Kritik der Woche (14): Endspiel des Kapitalismus

Die digitalen Konzerne dieser Welt waren bereits vor 2020 auf rasantem Expansionskurs.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Die Coro­na-Kri­se hat die Ent­wick­lung aber poten­ziert. Daß hier nicht nur das Exem­pel Ama­zon her­vor­zu­he­ben ist, soll­te – neben ande­rem ­–die IfS-Stu­die Coro­na und Pro­fit (Schnell­ro­da 2021) ver­deut­licht haben.

Nor­bert Häring, als Wirt­schafts­jour­na­list für den Bran­chen­füh­rer Han­dels­blatt tätig, greift nun beson­de­re Fäl­le auf und zieht in sei­nem End­spiel des Kapi­ta­lis­mus all­ge­mei­ne Schlüsse.

Ein beson­de­rer Fall ist die deut­sche Auto­in­dus­trie: Die drei größ­ten Kon­zer­ne schüt­te­ten mit­ten in der Pan­de­mie rund sechs Mil­li­ar­den Euro an ihre pri­va­ten Aktio­nä­re aus, wäh­rend sie sich vom Staat – also: vom Steu­er­zah­ler – Kurz­ar­bei­ter­geld und Absatz­hil­fen aus­zah­len lie­ßen. Natur­ge­mäß sorgt eine sol­che Umver­tei­lung von unten nach oben weni­ger für Pro­test­wal­lun­gen als die restrik­ti­ven Maß­nah­men, die noch letz­te Details des Pri­vat­le­bens tangieren.

Bei­des hängt aber mit­ein­an­der zusam­men: Die „Gro­ßen“ spie­len nach Regeln, die sie selbst auf­stel­len, ver­mit­telt über einen Staat, der zu ihrem Dienst­leis­ter umfunk­tio­niert wor­den ist und von han­deln­den Eli­ten gesteu­ert wird, deren Eigen­in­ter­es­sen das All­ge­mein­wohl über­la­gern (auch dann, wenn sie es bigott anru­fen). Häring zeigt in sei­ner dich­ten Ana­ly­se, wie Staat und Kapi­tal die Ansprü­che der Groß­in­dus­trie als unan­tast­bar darstellen.

Häring pol­tert dabei nie, son­dern bleibt sach­lich-fach­lich am Gegen­stand. Wenn er die Macht der Kon­zern­lob­bys an Bei­spie­len deut­lich macht; wenn er das Glo­bal-Lea­der-Pro­gramm der Davos-Krei­se unter­sucht; wenn er die Mecha­nis­men des Finanz­sek­tors durch­dringt, die immer grö­ße­re Berei­che des Lebens ihrem Zugriff unter­wer­fen – dann leis­tet er dies ohne Schaum vor dem Mund. Ihm geht es um die Bewußt­s­eins­bil­dung dafür, daß die oft ein­zeln kri­ti­sier­ten Pro­blem­fel­der ein gemein­sa­mes Fun­da­ment besitzen.

Eine sei­ne Kern­the­sen lau­tet, daß in der zeit­ge­nös­si­schen Epo­che des Digi­tal- und Finanz­ka­pi­ta­lis­mus die „wett­be­werb­li­che Markt­wirt­schaft“ auf der Stre­cke bleibt. Groß­ka­pi­ta­lis­ten wie Peter Thiel (PayPal) dekla­rie­ren berauscht von ihrem Sie­ges­zug: „Wett­be­werb ist für Ver­lie­rer“. Denn es gibt in der Logik Thiels und sei­ner Mit­strei­ter zwei heu­ti­ge Ide­al­for­men von Unter­neh­mer­ty­pen: Die einen (meist klei­ne­re Unter­neh­men), die in markt­wirt­schaft­li­cher Kon­kur­renz ste­hen und auf der Stre­cke blei­ben kön­nen, und die ande­ren (das sind: Ama­zon, Apple & Co.), die Kon­kur­renz ver­mei­den und Mono­po­le sichern. Häring ver­weist dar­auf, daß die­se „Zwei­tei­lung extrem klin­gen mag“, doch genü­ge es zu wis­sen, daß „Apple mehr wert ist als alle bör­sen­no­tier­ten deut­schen Unter­neh­men zusam­men“. Die­se Form der Markt­macht, und das zeigt Häring über­zeu­gend, heb­le alte Vor­stel­lun­gen von Sou­ve­rä­ni­tät und Demo­kra­tie aus.

Gibt es aber bei sta­bi­li­sier­ten Mono­po­len und einer devo­ten Poli­ti­ker­kas­te noch Hoff­nung? Häring meint: Gesell­schaft­li­che Dyna­mi­ken sind nicht vor­her­seh­bar. Daher blei­be die Chan­ce, daß die neue Ord­nung, die durch den „Gre­at Reset“ einen Höhe­punkt der Ent­wick­lung fin­det, über­wun­den wer­den kann. Es klingt an, daß Häring einem „Crash“ nicht nur Schlech­tes zuschreibt. Ein sol­cher wäre für die Kapi­tale­li­ten ein Pro­blem. Ande­re wür­den nur Scha­den erlei­den, „wenn das Kapi­tal auf sei­ne ange­stamm­ten Rech­te behar­ren kann, ein­schließ­lich der Gewohn­heits­rech­te, die in kei­nem Gesetz stehen“.

Dazu gehö­re die bereit­wil­li­ge Kos­ten­über­nah­me für kri­sen­be­droh­te Kapi­ta­lis­ten durch den Steu­er­zah­ler. Die Geduld der steu­er­ge­plag­ten Mehr­heit kön­ne bei künf­ti­gen Tur­bu­len­zen der glo­ba­len Öko­no­mie moti­vie­ren, „zu einer ech­ten sozia­len Markt­wirt­schaft über­zu­ge­hen“, die nur das reg­le, „was sich auf sozi­al­ver­träg­li­che Wei­se nach dem Aus­schluss­prin­zip regeln lässt“ und die die leis­tungs­feind­li­che Ent­kopp­lung von Arbeit und Ver­mö­gen überwindet.

Daß die­se Trans­for­ma­ti­on von moder­nem Kapi­ta­lis­mus zu einer wah­ren sozia­len Markt­wirt­schaft nicht bei frü­he­ren Groß­kri­sen ein­ge­lei­tet wor­den sei (etwa im Zuge der letz­ten Finanz­kri­se), macht er nicht zuletzt dar­an fest, daß die Vor­rech­te des Kapi­tals durch unab­läs­si­ge Pro­pa­gan­da in den All­tags­ver­stand der Men­schen als „nor­mal“ ein­ge­si­ckert sind. So läßt sich mit Häring erklä­ren, wes­halb zwar Umfra­gen hier­zu­lan­de Mehr­hei­ten für eine Ein­he­gung des Finanz­sek­tors, für Gehalts­ober­gren­zen bei den Super­rei­chen oder für eine ange­mes­se­ne­re Steu­er­be­las­tung der Ober­schicht erge­ben, dies aber nicht in kon­kre­te Poli­tik über­setzt wird. Häring argu­men­tiert grund­sätz­lich. „Die reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie war schon immer ein Herr­schafts­in­stru­ment der Besit­zen­den“, dekla­riert er, und plä­diert für die Rück­erlan­gung der Sou­ve­rä­ni­tät durch basis­de­mo­kra­ti­sche Pro­zes­se und Subsidiarität.

Eines bleibt hier dif­fus: Wenn Häring kon­ze­diert, daß der All­tags­ver­stand durch kapi­ta­lis­ti­sche Dau­er­be­rie­se­lung ver­ne­belt ist und die Men­schen daher nicht auf­be­geh­ren – wes­halb sol­len dann direkt­de­mo­kra­ti­sche Ele­men­te die Macht des Kapi­tals bre­chen? Immer­hin ver­fügt die­se über Ein­fluß auf Staats- wie Kon­zern­pres­se glei­cher­ma­ßen; im Vor­feld von Volks­ab­stim­mun­gen wür­de sie die­se poli­ti­sche Markt­macht ein­set­zen. Viel­leicht aber legt Häring ja einen Anschluß­band vor, der sei­ne Logik­lü­cken zu schlie­ßen vermag.

– – –

Nor­bert Häring: End­spiel des Kapi­ta­lis­mus. Wie die Kon­zer­ne die Macht über­nah­men und wie wir sie zurück­ho­len, Qua­dri­ga: Köln 2021. 382 S., 22 € – - hier bestel­len

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (50)

Umlautkombinat

31. Januar 2022 18:51

> weshalb sollen dann direktdemokratische Elemente die Macht des Kapitals brechen?

Das sind ja nicht nur Volksabstimmungen, sondern Subsidiaritaet erfordert diese Dinge ja die gesamte Hierarchie entlang. Je naeher der Entscheidungshorizont ist, desto schwieriger wird es fuer Manipulation von aussen. Und wenn man sich mit etwas direkt beschaeftigt oder gar beschaeftigen muss, desto besser wird man auch darin.

Problem ist u.a. eine belastbare Skalierung, die das Ausbooten der unteren Schichten dieser Hierarchie angemessen erschwert, bedingt auch durch die - zumindest in relevantem Massstab - prinzipiell voellige Abwesenheit solcher Strukturen ueber auch historisch laengste Zeitraeume. Das kann nicht nur der gescholtene deutsche Michel nicht.

Ein interessantes Beispiel ist die Organisation von Volksentscheiden auf Laenderebene im Zusammenhang des Auskippens mit GEZ. Das ist naemlich moeglich, aber die Zahlen unter dem Link waren schon vor zwei Jahren nicht wesentlich anders. Und ein Land wuerde genuegen, um das ins Rollen zu bringen. Das muss man erst einmal durchbrechen. Die Telegramtechniken zur Spaziergangsorganisation waeren hier vielleicht einmal anders einsetzbar. Die gab es damals in der gegenwaertigen Form der Sensibilisierung auf ein politisches Thema noch nicht.

 

 

Gelddrucker

31. Januar 2022 19:48

Guter Beitrag, das Thema wird viel zu stiefmütterlich behandelt.

 

Die Konzerne und deren Lobbyisten in Medien und Politik sind im Übrigen auch einer der Hauptgründe, wenn nicht eventuell sogar der Nr. 1 Hauptgrund für die Migration in den Westen. Ohne ständigen Fluss an neuen Arbeitskräften kein weiterer Profit.

Die eigentliche "Katastrophe", wenn ernsthafte Patrioten an die Macht kommen, wird es doch sein, dass die fetten Jahre vorbei sind, denn dann versiegt der Fluss.

Diese Zusammenhänge endlich im großen Stil aufzuzeigen würde uns auch ein gewaltiges Wählerpotential bescheren, denn wer schimpft schon nicht gerne auf "die da oben"

URN

31. Januar 2022 22:11

Daß die Migranten hier als potentielle b i l l i g e Arbeitskräfte eingewandert werden, bekannt. Der Grund Nr. 1, richtig. Und Grund Nr. 2 ist, daß man sie als Käufer des B i l l i g e n hier vor Ort gebrauchen kann, das man dann nicht mehr außer Landes transportieren muß. Grund Nr. 2, auch bekannt. Wer kennt einen Grund Nr. 3 aus hiesiger Sicht?

Nordlicht

1. Februar 2022 00:34

",,, wahre soziale Marktwirtschaft ..."

Hört sich an wie neues Schummel-Etikett für mehr Staatsplanung, mehr Bevormundung und viel mehr Bürokratie.

(Nichts gegen die Notwendigkeit, der übergeqollenen Finanzwirtschaft den Stecker zu ziehen, ebenso die Internet-Monopolisten zu zerlegen.)

 

Lausitzer

1. Februar 2022 02:26

Guter Artikel. Interessante Kritik.
Ich tendiere in letzter Zeit auch mehr zur Basisdemokratie oder dem Schweizer Modell, dass sich zwar auch unter dem Zeitgeist mächtig biegen muss aber immerhin noch funktioniert.

Die Frage ist nur, wie oben schon gestellt, wie hält man die fremden Interessen da raus? Dazu müsste es wohl einen politischen Willen geben, die größten und mächtigsten (Medien-) Konzerne und Banken zu zerschlagen.

Was ich an den Spaziergängern sehe, ist, dass es noch vitale Kräfte im Volk gibt, die sich erheben, gestalten und mitreden wollen. Ich bin in einer Telegram-Gruppe, die sicher eher normal linksgrün geprägt ist, die sich aber viele Gedanken darüber macht, wie es nach Corona weitergehen kann. Dabei wird erkannt, dass es umfangreiche Reformen am politischen System geben muss.

Da gibt es eine Energie, die mich an das Ende der DDR denken lässt, dennoch nicht identisch ist. Es scheinen alle zu ahnen, dass dieses System (Great Reset) nicht einfach fallen wird, wie dazumal die Mauer. 

Laurenz

1. Februar 2022 07:43

(1)

Der Artikel trifft natürlich in seiner grundlegenden Analyse zu.

2 wesentliche Kritikpunkte wiederhole ich gerne:

Punkt 1, die Existenz us amerikanischer, global agierender Megakonzerne basiert nachwievor auf der us amerikanischen Militärmacht. Nur mit einer massiven Aufrüstung Europas & der Bereitschaft Militär im eigenen Interesse global einzusetzen, ist ein politischer Umgang mit diesen Konzernen möglich. Ich erinnere an die Verstaatlichung von SEL/Chile durch Allende & welche Konsequenzen das hatte.

Punkt 2, Paypal ist nicht der Finanzsektor. Paypal zerstört den Finanzsektor. In den nächsten 5 Jahren werden in Deutschland die Hälfte aller Bankmitarbeiter ihren Job verlieren. Der Hintergrund für das weitere Bankensterben liegt in der Ermangelung Existenz tragender Geschäftsmodelle. Hinzu kommt, daß gerade Konzerne auf Banken verzichten & zB ihre Anleihen zur Refinanzierung oder Aktien zur Eigenfinanzierung im Direkt-Marketing verkaufen. Das ist in etwa so, wie, wenn Autoren auf Verlage verzichten, nur, daß es um mehr Geld, also ganz andere Summen geht.

Das Banken-Basher-Ritual sollte man sich hier mal schleunigst abgewöhnen, vor allem dann, wenn man sich damit nicht auskennt,

Laurenz

1. Februar 2022 07:44

(2)

Versicherer finanzierten früher ihre Sachversicherungen quer durch die hohen Gewinne aus Kapital gebundenen Versicherungen. Das ist lange vorbei. Eine Feuerversicherung kostet jetzt den realen Preis einer Feuerversicherung.

Im Finanzsektor handelt es sich um reale ökonomische Auswirkungen, welche die sozialistische Zentralbankpolitik auslöst. In den USA mag das etwas anders laufen, weil die FED den Banken gehört.

Maiordomus

1. Februar 2022 10:18

Die direkte Demokratie, an der noch Gottfried Keller, als sie im Kanton Zürich 1867 auch auf kantonaler Ebene eingeführt wurde, seine Zweifel bekundete, lässt sich nicht beliebig exportieren und funktioniert zumal vor allem kleinräumig gut, und zwar dort, wo sie wie in Glarus, seit 1387 eingeführt ist und wo tatsächlich sogar wichtige und wichtigste Entscheidungen dann und wann sogar gegen die Regierung von den anwesenden Männern, später, seit bald 50 Jahren, auch Frauen getroffen wurden, wobei die Verzögerung des Frauenstimmrechts mit dem Prinzip der bewaffneten vollmündigen Männer zu tun gehabt hat. Aber selbst in Glarus erfolge die Mehrheit der Volksversammlungen über das faszinierende Ritual hinaus einer konformen Voraussagbarkeit, wiewohl fast Jahr für Jahr auch originelle Wortmeldungen origineller "Einzelmasken" zu hören waren. In Unterwalden galt indes jahrhundertelang nicht da Volksmehr, sondern das Gemeindemehr der Dorfgemeinden und wichtig: noch starker weltanschaulicher Konsens, auch das Staats- und Volksverständnis betreffend.

Karl Otto

1. Februar 2022 10:32

"Ohne ständigen Fluss an neuen Arbeitskräften kein weiterer Profit."

Ich glaube nicht dass das so stimmt. Mehr als 60% der seit 2015 eingewanderten Migranten leben nach wie vor von der Sozialhilfe, und das wird sich auch dauerhaft nicht ändern. Die allermeisten kommen als Arbeitskräfte auch nur im Bereich einfacher Dienstleistungen in Frage, da sie keine Berufsausbildung haben.

Es geht eher (wie ja auch schon oben angedeutet) um Erhalt von Nachfrage, finanziert von arbeitenden Deutschen durch Steuern und Sozialbeiträge.

Darüber hinaus dürften nichtökonomische Motive eine wichtige Rolle spielen, wie etwa die Zerstörung des sozialen Zusammenhaltes und die Verunsicherung der Bürger durch steigende Kriminalität.

Gotlandfahrer

1. Februar 2022 10:54

Deswegen: Die Medien gehören der Politik und Wirtschaft aus den Händen genommen. Per Zufallsprinzip sollten Wahl- und Aufsichtsgremien aus dem steuerzahlenden Staatsvolk zusammengesetzt werden, die die Leistungen gemäß zuvor nach Prinzipien der Erkenntnistheorie verfassten Grundsätze des Journalismus prüfen und Verletzungen sanktionieren sowie ohnehin die anhand derartiger Leistungskriterien auszuwählenden Redaktionsleitungen besetzen. 

Laurenz

1. Februar 2022 11:50

@Maiordomus

Wenn man

"Direkte Demokratie"

in Zweifel zieht, unterstellt man, daß ein Tyrann, Feudalherren oder Berufspolitiker die besseren Entscheidungen treffen würden. Diese Unterstellung ist historisch nicht haltbar.

Da meist das Volk auch die Entscheidungen der Berufspolitiker verantworten muß & Politiker nichts verantworten, kann das Volk auch selbst die falschen Entscheidungen treffen.

@Karl Otto

Die in die Sozialkassen Eingewanderten sind ja noch billig. Teuer sind die Betreuer in den Sozialdiensten und Ämtern.

Sandstein

1. Februar 2022 12:06

Danke für diesen Artikel. Kommt auf meine Liste der zu lesenden Sachen.

@Laurenz 

Gut geschrieben. Ich glaub’s ja selber kaum, aber scheint Bereiche zu geben in denen Sie sich sehr gut auskennen und ich gerne zuhöre. Man merkts sofort an der Art der Schreibe. 

Herr K aus O

1. Februar 2022 12:40

@Karl Otto. Die offenen Grenzen sorgen schon für Arbeitskräfte, schauen sie sich die LKWs auf der Autobahn an oder den Mann von Amazon. 

Wo es früher Einzelhandel gab, verlagert es sich jetzt ins Internet oder auf die Autobahn, was für eine glorreiche Digitalisierung. 

Aber was so richtig reinhaut, ist doch die völlige Zerstörung des Mietmarktes. 2010 gab es in Berlin noch Wohnungen im Überfluß, das hat sich durch den massiven Eingriff des Staates in den Markt deutlichst verschlechtert.

Blackrock ist mittlerweile einer der größten Wohnungsbesitzer. Und hier sehen sie den „Linksruck“ der Gesellschaft bei der Arbeit: Natürlich wollen die „Linken“ die großen Wohnungskonzerne enteignen. Demonstrieren aber am nächsten Tag für mehr Aufnahme von Flüchtlingen. Und wofür wird entschieden? Die Enteignung ist verfassungswidrig, aber - zum Wohl der Wohnungskonzerne - die Zuwanderung bleibt bestehen.

Und womit erklärt sich das der „Linke“ die Ablehnung der Enteignung? Mit „gewissen Kräften“, wahrscheinlich der Werteunion oder Teilen der FDP.

 

 

URN

1. Februar 2022 12:55

Was Sie, Karl Otto, 10:32 im letzten Absatz schrieben, ist zum Teil zutreffend. Natürlich sind für die, die billig produzieren und Billiges möglichst hier, also mit geringeren Transportkosten, absetzen wollen, zerstörte soziale Zusammenhänge und Verunsicherung günstige Begleitumstände und - solange ein bestimmtes Maß nicht überschritten wird - geschäftserleichternd. Ein Grund neben (!!) den von mir oben genannten läßt sich für mich hier nicht erkennen.  

Karl Otto

1. Februar 2022 12:56

@Gotlandfahrer: Ich frage mich schon lange, wie die das gemacht haben. Die Linken haben Medien und Universitäten unter Kontrolle, auch wenn sie in der Politik  kaum vorwärts gekommen sind.

 

Umlautkombinat

1. Februar 2022 13:40

> Die Linken haben Medien und Universitäten unter Kontrolle, auch wenn sie in der Politik  kaum vorwärts gekommen sind.

Das ist doch viel komfortabler und schlaegt tiefer und breiter durch. Da braucht man nicht mehr viel sichtbare explizite Politik, die eigene Position wird dem Wettbewerb entzogen und mit effektiveren Mitteln durchgesetzt.

Nehmen Sie die Analogie der nicht 1:1 Gegenaufstellung. Die AfD versucht Politik klassischer Form - speziell Parlamentarismus - zu treiben, muss sich aber ihr kuemmerliches Medienbrot hart verdienen oder borgen. Das ist wesentlich aufwendiger (und erfolgloser).

Mitleser2

1. Februar 2022 14:20

@Gotlandfahrer/Otto: "Ich frage mich schon lange, wie die das gemacht haben. Die Linken haben Medien und Universitäten unter Kontrolle, ..."

Der Marsch der 68er durch die Institutionen war eben äußerst erfolgreich. Und der Radikalenerlaß wurde schon 1979 wieder abgeschafft.

@Herr K aus O:  Wie kommen Sie darauf, dass die Migration Blackrock etc. dienen soll. Die haben Mitnahmeeffekte, ok. Der Hauptgrund ist aber die Migration per se, und die in Berlin völlig verfehlte linksextreme Wohnungspolitik. Sie schreiben es doch selber: "massiver Eingriff des Staates in den Markt"

Imagine

1. Februar 2022 14:50

1/2

Insbesondere bei den systemkonformistischen Linken scheint die illusionäre Hoffnung auf eine Zähmung des Kapitalismus und der Möglichkeit der Herstellung einer „echten soziale Marktwirtschaft“ entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnis, wie z.B. von Wolfgang Streeck formuliert, unkorrigierbar zu sein.

Das war schon immer die Religion der linken systemkonformistischen, anti-marxistischen Sozialdemokraten.

Die NDS mit Albrecht Müller an der Spitze und Sahra Wagenknecht als Gallionsfigur sind typisch dafür.

Norbert Häring schildert die – aus seiner Sicht – Fehlentwicklungen des Kapitalismus.

Bei seiner oberflächlich-deskriptiven und wissenschaftsfernen Betrachtung stellt er fest, dass die reale Entwicklung nicht der Systemlogik des schönen marktwirtschaftlichen Modells folgt.

Jedoch war dieses Modell schon immer Ideologie.

Imagine

1. Februar 2022 14:51

2/2

Welchem ökonomischen Modell folgt denn der Drogenhandel in Mexiko?
Oder die Rüstungs- und Kriegsökonomie im US-Empire? Oder der Corona-Schwindel und –Raubzug?

Was real passiert, wird bestimmt durch die Interessen von Plutokraten und Oligarchen. Und die scheixxen auf ökonomische Modelle, auf Demokratie, Rechtstaatlichkeit, kulturelle Selbstbestimmung und Völkerrecht.

Real ist der Kapitalismus ins Stadium von Verbrecherherrschaft übergegangen, was Marxisten als systemlogische Folge schon vor über 100 Jahren mit der Alternative „Sozialismus oder Barbarei“ prognostizierten. Horkheimer wies darauf hin, dass der Kapitalismus aus ureigenstem Prinzip zur Verbrecherherrschaft tendiere.

Nur haben sich die Systemkonformisten gegenüber dieser Tendenz so verhalten, wie die bekannten drei Affen.

Aus Opportunismus oder Totalverblödung weigern sie sich, zu thematisieren, dass der Kapitalismus im Stadium der Verbrecherherrschaft angelangt ist.

Andreas Walter

1. Februar 2022 15:25

Endspiel des Kapitalismus?

Das ist doch sozialromantischer Unsinn.

Kapital aus NY und aus dem Deutschen Reich hat die "sozialistische" Revolution in Russland Anfang des letzten Jahrhunderts doch überhaupt erst ermöglicht. Geld, um damit Waffen und Demonstranten zu kaufen. Das Geld lief zum Teil über die Nya Bank in Stockholm, eine Arbeiterbank, die von einem Juden geleitet wurde, Olof Aschberg, nach Sankt Petersburg, über Konten der Schweizer Firma Nestlé. Das Geld der Deutschen Regierung hat dagegen ein Alexander Parvus, auch Jude, nach Russland geschafft. Ohne ein oder mehrere universelle Tauschmittel ist eben eine komplexe Gesellschaft nicht möglich und das Gleiche gilt auch für eine Revolution. Die Überwindung des Kapitalismus ist daher ebenso eine Illusion wie die Überwindung des Sozialismus, weil beides zutiefst menschliche Eigenschaften sind und sogar Tiere legen sie an den Tag. Den Kampf um den Mampf, tatsächlich aber um alles, wird es daher immer geben, lediglich manchmal härter und manchmal weniger hart ausgefochten. Mal mit Tricks und Betrug, mal brutal bis auf's Blut, mal mit moralischen Appellen oder es brennen Zitadellen, mal wird gehurt, geheuchelt und gebettelt, oder auch mal ein Krieg angezettelt. Unter falscher Flagge natürlich. Denn wir sind ja keine Barbaren. So wie die Deutschen. Wir sind etwas besseres.

https://youtu.be/1ZZR8vBKqwc

https://de.rt.com/asien/130816-soros-vergleicht-olympische-spiele-in/

Laurenz

1. Februar 2022 15:42

@Imagine

"Kapitalisten"

Ihre Darstellung einer Oligarchie im Falle der BigTech-Unternehmen stimmt zwar, auch eine Entkoppelung von Rechtsstaatlichkeit, was im Grunde ein Parlament oder eine Regierung mehr oder weniger überflüssig macht, aber in unserem Disput von echten Produktionsmittelinhabern liegen Sie nachwievor falsch. Man kann einem Kugellager-, Baumaschinen- oder Nähnadelhersteller nicht direkt vorwerfen, daß er an sich kriminell sei. Die hohen BigTech-Börsenwerte, die auch BK im Artikel anspricht, basieren ja nicht unbedingt auf irgendeiner Substanz, sondern der kalkulierbaren Marktmacht, also oligarchischen oder monopolistischen Strukturen. Es existieren nachwievor auch Bereiche, welche Staaten völlig nationalistisch veralten, wie zB die Energiewirtschaft. Hat die EU-Kommission jemals schon Deutschland verklagt oder Strafen verhängt, weil Deutschlands Bürger ihren Strom nicht "marktgerecht" in Frankreich kaufen dürfen? Seien Sie bitte genauer in Ihrer Argumentation und bei Schlußfolgerungen.

Mitleser2

1. Februar 2022 15:48

@Imagine: Aber die Marxisten haben die Lösung gefunden? Sie konnten sie aber leider nie wirklich implementieren, ohne ihre Schuld natürlich. Wie lange wollen Sie uns dieses Märchen noch erzählen? Und kommen Sie bitte nicht mit China.

eike

1. Februar 2022 16:04

Bei aller Kritik an den 'Monopolisten' sollten ein paar Elephanten im Raum nicht aus dem Auge verloren werden:

- was machte Quelle falsch und Amazon richtig?

- warum Apple und nicht der einst strahlende Marktführer Nokia?

- was kann PayPal, was die Deutsche Bank nicht könnte?

Härings Kapitalismuskritik fehlen wohl noch ein paar Dimensionen.

RMH

1. Februar 2022 16:51

Ergänzung zu @eike,

... und Peter Thiel sponsert die Republikaner und Donald Trump und hat jetzt Ex-Kanzler Kurz eingestellt.

Imagine

1. Februar 2022 17:16

@Laurenz    1. Februar 2022 15:42
Man kann einem Kugellager-, Baumaschinen- oder Nähnadelhersteller nicht direkt vorwerfen, daß er an sich kriminell sei.“

Selbstverständlich nicht.

Heute sind Klein- und Mittelunternehmer sind ähnlich wie Lohnarbeiter Objekte verbrecherischer Herrschaft.

Nirgendwo werden Sie von mir hören oder lesen, dass Unternehmertum per se verbrecherisch sei.

Im Gegenteil, ich bin sehr unternehmerfreundlich. Als Selbständiger war ich in einer Unternehmerfunktion. Unternehmer sind für unsere Gesellschaft genauso wichtig und unersetzlich wie Erfinder, Forscher, Entdecker, Entwickler etc.

Selbstverständlich soll im Post-Kapitalismus das Unternehmertum gefördert und belohnt werden.

Imagine

1. Februar 2022 17:39

1/2

Linke Sozialdemokraten träumen von einem „New Deal“ (z.B. Stephan Schulmeister).

Aber warum sollten die Plutokraten und Oligarchen und deren Funktionseliten darauf eingehen?

Denn diese sitzen fest im Sattel. Sie haben den Staat und Gesellschaft ihren Medien, Überwachungs- und Repressionsmöglichkeiten sowie ihrer Korruptionsmacht fest unter ihrer Kontrolle.

Manche meinen, es gehe der Bevölkerung noch zu gut. Wenn es dieser schlechter gehe, dann würden sie davon profitieren.

Viele sehen die Machtergreifung Hitlers als historisches Modellbeispiel an.

Aber Hitler hat die Macht nicht ergriffen, sondern sie wurde ihm von Machtgruppen übergeben, die in ihm eine willige Marionette für ihre Ziele und Zwecke sahen und ihn deshalb medial aufgebaut und finanziert hatten.

In Krisenzeiten werden Populisten als Hoffnungsträger aufgebaut, um das Volk friedfertig zu halten.

In den USA Obama wurde als Retter und Lichtgestalt promoted, in Deutschland war dafür der Lügenbaron vorgesehen.

Imagine

1. Februar 2022 17:40

2/2
 

Zur These:
Je schlechter es der Bevölkerung geht, umso besser sei es für diejenigen, die eine Systemveränderung wollen.

Diese These wird auch von einigen hier auf SiN vertreten.

Eine kluge Reflexion dazu findet sich hier: „Warum Armut noch keine Revolution macht“ (https://tinyurl.com/ycknbmuv).

Meine These ist, dass die Motivation der Bevölkerung zum Systemwandel vor allem durch die Existenz einer besseren Alternative geschieht.

Wenn es für die Bevölkerung empirisch evident ist, dass es Menschen in vergleichbarer Position viel besser geht.

Deswegen wird China jetzt als Systemkonkurrenz jetzt so ernst genommen, weil die Zeit nicht mehr fern ist, wo es Europa an Wohlstand und individueller Freiheit überholt.
 

Mitleser2

1. Februar 2022 17:53

@Imagine: Ah, Sie sind sehr unternehmerfreundlich. Aber die Lohnarbeiter der Unternehmer sind gleichzeitig Objekte verbrecherischer Herrschaft. Oder wie arbeitet der Unternehmer ohne Arbeiter.

Fallen Ihnen Ihre Widersprüche nicht selber auf? Oder betreiben Sie Realsatire?

 

Imagine

1. Februar 2022 19:11

@Mitleser2  1. Februar 2022 17:53
„Fallen Ihnen Ihre Widersprüche nicht selber auf? Oder betreiben Sie Realsatire?“

Lernen Sie erst einmal die Grundbegriffe, z.B.
Kapitalist vs. Unternehmer. Was ist Mehrwert? Was unterscheidet Verbrechertum von prosozialer und nützlicher Tätigkeit?

Mitleser2

1. Februar 2022 19:44

@Imagine: Und noch ein Nachtrag. Immerhin habe ich einen deutschen naturwissenschaftlichen Hochschulabschluß von 1982. Das war damals noch ein Leistungsnachweis. Was haben Sie?

Gelddrucker

1. Februar 2022 19:59

@Karl Otto

 

Das stimmt so zu 100%. Genau dafür sind sie da. Für die Mistjobs und dass Fastfoodkette X die Burgermacher nicht ausgehen. Paar Salatblätter und Gurken auf ein Brötchen legen und in Warenhäusern Zeug von A nach B bringen kann jeder Idiot. 

Herr K aus O

1. Februar 2022 22:34

@Mitleser2:

Dass der Staat - also die Steuerzahler - die Miete für Leute übernimmt, die sich eine Existenz in diesem Land eigentlich nicht leisten können, ist nicht nur ein Mitnahmeffekt, sondern eine dieser schönen neuen Kreisläufe: Das Kapital finanziert NGOs, die sorgen für die neuen Mieter und der Steuerzahler wird dafür zur Kasse gebeten, zahlen also dem Kapital seine Miete, die durch die explodierende Nachfrage natürlich größer wird.

Die Politik in Berlin ist eben nicht linksextrem. Sie würde es ja gerne sein, aber unterm Strich? Explodierende Mieten, weil die Nachfrage - und das ist doch der alles entscheidende Punkt - nach Wohnungen durch Subvention von Armutsmieter künstlich hoch gehalten wird. 

Ich glaube, die Zahl der Ausreisepflichtigen liegt so bei 250.000. Gehen wir davon aus, dass diese so knapp 100.000 Wohnungen belegen. Stellen sie sich vor, plötzlich sind 100.000 neue Wohnungen auf dem Markt vorhanden. Was sagen Vonovia + Co dazu?

Laurenz

2. Februar 2022 00:04

@Imagine @L.

Erinnern Sie Sich an unseren neulichen Disput über Produktionsmittelinhaber, welche durch die Marxisten historisch als der "Klassenfeind" definiert wurden. Banker hingegen gingen bei Marx unter ferner liefen durch. Ich würde Sie bitten, hier nochmals in Sich zu gehen. 

@Andreas Walter

Ich habe beide Links, die Sie posteten, durchgelesen, - gehört. Natürlich hat Soros Recht. Es ist genau so, wie er sagt, was wiederum seine Schwäche deutlich macht. Ein nationalsozialistisches China ist ein anderes Kaliber als ein nationalsozialistisches Deutschland. Aber seinesgleichen haben diesen Nationalsozialismus provoziert. Daran ändern auch keine diplomatischen Boykotte irgendetwas. 

Der Doku-Beitrag ist gut, aber Sie sehen die dürftige Reichweite. Alles ist nachvollziehbar & allseits in der Branche bekannt. Dazu existiert sogar eine WDR-Doku über "the big 4". https://youtu.be/leWKpkPUgkE

Jedenfalls ist der Inhalt der Doku einwandfrei belegbar, ganz anders als das, was unsere historischen Hasardeure, wie @Zeitschnur, hier von sich geben.

Eine Offshore-Firma geht in den Kosten bei ca. 20k Euro/US$/Pound Sterling los. Das unterbindet den Zugang für normal Sterbliche.

Mitleser2

2. Februar 2022 09:24

@Herr K aus O: "Das Kapital finanziert NGOs, die sorgen für die neuen [migrantischen] Mieter und der Steuerzahler wird dafür zur Kasse gebeten"

Wir sind gar nicht so weit auseinander. Aber das mit dem "Kapital" scheint mir trotzdem zu weit hergeholt. So weit brauchen Sie gar nicht zu gehen. Das Kapital hat das doch gar nicht nötig. Da reichen doch die Begriffe "Merkel" oder "Die Grünen" voll aus. Direkte Regierungspolitik. Ob die nun vom "Deep State" gesteuert ist, ist wieder was anderes.

Imagine

2. Februar 2022 11:56

@Laurenz   Februar 2022 00:04
„Erinnern Sie Sich an unseren neulichen Disput über Produktionsmittelinhaber, welche durch die Marxisten historisch als der "Klassenfeind" definiert wurden. Banker hingegen gingen bei Marx unter ferner liefen durch.“

Erstaunlich, was Sie über Marx zu wissen glauben, ohne ihn jemals studiert zu haben. https://marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_b/banken.html

Laurenz

2. Februar 2022 12:03

@Herr K aus O & Mitleser2

Nur so als Ergänzung:

https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/branchenexperten-wohnungsbau-fehlen-fachkraefte-mangel/

Wer zahlt die, ohne daß sie ihm gehören?

Wir sollten übrigens alle vom Auto auf Privatjets umsteigen, unsere Häuser verlassen und auf Jachten leben.

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/516887/EU-Kommission-Yachten-und-Privatjets-sollen-von-Klima-Steuern-verschont-werden

Imagine

2. Februar 2022 12:40

1/3

Die Frage ist. was unter „Endspiel des Kapitalismus“ verstanden wird?

Der Begriff Kapitalismus beinhaltet zwei Aspekte, nämlich zum einen eine Funktionsform von Ökonomie und Gesellschaft, welche als Warenökonomie die Möglichkeit beinhaltet, aus Geld mehr Geld zu machen.

Darum dreht sich alles in diesem System. Man verleiht Geld oder investiert es in ein Geschäftsmodell oder Investmentfonds und kann so sein Geld vermehren. Man produziert oder kauft billiger und verkauft teurer.

Der Kapitalismus ist ein Wirtschaftsmodell, wo man völlig arbeitsfrei nach dem Matthäus-Prinzip sein Vermögen vermehren kann. Vorausgesetzt, man verfügt über Vermögen. Und vorausgesetzt, es gibt genügend Menschen, die bereit sind, sich als mehrwertproduzierende Lohnarbeiter kaputt zu arbeiten, ohne jemals zu Vermögen zu kommen.

Das System ist gut für die Vermögenden. schlecht für die Eigentumslosen, die ein Leben lang als Lohnarbeiter schuften müssen, um sich und ihre Familien zu ernähren.

Der zweite Aspekt, der immer zum Begriff Kapitalismus gehört, ist die Herrschaft der Kapitalisten. Sie beherrschen die Gesellschaft, indem sie den Staat beherrschen.

Kein Wunder also, wenn der Großkapitalist Soros so über Xi Jinping keift, denn in China haben nicht die Kapitalisten die Herrschaft inne (https://tinyurl.com/2yzr4me8).
Dort bestimmt die KPCh die Politik und die gesellschaftlichen Entwicklungsziele.

Imagine

2. Februar 2022 12:41

2/3

Theoretisch betrachtet, kann man heute durchaus vom einem „Endspiel des Kapitalismus“ reden, denn einen Neustart kapitalistischen Wachstums, wie durch die Zerstörung im WK II ermöglicht, wird es nicht mehr geben. Und damit auch keine erneuten Wachstumsphasen, an denen die Lohnarbeiter und insbesondere die Mitte teilhaben können.

Der „American Dream“ ist ausgeträumt, für die meisten Menschen geht es nur noch abwärts. Der Wachstumskapitalismus mit sozialer Marktwirtschaft wird niemals mehr wiederkommen. Insofern ist Häring realitätsfern.

Einen Great Reset im Sinne eines Neustarts wird es nichtgeben, sondern hinter dem „Great Reset“, wie vom WEF propagiert, verbirgt sich in Wirklichkeit das Ziel eines Totalitarismus, der von der politischen, ökonomischen und sozialen Struktur dem Feudalismus ähnelt, also einer ständischen Gesellschaft, die anti-liberal und nicht aufstiegsoffen ist, sondern wo wie in der vorbürgerlichen Gesellschaft der Stand in der gesellschaftlichen Hierarchie vom Vermögen und Status der Eltern bestimmt wird. Oben sind als neuer Adel die Plutokraten und Oligarchen und ein gewisser Aufstieg in elitäre Funktionen ist nur für höchst anpassungsbereite Auserwählte und Günstlinge möglich, die als Dienstpersonal für die Plutokraten und Oligarchen fungieren.

Imagine

2. Februar 2022 12:43

3/3
Die arbeitenden Massen werden in diesem Totalitarismus gezwungen werden, auf dem Niveau von Tieren existieren. Tiere können sich nur an die vorgefundene Umwelt anpassen, aber diese nicht willentlich und kreativ mitgestalten.

Es ist die Wiederkehr von Sklaven und Leibeigenen. Die Herren bestimmen über die Körper ihrer Untertanen, so wie jetzt beim Impfzwang.

Es ist insofern ein „Endspiel des Kapitalismus“, weil sich dieses System nicht ewig halten wird. Wenn die Menschen wahrnehmen, dass es eine bessere Systemalternative gibt, werden sie dem System ihre Loyalität aufkündigen.

Dieses Endspiel kann noch Jahrzehnte dauern. Aber irgendwann wird es kollabieren.

anatol broder

2. Februar 2022 13:17

@ herr k aus o 12:40

«aber was so richtig reinhaut, ist doch die völlige zerstörung des mietmarktes.»

das denke ich auch. besonders fleissig dabei sind diejenigen marktteilnehmer, die an der kirchensteuer hängen. früher waren sie gegen die abtreibung, damit das geschäft ohne einbrüche läuft. heute brauchen sie diese forderung nicht mehr, denn «wir kriegen jetzt plötzlich menschen geschenkt» (katrin göring-eckardt, ekd, die grünen).

das älteste europäische bauunternehmen, dessen hauptsitz vatikan heisst, kann über das «endspiel des kapitalismus» nur schmunzeln. denn mit dem endspiel kennt man sich dort bestens aus. ich wiederhole: wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Laurenz

2. Februar 2022 14:04

@Imagine

"Endspiel des Kapitalismus"

Das, was Sie beschreiben, stimmt so nicht. Ihre globalen Kapitalisten/Oligarchen haben sich dem Sozialismus verschrieben, um den Zinseszins-Reset (nach Dirk Müller) zu verhindern. Das Keynesianische Fluten von Märkten mit Geld bei gleichzeitiger 0 - Zins-Politik ist mitnichten kapitalistisch. Neben dem Fluten des untersten Mietsegments mit Migranten, ist es die Inflationsunabhängigkeit von Immobilien oder Aktien, welche Vermögen in diese Anlageformen treiben. Auch bei einer Währungsreform sind diese Anlage-Formen die günstigsten.

Dabei ist es auch völlig egal, ob wir unserem klügsten Foristen @Anatol Broder folgen oder doch eher dem schwulen, alt-linken Antisemiten Rainer Werner Fassbinder das Wort reden, der diese Jahrtausende alte Erfahrung in Immobilien-Spekulationen eher unseren jüdischen Freunden in die Schuhe schob. Vielleicht gibt sich historisch diese Henne-Ei-Debatte auch nicht wirklich etwas.... ist doch der Vatikan letztendlich eine jüdische Erfindung.

Mitleser2

2. Februar 2022 14:08

@URN: "Und Grund Nr. 2 ist, daß man sie als Käufer des B i l l i g e n hier vor Ort gebrauchen kann, das man dann nicht mehr außer Landes transportieren muß."

Der erste Halbsatz ist sicher richtig, aber beim zweiten Teil habe ich meine Zweifel. Was wird in D noch billig produziert, um es außer Landes zu bringen. Alles Billige kommt doch aus China. Danisch hat da gerade einen Artikel drüber "Zum subtilen Unterschied zwischen den olympischen Spielen und meiner neuen Suppenkelle".

Wir subventionieren quasi auch noch die Chinesen.

Imagine

2. Februar 2022 15:57

1/2

@Laurenz   2. Februar 2022 14:04
„Das, was Sie beschreiben, stimmt so nicht. Ihre globalen Kapitalisten/Oligarchen haben sich dem Sozialismus verschrieben, um den Zinseszins-Reset (nach Dirk Müller) zu verhindern. Das Keynesianische Fluten von Märkten mit Geld bei gleichzeitiger 0 - Zins-Politik ist mitnichten kapitalistisch.“

Das schreibe ich doch. Die Plutokraten und Oligarchen scheixxen auf die Marktwirtschaft und auf kapitalistisches Wachstum.

Haben aber die Marktwirtschafts- und Kapitalismus-Gläubigen noch nicht kapiert. Die sind geistig noch in einer längst untergegangenen Wirtschaftsepoche.

Die Plutokraten und Oligarchen kaufen Grund- und Boden auf und agieren wie feudale Großgrundbesitzer als Rentiers, zudem betreiben diese mit ihrer Plattform-Ökonomie eine Art Verleger-Kapitalismus. Zudem kaufen sie Patente auf, um auch hier als Rentier zu fungieren.

Imagine

2. Februar 2022 15:57

2/2

Das jetzige Stadium kann als Spätkapitalismus, Stamokap, Rentier- oder Verleger-Kapitalismus, Neo-Feudalismus, Postkapitalismus etc. bezeichnet werden. Name it!

Völlig idiotisch ist es allerdings, dieses System als Sozialismus zu bezeichnen.

Im Sozialismus wird produktives Privateigentum in Gemeineigentum überführt. Wo geschieht dies? Nirgendwo. Sondern es passiert das Gegenteil, staatliches Kollektiveigentum wird privatisiert. Man raubt der Bevölkerung das Kollektiveigentum, so wie man sich die VEBs privat angeeignet hat.

PPP ist Übervorteilung der Bevölkerung. Ein klarer Fall von Veruntreuung durch die „Staatsdiener“.

Die Bevölkerung wird systematisch ausgeplündert.

Aber wer begreift dies auf Seiten der Rechten?

Wo die Plutokraten und Oligarchen sich Gemeineigentum durch Privatisierung aneignen, wird völlig debil „Sozialismus!“ geschrien.

Laurenz

2. Februar 2022 18:19

@Imagine

"Gemeineigentum" 

ist kein Eigentum.

Ob Sie das Eigentum der Oligarchen in Staatsbesitz überführen oder nicht, spielt doch keine Geige, solange die Oligarchen im Politbüro sitzen. Der Mensch ist in jeder Idee der Fehler-Faktor.

Imagine

2. Februar 2022 20:10

@Laurenz  2. Februar 2022 18:19
„"Gemeineigentum" ist  kein Eigentum.“

Das kommt auf die rechtliche Ausgestaltung an.

Beim „Staatseigentum“ besitzen die Bürger keine persönlichen Eigentumsanteile und damit auch keinerlei Verfügungsgewalt. Staatseigentum ist daher kein echtes Gemeineigentum wie bei einer Eigentümergemeinschaft.

Laurenz

2. Februar 2022 21:35

@Imagine @L.

Zum Unternehmerdasein muß man geboren sein. Die meisten Menschen können mit unternehmerischen Eigentum nichts anfangen & sehen nur den Geldwert darin. Es gab schon viele Projekte diesbezüglich. Bis zu den Sozialdemokraten wurde Vermögensbildung sogar mal in kleinem Maße gefördert. Das scheitert grundsätzlich. Lassen Sie die Menschen doch Menschen sein. Auch Olivettis früher "Marxismus ohne Marx" als Unternehmenskultur, funktionierte nur solange, wie Olivetti einen unternehmerischen Vorsprung innehatte. Und man kann auch Macher, wie Bruno Visentini nicht einfach aus dem Hut zaubern.

Kurativ

2. Februar 2022 21:54

Was von Apple, Google, MS oder Facebook ist eigentlich Volksvermögen? Diese Unternehmen sind direkt oder indirekt durch Gelder der Steuerzahler und durch Daten der genötigten Benutzer groß geworden. Ich will meine Anteile!

Laurenz

3. Februar 2022 02:43

@Kurativ

FB ist das beste Beispiel. Die Nutzer, auch die heutige Jugend, sind in ihrer Einschätzung dem Medium nicht gewachsen. Nachwievor wird die Nutzung von FB & Co. als "kostenlos" angesehen. Dem ist aber nicht so. Die Daten der Nutzer besitzen einen Wert, den man, zumindest theoretisch, verkaufen könnte. Bei einem geschätzten Jahresgewinn von 30 oder 40 Milliarden US$ könnten die knapp 3 Milliarden FB-Nutzer zwar pro Kopf nicht viel, aber schon mal eine jährliche Dividende von 5 oder 6 US$ pro Kopf einfordern. Dann bliebe für die Aktionäre immer noch die andere Hälfte übrig. Das wäre dann ein Geschäft. Aber so lassen sich die FB-Nutzer ausnahmslos für blöd verkaufen.

Götz Kubitschek

3. Februar 2022 07:39

badeschluß. dank an alle.

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