Kritik der Woche (15): Herr Oluf in Hunsum

Christopher Eckers neuer Roman Herr Oluf in Hunsum hat mich über zwei Tage und in die Nächte hinein regelrecht gefesselt.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Natür­lich – wer läßt sich schon gern fes­seln? – war das auch qual­voll. Laut Staats­funk ist Ecker (*1967) ein „lite­ra­ri­scher Geheim­tip“. Das mag stim­men. Er hat unge­heu­er viel Bel­le­tris­ti­sches ver­öf­fent­lich und zahl­rei­che, auch renom­mier­te Prei­se abge­räumt. Den­noch kennt man sei­nen Namen kaum.

In die­ser Geschich­te fun­kelt und sprüht es nur so vor Ideen­reich­tum, Fabu­lier­freu­de und Asso­zia­ti­ons­viel­falt. Ecker ist einer, der gän­gi­ge Phra­sen, Gefühls­mo­den und zeit­ge­nös­si­sche Stol­per­stei­ne aus dem eff­eff kennt und exer­ziert. Hier glänzt alles vor lau­ter Bescheid­wis­sen und Spott. Eine rei­ne Freude!

Wor­um geht es? Pro­fes­sor Oluf Satt­ler ist nach Hun­sum (fik­ti­ver Ort, die nahe­lie­gen­de Anmu­tung „Husum“ wird the­ma­ti­siert) ein­ge­la­den. Auf einer geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Tagung soll er dort einen zehn­mi­nü­ti­gen Impuls­vor­trag hal­ten, um (so ist es halt heu­te im Wis­sen­schafts­be­trieb!) För­der­gel­der abzustauben.

Als er los­fährt, lie­gen sei­ne Frau und das Baby krank dar­nie­der. Und eigent­lich müß­te Jasper, der gro­ße Sohn, von der Klas­sen­fahrt abge­holt wer­den. Prof. Oluf Satt­ler fährt den­noch los. Sein schlech­tes Gewis­sen gegen­über den fami­liä­ren Ver­pflich­tun­gen wird ihn über den Haupt­teil der Hand­lung nicht verlassen.

Ori­gi­nel­ler­wei­se ist die­ser Roman in der zwei­ten Per­son Sin­gu­lar verfaßt:

„Du nickst geis­tes­ab­we­send, aber nicht unfreund­lich zurück und nimmst das Han­dy aus der Jackentasche.“

Oluf Satt­ler reist also medio­ker-geschäf­tig nach Hun­sum und ver­sucht dabei so pau­sen- wie erfolg­los, sein zurück­ge­las­se­nes Weib­chen zu errei­chen. Das geht aber nicht dran, an den Hörer. Es gibt halt auch Pro­ble­me mit Satt­lers Han­dy. Er schil­dert sie vor­züg­lich und mit hohem Wiedererkennungswert.

Hun­der­te Gedan­ken que­ren über Tage Satt­lers Hirn. Was hat es eigent­lich mit die­sem Pos­ter auf sich, das Jasper über sein Bett gehängt hat? Der „schwar­ze Typ“ dort hat sich tat­säch­lich Anne Frank ins Gesicht täto­wiert! Was soll das nun?

Genau genom­men hat der Typ kein Anne-Frank-Por­trät im Gesicht, son­dern des­sen rech­te Hälf­te wird kom­plett von einem unbe­hol­fe­nen, aber bemüht rea­lis­ti­schen Por­trät von Anne Frank ein­ge­nom­men. Wann, fragst du dich, habe ich Jasper ver­lo­ren? Der Jun­ge weiß sicher­lich nicht, wen sich der Typ da hat ins Gesicht täto­wie­ren las­sen. Woher auch?

Pro­fes­sor Satt­ler steht vor vie­ler­lei Rät­seln, die ihn vor sei­nem kar­rie­re­mä­ßig so wich­ti­gen Hun­sum-Vor­trag umtreiben.

Die­ser Vor­trag, in dem er sich gegen dekon­struk­ti­vis­ti­sche fran­zö­si­sche Mode­phi­lo­so­phen wen­det, wird schließ­lich mit, ja, eisi­gem Applaus quit­tiert. Satt­ler spricht ja völ­lig gegen alle Kon­ven­tio­nen! Wie kann er es wagen? Er wird ja wohl kein Reak­tio­när sein?

Star des Tagungs­wo­chen­en­des ist hin­ge­gen Charles Oli­vi­er Char­mi­ne­aux, ein boo­men­der Mode­phi­lo­soph und Suhr­kamp-Autor:. Wir dür­fen ihn hier (es fin­den sich im Roman zahl­rei­che wun­der­ba­re Bei­spie­le) zitieren:

Kunst ist das Spre­chen­de, das dem Schwei­gen des Seins ent­ge­gen­steht. Kunst ist der Feind des Seins und als Dasein den­noch dem Sein unter­ge­ord­net. Kunst ist daher das Geröll­haf­te, das wir in som­mer­lee­ren Fluß­bet­ten fin­den, was auf ein Sein ver­weist, das im Früh­ling und Herbst strömt, aber unter der Som­mer­son­ne nicht vor­han­den ist.

Die­ses zeit­ge­nös­si­sche Gedre­sche und Geschwur­bel ist hier äußerst kunst­sin­nig ver­packt. Man liest die­sen Roman mit lei­sen Jauch­zern! Soviel schnei­den­de Iro­nie, soviel sat­ter Sarkasmus!

Unse­rem armen Herrn Oluf wird es gelin­gen, den smar­ten Herrn Char­mi­ne­aux, ja –  zu erpres­sen. Die bei­den haben näm­lich eine gemein­sa­me Ver­gan­gen­heit. Sie sind einst über eine Lei­che – jung, weib­lich, ledig – gegan­gen. Das ist die Neben­ge­schich­te aus Satt­lers und Char­mi­ne­aux’  Jugend.

Ein wenig Was­ser muß zuletzt doch noch in den Wein. Kürz­lich hör­te ich näm­lich eine Radio­sen­dung, in der es auch um „Schrei­ben & Trin­ken“ ging. Eine Erfolgs­au­torin (Kri­mi) ver­kün­de­te ihr Cre­do (gül­tig, wie ich mei­ne) sinn­ge­mäß: „Schrei­be im Rausch, lek­to­rie­re nüchtern.“

Ich hät­te mich hier gern als Lek­to­rin betä­tigt, denn hier erscheint genau dies rausch­haft ver­säumt wor­den sein. Dann hät­te ich in der Sum­me etwa 40 betrun­ke­ne Sei­ten gestri­chen. Oder gar 50? Dann – mit die­sen Strei­chun­gen – wäre es, wie ich mei­ne, ein zeit­ge­nös­si­scher 1a-Roman gewor­den. So ist es halt nur eine glat­te Zwei. Eigent­lich scha­de. Soviel Potential!

– – –

Chris­to­pher Ecker: Herr Oluf in Hun­sum. Hal­le: Mit­tel­deut­scher Ver­lag 2022, 230 S., 20 € – hier bestel­len

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (27)

RMH

7. Februar 2022 10:23

Ich musste jetzt spontan an den Bericht/ Essay "Leichenschmaus in Loccum" von Jörg Fauser denken, auch wenn es da um ein ganz anderes Thema geht. Aber die Reise zu einem Fachseminar und das, was da abläuft, ist oft etwa seltsames.

Das Fehlen eines guten Lektoriats merkt man heutzutage auch daran, dass sich Schreib- und offensichtliche Übersetzungsfehler selbst bei auflagenstarken Autoren finden, wo eigentlich das Budget für so etwas vorhanden sein sollte (aktuelles Beispiel nenne ich nicht, um die Diskussion nicht abzulenken). Und je höher der Sockel ist, auf dem der Autor steht, um so weniger wird ein Lektor den Mumm haben, zu kürzen bzw. wird er oft keinen Erfolg damit haben.

quarz

7. Februar 2022 10:48

"Sattler spricht ja völlig gegen alle Konventionen!"

Da war er wohl auf der falschen Tagung. Es gibt auch Kongresse, da gehört der Spott über die Franzosen zum Common Sense.

Niekisch

7. Februar 2022 11:26

"Dieses zeitgenössische Gedresche und Geschwurbel ist hier äußerst kunstsinnig verpackt.".... aber auch entlarvend. Denn es gibt in der Kunst als Ausdruck seelischen Erlebens sicher kein Trennen von Aggregatzuständen, Zeit und Räumlichkeit, allenfalls Auswahl des Einen ohne Vergewaltigung des Anderen. 

Brettenbacher

7. Februar 2022 12:51

Eine Erfolgsautorin (Krimi) verkündete ihr Credo (gültig, wie ich meine) sinngemäß: „Schreibe im Rausch, lektoriere nüchtern.“

Kömmt wohl von Jean Paul her: Entwirf bei Wein, exekutiere bei Kaffee.

Ideen-Gewimmel Nr. 562

brueckenbauer

7. Februar 2022 13:06

Der Modephilosoph Charmineaux erinnert mich doch stark  an einen Heidegger-Adepten. Ist diese Redeweise tatsächlich wieder modern - ich weiß, in der Mode kommt alles leicht abgewandelt wieder ...?

Der Gehenkte

7. Februar 2022 13:14

Es gibt sicherlich gute Gründe, Romane zu meiden, in denen das Wort Handy vorkommt - wer soll das noch in 30 Jahren verstehen? Zeitlos kann so etwas per se nicht sein. Literatur wie Zeitungen: heute erregt, morgen entsorgt. 

Aber es gibt auch gute Gründe dafür. Erfreulich, daß Sie sich diese Arbeit immer wieder aufladen. Ich selbst würde so einen Roman wohl nur lesen, wenn ich ihn besprechen müßte/sollte.

Die Frage ist: hat es das alles nicht schon gegeben? Selbst mir als fast komplettem Ignoranten zeitgenössischer Literatur kam sofort Tellkamp in den Sinn. Ist das nicht ein ausgewalzter - und schlecht lektorierter - "Eisvogel"?

 

Laurenz

7. Februar 2022 13:21

Wenn ich als französischer Mode-Philosoph tatsächlich eine echte Leiche im Keller hätte, käme es auf eine 2te auch nicht mehr an.

Gracchus

7. Februar 2022 18:26

Herr Ecker stammt aus Saarbriggen. Seinerzeit habe ich "Madonna" gelesen, eine Art "American Psycho" in der Provinz. Das war ganz gut, womöglich aber nicht so gut, dass ich die weiteren Bücher von ihm gelesen hätte; wobei ich aber auch sehr wenig Gegenwartsliteratur lese. 

Die zitierte Parodie erinnert stark an Heidegger. Den zu parodieren, ist leicht und etwas abgenudelt. 

Kositza: Ja, Heideggerparodie seitenlang, aber der Autor will dennoch die Dekonstruktivisten adressieren. "Wenig Gegenwartsliteratur": das sagen mir alle, die... rechts von links stehen.

numerusclausus

7. Februar 2022 21:07

Herr Oluf reitet spät und weit... Warum eigentlich fährt die Hauptfigur aus gutmenschlichem Akademiker-Milieu wegen eines zehnminütigen Vortrages einfach mal so nach Hunsum? Kommt so etwas nicht langsam aus der Mode? Gibt es im Roman gar keine Figuren mit dissonanter sexueller Identität? Ich wünschte mir konsequenteres Vorgeführtwerden, der Aufklärung kann nie genug sein.

Kositza: Gegenfrage - darf man irgendeine sex. Identität eigentlich "dissonant" nennen? Völlig pervers, wer es täte.

RMH

7. Februar 2022 21:39

"Wenig Gegenwartsliteratur": das sagen mir alle, die... rechts von links stehen. 

Das mag auch daran liegen, dass Konservative/ Rechte oft sich gewisse Pensen an "Klassikern" oder älterer Literatur aufgeben sowie nicht gerade selten die Neigung entwickeln, Autoren möglichst "komplett" zu lesen und dann fehlt oft die Zeit für Zeitgenössisches. Zudem: Gerade bei aktuellen deutschsprachigen Autoren ist es nicht einfach, einmal "blind" zuzugreifen. Zum Glück gibt es hier aber die Sezession mit den regelmäßigen Rezensionen.

Carsten Lucke

8. Februar 2022 00:02

40 bis 50 Seiten, die wegmüßten aus nur einem Buch, sind schon 'ne ganze Menge ...

Ein Exemplar mit Ihren autorisierten Streichungen kaufte ich sofort - mit Aufschlag selbstverständlich !

Gracchus

8. Februar 2022 00:39

@Kositza: muss mich doch korrigieren; es kommt natürlich auch drauf an, wo man die Gegenwart ansetzt; es gibt schon einige zeitgenössische noch lebende Autoren, die ich verfolge, meist aber alte weiße Männer (Ausnahme: Lydia Davies, alte, weiße Frau). Wer mein Lese-Verhalten stark beeinflusst hat: Peter Handke. 

Zuletzt habe ich Laszlo Krasznahorkai gelesen (aber "Seiobo auf Erden", nicht das aktuelle "Herrscht", das von einem Nazi in Thüringen handelt, was vielleicht einige hier triggert); das war sehr gut, wenn man sich an die seitenlang mäandernden Sätze gewöhnt. Ähnliches Kaliber: Jon Fosse. Das ganz Buch: ein Satz. Das würde und werde ich aber lesen. 

 

 

Gracchus

8. Februar 2022 01:19

Die Frage ist nur, was man wieder und wieder liest.

Und das passt jetzt zufällug zugleich zu einem Kommentar zu @links: Die letzten Tage habe ich nämlich in Hebels Kalendergeschichten gelesen - diese unnachahmliche Sprachmelodie. (Auf YouTube kann man sich einen Vortrag Heideggers zum Hausfreund ansehen). Und ich habe mich gefragt, ob man und wer das in der Gegenwart fortsetzen könnte. Ich habe dann zu Kluges "Chronik der Gefühle" gegriffen und ein bisschen drin rumgelesen, und da muss ich @links widersprechend sagen: leider nein; was Kluge, der wirklich klug ist, nämlich zu fehlen scheint (vielleicht legt er auch einfach keinen Wert darauf), ist Sprachgefühl. Das hat keinen (oder selten) Rhythmus und keinen Klang und trifft auch keinen Ton; das bleibt oft, allzu oft totes Material. (Etwas Anderes ist es, wenn Kluge selbst oder Hannelore Hoger die Geschichten vorlesen; das kommt dann aber wohl von deren Stimme. Was übrigens zur Gender-Debatte von neulich passt: die Geschichte von Blüchers Scheinschwangerschaft nach einer Schlacht gegen Napoleon). 

 

Brettenbacher

8. Februar 2022 07:08

Ein Exemplar mit Ihren autorisierten Streichungen kaufte ich sofort - mit Aufschlag selbstverständlich !

Carsten [email protected]

Tolle Idee ! Aber die Gnädige mag wohl im Grunde zu räs sein, um auf Vorschläge von Streunern einzugehen.

Der Gehenkte

8. Februar 2022 10:37

Zum Thema Parodie.

Der Reclam-Verlag Leipzig hatte 1972 (!) ein kleines Büchlein unter dem Titel "Das Lästerkabinett. Deutsche Literatur von Auerbach bis Zweig in der Parodie" herausgegeben, darin sich zahlreiche und zum Teil sehr gekonnte, zumindest aber lustige Parodien aus verschiedenen (z.T.berühmten) Federn versammeln. Auch Heidegger. Man findet des weiteren Ernst Jünger, Stefan George, Ernst v. Salomon, Benn und sogar Ernst Wiechert darin persifliert, Autoren also, die dem jüngeren DDR-Publikum kaum etwas gesagt haben dürften. Daneben werden auch die DDR-Granden Arnold Zweig oder Brecht auf die Schippe genommen. Günter de Bruyn etwa macht sich über Christa Wolf, Dieter Noll oder Fühmann lustig. usw.

Ein wunderbares Antiautoritätstraining, eine gewisse subversive Ausgabe. Leider hat sich niemand an Marx oder Lenin gewagt.

Kann man für kein Geld überall bekommen.

 

Niekisch

8. Februar 2022 11:46

Kositza: "Gegenfrage - darf man irgendeine sex. Identität eigentlich "dissonant" nennen? Völlig pervers, wer es täte" ( zu Gracchus 7.2. 21:07 )

Ist das nicht ein wenig schnell dahingesagt? "Unstimmig, unschön", wie der Duden sagt. Unstimmig kann eine sexuelle Identität sein, wenn die sie tragende Person anhand der Geschlechtsmerkmale nicht entscheiden kann oder will, wie sie ihre Sexualität ausleben will, was auch im Passiven geschehen kann. Was ist daran pervers oder völlig pervers? Es ist eine wenn auch zahlenmäßig nicht sehr bedeutende Laune der Natur.

Kositza: Mann, es war ein Witz.

Niekisch

8. Februar 2022 14:20

"Kositza: Mann, es war ein Witz".

@ EK 11:46: Danke, der war aber dann etwas kryptisch...

Laurenz

8. Februar 2022 15:48

@Niekisch

"Kositza: Mann, es war ein Witz".

@EK  Danke, der war aber dann etwas kryptisch...

Ich mußte aber auf EKs Hinweis hin aber lachen.

Gracchus

8. Februar 2022 16:11

Auf Welt.de findet sich heute ein Interview mit einem Literaturwissenschaftler zum Thema "Mit Rechten Lesen"; da hinter B-Schranke, für mich nicht einsehbar.

Kositza: Danke, schon gesehen. Auf Twitter sind ein paar Textpassagen zu lesen, "uns" betreffend.

Sandstein

8. Februar 2022 16:26

@Niekisch

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und mit Verlaub, aber vielleicht war nicht der Witz kryptisch, sondern eventuell sind Sie relativ humorbefreit. Aber ja, im Zweifel sind es halt immer die anderen (Achtung: IRONIE)..

quarz

8. Februar 2022 16:37

@RMH

"Das mag auch daran liegen, dass Konservative/ Rechte oft sich gewisse Pensen an "Klassikern" oder älterer Literatur aufgeben"

Wie gerade in der WELT argwöhnisch berichtet wird, lässt man sich auf dem Rittergut aber zudem "durch vielseitige, auch literarische Lektüren" prägen. Welch perfide List! Erinnert mich irgendwie an die faschistische Methode der AfD, Frau Hennig-Wellow im Fahrstuhl freundlich zu grüßen. Was erlaube ... !

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/plus236665459/Neue-Rechte-Torsten-Hoffmann-ueber-die-Strategien-von-Kubitschek-Co.html

Laurenz

8. Februar 2022 18:11

@Quarz

"Welch perfide List"

Eine der proletarischen Liebschaften meiner Jugend aus Offenbach hätte jetzt kommentiert: "Isch bresch' ins Essen".

Schreiben, Lesen, Literatur besprechen & verkaufen ist wohl das Lebensmodell des Herrn Kubitschek. Das läßt sich an Authentizität wohl kaum überbieten.

Hoffmann verträgt wohl keinen Alkohol beim Schreiben.

anatol broder

8. Februar 2022 23:57

«kunst ist das sprechende, das dem schweigen des seins entgegensteht.»

diesen unsinn gab bertolt brecht auch von sich:

«kunst ist, wenn man unter beifall mitten in die stube scheisst.»

brueckenbauer

9. Februar 2022 11:48

Wenn jemand Torsten Hoffmanns Ansichten genauer kennenlernen will, empfiehlt sich:

https://link.springer.com/article/10.1007/s41245-021-00127-5 (Aufsatz in der "Dvjs")

Er kommt zum Ergebnis, dass die Linke dringend wieder die Themen "Romantik", "Erhabenheit" und "Kunstreligion" besetzen muss, da sonst Kubitschek und Kositza mit ihnen weglaufen. (Als Rilke-Spezialist fühlt er sich da wohl besonders getroffen ...)

Wobei ich mich immer frage: Wenn schon "Romantik", warum nicht gleich auch "Volk"? Einfach mal den Kampfbegriff "völkisch" aufgeben und z.B. Albert Nordens Buch über die "deutsche Nation" lesen?

Gracchus

9. Februar 2022 23:23

Das, was @brueckenbauer dankenswerterweise verlinkt hat, habe ich jetzt quer gelesen. Das ist ein Trick von Hoffmann, seine linken lesefaulen Studenten zum Lesen bewegen. 

Gracchus

10. Februar 2022 00:07

P. S. Plädiere dafür, die Rubrik "Montagsgedicht", ggf. auch Monatsgedicht, wieder einzuführen. 

quarz

10. Februar 2022 15:55

@brueckenbauer

Im verlinkten Aufsatz verkündet Hoffmann:

"Björn Höcke ... bezeichnet Schnellroda als »eine Oase der geistigen Inspiration« und die Lektüre von IfS-Materialien als »geistiges Mantra«"

Mit solchen Verschiebungen ins Buddhistische ist wohl zu rechnen, wenn Literaturwissenschaftler die literarischen Tradition abendländischer Religionsgeschichte nur vom Hörensagen kennen.

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