Ökoterrorismus (1/4): Luisa Neubauer

Keine Angst, Luisa Neubauer wird keine Pipeline in die Luft jagen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Sie wet­ter­te zwar in einer Rede, die sie im Rah­men des “Copen­ha­gen Demo­cra­cy Sum­mit” hielt, gegen den Bau der längs­ten, beheiz­ten Ölpipe­line der Welt in Ost­afri­ka und koket­tier­te mit einem ter­ro­ris­ti­schen Anschlag auf die­se Infrastruktur.

Aber bit­te: Wer ist Lui­sa Neu­bau­er? Sie gilt als die “deut­sche Gre­ta Thun­berg” und ist ein ver­wöhn­ter, rei­cher Teen­ager, der im Kör­per einer Erwach­se­nen gefan­gen ist. Ent­spre­chend ernst soll­te man sie neh­men. Daß Bea­trix von Storch gegen sie Straf­an­zei­ge erstellt hat, ist gera­de­zu rüh­rend und wird eben­so­we­nig Fol­gen haben, wie die erwart­ba­re “Kri­tik”, die nun die Run­de durch die Kom­men­tar­spal­ten macht.

Man­che Kon­ser­va­ti­ve schei­nen gera­de­zu ent­zückt über die­sen “Gotcha!”-Moment zu sein. Alex­an­der Kis­s­ler etwa schrieb in Gast­kom­men­tar für die NZZ, Neu­bau­er habe eine “rote Linie über­schrit­ten” und sich “für jeden demo­kra­ti­schen Dis­kurs dis­qua­li­fi­ziert”. Das ist auch schon alles, was sein müdes J’ac­cu­se her­gibt. Oder glaubt er denn ernst­haft sel­ber an sei­ne Beschwö­run­gen der Gefahr, die den “demo­kra­ti­schen Pro­zes­sen” von klei­nen Mäd­chen mit gro­ßer Klap­pe dräut?

Nie­mand bestrei­tet, dass Umwelt‑, Natur- und Kli­ma­schutz eine zen­tra­le Her­aus­for­de­rung für die gesam­te Mensch­heit sind. Nichts frei­lich ist für den libe­ra­len Rechts­staat, nichts für des­sen Bür­ger gewon­nen, wenn Gewalt als legi­ti­mes Mit­tel der Aus­ein­an­der­set­zung ver­stan­den wird. Die Repu­blik wür­de ero­die­ren, ohne dass dem Kli­ma gehol­fen wäre, soll­te sich Neu­bau­ers Lieb­äu­geln mit dem Atten­tat als gesell­schafts­fä­hig durch­set­zen. Hier ist die infla­tio­när ein­ge­setz­te War­nung, den Anfän­gen zu weh­ren, ein­mal am Platz. (…). Es ist an der Zeit, dass die Bewe­gung selbst und auch ihre Sym­pa­thi­san­ten in den Par­la­men­ten Far­be beken­nen: Wer Straf­ta­ten pro­pa­giert, der ver­lässt den Boden der Republik.

Daß vom mat­schi­gen “Boden der Repu­blik” nicht mehr viel übrig ist, was noch ero­die­ren könn­te, muß ich den Lesern z. B. von Klei­ne-Hart­la­ges Sys­tem­fra­ge wohl nicht näher erklä­ren, und auch nicht, wer für die­se Ero­si­on ver­ant­wort­lich ist  – im Zwei­fels­fall sind es weni­ger Schul­kin­der, die sich von “Fri­days for Future” angeln lie­ßen, als Kon­ser­va­ti­ven­dar­stel­ler wie Kis­s­ler selbst.

“Rebel­len” wie Gre­ta Thun­berg oder Lui­sa Neu­bau­er sind rei­ne Medi­en­phä­no­me­ne, die ihre Bekannt­heit geziel­tem Astro­tur­fing ver­dan­ken. Das aktu­el­le pro­fil (qua­si der öster­rei­chi­sche Spie­gel) lie­fert ein wei­te­res Bei­spiel, indem es auf der Titel­sei­te für eine brand­neue “Kli­ma­ak­ti­vis­tin” namens Lena Schil­ling (21) wirbt, Schlag­zei­le: “Die­se Frau for­dert die Mäch­ti­gen her­aus” (letz­te­ren wackeln gewiß schon die Knie). Nai­ve Hel­den­fi­gu­ren für ein nai­ves Publi­kum, das offen­bar ein Bedürf­nis hat, die­se Mär­chen zu glauben.

Akti­vis­ten ande­rer Art, deren Agen­den den Medi­en­ma­chern miß­fal­len, wer­den hin­ge­gen erbit­tert bekämpft und dämo­ni­siert. Nie­mals wird das pro­fil  einen “Quer­den­ker” oder einen Iden­ti­tä­ren als Hel­den, der “die Mäch­ti­gen her­aus­for­dert”, prä­sen­tie­ren. Wir ken­nen das Spiel zur Genü­ge: wäh­rend lin­ke Grup­pie­run­gen qua­si Nar­ren­frei­heit genie­ßen, wer­den auch noch die bravs­ten und geset­zes­treu­es­ten rech­ten Grup­pen von den Medi­en wie Ter­ro­ris­ten oder Mas­sen­mör­der in spe behandelt.

Weit ent­fernt davon, eine ech­te Oppo­si­ti­on zu sein, haben nicht nur die radi­ka­len Kli­ma­schüt­zer, son­dern die Links­ex­tre­men über­haupt, egal wel­cher Glau­bens­rich­tung, eine sys­te­ma­f­fir­mie­ren­de Funk­ti­on:  Indem sie “radi­ka­li­sie­ren”, was im öffent­li­chen “Dis­kurs” ohne­hin Kon­sens ist, geben sie den Herr­schen­den die Mög­lich­keit, sich selbst als “gemä­ßigt”, “ver­nünf­tig” und jeg­li­chem Extre­mis­mus abhold zu prä­sen­tie­ren (eine ähn­li­che Rol­le spie­len die Zero-Covid-Apos­tel oder die anti­ras­sis­ti­schen Ultras).

So äußer­te Herr Scholz auf dem Katho­li­ken­tag 2022, er füh­le sich an “eine Zeit, die lan­ge zurück liegt” erin­nert, weil er zuvor von ein paar “Kli­ma-Akti­vis­ten” gestört wor­den war, wor­auf ihm das anwe­sen­de Publi­kum angeb­lich “bran­den­den Applaus” (Tichys Ein­blick) spen­de­te.

Die­sen Ver­gleich fand Lui­sa Neu­bau­er außer­or­dent­lich empörend:

Lui­sa Neu­bau­er wer­te­te die Äuße­rung des Kanz­lers als „Nazi-Ver­gleich“. Er rela­ti­vie­re damit die Nazi-Herr­schaft. „Er sti­li­siert Kli­ma­schutz als Ideo­lo­gie mit Par­al­le­le zur NS-Herr­schaft. In 2022. Jesus. Das ist so ein Skan­dal.“ Die Orga­ni­sa­to­ren von Fri­days for Future for­der­ten eine Entschuldigung.

Was war eigent­lich gesche­hen? Gar Schröck­li­ches, das wahr­lich an fins­ters­te Zei­ten unse­rer Geschich­te erinnert:

 Jemand warf dem Kanz­ler vor, er erzäh­le „Schwach­sinn“. Scholz wehr­te sich gegen meh­re­re Stö­rer, die von ihren Plät­zen auf­ge­stan­den und als Akti­vis­ten aus dem Umfeld der Kli­ma­be­we­gung erkenn­bar waren.

Das klingt nun nicht wahn­sin­nig “extre­mis­tisch” oder gewalt­tä­tig, und man muss schon ein ziem­lich dum­mer Kon­ser­va­ti­ver sein, wenn man den Schol­zens auf den Leim geht, weil sie sich aus­nahms­wei­se auch mal gegen lin­ke Grup­pen aus­spre­chen. War­um sol­len Scholz denn  die “roten Lini­en” küm­mern, die Neu­bau­er nach Kis­s­ler über­schrit­ten hat, wenn er sel­ber zu sei­nem Amts­an­tritt ver­kün­det hat, es dür­fe “kei­ne roten Lini­en mehr geben”? 

Damit bezog er sich zwar auf die sog. “Pan­de­mie­be­kämp­fung”, aber sei­ne und Lui­sas Miß­ach­tung “roter Lini­en” fol­gen bei­de der Logik der Aus­nah­me­zu­stan­des, haben also mit der Fra­ge zu tun, wel­che Gefahr vor­liegt, wel­che Mit­tel gegen sie ange­mes­sen sind, und wer über die­se bei­den Punk­te entscheidet.

Jeden­falls soll­te inzwi­schen bekannt sein, dass der BRD-Staat jeg­li­chen Kri­ti­ker sei­ner diver­sen Agen­den mit den “Nazis” ver­gleicht und als “Extre­mis­ten” hin­stellt; hät­ten ihn Coro­na­maß­nah­men­kri­ti­ker oder Iden­ti­tä­re mit Zwi­schen­ru­fen und ande­ren ter­ro­ris­ti­schen Gräu­el­ta­ten “gestört”, die den Boden der Repu­blik ver­las­sen, hät­te Scholz den glei­chen Spruch vom Sta­pel gelassen.

Der Ver­fas­sungs­schutz hat dafür nun die For­mel “ver­fas­sungs­schutz­re­le­van­te Dele­gi­ti­mie­rung des Staa­tes” gefun­den. Im jüngs­ten VS-Bericht steht zu lesen:

Inso­weit ist anzu­neh­men, dass über die Coro­na­pan­de­mie hin­aus auch künf­tig ande­re gesell­schaft­li­che Kri­sen­si­tua­tio­nen von Ange­hö­ri­gen des Phä­no­me­n­be­reichs dazu genutzt wer­den, um staat­li­che Stel­len und poli­tisch Ver­ant­wort­li­che her­ab­zu­set­zen. Hier ist bei­spiels­wei­se eine ver­stärk­te The­ma­ti­sie­rung der poli­ti­schen Maß­nah­men zur Bewäl­ti­gung des Kli­ma­wan­dels durch Akteu­re des Phä­no­me­n­be­reichs in Betracht zu zie­hen. Hier­durch wird einem Ver­lust des Ver­trau­ens der Bevöl­ke­rung in die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des demo­kra­ti­schen Staa­tes Vor­schub geleistet.

Da kommt dem Staat eine “grü­ne Anti­fa” doch wie geru­fen, denn ihr gegen­über kann er sich als der “ver­nünf­ti­ge­re” Kli­ma­schüt­zer insze­nie­ren! Wir haben es im Fall Scholz vs. “Kli­ma-Extre­mis­ten” also mit einem rei­nen Kas­per­le­thea­ter zu tun. Was bedeu­tet das aber für die armen Möchtegern-“Extremisten”?

Boris Kai­ser hat es in der Jun­gen Frei­heit bes­ser gese­hen als Kissler:

Der Pipe­line-Bom­ben-Spruch von Lui­sa Neu­bau­er macht deut­lich: Frei­zeit-Gue­ril­las von der Kli­ma­ju­gend haben ein Pro­blem. Poli­ti­scher Akti­vis­mus war immer mit Abgren­zung gegen­über der Mehr­heits­ge­sell­schaft und mit dem Kampf gegen das bestehen­de Sys­tem und sei­ne Eli­ten ver­bun­den. Das Kopf­schüt­teln der ein­fa­chen Men­schen auf der Stra­ße, die Ver­är­ge­rung der eige­nen Eltern und Leh­rer, der mas­si­ve Gegen­wind des Staa­tes, die nega­ti­ve Brand­mar­kung durch die Pres­se – all das mach­te zu allen Zei­ten vor allem für jun­ge Rebel­len den Reiz ihrer Auf­säs­sig­keit aus.

Wie ent­täu­schend muß es da für eine Genera­ti­on von jugend­li­chen Möch­te­gern-Revo­luz­zer sein, wenn ihr das Estab­lish­ment jeg­li­chen Kon­flikt ver­wei­gert? Ja, schlim­mer noch, wenn ihr die Auto­ri­tä­ten nicht nur nicht ent­ge­gen­tre­ten, son­dern ihr noch auf die Schul­ter klop­fen und das Köpf­chen tätscheln?

Aus die­ser Per­spek­ti­ve wäre der “Schritt hin zur ursprüng­lichs­ten Form des Wider­stands, dem Ter­ro­ris­mus (…) eine der letz­ten Mög­lich­kei­ten, sich aus der unge­woll­ten Umar­mung der ‘lau­war­men’ Kli­ma­ret­ter zu befrei­en.”  Wenn die herr­schen­den Eli­ten, wie man in Davos und anders­wo ver­neh­men kann, einen “grü­nen Kapi­ta­lis­mus” anstre­ben, um das Kli­ma zu ret­ten, dann sind die “Revo­luz­zer” gezwun­gen, eins drauf­zu­le­gen und einen “grü­nen Sozia­lis­mus” oder gar Kom­mu­nis­mus einfordern.

Neu­bau­er hat sich nicht ent­schul­digt und die Vor­wür­fe gegen ihre Per­son schul­ter­zu­ckend abpral­len las­sen. Wofür soll­te sie auch ein schlech­tes Gewis­sen haben? Sie hat nichts geäu­ßert, was nicht ohne­hin schon längst im hie­si­gen Over­ton-Fens­ter beque­men Platz hat; und mit der “Kli­ma­ge­rech­tig­keit” ver­tritt sie eine all­ge­mein akzep­tier­te Agen­da, deren mora­li­sche Legi­mi­tät als unhin­ter­frag­bar gilt.

Auch was die Gewalt an sich angeht, kön­nen wir in letz­ter Zeit einen öffent­li­chen Dis­kurs­wan­del erken­nen: Die Vor­stel­lung, daß Gewalt im Diens­te einer mora­lisch unzwei­fel­haft guten Sache nicht nur erlaubt, son­dern Pflicht ist, ist seit Beginn des russ­sisch-ukrai­ni­schen Krie­ges täg­li­cher Tenor von Poli­tik und Medi­en. Was gegen den “neu­en Hit­ler” Putin recht ist, soll­te gegen den ulti­ma­ti­ven “Nazi” Kli­ma­wan­del, der die gan­ze Mensch­heit holo­caus­ten will, bil­lig sein, n’est-ce pas?

Hin­zu kommt, daß Neu­bau­er auf den Titel eines Buches anspiel­te, das in Deutsch­land im renom­mier­ten Intel­lek­tu­el­len- und Con­nais­seur-Ver­lag Mat­thes & Seitz erschie­nen ist:  Wie man eine Pipe­line in die Luft jagt des schwe­di­schen Kli­ma-Akti­vis­ten Andre­as Malm, Unter­ti­tel: “Kämp­fen ler­nen in einer Welt in Flam­men” (ich stel­le mir gera­de ein Mani­fest von Mar­tin Sell­ner mit dem­sel­ben Unter­ti­tel vor).

Das Buch aus dem Jahr 2021 wur­de in Deutsch­land kri­tisch-skep­tisch, ins­ge­samt aber recht wohl­wol­lend und respekt­voll rezi­piert, dies vor allem: rezi­piert, nicht tot­ge­schwie­gen: im Deutsch­land­funk Kul­tur, im SWR, in den Sci­en­ce­B­logs, im Lite­ra­tur­ma­ga­zin Bre­men, im Euro­pean, Tages­spie­gel und der Süd­deut­schen Zei­tung.

Der Zeit Online gab Malm schon im Juli 2021 ein aus­führ­li­ches Inter­view, und für den Spie­gel durf­te er am 22. Mai die­ses Jah­res gar einen “Debat­ten­bei­trag” schrei­ben, ein­ge­lei­tet mit fol­gen­dem Caveat der Redaktion:

Hun­ger­streiks, Stra­ßen­blo­cka­den, Anschlä­ge auf Pipe­lines: Tei­le der Kli­ma­be­we­gung haben sich radi­ka­li­siert. Der SPIEGEL doku­men­tiert die Gedan­ken­welt dahin­ter mit die­sem Text.

Ted Kac­zyn­ski hat noch Bom­ben legen müs­sen (und dabei drei Men­schen getö­tet), um den Abdruck sei­nes Mani­fests “Die indus­tri­el­le Gesell­schaft und ihre Zukunft” zu erzwin­gen. Da hat es Andre­as Malm wesent­lich bes­ser. Ob blo­ße “Doku­men­ta­ti­on” oder nicht, die Medi­en haben ent­schie­den, daß sei­ne Pam­phle­te (sie­he auch hier und hier) zwar etwas gewagt, aber “dis­kursfä­hig” sind, und zwar nicht nur in Deutsch­land, son­dern auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne.

Inso­fern ist Alex­an­der Kis­s­ler mit sei­ner Sor­ge um den “demo­kra­ti­schen Dis­kurs” und den wan­ken­den “Boden der Repu­blik”  nicht mehr ganz up to date.

– – –

Um Andre­as Malm wird es im 2. Teil mei­ner Ana­ly­se gehen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (20)

t.gygax

20. Juni 2022 10:16

Ob Ted Kaczinsky wirklich drei Leute getötet hat....das ziehe ich nach mehrfachem gründlichen Anschauen des Filmes "Das Netz", den Herr ML dankenswerterweise verlinkt hat, doch sehr in  Zweifel. Es könnte ja auch sein, daß hier ein unbequemer Kritiker zum Schweigen gebracht werden musste. Das ist heutzutage nichts Neues, es passiert doch überall.

kikl

20. Juni 2022 10:23

Die aufkommenden Aktivisten des Klimaterrors sind ein bloßes Schauspiel? Die potentiellen Klimaterroristen sind nur die bad cops im "good cop - bad cop"-Spielchen, mit dem die Öffentlichkeit manipuliert werden soll?

ML: So habe ich das nicht gesagt. Möglicherweise wird die "grüne Antifa" bald eine ähnliche Rolle spielen wie die althergebrachte Antifa im "Kampf gegen Rechts".

Ich halte das für unwahrscheinlich. Denn die "Klimabewegung" würde insgesamt in ein schlechtes Licht gerückt werden, wenn es aus ihren Reihen zu erheblichen Gewaltakten käme.

Mir scheint der zweite Gedanke plausibler. Die Klima-Aktivisten sind einerseits vom Wunsch nach Abgrenzung vom Mainstream getrieben, weil sie sich nur so als "Elite" verstehen können. Die Umarmung durch den Mainstream empfinden diese Narzissten als Herabsetzung auf das Niveau des Normalbürgers.

Schließlich sind diese verbalen Provokationen dazu geeignet, um mediale Aufmerksamkeit zu erringen. Genauso wie die meisten Politiker lechzen sie nach dem Blitzlichtgewitter und dafür ist ihnen so ziemlich alles recht.

Der lauwarme Umgang des Mainstreams mit den sich radikalisierenden "Aktivisten" demonstriert die Scheinheiligkeit und Heuchelei, mit der linke Bewegungen behandelt werden. Hätte auch nur ein Identitärer wie die Antifa-Klima-Linke zu terroristischer Gewalt aufgerufen, dann wäre ein ganz anderer Shitstorm gegen jeden losgetreten worden, der der Kontaktschuld mit Identitären überführt werden konnte. Innenministerin Faeser sonnt sich gleichzeitig ungeniert im Lichte der Antifa, indem sie Antifa-Publikationen mit ihren wortreichen Artikeln bereichert.

RMH

20. Juni 2022 10:48

Als Pamphlet würde ich das, was Ted Kaczynski damals geschrieben hat, nicht bezeichnen.

ML: Es war nicht abwertend gemeint.

Durch die Terroranschläge ist es aber mehr oder weniger nicht mehr zitierbar. Habe es vor vielen Jahren einmal nach dem bekannten Dokumentarfilm "Das Netz" gelesen und kann mich jetzt nicht erinnern, dass mit diesem "Manifest" zur aktiven Gewalt aufgerufen wurde (oder irre ich hier?).

ML: Nein, es enthält keine Gewaltaufrufe.

kikl

20. Juni 2022 10:57

@ML

"So habe ich das nicht gesagt. Möglicherweise wird die "grüne Antifa" bald eine ähnliche Rolle spielen wie die althergebrachte Antifa im "Kampf gegen Rechts""

Gut, dann habe ich es falsch verstanden. Diese Rolle wird die Klima-Antifa vermutlich bald auch übernehmen. Das ist realistisch.

Niekisch

20. Juni 2022 11:00

Das Mädchen möchte ein Rohr in Ostafrika sprengen, wir hingegen werden komplett in die Luft gesprengt, ohne dass sich ernsthafter Widerstand regt.

Phil

20. Juni 2022 11:00

Luisa Neubauer hat einen Scherz gemacht. Kissler instrumentalisiert das auf peinlich durchschaubare Weise. Warum? Vielleicht, um der Energielobby Genüge zu tun oder allgemein aus einer kapitalistischen Abwehrreaktion heraus.

Maiordomus

20. Juni 2022 12:41

In Sachen Tagesanalysen bleibt Lichtmesz  in Sachen formulierungsmässiger Trennschärfe Spitze, und wie mir scheint, nicht nur in diesem Medium. Es wäre  sogar noch eine Spur glaubwürdiger, würde er dem Gegenbeispiel Sellner, der bei analoger Ausdrucksweise in der Tat als Schwerkrimineller denunziert würde, nicht noch persönlich nahe stehen, was zur Anerkennung der Objektivität der Analyse ausserhalb der ohnehin Gleichgesinnten leider nur bedingt beiträgt. Dabei hielt ich selber, bei gewissen Reserven gegenüber Sellner, stets fest, dass sein biographisch je erreichter Extremismus-Koeffizient niemals an denjenigen eines ehemaligen deutschen Aussenministers heranreichte. Würde Sellner diesbezüglich und vor allem in Sachen Integrität, wohl auch intellektuell, ebenfalls über einen ehemaligen österreichischen rechten Vizekanzler, der sich von ihm distanziert hat, einschätzen. Bei Höcke bleibt es dabei, wiederum analog zu Bosselmann, dass Lehrerlaubnis als Gymnasiallehrer politisch für ihn (und in dieser Hinsicht die Bundesrepublik) das bedeutendste freiheitsfördernde Anliegen sein müsste. 

Valjean72

20. Juni 2022 13:30

Folgender Absatz aus dem Artikel ist für mich des Pudels Kern:

Weit entfernt davon, eine echte Opposition zu sein, haben nicht nur die radikalen Klimaschützer, sondern die Linksextremen überhaupt, egal welcher Glaubensrichtung, eine systemaffirmierende Funktion:  Indem sie “radikalisieren”, was im öffentlichen “Diskurs” ohnehin Konsens ist, geben sie den Herrschenden die Möglichkeit, sich selbst als “gemäßigt”, “vernünftig” und jeglichem Extremismus abhold zu präsentieren

Diese linken und klimabewegten Aktivisten treten nur schriller auf und fordern noch drastischere Schritte als es die Mainstream-Politik ohnehin bereits tut.

Es handelt sich also nicht um eine grundsätzliche Opposition zur etablierten Politik, sondern man treibt diese vor sich her, noch krasser, noch radikaler und unumkehrbarer den eingeschlagenen (Irr)-Weg zu folgen. Dies ist natürlich nur möglich durch eine mehr als wohlwollende Berichterstattung der etablierten Medien.

 

MARCEL

20. Juni 2022 13:52

Peter Gelderloos (ein amerikanischer Anarchist) sprach schon vor einiger Zeit davon, dass sich die westlichen Regierungen an die Non-Violence-Strategien ihrer Bürgerrechtsbewegungen längst angepasst hätten und letztlich das Drehbuch und die Rollenverteilung bestimmten.

Gilt auch für Verbal-Onanie à la Neubauer u.a.

Gewaltlosigkeit wie Gewalt sind als Instrumente für das 21. Jhr. gescheitert

Ich denke, Autoren wie Guy Debord (la société du spectacle) oder Jacques Ellul (L'illusion politique) gingen in die richtige Richtung: Ent-politisieren im Sinne einer hartnäckigen, immer wieder erneuerten, durchaus kreativen Verweigerung.

Wurde bei den Corona-Protesten vorexerziert: massenhafte, überzeugte (und überzeugende), durchgehaltene, anonyme Verweigerung.

Nur das imponiert den Mächtigen noch

Gustav

20. Juni 2022 14:00

@ Phil

"....Energielobby.."

Sie wissen aber schon, das unser relativer Wohlstand auf dem Vorhandensein von preiswerter Energie beruht, oder? Und das für jedes Windrad und für jede Solaranlage konventionelle Kraftwerke bereit stehen müssen, um bei Flauten einspringen zu können? Wenn der Kapitalismus, also die ganz normale Wirtschaft, sich einmal nicht mehr wehren kann, wird ihnen die Realität dermaßen in den Arsch treten, das ihnen ihre Ignoranz und Borniertheit nur noch peinlich sein wird....

Gustav

20. Juni 2022 14:11

@ kiki

Es ist das Wesen fanatischer Ersatzreligionen immer extremistischer zu werden. Selbst wenn die Religionsstifter und Priester Gegner eines solchen Exstremismus seien sollten (glaube ich aber nicht), wird es zu Exzessen kommen. Nennen wir es das Gesetz der Horde.Wir werden nicht lange darauf warten müssen. Wetten?

URN

20. Juni 2022 14:14

Nicht einige "Theoretiker" des Ökoterrorismus wie Neubauer und Malm sind ein wirkliches Problem des Alltags. Ein reales Problem sind die mittlerweile bestimmt tausenden  Beschäftigten, die nacharbeiten mußten, weil aktive Ökoterroristen sich mit ihren Handflächen und Ärschen im morgendlichen Berufsverkehr auf die Fahrbahn klebten. Hat man schon von einer Verurteilung im beschleunigten Verfahren gehört (mit der Personalienfeststellung am Tatort der Nötigung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ist der Sachverhalt ausermittelt)? Aber die wenigen Beherzten, die zugriffen und das Pack selbst von der Fahrbahn räumten (autsch, tut weh, also Körperverletzung), bekommen vielleicht ja schneller ein Problem.

Zu verniedlichen gibt es an diesem offensichtlichen Staatsversagen nichts.

Phil

20. Juni 2022 16:14

Die Jugend ist immer radikaler.

Eine brave Jugend, die nicht aneckt und keine "Dummheiten" macht, will man die? Was werden daraus später für Erwachsene? Brave, Angepasste, Unkritische, Manipulierbare. Das sind allgemeine Gedanken, keine Verteidigung von FFF, die wie eine Anhäufung von Mitläufern erscheinen.

@Maiordomus Martin Sellner hängen seine Gegner nach wie vor eine Jugendsünde, einen "edgy" Schabernack an. Als würde man sich nicht weiterentwickeln.

@Gustav Viel mehr als Lobbyismus- und Medienkritik war damit gar nicht gemeint.

kikl

20. Juni 2022 16:22

@Gustav

Ich kann es mir gut vorstellen. Ich male mir nur gerade aus, wie der "Spiegel" oder Frau Faeser den Ökoterrorismus framen wird...

Verzweiflungstat zum Schutz der Frauen und Kinder vor dem Klima-Armageddon?

Notwehr im Angesicht von Klima-Tod und Nazi-Aufmärschen?

Das wird ein Fest der Sprachverdrehung... 

Mitleser2

20. Juni 2022 17:06

@Phil: Ihre Verteidigung der Jugend können Sie sich sparen. Und Neubauer macht "Scherze". Geht's noch? Und auch Lichtmesz sollte aufhören, die Linksgrüntotalitären wie Neubauer, Malm etc. als "Aktivisten" zu bezeichnen. Ich halte es für naiv zu glauben, dass dort keine militante Radikalisierung eintreten kann.

Laurenz

20. Juni 2022 18:37

@Mitleser2

Sehen Sie das doch mit Abstand. ML ist kein Kabarettist, sondern ein journalistischer Analyst. Da kommt zwar, wie bei den guten, unterhaltsamen William-Shakespeare-Artikeln auch Humor auf, aber es ist nicht Sein Genre.

Tim Kellner hingegen, bezeichnet diese jugendlichen Aktivisten besser als jeder andere & zwar mit der Wahrheit. Den nur über überzogene Wahrheit kann man lachen & damit die Welt ertragen. Allerdings ist der Ton der Sendung nix für empfindliche Seelen.

Diese Aktivisten kommen häufig in Kellners Sendungen vor, Luisa Neubauer wird generell nur als Langstrecken-Luisa bezeichnet, weil sie mit 20 Jahren mehr Flugmeilen auf dem Buckel hat, als 1.000 deutsche Omas, die vom WDR als Umweltsäue definiert wurden, obwohl sie Zeit ihres Lebens oft nie ein Mobiltelefon besaßen.

Greta Thunberg wird nur als das ungewaschene Gör bezeichnet.

Wenn ich mit solchen Leuten in die Debatte komme, beende ich die Debatte sofort mit Waschen, Telefon abgeben, aus dem Hotel Mama ausziehen.

Hier die Sendung Tim Kellners vom 17.06.22. Langstrecken-Luischen bei 14:32

https://youtu.be/7ToPX_cupUE

Man beachte die Abos & die Zahl der Aufrufe. Besser als die AfD oder auch andere Parteien.

Imagine

20. Juni 2022 22:47

@Maiordomus    20. Juni 2022 12:41
„Dabei hielt ich selber, bei gewissen Reserven gegenüber Sellner, stets fest, dass sein biographisch je erreichter Extremismus-Koeffizient niemals an denjenigen eines ehemaligen deutschen Aussenministers heranreichte.“

Es geht zum einen um einen politischen Gewalttäter, der offenkundig bei einem Mordversuch mit Molotowcocktails an Polizeibeamten in einem Streifenwagen eine Rolle spielte. Und dessen Auto im Zusammenhang mit dem Mord an Minister Karry benutzt wurde.

Warum und von wem er vor Strafverfolgung geschützt wurde, kann sich jeder seine Gedanken machen.

ede

21. Juni 2022 01:21

Gut, dass ML da auf Wikipedia verlinkt. Ich vergesse unentwegt was Astroturfing bedeuten soll.

Mir stellt sich da die Frage, ob das ein politisches Phänomen der Neuzeit ist, also das Verwirklichen machtpolitischer Ziele, respektive staatlicher Ziele durch verdeckte Initialisierung von Scheingegnern? Gibt es da historische Beispiele?

Jedenfalls lasse ich mir nicht einreden, daß sich tausende Schulklassen an bestimmten Freitagen deutschlandweit spontan an bestimmten Plätzen treffen. Dort finden sich ebenso spontan Spaßmacher ein, die zu schnell zu erlernenenden Körperübungen animieren. Dazu kommen die grundsätzlich auf grauer Pappe handgemalten Spontanplakätchen in streng kindgerechter Sprache.

Die Schulämter haben in einzelnen Fällen etwas von Schulpflicht genuschelt, Sanktionen aber lediglich in Aussicht gestellt.

Danisch hat ja mal zur Rechtsperson FFF geschrieben. Hat auf mich ziemlich kompliziert gewirkt.

Oder haben wir eine Regelungslücke im öffentlichen Recht? Meines Wissens muss Werbung auch als solche gekennzeichnet werden.

"Wahre Dinge sind wie umgekehrt"  [Lao Tse]

 

ede

21. Juni 2022 01:33

Die Frage, die mich in dem Zusammenhang beschäftigt ist, warum die Jugend so müde, so wenig rebellisch erscheint. Sind es zu wenige, sind die Alten zu viele?

Umlautkombinat

21. Juni 2022 09:33

"Die Frage, die mich in dem Zusammenhang beschäftigt ist, warum die Jugend so müde, so wenig rebellisch erscheint. Sind es zu wenige, sind die Alten zu viele?"

Ja, die demographische Komponente gibt es sicherlich. Aber auch Digitales bindet geistige Kraefte und ermuedet sie eben letztlich schon frueh im Leben, wenn man nicht aufpasst. Das ist gar nicht zu ueberschaetzen. Man darf nicht uebersehen, dass es umfassendste Einflussnahme ist, gegen die man da aufgestellt wird. Die allermeisten Erwachsenen durchschauen ebenfalls kaum, an welchen Stellen und mit welchen Mitteln man sie in diesem Gebiet konkret manipuliert. Das wird auch durch abstrakte Anerkenntnis dieser Tatsache ueberhaupt nicht zwingend unterbunden.

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