Kritik der Woche (26): Die große Verkehrung

von Konrad Gill -- Der Titel des vorliegenden Buches ist treffend und irreführend zugleich.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Was die Autorin „Huma­nis­mus“ nennt, nen­nen ande­re „Glo­bo­ho­mo“ oder „Neue Weltordnung“.

Wenig hat Moni­ka Haus­am­manns Feind­bild mit dem Erzie­hungs- und Men­schen­ver­bes­se­rungs­pro­gramm der frü­hen Neu­zeit zu tun. Ihr „bibli­sches Den­ken“ ist ein nicht-ideo­lo­gi­sches, viel­leicht vor­po­li­ti­sches, das die Tat­sa­chen ansieht und sich zugleich meta­phy­sisch in eine sinn­haf­te, der Ver­fü­gung durch den Men­schen ent­zo­ge­ne Welt­ord­nung hin­ein­ge­stellt weiß. Inso­fern dürf­te es auch Nicht­chris­ten zugäng­lich sein.

Aus­ge­hend von die­sem fes­ten Grund erar­bei­tet sich Haus­am­mann zunächst eigent­lich höchst bana­le Ein­sich­ten: Dis­kri­mi­nie­rung heißt Wahl, ohne Wahl kei­ne Frei­heit. – Ord­nung ist kein Fetisch, son­dern gesund, wäh­rend unüber­schau­ba­re Unord­nung Men­schen in die Psych­ia­trie füh­ren kann. – Die „sozia­le Gerech­tig­keit“ endet, wenn die Infla­ti­on die ali­men­tie­ren­den Mit­tel auf­ge­fres­sen hat. – Als „frei“ gilt in der ver­mass­ten Gesell­schaft nur, wer sich der ver­meint­lich (allein) ein­sich­ti­gen Eli­te unterwirft. –

So lie­ße sich noch viel para­phra­sie­ren, Sei­te um Sei­te. Schnell wird dem Leser deut­lich: Hier hat sich jemand sehr, sehr gründ­lich ein­ge­le­sen und nach­ge­dacht; das Buch ist alles ande­re als ein feuil­le­to­nis­ti­scher Schnell­schuß. Pfeil um Pfeil ent­nimmt die Autorin ihrem reich gefüll­ten Köcher, zielt auf die Zumu­tun­gen der Gegen­wart und trifft fast immer ins Schwar­ze. Sie tut das ohne Dis­kus­sio­nen, son­dern apo­dik­tisch, aber den­noch argu­ment­satt. Lan­ge Her­lei­tun­gen und Beweis­füh­run­gen sind ihre Sache nicht.

In die­ser Prä­gnanz und Kür­ze liegt die gro­ße Stär­ke des Buches. In sie­ben kur­zen Kapi­teln springt die Autorin über die gro­ßen The­men der (poli­ti­schen) Phi­lo­so­phie hin­weg. Ihre Kurz-Schlüs­se sind erstaun­lich plau­si­bel, ihre Welt­erklä­rung ist hoch­kon­zen­triert und von mit­rei­ßen­der Fröh­lich­keit zugleich. Sie deklas­siert die „Tyran­nen der Bunt­heit“, weil sie sie zwar als Gefahr, nicht aber als intel­lek­tu­el­le Geg­ner auf Augen­hö­he ernst nimmt. Huma­ni­täts­du­se­lei im Sozi­al­staat? Nichts als „Brot und Spie­le“ und das Ende ech­ter Cari­tas! Ver­ant­wor­tungs­ab­schub auf „die Umstän­de“? Rei­ne Skla­ven­men­ta­li­tät! Der moder­ne Per­son­be­griff? Ein trau­ri­ger Ver­such der „Ich-Herr­schaft“ ange­sichts exis­ten­ti­ell gefähr­den­der Ein­sam­keit und Über­for­de­rung! Die Prä­mis­sen der Gen­de­ris­tik auf andert­halb Sei­ten als wider­sprüch­li­chen Unsinn zer­le­gen? Für Haus­am­mann eine Fingerübung.

Dies ist die poli­ti­sche und phi­lo­so­phi­sche Sei­te des Buches. Gran­di­os ihre Nietz­sche-Aus­le­gung en minia­tu­re, ihre Dar­le­gung von Ver­wir­rung als psy­cho­po­li­ti­scher Metho­de zur Macht­durch­set­zung und gene­rell ihre dras­ti­sche Abgren­zung von insze­nier­ten öffent­li­chen Debat­ten gegen­über ech­tem Den­ken – „wer denkt, ist ein Staatsfeind“.

Je län­ger der the­ma­ti­sche Par­for­ce-Ritt dau­ert, des­to mehr beglei­ten die Fra­gen nach Gna­de und Selig­keit den Text. Haus­am­mann sieht eine von Angst, Neid, Unbil­dung, Gleich­gül­tig­keit und Ein­sam­keit gepräg­te Zeit her­auf­ge­kom­men. Für sie sind es die unaus­weich­li­chen Fol­gen eines Lebens ohne Gott. Der Aus­weg steht jedem offen, auch ohne Glau­bens­er­fah­rung oder Kul­tus: Wer frei­wil­lig nach Gott fragt, steht bereits im Heils­ge­sche­hen. In die­sem Sin­ne möch­te sie ihren Auf­ruf zur Bibel ver­stan­den wis­sen, „ihr [der Hei­li­gen Schrift] Ruf zum Streit, zum Wider­stand und zum kla­ren Posi­ti­ons­be­zug gegen das Wahn­haf­te des Zeit­geis­tes“ kann von jedem gehört werden.

Frei­lich hat ein sol­ches, ange­sichts der enor­men The­men­fül­le gera­de­zu gro­tesk dün­nes Buch sei­ne Schwä­chen. Haus­am­manns „Humanismus“-Begriff ist angreif­bar, ihr dage­gen­ge­stell­tes bibli­sches Den­ken nur sehr knapp (und für Nicht­chris­ten viel­leicht unzu­rei­chend) erklärt, ihre End­no­ten wir­ken wahl­los. Auch die Spra­che der „Ansa­ge“ hol­pert manch­mal und chan­giert zwi­schen aus­ge­feil­ten Sät­zen und All­tags­jar­gon. Den­noch – Die gro­ße Ver­keh­rung ist ein unge­mein klu­ges, im Zugriff toll­dreis­tes, radi­kal um die Wahr­heit bemüh­tes und damit über­ra­schend lesens­wer­tes Buch.

Die Schwei­ze­rin Moni­ka Haus­am­mann ist ohne­hin gewis­ser­ma­ßen ein Wun­der­kind: Die erfah­re­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­trai­ne­rin und seit Jah­ren Wahl-Fran­zö­sin schaut aus wie ein Model und hat sich bereits bell­tris­ti­sche Meri­ten erwor­ben: Unter dem Pseud­onym Frank Jor­dan ver­öf­fent­lich­te sie eine erfolg­rei­che Krimireihe.

– – –

Moni­ka Haus­am­mann: Die gro­ße Ver­keh­rung. Dem Huma­nis­mus mit bibli­schem Den­ken begeg­nen. Eine Ansa­ge, Basel: Fon­tis 2022. 143 S., 15 € — hier bestellen

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Kommentare (17)

Lausitzer

23. Mai 2022 11:51

Danke für diese Kritik. Hört sich nach guter Munition für einen Lutheraner an. Nicht nur außerhalb der Kirche muss man sich der Globohomo-Ideologie erwehren. Auch die Kirchen sind von dieser Krankheit schwer befallen und ich rede hier schon gar nicht mehr von der EKD, die ich als komplett verloren betrachte. Gerade die unpolitischen Glaubensgenossen haben es schwer nachzuvollziehen, dass das Gendern der Abschaffung der göttlichen Schöpfungsordnung dient.

Ein gebuertiger Hesse

23. Mai 2022 14:35

Schöne, (weil) hin und her wogende Kritik, Daß die Dame "angesichts der enormen Themenfülle ein geradezu grotesk dünnes Buch" verfaßt hat, mag ein Hinweis auf ihren Mut und ihre Hemdsärmeligkeit sein. Beides hinsichtlich dieses Jahrtausende überspannenden Themas aufgebracht zu haben, stimmt einen sympathisch auf sie ein.

Laurenz

23. Mai 2022 15:03

Habe mir die Dame im Netz angeschaut. Frauen, die so aussehen, wie Frau Hausammann, wirken immer sublimiert auf normalsterbliche Männer, zumindest, was mich angeht. Natürlich handelt es sich bei diesem Phänomen um eine optische Täuschung, was mich das Alter lehrte. Möchte in keinem Fall die Buchbesprechung KGs in Abrede stellen, allerdings, wenn man hier auch auf 

@Lausitzer

eingehen will, so liegt dem Titel oder auch der Grundthese ein innerer Widerspruch zugrunde, dem alle Christen, Marxisten, Bolschewisten, Moslems etc.pp. unterliegen. Alle Besagten unterscheiden, trennen Ursache & beabsichtigte Wirkung. Dafür existiert aber kein Beleg. Also muß man davon ausgehen, daß die Wirkung mit dem Ursächlichen, der Schrift beabsichtigt ist. Insofern ist Hausammanns Humanismus ein Kind des Biblischen Denkens. Hier hat sich nur eine politische Macht-Verschiebung abgespielt.

Die EKD hat überhaupt keine Wahl. Seit Adolf Hitler sind die Kirchen käuflich. Die EKD kann in der jetzigen Form nur als systemdienende NGO überleben. Sonst dreht man ihr sofort den finanziellen Hahn ab.

Ein gebuertiger Hesse

23. Mai 2022 15:27

@ Laurenz

Ihre beschwingend süffisante Bemerkung über das Aussehen der Autorin brachte mich dazu, Frau Hausammann doch mal zu guggeln und siehe da: Hallo! Die "Sublimierung auf normalsterbliche Männer" verfehlt ihre Wirkung nicht. Jetzt allemal wird es bestellt, ihr Büchlein. SO geht Propaganda hienieden in dieser Szene und so ist es gut.

RMH

23. Mai 2022 16:57

"wirken immer sublimiert auf normalsterbliche Männer,"

@Laurenz, @ Ein gebürtiger Hesse.

verstehe nicht, was damit gemeint ist. Hab jetzt deswegen auch gegooglet (oder besser: gegockelt?) und sehe nur eine recht normale Frau um 50 mit Haarmähne. Nach der Vita wohl - wie so oft bei den Eidgenoss*Innen - nicht unbedingt existentiell auf das Arbeiten angewiesen (so etwas schreibe ich neidfrei - bin Gegner der Erbschaftssteuern, obwohl oder gerade weil ich selber nie welche zahlen musste oder werde). Ich bitte um Aufklärung, wo oder was die Sublimierung sein soll.

PS: Ist es eigentlich schon m2 oder typisch rechte "Männer", wenn bei einer Autor*In - angeregt auch durch die Rezension  (Model???) - jetzt in der Debatte über das Aussehen diskutiert wird und nicht über den Inhalt des Buches?

H. M. Richter

23. Mai 2022 17:02

Schöne Besprechung.

Bereits ein Jahr alt, aber nach wie vor bestens geeignet, Einblicke in die Denk- und Lebenswelt von Monika Hausamman zu gewinnen, ist dies hier.

 

Gracchus

23. Mai 2022 18:35

@RMH, Laurenz: Mir ist auch unklar, was "sublimiert wirken" bedeuten soll: dass jemand wirkt, als hätte er keinen Sex?!? Frigide? Das führt in der Tat etwas ab von dem Buch. In der Kürze liegt die Würze - dazu ist Frau Hausammann zu beglückwünschen.  

Lausitzer

23. Mai 2022 18:57

@Laurenz

"Insofern ist Hausammanns Humanismus ein Kind des Biblischen Denkens."

Der Humanismus ist ein Kind des Nicht-Biblischen Denkens: Die Voraussetzung für die Entwicklung des Humanismus in der Renaissance ist die Betonung der individuellen Dinge in der Philosophie des Aristoteles, die Thomas von Aquin in die Philosophie des Spätmittelalters einbrachte und salonfähig machte (Stichwort: Universalienproblem).

Die Abwendung vom biblischen Denken hin zur heidnischen Philosophie ist die Wurzel des Humanismus.

Laurenz

23. Mai 2022 20:27

@RMH @Ein gebürtiger Hesse & L.

"wirken immer sublimiert auf normalsterbliche Männer"

Sehe das als End50er ganz entspannt. Frau Hausammann sieht nicht ganz nach Model aus, das wäre auch langweilig, da quasi Titelseiten-Gesichter mehr oder weniger gleich aussehen. Die Nase zB ist herrischer als bei Modellen üblich & Frau Hausammann ist für ein Model zu klein. Den Lebenslauf betrachtend hatte ich denselben Gedanken, wie Sie, was die finanzielle Ausstattung angeht, was aber auch nur ein Vorurteil sein kann. Ja, die Haare hätte ich auch gerne. Und wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit explizit auf das Gesicht richten, erzählt es doch einiges. Als Anhänger Castanedas & Michelangelos stelle ich fest, daß das Gesicht für Ende 40 (Jahrgang 1974) relativ alt & verbraucht aussieht, was einerseits aus vermehrten Männerkonsum herrühren kann oder auf viel Arbeit schließen läßt. Da auf mich Frau Hausammann keinen männermordenden Eindruck macht, gehe ich davon aus, daß Sie viel arbeitet. Zumindest auf den Photos hat Sie eine Art sublimierte Aura & ich gehe davon aus, daß es das ist, was KG mit Model gemeint hat.

H. M. Richter

23. Mai 2022 21:07

@Laurenz

Anstatt sich in Vermutungen zu ergehen, die den Bereich der Unhöflichkeit nicht nur streifen, bestünde für Sie auch diesmal die Möglichkeit, sich zuvor zum Thema einzulesen. Hier hätten Sie beispielsweise zum Arbeitsalltag derr Autorin lesen können:

"Und sie weiß, was Gottfried Benn meinte, als er stöhnte: „Dichten – ein unbarmherziges Geschäft.“ Morgens um drei klingeln die Wecker, zuerst der eine, dann der nervtötende andere. Schichtbeginn. Strecken, Aufstehmanipulationen. Hilft ja nichts, die Schlacht wartet.

Sie hüllt sich in eine monströs große Holzfällerjacke, tapert zum längst erloschenen Kamin, säubert ihn und macht Feuer. Das „Feuermachen“ dieser Einsiedlerin in ihrer Klause in der kalten dunklen Nacht – das ist haargenau so archaisch, wie es klingt.

Sie geht in die Küche, braut sich ihren starken Kaffee. Rüber ins Bad, Zähne putzen, Kaltes Wasser ins Gesicht.

Zurück ins Wohnzimmer, wo ihr Schreibtisch steht. Blick in die Flammen, Feuer brennt. Das Laptop hochfahren, und die Absätze vom Vortag lesen. Korrekturen. Schluck Kaffee. Dazu der erste Zigarillo, Marke Meharis, mit Filter."

Laurenz

23. Mai 2022 22:00

@H.M. Richter @L.

Habe die Matussek-Seite bereits gelesen. Da steht aber nichts über den Alltag von Frau Hausammann. Vielleicht spricht der Name "Haus am Mann" für alemannischen Lebensstil? Sie schreibt, weiter steht nichts da. Ihr Zitat liest sich eher als Klischee. Die PR-Bilder haben mit dem französischen rustikalen Lebensstil, den ich übrigens kennengelernt habe, nichts zu tun. Ob Frau Hausammann tatsächlich putzen geht, ist wo belegt? Solch ein Aussage bringt gebürtige Hessen erst recht dazu, Bücher zu kaufen. (Das schöne arme Kind)

@Lausitzer @L.

Bezüglich des Mittelalters & des von Ihnen beschriebenen Humanismus', kann ich Ihnen nicht widersprechen. Aber, ich unterstelle, das ist nicht der Humanismus, den Hausammann meint. Längst ist der Terminus Humanismus mit unseren christlichen Werten untrennbar verbunden. Denn so totalitär agiert er auch. Wenn man sich die Paulus-Briefe & die Evangelien, vor allem das Lukas-Evangelium durchliest, ist der kulturfeindliche & totalitär, unfreie Ansatz von Theodosius, anhand der Figur des Petrus, längst dort vorprogrammiert, was sich frühzeitig in den historischen Fakten nachweisen läßt. Wenn Sie so wollen, ist das Biblische Denken heutiger Christen eine Projektion. Ich bleibe bei meinem inneren Widerspruch.

Rheinlaender

23. Mai 2022 22:01

Ich kann nur bestätigen, dass das Buch sehr gelungen ist. So deutliche Worte darüber, dass wir „im Krieg stehen“ und es noch einen „Krieg hinter dem Krieg“ gebe, der „gegen die Wirklichkeit, gegen bisher gültige Wahrheiten, gegen seit Jahrtausenden geltende Ordnungen“ geführt werde, hört man von den offiziellen Funktionären der Kirchen leider nur noch sehr selten.

Gracchus

23. Mai 2022 22:21

Das, @Laurenz, ist gar nicht so schlecht gesehen, wobei ich das Verbrauchte nicht sehe; was Sie meinen, kommt wohl von den Zigarillos, wobei ich mich frage, woher Matussek wissen will, was Frau Hausammann (Haus-am-Mann!) morgens um 3 macht, bzw. wieso er das so beschreibt, als hätte er das mit eigenen Augen gesehen. So - und jetzt vielleicht wieder zum Buch? 

Nordlicht

23. Mai 2022 22:56

Wie immer sehr wichtig zu lesen: Der Schweizer "Monat". Hier das Fazit es Artikels von Monika Hausammann:

"Weiche Rechte wuchern, während unverzichtbare Menschenrechte unter Beschuss geraten. Unter dem Banner des Humanismus droht sich ein tyrannischer Wächter­amtsstaat zu entwickeln. (...)

Bereits beim leichtesten Kratzen an der Oberfläche des Humanismus der Reden, Slogans und Medienformate, der von sich behauptet, er sei nicht nur eine praktikable, sondern die real praktizierte Gesellschaftsordnung, wird klar: Der Beschwörungs- und Betroffenheitshumanismus der Meinungsindustrie ist gar kein Humanismus. Er ist die radikale Verkehrung in sein Gegenteil."

 https://schweizermonat.ch/die-grosse-verkehrung/#

 

 

wolfdieter

23. Mai 2022 23:23

Danke. Gekauft.

Monika

24. Mai 2022 10:32

In der Rezension von Egar Gärtner ( gaertner-online.de) wird die vom „christl. Geist beseelte“ Monika Hausammann zitiert: „Der Mensch der Bibel ist persönlich in seiner Identität angesprochen und damit auf ein Außerhalb, auf das DU Gottes hin erschaffen.Genauso wenig, wie die Bibel Auskunft gibt über Gott an sich, existiert im biblischen Denken der Mensch „an sich als losgelöstes ICH.“ Dass die Bibel keine philosophische Abhandlung über Menschenwürde im Sinne der Aufklärung ( Vernunftbegabung, Willensfreiheit etc.) ist, versteht sich von selbst. Das haben Theologen wie Romana Guardini oder Philosophen wie Nikolai Berdjajew tiefgründig ausgeführt und entsprechende humanistische Verflachungen und Verkehrungen immer wieder kritisiert. Menschenwürde wird personalistisch verstanden, nicht abstrakt philosophisch. Bei Dostojewski heißt es ( Der Idiot) : „In der abstrakten Liebe zur Menschheit liebt man fast immer nur sich selbst.“ Und natürlich liegen Welten zwischen der politischen Kritik am abstrakten Begriff der Menschheit ( „wer Menschheit sagt, will betrügen“ ) der Rechten und dem theologischen oder existenzphilosophischen Ansatz eines Guardini oder Berdjajew. Umso neugieriger bin ich auf das Büchlein von Monika Hausamann.

zeitschnur

24. Mai 2022 12:29

Ich habe die Leseprobe schon mal angesehen. Natürlich wird man streiten können über die Begrifflichkeiten, der Rezensent deutet das an. Aber MH sagt ja "freimütig", dass sie keine Philosophin ist.

Dass die "Renaissance" bereits ein Verkehrungsprojekt innerhalb der christlichen Geschichte war, deutet der Name schon an. Was wollte da denn wiedergeboren werden? Ich hatte bei meinen Forschungen immer wieder den begründeten Eindruck, dass die Reformation weniger eine Reform einer maroden langen Kirchenfehlentwicklung war als eine Reaktion auf schwallartig einsetzende theologische Neuansätze, die aus dem Heidentum kamen (wie schon einiges zuvor, wenn auch hintergründiger) und den Glauben vollkommen verkehrten. Allerdings verkannten die Reformatoren vielfach die selbst Ursachen und Wirkungen und führten die Fehlentwicklung zT noch extremer fort als die RKK. Was systemische Reformen in ein fragwürdiges Licht stellt ...

Mir gefällt MHs Ansatz, dass alles vom einzelnen Menschen ausgehen muss, MUSS, hier ist der Dreh- und Angelpunkt des Glaubens und Seins, nicht in "Systemen", zumal Jesus sich immer wieder ausdrücklich von allem Systemischen abgrenzte, zuletzt vor Pilatus ("Mein Reich ist nicht von diesem ... System"). Denn das ist auch nach meiner Sicht das genuin Christliche im Gegensatz zu allen Weltverkehrungen, die den Menschen zu einer systemischen Funktion erklären wollen.

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