Widerstand und Tod, Vormärz und Biedermeier

Am 16. März hat der Jungeuropa Verlag mitgeteilt, sein Autor Mykola Krawtschenko sei tags zuvor gefallen, bei Butscha, nordwestlich von Kiew.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Myko­la, Jahr­gang 1983, hat­te für die deut­sche Über­set­zung der ukrai­ni­schen Pro­gramm­schrift Natio­kra­tie ein Vor­wort ver­faßt und die Bedeu­tung die­ses Buchs für das Selbst­ver­ständ­nis sei­ner Nati­on erläu­tert. Er fiel durch Artillerie­beschuß. Zwei Wochen zuvor, am 3. März, war Myko­las Vater gefal­len, ein­und­sech­zig­jäh­rig, als Frei­wil­li­ger wäh­rend der Ver­tei­di­gung Charkows.

Der Krieg in der Ukrai­ne rückt auf die­se Wei­se näher, weil jemand, der noch vor weni­gen Mona­ten oder Wochen als Wis­sen­schaft­ler und Publi­zist gear­bei­tet und Plä­ne für Pro­jek­te gehabt hat­te, sei­nen Schreib­tisch ver­ließ, um etwas kaum Vor­stell­ba­res zu tun: zu kämp­fen und einen frü­hen Tod in Kauf zu nehmen.

Ole­na Semen­ya­ka ist Koor­di­na­to­rin der Inter­ma­ri­um Sup­port Group, einer nicht­staat­li­chen Initia­ti­ve, gegrün­det vom Natio­nal­korps, des­sen Spre­che­rin wie­der­um Semen­ya­ka ist. Sie wird an Män­ner wie die der Fami­lie Krawt­schen­ko gedacht haben, als sie eini­ge unse­rer Fra­gen beant­wor­te­te, zwei Wochen nach dem rus­si­schen Angriff:

Ruß­land wird wei­ter­ma­chen bis zum Ende, und die Ukrai­ne wird nicht auf­hö­ren bis zur völ­li­gen Wie­der­her­stel­lung ihrer ter­ri­to­ria­len Inte­gri­tät, die Krim ein­ge­schlos­sen. Ein diplo­ma­ti­scher Weg mit bei­der­sei­ti­gen Zuge­ständ­nis­sen ist nicht mehr mög­lich. Wir war­ten auf die Bela­ge­rung Kiews, auch wenn die Stadt, die am meis­ten lei­det und drin­gend Ver­stär­kung braucht, Mariu­pol ist. Wir haben so unse­re Zwei­fel, daß der Nach­schub, der von den Rus­sen seit den Frie­dens­ge­sprä­chen zusam­men­ge­zo­gen wur­de, von gro­ßer Bedeu­tung ist. Ab und an gibt es Ver­su­che, unse­re Ver­tei­di­gungs­li­ni­en zu durch­bre­chen, oder es fliegt eine Droh­ne über die Haupt­stadt, aber es wird Ruß­land kaum gelin­gen, eine gro­ße Stadt wirk­lich unter Kon­trol­le zu bringen.

Von woher kam die Mail? Viel­leicht schrieb Frau Semen­ya­ka aus Kiew, viel­leicht von irgend­ei­nem ver­bor­ge­nen Ort aus, wir wis­sen es nicht, und sie tut gut dar­an, ihren Auf­ent­halts­ort nicht zu ver­ra­ten. Jeden­falls klingt, was sie schrieb, in der Ein­schät­zung der Lage rea­lis­tisch, sprach­lich entschlossen:

Der wich­tigs­te Grund des erfolg­rei­chen Wider­stands, der Ruß­land die Zeit stiehlt und die zwei­te Mobi­li­sie­rungs­wel­le erzwingt, ist die hohe Moti­va­ti­on des ukrai­ni­schen Mili­tärs und der Zivil­be­völ­ke­rung. Es ist sinn­los, die Ukrai­ne zu ›den­azi­fi­zie­ren‹, wie Putin es nennt, da die gesam­te Nati­on, nicht nur ein paar mys­ti­sche ›natio­na­lis­ti­sche Füh­rer‹, ent­schie­den den Besat­zern entgegentritt.

Kampf, Aus­har­ren, Flucht, Tod – ele­men­ta­re, auf­ge­zwun­ge­ne Daseins­bil­der, etwas ande­res gibt es dort nicht mehr, und so gesche­hen am öst­li­chen Rand Euro­pas Din­ge, die in unse­rer deut­schen Welt nicht mehr vorkommen.

Wir ver­las­sen unse­re Schreib­ti­sche, wenn über­haupt, um gegen eine Fehl­ent­wick­lung zu demons­trie­ren, gegen Ein­schrän­kun­gen unse­rer Frei­heit, gegen die mit medi­zi­ni­scher Not­wen­dig­keit begrün­de­te Über­grif­fig­keit des Staa­tes, gegen Über­frem­dung oder gegen den Mas­sen­mord an unge­bo­re­nem Leben.

Wir haben aber, wenn wir aus frei­en Stü­cken auf die Stra­ße gehen, kaum etwas zu befürch­ten, jeden­falls kei­nen Beschuß und kein Gefecht auf Leben und Tod, allen­falls ver­ba­len Unflat von der ande­ren Stra­ßen­sei­te her und behörd­li­che Regis­trie­rung. Danach gehen wir wie­der nach Hau­se und stel­len fest, daß wir mehr Teil­neh­mer gezählt haben als die Poli­zei und der Spiegel.

Dage­gen ist nichts ein­zu­wen­den, so ist es hier­zu­lan­de. Das ist der Vor­märz, das ist der Hand­lungs­spiel­raum hilf­lo­ser Bür­ger nach der Restau­ra­ti­on, die Ansamm­lung von revo­lu­tio­nä­ren Impul­sen in einer Zeit abträg­li­cher Sta­bi­li­tät. Es ist die Zeit der Ein­sicht in Macht­ver­hält­nis­se, der Ernüch­te­rung und des Zurecht­kom­mens. Und es ist die Zeit des bespöt­tel­ten klei­nen Glücks, des Rück­zugs ins Pri­va­te, in den über­schau­ba­ren, hand­hab­ba­ren, unmit­tel­ba­ren Bereich, in Zusam­men­hän­ge also, die man über­bli­cken und in denen man sich for­mend bewe­gen kann.

Sti­che­lei und Samm­lung, Rück­zug, kein Ver­schleiß, Vor­märz und Bie­der­mei­er – das ist unse­re Lage. In ihr muß kei­ne kla­re Ent­schei­dung fal­len, man kann auch lavie­ren. In sich selbst gegen einen fal­schen Frie­den den Ernst­fall aus­zu­ru­fen ist eben etwas ande­res, als zu ­wis­sen: Die­se Stadt, die­ses Haus, die­ses Fens­ter­loch muß heu­te und mor­gen von mir gehal­ten wer­den, denn es ist jetzt kein ande­rer da.

– – –

Nach­trag: Das Kom­men­ta­ri­at kom­men­tier­te und frag­te nach. Könn­te es nicht sein, daß sich Fra­gen erüb­ri­gen, wenn Leu­te mit ihrem Leben bezah­len? Ich schla­ge mich, indem ich das schil­de­re, nicht auf eine Sei­te, das kann man mei­nem ers­ten Bei­trag über den Krieg in der Ukrai­ne ent­neh­men, wei­te­re Bei­trä­ge wer­den kaum not­wen­dig sein.

Ich schla­ge mich also nicht auf eine Sei­te, son­dern fan­ge ein, daß Leu­te viel­leicht Pro­le­ten, Hoo­li­gans und Faschis­ten sind, viel­leicht aggres­siv, ange­ödet und unbür­ger­lich, viel­leicht bele­sen, fata­lis­tisch und ver­zwei­felt – daß sie aber nicht geflo­hen sind, son­dern jetzt das tun, wor­über sie spra­chen und wor­an sie sich entzündeten.

Durch­hal­te­pro­pa­gan­da, Wider­stand­ser­mu­ti­gung – was erwar­ten Sie ande­res von Ole­na Semen­ya­ka? Einen ver­grü­bel­ten Nach­mit­tag auf dem Zau­ber­berg? Ein hät­te, wäre, könn­te? Es wird mobil­ge­macht, es wird gekämpft, man­cher fällt. Das kann man beschrei­ben und mit unse­rer Lage ver­glei­chen, und man macht es wohl, um zu zei­gen, daß man auch die­ses Mal nicht in der mora­li­schen Bun­des­li­ga mit­spie­len will, um eine wei­te­re Gut-Böse-Par­tie auszutragen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (47)

Hajo Blaschke

17. März 2022 18:22

Ja, dieser Krieg ist wie jeder Krieg grausam. Und wir können jetzt aus Solidarität für die Ukraine frieren, demonstrieren und Hilfe leisten. 

Wer hat acht Jahre lang gefroren, demonstriert und Hilfe geleistet, als der ukrainische Staat im Donbass 14000 Bürger seiner eigenen Bevölkerung abgeschlachtet hat? Niemand. Das waren doch nur Russen. Wie Scholz süffisant lächelnd Putin korrigiert hat, war das doch kein Völkermord, da von den Kriterien für Völkermord nur ein einziges Kriterium erfüllt sei. Dreckiger kann man seinen Zynismus nicht zum Ausdruck bringen.

Ob wir das wollen oder nicht, Russland wird in zwei, drei Wochen die Ukraine demilitarisiert und auch mit dem Bandera-Faschismus Schluss gemacht haben.

Wer die Ukraine nicht kennt und nur einseitige Informationen inhaliert, kann das nicht verstehen. Ich habe erlebt und nicht nur einmal, wie Russen in der Ukraine von Ukrainern behandelt worden. Ein Präsident, der im Gegensatz zu den hiesigen Politikern für sein Volk da ist, konnte sich das nicht mehr länger mit ansehen.

 

Auf Sehrohrtiefe

17. März 2022 18:22

Es erscheint mir angemessen, diese sachlichen Worte wirken zu lassen ohne Kommentierung. Sachliche Worte sind so seltsam und kostbar in dieser Zeit. Gerne mehr davon.

Niekisch

17. März 2022 18:28

"Wir haben aber, wenn wir aus freien Stücken auf die Straße gehen, kaum etwas zu befürchten, jedenfalls keinen Beschuß und kein Gefecht auf Leben und Tod, allenfalls verbalen Unflat von der anderen Straßenseite her und behördliche Registrierung".

1968/69  gab es das auch in Deutschland schon und die Zukunft wird es wieder bringen.

Mboko Lumumbe

17. März 2022 18:29

Männer fallen. Frauen und Kinder fliehen. Schicksalszeit einer Nation.

Und bei uns?

Eine linksrotgrüne Regierung hat uns in den Kosovo-Krieg getrieben und jetzt treibt uns wieder eine linksrotgrüne Regierung in die nächste Kriegsbeteiligung.

Die Einschläge kommen immer näher. Die Bequemlichkeiten enden. Ahnungen und Befürchtungen weichen Gewissheiten.

Aus dem Vormärz sprießt der Frühling. Wie wird der Sommer werden? Ein kalter Winter steht auch uns bevor!

quarz

17. März 2022 19:07

Kaum an anderer Stelle wurde der Kontrast zwischen diesen beiden Daseinsmodi so deutlich beschrieben wie in Thomas Manns Zauberberg. Sieben Jahre verbrachte Hans Castorp im beschaulichen Ambiente des Davoser Sanatoriums, speiste vornehm, wohnte intellektuellen Disputen bei, träumte sich in Wohlklänge und fantasierte erotisch herum, bevor wir ihn im großen Finale herausgerissen sehen aus dieser geschützten Welt und taumelnd im Kanonendonner des Schlachtfeldes.

Volksdeutscher

17. März 2022 19:34

Mich rührt das Schicksal des Kiewer Regimes nicht, sie können mit noch so viel falschem Pathos den Äther füllen. Dieser Lumpenstaat hat versagt. Russische Zivilisten im Donbass und ungarische Zivilisten in den Vorkarpaten wurden Jahrzehnte lang von ihnen schikaniert und terrorisiert. Jetzt besingen sie aber in heißen Worten die Freiheit, die sie jenen genommen haben, die immerhin ihre eigenen Statsbürger sind! Nun winseln sie die Welt voll, daß dieses Spiel zu Ende zu gehen droht. Die Ukraine - ein zusammengestückeltes, anderen Nationen entwendetes Land ist nich wert, daß sie in der noch jetzigen Form fortbesteht. Leider wird sie aber in der jetzigen Form bleiben, auch wenn die Russen die ihnen genehmen Leute an die Macht hieven sollten. "Ihre" Führer, die ihnen falsche Versprechungen machten und den Anschluß an "Europa" einredeten, sowie zu ihrer Täuschung den großen Nationalisten vorspielten, gehören zu einer anderen Ethnie, deren emotionalen Bindungen nicht in der ukrainischen Volksseele, sondern eher in Tel Aviv zu suchen sind. Selenskij als einer der ihren hat ebendeshalb versucht, diese Karte auszuspielen. Bislang ohne Erfolg. Hoffen wir, daß kein Jude aus Israel bereit ist, für die Ukraine zu sterben.

Skeptiker

17. März 2022 19:43

@ Hajo Blaschke

Dadurch, dass Sie unter jeglichen Artikel immer die gleiche einseitige Darstellung schreiben, zeigen sie nur, dass sie nicht in der Lage sind, differenziert zu denken oder einfach auch einmal zu schweigen. Mich beschämt, dass gerade Ihr Geplärre als erster Kommentar unter diesen wohl gesetzten Worten erscheint.

Mboko Lumumbe

17. März 2022 20:22

@ Hajo Blaschke

Ihnen als Kenner der Ukraine ist gewiss Holodomor ein Begriff. Auch das mag eine Rolle gespielt haben im Umgang von Ukrainern mit Russen.

RMH

17. März 2022 20:47

Ein Text, der den Versuch einer Erdung, einer Rückbindung vornimmt - offenbar wurde er von Manchem nicht verstanden oder einfach nicht sorgfältig gelesen. @Auf Sehrohrtiefe schreibt das Richtige, ich schließe mich an, keine weiteren Worte von mir in diesem Debattenstrang.

Allnichts

17. März 2022 20:52

Ich unterstütze den Gedankengang. Wir alle leben hier vergleichsweise gemütlich, riskieren höchstens den sozialen Tod. Wirklich gekämpft und für die eigene Weltanschauung gestorben wird an einem anderen Ort.

Und auch so mancher rechte Politiker, Denker, Autor, Unterstützer in Deutschland, auch so mancher Kommentator aus diesem Forum stünde bei entsprechender geopolitischer Lage auf Putins Abschussliste. Das darf während der Sympathieverteilung bedacht werden.

Raskolnikow

17. März 2022 20:59

 "Vor kurzem noch war der Horizont das Maß aller Dinge gewesen. Jetzt war das Sichtbare verengt. Das Gebilde aus Menschenhand schwebte im Nebelmeer, war von der Erde abgestürzt."

(HH.Jahnn)

Lieber Götz,

als Einem dem es beschieden war, beides zu schauen: das ernüchternde Biedermeier als auch die "elementaren Daseinsbilder", erlaube mir doch ganz ohne kühle Schamhaftigkeit zu konstatieren: der Krieg ist leichter zu ertragen.

Das Leben in der bundesdeutschen diktatorischen Schwebe, die Unsicherheit auf dem Holzschiff, das einmal unser Volk war. Der heimliche Mord, das Misstrauen, die Wut ohne Ziel und Ausweg, die Schäbigkeit der täglichen Besorgungen, die Abwesenheit jeder Größe, kurz: all der Ekel des Daseins. Ohne jede elementare Bedrohung, aber auch ohne elementares Glück.... Wie könnte das eine leichtere Bürde sein?

Krawtschenko starb unter GRAD-Feuer. Manch anderer wurde unter GRAD-Feuer neu geboren...

Mit cordialen Grüßen,

R.

Hajo Blaschke

17. März 2022 21:15

@ Mobil, ja, Holodomor ist mir natürlich bekannt. Aber solche grausamen Aktionen, die zu Zeiten des Stalinterrore dazu dienten, Nahrungsmittel für den Export zu generieren, gab es nicht nur in der Ukraine. Die gab es in Russland, in Kasachstan, in Kirgisien. Das war die Wahrheit zu Stalins Zeiten. Was haben die russischstämmigen Bewohner der Ukraine damit zu tun. Die hat es genauso getroffen. Woraus ergibt sich für eine ukrainische Regierung die Berechtigung, im Donbass Leute abzuschlachten?

Hajo Blaschke

17. März 2022 21:27

Skeptiker, kann sein, dass Sie die Wahrheit stört. Ich bin natürlich von Ihrem Standpunkt tief beeindruckt. Ich gehe davon aus, dass Sie die Situation besser kennen als ich. So wie Scholz, dem der Nachweis eines Völkermordes an der Donbass-Bevolkerung, der mittlerweile der UNO vorliegt, ein zynisches Grinsen in die Visage treibt.

Nur zur Information: gemäß dem in der Ukraine geltenden Gesetz über die Einteilung in Volksgruppen sind Russen in Kategorie drei. Diese Kategorie bedeutet, dass Russen, Ungarn und Rumänen rechtlos sind. Was das bedeutet, können Sie auf Videos von Poroschenko gerne nachverfolgen. Auch, warum sich die Ungarn und Russinen in den Karpaten an Orban gewandt haben mit dem Wunsch, sich aus der Ukraine zu verabschieden.

RWDS

17. März 2022 22:05

Es fällt mir schwer das Kriegstrommeln der NWO/WEF-Schergen und der versammelten Globohomo-Sekte mit dem Kampf für Volk und Nation eines Krawtschenko in Einklang zu bringen.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund?

MARCEL

17. März 2022 22:09

Hat mich betroffen gemacht, hatte kürzlich noch Natiokratie, mit Krawtschenkos Vorwort beginnend, gelesen. Vor allem Sziborskyis Betonung, dass die Nation vor dem Staat komme bzw. die Grenzen des Staates nicht mit den Grenzen der Nation in eins fallen, habe ich mit Sympathie aufgenommen.

Der jetzt beginnende russische Terrorkrieg gegen die Städte erinnert fatal an die serbische Dauer-Beschießung Sarajevos in den 90igern. So einfallslos wie brutal. 

Hierzulande muss nur die Grundversorgung richtig knapp werden und erste organisierte Plünderungen (durch wen wohl?) etc. pp. auftreten, damit man an sich entdeckt, was man im Ernstfall alles kann. Weil womöglich niemand Offizielles mehr da sein wird...

Die Stunde einer "rechten Commune" hätte geschlagen?

 

Laurenz

17. März 2022 23:00

GK schreibt diesmal nicht philosophisch oder politisch, sondern über Sein persönliches Empfinden, weil es jemanden getroffen hat, den Er kennt. Das ist immer eine andere Dimension.

@Hajo Blaschke

gerne nochmal Machiavelli "Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt."

Adler und Drache

17. März 2022 23:22

Was wiegt schwerer: Die tägliche Zermürbung der Seele oder der Angriff auf Leib und Leben? 

Ich weiß es nicht. Die Angst vor dem unbekannten Übel dürfte bei den meisten Menschen (so auch bei mir) größer sein als die Angst vor dem bekannten Übel. Und deswegen stimmt man dem bekannten Übel dann doch wieder zu, richtet sich irgendwie darin ein, redet sich ein, dass wenigstens Friede sei. 

"Sie geizen allesamt, klein und groß, und beide, Propheten und Priester, gehen allesamt mit Lügen um und trösten mein Volk in seinem Unglück, dass sie es gering achten sollen, und sagen 'Friede! Friede!', und ist doch nicht Friede." (Jer 6)

Es gibt Leute, die froh wären, aus der Zwangsjacke herauszukommen und ins Gefecht zu ziehen - ich glaube es ihnen. Die Reduktion aufs Wesentliche wäre eben auch eine große Klärung: dieses Fensterloch, das genügt. 

Und manch einer hat vielleicht gar nicht so viel Angst um sich selbst, aber dafür große Angst um Frau und Kinder.  

Gerald

17. März 2022 23:46

Teja, der furchterregende dunkle Krieger in Felix Dahn „Ein Kampf um Rom“ hatte das Glück, in Totila einen blonden, vom Glück begünstigten Sohn der Götter einen Ausgleich zu haben. „Ich hab ihn lieb wie die Nacht den Morgenstern. Aber er ist so hell, er kanns nicht fassen, dass andre dunkel sind und bleiben müssen.“ Die Ästhetik von Frau Semenyaka und ihrem Asow-Batallion ist nur düster, und ihre Legitimation speist sich scheinbar ausschliesslich aus ihrer Antihaltung. Wo ist das lebensbejahende Element, die jenseits allem Aggressiven ruhende Gelassenheit, wenigstens die trotz Trauer und Wut doch vorhandene bewundernde Anerkennung des Teja zum Totila?

Ich kann die Sehnsucht nach charakterbildenden sich-den-Elementen-aussetzen nachvollziehen. Aber wenn ich RWDS recht verstehe, ist es schwer damit übereinzubringen, sich als GRADfutterspeerspitze von Fremden missbrauchen zu lassen, denen das Heil der ukrainischen Nation auf ihrer Prioritätenliste keine Rolle spielt.

Annotation

18. März 2022 00:01

Ein Krieg bricht wohl herunter!? Auf die Normalität!? Vielleicht kannst du einem Mann wieder ins Gesicht sehen, ihm die Träne des Verlustes aus dem Auge wischen, um dann mit einer riesigen Faust in den Gegner zu hauen? Wer ist der Gegner? Es ist der, den der liebe Gott auf die andere Seite gestellt hat. Diese Seiten sind für uns irrelevant. Wie das Geschwätz darüber. Die Schwätzer achten bitte auf das namenlose Fensterloch von Kubitschek und Raskolnikows Geburtsanzeige!

FranzJosef

18. März 2022 07:09

Sehr geehrter Herr Kubitschek!

Ich habe 2 Fragen an Sie: Halten Sie das Verhalten Krawtschenkos und seines Vaters für vorbildlich? Glauben Sie Frau Semenyaka?

Antwort Kubitschek:
Ich habe meinem Beitrag einen Nachtrag angehängt.

Nemo Obligatur

18. März 2022 08:02

Von alters her waren wir Deutschen das Volk der Dichter und Denker. Kriege haben uns kein Glück gebracht. Allein Bismarck verstand sich auf dieses Instrument, weil er Frieden zu schließen wusste. Sonst ging es stets übel aus.

Den Frauen, Kindern und Alten soll Hilfe zuteil werden. Man kann Gewehre, Panzerfäuste, und Granaten liefern, wo diese nötig sind. Aber es gilt das Ende zu bedenken: Wer weiß schon, wer diese Waffen morgen in den Händen hält und gegen wen er sie richtet? Was kommt auf uns zu? Wer seine eigenen Grenzen, seine Bahnhöfe und Boulevards, nicht schützen kann oder auch nur will, der sollte sich hüten, die Dämonen des Krieges zu beschwören.

MARCEL

18. März 2022 09:12

Der Nachtrag ermahnt uns nochmal: Weder die russische noch die ukrainische Sache ist vollständig mit der unsrigen gleichzusetzen.

Daneben bleibt die Bewunderung für das aufopferungsvoll kämpfende ukrainische Volk als Beispiel für uns intakt.

Eine mögliche Kurzformel: wohlwollende Neutralität 

John Jack Russell

18. März 2022 09:19

Ich habe größten Respekt davor, wenn jemand bereit ist, sein Leben für eine Sache aufs Spiel zu setzen, aber  -- vielleicht liegt an meinem fehlenden Wissen, vielleicht liegt es an meiner eigenen Dekadenz -- in diesem Fall verstehe ich beim besten Willen nicht, weshalb ein Rechter zu der Auffassung kommt, dass der Kampf für das ukrainische Regime eine gute Sache sei, die den Einsatz des eigenen Lebens rechtfertigt. Ich verstehe auch das ganze Asow-Bataillon nicht. Auf der einen Seite klare Nazisymbolik und ultrarechte Positionierungen, auf der anderen Seite der Kampf für ein Regime, dessen erklärtes Ziel es ist das eigene Land unter der Führung eines wirklich grenzenlos unsympathischen jüdischen Präsidenten mit aller Macht in die westliche Gemeinschaft (EU,NATO) einzuführen. Es ist mir ein Rätsel, weil es in meinen Augen keine außen- wie innenpolitisch destruktive Macht gibt als den Westen ... 

quarz

18. März 2022 10:27

@Russell

Zur Erklärung trägt wohl die Verabsolutierung von Sekundärtugenden bei. Das finden wir bei Linken wie bei Rechten. (Heutige) Linke neigen dazu, Toleranz als Tugend zu verabsolutieren und außer Acht zu lassen, welchen Wert das Tolerierte hat und welche Folgen es hat, wenn Unwertes toleriert wird. Rechte wiederum neigen dazu, Gehorsam an Tugend zu verabsolutieren und außer Acht zu lassen, welchen Wert dasjenige hat, in dessen Namen und zu dessen Förderung man gehorcht und welche Folgen es hat, wenn in Fällen gehorcht wird, in denen der Gehorsam die Sache nicht wert ist.

KlausD.

18. März 2022 11:17

@ Hajo Blaschke  17. März 2022 21:27

Lassen Sie sich nicht von Leuten irre machen, die nichts weiter im Sinn haben, als der herrschenden Meinung hinterher zu laufen, d.h. der Globalistenpropaganda auf den Leim zu gehen, wie bereits bei Corona geschehen, auch hier zu beobachten. Dabei scheinen sie nicht zu wissen, daß derartige militärischen Auseinandersetzungen bereits mehrfach auch auf deutschem Boden stattgefunden haben. Beispielsweise am 29.8.1756, als der preußische König Friedrich II., einem Angriff der verbündeten Österreicher und Sachsen zuvorkommend, Sachsen besetzen ließ. Des weiteren der deutsche Krieg von 1866, als Preußen und Österreich den Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland militärisch ausgetragen haben. 

Karl Otto

18. März 2022 11:26

In „El País“ aus Madrid ist ein Interview mit ukrainischen Anarchisten, die sich dem Kampf gegen die Invasoren angeschlossen haben:

https://elpais.com/videos/2022-03-16/anarquistas-ucranios-toman-las-armas-contra-la-invasion-rusa.html

Nach deren Aussagen wird der Einfluss Rechtsradikaler auf der ukranischen Seite bewusst übertrieben: „Die Existenz rechtsradikaler Milizen wird von Russland benutzt, um das gesamte ukrainische Militär zu Nazis zu erklären. … „In Russland sitzen die Antifaschisten im Gefängnis. Es gibt eine extreme Unterdrückung jeder Opposition, auch der Anarchisten. Viele unserer Freunde sind im Gefängnis, und viele Russen sind in die Ukraine geflohen, um Putins Regime zu entgehen. … Im spanischen Bürgerkrieg kämpften Tausende Freiwillige in den Internationalen Brigaden gegen Franco, und heute rufen wir Anarchisten und Antifaschisten auf, sich unserem Kampf in der Ukraone anzuschließen.“

Sie berufen sich übrigens auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Nestor_Machno

Allnichts

18. März 2022 12:10

John Jack Russell:

Versetzen Sie sich in die Lage: Sie haben es mit der Konfrontation zweier Imperialismen zu tun, welche beide Ihren eigenen Interessen entgegengesetzt sind. Der eine kann Sie nicht leiden, erkennt Sie soweit aber als Machtfaktor im eigenen Land an, bindet Sie ein und lässt Ihnen Freiraum, bietet faktisch auch eine gewisse Sicherheit für den Staat als solchen, der andere kann Sie nicht leiden, will Ihr Land unterwerfen, es wehrunfähig machen, sich Teile davon einverleiben und Sie töten. Dazu kommen noch bedeutend schlechtere historische Erfahrungen mit der einen Seite als mit der anderen. Einen grossen nationalistischen Block, auf dessen Seite Sie sich schlagen könnten, gibt es nicht. Eine Enthaltung ist nicht möglich bzw. bedeutete, die Heimat im Stich zu lassen.

Ich hoffe, als Aussenstehender das Geschehen einigermassen korrekt beschrieben zu haben. In manchen Situationen gibt es nun einmal nur schlechte Auswahlmöglichkeiten, es wird jene mit dem grössten Potential genutzt.

Hannes91

18. März 2022 12:31

John Jack Russell,

ihre Frage ist leicht zu beantworten. Entgegen dem deutschen Nationalismus, etwa dem Ziel sein Volk zu einen, gegen Fremde zu verteidigen usw., war der "ukrainische Nationalismus" von Beginn an dazu da um die Russen auf dem "Randgebiet-Ukraina" abzuspalten, die eigene russische Kultur abzulehnen, und den Hass auf die eigenen Volksbrüder als Kern dieser Ideologie zu verbreiten. Sie haben schon immer für Fremde gearbeitet, für die Polen, für die Deutschen und nach dem Krieg für die Amerikaner. Ukraine ist ein Projekt bei dem man den Gegensatz von völkischen und "nationalistischen" Denken sehr gut beobachten kann. Hier wird eine rein künstliche politische Nation erzeugt, ohne völkischer oder kultureller geschichtlicher Grundlage. Nicht nur das, es soll ein Antivolk geschaffen werden. So als wenn man bei uns aus Antifa-Leuten eine antideutsche Nation kreieren würde die alles Deutsche ablehnt und Deutschenhass der Kern ihrer Ideologie wäre. Der "ukrainische Nationalismus" war immer Werkzeug fremder Mächte gegen Russland, und so kämpfen und töten sie auch heute für geopolitische Interessen der USA. Auch wenn die meisten Anhänger wegen der ideologischen Gehirnwäsche vielleicht überzeugt sind tatsächlich für etwas "Gutes" zu kämpfen, so sind Typen wie Krawtschenko und die ganzen Bandera- Propagandisten nichts weiter als bewusste CIA Handlanger und Volksverräter.

wbs47

18. März 2022 12:34

Ich habe mir inzwischen drei Videos mit Berichten von Betroffenen dieses Krieges angesehen. Einmal die Aussagen mehrerer - laut Selenskij bei der Verteidigung der Schlangeninsel heldenhaft Gefallener - nach ihrer Kapitulation, Entwaffnung und anschließenden Freilassung durch die Russen, und dann noch von mehreren aus Mariupol Geflüchteten. All denen ist es sch...egal, ob wir hier im Westen darüber streiten, wie groß der Anteil der rechtsradikalen Milizen ist. Diese Menschen haben unisono das unterirdische Kümmern um die Belange der Zivilisten seitens der ukrainischen Behörden beklagt. Das sollte uns hier mit dem warmen A...sch zu denken geben! Und deshalb verabscheue ich zutiefst jegliche Helden-Macherei - auf allen Seiten!!!

Marc_Aurel

18. März 2022 12:47

Ich verstehe das der Kampf, das Opfer, der Mut für eine Sache bis zur letzten Konsequenz einzutreten und die Verteidigung der Nation gerade auf das rechte Lager eine gewisse Faszination ausüben, aber obwohl ich selbst patriotisch und nationalistisch gesinnt bin, kann ich mit der Truppe, die in Kiew seit 2014 regiert, nichts anfangen, abgesehen davon vielleicht, dass ich die ukrainischen Nationalfarben und das Wappen ästhetisch ansprechend finde. Um an die Macht zu kommen, haben sie sich mit dem Yankee eingelassen, dabei musste ihnen klar sein, dass dies seinen Preis haben würde (u.a. geopolitischer Spielball) und dass sie damit ihr Land den Falschen ausliefern. Ich vermute es war Ihnen egal, persönliche Bereicherung und Machtgewinn standen wohl im Vordergrund.

Sie ließen die Ausplünderung der Ukraine zu (z.B. Hunter Biden), die Errichtung von Bio-Waffen-Forschungslaboren (späterer, hochriskanter Einsatz der Forschungsergebnisse in oder nahe der Ukraine wahrscheinlich), sie provozierten die Abspaltung der Ostgebiete durch Repressionen und Gräueltaten, Militärentsendung anstatt Dialog und schlussendlich haben sie alles dafür getan (oder tun müssen), um die Provokation mit Russland auf die Spitze zu treiben. Der Krieg in der Ukraine wäre ohne diese Clique niemals ausgebrochen, es hätte viele andere Möglichkeiten gegeben, vor allem wenn man das Wohl der Ukraine wirklich im Blick gehabt hätte, schöne (falsche) „Patrioten“ sind mir das.

Imagine

18. März 2022 13:11

@RWDS   17. März 2022 22:05
„Es fällt mir schwer das Kriegstrommeln der NWO/WEF-Schergen und der versammelten Globohomo-Sekte mit dem Kampf für Volk und Nation eines Krawtschenko in Einklang zu bringen.“

Jeder einzelne, der sich freiwillig in einen kriegerischen Konflikt einbringt, muss sich die Frage stellen: Für wen oder was kämpfe ich und riskiere mein Leben?

Und im Falle der Ukraine geht es nicht um die Verteidigung von Demokratie, Freiheit und Souveränität, denn zuvor war die Ukraine ein armes und korruptes Land mit Status einer US-Kolonie, regiert von Oligarchen und einer US-hörigen Marionettenregierung.

Diejenigen, die als Kämpfer ihre körperliche Unversehrtheit und ihr Leben aufs Spiel setzen, sind nur Schachfiguren und Kanonenfutter im Rahmen eines globalstrategischen Kriegsgeschehens, wobei die russische Militäraktion vom US-Empire provoziert wurde und nun das Kriegsgeschehen durch Sanktionen und Waffenlieferungen eskaliert wird.

Laurenz

18. März 2022 13:22

@Allnichts @JJR

Ganz Osteuropa ist noch von der sowjetischen Herrschaft angewidert. Das ist auch nachvollziehbar. Bezüglich stalinistischer Geschichtsschreibung ist Putin auch mit Schuld daran, daß man die Stalinzeit nur als Opferzeit stilisiert. Dem war natürlich in keiner Weise so. Aber die Bolschewisten-Keule auszupacken ist genauso dämlich, wie die Nazi-Keule. Und man sieht doch am besten an unserem eigenen Schicksal, was passiert, wenn man sich keiner Weltmacht unterordnen will.

@Karl Otto

Wenn Sie spanische Nachrichten über Franco lesen, ist das immer nur die halbe Wahrheit. Spätestens ab irgendwann 37 waren die Republikaner fest in Stalins Hand. Dazu kann man den Kriegsverbrecher Hemingway lesen, aber viel besser ist Orwell. Orwell bekam die Visionen zu seiner Weltliteratur durch Gespräche mit meist Jüdischen Mitgliedern von Stalins "Freiwilligen-Bataillonen" & nicht durch die Aktionen des faschistoiden Franco. Dazu waren die Franquisten geistig viel zu harmlos.

@JJR

Stellen Sie Sich das ungefähr wie die aktuelle Opposition in Ungarn vor. Man geht alle möglichen Kompromisse ein, um an der Macht teilhaben zu können. Erinnern Sie Sich an von Papen.

Skeptiker

18. März 2022 14:28

Ich finde es schon höchst bemerkenswert, dass hier die Plünderung der Ukraine durch Eliten angeprangert wird, wo deren Zivilbevölkerung gerade von einem völlig korupten russischen Regime angegriffen wird, in dem einige wenige Milliardäre das Volkseigentum an Bodenschätzen für ihr dekadentes Luxusleben veruntreuen. Offensichtlich möchte die übergroße Mehrheit der Ukrainer von einer derartig verkommenen Elite weder befreit noch regiert werden. Oder wie erklärt sich in ihren Augen der massive Widerstand und die Massenflucht? Schon bemerkenswert diese pro russische Doppelmoral bei einem Teil der Rechten und extremen Linken.

Oderint

18. März 2022 15:12

Die Selbstverständlichkeit, mit der ukrainische Freunde und Bekannte als Freiwillige den Waffenrock anlegen, ohne lange nachzudenken, macht mich baff. Ebenso, dass ihre Frauen, so sie nicht sogar selber kämpfen, sie nicht zurückhalten.

Wie kann man das erklären? Zum einen der Hass auf die Russen, der in der Westukraine geradezu epigenetisch verankert ist, der Holodomor traumatisiert auch nachfolgende Generationen. Würde die Ukraine beispielsweise von Rumänien angegriffen, wäre die Reaktion vermutlich deutlich anders.

Zum anderen sind die Ukrainer immer noch sehr erdverbunden, so gut wie jeder Stadtbewohner hat auch noch ein Wochenendhaus mit Garten im Dorf, wo er pflanzt und erntet. Der Ukrainer verteidigt sein Land, nicht seinen Staat und schon gar nicht seine notorisch korrupte Regierung.

Imagine

18. März 2022 15:34

1/2

Am Anfang des politischen Handelns geht es immer darum, ganz konkret zu klären und differenzieren, wer der Hauptfeind ist, mit wem man  gemeinsame Interessen hat und kooperieren kann und wer „neutral“ ist.

Meine Freiheit, meine Gesundheit und mein Wohlstand werden nicht bedroht durch Putin und Russland auch nicht durch Xi Jinping und China, sondern durch das transnational organisierte Verbrechertum im Empire, ein soziales Geflecht, was auch als „Block an der Macht“ bezeichnet wird.

Dieses Establishment will mich zwangsimpfen, mir mein Eigentum an und die Selbstbestimmung über meinem Körper nehmen und mein erarbeitetes und erspartes Vermögen durch Inflation etc. enteignen.

Der „Transhumanismus“ zielt auf gentechnische Veränderung des Genoms mit dem Ziel der Totalversklavung.

In dieser Betrachtung ist der Ukraine-Krieg nur ein Nebenkriegsschauplatz eines globalstrategischen Geschehens.

Global betrachtet wird China die führende industrielle Wirtschaftsmacht in der Welt werden, Russland besitzt die meisten natürlichen Ressourcen und das US-Imperium ist zwar nach wie vor die stärkste Militärmacht der Welt, aber die kapitalistische Zivilisation befindet aufgrund ihrer strukturellen liberalistischen A-Sozialität und Verbrecherherrschaft im Niedergangsprozess.

China hat inzwischen das beste und leistungsfähigste Bildungssystem der Welt und ist vielen Bereichen inzwischen in Forschung und Entwicklung führend geworden.

Hajo Blaschke

18. März 2022 16:11

Skeptiker, ich kann mich nur wiederholen: wenn man bei einem Thema sinnvoll mitdiskutieren möchte, sollte man auch versuchen, allumfassende informationen benutzen. Woher wollen sie wissen, dass die ukrainische Bevölkerung massiv gegen die russische Armee Widerstand leistet? In Cherson z.B. sind die russischen Soldaten mit Freude und Erleichterung empfangen worden. Von der Bevölkerung wurde sofort nach Einrücken russischer Soldaten eine Zivilverwaltung organisiert, damit Ordnung und Versorgung aufrechterhalten bleiben.

Zu Ihren Behauptungen über Russland äußere ich mich nicht, die sind so uninformiert, dass mir die Energie für eine Antwort leidtut.

Hajo Blaschke

18. März 2022 16:35

Der eigentliche"Revoluzzer" des Staatsstreichs gegen das Zarenreich 1917 nannte sich Lew Trotzki, im Geburtsregister seines Heimatdorfs eingetragen als Levy Bronstein. Sohn eines Besitzers mehrerer Zuckerfabriken, verheiratet mit der Tochter eines Wallstreet-Bankers, Zeitungsschreiber einer US-amerikanischen Anarchisten-Postille. Trotzki war der Drahtzieher des Bürgerkriegs im nachzaristischen Russland. Wer sich mit dieser Figur beschäftigt, kann nicht umhin festzustellen, dass die Absichten dieser Personalie war, ein System zu schaffen, um Russland zu zersplittern und gnadenlos auszubeuten. Die ethnischen Russen hießen bei ihm "weiße Neger". 

Die nach dem Putsch gegen den gewählten Präsidenten Janukowitsch 2014 an die Macht gekommenen Figuren waren die Erben von Trotzki, vor allem ethnisch. Und die Bevölkerung der Ukraine wurde durch sie und noch verstärkt durch korrupte Yankees ebenfalls als weiße Neger eingeordnet und ausgebeutet.

In Mainstream-Medien liest man sowas natürlich nicht. Ob man das bei SiN lesen wird?

Andrenio

18. März 2022 17:37

Polen in der Zwischenkriegszeit: Drangsalierte Minderheiten, natürlich auch die Ukrainer, die Juden (zahntausende flüchteten ins NS-regierte Deutschland) und Deutsche (flüchteten zu Millionen).

Der NKWD leistete dann ganze Arbeit in den erbeuteten Gebieten der Sowjetunion. Als dann die Wehrmacht in Wolhynien und Gallizien einmarschierte, entlud sich zunächst der Hass gegen die jüdischen Geheimdienstler, die dort die Mehrheit der Kader stellte. Dann wandte sich der Hass gegen die früheren polnischen Unterdrücker. An der polnischen Minderheit, früher die herrschende Schicht, entlud sich ein Massaker mit über 100.000 Toten.

Stepan Bandera kämpfte schon früh für die ukrainische Unabhängigkeit und wurde 1934 wegen der Teilnahme an der Ermordung des polnischen Innenminister Bronislaw Pieracki zunächst zum Tode verurteilt, dann zu Lebenslänglich begnadigt.

Er ließ sich von der Abwehr anwerben und war im Einsatz gegen die UdSSR. Schon kurz nach dem deutschen Einmarsch wurde er am 05. Juli 1941 unter Hausarrest gestellt und am 15.09.41 verhaftet. Seine Liquidierung war beschlossene Sache. Von Januar 1942 bis April 1944 war er Häftling im KZ Sachsenhausen. Seine Brüder Oleksander und Vasyl kamen im KZ Auschwitz 1942 um. Sein Vater wurde vom NKWD am 10.07.41 erschossen.
Ähnlich wie Wlassow kämpfte er für sein Vaterland und gegen den Kommunismus.

Sieht so ein Nazikollaborateur aus?

FranzJosef

18. März 2022 18:19

zum Nachtrag von Kubitschek:

"Es wird mobilgemacht, es wird gekämpft, mancher fällt. Das kann man beschreiben und mit unserer Lage vergleichen ..."

Gibt es *irgendetwas* an diesem Krieg, was noch nicht beschrieben worden ist? Wer immer noch "mobilmachen" oder "durchhalten" will, dem empfehle ich Gerd Ledig "Die Stalinorgel". Und wer unbedingt "mutig" oder "männlich" sein möchte, dem empfehle ich ohne Maske in einen Supermarkt zu gehen.

Der_Juergen

18. März 2022 18:56

Dass ich die russische Intervention für absolut notwendig halte - Putin hatte im Interesse seines Volkes keine andere Wahl mehr, als einzugreifen -, hindert mich nicht daran, den ukrainischen Nationalisten, die für ihre Ideen ihr Leben zu geben bereit sind, meine Achtung zu zollen. 

Gotlandfahrer

18. März 2022 19:31

Wenn ein junger Mann, zudem noch seinem Vater folgend - right or wrong, it's my country - in den Krieg für die "Freiheit" seines Volkes zieht und darin umkommt, ziehe ich voller Respekt und Trauer meinen Hut. 

Davon unabhängig wurde die übergeordnete Grosslage bereits auf SiN sowie in einigen Kommentaren beschrieben und Raskolnikow - meine Freude, endlich wieder etwas von dieser Feldpostnummer zu lesen,  war gross - hat es trefflich ergänzt.

Mir kam eine zwar unwichtige, aber die sich auftürmende Paradoxienhalde "linker" Positionen vielleicht komprimiert adressierende Frage in den Sinn: Was macht eigentlich Gerald Hensel von Scholz & Friends, betreibt der noch seinen Nazi- Enttarnungsblog dawaidawai.com?

Werner42

18. März 2022 19:42

Was ich hier in vielen Kommentaren lesen muss ist erschütternd. Das ich jemals die AfD wählen konnte und mich vielem verbunden fühlte was in der Sezession zu lesen war, kann  mir jetzt nur noch die Schamesröte ins Gesicht treiben. Immer deutlicher wird, das ungebildete rechtsradikale Antisemiten die neurechte Bewegung unterwandert haben - damit habe ich nichts gemein. Wer tatsächlich glaubt das ein Putin eine gute Alternative zum Merkelsystem sei - der hat leider nicht mehr alle Tassen im Schrank. Bei aller Kritik am deutschen System - aber wer ernsthaft glaubt das wäre eine Gesellschaft in der Typen dieses Kommentatorenvolks sich besser verwirklichten könnten - da kann man sich nur noch an den Kopf fassen...viel Spaß in Sibirien kann ich da nur sagen. Insgesamt ist die neurechte Bewegung zu einem esoterisch verblasenen Haufen verkommen der sich u.a. mit durchgeknallten Anthroposophen gemein macht und immer weniger zu einem klaren Gedanken fähig ist. Der einzig klare Kopf in der sezession ist Heino Bosselmann - auch bei Kubitschek meint man manchmal einen leisen Zweifel zu spüren, ob er den Tiger reiten kann, den er da bestiegen hat - und ob das die richtigen Kameraden sind die sich da um ihn scharen. Was würden Ernst Jünger und Gottfried Benn sagen wenn sie die Kommentare hier lesen müssten - ich kann mir kaum vorstellen, daß sie etwas damit zu tun haben wollten.

Eo

18. März 2022 19:45

Statt einen Putin
und mit diesem ganz Rußland zu isolieren und aus der (westlichen) Völkergemeinschaft zu exkommunizieren, wäre es für die Zukunft der Welt und der Menschheit wohl ratsamer, den Hassäern ein vergleichbares Schicksal zu bereiten ...

RafaelBoban

18. März 2022 20:12

@Laurenz

Ich schätze, viele Ihrer Kommentare, aber bei diesem ist es etwas zu einseitig. Obwohl Sie selbst schreiben:

Ganz Osteuropa ist noch von der sowjetischen Herrschaft angewidert. Das ist auch nachvollziehbar. Bezüglich stalinistischer Geschichtsschreibung ist Putin auch mit Schuld daran, daß man die Stalinzeit nur als Opferzeit stilisiert. Dem war natürlich in keiner Weise so.

Genau dieses ist der Punkt, den ich in dieser Diskussion etwas vermisse. Die Perspektive der Mittel- und Osteuropäer insbesondere der Ukrainer, die alles mögliche Leid unter den Sowjets, aber natürlich auch unter dem imperialem Russland  erlitten haben. Deswegen, sehe ich in Russland und Putin auch keine Alternatives System, er ist einfach ein alter KGB Agent, der die verschiedenen russischen Strategien und Mythen wiederbelebt, um wieder Großmachtstatus zu erlangen. Dabei spielt es keine Rolle um es sich um kommunistische oder zaristische Ideen handelt. Gleichberechtigte Partner sind nicht erwünscht, ähnlich wie bei den Amerikanern. Das alles ist nur schwer mit den Interessen anderer europäischer Staaten in Einklang zu bringen. Zu handeln, wie bestimmte „Rechte“ und Kränze für die Rote Armee niederzulegen, kann sowieso keine Lösung sein.

Skeptiker

18. März 2022 20:13

@Hajo Blaschke

Das würde ich Ihnen genauso empfehlen. Ich habe berufsbedingt täglich sowohl mit russischen wie auch ukrainischen Staatsbürgern zu tun. Die bestätigen ihre russischen Propaganda-Narrative in keiner Weise. Aber glauben Sie, was Sie wollen. Es ist offensichtlich sehr schmerzhaft zuzugeben, dass man sich schlichtweg geirrt hat. Ihr Blick ist einfach sehr einseitig und getrübt, weil sie auf theoretischer Ebene verharren anstatt einfacher mit einem breiten Spektrum direkt Involvierter zu reden. Antworten Sie doch einmal konkret: Warum sind mittlerweile Millionen Ukrainer vor dem russischen Terror geflüchtet? Vor ihren Befreiern?

RafaelBoban

18. März 2022 20:17

Ich verbinde nicht viel Positives, weder mit der US-Politik noch der Europäischen Union und all den anderen Clowns, aber dies ist kein Kampf der Systeme sondern der Kampf eines Volkes, dass sich einer Aggression erwehrt und um ihr überleben tapfer streitet. Jemand, der sein Leben für sein Land gibt, kämpft nicht für eine Regierung, einen Staatschef oder ein System, sondern seine Nation und sein Volk. Weil eine Regierung nicht ideal ist, rechtfertigt keine Ratschläge nach dem Motto ich ergebe mich in mein Schicksal und werde russischer Vasall. Für die Mittel-osteuropäischen Staaten gibt es sowieso nur das Intermarium Konzept, welche deren Souveränität und Prosperität in Zukunft  

Adler und Drache

18. März 2022 20:43

GKs Nachtrag spricht mir aus dem Herzen, trotzdem die Fragen: Kann man sich die Enthaltung leisten? Ja, schon irgendwie ... noch. Aber soll man sie sich auch leisten? Am Putinismus ist nichts begehrenswert, das sollte wohl klar sein. Nichts. Keiner von euch will darunter leben, und ich auch nicht. Dennoch ist er die aktuelle Verteidigungslinie gegen das Regenbogenimperium. Man muss sich mit dem arrangieren, was ist, nicht auf das warten, was man sich wünscht.  

So wenig ich dem Putinismus abgewinnen kann: Es gibt halt sonst kaum etwas von Belang, das sich dem durchdrehenden Westen in den Weg stellt.

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