Versuch über die Illusionslosigkeit

PDF der Druckfassung aus Sezession 102/ Juni 2021

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

von Georg Nachtmann

Sich kei­nen Illu­sio­nen hin­zu­ge­ben ist eine der wich­tigs­ten Tugen­den rech­ten Den­kens. Der Rech­te, oder genau­er gesagt: der Reak­tio­när, zeich­net sich dadurch aus, daß er sich und ande­ren nichts vor­macht. Das unter­schei­det ihn nicht nur von dem in Uto­pien woh­nen­den Lin­ken, son­dern auch von jenem »Kon­ser­va­ti­ven«, der die jüngst ver­gan­ge­ne Ver­gan­gen­heit für das wie­der­zu­ge­win­nen­de Para­dies hält, ohne zu bemer­ken, daß die ver­derb­te Gegen­wart aus genau die­ser ver­gif­te­ten Quel­le geflos­sen ist.

Wenn es also dar­um geht, als Rech­ter eine his­to­risch-poli­ti­sche Lage­be­stim­mung vor­zu­neh­men, dann gilt es, sich in der Tugend der Illu­si­ons­lo­sig­keit zu üben und har­te Wahr­hei­ten auch in ihrer gan­zen Här­te aus­zu­spre­chen. Eine sol­che hat Greg John­son, Phi­lo­soph und Vor­den­ker der ame­ri­ka­ni­schen »Dis­si­dent Right«, mit Blick auf die herr­schen­den Eli­ten der west­li­chen Staa­ten festgehalten.

Die Indi­vi­du­en, Par­tei­en und Kon­zer­ne, die über uns herr­schen, sei­en von einer teuf­li­schen Bos­haf­tig­keit, die in der Geschich­te der Mensch­heit ihres­glei­chen suche: »Als Pla­ton und Aris­to­te­les ihre Lis­te schlech­ter Regie­rungs­for­men zusam­men­stell­ten, konn­te sich kei­ner von ihnen ein Regime vor­stel­len, das der­art böse ist, daß es sich dem Aus­tausch der eige­nen Bevöl­ke­rung durch Aus­län­der ver­schreibt.« Die Dia­bo­lik, die John­son hier völ­lig zutref­fend dia­gnos­ti­ziert, bemißt sich nicht an schlech­ten poli­ti­schen Maß­nah­men, die mit his­to­ri­scher Regel­mä­ßig­keit zu Hun­ger, Krieg und Tod füh­ren, son­dern an der bewuß­ten und gewoll­ten Ver­keh­rung der urei­gens­ten Auf­ga­ben des Staa­tes. Um kon­kret zu wer­den: Spä­tes­tens seit 2015 soll­te jedem Deut­schen eigent­lich klar sein, daß das Ziel des BRD-Par­tei­en­staa­tes nicht die Ein­heit und das Wohl der Nati­on sind, son­dern ihre eth­ni­sche Ent­ker­nung und damit die Zer­stö­rung Deutsch­lands. Ob die­ses Ziel selbst noch ein­mal ande­ren Zie­len dient (von plum­per Berei­che­rung bis hin zu mora­li­scher Geschichts­ent­las­tung ist vie­les denk­bar), ist dabei eine Fra­ge von nur nach­ge­ord­ne­tem Interesse.

Der illu­si­ons­lo­se Blick John­sons auf die his­to­risch ein­zig­ar­ti­ge Bös­ar­tig­keit west­li­cher Regie­run­gen bedarf einer glei­cher­ma­ßen illu­si­ons­lo­sen Ergän­zung mit Blick auf die Ver­faßt­heit der Regier­ten. Es muß gefragt wer­den, was das Volk mit der Regie­rung zu tun hat. Die viel­leicht schmerz­haf­tes­te und dar­um des Wunsch­den­kens gänz­lich unver­däch­ti­ge Ant­wort dar­auf fin­det sich in einem auf den 15. August 1811 datie­ren Brief des reak­tio­nä­ren Meis­ter­den­kers Joseph de Maist­re: »Jedes Volk [fr. nati­on] hat die Regie­rung, die es verdient.«

Die­ser Satz, den de Maist­re wäh­rend sei­ner Zeit als Gesand­ter des König­reichs Sar­di­ni­en in St. Peters­burg nie­der­schreibt, zeugt von sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Fähig­keit, einen phi­lo­so­phi­schen Gedan­ken der­art wuch­tig und zugleich auf den Punkt ver­dich­tet zu prä­sen­tie­ren, daß er einem Kopf­stoß gleicht. De Maist­re kul­ti­viert, ja zele­briert die­sen pro­vo­kan­ten Stil in sei­nen Schrif­ten und rei­chert ihn nicht sel­ten mit lust­voll for­mu­lier­ten Para­do­xien an, die sich nur einem Den­ker offen­ba­ren, der in gedul­di­ger Refle­xi­ons­ar­beit bis auf den Grund der Din­ge vor­ge­sto­ßen ist.

»Jedes Volk hat die Regie­rung, die es ver­dient« – über die­se The­se empört sich in ers­ter Linie unse­re Men­schen­freund­lich­keit (oder zumin­dest das­je­ni­ge, was sich in uns als sol­che aus­gibt): Wie kann man so etwas ange­sichts der über­gro­ßen Zahl der Unschul­di­gen, die im Lau­fe der Geschich­te von ihren Regie­run­gen geknech­tet, gequält und ermor­det wur­den, nur behaup­ten! Selbst ein sonst furcht­lo­ser Den­ker wie Emil M. Cior­an, der sich nicht scheu­te, in den Abgrund des Nihi­lis­mus zu bli­cken, offen­bart in sei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit de Maist­re einen ver­steck­ten Hang zum Mora­lis­mus, wenn er des­sen Wert­ur­tei­le als »unmensch­lich« brandmarkt.

Nun, ein sol­cher Mora­lis­mus greift voll­stän­dig ins Lee­re, inso­fern von Indi­vi­du­en hier gar nicht die Rede ist. De Maist­re geht es hier nicht um Schuld und Unschuld des ein­zel­nen, son­dern um einen Wesens­zu­sam­men­hang von Regie­rung und Volk: Die Regie­rung ist ent­we­der Aus­druck des Wil­lens eines Vol­kes oder aber, wo dies nicht der Fall ist, zumin­dest Aus­druck des­sen, was ein Volk mit sich machen läßt. Die Regier­ten sind immer auch die, die sich regie­ren las­sen. Im Extrem­fall zeigt sich an der Knecht­schaft eines Vol­kes sei­ne Kraft- und Macht­lo­sig­keit und damit die Tat­sa­che, daß es das nack­te Über­le­ben der Frei­heit, d. h. einem Leben nach eige­ner Wesens­art, vor­zieht. Ist die­se Beob­ach­tung men­schen­freund­lich? Nein. Aber sie ist wahr. Für de Maist­re hat sie gar den Gewiß­heits­grad »eines mathe­ma­ti­schen Sat­zes«, von dem er sich, wie er selbst sagt, durch lan­ges Nach­den­ken sowie lan­ge und teu­er bezahl­te Erfah­rung habe über­zeu­gen lassen.

Dafür, daß de Maist­re hier in der Tat eine fun­da­men­ta­le Wahr­heit for­mu­liert hat, spricht, daß sie sich sogar aus einer Denk­tra­di­ti­on her­aus, die der de Mais­tres in gewis­ser Hin­sicht dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt ist, nicht ver­nei­nen läßt. So sind etwa für den radi­ka­len Ver­nunft­op­ti­mis­ten G.W. F. Hegel Staa­ten letzt­lich nichts ande­res als die zu poli­ti­scher Wirk­lich­keit geron­ne­nen »Prin­zi­pi­en der Volks­geis­ter«. Im Staat ver­wirk­licht sich der Geist eines Vol­kes, wobei jedes Volk, einem leben­di­gen Orga­nis­mus gleich, den Pro­zeß von Ent­ste­hung und Kind­heit, Blü­te und Domi­nanz, Ver­fall und Ver­der­ben durch­läuft. Frei­lich ist bei Hegel die­se lebens­zy­kli­sche Auf­fas­sung der ein­zel­nen Völ­ker zugleich ein­ge­bet­tet in eine umfas­sen­de­re, für den Reak­tio­när schlicht inak­zep­ta­ble Fort­schritts­er­zäh­lung, die die Welt­ge­schich­te für den »Fort­schritt im Bewußt­sein der Frei­heit« aus­gibt. Die Gemein­sam­keit bezüg­lich der Ein­sicht, daß jedes Volk die Regie­rung hat, die es ver­dient, bleibt von die­ser Dif­fe­renz aber unan­ge­tas­tet – nur, daß die­se Ein­sicht bei Hegel von idea­lis­ti­schem Gewölk ver­hängt und damit impli­zit bleibt, wohin­ge­gen sie de Maist­re in einem prä­gnan­ten Satz zur Kennt­lich­keit entstellt.

Neben­bei sei bemerkt, daß der Reak­tio­när zwar das Fort­schritts­den­ken ablehnt, aber trotz­dem einen Sinn der Geschich­te kennt, zumin­dest wenn er wie de Maist­re über­zeug­ter Katho­lik ist. Nur liegt der Sinn für ihn nicht im men­schen­ge­mach­ten Fort­schritt, son­dern in der gött­li­chen Vor­se­hung: Alles geschieht letzt­lich ad maio­rem Dei glo­ri­am. Zu »allem« gehö­ren aber selbst­ver­ständ­lich auch alle Schreck­nis­se, die der ein­zel­ne zu erlei­den hat, und zwar gleich­gül­tig, ob er nach mensch­li­chem Ermes­sen schul­dig ist oder nicht. Die­se Indif­fe­renz des Bösen ist aber für den, der wie de Maist­re mit bei­den Bei­nen in der Tra­di­ti­on christ­li­cher Phi­lo­so­phie steht, kein Wider­spruch zur gött­li­chen Güte und Vor­se­hung: »Alles Schlech­te nimmt sei­nen Anfang mit dem selbst­ver­schul­de­ten Sün­den­fall des Men­schen. Daß Gott die­sen auf zeit­lo­se Wei­se ›voraus‹-gesehen hat, heißt nicht, daß Er ihn zu ver­ant­wor­ten hätte.«

Der Glau­be an die gött­li­che Vor­se­hung steht zwei­fel­los auch im Hin­ter­grund des Sat­zes, um den es uns geht. Woll­te man die­sen Hin­ter­grund the­ma­tisch wer­den las­sen, könn­te man das Zitat auch dahin­ge­hend umfor­mu­lie­ren, daß jedes Volk die Regie­rung hat, die es gemäß sei­ner Rol­le im gött­li­chen Heils­plan ver­dient. Im Kon­text des zitier­ten Brie­fes fehlt eine sol­che Recht­fer­ti­gung aller­dings. De Maist­re geht es hier viel­mehr um eine im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes eth­no-logi­sche Wahr­heit, näm­lich daß in der Dua­li­tät von Volk und staat­li­cher Gesetz­ge­bung das Volk das fun­die­ren­de Glied ist: »Jedes Gesetz ist also unnütz, oder sogar unheil­voll (wie groß­ar­tig es in sich selbst auch sein mag), wenn das Volk des Geset­zes nicht wür­dig und nicht für das Gesetz gemacht ist.«

De Maist­re illus­triert die­se Selbst­ver­ständ­lich­keit, die­ses Korol­lar mit einem Bericht aus Geor­gi­en: Frü­her sei der König aus­ge­rit­ten, um auf den Stra­ßen von Tif­lis Rechts­hän­del zu schlich­ten. Nach Anhö­rung aller Par­tei­en wur­de der­je­ni­ge, der im Unrecht oder zumin­dest mehr im Unrecht war als der ande­re, vom Fürs­ten höchst­per­sön­lich mit Stock­schlä­gen (coups de bâton) bestraft. Das neue, von den Rus­sen ein­ge­setz­te for­mel­le Rechts­sys­tem sei dem Volk bis heu­te fremd. Sie trau­er­ten, wie de Maist­re mit Beru­fung auf einen Bericht sei­nes Bru­ders Xavier erzählt, der guten alten ­bâto­no­mie nach.

Was wäre allein dem 21. Jahr­hun­dert an Krie­gen – oder zumin­dest an faden­schei­ni­gen Recht­fer­ti­gun­gen – erspart geblie­ben, wenn den Neo­cons oder der US-Öffent­lich­keit die Ein­sicht in de Mais­tres Satz ver­gönnt gewe­sen wäre. Das Hirn­ge­spinst, daß ein mit Waf­fen­ge­walt durch­ge­setz­ter Regime chan­ge auch dort Demo­kra­tie nach ame­ri­ka­ni­schem Vor­bild schaf­fen kön­ne, wo der Geist eines Vol­kes von ganz ande­ren Ideen geprägt ist, ist immer wie­der neu an der Rea­li­tät gescheitert.

Die wahr­haf­te Kon­sti­tu­ti­on eines Vol­kes, das für es grund­le­gen­de und ver­bind­li­che Gesetz, wird nicht durch irgend­ein Schrift­stück – ein Doku­ment namens »Ver­fas­sung« – bestimmt, son­dern durch eine kon­kre­te geis­ti­ge Ver­faßt­heit, die jeder Art von Posi­ti­vi­tät vor­gän­gig ist. De Maist­re geht sogar noch wei­ter und behaup­tet, daß sich die Posi­ti­vi­tät und die wahr­haft ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Bedeu­tung eines Geset­zes not­wen­di­ger­wei­se aus­schlie­ßen: »Ich hal­te es für unbe­streit­bar, daß kein ein­zi­ges wahr­haft grund­le­gen­des und kon­sti­tu­tio­nel­les Gesetz nie­der­ge­schrie­ben wer­den kann, und wenn es nie­der­ge­schrie­ben wird, ist es nichtig.«

Man darf hier­hin durch­aus eine radi­ka­li­sier­te Ver­all­ge­mei­ne­rung des berühm­ten Böcken­för­de-Dik­tums erken­nen: Nicht nur der »frei­heit­li­che, säku­la­ri­sier­te«, son­dern jeder Staat »lebt von Vor­aus­set­zun­gen, die er selbst nicht garan­tie­ren kann«. De Mais­tres Bei­spiel für ein staats­recht­li­ches Prin­zip, das sich sei­ner for­mel­len Set­zung ent­zieht und wider­setzt, ist das Gesetz der Thron­fol­ge. Wer, so die rhe­to­ri­sche Fra­ge de Mais­tres, hat die­ses in Frank­reich ein­ge­führt? Offen­bar war es weder das Volk noch der König. Der ent­schei­den­de Punkt: Wenn es sich um eine Set­zung des Königs han­deln wür­de, dann hät­te er auch das Recht, es auf­zu­he­ben. Was aber durch einen Will­kür­akt auf­ge­ho­ben wer­den kann, ist per defi­ni­tio­nem nicht grund­le­gend. Die basa­len Geset­ze einer Nati­on ent­sprin­gen ihrer âme géné­ra­le, der über­in­di­vi­du­el­len Volksseele.

Trotz die­ser Beto­nung der Eigen­ge­setz­lich­keit des Vol­kes ist de Maist­re nicht nur kein Ver­fech­ter, son­dern gera­de­zu ein Geg­ner der Idee der Volks­sou­ve­rä­ni­tät, zumin­dest inso­fern sie von der fal­schen Vor­stel­lung geprägt ist, daß die Mas­se sich in einem will­kür­li­chen Ver­fah­ren von Null auf eige­ne Geset­ze geben und so über sich selbst herr­schen könn­te. Die, die herr­schen, sind nie­mals schlicht iden­tisch mit denen, die beherrscht wer­den. Die Volks­herr­schaft beschränkt sich wohl­ver­stan­den auf die für jede Sou­ve­rä­ni­tät uner­läß­li­che Bereit­schaft des Vol­kes zu gehor­chen. Der ver­meint­lich schö­ne Traum einer dar­über hin­aus­ge­hen­den Volks­sou­ve­rä­ni­tät, einer hier­ar­chie­lo­sen Herr­schaft des Vol­kes über sich selbst, schlägt in die Herr­schaft der Hier­ar­chie­lo­sig­keit und damit ins ter­ro­ris­ti­sche Cha­os um. Den his­to­ri­schen Beweis dafür hat die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on erbracht, die de Maist­re scho­nungs­los in ihrem carac­tè­re sata­ni­que, in ihrem alle (ins­be­son­de­re die gött­lich-reli­giö­se) Ord­nung zer­set­zen­den Wesen, beschreibt. Auch wäh­rend der Revo­lu­ti­on von 1789 sind die Volks­mas­sen eigent­lich kei­ne sou­ve­rän Han­deln­den, son­dern von einem all­ge­mei­nen Geist – oder tref­fen­der: Ungeist – Beherrsch­te, näm­lich vom per­ver­sen Geist der auf­klä­re­ri­schen Philosophen.

Es zeigt sich bei de Maist­re also ein Gefäl­le von Geist und Poli­tik, das sich mit heu­ti­gen Voka­beln auch als Vor­rang der Meta­po­li­tik vor der Poli­tik beschrei­ben lie­ße: Die Ver­keh­rung der poli­ti­schen Ord­nung sowie die sie beglei­ten­den Greu­el resul­tie­ren aus einer Ver­keh­rung des Den­kens. Die Revo­lu­ti­on, so de Maist­re, wer­de daher erst dann wirk­lich an ihr Ende gekom­men sein, wenn es zu einer »Offen­ba­rung der Wahr­heit im Geist der Mas­sen« kom­me. Ist der Geist erst gesun­det, genüg­ten, wie es in den Betrach­tun­gen über Frank­reich von 1797 heißt, eine Hand­voll Män­ner, um Frank­reich einen König zu geben.

Was läßt sich nun aus die­sen Über­le­gun­gen für unse­re Lage in der BRD im Jahr 2021 gewin­nen? Zwei­fel­los leben auch wir in einer Zeit, in der jeg­li­che alt­her­ge­brach­te Ord­nung, alle his­to­risch gewach­se­ne Nor­ma­li­tät unse­rer Lebens­form ins Alp­traum­haf­te ver­kehrt wor­den ist. Es ist naiv zu glau­ben, daß wir aus die­sem Alp­druck erwa­chen, wenn nur die Kanz­le­rin end­lich nicht mehr ist. Wenn de Maist­re recht hat, dann ist »Mer­kel muß weg!« kei­ne Lösung. Denn der Grund für die Mise­re liegt tie­fer, und zwar in einer kol­lek­ti­ven geis­ti­gen Ver-rückt­heit: Die Deut­schen sind ein Volk, das zu gro­ßen Tei­len kein Volk, son­dern nur noch Bevöl­ke­rung sein möch­te; ein Volk, das die eige­ne kol­lek­ti­ve Iden­ti­tät wil­lig in der Ein­heits­brü­he der »Diver­si­ty« ertränkt; ein Volk, das sich mit ser­vi­lem Dank auf den Lip­pen im Namen der Gesund­heit zu Gefan­ge­nen im eige­nen Land machen läßt. So para­dox es klin­gen mag: Gera­de Rech­te kön­nen in der BRD nicht auf das Volk zählen.

Die Annah­me, es müß­te nur tief genug gedacht, klar genug geschrie­ben und über­zeu­gend genug argu­men­tiert wer­den, um das Volk von der Wahr­heit zu über­zeu­gen und so eine poli­ti­sche Wen­de zu errei­chen, wird der­weil von der Wirk­lich­keit jeden Tag aufs neue wider­legt. Die Gehir­ne schei­nen her­me­tisch ver­rie­gelt. Was also tun, wenn Meta­po­li­tik die Poli­tik bestimmt, eine wir­kungs­vol­le Meta­po­li­tik von rechts aber ein Ding der Unmög­lich­keit zu sein scheint? Nun, der Reak­tio­när tut ein­fach das, was er ohne­hin tut: den­ken, schrei­ben, reden; und zwar, weil er gar nicht anders kann, und nicht, weil er sich bestimm­te Resul­ta­te erhofft. Er ist schließ­lich der Für­spre­cher von Wahr­hei­ten, die sich nicht in den Dienst der Men­schen stel­len las­sen, son­dern in deren Dienst sich der Mensch zu stel­len hat. Reak­tio­nä­res Den­ken ist Meta­po­li­tik auf ver­lo­re­nem Pos­ten. Die Stel­lung hal­ten kann eigent­lich nur der­je­ni­ge, für den nicht der Mensch, son­dern Gott das Maß aller Din­ge ist.

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