Netzfundstücke (116) – Cleavage, Büßer, Maschkino

Verteidigung des Wohlfahrtsstaates oder Kosmopoliten gegen Kommunitaristen?

Sind es also mate­ri­el­le Ver­tei­lungs­fra­gen oder kul­tu­rel­le Kon­flikt­li­ni­en oder  sogar bei­des, was den rela­ti­ven Erfolg rech­ter Bewe­gun­gen und Par­tei­en in Euro­pa erklärt?

Fol­gen­der Tweet von Linus Westheu­ser, Post­dok­to­rand der Poli­tik­wis­sen­schaf­ten an der Ber­li­ner Hum­boldt-Uni­ver­si­tät, ließ mir die­se grund­sätz­li­chen Fra­gen wie­der ein­mal in den Kopf schießen:

61 Pro­zent in der obe­ren Mit­tel­schicht für Jamai­ka und nicht weni­ger beacht­li­che 57 Pro­zent für die Ampel ist ein star­kes Zei­chen dafür, daß die links­li­be­ra­le Poli­tik der Eta­blier­ten im deut­schen Bür­ger­tum auf Gegen­lie­be stößt bzw. gera­de dort auf brei­te Unter­stüt­zung set­zen kann: Die­ses Wäh­ler­spek­trum ist Trä­ger des »kogni­ti­ven Kapi­ta­lis­mus«, der für die Post­mo­der­ne prä­gend ist. Auch im Mit­tel­bau der »mitt­le­ren Mit­tel­schicht« ist die Ampel gut gelit­ten. Dem­ge­gen­über sehen sich die Wäh­ler der AfD eher als Teil der unte­ren Mit­tel- und der Arbei­ter­schicht: Das Schie­len der Alter­na­ti­ve auf das von ihr idea­li­sier­te Bür­ger­tum wird wohl wei­ter­hin erfolg­los bleiben.

Bereits aus die­sem »Schnip­sel« las­sen sich unzäh­li­ge wei­te­re Fra­gen aus den oben auf­ge­wor­fe­nen ableiten:

Ent­lang wel­cher sozio­öko­no­mi­scher Kon­flikt­li­ni­en for­miert sich die Rech­te im 21. Jahr­hun­dert? Was unter­schei­det unse­re heu­ti­ge Aus­gangs­la­ge von der der Rech­ten Anfang des 20. Jahr­hun­derts? An wel­chem Punkt des Geschichts­ver­laufs ste­hen wir und wel­chen poli­ti­schen Ent­wurf haben wir als Alter­na­ti­ve zum libe­ra­len Sta­tus quo zu for­mu­lie­ren, der auf Basis des Hier-und-Jetzt eine trag­fä­hi­ge, genera­tio­nen­über­grei­fen­de Ord­nung gewähr­leis­ten kann? Schlu­ßend­lich: Wel­che Poli­tik machen?

Die­se Fra­gen wer­den inner­halb des neu­rech­ten Lagers durch­aus gestellt, doch ihre Beant­wor­tung fällt kei­nes­falls ein­heit­lich aus. Nicht sel­ten hapert es bereits an einer kon­sis­ten­ten Beschrei­bung des Ist-Zustands. Ein gemein­sa­mer meta-poli­ti­scher Rah­men »als eine poli­ti­sche Lage­be­ur­tei­lung, die von der Fra­ge aus­ge­hen muß, wer der Feind ist, wo er steht und mit wel­chen Mit­teln er den Kampf führt« (Erik Leh­nert), kann auf die­ser Basis nur schwer­lich gesetzt werden.

Spe­zi­ell die AfD macht den Ein­druck, ent­lang die­ser Fra­gen hin- und her zu schwan­ken, gar zu irr­lich­tern. Gestar­tet als »Pro­fes­so­ren­par­tei« von Öko­no­men, die sich über die Euro-Kri­tik defi­nier­te, voll­zog sie einen grund­le­gen­den Wan­del. Ihr natio­nal­li­be­ra­ler Urim­puls wur­de um (sozial-)konservative Aspek­te erwei­tert, ohne die sie zwei­fel­los nicht die Wahl­er­fol­ge hät­te erzie­len kön­nen, die sich seit die­ser ideo­lo­gi­schen Ver­schie­bung ein­ge­stellt haben.

Die Zei­chen der Zeit waren ande­re, als es sich Bernd Lucke und Hans-Olaf Hen­kel gedacht hat­ten. Wie die Erfolg­lo­sig­keit der AfD-Abspal­tun­gen Libe­ral-Kon­ser­va­ti­ve Refor­mer und Die blaue Par­tei gezeigt haben, besteht für eine mode­rat kon­ser­va­ti­ve Kraft mit einer betont libe­ra­len Wirt­schafts­po­li­tik kein Bedarf im deut­schen Parteienspektrum.

Zum einen fin­den sich die­se Posi­tio­nen teils noch in den eta­blier­ten Par­tei­en, wenn auch auf ver­lo­re­nem Pos­ten, zum ande­ren scheint es, daß die Bun­des­re­pu­blik sich fort­ent­wi­ckelt hat und mit ihr das »kon­ser­va­ti­ve« Bür­ger­tum, das Lucke und Henckel stets adres­siert hat­ten. Abseits ein­zel­ner Dino­sau­ri­er exis­tiert es in sei­ner ehe­ma­li­gen Form nicht mehr; das heu­ti­ge Bür­ger­tum erbringt sei­nen Dienst viel­mehr als links­li­be­ra­le Stüt­ze der BRD (sie­he GLES-»Schnipsel«).

Es fehl­te die­sem stau­bi­gen Pro­jekt einer guten alten Indus­trie-BRD der Wirt­schafts­wun­der­jah­re, qua­si dem zur klas­si­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie kom­ple­men­tä­ren Arbeit­ge­be­r­ide­al, schlicht das Sub­strat. Es ist aus der Zeit gefal­len; die sozio­öko­no­mi­sche Rea­li­tät, auf der es fußt, war ein Durch­lauf­sta­di­um auf dem Weg zur Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft bzw. der durch den »kogni­ti­ven Kapi­ta­lis­mus« bestimm­ten Wissensökonomie.

SiN-Autor Dani­el Fiß schnei­det die­se Gege­ben­heit – er ver­wen­det dabei die Begriff­lich­keit des »his­to­ri­schen Momen­tums« – anläß­lich der Cau­sa Meu­then mit sei­nem Feld­zug Blog auf Twit­ter indi­rekt an:

Die­ses »his­to­ri­sche Momen­tum« der AfD ergibt sich der­weil aus den bereits erwähn­ten sozio­öko­no­mi­schen Kon­flikt­li­ni­en, die sie abbil­det bzw. die sich in ihr kana­li­sie­ren. In der Poli­ti­schen Sozio­lo­gie – Fach­ge­biet des ein­gangs zitier­ten Westheu­sers – bezeich­net man die­se Kon­flikt­li­ni­en, basie­rend auf den Arbei­ten von Sey­mour Mar­tin Lip­set und Stein Rok­kan aus den 1970ern, als clea­va­ges.

Nach Lip­set und Rok­kan exis­tie­ren die clea­va­ges Kapi­tal vs. Arbeit, Kir­che vs. Staat, Stadt vs. Land und Zen­trum vs. Peri­phe­rie. Ent­lang die­ser Kon­flikt­li­ni­en hät­ten sich die euro­päi­schen Par­tei­en­sys­te­me des aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­derts her­aus­ge­bil­det und for­mier­ten sich wei­ter­hin anhand dieser.

Indes­sen kamen zuerst durch die Ent­ste­hung der Grü­nen und nun am Auf­kom­men und Erfolg »rechts­po­pu­lis­ti­scher« Par­tei­en in den letz­ten Jah­ren in der Poli­tik­wis­sen­schaft Zwei­fel auf, ob die clea­va­ge-Theo­rie von Lip­set und Rok­kan zumin­dest hin­sicht­lich der exis­tie­ren­den clea­va­ges noch zutref­fe. Ver­schie­de­ne Defi­ni­tio­nen neu­er clea­va­ges machen die Run­de: Glo­ba­li­sie­rungs­ge­win­ner vs. Glo­ba­li­sie­rungs­ver­lie­rer (ver­gleich­bar mit David Good­harts Some­whe­res & Any­whe­res) oder der auf die Neu­en Sozia­len Bewe­gun­gen gemünz­te Wider­part aus Mate­ria­lis­mus vs. Post-Materialismus.

Unge­ach­tet der Dis­kus­si­on um die neu­en clea­va­ges des aus­ge­hen­den 20. und noch jun­gen 21. Jahr­hun­derts bleibt ein Aspekt der Theo­rie von Lip­set und Rok­kan gesetzt: Will sich eine Par­tei dau­er­haft fest­set­zen, muß sie min­des­ten einen oder im bes­ten Fall sogar meh­re­re clea­va­ges ver­kör­pern.

Fol­ge­rich­tig sind die clea­va­ges für die AfD von erheb­li­cher Rele­vanz: Als Ein-The­men-Par­tei, die sich ledig­lich um die Euro­fra­ge gedreht, also kei­ne der grund­le­gen­den Kon­flikt­li­ni­en abge­bil­det hät­te, wäre sie in dem Moment in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwun­den, in dem das The­ma »Euro« zur Rand­no­tiz wur­de. Durch den Wan­del von der auf die Euro-Poli­tik fokus­sier­ten »Pro­fes­so­ren­par­tei« zur dezi­diert kon­ser­va­ti­ven Kraft hat sie die­sen not­wen­di­gen Schritt bereits voll­zo­gen und die Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen, auch im nächs­ten Bun­des­tag wie­der ver­tre­ten zu sein.

Die Ver­su­che, eine eige­ne Sozi­al­po­li­tik vor­zu­le­gen, sind wei­te­rer Aus­druck, die im Volk vor­han­de­nen sozio­öko­no­mi­schen Kon­flikt­li­ni­en auf poli­ti­scher Ebe­ne zu arti­ku­lie­ren und zu ver­tre­ten. Doch beson­ders anhand des Rin­gens um die Sozi­al­po­li­tik in der Par­tei zeigt sich, daß die AfD sich nicht dar­über im kla­ren zu sein scheint, welche/r cleavage/s für sie nun kon­sti­tu­ie­rend ist/sind. Der »gäri­ge Hau­fen« ist vor allem des­we­gen so »gärig«, da in ihm immer noch mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­de Welt­bil­der über die Domi­nanz in der Par­tei kämpfen.

Zwar haben die Gal­li­ons­fi­gu­ren der Anfangs­ta­ge das Schiff ver­las­sen, ihre Ansich­ten sind damit aber kei­nes­wegs voll­stän­dig aus der Par­tei ver­schwun­den. Fort­wäh­ren­de, an Distan­zie­run­gen gekop­pel­te Frak­ti­ons­aus­trit­te die­ses »bür­ger­li­chen« Lagers sowie die befremd­li­che Dis­kre­panz zwi­schen Bun­des­vor­stand und wesent­li­chen Tei­len der eige­nen Par­tei legen dar­über Zeug­nis ab. Es ist eine andau­ern­de Identitätskrise.

Dabei ist die­se »Selbst­fin­dung« ent­schei­dend dafür, ob die Par­tei die Kräf­te ent­wi­ckeln kann, Deutsch­land Stück für Stück neu zu prä­gen. Und Westheu­sers Daten drän­gen zum wie­der­hol­ten Mal den Schluß auf, daß die­se poli­ti­sche Wirk­mäch­tig­keit nicht in den bür­ger­li­chen Schich­ten zu fin­den ist, die man bspw. in Ham­burg oder Schles­wig-Hol­stein adres­siert (die Wahl­er­geb­nis­se spre­chen Bän­de), und auch nicht im Inter­es­se die­ser Schich­ten liegt.

Viel­mehr zeigt sich, daß sie als »poli­ti­sche Kraft des Bewah­ren­den, gegen die kol­lek­ti­ven Kräf­te der Auf­lö­sung« voll­kom­men ande­re Tei­le des Vol­kes gegen den Kos­mo­po­li­tis­mus der bür­ger­li­chen Ver­qui­ckung aus Links- und Neo­li­be­ra­lis­mus zu ver­tei­di­gen hat, als man das in man­chem Par­tei­gre­mi­um ger­ne wahr­ha­ben möch­te. Die sozio­kul­tu­rel­le Grund­struk­tur der Bun­des­re­pu­blik hat sich im Ver­gleich zu ihren Anfangs­ta­gen fun­da­men­tal gewan­delt und mit ihr die besag­ten clea­va­ges.

Aus­zu­mes­sen, ob die neue his­to­ri­sche Kon­flikt­li­nie, die der AfD zur Gene­se ver­half, nun eher eine öko­no­mi­sche (sie­he bspw. Phil­ip Manow) oder eine kul­tu­rel­le (sie­he bspw. Andre­as Reck­witz) ist, das wäre u.a. die genui­ne Auf­ga­be einer Par­tei­stif­tung: eige­ne Iden­ti­tät bil­den und repro­du­zie­ren. Aber das ist wie­der­um sei­ne ganz eige­ne Geschichte…


Nach Bernd Lucke und Frau­ke Petry nun also auch Jörg Meu­then. Es hat­te sich abge­zeich­net, daß der aus dem Ruhr­pott stam­men­de und vor sei­ner Par­tei­kar­rie­re in Baden leh­ren­de Öko­nom der AfD den Rücken zukeh­ren würde.

Sei­ne Hand­lun­gen die letz­ten Mona­te gli­chen einem Sabo­ta­ge­akt: Anstatt sei­ne Par­tei vor den Angrif­fen von außen zu schüt­zen, befeu­er­te er die­se sogar noch. Meu­then will zurück, zurück in den war­men Schoß des Estab­lish­ments und das um jeden Preis.

Kei­ne Talk­show und kei­ne Distan­zie­rung läßt er aus. Dabei ist ihm nichts zu pein­lich. Ohne Scham ver­sucht er sich rein­zu­wa­schen. Sei­ne Rede in Schnell­ro­da, nur einer von etli­chen Vor­trä­gen; gefal­len habe es ihm dort auch nicht. Sezes­si­on-Lite­ra­tur­re­dak­teu­rin Ellen Kositza brach­te es bei Twit­ter auf den Punkt: »Ein Schlumpf.«

Wir haben auf dem kanal schnell­ro­da Meu­thens Lanz-Auf­tritt sei­nen war­men Dan­kes­wor­ten im Schäf­chen gegenübergestellt:


Gün­ter Masch­ke ist tot. Einer »der bedeu­tends­ten rech­ten Intel­lek­tu­el­len der Nach­kriegs­zeit« (Karl­heinz Weiß­mann) ist von uns gegan­gen. BRD-Phi­lo­soph Jür­gen Haber­mas bezeich­ne­te ihn einst als den »ein­zi­gen Rene­ga­ten der Acht­und­sech­zi­ger-Bewe­gung«. Dem­entspre­chend zahl­reich waren die Nach­ru­fe auf Masch­ke. Hier zur Über­sicht eine Sammlung:

Zum Tod von Gün­ter Masch­ke – Der freie Rene­gat (Karl­heinz Weißmann)

Nach­ruf – Thor v. Wald­stein über Gün­ter Maschke

Gün­ter Masch­ke ist tot (Bene­dikt Kaiser)

Das Poli­ti­sche heißt: Ver­schwö­run­gen (Inter­view mit eigen­tüm­lich frei aus dem Jahr 2020)

Frank Böckel­mann: Zum Tod Gün­ter Maschkes

R.I. P. (Micha­el Klonovsky)

Gün­ter Masch­ke 1943 – 2022 (Karo­lin­ger)

 

»Weil nie­mand mehr bren­nen will, ver­dun­kelt sich die Welt.«

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Kommentare (23)

Mitleser2

14. Februar 2022 11:31

Die Frage wäre, wie groß ist die "Arbeiterschicht" als rechtes Potential im Gegensatz zu den "Etablierten im deutschen Bürgertum". Ist nicht zu befürchten, dass sie inzwischen eher zu klein, und vor allem unpolitisch ist?

RMH

14. Februar 2022 12:02

"in dem das Thema »Euro« zur Randnotiz wurde."

Das Thema wurde zur Randnotiz gemacht und kehrt aktuell mit großer Wirkung durch die steigende Inflation und die geringe Krisenstabilität dieser Währung wieder. Das dieses Thema "verschwunden" ist, liegt nicht an der Faktenlage, sondern daran, dass man es medial unter den Teppich kehrt und eine AfD diesbezüglich auch keine Medienmacht hat, es auf die Agenda zu bringen (das Währungsstabilität Grundvoraussetzung für jede soziale Marktwirtschaft ist, ist leider in Vergessenheit geraten). Ein ähnliches Spielchen mit der erfolgreichen Verdrängung wird beim Kernthema der AfD Nr. 2, der Migration, erfolgreich durchgeführt. Interessiert auch keinen mehr, jeder will mehr "diversity", mehr neue Sklaven zur Verringerung des "Fachkräftemangels" = Newspeak für Sklavenhandel.

„Die Inflation kommt nicht über uns als ein Fluch oder als ein tragisches Geschick; sie wird immer durch eine leichtfertige oder sogar verbrecherische Politik hervorgerufen.“ (Ludwig Erhard, 1957)

brueckenbauer

14. Februar 2022 13:05

Dass in der Arbeiterschicht mehr zu holen ist als in der oberen Mittelschicht, glaube ich ohne weiteres. Aber 57 Prozent für die Ampel sind dann auch wieder nicht so berauschend - da ist auch noch Luft für die AfD. Allerdings nicht mit ständigen Kniefällen.

brueckenbauer

14. Februar 2022 13:09

Aber im Gegensatz zu Schick behaupte ich: Es geht hier nicht nur um Probleme der Wirtschafts- und Sozialpolitik, sondern vor allem auch um Probleme der Verfassungspolitik. In einer freiheitlich-pluralistischen Demokratie kann und darf es ein geschlossenes, allgemeinverbindliches "Wertesystem der Bundesrepublik" (Steinmeier) nicht geben!

Laurenz

14. Februar 2022 13:21

@JS (1)

Schwer zu sagen, wie man Ihren Artikel einordnen soll. Dafür sind zu viele Unwägbarkeiten, Fehler oder Widersprüche in der debattierten Analyse. Alleine schon die Frage der Mittelschicht, die bei Jamaika immerhin noch 39% Andersdenkende aufweist, läßt an Definition zu wünschen übrig. Wer & wie groß ist denn die Mittelschicht, deren Auflösungserscheinungen seit den 90ern ununterbrochen zunehmen? Die zitierten Mehrheitsverhältnisse kann ich subjektiv aus einem der 4 reichsten Landkreise (aus insgesamt 294) Deutschlands, dem Hochtaunuskreis, bestätigen. Aber die Zahlen sind doch gar nicht so schlecht. War früher viel eindeutiger. Auch die (verleugnete) Eurofrage Luckes zu vernachlässigen, ist nur falsch verstandene Definition. Selbst der Relotius schreibt darüber  https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/inflation-laesst-sich-die-krise-ueberhaupt-noch-stoppen-und-mit-welchen-folgen-a-b2b58101-f024-4ca7-a232-987682643918

Die Debatte wird jetzt nur anders genannt, & zwar Inflation, die eindeutig mit dem Euro & der EZB untrennbar verbunden ist. Oder haben Sie hierzu ein Jammern von @Maiordomus über Preissteigerungen in der Schweiz vernommen? Die Schweizer Nationalbank druckt seit 20 Jahren wie irre Geld, um die Deflation abzufedern. Mit dem gedruckten Geld kauft man weltweit Werte ein, vor allem Aktien. Die Schweizer Nationalbank ist, pro Kopf, gerechnet die reichste Nationalbank der Welt.

Laurenz

14. Februar 2022 13:39

@JS (2)

Hier ist zu bemerken, daß die aktuelle Mittelschicht vielleicht in der Lage ist, den Status Quo zu halten, aber die Inflation schafft nur weitere Verschiebungen von unten an die Oberschicht, die hervorragend mit der Inflation lebt. Was interessiert Frau Klatten der Spritpreis, solange sie ihre Karren einigermaßen absetzen kann? Von daher ist die definierte Inflation der viel bessere Katalysator rein in der Begrifflichkeit als es die Euro-Frage je war. Inflation ist konter-revolutionär, revolutionär & spielt zB der AfD direkt in die Hände. Hier fehlt dem Artikel, das muß ich leider so sagen, schon wieder rechte ökonomische Kompetenz. Was die liberale Weltanschauung in der AfD angeht, so ist diese doch längst aus der Zeit gefallen. Selbst das ehemalige Original, die FDP verlegte sich längst weg vom Liberalismus auf den diffusen Begriff Freiheit, um direkt nach der Wahl ihren 11% Ampel-Wählern, was Freiheit betrifft, komplett in den Allerwertesten zu treten. Es wurde für jeden FDP-Wähler nur allzu deutlich. Die Alternative der FDP als Wahlangebot ist keine. Auch die FDP hatte 2013 gelernt, mit einer liberal-ökonomischen Weltsicht holt man keine 5%. Wie blöd können Haltungs-Liberale sein?

Laurenz

14. Februar 2022 13:49

@JS (3)

Als Gegenentwurf mag ich Ihnen die hervorragende aktuelle Rede von Dr. Christoph Berndt im Landtag zu Potsdam vorlegen.  https://youtu.be/h4mE_nytyM0

Der Satz: "Wir sind alle Deutsche" zeigt solch eine klare Position. Mit etwas Geduld kommen wir da schon weiter.

brueckenbauer

14. Februar 2022 18:13

Wie Laurenz richtig sieht: Die Inflation könnte die Mittelschicht ruinieren und damit auch die Reputation der Berliner Republik (so wie seinerzeit die der Weimarer).

Trotzdem sollte die Rechtsopposition sich in dieser Generation klar darauf einstellen, Minderheit zu sein (und nicht "Mehrheit im Wartestand"). Und als Minderheit ist und bleibt sie auf den Schutz des verfassungspolitischen Liberalismus angewiesen - so wie umgekehrt die Ideen des verfassungspolitischen Liberalismus leerlaufen, wenn sie nicht mehr die real vorhandenen Oppositionen schützen wollen.

heinrichbrueck

14. Februar 2022 21:16

"Was unterscheidet unsere heutige Ausgangslage von der der Rechten Anfang des 20. Jahrhunderts?"
Ökonomische Eigentumsverhältnisse.
- Anweisungen der Medienmacht. 
- Unterordnung des Staates. Befolgung der Ideologie (Politiker im Korsett), Sprachrohr und Marketingabteilung (Politiker im Angestelltenverhältnis); Gesellschaft (Bevölkerung) ohne Kriegswissenschaft; keine Völker (Gemeinschaften). 
- Ausführung innerhalb des vorgegebenen Rahmens (Endsieg Umvolkung).
- Wahrheitskrise (Bewußtsein, Wirtschaft, Politik).
Gesellschaften bevölkern Bürgerkriegsgebiete. Parteien kommen unter die Räder (Verteidigungsstellung). 

Das Ungewöhnliche und Bizarre an der Situation ist nur, daß die meisten Deutschen das ausblenden und nicht wahrhaben wollen. Irgendwie haben „wir“ gar nicht den Krieg verloren, das war doch nur die Nazis, „wir“ gehören irgendwie zu den Alliierten und haben damit den Krieg eigentlich gewonnen. Und deshalb haben unsere Verbündeten dem Volk von 1949, das ein ganz anderes war als das von 1945, auch so sehr vertraut, daß sie ein Staatswesen eingerichtet haben, in der das Volk alles selber entscheiden kann, ohne daß irgendjemand Einfluß nimmt.

RMH

15. Februar 2022 07:11

Die meisten Umfragen hinken doch an der Bestimmung der Definitionen. Wer ordnet sich gerade in Deutschland schon freiwillig als "Oberschicht" ein? Habe in meinem Leben genug Millionäre kennengelernt, die sich immer bescheiden gaben und sich mit den Nimbus der armen Kirchenmaus versehen haben. Mittelschicht ist das Ideal der Zeit und so ordnen sich subjektiv die objektiv Reichen genauso wie die objektiv Armen darunter ein. Haushaltseinkommen 5000.- netto? Das hat ein in Vollzeit arbeitendes Ehepaar, ohne dafür studiert haben zu müssen (und jetzt zieht von dem vermeintlichen Netto bitte einmal die Miete oder die Finanzierungsraten ab). Ein alleinstehender Akademiker, des es mit ach und krach bei einer Monatsmiete warm von nur 1000.- Euro für seine Buzze auf 2.500.- Euro netto schafft, wo ordnet sich der wohl ein? Genau, in der Mittelschicht, ggf. sogar der oberen, weil er hat ja studiert. Zu deutsch: Das Einteilen in Klassen würde ehrliches Klassenbewusstsein voraussetzen. Das ist aber in den letzten 40 Jahren gründlich geschliffen worden - zumindest bei den Schichten, die überhaupt noch wählen gehen. Erinnern wir uns: Den größten nominellen Stimmenanteil von allen dürften auch bei der letzten BT-Wahl die Nichtwähler gehabt haben - und für die ist ein Beamter wie Herr Höcke auch nicht mehr "sexy" als ein zu Adipositas neigender Professor wie Meuthen (völlig egal, wer von beiden was inhaltlich vom Stapel lässt).

ukbahner

15. Februar 2022 07:42

Als ehemaliger Teilnehmer des Feldversuch LKR , als ehemaliger Direktkandidat zur BTW 2021 ( selbst bezahlt) geb ich ihnen Recht und auch nicht. Ich kann nur für mich und meine Region (Meissen ) reden. Ja es fehlt der Mittelbau...an Politik interessierte Mittelschicht ( selbständig etc.) "gebildete ,besser verdienende Werktätige. Vor allem fehlt die Erkenntnis das Parteien nix verändern. Es fehlt das nachhaken ...ich hab euch gewählt also legt Rechenschaft ab... traurig aber wahr.

Meine Erfahrungen im Wahlkampf ? Man kann sie erreichen, informieren, aufrütteln ...aber das bedarf Geld , Zeit und den Willen dazu. Vor allem sollte man endlich mal wissen was man will (AFD) . Und die LKR ? Vielleicht hätte eine Liberal-Konservative- Allianz eine Chance ? Eine Allianz aus den ( letzten ) Einzelkämpfern und den Promill Parteien ? Ich weiß es nicht. 

Nix Substanz - wollt es einfach loswerden

Mitleser2

15. Februar 2022 08:52

@brueckenbauer: "Rechtsopposition ... als Minderheit ist und bleibt sie auf den Schutz des verfassungspolitischen Liberalismus angewiesen"

Das mag theoretisch so sein, nur wird praktisch die Verfassung nicht mehr geschützt, seit Merkel-Kreaturen an den Spitzen von VS und BVerG plaziert wurden. Insbesondere das Verfassungsgericht ist gekapert, und wird zum Durchgriff gegen Bürgerrechte benutzt.

Neander vom Thal

15. Februar 2022 09:38

Guter Beitrag. Die Etablierung des Begriffes cleavage halte ich für überflüssig. Nicht nur seiner Doppelbedeutung wegen, die im Politischen eher belustigend, als erklärend wirkt. Spaltung (gegenüber stehen) benennt doch kurz und bündig was Sache ist. 

Nordlicht

15. Februar 2022 15:39

Wenn es der oberen Mittelschicht bei den Grünen und der FDP, teils auch bei der SPD so besonders gefällt, liegt das mE daran, dass dort Politik nach den Interessen der (mittleren) Oberchicht gemacht wird. Das müssen nicht nur ökonomsiche Inteerssen sein, auch (- nach deren Selbstbild) "moralische".

In der Umfrage gab es bei für CDU ebenfalls eine klare Mehrheit bei denen, die sich zur "oberen Mittelschicht" zählen, bei der SPD gab es dagegen eine Mehrheit bei den sich zur "Arbeiterschicht" zählenden Wähler. Die jetzige Bundesregierung bildet also nicht die Vorstellungen oberen Mittelschicht ab, das wäre eine Koaltition CDU/Grünen/FDP.

Maiordomus

15. Februar 2022 17:08

Über den nachträglich gesehenen "Lanz"-Auftritt des einstigen Hoffnungsträgers Meuthen war ich perplex. Als sässe er vor Nürnberger Armeerichtern, betonte er, in Schnellroda nur aus Routine und eigentlich widerwillig gesprochen zu haben. Dies gegenüber Lanz, der sich einerseits über einzelne demagogische Formulierungen bei Kyffhäuserveranstaltungen ausliess (habe als Hörer von Strauss vor 45 Jahren  zwar fast Ähnliches gehört), der aber andererseits sein Monopol ausspielte, ebenso die Staatsfunk-Anklage-Beauftragte Lindner, Politiker in "appetitliche" und "unappetitliche" zu scheiden,. Wofür die "Unappetitlichen", das "Pack" noch extra zahlen darf. Wie Meuthen sich in dieser Sendung äusserte, lässt mich vermuten, dass er das gedruckte Heft Sezession weder abonniert noch je studiert hat. War er an intellektueller Auseinandersetzung mit argumentierenden Richtungen innerhalb der deutschen Rechten (seit "Criticon") überhaupt je interessiert? Wenn nein, war er für ernsthaften Dialog mit der Rechten ungenügend qualifiziert. Im TV-Gespräch zeigte er sich unter dem Niveau von G.K., EK, auch Lehnert. Angepasst an Gesprächspartner, für welche der Gegner, weil "unappetitlich", als geistig-moralischer Paria aus dem Diskurs ausgeschlossen wird. Die unwidersprochene These der Kontaktschuld gegenüber den "Unappetitlichen" ist m.E. unverdünntes-Streicher-Niveau. 

Maiordomus

15. Februar 2022 17:44

Frage an die Redaktion: Hat sich Meuthen je sagen wir mal mit wenigstens einem Jahrgang der gedruckten Heftes "Sezession", auch mit den dort publizierten Buchbesprechungen, ebenso der Auseinandersetzungen mit dem Konservativismus, auch bürgerlichen und christlich orientierten Denkern, als z.B. Abonnent oder je mit einem brauchbaren Echo auseinandergesetzt? Hatte er ev. auch argumentative Kritik angebracht? Was immerhin Ausdruck echten Ernstnehmens gewesen wäre?

Kositza: Nein. Andere Partei-"Granden" (und ich meine jetzt nicht Höcke) haben das durchaus.

Gracchus

16. Februar 2022 00:52

Schöne Nachrufe auf Maschke; man bedauert, ihn nicht kennengelernt zu haben, mir wäre es wahrscheinlich wie Mosebachs dänischem Schwager ergangen. Wer schreibt Maschkes Biographie?

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Auch sehr schön: Thor v. Waldstein beschwört  Hölderlin-Deutschland. Denn "dichterisch wohnet der Mensch"! Heidegger nimmt das sehr ernst. 

kikl

16. Februar 2022 08:09

Meuthen ist ein hoch intelligenter Narziss, dem eine entscheidende Begabung fehlt. Er versteht Menschen nicht. Deshalb schafft Meuthen es mit seiner grenzenlosen Arroganz und Eitelkeit alle Menschen - auch prinzipiell Wohlgesonnene - mit der Zeit gegen sich aufzubringen.

Es ist vollkommen absurd zu glauben, Meuthen könne sich in den Augen des Mainstreams reinwaschen, indem er Dreck auf seine ehemaligen Parteigenossen wirft. Aber diesem Irrglauben ist Meuthen verfallen, weil er keine Menschenkenntnis besitzt.

Wer soll Meuthen danach noch irgendein Vertrauen entgegenbringen?  Der Mainstream wird den Dreck wohlwollend ausbreiten und Meuthen dafür umso mehr verachten.

Zuletzt steht Meuthen ganz alleine da.

"Cleavages" (bzw. Dekolletés ;-)) und Begriffe wie "somewhere - anywhere" sind Schlagworte, die das Denken der Menschen anhand ihres sozio-ökonomischen Seins zu erklären versucht. Die Corona-Krise hat uns aber gelehrt, dass das Bewusstsein (bzw. der Irrglaube an die neue Pest) viel stärker das Sein der Menschen bestimmt als umgekehrt.

Gerwald

16. Februar 2022 12:01

Als regelmäßiger Mitleser haben sich bei mir eben genau solche Fragen angesammelt.
Wie kann die Neue Rechte dem Verdacht entgehen, im 21. Jahrhundert bloß sentimentalistisch zu sein, bloß rückwärts gewandt oder gar eine Designer-Rechte. So ähnlich wie ein Neojugendstil, dass die stählernen Brückenpfeiler der Moderne  mit schmiedeeisernen Blütenzierrat versieht?  Was ist ein rechter Programmierer? Was ist rechte Nanotechnologie? Kann die Rechte überhaupt technologischen Fortschritt wollen? Ist Atomkraft rechts? Oder eine rechte Naturforschung und Kosmologie? Gibt es den rechten Manager? Ist der Beruf des Händlers, Käufers und Einkäufers nicht zwangsweise ein globalistischer? Alles unruhige Fragen. Wie also kann die neue Rechte sich so artikulieren, dass sie mehr ist als sentimentalistisches Irritiertsein über die Beschleunigungen der Moderne? Gibt es überhaupt die Möglichkeit einer rechten Moderne? Und wenn nicht, sollte sie sich dann nicht deutlich bekennen und sagen: Wir stehen für die Einfrierung jeder weiteren technologischen Entwicklung, weil unser Hauptproblem und Hauptanliegen bestimmt ist von den Folgen der Technologie der letzten zweihundert Jahre.??

Mitleser2

16. Februar 2022 17:14

@Gerwald: "Gibt es überhaupt die Möglichkeit einer rechten Moderne? Und wenn nicht, sollte sie sich dann nicht deutlich bekennen und sagen: Wir stehen für die Einfrierung jeder weiteren technologischen Entwicklung, …"

Die Diskussion hier wird überwiegend aus einer intellektuellen Sicht geführt, meist dominiert von gesellschaftswissenschaftlichen und philosophischen Fragestellungen. Naturwissenschaftliche Sichten kommen eher begrenzt vor. Deswegen gibt es m.E. schon einen Grundtenor, der technischen „Fortschritt“ und teilweise auch „Wohlstand“ (im Sinne von Konsumismus) eher skeptisch sieht. Wenn man allerdings so weit gehen wollte, technologische Entwicklungen einzufrieren, müsste man die Konsequenzen klar benennen. Das wäre zwar kein „zurück in die Höhle“, aber das jetzige Lebensmodell ließe sich wahrscheinlich nicht aufrechterhalten. Ob das der rechten Sache dienen würde?

Gerwald

16. Februar 2022 19:27

Ich stelle mir diese Frage aus einem bestimmten Grund. Eine Rechte, die keine klaren Antworten hat auf die Frage der globalen technologischen Entwicklung, wird immer als Mentalitäts-Rechte oder als Literatur-Rechte oder als Lifestyle-Rechte wahrgenommen werden. Es bleibt bei einem gefühlten Unbehagen. Sie bleibt defensiv gegenüber der Wirklichkeit. Die Linke hat blöderweise der Rechten eine entscheidende Sache vorraus. Der Marxismus war als "Internationale" so erfolgreich, weil er analytisch auf technologische Verschiebungen, auf Maschinen und Produktionsverhältnisse reagiert hat. Erst daraus konnte er seinen (sterilen und falschen) Klassenbegriff ableiten. Der ganze Kommunismusquatsch des Marxismus ist garnicht mal so spektakulär. Aber als "Lehre" war und ist er bis heute so bezirzend, weil er sich Gedanken um verschobene Produktionsverhältnisse gemacht hat, die dem Einsatz von Technologien geschuldet waren. Ich habe den Eindruck, der Rechten fehlt da irgendwie eine überzeugende Artikulation oder ein überzeugender Tiefenbau. So blöd das klingt, aber eine Rechte müsste meiner Meinung nach und kurioser Weise ein vollständiges Zukunftsbild entwerfen können, oder eine Artikulation leisten, die im vorpolitischen Raum Modernefähigkeit unter Beweis stellt. Sie braucht eine Utopie, die nicht utopisch ist.

Maiordomus

17. Februar 2022 10:59

@Gerwald. Die bislang technologiefreundlichste "moderne" Variante der deutschen Rechten, sie konnte 6 Jahre Weltkrieg durchstehen, war wohl der Nationalsozialismus, den man zwar nur aus der Sicht der im Horst-Wessel-Lied zusammen mit  Rotfront genannten "Reaktion" zur Linken rechnen darf, was jedoch missverstandcn werden kann. Reichsgesundheitsführer Leonardo Conti war im Gegensatz zu anderen Richtungen des NS gegen Quacksalberei und Naturheilkinde, hingegen für hochprogressive, allenfalls brutale Krebsforschung; seine Mutter Nanna Conti hatte als Feindbild die bayrischen Hebammen mit ihren "Vorurteilen" betr. Abtreibung und Sexualaufklärung; im Prinzip galten Menschenversuche als progressiv, wenigstens dann, wenn man sie mit leidvermeidenden Massnahmen verbindet. Die bis jetzt progressivste Variante des demokratischen Konservativismus war die CSU unter Franz Josef Strauss. Für mich persönlich waren "fortschrittlich" wie "pünktlich" eher Sekundärtugenden. Es bleibt aber richtig, dass Konservatismus bedeutet, sich um massvollen Fortschritt zu bemühen. Aber eines ist klar: dem Zeitgeist liegt man nicht zu Füssen, selbst wenn er "rechts" ticken würde!

Grobschlosser

17. Februar 2022 11:07

re Gerwald : die technische Moderne ist deutsch . Siehe Horten ,B-2 Bomber , Mondflug , Feinwerktechnik , Maschinenbau , Transrapid , moderne Anlagentechnik , Physik, Chemie , Mathematik usw. Und ja : es gibt ein Zukunftsbild : ein Land ohne Messermänner, ohne Gewalt , ohne überbevölkerte Städte , ohne dysfunktionale Schulen , ohne geschwätzigen Intellektualismus und ohne belehrende Frl. Weissband 

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