen chinesische Studenten in diesen Studienrichtungen mehr.
In Deutschland kenn man nicht einmal den letzten deutschen Großdenker mit welthistorischer Bedeutung.

Der Schwachsinn mit dem angeblichen „Kulturmarxismus“ der Frankfurter Schule kommt aus den USA.

Eo

11. Januar 2022 21:55

@ Laurenz  10. Januar 2022 22:21

Finde die Antwort
samt Frage und dem Geblubber danach doch recht affig, als ob es bei dem 23. 5. um Horoskope und deren Aussagekraft bzw.  Relevanz gegangen wäre.  Und was geschichtsträchtige Daten angeht, bin ich halt anderer Ansicht.

In Sachen Jahreswende
zu Frühlingsbeginn könnten wir allerdings ins Gespräch kommen. Denn darüber hab ich mir schon des öfteren Gedanken gemacht, wie zB. hier:

https://neue-spryche.blogspot.de/2013/01/unlogische-vorverlegung.html

 

Gracchus

11. Januar 2022 22:11

Man kann ja mal in der Phantasie durchspielen: Was wäre, wenn man vorgeburtlich die Wahl hätte, in welchem Volk man zur Welt kommt - warum oder wozu würde man als Deutscher geboren werden wollen?

Ich finde, die Deutschen könnten sich mit mehr Liebe begegnen. Statt zum Beispiel abzuwerten, was man als "typisch deutsch" identifiziert. 

 

Gracchus

11. Januar 2022 22:34

Das Zitat von @Ulrike erinnert mich an Goethes Urworte, orphisch. "Das Gesetz, nach dem ich angetreten ..." Nur schaut's so aus, als wollten die Deutschen ihrem Gesetz entfliehen. Das Gesetz wäre Autorität. Das eigene Gesetz ist das Gewissen. Autoritätshörigkeit muss nicht per se schlecht sein, wenn man nicht den falschen Autoritäten huldigen würde.  

 

Gracchus

11. Januar 2022 22:52

Ich sehe das ähnlich wie @zeitschnur. "Was ist deutsch"-Debatten sind ermüdend. Aber gefragt, würde ich sagen, ohne damit Allgemeinverbindlichkeit zu beanspruchen: Dem, was ich (in mir) als deutsch identifiziere, ist die nationale Käfighaltung zuwider. 

Waldgaenger aus Schwaben

11. Januar 2022 23:02

@Graccus

Fr. Du liebst dein Vaterland, nicht wahr, mein Sohn?

Antw. Ja, mein Vater; das tu ich.

Fr. Warum liebst du es?

Antw. Weil es mein Vaterland ist.

Fr. Du meinst, weil Gott es gesegnet hat mit vielen Früchten, weil viele schönen Werke der Kunst es schmücken, weil Helden, Staatsmänner und Weise, deren Namen anzuführen kein Ende ist, es verherrlicht haben?

Antw. Nein, mein Vater; du verführst mich.

Fr. Ich verführte dich?

Antw. – Denn Rom und das ägyptische Delta sind, wie du mich gelehrt hast, mit Früchten und schönen Werken der Kunst, und allem, was groß und herrlich sein mag, weit mehr gesegnet, als Deutschland. Gleichwohl, wenn deines Sohnes Schicksal wollte, daß er darin leben sollte, würde er sich traurig fühlen, und es nimmermehr so liebhaben, wie jetzt Deutschland.

Fr. Warum also liebst du Deutschland?

Antw. Mein Vater, ich habe es dir schon gesagt!

Fr. Du hättest es mir schon gesagt?

Antw. Weil es mein Vaterland ist.

 

Heinrich von Kleist.

Kurativ

11. Januar 2022 23:07

Wenn der zweite Weltkrieg eine Fortsetzung des ersten Weltkrieges war, dann war das Nachkriegsregime der BRD mit GG und Lizenzpresse eine Fortsetzung des Versailler Vertrages (und St. Germain).

Laurenz

12. Januar 2022 00:30

@Eo @L.

Nennen Sie mir bitte ein Datum, welches nicht

"geschichtsträchtig"

ist?

Der Jahreswechsel paßt nicht in die Weihnachtszeit, er unterbricht die Stille, wie die innere Einkehr. Man könnte fast glauben, die Kirchenmächte hätten bewußt diesen Bruch erzeugen wollen. Wenn ich mich recht erinnere, nutzten die Römer den Frühlinganfang, wie auch die Perser heute noch.

@Imagine

"Freund & Adorno"

braucht niemand, selbst Freund & Adorno nicht. Für wen oder was sollen die gut sein?

Laurenz

12. Januar 2022 00:43

@Volkskritiker

Es mag zwar so sein, daß aktuell Volksabstimmungen ungünstig laufen könnten (BK erwähnte dies bereits in der letzte Folge aRdG), aber damit ignoriert man die Historie. Mit Volksabstimmungen würde es keine Auslandseinsätze der Bundeswehr geben, außer um Deutsche zu retten, es gäbe keine Massenmigration, keine Genderisierung etc.pp.

Mit solchen Abstimmungen wäre auch die heute übliche Feindpropaganda sinnentleert. Natürlich wären solche Abstimmungen desöfteren in den Konflikt mit dem Willen der Siegermächte geraten. Aber mehr wie einmarschieren geht nicht & einmarschiert waren sind sie ja schon.

Imagine

12. Januar 2022 00:53

Herbert Kickl hat sich impfen lassen!
https://youtu.be/irtBnNwirOI

„Liebe Freunde! Ich muss Euch etwas gestehen: Ich habe mich impfen lassen und ich habe eine Impfung der ganz besonderen Art erhalten. Eine Impfung aus Optimismus, Stärke, Zuversicht, Freude und Freiheitswillen. Somit bin ich vollimmunisiert …

Sandstein

12. Januar 2022 01:38

@Gracchus 

zur ersten Frage: ich bin Deutscher von Geburt und stolz darauf. Ich wills nicht eintauschen - gegen keinen Freibrief und kein Gut dieser Welt. Deswegen sind wir doch alle hier, richtig?

"Ich finde, die Deutschen könnten sich mit mehr Liebe begegnen. Statt zum Beispiel abzuwerten, was man als "typisch deutsch" identifiziert."

Das trifft ins Mark. Sie haben Recht, nur wie wollen Sie das in dieser vergifteten Umwelt bewerkstelligen. Dem Volk das Gift aussaugen, das ist in meinen Augen die Aufgabe der Rechte. Allein: ich weiß auch keinen Rat wie das geschehen soll, zu verzwickt die Wege, zu verstellt die Menschen. 

Vielleicht hilft, wie meine Oma Liese-Lotte ( <3) meinte,  nur das Gebet. Und so gläubig wie ich bin, das kann und will ich nicht glauben.

 

Ganz ab vom Schuss: schöne Runde hier und einer der für mich schönsten Stränge seit langem die ich hier auf der SiN gelesen hab. Schön, weil ich hier merke, dass wir nicht allein SiNd mit unseren Gedanken zum Vaterland. 

@TvW: Danke für diesen Artikel, der gehört in jedes Regal. 

RMH

12. Januar 2022 07:31

Wenn man politisch eine Alternative sein will, wird man immer gerne auch danach gefragt WOFÜR man eigentlich sei, denn das DAGEGEN sei ja viel einfacher zu formulieren. Ich persönlich finde das GG nach wie vor im Grunde gelungen - ich würde allerdings an einigen Stellen deutlich nachbessern, wie bspw. bei der Gewaltenteilung, denn eine echte, unabhängige Justiz haben wir bspw. leider nicht. Die Liste lässt sich noch verlängern, aber wenn mir jemand sagt, bitte entwerfen Sie eine Verfassung für Deutschland, dann würde ich klar das GG als Ausgangsbasis nehmen, insofern stehe ich voll auf dem Boden des GG. Nur, weil ein Werk in der Phase der Besatzung entstanden ist, ist es nicht in Bausch und Bogen abzulehnen, zumal in den letzten 31 Jahren die Deutschen es selber in der Hand hatten, aus der Praxis zu erkennende Probleme zu bearbeiten oder aber auch das GG zur Abstimmung im Volk zu bringen. Das wollte man aber seitens unserer politischen Klasse bewusst nicht oder hat, wenn man Bearbeitungen vorgenommen hat, die Türen zur Beschränkung der eigenen Souveränität geöffnet (siehe neuer Art 23 GG). Das ewige Zeigen mit dem Finger auf irgendeine andere Macht, statt vor der eigenen Tür zu kehren, ist wohl einer von vielen Gründen, warum nationale Sozialisten am Ende nie gewinnen können. Und: Ja, ich bin gerne Deutscher (in guten wie in schlechten Zeiten) - allerdings fehlt mir ja auch jeder, echter Vergleich, denn selbst wenn ich im Ausland lebe, bin ich erst einmal nach wie vor Deutscher.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.