Angst und Ökonomie

PDF der Druckfassung aus Sezession 102/ Juni 2021

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Michel de Mon­tai­g­ne (1533 – 1592) wird die Erkennt­nis zuge­schrie­ben, daß die Angst »alle ande­ren Beein­träch­ti­gun­gen an Hef­tig­keit« über­stei­ge. Nun leb­te der katho­li­sche Phi­lo­soph in der Hoch­pha­se der »Huge­not­ten­krie­ge« von 1562 bis 1598. Angst mein­te wäh­rend die­ser acht ver­zweig­ten reli­giö­sen und macht­po­li­ti­schen Kon­flik­te ursäch­lich Todesangst.

Wäh­rend die­ser gegen­sei­ti­gen Mas­sa­ker und Racheor­gi­en am Ende der Renais­sance fes­tig­te sich in Frank­reich die zen­tra­lis­ti­sche Macht; regio­na­le und »föde­ra­le« Son­der­hei­ten wur­den strikt unter­ge­ord­net. Hein­rich IV. (1553 – 1610, fran­zö­si­scher König ab 1589) schuf den Pari­ser Ein­heits­staat und über­wand damit die zurück­ge­kehr­te »Angst des Natur­zu­stan­des«, in dem »jeder jeden töten« konn­te, wie Carl Schmitt for­mu­lier­te. In sei­ner staats­phi­lo­so­phi­schen Schrift Levia­than affir­miert Schmitt eine sol­che Über­win­dung des ele­men­ta­ren Bür­ger­krie­ges durch eine orga­ni­sier­te Enti­tät, da erst in einem sol­chen »›zivi­len‹, staat­li­chen Zustand alle Staats­bür­ger ihres phy­si­schen Daseins sicher« sei­en; erst »hier herrscht Ruhe, Sicher­heit und Ordnung«.

Angst als wesent­li­che Todes­angst wur­de in der Geschich­te der letz­ten fünf Jahr­hun­der­te somit immer wie­der durch den Staat ein­ge­hegt, der die phy­si­sche Exis­tenz sei­ner ihm anver­trau­ten Staats­bür­ger zu schüt­zen hat­te (was er frei­lich nicht immer leis­ten konn­te oder woll­te), wäh­rend die All­tags­be­rei­che der Men­schen, dar­un­ter die per­sön­li­che Stel­lung im Wirt­schafts­pro­zeß, größ­ten­teils durch die Ver­hält­nis­se struk­tu­riert und tra­diert wur­den: Der Mensch wirk­te ent­spre­chend sei­ner gemein­schaft­li­chen Auf­ga­be, die stän­di­sche Glie­de­rung sorg­te für Gewiß­hei­ten, die Reli­gi­on gab einen Denk- und Hand­lungs­rah­men vor – den ein­zel­nen umga­ben somit fes­te reli­giö­se, poli­ti­sche und öko­no­mi­sche Gefü­ge. Den Tod zu ver­mei­den, vor dem man sich in Gestalt des Krie­ges oder einer Krank­heit fürch­te­te, blieb das zen­tra­le, in jedem Fal­le pri­mä­re Motiv im Kon­text der Angst.

Doch Angst umfaßt mehr Teil­be­rei­che als die Angst vor der eige­nen Aus­lö­schung, ins­be­son­de­re in den für vie­le Men­schen kom­ple­xen und damit for­dern­den Epo­chen der Moder­ne und der Post­mo­der­ne. Angst stellt nun­mehr, in den Wor­ten des Wahr­neh­mungs­for­schers Rai­ner Maus­feld, »all­ge­mein eine Ver­un­si­che­rung des Gefühls­le­bens dar«, die man, bezieht sie sich auf ein kon­kre­tes Objekt, »Furcht« oder »Real­angst« zu nen­nen gewöhnt ist, wohin­ge­gen Angst, der es an einem kon­kre­ten Gegen­stand zumin­dest objek­tiv man­gelt, als »neu­ro­ti­sche Angst« oder als »Bin­nen­angst« firmiert.

Real­angst im Sin­ne Maus­felds kön­ne durch akti­ves Han­deln des betrof­fe­nen Men­schen bewäl­tigt wer­den, Bin­nen­angst blei­be dem­ge­gen­über »in der Per­son gefan­gen« und wer­de »als gegen­stands­lo­se, kaum kon­kre­ti­sier­ba­re Grund­stim­mung in das eige­ne Leben auf­ge­nom­men, lähmt die betrof­fe­ne Per­son, zehrt ihre Ener­gien aus und ver­stärkt ihre Nei­gung zu Rück­zug, Iso­la­ti­on und schließ­lich zu Regres­si­on und Apathie«.

Nicht ver­wun­der­lich erscheint dem­nach, daß Bin­nen­ängs­te macht­po­li­tisch in erheb­li­chem Maße instru­men­ta­li­sier­bar wir­ken und aus­ge­nutzt wer­den kön­nen. Daher sind Akteu­re, die einen sol­chen Typus von Angst zur gesell­schaft­li­chen Waf­fe machen, dar­an inter­es­siert, daß Bin­nen­ängs­te geför­dert wer­den – auch, indem For­men der Real­angst (Furcht) ver­stärkt in Arten der Bin­nen­angst trans­for­miert wer­den. Ent­spre­chen­de Trans­for­ma­tio­nen in der neue­ren und neu­es­ten Geschich­te bezeich­net Maus­feld als »zen­tra­le Herr­schafts­tech­nik«, die erst unter den Bedin­gun­gen der kapi­ta­lis­ti­schen Demo­kra­tien der west­li­chen Hemi­sphä­re reüs­sie­ren konn­te. Denn hier gehe es wesent­lich dar­um, eine vor­han­de­ne Dis­kre­panz zwi­schen der wohl­füh­len­den Rhe­to­rik der Demo­kra­tie und den Rea­li­tä­ten des Kapi­ta­lis­mus zu ver­schlei­ern, um die Legi­ti­mi­tät des Bestehen­den zu maxi­mie­ren und den grund­sätz­li­chen Wider­spruch (als Dis­sens mit den Herr­schen­den) zu minimieren.

Auf der einen Sei­te gab es in West­eu­ro­pa in Zei­ten des modi­fi­zier­ten Kapi­ta­lis­mus im Sin­ne einer sozia­len und geheg­ten Markt­wirt­schaft Schutz­maß­nah­men ver­schie­dens­ter Art für die abso­lu­te Mehr­heit der Bevöl­ke­rung über alle Schich­ten hin­weg, von denen vie­le – auf­grund der libe­ra­len »Arbeits­markt­re­for­men« längst nicht alle – noch heu­te wirk­sam sind und ein Sicher­heits­netz bie­ten. Auf der ande­ren Sei­te gelang es den Kräf­ten des Mark­tes im Zei­chen der »lan­gen Wen­de zum Neo­li­be­ra­lis­mus« (Wolf­gang Stre­eck) ab den 1980er Jah­ren, zuneh­mend Bar­rie­ren für die eige­ne Ent­wick­lung zu besei­ti­gen, die Natio­nal­staa­ten markt­för­mig umzu­bau­en und die rela­tiv gesi­cher­ten Ver­hält­nis­se des »klas­si­schen« Arbeits­mark­tes zuneh­mend zuguns­ten eines »fle­xi­blen« Pen­dants zu ersetzen.

Das ging ein­her mit einem erheb­li­chen Zuwachs von bis dato aty­pi­schen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen: Aus Beru­fen wur­den Jobs, aus Fest­an­stel­lun­gen tem­po­rä­re, aus unbe­fris­te­ten Ver­trä­gen befris­te­te, aus tarif­ver­trag­lich gebun­de­nen Beschäf­ti­gun­gen immer häu­fi­ger gering­fü­gi­ge, aus dem unter­neh­mens­ver­bun­de­nen Mit­ar­bei­ter der Leih­ar­bei­ter usf. Die bekann­ten Pole der rela­ti­ven Ein­kom­mens- und Lebens­pla­nungs­si­cher­heit wichen in den letz­ten vier Jahr­zehn­ten in vie­len Berei­chen und vor allem in länd­li­chen Regio­nen »pre­kä­ren«, das heißt unbe­stän­di­gen und unbe­re­chen­ba­ren Arbeits­ver­hält­nis­sen, was sich auf Fami­li­en­pla­nung und Lebens­qua­li­tät der Betrof­fe­nen aus­wir­ken kann.

Rai­ner Maus­feld ver­weist daher auf die imma­nen­te Funk­ti­on der Angst (i. S. v. Bin­nen­angst) für bestimm­te Gesell­schafts­schich­ten im Kapi­ta­lis­mus: Wer Angst vor beruf­li­chen (und damit in der Regel auch pri­va­ten) Brü­chen in sei­ner Bio­gra­phie mit sich trägt, erweist sich für die poli­tisch und öko­no­misch Herr­schen­den als gefü­gi­ger und kon­for­mis­ti­scher; fer­ner läßt er sich leich­ter auf sei­ne neue iden­ti­täts­stif­ten­de Rol­le als »Unter­neh­mer sei­ner selbst« zurück­wer­fen, der einem per­ma­nen­ten Schwe­be­zu­stand aus­ge­setzt ist.

Just die­se Situa­ti­on, die die rund vier Mil­lio­nen Selb­stän­di­gen in Deutsch­land als Teil ihres Lebens­ent­wurfs nur all­zu gut ken­nen, wird fort­an auch für einen erkleck­li­chen Teil der 27 Mil­lio­nen Ange­stell­ten und der sie­ben Mil­lio­nen Arbei­ter aller Bran­chen – das ist die abso­lu­te Bevöl­ke­rungs­mehr­heit im erwerbs­fä­hi­gen Alter – zumin­dest als laten­te Bedro­hung rea­ler: Je nach indi­vi­du­el­ler Ver­trags­si­tua­ti­on (befris­tet vs. unbe­fris­tet, Leih­ar­bei­ter vs. Tarif­ver­trag usf.) kann die Ein­kom­mens­quel­le ver­sie­gen, kann ein Sprung ins Unbe­kann­te erfor­der­lich sein, was ideo­lo­gisch auf­ge­la­den als »Frei­heit« des ein­zel­nen pro­pa­giert wird.

Zuge­spitzt fährt Maus­feld fort, daß es sich hier­bei um einen »per­ver­tier­ten Frei­heits­be­griff« hand­le. Die »Frei­heit« einer Per­son bezie­he sich dar­auf, daß »sie sich den Kräf­ten des ›frei­en Mark­tes‹ zu unter­wer­fen« und, »von allen gesell­schaft­li­chen und sozia­len Ban­den ›befreit‹«, als Markt­teil­neh­mer zu funk­tio­nie­ren habe, was einer kon­ti­nu­ier­li­chen Ent­wur­ze­lung gleich­kom­me. Zudem wer­de die Ver­ant­wor­tung ein­sei­tig die­ser ent­wur­zel­ten Per­sön­lich­keit auf­ge­bür­det: »Schei­tert sie auf dem ›Markt‹, so darf sie nicht gesell­schaft­li­che Ver­hält­nis­se ver­ant­wort­lich machen, son­dern muß dies ihrem indi­vi­du­el­len Ver­sa­gen zuschreiben.«

Obschon offen­sicht­lich ist, daß Maus­feld wie vie­le ande­re (Alt-)Linke dazu neigt, ein ent­ge­gen­ge­setz­tes Extrem zu favo­ri­sie­ren – die Per­sön­lich­keit von Selbst­ver­ant­wor­tung los­zu­sa­gen und (fast) alles »den Ver­hält­nis­sen« zuzu­schrei­ben –, bleibt sein im Anschluß ein­ge­führ­ter Ter­mi­nus »Psy­cho­tech­nik der Macht­sta­bi­li­sie­rung« beden­kens­wert. Der ein­zel­ne ist ja im Zeit­al­ter der libe­ra­len Mas­sen­ge­sell­schaft tat­säch­lich zu oft mit sich selbst beschäf­tigt, fin­det Ent­las­tung und Zer­streu­ung im Kon­sum, nimmt den Staat als jeder­zeit zu bemü­hen­den Dienst­leis­tungs­ga­ran­ten wahr, der einem eigen­ver­ant­wort­li­ches Den­ken »abnimmt«, und ver­mei­det in der Regel poli­ti­sches Enga­ge­ment in kol­lek­ti­ven Struk­tu­ren, da er, bewußt oder unbe­wußt, mit sich selbst und sei­nem (am bes­ten gele­gent­lich neu zu erfin­den­den) Lebens­ent­wurf und ‑voll­zug zu rin­gen hat. Der kon­sum­ori­en­tier­te Mensch, satt und ich­be­zo­gen, ist zu jeder Zeit der herr­schafts­sta­bi­li­sie­ren­de Mensch.

Die­ser neue Mensch, der gegen jede anthro­po­lo­gisch rück­ge­bun­de­ne Ver­nunft geschaf­fen wird, wird in unse­ren Tagen dop­pelt regle­men­tiert: Einer­seits durch den stra­fen­den Markt, der Aus­sche­ren (ob poli­tisch, mensch­lich, gesell­schaft­lich usw.) mit Sank­tio­nen (Arbeits­platz­ver­lust, Lohn­kür­zung usw.) beant­wor­tet. Ande­rer­seits schnürt der von Inter­es­sen­grup­pen aller Art usur­pier­te Staat den ein­zel­nen in ein Kor­sett von Rege­lun­gen und Vor­schrif­ten. Letz­te­res, in der Coro­na­kri­se vor allem für Selb­stän­di­ge aller Art – ganz beson­ders in den Berei­chen Gas­tro­no­mie und ­Ein­zel­han­del – erfahr­bar, kul­mi­niert in dem Zusam­men­spiel aus schwa­chem und star­kem Staat: schwach im Hin­blick auf gro­ße Spie­ler, sehr Ver­mö­gen­de, Lob­by­grup­pen aller Art; stark im Hin­blick auf die zur Norm wer­den­de Über­grif­fig­keit gegen­über dem durch­schnitt­li­chen Staatsbürger.

Maus­feld erfaßt die­se nega­ti­ve Erschei­nungs­form der Dia­lek­tik, wenn er die­sen schein­ba­ren Wider­spruch gera­de­zu als Essenz des Neo­li­be­ra­lis­mus in sei­nem End­zu­stand aus­macht (also augen­blick­lich, das heißt kurz vor sei­ner Auf­he­bung durch den Gre­at Reset in Rich­tung einer Mix­tur aus staats­mo­no­po­lis­ti­schem Kapi­ta­lis­mus 2.0, Big-Tech-Herr­schaft und feu­dal anmu­ten­der Reich­tums- und Macht­kon­zen­tra­ti­on bei links­li­be­ra­ler Hege­mo­nie über die geis­ti­ge Sphä­re): Der Neo­li­be­ra­lis­mus zie­le ab »auf die Schaf­fung eines gewäh­ren­den schwa­chen Staa­tes für Rei­che und Kon­zer­ne und zugleich auf die Schaf­fung eines star­ken dis­zi­pli­nie­ren­den Staa­tes für die Bevöl­ke­rung«. Eben­die­ses Prin­zip müß­te vom Kopf auf die Füße gestellt wer­den: ein gewäh­ren­der Staat »für die Bevöl­ke­rung«, also die »nor­ma­len Men­schen« des Vol­kes, ein star­ker und dis­zi­pli­nie­ren­der Staat für steu­er- und gemein­schafts­ver­mei­den­de »Rei­che und Kon­zer­ne«. Das Ver­hält­nis von Angst und Öko­no­mie sähe sich somit – zumin­dest in gröbs­ten Zügen – korrigiert.

Die Angst vor dro­hen­der (poli­tisch-öko­no­mi­scher) Dis­zi­pli­nie­rung und ihren gesell­schaft­li­chen Fol­gen kann man auf zwei Wegen über­win­den: Auf der einen Sei­te durch die För­de­rung eigen­ver­ant­wort­li­cher Per­sön­lich­kei­ten, die sich selbst jene Räu­me ver­schaf­fen, die ihnen die Luft zum Atmen las­sen; Per­sön­lich­kei­ten, die der Angst weder als rea­lem Phä­no­men noch als Kon­strukt der Angst-Lob­by­is­ten Zugriff auf ihr Leben gewähren.

Auf der ande­ren Sei­te gelän­ge dies, indem der Staat Schutz­räu­me grund­sätz­li­cher Natur für jene bereit­hiel­te, die weder zur Selb­stän­dig­keit ten­die­ren noch bei »den Gro­ßen« oder gar bei staat­li­chen oder staats­na­hen Stel­len sicher unter­ge­kom­men sind. Mit­zu­den­ken ist bei letz­te­rem Sach­ver­halt, daß unter jet­zi­gen gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ver­hält­nis­sen die Gestal­tung von nach­hal­ti­gen Schutz­räu­men von einem wider­sprüch­li­chen Cha­rak­ter geprägt ist. Denn sie müß­te gera­de so voll­zo­gen wer­den, daß Schutz durch den Staat nicht gleich­ge­setzt wird mit den Ansprü­chen, die man – nicht zuletzt auf­grund einer zeit­geist­be­ding­ten Voll­ver­sor­gungs­men­ta­li­tät in Tei­len der Gesell­schaft – an den Staat stel­len will, ver­stärkt auch durch For­de­run­gen migran­ti­scher Krei­se. Die­se Ein­schrän­kung ist bedeut­sam und kann final wohl erst auf­ge­ho­ben wer­den, wenn ein grund­sätz­li­cher Wan­del des Poli­ti­schen eben­so durch­ge­setzt wer­den kann wie eine beglei­ten­de Ver­än­de­rung gesell­schaft­li­cher Machtverhältnisse.

In einer Situa­ti­on, in der das domi­nie­ren­de Pro­blem­kon­vo­lut sei­ne Über­win­dung in einem ver­bes­ser­ten Staat ent­ge­gen­sä­he, wür­de man den »klas­si­schen« staat­li­chen Angst­ver­mei­dungs­auf­ga­ben – »Ruhe, Sicher­heit und Ord­nung« (Schmitt) – zwei­fel­los mehr Vor­schuß­ver­trau­en ent­ge­gen­brin­gen, als es auf­grund des heu­ti­gen, usur­pier­ten bzw. defor­mier­ten Appa­ra­tes und der Herr­schaft rot­grün rück­ge­bun­de­ner Gesell­schafts­er­zie­her der Fall sein dürf­te. Gegen­wär­tig tritt zu oft »an die Stel­le des Schut­zes durch den Staat […] der Schutz vor dem Staat« (Rein­hart Kosel­leck), indem Frei­heits­räu­me vor dem all­um­fas­sen­den Zugriff bewahrt wer­den müssen.

Die­se Umkeh­rung der Ver­hält­nis­se – prin­zi­pi­ell staats­na­he Men­schen auf der Suche nach staats­fer­nen Refu­gi­en – ent­spricht einer bun­des­deut­schen Son­der­si­tua­ti­on und birgt eini­ge Ambi­va­len­zen. Bei der Kri­tik an die­sem Staat und sei­nen han­deln­den Akteu­ren darf aus rech­ter Sicht kei­nes­wegs der Ein­druck erzeugt wer­den, daß man die Insti­tu­tio­nen per se ablehnt, obwohl es fal­sche Ent­schei­dun­gen bestimm­ter Poli­ti­ker und Ver­ant­wor­tungs­trä­ger sind, wel­che die Miß­stän­de her­vor­ru­fen und verschärfen.

Die staat­li­chen Insti­tu­tio­nen funk­tio­nie­ren prin­zi­pi­ell, sie sind ins­be­son­de­re in Deutsch­land tra­di­tio­nell trag­fä­hig. Nur wur­den sie über Jahr­zehn­te hin­weg zur Beu­te von Par­tei­en, Lob­by­grup­pen und einer aggres­si­ven, anti­fa­schis­tisch grun­dier­ten Zivil­ge­sell­schaft. Des­halb scheint auch im poli­tisch alter­na­ti­ven Bereich gele­gent­lich eine grund­le­gen­de Staats­fer­ne durch, wo es im eigent­li­chen Sin­ne um die Befrei­ung des Staa­tes von sei­nen Usur­pa­to­ren und um die Bewah­rung der Idee des Staa­tes gegen ihre rea­le Depra­va­ti­on gehen müßte.

Zu die­ser Idee des Staa­tes zählt auch – nicht zuletzt auf­grund des imma­nen­ten Soli­dar­prin­zips –, effek­ti­ve Schutz­schir­me für all jene zu set­zen und durch­zu­set­zen, deren Lebens­voll­zug ent­lang »nor­ma­ler« (in links­li­be­ra­ler Auf­fas­sung: »spie­ßi­ger«, »reak­tio­nä­rer« und der­glei­chen mehr) Mar­ker ver­läuft, deren mög­li­cher (!) Ver­lust spe­zi­fi­sche Angst­ge­füh­le repro­du­ziert: Arbeit, Fami­lie, Hei­mat. Es han­delt sich bei die­sen »nor­ma­len« Lebens­ent­wür­fen, für die der »bin­dungs­lo­se Selbst­ver­wirk­li­chungs-Indi­vi­dua­lis­mus« (Sah­ra Wagen­knecht) etwas Fer­nes ist und tra­di­tio­nel­le Gemein­schafts­wer­te etwas Nahes sind, gewiß nicht um jene vor Krea­ti­vi­tät über­bor­den­den, sich selbst ste­tig neu erfin­den­den Indi­vi­du­en und auch nicht um ver­schie­de­ne inno­va­ti­ve Unternehmertypen.

Aber die­se bei­den Bei­spiel­schich­ten kom­men in jeder moder­nen Gesell­schaft leid­lich vor­an und stel­len auch in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land natur­ge­mäß quan­ti­ta­ti­ve Min­der­hei­ten dar. Für die Mehr­heit, und auch dies wird durch die anhal­ten­de Coro­na­kri­se ver­stärkt, wächst Unsi­cher­heit dort, wo Abstiegs­rea­li­en oder auch nur Abstiegs­ängs­te zir­ku­lie­ren. Die hohe Legi­ti­mi­täts­ra­te in der Bevöl­ke­rung, wel­che die herr­schen­den Eli­ten trotz zuneh­men­der Malai­se genie­ßen, ist wesent­lich dem ewi­gen Wohl­stands- und Kon­sum­ver­spre­chen der Bun­des­re­pu­blik geschuldet.

Es brö­ckelt indes der Putz vom Mythos des Wirt­schafts­wun­der­lan­des BRD – »Das ist das bes­te, das frei­es­te Deutsch­land, das wir je hat­ten« (Jens Spahn dixit) –, wenn etwa die für vie­le Men­schen rea­le Gemenge­la­ge aus Arbeits­lo­sig­keits­er­fah­run­gen, rela­ti­ver Erwerbs­ar­mut (»Auf­sto­cken« bzw. Trans­fer­be­zug trotz eige­ner Arbeit), gewach­se­nem Nied­rig­lohn­sek­tor (der größ­te sei­ner Art in der EU), kon­stant hohen Pend­ler­zah­len sowie wei­te­ren Pro­blem­fel­dern wie Leih- und Zeit­ar­beit die Unsi­cher­heit ob der neu­en, »fle­xi­blen« und »offe­nen« Arbeits­markt­si­tua­tio­nen verstärkt.

Just aus einer Sicht, die dem gemein­schaft­li­chen Leben in tra­dier­ten und Sicher­heit offe­rie­ren­den Struk­tu­ren (Fami­lie, Volk, Nati­on etc.) mehr Prio­ri­tät bei­mißt als Pro­fit­ma­xi­mie­rung und ande­ren inhä­ren­ten Mecha­nis­men der herr­schen­den Pro­duk­ti­ons­wei­se, ist die­se mul­ti­ple Pre­ka­ri­tät (d. i. die Aus­wei­tung unsi­che­rer Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se) ver­hee­rend. Denn für vie­le Mil­lio­nen Deut­sche, über­wie­gend »Some­whe­res«, ori­gi­när Ver­wur­zel­te in Ost wie West, sind damit Ver­hält­nis­se ent­stan­den, in denen ein dau­er­haft bestän­di­ger Lebens­ent­wurf – ste­te Arbeit in der eige­nen Hei­mat, um expli­zit dort sei­ne Fami­lie gut zu ernäh­ren – nicht mehr ohne wei­te­res mög­lich erscheint (obgleich das gele­gent­lich sub­jek­ti­vem Emp­fin­den geschul­det ist, nicht immer also rea­li­ter der Fall ist).

Die­ser Lebens­ent­wurf der Ver­wur­ze­lung von Mensch und Arbeit in der Hei­mat ist jedoch als Anker neu zu grün­den­der Fami­li­en auch ange­sichts der demo­gra­phi­schen Kata­stro­phe des deut­schen Vol­kes drin­gend not­wen­dig und bedürf­te, staats­po­li­tisch betrach­tet, höchs­ter Gewich­tung. Unter indi­vi­dua­lis­ti­schen Bedin­gun­gen der jet­zi­gen Gesell­schafts­ord­nung ist eine Umkehr indes­sen nicht in Sicht. Statt Sicher­heit, Sta­bi­li­tät und Ord­nung im Lebens­voll­zug und des begründ­ba­ren Ver­trau­ens in sta­bi­le Fami­li­en­ver­hält­nis­se (als den Kern gemein­schaft­li­chen Zusam­men­halts) gras­sie­ren zu oft Unsi­cher­heit, Unbe­stän­dig­keit und mög­li­che Wir­ren, was sub­ku­tan oder offen Angst ent­ste­hen läßt – jeden­falls bei denen, die als Seß­haf­te und Hei­mat­ver­bun­de­ne nicht ste­tig und abschnitts­wei­se »der Arbeit nach« zie­hen wol­len und denen das pro­pa­gier­te smar­te »Lebens­ge­fühl« der dau­er­mo­der­ni­sier­ten Arbeits­welt, das geprägt ist von »Unge­bun­den­heit, Frei­heit und Welt­bür­ger­tum« (Wagen­knecht), zuwi­der ist.

»Den auf Grund­la­ge der Arbeit ent­wor­fe­nen Lebens­plan«, so for­mu­liert es daher Wolf­gang Fritz Haug, »löst der in wech­seln­den Gele­gen­hei­ten zusam­men­ge­stü­ckel­te Lebens­lauf ab« – ein ganz zen­tra­ler Unter­schied zwi­schen der sozi­al rela­tiv abge­si­cher­ten Bun­des­re­pu­blik als »nivel­lier­ter Mit­tel­stands­ge­sell­schaft« (Hel­mut Schelsky) und den Ver­hält­nis­sen nach der (neo)liberalen Keh­re der 1980er Jah­re und fol­gen­den. So erle­ben heu­ti­ge Genera­tio­nen trotz vor­han­de­nem, bei­spiel­lo­sem Wohl­stand der Gesamt­wirt­schaft eine Situa­ti­on, »in der schlecht­hin alle Lebens­ver­hält­nis­se von Unsi­cher­heit gekenn­zeich­net sind«. Zu vie­le, die damit – typisch für ato­mi­sier­te und öko­no­mis­tisch aus­ge­rich­te­te Gesell­schaf­ten – »auf sich selbst zurück­ge­wor­fen« (Haug) wer­den, ver­zich­ten ange­sichts der neu­en, fal­schen Nor­ma­li­tät auf eine Fami­li­en­grün­dung und auf ein geo­gra­phisch und struk­tu­rell ver­wur­zel­tes Dasein, das wie­der­um durch Zwangs­si­tua­tio­nen wie Berufs­pen­deln, Leih­ar­beit etc. ohne­hin erschwert wird.

Wich­tig ist hier­bei, zu begrei­fen, daß es nicht ansatz­wei­se »nur« um die seit David Gra­eber als »Bull­shit-Jobs« defi­nier­ten For­men von (gemein­schaft­lich betrach­tet: über­flüs­si­gen) Beschäf­ti­gun­gen geht, »die so voll­kom­men sinn­los, unnö­tig oder schäd­lich« sind, »daß selbst der Beschäf­tig­te ihre Exis­tenz nicht recht­fer­ti­gen kann«. Ganz im Gegen­teil betrifft es einen reprä­sen­ta­ti­ven Quer­schnitt der boden­stän­di­gen Gesell­schaft – von Ser­vice­kräf­ten bis zu Pfle­gern, von Hei­zungs­in­stal­la­teu­ren bis zu Mon­ta­ge­schlos­sern, von Solo-Selb­stän­di­gen bis zu Kauf­leu­ten, das heißt von unte­ren Schich­ten bis zur abstiegs­be­droh­ten Mit­tel­schicht. Letz­te­re stellt in Kri­sen­si­tua­tio­nen tra­di­tio­nell eine »gären­de« Mas­se dar und gerät nicht zwin­gend auf­grund ihrer rea­len sozia­len Situa­ti­on oder kon­kre­ter Betrof­fen­heit in Bewe­gung, sehr wohl aber auf­grund eines geis­ti­gen Zustan­des: aus Angst.

Gewiß: Die Angst in der Mit­te vor Deklas­sie­rung ist nicht neu; Fer­di­nand Fried erblick­te hier­in eine Start­be­din­gung für das durch eine mit­tel­schich­ten­ba­sier­te »kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on« her­bei­zu­füh­ren­de Ende des Kapi­ta­lis­mus (1932) in Wei­ma­rer Zei­ten, Bar­ba­ra Ehren­reich leg­te sech­zig Jah­re spä­ter eine ergie­bi­ge Ana­ly­se mit dem spre­chen­den Titel Angst vor dem Absturz. Das Dilem­ma der Mit­tel­klas­se (1992) im bun­des­deut­schen Beritt vor. Aber das, was ein lin­ker For­scher wie Rein­hard Opitz dazwi­schen als »Pro­le­ta­ri­sie­rung der Mit­tel­schich­ten« bezeich­nen woll­te – das »Aus­ge­lie­fert­sein« in der »Lohn­ar­beit«, wie es in mar­xis­ti­schem Jar­gon heißt, meint Unsi­cher­heit im künf­ti­gen Lebens­voll­zug –, erfährt durch die Coro­na­kri­se und die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung rele­van­ter Wirt­schafts­be­rei­che tat­säch­li­che Bri­sanz für all jene, die weder sich selbst als dau­er­op­ti­mie­ren­de Hyper­krea­ti­ve dar­stel­len noch zu den fünf Mil­lio­nen Deut­schen im (kon­junk­tur­si­che­ren) öffent­li­chen Dienst zu rech­nen sind. 2021 ff. sieht erst jene »öko­no­mi­sche Kon­zen­tra­ti­on und wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sche Revo­lu­ti­on«, die 1969 noch als sti­mu­lie­ren­der Mythos – als Pro­pa­gan­dathe­se mit­hin – bemüht wer­den mußte.

Zu hof­fen ist, daß die­se sich nun tat­säch­lich voll­zie­hen­den Pro­zes­se, von denen die »Mit­te« am stärks­ten betrof­fen sein wird, eine »Repo­li­ti­sie­rung der innen­po­li­ti­schen Sze­ne­rie bewir­ken und den repres­si­ven Frie­den der For­mier­ten Gesell­schaft, soweit er bereits her­ge­stellt war, in Gefahr brin­gen« (Opitz) kön­nen. Wenn die gesell­schaft­li­che (nicht: poli­ti­sche) Mit­te aber tat­säch­lich von Abstieg und Unsi­cher­heit bedroht ist, wird sie gera­de nicht nach links bli­cken und vom poli­ti­schen Jus­te Milieu, das für die­se neue Situa­ti­on ver­ant­wort­lich zu machen sein wird, nichts mehr wis­sen wollen.

Dies erst wäre die Stun­de einer soli­da­ri­schen und patrio­ti­schen Prin­zi­pi­en ver­pflich­te­ten Rech­ten – zumin­dest dann, wenn sie bis zu die­sem Zeit­punkt als selbst­be­wuß­te For­ma­ti­on die authen­ti­sche Reprä­sen­ta­ti­on all derer ist, die an die Ver­spre­chen der »Eli­ten« geglaubt haben und künf­tig erfah­ren wer­den, daß die­se sie nicht län­ger ein­hal­ten kön­nen oder wol­len: etwa des­halb, da sie die staat­li­chen Kas­sen für »Kli­ma­schutz­zie­le« oder die Fol­gen offe­ner Gren­zen zu plün­dern bereit sind. Men­schen revol­tie­ren ja nicht, wenn sie arm sind, son­dern wenn siche­re Annah­men kei­ne Rea­li­sie­rung fin­den und Ver­spre­chen nicht län­ger ein­ge­hal­ten wer­den (kön­nen). Schlüs­sig kon­sta­tiert auch der poli­ti­sche Pro­vo­ka­teur Sla­voj Žižek, daß »die Leu­te nicht rebel­lie­ren, wenn die ›Din­ge wirk­lich schlecht ste­hen‹, son­dern wenn ihre Erwar­tun­gen ent­täuscht wer­den« – wenn sie also ange­sichts eines mög­li­chen Abstiegs »Angst« oder zumin­dest Sor­ge verspüren.

Hier muß man nun den inhä­ren­ten Dop­pel­cha­rak­ter der Angst in der augen­blick­li­chen Öko­no­mie deut­li­cher machen und die Son­der­rol­le für das rech­te Lager betrach­ten: Angst kann im Poli­ti­schen zu Apa­thie und Ent­halt­sam­keit füh­ren oder aber zur Mobi­li­sie­rung bei­tra­gen. Zwar hat ein Gesell­schafts­kri­ti­ker wie Bernd Ste­ge­mann recht, wenn er Ängs­te als Mit­tel begreift, um die Men­schen zuguns­ten der herr­schen­den Ord­nung aus­zu­rich­ten, und inso­fern er akzen­tu­iert, daß »das emo­tio­na­le Regime des Kapi­ta­lis­mus« gezielt »kol­lek­ti­ve Ängs­te« nutzt, um die Nor­mal­bür­ger in ein kon­for­mis­ti­sches Kor­sett zu pressen.

Doch über­sieht er, daß er und sei­nes­glei­chen selbst mit die­sen Angst­pro­du­zen­ten in einer gemein­sa­men Front ste­hen, weil ihr Ziel beinhal­tet, ent­spre­chen­de Kon­for­mi­täts­kam­pa­gnen ein­sei­tig gegen rechts aus­zu­rich­ten, von wo aus man allein tat­säch­li­che Oppo­si­ti­on fürch­tet; auch weil man weiß, daß es immer reni­ten­te Delin­quen­ten geben wird, bei denen Angst nicht zur Teil­nahms­lo­sig­keit, son­dern zu bewuß­tem Enga­ge­ment führt: zur Flucht nach vorn.

Erst in die­sem Zuge wird ver­ständ­lich, wes­halb Kapi­tal und sub­or­di­nier­te Poli­tik sämt­li­che »Ver­än­de­rungs­en­er­gien auf Ablenk­zie­le« (Rai­ner Maus­feld) umlei­ten und den Kampf gegen rechts zum Dau­er­prin­zip der nur in die­ser Feinder­klä­rung zu sich selbst fin­den­den nega­ti­ven Bevöl­ke­rungs­ge­mein­schaft sti­li­sie­ren. Denen, die auf­grund der Ver­hält­nis­se bereits Angst in sich tra­gen, wird neue Angst gemacht, wenn sie dazu ten­die­ren, wirk­lich und nach­hal­tig vom ver­meint­lich »Alter­na­tiv­lo­sen« abzuweichen.

Somit sind kapi­ta­lis­ti­sche Öko­no­mie und Angst kein Zwil­lings­paar; der Kampf gegen rechts macht sie zum Dril­ling. Denn die Angst mög­li­cher Noch-nicht-Rech­ter vor Arbeits­platz­ver­lust und gesell­schaft­li­cher Äch­tung ist heu­te, fast fünf Jahr­hun­der­te nach Michel de Mon­tai­g­ne, jene Angst­form, die »alle ande­ren Beein­träch­ti­gun­gen an Hef­tig­keit« über­steigt. In einer post­mo­der­nen Kon­sum­ge­sell­schaft, deren Ange­hö­ri­ge sich oft expli­zit über Job, Geld und Sta­tus defi­nie­ren (was einst­wei­len im gro­ßen Maß­stab nicht zu ändern ist), scheint der dro­hen­de Ver­lust von Job, Geld und Sta­tus durch media­le und poli­ti­sche Stig­ma­ti­sie­rung eine smar­te wie wir­kungs­vol­le Waf­fe der Herr­schen­den zu sein; eine Waf­fe, die als Abschre­ckungs­in­stru­ment effek­tiv wirkt, ohne daß staat­li­che Stel­len repres­siv vor­ge­hen müs­sen wie noch in den 1989 / 90 unter­ge­gan­ge­nen Sys­te­men lin­ker Bürokratenapparate.

Wür­de nun die­se Form der spe­zi­el­len Angst fal­len, sähe sich der Zusam­men­hang aus Angst und Öko­no­mie zumin­dest im Bereich des dezi­diert Poli­ti­schen negiert, jenem Bereich, der für eine poli­ti­sche Alter­na­ti­ve beson­ders bedeut­sam erscheint. Aus die­sem Grund ist die Erzie­hung zur Resi­li­enz derer, die einer »Mosa­ik-Rech­ten« prin­zi­pi­ell zugäng­lich sind, eben­so dring­lich wie die per­spek­ti­vi­sche Gestal­tung von Schutz­schir­men für all jene, deren poli­ti­sche Ent­halt­sam­keit tat­säch­lich von der Furcht vor Arbeits­platz­ver­lust rührt (und nicht als beque­mer Vor­wand für sub­jek­ti­ve Apa­thie instru­men­ta­li­siert wird).

Denn just den selbst­be­wuß­ten, selbst­si­che­ren und auch im mone­tä­ren Seg­ment angst­frei­en Wider­stän­di­gen will der poli­tisch-ideo­lo­gi­sche Staats­ap­pa­rat eben­so ver­un­mög­li­chen wie füh­ren­de Wirt­schafts­krei­se und die kon­for­mis­ti­sche Lin­ke. Die­se neue Ein­heits­front bedarf der Angst­pro­duk­ti­on; wir bedür­fen ihrer Überwindung.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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