Sammelstelle für Gedrucktes (41)

Der Fall Nancy Faeser (SPD) ist hilfreich, um sich Klarheit über Stärken und Schwächen des eigenen Milieus zu verschaffen.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Zunächst zu den Stär­ken: Der Jun­gen Frei­heit bzw. ihrem Autor Felix Kraut­krä­mer gelang es, die – nahe­lie­gen­de – Ver­qui­ckung anti­fa­schis­ti­scher Sozi­al­de­mo­kra­ten mit anti­fa­schis­ti­schen Links­ra­di­ka­len anhand eines pro­mi­nen­ten Bei­spiels aufzuzeigen.

Das lief so ab: Kraut­krä­mer mach­te ver­gan­ge­ne Woche öffent­lich, daß Fae­ser, amtie­ren­de Bun­des­in­nen­mi­nis­te­rin und damit Schirm­her­rin des Ver­fas­sungs­schut­zes, für ein extrem lin­kes Blatt einen Gast­bei­trag geschrie­ben hat­te. Im Juli 2021, als das betref­fen­de Heft erschien, war sie zwar »nur« SPD-Che­fin in Hes­sen, nicht Bun­des­mi­nis­te­rin. Den­noch: ein Schul­ter­schluß mit Tragweite.

Kraut­krä­mer insis­tier­te des­halb beim Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um (das nicht ant­wor­te­te), und auch die Bild-Zei­tung, die sich der­zeit beson­ders Ampel-kri­tisch ver­tut, griff die Geschich­te am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de auf. Nicht nur aus AfD und Umfeld, son­dern auch aus den eher hin­te­ren Rei­hen von CDU/CSU kam wüten­der Pro­test, den man hier nach­le­sen kann; er ent­zün­de­te sich an der Rol­le der Zeit­schrift anti­fa bzw. ihrer Her­aus­ge­ber, der Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des Nazi­re­gimes – Bund der Anti­fa­schis­tin­nen und Anti­fa­schis­ten (VVN-BdA).

Der JF-Autor führt aus:

Der baye­ri­sche Ver­fas­sungs­schutz führt die VVN-BdA in sei­nem aktu­el­len Jah­res­be­richt als „die bun­des­weit größ­te links­ex­tre­mis­tisch beein­fluß­te Orga­ni­sa­ti­on im Bereich des Anti­fa­schis­mus“. Zudem beschei­nigt er ihr, „mit offen links­ex­tre­mis­ti­schen Kräf­ten“ zusam­men­zu­ar­bei­ten. Die VVN-BdA ver­tre­te einen Anti­fa­schis­mus, der letzt­lich sogar die par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie als faschis­tisch betrach­te und des­halb bekämpfe.

So weit, so rich­tig. Auch wenn nor­ma­ler­wei­se der Ver­fas­sungs­schutz nicht als Quel­le her­an­ge­zo­gen wer­den soll­te, wenn man an ande­rer Stel­le ver­ständ­li­cher­wei­se bemüht ist, des­sen Legi­ti­ma­ti­on und Neu­tra­li­tät begrün­det in Zwei­fel zu zie­hen, ist es an die­ser Stel­le ver­ständ­lich: Denn Fae­ser ist als Innen­mi­nis­te­rin der BRD ande­ren Maß­stä­ben zu unter­zie­hen als, bei­spiels­wei­se, oppo­si­tio­nel­le Coro­n­a­pro­test­ler (doch dazu spä­ter mehr).

Fae­sers Reak­ti­on zeigt das enor­me Selbst­be­wußt­sein anti­fa­schis­ti­scher Akteu­re. Sie twit­ter­te am 6. Februar:

Die von der „Jun­gen Frei­heit“, der AfD und anschlie­ßend der BILD-Zei­tung und CDU-Abge­ord­ne­ten erho­be­nen Vor­wür­fe sind durch­schau­bar. Ich habe immer kla­re Kan­te gegen Rechts­ex­tre­mis­mus und alle Fein­de der offe­nen Gesell­schaft gezeigt – und wer­de das auch wei­ter­hin tun.

Damit weicht sie dem geg­ne­ri­schen Vor­wurf – »links­ex­tre­mes Medi­um!« – ein­fach aus. Und ver­la­gert den Fokus auf das Kon­sens­prin­zip der neu­en Bun­des­re­pu­blik – »kla­re Kan­te gegen Rechts­ex­tre­mis­mus und alle Fein­de der offe­nen Gesell­schaft« –, womit sie tat­säch­lich eine brei­te Alli­anz von Zivil­ge­sell­schaft und Par­tei­en­po­li­tik bis hin zu Aus­läu­fern des radi­kal lin­ken Spek­trums her­stel­len konnte.

Der Skan­dal konn­te sich nicht aus­wei­ten, weil nur die­sel­ben Prot­ago­nis­ten es über­haupt für einen Skan­dal hiel­ten, daß Fae­ser für die anti­fa zur Feder griff: Bild, CDU/C­SU-Ein­zel­fäl­le, die ver­ei­nig­te libe­ral­kon­ser­va­ti­ve und authen­ti­sche kon­ser­va­ti­ve Rech­te und dar­über hinaus.

Fae­ser lehrt ihren rech­ten Kri­ti­kern eine Lek­ti­on. Auf die ein­pras­seln­den Vor­wür­fe reagier­te sie gelas­sen, wie die JF – ein wenig ver­blüfft? – ihren Lesern mit­teilt:

Statt den Bei­trag zu bedau­ern und zu erklä­ren, sie habe nicht gewußt, um was es sich für eine Orga­ni­sa­ti­on han­delt, die für die Zeit­schrift ver­ant­wort­lich ist, sprach sie von „durch­schau­ba­ren“ Vor­wür­fen und leg­te nahe, es hand­le sich um eine Kam­pa­gne gegen sie – aus­ge­löst von der JUNGEN FREIHEIT, der AfD und der Bild-Zei­tung.

So geht Kri­sen­ma­nage­ment. Das soll nicht die VVN-BdA ent­schul­di­gen oder ihre Wur­zeln kaschie­ren, aber rein for­mal leis­tet Fae­ser das, was kein BRD-Kon­ser­va­ti­ver in ver­gleich­ba­rer Rol­le zustan­de bräch­te: Angrei­fer dele­gi­ti­mie­ren. Stand­hal­ten. Weitermachen.

Zu den Wur­zeln der vor exakt 75 Jah­re gegrün­de­ten VVN-BdA sind der­weil noch Kraut­krä­mers Hin­wei­se hilf­reich, der sich extre­mis­mus­theo­re­ti­sche Exper­ti­se einholte:

Auch der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler und Extre­mis­mus­ex­per­te Rudolf van Hül­len beschei­nigt ihr, „vor allem aus alten sta­li­nis­ti­schen Wider­stands­kämp­fern, kom­mu­nis­ti­schen Funk­tio­nä­ren und deren Mit­läu­fern aus Ost und West zusam­men­ge­setzt“ zu sein, „die geis­tig im ‘ver­ord­ne­ten Anti­fa­schis­mus’ der DDR ste­hen­ge­blie­ben sind“. So nach­zu­le­sen in einer Aus­ar­bei­tung für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die VVN-BdA sei lan­ge Jah­re von der DKP gesteu­ert und von der SED finan­ziert wor­den. Nicht nur des­we­gen hat­te Fae­sers Par­tei bereits 1948 auf Initia­ti­ve ihres dama­li­gen Vor­sit­zen­den Kurt Schu­ma­cher einen Unver­ein­bar­keits­be­schluß zwi­schen der Mit­glied­schaft in der VVN und der SPD beschlos­sen, der erst 2010 auf­ge­ho­ben wur­de. Und noch immer nutzt die Orga­ni­sa­ti­on laut van Hül­len den Faschis­mus­vor­wurf in kom­mu­nis­ti­scher Manier als poli­ti­schen Kampfbegriff,

womit ihre Posi­ti­on tat­säch­lich in der Mit­te der bun­des­deut­schen Gesell­schaft des Jah­res 2022 ange­langt ist.

Inter­es­sant ist Kraut­krä­mers Ergän­zung, erneut in der JF, über Fae­sers Nach­barn im Inhalts­ver­zeich­nis »ihrer« anti­fa-Aus­ga­be

vom Juli 2021, in der Fae­sers Gast­bei­trag erschien. Dar­in fin­det sich auch ein Inter­view mit einem säch­si­schen VVN-BdA-Mit­glied zum Pro­zeß gegen Lina E. Die 26jährige muß sich der­zeit vor dem Ober­lan­des­ge­richt Dres­den wegen Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung „mili­tan­ter links­ex­tre­mis­ti­scher Ideo­lo­gie“ und gemein­sam ver­üb­ter gewalt­sa­mer Über­grif­fe auf Ange­hö­ri­ge der rechts­ex­tre­men Sze­ne verantworten.

In der anti­fa wird sug­ge­riert, Lina E.s Ver­haf­tung ste­he im Zusam­men­hang mit „auf­ge­deck­ten rech­ten Struk­tu­ren bei Poli­zei und Mili­tär“. Der Inter­view­part­ner fährt fort: „Es ist doch so: Staat­li­che Struk­tu­ren sind aus der extre­men Rech­ten nicht weg­zu­den­ken.“ Anti­fa­schis­ti­scher Selbst­schutz sei daher wich­ti­ger denn je „gegen die Bedro­hung durch Neo­na­zis und ange­sichts der Ver­wick­lun­gen und der Taten­lo­sig­keit der staat­li­chen Behör­den“. Als VVN-BdA stel­le man sich daher ent­schie­den gegen sol­che Maß­nah­men wie die Ver­haf­tung der mut­maß­li­chen Linksterroristin,

was eine Nan­cy Fae­ser gele­sen haben dürf­te, soll­te sie ihr obli­ga­to­ri­sches Beleg­ex­em­plar auf­ge­schla­gen haben. Aber das ficht sie nicht an, und hier endet das poli­ti­sche Ver­ständ­nis vie­ler Akteu­re rechts der Mitte.

Der Tenor, den man in den Kom­men­tar­spal­ten all der berich­ten­den libe­ral­kon­ser­va­ti­ven Medi­en ver­neh­men konn­te, war fast aus­nahms­los so gestal­tet, daß man sich frag­te, wann Fae­ser denn end­lich zurück­tre­te. Das müs­se sie doch, schließ­lich habe man ihr doch nach­ge­wie­sen, daß sie mit VS-beob­ach­te­ten Akteu­ren kein Pro­blem habe. Skan­dal auf­ge­deckt, Skan­dal nach­ge­wie­sen, Skan­dal­fol­ge: Rück­tritt. So habe das zu laufen.

Nur: So läuft das nicht im lin­ken Lager. Das ist sowohl eine Macht­fra­ge als auch eine Fra­ge des eige­nen Ver­ständ­nis­ses von Par­tei und Vor­feld. Dies­be­züg­lich gilt links der Mitte:

Wenn es gegen Rechts geht, ist nahe­zu jeder Part­ner und jeder Ver­bün­de­te recht,

wie es Kraut­krä­mer in einem wei­te­ren JF-Bei­trag auf den Punkt bringt. Und weil das so ist, tritt auch kein Sozi­al­de­mo­krat zurück, nur weil es sei­ne Geg­ner ver­lan­gen. Daß Tei­le der Rech­ten glau­ben, daß es aber so sein müß­te, zeigt nur, welch emi­nent gestör­tes poli­ti­sches Bewußt­sein man vie­ler­orts hat.

Hier, an die­ser Stel­le, kann man also, nein muß man also von »den Lin­ken« ler­nen, womit wir bei den Schwä­chen des eige­nen Milieus wären (nach den mode­ra­ten Stär­ken: kla­res Auf­zei­gen geg­ne­ri­scher Verfehlungen).

In mei­nem im März erschei­nen­den kapla­ken-Band (fer­tig­ge­stellt Ende 2021 und damit lan­ge vor dem Fae­ser-Skan­däl­chen, was für die all­ge­mei­nen Leh­ren, die zu zie­hen sind, frei­lich belang­los ist), füh­re ich hin­sicht­lich inner­lin­ker Soli­da­ri­tät gegen­über dem gemein­sa­men Geg­ner u.a. aus:

Feh­len­de »Distan­ze­ri­tis« und sou­ve­rä­nes Agie­ren im Ange­sicht des poli­ti­schen Geg­ners schaf­fen über­dies jenes auch durch tem­po­rä­re Wahl­nie­der­la­gen nicht ansatz­wei­se gefähr­de­tes tra­gen­de Fun­da­ment, auf Basis des­sen man über­haupt immer wie­der gesamt­ge­sell­schaft­lich »aus­grei­fen« kann.

Wer über eine gesi­cher­te Fes­tung ver­fügt, kann unbe­küm­mert aus­rei­ten, sei­ne Ener­gie posi­tiv ein­set­zen und nach vor­ne bli­cken; bei wem hin­ge­gen selbst die eige­ne Zita­del­le von frem­den Damen und Her­ren kom­man­diert wird, rich­tet sich der Blick arg­wöh­nisch nach hin­ten. Denn der­je­ni­ge muß jeder­zeit damit rech­nen, hin­ter­rücks gemeu­chelt zu wer­den. In einem sol­chen Fall muß man zunächst die jewei­li­gen Burg­her­ren (und ‑damen) austauschen.

Letz­te­res ist in die­sen Tagen vor allem der AfD anzu­emp­feh­len, in der seit Jörg Meu­thens Abgang, der so kam, wie er kom­men muß­te, bei­na­he schon meu­the­nia­nisch durch­re­giert wird. Es ist dies eine höh­nisch daher­kom­men­de Dia­lek­tik der Bun­des-AfD: Meu­then geht, aber die Erfol­ge sei­ner Anhän­ger wer­den dadurch erst in der gan­zen Trag­wei­te mög­lich; der Bal­last ist von Bord, nun kann man unbe­küm­mert schal­ten und walten.

Dabei ist das Pro­blem an VS-ähn­li­chen Gut­ach­ten über Oppo­si­ti­ons­platt­for­men oder an per­ma­nen­ten Par­tei­ord­nungs­ver­fah­ren gegen ver­dien­te Leucht­tür­me ja gar nicht nur die­ses macht­po­li­ti­sche Durch­re­gie­ren im Bun­des­vor­stand. Und auch der Umstand, daß man gegen dyna­misch wach­sen­de Kon­kur­ren­ten wie die »Frei­en Sach­sen« nicht objek­tiv trif­ti­ge Grün­de (die es aus AfD-Sicht wohl tat­säch­lich geben dürf­te) zusam­men­trägt, son­dern sich die Bele­ge via Ver­fas­sungs­schutz, taz und lin­ker Regio­nal­me­di­en zusam­men­goo­gelt, wäre trotz der erwie­se­nen Unbrauch­bar­keit der dies zu ver­ant­wor­ten­den Dos­sier-Autoren ver­nach­läs­sig­bar, blie­be es ein Einzelfall.

Das ist es aber nicht. Das Pro­blem reicht viel tie­fer, es sitzt in den Köp­fen der oft Alt­par­tei­en- oder sogar apo­li­tisch sozia­li­sier­ten Gran­den inner­halb bestimm­ter AfD-Gre­mi­en, die ernst­lich glau­ben (oder: ernst­lich vor­ge­ben, zu glau­ben), man könn­te mit stän­di­gen Selbst­de­mü­ti­gun­gen Fair­neß sei­ner Geg­ner ergat­tern: Fair­neß der Medi­en, Fair­neß des Ver­fas­sungs­schut­zes, Fair­neß der Kar­tell­par­tei­en. Bei so viel demons­tra­ti­ver Poli­tik­fer­ne frap­piert es, daß die Par­tei bun­des­weit immer noch bei 12 Pro­zent steht.

Man­fred Klei­ne-Hart­la­ge hat jeden­falls dazu alles Not­wen­di­ge ausgeführt:

Wer sich den Satz »Ich bin erpreß­bar« gera­de­zu aufs T‑Shirt schreibt, wird natur­ge­mäß immer wei­ter erpreßt. Egal, wie tief der Kotau ist, zu dem ein sol­cher Kon­ser­va­ti­ver sich nöti­gen läßt – die Gegen­sei­te wird immer einen Grund fin­den zu behaup­ten, er sei noch nicht tief genug ausgefallen.

Statt sich also in die­ser selbst gewähl­ten Spi­ra­le aus stän­di­gen Pro-for­ma-Kapi­tu­la­tio­nen ein­zu­rich­ten, soll­te man sich dar­an erin­nern, für wen man die Poli­tik betreibt, die man von einer Alter­na­ti­ve erwar­tet, und die Ant­wort ist: nicht für die Bos­se der Ver­fas­sungs­schüt­zer, nicht für die Leit­me­di­en, nicht für die Anwäl­te der Gegenseite.

Die The­men für die AfD lie­gen auf der Stra­ße: die Coro­na­maß­nah­men, das ein­stür­zen­de Kar­ten­haus der Lau­ter­bach-Dros­ten-Rich­tung, die fata­le Ener­gie­po­li­tik, die wach­sen­de Ver­mö­gens­kluft zum Nach­teil der Mehr­heit, die anhal­ten­de Zuwan­de­rung, die kom­men­de Ände­rung der Ein­wan­de­rungs­ge­set­ze durch Fae­ser und Co. – über­all dort gilt es, sei­ne Ener­gie zu bün­deln und den geg­ne­ri­schen Kom­plex, so mäch­tig er der­zeit sein mag, inhalt­lich pro­fes­sio­na­li­siert anzugreifen.

Wer aber bei jedem Schritt, den er zag­haft setzt, zuerst dar­über sin­niert, was wohl jene Ver­fas­sungs­schüt­zer dazu mei­nen wer­den, die aus­ge­rech­net VVN-BdA-Genos­sin Fae­ser unter­stellt sind, hat bereits ver­lo­ren. Denn er spielt dann nach Spiel­re­geln, die der Geg­ner auf­ge­stellt hat; Spiel­re­geln, deren Quint­essenz es ist, daß das nicht-lin­ke Lager ver­lie­ren muß.

Wer die­se lin­ke Fal­le ahnt und den­noch ent­spre­chend han­delt, spielt nicht nur das Spiel des Geg­ners; er zemen­tiert des­sen Sieg. Und ist somit Teil des Pro­blems. Dar­an soll­ten sich allen vor­an die AfD-Dele­gier­ten im Jahr des Bun­des­par­tei­ta­ges erinnern.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (48)

ukbahner

10. Februar 2022 14:50

Das hab selbst ich als Liberal-Konservativer verstanden. Die Frage ist ob es die AFD versteht ? 

Mitleser2

10. Februar 2022 15:06

Volle Zustimmung.

Im Faden zu Faktenlage (7): zur Soziologie der Corona-Proteste schrieb ich: "Seit dem Kommentarfaden-Beginn am 3. Feb. wird gestritten. So wird das nichts. Nehmen Sie sich ein Beispiel an den Linken: Hinter Faeser werden die Reihen geschlossen, ohne wenn und aber. Und es gibt nichts zu beschönigen, sie ist Antifa im schlechten Sinne. Das müsste selbst "vernünftigen" Linken klar sein. Trotzdem wird sie geschützt."

Da wurde mir der Wunsch nach Verhinderung von Gedankenaustausch unterstellt. Ich weiß, der Vergleich den ich machte hinkt etwas, aber die Rechte braucht einfach mehr Geschlossenheit, denn: Wer nachgibt oder sich Blößen gibt hat schon verloren.

 

Allnichts

10. Februar 2022 15:37

Mag als Analyse für sich genommen richtig sein und wirkt doch äusserst fragwürdig, denn so, wie sich der "BRD-Konservative" für gewöhnlich von den Neurechten distanziert, so distanziert sich der Neurechte für gewöhnlich von den "Altrechten".

Die Kritik an den "BRD-Konservativen" ist berechtigt. Die Kritik an der sehr ähnlichen eigenen Vorgehensweise ist ausstehend. Auch in neurechten Kreisen wird sehr erfolgreich daran mitgearbeitet, es zu keiner Einigung des rechten Lagers kommen zu lassen.

Imagine

10. Februar 2022 16:07

Offensichtlich glaubt der JF- Autor Felix Krautkrämer, dass es ihm und der JF unter einer CDU/CSU-geführten Regierung besser geht. Weil er wie auch andere Rechte von einer Koalition zwischen CDU/CSU und AfD träumt.

Das zeigt zugleich, dass er politisch nichts begriffen hat.

Die CDU/CSU stellte in den letzte 16 Jahren alle Innenminister: Wolfgang Schäuble, Thomas de Maizière, Hans-Peter Friedrich, Thomas de Maizière und Horst Seehofer.

Haldenwang ist CDU-Mitglied und wurde von einer CDU/CSU-geführten Regierung ins Amt gebracht.

Und diese CDU/CSU-Leute waren und sind in der Bekämpfung der AfD effektiver als es jemals ein SPD-Innenminister sein könnte. Völlig logisch, wenn man parteipolitisch denken kann.

Ein Fremder aus Elea

10. Februar 2022 17:19

Die von mir sehr geschätzte Agatha Christie hat in der ersten Kurzgeschichte "Sanctuary" von "Miss Marple's Final Cases" den Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Moralauffassung auf für, wie ich meine, die weibliche Seite sehr schmeichelhafte Weise, aber doch den wahren Kern nicht verfehlend, herausgearbeitet:

Männern geht es um die ethisch formal korrekte Behandlung ihres Gegenübers, Frauen darum, ihrer ethischen Intuition auf die machtvollste Weise Ausdruck zu geben.

URN

10. Februar 2022 17:30

Ihre, Imagine, Beiträge sind meist gut zu lesen. Sie wollen dem Leser etwas mitteilen, Ihre Ansichten. Was aber wollen Sie uns 16:07 erzählen? Kennen Sie Felix Krautkrämers Träume? Wozu zählen Sie uns die letzten Innenminister auf? Auch daß Haldenwang unter der vergangenen Regierung eingesetzt wurde ist bekannt. 

tearjerker

10. Februar 2022 17:44

Die Linken haben eine Agenda, Leute mit Machtinstinkt in ihren Reihen und sind in die Strukturen des Landes eingewachsen, was ihnen erlaubt, nach Belieben ihre Gegner zu benennen und anzugreifen. So koennen eine Baerbock/Giffey/Faeser ihre Tour fahren und auf die Einhaltung von Regeln durch ihren Feind pochen, ohne diese selbst auf sich anwenden zu wollen. Der Alternative fehlen dazu die Voraussetzungen, weil ihre Mitglieder gar nicht schnallen, was gespielt wird. So ist Meuthen auch nicht ohne Grund mehrheitsfähig in der Partei gewesen, deren eloquenteste Vertreter jetzt wieder nur vergeblich versuchen werden Faeser zu einer Distanzierung zu bewegen. Das würde in den Reihen der Alternative weiter die Illusion nähren, man würde am Tisch der Anderen akzeptiert, was für einen erheblichen Teil der Mitglieder offensichtlich die Existenzberechtigung zu sein scheint. Die Alternative braucht einen Rechtsruck, wenn sie überleben will.

Avalon

10. Februar 2022 17:59

Es ist simpel: Wo sind denn alle die Herren Professoren aus den Anfangstagen der AfD geblieben? Haben sie irgendetwas erreicht? Man sieht und hört nichts mehr. Das Schicksal wird auch der Herr Meuthen teilen. Wie naiv müssen diese Herren sein? Haben die wirklich geglaubt, daß die Schleimspuren Richtung Mainstream irgendein Ergebnis haben könnten? Wenn der Bundespräsident verkündet, daß er und sein Gehilfe, der liebe Gott, in Verbindung mit dem richtigen Parteibuch beschlossen haben, daß auf Erden Schwerkraft herrscht, dann ist das eine geistige und humanitäre Großtat , die der Menschheit ewigen Frieden, Wohlstand und Glückseligkeit verheißt. Wenn das allerdings Frau Weidel behauptet, ist das populistisch, rassistisch, rechtsradikal, menschenverachtend. Und wenn dann noch der "Gott sei bei uns-Höcke" an irgendwelchen AfD-Stammtischen preisgibt, daß die Sonne im Osten aufgeht..mein lieber Scholli...Schwarzkunst,- Hexerei..verbrennen...auf den Scheiterhaufen mit denen. Oder einfacher: Die AfD muß weg. Punkt. 

Nirgendwo steht geschrieben, daß die AfD sich ständig profilieren muß durch öffentliche Selbstgeißelung und vorauseilende Rechtfertigungen. Der Politbetrieb ist kein Ponyhof und angesichts der Gegner und deren Auftreten sind alle Beißhemmungen überflüssig. 

RMH

10. Februar 2022 19:35

So richtig es ist, dass man in punkto Zusammenhalt von den untereinander z.T. tief zerstrittenen Linken lernen kann und muss, so wahr ist es aber auch, dass eben das rechts-alternative Milieu keinerlei wirksame publizistisch-mediale Kampagnenfähigkeit hat. Die Causa Faeser wurde so nicht einmal ansatzweise zu einem Skandal, noch nicht einmal zu einem shit-storm, es war eher ein kleiner Furz von der Seite, bei dem man eben kurz das Fenster aufmacht und das war es dann auch. Antifa-Linksterrorismus interessiert niemanden mehr so recht und offiziell sind das ja auch die Auxiliartruppen im staatsräsonierenden Kampf gegen Rechts.

Mal sehen, was aus diesem "Skandal" wird, der etwas breiter Vorgetragen wurde und bei dem es sogar einmal erste Anzeichen von Distanzeritis gibt:

Koalitions-Zoff wegen Autobahn-Blockierern! Özdemir kritisiert Aktivisten scharf - Politik Inland - Bild.de

PS: Zum Thema Unvereinbarkeit/Freie Sachsen hat B. Höcke in seinem Telegram Kanal Interessantes und z.T. Richtiges geschrieben und dazu auch einen entsprechenden Antrag für den Parteitag angekündigt.

Laurenz

10. Februar 2022 19:57

Es ist doch völlig egal, welcher Altpartei Faeser angehört.

Imagines Argument, CDU/CSU-Innenminister seien die besten AfD-Basher ist so oder so ein Nebenkriegsschauplatz. Dafür fiel es der SPD immer leichter den Neo-Liberalismus & Kapitalisten-Privilegien durchzusetzen, alles im Grunde völlig austauschbar.

Wer sich politisch, abseits des real existierenden Sozialismus & Fakedemie-Faschismus, profilieren will, muß Profil zeigen, am besten mit fetten Spikes.

Das funktioniert natürlich nicht wirklich gut mit den AfD-Amateuren im Saarland. Gibt's da keinen, der wenigstens halb so viel Hirn hat, wie Oskar?

Was mir beim Lesen des BK-Artikels aufstieß, ist der zum Eigennamen verkommene Anti-Faschismus. Dieser politische Begriff ist zum Superlativ pervertiert.

Imagine

11. Februar 2022 00:29

@Urn 10. Februar 2022 17:30
„Was aber wollen Sie uns 16:07 erzählen?“

Eigentlich wollte ich gar nicht viel erzählen. Nur andeuten.

M.E. wurde die AfD als neoliberale Einsatzreserve im Sinne im Sinne einer Mehrheitsbeschafferin für die CDU/CSU konzipiert. Wer dahinter steckt, wer die Fäden gezogen hat, wer die Sache finanziert hat, dazu gibt es Hinweise. Aber damit will ich mich hier nicht aufhalten.

In den 16 Jahren Merkel-Regierung war die SPD die optimale Koalitionspartnerin, denn zusammen konnten die mit Zweidrittelmehrheit Verfassungsänderungen durchdrücken.

Inzwischen gibt es für die CDU/CSU als mögliche Koalitionspartner die SPD, die Grünen und die FDP. Mit der AfD  will die CDU/CSU auf keinen Fall koalieren.

Denn parteipolitisch ist die AfD eine Konkurrenz um die Stimmen, daher will man die AfD unbedingt niedrig halten. Auch inhaltlich passt die AfD nicht zur Politik der CDU/CSU .

Beide Gründe führen dazu, dass die AfD am stärksten von der CDU/CSU bekämpft wird, was m.E. Felix Krautkrämer nicht kapiert hat.

Ziel der CDU/CSU ist, die AfD zu zerschlagen. Im Gegensatz dazu träumen AfD-Funktionäre und –Anhänger von einer Koalition zwischen CDU/CSU und AfD.

Millenius

11. Februar 2022 00:31

Der innerparteiliche Diskurs über die Ausrichtung der AfD war folglich erschreckend einseitig: Der gemäßigte Flügel trägt seit Jahren den Hass in die unentschlossene keinem Flügel zugehörige "Mitte" der AfD und verbreitet unwidersprochen seine Narrative, wie z. B. dass Björn Höcke Wähler verschrecke, während die Protagonisten des rechten Flügels stets das immer gleiche Lied der "Einheit" anstimmen. 

Der rechte Flügel muss endlich genauso leidenschaftlich und energisch um die Vorherrschaft in der Partei zu kämpfen, wie die "Gemäßigten" es all die Jahre getan haben!

Der (unentschlossenen) Parteibasis immer wieder klar gemacht werden: Die Gemäßigten sind der Grund für die Schwäche der AfD. Jeder von Gemäßigten geführte Landesverband ist auf den Status einer Kleinpartei geschrumpft und hat in den letzten 4 Jahren massive Wählerverluste erlitten. Das ist kein Zufall. Wir müssen die linke Meinungs- und Debattenhoheit brechen, damit die Deutschen endlich aus ihrem Dämmerschlaf erwachen. Der Kurs der "Gemäßigten" zielt aber darauf, sich dieser Meinungshoheit zu unterwerfen, und stärkt diese dadurch nur. 

 

 

kikl

11. Februar 2022 07:50

Die Dienstherrin des Verfassungsschutzes (VS), Frau Nancy Faeser, veröffentlicht also Artikel in einer laut VS linksextremen Zeitschrift und distanziert sich nicht vom Linksextremismus. Von einer linksextremen "Verfassungsschützerin" darf man nicht erwarten, dass sie die Verfassung schützt. Sie wird es schaffen den VS von jeglicher Legitimation zu befreien.

Ich prognostiziere eine Säuberungswelle, die alle Nicht-Linken aus dem VS herausschwemmen wird. Vielleicht erhalten wir demnächst Zulauf aus dem VS.

Avalon

11. Februar 2022 11:05

Zustimmung zu den Gedanken von Benedikt Kaiser und eine kleine Ergänzung zur Thematik: Daß solche Leute wie Claudia Roth, Joschka Fischer, - (die Liste der Akteure ist lang).sich im bundesdeutschen Politbetrieb etablieren  und wirksam werden konnten, liegt an 70 Jahren Gehirnwäsche und Konditionierung. (Pawlow-Reflex). Wer nur einen Hauch Ahnung von der menschlichen Psyche hat, weiß, wie das funktioniert. Dabei ist es egal, ob es sich in Nordkorea abspielt oder hier. Zusätzlich hilfreich ist eine  gewisse kriminelle Energie als weitere Schlüsselqualifikation für höchste Staatsämter. Für die AfD und ihre Aktivitäten könnte das heißen: Von Fischer lernen, heißt siegen lernen. Volle Zustimmung auch für Kubitschek, der kürzlich etwas zur "schweigenden Mehrheit" ausgeführt hat. Es gibt sie tatsächlich nicht. Es gibt die "gehirngewaschene Mehrheit", die unter dem jahrzehntelangen medialen Dauerfeuer sturmreif ins Wachkoma geschossen wurde und wird.

Monika

11. Februar 2022 11:12

Aus dem Text von B. Kaiser spricht eine Bewunderung für die Methoden der ideolog. Linken: Angreifer delegitimieren, standhalten, weitermachen. So ginge Krisenmanagement. Politik ist aber mehr als Krisenmanagement. Warum funktioniert die linke Falle  ? Sie funktioniert doch seit Jahrzehnten, nein, seit Jahrhunderten. So lange es eine Systemkonkurrenz zwischen DDR und BRD gab, konnte  man die „linke Falle“ klarer benennen und entlarven. Die Verheißungen der real-kommunistischen  Gesellschaft ließen sich an ihren Früchten messen. Das geht im Moment noch nicht so gut. Ein rot-grüner Ökototalitarismus etabliert sich gerade. Die BRD hat 89 nicht nur die DDR wirtschaftlich aufgesogen, sondern die SED-Ideologie ( das Kartell) breitet sich seitdem ungebremst über die neue BRD aus. Denn: Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Bär noch Bulle auf! Deshalb wird auch eine „rechte Falle“ nicht (mehr) funktionieren. Wann kommt also eine tatsächliche WENDE ? Wo trifft es die Kartell-Politruks ? Wenn Leute in Massen auf die Straßen gehen und nicht mehr als Nazis zu diffamieren sind. Weil es eben keine sind. Deshalb möchte Frau Faeser auch, dass „Menschen ihre Meinung zwar kundtun dürfen, ohne sich gleichzeitig an vielen Orten zu versammeln.“ 

Imagine

11. Februar 2022 11:46

Auf die „Junge Freiheit“ bin ich Mitte der 90er Jahre aufmerksam geworden, weil mein damaliger Zahnarzt sie abonniert hatte. Es gab eine Zeit, als in der JF namhafte und lesenswerte Autoren schrieben, wie z.B. Peter Scholl-Latour.

Um die Jahrtausendwende schaute ich per Internet ab und zu in die JF, aber häufiger in die „Junge Welt“. Aber irgendwann in keine von beiden mehr.

Abstoßend fand ich, dass sich JF und JW gegenseitig als links- bzw. rechtsextremistisch sowie verfassungsfeindlich denunzierten, um so die staatliche Repression auf sie zu lenken und ihnen die Meinungsfreiheit zu nehmen.

Feinde der Meinungsfreiheit sowie Freunde der Zensur und der Political Correctness waren beide. Beide haben versucht, das „Overton-Fenster“ für die Gegenseite enger zu machen, so dass es insgesamt immer enger wurde.

Politiker, die der JF ein Interview gegeben haben oder einen Artikel dort publizierten, wurden von politischen Meinungswächtern als „rechtsextremistisch“ denunziert.

Nancy Faeser wird nun als „linksextrem“ denunziert …

Grobschlosser

11. Februar 2022 11:46

30 Jahre nach der sog. "Wende" produzieren sich linksextreme Personen bei "Phoenix" / GEZ .

https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin-Immanuel_Hoff

 

dieser anakademisierte Schwätzer will das Fernsehvolk belehren ; er behauptet irgendeinen Unsinn , will seinen Quatsch mit Hackheymer und Aaaldorno untermauern .

Hätte er Sloterdijk gelesen wäre das nicht passiert :

https://homepage.univie.ac.at/henning.schluss/seminare/023bildung_und_genetik/texte/04sloterdijk_an_%20assheuer_u_Habermas.htm

seine roten Götter sind mausetot - längst widerlegt - dennoch darf er böse in die Kamera gucken und seinen groben Unfug verbreiten . 

affig wird es wenn dieser Prof. die "Moderne" und ihre Nebenwirkungen "erklärt" . Jaja - der böse Normalmichel neigt zu Verschwörungtheorien und weil das so ist gibts die roten Aufpasser fürs Volk . 

Leute seid wachsam - es kriecht wieder und es unterminiert unser Land 

Millenius

11. Februar 2022 13:19

@Imagine

 

Ziel der CDU/CSU ist, die AfD zu zerschlagen. Im Gegensatz dazu träumen AfD-Funktionäre und –Anhänger von einer Koalition zwischen CDU/CSU und AfD.

Richtig. Und der Kurs, den sie verfolgen, ist komplett auf dieses Ziel einer CDU/AfD-Koalition ausgerichtet und nicht auf die Gewinnung von Wählern. 

heinrichbrueck

11. Februar 2022 14:20

Gegner- und Feindschaft. (AfD + Unvereinbarkeitsliste = Realsatire.) Der Gegner arbeitet im Auftrag der Feindideologie. Faeser ist untergeordnet. Parteien sind ideologische Gegner. Sie bekämpfen sich gegenseitig, machen ihre Theateraufführungen und bespielen die Festplatte der Wähler, eine Illusionsbeteiligung ohne Feinddefinition. Todfeindschaft und Friedensschluß, zwei sich ausschließende Voraussetzungen. 

Adler und Drache

11. Februar 2022 15:15

Nancy Faeser ist ein Kollektivmensch, der einzig und allein aus dem Kollektiv zu leben vermag. Ohne Kollektiv ist sie nichts.

Mit Verlaub: Sowas kann nicht unser Leitbild sein, weder die Faeser noch deren Kollektiv. Wir sollten schon anders ticken!

Walhalla R

11. Februar 2022 15:29

Also bei Wikipedia ist die Linke mittlerweile in die Defensive gefallen. Wikipedia-Diskussion: Nancy Faeser Antifa 

Walhalla R

11. Februar 2022 15:30

Da kann übrigens jeder mitdiskutieren auch ohne Anmeldung als namenlose IP-Adresse.

Benedikt Kaiser

11. Februar 2022 22:57

Herr "Adler und Drache":

Ebenfalls mit Verlaub: Wenn sie ernstlich glauben, daß die Essenz des Artikels sei, Nancy Faeser integral zu kopieren, haben Sie ihn nicht vollständig gelesen oder nicht vollständig verstanden. Beides fände ich bedauerlich.

Erneut mit Verlaub: Dafür, daß Sie das (hier wiedermal gänzlich deplazierte) "Kollektivismus"-Faß öffnen, sind Sie sehr schnell zur Hand mit "Wir sollten" und "unser Leitbild". Ich für meinen Teil bin mir sicher, daß das in diesem Fall unangebracht ist. Anders gesagt: Ich sehe hier die Legitimation für die Verwendung beider Wörter durch Sie nicht gegeben. 

Kurativ

12. Februar 2022 09:29

Klasse ausgeführt Herr Kaiser! Fehlt vielleicht noch der Hinweis, dass die CDU/CSU den Herrn Steinmeier aus demselben SPD-Milleu in Kürze zum Bundespräsidenten wählen wird. Der wird dann alle passenden Gesetze durchwinken und passenden Widerstand leisten, wenn es nicht nach der linksextremistischen Agenda laufen sollte. Und die CDU/CSU wird dann auf Kritik genauso antworten, wie die linksextreme Frau Faeser zu ihren Verbindungen zur linksextremen Szene.

Es fällt schon auf, dass gerade die Umlautverächter auf US-Ticket so schnell nach oben gekommen sind, und wichtigste Posten besetzt haben (Bearbock). Umlaute lassen sich bei den US-Geheimdiensten schlechter verarbeiten und erscheinen fremd. Da nützt eine Geste der Verachtung des Eigenen als Loyalitätsindindikator.

Warm gerade die Linksextremen im Zusammenhang mit dem Fall der SED-Diktatur so schnell aufsteigen, wie es die Alt-NSDAPler in der Adenauerzeit macht auch Sinn. Immerhin lassen sich jetzt die Europäer über eine Telefonnummer in Brüssel besser steuern.

Die Schadwirkung solcher Einflußnahmen von Adenauer bis Merkel ist denen egal.

Kurativ

12. Februar 2022 10:35

Bei der jf werden oft empörende oder absurde Auswüchse aktueller westlicher Kultur benannt (zB Absurditäten der Gendersprachvernunzung). Aber es wird den Ursachen nicht auf den Grund gegangen. Man hat dort Angst sich noch einmal mit dem VS herumzuschlagen und geht der Wahrheit aus dem Weg. Oder man hat eine Vereinbarung. Die JF ist vielleicht eine gute Einstiegstdroge für Unbedarfte.

Monika

12. Februar 2022 10:53

Sicher ist der Rechten/bzw. den Konservativen im Laufe der Jahre der ein oder andere Coup gelungen, die grundlegendere Frage ist doch, warum die Linke eben „nicht immer verliert“. Woher rührt das enorme Selbstbewusstsein antifaschistischer Akteure ? Von der Überzeugung, als „Antifaschist“ per se moralisch höher zu stehen als das übrige politische Spektrum. Es genügt, „klare Kante gegen Rechtsextremisten und Feinde der offenen Gesellschaft zu zeigen“ und schon funktioniert das Breite Bündnis wie auf Knopfdruck. Aktuell in Frankfurt. Siehe FAZ 12.2.22  Alexander Jürgs Breites Bündnis gegen Querdenker Proteste . Initiiert von SPD und Grünen. Es folgen : Die beiden Kirchen, die CDU, die FDP, also alle. Die sozialistische Einheitspartei Deutschlands ( SED) feiert fröhliche Urständ. Und die Menschen folgen sogar freiwillig, im Unterschied zur DDR. Warum also sollte Frau Faeser ihren Beitrag im VVN Blatt bedauern ? Sie weiß genau, was sie tut. Man muss nur die Verfassungsschutzberichte von vor der Wende lesen. Dort 1989 zum VVN-BdA: „alle Landesvorsitzenden gehören der DKP an“. Auch unser Kanzler hatte nie Berührungsängste gegenüber dem SED-Regime. Da  wundert einem nichts.

Adler und Drache

12. Februar 2022 11:52

@ Benedikt Kaiser

1. Sie beschreiben, wie das Kollektiv funktioniert. Warum ist es dann deplatziert, darüber nachzudenken?

2. Ich halte es nicht für eine Schwäche, nicht auf diese Weise zu funktionieren. Deshalb halte ich es auch für keine gute Idee, diese Funktionsweisen zu kopieren oder zu übernehmen. 

3. Ich korrigiere mich: Mein Leitbild ist das nicht. Ich ticke da anders. 

Uwe Lay

12. Februar 2022 12:48

Wenn ein AfD-Politiker einen Artikel für "Sezzion", die "Deutsche Stimme" oder einer ähnlichen rechten Zeitung geschrieben hätte, wäre dieser sofort aus der Partei ausgeschlossen worden und die Medien schrieben, das reiche nicht aus: Noch mehr Ausschlüsse. Solidarisches Handeln könnten wir wirklich von Linken lernen.

Uwe Lay

 
Kositza: Ist diese Sezzion vergleichbar mit der Dt Stimme?

kikl

12. Februar 2022 14:31

Frau Faeser hat auch eine reinigende Wirkung auf die AFD.

Wer sich jetzt noch irgendwelche Illusionen über das politische System und den VS macht, dem darf man Realitätsverleugnung unterstellen. Sein Handeln vom Urteil des VS = Faeser abhängig zu machen, ist absurd. Das gilt mittlerweile leider auch für die Gerichtsbarkeit in Deutschland, die in der größten Verfassungskrise der BRD - bis auf wenige Ausnahmen - vollkommen versagt hat. Das Bundesverfassungsgericht ist für mich die größte Enttäuschung.

Damit ist die Meuthen-Strategie der Anbiederung und Unterwerfung unter das Urteil des Mainstreams vollständig gescheitert. Ironie der Geschichte ist die neuerliche Abgrenzung gegen die freien Sachsen. Das war hoffentlich das letzte Zucken der Meuthenianern in der AFD.

Für Fragen der Verfassungstreue und Parteizugehörigkeit sollte sich die AFD allein auf gutachterliche Prüfungen von Fachleuten wie Dietrich Murswiek verlassen.

Laurenz

12. Februar 2022 15:13

@Uwe Lay

Die "Deutsche Stimme" kenne ich noch nicht mal. Man muß auch nicht jeden Hinz & Kunz kennen. Diese Stimme ist schon deswegen nicht relevant, weil kein Hofberichterstattungsmedium sich darüber beschwert.

Aber es kommen doch AfD-Politiker nach Schnellroda, manche tragen dort vor & es existieren auch Artikel. Da flog bisher keiner raus. Frau Weidel ist noch Fraktionsvorsitzende und sitzt im Bundes-Vorstand der AfD.

Es wird mehr über Schnellroda publiziert als von Schnellroda. Daran sieht man eine gewissen Eminenz.

Von daher ist es vollkommen unverständlich, was Sie mit Ihrem Beitrag wollen?

URN

12. Februar 2022 15:22

Selbstverständlich ist, Frau Kositza​​​, "diese Sezzion vergleichbar mit der Dt Stimme". Das Ergebnis des Vergleichs ist - wie stets - das Interessante, wobei ich davon ausgehe, daß nicht "Sezzion", sondern "Sezession" in Rede steht...

Herold

12. Februar 2022 19:38

> Man hat dort Angst sich noch einmal mit dem VS herumzuschlagen und geht der Wahrheit aus dem Weg.

Vielleicht sind auf diese Weise organisierte Medien nicht mehr zeitgemäß und wir brauchen mehr Samisdat um un- oder zumindest weniger bekümmert die Wahrheit schreiben und die nötigen Themen ansprechen zu können.

Kürzlich erst bekam ich den Entschuldigungsbrief des IfS zum Thema Spendenquittung und VS-Beobachtung (der nicht nötig gewesen wäre, ich spende ja nicht für die Quittung, sondern weil ich an die Sache glaube) und auch da dachte ich: Ist diese Organisationsform überhaupt noch praktikabel / funktional? 

Ich denke, mehr Untergrund ist nötig. Schon in Vorbereitung auf den langen Winter, der kommen wird.

Laurenz

13. Februar 2022 06:40

@URN @EK

"Deutsche Stimme"

Der Vergleich zur SiN ist wohl nicht Ihr Ernst.

Ich habe mir das angesehen. Es ist wohl das Presseorgan der NPD. Das verbale Niveau ist wohl auf der Ebene Revue, Bild, Bunte zu verorten. Desweiteren ist die DS ein Nachrichten-Medium, das ist die SiN nicht. Hier werden von der Haltung aus betrachtet auch ganz andere Inhalte publiziert, wie debattiert. Der Ton der DS ist wohl auch proletarischer als mein eigener.

 

Mitleser2

13. Februar 2022 09:38

@kikl: "Das Bundesverfassungsgericht ist für mich die größte Enttäuschung."

Das Verfassungsgericht ist gekapert. Schreibt Danisch schon lange, und gestern auch ein guter Beitrag von Klonovsky

Grobschlosser

13. Februar 2022 11:05

meine Bitte an alle Mistreiter : ( Bezug : der ewige "Konflikt" zwischen JF , Sezession und div. kritischen Schriften ) ; tatsächlich ergänzen sich JF und Sezession ( ich behaupte : alle hier versammelten Leserbriefschreiber lesen beide Publikationen - es ist auch irrelevant ob man den Dieter Stein "mag" oder ob man hier und da einen mäßigen Stein - Artikel entdeckt - viel wichtiger : die sich ergänzende , politisch wirksame Zusammenarbeit ( über Umwege - durch den kommentierenden Leser ) ( die bekannten Platzhirschkonflikte zwischen Leitungskräften muss uns nicht interessieren - das ist ein privater Konflikt ) . Nochmal : gute Analysen verdienen eine gute Bewertung . 

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2022/die-linke-und-der-arbeiter/

die Rolle des Arbeiters wurde lange Zeit unterschätzt und publizistisch nur unzureichend beleuchtet - der o.g. JF - Artikel beschreibt das Verhältnis der Roten zum Arbeiter - HIER BITTE in das Thema eintauchen und geeignete Kommentare schreiben - geeignet ist DAS WAS unsere Sache voranbringt . Nach Abschluss einer Lageanalyse wird die Einsicht auch die AfD erreichen : "sei die neue deutsche Arbeiterpartei und hole im WESTEN 25 bis 30 % " ) oder verschwinde . Plappermeuthen ist wech - das ist gut so ; nun gilt es die Interessen deutscher Arbeiter zu thematisieren . 

URN

13. Februar 2022 11:22

Sie, Laurenzbestätigten mich doch 06:40! Man kann alles vergleichen. Entgegen landläufiger Ansicht auch Äpfel und Birnen; auch Orangen und Bananen und das eigene Gesäß oder Antlitz mit einer Himbeere. 

Imagine

13. Februar 2022 14:04

Die Ideologen des „rechten Lagers“ halten an der Illusion fest, es gäbe so etwas wie ein rechtes Lager und dieses würde ein „Mosaik“ darstellen. Tatsächlich ist diese Vorstellung von einem „Lager“ völlig von der Zeit überholt, weil dieses Sammelsurium in sich höchst hetero gen und widersprüchlich ist, was sich auch in der „Partei des rechten Lagers“ – der AfD – manifestiert.

Historisch gab es zu Zeit des Kalten Krieges die Frontbildung zwischen prowestlich und prokommunistisch. Auf der Ebene der Parteien repräsentierte in der BRD die DKP die prokommunistische Seite. Bei BT- und Europawahlen erreichte sie nicht einmal 1%. Und auch die ehemals großen kommunistischen Parteien in Italien und Frankreich sind zu politisch irrelevante Randphänomenen geworden.

Alle etablierten Parteien in der BRD waren immer klare Parteigänger für den Westen und Anhänger des Liberalismus gewesen, die einen mehr wirtschaftsliberal, die anderen mehr sozialliberal. Da ging sogar ein Riss durch die FDP, die zu einer Abspaltung und Neugründung einer sozialliberalen Partei („Liberale Demokraten“) führte.

Kurativ

13. Februar 2022 21:13

Wenn man sich die Internetseite vom VVN-BdA anschaut und die Bundesinnenministerin der SPD addiert, dann ist das schon ein Hammer.

Das Zeug der VVN-BdA strahlt eine direkte Gewaldtätigkeit aus, welche man so nicht einmal in der "Deutschen Stimme" der NPD findet (auch Internetseite als Vergleich).

Warum können Linke das? Es ist ihnen gelungen, das traumatische Grauen von Ausschwitz Birkenau der Rechten in die Schuhe zu schieben.

Aber in der Weimarer Republik hatten die Leute am Ende den Eindruck nur noch zwei Optionen zu haben:

1. Stalins Ost-Kommunisten mit der Zusammenarbeit der Sozialdemokraten("Einheitsfront", 1923). Bei den Kommunisten kannte man bereits die Massenmorde und Kollektivierungstoten.

2. Oder Hitler und seine Bewegung, der neu war und dessen Ideologie als unbeschriebenes Blatt gelten konnte.

Zudem waren es die linken Sozialdemokraten welche das Kabinett Stresemann stürzten und im Deutschen Oktober mit den kominternfinanzierten Kommunistischen Hundertschaften die Weimarer Republik stürzen wollten.

Das die Sozis sich jetzt noch darüber beschweren, dass sie in den Folterkellern der Gestapo gelandeten, ist heuchlerisch. Sie haben den Radikalismus gestartet.

Laurenz

14. Februar 2022 05:15

@Imagine

"weil dieses Sammelsurium in sich höchst hetero gen und widersprüchlich ist, was sich auch in der „Partei des rechten Lagers“ – der AfD – manifestiert."

Der Begriff Mosaik ist noch "diverser" als Ihre Definition. Sie widersprechen sich oder drücken Sich zumindest unklar aus. Den Begriff "Rechtes Lager" haben Sie gewählt. GKs Definition der Mosaikrechten beschreibt alle diejenigen, die sich so oder so einer konservativen Haltung in vielen Schattierungen befleißigen, nicht mehr & nicht weniger. Was die DKP angeht, so wurde diese durch die Ex-SED eingeholt. Wenn jemand die Hanebüchenen wählt, dann wählt er eben lieber das Original. Was Sie hier bezüglich der Linken hintertreiben, ist der ideologische Umbau der Linken. Die Linke ist längst weltweit gekauft & privatisiert. Man will nicht mehr die Kapitalisten, wie Lenin, am eigenen Strick aufhängen, sondern man schmarotzt als Vampir an deren Halsschlagader, so zumindest die Idee. Da fällt eben auch das Proletariat hinten runter, aber das tat es ja bei Linken schon immer. Nur ist es eben jetzt quasi offiziell.  https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2022/die-linke-und-der-arbeiter/

Es gibt übrigens in der SPD auch die Rußland-Fraktion, Schröder, Schwesig, Platzeck etc.

Maiordomus

14. Februar 2022 08:33

@Imagine sieht es richtig. Doch gehörten die 68er trotz Ablehnung des trostlosen Ulbricht-Stalinismus, dessen Unattraktivität zum Himmel schrie, als Anhänger von Che Guevara, der in Kuba Hinrichtungen kommandierte und eine echt ikonische sexy linke Ausgabe der SA-Mörderbande war, auch mit Sympathien für Mao und Ho und Fidel usw. ,eindeutig zum linken Lager. An einer einschlägigen Vollversammlung von 1968 bekam ich zu hören, dass man für solche wie mich keine Universitäten unterhalte, weil ich sagte, ich würde aus Freude an Literatur und Philosophie studieren. Polithistorisch  stehe ich rechts von Deutschnationalen, orientiere mich philosophisch aus der Tradition Althusius -Burke-Görres-Baader-Troxler-Tocqueville-Burckhardt-Nell-Breuning-Dürrenmatt und der Hegelschen Rechten, deren bedeutendster Repräsentant Friedrich Albert Lange gewiss mehr von praktischer Politik verstand als Marx u. Engels, in Zürich als Emigrant die obligate Volksabstimmung über Gesetze einführte. Und mein Lehrer Lübbe hat und hatte nun mal analytisch mehr drauf als Habermas u. die Frankfurter.  Aber rechtes Lager? Fehlanzeige!

Imagine

14. Februar 2022 13:37

@Maiordomus  14. Februar 2022 08:33
„An einer einschlägigen Vollversammlung von 1968 bekam ich zu hören, dass man für solche wie mich keine Universitäten unterhalte, weil ich sagte, ich würde aus Freude an Literatur und Philosophie studieren.“

Es gab unter den Linken eine anti-intellektuelle Minderheit mit Simplifizierung und Proletkult. Aber nur eine Minderheit, auch wenn diese ab 1970 politisch-organisatorisch dominant war.

Solche anti-intellektuellen Simpel gibt es überall zahlreich. Die wollen die Zusammenhänge immer ganz einfach dargestellt haben. Die kommen immer mit der empirischen Evidenz und sind unfähig, Komplexität und Tiefenstrukturen zu erkennen und zu verstehen. Jene, die von „Geschwätzwissenschaften“ reden, gehören dazu.

Maschke sagt im Gespräch mit Klonovsky:
„Ich würde es begrüßen, wenn die Vorstellung, die man einmal von der Universität hatte, wiedergefunden würde. Dass die Universität wieder als ein Ort begriffen wird, wo ich hingehe, um zu denken, in Einsamkeit und Freiheit, ja, um frei zu sprechen. Wo man sagt: Wir sitzen zusammen, wir versuchen, etwas zu verstehen, deswegen mögen wir uns auch, wir haben keine Angst, das oder das zu sagen – so ungefähr wie sich das Herr Humboldt vielleicht vorstellte.“

Das kann ich unterschreiben.

Maiordomus

14. Februar 2022 16:47

@Imagine. Das Maschke-Zitat am Ende Ihrer Antwort eint uns, das wäre ein riesiger Schritt in Richtung einer Atmosphäre der Freiheit, auch Forschungsfreiheit. 

Imagine

15. Februar 2022 21:09

@Maiordomus   14. Februar 2022 16:47
„Das Maschke-Zitat am Ende Ihrer Antwort eint uns, das wäre ein riesiger Schritt in Richtung einer Atmosphäre der Freiheit, auch Forschungsfreiheit.“

Aber die gute Zeiten für das gebildete Bürgertum  sind vorbei und die klassische Universität ist Geschichte. Uns bleibt nur der Verlustschmerz.

Es handelt sich um  irreversible Vergangenheit in diesem System des „Kapitalismus ohne Bürgerlichkeit“.

„Freiheit oder Kapitalismus“ ist heute die große historische Alternative. Aber darüber besteht heute kein Bewusstsein, weder „links“ noch „rechts“ und in der „Mitte“ gar nicht.

Heute sind „links“ wie „rechts“ anti-bürgerlich und systemkonform, keine zukunftsträchtigen Alternativen, sondern Sackgassen. In der dominierenden  kleinbürgerlichen Lebenswelt kann kein Bewusstsein entwickelt werden, was emanzipatorische Bürgerlichkeit bedeutet.

Beide - „links“ und „rechts“- sind sich ähnlicher, als sie es wahrhaben wollen, und ihre gegenseitige Feindseligkeit basiert auf Projektionen. Beide wollen zurück in eine Zeit einer imaginierten „Mittelstandsgesellschaft“ und der „Sozialen Marktwirtschaft“ und glauben, dass dies möglich sei. Aber dies ist Wunschdenken. No way back. Beide ignorieren soziologische wissenschaftliche Erkenntnisse, die darlegen, dass dies eine Illusion ist.

Zeit für etwa Neues.

Laurenz

15. Februar 2022 23:27

@Imagine @Maiordomus

"Solche anti-intellektuellen Simpel gibt es überall zahlreich. Die wollen die Zusammenhänge immer ganz einfach dargestellt haben."

 

„Klug ist jener, der Schweres einfach sagt,” um hier mal Einstein zu zitieren. Einstein war wohl anderer Meinung als Sie.

Mitleser2

16. Februar 2022 14:01

@Imagine: „Freiheit oder Kapitalismus“ ist heute die große historische Alternative

Wenn Freiheit die Alternative zum Kapitalismus ist, welches real existierende oder absehbar entstehende System bildet diese Freiheit ab?

Ist es eine Art Sozialismus, praktisch bisher immer gescheitert.

Oder ist es Klaus Schwab: You will own nothing, have no privacy and be happy.

Oder impliziert bei Ihnen der Begriff China Freiheit?

Imagine

16. Februar 2022 17:35

1/2

Die Alternative „Freiheit oder Sozialismus“ ist keine Frage, die ahistorisch und abstrakt diskutiert werden kann. Denn sie ist nicht losgelöst vom wissenschaftlich-technischen und ökonomischen Entwicklungsstand sowie von der Klassenzugehörigkeit.

Im Westen sind die Reichen seit dem 2. Weltkrieg nie so frei gewesen wie heute. Sie brauchen kein Völkerrecht oder nationales Rechtssystem im Empire fürchten, können sich jeden erdenklichen Luxus leisten und zu ihrem Vergnügen Weltraumausflüge ohne jegliche ökologische Rücksicht vornehmen. Sie bilden eine Art neue feudale Herrenklasse im Empire.

Die industrielle Lohnarbeiterklasse des Westens hat vom Kapitalismus profitiert. Er hat ihnen ein bisher historisch unerreichtes Konsumniveau und individuelle Freiheiten ermöglicht, wobei allerdings seit den 70er Jahre ein Rückgang zu verzeichnen ist und immer größer werdende Teile der Lohnarbeiterklasse auf Niedriglohnniveau, in Prekarisierung und Altersarmut fallen. Und die Freiheit wird auch immer weniger.

Der Mittelstand hat lange vom Kapitalismus profitiert, aber seit der Jahrtausendwende geht es durch neoliberale Entwicklung und Globalisierung auch für die Mitte abwärts.

Wie dies nun einmal kapitalistische Gesetzmäßigkeit ist, fressen die Großen die Kleinen.

Imagine

16. Februar 2022 17:38

2/2

Hatte in der Vergangenheit die kapitalistische Entwicklung ein großes Stück Freiheit vom Arbeitszwang durch 30 – 35 Stunden- und Fünftagewoche gebracht, so geschieht seit einem halben Jahrhundert das Gegenteil: Es ist heute die Regel, dass beide Elternteile arbeiten müssen (statt damals 40 Std. pro Familie, heute das doppelte) und das Rentenalter wird erhöht, statt erniedrigt.

Der Ersatz von menschlicher Arbeit durch Maschinen bringt nicht mehr Freiheit und Wohlstand für alle, obwohl dies objektiv möglich wäre. Das kapitalistische System verhindert dies jedoch.

China ist ein anderes Thema. China war ein Entwicklungsland mit Massenarmut und Hunger. Die kapitalistische Marktwirtschaft hat die Entwicklung immens beschleunigt, was zu einem erheblichen Freiheits- und Wohlstandsgewinn von einem großen Teil der Bevölkerung (ca. 500 Mio.) führte.

In der EU ist eine Tendenz zu Arbeits- und Lebensbedingungen wie in der Dritten Welt mit zunehmendem Anteil von Working Poor und Prekarisierten zu beobachten, in China läuft ein gegenteiliger Prozess.

Zum Thema „Freiheit oder Sozialismus“ diskutierten Ulrich Beck und Johannes Willms. https://www.deutschlandfunk.de/freiheit-oder-kapitalismus-ulrich-beck-im-gespraech-mit-100.html

Imagine

16. Februar 2022 22:34

Korrektur:

Es geht um „Freiheit oder Kapitalismus“. Eine Verdrehung, die ich auf  Internalisierung durch Gehirnwäsche in der schwarzen Republik zurückführe und nun unbewusst geschrieben wurde.

„Freiheit oder Sozialismus“ war das Wahlkampfmotto der CDU bei der BT-Wahl 1976.

Für die Rechten war und ist alles Sozialismus, was die Profite schmälert und hinsichtlich Lohnerhöhungen oder Arbeitnehmerrechten den Lohnarbeitern zugutekommt.

Es war eine Angstmache, die suggerierte, dass die sozialliberale Politik der SPD-FDP-Koalition, die angeblich zu Zuständen wie in der DDR führen würde.
 

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