Betrachtungen zur Zukunft der AfD

von Christoph Berndt (MdL) und René Springer (MdB) -- Frühjahr 2022: In einer Brandenburgischen Kleinstadt hat die AfD zur Demonstration aufgerufen.

 Gastbeitrag

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Auf dem Markt­platz fin­den sich zwan­zig bis drei­ßig Per­so­nen ein. Sie gehö­ren zur Jun­gen Alter­na­ti­ve, dem Kreis­ver­band und dem Lan­des­vor­stand der AfD. Sie ken­nen sich. Sie haben sich in den letz­ten andert­halb Jah­ren auf Dut­zen­den die­ser Demons­tra­tio­nen getrof­fen. Nur zwei Per­so­nen gehö­ren nicht zum Zir­kel: Ein Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter und eine zufäl­li­ge Pas­san­tin, die den Abge­ord­ne­ten fragt, was da ver­an­stal­tet wer­de. „Eine Kund­ge­bung der AfD“, ist die Ant­wort. „Ach, die habe ich auch gewählt, aber es hat ja nichts geän­dert“, gibt die Frau zurück und geht.

Die übli­chen Ver­däch­ti­gen haben den Dia­log nicht mit­be­kom­men. Sie hat­ten mit ihren Reden und ihren Smart­pho­nes zu tun. Auf den Fotos, die nach jeder Demo gepos­tet wer­den, sind immer die glei­chen Gesich­ter. Und es sind immer Bil­der von der Red­ner­büh­ne oder Sel­fies; die Fas­sa­de der Social Media-Par­al­lel­welt soll kei­ne Ris­se bekommen.

Man hat sich ein­ge­rich­tet. Wie sehr, das wur­de Anfang April auf dem Lan­des­par­tei­tag der AfD Bran­den­burg in Prenz­lau deut­lich, wo unse­rem Pro­gramm für eine mög­lichst rasche Macht­be­tei­li­gung („Für einen star­ken Lan­des­ver­band“) mit einem lau­ten „Wir sind Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on!“ wider­spro­chen wur­de. Mit ande­ren Wor­ten: Wir spre­chen von einem Lan­des­ver­band der AfD, in dem die Mehr­heit des Lan­des­vor­stan­des und sei­ner Unter­stüt­zer den Macht­an­spruch der Par­tei ver­neint. Das ist bemer­kens­wert, ver­rückt und – denkt man einen Moment dar­über nach – erhellend.

Der Begriff „Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on“ ist ziem­lich neu; im Grimm­schen Wör­ter­buch kommt er nicht vor. Ana­log zu ande­ren Wort­zu­sam­men­set­zun­gen mit „Fun­da­men­tum“ (lat. = Grund­la­ge) beschreibt er eine auf die Grund­la­gen des staat­li­chen Han­delns gerich­te­te Opposition.

Ohne Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on wird kein Land vom Kopf auf die Füße gestellt; exe­ku­ti­ve Macht allein schafft kei­ne tief­grei­fen­den Ver­än­de­run­gen. Das ver­an­schau­licht die Prä­si­dent­schaft Donald Trumps, der schon vor ihrem offi­zi­el­len Beginn und bis zu ihrem skan­dal­be­glei­te­ten Ende von einem feind­lich geson­ne­nen Estab­lish­ment enge Fes­seln ange­legt wurden.

Noch stär­ker als die struk­tu­rel­len und orga­ni­sa­to­ri­schen Gege­ben­hei­ten bestim­men ihre geis­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen staat­li­ches Han­deln. Hier ist das eigent­li­che Gebiet fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­ler Arbeit. Die Biblio­thek des Kon­ser­va­tis­mus, die Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung oder das Insti­tut für Staats­po­li­tik sind Adres­sen für die Fun­die­rung alter­na­ti­ver Poli­tik für Deutsch­land. Dort hat die Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on ihren Platz – aber nicht in einer Partei.

Eine poli­ti­sche Par­tei hat nur eine Auf­ga­be: Poli­ti­sche Macht zu gewin­nen, um ihre Zie­le zu errei­chen. Das ist wohl­be­merkt nicht gleich­be­deu­tend mit einer Regie­rungs­be­tei­li­gung; Ver­än­de­run­gen sind auch aus der Oppo­si­ti­on mög­lich, aller­dings nur, sofern die­se Oppo­si­ti­on Macht hat.

So hat­te bei­spiels­wei­se die SPD über ihren Ein­fluß auf Gewerk­schaf­ten und Medi­en auch in den Ade­nau­er-Jah­ren genü­gend Macht, um zumin­dest die sozi­al­po­li­ti­sche Aus­rich­tung der Bun­des­re­pu­blik zu beein­flus­sen. Und die Grü­nen bestim­men ganz unab­hän­gig von einer Regie­rungs­be­tei­li­gung seit mehr als 20 Jah­ren die poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen im Bund. Das gelingt ihnen, weil sie nach der Ent­le­di­gung ihres Öko­Pax-Flü­gels nicht mehr nur Lieb­ling der Medi­en, son­dern des gesam­ten Estab­lish­ments sind.

Ganz anders lie­gen die Din­ge bei der AfD, die mit jedem Jahr nicht weni­ger, son­dern mehr geäch­tet und von jeder Teil­ha­be aus­ge­schlos­sen wird. Ihr fehlt die Macht, die Poli­tik in Deutsch­land auch aus der Oppo­si­ti­on her­aus ver­än­dern zu kön­nen. Um den cor­don sani­taire zu durch­bre­chen, braucht sie – Macht, und zwar eine spür- und sicht­ba­re Macht, wie etwa die Dul­dung einer oder die Betei­li­gung an einer Landesregierung.

Eine sol­che Macht könn­te das Tabu zer­bre­chen und eine Dyna­mik aus­lö­sen, die die AfD weit mehr als heu­te zu der Par­tei wer­den lie­ße, die sie ihrer Anla­ge nach ist: zur Volks­par­tei. „Macht ist ein Ver­mö­gen, wel­ches gro­ßen Hin­der­nis­sen über­le­gen ist“, sag­te Kant. So ist es, und des­halb steht die AfD mehr als jede ande­re Par­tei in der Pflicht, nach Macht zu streben.

Die bis­lang erfolg­reichs­ten und wirk­li­cher Macht am nächs­ten gekom­me­nen Lan­des­ver­bän­de in Thü­rin­gen und Sach­sen wer­den als geschlos­sen wahr­ge­nom­men und fal­len nicht durch Skan­da­le, son­dern durch Kon­struk­ti­vi­tät und – den­ken wir an die Wahl von Tho­mas Kem­me­rich zum Thü­rin­gi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten – Ori­gi­na­li­tät auf. Fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­le Über­zeu­gun­gen und eine dezi­diert alter­na­ti­ve Poli­tik las­sen sich durch­aus mit sach­po­li­ti­scher Gründ­lich­keit und Kon­struk­ti­vi­tät einer Volks­par­tei ver­ein­ba­ren. Unter „Volks­par­tei“ ver­ste­hen wir hier­bei ganz kon­ven­tio­nell eine Par­tei, die von brei­ten Wäh­ler­schich­ten getra­gen wird und ein brei­tes The­men­spek­trum bear­bei­tet und sich durch bei­des von einer „Pro­test­par­tei“ unterscheidet.

Auch in Bran­den­burg hat die AfD dort den größ­ten Erfolg, wo sie mehr Volks- als Pro­test­par­tei ist. 2016 erreich­te Mari­an von Stür­mer als Bür­ger­meis­ter­kan­di­dat in Lüb­ben­au 34,4 Pro­zent, 2018 Stef­fen Kubitz­ki als Land­rats­kan­di­dat im Spree-Nei­ße-Kreis 39,2 Pro­zent, Dani­el Mün­sch­ke als Bür­ger­meis­ter­kan­di­dat in Guben 44 Pro­zent, 2021 Micha­el Hanko in Sprem­berg 39,6 Pro­zent der Stim­men. Alle die­se Kan­di­da­ten sind lokal gut ver­netzt und angesehen.

Beson­ders ein­drucks­voll sind die – viel zu wenig beach­te­ten – Erfol­ge der AfD in der Süd­bran­den­bur­gi­schen Stadt Forst. Ohne sich vor­zu­drän­gen, unter­stützt die Fors­ter AfD die Mon­tags­spa­zier­gän­ge sowie die Fors­ter Stadt­ge­sprä­che, die von loka­len Gewer­be­trei­ben orga­ni­siert wer­den und zumeist eine drei­stel­li­ge Besu­cher­zahl haben. Und in der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung von Forst stellt eine Alli­anz aus AfD, Frei­en Wäh­lern und Frei­en Lin­ken, die sich um ihren Aus­schluß aus der Links­par­tei nicht küm­mern, die Mehr­heit. Geer­det, kon­struk­tiv und sym­pa­thisch: Wenn die Bran­den­bur­ger AfD irgend­wo die Züge einer Volks­par­tei hat, dann in Forst. Nur ist Forst nicht die Bran­den­bur­ger Regel, son­dern ihre Ausnahme.

Von der Pri­gnitz bis nach Cott­bus haben sich Kreis­tags- und Kom­mu­nal­frak­tio­nen zer­strit­ten und gespal­ten. Oft­mals fehlt es ihnen an mora­li­scher und fach­li­cher Unter­stüt­zung, und man­ches Mal auch an Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein. Hier Abhil­fe zu schaf­fen, ist die viel­leicht drin­gends­te Auf­ga­be der Bran­den­bur­ger AfD. Denn in der Kom­mu­nal­po­li­tik ent­schei­det sich, ob die AfD eine Volks­par­tei wird – oder nicht.

In den Kom­mu­nen und Krei­sen sind die Mau­ern um die AfD am nied­rigs­ten. Hier zählt Glaub­wür­dig­keit, hier kann die AfD das Framing wider­le­gen und Vor­ur­tei­le abbau­en. Hier geht es um Sach­fra­gen, hier hat die Poli­tik das Gesicht des Nach­barn. Hier ist als Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on nichts, aber als Volks­par­tei viel zu gewin­nen. Das wer­den die Kom­mu­nal- und Land­tags­wah­len des Jah­res 2024 erwei­sen – so oder so.

Eine iso­lier­te Pro­test­par­tei, die im Osten bei 20 Pro­zent und im Bund bei 10 Pro­zent ver­harrt, wird das Land nicht ändern. Und selbst mit einem weit höhe­ren Stim­men­an­teil sta­bi­li­siert eine iso­lier­te AfD die Zustän­de mehr als sie die­se ändert, indem sie die Unzu­frie­den­heit kana­li­siert und in der Wir­kungs­lo­sig­keit ver­si­ckern läßt.

Pro­test kann der ers­te Schritt zu Ver­än­de­run­gen sein und gehört des­halb unbe­dingt zum Reper­toire der AfD. Pro­test zu arti­ku­lie­ren ist aber nur der klei­ne­re Teil des Wäh­ler­auf­trags. Der wich­ti­ge­re Teil lau­tet: Ver­än­de­re! Been­de die Ver­ach­tung des Eige­nen, sor­ge dafür, daß die natür­li­chen und his­to­ri­schen Gege­ben­hei­ten geach­tet wer­den, sor­ge für siche­re Gren­zen, sor­ge für ein sozia­les Mit­ein­an­der. Mach es anders als die Staats­par­tei­en von CSU bis Lin­ke, sei die Alter­na­ti­ve FÜR Deutschland!

Auf dem Weg dahin hat die AfD den Alt­par­tei­en gegen­über nur ein Pfund, mit dem sie wuchern kann: die Glaub­wür­dig­keit ihrer Mit­glie­der. Sie wird nicht durch die Unter­stel­lun­gen des Ver­fas­sungs­schut­zes gefähr­det, der aller­dings die Pre­ka­ri­sie­rung der AfD för­dert, son­dern durch den Dün­kel eini­ger Funk­tio­nä­re den Bür­gern gegen­über. Die­ser Dün­kel und eine Ent­frem­dung vom gewöhn­li­chen Leben rau­ben der AfD jede Glaubwürdigkeit.

Das Über­maß von Sel­fies in den social-media-Auf­trit­ten vie­ler Funk­tio­nä­re mag man belä­cheln, aber es ist nicht lus­tig und all­zu leicht kann Abge­ho­ben­heit vom Nor­ma­lo zur Über­heb­lich­keit wer­den. Nicht weni­ge in der Par­tei über­schät­zen die eige­ne Bedeutung.

Glaub­wür­dig­keit ist das wich­tigs­te Gut­ha­ben der AfD auf dem Weg zur Macht. Das ist auch die Ant­wort auf alle ehr­li­chen Beden­ken zu dem von uns ver­tre­te­nen Macht­an­spruch. Gewiß, Macht kann kor­rum­pie­ren. Aber Macht­lo­sig­keit nicht min­der, und als Abge­ord­ne­ter einer Par­tei ohne poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung kann man es sich beson­ders gut gehen las­sen. Wer als Mit­glied der AfD die Macht­op­ti­on ver­neint, ver­hält sich nicht mora­lisch, son­dern verantwortungslos.

Nicht Macht oder Ohn­macht ist aus­schlag­ge­bend, ob sich jemand kor­rum­pie­ren läßt, son­dern der Cha­rak­ter. Es ist absurd, von einer Par­tei zu ver­lan­gen, den Gefah­ren der Macht durch Macht­ver­zicht zu ent­ge­hen. Die AfD ent­geht ihnen durch Anstand, Fes­tig­keit und gutes Mit­ein­an­der. Die Par­tei ist nicht glaub­wür­dig, wenn sie sich um nutz­lo­se oder gar schein­hei­li­ge Prin­zi­pi­en schert, son­dern dann, wenn ihr Bemü­hen auf­rich­tig und ver­ant­wor­tungs­be­wußt ist. Ist es das, kön­nen wir uns Bis­marcks har­tem Urteil anschlie­ßen: „Prin­zi­pi­en haben heißt, mit einer Stan­ge quer im Mund einen Wald­lauf machen.“

Man mag sich wun­dern, daß es über­haupt in einer Par­tei Streit über die Fra­ge „Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on oder Macht­op­ti­on“ geben kann und daß die­ser Streit gera­de in einem Lan­des­ver­band aus­ge­tra­gen wird, auf den der frü­he­re Lan­des­vor­sit­zen­de – bekann­ter­ma­ßen ein Macht­po­li­ti­ker – noch immer Ein­fluß hat. Und voll­ends absurd muß es erschei­nen, daß aus­ge­rech­net die Mehr­heit im Lan­des­vor­stand und ihre Unter­stüt­zer in die­sem Streit die Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on vertreten.

Der Wider­spruch ist nur schein­bar vor­han­den und löst sich bei Berück­sich­ti­gung der unter­schied­li­chen Akzen­te von „Macht“ auf. Neben der all­ge­mei­nen Gestal­tungs­mög­lich­keit, also den inhalt­li­chen Zie­len der Macht­aus­übung, um die es uns hier geht und um die es einer Par­tei aus­schließ­lich gehen soll­te, bezeich­net der Begriff „Macht“ in der Poli­tik auch immer kon­kre­te per­sön­li­che Ver­hält­nis­se, also den Besitz von und das Stre­ben nach per­sön­li­cher Vorherrschaft.

Die pro­gram­ma­ti­schen Schnitt­men­gen inner­halb der AfD sind sehr groß. Die Grund­sät­ze: Bewah­rung unse­rer Iden­ti­tät als Deut­sche und Euro­pä­er, natio­nal­staat­li­che Sou­ve­rä­ni­tät, Ver­tei­di­gung der frei­heit­li­chen Demo­kra­tie sind zwi­schen den Mit­glie­dern im Wes­ten und im Osten unum­strit­ten. Wir haben gese­hen, wie sich Jörg Meu­then und Andre­as Kal­bitz über Jah­re präch­tig ver­stan­den und wie sich auf dem Dresd­ner Par­tei­tag 2021 Bea­trix von Storch und Björn Höcke im Nu über ein Ein­wan­de­rungs­mo­dell nach Japa­ni­schem Vor­bild ver­stän­di­gen konn­ten. In Bran­den­burg sind die inhalt­li­chen Schnitt­men­gen womög­lich noch grö­ßer als in der AfD generell.

Offen­kun­dig haben die meis­ten, wenn nicht alle Kämp­fe und Lager­bil­dun­gen in der AfD und nament­lich in Bran­den­burg nichts mit poli­ti­schen Kon­zep­ten zu tun, son­dern aus­schließ­lich mit dem Stre­ben nach per­sön­li­cher Macht und nach Vor­herr­schaft des eige­nen Lagers. Im Kampf der Lager wird alles Mög­li­che zur Mas­kie­rung die­ses sehr per­sön­li­chen Macht­stre­bens her­an­ge­zo­gen – zur Not auch an den Haa­ren, wie bei der Beschwö­rung einer ver­meint­lich fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len Auf­ga­be der AfD, nur um der Mah­nung wider­spre­chen zu kön­nen, die Par­tei für eine Macht­be­tei­li­gung fit zu machen.

Die­ser Wider­spruch gilt in Wirk­lich­keit nicht dem Anlie­gen, des­sen Berech­ti­gung ernst­haft nie­mand bestrei­ten kann, son­dern denen, die es vor­tra­gen. Dem auf per­sön­li­che Macht fixier­ten Lager­den­ken ist der par­tei­in­ter­ne Tri­umph wich­ti­ger als der Tri­umph über den poli­ti­schen Geg­ner außer­halb der Partei.

Nicht die Beob­ach­tung durch den Ver­fas­sungs­schutz, nicht das media­le Framing, nicht die Aus­gren­zung durch den Block der Staats­par­tei­en machen das Elend der Par­tei aus, son­dern eine unauf­rich­ti­ge, intri­gan­te und auf Eigen­nutz beschränk­te Lager­men­ta­li­tät. Sich mit ihr – im Wort­sinn – aus­ein­an­der­zu­set­zen, ist das Gebot der Stun­de. Kön­nen wir die­se Men­ta­li­tät zurück­drän­gen, muß uns um die Zukunft der AfD nicht ban­ge sein. Kön­nen wir es nicht, hat die AfD kei­ne Zukunft verdient.

 Gastbeitrag

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Kommentare (43)

kikl

15. Juni 2022 10:20

Es ist zwar richtig, dass man die vom Staatsfunk und der neuen Stasi erzeugte Angst und die Vorurteile am besten im direkten Kontakt mit den Menschen, also auf kommunaler Ebene, brechen kann. Es gilt aber sich nicht nur zu verteidigen vor falschen Verdächtigungen sondern die AFD muss auch angreifen.

Die Glaubwürdigkeit von Stasi und Staatsfunk muss beschädigt werden. Wird diesen Institutionen nicht mehr geglaubt, dann wird die Diffamierung wirkungslos.

Um die Glaubwürdigkeit dauerhaft zu erschüttern, muss man solide und aufgrund nachweisbarer Fakten darstellen, dass diese staatlichen Institutionen im politischen Meinungskampf durch die Altparteien missbraucht werden. Das Verhalten von Staatsfunk und Stasi während der letzten zwei Corona-Jahre liefert zahllose Beweise dafür.

 

Mboko Lumumbe

15. Juni 2022 10:31

"...eine unaufrichtige, intrigante und auf Eigennutz beschränkte Lagermentalität. Sich mit ihr – im Wortsinn – auseinanderzusetzen, ist das Gebot der Stunde. Können wir diese Mentalität zurückdrängen, muß uns um die Zukunft der AfD nicht bange sein. Können wir es nicht, hat die AfD keine Zukunft verdient."

Unaufrichtige, intrigante und auf Eigennutz beschränkte Lagermentalität ist grundsätzlicher Bestandteil von politischer Aktivität seit der Antike und es gibt keine, gar keine, überhaupt keine Partei, in der das nicht stattfindet. Und es ist auch ein menschlicher Wesensbestandteil (Charakterthematik).
Was es nicht rechtfertigen oder gutheißen soll.

Der Artikel ist ein weiterer Appell an die Vernunft und nichts wird sich ändern. Aus meiner Sicht hat die AfD keine Zukunft verdient und es ist besser wenn sie verschwindet. Dann wird einigen klar werden, dass es mit einem Kreuz auf dem Wahlzettel nicht getan ist. Nosce te ipsum.

Offene Grenzen, Masseneinwanderung, Demographie, Islamisierung, Innere Sicherheit, Energie_ende, Deindustrialisierung, usw. usf. schaffen täglich rotgrünbraune Fakten und können nicht mehr aufgehalten werden. Und damit wird nicht nur die AfD verschwinden. Das mag einem gefallen oder auch nicht - so what?

Gotlandfahrer

15. Juni 2022 10:59

Ein Etwas, das seine Seinserfolge dem gehobenen Unterscheidenkönnen verdankt, wird dieses Tun verstetigen und verstärken, bis es, besoffen vom Erfolg, den Punkt überschreitet, bis zu dem dieses Talent als etwas Dienliches noch Teil eines Fähigkeitenbündels ist.  Das Unterscheiden wird ab da zur dominanten und irgendwann einzig verbleibenden Kompetenz.  Und damit Mittel der Selbstauflösung in zusammenhanglose kleinste Teile.  Blindheit durch infinites Zer-Scheiden, kein Wald, nicht mal mehr Bäume, nur noch Kohlenstoffatome.  Die einzige Gnade, die diesem Etwas dann noch widerfahren kann, ist die von außen erzwungene Wiedervereinigung, weil das Außen an der Unterscheidungsgrenze „Wir-und-die“ verharrt und kurzen Prozess mit allem Orientierungslosen macht.  Orientierung durch Rückpressung ins Eigene. Domplatte. Gardasee.  Die Spiele sind eröffnet.  Wenn die Panik losbricht, wird es womöglich gut sein, so etwas wie die AfD zu haben.   Bis dahin sollte man nicht zu viel Energie auf Performancekritik verschwenden, auch eine AfD besteht nur aus Sündern und Unvollkommenen.  Und dass sich Rechte in Lager aufteilen ist dort noch mehr als woanders zu erwarten, da es gerade die Neigung zur Nichtanpassung ist, die uns in Gruppen kleinster gemeinsamer Nenner treibt.  Wir selbst sind ja Meister der Unterscheidung.

Gotlandfahrer

15. Juni 2022 11:34

@ Mboko Lumumbe

Ihre Wahrheit perlt. Für Sie, Sie werden's kennen:

https://www.youtube.com/watch?v=Dcrk_UzugCo

Mboko Lumumbe

15. Juni 2022 13:30

@ Gotlandfahrer

Danke, doch leider ist es nicht nur meine Wahrheit, sondern auch Ihre und von uns Allen. Es ist eine schreckliche und traurige Wahrheit, deren Leugnen keinen Sinn mehr macht. Und der rotgrünbraune Zenit ist noch nicht mal erreicht.

In mir ist etwas entstanden, dem ich keine Worte gebe. Die Zeit wird Offenbarung bringen und dann werden viele (wieder) sagen, das haben wir doch nicht gewollt und das haben wir nicht gewusst. Oh doch!

Rammstein hat auch mit diesem Song einen Punkt getroffen, das können sie. Neulich auf deren Konzert hat mich die gigantomanische Szenerie an Nürnberg erinnert. Sie spielen damit und schaffen iwie die Gradwanderung beim feurigen Spiel mit den Flammen. Und die Massen tanzen ihren Totentanz dazu, Zehntausende zugleich, die meisten schwarz gekleidet, den Arm gereckt und schreiend ihre Hymnen singend - Erinnerungen. Gespenstisch und erleuchtend. Was ist Endzeit? Wann ist Endzeit?

Für Sie, Sie werden's kennen:
Heaven Shall Burn - Endzeit

Laurenz

15. Juni 2022 16:17

@Christoph Berndt & René Springer (1)

Glaubwürdigkeit wollte ich Ihnen nie nehmen. Das ist aber eher etwas persönliches, der morgendliche Blick in den Spiegel. (Die meisten Menschen formen unbewußt ihre täglichen Lügen in Wahrheit um.) Was glauben Sie, kosten die Lügen, der Genossenfilz, die feudale Lebensart Peter Feldmanns die SPD an Stimmen bei den nächsten Wahlen?

Was die Macht angeht, so zwingt sie zu Kompromissen, weniger (, aber auch) im Parlament, sondern, wie Sie zB Selbst zitierten, SPD & (historische) Gewerkschaften, in der Gesellschaft. Die Grünen betrieben mit dem gewohnten Irrsinn, mal mehr oder weniger erfolgreich, generell Fundamentalopposition, ganz einfach deswegen, weil sie genügend gesellschaftliche Kräfte hinter sich wußten. Das fällt natürlich in Regierungsverantwortung flach. Jedes mal, wenn die Grünen ans Ruder kommen, fängt ein Krieg in Europa an.

RMH

15. Juni 2022 16:24

@Mboko Lumumbe & Gotlandfahrer,

Huysmans ließ seinen Roman Là-bas (klare Leseempfehlung!) bereits 1891 mit folgenden Sätzen enden:

„Alles schön und gut,…, aber dieses Jahrhundert kümmert sich einen Dreck um Christus in seiner Herrlichkeit; es verseucht das Übernatürliche und erbricht sich auf das Jenseits. Wie kann man da auf die Zukunft hoffen, wie sich einbilden, die Abkömmlinge der stinkigen Bürger dieser schmutzigen Zeit wären sauber? So wie sie erzogen sind, frage ich mich, was sie im Leben machen werden, diese Burschen.“ „Sie werden das machen, was ihre Väter und ihre Mütter machen,“ … , „sie werden sich die Eingeweide füllen und sich die Seele durch den Unterleib entleeren.“

In den letzten ca. 130 Jahren hat sich da wenig geändert – insofern sollten wir keine übertriebenen Ansprüche an eine AfD richten. Der Artikel von Berndt und Springer hat richtige Ansätze.

Laurenz

15. Juni 2022 16:32

@Christoph Berndt & René Springer (2)

Zu welchen gesellschaftlichen Kräften sucht die AfD denn den Kontakt? Wo kann die AfD Kompromisse eingehen? Unternehmenssteuern, US-Botschaft, Banken, ein verbessertes Reichskonkordat für die Kirchen, wo ist Luft im Programm? Das Ibiza-Video brachte es ans Tageslicht. Selbst die relativ starke FPÖ bettelt um eine auflagenstarke Zeitung.

Es fehlt selbst das Geld um die Antifa den Linken abzukaufen.

Die öffentlichen Zwistigkeiten zwischen Chrupalla & Cotar, vor kurzem, waren nicht professionell. Die SPD war, zumindest im halben Jahr vor der Bundestagswahl, professioneller. Die geistigen Tiefflieger Kühnert, Esken etc., hielten alle das Maul. SPD-Granden sind wahrscheinlich sogar zum putzen zu blöd. Aber das hatten sie kapiert, der Gegenwartsdeutsche mag augenscheinlich keine innerparteilichen Konflikte veröffentlicht sehen, das Ergebnis +10%.

Um überhaupt wahrgenommen zu werden, muß man Fundamentalopposition betreiben. Was man dann hinter den Kulissen vereinbart, mag der Machtoption dienen.

Laurenz

15. Juni 2022 16:48

@Mboko Lumumbe

Ihr Beitrag war ja gar nicht schlecht, weil er das Menschsein der letzten 2.000 Jahre kurz & bündig beschreibt. Allerdings

Aus meiner Sicht hat die AfD keine Zukunft verdient und es ist besser wenn sie verschwindet.

ist ein so selten dämlicher Satz, weil er Sie, wie viele andere von uns, als den typischen konservativen & Jammerlappen ausweist.

Welche Partei hätte denn eine Zukunft verdient oder wäre es wert, daß sie nicht verschwindet?

Im letzten Jahrzehnt sind Wahlen in Deutschland extrem volatil geworden. Eine endgültige Weimarisierung wurde nur durch die 5%-Klausel verhindert. Bei der letzten Bundestagswahl betrog man in Berlin wohl eklatant, um die Linke noch in den Bundestag zu hieven. Im allgemeinen Vergleich bleibt die AfD erstaunlich stabil.

Auch Christoph Berndt & René Springer erinnerten sich wohl zuwenig an die Legislaturperiode von 2013-17. Ab & an probte Sahra Wagenknecht mal den Aufstand, sonst triefte nur Langeweile aus Phoenix.

Die Endzeit kommt immer von selbst. Und da ist es immer gut, ein Ass im Ärmel zu haben, das jeder kennt.

eike

15. Juni 2022 17:10

Im Osten nichts Neues.

Die alte Leier: Wir müssen erst mal an die Macht, dann werden wir schon alles ändern.

Aber an die Macht kommt Ihr nicht mit Schmusekursen, sondern nur, wenn Ihr den Leuten klarmacht, daß der Karren, auf dem sie sitzen, von den Systemparteien komplett an die Wand gefahren wird. Und das ist nur eine andere Formulierung für Fundamentalopposition.
Solange Ihr die Alternative nur im Namen tragt, werdet ihr - zu Recht - nicht wahrgenommen.

t.gygax

15. Juni 2022 17:26

Zitat:" der Dünkel einiger Funktionäre gegenüber dem Bürger".

Das ist es, und das ist das Hauptproblem. Hier in BW versucht die AFD alles, um " ein bürgerliches Lager" zu erreichen, und sieht nicht, daß dieses "bürgerliche Lager"  schon längst vergeben ist an andere Parteien. Aber die Leute, die AFD gewählt haben, sind oft -so werden sie hochmütig  von den AFD Granden bespöttelt- die "Abgehängten", aber ehrlich könnte man auch frei nach Dostejewski sagen " die Erniedrigten und Beleidigten", das trifft es besser.

Aber wenn solche Figuren wie Lars Patrick Berg, der von den gutbezahlten Pfründen in Stuttgart zu den noch besser bezahlten neuen Feudalherren im Europäischen Parlament wechselte und dann medienwirksam mit den sattsam bekannten Sätzen die AFD verließ, aber sein Mandat selbstverständlich weiterhin behält und das Geld einstreicht- wofür eigentlich?- jahrelang sich in der  AFD in BW darstellten, ( als "bürgerlich wählbar....") dann wundert mich nichts mehr.

Die Nichtwähler sind die einzige Chance der AFD, und die wird vollständig verspielt. Aber einige Leute richten sich gut in den Parlamenten ein und unterscheiden sich nicht mehr von den anderen "Altparteien".....und der Bundesvorstand der AFD ist inzwischen genauso ein Klüngel wie Gruppierungen von anderen Parteien , vielleicht mit Ausnahme von Alice Weidel, die ich für  halbwegs integer erachte, hoffentlich irre ich mich da nicht.....

RMH

15. Juni 2022 17:34

Wenn man sich bei den gerade gelaufenen, teilweisen Kommunalwahlen in Sachsen und in Thüringen die Wahlbeteiligung und die Ergebnisse der AfD anschaut, ist das schon sehr ernüchternd. Wenn man dachte, irgendwo sei so etwas wie "Verwurzelung" oder gar Mobilisierungsfähigkeit für die AfD möglich, dann doch wohl in diesen 2 Bundesländern.

Für mich im Hinblick auf die mittlere und längere Perspektive der AfD eine klare Enttäuschung. Eigentlich sind diese beiden Ergebnisse schlimmer, als das Herausfliegen der AfD aus dem Landtag in SH und das "Gerade-noch-Ergebnis in NRW". Der Osten zeigt wie´s geht... der Lack ist ab. Und das verfestigt den Abwärtstrend in ganz Deutschland.

Laurenz

15. Juni 2022 18:22

@t.gygax & andere

Wie viele Reden der AfD sehen Sie denn so im Schnitt?

Laurenz

15. Juni 2022 19:02

@RMH

Wo ist denn der Lack dran?

Allnichts

15. Juni 2022 19:18

Den harmonischen Ansatz finde ich gut und sinnvoll. All jene, welche das deutsche Volk, die europäischen Völker, die Weissen, erhalten wollen, müssen zusammenarbeiten - von absoluten Härtefällen einmal abgesehen. Hierbei müssen konkrete Wünsche und Vorstellungen bezüglich politischer Systeme, Wirtschaftsordnungen, geschichtlicher Vorbilder, Religion und so weiter erst einmal nachrangig behandelt werden. Dies sollte nicht nur innerhalb der AfD gelten, sondern allgemein im "rechten Lager". Diese andauernde und allgegenwärtige Distanzierung und die Abspalterei mögen an sich nachvollziehbar sein, aber sie werden der Situation schlichtweg nicht gerecht.

Auch das Ziel einer AfD nicht als Protest-, sondern als Volkspartei, ist grundsätzlich richtig, allerdings sehe ich eine Entwicklung in diese Richtung nicht, da die AfD weiterhin dazu neigt, Randpositionen einzunehmen. Sie holt so Patrioten und Unzufriedene ab, was mitunter sicherlich nicht wenige sind, aber nicht das Volk. Von einem breiten Themenspektrum ist man weit entfernt.

Regierungsbeteiligung sollte angestrebt werden, was soweit allerdings eine sehr theoretische Angelegenheit ist, und wirkliche Regierungsfähigkeit dürfte im Augenblick ohnehin nicht gegeben sein.

Insgesamt amngelt es dem Text an konkreten Vorschlägen.

t.gygax

15. Juni 2022 19:28

@ wie viele Reden ...Laurenz

Alle, die im Netz sind. Ohne Auswahl der Redner. Aber was sagen gute Reden über die Personen aus- zumal sich die AFD Granden ihre Reden ja längst auch schreiben lassen, was ich mehr als bedauerlich finde. Franz Josef Strauß hatte derartiges nicht nötig, der konnte selbst reden, schreiben und auch handeln. Dies nebenbei.  Und Herbert Kickl ( den man auf AFD Veranstaltungen ja nicht einmal erwähnen darf...) spricht 45 Minuten frei und absolut engagiert.  Von der pathetischen Rhetorik von Mme. le Pen ganz zu schweigen, aber die ist auch ein Naturtalent -und hat einen bretonischen Dickschädel wie ihr Vater....Ich habe in einem Rhetorik Seminar mal ihre Redeweise mit der unserer "sprachbegabten" Ex-Kanzlerin Angela Merkel verglichen, das Ganze ohne Kommentar, die Studenten konnten sich selbst ihr Bild machen........

heinrichbrueck

15. Juni 2022 20:22

Wer sich die Machtstrukturen anschaut, in einem realistischen Weltbild, nicht nur die globalen Machtstrukturen, wird endlich aufhören müssen, das vorgegebene Weltbild immer wieder neu erfinden zu wollen. Wenn Macht ein Vermögen ist, sollte klar sein, was ein Vermögen ist. Das Vermögen, Kreativität und Phantasie, Überlegungen aller Art einzusetzen, um Macht erringen zu können, hängt an der geistigen Stärke, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Der AfD-Text ist eine hübsche Träumerei. 
Der Wähler hat so oder so ein Problem. Er wurde dermaßen demokratisiert, der medialen Beeinflussung ausgesetzt, daß die Glaubwürdigkeit einer Person am institutionalisierten Machtgefüge ausgerichtet werden konnte. Innerhalb dieser Machtverhältnisse, der Versuch der AfD, den Wähler mit Samthandschuhen anzufassen. Der Wähler kann es kaum glauben, wie nett Politiker plötzlich sind, aus einer Position der Schadenbegrenzung? Das schöne Wörtchen Macht macht Luftsprünge, so sehr freut es sich, mißverständlich schweben zu dürfen. Es ist die absolute Freiheit der Mächtigen, niemandem mehr böse sein zu müssen. 
Das Wort Machtverzicht ist nicht so schlecht gewählt. Könnte man dem Wähler beikommen, unter einer Linde, mit der Frage, "was er wohl davon hielte, verlogenen Medienschaffenden die Möglichkeit einzuräumen, auf Staatskosten eine Auszeit genießen zu dürfen", er würde keine Sekunde zögern, die Hierarchie unangetastet zu lassen.

ede

15. Juni 2022 21:03

@Laurenz

Das kann man schon mal stehen lassen :

"Die Endzeit kommt immer von selbst. Und da ist es immer gut, ein Ass im Ärmel zu haben, das jeder kennt."

Ihre Replik auf das aber unbedingt auch:

"Aus meiner Sicht hat die AfD keine Zukunft verdient und es ist besser wenn sie verschwindet.

ist ein so selten dämlicher Satz, weil er Sie, wie viele andere von uns, als den typischen konservativen & Jammerlappen ausweist."

@Berndt & Springer

Ihr seid doch beide richtig gute Männer. Ihr habt erhebliche Verdienste und euer Wort hat (völlig zu Recht) Gewicht.

Klar gibt es auch in Brandenburg "Lagerdenken". Es ist die Aufgabe alter weißer Männer für Milderung einzutreten. Im Übrigen wurde doch Rene Springer zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Die Polemik gegen die JA ist mir unverständlich. Welche Machtoption sollen die Jungspunde denn wahrnehmen? Sie bauen Parteitage auf, treffen sich auf den Demonstrationen, hängen Plakate, verteilen Flyer und machen halt Selfies und stellen Bilder ins Netz, auf denen die Demos groß aussehen. Ja, und manchmal lassen sie leere Bierflaschen im Auto liegen.

ede

15. Juni 2022 21:36

(2) @Berndt & Springer

Was mich an Euren Beitrag am meisten irritiert, ist der konstruierte Gegensatz der Kategorien Machtoption vs. Fundamentalopposition.

Ich kenne niemanden in der AfD, der gegen die Nutzung einer sich bietenden Machtoption ernsthaft Einwände hätte. Jeder Bürgermeister o. Landratskandidat rennt sich die Hacken ab, in der wenig realistischen Hoffnung, dass die Leute schon aufgewacht sind und in der Stichwahl ein Menetekel geschieht. Im Übrigen waren wir ausgerechnet in Thüringen schon mal sehr nahe dran.

Und, was soll Fundamentalopposition überhaupt sein? Ihr schreibt doch selbst, das über das Programm sehr weitgehend Konsens besteht?

Was die guten Beispiele von gelebter Breitenwirkung in Südbrandenburg (Montagsspaziergänge) angeht, tragt ihr doch Eulen nach Athen. Überall sind doch AfD Mitglieder die treuesten Spaziergänger.

Tut mir leid, ich lese zwar Sorgen & Bedenken aber keine disskutablen Verbesserungsvorschläge.

Martha

15. Juni 2022 21:57

Die seit geraumer Zeit langsam zerfallende AfD wird niemals an der Macht des Parteienkartells wirklich beteiligt werden.

Angesichts bevorstehender katastrophaler Zustände, die sich ab Herbst 2022 immer offener zeigen werden, bleibt nur die Fundamentalopposition.

Wer will sich denn in ein Bett mit Leichen legen, deren Verwesungsgeruch bald jedem in der Nase hängen wird?

Gelddrucker

16. Juni 2022 00:05

@Allnichts

Die Weißen retten sagen Sie. Genau darum geht es. Wo liest man das? Die Weißen zu retten ist ein ernsthaftes Anliegen der meisten Weißen. Sie wissen es nur nicht. Wann wird endlich Klartext geredet, nicht nur bei Odyssee-Videos und Telegramchats mit wenigen Tausend Teilnehmern?

@t.gygax

Ich würde das bürgerliche Lager nicht aufgeben. Es sieht aktuell so aus, als wäre dort nichts zu holen, was aber auch damit zu tun hat, dass dieses Lager fernab der verursachten Zustände wohnt.

@Mboko Lumumbe

Wer hat Sie geschickt? Nach dem was Sie hier schreiben sind Sie wohl eher mit unlauteren Absichten gekommen.

 

Gotlandfahrer

16. Juni 2022 01:11

@ Mboko Lumumbe

Womöglich hatte ich mich wie ein Rammsteintext ausgedrückt, herrlich oder dämlich missverstehbar (bin noch ganz inspiriert von einem sich freudig einnässenden Rezensenten, der "Angst vorm schwarzen Mann" als Kritik der Band an Fremdenfeindlichkeit interpretiert). So hegte ich mitnichten Zweifel an Ihrer Wahrheit, vielmehr sah ich dieser mit der verlinkten mephistotelischen Darbietung kunstvoll entsprochen. Wo Sie Nürnberg erwähnen: Kehre just heim vom Konzert der Band in einer der anderen Führerstädte (ehemaligen, finde gerade die Tüddelchen nicht) und teile ganz und gar auch diesbezüglich Ihre Eindrücke. Dort ließ sich die Band in Schlauchbooten über das Meer der Menge zurück zur Hauptbühne tragen, empfangen von einem Schild mit "Willkommen". Meine politisch korrekte Begleitung war ganz hingerissen von der sublimen Botschaft und verpasste vor Erregung den Wechsel des Schriftzugs zu "in der Dunkelheit", was zugegeben nur kurz zu sehen war. Nun gut, ich möchte den Rest der Leserschaft nicht langweilen, nur soviel noch: Nein, die mir von Ihnen anempfohlenen Herrschaften kannte ich noch nicht, nachdem Sie schon dafür Verantwortung tragen, dass ich zum Grober Knüppel Fanboy geworden bin werden ich mich auch mit diesen Werken näher auseinandersetzen. 

Laurenz

16. Juni 2022 01:11

@Martha

Die seit geraumer Zeit langsam zerfallende AfD wird niemals an der Macht des Parteienkartells wirklich beteiligt werden.

Irgendwann ist immer ein erstes Mal. Die Fokussierung auf die einzige Opposition in deutschen Parlamenten, hat immer etwas mit dem eigenen Versagen zu tun. Auch Sie, Martha, projizieren, wie so viele hier, von sich auf diese Partei. Nur weil Sie Selbst nichts leisten, in politischer Wirkung versagen, muß diese Partei nicht schlecht sein. Im aktuellen Zeitgeist ist die AfD sogar vergleichsweise stabil. In Europa hat es schon viele Traditionsparteien zerbröselt. In Deutschland mag die Entwicklung langsamer stattfinden, und? Wir leben in einer Zeit selbst verursachter Krisen. Irgendwann ist damit Schluß. Die UdSSR hielt 70 Jahre, ob die EUdSSR solange durchhält? Zweifelhaft. Man versteht nur dann Politik, wenn man sie über die eigene Lebenszeit hinaus sieht. Dazu sind die meisten hier, auch Sie, nicht in der Lage.

Laurenz

16. Juni 2022 09:13

@t.gygax @ wie viele Reden ...L.

Unser aktueller Außenminister bekommt ohne 5 sprachliche Betreuer keinen einzigen Satz sauber raus. Wieso wollen Sie viele schlechte Reden halten lassen? Was erwarten Sie, ohne Selbst zu leisten? Hier FJS anzuführen, der sehr wohl ablas, ist unlauter. Wie viele FJSens liefen denn hier rum?

(...)

Mitleser2

16. Juni 2022 09:32

Die AfD muss klären, warum die ABSOLUTEN Wählerzahlen auch und gerade im Osten so massiv gefallen sind. Ich sehe darauf bisher keine Antwort.

Natürlich sind Bundestagswahlen und Landratswahlen/Bürgermeisterwahlen nicht vergleichbar. Aber es scheint keine Mobilisierung mehr möglich zu sein, gerade wo es als ersten Schritt darum gehen müsste, auf kommunaler Ebene Einfluss zu gewinnen. Warum scheinen das die potentiellen AfD-Wähler nicht zu sehen?

Umlautkombinat

16. Juni 2022 10:49

> Die AfD muss klären, warum die ABSOLUTEN Wählerzahlen auch und gerade im Osten so massiv gefallen sind.

Muessen muss sie natuerlich nicht, das ist sicherlich eine Frage an mehr Addressaten. Aber interessant ist sie schon. Meine home-made Kuechenerklaerung ist ein intuitives Verstaendnis durch den - potentiellen - Waehler dahingehend, dass Macht i.W. und zunehmend immer weiter 'oben' angesiedelt ist und es in gleichem Mass sinnlos ist, die niederen Chargen mit Aufmerksamkeit zu bedienen.

Ich lasse einmal offen, ob er sich damit irrt oder nicht. Sich beschleunigende auch offene willkuerliche Ueberschreibungen von zumindest rudimentaer vorhandenen Kraeftegleichgewichten werden aber registriert und nicht in politisches, sondern persoenliches Handeln umgesetzt.

Fuer mich uebrigens auch ein Punkt bei Corona. Die Leute sind nicht so schlafend  wie sie oft gezeichnet werden. Sie haben einen Instinkt fuer die reale gegenwaertige Verschiebung des Gesellschaftssystems, die das Meiste an intellektuellem Zugang schlaegt. Provokativ koennte man es so ausdruecken: Viele nehmen vorweg, wogegen sich der Verkopfte noch straeubt sehen zu wollen und darin sind sie auch konsequent. Sie richten sich auch praktisch schon darin ein.

Was sie nie begreifen und auch aktiv von sich weisen ist, dass sie bedingender Teil dieser Aenderungen sind.

 

Imagine

16. Juni 2022 12:20

1/2

„Eine solche Macht könnte das Tabu zerbrechen und eine Dynamik auslösen, die die AfD weit mehr als heute zu der Partei werden ließe, die sie ihrer Anlage nach ist: zur Volkspartei.“

Nein, die AfD war nie Volkspartei. Sie hat begonnen als neoliberale Minoritätenpartei. Später ist sie nach „rechts“ gedriftet.

„Volksparteien“ hingegen repräsentieren die Zusammensetzung des Volkes. Die CDU hatte einen linken Flügel, die SPD einen rechten. Die AfD ist einseitig rechts.

Heute gibt es keine „Volkspartei“ mehr. Keine Partei erreicht einen „echten“ Wähleranteil von über 20% bezogen auf die Wahlberechtigten.

Typisch für die Entwicklung der Parteienlandschaft sind die Veränderungen der Zusammensetzung in den Parteien.

Parteien bestanden früher zum einen aus aufstiegs- und machtorientierten Politikern und zum anderen aus Programmatikern und Idealisten. Bei den Grünen hat man von „Realos“ und „Fundis“ gesprochen.

Die SPD hat sich von ihrem linken Flügel, bestehend aus Linkssozialdemokraten und Sozialisten getrennt. Die haben dann später versucht, eine neue Partei „Demokratische Sozialisten“ (DS) 1982 zu gründen.

Bei der FDP hat sich der linksliberale Flügel, der sozialliberale Politik auf Basis der „Freiburger Thesen“ umsetzen wollte, abgespalten und hat die Partei „Liberale Demokraten“ (LD) 1982 gegründet.

Imagine

16. Juni 2022 12:23

2/2

Bei den Grünen sind die „Fundis“ von den „Realos“ aus der Partei gedrängt worden oder haben diese frustriert verlassen. Ditfurth hat mit anderen Angehörigen des linken Flügels die Partei „Ökologische Linke“ 1991 initiiert.

Die CDU/CSU hat sich nach der Jahrtausendwende von ihrem Rechtsaußenflügel getrennt.

All diese Beispiele zeigen, dass sich die Parteien auf einen Realo-Kern fokussiert haben und sich vom Konzept einer Volkspartei verabschiedet haben. Alle Parteineugründungen aus den Abspaltungen waren Flops.

Die Linkspartei geht daran kaputt, weil sie keinen eigenständigen Realo-Kern besitzt, sondern zu einer linksgrünen Resterampe geworden ist, der niemand an positiven Reformen etwas zutraut und daher niemand mehr braucht.

Ist die AfD ist so etwas wie eine rechte Resterampe und hat ihren Zenit bereits überschritten?

tearjerker

16. Juni 2022 13:01

Oje. Das Publikum braucht nicht noch eine Partei der faulen Kompromisse. Dann hätte Jörg „Machtoption“ Meuthen ja auch bleiben können. Die Partei wird rund um die Uhr mit Dreck beworfen und die Antwort soll jetzt ‚wir wollen aber keine Fundamentalopposition‘ sein? Geradezu als würde der politische Gegner die Kernthesen der AfD nicht als fundamentalen Angriff auf die von ihm beherrschten Felder interpretieren und nicht permanent die schweren Waffen auffahren. Vernünftig sein ist in dieser Situation bestenfalls eine Option, wenn man in Verantwortung ist. Bis dahin sollte man schon aus Prinzip den politischen Gegner und seine Vertreter herabsetzen, wo es nur geht und ausschliesslich darauf setzen Spannungen zu erzeugen, damit man sichtbar bleibt.

Laurenz

16. Juni 2022 14:44

@Umlautkombinat, Mitleser2 & Imagine

Auch wenn die historische Parteien-Analyse Imagines stimmt, kam Er nicht dazu, die für deutsche Verhältnisse extreme Volatilität der Wahlergebnisse der letzten 10 Jahre, trotz sich durchweg gleichender Realo-Kerne von 4 System- oder Altparteien erklären zu können. Dieser Fakt wird ständig bei der Analyse der AfD verdrängt. Momentan leiden, warum auch immer, FDP & die Linke (hier mag es, gemäß Imagine, klarer sein, siehe hier) mehr als die AfD. 

Meine Meinung ist: In echten Krisenzeiten wählen Bürger gerne Traditionelles. Bis sich Covid-Maßnahmen oder westliche Sanktionen zum Nachteil einer Mehrheit auswirkt, vergeht einiges an Zeit. Die Tage erhielt ich Post von meinem Stromlieferanten Mainova. Aktuell sinkt der Preis des Stroms ganz leicht, weil die EEG-Umlage wegfällt. Fragt sich nur, wie lange?

Hajo Blaschke

16. Juni 2022 15:14

Die Herren Berndt und Springer haben in vielen Punkten den Nagel auf den Kopf getroffen. Eine Partei  ohne Vorfeld und ohne stabile Struktur im Kommunalen ist eine Partei auf tönernen Füßen. Machtstrukturen von unter aufzubauen ist m.A. nach der einzige Weg zum Erfolg.

Meine Frage an beide Funktionäre aus Brandenburg: wann nimmt man Andreas Kalbitz wieder in die AfD auf?

Mitleser2

16. Juni 2022 15:16

@Laurenz: Lustig, oder eher nicht: Bei mir sinkt der Strompreis zum 1.7. wegen EEG um 4,43 ct/kWh, um am 1.8. wegen "der weltpolitischen Lage und der hohen Nachfrage" gleich wieder um 2,93 ct/kWh zu steigen. Außer Spesen nichts gewesen ...

Andreas Walter

16. Juni 2022 16:42

In ihrer zweiten Phase war die AfD eine Sammelbewegung für alle in Deutschland, die sich mit keinem vorherigen Angebot an Parteien noch (oder schon) anfreunden konnten.

Für diese Leute war die AfD darum ab einer gewissen Bekanntheit die große Hoffnung auf was auch immer, doch zu viele Köpfe, dazu auch noch Eigensinnige, bekommt man so oder so nicht unter einen Hut. Zumindest nicht wahrhaftig oder auf herkömmliche Art.

Übrig geblieben davon ist mittlerweile nur noch Hellblau und Hellbraun, also Beige, während Braun, Blau und der nicht näher definierbare Rest alle wieder ihre eigenen Wege gehen.

Hellgrau passt übrigens auch sehr gut zu allen Pastellfarben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pastellmalerei#/media/Datei:Chardin_pastel_selfportrait.jpg

Vielleicht fehlt es aber auch einfach nur an Geduld und Beharrlichkeit, weshalb ja auch die Grünen erst viele Jahrzehnte warten mussten, bis ihre Leute an der Macht waren.

Letztendlich ist das Parteienspektrum aber immer nur ein Spiegel der Gesellschaft, und da sieht es (auch) für Deutschland halt nicht so gut aus, als Land der Deutschen.

Laurenz

16. Juni 2022 17:22

@Hajo Blaschke

Die AfD erlaubt keine nicht zahlenden Karteileichen, wie CDU oder SPD.

Wieso sollte Kalbitz wieder aufgenommen werden?

Imagine

16. Juni 2022 22:07

1/2

Entscheidend für die Zukunft der AfD ist m.E.nicht die Antwort auf die Frage: „Wie schaffen wir es, dass uns mehr wählen?“, sondern „Warum wählen uns so wenige?“

Dazu ein eigenes Erlebnis zur Zeit der Hochphase der AfD vor der BT-Wahl 2017, als noch die für viele sympathische und ständig in Talkshows präsente Frauke Petry Parteivorsitzende war.

Wir hatte beim Essen im Urlaub ein nettes Paar kennengelernt, Alter Ende 50, politisch Ex-SPD und möglichweise den NDS nahe. Die waren, wie damals die Mehrheit der Deutschen, gegen die muslimische Massenimmigration und gegen die Merkel-Politik.

Aber als ich sagte, als Oppositionswähler könne man überlegen, die AfD wählen, hat dieses Paar jeden weiteren Kontakt mit uns vermieden und uns wie politische Paria behandelt.

Imagine

16. Juni 2022 22:09

2/2

Die AfD hat in ihren besten Zeiten bundesweit nie einen „echten“ Wähleranteil von über 10% - bezogen auf die Wahlberechtigten - erreicht, d.h. über 90% hielten und halten die AfD für nicht wählbar.

Warum? Die AfD ist kontaminiert von nazi-affinen Ideen und Positionen unterschiedlicher Art, seien sie rassistisch, nationalistisch, reaktionär, geschichtsrevisionistisch, holocaustleugnerisch, verfassungsfeindlich, anti-liberal, anti-demokratisch, anti-sozial etc. Offene Hitleristen, wie es diese auch noch in Deutschland und auf der Welt gibt, spielen in der AfD zwar keine exponierte Rolle, aber es gibt doch einige mit nazi-affiner Biographie und mit provokanten Äußerungen und Anspielungen. Diese Menschen werden in den Medien als AfD-typisch dargestellt, was nicht stimmt, oder als von der AfD als Mitglieder und Anhänger toleriert, was stimmt.

Die AfD wird als „rechts“ dargestellt und definiert sich selbst als „rechte“ Partei. Aber 90% der heutigen Gesellschaft möchten mit  „rechts“ nicht identifiziert werden und möchten am liebsten einen konsequenten Schlussstrich unter Deutschlands düsterstes historisches Kapitel ziehen.

Die AfD hat sich gesellschaftlich in die Position von politischen Parias hineinmanövriert. Der offene Kontakt mit der AfD beschädigt den eigenen Status und gefährdet die Karriere. Deshalb wird die AfD in der Öffentlichkeit ausgegrenzt. Man kooperiert und diskutiert nicht mit ihnen.

Laurenz

17. Juni 2022 11:48

@Imagine

Ihr letzter Beitrag ist historisch wieder mal falsch. Sie kommen aktuell auf eine Quote, gefühlt, von 1:3 etwa. Die Historie der AfD ist natürlich arg kurz. Keine andere Partei in Deutschland hat ein so aufwendiges Aufnahmeverfahren, wie die AfD. Auf der Negativ-Liste der AfD stehen, meines Wissens nach, mehr als 200 Organisationen, bei denen ein Bewerber nicht Mitglied gewesen sein darf. 

Finden Sie hier unter Unvereinbarkeitsliste https://www.afd.de/mitgliederverwaltung/

Erst recherchieren, dann denken, dann posten bitte.

Imagine

17. Juni 2022 12:06

Das AfD-Milieu – Mitglieder, Anhänger, Sympathisanten - ist ein Minderheitenmilieu, was m. E. weniger als 10% der Bevölkerung umfasst. Es ist ein selbstreferentieller Kontext, auch als Blase oder Echokammer bezeichnet.

Aber so nimmt sich dieses Milieu nicht wahr. Sondern im Gegenteil ist eine Überzeugung verbreitet, hinter den „rechten“ bzw. „deutsch-völkischen“ Positionen stehe eine „Silent Majority“.

In Wirklichkeit haben sich die Deutschen kulturell gewandelt.

Angela Merkel, eine Machtpolitikerin par excellence, hat dies erkannt und die CDU „modernisiert“ und sich kulturell vom traditionellen deutschen Konservatismus verabschiedet, wodurch sie Mehrheiten erreichte und sich als Kanzlerin 16 Jahre an der Macht halten konnte. Das führte beispielsweise dazu, dass sie politisch für die Ehe für alle eintrat, aber bei der Abstimmung im BT gegen ihre eigenen politischen Zielsetzungen stimmte.

Widersprüche zwischen politischer und kultureller Identität und tatsächlicher politischer Praxis finden sich Deutschland überall und in jeder Partei.

So gab die CDU/CSU unter Führung von Merkel vor, eine Politik für die Mitte zu machen, aber tatsächlich war es eine gegen die Mitte. Die SPD unter Kanzler Schröder machte eine neoliberale Politik gegen ihre eigene Arbeitnehmer-Klientel. Die in ihrem Selbstverständnis pazifistischen Grünen betreiben Kriegstreiberei. Usf.

Gelddrucker

17. Juni 2022 14:30

@Imagine

Die Deutschen wie alle anderen westeuropäischen Völker haben sich nur unwesentlich gewandelt, trotz der Dauerpropaganda. Diese Umfrage führt Ihren Unsinn deutlich vor:

https://wewereneverasked.co.uk/home

 

Mehr braucht man dazu nicht sagen. Die völkische Natur des Menschen konnte man einigen austreiben, den meisten nicht.

Ich rate anderen Postern, Imagines Kommentare zu überlesen. Dies mache ich normalerweise auch, mir fiel nur das zufällig auf, weil es ganz unten stand.

Laurenz

17. Juni 2022 15:39

@Imagine

Weiß nicht, was Sie uns sagen wollen? Es mag sein, daß es in Deutschland keine stille Mehrheit für die AfD oder konservative Politik gibt. Aber es gibt sie in locker 150 Staaten auf dem Planeten. Die AfD tritt schlicht dafür ein, die Interessen Deutschlands & damit die des Deutschen Volkes vertreten zu wollen, was in den meisten Staaten des Planeten auch so üblich ist. Mit den üblichen linken Anfeindungen, die Sie zitieren, leben wir also quasi auf einem Nazi-Planeten, ganz egal, welche Hautfarbe in welchem Staat auch immer dominant sein mag. Gibt sicher auch schwarze Nazis.

Die politische Realität in Deutschland wurde doch vom Foristen @Umlautkombinat ganz gut geschildert.

Mehrheiten sind doch bei der riesigen Fraktion der Nichtwähler nur hauchdünn, Parteien verweigern oft Machtoptionen. Die CDU in Thüringen, die SPD in 2013 im Bund, die CDU aktuell im Bund. Das alles nur wegen des künstlichen Status der AfD. Daran erkennt man ganz klar eine ziemlich kranke Exrepublik, die es nicht mehr lange macht. Merz könnte, will aber kein Kanzler sein. Was macht er da in Berlin? Maulaffen feilbieten? Das straft auch Ihren Beitrag quasi Lügen. Die sogenannte Mitte-Rechts-Mehrheit sitzt im Bundestag & würde sich in einer Bahamas-Koalition ausdrücken.

ede

18. Juni 2022 00:00

Und, Imagine, „Warum wählen uns so wenige?“

Jetzt aber nicht die naheliegende Antwort, die AfD müsste irgendwie wie Merkel sein.

Imagine

18. Juni 2022 01:48

@Laurenz…17. Juni 2022 15:39
„Es mag sein, daß es in Deutschland keine stille Mehrheit für die AfD oder konservative Politik gibt.“

Genau hier liegt der Fehler.

Richtig ist, dass es in Deutschland keine stille Mehrheit für die AfD gibt.

Falsch ist, dass es keine Mehrheit für konservative Politik gibt. Die Deutschen haben meist konservativ gewählt. Man will das alte Deutschland mit seinem Wohlstand, seiner Rechts- und Sozialstaatlichkeit bewahren.

Aber die AfD ist keine konservative Partei.

Die AfD-Leute framen sich als konservativ, aber die Bevölkerung sieht die AfD nicht so.

Das schlechte Image als nazi-affin und verfassungsfeindlich, wird m.E. die AfD nicht wieder loswerden. Daher hat die AfD m.E. keine Zukunft.

Es braucht etwas Neues.

 

Laurenz

18. Juni 2022 11:36

@Imagine @L.
 

Richtig ist, dass es in Deutschland keine stille Mehrheit für die AfD gibt.

Das spielt doch keine Geige. Die noch-Wählerschaft (ex Nichtwähler) ist extrem volatil.

Man will das alte Deutschland mit seinem Wohlstand, seiner Rechts- und Sozialstaatlichkeit bewahren.

Soll uns/mir recht sein.

Aber die AfD ist keine konservative Partei. Die AfD-Leute framen sich als konservativ, aber die Bevölkerung sieht die AfD nicht so.

Nur ein Teil, mehr als 30%, die Nicht-Wähler interessiert das nicht oder sehen gar keine wählbare Alternative. Das ist mittlerweile die größte Wählerfraktion.

Das schlechte Image als nazi-affin und verfassungsfeindlich, wird m.E. die AfD nicht wieder loswerden. Daher hat die AfD m.E. keine Zukunft. Es braucht etwas Neues.

Das haben Sie nicht verstanden. Jegliche Partei, die es schafft, sich in den nächsten 20 Wahlen in die Parlamente zu kämpfen, wird entweder, wie die Piraten, durch trojanische Pferde von innen zerstört & wenn gar konservativ, als nazi-affin diskreditiert, weil konservativ = Nazi ist. Siehe hier, die Laschet-Nazis:  https://www.achgut.com/artikel/bremer_linksfraktion_weiterbildung_bei_einer_verfassungsfeindin

Jede (neue) konservative Partei muß sich gegen die Hofberichterstattung in Deutschland durchkämpfen, egal ob neu oder fast neu. Das geht nur über die persönliche Betroffenheit der Wähler. Das sollten Sie, als Marxist, doch genau wissen.

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