“Edel sei der Mensch, hilfreich und gut …”

In der Ukraine erscheint nicht nur „der Russe“, nicht nur „der Ukrainer“, sondern erscheint vielmehr überhaupt der Mensch – wie er ist.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Kon­rad Schul­ler schil­dert in der “Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung” vom 22. Mai 2022 die Situa­ti­on in den Kata­kom­ben des Mariu­po­ler Stahl­werks Asow­s­tal. Eine dan­tes­ke Sze­ne­rie: Dem­nach ist es

“dort dun­kel, feucht, heiß und muf­fig. Es stinkt. Die Luft ist wegen der Explo­sio­nen voll Staub und Rauch, vie­le sind davon lun­gen­krank. Die Toten lie­gen in einem Kühl­raum. Schmerz­mit­tel feh­len, sodass manch­mal ohne Anäs­the­sie ope­riert wird. Die Pati­en­ten bei­ßen dann in Gür­tel und schrei­en. Zu trin­ken gibt es nur das ver­schmutz­te „tech­ni­sche Was­ser“ aus der Fabrik. Fotos aus den Kata­kom­ben von Asow­s­tal zei­gen außer­dem auf­fäl­lig vie­le Sol­da­ten mit ampu­tier­ten Armen und Bei­nen. Die Berich­te von Fami­li­en­mit­glie­dern erklä­ren, war­um das so ist: Weil zu wenig Anti­bio­ti­ka da sind und Wund­brand droht, ent­schlie­ßen sich die Sani­tä­ter zu Ampu­ta­tio­nen, auch wenn das Bein nor­ma­ler­wei­se geret­tet wer­den könnte.”

Man denkt: 2022! Und die Bru­ta­li­tät mit Zer­stö­rung, Fol­te­rung, Raub und Ver­ge­wal­ti­gung bricht sich wie in frü­he­ren Jahr­hun­der­ten Bahn, genau­so, wie wir sie aus dem Drei­ßig­jäh­ri­gen und den Welt­krie­gen ken­nen. War es anders zu erwar­ten? Zynis­mus ver­bie­tet sich, aber anthro­po­lo­gi­sche Nach­le­se scheint um so mehr geboten.

„Wir machen kei­ne neu­en Erfah­run­gen“, so einst Rahel Varn­ha­gen, „son­dern es sind immer neue Men­schen, die alte Erfah­run­gen machen.“

Die Haupt­mo­ra­lis­ten und Leit­li­ni­en­be­stim­mer der Repu­blik jedoch wähn­ten den Men­schen – als guten Demo­kra­ten, als welt­of­fen, als regen­bo­gen­bunt – längst auf ein höhe­res Niveau geho­ben – geläu­tert, an der Geschich­te hoch­ge­schult, also huma­nis­tisch end­gül­tig verfeinert.

Im Lau­fe der Zei­ten ist das jedoch ganz offen­bar so nicht gesche­hen. Also wer­den die libe­ra­len, lin­ken und grü­nen Inter­pre­ten der Welt­ge­schich­te dazu über­ge­hen, sich räum­lich zu trös­ten, indem ihnen nichts übrig bleibt, als – Qua­si­ras­sis­tisch? – zu meinen:

Lei­der ist der Mensch dort, also im wil­den Osten, der Rus­se etwa, noch nicht so weit, aber zum Glück ja hier, bei uns. Jeden­falls als Par­tei­gän­ger der Libe­ra­len, der Lin­ken, der Grü­nen, eben­so der Christ- und Sozi­al­de­mo­kra­ten, wäh­rend sich die Schwer­erzieh­ba­ren und sonst­wie poli­tisch Ver­hal­tens­ge­stör­ten iso­liert in der AfD ver­sam­meln, als sol­che, die es so an sich gar nicht geben dürfte.

Der deut­sche Idea­lis­mus schrieb sich über Hegel gene­tisch dem Mar­xis­mus und schließ­lich des­sen aktu­el­len Schrumpf­for­men ein, den lin­ken Sozial‑, Kul­tur- und Lifestyle-Überzeugungen.

Danach läuft, salopp for­mu­liert, die Geschich­te in der Wei­se eines Erzie­hungs- und Läu­te­rungs­pro­zes­ses teleo­lo­gisch auf eine umfas­sen­de Huma­ni­tät zu, die weit­ge­hend das ver­meint­lich Unmensch­li­che aus­schlie­ßen wird. So, wie etwa die „dre­cki­gen“ fos­si­len Ener­gie­trä­ger gera­de aus­ge­merzt wer­den, um von „grü­nem“ Was­ser­stoff und „nach­wach­sen­den Roh­stof­fen“ end­lich, end­lich CO2-neu­tral und nach­hal­tig ersetzt zu sein.

Nie, sug­ge­riert lin­kes Wunsch­den­ken, war der Mensch so reif, nie sah er so klar und zog so ulti­ma­tiv die rich­ti­gen Leh­ren aus sei­nem jahr­tau­sen­de­lan­gen Irr­weg. Wer die­ser Illu­si­on nicht folgt und das Bekennt­nis zum end­lich nur­mehr guten Men­schen nicht nach­spricht, der gehört nach Auf­fas­sung der offi­zi­el­len Mei­nungs­füh­rer­schaft ver­bo­ten. Min­des­tens in ihrem kul­tu­rel­len und sozia­len Über­bau ist unse­re Gesell­schaft ihrem Selbst­ver­ständ­nis nach sozialistisch.

Nur ist das Unmensch­li­che eben nach wie vor – oder vor allem? – das Mensch­li­che. Die Moral muß­te man erfin­den, die Unmo­ral nicht. Not etwa kennt immer noch kein Gebot. Sobald die apo­ka­lyp­ti­schen Rei­ter ihren Ros­sen die Spo­ren geben, erscheint der neue Mensch wie­der so, wie er immer war. Und staat­li­che Macht zwingt ihn, ent­we­der Täter oder Opfer zu sein, wenn ihm die Mög­lich­keit oder die Klug­heit feh­len, sich Zwangs­ver­ein­nah­mun­gen wei­test­ge­hend zu entziehen.

Der Mensch so unmensch­lich, wie er immer war? Nicht alle, zum Glück, aber jene, die sich nicht dem Gebot der plötz­lich auf­schei­nen­den Gewalt unter­wer­fen, sind in Gefahr, die Opfer zu wer­den, wäh­rend die Täter dreist offen­siv die Geschi­cke aller ande­ren bestim­men, wenn sie sich das Recht dazu ein­fach neh­men, weil sie die Macht dazu haben.

Man darf das nicht gut­hei­ßen, man soll­te dar­über ande­rer­seits erst recht nicht ver­zwei­feln, weder kon­kret an sich selbst noch all­ge­mein am Men­schen, man muß es aber wis­sen! Daß der Mensch so ist, wie er ist – und wie ihn die Mythen und Reli­gio­nen immer kann­ten und pro­ble­ma­ti­sier­ten: Er ist – bei all sei­nen wun­der­ba­ren Mög­lich­kei­ten – unwei­ger­lich von Schuld belas­tet und von Schul­di­gen geschla­gen. Dar­in liegt das Dra­ma sei­ner Freiheit.

Sei­ne Mut­ter hät­te Zwil­lin­ge auf die Welt gebracht, schrieb Tho­mes Hob­bes rück­bli­ckend auf sei­ne Geburt, „ihn und die Angst.“ Genau das geschieht wei­ter – mit jeder Geburt.

Die Hei­li­ge Mes­se beginnt mit dem Schuld­be­kennt­nis. Aber damit ist sie mitt­ler­wei­le der ein­zi­ge Ort, an dem sich Men­schen gleich ein­gangs im Bewußt­sein sol­cher Last ver­sam­meln. – Ansons­ten herrscht fata­ler­wei­se die Grund­ver­ein­ba­rung, der Mensch wäre gut, min­des­tens dann, wenn ihm die Bedin­gun­gen so ein­ge­rich­tet wür­den, daß er es offen­ba­ren könn­te. Weil die Lin­ke unbe­lehr­bar davon über­zeugt ist, führ­te noch jedes ihrer Gesell­schafts­ex­pe­ri­men­te ins Verhängnis.

Und genau die­ser Glau­be, der Mensch wür­de immer bes­ser, ist gefähr­li­cher als die Wirk­lich­keit, weil er eben die Wirk­lich­keit nicht sehen will. Zudem neu­ro­ti­siert der Beken­ner des Gut­men­schen­tums per­sön­lich, denn so, wie er sein möch­te, kann er nicht sein. Er muß sich gegen­über sich selbst ver­stel­len, um ein Bild zu erzeu­gen, das sei­nem Wesen nicht entspricht.

Indem er sei­ne eige­ne Nacht­sei­te nicht sehen will, ver­kennt er sich unwei­ger­lich, denn er ver­mag so nicht zur Selbst­er­kennt­nis zu gelan­gen, ver­langt dem ande­ren in einer Art poli­ti­schem Rol­len­spiel aber um so mehr eine Mora­li­tät ab, die ihm selbst nicht eig­net und die es so ph-neu­tral nicht gibt. Letzt­lich liegt in der Selbst­ge­wiß­heit hoher Mora­li­tät ent­we­der selbst­zu­frie­de­ne Über­heb­lich­keit oder es besteht dar­in eine noch schlim­me­res Unge­mach her­auf­be­schwö­ren­de Überforderung.

Bricht der Mensch aus, so wie Krie­ge und Elend aus­bre­chen, zer­bre­chen die heh­ren Träu­me der Links­mo­ra­lis­ten total, dann erscheint ihnen der Mensch, ansons­ten in einem frag­wür­di­gen Als-ob grund­sätz­lich gut und ver­nünf­tig, sogleich als völ­lig ver­wor­fen und feh­ler­haft, ja gewis­ser­ma­ßen als krank, jedoch:

Stets nur der ande­re, also gegen­wär­tig dort, im Krieg, „der Rus­se“, hier, tief im Frie­den, der „AfD­ler“ oder die Rech­ten, letz­te­re auch dann, wenn ihr Han­deln es gar nicht zeigt oder tadel­los ist, denn der Rech­te wäre ja endo­gen unmo­ra­lisch, unmensch­lich, daher unrett­bar ver­lo­ren, so das manichäi­sche Urteil.

Fried­rich Nietz­sche schrieb im neun­ten Haupt­stück von „Jen­seits von Gut und Böse“:

Leben selbst ist wesent­lich Aneig­nung, Ver­let­zung, Über­wäl­ti­gung des Frem­den und Schwä­che­ren, Unter­drü­ckung, Här­te, Auf­zwän­gung eig­ner For­men, Ein­ver­lei­bung und min­des­tens, mil­des­tens, Aus­beu­tung – aber wozu soll­te man immer gera­de sol­che Wor­te gebrau­chen, denen von alters her eine ver­leum­de­ri­sche Absicht ein­ge­prägt ist?

Dies ändert sich nicht ein­fach mit umbe­nann­ten Stra­ßen, nicht mit anti­ras­sis­ti­schen und anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Kam­pa­gnen, nicht mit Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­set­zen, inso­fern jene, die der­glei­chen inspi­rie­ren, doch gegen­wär­tig ande­re am aller­meis­ten nicht nur dis­kri­mi­nie­ren, son­dern sogar total dis­qua­li­fi­zie­ren und dis­kre­di­tie­ren, gera­de weil sie die Macht und Deu­tungs­ho­heit erlang­ten. Lin­ke Kul­tur ist immer Can­cel Cul­tu­re, vom inner­lin­ken Dau­er­zwist über die Schau­pro­zes­se des Sta­li­nis­mus und die Gesin­nungs­schnüf­fe­lei­en im Post­sta­li­nis­mus bis zur heu­ti­gen Herr­schaft über die gel­ten­de Meinung.

Was in der Ukrai­ne geschieht, ist viel­fach der Hor­ror. Es ist der mensch­li­che Hor­ror, mit dem man sich nicht abfin­den darf, den man aber ken­nen muß – ob nun aus auf­merk­sa­mem Erle­ben, ob aus Kunst, Lite­ra­tur oder gar Film. Jedes Schul­kind lernt im Nächs­ten oft genug jenen ken­nen, von dem es gekränkt und gequält wird. Und pro­biert sich selbst sub­til oder grob im Krän­ken und Quä­len aus. Ja, auch heu­te, da sich die Schu­le als Para­dies­gärt­lein der Gesell­schaft ver­ste­hen möchte.

Von Sopho­kles her gilt nach wie vor: „Unge­heu­er ist viel, doch nichts unge­heu­rer als der Mensch.“ Und was er an Grau­sam­kei­ten der eige­nen Gat­tung antat, das mute­te er noch ver­hee­ren­der sei­ner Lebens­um­welt und den Mit­ge­schöp­fen zu, gera­de in Zei­ten der gro­ßen Mora­li­sie­run­gen noch gestei­gert in der Wei­se der “Gre­at Acce­le­ra­ti­on”.

Die Mora­lis­ten sehen die Men­schen mit umfas­sen­den Mög­lich­kei­ten geseg­net. Sie gehen nicht eben davon aus, daß die­se Mög­lich­kei­ten nur hier und da und nur in umfas­sen­den Gren­zen vor­han­den sein mögen. Wenn über­haupt je. Aber für die­se Gren­zen eben haben wir Sor­ge zu tra­gen, anstatt zu mei­nen, der Mensch wäre per se „edel, hilf­reich und gut.“ Goe­the schrieb in „Das Gött­li­che“ nicht, daß er so ist, son­dern daß er – im Kon­junk­tiv – so sei.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (76)

Ein Fremder aus Elea

25. Mai 2022 22:12

Die klarste Darstellung der Rolle der Sündenbekennung findet sich in den beiden Johannesbriefen: Was nicht eingestanden wird, kann nicht überwunden werden.

Aber wenn das der Gedanke ist, ist es sinnlos, von grundsätzlicher Sündigkeit zu sprechen, stets auf konkrete Verfehlungen sollte das Eingeständnis gehen.

Ich habe den Verdacht, die katholische Kirche verfolgt den folgenden Gedanken: Jeder tut sowieso stets, was er will, und ist davon überzeugt, daß er gut ist. Aber wenn sich jemand mal schlecht fühlt, und er sich an die Lehre der Sündigkeit des Menschen erinnert, kommt er vielleicht auf den Gedanken, daß es ihm besser gehen könnte, wenn er eine gute Tat vollbringt. Und wenn das so ist, werden immerhin einige gute Taten vollbracht, wenn das Dogma besteht.

Ansonsten, wer nicht völlig blöd ist, weiß, was Krieg heißt. Am Spruch "Stellt euch vor, es ist Krieg, und keiner geht hin." ist schon was dran, in dem Sinne, daß soziales, und nicht asoziales Verhalten Kriege ermöglicht. Das ist der Knackpunkt: Artigkeit verhindert keine Kriege, sondern ermöglicht sie.

Sandstein

25. Mai 2022 22:54

„Letztlich liegt in der Selbstgewißheit hoher Moralität entweder selbstzufriedene Überheblichkeit oder es besteht darin eine noch schlimmeres Ungemach heraufbeschwörende Überforderung.“

Das lässt mich nachdenklich zurück, und ich kommentiere (Getroffene Hunde bellen.):

Ich sehe schon den Punkt, aber sind es nicht wir Rechten, die sich für moralisch(er) halten? Ist es nicht auch Pflicht, diese Moral einzufordern, indem man vormacht und vorzeigt? 
Ich stoße mich oft an dem Verhalten von Mitmenschen, und es ist nicht an mir, immer alles zu kommentieren oder jeden zurechtzuweisen. 

Ich denke, der Fehler liegt hier im Zuschreiben von Moral an diejenigen, die den Begriff weder verstanden haben noch nach ihm leben. Und ja, das ist ein täglicher Kampf mit Gott, aber ich meine, diesen Kampf täglich anzunehmen, quasi als Kriegserklärung an die Widerlichkeit im Selbst, im Menschen, das ist wirklich rechts.

Anders gefragt: Ist es überheblich zu behaupten, man habe mit diesen Menschen nicht viel gemein? Weil: Genau so sehe ich das. Das bin nicht ich, das ist nicht meine Art.

Laurenz

25. Mai 2022 23:11

Der Mensch ist & bleibt ein Prädator. Wäre er das nicht, wäre er kein Mensch mehr. Es liegt einfach ein falsches Menschenbild zugrunde, nicht mehr & nicht weniger. Das Problem ist die Heuchelei irgendwelcher Werte. Werte existieren nur in der Propaganda.  Der Mensch, der hungert, begeht auch einen Raubmord, um nicht mehr hungern zu müssen. Ist er dazu nicht bereit, stirbt er.

Die ukrainische Partei, welche von unsere Gutkreaturen unterstützt wird, ist auch nicht besser als Russen oder wir. https://www.newsweek.com/ukrainian-medic-apologizes-after-saying-russian-pows-should-castrated-1690301 oder hier  https://londonlovesbusiness.com/ukraine-doctor-give-strict-orders-for-all-russian-pows-to-be-castrated-because-they-are-cockroaches-not-people/

Auch Le Monde zeigte Mißhandlungen russischer Kriegsgefangener, hier von Telepolis zitiert. https://www.heise.de/tp/features/Kriegsverbrechen-Schwere-Vorwuerfe-gegen-ukrainisches-Freiwilligen-Bataillon-7095942.html

@Ein Fremder aus Elea

Am Spruch "Stellt euch vor, es ist Krieg, und keiner geht hin." ist schon was dran.

Das ist nicht die Realität, die Realität ist: "Stellt euch vor, es ist Krieg, & keiner kann weg."

Laurenz

26. Mai 2022 06:08

@Sandstein

aber sind es nicht wir Rechten, die sich für moralisch(er) halten?

Wie HB im Artikel nebenbei oder indirekt beschrieb, ist das eine Hopp- oder Top-Frage. Entweder legt man in der Debatte generell Moral an, auch wenn diese, wie ich bereits ausführte, unmenschlich ist, oder, man läßt in Anbetracht dessen, daß Moral in der Geo-Politik gar nicht existent ist, diese in der Debatte weg. Moral, wie z. B. auch Kampfmoral, existiert nur im Eigenen, der Verantwortlichkeit für einen selbst, der Familie, der eigenen Kommune oder des Vaterlands. Alles andere, was die Linke an Moral sich selbst zuordnet, ist gelogen, geheuchelt, Propaganda. Sie, Sandstein, wissen selbst, dass es selbst definierte gerechte Kriege nicht gibt, aber genau das macht die NATO. Kann sie auch tun, aber dann dann sollte sie ihre Ruchlosigkeit auch bekennen.

das ist ein täglicher Kampf mit Gott, aber ich meine, diesen Kampf täglich anzunehmen

Sie haben Gott wohl mißverstanden. Hat er uns nicht mit all unserer 

Widerlichkeit im Selbst, im Menschen

erschaffen? Erachten Sie Gott als unfähig?

Falls Sie mich fragen würden, ich bin lieber widerlich, lebe lieber nicht im Paradies, darf dafür aber so oft den Apfel der Erkenntnis verkosten, so oft ich mag.

Ein Fremder aus Elea

26. Mai 2022 07:41

Laurenz,

ich weiß nicht, aus welchem Grunde Sie kommentieren, möglicherweise ja, um ihre Argumentation zu perfektionieren, indem Sie hier nach Erwiderungen fischen, aber das von Ihnen präsentierte Denken ist von vielen Kurzschlüssen geprägt, und die Wenigsten würden ihm folgen wollen. Was Osteuropa angeht: Die Geschichte der letzten 800 Jahre zeigt, daß das wichtigste Element, welches über politischen Erfolg entscheidet, Verläßlichkeit ist. Nicht Idealismus, sondern Pragmatismus. Im Dreizehnjährigen Krieg (1454-1466) ging es bereits 321 Jahre vor dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg um Steuervorteile. Die EU-Erweiterung beruht auf pragmatischem Denken. Die Rolle, welche das Recht in Westeuropa spielt, wird es in Osteuropa nie spielen, weil bei den Menschen dort die Neigung, sich an es zu halten, weniger stark ausgeprägt ist, so daß es wichtiger ist, ob sich jemand überhaupt an etwas hält, als an was genau. Wenn also jemand Kriegsverbrechen begeht, schießt er sich selbst ins Knie. Preußens Korrektheit war der Grundstein seines Erfolgs.

Laurenz

26. Mai 2022 09:01

@Ein Fremder aus Elea @L. (1)

Die Rolle, welche das Recht in Westeuropa spielt, wird es in Osteuropa nie spielen,

Preußens Korrektheit war der Grundstein seines Erfolgs.

Ihre historischen Beispiele sind ja ganz nett, aber völlig fehlinterpretiert. Der Unterschied zu unseren Brüdern & Schwestern in Osteuropa ist durch die Geographie bedingt. Deutschland war schon immer klein & dicht besiedelt, somit waren wir gezwungen, immer in engen Regularien zu leben, was sich auf den Charakter auswirkt & wir uns deswegen sooft in kleinen Zwistigkeiten & Rechtstreitigkeiten ausleben. In Osteuropa ist das Land quasi unbegrenzt, grenzenlos, so auch die Charaktere. Im Vergleich zu uns, lebt man dort im emotionalen Superlativ. Ihre Prussen waren deswegen so diszipliniert, weil sie arm waren & keine andere Wahl hatten. Halten wir fest, die Hohenzollern, (jene, die hohen Zoll nahmen), waren Schwaben & keine Preußen. Die Bildung niederer Ränge & das Verbot von Kinderarbeit waren von militärischen Aspekten begründet.

 

Laurenz

26. Mai 2022 09:03

@Ein Fremder aus Elea @L. (2)

In Rußland spielte das bei der disponiblen Masse keine Geige. Im preußisch-französischen Krieg erkennt man sofort die Harmlosigkeit der Hohenzollern. Anstatt Frankreich ein für alle mal zu zerschlagen, war man zu korrekt.

Desweiteren bedienen Sie reine Klischees. Im Westen hält sich kein Schwein/Staat an irgendein Abkommen oder irgendeinen Vertrag. Der Versailler Vertrag war völkerrechtswidrig, wie Nürnberg auch.

Diese westliche Mißachtung des Rechts wirkt sich bis heute weltweit aus. Man führt keine symmetrischen Kriege mehr, weil man als Verlierer eh keinen Kombattanten-Status erhält, sondern gehängt (Saddam) oder gepfählt (Gaddafi) wird.

Volksdeutscher

26. Mai 2022 09:12

Ein engagierter, qualitätsvoller Beitrag von Herrn Bosselmann, wie wir ihn kennen, dachte ich mir am Anfang. Ja, aber ab dem Satz "Zynismus verbietet sich" bekam meine Emphase einen Knick. Warum dieser hochmoralisierende Ton? Warum die Moralisierung des politischen Gegeners auf die Schippe nehmen, ihn beklagen, wenn man im selben Stile fortfährt? Zugegeben, auch der Zyniker offenbart eine Moral, kommt  nicht ohne sie aus. Diese ermöglicht ihm aber, zu dem zu kritisierenden Gegenstand Abstand zu halten. Das scheint dem Verfasser des Artikels nicht wirklich gelungen zu sein - falls dies überhaupt in seiner Absicht lag. Ich möchte mal behaupten: Je negativer der Gegenstand der Betrachtung ist, umso mehr bedarf dessen Kritiker des Abstands zu ihm, um nicht vom Geist des Kritisierten okkupiert zu werden. Und wenn schon Nietzsche ins Gespräch kam, möchte ich ebenfalls einen Satz zitieren, der besser geeignet sein könnte, dem Gegenstand Krieg und der heuchlerischen Menschentümelei der Linken beizukommen: "Durch Lachen tötet man." Diese fröhliche Bosheit Nietzsches vermisse ich in dem an sich klugen Text. Ich frage mich, warum müssen Deutsche, wenn die Sprache auf das Thema Krieg kommt, immer diesen ernsten, engagierten, posthum widerständlerischen Ton anschlagen? Wozu dieses "auch ich verurteile den Krieg, aber"? Nietzsche sagt, das Positive an der bösen Tat sei ihre Ehrlichkeit, sich nicht zu verstellen. Der Moralist jedoch - im Gegensatz zum Zyniker - ist immer ein Poseur, der vorgibt, das Gute zu wollen und stets das Böse zu schaffen.

Carl Sand

26. Mai 2022 09:19

Das überschlägige Studium des Spiegel online Forums offenbart mehr über die conditio humana (insbesondere über die doitsche) als das Studium von Gedichten, diffusen religiösen Erwartungen und intensiver Diskussion der Geistesgrößtgeschichte.

Was @Laurenz zu sagen hat, mag mir nicht schmecken, dennoch dürfte er durch seine mühsam und  schmerzhaft erworbene Krawallbereitschaft einer der wenigen Überlebensfähigen hier überhaupt sein. 

Allerdings war es wohl auch das Herumreichen von Knabenliteratur, die einen Stauffenberg unfähig gemacht haben dürfte, die Granate im rechten Moment am eigenen Körper abzuziehen.

Gebracht hat es ihm dennoch wenig. Erschossen wurde er trotzdem. 

Allnichts

26. Mai 2022 09:27

1/2

Der Mensch ist sicherlich nicht besser geworden, aber er hat immer bessere Methoden entwickelt, die Umstände derart zu gestalten und zu erhalten, dass die gemeinhin als inakzeptabel betrachteten Auswirkungen bestimmter menschlicher Wesenszüge beschränkt und möglichst stark gedeckelt werden. Das liesse sich Zivilisation nennen, einerseits als Zustandsbeschreibung und andererseits als Prozess. Es gibt gute Gründe, dies als erstrebenswert zu erachten und als Maßstab heranzuziehen, wird dadurch doch viel schwerwiegendes Leid verhindert. Stellt sich jemand dagegen, ohne Not und ohne eine wenigstens ebenbürtige Lösung für die grossen menschlichen Probleme anzubieten, so wird das zu Recht kritisch gesehen.

Der grundsätzliche Denkfehler vieler mag letztlich darin liegen, die Verbesserung der Lebensumstände im obigen Sinne mit einer Verbesserung des menschlichen Wesens an sich gleichzusetzen. Der Mensch kommt aber weiterhin auf die Welt, wie er immer auf die Welt gekommen ist, er ist weiterhin nur ein Tier, die Zivilisationsdecke ist dünn und bekanntlich sind wir alle nur einige Tage Hunger davon entfernt, uns gegenseitig an die Kehle zu gehen. Einzelne Menschen, Länder, Kulturen, haben sich und die eigene Urschuld im Sinne der für den Selbsterhalt zu erfüllenden Grundbedürfnisse recht gut und besser als andere, "die Menschheit heute" hat sich besser als "die Menschheit" früher im Griff, mehr im Grunde allerdings nicht.

Allnichts

26. Mai 2022 09:34

2/2

Mitunter herrscht auch eine gewisse Blindheit, fast schon Sturheit dahingehend, dass es unterschiedliche Möglichkeiten für das Fortschreiten gibt, nicht nur einen einzigen legitimen Weg, und nicht jede Ablehnung eines bestimmtes Fortschrittes gleich die Ablehnung jeder Entwicklung ist. Der Fehler läge dann aber in einem naiven bzw. dogmatischen Fortschrittsglauben, nicht im Fortschritt an sich. Und so, wie es überzogenen Fortschrittsglauben gibt, so gibt es auch überzogene Fortschrittsskepsis, was im Text einige Male durchkommt und im "rechten Lager" sowieso.

Gegen den Fortschritt muss nicht angegangen, sondern er muss bei einer gewissen Kompromissbereitschaft möglichst stark nach eigenen Vorstellungen ausgerichtet werden.

Laurenz

26. Mai 2022 09:46

@Carl Sand

"einer der wenigen Überlebensfähigen hier überhaupt sein."

Weiß ich nicht. Nur weil man Moral hochhält, handelt man im Ernstfall doch amoralisch. Moralapostel sind in der Regel Dauertäter von Lippenbekenntnissen. Die zivilisatorische Firnis ist hauchdünn, gerade bei linken oder kirchlichen Umerziehern.

Ich kann doch nur deswegen über diese Zeitverschwendung des Moralisierens schreiben, weil ich genau, wie jeder andere Mitteleuropäer auch, christlich, also pseudo-moralisch, sozialisiert wurde. Ein heidnischer Römer wüßte gar nicht worüber wir hier schreiben. Für den Römer galt nur die Moral im Eigenen. Jeder (auch jeder Gott) hatte Interessen & vertrat diese auch, ganz legitim, mit Gewalt. Den Schwachsinn einer moralischen Bewertung sehen Sie bestens in der ARTE-Doku über Oktavian, also Kaiser Augustus schon im Doku-Titel https://youtu.be/fRhESEQKZ2g

PS. Stauffenberg hatte einfach überhaupt keinen Plan von Geo-Politik. Sein Attentatsversuch spielt historisch keine Rolle.

Mitleser2

26. Mai 2022 09:50

@Elea: "Artigkeit verhindert keine Kriege, sondern ermöglicht sie."

Versteh ich nicht. Welche "Artigkeit" hat den Ukraine-Krieg ermöglicht?

Wollen Sie sagen, die Ukraine war zu artig?

RMH

26. Mai 2022 10:19

"Der deutsche Idealismus schrieb sich über Hegel genetisch dem Marxismus und schließlich dessen aktuellen Schrumpfformen ein, den linken Sozial‑, Kultur- und Lifestyle-Überzeugungen." Dazu sei der Beitrag "Hegel von rechts, Hegel von links" von G. Nachtmann in Nr. 106 der Sezession ergänzend dem Leser empfohlen. Man kann daraus entnehmen, dass das eigentliche dialektische Denken im Grunde nicht der manichäische schwarz-weiß-Ansatz des heutigen Wokismus etc. ist, sondern vor allem, "eine Sache derart konsequent zu Ende denken, dass sie im Zusammenhang mit ihrem Gegenteil erkennbar wird“ (G.N., a.a.O.). Es wird immer deutlicher, dass es eben nicht mehr um das Erkennen des Ganzen geht, oder vermeintlich das Streben nach Besserem sondern darum, dem alten Adam Mensch im Sinne der Herrschaft und vor allem Ausbeutung Zügel anzulegen (die Genese von der konkreten Peitsche zur abstrakt psychosozialen Peitsche). Wenn der Zweck die Mittel heiligt, aber der Zweck zutiefst profan ist, dann liegt eine Perversion vor, die in den Spitzen zu gewalttätigen Ausschlägen führt, sei es kollektiv in Form von ungehegten Kriegen, sei es ganz individuell durch die Zunahme geistiger Erkrankungen, die sich destruktiv durch Selbstzerstörung (Süchte, Suizide) und teilweise auch in monströsen Gewalttaten entladen (Messermänner, Schoolshootings in der USA etc.). Am Ende will man hier auch die Ereignisse nicht „konsequent zu Ende denken“ sondern sie nur zur Begründung der Herrschaftsmittel verwenden.

zeitschnur

26. Mai 2022 10:40

Wir haben links wie rechts das Heer an Theoretikern, die stolz sind auf ihr systemisches, soziologisches Denken, in dem der Mensch nur noch als Reaktionsaffe von Umständen, Zuständen und Aufständen angesehehn wird. Und wie viele dieser Gscheiten rasten aus, wenn einer diesem Quatsch-Denken einfach nur den Rücken zeigt? "Gut" ist der Mensch nur, solange er noch als tabula rasa angenommen wird, als "Eigentlicher". Aber wer ist schon "eigentlich"?

Und wie viele hier und anderswo glauben fanatisch daran, dass man darum den Menschen in ein Dauererziehungsprogramm stecken müsse, damit er endlich gut sein könne?

Ist das das Erbe aus dem Deutschen Idealismus?

Veredelung muss geschehen, aber wer bitte initiiert das in der rechten Weise? Wer ist selbst so veredelt, dass er das angemessen in Angriff nähme? Der staatlich geprüfte Erzieher? Sollen verbogene Blinde unverbogene Blinde verbiegen?! Schaut Euch das tätowierte Gruselkabinett doch an!

Solange der angelsächsische Zwilling rast, die Angst, die die gesamte Menschheit dem Livjatan opfert, diesem Abgott, dem besonders die Deutschen gelernt haben zu huldigen, können wir uns alle Konjunktive sparen: Die Obermoralinräte bewaffnen im Pathos der Verkehrungen die Bestien. Wer nur ein Systemprodukt ist, wird diese Herausforderung, auch im Krieg noch Mensch zu bleiben, niemals bestehen.

 

pasquill

26. Mai 2022 11:15

Lieber Herr Bosselmann, 

ein sehr guter Text, eine Schopenhauer-Kur für Linke. Das jedoch vermisse ich: den Bezug auf den Erzpessimisten Schopenhauer, in dessen Schriften die philosophisch-anthropologische Tradition ihren Höhepunkt erreicht, die die Nachtseiten des Menschen herausstellt, die mit jedem Menschen neu zur Welt kommen. Ihr Nietzsche-Zitat ist eins-zu-eins abgeschriebene Schopenhauer-Willensmetaphysik, die im Verhältnis zu dem, was sein "Schüler" daraus gemacht hat, zu Unrecht völlig unterschätzt wird. Original Schopenhauer, schlechte Kopie Nietzsche.  

Mehr Beachtung der ehrwürdigen philosophischen Tradition des philosophischen Pessimismus, gerade auch des deutschen, mit Schopenhauer, Bahnsen, von Hartmann, Mainländer bis hin zu Horstmann, wäre durchaus angebracht. Und auch die Wertschätzung der Diktion des "Frankfurter Misanthropen": Brillante Polemik, die ihresgleichen sucht, und die über ihren hohen künstlerischen Wert hinaus auch Erkenntniswert hat.

Wie ein Vorkommentator schon anmerkte: Sich jeden Zynismus zu verbieten, passt sich vorschnell dem weichgespülten, hypermoralistischen Zeitgeist an, nur ja kein böses misanthropes Wort mehr öffentlich zu verlieren. Doch so weit ich informiert bin, ist menschheitsbezogene Menschenfeindlichkeit noch nicht verboten.   

 

 

Imagine

26. Mai 2022 11:37

1/2

@H.B.:
Linke Kultur ist immer Cancel Culture, vom innerlinken Dauerzwist über die Schauprozesse des Stalinismus und die Gesinnungsschnüffeleien im Poststalinismus bis zur heutigen Herrschaft über die geltende Meinung.“

Diese Aussage ist ahistorisch und wissenschaftsfern und daher disqualifiziert sie ihren Autor. Denn Cancel Culture finden sich in allen repressiven Systemen: in Gottessstaaten, in allen Faschismen, seien sie braun, rot, grün oder schwarz.

Linke Kultur ist nicht Verhaltenssteuerung durch Belohnung und Bestrafung, wie z.B. @zeitschnur auf Basis ihrer kleinbürgerlich-anarchistischen Hippie-Philosophie, verbunden mit religiösen Fundamentalismus und sozialwissenschaftlicher Ignoranz meint (c. Diskussion zu „Deglobalisierung“), sondern linke Kultur ist freiheitlich-demokratisch ausgerichtet. „Summerhill“ von A. S. Neill war ein Modell für eine linke Erziehung, keineswegs aber liberal permissiv ausgerichtet.

Linke Entwicklungstheorie hat zur Grundlage die Entwicklungsoffenheit des Menschen, abhängig von dessen Sozialisation und Erziehung und den konkreten Lebensumständen. Charakterbildung ist möglich, aber nicht losgelöst von den Lebensumständen.

Auch ein moralisch erzogener Mensch kann in Konflikt- und Kriegssituationen regredieren und dann schlimmer als ein Tier sein. Auch links erzogene Kinder werden in der kapitalistischen Lebenswelt zu Sozialdarwinisten, allerdings mit kognitiver Dissonanz, weil sie sich weiterhin als Gutmenschen sehen wollen.

Imagine

26. Mai 2022 11:38

2/2

Es waren doch immer die Linken, die darauf hinwiesen, wie schwach die zivilisatorische Matrix ist und belegten dies mit den Milgram-Experimenten, mit der Veränderung von braven Familienvätern zu mordenden Nazi-Schergen etc.. In Kriegszeiten werden Sadismen und Verbrechen verübt, welche die handelnden Personen in Friedenszeiten nie getan hätten.

Wilhelm Reich, Erich Fromm. Alexander Mitscherlich muss man kennen.

Richard Sennett formuliert im „flexiblen Menschen“ eine aktuelle linke Sozialisations- und Persönlichkeitstheorie. Im liberalistischen Kapitalismus ist ein neuer Sozialisationstypus entstanden, der eine flexible Charakterstruktur ohne moralische Festigkeit und Konstanz entwickelt und zu einem durch und durch korrumpierbaren Menschen wird, welcher zudem das wahnhafte Selbstbild entwickelt, zu den Guten zu gehören. Fromm hat schon in den 80-er Jahren darauf hingewiesen, dass die Sozialisation im heutigen Kapitalismus einen schizophrenen und narzisstischen Normalcharakter hervorbringt.

 

Volksdeutscher

26. Mai 2022 12:26

- "Horror, mit dem man sich nicht abfinden darf...."

Wer/was stellt dieses Soll, dieses Gebot an uns? Und wie soll es konkret aussehen, sich damit nicht abzufinden? War der Krieg nicht schon zu allen Zeiten ein "Horror"? Ist das Wort Horror überhaupt angemessen, das Phänomen Krieg zu beschreiben?

Versuchen wir eine überlegenere Position zur Wirklichkeit einzunehmen, in dem wir die moralische Interpretation des Krieges verlassen und zu einer ästhetischen Interpretation hinüberwechseln, bietet sich an, den Horrorfilm zu befragen. Die negative Wirkung des Horrorfilms rührt zum einen daher, weil der Zuschauer kein aktiv Teilnehmender, sondern passiv Zuschauender des Geschehens ist. Wäre er Teilnehmender am horriblen Geschehen, entfiele seine Fremdheit, aus der sich sein Erschaudern speist, kurz, er wäre vom Geschehen nicht mehr durch innere Entfremdung befremdet. Dieser scheinbaren Entfremdung zum anderen verdankt der Horrorfilm (wie auch der Krieg) seine positive physische Wirkung (Adrenalinausschüttung). Die Entfremdung ist dennoch eine Illusion, die das Urteil "Horror" wie von Herrn Bosselmann verwendet wird, erst möglich macht.

Volksdeutscher

26. Mai 2022 12:37

- "Horror, mit dem man sich nicht abfinden darf...."

Taucht man in das Kunstwerk/den Krieg ein, wird man ein Teil davon: Das authentische Erlebnis ermöglicht eine Interpretation des Geschehens von innen heraus, die eine höhere Wahrnehmungsstufe darstellt. Zur richtigen Erkenntnis wäre jedoch notwendig, über dem Gegenstand zu stehen. Der gefangenomme russischer Soldat, dem man ins Knie schoß, wird unbeschreibliche Schmerzen erleiden. Und dennoch dürfen wir mit einigem Recht annehmen, daß er den Krieg deshalb noch lange nicht als "Horror" bezeichnen, geschweige denn verurteilen wird - im Gegensatz zum außenstehenden Betrachter dieser Szene. Die Entfremdung des Befremdeten ist deshalb eine Illusion, weil sie versucht eine Wirklichkeit zu beschreiben, deren Teil er nicht ist. @Allnichts drückt etwas Ähnliches in seinem Satz aus, wo er auf diese magische Grenze zwischen Ideal und Wirklichkeit anspielt: "... und bekanntlich sind wir alle nur einige Tage Hunger davon entfernt, uns gegenseitig an die Kehle zu gehen."

Umlautkombinat

26. Mai 2022 12:56

> Diese Aussage ist ahistorisch und wissenschaftsfern und daher disqualifiziert sie ihren Autor. Denn Cancel Culture finden sich in allen repressiven Systemen: in Gottessstaaten, in allen Faschismen, seien sie braun, rot, grün oder schwarz.

Logikfehler, es geht darum, ob  Links nicht eine eigenstaendige Qualitaet enthaelt, die die zerstoererische Wirkung in genuiner Form besitzt. Nur das wurde behauptet. Dem, was aktuell grob als neo-marxistisch bezeichnet wird, kann ich eine solche definierende Eigenschaft nicht unbedingt absprechen. Und nein, eine Diskussion mit Argumenten dahingehend, das waere ja gar kein richtiges Links, die wird es mit mir nicht geben. Ich habe Links welches in staatliche und andere Gewaltpositionen gekommen war, lange am eigenen Leib erleben duerfen. Da trennt sich die Spreu westlicher Salondiskussionen vom Weizen sozialistischer und marxistischer Realitaet. Diese Weltanschauung hat sie definierende Zuege, die zwingend und nicht durch falsche Auslegung zu Dystopien fuehren.

> auf Basis ihrer kleinbürgerlich-anarchistischen Hippie-Philosophie

Hoere hier meine Staatsbuergerkundelehrer und DDR-Propaganda generell wieder. Das kleinbuergerliche dort bedeutungsgleich  kleingeistigem, "zersetzendem" Milieu. Ist es aber nicht, einfach einmal Wortherkunft - auch im Vergleich zum Grossbuergertum - ohne unreflektierte Marxsche Umdeutung ansehen. Eigentlich eine ganz geschickte, ehrenwerte und gar nicht unpassende gesellschaftliche Position fuer Leute, die gern als Einzelperson mit ebensolchen anderen oekonomisch und anderweitig zusammen agieren. Nicht zu arm und nicht zu reich.

Carl Sand

26. Mai 2022 13:10

@Laurenz

Natürlich war Stauffenberg ein ausgemachter Trottel. Er glaubte eben, noch etwas bewirken zu können und hielt sich selbst für viel zu unersetzbar für den großen Plan. Genauso, wie ein gewisser Dieter, großer Stauffenberg-Fan.

Treskow war hier viel ehrlicher. Er wusste, dass es einfach nur darum ging, einen  Menschen zu bestrafen. Natürlich hat so etwas einen Preis. Das eigene Leben. Treskow war bereit, den Preis zu zahlen und hat sich selbst in die Luft gesprengt, um keine Folterqualen und Demütigung erleiden zu müssen.

quarz

26. Mai 2022 13:23

Nirgendwo offenbart sich der Rückfall in überwunden behauptete Verhaltensmuster deutlicher als im  Agieren der zu Macht gelangten Grünen. Sei es die Trampolin-Trulla im Außenamt oder der vormals eher als Pflanze wahrgenommene EU-Ausschussleiter: aus einer Folklore kommend, in der Prädikate wie  „gewaltlos“, „frei“ oder „kritisch“ zum dekorativen Standard gehörten, erscheinen sie jetzt geradezu berauscht vom Gefühl, Krieg, Zwangsmaßnahmen und Zensur affirmativ steuern zu können. Wenn es noch eines Belegs bedurft hätte, dass der Mensch selbst und gerade in der Attltüde euphorischer Fortschrittlichkeit „noch immer der alte Affe“ (Tucholsky) ist, dann würde die Regierungsbeteiligung der Grünen die letzten Zweifel beseitigen.

Es sei damit gar nichts über Wert und Sinn bestimmter Dispositionen unterstellt, lediglich auf die Lächerlichkeit eines Fortschrittspathos sei hingewiesen, das bei der erstbesten welt- oder auch nur staatspolitischen Sturmböe weggeblasen wird wie eine Spinnwebe und Reaktionsmuster freilegt, die in der Zeitgenossenschaft des Mammuts auch nicht viel anders aussahen.

Gracchus

26. Mai 2022 13:24

Zusammengefasst:

"Der Mensch ist weder Engel noch Tier, und das Unglück will es, dass, wer einen Engel aus ihm machen will, ein Tier aus ihm macht."

Die von B ztierte Schilderung zeigt den Menschen ja eher in seiner Zerbrechlichkeit. Deshalb frage ich mich, warum der Artikel in Richtung Schuld ausschlägt. Fehlt ausserdem nicht der weibliche Teil? Kann man, wenn man, wie Rechte es tun, die geschlechtliche Polarität ernst nimmt, noch vom "Menschen" reden? 

Ein Fremder aus Elea

26. Mai 2022 14:24

Mitleser2,

alle Soldaten sind artig. Schauen Sie sich mal Lawrence of Arabia an, vielleicht verstehen Sie dann, was ich meine. "You must stop the looting. - It is customary. - It is theft and theft makes thieves. - It is their payment. Are not British soldiers paid? - They don't leave when they are paid! - They are not free to."

Laurenz,

zwei Dinge:

1. daß superlative Charaktere superlative Streitigkeiten erzeugen, war ungefähr das, was ich zum Ausdruck bringen wollte.

2. Mir ist der Unterschied der inner- und zwischenstaatlichen Verläßlichkeit des Westens vollkommen klar. Ich habe eine ganze Reihe von Beiträgen geschrieben, welche diesen Punkt umkreisen, aber die verlinke ich hier nicht. Wesentlich für das von mir Gesagte ist nur, daß das zentrale Argument, welches westliche Staaten verbündet, in den Operationsbedingungen besteht, welche sie innerstaatlich etablieren, wohingegen in Osteuropa das zentrale Argument die zwischenstaatliche Verläßlichkeit ist, und auch bleiben wird, weil die Menschen dort nicht im gleichen Maße an Operationsbedingungen interessiert sind. Die westeuropäische Situation hat mit dem westfälischen Frieden zu tun und mit einigen anderen Dingen, das ist in Osteuropa alles irrelevant.

Ein Fremder aus Elea

26. Mai 2022 14:43

Laurenz,

1500 Zeichen... ich nehme mir mal etwas mehr Raum. Die ganze chinesische Strategie beruht darauf, die innerstaatlichen Operationsbedingungen im Westen für seine Zwecke auszunutzen, weil es dort Machteinschränkungen gibt, aber zwischenstaatlich eben nicht. Seit sehr langer Zeit werden westliche Gesellschaften dadurch kontrolliert, daß das Ansehen von Investoren beim einfachen Volk darüber entscheidet, ob sie ihren Geschäften nachgehen können, und die Kreditwürdigkeit der Gewaltigen bei Investoren darüber, ob sie auf dem neuesten Stand bleiben. China hat kein Interesse, dies von außen anzugreifen, und warum auch, wenn China das Ansehen beim einfachen Volk beeinflussen kann und selbst investieren? Aber letztlich ist das alles jetzt eh für die Katz, weil wir bald einen technischen Stand erreicht haben werden, bei welchem 100 Menschen erfolgreich Krieg gegen den Rest der Menschheit führen könnten. Die Idee der Machtverteilung kommt an ihre Grenzen, und es wird noch sehr viele Probleme deswegen geben. Je weniger Stühle bei der Reise nach Jerusalem übrig bleiben, desto erbärmlicher wird's.

Andreas Walter

26. Mai 2022 15:12

An folgendem Bild sind gleich mehrere Dinge eigenartig (unrealistisch) weshalb ich mich frage, wo es tatsächlich herstammt (Guantanamo? Hollywood?) und/oder welchem Zweck es womöglich sonst dient (Abschreckung?):

https://www.tagesschau.de/investigativ/br-recherche/china-uiguren-internierungslager-101.html

Vorsicht daher im Zeitalter der VR (Vir[t]uelle Realität), der Fake News und sogar Fake Democracies, Fake Governments und Fake Politics, beim Beurteilen von dem was vermeintlich wahr, wirklich, Wirklichkeit ist (Die wirkliche Wirklichkeit, Luhmann).

Der Geruch von Krieg (ein neuer Pazifikkrieg oder zumindest Rüstungswettlauf, oder Angriff gegen Iran, Nordkorea oder im Schwarzen Meer) liegt aber auch aus anderen Gründen bereits sprichwörtlich in der Luft (aus dem neuen Top Gun Film Maverik):

https://youtu.be/mNEUkkoUoIA
https://youtu.be/3hO--XhlsfU

"Und es geht wieder los."

https://youtu.be/lfI2m3HP7qg

"Hope is dope, m..." Das ewige Opium - aller Betrüger und Selbstbetrüger.

 

 

Volksdeutscher

26. Mai 2022 15:42

@Imagine - "Es waren doch immer die Linken, die darauf hinwiesen, wie schwach die zivilisatorische Matrix ist und belegten dies mit den Milgram-Experimenten, mit der Veränderung von braven Familienvätern zu mordenden Nazi-Schergen etc..."

Ja, sie wiesen darauf hin und es ist interessant, daß diese Leute immer an ihren "Nazischergen", ihrer "Nazizeit" und ihren "Nazieltern" wundreiben, und das tun sie bis zum heutigen Tag. Dabei hätte ein Blick genügt, die durch ihre eigene Ideologie begangen Verbrechen abzuklopfen (um die 150 Millionen Ermordete sind kein Pappenstiel) und der Frage nachzugehen, was für brave Familienväter und Ehemänner die kommunistisch-bolschewistischen Schergen waren, die Zigtausende ohne mit den Wimpern zu zucken, liquidierten und sich an Massenvergewaltigungen berauschten. Die Frage stellte sich für sie nicht und weil man ihnen diesen intellektuellen Schwindel durchgehen ließ, konnten sie sich poseurhaft ins Rampenlicht stellen und mit ihren Werken Kasse machen. Wies man sie aber darauf hin, griffen sie nach dem Grashalm und rülpsten einem entgegen, das sei "Aufrechnung". Die nach Erlösung von der angeblichen Schuld lechzenden Deutschen halfen ihnen durch den Kauf ihrer Bücher auch noch zum finanziellen Erfolg. Einer der widerlichsten Intellektuellen, die ich kenne, hört auf den Namen Habermas. Bei solchen ist nicht nur die zivilisatorische Matrix zu dünn, sondern auch die intellektuelle. Dabei ist bei uns kein Krieg.

Imagine

26. Mai 2022 16:08

1/3

Der Mensch ist sowohl Individuum wie auch Teil von Menschheit. Der Liberalismus betont die Freiheit des Einzelnen, der Sozialismus die Verantwortung für das Gelingen des gesellschaftlichen Ganzen.

Im politischen und ideologischen Alltag finden wir kleinbürgerlichen Anarchismus in verschiedensten Varianten, seien sie links oder rechts, grün oder schwarz. Eine ist der Anarchokapitalismus, eine andere das Aussteigertum. Man will sich zurückziehen, sein eigenes. selbstbestimmtes  Leben führen. All der modische Survival- und Prepper-Markt profitiert von diesen Bedürfnissen und Phantasien.

Auf der anderen Seite gehört das Eingebundensein und Unterworfensein in soziale Systeme zur heutigen menschlichen Realität.

Nichts geht ohne Geld. Man kann davon träumen, wie ein einsamer Trapper in kanadischen Wäldern von der Natur zu leben, aber in der realen Welt kann man so nicht überleben. Wer kein Geld hat, muss sich dieses erbetteln oder kriminell aneignen. Oder man versucht, sich von dem zu ernähren, was andere Leute übriggelassen haben oder weggeworfen haben. Eben weil es eine freie Natur nicht mehr gibt, sondern jeder Quadratzentimeter Boden oder Wald Eigentum von irgendjemandem ist.

Imagine

26. Mai 2022 16:09

2

Wenn man sich wissenschaftlich-rational mit der gesellschaftlichen Realität auseinandersetzt, dann steht im Zentrum die Frage, welches soziale System für wen die meiste individuelle Freiheit und Selbstbestimmung ermöglicht, und zwar nicht nur abstrakt, sondern konkret.

Damit sind wir bei der Systemfrage.

Und hier hat eine „große Verkehrung“ stattgefunden.

In der Nachkriegsära war es klar: Das liberale, kapitalistische System ermöglicht generell mehr individuelle Freiheit, das sowjetkommunistische stellt das Gegenteil dar.

Deswegen wollten viele Menschen in der kommunistischen DDR in den Westen und kaum jemand freiwillig in die DDR gehen. Die Menschen in der DDR wurden mit Todestreifen und Mauer im sozialistischen Zwangsarbeitssystem gefangen gehalten.

Aber auch in dem Westen gab es Opposition. In den USA entwickelte sich eine starke Bürgerrechtsbewegung und vor allem Widerstand gegen den Vietnamkrieg.

Global entstand eine antiimperialistische und antikapitalistische Freiheitsbewegung, die sog. 68er-Bewegung. Als „rechts“ wurden das Establishment und die Befürworter und Anhänger eines autoritären Staates bezeichnet. Ludwig Ehrhard wollte noch eine „formierte Gesellschaft“.

Imagine

26. Mai 2022 16:10

3/3

Inzwischen hat sich das Establishment vom Konzept des autoritären Staates verabschiedet und will einen deregulierten und globalisierten Anarchokapitalismus, aber nicht wirklich, sondern einen totalitären, von Oligarchen beherrschten Weltstaat.

Dieser reale Sozialdarwinismus und Neofeudalismus ist das Gegenteil von einer offenen Gesellschaft, welche früher der Liberalismus propagierte.

Die große Verkehrung ist da. Orwell hat diese in „1984“ prognostiziert. Realer Anti-Humanismus wird als Humanismus ausgegeben, aggressive imperialistische Politik wird als Kampf für Menschenrechte geframt.

Die heutigen Linken machten prokapitalistische „rechte“ Politik, im rechten Milieu gibt es eine zunehmende Tendenz zur Kritik am Kapitalismus und für einen sozialistischen Nationalstaat.

Verkehrte Welt.

Waldgaenger aus Schwaben

26. Mai 2022 16:15

Kohelet 1,9 Was geschehen ist, wird wieder geschehen, / was man getan hat, wird man wieder tun: / Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Es gibt die lineare und die zyklische Auffassung der Geschichte. Letztlich werden wir es erst am Ende der Zeit wissen, wenn dann noch ein Mensch ist, der es erfahren kann,

Beide Auffassungen erscheinen in religiösem und atheistischen Gewand.

Ich neige der linearen, religiösen Auffassung zu. Gott hat einen Heilsplan, in dem die Menschen aktiv mitwirken. Die Pforten der Hölle werden ihn nicht überwinden.

Im vergangenen und leider wohl auch das gegenwärtige Jahrhundert hat die atheistische, lineare Auffassung Ströme von Blut und Tränen hervorgebracht. Trotzdem hält der Zeitgeist in großen Mittel- und Westeuropa und innerhalb der US-Linken daran fest. Es sind die Pforten der Hölle am Wirken.

 

Maiordomus

26. Mai 2022 17:32

Heino Bosselmann zitiert die Kriegsberichterstattung einer Zeitung. Insofern es sich um einen Engausschnitt handelt, könnte es ja so gewesen sein. Selber würde ich über Russland und die Ukraine nie etwas schreiben, sofern ich nicht zumindest unter wesentlichen Aspekten auf eigene Gewährspersonen über dem Niveau von Journalisten zurückgreifen könnte. Mir wäre es lieber gewesen, der hochgebildete, teilweise hier auch nur als schlicht altmodischer Kulturkonservativer eingeschätzte H.B. hätte sich zum Beispiel über die Debatte betr. Tellkamp eingeschaltet. Hier könnte er sich weit kompetenter als authentischer Zeuge äussern. Kann ja noch werden. 

Laurenz

26. Mai 2022 18:02

@Ein Fremder aus Elea @L.

Die Erfahrung & Konsequenz aus dem 30jährigen Krieg im Westfälischen Frieden, ist stimmig, aber auch nur für das kontinentale Europa, inklusive der lächerlich harmlosen, korrekten Preußen & debilen Habsburger. Die Briten führten unter Cromwell ganz andere Kriege mit einer ganz anderen Konsequenz, als der Westfälische Friede dies implizierte. nämlich der brutalsten Kriegsführung, dem Hunger, gegen Zivilisten, nur in Mio. zu zählen. Die US Amerikaner schlossen sich dem britischen Vernichtungs-Procedere bis heute an & sind für den Planeten maßgeblich. Durch die mentale Kastration des Kontinentaleuropäers, die Sie beschreiben, waren wir auch nicht in der Lage, weder den Kuhhirten, noch den von Ihnen definierten Muschiks Paroli zu bieten. Mittlerweile wurde im politischen Berlin sogar mental des Hirn entfernt.

@Imagine

Hatte mal eine schriftliche Debatte mit den beiden Chefredakteuren von Veterans Today, die aus allen Wolken fielen, als ich Ihnen anhand der historischen Fakten nachwies, daß Vietnam schon immer das us amerikanische Geschäftsmodell war. Das hat auch mit dem kompletten Admin-Wechsel in DC zu tun. Die bildungsfernen Amis wiederholen grundsätzlich jeden Fehler, den sie in der Vergangenheit machten. Daran haben wir uns angesteckt. Ein Habeck, ein Scholz oder eine Bärbock wissen quasi nichts.

Imagine

26. Mai 2022 19:48

@Laurenz   26. Mai 2022 18:02
„Ein Habeck, ein Scholz oder eine Bärbock wissen quasi nichts.“

Die wissen, wie man Karriere macht.

Sie sind Ausdruck des neuen Sozialisationstypus des „flexiblen Menschen". Auf optimale Selbstvermarktung konditioniert. Menschen ohne „Über-Ich“.  Daher grenzenlos opportunistisch, korrumpierbar, rechtsnihilistisch und wahrheitsignorant. Und halten sich wahnhaft für die „Guten“.

Ein Fremder aus Elea

26. Mai 2022 20:01

Laurenz,

jede Ära der Entwicklung der Menschheit hat die Herrscher, welche sie am besten meistern.

In der Antike bestand der Fortschritt darin, neue Industrien im freimaurerischen Sinn, also Formen der Zusammenarbeit zur Fertigung von Produkten, zu etablieren und diese Wirtschaftszweige gesund zu erhalten, und der Preis war, derjenige zu sein, welcher letztlich das alles zusammenfügt, und wer sich dabei durchgesetzt hat, war Rom, und alle Welt (etwas übertrieben) wurde Teil der römischen Administration.

Heute besteht der Fortschritt in der Adaption von Technik. Weder damals, noch heute, ging, bzw. geht es, langfristig betrachtet, um herausragende militärische Leistungen. Das trifft sogar auf Dschingis Khan zu. Ihm wurden 10000 Seidenhemden geschenkt, welche seine Leute unter der Lederrüstung trugen, was sie vor den Pfeilen der Tartaren schützte. Die Buddhisten wollten die muslimischen Tartaren loswerden, und haben 100 Jahre lang Seidenhemden gewebt. Siehe Kalachakra Tantra. Dummerweise würde uns die weitere Adaption der Technik umbringen. Schwierige Zeiten.

Imagine

26. Mai 2022 21:32

1/2

@Volksdeutscher   26. Mai 2022 15:42
„Ja, sie wiesen darauf hin und es ist interessant, daß diese Leute immer an ihren "Nazischergen", ihrer "Nazizeit" und ihren "Nazieltern" wundreiben, und das tun sie bis zum heutigen Tag. Dabei hätte ein Blick genügt, die durch ihre eigene Ideologie begangen Verbrechen abzuklopfen …“

Es gab in der BRD nur eine winzige Anzahl von Menschen, die Anhänger des Kommunismus waren. Über 99% sahen den Sowjetkommunismus als Feind an. Das galt auch für die Sozialdemokratie, zugleich auch für die überwiegende Mehrheit der Sozialisten und marxistischen Wissenschaftler.

Peter von Oertzen ist ein Beispiel dafür. Er war Uniprofessor, Marxist, Trotzkist, führendes Mitglied der SPD und von 1970 bis 1974 niedersächsischer Kultusminister. „Die Kommunisten sind unsere Todfeinde“ sagte er.

Die DKP war nie in einem Landtagsparlament vertreten und ist bundesweit maximal auf 0,3% Stimmenanteil gekommen. Die MLPD erreichte nur Wahlergebnisse im Promillebereich.

Nur ein ganz kleiner Teil der Linken in der BRD identifizierte sich mit dem Sowjetkommunismus. Insofern ist es eine historisch völlig falsche Zuschreibung, der Stalinismus und dessen Verbrechen seinen Ausdruck „ihrer“ Ideologie.

Denn es war nicht ihre Ideologie, sondern sie lehnten diesen Kommunismus ab.

Imagine

26. Mai 2022 21:34

2/2

Es gab in den 70er Jahren die K-Gruppen, die mit dem Maoismus und Pol Pot sympathisierten. Das waren Linksfaschisten und ein Teil ist zu den Realo-Grünen gegangen und wurde zu eifrigen Anhängern des grünen Faschismus, welcher schon früh erkennbar war.

Wolfgang Pohrt hat schon 1980 im SPIEGEL auf „das braune Grün der Alternativen“ hingewiesen (https://tinyurl.com/cewaks5u).

@Volksdeutscher, wie viele Ossis haben Sie ein völlig falsches Bild von der Geschichte der BRD. Ebenso wie bei den „Neurechten“ ein völlig falsches Bild von der 68er Zeit existiert. Viele von diesen sind erst in dieser Zeit geboren und die meisten sogar erst später.

Gracchus

26. Mai 2022 23:18

Also wenn ich mir die Kommentare durchlese, ergibt sich ein ziemliches Durcheinander. Bosselmann hat halt ein großes Fass aufgemacht, da geht viel rein. 

Ich staune und verstehe nicht, dass die Grünen auf viele anscheinend eine große Attraktivität ausüben. Ich verstehe auch nicht, ahne aber Gründe dafür, dass Moral derart hoch bei den Deutschen im Kurs steht. Ich meine anders als Sie @Volksdeutscher, dass gerade die Moral einen (scheinbar) überlegenen Standpunkt gibt; indem man über andere urteilt, erhebt man sich über sie.

Will man moralisch sein, muss man auch mit der Moral moralisch umgehen, das heißt für mich: sparsam. Die meiste Moral ist: Sündenbocksuche.

 

Amos

26. Mai 2022 23:29

Scruton benennt als einen der Irrtümer der Linken dieses Fortschrittsdenken, wonach alles auf seltsame Art immer „besser“ und fortschrittlicher wird, dabei ist der linke Weg eigentlich ein Weg zurück zum Naturzustand, in dem der Mensch ja unverbildet „gut“ sei. Diese zweite linke Lebenslüge, die es mit dem „goldenen Zeitalter“ vielleicht schon seit den alten Griechen gibt, ist direkt gegen die Institutionen, das Recht und den (gesellschaftlichen) Frieden gerichtet. Sie will alles niederreissen, was ihr nicht die Schäferidylle des Natuzustandes bedeutet. Der Widerspruch zwischen roten und grünen Khmern ist deshalb nur ein scheinbarer und es geht mit raschen Schritten voran, bzw. retour in diesen Tagen.

Laurenz

27. Mai 2022 00:26

@Carl Sand @L.

Eine

Bestrafung

Hitlers für seine militärischen & politischen Fehlentscheidungen könnte ich noch verstehen, aber haben Sie tatsächlich irgendwo was diesbezüglich gelesen? Selbst einer der damals intelligentesten Köpfe ließ sich erst vorschnell von seinen Vorurteilen & Mutmaßungen leiten, Admiral Canaris. Zu spät hatte er sich erst bei seinen alliierten Kontakten rückversichert, die ihm klar machten, daß es den Alliierten nicht um Hitler ging. Danach zog er sich logischerweise vom Widerstand zurück, tat aber auch nichts, um wieder mal abzuhauen.

@Ein Fremder aus Elea @L.

Auch wenn Sie uns (auf der SiN) als Eleat nur als Schein ansehen, so habe ich nichts gegen Ihr leicht abgehobenes Dasein. Aber es wäre freundlich, wenn Sie hie & da in der Debatte ab und an einen Fuß auf dem Boden lassen könnten. Ihr letzter Beitrag zB ist zwar zu verstehen, wird aber trotzdem nicht plausibel, weil da zu viele Informationen fehlen. Sie schreiben zu abstrakt. Wohnen Sie denn wenigstens an der Amalfitana oder südlich davon?

zeitschnur

27. Mai 2022 01:24

@ Imagine

Hahahaha! Sie wiederholen sich - haben Sie das bemerkt, oder ist das ein Programm, das da abläuft, sobald gewisse Triggerwörter eingeworfen werden?

Laurenz

27. Mai 2022 08:08

@Gracchus

Ich staune und verstehe nicht, dass die Grünen auf viele anscheinend eine große Attraktivität ausüben. Ich verstehe auch nicht, ahne aber Gründe dafür, dass Moral derart hoch bei den Deutschen im Kurs steht.

Tun die Grünen ja gar nicht. Zwischen 15% & 20% der Wähler, abzüglich der Nichtwähler, sind das überschaubare Gefolge grüner Profiteure, Lehrer (tut mir leid, HB, ist aber so), Sozialarbeiter, NGO-Vertreter & sonstige wohlgenährte Nichtsnutze, die noch nie im Leben richtig gearbeitet hatten. Die Altlinken in den eigenen Reihen, die dem waffenstarrenden Gesinnungswechsel nicht zugestimmt hatten, werden mundtot gemacht, Joschka Fischer seinerzeit (vor über 20 Jahren) mußte noch Auschwitz bemühen, um sich intern für die Bombardierung Serbiens durchzusetzen. Die Belohnung dafür war der angenehme Schatten unter Albrights Möpsen. Wenn jucken da schon eine halbe Mio. toter Kinder?

Wen ich, Gracchus, oben nicht mit in die Aufzählung einfügte, sind die Medien, welche für den Eindruck, den die Grünen auf Sie, Gracchus, machen, verantwortlich sind. Gerade Chefredakteure & Medien-Investoren scheinen besonders von Grüner Machtteilhabe zu profitieren.

Uwe Lay

27. Mai 2022 11:30

Ob im Kriege sich wirklich zeigt, wie der Mensch ist, ist fraglich. Der Krieg ist ein Mittel des Krieges und in ihm funktioniert der Mensch gemäß der Ordnung des Krieges, wie er eben in der Ordnung der Ökonomie gemäß dieser Ordnung funktioniert. Zudem sollte man eingedenk des Votums Bismarcks: Nie wird so viel gelogen wie im Kriege, man denke nur an die deutschen Soldaten, die im Auftrage des Kaisers belgischen Kindern die Hände abhackten, nicht jede Kriegshorrormeldung glauben. Wahr ist aber, daß der Mensch auch im Kriege sich als Mitmacher erweist: Er zieht in den Krieg, wenn er das soll, er denunziert, wenn das von ihm gewünscht wird, er spendet aber auch für Afrika, wenn das die Moral von ihm verlangt.

zeitschnur

27. Mai 2022 12:06

@ HB

Ansonsten herrscht fatalerweise die Grundvereinbarung, der Mensch wäre gut, mindestens dann, wenn ihm die Bedingungen so eingerichtet würden, daß er es offenbaren könnte.

Unweigerlich fällt mir die Bemerkung Pauli ein, dass das mysterium iniquitatis und der homo iniquitatis erst offenbar werden müsse, bevor die Heilsgeschichte zu ihrem Ende kommt (2Thess2) und sich das Reich Gottes offenbaren wird.

Die iniquitats, gr die anomia, meint die totale Unordnung, die Verkehrung aller Ordnungen, und mit Ordnungen sind keine selbstgebastelten "neuen" Ordnungen, sondern die gemeint, die der Schöpfung immanent und göttlich sind.

Das linke Programm, das Sie beschreiben, das aber auch viele Esoteriker (und Hippies) so unterschreiben würden, will in geistiger Ignoranz und Borniertheit das genaue Gegenteil.

Wir erahnen, dass es wirklich ein Mysterium ist, mit dem wir es zu tun haben, dieses alte Mysterium von Gut und Böse, an das der erste Adam nicht hätte rühren sollen vor der Zeit.

Gutsein würde bedeuten, dass wir anerkennen, dass diese Ordnungen bestehen werden in Ewigkeit und wir uns wünschen, in ihnen zu schwingen ("Dein Wille geschehe") und frei zu werden.

Wir befinden uns in einem zyklisch schwellenden Aufstand fast aller Menschen gegen diese Anerkennung, die dennoch auch in einer linearen Richtung ihr scheiterndes Ende finden wird.

 

Umlautkombinat

27. Mai 2022 12:17

> das überschaubare Gefolge grüner Profiteure, Lehrer (tut mir leid, HB, ist aber so), Sozialarbeiter, NGO-Vertreter & sonstige wohlgenährte Nichtsnutze

Wird oft kolportiert, aber da irren Sie. Das geht bis tief in technische Intelligenz hinein. Leute, die in ihrem Beruf gut bis sehr gut Schwaechen von Systemen finden und aufdecken koennen, versagen dabei bei gruenen Themen (auch deren Technischen), Anlageverhalten (ESG) oder Dingen wie Covid direkt und in Form extremer kognitiver Dissonanz.

 

Gotlandfahrer

27. Mai 2022 13:16

Danke, die Fehlbarkeit jedes Einzelnen muss in hinreichenden Abständen in Erinnerung gerufen werden, wie auch das Verführerische und Verführende der Macht. Sonst kommt verquaster Mist heraus wie das Werk "Im Grunde gut", das Leichtgläubigen suggeriert, er müsse einfach nur mittun, denn es gäbe keine Bosheit, jedenfalls sofern man sie nicht erst durch Nichtmittun erzeugte. Wenn ich also Superreicher wäre mit Angst vor der kommunistischen Partei, würde ich dafür sorgen, dass mir die kommunistische Partei gehört, um den Gutgläubigen durch diese vermitteln zu lassen, dass die Angriffe auf die Dritten, die Tragenden, Rechtschaffenden, im Sinne des Guten sind.  Die Bösen und die Gutgläubigen bleiben die Herausforderung der Rechtschaffenden.

Imagine

27. Mai 2022 13:58

@zeitschnur  27. Mai 2022 01:24
„Sie wiederholen sich - haben Sie das bemerkt, oder ist das ein Programm, das da abläuft, sobald gewisse Triggerwörter eingeworfen werden?“

Wissenschaftlich aufgeklärten Menschen ist dies völlig bewusst.

Unser Verhalten wird vom Gehirn bestimmt, je nachdem, wie es programmiert (sozialisiert) wurde.

Auch Sie agieren im Rahmen ihrer internalisierten Zwangsstruktur, aber Ihr Gehirn ist anders programmiert.

Der Unterschied ist, dass ich mir dessen bewusst bin und ich mich deshalb analytisch und kritisch reflektiert mit meinem Gewordensein befasse.

Wir sind Gefangene der Programmierung unseres Gehirns, unsere Willensfreiheit bezieht sich lediglich auf das Potential zur kritischen Selbstreflexion und daraus resultierend der Möglichkeit der Entwicklung eines Willens zur Veränderung des Programms in unserem Gehirn, wodurch sich unser Fühlen, Denken und Handeln verändert. Das ist unsere potentielle Subjektivität.

Solche Veränderungen und Entwicklungen sind möglich, aber selten, weil nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Die meisten Menschen sind lebenslang Objekte ihrer Sozialisation. Willensfreiheit ist in der Regel eine Illusion.

zeitschnur

27. Mai 2022 14:56

@ Imagine

Dass aber diese "Potenziale zur kritischen Selbstreflexion" auch bereits vorkonfiguriert sind, das erkennen Sie in Ihrer Großartigkeit nicht? Oder warum sonst kamen Menschen noch vor 600 Jahren partout nicht zu den Schlüssen, zu denen Sie sich in einem einfach nur maximal reduktiven Modell versteigen?

Sehen Sie das denn nicht, dass Sie auch nur im Rahmen eines - längst überholten - Reflexionsmodells argumentieren?

Es sieht so aus, als wäre das der blinde Fleck auf Ihrer Seite.

kikl

27. Mai 2022 16:31

Die Eskalation in Richtung Weltkrieg schreitet voran. Jetzt sollen Raketenwerfer mit über hundert Kilometer Reichweite an die Ukraine geliefert werden.

https://www.spiegel.de/ausland/ukraine-usa-erwaegen-offenbar-bewaffnung-mit-langstreckenraketen-a-8308ac5f-c04e-4e39-9918-66e1632f82f9

War das nicht ein Kriegsgrund für Putin, die Bewaffnung der Ukraine mit Waffen, die Russland direkt bedrohen? Fühlt er sich dadurch nicht geradezu bestätigt in seinem Vorgehen?

Sleepy Joe winkt vermutlich alles durch, was auf seinem Teleprompter angezeigt wird. CUMEX-Scholz laviert und grinst sich durch... Aber wer zieht die Strippen im Hintergrund?

 

Laurenz

27. Mai 2022 17:58

@Umlautkombinat

Lehrer (tut mir leid, HB, ist aber so), Sozialarbeiter, NGO-Vertreter & sonstige wohlgenährte Nichtsnutze

Wird oft kolportiert, aber da irren Sie.

https://www.bpb.de/themen/parteien/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/140358/die-soziale-zusammensetzung-der-parteimitgliederschaften/

Natürlich gibt es überall solche & solche. Aber vielleicht recherchieren Sie mal, bevor Sie mir hier den Titel König der Klugscheißer abnehmen wollen.

@Zeitschnur @HB

Gutsein

bedeutet immer die Existenz des Bösen. Aber die von Gott in Ihren Augen erschaffene Natur kennt beide Begrifflichkeiten nicht. Wieso sollte der Mensch kein Bestandteil der Natur sein? Gut & Böse sind also keine göttliche Erfindung, sondern eine menschliche. Um gut zu sein, muß man das Böse erschaffen, um sich von ihm zu unterscheiden. Denn ohne das Böse macht gut sein, überhaupt keinen Sinn.

Laurenz

27. Mai 2022 18:08

@Zeitschnur & Imagine

In Ihrer Beider Debatte ist Carlos Castaneda in meinen Augen der Größte. 

Der Charakter ist bei der Geburt weitestgehend festgelegt. Wir können daher unseren Charakter nur ab & an umgehen.

Natürlich ist es günstig, wie @Imagine indirekt beschreibt, sich selbst zu kennen. Sich von der eigenen Sozialisierung zu befreien, ist sicherlich möglich, aber ein extrem schwieriger Akt. Es bedeutet, wie sich auch aus Ihrer Debatte ergibt, sich von allen Familienmitgliedern, Freunden, der eigenen Bildung, etc. zu trennen & etwas einem völlig wesensfremdes zu unternehmen.

Im Falle der Trennung von den eigenen Sozialstrukturen oder in der einfachen Umgehung des eigenen Charakters, ist es hilfreich, grundsätzlich die Aufmerksamkeit von sich selbst weg (keine Selbstreflexion mehr) nach außen, in die Umwelt zu richten. Bei den dann gemachten Erfahrungen von Bekanntem & Unbekanntem treten natürlich Gefühle auf, die man günstigerweise einfach nur mit abgeneigt oder zugeneigt bewertet & nicht mit gut oder schlecht. Denn gut oder schlecht bleibt immer nur vom Standpunkt abhängig, den man einnimmt.

Remigio

27. Mai 2022 18:13

Dem Autor dieses durchaus lesenswerten Beitrags ist jedoch die Tatsache entgangen, dass alle dokumentierten Kriegsrechtsverletzungen bislang nur von der "ukrainischen" Kriegspartei begangen wurden.

Der derzeitige Militäreinsatz Russlands in der Ukraine ist aus völkerrechtlicher Sicht legal, weil er der Unterstützung der die einzig legitimen Vertreter der Ukraine als Völkerrechtssubjekt darstellenden Donbass-Volksrepubliken gegen die diese seit 2014 brutal bekriegende illegitime, weil eine mittelbare Nachfolgeregierung einer von den USA im Zuge einer gegenüber der ukrainischen und internationalen Öffentlichkeit als revolutionäre Volkserhebung ausgegebenen verdeckten Regimewechseloperation eingesetzten Marionettenregierung darstellenden gegenwärtigen Staatsführung der Rumpfukraine, dient.

Remigio

27. Mai 2022 18:55

Die Mär von der russischen Aggression gegen die Ukraine ist übrigens nach verständiger Würdigung des Sachverhalts aus Sicht des Völkerrechts eindeutig als propagandistisches Narrativ des modernen Imperiums USA zurückzuweisen.

Ich muss mit Irritation und Bestürzung die Unwissenheit, insbesondere bestimmte Themen mit Bezug zu Russland betreffend, vieler Forenteilnehmer hier zur Kenntnis nehmen.

Die abstrusen Behauptungen des Forenteilnehmers Amazonbesteller, wonach der russische Militäreinsatz angeblich eine Aggression sei und Russland angeblich kein slawisches, sondern ein asiatisches Land sei und die Russen angeblich längst aufgerieben wären - was auch immer das bedeuten mag - muss ich an dieser Stelle korrigieren.

1. Russland ist ein europäischer Staat, dessen Mehrheitsethnie und Titularnation eindeutig slawischer Herkunft ist und dessen Minderheitenvölker zumeist ihrer ethnischen Herkunft nach Europäer und ihrer rassischen Herkunft Kaukasier (im Sinne des gleichnamigen Terminus der (englischsprachigen) Humanbiologie) sind.

2. Russland ist eine bedeutende europäische Kulturnation und seinem Selbstverständnis als Staat nach ein europäisches Land.

Remigio

27. Mai 2022 18:55

4. Die ethnische, rassische und religiöse Bevölkerungszusammensetzung Russlands hat sich durch den Beitritt der Krim mit ihrer ethnisch russischen und christlich-orthodoxen Mehrheitsbevölkerung zu Russland und die Aufnahme von mehreren Millionen hauptsächlich ethnisch ukrainischen und christlich-orthodoxen Donbass-Bürgerkriegsflüchtlingen sowie die gleichzeitige Emigration einer hohen Zahl orthodoxer und salafistischer Muslime, insbesondere aus dem Nordkaukasus in die EU zugunsten der christlichen und europäischen Mehrheit verändert.

5. Ein beträchtlicher Teil der muslimischen Minderheit Russlands ist entweder gering oder überhaupt nicht religiös, insbesondere in Tatarstan und Baschkirien, oder bekennt sich zu häretischen (volkstümlichen und mystischen) Richtungen des Islam (ohne Scharia oder Dschihad), wie etwa die Völker des Nordkaukasus. Die muslimischen Tschetschenen mögen zwar Ehrenmorde begehen, aber der terroristische Guerillakrieg islamistischer Rebellen wurde von im arabischen Ausland ausgebildeten Angehörigen dieses Volkes initiiert und durchgeführt und wird von der Türkei und den Golfstaaten sowie den USA und Großbritannien gesteuert.

Remigio

27. Mai 2022 18:56

3. Die Geburtenrate der ethnischen Russen und der europäischen Minderheitenvölker Russlands ist mit einem Wert von 1,8 für europäische Verhältnisse hoch, womit auch die Diskrepanz zur höheren Geburtenrate der muslimischen Minderheit nicht so groß ist wie im Falle der EU-Mitgliedstaaten mit einer muslimischen Diaspora wie beispielsweise Deutschland, dessen autochthone Mehrheitsbevölkerung eine sehr geringe Geburtenrate hat.

6. Der asiatische Teil des russischen Staatsgebietes ist aus historischer Sicht lediglich ein ehemaliges Kolonialgebiet und von zahlenmäßig relativ kleinen und ausschließlich nicht-muslimischen indigenen Volksgruppen dünn besiedelt, während die Mehrheit der dortigen Einwohner von Russen oder Angehörigen europäischer Völker gebildet wird.

Gracchus

27. Mai 2022 19:04

@Laurenz

Ich habe bewusst unpräzise formuliert. Daher "viele" und "Attraktivität". Sie haben natürlich Recht, dass die Grünen mit medialem Wind segeln, aber ich verstehe auch nicht, warum Journalisten derart auf die Grünen abfahren. Bei Lehrern wundert mich hingegen gar nichts, ich komme aus einer Lehrerfamilie und Lehrer gehören zu den unangenehmsten Mandanten. Daniel Fiss wird es besser wissen, aber das Milieu, das Sie aufzählen, umfasst nicht 15% der Wählerschaft. Ausserdem stelle ich auch in meinem Umfeld Sympathien für die Grünen fest. Auch Manager geben inzwischen Wahlempfehlungen für Grüne. Die Notwendigkeit, Massnahmen gegen den Klimawandel zu treffen, dürfte Konsens sein. Da eifern die anderen Parteien den Grünen nach. Wer dagegen anstinkt, setzt seinen Ruf aufs Spiel. 

Gracchus

27. Mai 2022 19:23

Das Hungerbeispiel, das einige hier zum Beweis wovon eigentlich anbringen, leuchtet mir nur bedingt ein. Wer Hunger oder Durst hat, bringt nicht gleich seinen Nachbarn um, er kann Wasser und Essen auch stehlen, erpressen oder rauben. Ich finde das verständlich; dadurch wird man aber nicht zum Tier oder zum Wilden. Gut, vielleicht wird derjenige, der Hunger hat, nicht so penibel auf Tischmanieren achten, das kann man aber heute in jedem McDonalds beobachten. Ich bin weder Anhänger von Rosseau noch von Hobbes. Den Allgemeinplatz von der Firnis der Zivilisation würde ich auch in Frage stellen; ich würde behaupten, mit der Zivilisierung steigern sich auch die Möglichkeiten der Perversion.

Ein Fremder aus Elea

27. Mai 2022 20:29

Gracchus,

meine freie Assoziationskette: Manager -> Lackaffe -> Werbung -> Klimaschutz -> Grüne.

Laurenz,

ja, eigentlich müßte ich mal in Potenza und Umgebung vorbeischauen. leben könnt' ich da nicht. Ich war in Aracena in der rosa Grotte der Wunder unter der Templerburg (nein, wirklich, nichts dazu gedichtet). Als ich auf dem Fahrrad nach Sevilla 'runtergefahren bin, war's so heiß, daß ich eine Gürtelrose am rechten Arm bekommen habe. Ist aber wenigstens nach zwei Tagen wieder weggegangen. Ich lebe 17 Grad und 44 Minuten weiter nördlich, ungefähr 200 km südlich von Helsinki. Und von Klimawandel ist hier einstweilen nichts zu merken. Der April war so um 0°C Grad 'rum und der Mai bisher auch eher einstellig. Der kälteste Frühling, den ich in 15 Jahren hier erlebt habe. Immerhin, die Birken haben schon Blätter, die Fichten aber sind noch nicht gesprossen.

 

zeitschnur

27. Mai 2022 20:55

@ Gracchus

In der Tat, nein: man wird nicht kriminell, bloß weil man ein Bedürfnis nicht sofort befriedigen kann! Ein psychisch Gesunder rappelt sich auf und sucht erst mal, wo er was finden könnte oder wie er aus der Hungerzone kommt, richtig? Eine ausgeprägte Neigung zur psychopathischen Forensik haben ausschließlich (Möchte-gern-)Herrschende oder Herrschsüchtige. Auch das Gefüttertwerdenwollen ist eine Form der invertierten Herrschsucht.

Ein wichtiger Faktor ist die urbane Sardinisierung der Massen und der Psychomagnetismus bereits entgleister Menschen. Den Livjatan braucht man nur, wenn man sowieso schon krank ist an einer Ballungssucht. Auf engem Raum kann es sein, dass Triebreflexwesen durchdrehen, wenn der Fressnapf nicht mehr pünktlich gefüllt wird. Wäre das auch so, wenn er in Sibirien in einer eigenen Klause mit wenigen Nachbarn lebte?

Ein psychisch gesunder Mensch sucht nicht diese absurden und ungesunden Zusammenballungen im Bereich des Bauchnabels seines Nachbarn, sondern in der Weite einen Ort, an dem er sich alles aufbauen kann. Aber ein Staat, der die Weiten zu Schutzzonen vor dem Menschen erklärt - ja, was wird der wohl hervorrufen?

Und nun sehen wir zurück, wie lange uns diese geisteskranke Ideologie vom zoon politikon in allen Formen und Farben schon eingetrichtert wurde.

Umlautkombinat

27. Mai 2022 21:22

> Recherche

Sie sind ein Herzchen, Laurenz. Ich weiss ja nicht, was sie da hernehmen, das duerften dann ja fast nur "Studien" oder "Umfragen" sein. Sorry, die sind in diesen Dingen derart aussagelos geworden, dass ich doch belastbarere Quellen heranziehe. Die haben andere Nachteile, sind aber nicht voellig anekdotisch und schlagen wie gesagt im Wahrheitsgehalt.

 

Imagine

27. Mai 2022 21:36

1/4

@zeitschnur  27. Mai 2022 14:56
„Dass aber diese "Potenziale zur kritischen Selbstreflexion" auch bereits vorkonfiguriert sind, das erkennen Sie in Ihrer Großartigkeit nicht?“

Der Begriff des Potentials beinhaltet doch die Vorkonfiguration der Möglichkeit einer Realisierung.

Dass der Mensch im Unterschied zum Tier vernunftbegabt ist, besagt doch nicht, dass bei jedem Menschen dieses Potential realisiert wird. In der heutigen Gesellschaft ist das Gegenteil der Fall, die Menschen werden dressierten Tieren immer ähnlicher und entwickeln nicht einmal mehr Überlebensrationalität.

Die Entwicklung beim Menschen verläuft im Gegensatz zu den Tieren nicht endogenetisch, ohne Förderung durch andere Menschen lernt er noch nicht einmal sprechen.

Vernunftentwicklung setzt entsprechende Erziehung und Bildung voraus, aber nicht nur, sondern auch gesellschaftliche Verhältnisse, die vernünftig sind.

Kaum ein Lehrer kennt „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“ von Siegfried Bernfeld oder „Vergessene Zusammenhänge. Über Kultur und Erziehung“ von Klaus Mollenhauer, um nur essentielle zwei Bücher zu nennen, die genau dies thematisieren.

 

Imagine

27. Mai 2022 21:37

2/4

Heute kennt kaum jemand die grundlegende, vielleicht wichtigste Schrift von Adorno „Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie“ (1955), die eigentlich jeder gebildete Bürger kennen sollte:
Sie beginnt mit dem Satz:
“Seit mehr als dreißig Jahren zeichnet sich unter den Massen in den hochindustriellen Ländern die Tendenz ab, anstatt rationale Interessen und allen voran das der Erhaltung des eigenen Lebens zu verfolgen, sich der Katastrophenpolitik zu überantworten”.

Adorno thematisiert hier, warum sich die Menschen so irrational und unvernünftig verhalten und identifiziert als Ursache die Funktionslogik des kapitalistischen Systems.

Diese Systemkritik hat man durch politische Repression und mediale Manipulation aus dem gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs eliminiert.

Überhaupt ist durch die Siegermacht im WK II, durch den US-Imperialismus, die Wissenschaft in (West)Deutschland okkupiert und kolonialisiert worden. Man kann dies besonders im Bereich der Psychologie aufzeigen. Dort dominiert im akademischen Bereich die Verhaltenstheorie US-amerikanischer Provenienz.

In der Pädagogik werden psychologische Methoden der Verhaltenskonditionierung angewendet, die jenen der Tierdressur entsprechen und in Rattenexperimenten wissenschaftlich weiterentwickelt wurden.

Imagine

27. Mai 2022 21:39

3/4

Andere kritische psychologische Ansätze werden an den Hochschulen nicht gelehrt. Nahezu gänzlich unbekannt sind heute die Forschungen und Theorien von Kurt Lewin. Die kritische und subjektorientierte Psychologie von Klaus Holzkamp wurde liquidiert. Psychoanalyse erscheint nur in amerikanisierter und marktkonformer Form.

Die Kritik an den chinesischen Social-Credit-Systemen erfolgt völlig unreflektiert.

Zum einenfehlen Kenntnisse hinsichtlich deren konkreten Realisierung, sondern es werden fiktive Horrorszenarien dargestellt. Zum andern werden überall in unserer Gesellschaft verhaltenssteuernde Programme eingesetzt. Die Schulpädagogik ist ein typisches Beispiel.

Eine Steuerung menschlichen Verhaltens durch Belohnung und Bestrafung gab es schon immer.

Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird. Das Hauptproblem ist das Fehlen eines bewussten und kritisch-reflektierten Umgangs damit.

Hier spielt die Art und Weise der Erziehung und Bildung eine entscheidende Rolle.

Typisch für das US-amerikanische Bildungskonzept ist die Unbildung der Massen. Erstklassige Schulen und Hochschulen sind in privater Hand und deren Besuch ist teuer. Die Massen in den USA werden in Dummheit gehalten und dies ganz bewusst.
Sie werden mit „Tittytainment“ medial berieselt und ruhiggestellt.
 

Imagine

27. Mai 2022 21:40

4/4

Bei Wikipedia findet sich zu „Tittytainment“:
„Zugeschrieben wird dieser Begriff Zbigniew Brzeziński, dem früheren nationalen Sicherheitsberater des US-Präsidenten Jimmy Carter. Er soll ihn 1995 auf einer Versammlung des ‚Global Braintrust‘ geprägt haben.
Aufgrund des Wachstums der Produktivität gehe, so die dem Schlagwort zu Grunde liegende Prognose, die (bezahlte) Arbeit aus. In Zukunft würden daher 20 % der Weltbevölkerung ausreichen, um alle benötigten Dienstleistungen und Güter zu erbringen bzw. zu produzieren. Die restlichen 80 % der Bevölkerung müssten dann von Transferleistungen leben. Wie dem schreienden Säugling die Brust gegeben wird, müssten dann, so die Behauptung, die in der Produktion überflüssigen Menschen mit trivialer Unterhaltung (Fernsehen, Internet, sexualisierte Unterhaltung usw.) ‚bei Laune gehalten werden‘.“

Menschen, die in Dummheit und Unbildung gehalten werden, kann man leicht durch Medien oder primitive Verhaltensprogramme steuern.

Im Kapitalismus sind kritische Lohnarbeiter, kritische Konsumenten und kritische Führungskräfte Störfaktoren, deshalb werden die Menschen marktkonform konditioniert und die Gesellschaft besteht dann zum großen Teil nur noch aus Psychopathen und Idioten.

Deshalb ist die Systemfrage die entscheidende Frage.
 

zeitschnur

27. Mai 2022 23:41

@ Imagine

Die entscheidende Frage ist die der realen Begegnung mit den Leuten, wie sie wirklich sind. Mit dem Lebensgefährten, den Kindern, den Nachbarn, den Schülern, den verwandten, den Kollegen.

Ohne sofort eine Systemschubalde zu finden, denn alle sind auf dem Weg.

Es klingt unsäglich blutleer, was Sie da propagieren, ja eigentlich tot, so als müssten Sie sich am Schreibtisch beweisen, dass es Sie gibt. Und natürlich sind die anderen Idioten und ignorante Teppen, schon von Natur aus, weil sie Adorno vielleicht nicht gelesen haben. Was zählen da andere Qualitäten?

Es fehlt das Herz. Und natürlich werden Sie in ihrem Rationalitätsinventar kein Herz führen, längst entrümpelt. Ich musste an Barkoff/Sommerfeld denken: Das abstrakte, systemische Denken ist schon überholt hin zur anstehenden Ich-Werdung der Einzelnen. Sie sind festgefroren wie Lots Weib, guter Imagine. Es gäbe mehr zu entdecken, als Sie zagen. Wozu das Opfer der eigenen Erstarrung zur Salzsäule?!

Laurenz

28. Mai 2022 00:27

@Gracchus & Zeitschnur

Historisch ist Ihre Annahme zur Firnis der Zivilisation nicht belegbar. Sobald die rechtsstaatliche Struktur auch nur kurz zusammenbricht, wie zB beim 1:7 von Brasilien gegen Deutschland, 2014, treten sofort Plünderungen auf.

@Umlautkombinat

Ja, Sie Liebchen, dann posten Sie doch mal Ihre Quellen. 45% Öffentlicher Dienst oder Beamtenschaft bei den Grünen ist eine eindeutige Aussage & zwar noch vor den Sozis.

@Ein Fremder aus Elea

Interessant, also Lettland, vermutlich Riga, an der schönen Ostsee, nicht schlecht, eher ganz gut. Für die Reisen nach dem Süden sind Frühling oder Herbst angesagt. Im Herbst ist das Meer noch warm. Die Amalfitana ist wirklich klasse, aber meist mit jungem, italienischen Möchtegern-Jetset überfüllt, von daher etwas weiter südlich antanzen. Die Flora wächst dort, wie irre. Kein Wunder, daß die 2t & Drittgeborenen im Mittelalter da immer hin wollten. In Neapel wird man an jeder Tankstelle beschissen. Wenn Sie schwarzen Sandstrand oder Eichenwälder mögen, müssen Sie auf die andere Seite, Region Bari für den Sand & in den Gargano für die Eichen- & Buchenwälder.

Hartwig aus LG8

28. Mai 2022 07:24

""Werden wir endlich zu bösen Pfadfindern. Jeden Tag eine schlechte Tat. Wirklich jeder hat täglich die Chance, sei es am Arbeitsplatz, in der Einkaufsschlange oder in der Familie, einem Systemlinge völlig im Rahmen des Legalen weh zu tun und zu schaden. Also frischauf. ""

@Carl Sand

Schön, nach langer Zeit mal wieder von Ihnen zu lesen. Und immer noch dieser "partisaneske" Geist.  Wohlan!

Laurenz

28. Mai 2022 11:06

@Zeitschnur @Imagine

Wozu das Opfer der eigenen Erstarrung zur Salzsäule?!

Ich kann keinen systemischen Unterschied zwischen Ihren Beiträgen & denen von Imagine feststellen. Inhaltlich gibt es wenige Unterschiede, aber die Intensität des Dogmatischen ist jeweils dieselbe.

zeitschnur

28. Mai 2022 12:35

@ Laurenz

Die rechtsstaatliche Struktur ist inzwischen nicht nur kurz, sondern langanhaltend zusammengebrochen. Das merkt man aber nur, wenn man mitten im Leben steht und nicht bloß PC-Junky ist.

Und: Wo sind die Plünderungen?

Ich sehe sie, aber sie gehen vom Staat und der mit ihm verkuppelten Konzernelite aus: Steuerausbeutung, eskalierende Energiepreise, Inflation bei den Lebensmitteln und dem täglichen Bedarf, Masken-, Test- und Spritzterror - wer wurde da von wem geplündert?

Sie wissen ja: Es gibt nur wenige, die über 1000 Leute herrschen wollen, aber Tausende, die wollen, dass einer über sie herrscht.

zeitschnur

28. Mai 2022 13:06

@ Imagine

Ich meinte: Selbst noch das, was Sie als "kritische Reflexion" fehldeuten, bewegt sich in einem System kritischer Reflexion. Auch der pubertierende Jugendliche, der sich absetzt von Mama und Papa, tut das nach einem bereits kulturell vorgeformten Muster, oder er nimmt eine kritische, aber längst vorhandene Gegenposition ein.

Ihnen bleibt da weniger Raum zu echter Eigenreflexion, als Sie glauben.

Natürlich sind die meisten Menschen zu bequem, um überhaupt mal von hier bis an die nächste Ecke zu denken, manche auch aus dem gar nicht mal verkehrten Bauchgefühl, dass das alles nur gepflegtes Gewäsch ist, was die selbsternannten Gebildeten so absondern. Die kognitive Dissonanz der meisten Linken stinkt doch nach über 100 Jahren zum Himmel!

Aber ich sehe nicht, wo Sie da wesentlich anders sind: Sie haben ein Deutungsmodell, von dem Sie glauben, es sei der Gipfel kritischer Reflexionsentwicklung zum non plus ultra erklärt. Ab dieser Grenze hören Sie doch auch auf kritisch zu reflektieren - nämlich kritisch im Bezug auf Ihr verehrtes Modell, das angeblich jeder Gebildete kennen muss. Ohne dieses Modell geht also gar nichts - und genau eine solche Annahme ist Wegmarke, aber der Sie dann abstürzen in die Unreflektiertheit.

zeitschnur

28. Mai 2022 13:07

@ Laurenz

Ich habe eine Rätselaufgabe für Sie: Wie kommt es, dass für die Weißen alle Asiaten gleich aussehen und vice versa?

Umlautkombinat

28. Mai 2022 13:54

Laurenz, Sie hantieren hier seit geraumer Zeit mit dem Gegensatz Ihrer Naehe zur Praxis als AfD-Mitglied zu den Buecherwuermern in diesem Forum. Davon abgesehen, dass das oft als typisches Eifertum eines Neukonvertierten herueberkommt, ist da gelegentlich etwas dran.

In dem Sinn, ich schreibe 25 Jahre Software. Da ich das freiberuflich mache, sehe ich viele Unternehmen aller Groessen und andere Sammelpunkte der zugehoerigen Klientel fuer hinreichend lange Zeit, um eine Verschiebung des Weltbilds des dort taetigen Milieus einschaetzen zu koennen. Das ist nicht 'postbar', aber ziemlich untersetzt. Wenn es mit 'Statistiken' nicht uebereinstimmt,mache ich mir manchmal aber nicht immer (gar nicht moeglich) die Muehe, das aufzuloesen.

Viel wichtiger ist aber, dass Sie im Prinzip damit verharmlosen. Die angesprochene Ideologie ist pervasiv. Sie durchdringt die gesamte Gesellschaft und zerstoert auf allen vorstellbaren Ebenen des Lebens. Ein paar Witzchen  der Art "Lehrers Kind und Pfarrers Vieh..." sind da wohlfeil (und alt wie der Wald), aber kratzen nicht einmal am Problem. Klar sind die dabei (beides habe ich in Menge in der Familie), aber das ist nur die Spitze.

Laurenz

28. Mai 2022 18:53

@Zeitschnur @L.

Die rechtsstaatliche Struktur ist inzwischen nicht nur kurz, sondern langanhaltend zusammengebrochen.

Das stimmt so nicht ganz. Der Rechtsstaat wurde bewußt in einen Neo-Feudalismus hinein verformt, einerseits was das Strafmaß für jeweilige Delikte & den Umgang mit Grundrechten der Nicht-Privilegierten angeht.

Wo sind die Plünderungen?

Wir haben die stärkste Inflation seit 1949. Es wird also vor allem die Unterschicht geplündert.

Steuerausbeutung, eskalierende Energiepreise, Inflation bei den Lebensmitteln und dem täglichen Bedarf, Masken-, Test- und Spritzterror - wer wurde da von wem geplündert?

Vollkommen richtig, ist dasselbe.

Sie wissen ja: Es gibt nur wenige, die über 1000 Leute herrschen wollen, aber Tausende, die wollen, dass einer über sie herrscht.

Nur solange der Brotkasten gefüllt bleibt.

Ich habe eine Rätselaufgabe für Sie: Wie kommt es, dass für die Weißen alle Asiaten gleich aussehen und vice versa?

Habe dieses Problem gar nicht, kann mir nur schlecht sogenannte slawische Namen merken.

@Umlautkombinat L.

sehe ich viele Unternehmen aller Groeßen

Sie sind aber nicht repräsentativ. Bei Frau Dagen kommen auch immer fast dieselben in den Buchladen. Ich verstehe natürlich was Sie meinen. Aber lassen Sie uns bei den Fakten bleiben.

Imagine

29. Mai 2022 09:26

@Laurenz  28. Mai 2022 11:06
„Ich kann keinen systemischen Unterschied zwischen Ihren Beiträgen & denen von Imagine feststellen. Inhaltlich gibt es wenige Unterschiede, aber die Intensität des Dogmatischen ist jeweils dieselbe.“

Ein Dogmatiker lebt im Zustand subjektiver Gewissheit: „etiam si omnes – ego non.“ oder verkörpert das lutherische „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“.

Ein kritischer Denker hingegen hat die Maxime „de omnibus dubitandum“.

Umlautkombinat

29. Mai 2022 09:44

Meine Welt ist nicht Frau Dagens Buchladen. Zu ersterer gehoert, dass das Publikum bei jedem neuen Auftrag wechselt. Und trotzdem bleibt die genannte Transformation deutlich.

> Aber lassen Sie uns bei den Fakten bleiben.

Zuerst einmal zur Klarheit: Ich meinte nicht nur die soziale Aufteilung Mitgliedschaften von Parteien (messbar) bzgl. des Begriffs Gefolge, sondern v.a.D. auch die Waehler (nicht messbar).

Laurenz, Sie wissen sicher selbst, dass letztere Dinge nicht (mehr) ohne naehere Beurteilung als Fakten hingenommen werden koennen. Dazu ist viel zu viel Manipulation drin, bei Covid wurde der Kampf um die Deutungshoheit auf dieser Ebene spaetestens schlagend deutlich. Eine Wahl ist anonym und damit bleibt prinzipiell eine grundsaetzliche Frage, sobald es ueber zaehlbare Beteiligungen hinausgeht. Ich kann am Telefon, auf einem Fragebogen, einer Befragung oder einem 'Wahlomaten' sonstetwas hinterlassen.

Also braucht es andere Quellen, mit anderen Vor- und Nachteilen. Und Vergleiche unter allen diesen Quellen. Und die sagen immer deutlicher, dass das Problem viel tiefgehender ist. Vielleicht haben wir aber nur i.o.g. Sinn aneinander vorbeigeredet.

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