Anständig wohnen

Das ist ein Plädoyer für ein Wohnen in Freiheit. Und gegen die Selbstkasernierung.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Es ist ein Auf­ruf und kei­ne Beschimp­fung, wenn ich hier über Dop­pel­haus­hälf­ten in stadt­na­hen Neu­bau­ge­bie­ten schrei­be und, zuge­ge­ben, auch spotte.

Empör­te Kom­men­ta­re (womög­lich von Leu­ten, die sich gera­de ein „bezahl­ba­res“ Eigen­heim erwor­ben haben) darf ich vor­weg­neh­men. Ich ken­ne sie bereits: „Nicht jeder hat das Glück, ein Rit­ter­gut…“; „Sie schmä­hen das wohl­ver­dien­te Glück der Klei­nen Leu­te!“; „Vom hohen Roß her­ab läßt sich gut…“ usw. Geschenkt!

Um es offen & ehr­lich und gleich­sam als Trig­ger­war­nung zu sagen: Ja, in die­sem Text wird der Ein­druck ent­ste­hen, ich hiel­te Eigen­tü­mer einer sol­chen Wohn­ein­heit für irgend­wie klein­geis­tig oder zumin­dest in einem Bereich ihrer viel­fäl­ti­gen Per­sön­lich­keit für etwas ein­ge­schränkt. Kom­men Sie! Hier wird aus­ge­teilt, hier wird ein­ge­steckt. So sport­lich soll­ten wir sein! Auch, wenn Rei­hen­haus­be­sit­zer­bas­hing genu­in ein lin­kes Vor­recht ist.

Mei­ne Kol­le­gin Caro­li­ne Som­mer­feld hat mir gera­de über eine Wan­de­rung mit ihrem jüngs­ten Sohn geschrie­ben, die nur halb­schön ver­lief. Sie führ­te näm­lich vor­bei an end­lo­sen kanin­chen­stall­glei­chen Neu­bau­ten. Sie schick­te mir dazu fol­gen­den Link.  Noch deut­lich mehr Auf­ru­fe hat das Lied von Pete See­ger mit die­ser Untermalung.

(Gedich­tet wur­de der Hit übri­gens von Mal­vina Reynolds,1900–1978, die ein Kind von unga­risch-rus­si­schen sozia­lis­ti­schen Juden war – falls das etwas zur Sache tut.) Ach­tung, das hei­te­re Lied­chen ver­läßt dann ungern den Gehörgang.

Es geht in die­sem Folk-Hit um klei­ne (Wohn-)Schachteln „am Hang“, die alle gleich aus­schau­en: Eins ist zwar grün, das ande­re rosa oder blau – aber sie sind alle austauschbar.

Was auch für ihre Bewoh­ner gilt:

Sie besuch­ten alle die Uni­ver­si­tät // wo man sie in Schach­teln pack­te // mit dem glei­chen Resultat.

Ob sie nun zu Ärz­ten wur­den oder zu Anwäl­ten oder Geschäfts­män­nern: Sie leben ein ver­wech­sel­ba­res Ein­heits­le­ben: Golf spie­len, net­te Kin­der zeu­gen, die dann wie­der­um: Geschäf­te machen, aus­schau­en wie alle ande­ren, ein klei­nes grü­nes, blau­es oder gel­bes Haus erwer­ben – „and they all look the same“.

Heu­te sagt man zu sol­chen Leu­ten abfäl­lig „NPC“. Das heißt „Non-play­er-cha­rac­ter“ und meint eine Figur, die in einem Video­spiel (und über­tra­gen: im ech­ten Leben) eigent­lich nichts zu sagen hat; die bloß Staf­fa­ge ist; Otto Nor­mal und Lies­chen Mül­ler. Sie hal­ten durch ihre bie­de­re Brav­heit den Staat und sei­ne Insti­tu­tio­nen irgend­wie auf­recht, aber sie bewir­ken nichts. Sie schwim­men mit dem Schwarm und nie­mals gegen den Strom. Sie gehen mit der Mode, sie sind habi­tu­ell medioker.

Als Kon­ser­va­ti­ver hät­te man zei­ten­lang gegen eine sol­che Lebens­ein­stel­lung nichts ein­zu­wen­den gehabt. Jahr­hun­der­te­lang haben  genau die­se Leu­te, die “Mit­tel­mä­ßi­gen” ohne Ent­fal­tungs­spiel­raum, auch im Schnitt irgend­wie ver­nünf­tig gelebt. Oder gewohnt.

Ja, es gab immer Armut und Pre­ka­ri­at, und vie­le leb­ten mehr schlecht als recht – inso­fern woh­nen wir alle heu­te in pri­vi­le­gier­ten Zeiten.

„Wohnst Du noch oder lebst Du schon?“ ging ein Wer­be­cla­im von IKEA (übri­gens von 2002 – für alle, die ver­ges­sen haben, wie alt sie schon sind), vor dem man sich eigent­lich schüt­teln muß­te. Gera­de IKEA mit die­ser kon­fek­tio­nier­ten One-World-Ware! Gera­de die­ser Duz-Ver­ein mach­te wie­der einen auf Lebens­phi­lo­so­phie! “Fin­de Deins!”

Aber genau die­se Wer­bungs­spur zieht ja, ges­tern wie heu­te. Näm­lich die: „Sei mal ganz indi­vi­dua­lis­tisch. Mach Dein Ding.“ Das Resul­tat die­ser Devi­se ist so viel- wie ein­fäl­tig. In der Sehn­sucht nach einem Eigen­heim samt Gärt­chen drückt es sich beson­ders häu­fig aus.

Jede, wirk­lich jede ein­zel­ne Groß‑, Mit­tel- oder Klein­stadt in Deutsch­land kennt das Ergeb­nis: „Indi­vi­du­el­le“ Häu­ser von der Stan­ge. Kanin­chen­stäl­le eigent­lich. 90- 160 qm Wohn­flä­che. Klei­ner Rasen anbei. Kann man wahl­wei­se mit Thu­ja, Buche oder (süd­lich von Fulda/Bonn/Zwickau) mit Kirsch­lor­beer ein­rah­men. Man kann eine ein­falls­rei­che Müll­ton­nen­um­ran­dung schaf­fen und jah­res­zeit­li­chen Schmuck (am Fens­ter, im Vor­gar­ten) anbrin­gen. Man kann mit klei­nem oder gro­ßem Tram­po­lin zum Aus­druck brin­gen, wie sehr man den Bewe­gungs­drang der 1,4  eige­nen Kin­der wert­schätzt. Man kann statt ubi­qui­tä­rem wei­ßem Plas­tik­stuhl für den Som­mer  hoch­wer­ti­ge­re Tro­pen­holz­tei­le wäh­len, um sich (leicht) zu unterscheiden.

Man muß all dies nicht als Spie­ße­r­at­ti­tü­de beläs­tern. Man darf aber doch stau­nen. Dar­über, wo das Herz schlägt. Wie es aus­schaut, wenn Wün­sche wahr werden.

Ich lie­be es übri­gens, durch Neu­bau­ge­bie­te zu spa­zie­ren. Es ist wie eine Roman­lek­tü­re. Ein melan­cho­li­scher Roman. Ich mag die Leu­te und ihr klei­nes Glück wirk­lich. Gemein­sam mit mei­nen Kin­dern ist es ein belieb­ter Zeit­ver­treib: Noten zu ver­tei­len für Häu­ser. Oft gebe ich eine Vier plus , wo die Jüngs­te zur Zwei ten­diert, weil sie die­ses uner­gründ­ba­re Fai­ble für sau­be­re Rasen­kan­ten hat. Ich habe nichts gegen die Bewoh­ner von Vier-plus-Häu­sern. Ich bil­de mir den­noch ein, daß ich mit sol­chen Gän­gen eine Augen­schu­le für mei­ne Nach­ge­bo­re­nen abhalte.

Ich emp­feh­le gern den Pod­cast „Indu­bio“,  der aus dem libe­ral­kon­ser­va­ti­en Netz­werk der Ach­se der Guten  erblüht. Ich höre fast jede Fol­ge. Anders als wir ist man dort auf Wer­bung und Spon­so­ring ange­wie­sen, was das Lesen (Rekla­me, Rekla­me, Rekla­me!) mehr noch als das Hören erschwert.

Eine aktu­el­le Fol­ge von „Indu­bio“ (es geht hier grosso modo um „unser Milieu“) hat ein Her­stel­ler von Tiny Hou­ses finan­ziert. Man soll­te sich die­se (öko­zer­ti­fi­zier­te) Sei­te unbe­dingt anschau­en. Wie gesagt: Kei­ne Wider­re­de von mir, wo Leu­te – pri­vat oder unter­neh­me­risch- ihr Ding dre­hen. Ich gön­ne es.

Ich über­le­ge mir jedoch: Einen ver­schieb­ba­ren (dürf­ti­gen, gesichts- wie geschichts­lo­sen) Bun­ga­low mit 48 qm Wohn­flä­che im Sau­er­land zu 106. 000 €? Mein Heim, mein Schloß? Auf so eng­ge­ca­sel­tem Raum? Da soll­te es doch Bes­se­res geben!

Ich rate jedem, sich mög­lichst stand­ort­un­ab­hän­gig zu machen. Das ist viel ein­fa­cher, als man denkt. Es braucht – scheint mir – einen gewis­sen Ruck.

Ich möch­te aber­mals dar­an erin­nern, daß wir unser (wun­der­bar erhal­te­nes) Rit­ter­gut anno 2002 für sage und schrei­be 11.500 € erwor­ben haben. Was auch dar­an lag, daß wir enorm ver­kehrs­un­güns­tig lie­gen, daß das Anwe­sen für Pri­vat­per­so­nen eigent­lich über­di­men­sio­niert war, daß nur weni­ge so woh­nen wol­len und daß man einen Reno­vie­rungs­auf­wand sah, wo wir kei­nen sehen.

Sol­che Prei­se gibt es heu­te kaum noch.  Wir muß­ten damals natür­lich hand­werk­lich viel inves­tie­ren. Zu einem Teil (ich kann Lehm­putz, kann mit Trenn­schlei­fern jeg­li­cher Cou­leur umge­hen; Kubit­schek kann boh­ren, Zäu­ne­bau­en und ein­fa­che Dach­ar­bei­ten ver­rich­ten ) haben wir das selbst erle­digt, zum ande­ren Teil gab es gott­lob För­der­töp­fe. Irgend­wann (man muß Geduld haben & spar­sam sein!) ver­füg­ten wir auch über Kne­te, um Leu­te zu beschäftigen.

Ich plä­die­re dafür, daß Alt­bau­sa­nie­run­gen weit mehr sub­ven­tio­niert wer­den als bis­lang. Laßt die Leu­te in guter, alter Sub­stanz leben. Ver­schont uns mit Neu­bau­ten und Augen­krebs! Macht es den Leu­ten leich­ter, in geschichts­träch­ti­ge Gemäu­er zu inves­tie­ren! Nicht nur in Mit­tel­deutsch­land gibt es Tau­sen­de davon! Laßt sie blü­hen, bitte!

Das Geld ist ja da (ich sage nur: 100 Mil­li­ar­den…); man muß es nur gescheit ver­tei­len. Grü­ne Regie­rung: hallo?

Lei­der ist das gute alte Lied des Lied­dich­ters Burk­hard Ihme – „Bes­ser, schnel­ler, bil­li­ger“ – online nicht kos­ten­frei abruf­bar. Es geht dar­in um einen Mör­der, der ent­deckt hat, was die per­fek­te Art des Um-die-Ecke-Brin­gens ist: Näm­lich der moder­ne Woh­nungs­bau, die „Klöt­ze aus Beton“. Der Rest erle­di­ge sich (sui­zi­dal) von selbst.

Wil­ly Lomann (Tod eines Hand­lungs­rei­sen­den) und die neu­ro­ti­sche Haus­frau las­sen grü­ßen.  Es gibt sie auch heu­te, die ver­zwei­fel­ten Exis­ten­zen, in ihren abge­zir­kel­ten Wohn­ein­hei­ten. Der über­an­streng­te Neu­bau­woh­nungs­va­ter und die adäqua­te- mut­ter sind kei­ne Roman­erfin­dun­gen. Hört auf, Eure Thu­jas zu gie­ßen. Kein Vogel will dar­in nis­ten, kei­ne Spin­ne ihr Netz weben.

Es gibt tau­send Grün­de, nicht in „litt­le boxes“ zu enden. Die Ange­bo­te “im Osten” sind ff. Hier sind ein paar, hier noch einer  oder hier.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (78)

Karl Otto

6. März 2022 10:15

Tja wenn das alles so einfach wäre. Wer in einer Großstad arbeitet ist auf eine Wohnung oder ein Haus am Stadtrand angewiesen. Altbauten sind schön, aber es gibt davon leider nicht mehr allzu viele im Lande nach den Bombennächten. Die Zentren vieler deutscher Städte aus den 50er und 60er Jahren sind oft ausgesprochen deprimierend.

Herold

6. März 2022 10:48

Das Herrenhaus in Cunewalde hatten wir uns überlegt, aber es wurde schon am 01.03. (für 170.000 Euro) versteigert. Wie all die anderen verlinkten Objekte auch.

Aber es ist wahr, nimmt man den Denkmalschutz in Kauf, finden sich viele interessante Objekte.

Gerne mehr aus dem persönlichen Bereich, Frau Kositza. Wir schauen interessiert zu.

 

Umlautkombinat

6. März 2022 10:59

He he, nichts gegen weisse Plastikstuehle!

RMH

6. März 2022 11:38

Sie haben die großen, gasbetriebenen Grilltruhen von Napoleon, Broil King, Weber etc., selbstredend staubgeschützt unter einer Haube mit großem Markenaufdruck gepackt, auf den Terrassen der "Anwesen" in Ihrer Beschreibung vergessen. In diesem Jahr sind die Werte für die Grundsteuer zu erklären. Wer glaubt, dass er dann ab 2025 noch eine Grundsteuer in gleicher Höhe zahlen wird, der glaubt auch an ... . Eigentum bedeutet immer weniger "Freiheit", sondern einen Vermögenswert, der entsprechend abzuschöpfen ist. So wird man für das, was man aus seinem bereits versteuerten Einkommen erwirbt, abermals geschröpft werden und zwar so, dass viele nicht anders können, als in ihren Böxchen zu leben, ihre Kinder auf die Universitäten zu schicken, zu arbeiten, Geld zu erwerben, damit der ganze Laden am Laufen bleibt. Sie sind eben die wahren sozialen Patrioten, die brav zahlen, keine Subventionen abgreifen und ihr Glück beim Grillen mit Bier und 2x Urlaub im Jahr finden. Da der Artikel mit Musik aus Amerika untermalt wurde, erlaube ich mir gleich zwei passende Hinweise, there´s no easy way out . Und Recht hatte letztlich K. Kristofferson, in seinem Song "Me and Bobby McGee" (gesungen von Janis Joplin), Freedom's just another word for nothin' left to lose . Leben ist Kampf ... und Krampf. Wir reden uns alles schön, um nicht der Depression anheim zu fallen.

Imagine

6. März 2022 11:42

Das Eigenheim. Der Traum aller Kleinbürger. In meiner Jugend gehörte das Reiheneigenheim zur Normalität der unteren Mittelschicht. Kleine Beamte, Facharbeiter, Busfahrer im Öffentlichen Dienst – das waren unsere Nachbarn. Und eun Erwerbseinkommen reichte. Die Ehefrauen und Mütter kümmerten sich um die Kinder sowie Haus und Garten.

Lebenslanges Wohnen und Arbeiten am Heimatort sowie lebenslange Monogamie waren normal. Ebenso der Puffgang der Männer.

Selbst habe ich nach dem Abitur nie wieder an meinem Heimatort gewohnt. Zunächst Wehrdienstzeit, dann Studium an mehreren Universitäten. Anschließend ein interessantes und abwechslungsreiches Arbeitsnomadenleben an ca. 15 Orten.

Ganz anders mein gleichaltriger Kindheits- und Jugendfreund. Ein Kind heimatvertriebener Eltern wie ich. Nach der Referendariatszeit kaufte er sich ein Haus in einem abgelegenen nordhessischen Dorf. Das kostete damals 1976 keine 10.000 DM. Kein finanzielles Problem für einen Studienrat am 15 km entfernten Gymnasium einer Kleinstadt.

Seitdem renoviert er dieses Haus und baut es um. Alles selbstgemacht. Elektroinstallation, Heizung etc. Ein Lebensprojekt, fertig umgebaut ist das Haus immer noch nicht. Politisch ist er grün-links. Unterstützte den Dalai Lama gegen das böse China. Nun sendet er Messages mit blaugelber Ukraine-Flagge und ruft zur Solidarität gegen das böse Russland auf.

Ihm gefällt das Spießerleben.

Niekisch

6. März 2022 11:49

"Rittergut anno 2002 für sage und schreibe 11.500 €"

das habe ich vor 3 Jahren für einen neuen Fußboden in meiner Altbau - Mietwohnung gezahlt. 

Ein schöner Artikel von EK, allerdings sind die Verhältnisse im Immobilienbereich doch etwas subtiler als dargestellt. Vor allem aber entsteht möglicherweise gerade angesichts der Ukraine- Überfremdung und der damit verbundenen weiteren Preisexplosion eine Lage der Verzweiflung, die manchen Schuhkartoneigentümer und viele Mieter zum Spaten greifen läßt.

Seneca

6. März 2022 12:30

Zu allen Zeiten haben immer nur wenige groß und gut gelebt. Dies ist ein ökonomisches Gesetz und weniger aktive Lebensentscheidung. Die Anzahl derer die den Kauf von Schlössern&Burgen im Nachhinein bereuen, dürfte größer weitaus größer sein als angenommen. Dies geht bis hin zur Privatinsolvenz im Alter. Es gibt auch nicht nur die Entscheidung zwischen tiny boxes am Stadtrand und dem ehemaligen Herrenhaus auf dem Land jwd. Jeder soll nach seiner baulichen Facon glücklich werden! Allein darauf kommt es an.

Maiordomus

6. März 2022 12:58

@imagine. Das mit dem Eigenheim praktizierte ich vor 40 Jahren, gehe davon aus, dass es, solange die Erschwinglichkeit durch Arbeit in gutem Beruf im Sinne dessen, was man einst unter Mittelstand verstand, wie die bürgerliche Ehe eine gesellschaftlich stabilisierende Funktion behielt, bei der Mehrheit der Besitzer, zumal noch bei einigermassen funktionierenden, ihren Kindern z.B. auch geistig und mental einen geborgenen Hintergrund ermöglichenden Familien. Problematisch wird es nicht durch den Zerfall der Restbestände eines gebildeten Bürgertums. Was Sie über den Dalai Lama absondern ist wohl ebenso daneben wie ihre despektierliche Haltung zu Ihrem Kollegen mit anderem Lebensentwurf als Sie. Noch bedenkenswert der neue Artikel in der NF betr. die Illusionen der Konservativen über Russland, wobei ich aber Einschätzung jener Zeitung nicht teile, auch Ihre nicht, wiewohl Illusionen sowohl betr. Eigenheim wie über gewisse Formen des Familienlebens Illusionen bleiben. In der Ukraine als auch in RU und z.B. Serbien sehe ich Restbestände kultureller Substanz jenseits des Mainstreams bei uns. Würde derzeit echt nicht Partei ergreifen.  

Carsten Lucke

6. März 2022 13:17

Sehr berührender Text !

Man kann sich jedoch auch täuschen : Wohne seit längerer Zeit in einer typischen Verbuchtung (Platte) - auch hier "tobt" das Leben. Manigfaltige Insektenarten bevölkern im Sommer mein Gehäus (z.B. etliche Eintagsfliegen, die sich zum ein halbes Jahr ! dauernden Sterben niederlassen) - dezimiert allerdings von einigen Spinnen unterschiedlicher Größe und Fangtechnik.

Letztes Jahr nachts zweimal ein paar Fledermäuse für eine geraume Stunde zu Besuch - sagenhaft ! (Einigen meiner Spinnen bekam das jedoch nicht.)

Und mein Balkon (naja, wenn man den Austritt so nennen darf) ist ein Vogelparadies : Nistplätze und Futter das ganze Jahr, täglich Spezialitäten für eine Lieblingskrähe (Monika Marons Munin wäre neidisch, nur spricht meine noch immer nicht - ach, dieser Undank!) und weitere Annehmlichkeiten.

Freilich - könnte jeder in solch einem wie von Ihnen vorgeschlagenen Häusern leben, wäre die Welt ja - unerträglich - schön. Gar nicht auszuhalten !

Nein - das Besondere muß bleiben und nur für wenige erreichbar sein.

Simplicius Teutsch

6. März 2022 14:04

Es ist die Realität, sehr geehrte Frau Kositza. Sie ist stärker als mein Traum, Familie, 4 Kinder, Verwandtschaft, Beruf (ausreichendes Einkommen), Freunde und „anständiges Wohnen“ ideal unter einen Hut zu bringen. Für die Ehefrau muss es ja auch passen. Aber ich denke, das relativ beengte Wohnen in einer sehr schlichten Eigentumswohnung (abbezahlt) in der Stadt hat meinen Kindern nicht geschadet. Der Hut war bisher groß genug.

Mitleser2

6. März 2022 14:10

Letztlich hielten die "Spießer" die Gesellschaft bisher aber irgendwie an Laufen. Die meisten Steuereinnahmen kamen wohl von denen. Deswegen ist ein wenig unfair, sie pauschal zu verurteilen. Wenn keiner mehr so leben will oder kann, was ist dann die Folge? Anarchie, Revolution, ...?

Allerdings kann das alles ganz schnell gehen. Die Verwerfungen durch 16 Jahre Merkel, Corona und jetzt Putin werden kommen, mit üblen Konsequenzen. Wenn die Hypotheken der 90% fremdfinanzierten Häuser nicht mehr bedient werden können ...

ede

6. März 2022 14:35

Ja, die 4+Dinger sind nicht grad Augenweiden. Schlimmer finde ich die elegant in die Stabgitter eingeflochtenen edlen PVC Intimsphäre-Streifen um die Gärten des Grauens.

Andreas Walter

6. März 2022 15:07

Ich bin eher ein Freund von mobilen, flexiblen Lösungen.

So etwas zum Beispiel:

https://en.pajot-yachts-catamaran.com

Gibt es ja auch in kleiner und/oder gebraucht.

Als Jugendlicher bin ich deswegen noch regelmässig auf die boot in Düsseldorf gefahren.

War meine (mobile, und gar nicht so unrealistische,) Illusion von Fatu Hiva (Thor Heyerdahl) beziehungsweise Hiva Oa (Paul Gauguin) oder Tetiaroa (Marlon Brando).

https://www.achgut.com/artikel/vom_imagewandel_der_prepper

 

 

Wahrheitssucher

6. März 2022 15:29

Liebe Frau Kositza,

wieder einmal, wie schon im letzten Schnellroda Podcast, haben Sie den Punkt getroffen! Glückwunsch an Sie und Ihre Person! Freue mich noch im nachhinein darüber, Sie einmal persönlich vor Ort kennengelernt haben zu dürfen…

quarz

6. März 2022 15:42

Spießer sind ein soziales Trägheitselement, ein Widerstand gegen  gesellschaftlichen Veränderung, der sich nicht aus Analyse, Reflexion und Einsicht speist, sondern aus Abneigung gegen Veränderung - unabhängig von der Richtung, in die die Veränderung zielt.

Das kann von Vorteil sein, wenn Veränderung zum Schlechten droht und von Nachteil, wenn - wie jetzt - Veränderung nötig wäre. Aktuell stützen die Spießer das herrschende politische System mit all seinen pathologischen Zügen.

Dietrichs Bern

6. März 2022 16:01

Liebe Frau Kositza,

Sie wären nun die letzte, der ich die humorige Kritik an meinen Wohnverhältnissen übel nehmen würde, denn im Gegensatz zum typischen Berliner Ruinenbewohner, der sich meist dieser befleißigt und dessen Fähigkeiten stets im umgekehrten Verhältnis zur Großmäuligkeit bestehen, muss ich Sie nicht auf die eine oder andere Weise zwangsalimetieren, wie eben ganz Berlin.

Und - es kommt halt drauf an: Der Wert meines Reihenhauses hat sich in 10 Jahren mehr als verdoppelt und die Kosten sind im Verhältnis zu einer Mietwohnung für die 4 köpfige Familie in der Nähe des eigenen Arbeitsplatzes gar nicht schlecht. Ansonsten bin dankbar für die kleine Terrasse mit dem bisschen grün, auf der ich zum Wochenausklang bei Zigarre und Rotwein so schlecht nicht lebe.

Aber ja, so ein Rittergut wäre auch eine feine Sache und vielleicht kommen alsbald mehr von uns, die nicht riskieren möchten, dass der erste Altstadtbesuch des Sohnes tödlich endet. 

Kevin Naumann

6. März 2022 16:41

Hallo Frau Kositza,

 

die Frage nach dem Wohnen ist verbunden mit jener nach den Kräften, die uns zurückbinden und verwurzeln lassen.

Wer wohnt, der will bleiben. Dass die vierköpfige Familie heute in seelenlosen Zweckbauten haust, ist kulturell betrachtet Ausdruck eines Verfallsprozesses. Heimatstiftende Kräfte wie stabile Familienstrukturen und einen damit verbundenen Planungshorizont innerhalb einer organisch gewachsenen Ortschaft hat d. global grassierende Liberalismus mit seinem gründlichen Kapitalisierungsdruck fast vollständig aufgelöst. Man schöpft als Familie zwar noch aus den erarbeiteten (Wohn-)Beständen der Elterngenerationen, doch worin und wodurch werden die Nachfahren verwurzelt sein? Es ist wahrscheinlich, dass diese Wunde erst noch sicht- und spürbarer aufreißen muss.

Wenn man durch die städtischen Peripherien läuft, fällt vor allem die Beliebigkeit und die Unbegrenztheit der meisten Neubauten ins Auge. Von Farbenfreude ganz zu schweigen. Weshalb sollte ein Haus auch so etwas wie Heimat, Behausung und Stabilität ausstrahlen, wenn bereits seine Farben und Formen lediglich nur das Zweckmäßige zum Ausdruck bringen. Es zeigen sich riesige Fensterfronten, vom Giebel bis zum Fundament, so wie man heute eben auch sein Privates veröffentlicht. Die Hashtagisierung der Intimsphäre. Die fehlende Abgrenzung, ein weiteres Symptom des Liberalismus. 

Ihnen noch einen schönen Sonntag.

Kevin Naumann

Imagine

6. März 2022 16:44

1/2

Die Aussteigergeneration der Hippies hatte es vorexerziert, die Flucht aus der modernen Gesellschaft.

Mitte der der 70er war die 68er-Bewegung mit ihrem revolutionären Geist, mit ihrer Lebenslust, ihrer freien Liebe und ihren Festen war zu Ende. Nun wollte einen sicheren Job und sich zurückziehen. Wer es sich leisten konnte, kaufte allein oder als Gruppe ein Haus und Grundstück in der Toscana oder in Südfrankreich.

Insbesondere bei Lehrern wurde es Mode, alte und billige Häuser auf dem Land zu kaufen und zu renovieren.

Man hatte sich damit abgefunden, dass man als kleinbürgerliche Existenz ein politisch fremdbestimmtes  Leben führen wollte und wolle sich nun im Kleinen irgendwie „selbstverwirklichen“.

Das Kursbuch 45, Jahrgang 1976, trug charakteristischerweise den Titel „Wir Kleinbürger“.

Imagine

6. März 2022 16:45

2/2

Die kleinbürgerlichen politischen Akteure – egal ob links, grün oder rechts - bewirken nichts.

Es sind objektiv „NPCs“, aber sie simulieren mit Symbolpolitik eine politische Einflussnahme und Relevanz, die nicht besitzen. Ihre Spielwiesen sind das Feuilleton und die Straße.

Anders als eine geistig revolutionäre und kreative Boheme vergangener Zeiten bringen sie keine neuen Erkenntnisse und Ideen, auch keine künstlerich-revolutionären Werke hervor. Sie tun so, als ob, und bestätigen sich in ihren Milieus gegenseitig in ihrer eingebildeten Relevanz.

Tatsächlich sind sie nicht in der Lage, gesellschaftspolitische Impulse zu geben. Ihr Leben besteht aus angepasstem, aber verleugnetem Spießertum.

Hartwig aus LG8

6. März 2022 17:57

"Anständig Wohnen" klingt ja noch übler als "Schöner Wohnen".

Geehrte Frau Kositza, in der Druckausgabe lese ich Ihre Aufsätze immer zuerst, weil ich neben Erkenntnisgewinn auch sicher sein kann, gut unterhalten zu werden.

Doch dieser Artikel fällt unerwartet tief unter das sonstige Niveau ab.

Man sollte bei derlei thematischen Ausflügen auch im Hinterkopf haben, dass die Deutschen in der jetzigen Dekade einer relativen Verarmung entgegensehen werden müssen. Zumindest ist das meine Erwartung. Und wenn hier schon die Kategorie Reihenhaus als eine Art "Kaninchenstall" dargestellt wird ... dann Gute Nacht.

Sie meinen, mit Ihren Eingangssätzen den verhöhnenden Tenor gemildert zu haben? Sehe ich nicht so! - sagt einer, der über altes knarrendes Parkett läuft und durch Doppelfenster anno 1913 schaut. Der Kitt ist so alt, dass man ihn wahrscheinlich nicht mal zur Not essen könnte.

 

Freier

6. März 2022 18:41

Vielen Dank für den Beitrag, habe ihn gerne gelesen! Fairerweise muss ich sagen, dass es die geistige Öde, der spirituelle Tod dieser Menschen ist, der mich mehr abschreckt als es Dinge je könnten.

In Japan ist äußerliche Gleichförmigkeit und Konformität viel viel verbreiterter als hier, und trotzdem schallt aus äußerlich gleichen Standardwohnungen Kinderlachen, blühen Kreativität und Eigensinn. Leben auf dem Land wird mit Filmen wie Wolf Children etc. beworben. Die entsprechenden Kreise der BRD fühlen sich intelektuell tot an.

Es fühlt sich bald an als solle äußere Diversität den inneren Tod überdecken. Und wo die dann auch wegfällt wie in den Hasenkästen für 600.000€, da kommt die innere Fäulnis der BRD wieder zum Vorschein.

wbs47

6. März 2022 18:47

Liebe Frau Kositza, liebe Mitleser, suchen Sie mal im Internet nach Videos von Dieter Wieland.

Zum Beispiel: "Die große Kunst ein kleines Haus zu bauen" oder "Unser Dorf soll hässlich werden". 

Sie werden erleben, daß es ein ständiges Ringen um die Bausünden und Baustile gibt.

Kositza: Über Wieland hab ich schon öfter geschrieben; zuletzt u. ausführlich hier: https://antaios.de/gesamtverzeichnis-antaios/einzeltitel/93111/das-buch-im-haus-nebenan

Kriemhild

6. März 2022 22:02

@Freier

"In Japan ist äußerliche Gleichförmigkeit und Konformität viel viel verbreiterter als hier, und trotzdem schallt aus äußerlich gleichen Standardwohnungen Kinderlachen, blühen Kreativität und Eigensinn."

Die japanische Geburtenraten und das japanische Geschlechterverhalten sprechen eher dafür, dass das standardisierte Wohnen über kurz oder lang in den Untergang führt ... 

 
Kositza: Ich habe Japan (Stadt und Land) in den späten Neunzigern kennengelernt. Und keinen "Eigensinn" vorgefunden. Es bleibt wohl dabei, daß jeder sieht, was er sehen mag.

Laurenz

6. März 2022 22:08

@RMH

Ihr pauschaler Rundumschlag bezüglich der Grundsteuer wird Ihrem Berufsstand nicht gerecht. Etwas mehr Mühe hätten Sie Sich schon bei der Recherche geben können. Die Grundsteuer ist Ländersache. Bei der letzten Regelung der Grundsteuer einigten sich alle Länder auf eine einheitliche Regelung, diesmal eben nicht. In Bayern wird wahrscheinlich alles beim alten bleiben, es wird nur formal an die Rechtslage angepaßt. Die mittleren Länder ändern etwas. Nur die armen Staaten im Norden, meist von der SPD regiert, ändern viel. Ist doch wieder eine gute Gelegenheit Inkompetenz zur Gesetzesgrundlage zu machen, und neue Stellen für Parteibuchsoldaten zu schaffen.

@Mitleser2

"Wenn die Hypotheken der 90% fremdfinanzierten Häuser nicht mehr bedient werden können ..."

Solange die Grundschuldner über Einkünfte verfügen, ist die aktuell trabende Inflation eher günstig für erstgenannte.

RMH

6. März 2022 22:33

Ja, der Koniferen- Hasser D. Wieland darf nicht fehlen (wer ihn immer noch nicht kennt: unbedingt ansehen!). Wer an ihm geschult ist, der kann dem gesamten, neueren Städtebau meist nur wenig abgewinnen. Einfallsloses FH-Architektentum, welches nur das macht, was das Standard CAD-Programm auswirft. Was man einmal geplant hat, wird so oft wie möglich noch mal verkauft. Standardisierung im Bau war zwar schon immer irgendwie üblich, aber so einfallslos wie heute, war es selten.

"man einen Renovierungsaufwand sah, wo wir keinen sehen."

Das ist der Schlüsselsatz beim Altbauerwerb. Es ist teilweise schlimm mit anzusehen, wie heutzutage vielfach gut in Schuss gehaltene Bauten, selbst neuerer Zeit, gnadenlos "kernsaniert" werden. Verschwendung von Ressourcen und aus nem alten Haus schminkt man kein Neues, der alte Zuschnitt bleibt eben erkennbar.

Laurenz

6. März 2022 22:33

@EK

Sie haben meinen Beitrag wohl nicht verstanden oder nicht verstehen wollen. Ich wollte auf höfliche Art & Weise mitteilen, daß ich Ihren Artikel zum Kotzen finde.

Natürlich läßt sich auch bei kleinen Eigenheim-Einheiten Kultur festmachen. Selbst die Mehrheit der Relotius-Leser möchte lieber auf dem Land leben, kann es aber nicht. Die Eigenheimquote Deutschlands liegt hochgerechnet bei 42,1%, so mit der schlechteste Wert in ganz Europa. Die hohen Hürden der Baugenehmigung sind im europäischen Vergleich extrem teuer. Deswegen ist für mangelnde Kunst am Bau, die offensichtlich ist, in den meisten Fällen von Eigenheim-Investoren kein Geld mehr da. @Dietrichs Bern rechnet natürlich wie ein Milchmädchen. Natürlich kann er einen Wertzuwachs verbuchen, aber natürlich muß man das inflationsbereinigen. Denn die Immobilie bildet, wie die Aktie, im Wertzuwachs zum größten Teil nur die Inflation ab, die bewußt von der EZB gefördert wird. Bei einer denkmalgeschützten Investition kann das existentiell gefährlich werden, zB dann, wenn man ein Schieferdach ersetzen muß. Gugeln Sie doch mal, was das kostet, echt abgefahren. Ich wohne auch lieber in meinem Stilbruch-Anbau einer kleinen Villa mit Blick auf Kois, wildem Garten & den Friedhof. Aber vor Fehlurteilen über andere kann man sich auch hüten.

Kuonirat

6. März 2022 22:56

Es bedarf keines äußeren Feindes, um unsere Kultur nachhaltig zu zerstören: Die Erschließung immer neuen Baulandes reicht dafür vollkommen aus. Und so gesichtslos und steril wie die Gebäude aussehen, so sind auch ihre Bewohner. Einem Kind, das in solch Stein gewordenen Geschmacklosigkeiten, umgeben von Kiesgärten und Metallzäunen mit PVC-Geflecht aufwächst, wird wohl kaum je in seinem Leben noch einen Sinn für heimatspezifische Ästhetik und Identität entwicklen können. Es wurde ihm einfach nicht vorgelebt. Leider ist unser Lager davon nicht ausgenommen - ganz  im Gegenteil. 

RMH

6. März 2022 23:00

@Laurenz,

Bei der neuen Grundsteuer wurde der Wunsch bzw die Absicht geäußert, dass es beim gleichen Besteuerungsniveau am Ende bleiben soll, nur entscheidet eben, vollkommen egal, in welchem Bundesland man ist, die jeweilige Gemeinde am Ende höchstselbst, ob sie ihre Hebesätze so ändert, dass alles beim Alten bleibt oder ob man sich einen großzügigen "Inflationsausgleich" gönnt oder nicht. Und so klamm wie die Kommunen in aller Regel sind, braucht man kein Hellseher sein, um zu ahnen, wie es enden wird. In punkto niedriger Eigentumsquote in Deutschland haben Sie wiederum Recht.

Umlautkombinat

6. März 2022 23:19

> Bei einer denkmalgeschützten Investition kann das existentiell gefährlich werden, zB dann, wenn man ein Schieferdach ersetzen muß.

So ein Schieferdach ist eigentlich meteorologisch gesehen ein feines Instrument. Ich kenne mehrere Leute, bei denen genau im Moment eines dringenderen Sanierungsbedarfs zeitnah ein versicherungsmaessig relevanter Wind darueber hinwegging.

Freier

7. März 2022 00:31

@Kriemhild:

Die Geburtenrate Japans ist immerhin höher als die der Deutschen, erst recht wenn man bedenkt dass die offizielle Statistik Ausländer munter mit bei uns untermischt. Nicht besser für Japan, um so schlimmer für uns. Und sogar Ehen und Schwangerschaften mit Mitte 20 sind dort noch Standard. Mag sein dass sie uns auch nur hinterherhinken. Mag sein, dass Ältere als ich das selbst noch kennen, als es einst für Deutsche so war.

Aber eigentlich ging es mir wirklich um die extreme Enge der BRD im Geist und um diesen seltsamen Gegensatz von totaler Konformität ('Wehe du bist bei der Ukraine nicht auf Linie' z.B.) und äußerer Vielfalt mit Hundertwasserhäusern etc..

 

@Kositza:

Ja, nach außen extrem angepasst. Aber eine kreative Szene von kulturellem Rang und auch mit Massenwirkung gibt es dort, und diese fehlt in der BRD fast komplett. Hier gibt es fremde Musik und Hollywood, garniert vielleicht noch mit ein wenig normkonformem Feullieton mit Impfappell.

Um so wichtiger Projekte wie die Sezession und Antaios, und um so mehr freut mich Ihr Werden und Wachsen!

RMH

7. März 2022 07:22

" ... und Metallzäunen mit PVC-Geflecht aufwächst" Das ist das Ergebnis davon, dass hohe Mauern an den Grundstücksgrenzen meistens baurechtlich nicht zulässig sind. Trotz aller Durchnormierung in der Bauweise, besteht ein großes Bedürfnis, sich abzugrenzen, einzuigeln und wenn Mauern zulässig wären, würde man sich sehr oft einmauern. Das ist ja auch einer der Punkte des bereits genannten D. Wieland. Man lässt sich Blickdicht mit Koniferen-Gewächsen einwuchern, wo früher der der Garten rund um das Haus mit Obstbäumen etc. den Blick darauf einladend frei gab. Trotz aller "Uniformität" existiert ein enormes Bedürfnis nach Individualität und Abgrenzung, auch wenn hinter den Koniferen oder den gegen Durchsicht geschützten Metallzäunen dann wieder so viel erstaunlich gleich aussieht. Großer Flachbildschirm als Zentrum des Wohnbereiches, um welches die Sofas gruppiert werden etc. Häßliche Autos, wie VW Touran, sobald auch nur ein Blag mit Kinderwagenbedarf da ist usw.- lässt sich fortsetzen. Die Kritik am Außen geht einher mit der Kritik am Innen. In Russland wurden gerade die IKEA-Läden leer gekauft, dies nur einmal als kleiner Wink, wie die vermeintliche kulturelle Schutzmacht gegen den ubiquitären westlichen "Liberalismus" dann am Ende tickt. Auch dort gilt "Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen."

adrianCH

7. März 2022 07:43

Auf den Punkt gebracht: "IKEA Duz-Verein..." :) 

Nemo Obligatur

7. März 2022 08:19

Ästhetisch hat EK recht. Aber was will man machen? Irgendwo müssen die Leute ja wohnen. Es gibt eben nicht nur Rittergut (K&K) oder Plattenbau (HB) sondern auch allerlei dazwischen. Und solange die Villa in München-Grünewald den Absahnerinnen aus der CSU-Schickeria vorbehalten bleibt, die mit zweifelhaften Masken-Deals mal eben mittlere zweistellige Millionenbeträge einsacken, darf das Reihenhaus in der Nähe des Arbeitsortes (nur darauf kommt es an) als brauchbare Zwischenlösung gelten.

Laurenz

7. März 2022 08:53

@RMH @L.

"Grundsteuer"

Hier die Hamburger Regelung:

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Grundsteuer-in-Deutschland-Was-aendert-sich-mit-der-Reform,grundsteuer266.html#:~:text=Eigent%C3%BCmer%20m%C3%BCssen%20ab%20Juli%202022,Betriebe%20der%20Land%2D%20und%20Forstwirtschaft.

Hier Hessen:

https://finanzen.hessen.de/Presse/Grundsteuer-in-Hessen-wird-gerecht-einfach-und-verstaendlich

Hier Bayern:

https://www.mittelbayerische.de/region/cham-nachrichten/was-die-neue-grundsteuer-bedeutet-20909-art2095291.html

@Freier @Kriemhild

"Japan"

ist absolut überbevölkert. Man lebt dort im Hasenstall. Ein Thema, welches vielen Konservativen das Hirn aussetzen läßt. Fragen Sie doch mal Japaner, die hier leben & arbeiten, ob die in ihren Hasenstall zurückwollen?

Mitleser2

7. März 2022 09:07

@Laurenz: "Wenn die Hypotheken der 90% fremdfinanzierten Häuser nicht mehr bedient werden können ..." Solange die Grundschuldner über Einkünfte verfügen, ist die aktuell trabende Inflation eher günstig für erstgenannte.

Das stimmt schon, funktioniert aber nur, wenn

a) die Arbeitslosigkeit so niedrig bleibt (Hauptfaktor)

b) die EZB die Zinsen nicht erhöht (Nebenfaktor).    Ob das realistisch ist?

Monika

7. März 2022 09:38

Hier wird ausgeteilt, hier wird eingesteckt!

Also: Was nutzt die preiswerteste, romantischste Immobilie am „Arsch der Welt“, wenn es in der Nähe keinen Bäcker, Metzger, Arzt, etc. gibt ? Nicht mal mehr die berühmte „Kirche im Dorf“. Man die Kinder zu jedem Sport- oder Musikunterricht oder Kinobesuch kutschieren muss ( bei den Benzinpreisen). Die Jugendlichen sich am Wochenende langweilen, weil kein Bus fährt und in der Pampa nichts los ist. Außerdem: Wem gefällt schon wirklich die moderne Doppelhaushälfte mit Grünstreifen und Plastikzaun ? Wer träumt nicht von schönen, alten Häusern in gewachsenen Wohnvierteln ohne soziale Brennpunkte und  mit Kulturangebot in der Nähe. Doch den „SÜNDENFALL IN DER VILLENKOLONIE“ ( FAZ 6.3.22) gibt es leider auch. Die wunderschöne Gartenstadt Buchschlag wird durch moderne Protzbauten bedroht. 😢Spätestens seit Nietzsche sind wir heimatlose, entwurzelte Menschen geworden. Glücklich, wer in diesen Zeiten überhaupt eine BLEIBE findet. Einen Ort, wo er bleiben will oder darf. 

Franz Bettinger

7. März 2022 09:56

@RMH und @Ummauern und Zuwuchern lassen. Wir haben (im Saarland) den alten Zaun zum Nachbarn entfernt. Ist doch viel schöner, weitläufiger und einladender. Wer will denn über Latten sehen müssen oder hinter Gitterstäben leben? - Als wir das erste Mal durch Slowenien fuhren, war ich von dem Land verzaubert, das mir wie ein zaunloses, weites, offenes Kater Mikesch-Land vorkam. 

Adler und Drache

7. März 2022 10:28

@wbs47:

Wieland habe ich entdeckt, weil er einen Film über Piesteritz gemacht hat. Ein Augenöffner! Was man von dem alles lernen kann! (Und dazu dieser teils poetische, teils ruppige Stil, die herrlichen Neologismen, die immer wieder ins Schwarze treffen ...)

Dank youtube kann man sich seine Reihe "Topographie" nach und nach erschließen. Es lohnt sich!

Dietrichs Bern

7. März 2022 10:50

@Laurenz: Ach so Milchmädchen ist das gar nicht, denn auch unter Berücksichtigung der Inflation sind mehr als 100% Wertsteigerung in 10 Jahren nicht schlecht. Klar mit Tech-Werten wäre natürlich noch mehr drin gewesen, aber wir haben alle keine Glaskugel.

Was das Wohnen angeht, kann ich nur sagen, dass eine Mietwohnung in vergleichbarer Größe 1. kaum zu finden ist und 2. zumindest 3-400 € im Monat über der Finanzierung einschl. Nebenkosten und Strom liegt (einschl. der Nachteile, die mieten halt mit sich bringt), das mag natürlich rund um Rittergüter anders sein.

Ok, den täglichen Anblick von Kohaku und Sanke lasse ich als Gegenargument gelten.

 

brueckenbauer

7. März 2022 11:27

Nur weil das noch gar nicht erwähnt wurde: Mein Traum fürs Alter (wenn's mal dazu kommt) ist der eigene Campingwagen auf dem Dauercampingplatz.

Alex Schleyer

7. März 2022 11:52

Der Text findet meine vollste Zustimmung! Was aber, wenn ich für wirklich schmalen Taler ein solches Haus erworben habe, dort aber im ach so innovationsfreudigen Deutschland keine ausreichende Internetverbindung vorfinde, um arbeiten zu können (von der unverfrorenen Abgabenlast mal ganz abgesehen)? Wenn mir der Betrieb des Holzofens alsbald und der des Gasherdes jetzt schon untersagt wird? Wenn ich aus Mangel an Infrastruktur so ein weibisches Stadtauto, elektrisch natürlich, fahren muß, weil der Unterhalt eines unverwüstlichen amerikanischen Trucks aus den 70ern nicht leistbar oder ohnehin bald verboten ist?

Nun, dann kaufe ich mir doch eher ein kleines Eigenheim dort, wo ich es mir leisten kann. In sonnigen Mittelmeerländern etwa, die steuerlich attraktiv sind, und schmunzle von ferne über jene dummdeutschen NPCs in ihren ökologisch nachhaltigen, potthäßlichen Reihenhäusern, über die Almans, die genau diesen Staat am Leben erhalten, den ich außer zu weihnachtlichen Heimatbesuchen nicht mehr sehen will.

Das Lebenin Freiheit ist nicht nur nötig, sondern inzwischen auch möglich – sei es ortsunabhängiges Arbeiten, Steueroptimierung durch Wohnsitzverlagerung oder die internationale Diversifizierung seiner eigenen Lebens- und Erwerbsumfelder.

Laurenz

7. März 2022 12:44

@Mitleser2 @L.

a) Da haben Sie Recht. Aber das ist schon seit 20 Jahren ein Problem, seit Rot-Grün den Kündigungsschutz lockerte. Im Grunde kann man nur noch im Öffentlichen Dienst, als Selbständiger oder Beamter bauen.

b) Die jetzige Inflation war politisch geplant. & die EZB erhöht die Zinsen erst, wenn ihr das Wasser bis zum Halse steht. Die Situation ist immer noch nicht so angespannt, als, daß Merz sich gezwungen sähe, mit Hilfe der AfD & FDP, Kanzler zu werden. Dämlichere Politik, als die der Ampel, ist kaum vorstellbar. Man hat Insassen einer Geschlossenen quasi ins Bundekabinett gesetzt.

@Dietrichs Bern @L.

Das Statistische Bundesamt zu Wiesbaden bescheißt grundsätzlich bei der Berechnung der Inflation. Man tauscht die Güter des Warenkorbs mit denen, die gerade die geringste Preissteigerung haben. Seit vielen Jahren wird das Wohnen mit knapp 7% berücksichtigt, obwohl es knapp 40% aller Ausgaben ausmacht. Sie nutzten das Beispiel 10 Jahre. Eine Verdoppelung des Immobilienpreises in 10 Jahren bedeutet eine Inflation von gut 7%. Wenn man dann noch die Instandhaltungskosten berücksichtigt, wird es eng mit dem Geschäft. Aber klar ist, die Immobilie ist ein Instrument des Schutzes gegen Inflation, welches aber der Mehrheit der Bevölkerung nicht zur Verfügung steht.

Imagine

7. März 2022 13:05

Immer weniger Menschen können heute in der BRD den Lebensstand ihrer Eltern aus eigener Kraft erreichen, geschweige denn übertreffen.

Aber es fehlt die Ehrlichkeit, dies sich dies einzugestehen, und der Mut die Power und die Intelligenz, gegen die eigene Verlierer- und NPC-Existenz effektiv anzukämpfen.

Die meisten fügen sich in ihr Schicksal wie der „Uncle Tom“ in seiner Hütte.

Andere umgeben sich mit Statussymbolen, häufig Fakes, um mehr zu scheinen als zu sein.

Die Zeiten, wo man aus kleinbürgerlichen Schichten mit Bildung und Leistung noch zu einem bürgerlichen Lebensstandard aufsteigen konnte, sind längst vorbei.

In der Nachkriegszeit konnten Ärzte noch aufsteigen und auf bürgerlichem Niveau leben. Das sieht man in alten Rühmann-Filmen. Wohnen in einer Villa, mit Haushälterin und Kinderfrau war für erfolgreiche Ärzte normal. Ein Klassenkamerad, dessen Vater Oberarzt im Städtischen Krankenhaus war, lebte so.

Einer unserer Professoren, ein Hirnforscher parkte seinen Bentley vor dem Anatomischen Institut.

Mit dem, was heute ein Professor verdient, kann er sich als Alleinverdiener kein eigenes Haus leisten, er muss mit seiner Familie zur Miete wohnen,  beim Auto reicht es nur zur Mittelklasse und die Frau muss meist mithinzuverdienen.

Früher hochangesehene und finanziell erfolgreiche akademische Berufe gehören heute zu den großen Absteigern und sind nunmehr sind nunmehr Teil des Kleinbürgertums und politisch NPCs.

anatol broder

7. März 2022 13:24

@ ellen kositza

danke für den wichtigen aufruf.

Lausitzer

7. März 2022 15:55

Mir wäre Ihr Rittergut zu groß und zu viel Arbeit. Da würde ich etwas kleineres vorziehen. Es könnte auch ein Reihenhaus sein. Letztere haben ökologische Vorteile. Ein Reihenhaus im Bauhausstil würde mir gefallen.

LaTorreMurcia

7. März 2022 17:29

Mit diesem Beitrag ist Kositza weit übers Ziel einer Provokation hinaus geschossen!

  1. Nicht jeder hatte das Glück, deutlich vor 2008/10 eine wertvolle gebrauchte Immobilie zu einem Spottpreis zu ergattern – wie oben beschrieben: Allein der Echtholzboden bei uns im Haus kostete 2016 schon 100€/qm.
  2. Nicht jeder Lohn-/Gehaltsempfänger kann auf eine halbwegs zentrale Lage (Autobahn, Flughafen; ICE, Einkaufsmöglichkeiten) verzichten. Natürlich lassen sich auch gegenwärtig gebrauchte (oftmals Schrott-)Immobilien auftun, die man dann bis zum Renteneintritt und darüber hinaus kontinuierlich sanieren muss. Dafür muss der Nicht-Selbständige erst einmal die Zeit (und Kompetenz) haben. Von einer work-life-balance hier ganz zu schweigen.
  3. Anlageformen: Welche halbwegs sicheren & seriösen Anlageformen für das Ersparte sind denn seit der Finanz-/Euro-Krise noch geblieben? Natürlich wird allerorten ein mehr oder weniger hässliches Neubaugebiet an Dörfer angedockt. Altbauten sind häufig ein Fass ohne Boden & Klimakiller obendrein.
  4. Nachbarschaft: Wir leben sehr gerne hier in der Siedlung, weil wir von sehr freundlichen, unauffälligen, unaufdringlichen, ruhigen Menschen umgeben sind, die i.d.R. einer fordernden Beschäftigung nachgehen und ergo ihre Nachbarschaft nicht permanent mit rücksichtslosem Verhalten stressen.

Diese braven Menschen haben es nicht verdient, dass Kositza so auf Ihnen herumtrampelt.

Imagine

7. März 2022 19:44

@ Maiordomus

Gerade Gymnasiallehrer tendierten schon immer zu infantiler Selbstüberschätzung und Verleugnung ihrer konformistischen Anpassung und machten sich politisch zu lächerlichen Gestalten.

Eine gute Analyse ist bei Adorno zu lesen.

Nordlicht

7. März 2022 21:43

Potzblitz! Dieser Kositzka-Artikel hat ja reingeschlagen; jeder fühlt sich gemeint, denn jeder wohnt irgendwie und muss seine Lösung verteidigen.

Schon das Wort "Anständig" treibt diejenigen Leser auf die Barrikade, die sich als unanständig abgekanzelt sehen, weil sie im Reihenhaus oder gar in einer Mietskaserne wohnen. Statt früher zum Duden, greife ich zu Wiki und lese: 

>Das Adjektiv anständig bezeichnet bei Adelung noch in erster Linie eine Kongruenz („Das ist einer fürstlichen Person anständig"), und erst in zweiter Linie, im weiter übertragenen Sinne ein Werturteil („Er weiß von einer jeden Sache sehr geschickt und anständig zu urtheilen. Eine anständige Kleidung").<

Tja, "standesgemäß" lässt sich nur leben, wenn man sich dezidiert einem Stand zugehörig fühlt. Da muss ich also passen.

Kositza: Ich spende ein "k", das tut mir nicht weh.

Nordlicht

7. März 2022 21:58

Noch ein Vorschlag zur Güte: Die Möglichkeiten der Wohnungswahl hängen ua davon ab, ob man "mit-dem-silbernen-Löffel-im-Mund-geboren" wurde, auch von Studienfach und Berufswahl, Partner(innen)wahl, Kinderzahl, nicht zuletzt auch Lebensalter.

Natürlich: Auch wer arm geboren wurde, kann sich ein ramponiertes Schluss kaufen und es als Lebensaufgabe renovieren. Eine Nummer kleiner tut es eine alte Mühle oder auch einen Kotten. Auch weit weg von Groß- und Mittelstadt kennen Jugendliche Kinos und Discos, und auch die esoterischen Angebote für die unerfüllten Gattinnen gibt es haufenweise auf dem Land.

Meine Lebenskurve begann in einem einsam stehenden Kleinbauernhaus über Jahre im Großstadtzentrum in eine 5-Zimmer-Wohnung in Berlin-Schlachtensee, dann einem Reihenhaus in Düsseldorf, und führte im Alter zurück in ein mittelkleines Haus auf dem Dorf. Alles hat seine Reize, und Kinder brauchen anderes zum Werden als wilder Natur einer- oder eine am Hbf abhängende Clique andererseits. Oder Waldorfschule und/oder zweisprachige Eliteschule.

Es gibt viele gute Wege.

Imagine

8. März 2022 10:40

Aufgabe und Funktion der Grünen ist es, den Prozess der zunehmenden Massenverarmung als ökologisch und Weltenrettung zu idealisieren.

Das betrifft alle Bereich des Konsums, angefangen von Ernährung über automobile Mobilität und  Reisen bis hin zum Wohnen.

Dafür werden sie vom neoliberalen Verbrechertum gesponsert und gefördert. Sie kommen ins WEF-Young Global Leaders-Programm und werden in die Medien. Schulen, Hochschulen und Regierungen gebracht.

Das begann mit dem „Club of Rome“ vor 50 Jahren. Später wurde die grüne Partei gegründet und kurze Zeit danach wurde diese grüne Partei von den systemkonformistischen Realos übernommen. In der Regierung Schröder-Fischer waren die Grünen die neoliberalen Antreiber.

Natürlich gibt es viele Idioten, die auf den ökologische Propaganda hineinfallen: Die wohnen freiwillig in Schuhschachteln und fühlen sich dabei als gute Menschen und Weltenretter. So wie sie Fahrrad fahren, weil sie sich keine Autos mehr leisten können, und dies ökologistisch idealisieren.

Pferdefuss

8. März 2022 11:31

1) Liebe Ellen Kositza,

'anständig wohnen' - Stutzen & Schmunzeln, nur aus Kindertagen, wenn man nach Krankheit keinen Appetit hatte oder nicht aufessen wollte: 'Du musst anständig essen'. Oder grundsätzlich: Das sind 'anständige Leute'.

Der Text, Anregung genug, um sich mehr zu regen als aufzuregen. Dass Sie, beabsichtigt oder unbeabsichtigt,  mit der Kritik am einförmigen Reihenhaus gleichzeitig in die politische Kerbe der Grünen schlagen, dem Raubbau an zubetonierter Natur/Erde durch Verbot am Eigenheim entgegenzuwirken. (ist das hier schon jemanden aufgefallen?)

Einheitsbau hat eine  'anständige' Geschichte - Gartenstädte/Betriebswohnungen im Gefüge sorgten durch Übergänge, Pergula, Rundungen, Innenräume, Vorgärten usw. für Abwechslung. Schnellwüchsige Laubbäume, vorrangig Birke, Pappel sorgten für 'Natur', die höher, größer ist als das Hauschen im Grünen.  

Immer noch möglich wäre manches, wäre die Architektenzunft umfassender unserer Architekturtradition und ihrer Phantasie, weniger virtuellen Mustern verpflichtet, Auch die 'Schaffe, schaffe, Häuslebauer' könnten sich mehr zutrauen und mehr dem Wunsch  'My home is my  c a s t l e'.  (außer dem unsäglichen Englischen Rasen) trauen. 

Wie das aussehen könnte? ff 2) 

Pferdefuss

8. März 2022 12:29

2) Wie wär's damit?

-  Auf dem erworbenen Grundstück Sträucher/Bäume nur so viel beseitigen (lassen), wie beim Bau funktional  nötig.

- In den ersten Jahren wachsen lassen, was von alleine wächst. Geduld! 

- A & O: Sofort Fassadenbegrünung

- Pergola, aufklappbare Fensterläden nach außen (wirken heimisch), Blitzableiter- Attrappe = Türmchen, Erker, Pavillon,Laube 

- Sand/Erde Fundament wird Hügel.   

-Trompe-'l oeil/Illusions-/Wandmalerei. Ist nicht ehrenrührig - Schloss-, Gutshof- Bürgerhaus-Besitzer haben kahle Hauswände so gestaltet, dass sich das Auge gern mit gemalten Säulen, Simsen, Balken, Firsten täuschen lässt (Auf Wunsch Tipps)

- Für die ganze Familie: Haustiere, Kaninchen, Hühner, die erst betreut, dann geschlachtet besser als Rutschbahn/Sandkasten/Trampolin für Kinder. Baum, Versteck für Kinder als Erlebnisraum.

- Garage: Grün überwuchern lassen. Zwei Fahrzeuge: Eine Hülle reicht. Die Einfahrt  Kies. Steine mit grünen Fugen zulassen

- Einheimische Gehölze. 

AndreasausE

8. März 2022 13:39

Ich bin nicht sauer wegen des Artikels, auch wenn es bei mir bislang nichtmal zum Kaninchenstall langte, bloß zu Etage in Baugenossenschaft.

Sozialneid ist mir ohnehin fremd. Ihren Bau gönne ich Ihnen von Herzen. Selbst hätte ich, kurz nach Umsturz, Gelegenheit gehabt, für 10 Riesen eine alte Mühle zu erwerben (zzgl. Behördenkram), nahezu komplett schrottreif, aber das wäre mir egal gewesen, ein Zimmer, wo es nicht durchregnet, langt fürs Erste, Rest kommt nach und nach.

Da waren auch 10.000qm Land drumrum und als Krönung neben altem Baumbestand ein kleines Bächlein. Leider: Wenn "Privates" zwischenkommt (oder auch der Mut fehlt), ist solche Gelegenheit rasch vertan.

Aber nun zu "Oft gebe ich eine Vier plus , wo die Jüngste zur Zwei tendiert, weil sie dieses unergründbare Faible für saubere Rasenkanten hat.":  Neben dem sauber aufgerollten Bewässerungsschlauch ist die Rasenkante der Stolz des Gartenfreundes. An einer korrekt gestochenen und getrimmten Rasenkante kann man sich die Füße schneiden, besser als jeder Stacheldrahtverhau.

Kleiner Scherz... aber als ich Schrebergarten hatte, war ich der "Öko", Bio eben (und Kaninchen nicht im Stall, sondern in einem Freigehege). Rasen hatte ich vielleicht noch 5qm, aber die wurden akribisch gemäß aller Spießerherrlichkeit gepflegt - Nachbarn, Passanten und ich hatten derohalber stets zu lachen. Anhand meiner Ligusterhecke hätte man selbstredend auch ein Geodreieck eichen können.

 

 

links ist wo der daumen rechts ist

8. März 2022 15:49

Interessant, wie das alte rechte Wertgefüge ins Wanken kommt.

Die „Bullenschweine“ aus den 70ern und 80ern feiern fröhliche Urständ, wenn sie alte Omas auf Corona-Demos verprügeln.

Der zunehmend linke Habitus unserer beiden Kaffeehaus-Bohemiens aus Wien, beide ohne Brotberuf, aber philosophisch-literarisch bewandert, manchmal sogar in linken Gefilden wildernd (Foucault oder die satanische Rockmusik…).

Kubitschek dürfte angesichts des rot-grünen antirussischen Bellizismus bald um die Ossietzky-Medaille feilschen.

Und nun Kositza mit ihrer Spießer-Schelte, obwohl wir doch alle wissen, daß diese braven strukturkonservativen Leutchen den Laden bisher zusammengehalten haben.

Und ich habe schon gestaunt, wenn ich nach dem Tod meines Vaters Gefährten aus seiner 68er-„Kampfzeit“ getroffen habe, die mir erklären, daß zwischen der Lektüre der Mao-Bibel und der Mitgliedschaft im Bauern- oder Kameradschaftsbund kein Widerspruch bestand. Einer von denen, ein liebenswerter siebenfacher Großvater, Jäger aus Passion, lebt mit seiner Gattin (50 Jahre verheiratet) im Elternhaus, das ein Sohn mit Familie renoviert, mit Wohnrecht.

Die eigentliche Kulturrevolution begann mit dem neoliberalen Totalitarismus und der digitalen Unterwerfungslust.

Übrigens: an alternativen Wohnmöglichkeiten dürfte es, zumal im hohen Norden, nicht mangeln:

https://www.youtube.com/watch?v=K0bkKVe_-Mg

Ich durfte das eine Nummer kleiner die letzten 20 Jahre durchexerzieren.

wbs47

8. März 2022 16:08

@ Adler und Drache

Den Film über Piesteritz muss ich mal noch suchen, den kenne ich noch nicht.

Und neben der Zustimmung zu Ihrer Beschreibung (...teils poetische, teils ruppige Stil...) finde ich allein schon die Sprach-Melodik seiner Stimme hörenswert.

Andreas Walter

8. März 2022 17:56

Wo wir gerade bei Schloss, Burg sind, bei my home is my castle.

Vor ein paar Wochen habe ich etwas spannendes, seltsames, erstaunliches aus Kalifornien über das Netz entdeckt, was ich bisher noch nicht kannte. Das William Randolph "Hearst Castle", La Cuesta Encantada, bei San Simeon. Was auf den ersten Blick für das europäische Auge wie neureicher Kitsch wirkt ist bei genauerer Betrachtung nämlich ein hochinteressantes Stück nordamerikanische Geschichte, ein Spiegel der VSA:

https://en.wikipedia.org/wiki/Hearst_Castle

In dem Land also, wo von Stand sein (also anständig) heute fast ausschliesslich nur den Kontostand meint.

Dietrichs Bern

8. März 2022 18:07

@Imagine; " Aufgabe und Funktion der Grünen ist es, den Prozess der zunehmenden Massenverarmung als ökologisch und Weltenrettung zu idealisieren."

Ist der von Ihnen? Den kann man in Stein gießen und der Nachwelt erhalten.

 

Imagine

8. März 2022 23:33

@Dietrichs Bern  8. März 2022 18:07
Ist der von Ihnen? Den kann man in Stein gießen und der Nachwelt erhalten.“

Ja, der ist original von mir.

Aber die Analyse und Erkenntnis, dass hinter der Politik des „Club of Rome“ eine Strategie der Konsumbeschneidung der Massen steht, haben Anfang der 70er andere kluge Köpfe geleistet.

Uns – damit meine ich die systemkritischen Durchblicker – war aber bereits 1973 klar, dass die angebliche Energiekrise mit Sonntagsfahrverbot ein Schwindelszenario und Strategie des Establishments war. So wie die Austeritätspolitik der damaligen Regierung Schmidt Teil einer systemerhaltenden Strategie war.

Das Ganze war ein Szenario, wie später die zahlreichen Bedrohungsinszenierungen, angefangen vom Waldsterben; über Vogelgrippe, BSE, Schweinegrippe, Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein, Flüchtlingsszenario 2015, Schweinegrippe 2009/10, Autoumweltzonen mit Abgasbetrug, Corona-Szenario 2020 und jetzt die Ukraine-Kriegseskalation.

Manipulationen mit Angstmache, Lügen und Betrug. Und die Massen begriffen nicht die Kombination mit der ökonomischen Salami-Taktik, welche die Arbeitsbevölkerung einschließlich der kleinbürgerlichen Mitte immer ärmer machte.

Die Massen verhalten sich a-politisch wie die drei bekannten Affen und thematisieren nur ihre Privatsphäre, so wie hier schöner und billiger Wohnen, ohne die großen Zusammenhänge zu erkennen und zu begreifen.

Freier

8. März 2022 23:41

@Japan: Ja es mag sein dass ich da sehe was ich unbedingt sehen will.

Zurück zum Thema: In Arbeitersiedlungen aus den 30ern hier in Deutschland fühle ich mich sehr wohl, und die Hasenkastigkeit fehlt. Trotz der Mehr- oder Einfamilienhäuser nach gleichem Grundriss, trotz des Rasens. Selbst Putz, Zement und Holz sind nicht besser als bei den 600.000€-Hasenkästen ein paar Straßen weiter.

Was ist also die Essenz des Hasenkastens? Wenn man Zement, Putz, Holz etc. vom Hasenkasten weg nimmt, was bleibt? Was ist, in Platos idealer Welt, der ideale Hasenkasten? Wäre vielleicht auch ein schönes Aufsatzthema für Kinder und Jugendliche, oder zum Malen.

RMH

9. März 2022 08:25

"angefangen vom Waldsterben;" Was noch mit das Realistischste von den Bedrohungsszenarien war. @Imagine, Sie sind noch älter als ich, aber eines ist am Ende klar. Die Luft in den Städten wurden ab den 80er Jahren immer besser, angefangen mit dem Ende der Holz-Kohle-Braunkohle Verfeuerung bis in die letzte Mietwohnung hinein (man erinnere sich: Da stand ein Herd-Ofen in der Küche, da stand, wenn schon ein richtiges Bad überhaupt da war, ein Boilerofen im Bad, da war der Heizofen in der "guten Stube", im Keller war die Waschküche etc.). Auch die Katalysator-Technik der Autos war im Nachhinein ein echter Segen ... 1980, perfekt eingefangen von der Band Fehlfarben

https://www.youtube.com/watch?v=btvq3F2llHw

Angst gab es in den 70er/80er Jahren auch vor der Atomkraft und natürlich dem Atomkrieg. Angst ist ein gutes Herrschaftsmittel und deswegen auch der Rückzug ins private, kleine, eigene Häuschen. Die Rückkehr des Biedermeier wurde ja schon seit längerem diagnostiziert, aber auch der Biedermeier hatte seine guten Seiten. Und so ist es mit dem eben mit dem bitter-süßen Leben des Semi Detached Suburban Mr James

Mitleser2

9. März 2022 09:14

@links ist wo der daumen rechts ist:"Und nun Kositza mit ihrer Spießer-Schelte, obwohl wir doch alle wissen, daß diese braven strukturkonservativen Leutchen den Laden bisher zusammengehalten haben."

Schrieb ich auch schon weiter oben. Alle, die hier hochmütig auf die Spießer herabschauen, sollen doch mal erklären, wie ihr Leben ohne die Spießer weitergehen wird. Ich möchte wissen, wie viele sich dann autark auf so was wie Schnellroda zurückziehen können. Und selbst dort wird es bei einem Zerfall der Gesellschaft eng werden.

 

wbs47

9. März 2022 11:41

@RMH: "Auch die Katalysator-Technik der Autos war im Nachhinein ein echter Segen"

Nur weiß heute kaum noch einer, daß ausgerechnet die GRÜNEN die Einführung des geregelten Katalysators durch den damaligen Verkehrsminister Zimmermann nicht nur ablehnten, sondern auch mit allen Mitteln bekämpften. 

Imagine

9. März 2022 12:07

1/2

@RMH  9. März 2022 08:25
„Angst gab es in den 70er/80er Jahren auch vor der Atomkraft und natürlich dem Atomkrieg. Angst ist ein gutes Herrschaftsmittel und deswegen auch der Rückzug ins private, kleine, eigene Häuschen. Die Rückkehr des Biedermeier wurde ja schon seit längerem diagnostiziert, aber auch der Biedermeier hatte seine guten Seiten.“

Völlig zutreffend.

Der Rückzug und die Flucht in ein privates und geordnetes mikrosoziales System hat eine entängstigende Funktion, allerdings um den Preis von Realitätsverlusts und politischer Impotenz.

Ebenso wie Drogenkonsum. Oder religiöses oder politisches Sektierertum.

Oder die Angstbewältigung durch Entwicklung einer Neurose mit Konstruktion einer Pseudo-Welt, wie wir seit Freud wissen.

Die Realitätsflucht aus der angstmachenden Welt produziert massenhaft Neurotiker und Psychopathen.

Imagine

9. März 2022 12:08

2/2

Sozialpsychologisch betrachtet, ist das Corona-Szenario ein Ausdruck einer kollektiven Psychopathologie. Das Virus macht einerseits zwar Angst, aber diese Angst kann man bewältigen durch Social Distancing und Impfen. So lässt sich die Bevölkerung wiederholt mit Genzeugs impfen und wird zum Fan von Lauterbach.

Schön, wenn es in der Gesellschaft keine größeren Probleme gibt als ein relativ harmloses Grippevirus.

Und jetzt freuen sich die Psychopathen darüber, dass „wir“ Waffen liefern und Sanktionen verhängen, obwohl die Waffen kriegsverlängernd sind und die Sanktionen uns schaden.

Auch Masochismus ist Ausdruck von regressiver Angst- und Realitätsvermeidung.

Leute aus dem Establishment gehen zu Dominas und zahlen viel Geld dafür.

Sadismus ebenso. Man denke an die Menschenquäler mittels Corona-Repressionen. Oder an die Kinderschänder.

Mitleser2

9. März 2022 18:53

@Imagine: "Uns – damit meine ich die systemkritischen Durchblicker ..."

Ihre Meinung von sich selbst will ich nicht bewerten. Nur: was haben Sie und Ihresgleichen denn seit 1970 bewirkt mit so viel Durchblick? Die Gesellschaft hat sich doch gerade nicht nach Ihren Vorstellungen entwickelt.

Imagine

9. März 2022 23:02

@Mitleser2  9. März 2022 18:53
„Nur: was haben Sie und Ihresgleichen denn seit 1970 bewirkt mit so viel Durchblick? Die Gesellschaft hat sich doch gerade nicht nach Ihren Vorstellungen entwickelt.“

Ein Wissenschaftler analysiert, dass ein Staudamm zu brechen droht oder eine Brücke, wie die Morandi-Brücke, zusammenbruchgefährdet ist. Er versucht, seine Umwelt zu warnen, aber die Menschen verhalten sich wie die bekannten drei Affen.

Oder man warnt vor den Genimpfungen oder der Gefahr einer Eskalation des Krieges.

Wenn sich eine Gesellschaft in einem autistisch-narzisstischen Todestrieb-Modus befindet, dann kann man diesen Prozess nicht mit kommunikativen Mitteln aufhalten, genauso wenig wie man Süchtigen die Suchtmittel ausreden kann oder wie man einen Dammbruch nicht aufhalten kann.

Als kritisch-realistischer Wissenschaftler kann man den Niedergang der eigenen Zivilisation diagnostizieren, so wie in der Menschheitsgeschichte viele Zivilisationen untergegangen sind. Und sich damit trösten, dass anderswo auf der Welt ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte im Entstehen ist.

Hier sei an einen Satz von Sieferle (2015) erinnert:
„Vielleicht ist der Untergang Europas dann ein Lehrstück für andere industrialisierte Zivilisationen (wie China), und vielleicht werden die letzten Europäer in Übersee Zuflucht suchen.“

Pferdefuss

10. März 2022 00:27

Findet zurück zum Wohnen, zur Wohnung (geschützter privater Raum), zur Gewohnheit, zum (Ge-)Wohn(heits)recht zum (An-)Gewöhnen, zum Wohn-Heim, ja sogar bis hin zum 'gewöhnungsbedürftig' und  'gewöhnlich'.    

Imagine

10. März 2022 10:07

@Pferdefuss   10. März 2022 00:27
„Findet zurück zum Wohnen, zur Wohnung (geschützter privater Raum)“

Wenn der Krieg zu uns kommt – und er wird zu uns kommen, wenn die Eskalation weiter von „uns“ angeheizt wird, dann schützt die Wohnung bei uns genauso wenig, wie sie die Menschen in der Ukraine schützt.

Wir haben uns in den vergangenen 77 Jahren daran gewöhnt, Zuschauer und Mittäter bei Kriegen zu sein, ohne selbst vom Krieg betroffen zu sein.

Aber jetzt sind wir im Krieg, wir sind Kriegspartei, indem wir der Ukraine Waffen liefern und einen Wirtschaftskrieg gegen Russland führen.

Heute können Sie diese Realität noch verdrängen, vermutlich aber nicht mehr lange.

Haben Sie Kinder und Enkel? Helfen Sie denen, dass sie auf einen anderen Kontinent kommen, der vom Kriegsgeschehen unberührt bleibt.

Europa ist längst im Krieg.

Mitleser2

10. März 2022 12:16

@Imagine:"Wir haben uns in den vergangenen 77 Jahren daran gewöhnt, Zuschauer und Mittäter bei Kriegen zu sein, ohne selbst vom Krieg betroffen zu sein."

Das ist richtig, genauso wie die "Wohlstandsverwahrlosung". FFF und Greta wären ohne so was ja nicht möglich.

Im Cicero ist gerade ein freier Artikel über unsere Abhängigkeit von u.a. russischen Rohstoffen. Es wird ein böses Erwachen.

Umlautkombinat

10. März 2022 14:11

@Imagine:"Wir haben uns in den vergangenen 77 Jahren daran gewöhnt, Zuschauer und Mittäter bei Kriegen zu sein, ohne selbst vom Krieg betroffen zu sein."

Gewoehnt ist der eine, gezielt in die Position gebracht worden zu sein, der andere Aspekt. Was #1 auch Folge sein laesst. Das ist ja m.E. unstrittig. Sowohl Westen als auch Osten durften in ihren als Staaten verkleideten Wohnzimmern - graduell verschieden -  etwas Politik spielen, aber nicht vor der Tuer. Das hat grossen Anteil an der Braesigkeit und Infantilitaet der politischen Aussenwirkung dieses Landes. Was aber das Misstrauen anderer Spieler - s. den verlinkten Beitrag des STRATFOR-Gruenders im anderen thread - kein Jota gelindert hat.

Entschuldigt aber auch nicht, dass man die Dinge nun selbst in die Hand nehmen muss.

 

 

Dieter Rose

10. März 2022 15:27

@Mitleser2

Gerade ausgerechnet:

Nach den neuen Preislisten von THÜGA werden sie die Gaspreise nach meiner Rechnung von 1000 auf 4400 EURO erhöhen.

 

 

Imagine

10. März 2022 16:27

Vor 15 Jahren bei der großen Weltwirtschaftskrise 2007/08 gab es noch einen Plan B fürs Auswandern, was für mich persönlich aber nicht mehr in Frage kommt. Kinder haben wir nicht. Etwas anders wäre es, wenn ich jünger wäre und wir gute Freunde und Verwandte in einem Land hätten, welches weder von Krieg noch von Bürgerkrieg bedroht ist und in dem noch rechtsstaatliche und demokratische Verhältnisse existieren.

Unser Deutschland und unser Europa sind untergegangen. Denn hier haben der Rechtsnihilismus, die Arroganz und Ignoranz sowie die Verrohung auf Seiten des Establishments sowie der Massen ständig zugenommen.

Man denke an den verfassungs- und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien, an das Volksverarmungs- und Zwangsarbeitssystem „Hartz IV“, an die Verarmung und Enteignung mittels des EURO, an die EU-Diktatur, die „Umvolkung“, die Corona-Diktatur und nun die Kriegseskalation.

In Deutschland gibt es keine freiheitliche, demokratische und rechtsstaatliche Ordnung mehr. Das sind keine bürgerlich-liberalen Verhältnisse mehr, sondern die Entwicklung tendiert immer mehr in Richtung Verbrecherherrschaft und „Brasilianisierung“.

Es gibt Widerstand, aber der ist gegen dieses Ausmaß von moralischen Verfall und Korruptheit leider zu schwach, um „von innen“ eine Tendenzwende erreichen zu können.

Für den Fall der Fälle haben wir vorgesorgt, wir werden nicht jämmerlich krepieren.

RWDS

11. März 2022 07:46

"Das Geld ist ja da (ich sage nur: 100 Milliarden…); man muß es nur gescheit verteilen. Grüne Regierung: hallo?"

Bitte bringen Sie die doch nicht auf Ideen, Frau Kositza. Sonst wohnen in den alten Gemäuern bald Ukrainer und "Ukrainer", aber keine SiN-Leser.

Pferdefuss

11. März 2022 10:45

@ Imagine

Danke der Nachfrage. Kinder und Kindeskinder sind nicht (mehr) in Deutschland. Nur ich Fossil tue mich schwer, unserem Land, Verwandten, dem Freundeskreis - und der Gewohnheit, womit wir wieder beim Wohnen wären - den Rücken zu kehren. 

Imagine

11. März 2022 13:34

@Pferdefuss  11. März 2022 10:45
„Nur ich Fossil tue mich schwer, unserem Land, Verwandten, dem Freundeskreis - und der Gewohnheit, womit wir wieder beim Wohnen wären - den Rücken zu kehren.“

Schlesien war die Heimat meiner Eltern und Großeltern. Es ist immer schwer, diese zu verlassen.

Meine Großmutter väterlicherseits kam in einem kollektiven Suizid um, zu dem der Nazi-Bürgermeister das Dorf angestachelt hatte, als die Rote Armee nahe war.

Meine Großeltern mütterlicherseits und meine Mutter blieben ihrem geliebten Haus in Schlesien und ertrugen erst die Russen- und dann die Polenherrschaft, wobei die letztere die weitaus schlimmere war. Erst 1947 flüchteten sie in den Westen.

Das Bild vom Elternhaus hing in unserem Wohnzimmer, bis sie meine Mutter – der Vater war bereits früh verstorben - krankheitsbedingt ins Alten- und Pflegeheim kam.

Anfang der 90er Jahre reisten wir mit meiner Mutter nach Schlesien in ihren Heimatort. Fast ein halbes Jahrhundert hatte meine Mutter unter der Vertreibung und dem Verlust der Heimat gelitten.

Aber dort in Polen angekommen, wollte sie bald zurück „nach zu Hause in die Heimat“, die sie jedoch nie als neue Heimat erlebt hatte, sondern sich bislang immer als Heimatvertriebene fühlte.

 

Pferdefuss

11. März 2022 18:14

@ Imagine

Obwohl ich bei Ihrem Pseudonym eher an John Lennon denken muss, sind wir durch Schlesien wohl mehr verbunden. Die Fremde, das Fremde, der Fremde - immer eine Zumutung: Psychisch am leichtesten, aber physisch am schwersten dort, wo Pionierland ist, also Raum zum Wirken und Gestalten, in der Mitte liegt der sonnige Süden als Alterssitz, am schwersten die Vertreibung/Flucht ohne Wiederkehr, weniger schwer - wie man beobachten kann, bei den Gastarbeitern, wenn der geografische und familiäre Bezug erhalten bleibt. Ausdruck gefunden hat das in der sog. doppelten Staatsbürgerschaft, zumeist der Türken.

Da sind noch die Weltenbummler, Kosmopoliten, überall und nirgends zu Hause und dem Fernweh mehr zugetan als dem Heimweh. Ich wechselte altersgemäß in jeweiligen Lebensphasen.  

P.S. Die Schlesier scheinen ganz besonders heimatverbunden gewesen zu sein, was sich auch vererbt.    

Pferdefuss

11. März 2022 18:41

@webs47 @Kositza

Bevor der Kommentarbereich geschlossen wird, möchte ich für den Hinweis auf den unermüdlichen Herrn Wieland danken und ihn allen anderen hier noch einmal wärmstens ans Herz legen.  D e r  profunde Kenner, sanfte Kritiker und melancholische Liebhaber unserer Kulturlandschaft.

Die Sünden: Stichwort: Flurbereinigung im Westen, im Osten Enteignung. Wieland hat ein Empfinden für Mauer-, Fugenpflanzen ebenso wie für Giebel, Gaupe, Hain und Feldweg. Der Unterschied zu den Grünen: Die wollen Biotope und zwischendurch Industrielandschaft, Wieland setzt auf organisch gewachsenen Ort samt Umgebung; für Wohnen als etwas wie Atmen, Essen, Trinken, Schlafen - Leben eben! 

Gotlandfahrer

13. März 2022 12:50

Ach wenn doch nur alle gegen den Strom schwömmen.

Einer Masse Kopiehaftigkeit zu attestieren trifft aus meiner Sicht nicht den Problemkern. Dass Ikea Individualität bietet glaubt doch niemand, eher Unsicherheitsbewältigung durch stilistische Vorselektion und Prozesseffizienz. Dass die Werbung einem dann das, was man will, durch das, was man zwar wollen will aber aufgegeben hat zu wollen, verkauft, ist auch nichts Ungewöhnliches, Religionen "arbeiten" da oft nicht anders, sofern sie als Arbeit ausgeübt werden.

Mit meiner DHH komme ich ganz gut klar, individuell wird sie durch meine Heftsammlung der Sezession. Besser, als das, was schon Hans Scheibner mit "Mümmelmannsberg" besang. Im nächsten Leben restauriere ich dann ne Burg.