Max Otte, die AfD und die Rutschpartie der CDU

Was den Ökonomen Max Otte veranlaßt hat, sich von der AfD zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominieren zulassen, wissen wir nicht.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

Jeder, der die Bewe­gun­gen im Grenz­be­reich zwi­schen AfD und CDU in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­folgt hat, weiß, daß Otte öffent­lich­keits­wirk­sam pen­del­te. Er ist nach wie vor CDU-Mit­glied und war als sol­ches an füh­ren­der Stel­le in der AfD-nahen Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung tätig.

Er ver­ließ die­se Stif­tung, weil er deren Vor­sit­zen­de, Eri­ka Stein­bach, an der Sei­te Jörg Meu­thens weiß und des­sen Kurs der par­tei­in­ter­nen Abgren­zung und Spal­tung für grund­sätz­lich falsch hält. Er begrün­de­te sei­nen Aus­tritt mit den Wor­ten, daß sich die Par­tei lei­der mit sich selbst beschäf­ti­ge und nicht mit den drän­gen­den Sachfragen.

Wenig spä­ter kan­di­dier­te Otte für den Vor­sitz der Wer­te­Uni­on inner­halb der CDU – einer weni­ge tau­send Mit­glie­der umfas­sen­de Grup­pe, deren Ziel es ist, die CDU auf einen Wesens­kern zurück­zu­füh­ren, den sie ein­mal beses­sen haben soll. Er wur­de gewählt, und sei­ne Wahl führ­te zu medi­en­wirk­sa­men Aus­trit­ten aus der Wer­te­Uni­on – ein Vor­gang, der lehr­reich für alle war, die in die­ser Split­ter­grup­pe den koali­ti­ons­be­rei­ten Brü­cken­kopf der AfD in der Uni­on sahen.

Otte läßt seit sei­ner Nomi­nie­rung zum Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten den Vor­sitz der Wer­te­Uni­on ruhen. Außer­dem wird ein Par­tei­aus­schluß­ver­fah­ren gegen ihn ange­strebt. Sei­ne Kan­di­da­tur war und ist auf allen Kanä­len Mel­dung, außer­dem wird sie in allen Zei­tung pro­mi­nent kommentiert.

Hat die AfD also alles rich­tig gemacht? Ja, in drei­fa­cher Hinsicht:

1. Die AfD hat ihre medi­al zuge­schrie­be­ne Rol­le als unbe­rühr­ba­rer Buh­mann durch die­sen Coup unter­lau­fen. Aus wel­chen Grün­den genau die Medi­en die aus­sichts­lo­se Kan­di­da­tur Ottes zu einem Leit­the­ma mach­ten, ist nicht klar. Viel­leicht steckt dahin­ter die offen aus­ge­spro­che­ne Ver­ein­ba­rung einer lücken­lo­sen Aus­gren­zung der AfD: kei­ne Zusam­men­ar­beit, kei­ne Nor­ma­li­tät im Umgang, kei­ne Ein­bin­dung in die demo­kra­ti­sche Mecha­nik des Par­tei­en­staats. Wer die­se Hygie­ne­re­geln nicht ein­hält, wird abge­fan­gen, öffent­lich belehrt und zuletzt als unbe­lehr­bar verstoßen.

Sicher­lich spielt auch die Unsi­cher­heit im Umgang mit dem neu­en Uni­ons­vor­sit­zen­den Fried­rich Merz eine Rol­le: Wie wird er sich und sei­ne Par­tei posi­tio­nie­ren, jetzt, wenn die CDU auf kaum abseh­ba­re Zeit in der Oppo­si­ti­on sein wird und die feh­len­den Stim­men kaum dort zurück­ho­len kann, wo Grü­ne, SPD und FDP ein­an­der das Wäh­ler­po­ten­ti­al zuspie­len, sozu­sa­gen immer wie­der als Alter­na­ti­ve zuein­an­der, aber den­noch inner­halb der regie­ren­den Mehrheit?

Vor die­sem Hin­ter­grund kam und kommt es den ande­ren “demo­kra­ti­schen Par­tei­en” zupaß, Merz in punc­to Otte fest­zu­na­geln und an die Hygie­ne­vor­schrif­ten zu erinnern.

2. Die AfD hat ihren Wäh­lern an einem kon­kre­ten Bei­spiel gezeigt, daß man kei­ner­lei Hoff­nung auf eine Merz-CDU set­zen dür­fe. Auch unter der Füh­rung eines Man­nes, der als Mer­kels Opfer, als hage­rer, gro­ßer Grüb­ler und als har­ter Wirt­schafts­mann für vie­le, auch AfD-nahe Kon­ser­va­ti­ve akzep­ta­bel zu sein scheint, wird die CDU kei­nen hal­ben Schritt auf die AfD zu machen.

Pro­mi­nen­tes Opfer die­ser Des­il­lu­sio­nie­rung ist Vera Lengs­feld. Sie setz­te als CDU-Mit­glied allen Erns­tes gro­ße Hoff­nun­gen in eine Wer­te­Uni­on, die in zwei Rich­tun­gen nach­ge­ra­de his­to­risch zu wir­ken habe: in die CDU hin­ein als Lord­sie­gel­be­wah­re­rin einer guten CDU, die “der Haupt­grund für das Erfolgs­mo­dell Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land” (Lengs­feld) gewe­sen sei; in die AfD hin­ein als exter­ner Kämp­fer an der Sei­te Meu­thens im Kampf gegen die vor­rü­cken­den Netz­wer­ke um Höcke.

Bei­des habe nun einen her­ben Rück­schlag erlit­ten, schreibt Lengs­feld in einem Bei­trag über “Das Zer­stö­rungs­werk des Max Otte” – Zei­len, die an Blind­heit für die Rol­le der CDU im Umbau Deutsch­lands kaum zu über­tref­fen sein dürften.

3. Wenn Chrup­al­la und Höcke für den CDU-Mann Otte votier­ten, Meu­then aber dage­gen, wur­zelt letz­te­rer in der Luft. Er wird unter­gra­ben oder über­brückt, jeden­falls umgan­gen, ist also über­flüs­sig, wenn es dar­um geht, das Über­ra­schen­de zu tun und die Kampf­zo­ne zu erweitern.

Es hät­te, dies zuletzt, auch ganz ande­re Mög­lich­kei­ten gege­ben, auf die Far­ce der wie stets abge­kar­te­ten Wahl des Bun­des­prä­si­den­ten zu reagie­ren – immer­hin wird die AfD mit rund 150 Wahl­be­rech­tig­ten in der Bun­des­ver­samm­lung ver­tre­ten sein. Viel­leicht hät­te man einen authen­ti­schen Kan­di­da­ten aus den eige­nen Rei­hen prä­sen­tie­ren kön­nen. Das aber wäre den Medi­en kei­ne Mel­dung wert gewe­sen. Und eine Akti­on am Wahl­abend selbst? Die Grat­wan­de­rung zwi­schen belei­dig­ter Leber­wurst und Gue­ril­la-Mar­ke­ting ist mehr als schwierig.

Ottes Nomi­nie­rung bedeu­tet auch, daß man den ent­schei­den­den Schritt gemacht hat. Jetzt rut­schen ande­re aus.

– – –

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Götz Kubitschek

Götz Kubitschek leitet den Verlag Antaios

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Kommentare (50)

tearjerker

26. Januar 2022 11:54

Ist die Union denn jetzt geschwächt, weil dort gewisse Sympathien für die Partei „rechts“ von der Werte-Union unterstellt werden könnten, oder ist sie gestärkt, weil die Folge der Zusammenbruch der Werte-Union und ein weiterer Linksrutsch sein könnte, der die Union wieder mehrheitsfähig macht?

kikl

26. Januar 2022 12:15

Die Nominierung Max Ottes als Präsidentschaftskandidat war eine hervorragende Idee der AFD. Sie konnte damit nur gewinnen. Es gibt für die CDU nur zwei mögliche Reaktionen.

1. Sie toleriert die Nominierung Ottes. Damit würde die Brandmauer zwischen CDU und AFD niedergerissen. Mögliche Koalitionen zwischen beiden Parteien und damit politische Macht käme in greifbare Nähe.

2. Die CDU beugt sich dem medialen Druck und schließt Otte aus. Die CDU öffnet weiter die Flanke für konservative Wähler. Durch die Abgrenzeritis überlässt die CDU die konservative Opposition der AFD.

Jetzt ist also letzteres eingetreten. Wir wissen nun:

Mit Mertz wird es keine Erneuerung der CDU geben. Die Wähler wissen es jetzt auch.

Die Strategie Meuthens, der Anbiederung an den Mainstream, ist gescheitert. Otte gehört jetzt auch zu den Unberührbaren. Es gibt kein Erbarmen für Menschen, die mit der AFD sprechen, und erst recht nicht für AFDler selbst.

Für den VS wird die CDU als Beobachtungsobjekt demnächst auserkoren.

RMH

26. Januar 2022 12:20

Dieses Kasperle-Theater zeigt, wie abgehoben die AfD Führung mittlerweile ist und wie sie in reine Rankespiele verstrickt ist. Keinen normalen Bürger interessiert es doch noch, ob der Steinmeier jetzt mit nordkoreanisch anmutenden, abgekarteten 99,4 % gewählt wird oder die Stimmen der AfD oder ein paar anderer in der Bundesversammlung ihm zur Wahl fehlen. Der ÖRR bläst so oder so in die Propaganda-Jubel-Posaunen und Steinmeier selber darf in staatsmännischer Ergrauung anschließend weiterhin die einstmals vorhandene überparteiliche Neutralität des Amtes schleifen.

Die AfD sollte das Thema Otte (warum tritt er nicht konsequenterweise in die AfD ein?) nicht groß hoch spielen oder gar als Erfolg darstellen und stattdessen weiterhin die "Erdung" suchen, bspw. durch Teilnahme an Spaziergängen (B.H. versucht offenbar beides: Strippenziehen und Spaziergänge. Mehr Glaubwürdigkeitspunkte beim Wähler erzeugt sicher das letztere). 

kikl

26. Januar 2022 12:31

Max Otte hat angeboten, seine Kandidatur zurückzunehmen, wenn die CDU einen geeigneten Kandidaten für das Amt aufstellt. Mal schauen, ob die CDU in ewiger Treue zu Steinmeier steht:

https://twitter.com/maxotte_says/status/1486299825431879681

Gotlandfahrer

26. Januar 2022 12:40

Die CDU, ich darf aus eigener langjähriger, wenngleich nur bis 2006 reichender Erfahrung beisteuern, ist an Überzeugungslosigkeit über das zu materialistischer Kumpanei Erforderliche hinaus nicht zu unterbieten.  Zahnlose Biedermänner, die sich für engagierte Bürger halten, weil sie einmal im Monat mit vor Bewunderung offenen Mündern gerissenen Schleimern beim Bericht aus den Schlangengruben zunicken und in Wahlkampfzeiten zwischen den grünen und roten Kollegen artig Faltblätter verteilen dürfen, bilden die putzige Staffage, den Unterbau des berüchtigten Kanzlerwahlvereins, der man alles als alternativlos verkaufen kann, solange es mit dem Gefühl vermittelt wird, damit sei man schlauer als der Pöbel und bei unseren „Partnern“ anerkannt.  In der CDU wird sich fromm vor jeden gekniet, der vom eigenen Ortsgruppenleiter als kompetent angekündigt wird, und gegen jeden hämisch gegiftet, sobald dessen hochgezogene Augenbraue fehlende Zustimmung signalisiert.  Die Verachtung, die diesem Haufen geistig-moralischer Nachahmer seitens seiner „Modernisiererin“ weiterhin entgegenschlägt, von Tag eins an für jeden, der seine Sinne beisammenhatte, unübersehbar, mittlerweile auch dem letzten Hohlkopf dämmernd, ist genau das, was er verdient.   Insofern bin ich Merkelianer.  Die haben noch nicht kapiert, dass ihr Blackrockmanager sein Wundleckermandat nur zur Insolvenzverschleppung nutzen wird, damit sie als Marketing-Chimäre noch möglichst lange nicht aus dem politischen Glücksrad fliegen.

quarz

26. Januar 2022 12:54

"Wie wird er [Merz] sich und seine Partei positionieren?"

Merz hat ja keinen Spielraum für Positionierung, wenn er nicht bereit ist, mit Dogmen zu brechen. Denn er befindet sich in Geiselhaft der Regierung. Die muss bei jeder Regierungskritik seinerseits nur AfD-Nähe unterstellen und kann sich dann entspannt zurücklehnen und den Eiertanz der Distanzierungsbeteuerungen genießen. Von der anderen Seite kann die AfD nicht weniger genüßlich Vorschläge machen, die Merz eigentlich inhaltlich befürwortet, aber wegen des selbstauferlegten Reinheitsgebots nicht unterstützen kann. Eine andere Dynamik als die, dass Merz zum hilflosen Spielball zwischen Regierung und AfD wird, kann ich mir schwer vorstellen.

Peter Gamon

26. Januar 2022 13:17

„…die CDU auf einen Wesenskern zurückzuführen, den sie einmal besessen haben soll.“

Sehr schön. Welcher Wesenskern wäre das auch? Nationalkatholizismus wohl eher nicht, allenfalls Westbindung und Atomkraft.

„…wo Grüne, SPD und FDP einander das Wählerpotential zuspielen, sozusagen immer wieder als Alternative zueinander, aber dennoch innerhalb der regierenden Mehrheit?“

Sehr treffend, vor allem was die FDP (neuerdings oder doch schon länger) angeht.

„…wie stets abgekarteten Wahl des Bundespräsidenten..“

Genau, letztlich ein inszeniertes pseudodemokratisches Ernennungsverfahren für den Staatsnotar.

Monika

26. Januar 2022 13:41

So isses.

Nach der Nominierung von Max Otte hat Hans-Georg Maaßen seinen Austritt aus der „Werteunion“ erklärt . Der (wert-) konservative Flügel innerhalb der CDU, so es ihn überhaupt noch gibt und gab, ist spätestens jetzt für jeden erkennbar erledigt. Das Parteienkartell verfestigt sich. Welche systemkonformen Optionen für eine Opposition es gibt, das beschreibt Kleine- Hartlage in seinem Buch SYSTEMFRAGE  . Sicher ist nach dieser Reaktion der CDU, dass „die Ablösung der bisherigen politischen Klasse weiterhin praktisch allein von der Rechten zu tragen sein wird.“ ( Kleine-Hartlage) . Die Rechte besteht nach K. H. zu einem erheblichen Teil aus „Charakterkonservativen“, die nicht vorhaben, dass Kartell zu entmachten. Also werden sie sich anpassen. Bis zur Unkenntlichkeit. Fortan wird jede Opposition rechts sein. Ob man das als Konservativer mag oder nicht, man muss die Diskussion ( vor allem die Wertedebatte) im rechten Lager führen, nicht gegen das rechte Lager. 

Laurenz

26. Januar 2022 13:42

(1)

Vera Lengsfeld ist eine gute Journalistin, oder sagen wir Publizistin. Wäre dem nicht so, würde Broder Ihr keinen Zugang zu Achgut verschaffen. Broder selbst, ein bekennender Impfbefürworter, weiß eben auch, womit man Reichweite generiert, & zwar nicht mit Konformismus. Achut hat nur ein gutes viertel der Jutjub-Abonnenten von Timm Kellner, da ist also noch Luft nach oben.

Nachdem Lesen des o.g. Lengsfeld-Artikels über Otte, wird einem das Mißverständnis Lengsfelds sofort klar.

Es handelt sich um ein eklatantes Mißverständnis in Lengsfelds Selbstwahrnehmung, auch wenn Sie Otte weitestgehend richtig beschreibt.

Otte tut, vollkommen legitim, alles für kostenlose Öffentlichkeit. Davon lebt Er, als Autor oder als Fonds-Manager. Denn Er hat genausowenig wie Lengsfeld eine Mehrheit in den Rundfunkräten hinter sich.

Die sogenannte Werteunion, damit auch Lengsfeld, Otte, Maaßen & Co., befindet sich, bis vielleicht auf die Migrationspolitik, rechts der AfD. In der Ökonomie, Familien & der Sozialpolitik trifft die AfD nur noch die Linke beim Blick über die linke Schulter, weil auch viele AfD-Weichspüler einsehen mußten, daß sie die schlechten Ergebnisse bei der Bundestagswahl zu verantworten haben.

Laurenz

26. Januar 2022 14:01

(2)

"Das Projekt der Erneuerung der CDU ist damit gestorben."

In diesem entscheidenden Satz liegt fundamentale Fehlanalyse Lengsfelds begraben.

Dieses Projekt hatte es nie gegeben & wird es nie geben.

Hier kommt man entweder in den Bereich des Religiösen oder einer krankhaften Wahrnehmung, wobei es vielleicht auch gar keinen Unterschied gibt. 

Die Mehrheit der CDU-Mitglieder hat im 1. Wahlgang Merz gewählt. Warum hat sich keiner der Werte-Union aufstellen lassen? Weil chancenlos & weil die Werte-Union, explizit mit Maaßen (Bosbach 2.0), nur dazu diente, konservative Wähler zu generieren, indem man Wählern eine in der CDU nicht vorhandene Diversität vorgaukelte. Die Merkelianer hätten doch sonst dieses Kasperle-Theater längst aus der Partei gefegt, läuft doch bei den Sozis auch nicht anders. Und die Wahl Ottes war eben ein historischer  Unfall. Steinbach ist doch mittlerweile außen vor. Die ist froh, Ihren Impfschaden überlebt zu haben.

Frau Lengsfeld sollte sich tatsächlich mal fragen, wer Ihre Artikel liest? Auch Achgut kann nämlich von den paar Hanseln der Werte-Union nicht leben.

Auch bei dem Blick auf Israel liegt Achgut näher an der AfD als beim Herumgeeiere der CDU.

Laurenz

26. Januar 2022 14:03

@GK

Ich war bei der Nominierung Ottes erstmal überrascht & hatte mich gefragt, was das soll? Aber nach dem Lesen Ihres Artikels, Hut ab. Das war wirklich kreativ.

Nemo Obligatur

26. Januar 2022 15:01

Professor Ottes Kandidatur ist eher ein Kuriosum. Seitdem dürfte er in der CDU verbrannt sein. Mir ist auch kein weiterer Fall bekannt, wo ein Mitglied einer Partei für eine andere Partei kandidiert hat. Unabhängig von den Differenzen zwischen CDU und AfD dürfte der Sachverhalt an sich schon Grund für einen Parteiausschluss sein.

Die AfD hat ein paar Aufmerksamkeitsminuten bekommen. Möglicherweise sind als Achtungserfolg ein Dutzend Stimmen von konservativen CDU-Delegierten drin, die es dort vielleicht trotz allem noch gibt und die jetzt die Faust in der Tasche ballen. Aber es wird nicht mehr reichen, um aus der parlamentarischen Isolation herauszufinden. Die AfD muss ihre Rolle als Fundamentalopposition annehmen oder sie wird verschwinden. Vielleicht auch beides.

Auch dies ist jetzt klar: Für Prof. Meuthen wird es Zeit, Abschied von der Politik zu nehmen und seine Rolle außerhalb zu suchen. Man darf gespannt sein, wer ihm nachfolgt.

Wer Friedrich Merz immer noch für einen Konservativen gehalten hat, der Kurs auf die 80er Jahre hält, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Merz unterscheiden höchstens Nuancen von den Merkelianern, das ist spätestens seinem Auftritt vor der Wahl von Armin Laschet klar.

Mitleser2

26. Januar 2022 15:42

kikl schrieb: "Max Otte hat angeboten, seine Kandidatur zurückzunehmen, wenn die CDU einen geeigneten Kandidaten für das Amt aufstellt."

Das ist fast genial. So wird die arme CDU maximal bloßgestellt. Denn sie können ja von Steinmeier nicht mehr abrücken, weil, wie sie so schön sagten: Wir haben ihn beim letzten Mal ja auch gewählt.

Von Opposition haben die noch nie was gehört.

Weiter so.

falo

26. Januar 2022 16:24

Hoffentlich verstehen möglichst viele endlich, welche (naive?) Mogelpackung Lengsfeld ist. Und die AfD hat mit dieser Aktion der CDU einen weiteren Stoß versetzt. Hoffentlich wacht auch das ein oder andere Schlafschaf jetzt auf.

Martin Heinrich

26. Januar 2022 16:52

Die CDU ist keine Oppositionspartei, sondern nur eine Koalitionspartei im Wartestand. Die CDU positioniert sich inhaltlich so, dass sie sich beim Auseinanderbrechen der "Ampel" nahtlos als neuer Koalitionspartner zur Verfügung stellen kann. Die Werteunion ist im bunten Konzert der multikulturell-diversen Toleranz nur noch ein unbedeutender Störfaktor. Ortes Kandidatur verschafft ihm nochmal einen glänzenden Abgang aus einer Gruppierung, deren Zeit längst abgelaufen ist.

Laurenz

26. Januar 2022 17:15

@Martin Heinrich

Wenn er wollte, könnte Merz ohne Wahlen sofort Kanzler werden. Er muß der FDP nur einen Ministerposten mehr anbieten, teurer sind die nicht. Aber dazu wird er den Schneid nicht haben, lustig nicht?

Monika

26. Januar 2022 17:19

„Nach wie vor wird eine Kraft gebraucht, die es sich zur Aufgabe macht, die CDU zu ihrem bürgerlichen Kern zurückzuführen.“ Vera Lengsfeld - Nicht Max Otte „hat die Erneuerungsversuche der CDU sabotiert“, wie Frau Lengsfeld meint, die Nominierung Ottes hat gezeigt, dass es der CDU nicht um Erneuerung geht, bzw. dass  es zu spät für eine Erneuerung ist. Die gleiche Hoffnung auf Erneuerung hegt übrigens Karl-Heinz Weißmann heute in der JF „Das hohe C der CDU“ , wenn er meint, dass das C in der CDU als geistige Substanz nicht verschwinden wird. Mehr als die geistige christliche Substanz an den wirtschaftlichen Erfolg zu binden ( ähnlich Republikaner USA) fällt ihm dazu aber nicht ein. Ebenso wie die Volksparteien zerfällt die Volkskirche . Man sehe die jüngsten Angriffe auf Papst Benedikt oder die traurige Aktion #Outinchurch. Das ist noch lange kein Sieg oder Grund zur Freude für eine rechte Opposition, sondern eher eine beängstigende Entwicklung. „16 Merkel Jahre haben Deutschland ramponiert“ ( Chaim Noll, Buch : DER RUFER AUS DER WÜSTE“ ) Besser, sich den Realitäten stellen als weiter zu träumen...

Avalon

26. Januar 2022 17:29

Eigentlich ist alles gesagt und geschrieben bzw. beschrieben. Nur noch nicht von Jedem. Deshalb auch von mir einige Binsen. Es ist nämlich wurscht, wer von der AfD oder deren Sympathisanten irgendetwas sagt, macht oder versucht..es ist rechtsradikal und menschenverachtend. Und wenn Frau Weidel behauptet, daß auf Erden Schwerkraft herrscht oder Herr Höcke, daß die Sonne im Osten aufgeht. Teufelswerk und Verschwörungstheorien allemal. Ich persönlich wende keine Mühe mehr auf, zu ergründen, was Frau Lengsfeld oder Herrn Otte umtreibt. Es geht nicht um Sachfragen, Argumente, Realitäten. Es geht nur um eines: Die AfD muß weg. Um das zu verhindern, muß man sich doch nur ansehen, wie sogenannte bürgerliche Professoren versucht haben, sich beim Mainstream einzuschleimen. Wo sind sie geblieben, die Herren Henkel, Lucke, Starbatty, Meuthen? Haben sie irgendetwas erreicht? Nichts! Das hätten sie wissen können. In welchen Blasen haben diese Leute ihr Leben verbracht?

Hajo Blaschke

26. Januar 2022 17:35

Jetzt spielt sich Lengsfeld wieder als letzte Retterin der CDU auf. Sie behauptet, die Aktion Ottes hätte die Absicht von Merz zunichte gemacht, die CDU wieder als bürgerliche Partei aufzubauen. Da lacht der Bär. Und Ottes Aktion sei ein ganz erbärmlich fieser Trick von Höcke.
Die merkt wahrscheinlich gar nicht, dass ihre Äußerungen zu politischen Themen keinen klar denkenden Menschen mehr hinter dem Ofen hervorholen.

Lengsfeld ist eine Mogelpackung, aber keine naive. Björn Höcke ist ihr Hauptfeind, darunter tut sie es nicht. 

Die Nominierung von Otte als Kandidat der AfD ist ein Schachzug, den ich mit dem Schachzug bei der Wahl von Kemmerich gleichsetze. Der CDU, die auch unter Merz keine Opoosition betreiben wird, wurde zum wiederholten Male die Maske runtergerissen.

Monika

26. Januar 2022 17:37

Sehe gerade den Beitrag auf „eigentümlich frei ( eF)“Das ganze Dilemma der Liberalkonservativen 

https://ef-magazin.de/2022/01/26/19431-illusion-und-realitaet-das-ganze-dilemma-der-liberal-konservativen

Otte hat das Unaussprechliche ausgesprochen „Merkel war durch und durch DDR“ . Sie hat die Grundlagen geschaffen für den Übergang in einen Ökosozialismus. Ich empfehle das Buch von Chaim Noll RUFER IN DER WÜSTE 

 

kikl

26. Januar 2022 18:21

@Monika

"Nicht Max Otte „hat die Erneuerungsversuche der CDU sabotiert“, wie Frau Lengsfeld meint,..."

Da haben sie Recht. Eine Erneuerung der CDU wird es nur geben, wenn sie sich zu AFD öffnet. Das wurde in diesem Blog schon eindrucksvoll von @quarz erklärt.

Wir sollten aber nicht über Frau Lengsfeld den Stab brechen, die möglicherweise diesen Zusammenhang noch nicht erkannt hat. Die Einsicht dürfte bald kommen.

kikl

26. Januar 2022 19:35

In Punkto Positionierung der CDU als Opposition erfahren wir aktuell eine Bestätigung durch Reitschuster, der außerhalb der Mainstream-Blase nicht im Verdacht steht besonders "rechts" zu sein. Titel:

"Union sieht Aufgabe als Opposition in Unterstützung der Regierung

Tiefpunkt von parlamentarischem Diskurs und Demokratie"

Es entwickelt sich also genau so, wie wir es hier vorhergesehen haben. Für die AFD ist es jetzt Aufgabe, dieses Vakuum zu füllen, um die CDU überflüssig zu machen.

https://reitschuster.de/post/union-sieht-aufgabe-als-opposition-in-unterstuetzung-der-regierung/

 

RMH

26. Januar 2022 19:45

@Hajo Blaschke,

Der Artikel, auf den @Monika verlinkt hat, sagt eigentlich alles. Frau Lengsfeld kann dann wieder in solchen Sachen mitreden, wenn ein Ausschlussverfahren gegen sie eröffnet wurde, wobei man sich schon fragen kann, warum man überhaupt noch bei so einem Laden, wie der CDU, freiwillig sein will. Das hat was Klettenhaftes, Aufdringliches. Wenn es Zeit ist, zu gehen, sollte man vom toten Pferd absteigen. Für die AfD und das ganze daran hängende Umfeld gibt es eben auch weiterhin keine potentiellen Koalitionspartner - das ist perspektivisch nicht gut, aber man muss mit dem Blatt spielen, welches man hat.

brueckenbauer

26. Januar 2022 20:03

Für die AfD ändert sich nicht viel. Die CDU dürfte kurz- und mittelfristig verlieren, weil sie keine glaubhafte Alternative anbieten kann. Woher sollen die jungen Nachwuchswähler kommen? Aber wenn die CDU eine gewisse Durststrecke übersteht, wird sie evtl. - in der zu erwartenden zweiten DDR - als "reformsozialistische" bzw. "systemimmanente" Opposition a la Neues Forum auftreten können.

Nun gibt es ja bei den amerikanischen Republikanern Belege dafür, wie die Parteibasis den Anpassungskurs des Parteiestablishments wirkungsvoll konterkarieren kann: Phyllis Schlaflys Anhänger seit den Sechzigern, die Tea Party seit den Neunzigern. Ob das in Deutschland denkbar wäre?

Phil

26. Januar 2022 20:39

Das Sahnehäubchen bei solchen Coups, Götz Kubitscheks Schlussworte:

"In Thüringen jemanden so auf einen Stuhl setzen, daß es in Berlin einem anderen Stuhl die Beine abschlägt"

"Ottes Nominierung bedeutet auch, daß man den entscheidenden Schritt gemacht hat. Jetzt rutschen andere aus."

Fortsetzung folgt…

Ordo

26. Januar 2022 20:48

Ich verstehe die Leute auch nicht, die immer noch auf eine rechte Renaissance der CDU hoffen. Die haben eindeutig den Knall nicht gehört. Es ist eigentlich relativ simpel: Gegen die linke Presse, sonstige linke Medien, die linke Kunst- und Kulturszene, Zivilgesellschaft kann man sich in diesem Land politisch nicht durchsetzen. Wer unbedingt regieren will, wie die CDU, muss sich halt anpassen und über die bekannten Stöckchen springen. Auch Friedrich Merz ist schon oft genug über diese Stöckchen gesprungen. Er gibt sich nach rechts als harter Hund, ist aber in Wahrheit nur eine Witzfigur, die vom linksliberalen Medienblock nach Belieben zurechtgestutzt werden kann. Die AFD muss darauf setzen, dass das auch die verbliebene christdemokratische Wählerschaft das endlich erkennt. Aber wird wohl nicht passieren. Sollte die CDU untergehen, was ihr zu wünschen wäre, bedeutet das auch nicht unbedingt automatisch eine Stärkung der Alternative. Die meisten ihrer Wähler werden dann zu FDP, SPD oder zu den Nichtwählern abwandern. Denn wenn die nette Tagesschautante sagt, wenn auch verklausuliert, dass AFD pfui bäh ist, dann ist das für den braven CDU-Wähler auch so.

Karl Lauterbach ist jetzt übrigens der beliebteste Politiker in der BRD. Das noch kurz erwähnt, um auch hier keine Illusionen über den Geisteszustand des restlichen Volkes hierzulande aufkommen zu lassen.

RMH

26. Januar 2022 21:20

"Die meisten ihrer Wähler werden dann zu FDP, SPD oder zu den Nichtwählern abwandern,"

@Ordo,

die meisten sind nicht alle und genau die sollten dann AfD wählen. Substantiell mehr Stimmen sind für die AfD aber nur durch eine Mobilisierung im großen Reservoir der bereits vorhandenen Nichtwähler erzielbar (das hat heute auch einmal wieder der Herr Elsässer gesagt). Aber das sagt/ schreibt sich deutlich leichter, als es dann in Wirklichkeit umsetzbar ist. Wenn man mal "draußen" ist, hat man auch kein großes Interesse mehr mitzuspielen in dem man bspw. auf einmal wieder zur Wahl geht. Ich denke, diesen Effekt lernen gerade einige zum ersten mal in ihrem Leben kennen, die Ungeimpft sind und sich urplötzlich bei vielen Vereinen und Institutionen außen vor sehen. Man verliert dadurch das Bedürfnis, jemals wieder zurückzukehren. Andererseits: Wenn bspw. die Causa Ott dazu führt, dass einige Unions-Leute das Parteibuch wechseln wollen (werden nicht viele sein), dann sollte man dafür schon offen sein und diese nicht als alte Apparatschiks vorverurteilen. Die AfD braucht nach wie vor viel Zuspruch.

limes

26. Januar 2022 21:40

@ Laurenz (1), 26. Januar 2022, 13.42 Uhr: »Die sogenannte Werteunion, damit auch Lengsfeld, Otte, Maaßen & Co., befindet sich, bis vielleicht auf die Migrationspolitik, rechts der AfD. In der Ökonomie, Familien & der Sozialpolitik trifft die AfD nur noch die Linke beim Blick über die linke Schulter …|«

Sie übersehen die Ökologie, lieber Laurenz. Als Leserin der »Kehre« ist mir klar, dass wesentliche Schlachten auf diesem Gebiet geschlagen werden.

limes

26. Januar 2022 22:09

@ Monika (26. Januar 2022, 17.19 Uhr): »Ebenso wie die Volksparteien zerfällt die Volkskirche«

Im Zusammenhang mit Benedikts »Beichte« im Staatsfunk gehört: Standesämter bieten zusätzliche Kapazitäten auf, um Kirchenaustritte rasch zu ermöglichen. Unlängst erwähnte Tichy hingegen, dass er von einem Stau von Kirchenaustritten gehört habe, nachdem die Amtskirchen »Ungeimpften« Zutritt zu Gotteshäusern verwehren.

Es gibt wohl solche und solche Kirchenaustritte …

limes

26. Januar 2022 22:10

@ Ordo (26. Januar 2022 20:48) »Es ist eigentlich relativ simpel: Gegen die linke Presse, sonstige linke Medien, die linke Kunst- und Kulturszene, Zivilgesellschaft kann man sich in diesem Land politisch nicht durchsetzen.«

Es sind nicht »linke« Medien, »Zivilgesellschaft« etc., sondern Organe der NWO. Sogar in Polen kaufen sich ausländische Medieninvestoren verstärkt ein, wie der Epoch Times zu entnehmen war. Die Zange zieht sich zu. Medien sind der Schlüssel zur Macht. Denn nur durch sie nehmen die Menschen der Massengesellschaft die Welt wahr.

Kurativ

26. Januar 2022 22:20

Indem Max Otte diesen Schritt gegangen ist, hat er großes Ansehen gewonnen. Was sich alle wünschen: Diese unglaubliche anti-demokratische Starre mit ihren Sprechverboten aufzubrechen, welche von der SPD und den Grünen ausgeht.

Zudem stellt er diesen Zustand vor aller Augen im Rahmen der Wahl des Bundespräsidenten dar: Er wäre ein guter Kandidat. Aber das verfilzte System wird ein Frank-Walter Steinmeier dann wählen. Welch eine Schande.

Die CDU müsste ihn zum Eherenvorsitzenden machen. Aber man handelt wie bei einer Selbstmordaktion. Das Ganze ist so schön aufgestellt, wie in einer Oper von Lozenzo Da Ponte. Ein typisches mehrdimensionales Max Otte-Stück.

Gracchus

26. Januar 2022 22:33

Ich denke nicht, dass Merz ausrutscht. Es blieb ihm nämlich nichts Anderes übrig, als Otte rauszuwerfen; das hätte er so oder so tun müssen, also auch dann, wenn er (heimlich) die CDU konservativ (oder was?) zu profilieren suchte, weil Ottes Alleingang so oder so ein Affront darstellt. Es ist fraglich, welche Wirkungen das hat. Ich denke: eher keine großen. Herr Otte, den ich durchaus schätze, sollte in die AfD eintreten; Frau Lengsfeld aufhören, irgendeiner CDU, die nur in ihrer Phantasie existiert, hinterher zu trauern. Je stärker sich die AfD als Opposition profiliert - und zwar nicht nur bezogen auf die Migrations-Pokitik -, umso eher erledigt sich das Thema "CDU"; umso weniger wird sich - da macht @Laurenz einen Punkt - die CDU durch Abgrenzung von der AfD profilieren können, weil solche Abgrenzungen ja nur Sinn ergeben, wenn Verwechselungsgefahr besteht.

Simplicius Teutsch

26. Januar 2022 23:23

Ich bewundere Max Otte. Für mich ist er ein wahrer Patriot. Er ist mutig. Ein echter Held. Weil er auf verlorenem Posten weiß, was auf ihn zukommt. Das linksmediale und politische Machtregime wird ihn in alle Einzelteile zerlegen, diffamieren, isolieren und versuchen, seine gesamte bürgerliche Reputation zu zerstören. Trotzdem hat es Professor Max Otte gewagt; vor der geballten Front der Gegner hält er die Widerstandsfahne hoch. Respekt. Auch wenn er morgen schon in die Knie geht oder in den Schützengraben zurückfällt, er hats gewagt. Dieses Aufstehen werden sie ihm nie verzeihen. Sie hassen ihn.

Sandstein

27. Januar 2022 00:26

„Die Zange zieht sich zu. Medien sind der Schlüssel zur Macht. Denn nur durch sie nehmen die Menschen der Massengesellschaft die Welt wahr.“

..so sieht’s aus. Ein guter Gradmesser ist doch immer die Anzahl an Kommentaren um zu sehen wie sehr welches Thema die Deutschen bewegt. Neulich bei Welt online ein Artikel über die Verdopplung der DAZN Preise (Bezahlsender für Sportangebote ua Bundesliga). Und was war? Von Jürgen Helmut bis zu Manfred, alle total aus dem Häuschen: „jetzt ist aber Schluss“ „nicht mit mir“ „ich gucke absofort wieder Sportschau“.

..ich hab mich weggepackt. Am Ende zahlen die meisten doch oder landen echt wieder im zdf. Statt den Mist einfach abzuschalten. Ja das ist er, der Doofmichel. Mache mir da keine Hoffnungen, der Menschen will konsumieren, 1-2 im Jahr in den Urlaub und Ruhe mit den Nachbarn. Nichts verwerfliches an sich. Aber die Leute juckt weder der Otte noch der vermeintliche Coup aus Thüringen. Höchstens als kleiner Aufreger zwischen Tagesschau und Wetter. 
Überflieg mittlerweile auch nur noch grob die ganzen blogs und Zeitungen, die Energie kann man anderweitig einsetzen. 
Gute Nacht zusammen ;)

Maiordomus

27. Januar 2022 08:36

Ich sah bisher in Max Otte einen recht bedeutenden, jedenfalls brauchbaren Meta-Politiker mit Kompetenzen im Bereich der Wirtschaft. Aber politisch hat er sich nun mal ein für allemal verheizt; er hätte diese Energie besser investieren können. 

RMH

27. Januar 2022 09:13

"Aber politisch hat er sich nun mal ein für allemal verheizt;"

Sehe ich nicht so. Erstens hätte Herr Otte auch ohne "Eklat" im Theaterensemble der Union außer einer kleinen, leisen Stimme aus dem Off eh keine größere Rolle spielen dürfen und zweitens, wenn Herr Otte weiterhin im Bereich des Politischen sich engagieren will, kann er entweder parteilos sein oder in die AfD eintreten. Die AfD sollte, wie ich oben bereits geschrieben habe, jetzt bitte nicht die Tür zumachen für Unionspolitiker, die im Rahmen der Abklärung der Lager die Seiten wechseln wollen. Die Westverbände der Union bis hinein zur CSU dürften der AfD im Grunde sogar dankbar sein, dass sie mit dem Otte-Streich die Nervtölen der Werteunion zerlegt haben. All die "Reformunionisten", die dachten, es gäbe Bürgerlichkeit in der Union, werden zum Farbe bekennen gezwungen. Ich denke, ein Artikel wie der von Frau Lengsfeld bringt gerade die Enttäuschung zum Ausdruck, dass das tote Pferd des konservativen Reform innerhalb der Union auf einmal so deutlich sichtbar wurde. Für die Union in den neuen Ländern wird es aber leider nun nochmal schwerer, gegen den R2G2-Block anzutreten - auch da heißt es jetzt, entweder Blockflöte werden oder die Seiten wechseln. Die AfD braucht jetzt aber auch noch mediale Macht, so etwas wie früher Fox oder auch One America Network oder in Österreich Servus TV fehlt einfach.

Franz Bettinger

27. Januar 2022 09:19

„Max Ottes Kandidatur war und ist auf allen Kanälen Meldung.“ Das allein war’s wert. Merz könnte Geschichte machen, wenn er mit AfD und FDP einen konstruktiven Misstrauensantrag gegen Grün-Rot gewänne und Deutschland fortan eine CDUCSU-FDP-AfD-Regierung hätte. Kubitschek verweist dieses Szenario ins Land der Fantasie, zu recht, aber man sollte (wie @Lau) diese echte Alternative zum Status quo immer wieder erwähnen; denn dem (CDU-) Wähler muss klar werden: die CDU ist, auch in der Opposition, mitverantwortlich für den Saftladen BRD. Sie könnte anders, aber sie will nicht. 

Laurenz

27. Januar 2022 09:39

@Maiordomus

"er hätte diese Energie besser investieren können."

Wie denn? Nicht quatschen, konkretisieren.

Otte wurde mit einer Ausnahme-Analyse in der Vorhersage der Finanzkrise bekannt. Das ist aber schon über 15 Jahre her. Sonst sind Seine Fonds Durchschnitt.

Und was das verheizen angeht, die Zeit ist extrem schnelllebig. Echte Kriminelle, wie von der Leyen, Giffey, Feldmann, Scholz, um nur die Spitze des Eisbergs zu nennen, werden nicht wirklich strafrechtlich verfolgt, sitzen in Amt & Würden. Das sind die Symptome von Bananen-Republiken. Und was soll Otte in Anbetracht dessen noch fürchten? Lieber Öffentlichkeit heute als vielleicht ein optionaler Nachruhm beim ewigen Dienst in der Großen Armee.

cso

27. Januar 2022 10:12

Lobgesang auf einen Parteisoldaten, der im Jahre 2022 unbedingt Mitglied der CDU bleiben möchte.

Ich habe keine große Erwartungen.

kikl

27. Januar 2022 10:38

Interessant ist die Stellungnahme von Frau Serap Güler im Deutschlandfunk. Dort unterstellt sie jetzt nicht nur der AFD selbst sondern auch deren Wähler, dass sie rechtsextrem sind und für die CDU verloren:

https://www.deutschlandfunk.de/otte-cdu-werteunion-afd-100.html

Dann wird angemahnt vom Deutschlandfunk, die CDU solle sich mit der Werteunion und mit Maaßen beschäftigen, gemeint ist wohl, man möge sie rausmobben oder ausschließen. Es ist zu erkennen, dass der Mainstream die Werteunion und deren Mitglieder demnächst zu Unberührbaren machen werden.

Für die AFD ist das natürlich ein Gewinn. Ihre Wählerschaft wird verfestigt und sie kann auf prominente neue Mitglieder aus der CDU hoffen.

Phil

27. Januar 2022 10:54

Keine Verheizung. Auf verlorenem Posten kann man froh sein, wenn hin und wieder ein kleiner Ausfall möglich ist.

Es ist ein Kampf.

Glast

27. Januar 2022 11:15

@brueckenbauer

Woher die CDU ihre "neuen jungen Stammwähler" herholen soll kann ich ihnen nicht sagen. Interessiert mich auch nicht. 

Aber woher die AfD bzw. wir unsere "neuen jungen Stammwähler" herholen wollen ist für mich eine essentielle Problematik. Da sieht es nämlich noch viel düsterer aus als bei der CDU. Für die überwältigende Mehrheit der jungen Menschen ist die AfD nämlich Dreck. 

Adler und Drache

27. Januar 2022 11:59

Der AfD ist es also gelungen, der Union ein Schnippchen zu schlagen, sie vorzuführen. Nun ja, wenn das der politische Anspruch ist, dann mag man das gut finden. 

Beim ersten Mal, im Fall Höcke/Kemmerich, fand ich das auch cool. Jetzt hat es für mich eher was Pubertäres. Man schimpft auf das Schmierentheater, spielt aber im Schmierentheater mit. Wo ist da die Würde?

Max Otte hat von seiner Persönlichkeit her etwas Schillerndes, Dubioses, als Typus ähnelt er David Berger. Ist er ein geeigneter Kandidat für das höchste Amt dieses Staats? Geeigneter als das derzeitige Bundesfischfilet sicher, aber die AfD hätte auch einen würdigeren, seriöseren Kandidaten küren können, z.B. Peter Hahne. Aber es ging halt um die Schlagzeile.

Schade.      

 

MARCEL

27. Januar 2022 12:49

Schachzug clever:

Welcher Zwang ist stärker, der zur Neuausrichtung oder der zur Anpassung? CDU klar überfordert - keine Mutti und kein Papi (Kohl) in der Nähe!

CDU optiert (nun für den letzten sichtbar) für die eigene Nicht-Existenz, daher wohl auch Abstimmung für die Impfpflicht!

Kartell letztlich aber gestärkt - das konservative Element hat ausgedient

Wirksame Opposition nur noch außerparlamentarisch

limes

27. Januar 2022 13:19

@ Adler und Drache (27. Januar 2022 11:59)

Weder »dubios« noch »schillernd« würde ich Professor Otte nennen. Beim Hambacher Fest hatte ich Gelegenheit, in persönlich zu erleben. Er gab sich als Politiker volksnah, präsentierte sich als heimatverbundener Familienvater und sogar als Musikant. Dass einige kräftige, schwarz gekleidete Männer in seiner Nähe waren, wird wohl Gründe haben.

Ich jedenfalls komme mir schon als »Zeitzeugin« vor, weil ich mit Deutschlandfahne an einem Spaziergang für die Demokratie teilnehmen konnte, bei dem die Polizei die Teilnehmer noch BESCHÜTZT hat. Und das ist keine drei Jahre her …

Übrigens: »Trotz alledem« ist der Titel des aktuellen Antaios-Kalenders. Otte hat diese Losung den Hambacher Festen musikalisch zum Geleit gegeben:

https://youtu.be/T9Lf7Bnv1fU

Elvis Pressluft

27. Januar 2022 14:53

Schmerzhafter Nachtrag: Zu den hinsichtlich Merz‘ nicht völlig Desillusionierten scheint leider auch der von mir sonst geschätzte Herr Zeller zu rechnen; zumindest legen das einige seiner noch nicht sehr alten Notate auf „tagesschauder“ nahe. Ansonsten handelt es sich um eine nette PR-Aktion, von der ich keine substantiellen Folgen erwarte. Der wegzuschlagende Stuhl erwies sich auch beim vorherigen Mal doch als bedauerlich standfest, und die Person Merz' brauchte niemand mehr zu desavouieren; als konservativer Hoffnungsträger war er nie auch nur einen Witz wert. Einziger Nutzwert ist vielleicht, daß die „WerteUnion“ nun ebenfalls als das dasteht, was sie immer schon war. Ansonsten kann die Union jetzt natürlich schon deshalb keinen eigenen Kandidaten aufstellen, weil sie damit Ottes Anregung folgen würde – außer vielleicht jemanden vom äußersten linken Flügel, am besten mit „Farbe“ und/oder geschlechtlicher Fluidität. Die Staatsmedien würden auch das noch als „starkes Zeichen“ feiern – und am nächsten Tag wird wieder der Bundesuhu (Zellers Kosename für ihn) Geschlossenheit einfordern, so oder so.

URN

27. Januar 2022 15:43

Selten so kopfschüttelnd gelacht. Glast schreibt 11:15 - meiner Ansicht nach zutreffend - "Für die überwältigende Mehrheit der jungen (Hervorhebung URN) Menschen ist die AfD nämlich Dreck." Nun glaubt Laurenz diesen widerlegen zu müssen und schreibt doch tatsächlich 12:54, "..... war die AfD bei den 18-60 jährigen stärkste Partei." Ich also, 60 Jahre alt (Laurenz dürfte ein ähnlicher Jahrgang sein), bin ein junger Mensch. Ende und aus.

Monika

27. Januar 2022 16:46

@ Limes Ich war 2018 beim 1. Neuen Hambacher Fest mit Max Otte, Thilo Sarrazin, Vera Lengsfeld, Meuthen und Imad Karim . Da schien alles so klar und leicht. Ich habe diese Veranstaltung in bester Erinnerung. Ein wunderschöner Tag unter Gleichgesinnten. Selten erlebt.

@ Kikl Ich breche über Vera Lengsfeld nicht den Stab. Sie ist eine beeindruckende Frau. Ihr Analyse, wie Merkel an die Macht gelangen konnte , ist sehenswert  (gibt es auf YouTube) . Vielleicht ist sie etwas zu gutgläubig, was den konservativen Kern in der CDU betrifft. Es gab und gibt immer wieder gute Leute, diese kamen aber nie nach oben oder konnten den Kurs bestimmen. Zuletzt stirbt dann doch die Hoffnung. Und da braucht es einen Schnitt. Auch wenn’s weh tut. Wie es Vers Lengsfeld mit der CDU geht, so erging es mir mit der kath. Kirche. Lange immer wieder auf eine Erneuerung gehofft. Erst ein Austritt hatte eine klärende und heilende  Wirkung. Ein Außenblick macht frei. Und eine Rückkehr ist auch nicht ausgeschlossen.

Max Otte wird seinen Weg gehen, er kann seinen Kindern und Enkeln erzählen, dass er fast mal Bundespräsident geworden wäre.  Ist doch was...

Gracchus

27. Januar 2022 20:54

Ich halte Otte nicht für dubios, sondern für honorig, sonst stimme ich Adler und Drache zu, die Aktion wirkt ein wenig pubertär. Womöglich lenkt sie auch nur ab von dem Skandal namens Steinmeier.

Götz Kubitschek

27. Januar 2022 22:42

Danke an alle. Vergessen wir nicht, daß die Wahl des Bundespräsidenten keine ist: Sie ist eine Inszenierung.

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