Faktenlage (10): Le Pens Chance – Frankreich nach der Wahl

Zahlen, Daten und Einordnungen zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag fand in Frank­reich die ers­te Run­de der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wahl statt. Mit eini­ger Span­nung und Erwar­tung blick­te das rech­te Lager vor allem auf das Abschnei­den der bei­den Kan­di­da­ten Eric Zem­mour und sei­ner Par­tei „Recon­quete“ sowie auf Mari­ne Le Pen als Front­frau des „Ras­sem­ble­ment Natio­nal“. Die Ergeb­nis­se der bei­den lie­gen im Erwar­tungs­spek­trum der jüngs­ten Umfra­gen vor der Wahl.

Le Pen zieht mit 23,2% als Zweit­plat­zier­te in die Stich­wahl am 24. April gegen den Amts­in­ha­ber Ema­nu­el Macron, der im ers­ten Wahl­gang auf 27,6% kam. Eric Zem­mour schnitt am Ende schwä­cher ab als sich vie­le erhoff­ten und lan­de­te mit 7,1% auf dem vier­ten Platz, hin­ter dem lin­ken Kan­di­da­ten Jean-Luc Mélen­chon, der mit 22% Drit­ter wur­de. Damit ist Mélen­chon auch die gro­ße Über­ra­schung des Wahl­abends. Umfra­gen ver­or­te­ten ihn immer kon­stant unter 20%. Bei einem Ergeb­nis von 22% wird es jetzt ins­be­son­de­re sei­ne Wäh­ler­schaft sein, die Macron und Le Pen mobi­li­sie­ren müssen.

Das rest­li­che Kan­di­da­ten­feld blieb jeweils unter 5% der Wäh­ler­stim­men. Bemer­kens­wert ist vor allem der Absturz einst wich­ti­ger Par­tei­en, die vor der Macron-Ära sogar den Prä­si­den­ten stell­ten. Die repu­bli­ka­ni­sche Par­tei mit der Spit­zen­kan­di­da­tin Vale­rie Pécres­se kam auf 4,8% der Stim­men und muss­te somit einen kata­stro­pha­len Ver­lust von 15% kon­sta­tie­ren. Über eine Pres­se­mit­tei­lung ver­brei­te­te sie schon einen Spen­den­auf­ruf an ihre Unter­stüt­zer, da sie sich um mehr als 5 Mil­lio­nen Euro ver­schul­det haben soll und mit den nicht erreich­ten 5% aus der staat­li­chen Wahl­kampf­kos­ten­er­stat­tung fällt.

Die­ser Nie­der­gang der repu­bli­ka­ni­schen Par­tei schwächt auch die Wäh­ler­po­ten­tia­le für den zwei­ten Wahl­gang bei Macron. Noch 2017 konn­te er aus dem 20%-Gesamtergebnis der bür­ger­li­chen Kon­ser­va­ti­ven fast die Hälf­te der Wäh­ler­schaft abschöp­fen. 30% der repu­bli­ka­ni­schen Wäh­ler blie­ben 2017 im zwei­ten Wahl­gang zu Hau­se und 27% gaben Mari­ne Le Pen die Stimme.

2022 dürf­te das repu­bli­ka­ni­sche Wäh­ler­po­ten­ti­al für Macron kaum mehr eine Rol­le für die Mobi­li­sie­rung spie­len. Macrons Wäh­ler­re­ser­ven sind somit für den zwei­ten Wahl­gang im Ver­gleich zu 2017 geschrumpft, wäh­rend die von Le Pen durch die neue Kon­kur­renz von rechts mit Zem­mour gestie­gen sind.

Vie­le Beob­ach­ter befürch­te­ten mit dem Auf­kom­men von Zem­mour eine Auf­spal­tung des rech­ten Wäh­ler­po­ten­ti­als, wodurch sich die Qua­li­fi­ka­ti­ons­chan­cen für die Stich­wahl bei­der Kan­di­da­ten gegen­sei­tig auf­ge­ho­ben hät­ten. Am Ende könn­te Zem­mour aber auch ein Glücks­fall für Le Pen gewe­sen sein. Im Ver­lauf des Wahl­kamp­fes lag Le Pen zwi­schen­zeit­lich sogar nur auf Platz 3 und lie­fer­te sich noch Ende letz­ten Jah­res mit ihm ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Pro­mi­nen­te Akteu­re und Abge­ord­ne­te des Ras­sem­ble­ment Natio­nal wech­sel­ten inmit­ten des Wahl­kamp­fes die Sei­ten und tra­ten als Für­spre­cher von Zem­mour auf, so auch Le Pens eige­ne Nich­te Mari­on Mara­chel. Le Pen muss­te ihre Kam­pa­gne also umdis­po­nie­ren und über­ließ Zem­mour das the­ma­ti­sche Feld der Migra­ti­ons­po­li­tik, wäh­rend sie selbst den Schwer­punkt auf die sozia­le Fra­ge und klas­si­sche Arbei­ter­the­men lenk­te. Zugleich war Zem­mour eine Art Blitz­ab­lei­ter, wodurch Le Pen ihre soge­nann­te „Ent­dä­mo­ni­sie­rungs­stra­te­gie“ authen­ti­scher ver­kör­pern konn­te – ein ris­kan­tes Unter­fan­gen, da es das struk­tu­rel­le und per­so­nel­le Zen­trum ihrer Kam­pa­gne fast zer­ris­sen hätte.

Doch am Ende hol­te sie das his­to­risch bes­te Ergeb­nis für den RN und geht nun mit deut­lich aus­sichts­rei­che­ren Chan­cen in den zwei­ten Wahl­gang gegen Macron. In zwei Pro­jek­tio­nen, die noch am Wahl­abend über die Umfra­ge­insti­tu­te ver­öf­fent­licht wur­den, könn­te Le Pen auf 48 oder gar 49% der Stim­men kom­men und wäre damit um bis zu 16% stär­ker als ihr Ergeb­nis im zwei­ten Wahl­gang 2017.

Das Phä­no­men Zem­mour hat das rech­te Wäh­ler­po­ten­ti­al in Frank­reich also nicht zer­streut, son­dern erwei­tert. Wo Le Pen ihre Domi­nanz in den länd­li­chen Regio­nen und den Arbei­ter­mi­lieus hal­ten und aus­bau­en konn­te, eröff­ne­te Zem­mour neue Poten­ti­al­räu­me in bür­ger­lich-intel­lek­tu­el­len Schich­ten, was den Nie­der­gang der repu­bli­ka­ni­schen Milieus zusätz­lich ver­stärkt haben dürf­te. Zem­mour hat die­se Wäh­ler­grup­pen an rech­te poli­ti­sche Ange­bo­te her­an­ge­führt, die jetzt auf das Kon­to von Le Pen über­wie­sen wer­den können.

Ein Blick auf die geo­gra­phi­sche Wäh­ler­ver­tei­lung zeigt noch­mals sehr deut­lich, wie stark das rech­te Lager in Frank­reich gewach­sen ist. Doch wie auch schon die Wahl­nie­der­la­ge 2020 von Donald Trump gezeigt hat, gewinnt die Domi­nanz in der Flä­che kei­ne Wah­len. In den urban-kos­mo­po­li­tisch und migran­tisch gepräg­ten Groß­stadt­re­gio­nen per­formt Le Pen nach wie vor unterdurchschnittlich.

Wei­te­re Gemein­sam­kei­ten zu ande­ren euro­päi­schen Rechts­par­tei­en zei­gen sich in den Alters­ver­tei­lun­gen und sozio­öko­no­mi­schen Milieus. Wo Le Pen auf einen star­ken Alters­mit­tel­bau zurück­grei­fen kann, ist Macron beson­ders stark bei der Genera­ti­on 65+.

Auch hin­sicht­lich der Berufs­grup­pen ste­hen die Arbei­ter und Ange­stell­ten wei­ter­hin treu zu Le Pen. Hier hat sie sich über die Jah­re ein authen­ti­sches sozi­al­pa­trio­ti­sches Pro­fil auf­ge­baut. Le Pen weiß, wie sie star­ke Kam­pa­gnen mit vie­len Prä­senz­ter­mi­nen in länd­li­chen Räu­men und Indus­trie­re­gio­nen fährt, um so effek­ti­ve Stamm­wäh­ler­pfle­ge zu betrei­ben. Nicht umsonst blieb der befürch­te­te Wäh­ler­exo­dus in Rich­tung Zem­mour-Lager durch eine glaub­wür­di­ge Posi­tio­nie­rung in sozia­len Fra­gen aus. Über alle Umfra­gen hin­weg hat­te Le Pen die pro­zen­tu­al größ­te Stamm­wäh­ler­schaft im Ver­gleich zu allen ande­ren Kandidaten.

Wie hoch sind die Chan­cen für Le Pen? 

Macron gilt für den zwei­ten Wahl­gang nach wie vor als Favo­rit. Den­noch ist Le Pens Lage weder aus­sichts- noch hoff­nungs­los. Aus drei Gründen:

1.) Zem­mour hat noch am Wahl­abend offen­siv für Le Pen im zwei­ten Wahl­gang gewor­ben. Die Stim­men für Zem­mour aus dem ers­ten Wahl­gang kön­nen vor­aus­sicht­lich nahe­zu voll­stän­dig auf Le Pens Antei­le addiert wer­den. Le Pen hat also erst­mals ein ganz­heit­lich erschlos­se­nes und klar defi­nier­tes Wäh­ler­mi­lieu, aus dem sie schöp­fen kann. Die Migra­ti­ons­kri­tik wird in größ­ter Vehe­menz stell­ver­tre­tend durch die Zem­mour-Unter­stüt­zer vor­ge­tra­gen, wäh­rend sie par­al­lel dazu sozi­al­po­li­ti­sche Fra­gen zu einem Schwer­punkt der Kam­pa­gne machen kann.

2.) Die gro­ße Her­aus­for­de­rung wird die Mobi­li­sie­rung des lin­ken Mélen­chon-Lagers sein. Die­ser rief noch am Wahl­abend das Cre­do „Kei­ne Stim­me für Le Pen“ aus, ver­mied es aber auch, sich klar für Macron zu posi­tio­nie­ren. Anders als noch 2017 wird sich die lin­ke Wäh­ler­schaft kaum als geschlos­se­ner Block hin­ter Macron stel­len. In den Wahl­prä­fe­ren­zen gaben 35% des Mélen­chon-Lagers an, daß sie für Macron stim­men wür­den und 31% für Le Pen. 34% sind noch unent­schlos­sen oder könn­ten der Wahl fernbleiben.

Die Lin­ke in Frank­reich steht mit Macron auf Kriegs­fuß. Die Wut ent­strömt aus den zahl­rei­chen sozia­len Pro­test­be­we­gun­gen der letz­ten Jah­re wie den bekann­ten Gelb­wes­ten, die zwar nicht mehr die media­le Dau­er­prä­senz haben wie vor zwei Jah­ren, aber immer noch exis­tent und orga­ni­siert sind.

Zugleich bewegt sich die Wäh­ler­schaft von Mélen­chon und Le Pen in ähn­lich sozio­öko­no­mi­schen Milieus und hat auch hin­sicht­lich der Wahl­mo­ti­ve (stei­gen­de Lebens­hal­tungs­kos­ten, pro­ble­ma­ti­sche Arbeits­markt­po­li­tik etc.) stär­ke­re Über­schnei­dun­gen als zu Macron, der auch in lin­ken Milieus als Prä­si­dent des öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Estab­lish­ments wahr­ge­nom­men wird.

Noch am Wahl­abend rief Le Pen in einem Ges­tus der Über­par­tei­lich­keit dazu auf, den zwei­ten Wahl­gang zu einem Refe­ren­dum des Pro­tes­tes gegen Macron zu machen. Le Pens Stra­te­gie könn­te also dar­in bestehen, den har­ten Pro­test­kern des Mélen­chon-Lagers für sich zu gewin­nen und die nur gering­fü­gig Unzu­frie­de­nen zu demo­bi­li­sie­ren und von der Wahl fern­zu­hal­ten. Kom­mu­ni­ka­tiv und poli­tisch dürf­te dies für Le Pen eine ein­fa­che­re Auf­ga­be sein als für Macron, der hier einen grö­ße­ren Kom­pro­miß anbie­ten müßte.

56% der Wäh­ler ver­bin­den mit Le Pen einen grund­sätz­li­chen poli­ti­schen Wan­del. Bei Macron sind es nur noch 35% und damit ein Minus von 10% im Ver­gleich zu 2017. Auch bei der Glaub­wür­dig­keit hat Le Pen den Amts­in­ha­ber bereits über­holt. Waren es 2017 noch 58%, die Macron für glaub­wür­dig hiel­ten, sind es 2022 nur noch 43%. Im Ver­gleich dazu hat Le Pen hier 14% dazu­ge­won­nen und konn­te sich von 32% auf 46% stei­gern. Es ist also nicht unwahr­schein­lich, daß sich das Mélen­chon-Lager eher für ein „Anti-Macron“ als für ein „Anti-Le Pen“- Refe­ren­dum begeis­tern läßt.

3.) Das the­ma­ti­sche Momen­tum liegt wei­ter­hin auf Le Pens Sei­te. Als die Kri­se in der Ukrai­ne begann, konn­te Macron in allen Umfra­gen deut­li­che Anstie­ge ver­zeich­nen. Der Krieg domi­nier­te auch die fran­zö­si­sche Öffent­lich­keit. Wenig spä­ter flach­te die Kur­ve jedoch wie­der ab und die gesell­schaft­li­chen und öko­no­mi­schen Fol­gen der Kri­se wur­den deut­li­cher. Stei­gen­de Lebens­hal­tungs­kos­ten wur­de mit Abstand zum wich­tigs­ten The­ma des Wahlkampfs.

Letzt­lich hat dies auf den letz­ten Metern die Kam­pa­gnen­dy­na­mik von Le Pen beför­dert. Soll­te sich die­ser Trend auch in den kom­men­den 14 Tagen fort­set­zen, wäre es Le Pen, die hier als die Reprä­sen­ta­ti­ons­fi­gur der stark belas­te­ten Mit­tel­schicht und öko­no­misch gera­de­zu erdrück­ten Arbei­ter­schicht auf­tre­ten, und somit auch die pola­ri­sie­ren­den Zuspit­zun­gen im kul­tu­rel­len und öko­no­mi­schen Bereich offen­le­gen kann.

In 14 Tagen wird es also ernst. Soll­te Le Pen also das schein­bar Unmög­li­che mög­lich machen, wäre dies natür­lich ein kraft­vol­ler sym­bo­li­scher Sieg für das euro­päi­sche rech­te Lager. Wenn es jedoch zu einem Sieg für Macron kommt, dürf­te Le Pen abge­mel­det sein. Die letz­ten fünf Jah­re hat sie ehr­gei­zig dar­auf hin­ge­ar­bei­tet, in die­ser Prä­si­dent­schafts­wahl ihr Lebens­werk zu vervollkommnen.

Bene­dikt Kai­ser schrieb bereits, daß die fran­zö­si­sche Rech­te nach die­ser Wahl ohne­hin in Inven­tur gehen muß und das Phä­no­men Zem­mour nicht so ein­fach abge­hakt wer­den kann. Wor­in sich aber das rech­te Lager in Frank­reich einig sein soll­te, ist die Tat­sa­che, daß es durch­aus poten­ti­el­le Mehr­hei­ten zur Eröff­nung poli­ti­scher Gestal­tungs­räu­me gibt. Sowohl Le Pen als auch Zem­mour haben hier Mei­len­stei­ne gesetzt.

Es gilt daher selbst bei einer erneu­ten Nie­der­la­ge Le Pens nicht in defä­tis­ti­sche Depres­sio­nen zu ver­fal­len und wie­der ein­mal nur die Über­macht unse­rer Geg­ner zu bedau­ern, son­dern kon­kre­te Feh­ler und nicht genutz­te Chan­cen zu ana­ly­sie­ren und dabei stets neue Angriffs­punk­te unse­rer Geg­ner zu iden­ti­fi­zie­ren. Trotz man­cher Rück­schlä­ge muß die poli­ti­sche Hand­lungs­fä­hig­keit auf­recht erhal­ten werden.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (62)

Maiordomus

12. April 2022 09:02

Dass die Star-Politikerin Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, auf nur 2% gekommen ist, wurde hier bei der Analyse vergessen,  zeigt aber, dass in Frankreich, siehe Zemmour, Medien- und Fernsehpräsenz weniger wichtig zu sein scheinen als bei uns, was als geradezu wohltuend einzuschätzen ist. Würde indes le Pen nicht überschätzen, sie würde gewiss schon wegen der Situation im Parlament einen höchst domestizierten Kurs führen bzw. führen müssen; die Frage ist, ob sie sogar im Wahlkampf mit der Option Nato-Austritt so etwas wie eine Flucht nach vorn wagen möchte; das wäre selbst bei der zu erwartenden Niederlage keine Kleinigkeit. 

RMH

12. April 2022 09:21

Am Ende war es knapp für Le Penn, wenn man sie und Zemmour in ein Lager packt. Zemmour hätte nur knapp 1,5% innerhalb des Lagers mehr räubern müssen und Mélenchon wäre jetzt in der Stichwahl. Was ebenso in Frankreich stark auffällt: Auch hier stehen die Rentner dem Establishment treu bei der Fahne. In Deutschland sind diese Wähler aufgrund der noch nicht kippenden Demografie und der starken Wahlbeteiligung in dieser Gruppe nach wie vor Wahlentscheidend - hier wären ein paar Zahlen zur Demografie (ab wann kippt die Alterspyramide in Frankreich?) und vor allem zur Wahlbeteiligung der einzelnen Altersgruppen in Frankreich sicher noch zusätzlich aufschlussreich gewesen. Ganz grundsätzlich scheint es in beiden Ländern so zu sein, dass es die Rentner vergeigen, da sie das Thema der kommenden ethnischen Wahl nicht sehen. Sie wären die letzten Generationen, die etwas mit einer Abkehr vom Establishment verändern können. Wenn sie weg sind, dann sind ethnische Franzosen und Deutsche nicht mehr wahlentscheidend. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier etwas kippt, geht gegen 0. Von daher genügt es für die AfD langfristig nicht, nur das soziale Profil zu stärken. Die AfD hat Deutsche, die ethnisch keine Deutschen sind oder ethnisch gemischt sind, verstärkt anzusprechen - Homogenitätsansprüche kann man sich zukünftig ins Poesiealbum kleben.

Daniel Fiß

12. April 2022 09:32

Zur Thematik der Altersrepublik, auf Deutschland bezogen, sei noch auf diesen Beitrag hingewiesen: https://feldzug.net/2022/04/06/politische-realitaeten-der-rentnerrepublik/

In Frankreich sieht es da etwas besser aus (möglicherweise aber auch durch die jungen migrantischen Generationen geprägt). Dort liegen die demographisch am stärksten vertretenen Altersklassen zwischen 45-50 Jahren, in Deutschland zwischen 55-60 Jahren.

quarz

12. April 2022 09:44

Manchmal ertappe ich mich beim Gedanken, ob das alles zwischen Le Pen und Zemmour vielleicht so abgesprochen und geplant war: Entdämonisierung Le Pens durch einen "Bad Cop" (ausgetüftelt im Thinktank Marion Marechals). Getrennt marschieren, vereint schlagen. Aber dafür hat das Gesicht Zemmours am Wahlabend dann doch zu viel Enttäuschung ausgestrahlt.

RMH

12. April 2022 09:53

@Daniel Fiß,

vielen Dank für den link auf den weiteren Artikel zur Thematik der Altersrepublik. Meine Empfehlung an alle: Bitte lesen!

Laurenz

12. April 2022 09:56

Es ist eine Genugtuung, daß auf der SiN die neu-rechten & sozial-patriotischen Denker in der Analyse besser liegen, als jene, die schon seit 70 Jahren mit dem Kopf durch die Wand wollen.

Klar ist, Zemmour schob LePen mehr in die Mitte & das Sagbare, damit das Denkbare nach rechts. Dagegen gehört LePen bereits zum Bewährten, welches der Wähler bevorzugt, wenn es an der Urne zum Schwur kommt.

Damit ist auch die Analyse von

@RMH

total daneben. Die etablierten Zemmours & Pirinçcis wollen Franzosen oder Deutsche sein, mit dem Migranten-Mob aus dem sie entstammen nichts mehr zu tun haben. Mit dem massenhaften Import von Migranten aus den Herkunftsländern importiert man auch die dortigen Zustände, denen man einst entfloh. Das will niemand.

Daß auch bei uns die Rentner die Blöden sind, wird nicht mehr lange so bleiben. Die Heizungsrechnungen dieses Jahr werden ein Umdenken befördern. Mélenchon als quasi-Nachfolger von Hollande, konnte dessen Stärke von der vorletzten Wahl nicht wiedererringen. Im Gegensatz zu DF sehe ich auch eine Wahlniederlage LePens nicht als dramatisch an. Historische Abläufe vollziehen sich immer langsamer als der Mensch in seiner kurzen Lebenszeit das wünscht.

RMH

12. April 2022 10:19

@Laurenz,

extra für Sie zitiert aus dem oben verlinkten langen Artikel: Daher ist es auch ein Irrtum im rechten Lager, dass durch sich verschärfende gesellschaftliche Spannungen und ökonomische Probleme eine Sehnsucht nach alternativer Politik einstellen würde. Wie wir schließlich gesehen haben, ist der Wahlentscheidungsprozess, insbesondere bei älteren Wählern, von kühlen und berechnenden Rationalitätskriterien abgekoppelt.
Es gibt keine individuelle Nutzenabwägung und umfangreiche Wahlprogramm-Vergleiche. Vielmehr ist die Wahlentscheidung von lebensweltlichen Umständen, Milieuzuordnungen, frühen politischen Sozialisierungen, historisch-biographischen Episoden und familiären Einbindungen abhängig. Hier gilt es in Zukunft analytisch anzusetzen, anstatt sich in falschen Hoffnungen und illusorischen Projektionen von sich zuspitzenden gesellschaftlichen Verwerfungen und Brüchen zu verlieren. Tag-X Träume sind immer auch Ausdruck einer politstrategischen Insolvenz."

Imagine

12. April 2022 10:22

Die politische Konstellation für Marine Le Pen heißt: „Jetzt oder nie.“

Verliert sie die Wahl, ist es auch das Ende ihrer Karriere als politische Führerin. Sie wird die Führung in der Partei abgeben müssen und wird nicht erneut Präsidentschaftskandidatin des RN sein.

Die Gemeinsamkeit zwischen Macron und Le Pen besteht darin, dass ein Großteil der Wähler weder Macron noch Le Pen als PräsidentIn haben will. Diese Wähler werden sich fragen, wer von beiden das kleinere Übel darstellt und entsprechend werden sie entscheiden.

Präsident wird werden, wer die geringere Anzahl von entschiedenen Gegnern aufweist. Und dies ist Macron. Die Wahl wird zeigen, dass die Mehrheit Le Pen nicht als Präsidentin haben will.

Egal, wer gewählt wird, am politischen Kurs würde sich sowieso nicht viel ändern. Hollande wollte Reformen zu Gunsten der arbeitenden Menschen umzusetzen. Aber gegen die Macht der Oligarchen und Plutokraten konnte er sich nicht durchsetzen.

Auch Le Pen müsste nach der Pfeife der Oligarchen und Plutokraten tanzen.

Franz Bettinger

12. April 2022 10:27

@MD fragt zurecht: Was wäre, wenn sie noch ein „Raus aus der NATO!“ in den Ring werfen würde? Es wäre Le Pens Sieg. Wird sie es wagen? Nun, sie müsste dann jedenfalls zwei kugelsichere Westen übereinander tragen.

Laurenz

12. April 2022 10:49

@Imagine

Was Macron betrifft, so ist sein Versagen für seine Gegner offensichtlich beweisbar. Für LePen steht der Beweis als Präsident noch aus. 

dass ein Großteil der Wähler weder Macron noch Le Pen als PräsidentIn haben will

Wen wollen denn die Wähler als Präsidenten haben? Die Antwort bleiben Sie uns schuldig.

@RMH @L.

älteren Wählern, von kühlen und berechnenden Rationalitätskriterien abgekoppelt.

Ich habe Ihren ganzen Absatz über die alten Wähler mit dem Terminus "die Blöden" sinnig abgekürzt. Das sind auch dieselben Vollspakken, die noch mit einer Maske herumlaufen. Wie ich neulich bemerkte, sind Rentner diejenigen, die ihre eigene Besteuerung wählen, dümmer geht's nicht. Also ist es offensichtlich, daß diese alten Wähler nur durch materielle Befindlichkeiten beeinflußt werden können. Dazu ist die Ampel wie geschaffen. Wer nicht hören will, muß fühlen. Seit Jahren debattiere ich das auf der SiN. Die Rechte muß deswegen destruktiv wirken, solange die Linke dran ist. Aber da Rechte ein Herz haben, verstehen sie genau das nicht. Politik hat aber mit Gefühlen nichts zu tun, wenn doch, nur mit den Gefühlen der Wähler.

Nemo Obligatur

12. April 2022 11:22

Ich teile die Hoffnung des Verfassers auf einen Sieg von Le Pen in der zweiten Runde nicht. Wozu sollte das gut sein? Europa braucht in den Zeiten des Krieges einen außenpolitisch starken französischen Präsidenten. Le Pen scheint mir nicht die richtige Besetzung für dieses Amt in dieser Zeit.

Ich muss dennoch anerkennen, dass das hier die beste Analyse des Wahlausgangs ist, den ich bisher gelesen habe (inkl. so renommierter Seiten wie FAZ und Zeit), sie ist faktengesättigt und nachvollziehbar. Vor allem der Blick voraus ist schlüssig. In der Tat hat Le Pen eine relle Chance auf einen Wahlsieg. Nur hier erfährt man, warum das so ist. Andernorts wird man nur nachlesen können, warum es so kommen musste, wie es kam. Das wird kein Leser merken, falls Macron gewinnt. Falls nicht, fallen sie aus allen Wolken.

Allnichts

12. April 2022 11:49

Gegenthese: Ohne Zemmour wäre das Wahlergebnis des rechten Lagers auch nicht viel schlechter oder eher gesagt: Genauso gut. Le Pen hätte das stärkste Ergebnis aller Kandidaten und auch den grössten oder wenigstens zweitgrössten Zuwachs, wäre somit in der zweiten Runde formal Favorit. Das "Phänomen Zemmour" ist vor allem Ausdruck einer ohnehin schon länger anhaltenden Tendenz des Erstarkens des "rechten Lagers" in Frankreich und nicht der Grund dafür.

Während die wohlwollende Deutung so aussieht, dass Zemmour das Lager vergrössern konnte und als Blitzableiter gedient hat, ist die skeptische Sichtweise, dass trotz der angesprochenen positiven Tendenz nicht viel gefehlt hat und Le Pen wäre gar nicht erst in die zweite Runde gekommen.

wbs47

12. April 2022 12:36

@ RMH

"...scheint es in beiden Ländern so zu sein, dass es die Rentner vergeigen" ist keine -  auch nicht durch den Link von D. Fiß richtig wiedergegebene -  ganz aktuelle Beschreibung.

Ich bin 75 und damit wohl im klassischen Rentnerpool, Aber ich kenne nur noch eine Minderheit in meinem Umfeld - nicht Freundeskreis - die es "vergeigen"! Das liegt nach meiner Feststellung bisher auch weniger an der von Laurenz genannten "materiellen Befindlichkeit" als vielmehr an dem "Nachrücken" von den Jahrgängen meiner Altersgruppe, die ja so einiges miterlebt hat, was Positionierung erforderte. Angefangen von den Achtundsechzigern über den NATO-Doppelbeschluss, die Endphase des "realexistierenden Sozialismus" usw. Erst gestern wurde meine Frau im Supermarkt von einem maulkorbtragenden Fünfziger (braungebrannt, offenes Porsche-Cabrio) angeherrscht, daß sie ihm in der Kassenschlange nicht so "auf die Pelle" rücken solle. Und täglich sehen wir, kopfschüttelnd, Kinder nach dem Aussteigen aus dem Bus mit dem "Lappen" bis nach Hause gehen.

Laurenz

12. April 2022 12:46

@Nemo Obligatur

Europa braucht in den Zeiten des Krieges einen außenpolitisch starken französischen Präsidenten.

Etwa Macron, der wie ein Hanswurst an Putins Katzentisch sitzen mußte, für gewogen & nicht gewichtig befunden wurde?

Geostrategisch spielten Merkel & ihre Grünen Freunde Putin in die Hände, wurden finanziell unterstützt dafür. Ideologisch sind die Rechten Europas Putins Freunde, bis auf ein paar ewig gestrige transatlantische Ausreißer.

Solange die Macrons & Scholzens die Kuhhirtenstiefel der Amis lecken, existiert keine europäische Außenpolitik, schon gar keine starke.

Nur die Rechte hat hier Gelegenheit Zeichen zu setzen & damit Stärke zu zeigen.

Deswegen entbehrt auch Ihr, Nemo Obligatur, Haltungs-Beitrag, jeglicher Argumente.

Daniel Fiß

12. April 2022 12:46

Die statistische Evidenz zum Wahlverhalten der älteren Generationen, schließt natürlich gegenteilige persönliche Erfahrungen und Ausnahmen nicht aus.

wbs47

12. April 2022 13:20

@ Fiß

Inzwischen bezweifele ich die "statistische Evidenz" in gleichem Maße, wie so manche andere ehemals halbwegs verlässlichen Info-Quellen. Dabei geht es mir nicht darum "unliebsame" Tatsachen auszublenden, sondern darum, "harte" Gründe für die mich selbst verblüffende rasante Zunahme der "gegenteiligen persönlichen Erfahrungen" zu finden. Noch vor einem Jahr hätte ich diese Zeilen nicht geschrieben und sah mich als Ausnahme in einer prinzipiellen Altersgruppe, die es "vergeigt".

Imagine

12. April 2022 13:36

1/2

Seitdem es mit dem Kapitalismus abwärts geht, hat sich die Interessen- und Motivlage in der Gesellschaft völlig verändert. Es gibt wenige „Modernisierungsgewinner“, viele Besitzstandswahrer und viele Verlierer, Abgehängte und Abgestiegene.

Die konservative Wählerpolitik von Kohl war auf die Besitzstandwahrer ausgerichtet. Die SPD hat mit den Grünen in der Regierung Schröder-Fischer eiskalt den größten Niedriglohnsektor Europas geschaffen und die Hälfte der Lohnarbeiter zu Absteigern gemacht. Merkel setzte in ihrer politischen Propaganda auf die „Mitte“, hat aber eiskalt eine Politik gegen die Mitte gemacht (z.B. Immigration, Corona, Niedrigzins, Inflation).

Die „Mitte“ ist im Niedergang, der sich durch die Kriegsfolgen (Militärausgaben, Sanktionen) beschleunigen wird.

Natürlich gibt es auch Gewinner. Die Reichen werden immer reicher, die größten Gewinne machen bestimmte, meist US-dominierte Unternehmen. Privilegiert sind system- und herrschaftsaffirmative Ideologen und Funktionäre (Politiker, TV-Leute, PR, Journalisten, Wissenschaftler, NGOs etc.). Im Augenblick dominiert grüngewaschene neoliberale Ideologie.

Imagine

12. April 2022 13:37

2/2

Natürlich sind Rentner per se Besitzstandwahrer. Denn es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig. Aber auch die Rentner sind im Niedergang des Kapitalismus die großen Verlierer. Früher war die Rente lebensstandarderhaltend. Heute ist sie nicht einmal armutssicher. Durch die Inflation wird alles noch viel schlimmer.

Leute mit Tunnelblick und limitiertem soziologischem Verständnis begreifen diese Zusammenhänge nicht. Wer sich über die angeblich zu hohen Renten ereifert, denkt noch nicht einmal so weit, dass er selbst in absehbarer Zeit zu den Rentnern gehören wird.

Laurenz

12. April 2022 13:40

@WBS47 @RMH

Sie schildern rein subjektive Befindlichkeiten, die tatsächlichen Zahlen sprechen dagegen. Von daher sind Sie nicht repräsentativ.

Durch meine Frau Mutter (knapp 84) & Ihren weiblichen Tennisfreunden habe ich ebenso einen direkten Zugriff auf Subjektivität. Im "reichen" Hochtaunuskreis sind die Rentner einfach von nichts betroffen, Fremdlinge auf dem Tennisplatz, im Museum, bei Rewe überschaubar, Einkünfte sprudeln nachwievor, da sind selbst weibliche Professoren im Bekanntenkreis Impfidioten. Von 10 woken Rentnern sind maximal 2, die patriotisch wählen, was auch den von DF, oder BK vorher, erwähnten Zahlen entspricht.

Die meisten Wähler sind apolitische Menschen, für die Ihre politischen Argumente, WBS47, völlig bedeutungslos sind. Die Masse der apolitischen Wähler wählt rein nach persönlichen Befindlichkeiten.

Sandstein

12. April 2022 14:17

„Europa braucht in den Zeiten des Krieges einen außenpolitisch starken französischen Präsidenten. Le Pen scheint mir nicht die richtige Besetzung für dieses Amt in dieser Zeit.“

Solche Aussagen lassen mich fassungslos zurück. Sind hier also auch Schreibtischkrieger unterwegs die garnicht schnell genug schweres Gerät in die Ukraine kriegen können? Die Auffassung dass Deutschland von nem starken französischen Präsidenten profitiert ist durch nichts zu halten. Und was soll das bedeutungsschwangere Geschwafel von „dieser Zeit“. 
Im übrigen hat Russland klare Kriegsziele definiert und wird diese auch erreichen, es gibt keine Ambitionen Deutschland oder Frankreich zu überfallen, Ihren starken Macron braucht es nicht, jedenfalls nicht dafür. Denn Frankreich krankt genau an der Kluft zwischen außenpolitischen Ambitionen und innenpolitischer Realität. Mal drüber nachdenken..

Gotlandfahrer

12. April 2022 14:33

Zum Thema „Wahlen“ im Kontext fremdbeherrschter Massenmedien fällt mir nur ein:

„Es gibt verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung eines Dekubitus (Dekubitus-Prophylaxe). In Krankenhäusern, Rehabilitationseinrichtungen  und Pflegeheimen sollten gefährdete Patienten zu Bewegung im Rahmen  ihrer Möglichkeiten motiviert und, falls nötig, auch regelmäßig  umgelagert beziehungsweise umgesetzt werden, um Wundliegen zu vermeiden.“

Eine Befragung / Wahl á la „möchten Sie sich rechts- oder linksherum drehen“ hilft in den meisten Fällen nicht.

Gelddrucker

12. April 2022 14:44

Es ist unfassbar, dass auch in Frankreich viele Franzosen noch nicht vollends gerotpillt sind.

Wo der Austausch ja nun wirklich nicht mehr zu übersehen ist. Allerdings ist der Austausch dort "konzentrierter", also Parallelwelten in den Banlieues größer, dafür ist das ländliche Frankreich ähnlich wie bei uns (trotz weiter vorangeschrittenem Austausch).

Habe kürzlich einen mir bekannten Franzosen (in den Zwanzigern) dahingehend aufgeklärt, dass Frankreich ein arabischer Staat wird, wenn man so weitermacht. Für ihn war diese Vorstellung völlig neu und unwirklich, und auch glücklicherweise ungewollt.

Man glaubt es nicht. Das patriotische Lager muss hier nun endlich in die Offensive gehen, egal in welchem Land.

kikl

12. April 2022 15:03

Das Ergebnis Zemmours ist für mich enttäuschend, wenn man bedenkt, dass er lange Zeit in den Umfragen vor Le Pen lag. Vielleicht hat es aber auch ein Gutes, weil Zemmour im Gegensatz zu Le Pen sehr antideutsch ist. Zemmour ist es zu verdanken, dass das Overton-Fenster in Frankreich weit aufgerissen wurde in Richtung Nationalstaat und Patriotismus. Frankreich zeigt insofern, was möglich ist.

Jetzt wird natürlich der Weltuntergang für den Fall allenthalben beschworen, dass Le Pen die Wahl gewinnt. Mal schauen, ob der alte Bauernfängertrick der Linken wieder verfängt.

Maiordomus

12. April 2022 15:18

@Imagine. Wenn Sie nur beschreiben und keine weiteren Bekenntnisse ablegen, liegt wie soeben eine nüchterne, mutmasslich präzise und wohl weitestgehend zutreffende Analyse vor. Irgendwo haben Sie das zweifelsohne gelernt, so wie Sie als Student der altscholastischen Schule die acht Hauptregeln des deduktiven Schlusses nach Aristoteles verinnerlicht hätten, die man nach dem DDR-Lexikon "Logik" (didaktisch hervorragendes allgemeinverständliches Handbuch) auch als noch heute noch gültige Regeln für präzise Diskurse ansehen kann. 

Maiordomus

12. April 2022 15:30

@kiki. Le Pen wird es nicht einmal auf das immerhin nicht zu unterschätzende "Schadenpotential" von Donald Trump bringen; es wird für sie nicht drinliegen, z.B., was sie als Präsidentin könnte, alle paar Monate den Ministierpräsidenten auszuwechseln; sie muss eine Regierung, die es mit dem Parlament "kann", wohl oder übel machen lassen; auch fehlt ihr Trumps spontane Unberechenbarkeit, unter deren Gesichtspunkt er wohl auc von Putin einigermassen ernst genommen wurde: dabei ist längst nicht gesagt, dass es unter Trump den Ukraine-Krieg nicht gegeben hätte- 

Imagine

12. April 2022 15:53

Der Witz bei den Rentnern ist, dass die Verteilung von Reichtum und Armut jenen Zeiten entspricht, wo die heutigen Rentner noch berufstätig waren. Damals war der Anteil des Wohneigentums höher, die Reallöhne und die Ersparnisse waren höher, die Arbeitslosigkeit und Prekarisierung niedriger.

Relativ betrachtet, ist das Wohlstandniveau bei heutigen Rentnern im Vergleich zu ihren Kindern und Enkeln erheblich höher. Es gibt bei den Rentnern noch eine breitere Mitte und weniger Armut und Prekariat. Der Anteil der Letzteren wird sich durch die Mietensteigerungen und Inflation jedoch in kurzer Zeit stark erhöhen.

Die armen Rentner, die zu den Tafeln gehen, nehmen wir nicht war, sondern die bessergestellt Mitte mit mehrmaligen Fernreisen oder mit Wohnmobilen.

Das Rentenniveau in der BRD ist viel niedriger als in den meisten westeuropäischen Ländern, in A ist es über 50%, in CH über 100% höher – trotz und wegen „Exportweltmeister“.

Die Kritik oder der Widerstand gegen die herrschende Politik ist bei den Rentnern am stärksten und entschiedensten. Man denke z.B. an Wodarg und Bhakdi bei Corona. Oder an Wolfgang Streeck. So wie früher Scholl-Latour. Nur werden diese Top-Wissenschaftler und Journalisten aus den Medien ausgegrenzt. Man will die weisen Alten nicht, schon gar nicht bei den Sozis, Linken und Grünen, aber auch nicht in der CDU/CSU (z.B. Willy Wimmer).

Der_Juergen

12. April 2022 15:54

Eine sehr gute Analyse aus der Feder von Daniel Fiss. Wäre ich Franzose, würde ich im 2. Wahlgang natürlich Le Pen wählen, aber ohne jede Illusionen.

Erstens wird sie den Sieg nicht schaffen, weil die meisten Wähler des Kommunisten und Rassenvermischungs-Apostels Melenchon für Macron stimmen werden; läge Le Pen gegen alle Wahrscheinlichkeit trotzdem vorn, würde das System diesen Wählerirrtum so korrigieren, wie es dies bei den US-Wahlen von 2020 getan hat.

Zweitens fehlt der Frau das nötige Format. Sie hat eine Kapitulation nach der anderen von dem System vollzogen und die Homo-"Ehe" ebenso akzeptiert wie die Abtreibung; das Gayssot-Gesetz, das Geschichtslügen unter staatlichen Schutz stellt, bezeichnete sie ausdrücklich als "notwendig".  Drittens könnte sie ihr - ohnehin stark verwässertes - nationales Programm angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament doch nicht durchsetzen.  

Würde sie, was ich nicht zu hoffen wage, für den Nato-Austritt plädieren, wäre dies ein wirklich mutiger Schritt. Hoffen darf man ja immer.

RMH

12. April 2022 16:02

@wbs47,

man mag mir bitte meine in letzter Zeit häufiger vorkommenden, kleinen Polemiken gegen Rentner verzeihen (die aber leider einen Wahrheitskern haben) - ich weiß, dass das natürlich undifferenziert ist und von jeder Regel gibt es Ausnahmen. Zudem: Ich bin selber Ü 50 und bin nah dran an dieser Gruppe - evtl. wird aber ja das Renteneintrittsalter noch einmal erhöht. In meiner Altersgruppe befinden sich dann die, die es nicht nur vergeigt haben sondern noch fleißig die ersten Geigen beim andauernden Vergeigen spielen. Insofern, Gemach ... ich hoffe, Ihre Wahrnehmung einer Trendwende bewahrheitet sich. 

RMH

12. April 2022 16:03

@Wahl in Frankreich:

Der Ukraine Krieg spielt selbstredend Macron in die Hände, da unter solchen Umständen eben die Mehrheit weniger bereit für Experimente ist. Auch dürfte diese Mehrheit einen Austritt aus der Nato ablehnen, weshalb Le Pen das Thema auch nicht aufgreifen sollte. Putin schadet mit seinem imperialen Alleingang all denen in Europa, mit denen er ohne Krieg eine Basis für gutnachbarschaftliche Beziehungen und Handel gehabt hätte. Evtl. darf sich Marine Le Pen bei ihm für ihre Niederlage in knapp 2 Wochen bedanken - denn Macron wird die Karte, dass Putin Le Pen angeblich unterstützt oder unterstützt hat, sicher spielen. Ohne Krieg wäre diese Karte in Frankreich aber weitgehend wirkungslos.

Laurenz

12. April 2022 17:15

@Gelddrucker

Sie gehören zu den ewig gestrigen, die (in meinem 1. Beitrag) erfolglos seit 70 Jahren mit dem Kopf durch die Wand wollen. Predigten Sie nicht Zemmour?

Viele Rentner Europas wollen, aus Geiz, Migranten, weil deren Pflegedienste & Hausdienste billiger sind, als die von Indigenen.

Sie haben trotz vieler Debatten hier, die Sie durchweg verloren, immer noch nicht begriffen, daß es hier darum geht, Wahlen zu gewinnen & nicht darum, Recht haben oder zu bekommen. & falls Sie es doch begriffen haben sollten, kann man Sie nur als Troll klassifizieren, der die Neue Rechte zur Blödheit diskreditieren will.

https://www.heise.de/tp/features/Die-Jugend-stimmt-fuer-Populisten-6668954.html

@Kikl

Nur Idioten sind im aktuellen Zeitgeist nicht anti-deutsch.

@Maiordomus @Kikl

LePens Chancen sind doch gut, so gut, wie noch nie. Also was wollen Sie? Daß es Mana regnet? Trump versäumte es in seiner Amtszeit, die Uhren in der Ukraine zurückzudrehen. Warum existiert kein politischer Terror in den USA? Es gibt dort keine US Botschaft.

Hajo Blaschke

12. April 2022 17:47

RMH, wenn ich Ihre Beiträge so lese, vor allem was Russland betrifft, Frage ich mich immer, warum Sie  nicht bei der Bild-Zeitung arbeiten. Zumindest als Volontär. Sie wären dort eine Bereicherung.

Niekisch

12. April 2022 17:56

Auch wenn ein paar Gesichtspunkte nicht berücksichtigt sind, so ist es doch ein für Wahlinteressierte überzeugender Artikel von Daniel Fiß. Er betrifft mich aber weder direkt noch indirekt. Meine Wahlbenachrichtigung habe ich gerade zerrissen und weggeworfen. Nach mehr als 50 Jahren reicht es mir mit der Rolle eines Wahlstatisten, der nie erreicht, was er will. Ich mache mich über die hochneurotische Bundesklinik nur noch in Satireform lustig.

Als Rentner habe ich nichts vergeigt, sondern die Saiten sind gerissen!

 

Der_Juergen

12. April 2022 19:44

@RMH

Putin hat die Interessen Russlands zu verteidigen und nicht die seiner Sympathisanten im Westen, die unter den obwaltenden Umständen sowieso nicht an die Macht kommen. Wie ich in einem früheren Beitrag auf diesem Strang festhielt, gewinnt Macron so oder so, mit oder ohne Krieg in der Ukraine. Und "gutnachbarliche" Beziehungen kann Moskau mit Regimen wie denen in Polen oder dem Baltikum ohnehin nicht errichten; diese Kettenhunde der Anglo-Amerikaner sind darauf abgerichtet, gegen Russland zu kläffen, egal was dieses tut. Geliebt werden von den Nato-Leuten ohnehin nur Russen wie Gorbatschow und Jelzin, die ihr Land für ein Linsengericht verkaufen. Ich bin heilfroh, dass endlich jemand den Nato-Gangstern entgegentritt - was mich nicht daran hindert, Respekt vor dem Mut der ukrainischen Kämpfer zu empfinden, auch wenn ich die Ideologie des ukrainischen Nationalismus für grundfalsch halte.

wbs47

12. April 2022 20:05

@ RMH

"... ich hoffe, Ihre Wahrnehmung einer Trendwende bewahrheitet sich. " da können Sie guter Hoffnung sein. Ich meinte eine solche Trendwende auch in den späten Siebzigern bei den Ossis (da war ich noch selbst einer) wahrzunehmen. Defätistisch glaubte ich, daß die Nomenklatura das noch mehr als zwanzig Jahre "im Griff" haben wird, weshalb ich mich zu einer schnelleren Lösung per Flucht entschied. Aber siehe da, dann ging alles doch recht schnell und es blieben den "Herrschaften" nur noch gut zehn Jahre.

@ Laurenz

Drei meiner neuen Nachbarn sind nicht die Wohlstands-Rentner auf der West-Side der Wetterau, von denen Sie sprechen. Die haben ihr Haus in Oberursel, Friedrichsdorf und Bad Homburg für gut 700 Tsd. verkauft und sich dafür ein besseres hier auf der East-Side für gut die Hälfte geleistet. Das heißt, die können nicht nur denken, sondern sie sind auch bereit zu handeln. Daher vielleicht unsere beiden unterschiedlichen Wahrnehmungen.

RMH

12. April 2022 20:22

@Hajo Blaschke,

und Sie haben ihr Volontariat beim anti-spiegel.ru offenbar schon lange erfolgreich abgeschlossen ... ihre Beiträge vom Anfang des Ukraine Krieges abgeglichen mit Stand heute sprechen für sich.

@Der_Jeurgen,

aus mitteleuropäischer und deutscher Sicht darf man sehr wohl der Meinung sein, dass es für "uns" und damit auch für die Rechte in Frankreich besser gewesen wäre, wenn Putin seinen imperialen Alleingang nicht gemacht hätte, aber das ist aktuell letztlich ohnehin egal. Wenn heute Trump gegen Biden antreten dürfte, würde Let´s Go Brandon sogar ohne Stimmentuning gewinnen - ohne den Krieg in der Ukraine hätte er keine Chance mehr. 

Wahrheitssucher

12. April 2022 22:28

@ RMH

„Hajo Blaschke,

und Sie haben ihr Volontariat beim anti-spiegel.ru offenbar schon lange erfolgreich abgeschlossen ... ihre Beiträge vom Anfang des Ukraine Krieges abgeglichen mit Stand heute sprechen für sich.“

Einmal ohne Ironie betrachtet: Wie recht Sie doch haben! Ein solches Volontariat könnte doch einen jeden nur gut tun. Ist doch der Name allein schon Programm…

 

Fonce

12. April 2022 22:44

„... läge Le Pen gegen alle Wahrscheinlichkeit trotzdem vorn, würde das System diesen Wählerirrtum so korrigieren, wie es dies bei den US-Wahlen von 2020 getan hat.“

@Der_Jürgen
Drum bin ich ja der Meinung, dass man bildlich gesprochen wie Herakles es getan hat, in den Schlund des Ungeheuers hineinhechten muss, um es von innen her aufzuschlitzen. Wir müssen selber das Gehirn einschalten lernen. Wenn ich aber solche kühnen Pläne entwerfe, wie das gemacht werden könnte, dann sind die Kommentare bloss: Wir sind hier alle katholische Fundamentalisten (sinngemäss @Laurenz) oder das ist Brunz (@Maiordomus) oder das ist Unsinn (@Gracchus), siehe vorletzter Kommentarstrang.

Mich erinnern solche Kommentare an die schwarze Pädagogik, die auf die katholischen Fundamentalisten (Jesuiten) zurückgeht, wie bei Werner von der Mühle, Gesetze der Freiheit, Band 3 (Unterm Kreuz) erklärt. Putin hat ja verboten über Verbrechen in der Vergangenheit nachzudenken. Gilt das hier bei SiN (ist das die Abkürzung für Sezession?) auch, für die verbrecherische Vergangenheit des Christentums?

Laurenz

12. April 2022 23:15

@WBS47

Vielen Dank für Ihren Beitrag, der meinem ja gar nicht widerspricht. Auf jeden Fall zeigt er, daß

@Imagine

mit Seiner Aussage über das Rentenniveau im Durchschnitt falsch liegt. 

ist das Wohlstandniveau bei heutigen Rentnern im Vergleich zu ihren Kindern und Enkeln erheblich höher

Das ist absolut falsch. Meine Großeltern bekamen bis zu Ihrem Tod 95,03,03, mehr oder weniger Deutschmark ausgezahlt, was eine ganz andere Kaufkraft bedeutete. Das heutige Wohlstandsniveau der Rentner basiert, abgesehen von Selbständigen, Rechtsanwälten, Ärzten & Beamten, nicht auf der Rente, sondern auf Betriebsrenten (, die es heute so nicht mehr für Nichtselbstständige gibt,) wie auf Erbschaften. Bei der Politik der letzten 30 Jahre werden die bald in Rente gehenden geburtenstarken Jahrgänge vom Erbe, welches sie erhalten, nichts mehr übrig lassen.

Neulich hatte ich die Durchschnittsrente in Deutschland gepostet, aber @Imagine wird das wieder mal nicht gelesen haben. https://ru-geld.de/de/pension/pension-amount.html

Laurenz

12. April 2022 23:25

@RMH @Hajo Blaschke & Der_Jürgen

"wenn Putin seinen imperialen Alleingang nicht gemacht hätte"

Das ist nur kurzfristig so. Die Sanktionen gehen weitestgehend ins Leere, schädigen die Aggressoren, vor allem Deutschland, mehr als Rußland. So schlimm der militärische Konflikt in der Ukraine auch ist, bleibt er doch nur ein Nebenkriegsschauplatz. Der eigentliche Krieg findet zwischen den BRICS-Staaten & dem Westen statt. Die Provokation der USA in der Ukraine beantworteten die BRICS-Staaten mit einem  Großangriff auf das westliche Finanzsystem. Der Rubel steht mittlerweile höher als vor dem Einmarsch in der Ukraine & warum? Weil der Rubel seit kurzem mit Gold gedeckt wird. Und warum wird der Rubel mit Gold gedeckt? Weil die Russen es können, wir nicht. Wenn die Inflation weiter rennt, die Lieferketten Chinas weiter abreißen, brauchen wir keine 6 Monate warten, bis die Bevölkerung nach der Abdankung der Ampel ruft. Was meinen Sie, warum Scholz nichts zu Spiegel gesagt hat? Weil die ganze Ampel bereits angezählt ist.

RMH

13. April 2022 06:58

@Laurenz @Rente, es fehlt noch der Punkt, dass bei vielen ein eigener Vermögensaufbau möglich war und sei es nur durch Abzahlung einer Immobilie. Lebensvers. brachten Rendite, sicheres Sparen brachte Zinsen. Neben dem Erbe kann man das Ganze auch unter dem Schlagwort der sog. "Friedensdividende" zusammenfassen. Und davon kann man - in die Zukunft betrachtet - gerade nicht mehr ausgehen. Bei bleibender Geldentwertung wird alles in absehbarer Zeit enger werden. Das wird ein schleichender Prozess sein, da bei der Mehrheit noch ordentlich Substanz da ist. Betrachtet man das zusammen mit der Analyse der Haltung und der geringen Bereitschaft, Einstellungen zu ändern, stellt sich die Frage, ob der Substanzverlust wirklich zu einer ÄNDERUNG des Wahlverhaltens führen würde. Nach der verlinkten Studie wohl kaum und wenn, dann ändert es sich aktuell in Richtung SPD statt zur AfD. Ich kann ihre regelmäßig geäußerte Vorstellung, dass es allen erstmal so richtig schlecht gehen müsse, damit es eine Änderung bei der Wahl oder gar Aufstände gäbe, nicht nachvollziehen. Wenn es so kommt, dann wird diese Insolvenz recht still und sang- und klanglos abgewickelt. Ihr vulgärmarxistischer Verelendungsansatz könnte m. M. n. dann interessant werden, wenn man den Migranten die Staatsknete abschnüren würde. Vermutlich würden dann eben die letzten Speckgürtel Deutschlands geplündert. Wer weis es schon.

Kriemhild

13. April 2022 07:40

Melenchon ist nur ein Platzhalter, bis eines Tages der migrantische "Kandidat der Herzen" an seine Stelle tritt, der alle Nichtweißen hinter sich versammelt. Dann beginnt für die indigenen Franzosen eine schwere Zeit voller Leiden. 

Nemo Obligatur

13. April 2022 07:55

@ Sandstein

Ich verstehe Ihren Unmut, weil die Dinge nicht so laufen, wie Sie sich das wünschen. Es ist jedoch das Versäumnis der Rechten, nie eine wirkliche europäische Perspektive entwickelt zu haben.

"Make America great again!" war der siegreiche Slogan von Trump. "Ich will die EU zerstören!" war der Slogan von Le Pen vor der Wahl 2017 mit dem sie dann auch unterging. Inzwischen scheint sie etwas klüger geworden zu sein.

Im übrigen habe ich nirgends behauptet, dass Deutschland von Macron profitiert oder dass wir schnell schwere Waffen in die Ukraine liefern müssten. Das sind Ihre Interpretationen.

Der kürzlich verstorbene Günter Maschke hatte schon recht mit seiner Forderung, dass die Rechten mehr und gründlicher lesen müssen. Den neuen Podcast vom Rande der Gesellschaft zu Maschke kann ich jedem Leser der SiN wärmstens empfehlen.

RMH

13. April 2022 08:26

@Wahrheitssucher, 12. April 2022 22:28,

Ach, und der Herr Röper verbreitet natürlich vollkommen tendenzfrei seriös recherchierte Meldungen und Berichte ...

Dann suchen Sie mal schön weiter nach der Wahrheit - in Presseorganen, egal ob bei uns oder in solchen von Bloggern wie Röper wird es ein bisschen dauern, bis sie die Wahrheit finden. Spiegel und Anti-Spiegel sind zwei Seiten der gleichen Medaillen namens Lüge und Propaganda.

Oder zusammengefasst: Für wie - pardon - blöde halten Sie das hier schreibende und lesende Publikum? Dieser Einwand gilt auch für den dermaßen perfekt russisch sprechenden Herrn Blaschke, der die Sprache so gut beherrscht, dass er damit sogar ukrainisch stets problemlos versteht (was in anderen Debatten gut vorgeführt wurde von A. Broder).

Imagine

13. April 2022 08:50

@ Laurenz 12. April 2022 23:15

Ich schreibe doch ganz explizit, dass die Nachkommen (Kinder, Enkel) das Wohlstandsniveau der heutigen Rentner nicht erreichen werden.

Bezogen auf den Normalarbeitnehmer zeichnete sich bereits in den 80-er Jahren ab, dass er das Wohlstandsniveau seiner Eltern nicht bzw. nur mit Mehrarbeit erreichen wird. Das wurde dann dadurch verschleiert, dass die Doppelverdiener-Familie zur Normalität wurde und das Renteneintrittsalter erhöht wurde.

Seit den 90er Jahren wurde der Anteil der Verlierer immer größer und inzwischen hat er die Mitte in größerem Umfang erreicht.

Diese Entwicklung existiert in allen kapitalistischen Ländern so. Die Tendenz zur allgemeinen Verarmung und Prekarisierung ist bei den südlichen PIGS-Ländern noch ausgeprägter.

In Frankreich ist es ähnlich wie in der BRD.

Len Pen kann den Verlierern nicht viel bieten. Die neoliberalen Modernisierungsgewinner wählen Macron, auch der Großteil der Besitzstandswahrer.

Die verarmten und prekarisierten Massen, einschließlich der Mitte, wählen nur zum Teil „rechts“.

Le Pen hat – wie die Rechten generell – kein Zukunftsmodell, was die Mehrheit der Gesellschaft positiv anspricht.

Die kulturellen Rechten sympathisieren mit Orbán-Ungarn, Kaczyński-Polen und Putin-Russland, aber sie kommen damit in Westeuropa bei der Bevölkerungsmehrheit nicht an.

Franz Bettinger

13. April 2022 10:12

Wenn ich das richtig lese, nimmt Michel Houellebecq (auf S. 35 seines neuen Romans 'Vernichten') an, dass Macron 2022  erneut zum Präsidenten gewählt wird.

Maiordomus

13. April 2022 10:59

@Imagine. Einmal mehr sehen Sie es so, dass man Ihnen kaum widersprechen kann. Es wäre in der Tat weiterführend, zukunftsfähige Gedanken zu entwickeln, und wäre es zum Beispiel nur schon über die Geldtheorie. Natürlich sind z.B. die "Visionen" über Freigeld und dergleichen nicht mehr ä jour, und ich behaupte übrigens auch nicht, man müsse bloss Röpke lesen usw.; wiewohl es sich zum Beispiel, auch als Kritiker, siehe analog zu Marx, selbst in Richtung Hayek nachzudenken nach dem Motto "Wo er recht hat, hat er recht." So oder so werden wir unter den jetzigen ökonomischen und zumal auch demografischen Bedingungen ohnehin nie eine "gerechte Gesellschaft" weder erleben noch erreichen Es gab aber schon Epochen, in denen weniger Fehler gemacht wurden.

Wahrheitssucher

13. April 2022 11:22

@ RMH

“Ach, und der Herr Röper verbreitet natürlich vollkommen tendenzfrei seriös recherchierte Meldungen und Berichte ...“

Natürlich hat auch er eine Standortgebundenheit. Aber erkennen Sie nicht in ihm und seinen Beiträgen den notwendigen Gegenpol zu dem, was uns so allenthalben begegnet und verlautbart wird?

Und das mag doch im dialektischen Sinne der Wahrheitsfindung dienen…

Volksdeutscher

13. April 2022 11:36

Wie die Wahlen auch ausgehen mögen, Frankreich wird früher oder später auf den Müllhaufen der Geschichte kommen, was die Franzosen teils sich selbst verdanken können, und daran wird auch eine Le Pen nichts ändern. Ihnen werden andere Nationen folgen, die sich das Lebensrecht ausreden lassen oder feige oder lebensmüde sind. England ist schon Geschichte. Wenn man überlegt, was im westlichen und was im östlichen Teil Europas seit längerer Zeit geschieht, fällt einem plötzlich der Spruch des ungarischen Adligers und Politikers, Graf Albert Apponyi ein, der bei der Zerstückelung der ungarischen Nation, die Zweidrittel ihrer Bevölkerung bei der territorialen Zerstückelung verlor, in Versaille gesagt haben soll:

"Sie haben jetzt Ungarns Grab geschaufelt, aber Ungarn wird auf der Beerdigung all der Länder sein, die jetzt hier Ungarns Grab geschaufelt haben."

Laurenz

13. April 2022 11:56

@Nemo Obligatur @Sandstein

Ja, das Audio über Maschke ist klasse, vor allem, was dessen mutmaßliches außergewöhnliches Gedächtnis angeht. Die Rechte hat aber mittlerweile einen Bildungsvorteil gegenüber der Linken, was man schon im Reichstag & anderen Parlamenten feststellen kann. Und vom Lesen verändert sich nicht die Welt. Allerdings fehlt der Gruppe etwas das Verständnis für die charakterlichen Eigenschaften Maschkes, was mir als Betroffenen, der Maschke gar nicht kennt, aus den Erzählungen sofort klar wurde.

nie eine wirkliche europäische Perspektive

Diese Perspektive interessiert auch keinen europäischen Staat, außer Deutschland, quasi, wie über 1.000 Jahre im I. Reich. Die einzige Perspektive in der EU ist, daß Deutschland zahlt.

@RMH

"Röper"

übersetzt zumindest vieles, um Falschwiedergaben zB des Relotius aufzuklären.

@Imagine

Ihrem letzten Beitrag kann man so zustimmen. Was LePen angeht, so sind viele Möglichkeiten gegeben, Eliten-Projekte einzusparen, wie zB die EU. Frankreich geht mittlerweile 0 auf 0 raus. Da läßt sich doch einiges umschichten.

anatol broder

13. April 2022 12:11

michel houellebecq entwirft in seinem roman unterwerfung (2015) eine zukünftige französische präsidentschaftswahl. wie ist sein entwurf heute zu beurteilen?

heinrichbrueck

13. April 2022 12:13

Eine tolle Wahl, wenn man nur noch die Wahl zwischen falsch und falscher hat. 
Ukraine und der "Westen". Nach Lenins Tod gab es einen Machtkampf zwischen Stalin und Trotzki, der heute noch tobt oder zumindest schwelt.
Man kann diesen Machtkampf nicht verstehen, wenn man ihn unter dem Gesichtspunkt betrachtet, daß Stalin böse war und Trotzki gut oder zumindest etwas weniger böse. Das führt in die Irre und liegt vor allem daran, daß Stalin als Regierungschef die Möglichkeit hatte, in großem Stil Böses zu tun, und Trotzki nicht. Man kann diesen Machtkampf nur verstehen, wenn man ausschließlich die geistigen INHALTE betrachtet, für die sie standen, und die METHODEN, mit denen sie ihre Inhalte durchgesetzt haben, zunächst einmal komplett beiseite läßt.
1990 hat Trotzki posthum einen großen Sieg über Stalin erreicht, aber er war nicht vollständig.

anatol broder

13. April 2022 12:39

die tabelle haushaltseinkommen pro person enthält definitionen der sozioökonomischen klassen an. falls es in frankreich einen spitzensteuersatz gibt, greift dieser bereits ab der «wohlhabenden» grenze mit 2650 euro monatseikommen?

Simplicius Teutsch

13. April 2022 12:57

Marine Le Pen wird gegen Macron verlieren. Etwas anderes kann ich mir gar nicht vorstellen.

Und ich wünsche mir auch nicht, dass Le Pen in Frankreich an die „Macht“ kommt; zur Vermeidung einer „rechten“ Blamage.

Was soll Le Pen im herrschenden Umfeld schon ausrichten können mit ihren rechtssozialistischen Wunsch- bzw. Wahnvorstellungen? Sie verspricht den Franzosen das Renteneintrittsalter mit 60 Jahren. – Das mag langfristig am weiten Horizont sinnvoll und sicherlich wünschenswert sein. Ich hätte auch in Deutschland grundsätzlich nichts dagegen, selbst wenn ich persönlich davon nicht mehr profitiere.

 – Schade, dass Zemmour nicht eineinhalb Prozent mehr erhalten hat. Wenn ich mir jetzt das bisherige, knappe Wahlergebnis so betrachte, dann würde ich mir gewünscht haben, dass der Linkssozialist Melenchon in die Stichwahl gekommen wäre und gegen Macron gewinnen würde. Dann hätten sich die Linkssozialisten nach einem Sieg so richtig blamieren können.

Aber ich liege mit meinen politischen und gesellschaftlichen Hoffnungen die letzten 30 oder 40 Jahre ja stets daneben, während die Befürchtungen eintreffen.

Laurenz

13. April 2022 15:38

@Simplicius Teutsch

Sie sehen doch, was Orban & die Polen fördern & was nicht. Wenn LePen mehr verspricht, muß Sie es woanders wegnehmen. Sie wird Sich überlegt haben, wo. Auch LePen kennt die Nummer der ersten 100 Tage. Und was Ihre Rente in Frankreich angeht, so schauen Sie einfach mal hier rein. Etwas weiter nach unten rollen. 

https://www.auswandern-handbuch.de/renteneintrittsalter-weltweit-wer-muss-kuenftig-am-laengsten-arbeiten/

@HeinrichBrück

In Ihrem Sinne war Stalin gar nicht vorgesehen, ein Unfall quasi. Dasselbe gilt für Putin, auch, wenn da schon jeder Vergleich endet. Was die Bösartigkeit Trotzkis angeht, so kann ich mich nicht erinnern, daß diese der Stalins in irgendetwas nachstand. Trotzki war ein militärisches Genie, aber eben kein Polizei-Genie, wie Stalin. Insofern gab es auch nie für irgendwen eine Wahl oder eine Option zu ziehen. Nennen Sie uns neben der Schweiz oder Island einen optimalen, idealen Staat, der Ihre Bedürfnisse berücksichtigt.

RMH

13. April 2022 15:41

"Und das mag doch im dialektischen Sinne der Wahrheitsfindung dienen…"

@Wahrheitssucher, in diesem Sinne haben Sie vollkommen recht.

"michel houellebecq entwirft in seinem roman unterwerfung (2015) eine zukünftige französische präsidentschaftswahl. wie ist sein entwurf heute zu beurteilen?"

@anatol b.

Houellebecq hat sich diesbezüglich in seinem neuesten Roman "Vernichtung" (Januar 22) bereits wieder revidiert. Er schildert darin als Nebenhandlung den Wahlkampf um eine zukünftige Präsidentenwahl, bei der kein Muslim eine Rolle spielt, sondern es gibt ganz konventionell 2 Franzosen als Spitzenkandidaten, der RN-Kandidat brilliert und liegt in den Umfragen sehr gut, aber dann, ja dann --- Spoilerverbot - und die Wahl läuft in der Stichwahl wieder auf den Kandidaten des Establishments hinaus, da der Wähler in dieser Situation keine Experimente machen will. Das gesamte Wahlthema ist aber in dem Roman "Vernichtung" , wie geschrieben, eines von mehreren Nebenthemen.

heinrichbrueck

13. April 2022 22:07

@ Laurenz
Die Schweiz ist eine vorübergehende Angelegenheit. 
Ganz knapp, was gemeint war:
Trotzki stand für den ursprünglichen und eigentlich wahren Kommunismus, der internationalistisch ist und auch die Zersetzung der Strukturen wie Familie, Heimatgefühl und Sittlichkeit beinhaltet. Stalin stand für „Kommunismus in einem Land“, der russisches Nationalgefühl nicht nur erlaubte, sondern sogar nutzte, und kulturell konservativ war.
Stalin hat in der Sowjetunion gewonnen und den Ostblock geprägt. Trotzki und seine Anhänger flohen in den Westen, vor allem in die USA. Und obwohl es Stalin gelang, Trotzki ermorden zu lassen, blieben zahlreiche seiner Mitstreiter am Leben und fingen an, die westliche Welt sehr nachhaltig kulturell zu prägen, obwohl sie ökonomisch kapitalistisch war. Aber die Ökonomie ist gar nicht so wichtig.
Jetzt könnte eine neue heiße Phase dieses Kampfes beginnen, und der Russenhaß, zu dem wir aufgestachelt werden, liegt daran, daß Rußland sich der trotzkistischen Geisteshaltung widersetzt, wie es in viel schwächerem Maßstab auch die AfD (als "nicht demokratisch" gebrandmarkt) tut.
Es ist ganz interessant, die derzeit vorherrschende Hetze gegen Putin genauer unter die Lupe zu nehmen. Vordergründig ist sie ziemlich inkonsistent, er wird nämlich sowohl mit einem Zaren, mit Stalin als auch mit Hitler (allesamt keine Trotzkisten) verglichen.

Imagine

13. April 2022 22:52

@Niekisch   12. April 2022 17:56
„Meine Wahlbenachrichtigung habe ich gerade zerrissen und weggeworfen. Nach mehr als 50 Jahren reicht es mir mit der Rolle eines Wahlstatisten, der nie erreicht, was er will.“

Die Demokratie funktioniert nicht so, wie man dies uns im Gemeinschaftskunde-Unterricht vermittelt hat.

Was nützt das Wählen, wenn das, was man will, nicht zur Wahl steht?

Und zudem die Berufspolitiker auf ihre Wahlprogramme und –versprechen, nachdem sie gewählt wurden, sch….n. Und dies für völlig normal gehalten wird und niemand sich ernsthaft empört.

Kann man in Mexiko die Herrschaft der Drogenbarone abwählen? Mexiko ist eine Republik und eine Demokratie.

Kann man hier bei uns die Herrschaft der Oligarchen und Plutokraten abwählen?

Nicht wenige der Kommentierenden sind Fans des westlichen Demokratiemodells. Vielleicht können die erklären, wie man die Herrschaft der Oligarchen und Plutokraten abwählen kann? Und zwar nicht erst am St. Nimmerleinstag.

 

Simplicius Teutsch

13. April 2022 23:26

@ Laurenz

Ich möchte Ihnen ja recht geben. Mein Kommentar war in pessimistischer Stimmung schnell dahingeschrieben. Allerdings, Marine Le Pen würde unter ganz anderen, viel schwierigeren politisch-gesellschaftlichen Umständen (z.B. Multikulti) in die Arena treten müssen, anders als Orban und die abendländisch-nationale Regierung der Polen.

Imagine

14. April 2022 10:50

Machen wir ein Gedankenexperiment:

Stellen wir uns vor, Le Pen wird – wie beim Brexit - völlig unerwartet zur Präsidentin gewählt.

Wie wird das Establishment im Empire, wie werden die Medien reagieren?

Volksdeutscher

14. April 2022 11:19

@anatol broder - "michel houellebecq entwirft in seinem roman unterwerfung (2015) eine zukünftige französische präsidentschaftswahl. wie ist sein entwurf heute zu beurteilen?"

Wenn Künstler und Schriftsteller anfangen zu politisieren, runzle ich immer die Stirn. Was können sie sonst in politischen oder wirtschaftlichen, also außerästhetischen Fragen ausrichten, als darin zu dillettieren? Sie sollen erst dann politisieren, wenn sie an der Entfaltung ihres ästhetischen Tuns gehindert sind. Wenn jemand seine Prognosen hinterher korrigieren muß, ist das nicht das Eingestehen des Mißerfolgs als politischer Theoretiker und erst recht das Eingestehen des Mißerfolgs als ästhetischer Praktiker?

Niekisch

14. April 2022 11:38

"Nicht wenige der Kommentierenden sind Fans des westlichen Demokratiemodells. Vielleicht können die erklären, wie man die Herrschaft der Oligarchen und Plutokraten abwählen kann? Und zwar nicht erst am St. Nimmerleinstag".

@ Imagine 13.4. 22:52: einen Großteil meines Berufslebens habe ich mit dem westdeutschen Demokratiemodell zu tun gehabt und dachte einige Jahrzehnte, evolutiv mitwirken und zum Positiven verändernd wirken zu können. Die Allmacht der instutitionalisierten Unterwürfigkeit unter fremde Interessen verhindert das aber so lange, bis dieses System durch Verfaulung und Lösungsunfähigkeit von selber zerfällt. 

Wie weit das alles geht?: "Die Bochumer Brauerei Moritz Fiege entfernt wegen möglicher Missverständnisse...das rot eingefärbte "Z" auf den Etiketten ihres Zwickelbieres" ( RZ 14.4. )

Laurenz

14. April 2022 13:08

@HeinrichBrück @L.

"Trotzki/Stalin"

Das, was Sie beschreiben, sind reine Formalismen. Stalin hatte sich nie von der Weltrevolution verabschiedet. Der Sozialismus in einem Land diente rein zur Entmachtung der Komintern, vor allem als Begründung dieser keine Mittel mehr zukommen zu lassen. Der formale Trotzkismus repräsentiert nur eine Minderheit, der klar war, daß der Bolschewismus ökonomisch nicht funktioniert & vertritt die "permanente Revolution", damit dies nicht auffällt. Zwangsläufig funktioniert der Trotzkismus nur bei Vollendung der Weltrevolution, weil sonst nicht-bolschewistische Ökonomien dem Bolschewismus den Rang ablaufen. Die Geschichte beweist, Trotzki hatte Recht. Sieliegen insofern richtig, daß Trotzki oder seine Stellvertreter als Nachfolger Lenins vom Westen vorgesehen waren. Erst als die im Zuge der Großen Säuberung alle liquidiert waren, änderte man die Haltung gegenüber der Sowjetunion & dem III. Reich. Und ja, man kann die aktuelle Politik, zumindest die des Westens, auf Trotzki zurück beziehen, allerdings mit weniger Hirn.