Kritik der Woche (25): Sloterdijk als Graudenker

von Jörg Seidel -- Wenn man Peter Sloterdijk heißt, kann man über alles schreiben – warum nicht auch mal über die Farbe Grau?

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Man darf dann auch die War­nung Hans Blu­men­bergs, daß „Meta­phern diri­gie­ren, füh­ren und ver­füh­ren“ non­cha­lant über­ge­hen, ja das Flot­tie­ren sogar zur Tugend machen und „gleich­sam einer Lau­ne nach­ge­bend“ – das sind die ori­gi­nal Ein­gangs­wor­te! – oder einem „Reflex fol­gend“ sei­nen Asso­zia­tio­nen nach­sin­nen und dar­aus ein neu­es Buch machen. Wenn man Slo­ter­di­jk heißt, dann darf man das, denn es kommt den­noch Wesent­li­ches zum Vorschein.

Dann darf man auch einen Satz Cézan­nes – „Solan­ge man kein Grau gemalt hat, ist man kein Maler“ auf das Den­ken und den Phi­lo­so­phen bezie­hen. Das war die Aus­gangs­in­tui­ti­on; der Phi­lo­soph geht ihrem inne­ren Witz freu­dig und aus­schwei­fend nach.

Grau steht natür­lich für mehr als nur eine Far­be, grau ist auch die Theo­rie, die Büro­kra­tie, die Theo­lo­gie, die Geschich­te, grau ist das Mitt­le­re, das All­täg­li­che, die Depres­si­on und vie­les mehr – wenn man sich wil­lig von der Meta­pher ver­füh­ren läßt. Grau sind auch die

Indif­fe­renz­zo­nen, die sich selbst gern als Sphä­ren der Tole­ranz, der Bil­dung und Weit­läu­fig­keit, ja der kos­mo­po­li­ti­schen Gesin­nung schildern.

An Sät­zen wie die­sen mag man erken­nen, daß Slo­ter­di­jk die poli­ti­sche Kon­fron­ta­ti­on nicht scheut:

Seit Ver­net­zun­gen den Begrün­dun­gen den Rang ablau­fen, ist es rat­sam, in der Abwe­gig­keit eine Anders­we­gig­keit zu vermuten

oder:

Man darf ver­si­chert sein, daß das inzwi­schen glo­ba­li­sier­te jako­bi­ni­sche Emp­fin­den nicht lan­ge suchen muß, um alter­na­ti­ve Empö­rungs­grün­de zu ent­de­cken. Es wird aktu­ell in den pas­siv-aggres­si­ven Spiel­ar­ten des Femi­nis­mus fün­dig, der aus der Men­ge der Frau­en die Klas­se der Beläs­tig­ten her­vor­hebt; es ergreift schon das Wort in der juve­ni­len Woke-Ideo­lo­gie, die ihre unduld­sa­me Emp­find­lich­keit gegen Sym­bo­le unwill­kom­me­ner Unter­schie­de vor sich herträgt.

oder:

Die poly­chro­me Idyl­le trügt; die zur Durch­mi­schung ein­la­den­de Libe­ra­li­tät der Moder­ne kann die erwünsch­te Regen­bo­gen­ge­sell­schaft nicht erzwin­gen. Zugleich ist es für Ent­mi­schung und rein­far­bi­ge Iden­ti­tä­ten zu spät. Aus der Sum­me der Ein­zel­far­ben ent­steht (…) kei­ne leuch­ten­de All­far­be, viel­mehr ergibt sich ein stump­fes bräun­li­ches Grau.

Sol­che schil­lern­den Nug­gets las­sen sich aus dem Blei­wüs­ten­grau her­aus­wa­schen – wenn man auf­merk­sam liest. Sie sind hoch­gra­dig kodiert. In der letz­ten Pas­sa­ge fin­den wir sogar eine dia­lek­ti­sche Bezeu­gung ver­steckt, denn Slo­ter­di­jk bekennt sich in der Kri­tik des Grau­en just zu die­sem. Gera­de im poli­ti­schen Kapi­tel wird die „Rot-Grau-Ver­schie­bung“ all des­sen, was rot und revo­lu­tio­när ange­tre­ten war und zwangs­läu­fig grau und uni­for­miert enden muß­te, als his­to­ri­sche Crux kennt­lich gemacht.

Trotz sei­ner stark farb­kon­no­tier­ten Peri­oden in rot und braun etwa, macht Slo­ter­di­jk das dar­un­ter­lie­gen­de Deck­grau sicht­bar und satis­fak­ti­ons­fä­hig. Wenn man das Grau nach der Kri­tik nun aber affir­miert? Slo­ter­di­jk – wem es bis­her noch nicht klar war – macht sich als aus­glei­chen­der Den­ker, als ein Mann der Mit­te, des Gemä­ßig­ten, Kul­ti­vier­ten und Zivi­li­sier­ten kennt­lich. Und so auch in theo­lo­gi­schen, phi­lo­so­phi­schen, ästhe­ti­schen, his­to­ri­schen Fra­gen, um das wei­te Spek­trum sei­nes Den­kens nur anzudeuten.

Das Mate­ri­al ist so unend­lich wie Slo­ter­di­jks Wis­sens­ra­di­us, und mit drö­ger Tech­nik lie­ße es sich mühe­los erwei­tern. Auch wenn der Leser nicht jeder Gedan­ken­vol­te fol­gen kann, so gelingt es dem Sprach­meis­ter doch, stets den Ein­druck zu ver­mit­teln, daß dies an des Lesers Unvoll­kom­men­heit liegt. Am Ende bricht der Phi­lo­soph sei­ne Gedan­ken­fahrt auch eher ab, als daß er abschließt; para­dig­ma­tisch dafür die „drit­te Dig­res­si­on: Von Grau und Frau“ – was hät­te man da nicht alles schrei­ben kön­nen, wenn man nur an die ver­gan­ge­nen 16 blei­er­nen Jah­re denkt … zwar wer­den die „Mer­kel-grau­en Stim­mun­gen“, das „Kunst­stück, zugleich lau und macht­be­ses­sen zu sein“ erwähnt, aber dann läßt er „einen Wind­stoß zur rech­ten Zeit“ den Blät­ter­sta­pel ver­we­hen und den Leser wei­ter war­ten. Immer­hin wür­de der Lek­tor befrie­det sein, der zum zu Sagen­den wohl sei­ner­seits gespro­chen hät­te: „Paß auf, wenn man kei­ne Frau ist, kann man so etwas heu­te nicht mehr schreiben!“

Aber wenn man Peter Slo­ter­di­jk heißt, dann könn­te man es wohl doch! Bis das geschieht, muß man wei­ter­hin zwi­schen die­sen ori­gi­nel­len und immens stu­die­rens- und den­kens­wer­ten Zei­len lesen.

– – –

Peter Slo­ter­di­jk: Wer noch kein Grau gedacht hat. Eine Far­ben­leh­re. Suhr­kamp. Frank­furt 2022. 286 Sei­ten. 28 € – hier bestellen

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (23)

RMH

13. Mai 2022 10:58

One man on a lonely platform
One case sitting by his side
Two eyes staring cold and silent
Shows fear as he turns to hide

Aaah, we fade to grey ...

https://www.youtube.com/watch?v=UMPC8QJF6sI

Sloterdijk war damals bei der Veröffentlichung des Liedes ca. 33 Jahre alt ... 

Ein gebuertiger Hesse

13. Mai 2022 11:56

Ein interessanter Titel, tatsächlich. Allerdings muß man von einem, der sich dergestalt geäußert hat, rein gar nichts mehr lesen. 

Der_Juergen

13. Mai 2022 12:05

Die hier angeführten Zitate sind natürlich grossartig. Die Dinge so kunstvoll formuliert darstellen können nicht viele.

kikl

13. Mai 2022 12:06

Herr Seidel scheint großes Gefallen an den Formulierungen des "Sprachmeisters" gefunden zu haben. Deshalb zitiert er gleich mehrere Passagen, unter anderem diese hier:

"Indifferenzzonen, die sich selbst gern als Sphären der Toleranz, der Bildung und Weitläufigkeit, ja der kosmopolitischen Gesinnung schildern."

Ich muss gestehen, dass ich ein Freund des klaren Wortes bin und mir dieser Stil nicht behagt. Der Begriff "verquast" kommt mir in den Sinn. Mir ist vollkommen unklar, was mit "Indifferenzzonen" gemeint seien könnte. Da sich derartige Zonen offenbar selber schildern können, scheint es sich dabei um beseelte Wesen zu handeln.... Fragen über Fragen... Aber es mag auch einfach daran liegen, dass ich so nicht schreiben kann.

Vielleicht bedarf es aber wieder dieser Sprache, damit man sagen kann, was man nicht sagen darf, ohne von den Hütern der Moral und der Wahrheit bestraft zu werden. Wer Sloterdijk versucht auf seine seltsamen Aussagen festzunageln, dem entgleitet Sloterdijks Sprache wie ein Wackelpudding, vorzugsweise Götterspeise der Geschmacksrichtung Waldmeister. Das ist vermutlich so gewollt. Damit ist mein Vorrat an Metaphern aufgebraucht.

Niekisch

13. Mai 2022 12:17

"Satz Cézannes – „Solange man kein Grau gemalt hat, ist man kein Maler“"

Zu Zeiten der analogen Schwarz-Weiß-Fotographie war nur derjenige ein guter Künstler, der die Graustufen beherrschte. Auch wir verstoßen gegen diese Prämisse, indem wir das hellste und das dunkelste Grau aus dem Diskurs willentlich ausschließen.

quarz

13. Mai 2022 13:01

"Aus der Summe der Einzelfarben entsteht (…) keine leuchtende Allfarbe, vielmehr ergibt sich ein stumpfes bräunliches Grau."

Dieses Bild lasse ich gewöhnlich auch einfließen, wenn mir jemand mit infantiler Buntheitsästhetik kommt. Ergänzend empfehle ich, bei der nächsten Zubereitung einer Mahlzeit sämtliche verfügbaren Gewürze ohne jede Abstimmung mit ins Kochgefäß zu schütten - bei so viel Diversität muss ja ein lukullisches Meisterwerk entstehen!

Volksdeutscher

13. Mai 2022 13:17

Schlabbriges, ungepflegtes Aussehen und graue Theorien ist das Beste, was mir zu Sloterdijk einfällt. Die Abwesenheit des Vaters in seinem Leben dürfte meines Erachtens eine nicht zu unterschätzende Rolle auf sein Denken ausgeübt haben. Ich kann dies nicht beweisen, es ist vielmehr mein subjektiver Eindruck von ihm, ausgemacht an dem Mangel an Rationalität und Ordnung in seinen Formulierungen und Herleitungen. Wenn ich ihn richtig verstehe, benennt Herr Seidel dieses Phänomen als Ausschweifung. Das einzige Buch von Sloterdijk, das zu lesen ich mir in den 90-ern vornahm, "Kritik der zynischen Vernuft", legte ich nach den ersten zehn-zwanzig Seiten weg. Die Langeweile rettete mich womöglich noch vor schlimmeren Erfahrungen.

Volksdeutscher

13. Mai 2022 13:32

@Niekisch

Mit Grau malen dürfte Cézanne optisches Grau gemeint haben, denn nach der Begegnung mit den Impressionisten hatte er kein physisches Grau mehr gemalt, d.h. kein Schwarz im Schattenton verwendet (nur noch in der lineraren Begrenzung von Formen), was in seinen Frühwerken aber noch durchgängig vorhanden war. Zudem hatte Cézanne auch den Spruch geprägt, er wolle "Poussin nach der Natur malen". Jener wie dieser Spruch ist nur als assoziative Metapher interessant, praktisch läßt er sich weder umsetzen noch an irgendetwas in Cézannes Malerei ausmachen.

Eo

13. Mai 2022 13:36

Der gute, alte Slo ...
wohnt jetzt auch in Berlin und liest nach Aussage von Beatrice S. "den lieben langen Tag gute Bücher".

Über die Beziehung
von bunt und grau kann ma durchaus ins Grübeln kommen und nur zu leicht eine ziemlich herbe, dieser Zeit angemessene polemische Aussage treffen. Etwa so:

Von der vielgepriesenen
Buntheit wird am Ende nicht viel mehr bleiben als ein Grauen ...

(Juni-Spruch der KalenderSprüche 2018)

 

 

Monika

13. Mai 2022 16:36

„Auch wenn der Leser nicht jeder Gedankenvolte folgen kann, so gelingt es dem Sprachmeister doch, stets den Eindruck zu vermitteln, dass dies an des Lesers Unvollkommenheit liegt.“ Weil das  so ist 😢, wollte ich eigentlich nichts mehr von Sloterdijk lesen. Nun bin ich aber leider ein absoluter Fan von Grautönen und immer auf der Suche  nach dem perfekten Grauton ( in Gebäuden, Fotos, Bildern, Steinen, Wasser, Himmel usw. ) . Grau ist ja keine Farbe, sondern eine Mischung aus Schwarz und Weiß mit kleinen Beimischungen von Farbe. Darüber kann man lange philosophieren. Ob Sloterdijk dies zu meinem Genuss tut, kann mir leider keine Rezension beantworten. Ich müsste den Meister selbst befragen. Kennt und findet  er etwa den Satz aus „Krieg und Frieden“ von Tolstoi, wo es um das „herrliche stahlfarbene Wasser “ geht ? Ich finde diesen Satz nicht mehr. Aber er löst was aus, vergleichbar Marcel Prousts Geruch von Tee und Madeleines. Stahlgrau, bleigrauer Himmel, blaugrau, schiefergrau, steingrau, betongrau, lichtgrau...

Ich denke, kein Farbton ist vielfältiger und gefühlsauslösender . Also, der Buchtitel macht mich schon an...

Gotlandfahrer

13. Mai 2022 17:03

Sein Vater war ein desertierter niederländischer Marinesoldat, der als Fernfahrer arbeitete und seine Familie früh verließ. Und so schreibt er als dessen Sohn (er verließ wohl den Saal bevor er richtig drin war und kam auch nie wieder, um zu bleiben: https://sezession.de/54644/sloterdijk-auf-der-kippe): Sprachlich blendend, Lagen aufgrund seiner eigentlichen Unverbundenheit recht treffend durchschauend, aber unverwurzelt und niemandem zu nachhaltiger Mitarbeit verpflichtet.  Stets auf dem Sprung, es sich aber für einen erneuten Abstecher vorsorglich nicht verbauend.  Lassen wir ihn mit seinem intellektuellen Campingwagen dann und wann vorbeischauen und Schöngesagtes vortragen, schaden tut's nicht.

Maiordomus

13. Mai 2022 18:33

Man kann sich über Sloterdijk ärgern, ihn da und dort überschätzt finden, aber abesehen von den sich schildernden Indifferenz-Zonen, die kein Lektor von mir hätte durchgehen lassen, waren bzw. sind die Zitate gelungen, geistvoll und durchaus  in einem aktuellen Sinne zutreffend. 

Lausitzer

14. Mai 2022 02:59

Ich kann weder mit Sloterdijk etwas anfangen, noch mit diesem Artikel. 

Ein Fremder aus Elea

14. Mai 2022 09:45

RMH,

bei mir paßt's besser: Als Fade to Grey veröffentlicht wurde, wurde ich eingeschult, und als The Logical Song und Another Brick in the Wall veröffentlicht wurden, stand's unmittelbar bevor. Als Dreamer veröffentlich wurde, war ich gerade geboren, und als Give a Little Bit veröffentlich wurde, mein Bruder. Als One Summer Dream veröffentlicht wurde, hatte ich gerade laufen gelernt. Die letzte Veröffentlichung, welche ich zur Kenntnis genommen habe, war Out of Space, als ich auf mein Abitur zuging.

Nun, Grau als Farbe der Delegation dessen, was sich koordinieren ließe, darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht, ich kann ja mal den Link angeben:

http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2022/05/koordinierte-vorhaben.html

Franz Bettinger

14. Mai 2022 09:58

Entquasungs-Versuche aka Verfranzelungen:

(1) Indifferenz-Zonen —> Den Deppen, die alles tolerieren, ist alles egal. 

(2) Einen anderen Weg zu suchen und zu gehen, ist nicht abwegig, sondern mitunter notwendig. 

(3) Die zukünftigen Diktatoren und Schlächter (Jakobiner) missbrauchen die Frauen (Feminismus) und die begeisterungs- und veränderungs-geile Jugend für ihre faule Sache. 

Kurativ

14. Mai 2022 16:42

"...die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug" (Hegel/auch derweil unbeliebt bei so genannten Rechten)

Simplicius Teutsch

14. Mai 2022 19:26

@ Ein gebuertiger Hesse

Da haben Sie vollkommen recht: Von diesem schmuddeligen Regime-Opportunisten muss man als Freigeist oder rechter Waldgänger „rein gar nichts mehr lesen“!

Ich habe jetzt aber doch die Kommentare und dann den Artikel von Jörg Seidel gelesen. – Vergesst Peter Schlotterdick! Diesen begabten Wortschwätzer, der genau weiß, wo er unmissverständlich die Hauptstromlinie des herrschenden Regimes nicht verlassen darf, wenn der SPIEGEL ihn interviewt.

Im SPIEGEL-Interview vom Nov. 2020 (ist noch im Internet zu finden) verteidigt der Stromliniendenker die Unterdrückungsmaßnahmen des Corona-Merkelregimes ohne jede philosophische Geisteshöhe oder Differenzierung und beteiligt sich untertänig am primitiven Einprügeln auf die gejagten Corona-Skeptiker und „Querdenker“. – Seitdem ist er für mich gestorben. Ich verachte diesen miesen Charakter.

Quod licet bovi non licet Jovi!*

Originalzitat Sloterdijk: „Querdenker sind Menschen, die die Erdrotation leugnen. Querdenker haben ein Brett vor dem Kopf; es sind Leugner von Tatsachen auf eine perverse Art.“

*Frei übersetzt für die Nicht-Lateiner: Was dem Stammtischbruder erlaubt ist, ist dem Jupiter noch lange nicht erlaubt.

Der Gehenkte

14. Mai 2022 20:49

@ Kurativ

Das komplettere Zitat aus Hegels "Grundlinien der Philosophie des Rechts" lautet :

"Wenn die Philosophie ihr Grau in Grau malt, dann ist eine Gestalt des Lebens alt geworden, und mit Grau in Grau läßt sie sich nicht verjüngen, sondern nur erkennen; die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug."

Waldgaenger aus Schwaben

15. Mai 2022 11:11

Denkt der Graudenker auch an:

grausam, Heinrich mir graut's vor dir, grauenvoll, Morgengrauen und Grauen am Morgen?

Euphemismus Tretmühle:

Der Graudenker könnte der neue Querdenker sein.

 

A propos Graudenker.

Um nicht als Besserwisser  darzustehen, der nachher immer alls besser wusste:

Die AfD wird heute deutlich unter den 7% der Prognosen bleiben, für 5% wird es aber reichen.

Die Position zum Ukraine-Krieg:

"Völkerrechtswidriger Angriffskrieg, aber nicht unser Krieg."

Ist so widersprüchlich in sich, dass die Partei, wenn der Krieg noch länger andauern wird, daran zerbrechen wird. SPD und Linke, die ähnliche Positionen vertreten, wenn auch gemässigter, sind ebenfalls im Sinkflug. Die AfD wird in jedem Fall abstürzen, egal ob sich ganz auf eine Seite schlägt oder diese widersprüchliche Position durchhält. Nur ein schnelles Ende des Krieges mit einem Waffenstillstand könnte sie retten.

Wenn es ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg ist, dann ist es unser Krieg, weil D NATO-Mitglied ist und er an den Grenzen zur NATO stattfindet und NATO-Länder Waffen liefern. D kann jetzt nicht die Schweiz machen und de facto oder sogar de jure aus der NATO austreten. So ein Schritt müsste über Jahre oder Jahrzehnte vorbereitet werden. Ich persönlich bin auch gegen einen NATO-Austritt.

 

 

 

identitaer

15. Mai 2022 15:53

@Simplicius Deutsch

Ja da haben sie recht in gewisser Hinsicht.

Finde ich schade, dass sich heutige Intellektuelle zu wenig trauen gegen den linken Mainstream aufzustehen, dass ein Mann wie Sloterdijk dahingehend äußert ist sehr unverschämt. 

Auch wenn ich Sloterdijks Philosophie durchaus interessant finde (gerade auch durch sein Denken mit Heidegger), so sehe ich eben dass er keineswegs mehr die Rolle des Kritischen Intellektuellen erfüllt der sich auch sozial engagiert wie es z.B ein Gunnar Kaiser oder ein Thilo Sarazin tun.

Gracchus

15. Mai 2022 21:39

Warum nicht den neuen Jon Fosse? Oder das neue Album von Kendrick Lamar?

Vielleicht ist der Druide Sloterdijk auf dem Weg zu Gandalf, dem Grauen. In ein paar Jahren (oder Leben?) wird er zu Gandalf, dem Weißen, und seine Farbenlehre erweitern. 

Mir geht es wie @Monika. Das Thema interessiert mich wie auch bei den letzten Büchern. Aber dann lese ich rein, und mir fällt der Sloterdijk-Sound gleich auf die Nerven. Es kommt - so meine Erfahrung - wenig bei rum. Sloterdijk ist allzu sprach- und pointenverliebt, auch dem Mainstream zu gefällig. 

Nemo Obligatur

16. Mai 2022 08:39

@RMH 13. Mai 2022 10:58

 

Zum Thema Grau hat Loriot alles Wesentliche bereits gesagt:

https://www.youtube.com/watch?v=9kqMUmIOrTU

Damals war Sloterdijk 41 Jahre alt und hielt als Gastdozent in Frankfurt Poetik-Vorlesungen. Vielleicht ist er bei der Gelegenheit auch mal ins Kino gegangen.

Laurenz

16. Mai 2022 12:33

@Waldgänger aus Schwaben

Es existiert ein generelles Gewaltverbot der UNO. Dagegen haben Deutschland & seine Verbündeten schon vielfach verstoßen. Sie schreiben dummes Zeug.

@Identitär @Simplicius Deutsch

"Thilo Sarrazin"

verfügt über Pensionen als ehemaliges Mitglied des Bundesbankvorstands & Senators zu Berlin. Desweiteren hat er genügend Bücher verkauft, kann sich also einen medialen Kampf gegen den Mainstream materiell erlauben.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.