Kritik der Woche (17): Brüder und Antipoden

von Josef Schüßlburner -- Die Gleichsetzung von Partikularismus (Erhalt des Nationalstaats) und Nationalsozialismus scheint festgeschrieben zu sein.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Aber: Sie ist falsch, und dar­auf hin­zu­wei­sen und eine ande­re, stim­mi­ge­re Ver­wandt­schaft zu benen­nen, dürf­te das maß­geb­li­che Motiv des vor­lie­gen­den Wer­kes von Lothar Frit­ze sein. Der eme­ri­tier­te Pro­fes­sor und Tota­li­ta­ris­mus­for­scher zeigt anhand des Ver­gleichs von NS und Mar­xis­mus auf, daß auch der Uni­ver­sa­lis­mus und sein indi­vi­dua­lis­ti­scher Aus­gangs­punkt zu ziem­lich ähn­li­chen Erschei­nun­gen geführt haben, wie die, wel­che allein als bewäl­ti­gungs­be­dürf­tig ange­se­hen werden.

Kom­mu­nis­ti­sches und NS-Den­ken ist von einem über­ein­stim­men­den Poli­tik­ver­ständ­nis geprägt. Dabei sind Prin­zi­pi­en und Insti­tu­tio­nen einer guten poli­ti­schen Ord­nung irrele­vant. Es kommt auf sozia­le „Gesetz­mä­ßig­kei­ten“ an, die aus der mensch­li­chen Bedürf­nis­struk­tur abge­lei­tet wer­den und die es poli­tisch durch­zu­set­zen gilt, wobei dies unver­meid­bar gewalt­tä­tig zu gesche­hen hat.

Dies ist die Grund­la­ge der mas­si­ven Polit­kri­mi­na­li­tät bei­der „Zwil­lings­brü­der“, die nicht dar­auf zurück­zu­füh­ren ist, daß etwa der NS eine ande­re Moral befür­wor­tet hät­te. Viel­mehr ist hier­bei die Ebe­ne der Recht­fer­ti­gung maß­ge­bend, die sich dabei auf sehr frag­wür­di­ge Theo­rie­an­sät­ze mit abwe­gi­gen äußerst prä­ven­ti­ven Gefah­ren­ab­wä­gun­gen bezieht, so daß den Tätern zen­tral die Ver­let­zung kogni­ti­ver Pflich­ten zum Vor­wurf zu machen ist: Sie hät­ten die Abwe­gig­keit ihrer Theo­rien und Annah­men erken­nen müssen.

Hin­sicht­lich des Mar­xis­mus legt dies der Ver­fas­ser in einer objek­ti­ven (und eher zu ver­ständ­nis­vol­len) Wei­se dar. Er arbei­tet den uto­pi­schen Grund­cha­rak­ter her­aus, der mit ziem­lich apo­dik­ti­schen Annah­men ope­riert und dabei auf dia­lek­ti­sche Geschichts­ge­set­ze baut, die zwin­gend zum erkann­ten Heils­zu­stand führen.

Dabei besteht die Fas­zi­na­ti­on des kom­mu­nis­ti­schen Den­kens wei­ter­hin, das letzt­lich auf die welt­wei­te Gleich­stel­lung aller Men­schen abzielt und sich kon­kret schon in der Hin­nah­me mas­si­ver ille­ga­ler Mas­sen­ein­wan­de­rung zum Aus­druck bringt. Die Gegen­po­si­ti­on hier­zu wird „nazi­fi­ziert“. Zutref­fend kenn­zeich­net Frit­ze die wei­ter­hin poli­tisch maß­geb­li­chen grund­le­gen­den Gegen­po­le als „uni­ver­sa­lis­tisch“ ver­sus „par­ti­ku­la­ris­tisch“; man gerät jedoch in eine Schief­la­ge, wenn das Ein­tre­ten für den Natio­nal­staat auch noch mit dem VS-Unwort „kol­lek­ti­vis­tisch“ gekenn­zeich­net wird, so als wäre der Befür­wor­ter einer Mehr­zahl von Pri­vat­un­ter­neh­men Kol­lek­ti­vist und der Befür­wor­ter eines ein­heit­li­chen Staats­un­ter­neh­mens Individualist.

Auch die Dar­le­gung der inhalt­li­chen Unter­schie­de von Natio­nal- und Inter­na­tio­nal­so­zia­lis­mus, die wesent­lich im Uni­ver­sa­lis­mus des Mar­xis­mus und im Anti­uni­ver­sa­lis­mus der NS-Ideo­lo­gie besteht, erscheint etwas ver­kürzt. Wäh­rend beim Mar­xis­mus Klas­sen agie­ren, die eine sozia­le Grund­la­ge haben, agie­ren beim NS Ras­sen mit bio­lo­gi­scher Grundlage.

Die Aus­rot­tung von Ras­sen lie­ße sich dann theo­re­tisch schlüs­sig begrün­den, die von Klas­sen jedoch nicht, so daß zwar der NS in Über­ein­stim­mung mit sei­ner Ideo­lo­gie agiert hät­te, der Kom­mu­nis­mus mit dem Ter­ror eines Sta­lin aber nicht in Über­ein­stim­mung mit der Theo­rie von Marx. Hier­bei ver­kennt der Ver­fas­ser die Trans­for­mier­bar­keit der ver­gli­che­nen Ideo­lo­gien und die Tat­sa­che, daß der „Faschis­mus“ eine Ant­wort auf die Unzu­läng­lich­kei­ten der mar­xis­ti­schen Leh­re darstellte.

Der Revi­sio­nis­mustreit hat­te eben nicht nur zur Auf­spal­tung von SPD und KPD geführt, son­dern auch zu Leh­ren von Josef Rei­mer („pan­ger­ma­ni­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie“), der annahm, so etwas Anspruch­vol­les wie Sozia­lis­mus kön­ne nur von der ger­ma­ni­schen Ras­se ver­wirk­licht wer­den. Pro­blem war etwa, bio­lo­gi­sche und gesell­schaft­li­che Evo­lu­ti­on in eine ein­heit­li­che Theo­rie zu fas­sen. Die Klas­sen­kampf­theo­rie von Marx läßt sich auf eine Ras­sen­kampf­theo­rie zurück­füh­ren und Engels kennt „reak­tio­nä­re Völ­ker“, „Völ­ker­ab­fäl­le“, die im Zuge der Welt­re­vo­lu­ti­on fort­schritts­ge­mäß untergehen.

Die Gesamt­be­wäl­ti­gung der Sozia­lis­men ist zu begrü­ßen – die Begrün­dung des poli­ti­schen Par­ti­ku­la­ris­mus ist davon unabhängig.

– – –

Lothar Frit­ze: Kom­mu­nis­mus und Natio­nal­so­zia­lis­mus. Anti­po­den und Zwil­lings­brü­der, Neu­rup­pin 2022, 366 Sei­ten, 22 € – hier bestellen

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Kommentare (27)

quarz

23. Februar 2022 09:16

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, scheint mir die Gegenüberstellung von Universalismus und Partikularismus eine falsche Dichotomie zu sein. Nicht der Universalimus führt zu einer fatalen Erosion spezifischer Kulturen und deren Auflösung in einem weltweiten Konfetti-Einheitsbrei, sondern der Irrglaube, dass die weltweite Umsetzung universal gültiger Normen in unserer Verantwortung liegt.

Wir sind nicht für alle Menschen im gleichen Maß verantwortlich. Für unsere Kinder mehr als für die Kinder unseres Nachbarn. Für unsere Verwandten und Freunde mehr als für Fremde, für Angehörige unserer Kultur (mit denen wir - auch wenn wir sie nicht persönlich kennen - ein gemeinsames soziales Daseinsprojekt betreiben) mehr als für Angehörige anderer Kulturen.

In Bezug auf diejenigen, für die wir Veranwortung tragen, sind wir in der Pflicht, aber daraus folgt nicht, dass wir spezifischen, eigenen Normen zu folgen haben. Die Norm des Kehrens kann universal sein, auch wenn jeder vor seiner Tür zu kehren hat.

Laurenz

23. Februar 2022 09:24

(2)

Im direkten Vergleich des Marxismus & des Nationalsozialismus unterscheiden sich beide im Eigentumsrecht. Der Marxismus verweigert das Recht auf Privateigentum, der Nationalsozialismus gewährt es, aufgrund seines Erkennens des menschlichen Erwerbtriebs. Das Eigentumsrecht ist auch der wesentliche Faktor für die chinesische Mutation vom (National-) Marxismus in den Nationalsozialismus durch Deng Xiaoping. 

Was unsere historischen Nationalsozialisten angeht, so lernten sie das Morden explizit durch das Studium von Karl Marx, dem (theoretischen) Vater des Völkermords, wobei das (Völker-) Morden im damaligen Zeitgeist in allen politischen Systemen allgemein üblicher war, (auch wenn das der nachfolgende Jutjub-Beitrag verneint. Das ist aber historisch belegbar. wenn auch nicht politologisch nachweisbar).

https://youtu.be/PtgADzsgLqs (00:02:36)

Volksdeutscher

23. Februar 2022 09:36

Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich nur darauf Bezug nehmen, was im Beitrag angesprochen wird, bzw. was im Beitrag - und womöglich auch in dem Buch - nicht zum Ausdruck kommt und das ist der folgende Aspekt: Der linke Sozialismus hat eine lange Ideengeschichte, die man zu seiner Bewertung heranziehen kann, d.h. nicht nur die eigentliche Geschichte um seine Entstehung, sondern auch seine Vorgeschichte mit all den politischen, ökonomischen und philosophischen Vorläufern, deren er sich bedient hatte. Zwar hat auch der Nationalsozialismus eine Ideengeschichte, auch er hatte theoretische Vorläufer, auf die er sich stützte, seine Geschichte ist jedoch im Vergleich mit der des linken Sozialismus ziemlich kurz. Hinzukommt noch, daß nach dem Ableben des rechten Sozialismus mit dem Jahr 1945 die Geschichte des linken Sozialismus z.B. in einigen asiatischen Ländern weiterging. Ein anderer Aspekt wäre die Tatsache, daß beide Ideologien sich niemals konsolidieren und ihre Prämissen einlösen können. Wir wissen also nicht, wie ihre Geschichte weitergegangen wäre und sich gestaltet hätte, wären sie am Leben geblieben. So kann man sie nur nach ihrer Anfangsphase beurteilen, in der sie noch in Gärung waren. Daraus kann man meines Erachtens keine weitläufigen Schlüsse ziehen oder Erkenntnisse gewinnen. Den Buddhismus beurteilt man auch nicht nach seiner blutigen Anfangsphase alleine. Und diejenigen, die ihn anbeten, interessiert das auch nicht.

Niekisch

23. Februar 2022 10:29

Um nicht in falsche Parallelen und/oder unzutreffende Antagonismen bezüglich Marxismus und Nationalsozialismus zu geraten, empfiehlt es sich möglicherweise, Rainer Zitelmanns Kernthese zu nutzen: "Hitler selbst verstand sich im übrigen nie als rechter Politiker - natürlich auch nicht als linker -, sondern als Revolutionär, der in einer Situation, in welcher keine der großen gesellschaftlichen Klassen und politischen Strömungen sich durchsetzen konnte, im Nationalsozialismus eine "dritte Plattform", eine Synthes von Nationalismus und Sozialismus schuf" ( R: Z. Hitler, Selbstverständnis eines Revolutionärs, Klett-Cotta, 3. Auflage 1990, S. 498 )

Auch empfiehlt es sich, ganz dezidiert an einzelnen Momenten zu prüfen, ob der Nationalsozialismus/Hitlerismus auch nur ein einziges durchgängig, tiefgreifend und in der Realität verfochtenes "universaltistisches" tragendes Element besaß. Ich fand bis heute kein einziges.

kikl

23. Februar 2022 11:01

"Die Gleichsetzung von Partikularismus (Erhalt des Nationalstaats) und Nationalsozialismus scheint festgeschrieben zu sein. Aber: Sie ist falsch..."

Diese Erkenntnis ist derart trivial; es ist erstaunlich, dass man das überhaupt diskutieren muss. Nur die ubiquitäre staatliche Propaganda erfordert es, das Selbstverständliche immer wieder auszusprechen.

Allnichts

23. Februar 2022 11:05

Derzeit scheint ein starkes Bedürfnis danach zu bestehen, sich gegenüber bestimmten Weltanschauungen abzugrenzen - Distanzierung ist es ja nicht, wie ich erst kürzlich erfahren habe. Glücklich, wer stets jemanden zur Seite hat, an den der Schwarze Peter weitergereicht werden kann.

Bei allen gezeigten Fehlern und offenbarten Schwächen war es eben jener allseits und auch hier grösstenteils abgelehnte, "unvermeidbar gewalttätige" und "massiv politkriminelle" "Täter", der die in der damaligen Gegenwart herrschenden, unhaltbaren und auch von heutiger neurechter Seite samt historischen Vorbildern deutlich kritisierten Zustände ins Positive verändern und für die Zukunft solche ebenfalls von neurechter Seite abgelehnten Gesellschaftsformen nachhaltig verhindern wollte, wie sie heute in eigentlich der gesamten westlichen Welt und teilweise auch darüber hinaus als dominant zu beobachten sind. Dafür verdient er eine andere Behandlung als die andauernde Gleichsetzung mit denjenigen, die genau solche Zustände beabsichtigt, geschaffen, erhalten oder wieder eingeführt haben und dies sehr erfolgreich und verstärkt auch weiterhin tun und so handhaben.

Laurenz

23. Februar 2022 11:20

@Niekisch

"Auch empfiehlt es sich, ganz dezidiert an einzelnen Momenten zu prüfen, ob der Nationalsozialismus/Hitlerismus auch nur ein einziges durchgängig, tiefgreifend und in der Realität verfochtenes "universaltistisches" tragendes Element besaß. Ich fand bis heute kein einziges."

Falls ich Sie richtig verstanden habe, was ich nicht weiß, so verweise ich Sie auf die Zentralbank-Politik der Nationalsozialisten, die bis zur Euro-Einführung Bestand hatte. Auch die Russen agieren heute so, in gewisser Weise die Chinesen auch, die Schweizer soweit sie können. Da die Zentralbank-Politik die mächtigste Politik, neben der militärischen Option darstellt, verblaßt auch alles andere daneben. Dieser Realismus wird bei den Philosophen gerne vergessen.

Zur Erinnerung hier: https://www.dailymotion.com/video/xvq92f

RMH

23. Februar 2022 11:42

" ... Hitlerismus auch nur ein einziges durchgängig, tiefgreifend und in der Realität verfochtenes "universaltistisches" tragendes Element besaß. Ich fand bis heute kein einziges."

Da gibt m.M.n. es doch einige. Der Glaube an Rassen, die es weltweit gibt und vor allem sah Hitler im Kampf um Lebensraum der Völker eine universales, weltweit geltendes Prinzip des Menschen. Das Leben ist Kampf, erscheint doch als das prägende, universelle Prinzip im Hitlerismus.

Sowohl Hitlers "Mein Kampf" als auch sein sog. "zweites Buch" (hier geht es um Imperien, Lebensraum etc.) sind doch eigentlich voll von Thesen, die vielfach geschichtlich, manchmal auch biologisch begründet werden und die selbstredend "universal" sich auf der ganze Welt beziehen.

Lausitzer

23. Februar 2022 14:12

@Allnichts

"Bei allen gezeigten Fehlern und offenbarten Schwächen war es eben jener allseits und auch hier grösstenteils abgelehnte, "unvermeidbar gewalttätige" und "massiv politkriminelle" "Täter", der die in der damaligen Gegenwart herrschenden, unhaltbaren und auch von heutiger neurechter Seite samt historischen Vorbildern deutlich kritisierten Zustände ins Positive verändern und für die Zukunft solche ebenfalls von neurechter Seite abgelehnten Gesellschaftsformen nachhaltig verhindern wollte, wie sie heute in eigentlich der gesamten westlichen Welt und teilweise auch darüber hinaus als dominant zu beobachten sind."

Ich hab Vermutungen, was dieses Satzungetüm sagen möchte, mehr aber auch nicht.

 

Gustav

23. Februar 2022 14:39

Sobald man den Begriff des Totalitarismus für wichtiger hält als den Namen Nationalsozialismus bzw. den Begriff Faschismus, muß man von den Vernichtungsaktionen und Todeslagern beider Regime sprechen und den Gulag neben Auschwitz stellen, wenn auch nicht ohne Unterscheidungen. Für eine Autorin wie Hannah Arendt war das ganz selbstverständlich. Aber eben dies gilt den »Antifaschisten« heute vielfach als »Verharmlosung« des Nationalsozialismus, und man zeigt sich durch die Tatsache wenig bewegt, daß man das meist überaus qualvolle Sterben von Menschen (40 bis 100 Millionen in der Zeit von 1917 bis 1989; vgl. Ernst Nolte, Streitpunkte, 1993, S. 345, 353f., 358. 363ff.; ) in der Stalinschen Sowjetunion für »harmlos« erklären muß.

Gustav

23. Februar 2022 14:57

Der ungeheure, zumal für linke Zeitgenossen niederschmetternde Eindruck, den der Nationalsozialismus machte, beruhte nicht zuletzt darauf, daß er die am meisten links stehende der rechten Parteien war, die revolutionärste Gestalt der Gegenrevolution, welche es bis dahin gegeben hatte: schroff national und doch als Rassenlehre tendenziell international, »Führerstaat« und »Volksgemeinschaft« in einem, von einem »Antisemitismus« geprägt, der fast ebenso viele linke wie rechte Züge aufwies.

Sein Hauptfeind wiederum, der in Rußland siegreiche Kommunismus, war offenbar die am meisten rechte der linken Parteien: internationalistisch, aber in schroff abgeschlossener Staatlichkeit  »demokratisch«, aber schon seit Lenin dem nahezu allmächtigen Parteiführer untergeordnet ; marxistisch und antimarxistisch zugleich.

Der ideologische, nationenübergreifende Bürgerkrieg zwischen der in Deutschland zur Alleinherrschaft gelangten Rechten, die in den Augen des Fürsten Metternich eine Linkspartei gewesen wäre, und der in Rußland auf totalitäte Weise herrschenden Linken, die nach dem Urteil Bakunins eine Rechtspartei gewesen wäre, war das wichtigste Kennzeichen der Epoche.

Daß man heute zum »Kampf gegen rechts« aufruft und sich nicht mit der Forderung begnügt, die Schutzpflicht des Staates gegenüber allen Einwohnern und Besuchern mit größerer Energie wahrzunehmen, ist in hohem Grade verdächtig. (Ernst Nolte)

Niekisch

23. Februar 2022 15:01

@ Laurenz 11:20: Der Begriff "Universalismus" wird in Herrn Schüßlburners Beitrag sicher weitgehender verstanden als die übliche Definition, die "Universalismus" als Denkart bezeichnet, welche den Vorrang des Allgemeinen, des Ganzen gegenüber dem Besonderen und Einzelnen betont. Ausgangspunkt sei der Individualismus, dann aber mit einem Wertesystem, dem notfalls gewaltsam weltumspannende Geltung verschafft werden soll, z.B. demokratische Menschenrechtspolitik versus Autokratie. 

Diesen Universalismus finde ich im Nationalsozialismus nicht, insbesondere nicht im Gesetz über die Errichtung der DeutschenReichsbank v. 15.6.1939, das schon deswegen keine Fortsetzung im Späteren finden konnte, weil der Reichskanzler dem Reich Kredite gewähren konnte, die dann insbesondere in den letzten Jahren vor 1945 im wesentlichen der Absicherung von Tauschgeschäften mit den Balkanstaaten und den Verbündeten dienten. Geldwertstabilität wurde im wesentlichen durch einzelgesetzliche  Maßnahmen, nicht wie bei der Bundesbank durch Zentralbankmaßnahmen zu erreichen versucht. Ihr Beispiel hinkt ganz erheblich.

Imagine

23. Februar 2022 15:03

Es gab Rechtsfaschismus (Hitlerismus) und Linksfaschismus (Stalinismus). Und es gibt sie heute noch. Das US-Empire ist mitten im Prozess eines Rechtsfaschismus.

Moderne Industriegesellschaften weisen strukturelle Gemeinsamkeiten auf. Nämlich eine extrem hocharbeitsteilige Wirtschaft, wobei den Massen die Funktion von „Rädchen“ zukommt, nämlich der Verrichtung von „Teilarbeiten“, häufig immergleiche und geistlose Tätigkeiten.

Diese global vernetzte ökonomische „Megamaschine„ (Fabian Scheidler) wird ökonomisch, politisch und kulturell gesteuert durch eine Managerklasse, die in sich hierarchisch strukturiert ist, oben sind die „Top-Manager„, die sich dann beim WEF, den „Bilderbergern“ etc. treffen und die zudem geheim kommunizieren.

Die Massen werden im Zustand von Unbildung sowie partieller, marktkonformer Intelligenz („Fachidiotie“) gehalten. Sie sind politisch impotent und ohne Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft.

Die Massen himmeln die Eliten an, während die Eliten ihre anti-soziale Verachtung für die Massen heute offen zeigen. Ohne Rücksicht auf die Ökologie machen sie Tagesausflüge in den Weltraum. lassen sich gigantische Luxusyachten bauen, während Armut und Prekarisierung anwachsen.

Zur Unterscheidung:
Der Rechtsfaschismus dient dem Machtzuwachs und der Vermögensvermehrung der herrschenden Klasse, während linkssozialistische Diktaturen gemeinwohlorientiert sind.

Niekisch

23. Februar 2022 15:19

"Da gibt m.M.n. es doch einige"

@ RMH 11:42: Man glaubte damals nicht an Rassen, sondern ging von wissenschaftlichem Nachweis für solche aus, wobei insbesondere Hitler schon das deutsche Volk als rassisch disparat ansah. 

Da zugleich der Nationalsozialismus "kein Exportartikel" sein sollte, blieb es anderen Völkern selbst überlassen, wann und wie sie sich "rassisch veredeln" wollten und ihren Lebensraum behaupten oder erweitern wollten. Das "Leben als Kampf" war unter dem Nationalsozialismus mit dem Soldatischen verbunden. Das schloß aber nicht aus, daß im Einklang mit dem darwinistischen Gedanken der Überlebenskampf anderer Völker durch in der Natur ebenfalls vorhandenen Kampf durch Ausweichen, Stillhalten oder hybride Verhaltensweisen gesichert  werden konnte. Auch ein "Salzmarsch" kann Überlebensmittel sein. "Nonviolation" ist manchmal sogar viel effektiver. 

Selbst das nationalsozialistische Fernziel eines "Bündnisses sozialistischer Nationen" entbehrt des "Universalismus", da ja ein "Individualismus" dieser Großgruppen erhalten bleiben sollte. 

Nennen Sie uns aus Buch I. und II. andere konkrete Beispiele für NS-Universalismus?

heinrichbrueck

23. Februar 2022 16:24

Marxismus (schnell) = Kapitalismus (langsam). 
Entweder ist es ein Konflikt Gut-gegen-Böse (in dem Fall wäre Putin der Gute, denn der Westen ist es definitiv nicht), oder ein Konflikt Böse-gegen-Böse (das gibt es häufiger als man denkt) oder überhaupt kein Konflikt zwischen Ländern/Machtblöcken, sondern ein böses Spiel internationale Eliten gegen Völker.
Gewaltmonopol. Die Wahl zwischen Politbüro und Blackrock, Nationalsozialismus als Ergebnis. Krieg und Dezimierung. 
Jeder Russe könnte zwei Häuser haben, so reich ist Rußland. Haben sie aber nicht. 
Rassen sind Realitäten. Das Universum in einer Million Jahren, eine Minute Nachdenkzeit. Rassenharmonie. Weltknuddeltag ohne Haß. Keine ungeliebte Überlegenheit. 
Gewaltmonopol und Überlegenheit. Ordnungen und Territorium (Herrschaftsbereiche). Das Dilemma besteht darin, nicht aus der eigenen Haut zu können. Demographie führt zu Krieg. Verlierer- oder Gewinnerseite (Moral). Gute Ordnung: Gewinnerseite (moralisch anständig), die eigene Sittlichkeit anspruchsvoll umgesetzt, ohne Einwand. Die Rechtfertigung muß stimmen, und nicht in die Zukunft verschoben werden. Oder '1984' nachspielen (Trotzkismus). 

RMH

23. Februar 2022 22:16

@niekisch,

da haben wir wohl ein unterschiedliches Verständnis vom "Universellen" bei politischen Anschauungen. Ich sehe den (nicht nur) von A.H. postulierten Kampf um das tägliche Brot, welcher (jetzt wiederum recht spezifisch von A.H.) zum Kampf der Völker um Lebensraum hochpostuliert wird, ein behauptetes allgemeines und damit universelles Lebensprinzip, welchem sich jedes Volk, damit auch das Deutsche, unterordnen bzw. diesem genügen musste. Als allgemeines Prinzip ist auch - das hat A.H. evtl. von Chamberlain - verstehbar, dass unter den Rassen die arischen Völker diejenigen sind, die om Kampf um Lebensraum Imperien bilden. Ich kann so eine komplette Weltanschauung, wie sie gerade von A.H. ausgebreitet wird, nicht partikulär interpretieren, da sie als Weltanschauung für sich Weltgeltung beansprucht. Aber man kommt beim politischen Universalismus / Partikularismus schnell zur Frage, Henne oder Ei, was ist eher da.

PS: @Laurenz, das Universalbankensystem ist spezifisch deutsch, das KWG mit Bankenaufsicht wurde unter den Nazis eingeführt. Im Gegensatz zum Trennbankensystem, welches angelsächsischer Prägung ist. Aber wem sage ich das - Sie sind ja der Banker hier.

ede

24. Februar 2022 00:26

@imagine

"Der Rechtsfaschismus dient dem Machtzuwachs und der Vermögensvermehrung der herrschenden Klasse, während linkssozialistische Diktaturen gemeinwohlorientiert sind."

Das ist jetzt aber der Witz des Tages. Oder war das Satire? Beide gleichen sich - auf Dauer - wie ein Ei dem anderen.

Systeme bedürfen um bestehen zu können immer kollektivistischer Elemente - aber eben auch ausreichend elitärer. Sonst kommt es zwangsläufig zu negativer Auslese. Der Feingeist mag keine Parteiversammlungen.

 

Laurenz

24. Februar 2022 07:12

@Niekisch @L.

Ihr Juristen-Dasein spielt Ihnen wieder Streiche. Sie beackern Nebenkriegsschauplätze. Es ist völlig wumpe, ob der Reichskanzler irgendwem Kredite gewähren kann oder nicht (Selbst Sie oder ich können dem Bund Kredit gewähren). Es geht bei der Rede, die ich Ihnen verlinkt hatte, rein um die Berechnung des BSPs, oder englisch GDPs & um das begrenzte Drucken von Geld im Rahmen der Steigerung des BSPs. Das widerspricht diametral dem Keyneseanismus & war, wegen seines Erfolgs, mit ein Kriegsgrund, was in der Rede (02/38) deutlich wird. Hitler lehnt die Auslandsverschuldung ab, die seit dem Young-Plan, 1927, die Schuldner-Staaten in us amerikanische Abhängigkeit oder am Schwarzen Freitag, 1929, in die tiefste Krise brachten. Das Bundesbankgesetz ist von vorne bis hinten nationalsozialistisch. Ludwig Erhard war ökonomischer Nationalsozialist. Und was ich Ihnen jetzt vorwerfen muß, hätte ich gerne vermieden, ist, daß Sie nicht in der Lage sind, die Dimensionen von Notenbank-Politik auch nur annähernd zu verstehen. Vor dem Euro galt für jeden Anleihe-Händler auf dem Planeten das ungeschriebene Gesetz: "Never fight the Bundesbank".

Imagine

24. Februar 2022 08:24

1/2
@ede  24. Februar 2022 00:26
„Beide gleichen sich - auf Dauer - wie ein Ei dem anderen.“

Es gibt strukturelle Gemeinsamkeiten, aber eben auch grundlegende Unterschiede in Inhalten und Zielen.

In beiden spielt der Staatsapparat die zentrale Rolle, es sind Funktionärsdiktaturen. Wobei entscheidend ist, dass sie das Machtmonopol im Staat innehaben.

Das trifft für den Hitlerismus erst ab dem Zeitpunkt zu, als der SS-Staat entwickelt war und dieser auch die Wehrmacht beherrschte, die zuvor ein Machtapparat insbesondere des Adels gewesen war.

Inzwischen waren die Hitleristen allerdings in ein Kriegsgeschehen verstrickt. Und diesen Krieg konnten sie nicht gewinnen. Das Kriegsende bedeutete totale Niederlage mit bedingungsloser Kapitulation und das definitive Ende des Nationalsozialismus. Deutschland wurde in Besatzungszonen der Siegermächte aufgeteilt und deren totalitärer Herrschaft unterworfen.

Imagine

24. Februar 2022 08:25

2/2
Das definitive Ende des Sowjetkommunismus war 1989/91. Der Stalinismus konnte den Westen hinsichtlich wissenschaftlich-technischer Entwicklung sowie allgemeinem Wohlstand nie einholen, geschweige denn überholen. Die Gründe für das historische Scheitern liegen in der Funktionsweise der stalinistischen Funktionärsdiktatur, die einen neuen Typ von Klassengesellschaft hervorbrachte.

Das Resultat des Hitlerismus kennen wir. Der Hitlersche Typ von Nationalsozialismus war – so die These – aufgrund der Widersprüchlichkeiten in der Grundstruktur seines Systems von Anfang an zum Scheitern verurteilt, was dessen Fans aber bis heute nicht begreifen.

Gustav

24. Februar 2022 08:43

@ Imagine

!....während linkssozialistische Diktaturen gemeinwohlorientiert sind."

Hö, hö! Wofür es ja auch unzählige Beispiele in der Geschichte gibt...

Können sie mir auch nur eine nennen? Aber bitte keine theoretische....

Laurenz

24. Februar 2022 08:49

@Ede @Imagine

"Der Rechtsfaschismus dient dem Machtzuwachs und der Vermögensvermehrung der herrschenden Klasse, während linkssozialistische Diktaturen gemeinwohlorientiert sind."

Sie, Ede, haben zwar Recht, aber trotzdem muß man hier korrigieren. Der frappanteste Unterschied ist, daß im Rechtsfaschismus nur Regime-Gegnern das Eigentum abgenommen wird. In linkssozialistischen Diktaturen nimmt man allen alles ab. Dieser Unterschied ist gewaltig. Alle verkommen hier zum Prekariat, bis auf die Parteispitze.

 

Niekisch

24. Februar 2022 10:53

"Ich kann so eine komplette Weltanschauung, wie sie gerade von A.H. ausgebreitet wird, nicht partikulär interpretieren, da sie als Weltanschauung für sich Weltgeltung beansprucht. Aber man kommt beim politischen Universalismus / Partikularismus schnell zur Frage, Henne oder Ei, was ist eher da".

@ RMH 23.2. 22:16: Einserseits widerspreche ich, weil Hitler immer wieder betont hat, der Nationalsozialismus sei spezifisch deutsch und kein Exportartikel. Andererseits war es gerne gesehen, wenn andere Bewegungungen oder ganze Staaten auf deren Gegebenheiten angepaßt das nationalsozialistische Modell eigenständig übernehmen und es dann irgendwann zu einer Internationale solcher Staaten kommen werde.

Der Wahrheit zuliebe muß aber auch gesagt werden, daß der Krieg zur Perversion des Gewollten führte, so daß Hitler sich in den Tischgesprächen äußerte, er sei zum Imperialisten geworden. 

Niekisch

24. Februar 2022 11:08

"Es ist völlig wumpe, ob der Reichskanzler irgendwem Kredite gewähren kann oder nicht (Selbst Sie oder ich können dem Bund Kredit gewähren)"

@ Laurenz 24.2. 7:12: Angesichts dieser Fachlichkeit wage ich kein Gegenargument außer dem Hinweis, daß Hjalmar Schacht gerade die künstliche Geldschöpfung mit der Folge steigender Inflation massiv kritisiert hatte und deshalb durch Hitler abberufen wurde. Ab 1939 gabe es keine irgendeinem späteren System vergleichbare deutsche Notenbank mit normalgesetzlicher Grundlage noch einen Geldkreislauf auf dieser Grundlage noch eine nach 1945 übliche Wertschöpfung mit der Folge des Zustandekommens eines meßbaren Bruttosozialprodukts. Es gab eine reine Kriegswirtschaft mit Tatsachenvertuschung.

Das aber nur nebenbei, Sie wissen es besser.

links ist wo der daumen rechts ist

24. Februar 2022 11:12

Twin Towers

 

Phänotypisch sind NS und Stalinismus totalitäre Zwillingsbrüder, genotypisch ist es eine Zangengeburt: der NS ist halt so rechts wie er auch links war. Man Vergleiche etwa die Wende zum Großkapital 1924, als Strasser und Goebbels noch den starken linken Flügel repräsentierten, einerseits, andererseits den nie versiegenden antibürgerlichen Effekt usw.

Was die Todfeindschaft dieser ungleichen Brüder betrifft, gibt es dazu genau eine Urszene (deshalb sind auch die Genealogien via Franz. Revolution irreführend; die „reaktionären“ Haltungen während des ganzen 19. Jahrhunderts wußten sich sehr wohl von Generation zu Generation zu „liberalisieren“…): die Pariser Commune. Eine relativ moderate „rote“ Diktatur und einen unvergleichlich harten „weißen“ Vergeltungsterror (die Massengräber waren Legende; Sebastian Haffner hat das sehr gut referiert). Und ohne diese Erfahrung hätte es Lenins „Diktatur des Proletariats“ nie gegeben, ohne diese bzw. die Ableger davon (Münchner Rätediktatur in zweiter Auflage) keinen NS usw. Die Spirale der Präventivausrottung war in der Welt.

So entstand für das 20. Jahrhundert die „Totschlägerreihe der Geschichte“.

Und daher, liebe Kinder, ist es gaanz gaanz wichtig, in allen Diskussionen immer wieder zu betonen, daß links nicht Gulag und rechts nicht automatisch KZ bedeutet – und Zwischentöne (auch Heterogenität genannt) zuzulassen.

brueckenbauer

24. Februar 2022 11:23

@Allnichts und Laurenz

Man sollte in der Tat einmal studieren, wieweit das Hitler-Schacht-Wirtschaftswunder und das Adenauer-Erhard-Wirtschaftswunder in ähnlicher Weise erfolgreich waren, weil sie sich ähnlicher Mittel bedienten. Heute sind den Leuten natürlich aus der Hitlerzeit vor allem die Karten und den Bauern die Ablieferungspflichten präsent, aber möglicherweise trifft das ja nicht den Kern der Sache?

Damit vergleichen müsste man dann die Emigranten-Analysen, denen zufolge die Hitler-Schachtsche Wirtschaftspolitik gar nicht funktionieren konnte.

Ist der ganze Komplex einmal erforscht worden?

ede

24. Februar 2022 13:48

@Laurenz

"Der frappanteste Unterschied ist, daß im Rechtsfaschismus nur Regime-Gegnern das Eigentum abgenommen wird."

Da widerspreche ich. Das ist eine optische Täuschung in zweierlei Hinsicht.

Einerseits haben wir die Ausentwicklung des deutschen Nationalsozialismus nach einem deutschen Sieg im 2.WK nicht sehen können. Die kollektivistischen und die Leistung nivellierenden Elemente hätten sich mit Sicherheit verstärkt. Germania wäre gebaut, Adolf vorn und hinten, im Mausoleum und überall, und die Sezession hätte, wenn überhaupt, eine ähnliche Stellung wie heute.

Und andererseits würde ihnen der Staat selbstverständlich nur das als Eigentum belassen, was er für richtig hält. Und was richtig und wer Regimefreund ist, bestimmen nicht Sie, sondern Funktionäre.

China ist an sich ein gutes Beispiel, das auszudiskutieren führt hier wohl zu weit.

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